Quelle: WESTEN OEKONOMIE KAPITAL - Von G-W-G' und G-G'


       zurück

       Alle Welt  meint, man  verdient, was  man verdient,  wegen seiner
       Leistung. Das ist falsch.
       
       Warum verdient wer wieviel?
       

DER DEUTSCHE BANKIER

Das Uninteressanteste an einem Bankier sind die Millionen, die er verdient. Von Berufs wegen verfügt er über Geldsummen in ganz an- derer Größenordnung; er hat es zu tun mit dem Geld anderer Leute, um dessen Vermehrung er sich kümmert. Sein Einkommen fällt lässig ab aus den Gewinnen in Milliardenhöhe, die er mit fremdem Geld zustandebringt. Ein deutscher Bankier sorgt nämlich dafür, daß das Geld in der Gesellschaft für das verwandt wird, wofür es da ist. Geld gehört in Geschäfte investiert, durch die aus Geld mehr Geld wird. D a f ü r werden die Vermögen reicher Privatleute "aufbewahrt", die brachliegenden Gelder von Unternehmern mobilisiert, aber auch die Spargroschen der "kleinen Leute" eingesammelt. So kommt die Bankenwelt an das Geld, auf das sie Kredit gegen Zinsen ausleiht. Dabei kennt der deutsche Bankier keine Vorbehalte. Er räumt sogar ganz schlichten Gehaltskontobesitzern Überziehungskredite ein, gegen etwas höhere Zinsen. In der Hauptsache geht es ihm aber ums Geschäft mit Leuten, die das geliehene Geld selber in lohnende Geschäfte investieren. Die also nicht d a f ü r a r b e i t e n müssen, sondern die d a m i t Arbeitsplätze e i n r i c h- t e n, an denen für wenig Geld viel geleistet wird; so daß vom Profit die Zinsen locker abfallen. Für den Bankier ist das verliehene Geld keineswegs einfach weg. Er behandelt jeden Schuldschein als hausgemachtes "Produkt", das selber wieder v e r kauft werden kann und g e kauft werden soll. So kommen "Wertpapiere" in die Welt, die für ihre Eigentü- mer einen Anspruch auf Gewinn darstellen. Auf steigende und auf fallende Gewinn a u s s i c h t e n wird spekuliert; und da ist der deutsche Bankier erst richtig gefordert. Er muß nämlich e r f o l g r e i c h s p e k u l i e r e n; sonst ist er eine Niete. Wenn er das aber hinkriegt, dann sitzt er außerdem in zahllosen Aufsichtsräten, entscheidet über den gewinnbringenden Einsatz der Gelder seiner eigenen und anderer Banken und sorgt nicht nur im Rüstungsbereich für den Aufbau von Großkonzernen, die auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig sind. Der deutsche Bankier verfügt also über das Geld der Nation, das ihm dafür gar nicht zu gehören braucht. Von diesem Geld, also von ihm, hängt nicht bloß die gesamte nationale Wirtschaft ab, son- dern auch möglichst viel vom internationalen Geschäftsleben. Das ist der höchste Ehrgeiz des deutschen Bankiers. Deswegen braucht und pflegt er gute Beziehungen zu den Politikern, die mit Ge- setzen, Steuern und Staatsverträgen über die politischen Bedin- gungen des Geschäftemachens entscheiden. Er begleitet deutsche Minister und Kanzler auf ihren Reisen ins westliche und östliche Ausland. Er berät sie, wie der kapitalistische Reichtum und die politische und militärische Gewalt für die Erpressung günstiger Geschäftsbedingungen auch auswärts in Anschlag zu bringen sind. So sorgt er dafür, daß auch die Bewohner der hinterletzten Ecken in Afrika, Asien und Südamerika mit den Produkten der deutschen Bankenwelt, D-Mark und Schulden, bekannt gemacht werden. Ihr Überleben und Auskommen hängt nämlich davon ab, daß dem deutschen Bankier das Geschäft mit ihrem Heimatland zu seiner Zufriedenheit gelingt. Solche Entwicklungshilfe sorgt für Hunger, Not und Vertreibung in den allseits bekannten immensen Ausmaßen. Deutsche Bankiers sind so frei, das "Problem" zu kennen; und sie geben gerne damit an, daß sie sich um eine "Lösung" bemühen. Manchmal erlassen sie so- gar Schulden, damit die verbleibenden Schulden wieder zum taugli- chen Geschäftsobjekt für sie werden. Das heißt dann "Hilfe für die armen Länder". Der deutsche Bankier ist also auch im Ausland enorm hilfsbereit. Ein deutscher Bankier verkörpert die Macht des deutschen Geldes. Ein erfolgreicher deutscher Bankier verdient deswegen, als ehren- werte Persönlichkeit der Gesellschaft von allen geachtet zu wer- den. Außer er verspekuliert sich. Dann gerät er in den Verdacht übler finanzieller Machenschaften und landet unter Umständen im Knast. Ein deutscher Bankier gehört zu den besseren Kreisen der Gesell- schaft, geht bei Politikern aus und ein und wird als "Manager des Jahres" ausgezeichnet. Auf seine Meinung wird wert gelegt, er wird zu Kongressen und Tagungen eingeladen und er hält, egal über was, äußerst bedeutende Reden. Ein erfolgreicher Bankier ver- dient, daß der Bundeskanzler der Nation, deren politische Macht und weltweiten Einfluß er durch seine Geschäftstätigkeit beför- dert, über ihn sagt: "Er hat sich um das Vaterland verdient ge- macht." zurück