Quelle: WESTEN OEKONOMIE KAPITAL - Von G-W-G' und G-G'


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       1.
       
       Ganz   schön    gekracht    hat    es    in    der    Welt    der
       G e l d a n l e g e r.   1.000.000.000.000 $  (Tausend Milliarden
       Dollar) sollen flöten gegangen sein. Wie kann Geld einfach  w e g
       sein? Das  passiert doch  sonst auch  nicht, wenn z.B. der Mensch
       damit seine  Brötchen bezahlt  - da  hat es nur die Hände gewech-
       selt. Wie kann es sich in Luft auflösen?
       In der  Welt der  Geldanleger geht  es offensichtlich   n i c h t
       ums  Zahlen  für  die  Dinge  des  täglichen  Bedarfs.  Wer  Geld
       a n l e g e n   kann, hat den Alltagsnotwendigkeiten, die ständig
       aufs   f e h l e n d e   Geld verweisen,  den Rücken gekehrt. Wer
       Geld zum  Anlegen ü b e r  hat, der  will damit  m e h r  G e l d
       kassieren. Und  ein Blick  in die  Geschäftswelt zeigt, daß diese
       nur darauf wartet, dies Interesse zu bedienen: 'Her mit dem Geld!
       Wir sorgen  in unseren  Unternehmungen schon dafür, daß unser Ge-
       winn und Euer Zins stimmt!'
       
       2.
       
       Nun gibt  es eine  Geldanlagemöglichkeit, die  angeblich auch den
       armen Schlucker zum Kapitaleigentümer macht: die  A k t i e.  So-
       weit stimmt  es: Kaufen kann sich die Dinger jeder. Der bei Daim-
       ler arbeitende Besitzer einiger Daimler-Vorzugsbelegschaftsaktien
       wird damit  allerdings noch lange nicht zum Mit-Eigentümer  d e s
       Ladens, in  dem ihm täglich das Fell über die Ohren gezogen wird.
       Seine Lohnteile werden als Teil des  Aktien k a p i t a l s  gern
       genommen. Quelle  der Bereicherung  wird die  Aktie  f ü r  i h n
       dadurch noch lange nicht. Dazu muß man schon soviel Geld über ha-
       ben, daß  Dividende, Aktienhandel  und Spekulation nicht über das
       Haushaltsgeld befinden.
       So gesehen  ist die  Aktie eine äußerst praktische Angelegenheit:
       Die Betreiber  der Aktiengesellschaften können mit allem Geld der
       Gesellschaft arbeiten  lassen. Die  eigenen Erträge reichen ihnen
       dafür nämlich längst nicht. Die Aktionäre beziehen Dividende. Und
       der Daimler-Arbeiter  mit Aktie  darf sich  einbilden, mit seiner
       Aktie wäre  er in  den Kreis  der Nutznießer der kapitalistischen
       Ausbeutung einbezogen.
       
       3.
       
       Einen Zettel nehmen, mit "1000 DM" beschriften, ihn dann der Bank
       präsentieren und 10 Blaue kassieren wollen, geht nicht nur nicht.
       Das ist  strafbar. Es  sei denn,  der Zettel ist eine Aktie, dann
       läuft so  etwas: Obwohl  eine Aktie  zunächst nicht viel mehr als
       eine "Quittung"  für Geld  ist, das der Fabrik geliehen wurde und
       in der Fabrik steckt, kann man gegen Verkauf der "Quittung" neues
       Geld kriegen.  Auf wundersame  Weise hat es sich verdoppelt - für
       Produktionsmittel ausgegeben  und doch  wieder als  Geldsumme neu
       verfügbar. Wieso  darf man nun für diesen Papierzettel kassieren,
       für den anderen, den selbst verfertigten nicht? Die Aktienkäufer,
       die Aktienverkäufer  und staatliche  Schutzmächte dieser Transak-
       tionen müssen sich schon ziemlich sicher sein, daß andere für den
       Wert, den sie im Aktiengeschäft kassieren, mit ausreichend Arbeit
       geradestehen -  und die  Unternehmer mit den Produkten dieser Ar-
       beit auch ordentlich  G e w i n n  machen.
       
       4.
       
       Deswegen ist  es in  der Welt der Geldanlage auch üblich, die Ge-
       schäftswelt genau  zu beobachten.  Ob und  welcher Gewinn aus dem
       Handel mit  diesen Zetteln rauskommt, hängt nämlich dann ziemlich
       davon ab, welches Geschäft  e r w a r t e t  wird. Und schon pas-
       siert es, daß die Ware mit dem Namen "Aktie" durch Verkaufen bil-
       liger und  durch Kaufen  teurer wird.  Das müßte dem Lohnbezieher
       mal passieren,  daß die Preise der Waren einfach dadurch, daß sie
       verkauft werden, in den Keller rutschen. So etwas geht nur in der
       Welt der  Börse: Dort scheint man sich so sicher zu sein, daß al-
       les Geschäft sich nur um die Geldvermehrung dreht, daß sich glatt
       mit der  Erwartung zukünftiger Geschäfte Geschäfte machen lassen.
       Und was  ist, wenn das schief geht? Wenn die sich verspekulieren?
       Dann machen  z.B. die das Geschäft, die auf den Geschäftsrückgang
       gesetzt haben.
       
       5.
       
       Warum es  nun  an  der  Börse  insgesamt  gekracht  hat,  wo  die
       1.000.000.000.000  Mrd.   Dollar  geblieben   sind,   wieso   ein
       amerikanischer Finanzminister  mit einer  Kritik am hiesigen Zins
       Kursstürze auslösen  kann,  wieso  Stoltenberg  auf  Gelassenheit
       macht und  andere vor dem großen Krach warnen, worin der denn be-
       stehen soll...,  diese und  andere Fragen  werden geklärt auf der
       Veranstaltung der MARXISTISCHEN GRUPPE, Donnerstag, 12. November,
       19 Uhr  in der  Mensa der  Hochschule Bremen,  Langemarckstr. 116
       (Eingang Neustadtswall).

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