Quelle: Archiv MG - WESTEN OEKONOMIE ALLGEMEIN - Von der politischen Ökonomie

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       Der Veranstaltungstip
       

DIE KRISE

Alle reden von der Krise Keiner fragt: Was ist sie überhaupt? Wer macht sie eigentlich? Und wem nützt ihre Bewältigung? 1. Hört man den intellektuellen Begutachtern der Weltenläufte zu, dann könnte man glatt annehmen, daß es eines gar nicht gibt - die wirkliche Krise der kapitalistischen Ökonomie 1982. In der Sicht dieser professionellen Interpreten befindet sich nämlich so gut wie a l l e s "in der Krise" - und dieses "alles" umfaßt glei- chermaßen und gleichgültig nebeneinandergestellt real Existentes wie reine Ausgeburten wissenschaftlicher Phantasie. Der Sozial- staat - in der Krise! Der Freie Handel - in der Krise! Die "Struktur" der Weltwirtschaft - in der Krise! Das Ideal der Voll- beschäftigung - in der Krise! Die "Handlungsspielräume" der Re- gierenden - in der Krise! Die "Logik" des Sozialstaats - in der Krise! Der Keynesianismus - in der Krise! Und zuguterletzt: der Geist, die Moral und der "Sinn" - in der Krise! 2. Es drängt sich also der Verdacht auf, daß dieses universale Ge- rede von der Krise mit der wirklichen Krise, geschweige denn mit der Erklärung ihrer kapitalistischen Notwendigkeit, nichts am Hut hat. Wo derart begriffslos von Krisen geredet wird, da handelt es sich um eine pure Betrachtungsweise, die - zufällig? - mehr und mehr in Mode kommt und - die es in sich hat! Denn was leistet sie anders, als daß sie ganz grundsätzlich die Sorge um das G e l i n g e n der bürgerlichen Welt, wie sie in all den Krisendiagnosen geschildert wird, als einzig und allein angebrachten Denkstandpunkt propagiert!? Worüber sich dann auch sehr umstandslos A u f g e s c h l o s s e n h e i t breit macht gegenüber den tatsächlichen Zwecken von Staat und Wirt- schaft - gerade so, daß man von ihnen gar nichts wissen will, da- für umsomehr an die "komplexen Sachzwänge" u. dergl. mehr glaubt, die den Verantwortlichen das Leben schwer machen sollen. Werden da nicht "Probleme" bewältigt, bzw. scheitert man nicht an der Bewältigung von "Problemen", die sehr viel "tiefer" liegen, als man gemeinhin annehmen könnte?! 3. Deswegen, weil das Stichwort "Krise" gar nichts Reelles mehr meint, sondern für eine sorglich-konstruktive Allround-Betrach- tungsweise steht, fragt keiner: Krise der Wirtschaft was ist das überhaupt? Woher kommt denn die Eigentümlichkeit, daß es in der bundesdeutschen Krisenrealität von allem - Produktionsmittel und Arbeitskräfte, produzierte Waren, Geld und Kredit - zu viel gibt: zu viel gemessen an dem harten Maßstab, daß alles sich l o h n e n m u ß, um nicht überflüssig zu sein? Und daß vor allem Menschen in ihrem Dienst am Kapital sich lohnen müssen, um nicht mit allen ihren Ansprüchen als Überschuß übrig zu bleiben? 4. Vielleicht gibt es sie doch, die Subjekte und Macher der Krise, auch wenn sie kein Gelehrter mehr in seiner Generalklausel "schwere Zeiten" wahrhaben will? Und vielleicht ist ihr Betrof- fen-Sein von der Krise von ganz anderer Art, als es die Mär von der Hilflosigkeit aller Instanzen angesichts übergewaltiger und autonomer Sachprobleme der Menschheit weismachen will? Was ist eigentlich los, wenn Kapitalisten mitten in der schönsten Wirt- schaftskrise ihr Geschäft abwickeln und gar nicht auf Ausbeutung, Konkurrenz und Kredit verzichten wollen, wo doch die "Zeiten" an- geblich so "schwer" sind? Und was ist los, wenn die P o l i t i k e r auf die Ansprüche der Nation = auf i h r e Ansprüche - auf viel Reichtum zu Hause und viel Macht in der Welt - verweisen und strahlen wie die, Honigkuchenpferde vom Dienst, wenn die drückende "Verantwortung" für die ach so drückenden "schweren Zeiten" des Regierens auf sie fällt und nicht mehr auf die andern? 5. Angesichts eines sozialen Friedens, den Politiker, Unternehmer und Gewerkschaftsführer so über alles schätzen; angesichts einer Sorte Krisenbewältigung, in der besagte Herren die von ihnen für notwendig gehaltenen Opfer auch noch mit ganz viel "geistiger Führung", "Verantwortung" und "moralischer Erneuerung" beglücken wollen, scheint es uns nützlich, die Dinge einmal so zu betrach- ten, wie sie sind. Wir halten das ganze Hin und Her mit Regie- rungswechsel, Pleiten und kalkulierten Betriebsstillegungen, Ar- beitslosenstatistiken und Beschäftigungsprognosen ganz; schlicht für den DEMOKRATISCH INSZENIERTEN KLASSENKAMPF VON OBEN. zurück