Quelle: Archiv MG - WISSENSCHAFT PSYCHOLOGIE - Vom Wahn und Sinn

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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 10, 10.02.1982
       

ORIGINAL MÜNCHNER KOPFARBEIT

Psychologie des Baums --------------------- Auch in diesem Semester warnt der Psychologiedozent C. C. SCHROE- DER die Studienanfänger wieder vor "Apologetik" und "Affir- mation". Diese sieht er ausgerechnet dann am Werk, wenn man die Dinge beim Namen nennt: "Das Herumreiten auf den sogenannten Tatsachen ist Apologetik, Affirmation." Den harten Vorwurf der "Reklame für die Welt" muß sich ein Urteil also nicht wegen seines Inhalts gefallen lassen. Nein, überhaupt ein Faktum zu konstatieren, ist schon das Anrüchige. Daß dies schon wissenschaftlicherseits ein Unding ist, diesem "Beweis" ist die gesamte SCHROEDER-Vorlesung gewidmet, und dafür muß als Kronzeuge die Wahrnehmung herhalten, die laut SCHROEDER immer schon "subjektiv determiniert" ist. Ein Exempel unter vielen: der jedermann sichtbare Baum vor dem Hörsaalfenster: "Dem einen ist es durch den Baum zu dunkel. Er sieht ihn als et- was, das Licht wegnimmt. Der nächste sieht ihn als Schattenspen- der an heißen Tagen. Ein dritter wiederum sieht, daß er aus ihm Kleinholz machen kann. So ist das, was wir sehen, durch unsere Zwecke bestimmt." Kleinlich wäre es nun, sich darauf zu versteifen, daß besagte Herrschaften doch wohl allesamt den Baum als B a u m w a h r g e n o m m e n haben müssen, um zu der Feststellung zu gelangen, daß dieser ihren momentanen Zwecken zupaß kommen bzw. sich störend geltend machen würde. Schließlich geht auch Herr SCHROEDER davon aus, daß ein Baum ein Baum und eine Kreide eine Kreide ist, wenn er seine Studenten ermuntert, sich "nicht durch physikalische Tatbestände determinieren" zu lassen, sondern "verschiedene Hinsichten im eigenen Kopf durchzuprobieren". Man muß nur zu entsprechender Betrachtung bereit sein, und schon er- öffnen sich einem ungeahnte Möglichkeiten der Welt s i c h t , für die nichts als das gilt was es ist - wozu die wirkliche Welt eine mehr oder minder interessante Bedingung bereitstellt: "Die Anschauungswelt ist nie ganz festgelegt. Es gibt da eine ge- wisse Bandbreite. Jedoch wird es Ihnen niemals gelingen, in die- ser Kreide hier ein Nilpferd zu sehen." Das ist allerdings beruhigend, Herr SCHROEDER. zurück