Quelle: Archiv MG - WESTEN OEKONOMIE ALLGEMEIN - Von der politischen Ökonomie


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 8, 01.02.1984
       
       Auch ein Argument zum Frieden:
       

KRIEG SCHÄDIGT KAPITALISMUS

Prof. Dr. Ulrich ALBRECHT: "Grundlegende Zusammenhänge zwischen Rüstung und Wirtschaft": Herr Professor Dr. ALBRECHT wies in seinem Vortrag im Rahmen der Reihe "Wissenschaft und Friedenssicherung" nach, daß als "Stimulans der Konjunktur die Rüstung nicht besonders geeignet ist". Herr ALBRECHT hat eine Entdeckung gemacht, daß nämlich Rü- stungsproduktion für das Kapital unproduktiv ist, so sehr auch von Staats wegen betraute Kapitalisten daran verdienen mögen. Er hat fast gemerkt, daß überhaupt die Politik unproduktiv ist. Sich aber nicht darum zu kümmern, warum diese Kosten dauernd aufge- bracht werden, ist schon ein interessanter Standpunkt. Wenn man nämlich meint, der Staat würde nicht wegen der Kriegsmittel keine Kosten scheuen, sondern den Maßstab des Kapitals unnötigerweise verletzen, einen Kalkulationsfehler begehen, dann kann man ge- trost die Rüstung in die Rubrik 'Unkosten der Wirtschaft' einord- nen. Denn das ist wahr: Um Autos zu bauen, braucht man nicht erst Raketen herzustellen. --------------------------------------------------------------- Prof. ALBRECHTs erstes Beispiel für die ökonomische Untauglich- keit der Rüstung für die Wirtschaft war, daß der "Technologiebeitrag der Rüstung für die restliche Industrie zwar im Einzelfall mal vorhanden sein könnte, aber zu überhöhten Ko- sten" führt. "Selbst Teflonpfannen stammen nicht aus dem Welt- raum." Na klar, läßt sich alles ohne die Militärforschung entwickeln. Jede Pershing ist doch selbst der beste Beweis dafür, was alles möglich ist. Da könnte einem schon der Verdacht kommen, daß der 'Kostenbeitrag' zur Rüstung gar nicht für etwas anderes geleistet wird als eben für sie selbst. Und selbst wenn die Militärfor- schung einen größeren Technologieabfall für die zivile Abteilung hervorbringt, wäre dann ihr Zweck, Kriege führbar zu machen, und ihr Produkt, Kriegsmittel, respektabler? Vielleicht kommt es im Kapitalismus mit seiner demokratischen Herrschaft ausnahmsweise bei den Kriegsmitteln auf die Qualität, auf den G e b r a u c h s w e r t der Rüstungsgüter an? Viel- leicht wäre ohne ordentliche Gewaltmaschinerie, flotte Panzer usw. die Vergrößerung des nationalen Reichtums, die Vermehrung des T a u s c h w e r t s nicht zu haben? Man sollte doch bes- ser den Auftraggeber und Käufer der Waffen unter die Lupe nehmen, statt sich Sorgen um den ökonomischen Nutzen seiner Kosten von seinem Standpunkt aus zu machen. Zu teuer sind für ihn nämlich nicht die Raketen, sondern die Arbeitslosen, weswegen er sich die einen leistet und den anderen ein Sparprogramm verpaßt. Für ein Beschäftigungsprogramm braucht -------------------------------------- man keine Rüstungsindustrie. ---------------------------- "Die Rüstungsarbeitsplätze sind kapitalkostenintensiv und quali- fikationsintensiv". Prof. ALBRECHTs Beweise, wofür man die Rüstungsindustrie nicht gebrauchen könne, machen aber nur Sinn, wenn man unterstellt, Rü- stungspolitik bräuchte im Kapitalismus nicht notwendig auch Rü- stung zu sein; wenn man das meint, erscheint einem auch das zweite Beispiel plausibel: Bloß hat der Staat auch nicht Panzer bestellt, um Arbeitsplätze zu schaffen. Nicht Arbeitsplätze, sondern die Kampfkraft der Ar- mee soll gesichert werden. Darüber hinaus genehmigt der Staat Waffenexport wegen des Geschäfts. Und nicht "wegen 40.000 Ar- beitsplätzen macht die BRD Export mit Rüstungsgütern", Herr Prof. ALBRECHT! Außerdem zeichnet sich durch dieses Faktum die zivile Abteilung der Produktion ebenso aus, was für diejenigen, die da- von abhängig sind, daß Gewinn gemacht wird, um überhaupt leben zu können, modern gesagt: daß sie "Beschäftigung" haben, auch nicht zivilere Züge annimmt. Man sollte sieh nicht um ein Besehäftigungsprogramm, das wegen der Rüstung nicht stattfindet, Sorgen machen, wo ein Rüstungspro- gramm vom Staat ins Werk gesetzt wird, das die Beschäftigten nicht nur zur Lohnarbeit zwingt, sondern auch noch zum Kriegs- dienst. Ein Rüstungsprogramm ohne seine Konsequenz ------------------------------------------ - die Gewaltmittel - ist eben nicht zu haben. Es ist leider nicht "historisch", daß man "zur Koloniennahme in Afrika zum Beispiel Gewaltmittel brauchte, heute aber nicht mehr Kapitalismus und Rüstung zwanghaft zusam- mengehören." Als ob für die Sicherung von auswärtigen Interessen, die immer die westlichen Interessen sind nicht genauso viel Gewalt - ja mehr - erforderlich wäre wie für die Eroberung eines Stücks Süd- amerikas oder Afrikas. Wie kommt Herr ALBRECHT eigentlich zu sei- ner guten Meinung vom - eigentlichen, vernünftig kapitalistisch kalkulierenden - Staat, dessen Herrschaft ohne Gewalt nach innen oder außen zu haben wäre? Wie kommt er darauf, daß er - eigent- lich - für Produktivität da sei, wenn er nicht so "in seine Rü- stung verstrickt" wäre, daß für die Wirtschaft nichts mehr übrig bliebe? Nun ist Herr ALBRECHT so bescheuert auch nicht, daß er sich einen Staat ohne Rüstung ernsthaft vorstellt. Er möchte viel mehr sei- nen Unwillen gegen allzu viel Rüstung zum Ausdruck bringen. Aber nicht als Kritik der Tötungswerkzeuge und der Macher, die sie an- schaffen und befehlen, sondern mit dem Nachweis ihrer Kostspie- ligkeit für die Wirtschaft, also vom Standpunkt des Staates aus, den er kritisiert. Das soll wohl den Verantwortlichen eher ein- leuchten, als einfach der Unwille über den Gewaltapparat des Staats, weil es so konstruktiv daherkommt. Eine kapitalistisehe Wirtschaft, die mit nur ziviler Produktion Arbeiter ausbeutet und entläßt, wäre das ihr mittelfristiges Eden auf Erden, Herr ALBRECHT? zurück