Quelle: Archiv MG - WISSENSCHAFT PSYCHOLOGIE - Vom Wahn und Sinn

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       Geist und GAU
       

DIE MENSCHHEIT WIRD VERSTRAHLT - PSYCHOLOGEN FRAGEN, WIE SIE SICH DABEI FÜHLEN

Weiter östlich ist ein "Restrisiko" explodiert. Dozenten und Stu- denten der Psychologie lassen sich dadurch nicht von ihrem Stu- dium ablenken, sondern inspirieren (vgl. auch RHZ 14, S. 2: Prof. ZIMMER - 'Die Größte Anzunehmende Unfallursache: Der Mensch'). Am schnellsten reagierte Prof. LUKESCH. In seinem Seminar "Angst- und Streßbewältigung" (Di 10-12) ergriff er umgehend die Gelegen- heit zu lebensnaher Einführung in die psychologische Angst-Lehre und deren empirische Fundierung: Dozent und Studenten, unter As- sistenz des Kollegen NÖLDNER ("Streß und Streßbewältigung", Di 12-14), erstellten einen Fragebogen, die Regensburger Bevölkerung daraufhin zu befragen, welche Gefühle sie denn so mit dem strah- lenden Ostwind anwehten. Streng nach der Psycho-Logik: Egal, was einem Schlechtes wider- fährt, wichtig ist, wie man dabei seinen Seelen-Haushalt in Schuß hält, ist dabei natürlich das Alleruninteressanteste der GAU selbst. Sich über den ein Urteil zu bilden, nach den Ursachen zu frage, hieße ja gerade, sich um die Objektivität zu kümmern und den Bereich der schieren Subjektivität zu verlassen - den einzi- gen, den Psychologen kennen wollen. Den begriffslosen Ausgangs- punkt jedes objektiven Urteils, den dieses gerade überwindet das Gefühl ohnmächtiger "Betroffenheit", "Angst", "Unsicherheit" etc. - nehmen sie als das einzige, worauf es überhaupt ankommt. Gedan- ken über etwas, objektive Urteile sind da nicht gefragt - wäre ja auch zu blöd, sich um so etwas via Fragebogen zu bemühen! Die un- geteilte Aufmerksamkeit gilt vielmehr der sachkundigen Herstel- lung des empirischen Beweises, daß so etwas wie ein GAU, ähnlich einem Unwetter oder einem wilden Tier, der recht eigentlich herz- lich gleichgültige A u s l ö s e r für innere Bereitschaften dazu ist, sich so oder anders bei solchen Anlässen zu fühlen. Klar, daß die dann je nach Individuum unterschiedlich ausgeprägt sind! Denn siehe: Auf die Frage "Welche Empfindungen haben Sie, wenn Sie von dem Unfall in Tschernobyl hören?" ist die Antwort, daß da nichts so unwesentlich und schädlich ist wie irgendwelche Gefühle, erstens nicht vorgesehen: Daß also je- denfalls "Empfindungen" erhoben werden und keine Urteile, steht qua Frage fest. Und weil zweitens eben der befragte Mensch sich zwischen subjektiven Regungen ("Angst", "Wut", "Gelassenheit", "Hilflosigkeit" usw.) zu entscheiden hat, fällt das Ergebnis pro- grammgemäß auch ziemlich subjektiv aus: der eine kreuzt mehr "Angst" an, der andre "Hilflosigkeit" und ein dritter gibt die unterschütterliche staatsbürgerliche Tugend des Gottvertrauens in die eigene Herrschaft als seine ureigene "Gelassenheit" zu Proto- koll. Und die Frage "Glauben (!) Sie, daß sich Krebserkrankungen/Erbgutschädigungen erhöht einstellen?" erkundigt sich natürlich nicht bei einem sachkundigen Experten - der w e i ß schließlich und "glaubt" nicht. Sondern auf der Grundlage der wissenschaftlichen Unkundigkeit der bürgerlichen Menschheit, gepaart mit ihrer Übung, das Denken bzw. das Festle- gen ihr zuzumutender "Risiken" anderen zu überlassen, stellt der psychologische Frager einmal mehr her, was er beweisen will: Die subjektiv unterschiedlichen Antworten auf seine Frage, die objek- tiv nicht zu beantworten ist - beweisen sie nicht hinlänglich, daß "der Mensch" einer ist, der sehr unterschiedlich, jeder eben auf seine Art, an die Dinge heranzugehen pflegt?! Wer auf die Frage "Glauben Sie, daß es Sie selber trifft?" dem Frager nicht den Vogel zeigt, ist da bereits als psychologisches Belegmaterial zitierfähig: "Ja" oder "Nein" - jedenfalls Ausdruck einer sehr persönlichen Art, an die Dinge heranzugehen, indem man sich zur objektiven und von keinem Glauben beeindruckbaren Schädigung die subjektive Stellung zulegt, das alles für nicht so wild zu halten oder mittlerer Panik anheimzufallen. Daß es sich bei den abge- fragten Statements je um falsche - weil eben subjektive und von allerlei staatsbürgerlichen Treudoofigkeiten geleitete - U r t e i l e handelt, nichts liegt den psychologischen Fragern ferner als diese Einsicht. (Geschweige, daß wer von ihnen auf die Idee verfiele, irgendeinen Befragten zu kritisieren das wäre ja glatt gegen das wissenschaftliche Ethos und täte überhaupt die "Erhebung" total verzerren!) Vom GAU schmarotzen unsere psychologischen Fragesteller genauso wie von der Tatsache, die die Grundlage ihres Fachs und das Be- legmaterial seiner Plausibilität ist: Daß angesichts jeder noch so großen Schädigung die bürgerliche Menschheit die Unsitte nicht aufgeben mag, sich darauf einzustellen, die Zumutung geradezu als Chance der eigenen Bewährung und Herausforderung der tiefinner- sten höchsteigenen (Über)lebenskunst(stückchen) zu begreifen. Und weil der wohlerzogene Staatsbürger noch jede Tat seines Staates, und schlage sie noch so sehr zu seinem Schaden aus, zum Anlaß nimmt, s i c h als die Variable zu betrachten und im übrigen seiner Herrschaft ganz ganz viel Vertrauen und Aufträge zu an- ständiger Führung entgegenzubringen - deswegen hat der weise Psy- choProf LUKESCH das gleich in seinen Test des gesunden Volksemp- findens mit eingebaut: Einige Wochen nach der ersten Fragebogen- aktion wird dieselbe wiederholt. Klar, daß dann schon nicht mehr so heiß gegessen wird, wie die AKWs immer noch kochen! Davon, daß "der Mensch" in sich eine Tendenz wohnen hat, die ihn seine - egal welche - "Angst" im Lauf der Zeit "bewältigen" läßt, (wieder individuell unterschiedlich ausgeprägt, versteht sich), zeugt das allerdings nicht, sondern von der Übung der psychologischen Wis- senschaft, noch jeden Furz des treuen Staatsbürgers zum Kronzeu- gen ihres Konstrukts "der Mensch" zu zitieren. Und damit noch jede Schädigung, zu der der unerschütterlich staatstreu gestimmte Mensch sich herbeiläßt, mit dem Diktum zu versehen - eine erlesene Chance zur "Streßbewältigung" gewesen zu sein. Denn dazu ist so ein GAU doch da: Zur Wiederaufarbeitung von Seelenenergie. zurück