Quelle: Archiv MG - WESTEN OEKONOMIE ALLGEMEIN - Von der politischen Ökonomie
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Schulden (I)
DAS WUNDER VOM KAPITALISIERTEN GELD
Wenn ein Privatmann einem Freund für den Erwerb eines guten Bu-
ches gutes Geld auslegt, dann hat der Freund bei ihm Schulden.
Wenn einer zur Bank geht und leiht sich Geld für den Kauf von
guten Büchern und Autos, hat er ebenfalls Schulden.
Wenn die Bank das Geld von wildfremden Menschen nimmt und ihnen
dafür Stempel und Unterschrift in die Hand drückt, hat sie Schul-
den.
Und wenn sie mehr als ihre Einlagen verleiht, macht sie schon
wieder Schulden.
Wenn der Staat mehr für Autobahnen und Militär und andere Sozial-
geschichten ausgibt, als er kassiert, macht er Schulden. Und wenn
bei seinen Auslandsgeschäften sowie denen seiner Bürger weniger
hereinkommt als hinausgeht, hat er schon wieder Schulden.
Das alles sollte man tunlichst nicht miteinander verwechseln.
Sonst stellt man sich am Ende haareraufend die bescheuerte Frage:
"Wer soll das bezahlen?", wählt eine Partei, weil sie einem er-
zählt, die Staatsverschuldung wäre für einen guten Bürger uner-
träglich - und am Schluß zerbricht man sich noch den Kopf dar-
über, wie die Länder der "Dritten Welt" ihre Schulden bezahlen
können.
Schulden als Notbehelf
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sind vor allem den Leuten vertraut, in deren Händen das Geld
keine andere Aufgabe erfüllt als die des Zirkulationsmittels.
Ihre Erwerbsquelle heißt Lohnarbeit, und das damit verdiente Ein-
kommen teilen sie sich ein. Für diesen Menschenschlag ist das
Geld in der Tat nur Mittler zwischen dem Einsatz der Arbeitskraft
und dem Kauf von brauchbaren Sachen aller Art. Da sich unter die-
sen Sachen unter dem Gesichtspunkt der Kosten auch größere Broc-
ken befinden, pflegen Lohnabhängige die Tugend des Sparens, die
ihnen die Höhe ihres Lohnes gebietet. Diese Tugend ist auch in
Form von Ratenzahlungen, Bausparverträgen und Handreichungen für
den fälligen Autokauf erlaubt, welche als grünes Band der Sympa-
thie daherkommen. Der zeitliche Abstand zwischen Bedarf und Zah-
lungsfähigkeit kostet dabei einige Märker, stellt also besagte
Tugend auf eine zusätzliche Probe. Wenn die nicht bestanden wird,
besteht das Gesetz auf dem Eigentum, jenem Generalvorbehalt für
Gebrauch und Genuß. So hält eben doch nicht das V e r-
t r a u e n in die "Marktwirtschaft" Einzug, weil die
K o n t r o l l e d e r G e w a l t viel bessere Dienste bei
der Betreuung der gewöhnlichen Armut tut.
Schulden als Geschäftsmittel
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Die Gläubiger, die dem Konsumenten als Nothelfer zur Seite ste-
hen, haben nichts zu verschenken, aber viel zu verkaufen. Sie ha-
ben ihr Geld für Arbeitsplätze in Fabriken und/oder Kontoren aus-
gegeben und bestehen ihrerseits auf ihrem gerechten Lohn. Der
kommt durch den Preis zustande, den sie für die auf merkwürdige
Art in ihren Besitz gekommenen Artikel erzielen. Viele davon,
möglichst alle wollen sie losschlagen. Und dazu möglichst
schnell, was dieser Menschenschlag mit seiner Ader für geschäft-
liche Hektik in der einprägsamen Formel "Z e i t i s t
G e l d" auszudrücken pflegt. Vom Fluß ihrer Einkünfte hängt ja
nicht nur der Erwerb ihrer Lebensmittel ab - darauf können die
sich nicht beschränken -, sondern der Erhalt ihrer
E r w e r b s q u e l l e dazu. Damit die funktioniert, brauchen
sie selbst immerzu Geld, um die Waren nachzukaufen, die für Nach-
schub an Verkäuflichem erforderlich sind. Deshalb bemühen sie
sich auf dem Markt so eifrig um jeden Pfennig zahlungsfähiger
Nachfrage; und bei denen, die mit ihren Artikeln auf sog.
"Endverbraucher" abonniert sind, ist der "Konsumentenkredit" ein
passendes Hilfsmittel, Geld an Land zu ziehen.
Mit dem Problem, ob zur rechten Zeit in den richtigen Händen aus-
reichend Geld für Käufer zur Verfügung steht, sind die
"Produzenten" und Händler freilich auch im Verkehr unter ihres-
gleichen konfrontiert. Und mit den Techniken des
k o m m e r z i e l l e n K r e d i t s beseitigen sie seit
ewigen, Zeiten diese Schranke der Zirkulation, die ihr geschäft-
liches Fortkommen so in Frage stellt. Da Geld f e h l t oder
umgekehrt vorhandenes Geld n i c h t g e b r a u c h t wird,
gilt ihnen als Beschränkung ihrer Möglichkeiten. So wenig ein mit
der berüchtigten Initiative ausgestatteter Unternehmer warten
kann, bis seine Verkäufe genug Bares in seine Hände bringen, um
die fälligen Erneuerungen seines Vermögens vorzunehmen, so wenig
w i l l er zurückgeflossenes Geld unbrauchbar herumliegen las-
sen, bis sein laufender Betrieb dessen Einsatz notwendig macht.
Er nimmt Zahlungsversprechen gegen die Lieferung von Waren an und
beansprucht selbst Kredit beim Kauf. Mit Hilfe der Zirkulation
von Schuldscheinen vermeiden Geschäftsleute eine Senkung der Um-
satzgeschwindigkeit ihres Vermögens, also eine Minderung ihres
Ertrages. Oder, was dasselbe ist, sie ersparen sich den Vorschuß
zusätzlichen Geldes für die Aufrechterhaltung ihres funktionie-
renden Betriebs.
Ihre Schulden verrichten dabei treu und brav alle Dienste, die
man von gutem Geld erwarten kann. Es sei denn, bei einem oder
auch mehreren Unterzeichnern von Zahlungsversprechen kommt nicht
fristgemäß genug Geld zusammen, um die fälligen Schulden zu be-
gleichen. Dann hebt ein gesetzlich geschütztes Eintreiben von
Sachwerten aller Art an, so daß das Vertrauen in den Kredit als
Mittel der kapitalistischen Geschäftemacherei kein Ende zu nehmen
braucht, nur weil es ein Konkurrent nicht erfüllen konnte. Für
Leute, deren Beruf im Geldmachen besteht, sind Schulden nämlich
keine Last, sondern ein H e b e l i h r e r B e r e i-
c h e r u n g.
Schulden als Geschäftsartikel
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Dieser Umstand hat einen Menschenschlag von dem üblen Leumund er-
löst, der ihm in den ganz frühen Tagen der "Marktwirtschaft" von
Martin Luther und anderen Moralisten gerechten Besitzes angehängt
worden war. Mußte sich ein W u c h e r e r, wie der Name schon
sagt, noch den Vorwurf gefallen lassen, sein Umgang mit Geld be-
ruhe auf der schamlosen A u s n ü t z u n g d e r N o t ande-
rer Leute, die zur Erhaltung ihres Vermögens angesichts eines
brutal mit ihnen umspringenden Handels nicht in der Lage waren,
so gilt ein B a n k i e r in der fertigen "Marktwirtschaft" als
rundum feiner Max. Er schafft sogar selber Arbeitsplätze und kann
sich rühmen, einem g e s e l l s c h a f t l i c h e n
B e d ü r f n i s zu willfahren. Banken sind Dienstleistungsbe-
triebe, die der Tatsache Rechnung tragen, daß mit Krediten gute
Geschäfte gemacht werden. Und wenn sie selbst dabei die eine oder
andere Milliarde abstauben, so verdienen sie das ebendeshalb,
weil sie ja anderen die Möglichkeit ihrer (gesteigerten) Ver-
dienste sichern.
Das Bedürfnis nach Kredit in der Geschäftswelt, in der jeder be-
müht ist, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Kapital gewinn-
bringend umschlagen zu lassen, findet nämlich nicht automatisch
auch bei den unmittelbaren Geschäftspartnern seine Befriedigung,
mit denen eine Firma zu tun hat. Die Schuldschein-Ausstellerei
hat im Gelingen der Geschäfte derjenigen ihre Schranke, mit denen
so ein Unternehmungsgeist gerade handelt. Und wenn die sich - als
Verkäufer - keinen Zahlungsaufschub leisten mögen oder - als Käu-
fer - nicht rechtzeitig zahlen können, sieht sich selbst ein
"gesundes" Unternehmen mit "Liquiditätsschwierigkeiten" konfron-
tiert. Es hat dann gar nichts davon, daß erzielte Rückflüsse gut
in eine Produktionserweiterung mit guten Marktchancen investiert
worden sind. Laufende Verpflichtungen, Lohnzahlungen wie Strom-
rechnungen, wollen erledigt sein, so daß sich nach Krediten in
der übrigen Geschäftslandschaft umgesehen werden muß. Hier hilft
die Bank.
Ihre Geschäftsmittel stammen aus den flüssigen Geldern, die sich
im Umsatz von Geschäftsleuten vorübergehend ansammeln, sowie aus
den Spargroschen von jedermann. Dieses Geld, für das die Bank
Zinsen zahlt - ein erster Hinweis auf das oberste Bankmotto:
"J e d e r P f e n n i g G e l d i s t K a p i t a l,
s i c h v e r m e h r e n d e s G e l d!" -, verwendet sie für
die Stiftung des gesellschaftlichen Bedürfnisses nach Kredit. Für
ein paar Prozente mehr schafft sie sich eine K u n d s c h a f t
v o n S c h u l d n e r n, sei es, indem sie Wechsel diskon-
tiert, also gegen Zinsen dem mit einem Zahlungsversprechen herum-
laufenden Geschäftsmann zu tatsächlicher Zahlungsfähigkeit ver-
hilft, sei es, indem sie auf eine der vielen technischen Weisen
G e l d v e r l e i h t. Die unübersehbare Gleichung, die jede
Bank wahr macht, lautet also andererseits: "S c h u l d e n
s i n d G e l d!"
Dieser schwunghafte Handel mit Schulden beruht auf dem Interesse
a aller Geschäftsleute, einerseits keinen Pfennig "untätig" her-
umliegen zu lassen, andererseits stets "liquide" zu sein. Banken
gewähren dem Geschäftsmann die ersehnte U n a b-
h ä n g i g k e i t von den Konjunkturen ihrer Markterfolge,
aber erstens gegen Geld und zweitens um den Preis ihrer
A b h ä n g i g k e i t v o n d e r B a n k. Den Beweis, daß
sich die Aufnahme eines Kredits für sie wirklich lohnt, müssen
die Industriellen und Kaufleute schon selbst durch ihren Ge-
schäftserfolg antreten. Denn die Banken emanzipieren sich zwar in
ihrer gewinnbringenden Verleihpraxis von den ihnen zur Verfügung
stehenden Depositen, achten aber um so genauer auf die zur Verfü-
gung stehenden Sicherheiten bei ihren Kunden. Wenn es denen nicht
gelingt, mit Hilfe von Krediten ein Geschäft aufzuziehen, so
macht die Bank die Gleichung Schulden = Geld eben zu ihren Gun-
sten wahr - und nimmt für ihren Kredit das Eigentum der Klientel
an sich. Während die Banken in ihrer Geschäftigkeit mit der Auf-
blähung des f i k t i v e n K a p i t a l s rücksichtslos ge-
gen den wirklichen Geschäftsgang vorgehen, überlassen sie die
Feststellung, welche Schulden an welcher Stelle zwar als Kapital
angelegt werden, aber nicht als solche wirken, dem Gang der Kon-
kurrenz. Des Bedarfs sicher, der in der Geschäftswelt nach ihrer
Dienstleistung besteht - schließlich wollen sich die Herren Fa-
brikanten mit Schulden ihre Erweiterungen und Rationalisierungen
finanzieren, die ihnen das größere Stück vom "Marktkuchen" brin-
gen -, fungieren Bankers gerne als Gläubiger. Ihre Ware ist ein
unverzichtbares Geschäftsmittel, so daß sie sie besten Gewissens
zum Geschäftsartikel ihrer Unternehmung machen dürfen. Im übrigen
handeln sie viel weniger mit dem Geld als mit den Schulden ande-
rer Leute.
Ihren Klassenbrüdern von der Produktionsfront halsen sie aller-
dings mit ihren Konditionen eine ständige Berechnung auf: "Wie
beweise ich durch den Umfang meines Vermögens und durch den Gang
meiner Geschäfte, daß ich kredit w ü r d i g bin?" Kein Wunder,
daß da immer wieder einmal der Übergang vom ehrlich mit Schulden
erwirtschafteten Gewinn zum unehrlichen Schwindel stattfindet.
Wild ist der Westen, schwer ist der Beruf!
Und dem Staat, der an all dem sein Wohlgefallen hat, beschert die
Konkurrenz zwischen Geldkapital, das hauptsächlich in Gestalt von
mehreren Schuldtiteln seine Werke tut, und produktivem Kapital
auch eine neue Aufgabe. Die Sache will beaufsichtigt sein, damit
nicht übereifrige Banken durch ihren B a n k r o t t den ganzen
schönen Kreditüberbau kaputtmachen und das Vertrauen in "die
Wirtschaft" zerstören, für das sie als zentrale Vermittlungs-
stelle von Schulden zuständig sind. Für die eventuelle Zufrieden-
stellung der Gläubiger, die sich die Bank schafft, muß sie schon
eine Mindestreserve haben. Sonst sind nämlich im Nu die Schuld-
scheine, deren Annahme sie garantiert, kein anerkanntes Kaufmit-
tel mehr. Dieses mit der B a n k n o t e entstehende Risiko hat
es dem Staat letztlich ratsam erscheinen lassen, die Ausgabe von
Krediten, die garantiert wie Geld funktionieren, in die eigenen
Hände zu nehmen. Hinter Kreditzeichen des Staates steht eben des-
sen G e w a l t - und die ist allemal etwas Handfesteres als das
Versprechen von Zinsenschauflern.
Exkurs: Kapital ist Kredit - oder: Vom Wert gewisser Papiere
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Wo das Bedürfnis nach Kredit jedem Geld einbringt, der welches
übrig hat, betrachtet niemand ein Geldvermögen danach, was man
für es kaufen kann. Es ist ja Einkommensquelle - und für seinen
Gebrauch als solche ist es ziemlich egal, wo die Verzinsung her-
kommt. Nicht egal dagegen ist es, wieviel man für die Anlage sei-
nes Vermögens kriegt. Unter diesem Gesichtspunkt vergleichen ver-
mögende Leute die Alternativen, welche "der Markt" und "die Ban-
ken" bieten. Dieses Angebot ist mit der A k t i e um eine kapi-
talistische Schönheit erweitert worden. Aus der Not, daß sich an-
gesichts der Konkurrenz viele Geschäfte nur ab einer bestimmten
Größenordnung rentabel betreiben lassen, haben findige Burschen
eine Tugend gemacht: Wozu ihr eigenes Vermögen nicht reicht, das
ist immerhin durch den Zusammenschluß mehrerer Kapitalgeber zu
machen; die müssen sich lediglich zu dem Betrieb, der ihnen teil-
weise gehört, wie Kreditgeber verhalten. Dann wird ihr Geld inve-
stiert, und sie erhalten als Anteilseigner einen am Geschäftser-
folg bemessenen "Zins". Freilich ist die Sache damit noch lange
nicht erledigt.
Einerseits erwachsen den Aktionären P f l i c h t e n, welche
sich auf die erfolgreiche Führung des Geschäfts erstrecken. So
sorgen sie als Eigentümer für die Bestückung der Firmenleitung
mit einem Management, so daß jedermann sieht, wie wenig ihr Ge-
winn mit irgendeiner Leistung zu tun hat. Und sie verzichten auf
den künftigen Zugriff auf ihr eingebrachtes Vermögen, da das
Funktionieren der Firma eben nur gewährleistet ist, wenn ihr Ka-
pital mitwirkt.
Andererseits haben sie im Reich der Freiheit weiterhin das
R e c h t, mit ihrem Vermögen nach bestmöglicher Rentabilität zu
streben. Wenn sie ihr Geld anderweitig arbeiten lassen wollen,
dürfen sie ihren Anteil veräußern, so daß an ihrer Stelle ein an-
derer Teilhaber einsteigt.
Die Kunst, für ein Vermögen, das längst ausgegeben ist - für An-
schaffungen der Firma nämlich -, auch noch Geld zu kriegen, ver-
dankt sich einer Berechnung, die einen staunen läßt. W e i l
der Aktienbesitzer einen Anrechtschein auf soundsoviel % der von
ihm zur Verfügung gestellten Summe hat, und w e i l jede Geld-
summe als Kapital, also als Anrecht auf einen Gewinn gilt, ist
die Urkunde Geld wert. Und zwar soviel, wie man Geld haben müßte,
um denselben Gewinn zu machen. Der prozentuale Ertrag des Nenn-
werts einer Aktie, der Summe, die ihr Inhaber ursprünglich beige-
steuert hat zur Aktiengesellschaft, wird mit den Zinsen, welche
sonstige Geldanlagen bringen, verglichen - und siehe da, das Pa-
pier steigt und fällt in seinem - gar nicht vorhandenen - Wert.
Ganz zu schweigen von den Gesetzen von Angebot und Nachfrage, die
sich aus den Vorlieben für sichere Papiere ergeben und sehr gerne
die Bewegung der Dividende übergehen.
Und noch mehr staunen macht einen der Tatbestand, daß das Ver-
trauen in Papiere, die längst verausgabtes Geld vorstellen, so
weit geht, daß man sie beleihen kann, also K r e d i t mit ih-
nen kriegt. Banken kaufe sie nicht nur gern und werden so zu Mit-
Eigentümern aller wichtigen Unternehmen der Nation; sie nehmen
sie auch als Sicherheit. Der Staat regelt die ordnungsgemäße Ab-
wicklung dieses Schwindels, so daß manche fiktiven Eigentumstitel
gleich an fünf Stellen so gut wie Geld sind...
Schulden als Staatsaktion
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Der Staat schützt seine Ordnung und auch sonst alles, was ihm
lieb und teuer ist. Dafür braucht er Geld, und zwar zum schlich-
ten K a u f all der Güter, von den schönen Künsten bis zur Ver-
teidigung. Zu diesem Behuf sahnt er Steuern ab, die seinen sehr
unterschiedlich bemittelten Bürgern auch unterschiedlich zu
schaffen machen. Wenn das Geld nicht reicht, verschafft er sich
zusätzliches - durch seine V e r s c h u l d u n g. Höchstförm-
lich verkauft er Schuldscheine, festverzinslich, und mischt kräf-
tig in der Vermehrung von Eigentumstiteln mit, deren Gültigkeit
er mit seiner hoheitlichen Gewalt allein garantiert. Während
seine Schulden die Angebotsbreite des Geld- und Kapitalmarkts
vergrößern und eine solide Basis für die Erweiterung des Kredits
abgeben, gibt er das an Land gezogene Geld aus und sorgt für
"Liquidität" bei allen, wo er Kunde ist. Die Rückzahlung seiner
Schulden vollzieht er durch erneute Manöver derselben Art und be-
steht darauf, daß diese komplizierte Art des Gelddruckens etwas
ganz anderes sei.
Der Staat unterhält auch eine Bundesbank. Zum Schutze der freien
Konkurrenz vor ruinöser Geldschöpfung durch Geschäftsbanken hat
er dieser Behörde das Monopol der Banknotenemission übertragen,
und zur Beförderung des Geschäfts hat er ihr die Aufgabe zuer-
kannt, die Kreditversorgung seiner "Wirtschaft" zu gewährleisten
sowie Geldpolitik zu treiben. Und was leistet er durch die fach-
männisch-konjunkturpolitische Festlegung von Diskont- und Lom-
bardsatz? Er garantiert eben die Versorgung seiner "Wirtschaft"
mit allen Arten von Kredit und Geld, nach denen diese ein Bedürf-
nis anmeldet. Die Ersetzung von Geld durch Kredit ist ihm nicht
nur selbstverständlich, sondern auch der Ausgangspunkt in allen
Angelegenheiten, wo er sich am Reichtum der Nation bedient. Sooft
er sich mit "Kaufkraft" ausstattet, tut er es durch die tatkräf-
tige Aufblähung des Kredits, um dessen gedeihliche Benutzung er
die tüchtigen Geschäftsleute der Nation konkurrieren läßt. Und da
diese die ständig erweiterte Zahlungsfähigkeit für ihren Gewinn
ausnutzen und kundig ihre Bilanzen um einige Mark aufbessern, um
neue Geschäfte damit zu veranstalten, kann er erst einmal zufrie-
den sein. Seine Garantie, eine immer größere Anzahl von Kredit-
zeichen als Geld verwenden zu lassen, bewährt sich. Er hat eine
W ä h r u n g, in der sich nicht nur alles messen und berechnen,
sondern auch Wachstum erzielen läßt. Insofern l o h n t sich
sogar - s e i n e V e r s c h u l d u n g.
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