Quelle: Archiv MG - WISSENSCHAFT PSYCHOLOGIE - Vom Wahn und Sinn
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Psychologie zur Arbeitszeitverkürzung:
THE BIG SLEEP
Frau Prof. LEHR, Direktorin des Psychologischen Instituts Bonn,
ist hellwach. Kaum gibt es eine Debatte um die Verkürzung der Ar-
beitszeit, weiß sie, wem eine entsprechende Regelung schaden
würde: der arbeitenden Bevölkerung natürlich. Für die ist Arbeit
nämlich kein Muß, kein Zwang zum Geldverdienen (weil ohne Moos
nix los), sondern ein - S e g e n, ihr einziger Lebenszweck:
"Die Verkürzung der Lebensarbeitszeit ist für viele ältere Men-
schen geradezu ein Fluch." Klaro, ohne Arbeit ist der Mensch bloß
noch ein Viech - spricht die Psychologin, nachdem sie die Zurich-
tung der Leute zu Arbeitsviechern der Nation in deren wunderbare,
innere Natur verlegt hat. Und wie recht sie hat! Frau LEHR hat
nämlich "jüngeren Menschen zwischen 25 und 40 Jahren" ihr Psycho-
Mikrophon unter die Nase gehalten und lauter "irreale Vorstellun-
gen" aufgedeckt, "hinsichtlich der Möglichkeiten, die eine frühe
Pensionierung scheinbar böte." Ausschlafen wollten sie! Dabei
"kann jeder an seinem Urlaub ermessen, daß das Ausschlafen schon
nach drei bis fünf Tagen nicht mehr interessant ist." Ach was!
Vielleicht haben wir an der Riviera noch was anderes vor? So nach
3-5 Tagen Erholung von der Alltagsmühle 'n bißchen dolce vita?
Das macht nicht müde? Frau LEHR, Frau LEHR! Sicher, d a s haben
Sie nicht gemeint: S i e redeten vom Pennen ja überhaupt nur
deshalb, weil Sie die Botschaft verkünden wollen, daß allein der
r e c h t s c h a f f e n m ü d e ist, der tagaus tagein in ei-
ner deutschen Fabrik die Knochen hinhält. Gell, dann hat man we-
nigstens etwas, w o v o n man sich ausschlafen m u ß? Dann
erst hat man sich das unsägliche Recht erworben, psychologisch
korrekt zu ratzen.
Also: runter vom Surfbrett, die verklebten Äuglein gerieben, rin
in die Fabrik - das braucht die aufgeweckte Seele!
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