Quelle: WESTEN OEKONOMIE KAPITAL - Von G-W-G' und G-G'
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WAS HAT FKF EIGENTLICH ANGESTELLT?
Ihm gehört eine Reihe von Betrieben, die nicht schlecht Profit
abwerfen. Das geht, indem man Leute einstellt oder auch aus-
stellt, also ihre Benutzung oder Nichtnutzung f ü r s i c h
lohnend macht. Das setzt wiederum eine E i g e n t u m s-
o r d n u n g voraus: Die, die arbeiten, machen das ihr Leben
lang - die, die nicht arbeiten, auch. Der Staat sorgt dafür, daß
das so bleibt: Jeder hat sich mit seinen Mitteln in der
Konkurrenz zurechtzufinden, dafür gibt es G e s e t z e; der
Arbeiter kann es zum Kapitalisten bringen, der Kapitalist zum
Arbeiter - das bleibt ihnen überlassen, ist ihre
F r e i h e i t.
Verständlicherweise war und ist FKF ein Parteigänger dieses Staa-
tes. Während weniger bemittelte Leute ihren Beitrag zum Wohlfunk-
tionieren des Staates durch die Abgabe von Steuern leisten -
vielleicht murrend, grundsätzlich aber mit Einsicht in die Not-
wendigkeit -, ist FKF zu weitergehenden Abgaben imstande. Da die
Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung eine Angelegenheit der
Parteien ist, die um die Verwaltung der Macht konkurrieren, läßt
FKF seine zusätzlichen Abgaben selbstverständlich an die Partei
fließen, die ihm die sicherste Gewähr für die Durchsetzung der
gemeinsamen Ziele zu bieten scheint. Wenn die andere Partei an
der Macht ist, stellt er sich zu ihr nicht feindselig, da auch
sie ihm die Betätigung als Kapitalist garantiert - auch für ihre
guten Werke hat er ein paar Groschen übrig. Trotzdem hält er zu
seiner Stammpartei auch in Zeiten, wo sie sich in der Opposition
befindet. Er ist aktiv am Vorankommen dieser Partei interessiert,
möchte also, daß mit seinem Geld was Sinnvolles angefangen wird.
Außerdem ist FKF ein Demokrat und weiß, daß seine Partei nur was
wird, wenn die Mehrheit der Wähler sie billigt. Darum unterstützt
er die Bestrebungen seiner Partei, den Parteivorsitzenden abzulö-
sen, weil der die Wähler nicht besonders überzeugen konnte, und
meint auch, man müsse es mal mit einem anderen probieren - nicht
ohne hinzuzufügen, daß er den auch nicht für besonders toll hält.
Trotzdem ist er solidarisch und unterstützt den neuen Parteivor-
sitzenden, damit der die Partei zusammenhalten und fähige Köpfe
anwerben kann.
In programmatische Diskussionen mischt sich FKF weniger ein -
wozu auch? Die Partei hat ihm ja von vornherein gepaßt; bloß als
die meint, sie könne der Konkurrenz ein paar Stimmen durch die
Verbreitung von sozialen Phrasen abjagen, wird FKF hellhörig. Er
ist gegen jedes Wischiwaschi und wünscht, daß die Partei sich
weiterhin deutlich von der Konkurrenz unterscheidet, also an den
Prinzipien staatlicher Ordnung ohne Augenwischerei festhält; da-
mit hätte sie auch mehr Chancen beim Wähler. FKF hat recht,
schließlich wird seine Partei gewählt.
In zwei Fällen hält es FKF für angebracht, aus der Rolle des be-
scheidenen Parteienunterstützers herauszutreten und auch einmal
Unterstützung für sich anzufordern. Da FKF gesetzestreu ist, for-
dert er nichts Ungesetzliches: Die von einem Landratsamt erlasse-
nen Umweltvorschriften für eine seiner Papierfabriken seien zu
hart, also erbittet er noch einmal rechtliche Prüfung von einer
kompetenteren Instanz. Die kompetentere Instanz schaut im Geset-
zestext nach und stellt fest, daß die dort niedergeschriebenen
Bestimmungen über "wirtschaftliche Notwendigkeiten und Härten"
auf die Papierfabrik des FKF zutreffen.
Der zweite Fall erregt mehr Aufsehen, weil es um höhere Summen
geht. FKF möchte eines seiner Automobilwerke verkaufen und muß
feststellen, daß er dabei fast eine Milliarde Mark an Steuern
verlieren würde. Diese Höhe ist ein gutes Argument, weil sie al-
lein schon beweist, daß es sich um ein volkswirtschaftlich sehr
bedeutsames Geschäft handelt. FKF dringt deshalb auf Gerechtig-
keit und verlangt Steuerbefreiung: Wenn der Staat bei Geschäften
dieser Größenordnung auf der Steuer bestünde, würde er erstens
einer offensichtlichen wirtschaftlichen Stütze seines Landes das
Leben schwer machen, und zweitens eine unverhältnismäßig große
Summe der freien kapitalistischen Verwendung entziehen - in einem
Wort: sich ins eigene Fleisch schneiden. Es gibt aufgeregte Kom-
mentare, weil FKF besser als manch anderer Bürger imstande ist,
auf seine Rechtsposition aufmerksam zu machen und Berücksichti-
gung zu verlangen. Dafür hat er aber auch mehr geleistet, und die
Kritiker sind nicht zuletzt von seiner unternehmerischen Leistung
abhängig. Normalerweise sind sie ja auch sehr stolz, daß Wirt-
schaftsmagnaten seines Kalibers ihr Heimatland bewohnen, und bil-
den sich viel auf die Wirtschaftskraft der Bundesrepublik ein.
Insgeheim wundert sich FKF ein wenig über die Aufregung und ver-
mutet, daß dies daran liege, daß noch nicht die richtige Partei
am Ruder ist. Als sie am Ruder ist, leistet er weiterhin freiwil-
lige Abgaben, damit das so bleibt.
Ansonsten führt Friedrich Karl Flick ein ruhiges und zurückgezo-
genes Leben und wird von der einen Frage nie behelligt: Wenn er
schon imstande ist, 25 Millionen Deutsche Mark in die Parteien zu
stecken, dann muß dies im Verhältnis zu seinem sonstigen Vermögen
eine relativ kleine Summe sein - und wo hat er sein Vermögen her?
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