Quelle: Archiv MG - WISSENSCHAFT PSYCHOLOGIE - Vom Wahn und Sinn

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       Zur Vorlesung KELLER:
       

PSYCHOLOGISCHE ERGEBNISSE ZUM THEMA ARBEITSZUFRIEDENHEIT

Herrn KELLERs Vorlesung befaßt sich mit dem "Thema" Arbeitszu- friedenheit, und damit ist bereits alles gelaufen. Es gibt wis- senschaftliche Veranstaltungen, deren Gegenstand bereits ein Feh- ler ist. Zur Sache: "Wenn wir von einem Betrieb den Auftrag erhalten, eine Untersuchung zur Arbeitszufriedenheit seiner Mitarbeiter anzu- stellen, so will der Betrieb von uns wissen, wie er die Arbeits- zufriedenheit steigern kann. Machen wir dann Vorschläge, etwa das Betriebsklima betreffend, so ist der Betrieb zufriedengestellt. Aber unser Interesse geht da noch weiter." Der selbstbewußte Ausgangspunkt dieser Wissenschaft ist der mit der Lohnarbeit gegebene Gegensatz zwischen dem "Arbeitnehmer" und seinem Anwender. Die Anstrengungen des Anwenders gelten natürlich nicht der Zufriedenheit des von ihm Entlohnten, sondern dem zu erwirtschaftenden Gewinn. Nun kann man fragen, ob der Arbeiter Gründe hat, zufrieden zu sein: Sichert der Lohn ein anständiges Leben, ist die Anstrengung nicht zu groß...? Doch wäre das keine psychologische Frage. Fragt man andererseits nach der Zufriedenheit einfach so, so be- freit man sich schon ziemlich von der Betrachtung der Arbeits- welt. Zufrieden muß man ja mit vielem sein - und daß man es ist, kann auch an den bescheidenen M a ß s t ä b e n liegen, die ein Mensch anlegt. Wo ein Arbeitsplatz als das höchste Glück gilt, wer wollte da mit der Arbeit unzufrieden sein? Daher ist der Maß- stab der Zufriedenheit, an die Arbeit angelegt, schon die ganze Ideologie. Die psychologische Vorstellung ergänzt die wirkliche Schädigung, die die Arbeit ihrem -nehmer zufügt, um das Bild ei- ner gelungenen gefühlsmäßigen Beziehung. Bei der Zerlegung der "Arbeitszufriedenheit" in ihre "Determinanten" (genannt werden Leistung, Selbstverwirklichung, Betriebsklima, Arbeit selbst) ist es daher kein Wunder, daß die Lohnarbeit sich in B e d i n g u n g e n d e r Z u f r i e d e n h e i t m i t i h r übersetzt. In der Ein- bildung des Psychologen steht die Welt eben auf dem Kopf, weshalb er sich die Arbeit gar nicht anders vorstellen kann denn als die Möglichkeit, sich mit ihr abzufinden. Das geht natürlich auch kritisch: Man kann die Arbeit anklagen, als "Determinante" von Arbeitszufriedenheit zu versagen. Man muß dafür nur der Ansicht sen, Lohnarbeit sei nicht als Zwangsarbeit zu betrachten. Psycho- logisch gesehen ist die Lohnarbeit ein Faktor möglicher Zufrie- denheit. In der Wirklichkeit stellt sich die Zufriedenheit ein, weil man sich mit dem Zwang zur Arbeit abfinden will. zurück