Quelle: WESTEN OEKONOMIE KAPITAL - Von G-W-G' und G-G'
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Poullain, Garski, Vereinsbank Heidelberg
HÄNDLER IN SACHEN KREDIT
Ein verdienter Vorstandsvorsitzender wird wegen Untreue, - Betrug
und Bestechlichkeit vor Gericht gestellt, ein Baumakler taucht
unter und bringt damit die halbe Landesregierung zum Verschwin-
den, eine Bank in Heidelberg verleiht an den kleinen Mann Kredite
zu widerrechtlich hohem Zins und wird angeklagt - und das alles
nur, weil Banken und Finanzmakler ihrem erlernten Beruf nachge-
hen, der da lautet: die einzige Bedingung dafür, aus Geld
m e h r Geld zu machen, ist die, Geld zu h a b e n. Letzteres
läßt sich auch dadurch ersetzen, daß man glaubwürdig vorgeben
kann, Geld zu haben, wofür wiederum ausreicht, glaubwürdig- vor-
geben zu können, gute Beziehungen zu jemandem mit Geld zu haben.
Der normale Gang eines Kreditgeschäfts
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Da ist z.B. Ludwig Poullain, über 10 Jahre Präsident des dritt-
größten Kreditinstituts der BRD und oberster Sparkassenfunktio-
när. Er hat Geschäfte tätigen lassen, die im Kreditgewerbe vorge-
sehen sind und Erfolg verheißen:
1. Die Zusammenarbeit der Westdeutschen Landesbank mit dem Makler
in Sachen Geld und Kredit Schmidt ließ beide Seiten verdienen
(Geschäfte verursachen Freundschaften, nicht umgekehrt): Schmidt
kümmerte sich um die Vermittlung von Krediten, ausgegeben von der
Westdeutschen Landesbank, und kassierte dafür selbstredend Provi-
sion; schließlich hatte er dafür zu sorgen, daß aus dem G e l d
der Banken K a p i t a l wird, indem es verliehen und mittels
des Preises dafür, dem Zins, vermehrt wird. Die durch Schmidt
vermittelte Benützung des Geldes durch Dritte macht so aus mögli-
chem Kapital r e a l i s i e r t e s.
2. Umgekehrt bekam Poullain Provision (die berühmte 1 Million aus
dem "Beratervertrag") für das Zustandebringen eines Dreiecksge-
schäfts zwischen seiner Bank, jenem Schmidt und einigen französi-
schen Kapitalisten, die auf Basis von Kredit eine
"Entwicklungsgesellschaft für industrialisiertes Bauen" gründe-
ten, mithin eine Organisation, die ihrerseits K r e d i t e für
Bauvorhaben anbietet, deren Realisierung auf einem anderen Blatt
steht. Dies bereits (mindestens) verdoppelte Zurverfügungstellen
von Geld in Form von Kredit - Schuldverschreibungen auf Basis ei-
gener Schuldverschreibungen - weist darauf hin, daß wirklich vor-
handenes Geld keine Schranke für Bank- und andere Geldkapitali-
sten darstellt: indem sie Zahlungsversprechen zur Grundlage neuer
Geldgeschäfte und damit zum Mittel machen, Zins zu schöpfen,
praktizieren sie gerade die Unabhängigkeit von jener Schranke.
3. Man kann die Blüte allerdings noch steigern, indem man einen
weiteren Geschäftspartner dazwischenschaltet: so hat die WestLB
an den Württembergischen Kreditverein (WKV) Geld in Form zweier
Schuldschein-Darlehen und eines sog. Rahmenavalkredits (d.i. ein
Bürgschaftskredit für Kunden erster Qualität) und in Höhe von
fast einer halben Milliarde Mark verliehen, der seinerseits sei-
nen Kunden Schmidt bedient hat. Da zeigt sich der ganze Vorteil
eines Berufsstandes, der zugleich Gläubiger und Schuldner ist,
der den Verleiher und den Borger in einer Hand zentralisiert und
mit der Nachfrage nach und dem Angebot - an Geld seinen Schnitt
macht: er borgt zu niedrigeren Zinsen als er verleiht. Die West-
LB verlangt Zinsen vom WKV, der WKV von seinem Kunden, der Fi-
nanzmakler Schmidt von seinen Kunden... (die Provision für das
Zustandekommen des ganzen Zirkus schüttet Schmidt für Poullain
p e r s ö n l i c h aus).
4. Auf Basis dieser einträglichen Spekulation (die Inhalt des
Bankierberufes ist, nicht seine Ausnahme) konnten auch (zunächst
vorübergehend) auftretende Zahlungsschwierigkeiten des Schmidt
einvernehmlich gelöst werden: die WestLB "löste" einen fälligen
Kredit von diesem beim WKV ab, d.h. sie stellte einen neuen
Schuldschein aus, schließlich verfügte der Herr über sog.
"beleihbare" Grundstücke im Werte von 9 Millionen DM (so heute
der Richter) bis 17 Millionen (so damals Poullain). Dieser
Schuldschein war für Herrn Schmidt die wieder gefestigte Grund-
lage für weitere Kreditakkumulation. Die Fiktion, daß das
g l e i c h e Vermögen d o p p e l t existiert (Grundstücks-
wert, sagen wir, 9 Millionen + Schuldschein in dieser Höhe und
darüberhinaus) wird durch den Kapitalvorschuß auf den Grund-
buchauszug praktisch vollzogen.
Die Folgen eines Falliments
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Daß der Kapitalwert all dieser Papiere illusorischen Charakter
hat, braucht solange niemanden zu stören, als das Geschäft mit
den Schuldscheinen allen beteiligten Parteien Vermehrung ihres
Vermögens beschert. Der Krach tritt demgemäß dann ein, wenn das
Geschäft ausbleibt. Und es blieb in unserem Fall dann aus, als
die Zahlungschwierigkeiten Schmidts chronisch zu werden begannen:
Erstens stellte sich damit praktisch heraus, daß S c h u l d e n
verzinst worden waren, also Erträge eines K a p i t a l s er-
wirtschaftet wurden, das f i k t i v e n Charakter besaß. Die
Fiktivität brachte die Zahlungsunfähigkeit des Geldmaklers zum
Vorschein; die auf ihn ausgestellten Schuldscheine stellten
Rechtstitel auf Erträge dar, deren schließliches Ausbleiben die
ganze Schwindelblüte platzen ließ; zweitens beschleunigten dies
die Geschäftspartner, die Banken, als sie gerade in dem Augen-
blick, da der Makler das Geld zum Nachschießen am dringendsten
benötigte, keine Vorschüsse mehr zu tätigen gedachten: Ihnen
schwante etwas von der bevorstehenden Wertlosigkeit Schmidtscher
Zettel.
Daß dessen Falliment die WestLB zu Wertberichtigungen in Höhe von
60 Millionen DM nötigte, machte die Sache zur P o u l l a i n.
Wenn der Posten "Wertberichtigungen" auch darauf hinweist, daß
hier nominelles Geldkapital einfach durchgestrichen wird, so
heißt das eben aber auch, daß sich damit dieser Betrag nicht nur
in Luft auflöst, sondern als Geldbasis für Kreditoperationen ent-
fällt. Mit dem Konkurs des Geschäftspartners wurden die o.g.
Praktiken der Bank nachträglich auf ihre Rechtmäßigkeit hin un-
tersucht: Der a u s b l e i b e n d e Erfolg macht aus einem
Kreditgeschäft kurzerhand ein "künstliches" und damit zu einer
Angelegenheit von "Untreue und Betrug". Zu s p ä t erkannt zu
haben, daß das wechselseitige Geldabknöpfen auf Basis der Akkumu-
lation von S c h u l d e n und nicht auf der von K a p i t a l
betrieben wurde, und nicht r e c h t z e i t i g der Spekula-
tion auf Grundlage verunglückter oder Schwindelunternehmen einen
Riegel vorgeschoben zu haben, ist. die widerrechtliche Unfähig-
keit des Herrn Poullain (sein Lamento, er habe doch alles nur
"zum Vorteil der Bank" gemacht, ist deswegen lächerlich, weil es
eben auch seiner war, weswegen der Nachteil der Bank derselben
Logik gehorcht).
Daß es sich bei der WestLB um eine Landesbank handelt, mithin um
die "Hausbank" der nordrhein-westfälischen Regierung mit öffent-
lich-rechtlichem Charakter, modifiziert die Sache insofern als
- Poullain zusätzlich wegen Bestechlichkeit angeklagt wird;
- wie immer in solchen Fällen ein oder mehrere verantwortliche
Minister ausgewechselt werden;
- der verspielte p e r s ö n l i c h e Kredit dieser Herren den
Steuerzahler für das Begleichen offener Rechnungen unmittelbar in
die Pflicht nimmt, denn der Kredit des L a n d e s N R W, hin-
ter dem schließlich die Macht der Regierung steht, ist damit mit-
nichten verspielt.
Das Erfüllen s t a a t l i c h e r Aufträge als Banken der Län-
derregierungen und Unterabteilungen der Deutschen Bundesbank be-
werkstelligen die Landesbanken mit Bank g e s c h ä f t e n, was
zu einem interessierten quid pro quo des Angeklagten führt:
"Der Begriff der Gemeinnützigkeit war doch nur ein schönes Pla-
kat. Wir mußten die Gewinne maximieren."
Derweilen ist dem Landeszentralbanker die grundsätzliche Verein-
barkeit beider Anforderungen aufgetragen, was die Besonderheit
einer öffentlich-rechtlichen Bank darstellt und nicht zu
"Unvereinbarkeiten" führt, sondern zu neuen Widersprüchen, die
sich am Fall der Berliner Landesbank studieren lassen.
Kredit im Dienste des Staates
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Die jüngst abgesägten Senatoren LÜDER und RIEBSCHLÄGER sowie der
Boß eben dieser Landesbank bildeten den Landesbürgschaftsausschuß
Westberlins. Seine Aufgabe ist es, durch staatliche Garantie von
Kreditgeschäften (Ausfallbürgschaften etc.) die Akkumulation von
Kapital zu befördern, was die Entscheidung beinhaltet,
Unternehmen entweder zur Fortführung und Erweiterung ihres Ge-
schäfts zu verhelfen oder aber ihnen durch Verweigerung einer
Bürgschaft mitzuteilen, daß sie staatlicherseits für untauglich
befunden werden, weiterhin zur Realisierung der Gleichung: Ver-
mehrung von Privateigentum = Vermehrung des gesellschaftlichen
Reichtums beizutragen.
Im Falle Westberlin ist die Grundlage staatlichen Reichtums im
Erfolg seiner unternehmenden Bürger einem besonderem Kriterium
unterworfen: die Erhaltung der ö k o n o m i s c h e n Basis
der Stadt erfüllt dort die p o l i t i s c h e Funktion, den
Brückenkopf des freien imperialistischen Westens inmitten des
Feindeslandes zu finanzieren. Der "Standortvorteil" liegt in der
Existenz der Stadt als F r o n t s t a d t und muß als einer
für die U n t e r n e h m e n durch ein ausgeklügeltes Kapital-
unterstützungsprogramm erst hergestellt werden: "1 Million DM für
2,5 Arbeitsplätze" ist dann der Anreiz für FORD und andere Neuan-
siedler.
Ein Altansiedler war die GARSKI-Bautechnik KG (also noch ein Bau-
und Finanzmakler): das Geschäft "für Berlin und die Deutschland-
politik" hat Garski durchaus im Sinne des Erfinders dort zu ma-
chen versucht, wo ein besonders hohes Profitchen winkte: im Nähen
und Mittleren Osten für die Finanzierung von Bauprojekten. So et-
was machen Geldkapitalisten aus o.g. Beförderungsgründen gerne in
Berlin: schließlich kam das Garskische Kreditgeschäft dort unten
erst mit Hilfe der Landesbürgschaften in Höhe von 90% der Kre-
ditsumme zustande - was unter dem Titel "Unterstützung des Ex-
ports von Dienstleistungen" ablief, zu welcher Verrücktheit ein
älterer Autor bemerkte: "Wie das zinstragende Kapital überhaupt
die Mutter aller verrückten Formen ist, so daß z.B. Schulden in
der Vorstellung des Bankiers als Waren erscheinen können." (MEW
25, S. 483)
Der als Fallite flüchtige Geldmakler Garski kostet der Landesbank
Berlin jetzt nach Platzen dieser Vorstellung die fällige Kredit-
bürgschaft in Höhe von 115 Millionen DM - zuviel für die Auf-
rechterhaltüng des "politischen Anstands" der zuständigen Senato-
ren. Die Ausnützung des politischen Auftrags zu Geschäften, die -
zumal wenn sie auf dem Weltmarkt getätigt, die Spekulation noch
zusätzlichen politischen Fährnissen aussetzt - auf der sehr zwei-
felhaften Kapitalisierung von Geld beruhen, nicht verhindert zu
haben, trug jenen Senatoren den Ruf der "Schädigung Berlins" ein.
Hätten sie, so der Vorwurf, nicht f r ü h e r merken müssen,
daß soviele Schulbauprojekte, wie sich Garski zu finanzieren
"vorgenommen" hatte, bei den Orientalen gar nicht drin waren!
Alles zum Schutz des deutschen Sparers
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Was der kleine Mann an der profitträchtigen Trennung der realen
von der fiktiven Akkumulation von Kapital verdienen kann, führte
zum gleichen Zeitpunkt die VEREINSBANK HEIDELBERG vor. Sie ver-
langte von ihren Kunden, die um Konsumentenkredite nachsuchten,
um bis zu 200% über dem für solche Kleinkredite marktüblichen
Zinssatz und eignete sich so einen Zinsbetrag von 300 Millionen
DM an, was ihr dir Anklage wegen "Wucherzinsen" einbrachte. Heut-
zutage soll es eben im Gegensatz zu Luthers Zeiten keine Wucherer
mehr geben, sondern bloß noch Banken, die sich rechtliche Zinsbe-
träge und normale Zinssätze für Kleinschuldner von 14% aufwärts
aneignen und dabei die Notlage derer, die den hohen Zins akzep-
tieren müssen, weil sie die Kreditsumme zum Lebensunterhalt benö-
tigen, nicht ü b e r G e b ü h r ausnützen dürfen. Die Bank-
Parole "Kleinvieh macht auch Mist" bewahrheitet sich eben nur
dann, wenn die geringe Kapitalmenge durch einen extraordinairen
Ertrag kompensiert wird.
Bei diesem Lehrstück in Sachen Konsumkredit = Gegensatz von Kre-
dit und Konsum bleibt dem deutschen Sparer bloß ein Trost: Es
gibt eine "Schutzgemeinschaft deutscher Sparer", deren ehemaliger
Präsident ein gewisser Poullain war.
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