Quelle: Archiv MG - WESTEN OEKONOMIE ALLGEMEIN - Von der politischen Ökonomie
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NACHRICHTEN VON DER MARKTWIRTSCHAFT
Leadership
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war das Thema des diesjährigen "Internationalen Management-Ge-
sprächs" in St. Gallen, über das die "Süddeutsche Zeitung" unter
dem Titel "Die Kunst des Führens" berichtet. Wie das Thema schon
verrät, redeten die Manager darüber, daß es sie gibt, woraus sich
immer eine schöne Feier machen läßt. Zu diesem Zweck hatten sie
sich ein paar Professoralaffen bestellt, die ihnen umstandslos
bestätigten, daß sie die Größten sind. Dabei wurden folgende Er-
kenntnisse über den Manager - der Sache nach eine bornierte Krea-
tur, die an möglichst viel Kredit zu kommen sucht, um aus den
Lohnarbeitern und auf ihre Kosten maximalen Profit zu schlagen -
geschürft: Fritjof Capra stellte fest, daß "praktisch alle heuti-
gen Wirtschaftsprobleme S y s t e m probleme seien"; der nächste
Professor schob kongenial ein "Plädoyer für g a n z h e i t-
l i c h e s Denken" nach. Gemeinsames Resultat: "Das Ganze ist
mehr als die Summe seiner Teile." Gerade deswegen mußten
natürlich möglichst alle Teile vorgeführt werden, die in der
ganzheitlichen Leader-Person herumliegen. Auf (handverlesenen!)
11 cm Zeitungsspalte kamen zusammen:
- Experimentierfreudigkeit
- Lebenslange Lernbereitschaft
- Spaß, mit Menschen zu arbeiten
- Inspirationsquelle
- Freundlichkeit, aber auch gewisse Distanz
- Mut, Nerven, Gelassenheit
- Sensibilität für Neues, Vorstellungsvermögen
- Kreative Verwertung von Informationen
- Elemente der Askese, Selbstdisziplin
- Ausbildung, Training des Geistes
- Querverbindende Lektüre, Schulung des Gedächtnisses
- Aufgeschlossenheit, Aufopferungsbereitschaft
- Willenskraft
- Peinliches Haushalten mit der eigenen Zeit.
Kein Wunder, daß bei soviel phantastischen Eigenschaften schließ-
lich nur die "Erbanlagen" verantwortlich sein können, denn:
"Höchste Führungskunst ist nicht erlernbar." Das mit der
"pathologischen Seite", die solchen Persönlichkeiten auch zu ei-
gen sein müsse, wollte keiner dahingehend verstanden wissen, daß
sich lauter Größenwahnsinnige versammelt hätten. Im Gegenteil:
Hier saßen die Supermänner des Freien Westens, in deren Erfolg
sich der Anspruch auf Weltherrschaft begründet. Zielstrebig waren
sie nämlich zur "Systemfrage" zurückgekehrt und mußten feststel-
len, daß im Osten ein "ineffizienter Führungsstil" anzutreffen
sei. Heißt: Ein niederer Menschenschlag dort drüben, dem die Lea-
dership-Gene abgehen - ganzheitlich weg damit!
Die Lottoeinnahmen sind rückläufig!
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Wenn das Geld so knapp wird, daß die Leute ihre einzige vernünf-
tige Chance auf Reichtum nicht mehr wahrnehmen wollen, dann ist
das ein alarmierendes Zeichen. Der Hauptnutznießer aus diesem or-
ganisierten Volks(selbst)betrug ist der Staat - und der kann auf
diese Einnahmen unmöglich verzichten. Also "investiert" er:
"Mehr Speck in die Lotto-Falle." (Überschrift in der "Süddeut-
schen Zeitung")
Die Höchstgewinne werden heraufgesetzt, zufällig entsteht ein 15-
Millionen-Jackpot - schon werden die Lottoscheine knapp, weil die
Leute die Annahmeschalter eindrücken.
Die "Bild"-Zeitung weiß, was sie ihrer Kundschaft schuldig ist,
und berichtet ausführlich, daß ein wahres "Lottofieber" ausgebro-
chen ist - damit wäre die Richtigkeit der Sache schon bewiesen.
Damit sich Otto Normalo auch vorstellen kann, welcher Reichtum
ihm da winkt, werden ein paar Übersetzungskunststücke nachgescho-
ben. Soeben gewannen ein "Kaufmann und seine Freundin" über 6
Millionen:
"Dafür können sie sich 6.231 Quadratmeter Land in guter Lage, 415
Golf oder 196 Mercedes Typ 200 kaufen." Oder "350 Schmidt-Vor-
träge oder 1 km Autobahn":
Der Kauf einer Fabrik und der dazugehörigen Arbeitskraft mit an-
schließender Beendigung des Lottospiels wird nirgends erwähnt.
Betrübtes Schweigen auf dem Sargmarkt
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An dem Unsinn, die Verstorbenen mit viel öffentlicher Trauer in
pompöse Särge zu legen und dann die Gräber jahrelang zu pflegen,
verdienen sich die Bestattungsunternehmen dumm und dämlich. Jetzt
haben sie es aber nicht nur mit stagnierenden Sterbezahlen zu
tun, es nimmt auch die Zahl der "ungenannten Bestattungen" zu:
Viele Leute können sich den teuren Budenzauber nicht mehr leisten
und versenken mit städtischer Hilfe ihre Angehörigen anonym.
Der Konkurrenzkampf auf dem Bestattungsmarkt tritt in ein neues
Stadium. "Sarg-Discount-Firmen" tauchen auf und ködern die Toten
mit dem Billigmodell "Dallas" u.a.
"Die etablierte Konkurrenz kocht. Auf einem stagnierenden Absatz-
markt von jährlich 700.000 Särgen ist Unruhe das allerwenigste,
was sie in ihrem stillen Gewerbe brauchen kann."
Und weil ein RIP-Mann für gewöhnlich flüsternd und mit gefalteten
Händen herumsteht, kann er jetzt nicht plötzlich das Wirbeln an-
fangen:
"Die 3.000 Bestatter in der Bundesrepublik können nicht ein ag-
gressives Marketing betreiben für ihr 'Know-how' des Todes...
Diese Sprachlosigkeit lähmt auch die Bestattungsunternehmer."
Zu dumm.
Schattenseiten der freien Marktwirtschaft
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Die Chinesen, auf ihrem Weg in die Arme der Profitmacher, zeich-
nen sich im allgemeinen durch vorbildliche Vertragstreue und
Zahlungsmoral aus. Erste Klagen kommen jetzt von der Firma Medima
(Angoraunterwäsche), die ihren Rohstoff zu 90% aus China bezieht.
Die Angora-Bauern haben nämlich die Aufforderung ihrer Regierung,
auch an private Händler zu verkaufen, zu wörtlich genommen und
glatt höhere Preise herausgeschlagen:
"Wie man in China hören kann, ist es für chinesische Betriebe
häufig interessanter, die Ware an andere Abnehmer zu verkaufen
und damit einen höheren Gewinn für das Unternehmen zu erzielen."
So war das nicht gemeint, werte chinesische Freunde. Ihr macht
euren langen Marsch in die Freie Marktwirtschaft - wir aber legen
dabei die Preise fest! D
Holde Sorgen
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Die Immobilienspekulanten sind irritiert. "Nach drei Jahrzehnten
mit fast automatischem Wertzuwachs" stellen sie besorgte Fragen a
la "Läßt sich mein Haus in Arizona verkaufen?". Was ist gesche-
hen? "Die niedrige Inflationsrate irritiert den Immobilienmarkt."
Die niedrige Inflationsrate animiert andererseits die Anlage in
Wertpapieren. Also nix wie hin. Doch Vorsicht! "Man muß zugeben
daß heute das Geld nicht mehr auf der Straße liegt." Wer es nicht
rechtzeitig aufgehoben hat, macht womöglich einen Verlust: "Soll
ich meinen Goldsparplan mit Verlust auflösen und dafür Bankaktien
kaufen?" Die Lösung: "Ein breit gestreutes Sortiment mit recht-
zeitigen Umschichtungen in die aktuellen Werte ist noch allemal
die sicherste Gewähr für Risikoabstützung und Rendite." Sonst:
"Zinsdifferenzgeschäfte... haben ihre Tücken"; "rückläufiger Dol-
larkurs.. Finger verbrennen"; "Börsenampeln... auf Gelb... dann
auf Rot". Überhaupt sind die Aussichten ganz schlecht:
"Ein Konjunkturrückgang ist wohl in der gesamten westlichen Welt
nach so langer Aufschwungsphase unvermeidlich."
Aber dann steigen ja Gott sei Dank wieder die Immobilien.
Kleintierhaltung und andere Neger
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Auf der Aktionärsversammlung des Nestle-Konzerns wurden Sorgen
laut, die Geschäftsleitung könne mit dem Aufkauf der nordamerika-
nischen "Carnation" einen Fehler gemacht haben. Einige um den Ruf
des Unternehmens besorgte Aktionäre äußerten sich in Erinnerung
an geschäftsschädigende Verlautbarungen, daß Nestle-Produkte eine
nicht unwesentliche Rolle bei einer gewissen Sorte Familienpla-
nung auf dem Schwarzen Kontinent spielen:
"Die meisten Fragen der Aktonäre drückten die Sorge aus, über dem
verstärkten Engagement in Nordamerika könne die Versorung der
hungernden Menschen in der Dritten Welt mit preisgünstigen Grund-
nahrungsmitteln zu kurz kommen. Der Verkauf von Hunde- und Kat-
zenfutter, das zum Produktionsprogramm von Carnation gehört, ver-
trage sich schlecht mit einer solchen Aufgabe."
Vom Vorstand bekamen sie beruhigend zu hören, daß Negerfutter und
Kleintierfutter völlig getrennte Sachen seien:
"Vom Vorstandstisch wurde dem entgegengehalten, daß gerade der
Verbesserung des Lebensmittelangebots in der Dritten Welt ein be-
trächtlicher Forschungsaufwand gelte und daß die Bestandteile des
Kleintierfutters für die menschliche Ernährung völlig ungeeignet
sei."
Beide Seiten waren sich also darin einig, daß das Leben von Mil-
lionen von Nestle abhängig ist. Daß man dafür auch Fischköpfe und
zermahlene Knochen verwenden kann, konnte sich die Moral-Fraktion
offensichtlich gut vorstellen. Der Vorstand seinerseits deutete
an, daß "die Versorgung der Menschen in der Dritten Welt" das
Manko aufweist, daß man ihnen Kleintierfutter ohne Forschungsauf-
wand noch nicht geben kann. Solange an entsprechenden Ersatzpro-
dukten noch gebastelt wird, ist es also die Pflicht eines um Di-
versifizierung bemühten Unternehmens, sich um die Versorgung der
Tiere in aller Welt zu kümmern - die Hunde- und Katzenhaltung ist
ja ausreichend erforscht.
Sozialismus, wie er denen gefällt
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Seit Israel sich den gesamten Südlibanon zur Sicherheitszone zu-
rechtgemacht hat, sind die meisten Wehrdörfer - auch Kibbuzim ge-
nannt - aus der Schußlinie. Der Wehrbauer kann sich ganz seiner
produktiven Tätigkeit widmen, die mittlerweile in gewöhnlicher
industrieller Produktion oder agrarischer Großwirtschaft besteht.
Viele Kibbuzim machen flotte Gewinne - kein Wunder bei diesen ab-
soluten Billiglöhnen. Die Sache rentiert sich so sehr, daß eine
eigens gegründete Finanzierungsgesellschaft eine solide Grundlage
für einen rasanten neuen Kreditschwindel abgeben konnte. Der
Schwindel ist zwar geplatzt, aber den Kibbuzim will niemand einen
Vorwurf machen. Im Gegenteil: Das ist doch mal
"Ein sozialistisches Experiment, das funktioniert". (Überschrift
in der"FAZ")
Ein sozialistisches Experiment ist nämlich immer dann in Ordnung,
wenn die eingesessene Geschäftswelt daran profitiert:
"Die israelischen Kibbuzim sind zu einem außerordentlich erfolg-
reichen Geschäftsimperium herangewachsen. Das einzige sozialisti-
sche oder gar kommunistische Wirtschaftsexperiment, das jemals
funktioniert hat, hat inzwischen - wie Marx sagen würde - soviel
Mehrwert akkumuliert, daß seine Schatzmeister gar nicht mehr wis-
sen, wohin mit dem vielen Geld."
Da lassen sich auch die angeblichen und angeblich so uneiträglich
schrecklichen Seiten des "Sozialismus" goutieren:
"Am wenigsten änderte sich das soziale Axiom: Der Angehörige ei-
nes Kibbuz hat keinen persönlichen Besitz und, theoretisch, keine
persönliche Freiheit. Besitz und Entscheidungen sind Sache des
Kollektivs."
Ja, wenn die Sache so ist, dann ist ein aufgeklärter Bourgeois
doch allemal Anhänger des Kollektivs. Voraussetzung ist freilich,
daß die Mitglieder des Kollektivs solche Idioten wie die israeli-
schen Wehrbauern sind:
"Kibbuz-Mitglieder werden ärgerlich, wenn man ihnen vorhält, wo
die Arbeit nichts kostet (es gibt keinen 'Lohn'), sei es keine
Kunst, ertragreich zu wirtschaften: Ganz im Gegenteil sei die Ar-
beit im Kibbuz teurer als draußen im Lande: Der Kibbuz trage für
seine Mitglieder ja alle Lasten, die draußen der Staat übernehme
- von der kompletten sozialen Absicherung bis zum Schwimmbad."
S o z i a l i s t e n also, die sich gleich umstandslos auf den
Boden der Marx'schen Erkenntnis stellen, daß der Lohn so die Re-
produktion des Arbeiters regelt - inclusive Hygiene! -, daß er
beständig als Ausbeutungsobjekt funktioniert.
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