Quelle: Archiv MG - WESTEN OEKONOMIE ALLGEMEIN - Von der politischen Ökonomie
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ALLES ÜBER DIE INFLATION
Inflation gibt es überall und gab es schon bei den alten Römern.
Monatlich kann man den Medien entnehmen, um wieviel Prozent sie
wieder gestiegen ist, und täglich, wie energisch die gesamte Welt
der Politik sie "bekämpft". Inflation ist nämlich "schädlich",
strenggenommen eigentlich das Übel, weil sie angeblich jedem den
Spaß an so feinen Sachen wie Lohn, Gehalt, Erlösen und Steuerein-
nahmen etc. verdirbt. Die "Erklärungen" der Inflation gipfeln
dementsprechend in dem Bild vom Drachen. "Schleichend", "trabend"
oder "galoppierend" verschlingt er das mühevoll verdiente Geld,
um es hinten in verkleinerten, wirkungsloseren Päckchen wieder
von sich zu geben. Als urzeitliches Untier gehört Inflation ei-
gentlich überhaupt nicht in die moderne Landschaft: Eine Störung
oder Entgleisung einer "modernen Ökonomie", in einem Wort, ein
"Rätsel".
Dabei ist die Erklärung der Inflation noch immer das, was am Bil-
ligsten zu haben ist. Um die Einsicht, daß die Welt des Geldes
und Kredits, der Sparkassen und Rentenmärkte, der modernen Staa-
ten und ihrer unternehmungsfreudigen Geschäftsleute ohne Infla-
tion überhaupt nicht zu haben ist, kommt man dabei allerdings
nicht herum.
Aufgeblähte Preise
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Mit Inflation werden schlicht und einfach "Preissteigerungen" ge-
meint, wenn sie nur "allgemein" und "dauerhaft hoch" ausfallen.
Ebenso weiß jeder, daß eine Preiserhöhung das Werk der Unterneh-
mer ist. Und jedem ist bekannt, daß die Geschäftsleute ihre
Preise immer dann gerne erhöhen, wenn es die Nachfrage und die
leidige Konkurrenz nur erlaubt. Die entscheidende Frage bleibt
aber offen: Warum überall Preiserhöhungen
d u r c h s e t z b a r sind und woher - wenn schon der Hinweis
auf eine "zusätzliche Nachfrage" fällt - diese kommt und was sie
angeblich so eigenartig macht.
Allgemeine Preissteigerungen kämen überhaupt nicht zustande, wenn
jedes kaufwillige Mitglied der Gesellschaft nur auf das Geld ver-
wiesen bliebe, das es seinerseits aus dem Verkauf von Waren oder
der eigenen Arbeitskraft verdient hat. Selbst wenn es einem Ver-
käufer gelänge, seine Preise zu erhöhen, mehr Zahlungsfähigkeit
auf sich zu ziehen, so fehlte diese woanders. Sosehr der eine
einen Spielraum für Preiserhöhungen entdeckt und benützt, bei an-
deren fehlte er. Allgemeine Preiserhöhungen setzen also eine Zah-
lungsfähigkeit voraus, die das in der Gesellschaft vorhandene
verdiente Geld bei weitem übersteigt. Nur, woher soll es kommen?
Und wer verfügt über diese Potenz? Für wen ist ein K r e d i t
wirklich das Mittel, unabhängig vom eigenen Einnahmen oder den
geschäftsmäßigen Erlösen Nachfrage auszuüben?
Für Arbeiter sicher nicht. Denn deren Zahlungsfähigkeit wird
durch einen Kredit zwar im Augenblick erhöht, aber nur, um sich
im nächsten Monat durch Ratenzahlung und Zinsen mehr als entspre-
chend wieder geschmälert zu sehen. Der Kredit war für den Konsum
bestimmt und muß deswegen aus den gleichbleibenden Mitteln für
ihn auch wieder beglichen werden.
U n t e r n e h m e r nehmen Kredit für Geschäfte, aus deren Er-
trag er beglichen werden soll; er soll sich rentieren. Sie
k ö n n e n sich von ihrer wirklich vorhandenen Zahlungsfähig-
keit, ihren Erlösen, oder ihrem Vermögen mit Hilfe des Kredits
emanzipieren, weil sie Besitz, also Kreditsicherheit haben. Und
sie b e n ü t z e n diese Möglichkeit, weil die Wahrnehmung ei-
ner Geschäftschance, die Aussicht auf Vermehrung ihres Eigentums
schließlich nicht durch das wirklich vorhandene Geld begrenzt und
verhindert werden darf. Und je besser die Geschäfte laufen, umso
heftiger benützen sie ihren Kredit - vom Wechsel über Bankkredit
bis zur Ausgabe von Aktien - um zu rationalisieren, zu erweitern,
sich anderswo zu beteiligen etc; umso mehr treten sie sich selbst
als Nachfrager gegenüber, erweitern sich ihre Preiserhöhungs-
spielräume und nutzen sie.
Im Boom steigen eben die Preise. Aber weil jeder gerade durch die
Benützung des Kredits sicherstellen will, daß die erweiterte
Nachfrage durch die eigenen Produkte "versorgt" wird, die machba-
ren Dollars also in die eigene Tasche fließen, produzieren sie
allesamt mehr als letztendlich zu rentablen Preisen verkauft wer-
den kann. Die Rückflüsse stocken, die Kredite können nicht be-
dient werden. Die Zahlungsunfähigkeit des einen zieht die des an-
deren nach sich. Nachfrage fällt aus und Preise werden gesenkt,
um die nötige Entwertung des sich nicht rentierenden Kapitalvor-
schusses in Grenzen zu halten, also den lieben Konkurrenten auf-
zuhalsen. In der Krise fallen eben die Preise.
Damit aus dieser geschäftsüblichen Preisgestaltung wirklich ein
"dauerhaft hohes Preisniveau" wird, damit neben diesen konjunktu-
rell verlaufenden Preisschwankungen so was wie Inflation ent-
steht, braucht es also schon einen dritten Akteur, der sich des
Kredits bedient, den Wechsel aber niemals platzen; der seinen
Kredit nicht von einem ökonomischen Erfolg abhängig macht, weil
er ihn dafür auch gar nicht benützt.
Geldfälscherei von gestern...
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Welche "Rolle" der Staat bei der Inflation spielt, ist jedem zu-
mindest andeutungsweise klar, - wenn es um v e r g a n g e n e
Tage geht.
Damals, als das Geld noch die Form von Gold- und Silbermünzen
hatte, hieß Inflation auf hochdeutsch einfach "Betrug". Die Für-
sten, die sich das Prägerecht reservierten, verwendeten für die
metallische Substanz dieser Münzen einfach weniger Gold bzw. Sil-
ber als der Name der Münze - ursprünglich meist eine Gewichtsbe-
zeichnung - versprach. Schließlich wollten sie bei ihrer Gesell-
schaft einkaufen gehen, und zwar in größerem Umfang, als ihre ei-
genen Einkünfte aus Goldminen, Raub und anderen steuerpolitischen
Schandtaten ihnen erlaubt hätten. Den Trick dieser Geldvermehrung
merkte natürlich jeder. Reinbeißen genügte. Die Verkäufer von Wa-
ren hielten sich angesichts dieser Geldentwertung natürlich
schadlos. Und zwar schlicht dadurch, daß sie statt einem Täler
gleich zwei verlangten.
Und heute? Zwar haben "unsere" Staatenlenker ihre Verantwortung
für Krieg, Ruhe und Ordnung um ein paar Bereiche erweitert, aber
die Wahrnehmung dieser hoheitlichen Aufgaben, die Anschaffung von
Panzern, Polizei, Professoren und Rentnersammellagern pflegen sie
ebensowenig wie ihre feudalen Vorgänger vom Umfang der Mittel ab-
hängig zu machen, die ihnen ihre Gesellschaft per Steuer zur Ver-
fügung stellt, weil sie muß. Aber als Betrug darf man die moderne
Variante zur Geldfälscherei nicht mehr bezeichnen, - wohl deswe-
gen, weil am heutigen Geld überhaupt nichts mehr zu entwerten, zu
fälschen ist. Den Ausgangspunkt der alten Geldfälscherei - die
Trennung der Wertsubstanz Gold vom Geldnamen - hat ein moderner
Staat nämlich weit hinter sich gelassen. Sein Geld, zum größten
Teil Banknoten, besitzt so gut wie keinen Materialwert mehr. Al-
lenfalls in Kindermagazinen und Rätselecken wird die Frage nach
dem Materialwert eines Fünfmarkstückes aufgeworfen und dann als
Kuriosität zum Besten gegeben, daß es "in Wirklichkeit" bloß we-
nige Pfennige, ein Pfennigstück dagegen deren drei wert sei. Den
Wert der DM vergleicht heutzutage niemand mehr mit ihrer metalli-
schen Substanz, einfach deswegen, weil der Staat diesen Vergleich
durch die "Aufhebung der Einlösungs- und Deckungspflicht" (Gesetz
vom 4.8.1914) v e r b o t e n hat. Der (fälschbare) Wert ist
durch G e w a l t ersetzt, der Betrug zur Erpressung vollendet.
Denn 1. werden die Leute gezwungen, das Eigentum zu achten, also
b r a u c h e n sie Geld, um an Bouletten und Maschinen zu kom-
men. 2. Den staatlichen Kreditzettel muß jeder n e h m e n,
weil er nicht nur "einziges" sondern auch "unbeschränktes gesetz-
liches Zahlungsmittel" ist. 3. Keiner außer dem Staat darf diese
"nützlichen" Scheinchen machen, weil "wer Banknoten nachmacht
oder verfälscht... mit Freiheitsstrafen nicht unter zwei Jahren
bestraft" wird. Der Staat schafft sich Kredit, indem er seine
Bürger darauf verpflichtet, ihn zu akzeptieren. Indem e r ein-
kaufen geht, "versorgt" er die Gesellschaft mit dem, was sie am
dringendsten "braucht": Geld.
...und hochmodern
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Das Seltsame ist nur, daß dieses geniale und drucktechnisch un-
komplizierte Verfahren staatlicher Mittelbeschaffung, das Drucken
von Banknoten, schon wieder als "unmodern", überholt, als
"schädlich", ja als "Ausdruck eines drohenden Staatsbankrotts"
gilt. Dabei geht die als Vorbild empfohlene, nun wirklich ganz
moderne Variante auch nicht viel anders: Bundesschatzbriefe,
festverzinsliche Inhaberschuldverschreibungen, Schatzwechsel etc.
Wie geht's?
Im Finanzministerium wird ein Finanzierungsbedarf festgelegt,
z.B. am 9.2.1983 in Höhe von 1 Mrd. DM (Postanleihe). Das Bundes-
anleihekonsortium definiert in Zusammenarbeit mit den Banken Aus-
gabekurs, Nominalzins und Zahlungstermine, und zwar so, daß sich
die Übernahme für die Gläubiger im Vergleich zu konkurrierenden
Geldanlagen lohnt. Die Banken übernehmen die staatlichen Schuld-
scheine, behalten sie selbst als Teil ihrer Forderungen, auf de-
ren Grundlage Kredite zu schaffen und zu vergeben sind, oder of-
ferieren sie ihrem Publikum. Für den letztendlichen Gläubiger
sind diese Papiere erstens rentierliche Kapitalanlage und zwei-
tens so gut wie Geld. Man kann sie verkaufen ("liquidisieren":
Rentenmarkt) oder beleihen, wenn man einen Kredit für ein Ge-
schäft benötigt. Auf jeden Fall hat sich inzwischen die ursprüng-
liche Summe als benützte Zahlungsfähigkeit zumindest verdoppelt.
Erstens ist das Geld vom Staat ausgegeben; Zweitens ist der Titel
beliehen, also mit ihm ein zweites Mal einkaufen gegangen und ob
nicht drittens die Bank auf diese Einlage weitere Kredite ver-
gibt, ist noch gar nicht entschieden.
Ob Notenpresse oder Staatsanleihe, beide Formen der Finanzierung
der Herrschaftsbedürfnisse schaffen jene ominöse "zusätzliche,
Nachfrage", von der eingangs die Rede war. Einen Unterschied aber
gibt es tatsächlich: Zwar ist alles, was der Staat für sich eink-
auft, Abzug vom gesellschaftlichen Reichtum, doch in der Art und
Weise, wie er sich per Anleihen Zugang zum Reichtum seiner Bürger
verschafft, achtet er darauf, daß sich dieser Abzug vom Reichtum
für seine Geschäftswelt auch lohnt. Die Mittel, die er sich über
seine Steuereinnahmen hinaus genehmigt, druckt der Staat auf je-
den Fall, ob als Banknote oder als Schuldschein; aber mit letzte-
rem, mit Bundesschatzbriefen und Inhaberschuldverschreibungen tut
er so, als würde er die Schulden irgendwie wieder hereinbekommen
und aus irgendwelchen Verdiensten zurückzahlen können. Zwar weiß
jeder, daß der Staat keine Geschäfte macht, daß er kauft, um zu
konsumieren - Panzer, Professoren etc. - und ihm deshalb seine
Ausgaben in keiner Weise zurückfließen, daß er seine Schulden
also nur durch die Aufnahme neuer Schulden tilgt aber mit der
Form der Kreditaufnahme sorgt er dafür, daß sein Geldbedarf an
anderer Stelle gleich ein Geschäftsinteresse befriedigt. Er zahlt
dem Borger Zinsen, anerkennt also, daß die kapitalistische Ökono-
mie, der Erfolg der Geschäftswelt die Basis seiner Mittel ist. So
sehr der Staat mit all der Bedingungslosigkeit und all dem Idea-
lismus einer souveränen Gewalt befiehlt, seine Schuldzettel seien
s o g u t w i e Wert, - kommt es doch sehr darauf an, ob seine
Ökonomie in der Lage ist, daraus wirklichen Wert zu machen.
Inflation ist also die notwendige Folge der Ansprüche, die ein
moderner Staat in Sachen Herrschaftsmittel auf jeden Fall erfüllt
sehen will. Seine Bedürfnisse nach Bauten, modernster Elektronik
und Rüstungsgütern, die ganze staatlich angeheizte Nachfrage ist
für die Geschäftswelt eine Gelegenheit, den jeweiligen Gewinn
durch PreiserhÖhungen zu mehren - u.z. eine dauerhafte und ver-
läßliche Gelegenheit. Denn an Finanzschwäche leidet einer, der
nicht mit irgendwelchem Verdienst, sondern mit den Kassenzetteln
einkaufen geht, sicher nicht.
Inflation, ein Problem?
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Die gesamte Öffentlichkeit, von der "Bild"zeitung bis zu höchst
sachverständigen Wirtschaftskommentaren, ist sich darüber einig,
daß die Inflation ein "Problem" ist. Für wen eigentlich? Für
alle, die von ihrem A r b e i t s l o h n leben müssen, i s t
sie ein Problem. Anders als die Unternehmer schießen sie kein
Geld vor, um es vermehrt zurückzubekommen. Wenn sie es verausga-
ben, ist es weg. Und anders als der Staat, müssen sie ihre Kre-
dite wirklich zurückzahlen. Für sie bedeuten Preissteigerungen,
daß sie von ihrem Lohn, der ja nicht steigt, es sei denn, sie
kämpfen dafür, immer weniger kaufen können.
Für sie ist das Geld wirklich "entwertet". Deshalb läßt sich In-
flation als allgemeines Anliegen und "Problem" so schön sinnfäl-
lig machen am "Warenkorb", der immer größere Ansprüche an den
Geldbeutel stellt. Nur eines soll aus dieser Betroffenheit der
"Konsumenten" niemals folgen: Daß nämlich ihr Geldbeutel einer
Auffüllung bedarf, daß sie mehr Lohn brauchen. Ganz im Gegenteil.
Noch jeder sorgenvolle Kommentar zur Inflation gipfelt darin, ge-
rade die wirklich Betroffenen, deren einziges Heilmittel gegen
die Inflation in kräftigen Lohnerhöhungen bestünde, vor Lohnan-
sprüchen zu warnen, sie zu Lohnverzicht und mehr Leistung aufzu-
fordern. Für Arbeiter und Angestellte ist Inflation ein Problem,
aber so ist der öffentliche Sorgetitel "Inflation" eben überhaupt
nicht, oder nur höchst scheinheilig gemeint. Unter "Inflation"
wird nämlich ein "Problem moderner Volkswirtschaften" verstanden
und diskutiert.
Fragt sich nur, ob d i e Subjekte "der Wirtschaft", die Unter-
nehmer, ein Problem mit ihr haben. Wohl kaum. Erstens sind sie
es, die die gestiegenen Preise erzielen. Und selbst wenn sich
ihre Kosten in demselben Maße erhöhen; das, worauf es ankommt,
der Gewinn, bleibt davon erst einmal unberührt. Für alle, die
ihre Geschäfte mit Kredit finanzieren und/oder erweitern, hält
die Inflation zweitens eine Gratisgabe bereit: Entwertung der
Schulden. Und selbst dort, wo eine "Hyperinflation" signalisiert,
daß in dem betreffenden Land keine ordentlichen Geschäfte gemacht
und in den vielen Nullen kein ordentlicher Gewinn mehr gemessen
wird, dann sind es ja wohl immer noch die Damen und Herren Eigen-
tümer, die soviel Wert haben, um in "Sachwerte fliehen" zu kön-
nen.
Inflation, ein "Problem"? Zumindest der S t a a t, so heißt es,
habe mit ihr seine Schwierigkeiten. Schließlich sei er es, der
sich "Preisstabilität" als Ziel in die eigenen Gesetze schreibt
und die sorgenvolle Begutachtung und Berechnung der Inflation fi-
nanziert und betreibt. Nur, w o r i n sollte dieses "Problem"
bestehen? Sicher nicht darin, daß seine Schuldzettel im Innern
nicht mehr akzeptiert würden; dafür hat er per Gewalt gesorgt.
Die gestiegenen Preise, die auch er beim Einkauf seiner Herr-
schaftsmittel zahlen muß? Nur sehr bedingt. Der Ebbe in seinen
Kassen begegnet e r mit Neuverschuldung und Nachtragshaushalt.
Die sehr unbeschwerte Debatte darüber, ob denn nun 1, 2, 3 oder
4% Inflation noch als "Preisstabilität" zu betrachten seien,
zeigt, daß die Inflation s e l b s t nie und nimmer ein
"Problem" ist; was ja auch höchst verwunderlich wäre, schließlich
produziert sie der Staat mit seiner eigenen Verschuldung. Die üb-
lichen Warnungen, daß die Inflation den Aufschwung frißt" und
"monetäre Überhitzung droht", lassen aber immerhin erkennen, wel-
che Sorge der Staat der selbstproduzierten Inflation entnimmt: Ob
nicht die von ihm gesicherte und mit den entsprechenden Zetteln
versorgte, geschäftsmäßige Benützung des Kredits dafür, daß sein
Kredit gar kein Mittel wirklicher Geschäfte mehr ist, daß er bloß
noch genommen wird, um Schulden zu zahlen, geplatzte Kredite auf-
rechtzuerhalten, also die "Bereinigung des Wettbewerbs" bei sich
zu verhindern. Die staatliche Reaktion fällt ja auch entsprechend
aus. Er verteuert den Kredit (Diskont, Lombard etc.) und führt so
die nötige "Bereinigung" durch.
Daß die Inflation selbst nicht das "Problem" ist, gilt auch für
das Verhältnis zum Ausland. Die Sorge, ob nicht die inländische
Inflation dem deutschen Export schade, bezieht sich ja nicht nur
auf den V e r g l e i c h der jeweiligen Inflationsrate; der
Hinweis auf Vorteile, die umgekehrt der Importabteilung daraus
entstehen, folgt ja gleich auf dem Fuß. Oder auch umgekehrt, wenn
die Wirkung der Inflation auf die Wechselkurse begutachtet wird.
Auch vom Standpunkt der Kapitalbilanz erfährt die Inflation ihre
Würdigung. Schließlich findet deren Rate (und zwar als interna-
tionaler Vergleich) als e i n e Bedingung Einzug in die Renta-
bilitätskalkulation internationaler Geldanleger, bei denen jeder
Staat sich im Zuge seiner Verschuldung bedient, für deren Ge-
schäftsinteresse sein Kredit also durchaus attraktiv sein soll.
Inhalt all der Sorgen, die unter dem Titel "Inflation" eröffnet
werden, sind also die angeblichen oder vermeintlichen
W i r k u n g e n der Staatsverschuldung darauf, ob und wie gut
sich die staatliche Inanspruchnahme des Kredits als Mittel der
Geschäfte bewährt. Schließlich liegt darin die Quelle, an der
sich der Staat bedient. Wie wenig die Inflation selbst für Staa-
ten ein Problem darstellt, zeigen sogar noch jene
"Hyperinflationen", die gewöhnlich mit einem "rücksichtslosen"
Griff zur Notenpresse erklärt werden. Zwar drücken diese
"galoppierenden Inflationen" aus, daß mit diesem staatlichen Kre-
dit, mit diesen Anleihen, mit der Reichsmark damals in Deutsch-
land oder dem Cruzeiro heute in Rio kein Geschäft zu machen ist;
sie zeigen aber auch, wie wenig sich ein Souverän vom ökonomi-
schen Mißerfolg seiner Basis, von mangelnder Kreditwürdigkeit und
der weiteren Ruinierung seiner Wirtschaft wirklich beeindrucken
läßt - für die Verfolgung seiner Vorhaben,
Bekämpfung inflationärer Ansprüche
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Die Abschaffung der Inflation wäre das Billigste auf der Welt:
Geld und Kredit, das ganze unternehmerische Kalkül, das sich des
Kredits bedient und zu Preiserhöhungen nützt, außer Kraft ge-
setzt; den Staat auf das Ideal, mit dem er sich so gerne schmückt
und mit dem er vermehrte Leistungen seiner Bürger zur
B e g r e n z u n g der Staatsschuld begründet, mal wirklich
verpflichtet: ein sorgsamer Haushaltsvater, der nicht mehr aus-
gibt als er einnimmt; all dies getan, und schon gäbe es keine In-
flation (und wohl auch keinen Staat) mehr. Wenn es um
"Inflationsbekämpfung" geht, steht eben anderes auf dem Programm.
Im Verhältnis zur Geschäftswelt ist sie - ganz unideologisch -
eine Frage des Zinses, der für Staatsanleihen zu zahlen ist. Bei
aller und gerade wegen aller staatlichen Schaffung und Benützung
von Kredit ist eben darauf zu achten, daß dieser Mittel eines at-
traktiven Geschäfts bleibt.
Andererseits ist Inflation ein Gespenst, mit dem man die Bürger,
die von ihr den wirklichen Schaden haben, erschreckt, um bei ih-
nen die Freiheit zu ihrer weiteren Schädigung zu reklamieren. Was
heutzutage nicht alles eine Frage der Inflation und ihrer
"Bekämpfung" ist: Jede Lohnsenkung, die dafür sorgt, daß sich das
Geschäftemachen noch besser lohnt, weil sie den Kapitalvorschuß
senkt und ihn darüber rentierlicher gestaltet, jede Streichung an
"konsumtiven Staatsausgaben", also dem Lebensunterhalt von Rent-
nern und Arbeitslosen, aber nicht um die Staatsverschuldung zu
beenden oder zu begrenzen, sondern um sie höheren Verwendungs-
zwecken vorzubehalten.
Die Preise steigen deswegen natürlich weiter...
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