Quelle: Archiv MG - WISSENSCHAFT PSYCHOLOGIE - Vom Wahn und Sinn

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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 10, 13.02.1985
       

PRINZIP KONFLIKT

Prof. MAUSNER: Seminar "Psychologie des Konflikts" Professor MAUSNER hat eine philosophische Idee. Das Leben ist voller Gegensätzlichkeit. Dieser Deutung ist kein Gegenstand ge- wachsen. Das zeigt sich immer dann, wenn man sie anwendet. Vom Ehekrach über den Lebenskampf bis zum Libanonkrieg - alles Exi- stenzweisen des Prinzips "Konflikt". Mit der Kategorie "Konflikt" als Lebensprinzip ist für alle ihre konkreten Äußerungen eine g r u n d l o s e N o t w e n d i g- k e i t behauptet. "Konflikte" gehören einfach dazu, sind "alltägliche Ereignisse". Wer dann bei solchermaßen gleichgemachten Streitereien die Frage ihrer Gesetzmäßigkeiten wälzt, muß gerechterweise zu Gesetzmäßig- keiten folgenden Kalibers gelangen: "Der Konflikt ist ein dynami- scher Prozeß", der auch eine "zeitliche Erstreckung hat", die sich sogar wiederum in "Phasen einteilen läßt", nämlich Anfang, Verlauf und Ende. Fragen nach Schuld und Verantwortung für die "Konflikte" bekommen eine aufgeklärt - realistische Antwort. Es hat sie immer gegeben und wird sie immer geben. Ganz abgesehen davon, daß damit jedem Interesse - so z.B. auch jedem Kriegsgrund - seine prinzipielle Berechtigung attestiert und die Frage nach Gründen und Zwecken verwandelt ist in die nach der Auslösung des Lebensprinzips "Konflikt", interessiert sich die konfliktpsychologische Betrach- tungsweise viel mehr für ihre Variante der Verantwortungsdebatte, die mit der Frage: "Sind Konflikte schädlich?" neu aufgeworfen wird - Wer sich nach der "Schädlichkeit von Konflikten" erkun- digt, ohne zu fragen, für wen oder für was, tut in der Form der rhetorischen Frage seine Sorge um das jeweilige große Ganze, bzw. sein Ideal davon, kund, das durch den Konflikt gefährdet sein könnte: z.B. die Ehe durch den Ehekrach, das Unternehmen durch vehement vertretene Lohnforderungen, die Weltordnung durch den Libanonkrieg. Vermeiden lassen sich die allerorts präsenten Konflikte nur, wenn ein vernünftiger Umgang mit ihnen sie als Ausbruch hindert. Im Namen einer Schadensvermeidung tut daher nichts so sehr not als eine "konstruktive" anstelle einer "destruktiven Konfliktlösung". Den Kontrahenten, die wegen ihrer g e g e n s ä t z l i c h e n Interessen Krach bekommen, wird so ein gemeinsamer höherer Zweck verpaßt für dessen Realisierung sie vom Konfliktpsychologen in die Pflicht genommen werden. Und damit sie dieser - fiktiven - Aufgabe auch ordentlich - nicht "destruktiv" - nachkommen können, entfaltet auf diesem Felde die Wissenschaft ihre ganze Phantasie, um die besten Verfahrensweisen und Mittel zur Verhinderung oder Beilegung von Konflikten bereitzustellen: von mathematischen Spieltheorien bis hin zu allen möglichen Strategiemodellen wim- melt es. Und wenn's trotzdem kracht dann hat eben eines dieser probaten Mittel gefehlt. So kann man angesichts des Libanonkrieges um die Vorherrschaft im Nahen Osten als einer der Aufmarschplätze des 3. Weltkriegs den beiden Hauptkontrahenten USA und Sowjetunion "mangelndes wechsel- seitiges Vertrauen" attestieren, das sie "hindere, sich zu eini- gen" und ihnen eben mehr Vertrauen zueinander empfehlen. Eine Universalursache für Konflikte gilt ja immer: Konflikt gibt es, weil die Mittel zu seiner Beilegung versagten, Konflikt aus miß- glückter Verhinderung seiner selbst. zurück