Quelle: Archiv MG - WISSENSCHAFT PSYCHOLOGIE - Vom Wahn und Sinn
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Ratio ratisnonensis
EIN PSYCHOLOGISCHES PROJEKT ENTWICKELT SICH
Es war einmal ein Entwicklungspsychologe und der hieß GROSSMANN.
Er hatte auch eine "Gefährtin" und die hieß Karin. Die beiden ta-
ten sich zusammen und zeugten eine Idee: Die "Bindung" zwischen
einer frischgebackenen Mutter und ihrem frischgeborenen Kind
hänge entscheidend ab von der Bindungsfähigkeit von Mutter
("Feinfühligkeit") und Kind ("Orientierungsfähigkeit") und ihr
Gelingen sei irgendwie jedenfalls entscheidend für spätere
"Bindungen" des alternden Menschenjungen. Und dieser eine Gedanke
wurde nun fruchtbar. Geboren vor über zehn Jahren, erwies sich
die Idee der GROSSMANNs dadurch als große, daß ihre Eltern nicht
zögerten, sie nach allen Regeln der sozialforscherischen Kunst zu
b e z w e i f e l n: Zum
"Aufsuchen von Anhaltspunkten dafür, ob (!) ein möglichst inten-
siver Kontakt zwischen Mutter und Kind zu beobachtbaren Unter-
schieden in der Art des Umgangs in der ersten Lebenswoche
führt... während des ersten Lebensjahrs... usf. "
wurde ein Forschungsprojekt ins Leben gerufen. Unschwer ersieht
man, daß es sich hier um ein Lebenswerk handelt. Wir schätzen uns
gleichwohl glücklich, unseren Lesern "erste Ergebnisse" mitteilen
zu können, die Klaus und Karin in der letzten Ausgabe der Regens-
burger Universitätszeitung (RUZ 5/83) "nach 10 Jahren Forschungs-
arbeit, die von 1977 bis 1982 von der Stiftung Volkswagenwerk...
gefördert wurde", veröffentlichten. Die Früchte einer Dekade For-
schung lesen sich so:
"Die Mütter, zu denen ihre Kinder eine sichere Bindung aufgebaut
hatten, waren durchweg signifikant feinfühliger als Mütter, zu
denen ihre Kinder eine unsichere Bindung hatten"
- was man glasklar daran erkennen kann, daß "Feinfühligkeit" ja
schließlich nichts anderes ist, als die vom Psychologen erfundene
Fähigkeit der Mutter, "sichere Bindungen" an ihr Junges zuwege
bringen!
Doch weiter:
"Die noch vorläufigen Ergebnisse bestätigen die Vermutungen (so
soll es sein...!): Eltern, zu denen die Kinder eine sichere Bin-
dung aufgebaut hatten, konnten generell besser mit ihren Kindern
spielen als Eltern..."
die, weil sie nicht mit ihren Kindern spielten, eindeutige Indi-
zien für eine total wacklige "Bindung" boten... Man sieht: den
"vorläufigen Ergebnissen" bleibt gar nichts anderes übrig, als
die "Vermutungen" zu bestätigen! Und das auch und gerade dann,
wenn die Autoren sich skeptisch geben:
"Ein Zusammenhang zwischen den Bindungsqualitäten (3,6 Bind. ?)
und dem Entwicklungsquotienten (1,37 Entw. ?) konnte jedoch nicht
festgestellt werden."
Das heißt nämlich nicht etwa, daß es ihn nicht gibt, forschungs-
mäßig stecken wir ja schließlich noch in den Kinderschuhen:
"...die Auswertung ist jedoch noch nicht beendet. Prof. Grossmann
weist in diesem Zusammenhang darauf hin, daß das komplexe (!) Ge-
schehen innerhalb einer Familie (Mutter und Vater und Schwester
und Bruder und Oma und... Wahnsinn!) nur mit komplexen (logo),
differenzierten (unbedingt!) und darum ober zeitaufwendigen (gut
Ding...) Analysemethoden erforscht werden kann... Aus den bereits
gewonnenen Ergebnissen und aus den noch vorhandenen Daten ergeben
sich... noch andere, neue Fragen über einzelne Aspekte... Die
bisher durchgeführten Versuche wären ohne die Unterstützung durch
Drittmittelgeber... nicht möglich gewesen. Eine weitere Unter-
stützung ist für die Aufklärung der oben erwähnten und anderer
(?!) Fragestellungen erforderlich."
So ist es.
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