Quelle: Archiv MG - WISSENSCHAFT PSYCHOLOGIE - Vom Wahn und Sinn
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Bremer Hochschulzeitung Nr. 36, 19.05.1981
G. Vinnai
"DER FÜHRER WAR AN ALLEM SCHULD -
ZUR SOZIALPSYCHOLOGIE DES 'DRITTEN REICHS'"
Der Titel des Aufsatzes ist eine Polemik gegen eine gängige Form
der Entschuldigung der Mitmacher des deutschen Faschismus durch
die Person Hitlers:
"Der 'Führer' Adolf Hitler war scheinbar an allem schuld, er ver-
fügte irgendwie über magische Kräfte, denen sich kaum jemand ent-
ziehen konnte. Erklärungen, die die grauenvollen Machenschaften
des deutschen Faschismus einzig aus den Eigenschaften der Person
Hitlers ableiten, haben für manche Vorteile. Wenn Hitler für al-
les haftbar gemacht wird, wird die Verantwortung von Industriel-
len, Militärs, Richtern oder Lehrern, die den Faschismus getragen
haben, heruntergespielt... Auch die kleinen Mitläufer und Anpas-
ser schieben gern alles auf Hitler - das verschleiert ihre Schuld
und reduziert das schlechte Gewissen. Wenn letztlich dein
'Führer' alles Schlimme angerechnet wird, geraten bis heute
fortbestehende ökonomische Strukturen und Machtverhältnisse aus
dem Blickfeld, die den Faschismus ausgebrütet haben und die ihn
in neuer Form wieder hervorbringen können..." (465)
Dem ist insofern zuzustimmen, als in der Tat die "ungeheure Hit-
lerei" (Vinnai) von vornerein nicht die Erklärung des Faschismus,
sondern u.a. die Absolution der noch lebenden Restbestände des
"Dritten Reiches" zum Programm hat. Vinnai liegt auch noch rich-
tig, wenn er d i e gängige Form der "Vergangenheitsbewältigung"
in Gestalt der Frage "Wer hat was gewußt?" mit einer anderen
Frage zurückweist:
"Müßte nicht statt 'Wer hat was gewußt?' eher gefragt werden:
'Wer hat was nicht wissen wollen?' (458)
Genau! Das ganze verlogene Getue, man hätte die KZ-Nachrichten
als ausländische Greuelpropaganda aufgefaßt, in der faschisti-
schen Presse sei 'nur' (!) von Gefangenen- oder Arbeitslagern die
Rede gewesen und Hitler habe doch auch ständig vom Frieden gere-
det, ist mit dieser Frage erledigt. Richtig ist sie überhaupt nur
als rhetorische Frage, die folgende Klarstellung vornimmt: "Macht
doch nicht so rum. Ihr wolltet den 'Faschismus' bzw. ihn mitma-
chen. Deswegen hattet ihr euch entschieden, den Lügen über die
KZs als freundliche Arbeitslager Glauben zu schenken. Und das
wollt ihr jetzt nicht mehr wahrhaben, weil heute Demokratie ge-
fragt ist." Aus, Schluß! Mehr gäbe es in dieser Abteilung der
Kritik an Machern und Mitmachern auch gar nicht zu sagen. Denn in
der Leugnung, je etwas über die "Greuel des Faschismus" erfahren
zu haben, ist deren Verurteilung unterstellt.
Vinnai dagegen nimmt diese rhetorische Frage 'Wer hat was nicht
wissen wollen?' ernst und macht sich an ihre Beantwortung. Er
versucht also in seiner Erklärung des F a s c h i s m u s die
Antwort darauf zu finden, warum überlebende Macher und Mitmacher
h e u t e von nichts gewußt haben wollen. Dabei hat Vinnai sie
z.T. längst selbst beantwortet: Wenn man als Ex-Nazi wieder auf
Demokratie setzt, gehört das Bekenntnis zum Antifaschismus in ir-
gendeiner der Varianten von Selbstentschuldigung als Persilschein
dazu. Die Frage beantwortet sich ausschließlich dadurch, was sol-
che Leute h e u t z u t a g e wollen und hat mit dem, was sie
im Faschismus getrieben haben, nicht das Geringste zu tun.
Vinnai nimmt eine verlogene Rechtfertigungsveranstaltung von und
für ehemalige Faschisten für bare Münze und muß nun deswegen den
Faschismus und seine Macher so hindrechseln, daß eine Antwort
herauskommt. Der Fehler von Vinnais Faschismuskritik beginnt
folglich damit, daß er im Dritten Reich G r ü n d e für ein
"Nicht-Wissen-Wollen" zu suchen beginnt, die dann natürlich jen-
seits des "Wollens" der Leute liegen müssen. Das geht so:
VINNAIS Erklärung: Vom gefühlskalten Konkurrenzgeier
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zum wohnhaften Faschisten
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Vinnai erklärt sich das "Nicht-Wissen-Wollen" in sieben Schrit-
ten.
1. "Nicht Unaufgeklärtheit, sondern K ä l t e kennzeichnet den
potentiellen Faschisten. Vor allem der deutsche Faschismus zeigt
ein erschreckendes kollektives Desinteresse am Schicksal seiner
Opfer, das es zu erklären gilt." (458) (Alle Sperrungen BHZ)
Seine Erklärung:
2. "Bereits im Alltag der k a p i t a l i s t i s c h e n Ge-
sellschaft, die den Faschismus ausgebreitet hat, setzt sich in
weiten Bereichen eine hartherzige Gleichgültigkeit als Lebens-
prinzip durch, die allein ihr Funktionieren erlaubt." (458)
Und woher kommt die "hartherzige Gleichgültigkeit" im Kapitalis-
mus?
3. "Im Dschungel der kapitalistischen Ökonomie, in dem sich die
Menschen irgendwie behaupten müssen, um zu überleben, gilt das
Gesetz des Stärkeren, das es diesem erlaubt, über die Schwächeren
zu triumphieren. Die bürgerliche Gesellschaft stellt eine Art or-
ganisierter Asozialität dar. Sie verwandelt die Menschen in
feindliche Wesen, die sich gegeneinander wappnen müssen, um in
diesem System von K o n k u r r e n z und Ausbeutung existieren
zu können." (460)
Zwischenfazit:
"Diese gesellschaftlich erzwungene Fähigkeit gleichgültigem, af-
fektarmem Funktionieren, das die Möglichkeit erstickt, sich spon-
tan und liebevoll auf andere zu beziehen, hat erst das faschisti-
sche Grauen m ö g l i c h gemacht." (461)
Da nun allerdings die "Möglichkeit" des Faschismus eben nur seine
"Möglichkeit" ist und keine Erklärung dafür abgibt, warum sich
die Leute nun nicht um das "Schlimme geschert" (458) haben, fährt
Vinnai fort und zieht aus der "gesellschaftlich erzwungenen
Kälte" einen Schluß:
4. "Die Ohnmacht der einzelnen gegenüber den unpersönlichen Funk-
tionsmechanismen der ökonomischen und staatlichen Institutionen
der kapitalistischen Gesellschaft zwingt diese, menschlich getön-
tes soziales Engagement auf den Feierabend zu verschieben. ...
(Und diese) P r i v a t i s i e r u n g von sozialem Engagement
ist mit Bewußtseinsformen verknüpft, die den zentralen Funktions-
mechanismen der kapitalistischen Gesellschaft u n a n g e-
m e s s e n sind." (461)
Und fragt man, worin diese Unangemessenheit besteht, antwortet
Vinnai:
"Die einzelnen, die ohne politische Aufklärung und vor allem ohne
ihren Interessen und Bedürfnissen angemessene politische Zusam-
menschlüsse bleiben, sind an ihre in der Kleinfamilie anerzogenen
privatisierten Einstellungen fixiert, die nicht mehr vernünftig
theoretisch und praktisch auf das gesellschaftliche Ganze bezogen
werden können, das ihr Schicksal bestimmt." (461)
5. Wenn nun die, "D i s k r e p a n z zwischen einer privati-
sierten Vorstellungswelt mit ihren Anstaltsregeln und den in den
verselbständigten gesellschaftlichen Apparaturen eingelagerten
teuflischen Möglichkeiten immer mehr w ä c h s t" (461), folg-
lich der Mensch "von übermäßiger A n g s t überwältigt zu wer-
den" (461) droht, dann - so Vinnai beginnt das "Ich sich den
R e a l i t ä t e n g e g e n ü b e r, die sie aufrühren,
b l i n d zu machen... und das Opfer des Bewußtseins zu brin-
gen". (461)
Und wie geschieht das?
6. "Wo soziale Realitäten für isolierte Einzelne übermäßig be-
drohlich werden, ohne daß sie einen Weg sehen, sich gegen sie
wehren zu können, entsteht, wie die Psychopathologie lehren kann,
eine Tendenz, i n f i k t i v e, w a h n h a f t e E r-
s a t z r e a l i t ä t e n a u s z u w e i c h e n, die blin-
den Wünschen mehr entsprechen." (462)
Solche "fiktive Ersatzrealität" muß also nur zur rechten Zeit zur
Hand sein. Und sie war es:
7. "Während der umfassenden sozialen Krisensituation der Welt-
wirtschaftskrise... lieferte die faschistische Vorstellungsweit
für viele eine quasireligiöse Ersatzreligion, die es erlaubte,
die Misere des Alltags zu verdrängen. Mit ihren nationalen
Allmachtsphantasien, die das Gefühl individueller Ohnmacht
kompensierten, und ihrem wohnhaften Antisemitismus, der für die
Gefühle des eigenen Versagens Sündenböcke zur Verfügung stellte,
verschaffte sie psychisch entlastende Realitätsfiktionen.
Diejenigen, die die kapitalistische Konkurrenz und die Angst vor
der überwältigenden Macht des NS-Systems atomisierte, durften als
Mitglieder der 'Volksgemeinschaft' wenigstens fiktiv erfahren,
was kollektives Handeln bedeuten könnte, das nicht nur ökonomi-
schem Kalkül gehorchen muß." (462)
Fertig!
Die ganze Konstruktion, noch einmal - polemisch - auf ihren kur-
zen Nenner gebracht, lautet: Wenn Desinteresse an Opfern, dann
Kälte. (1) Kälte kommt aus kapitalistischer Konkurrenz. (2 + 3)
Da aber Menschen nicht für Kälte, sondern für Wärme, findet Wärme
nur noch privat statt. Private Wärme taugt aber nicht für kapita-
listische Kälte. (4) Wenn Kälte zunimmt, bekommt Mensch Angst.
Wenn Mensch viel Angst, wird er verrückt (5) und sucht "fiktive
Ersatzrealität". (6) Der Faschismus bietet Temperaturausgleich in
Form "fiktiver Ersatzrealität" an, die dem Wärmewunsch der Men-
schen entspricht: Volksgemeinschaft ist Wärme, aber leider noch
nicht voll zufriedenstellend, denn "fiktiv". (7) Also: Angst
fressen mit Seele auch Bewußtsein auf und Faschismus bietet für
leicht Bekloppte "fiktiven" Seelenschmaus.
VINNAIS Fehler: Der Faschist, der keiner ist
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Bereits im ersten Schritt wird die von Vinnai zunächst festgehal-
tene E n t s c h e i d u n g von Leuten, bestimmte Faschiste-
reien nicht zur Kenntnis nehmen zu w o l l e n, wieder zurück-
genommen. Eine seelische Deformation, Kälte, besser: Gefühls-
kälte, soll dafür verantwortlich sein, daß "Desinteresse am
Schicksal der Opfer" bestand. Dazu muß man allerdings den Leuten
unterm Faschismus exakt das bestreiten, was Vinnai zu begründen
versucht: Wer nämlich die faschistische "Vorstellungswelt " drauf
hat, wer in den Juden nicht nur den Schuldigen für das eigene
Elend, sondern zudem die Bedrohung der arischen Rasse sieht, der
hat nicht nur kein "Interesse am Schicksal der Opfer", sondern
muß umgekehrt einverstanden sein über die Vernichtung jedes ein-
zelnen "Volksschädlings". Vinnai hat sich also Faschisten erfun-
den, die die faschistische Ideologie bestreiten sollen, obwohl
sie - so geht sein Nachweis- diese gerade t e i l e n. Er
vermißt bei ihnen "Interesse" und "Mitleid" für diejenigen, denen
das faschistische Programm gerade das Interesse an der
Unterjochung Deutschlands angedichtet hatte. Das geht natürlich
nur, wenn im folgenden nachgewiesen wird, daß aufgrund widriger
Umstände das eigentlich "Menschliche" im Menschen, sein Mitgefühl
etc., also alles, was Vinnai als die Zwecke des Menschen in die
Welt gesetzt hat, vorübergehend und ohne Beteiligung seines
Verstandes außer Kraft gesetzt worden ist. Das (sozial-)psycho-
logische Exkulpationsprogramm hat seinen Anfang genommen.
VINNAIS Ideal: Die menschliche Seite der Konkurrenz
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Was ist dann eigentlich der Kapitalismus, wenn Vinnai ihn für
diese "Kälte" verantwortlich macht? Natürlich eine äußerst ungün-
stige Bedingung für "menschliche Möglichkeiten". Sprich: Für jene
"menschlichen Möglichkeiten", von denen sich der Sozialpsychologe
das Heil verspricht: "Wärme", "Offenheit", "Kollektivität",
"Spontaneität", "Sensibilität", "liebevoller Bezug auf andere"
(460 f) usw. Übersehen wir einmal den Fehler, den Kapitalismus
nur negativ aus der Abwesenheit der Möglichkeit von Vinnais Ge-
sellschaftlichkeitsideal zu bestimmen, so bleibt Vinnai zunächst
einmal den Nachweis schuldig, was denn eigentlich an jenem Haufen
von Mensch- und Mitmenschlichkeit, den er im Laufe seiner Abhand-
lung zusammenträgt, so wunderbar sein soll:
"Offenheit": 'Ich bin für alles offen', sagte der Hausbewohner
seinem Blockwart.
"Wärme": Sehr gefühlvoll, wie sich die Mädels im BDM mit Zopf und
Sang und Klang gemocht und für die arische Rassenreinheit gewor-
ben haben.
"Kollektivität": Hauptsache zusammen, also rein in die SS, HJ,
und NSDAP.
"Spontaneität": Ganz spontan beschloß der KZ-Wächter, heute kei-
nen Juden zu vergasen. Es war Weihnachten.
"Sensibilität": Heinrich Himmler liebte seine Familie und die Mu-
sik. Adolf Hitler streichelte inniglich seinen Köter und
schwärmte für die zarte Eva Braun.
Es ließen sich für diese Tugenden ebensoviele Beispiele aus der
BRD 1981 aufzählen. Daß diese ganz formellen, angeblich positiven
Charaktereigenschaften auch noch für den brutalsten Inhalt
'offen' sind, liegt in ihrer Natur - auch wenn VINNAI jetzt laut
aufschreit, weil er natürlich nicht den sensiblen Adolf und sei-
nen spontanen KZ-Knecht dabei im Kopf hat.
An diesen "Sozialtugenden" ist absolut nichts hochzuhalten, weil
sie so oder so praktiziert werden können, denn sie selbst benen-
nen ja noch gar keine Zwecke, sondern nur die Art und Weise ihrer
Durchführung. Mehr noch: Sie haben alle eine Gemeinsamkeit, die
sie von vornherein als selbständige Zwecke diskreditiert: Samt
und sonders stellen sie das n e g a t i v e A b z i e h b i l d
d e r K o n k u r r e n z dar. Wo in der Konkurrenz jeder gegen
den anderen gerade entdeckte Konkurrenzehancen verbirgt, emp-
fiehlt Vinnai "Offenheit". Wo Neid, Mißgunst und Denunziation die
"Tugenden" der Konkurrenz sind, empfiehlt Vinnai "liebevollen Be-
zug", "Kollektivität" und "Wärme". Und wo schließlich Rücksichts-
losigkeit gegeneinander als Bedingung fürs Fortkommen gilt und
mit jeder von Staat und Kapital in die Welt gesetzten Gemeinheit
als Mittel fürs über-die-Runden-kommen kalkuliert werden muß,
empfiehlt Vinnai "Sensibilität" und "Spontaneität". Nun wird,
wenn man etwas gegen die Konkurrenz hat, das Gegenteil von ihr
noch lange nicht erstrebenswert. Im Gegenteil! Als Maßstab bleibt
da nämlich die Konkurrenz erhalten - eben negativ. Und genauso
wie die Alternative zu Krieg nicht Frieden ist, sondern ein Zu-
stand, in welchem es nicht mehr nötig ist, ständig mit dem Frie-
densgerede den nächsten Krieg zu beschwören.
Das negative Ideal der Konkurrenz: Dienst für Konkurrenz
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Vinnai täuscht sich desweiteren ganz gewaltig in seinem Urteil,
dieses Sammelsurium ärgerlicher Konkurrenzumkehrungen sei der
schiere Gegensatz kapitalistischer Rationalität. Da muß er schon
ganz schön darüber hinwegsehen, wie beispielsweise Frau Bundes-
präsident fürs Müttergenesungswerk wirbt, wie in der Produktion
mit viel Humanisierung die Rationalisierung vorangetrieben wird,
wie bei jedem Rekrutengelöbnis eine Kollektivität zustande kommt,
die einen das Fürchten lehrt, und daß doch Wärme und Liebe immer
noch die Tricks der Pädagogen sind, sich ihr reichlich widerspen-
stiges Schülermaterial gefügig zu machen. Vinnais
'Gegenargument', da handele es sich nicht um "echte" Kollektivi-
tät oder "echte Wärme", zieht nicht. Wenn nämlich "Wärme",
"liebevoller Bezug aufeinander" etc. ganz getrennt von jedem be-
stimmten Gefühl und Interesse als Norm für den Umgang miteinander
gelten soll, dann muß diese Verkehrsform auch getrennt vom Fühlen
und Wollen jedes Einzelnen durch eine Instanz festgeschrieben
werden, damit sie gesellschaftliche Gültigkeit hat. Diese Fest-
schreibung geht nur als Gewalt gegen die Leute, insofern sie
gleichgültig gegen jeden Willensinhalt die Form seiner Betätigung
vorschreibt. Geheucheltes Demonstrieren des dekretierten Mögens
ist darin ebenso eingeschlossen wie die Unterwerfung unter die
Instanz, die die Verkörperung der "Kollektivität", der erzwunge-
nen Gemeinsamkeit beansprucht. Dies existiert, um es vorwegzuneh-
men, als gesellschaftlich durchgesetzte Verkehrsform nur im Fa-
schismus und im "realen Sozialismus". Der Einwand, "echte" Wärme
etc. sei gemeint s t a t t Gegensatz, taugt also nicht, weil
diese Abstraktion als allgemeingültige Umgangsform ohne Gewalt
eben nicht zu haben ist...
Privatleben und Ausbeutung getrennt:
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Funktionaler Zusammenhang, staatlich organisiert
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Worin soll denn eigentlich die unüberwindliche D i s k r e-
p a n z zwischen Privatheit, Familie und dem "Dschungel der
kapitalistischen Ökonomie" bestehen? Hat sich noch nicht
herumgesprochen, daß die "Wärme" und "Liebe" in der Familie mit
einem ganzen Haufen von Familiengesetzen dazu verpflichtet
werden, dem lohnarbeitenden Teil der Menschheit die Vor- und
Nachbereitung von Lohnarbeit zu erleichtern? Daß die Liebe dabei
sehr schnell über den Jordan geht? Deswegen sorgen dann Schei-
dungs- und ähnliche Gesetze dafür, daß die Funktion der Familie
für den Einsatz der Arbeitskraft fürs Kapital selbst dann erhal-
ten bleibt, wenn die Grundlage für die Familien g r ü n d u n g -
"Ich mag Dich! Willst Du mich!" - längst flöten ist. Bei Vinnai
wird aus der bürgerlichen Familie eine Restidylle, ein Refugium
seines Ideals, an welcher er nun beklagt, daß es eben rein
p r i v a t und nicht mehr "theoretisch und praktisch auf das
g e s e l l s c h a f t l i c h e G a n z e" bezogen wird. Vin-
nais Konsequenz: Wärme, Offenheit, Kollektivität und die anderen
Scherze so durchgesetzt, daß echte "Volksmeinschaft" bzw. eine
die "Vereinzelung überwindende Kollektivität" erfahren wird.
Faschismus als "fiktive Ersatzrealität"
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Dafür spricht seine Kritik am Faschismus, ihren Machern und Mit-
machern: Vinnais Ideal ist jetzt ein Drang, der so massiv von den
"verselbständigten gesellschaftlichen Apparaturen" des Kapitalis-
mus unterdrückt wird, daß er sich - nein, nicht etwa gegen diese
"Apparaturen" durchsetzt, sondern - verflüchtigt. Wohin verflüch-
tigt sich für den Psychologen so ein Ideal, wenn er es im Verlauf
seiner Theorie aber i m Menschen noch braucht? Ins
U n b e w u ß t e natürlich! Da ist es weg, aber noch da und je
nachdem, wie der Psychologe den Krempel braucht, sofort wieder
verfügbar. Und das passiert auch gleich. Denn auf merkwürdige
Weise entdeckt der verängstigte "potentielle Faschist" (Vinnai)
die ihm von Vinnai angedichteten Wünsche und Zwecke in der fa-
schistischen "Vorstellungswelt" sofort wieder. Und das, obwohl
sie inzwischen doch in sein Unbewußtes abgetaucht sind. Das geht
natürlich nicht, hat aber ohnehin nur die Funktion klarzustellen,
daß 1. der "potentielle Faschist" nichts dafür kann, wenn er sich
dieser "Vorstellungswelt" des Faschismus verschreibt, weil ihn
sein Unbewußtes treibt, und daß 2. sein Unbewußtes dabei gar
nicht so schief liegt, denn in jener Vorstellungswelt findet sich
in Form einer "fiktiven Ersatzrealität" einiges von dem wieder,
was dem Menschen, der aus der Kälte kommt, abhanden gekommen ist.
Da werden also schon eine Reihe theoretischer Gemeinheiten zusam-
mengetragen: Zunächst wird da dem deutschen Volk bescheinigte
hätte sich in toto einem psychopathologischem Gesetz anbequemt,
hätte infolge starker Angst ganz einfach ausgerastet und deswegen
Hitler - g e w ä h l t?! Seit wann geht denn jemand, der vor
"übermächtiger Angst" wirklich einmal ausklinkt, w ä h l e n,
macht sich also in seiner "übermächtigen Angst" die Alternative
auf zwischen den anzukreuzenden Repräsentanten des "kapitalisti-
schen Dschungels" auf der einen und den Repräsentanten seiner
"fiktiven Ersatzrealität" auf der anderen Seite.
Weiter: Für die angeblich n i c h t vorstellbare Welt der fa-
schistischen Gewalt machen sich die Leute nach dieser Auffassung
ausgerechnet die "Vorstellungswelt" der faschistischen Ideologie
zueigen, mit der doch gerade die "Greuel" dieses Staates
b e g r ü n d e t werden. Wie soll denn "die Misere des All-
tags", in der jedermann den Gegensatz zum faschistischen Staat zu
spüren bekommt, sei es in Gestalt deutscher Wertarbeit f ü r
die Kriegsvorbereitung oder der Konzentrationslager, dadurch ver-
drängt werden, daß man sich getreu der faschistischen Vorstel-
lungswelt die Parolen vorn "Volk ohne Raum" und den "Juden als
Schädlingen des Volkskörpers" aneignet? Beide reichen doch
falsche, weil ideologische Rechtfertigungen der staatlichen
P r a x i s nach, die in ihr blutige Wahrheit wurden. Aber die
"R e a l i t ä t" hat hier Meister VINNAI "e r s e t z t": Der
Faschismus existiert nur als "Vorstellungswelt" mit "fiktiver
wohnhafter Ersatzrealität". An die Stelle der praktischen Zumu-
tungen des faschistischen "Alltags" - von der Fabrik über den Ar-
beitsdienst bis zum Blockwart - setzt VINNAI das von ihm erfun-
dene e i g e n t l i c h e Leid der Individuen, "das Gefühl in-
dividueller Ohnmacht", weil alle "atomisiert" sind, und das in
einer Gesellschaft, die von der "Volksgemeinschaft" bis zu HJ und
BDM als Zwangs g e m e i n s c h a f t organisiert ist. Für die-
ses edle, aber leider unterdrückte Motiv nach einer "Gemeinschaft
aller", die sich selbst bestimmt, bieten nach VINNAI nun die
"nationalen Allmachtsphantasien" und der "Antisemitismus" eine
kompensatorische Befriedigung, weil "p s y c h i s c h entla-
stende Realitätsfiktionen". Gerade so, als wäre in diesen ideolo-
gischen Formen nicht ausgedruckt, daß die "Volksgemeinschaft" ein
vom Staat gesetzter Z w a n g s verband ist, der über Leichen
geht. Sollte vorher die A b w e s e n h e i t des Gefühls der
"M i t menschlichkeit", des Bedürfnisses nach "kollektivem Han-
deln" die P r a x i s der faschistischen Gewalt ermöglichen, so
gibt nun sein V o r h a n d e n s e i n den Grund dafür her,
warum es sich in der T h e o r i e des Faschismus befriedigt
sieht. Das klappt natürlich nur, wenn man sich die Freiheit des
G. VINNAI nimmt, und den Zwangsverband der" Volksgemeinschaft"
gleich so interpretiert, daß er für die Befriedigung dieses Idea-
lismus taugt. Dafür steht die Welt Kopf. Real an seinen
"Realitätsfiktionen" nennt er s e i n e Fiktion, die "Allmacht"
der Nation = Lehrers erfülle den Wunsch nach "kollektivem Han-
deln"; fiktiv dagegen ist für ihn die reale Wahrheit dieser
"Volksgemeinschaft", einzig durch die G e w a l t des faschi-
stischen Staates zu existieren.
Die Kritik des Faschismus als sein heimliches Lob
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Diese Kritik des Faschismus kommt also nicht umhin, ihm Anerken-
nung zu zollen: denn die inkriminierte Gewalt dieser Gesellschaft
gilt der sozialpsychologischen Konstruktion als Ausdruck des
edelsten Motivs des Menschen, das sie ihm untergeschoben hat. Ein
dicker Pluspunkt, vor dem selbst die Demokratie alt aussieht:
"Und es gilt auch, daß bloß formale Demokratie... blaß bleiben
muß gegenüber den Bedürfnissen nach die Vereinzelung überwindende
Kollektivität, denen der Faschismus immerhin (!) zu ihrem Aus-
druck wenn auch keineswegs zu ihrem Recht - verholfen hat."
(Walter Benjamin) (13)
Und umgekehrt bestimmt VINNAI die vielen Mitmacher des Faschis-
mus, die er eingangs von ihrer Beteiligung n i c h t freispre-
chen wollte, allesamt als solche, die o h n e Willen und Be-
wußtsein die tägliche Gewalt dieser Gesellschaft exekutieren,
weil sich darin ihr unbewußtes Bedürfnis nach "kollekivem Han-
deln" Geltung verschafft. Dieser Standpunkt kritisiert am Fa-
schismus einen M a n g e l, nämlich denjenigen, daß er das an-
gebliche Bedürfnis Einheit des Subjekts mit der Gesellschaft nur
ideell, aber nicht praktisch wahrmacht, es "ausdrückt", ihm aber
nicht zu seinem "Recht" verhilft. Die O p f e r des Faschismus,
die VINNAI dafür als Beleg gelten, deklarieren die Praxis des Fa-
schismus zum Verstoß gegen das Ideal einer e c h t e n,
n i c h t durch die G e w a l t des Staates hergestellten Ein-
heit von Volk und Staat. Und die G e f o l g s c h a f t seiner
Anhänger ist dem Faschismus deswegen sicher, weil diese in der
gewaltsam hergestellten Einheit von Volk und Staat ihr Ideal der
Einheit aller mit allen immer noch wiedererkennen sollen. Woher
weiß der VINNAI eigentlich, daß das "Bedürfnis nach kollektivem
Handeln", die Sehnsucht nach einer Identität von Subjekt und Ge-
sellschaft das edelste Motiv des Menschen ist? An diesem Maßstab
beurteilt er Faschismus, Kapitalismus und alles auf der Welt.
N e b e n der V e r u r t e i l u n g faschistischer Gewalt
stellt sich damit B e w u n d e r u n g für ihn ein: immerhin
hat er dieser Sehnsucht zu ihrem Ausdruck, leider nicht zu ihrem
Recht verholfen. Warum soll sich der Mensch jenseits jedes be-
stimmten Inhalts seines Wollens und Tuns nach dieser Einheit mit
seiner Gesellschaft sehnen? Das Ideal selbst verrät noch, daß es
einen G e g e n s a t z zwischen den Leuten und ihrer
"Gesellschaft" gibt, die dann wohl auch getrennt von ihrem Wollen
und Tun existiert. Denn das einfache Zusammensein aller Leute,
die
ihren Interessen nachgehen, kann ja noch nicht die ersehnte
"Kollektivität" VINNAIs sein; sie soll ja erst in der
E i n h e i t dieser Leute mit der Gesellschaft existieren. Dann
aber ist diese der zu ihnen existierende Gegensatz, der gleich-
gültig gegen die bestimmten Inhalte ihrer Interessen die Einheit
verlangt, die außerhalb ihres Tuns und Treibens liegen soll. Das
geht nur gewaltsam, durch den Staat also, der dieser sonderbaren
Einheit gesellschaftliche Gültigkeitverleiht (Hinz und Kunz sind
jetzt D e u t s c h e). An dieser gewaltsamen "Kollektivität"
des Staates hält VINNAI fest und bedauert gleichzeitig, daß die-
ser der von den Leuten ins Werk gesetzte, verselbständigte und
mit dem Gewaltmonopol ausgestattete Gegensatz zu ihnen ist. Da
die Leistung des Staates (die Herstellung dieser abstrakten Ein-
heit) ohne die Gewalt Staat nicht zu haben ist, rettet VINNAI
sein Ideal der "Kollektivität", indem er es zum
B e d ü r f n i s der Leute erklärt, mit ihrer Gewalt eins zu
sein - so daß der Gegensatz zwischen ihnen für keine der beiden
Seiten ein Problem mehr sein soll. Die contradictio in adiecto
liegt auf der Hand: weil E i n h e i t im Gegensatz, ist der
G e g e n s a t z nicht verschwunden, und daß sie auf diese
Weise gewaltfrei sei, ist eine Fiktion VINNAIS. Und jede
"Wahrheit" dieses Ideals, das sich VINNAI ohne Gewalt ausmalt,
erbringt hierfür den Beweis. E i n e Wahrheit desselben hat der
Faschismus praktisch gemacht: die Einheit der
"Volksgemeinschaft". Daß der Wille seiner Leute sich die Identi-
tät mit der Gesellschaft, also die Zwecke des Staates zueigen
macht, ist eben ohne Gewalt nicht zu haben. Sollte nicht diese
praktische Wahrheit seines Idealismus VINNAI zu denken geben, ihn
gleich auch noch als edelste Sehnsucht der Menschennatur zu be-
stimmen?
Praktische Absichten?
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Praktische Absichten hat dieser Antifaschismus des Autors ebenso-
wenig, wie er daran geht, einen Verein für "kollektives Handeln"
zu gründen.
"Wenn der faschistische Führerkult sich nicht dem Genie Hitlers
verdankt, sondern im wesentlichen der u n demokratischen Ver-
hältnissen entsprungenen psychischen Verelendung seiner Anhänger,
muß der Kampf gegen kollektive Formen faschistischen Wahns das
Ringen um veränderte Formen der Subjektivität einschließen. Be-
dürfnisse müssen mit Hilfe der Demokratisierung der Gesellschaft
befreit werden, wenn ihrer unbewußten Manipulation durch Demago-
gen der Boden entzogen werden soll. Die Anfälligkeit für totali-
täre Strömungen ist kaum durch bloße Aufklärung aus der Welt zu
schaffen; sie verlangt die Umwälzung von sozialen Verhältnissen,
die deformierte psychische Strukturen hinfällig werden läßt, an
die diese anknüpfen können." (474)
Wem will er damit eigentlich was sagen? Die Massen zwecks Thera-
pie auf die Couch legen? Nutzt ja nichts, solange die "sozialen
Verhältnisse" weiterbestehen, die sie angeblich deformiert. Um-
wälzung der Verhältnisse? Geht ja nicht, solange die Leute mit
den "deformierten psychischen Strukturen" durch die Welt laufen,
die der Autor ihnen angehängt hat. Aufklärung? Welch ein Hohn für
einen Intellektuellen, der die ganze Welt zum Grund und zur Aus-
geburt eines gesellschaftlich produzierten p s y c h i s c h e n
Defekts verklärt, von dem keiner weiß - außer ihm. Sollte die
ganze Faschismusanalyse nichts als ein Dokument sein, wie sehr es
auf diese Wissenschaft und ihr Lieblingskind, die "Einheit von
Subjektivität und Gesellschaft" ankommt?
***
Gewöhnlich ist der deutsche Faschismus in der Wissenschaft ein
"dunkles Kapitel", ein "Betriebsunfall der Geschichte", Ausgeburt
eines Wahnsinnigen namens Adolf Hitler, dem die Massen gefolgt
sind, weil sie ihre gute Kinderstube vergessen haben. Oder man
erklärt das Ganze gleich zu einer unerklärlichen Sache.
Dieser wissenschaftlichen Reinwaschung von Land und Leuten, deren
Faschismus gar nicht ihrer, sondern ein Ausrutscher war, ent-
spricht das verlogene Getue der Mitmacher, die heute nichts
g e w u ß t haben wollen von dem, was sie damals g e t a n ha-
ben.
Die Beiträge Bremer Faschismusbewältigung treten gegen dieses Ex-
kulpationsprogramm polemisch auf - und treiben es auf die Spitze:
a l l e, auch die Massen haben beim Hitler-Staat mitgemacht, -
weil sie nicht anders wollen k o n n t e n.
Ausgerechnet linke Wissenschaftler und Antifaschisten finden in
der "Monströsität" des Faschismus - nicht falsche - sondern ver-
ständliche Gründe, warum sich ein ganzes Volk tatkräftig seinem
Opfergang für den Staat gefegt hat. Diese Sorte Kritik entdeckt
am Faschismus eine sehr schätzenswerte Seite: er hat die
"Vereinzelung" der Leute überwunden und ihr Bedürfnis nach
"Kollektivität" - "immerhin"! - zum "Ausdruck gebracht", wenn ihm
auch nicht "Recht" widerfuhr. Es ist das Ideal der Wissenschaft-
ler von einer "echten" Gemeinschaft, das ihrer Kritik am Faschis-
mus die - bedingte - Bewunderung für ihn in die Feder diktiert.
Und umgekehrt gilt ihnen das durch sie in die Welt gesetzte edel-
ste Bedürfnis des Menschen nach einer "Einheit von Subjekt und
Gesellschaft" als treibendes Motiv - für die Begeisterung auf dem
Reichsparteitag bis zur Judenvergasung -, das sich da immerzu
verkehrt, aber "immerhin" äußert. Abgesehen von den theoretischen
Fehlern, ohne die diese Ungeheuerlichkeit nicht zu haben ist, -
sollte einem dieses Ideal nicht schon deswegen verdächtig vorkom-
men, weil es Verständnis für den Faschismus geradezu herausfor-
dert?
Unter diesem Idealismus lassen die Autoren BECK, BOEHNCKE, VINNAI
et. al. in ihrem Buch "Leben im Faschismus" das "alltägliche
Grauen" als biographische Geschichtchen passieren. Und der Leser
wird angehalten, noch dem gemeinsten "Erlebnisbericht" seine An-
erkennung nicht zu versagen, insofern es sich eben um ein
E r l e b n i s handelt. Wer oder was ist denn eigentlich von
dieser wissenschaftlichen Seligsprechung ausgenommen, die jede
erfahrene Zumutung und ein noch so verkehrtes Interesse an ihr
g e w ü r d i g t, statt erklärt sehen will, w e i l es erlebt
wurde?
Das "unmittelbare Erleben" wird in den Rang des Rechts des Men-
schen auf seine Würde erhoben, die von jeder Erklärung und Kritik
mit Füßen getreten wird. Gerade so, als täten ihm nicht die prak-
tisch erlebten Zumutungen weh, sondern die Kritik seiner falschen
Gründe, mit denen er sie mit(ge-)macht (hat). Was soll an dieser
"Unmittelbarkeit" denn so schätzenswert sein? Daß wenigstens hier
die Sehnsucht aller nach Einheit mit dem Rest der Welt ideell
existiert, weil kein Interesse und kein bestimmter Zweck für sich
mehr zählt? Wollen sich Wissenschaftler, kritische zumal, allen
Ernstes zu einem Bekenntnis zum Irrationalismus herbeilassen, das
ausgerechnet im eigenen wissenschaftlichen Bemühen einen mora-
lisch verwerflichen Anschlag auf die Menschenwürde sieht, der der
Faschismus dagegen wenigstens noch zum "Ausdruck" verhilft? Will
diese Faschismuskritik wirklich ein neues, ganz anderes Feindbild
in die Welt setzen, das auch noch im eigenen wissenschaftlichen
Kopf zuhause sein soll?
Wissenschaftler sollten sich zu einem wissenschaftlichen Streit
in dieser Angelegenheit nicht zu schade sein. Unser Vorschlag:
eine
ÖFFENTLICHE DISKUSSION
die auch in Sachen Faschismuskritik Klarheit schafft. Wir sind
gesprächsbereit, die Spalten der BHZ stehen den besprochenen Au-
toren und anderen zur Replik offen.
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