Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 01/1978


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MARKT, PLAN UND PROFIT ZUR POLITISCHEN ÖKONOMIE DER INVESTITIONSLENKUNG

Christoph Butterwegge Investitionslenkung, Klassenkampf und Krise - Modelle der Inve- stitionskontrolle und -lenkung - Staatsmonopolistische Program- mierung in Frankreich und Schweden - Perspektiven der Investiti- onslenkungsdiskussion Die nach dem Konjunkturumbruch 1973/74 mit großer Leidenschaft geführte, mit dem Mannheimer SPD-Parteitag (November 1975) ihren Höhepunkt erreichende Diskussion über Modelle der Investitions- kontrolle und -lenkung hat einen vorläufigen Abschluß gefunden. Praktisch über Nacht waren Formen staatlicher Wirtschaftsregulie- rung, für viele Beobachter überraschend, in den Blickpunkt der westdeutschen Öffentlichkeit, ins Zentrum sozialwissenschaftli- cher Fachdispute wie auch des innenpolitischen Parteienstreites gerückt. Genauso schnell verschwanden die Vorschläge zur Straf- fung oder Ausweitung der Staatseingriffe in den Wirtschaftsprozeß wieder, ohne Eingang in die Regierungspraxis gefunden zu haben. Schon der zeitliche Ablauf dieser Planungsdebatte macht deutlich, daß ihr Schicksal wesentlich durch taktische Überlegungen derje- nigen gesellschaftlichen und politischen Kräfte bestimmt wurde, deren ökonomische Machtposition bei konsequenter Umsetzung der Diskussionsergebnisse berührt worden wären. Die Schärfe der Auseinandersetzung um Investitionslenkung bzw. -kontrolle hängt mit den unterschiedlichen Motiven der an ihr be- teiligten Kontrahenten zusammen: Einmal löste das aufgrund der schweren zyklischen Überproduktionskrise 1974/76 offen zutage tretende Versagen der staatlichen Interventionstätigkeit unter monopolkapitalistischen Bedingungen einen Bewußtwerdungsprozeß aus, der zur Entwicklung systemkritischer Planungsmodelle im Ge- werkschaftsbereich führte. Zum anderen sahen sich die Ideologen der herrschenden Klasse in Anbetracht der stagnativen Tendenzen des Kapitalismus im Weltmaßstab gezwungen, Konzeptionen für einen weiteren Ausbau des staatlichen Lenkungsinstrumentariums zu offe- rieren. Demgemäß fand die Intensivierung der Debatte über Mög- lichkeiten einer krisenlindernden bzw. -verhindernden Wirt- schaftspolitik ihren Niederschlag zunächst im Schnittpunkt beider Klassenlinien: die SPD als führende Regierungspartei mit proleta- rischer Massenbasis reagierte früh, wenn auch widersprüchlich auf das Scheitern der von ihrem früheren Wirtschaftsminister Karl Schiller kreierten "Globalsteuerung". Im Kreise der marxistischen Linken erfuhren Investitionskontrolle und -lenkung lange wenig Beachtung. In der Diskussion überwogen rechtssozialdemokratische und reformistische Vorstellungen. Wie unausgereift die meisten Lenkungsmodelle sind, läßt bereits die Tatsache erkennen, daß die einschlägige Literatur in den letzten Jahren zwar lawinenähnlich anschwoll, aber immer noch von oftmals holzschnittartig gehaltenen Zeitschriftenartikeln beherrscht wird. Überdies muß es zu denken geben, daß sich Pro und Contra vorwiegend programmorientiert in der als theoretisches Organ der SPD apostrophierten "Neuen Gesellschaft" artikulierten. Die Pla- nungsdebatte verlief jedenfalls deshalb äußerst kontrovers, weil hier nicht nur konkurrierende Schulen der bürgerlichen National- ökonomie aufeinanderprallten und gemeinsam einer ähnlich zer- splitterten Fronde von Systemkritikern gegenüberstanden, sondern auch zentrale Streitpunkte der auf seiten der Linken erörterten Strategiekonzepte tangiert wurden, was zur Differenzierung der Positionen und zur Diversifikation der Modelle erheblich beitrug. Denn die Staatsfrage spielt in die Haltung zur Investitionslen- kung ebenso hinein wie die Fassung des Vergesellschaftungsbe- griffs, die Gewerkschaftsfrage ebenso wie die Krisenproblematik, die Bündnisfrage ebenso wie das Verhältnis von Reform und sozi- aler Umwälzung. 1) "Investitionslenkung wird heute in der BRD in großem Umfang be- trieben. Zwar nicht dem Namen, aber der Sache nach." 2) Die ge- genwärtige Geschichtsperiode, in der die allseitigen Fortschritte des Sozialismus merkwürdig kontrastieren zur allgemeinen Krise des Kapitalismus, die sämtliche Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durchdringt, ist wesentlich gekennzeichnet durch das Bemü- hen der systemtragenden Kräfte, den Status quo durch die Einfüh- rung planerischer Elemente auf mehreren Ebenen des Wirtschaftsge- schehens zu stabilisieren. Daß sich die Intervention des Staates in den kapitalistischen Reproduktionsprozeß formal eng an die Planungsprinzipien der sozialistischen Ökonomie anlehnt und auf diesem Weg - wenn auch nicht ohne Widersprüche, Rückschläge und gegenläufige Entwicklungen - weiter voranschreitet, haben die Be- gründer des Marxismus bereits vor hundert Jahren richtig analy- siert: "In den Trusts schlägt die freie Konkurrenz um ins Mono- pol, kapituliert die planlose Produktion der kapitalistischen Ge- sellschaft vor der planmäßigen Produktion der hereinbrechenden sozialistischen Gesellschaft. Allerdings zunächst noch zu Nutz und Frommen der Kapitalisten. Hier aber wird die Ausbeutung so handgreiflich, daß sie zusammenbrechen muß." 3) Daraus resultiert die Notwendigkeit, den marxistischen Planungs- begriff gegenüber staatsmonopolistischen Regulierungspraktiken abzugrenzen und alternative, über das bestehende System hinaus- weisende Forderungen zu erheben. Um den marxistischen Vorstellun- gen Geltung zu verschaffen, muß an die tagtäglich erfahrbare Ir- rationalität der herrschenden Produktionsweise angeknüpft und überzeugend nachgewiesen werden, daß Maßnahmen monopolistischer Wirtschaftssteuerung weder die Zyklizität der Kapitalreproduk- tion, die Periodizität der Krise, noch die Subsumtion der Lohnar- beit unter das Kapital aufheben (können). Die Planungstätigkeit des bürgerlichen Staates, der unter imperialistischen Bedingungen primär im Interesse übermächtiger Monopolgruppierungen agiert, "befreit die Arbeiter nicht davon, Sklaven zu sein, die Kapitali- sten streichen ihre Profite 'planmäßiger' ein." 4) Jene Ambiva- lenz, die darin besteht, daß staatsmonopolistische Programmie- rungstechniken sowohl die kapitalistische Ausbeutung effektivie- ren als auch die materiellen Voraussetzungen des Übergangs zum Sozialismus verbessern können, erfordert eine differenzierte Be- urteilung des Angebots an Investitionslenkungsmodellen wie der von Bund, Ländern und Gemeinden unter dem Stichwort - Investiti- onsprogramme der öffentlichen Hand" betriebenen Akkumulationsför- derung. Was als "vorausschauende Strukturpolitik" firmiert, re- produziert jene durch die Anarchie der kapitalistischen Warenpro- duktion bedingten Disproportionalitäten sektoraler und regionaler Natur, die zu eliminieren das sozial-liberale Regierungslager in- tendiert. Dagegen spiegelt sich in den verschiedenen Modellvarianten der Investitionskontrolle und -lenkung, "die bei veränderten Kräfte- verhältnissen ein Instrument zur Entmachtung der Monopole sein können", 5) entweder das Bedürfnis der monopolistisch organisier- ten Industrie unseres Landes nach größerer Planmäßigkeit des Re- produktionsprozesses oder das - oftmals durch reformistische Il- lusionen in bezug auf einen krisenfreien Wohlfahrtskapitalismus verklärte - Interesse der Lohnabhängigen an der Überwindung des bestehenden Wirtschaftssytems wider. Unter den gegebenen Umstän- den leistet "Planung", d.h. monopolistische Programmierung des Kapitalverwertungsprozesses über den Staatsapparat, einen wichti- gen Beitrag zur Systemstabilisietung. Doch erst im Sozialismus "tritt an die Stelle der gesellschaftlichen Produktionsanarchie eine gesellschaftlichplanmäßige Regelung der Produktion nach den Bedürfnissen der Gesamtheit wie jedes einzelnen". 6) Im folgenden wird versucht, die Aktualität der Planungsthematik vor dem Hintergrund des kapitalistischen Krisenverlaufs aufzuzei- gen, also die sozioökonomischen Determinanten der Investitions- lenkungsdebatte herauszukristallisieren und den Gründen nachzuge- hen, weshalb es gelang, die zunächst voller Vehemenz geführte Diskussion über alternative Formen der Wirtschaftsregulierung im Sinne der Herrschenden zu kanalisieren. Dabei werden, um weiter- führende Perspektiven aus marxistischer Sicht eröffnen zu können, vor allem solche Aspekte behandelt, die bislang vernachlässigt worden sind. Beispielsweise schien die Planungsdebatte in der BRD "etwas frohgemut über die Eigentumsverhältnisse hinwegzusehen." 7) Außerdem empfiehlt es sich, ausländische Modelle staatsmonopo- listischer Regulierung (Frankreich, Schweden), die in der west- deutschen Planungsdiskussion eine Rolle gespielt haben, kurz vor- zustellen und Überlegungen zur Typologie der Lenkung von Investi- tionen im Kapitalismus wie zur Begründung unserer Konzeption ge- samtgesellschaftlicher demokratischer Planung anzuschließen. "Zusammen mit der Errichtung der politischen Macht der Werktäti- gen, der Nationalisierung von entscheidenden Bereichen der Wirt- schaft, der immer aktiveren Mitwirkung der Werktätigen bei der Entscheidung über öffentliche Angelegenheiten ist die demokrati- sche Planung eine der notwendigen Voraussetzungen für die Umge- staltung der Gesellschaft im Dienste der Mehrheit des Volkes." 8) Obwohl selbst nur Teil einer Produktion und Zirkulation, Distri- bution und Konsumtion übergreifenden Volkswirtschaftsplanung, wie sie die sozialistischen Staaten Osteuropas mit Erfolg praktizie- ren, gewinnt die Investitionslenkung auf der Schwelle zur Über- gangsgesellschaft eine herausragende strategische Bedeutung für die Arbeiterklasse dadurch, daß sie an jener Nahtstelle des Akku- mulationsprozesses ansetzt, wo der den produktiv Schaffenden ab- gepreßte Mehrwert in Kapital rückverwandelt wird. Wolfgang Abendroth verlangt denn auch nach einer Planungstheorie des Über- gangs kapitalistischer in sozialistische Gesellschaften, die vor- anzutreiben er für um so dringlicher erachtet, "als die Ge- schichte durch die Entwicklung von Atomkraft und Automation und durch das Erfordernis rascher Hilfe für den industriellen Aufbau ehemals kolonial beherrschter Nationen und heute noch neokolonial abhängiger Länder im Rahmen der (stets bedrohten) Ansätze zur Po- litik der 'friedlichen Koexistenz' die internationalisierte Pla- nung in Richtung auf eine nicht mehr antagonistische, also klas- senlose Gesellschaft zur Bedingung für die Erhaltung der Zivili- sation und für die Vermeidung politischer Katastrophen zu machen droht." 9) Will man die Grundlagen eines marxistischen Steuerungskonzepts skizzieren, bedarf es zuvörderst einer Klärung der Wechselbezie- hung zwischen verschiedenen von den konsequentesten Kräften der Arbeiterbewegung erhobenen Forderungen. Entgegen der Neigung re- formistischer Autoren, Investitionskontrolle bzw. -lenkung und Vergesellschaftung als Alternativen darzustellen 10), muß konsta- tiert werden: Bei Investitionslenkung und demokratischer Nationa- lisierung handelt es sich keineswegs um ein Konkurrenz-, sondern um ein Komplementärverhältnis. Statt einander auszuschließen, be- dingen sich beide gegenseitig. Folglich haben wir es auch nicht mit einem Prioritäts-, wohl aber mit einem Interdependenzproblem zu tun: Investitionskontrolle und -lenkung eignen sich als Hilfs- mittel der sozialen Emanzipation nur, wenn ihre Verschränkung mit anderen demokratischen Reformen (Mitbestimmung, Nationalisierung strukturbestimmender Wirtschaftsbereiche, Verstaatlichung des Bank- und Kreditwesens) die Brechung der in den monopolistischen Zentren konzentrierten Kapitalmacht ermöglicht. Daraus ergibt sich die Aufgabe, Investitionslenkung und -kontrolle nicht abge- löst vom Stand der Klassenauseinandersetzungen zu erörtern, son- dern sie in ein politisches Gesamtkonzept einzubetten, ihren Stellenwert im Rahmen einer antimonopolistischen Strategie und Taktik zu verorten und Planung als Prozeß, als Produkt des sich tagtäglich vollziehenden Klassenkampfes zu begreifen. Die Gret- chenfrage der sich allzu leicht in Modellhuberei und intellektu- ellen Sandkastenspiele auflösenden Planungsdiskussion lautet: ka- pital- oder arbeitsorientierte Wirtschaftslenkung? - Solange die Macht der Monopole und ihr bestimmender Einfluß auf den Staat nicht zurückgedrängt werden, kann es keine Planung im Interesse eines - in der antagonistischen Gesellschaft nicht existenten - 'Allgemeinwohls' und des gesellschaftlichen Fortschritts geben." 11) Investitionslenkung, Klassenkampf und Krise ------------------------------------------- Die gegenwärtige Entwicklungsetappe der bürgerlichen Gesellschaft ist gekennzeichnet durch einen hohen Konzentrationsgrad, den Füh- rungsanspruch einer aufgrund der Verschmelzung von Bank- und In- dustriekapital entstandenen Finanzoligarchie sowie die systemati- sche Interventionstätigkeit des Staates zugunsten der Monopole, seine Einbeziehung in den ökonomischen Reproduktionsprozeß. Im Kapitalismus der freien Konkurrenz entlud sich die Widersprüch- lichkeit des auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln beru- henden Systems in periodischen Krisen, denen eine gewisse "Reinigungswirkung" dadurch zukam, daß überakkumuliertes Kapital vernichtet bzw. brachgelegt, die Monopolisierung vorangetrieben und ein neuer konjunktureller Aufschwung eingeleitet wurde. "Die Krisen sind immer nur momentane gewaltsame Lösungen der vorhan- denen Widersprüche, gewaltsame Eruptionen, die das gestörte Gleichgewicht für den Augenblick wiederherstellen." 12) Im Gefolge der Weltwirtschaftskrise 1929/32 gingen die fortge- schrittensten kapitalistischen Länder zu einer antizyklischen Konjunktursteuerung mittels haushalts- und steuerpolitischer Maß- nahmen über, für die der englische Ökonom John Maynard Keynes die theoretische Begründung lieferte. Unmittelbare Eingriffe des Staates in die kapitalistische Reproduktion, von US-Präsident Roosevelt mit seinem New Deal vorexerziert, waren nicht mehr zu vermeiden, seit die "klassische" Überproduktionskrise ihre Funk- tion der Kapitalentwertung wegen des erreichten Monopolisierungs- grades nur noch partiell zu erfüllen vermochte und sich die impe- rialistischen Widersprüche systemgefährdend verdichteten. Dem aus der wachsenden organischen Zusammensetzung des Kapitals (Zunahme des konstanten gegenüber dem variablen Kapitalanteil) resultie- renden tendenziellen Fall der Durchschnittsprofitrate entgegen- wirkend, griff der sich personell und strukturell mit dem hoch- konzentrierten Kapital verflechtende Interventionsstaat schließ- lich zum Mittel einer mehr oder weniger versteckten Finanzierung der privaten Großproduktion (Staatsaufträge besonders im Rü- stungssektor, Subventionen, Steuervergünstigungen, Billigkredite, Staatsbürgschaften, Forschungsfinanzierung) und organisierte die Regulierung des durch monopolistische Verwertungsstrukturen ge- prägten Reproduktionsprozesses. "Verluste und Disproportionen als Folgeerscheinungen der Überakkumulation von Kapital bringen viel- fältige Verzerrungen in die Produktion: Unbeständigkeit im Ge- schäftsablauf, Verluste auf Grund der Anarchie in der Konkurrenz, Störungen beim Einsatz technischer Mittel, Verschärfung der so- zialen Spannungen sowie des ideologischen und politischen Kampfes. Die ständige Aufgabe des Staates besteht nun darin, zu versuchen, dieses Durcheinander zu entwirren, zum Nutzen der Mo- nopolbourgeoisie und vor allem der mächtigsten Konzerne. Die ka- pitalistische Planung dient folglich dem Zweck, die wirtschaftli- chen, sozialen und politischen Verhältnisse so zu gestalten, daß die Rentabilität des Monopolkapitals gewährleistet wird." 13) Die Reife der Produktivkräfte, die Auswirkungen der wissenschaft- lich-technischen Revolution und die bei Fortbestehen der privaten Aneignung unaufhaltsam vorwärtsdrängende Vergesellschaftung der Produktion machen die Anwendung neuer Steuerungstechniken zu ei- nem objektiven Erfordernis, dem sich das Monopolkapital, wiewohl einzelne seiner Fraktionen ihm - momentane Möglichkeiten der ei- genen Profitmaximierung im Auge und längerfristige Verwertungsin- teressen des gesellschaftlichen Gesamtkapitals außer acht lassend - allen erdenklichen Widerstand entgegensetzen, nicht wird ver- schließen können. Nicht zu unterschätzen ist auch die Rolle der RGW-Länder, die aufgrund ihrer stetigen Wachstumsraten im Rahmen der Systemkonkurrenz eine indirekte Art des Planungsdrucks auf die Wirtschaftspolitik westlicher Industrienationen ausüben. "Die staatsmonopolistische Programmierung schränkt die spontane Wir- kung bestimmter ökonomischer Gesetze ein und nutzt ökonomische Gesetze im Interesse der Monopole aus. Ihre Ergebnisse zeigen je- doch, daß das kapitalistische System unfähig ist, die gewünschten Fernwirkungen zu erzielen, da das System der ökonomischen Gesetze nicht beherrscht und von der Gesellschaft nicht kontrolliert wird." 14) Andererseits glaubt Robert Katzenstein, es müsse unter Einsatz entsprechender Kampfmittel der Arbeiterklasse möglich sein, - den Zwang zur staatsmonopolistischen Regulierung auch hinsichtlich einer Verbesserung der Lebensbedingungen der Werktä- tigen auszunutzen. Allerdings sind dafür Grenzen gesetzt, die nur durch die Beseitigung des kapitalistischen Systems fallen kön- nen." 15) Entscheidend ist in jedem Fall der Klasseninhalt des betreffenden Planungsmodells, auf den die politischen Kräftever- hältnisse einen nicht zu unterschätzenden Einfluß haben. Neben den allgemeinen Entwicklungsgesetzen des Kapitalismus und ihrer spezifischen Manifestation in der BRD muß man sich vor al- lem "die Nachkriegsgeschichte der Auseinandersetzung zwischen Ka- pital und Arbeit genauer ansehen, um den heutigen Stellenwert ei- ner Forderung nach gesamtwirtschaftlicher Investitionssteuerung richtig zu bestimmen." 16) Dabei tritt zutage, daß die Planungs- forderung nicht nur von den Notwendigkeiten der Anpassung des staatlichen Lenkungsinstrumentariums an die veränderten Bedingun- gen der kapitalistischen Ausbeutung diktiert, sondern auch vom Klassenkampf, von den Organisationen der um Erhalt und Ausbau ih- rer sozialen und demokratischen Rechte kämpfenden Arbeiterbewe- gung auf die Tagesordnung gesetzt worden ist. Die westdeutsche Planungsdiskussion gliedert sich in drei Abschnitte, die insbe- sondere den ursächlichen Zusammenhang von Krise und Lenkungs- schüben hervorstechen lassen: Nach der Befreiung vom Hitlerfaschismus waren sich alle relevan- ten politischen Gruppierungen des zerstörten Deutschland in ihrer Option für eine geplante, die sozialen Ungerechtigkeiten des Ka- pitalismus bezwingende Wirtschaftsordnung einig. Davon zeugen nicht zuletzt die meisten Länderverfassungen 17), deren antimono- polistischer Tenor jedoch schnell in Vergessenheit geriet, als die Führungseliten aus Wirtschaft und Politik unter dem Schutz vornehmlich der USA die Kommandohöhen des Systems zurückerober- ten. Selbst die CDU hatte 1945 in ihrem Berliner "Aufruf der Christlich-Demokratischen Union an das deutsche Volk" nicht nur weitreichende Sozialisierungsforderungen aufgestellt, sondern auch - unter dem Eindruck der Massenstimmung - ein Bekenntnis zu "straffer Planung" abgelegt. 18) Doch mit der Währungsreform vollzog sich in den Westzonen die Restauration der überkommenen Besitz- und Machtverhältnisse, nicht ohne durch das Konzept der "Sozialen Marktwirtschaft" eine ideologische Absicherung zu er- fahren. Die das materielle Elend der großen Bevölkerungsmehrheit spürbar lindernde Nachkriegskonjunktur drängte die organisierte Arbeiterbewegung endgültig in die Defensive, zumal weder die SPD noch der DGB bereit waren, von wirtschaftsdemokratischen Illusio- nen abzulassen, den Aktionsvorschlägen der KPD zu folgen und die abhängig Beschäftigten für ihre Interessen zu mobilisieren. Hatte die Kampfbereitschaft der Arbeitnehmer und ihrer Gewerkschaften noch ausgereicht, die Mitbestimmung in der Montanindustrie gegen die Regierung Adenauer durchzusetzen, so markiert die Verabschie- dung des Betriebsverfassungsgesetzes von 1952 den Punkt, wo sich die Waage des gesellschaftlichen Kräftemessens der Kapitalseite zuneigte. Die Zeit des "Wirtschaftswunders", ganz im Zeichen des Ordoliberalismus der "Freiburger Schule" Walter Euckens und ihres politischen Protagonisten Ludwig Erhard stehend, ließ planungs- theoretische Vorstöße als Verrat an Volk und Vaterland erschei- nen, identifizierte die veröffentlichte Meinung doch "Wettbewerb" mit "freiheitlicher Demokratie" und Planwirtschaft mit "kommuni- stischer Diktatur". Im Kalten Krieg geriet die notorische Planungsfeindlichkeit der maßgebenden Bonner Wirtschaftspolitiker zur Staatsdoktrin. Aller Ideologie von der "freien Verkehrswirt- schaft", für die der Staat nur den rechtlichen Rahmen bereit- stellt, zum Trotz flössen die als Unterstützungsleistungen an "die Wirtschaft" deklarierten Steuermittel in Milliardenhöhe na- türlich auch damals schon regelmäßig - und zwar in die Kassen der größten Konzerne. Erst als die Krise 1966/67 das Ende der Rekonstruktionsperiode des westdeutschen Kapitalismus signalisierte, die völlige Hilflo- sigkeit der Erhardschen Laisser-faire-Haltung demonstrierte und das liberale Dogma von der Selbstregulierungsfähigkeit des Mark- tes als Wunschdenken entlarvte, setzte sich innerhalb der Finan- zoligarchie die Einsicht durch, daß nur radikale Staatseingriffe den ökonomischen Kollaps würden verhindern können. Damit schlug für die von Karl Schiller auf neokeynesianischen Kurs gebrachte SPD die Stunde der Bewährung. "Nach den Vorstellungen der Sozial- demokratie muß der Kapitalismus nicht abgeschafft, sondern ge- plant werden, und diese Konzeption ist es schließlich, die die SPD zu dem Zeitpunkt an die Macht bringt, als die Notwendigkeit einer besseren Planung des Kapitalismus sich in den Rezessions- erscheinungen von 1966/67 unübersehbar Ausdruck verschafft." 19) Die Verschiebung der politisch-parlamentarischen Kräftekonstella- tion, wie sie sich mit dem Eintritt der Sozialdemokratie in die Große Koalition und ihrer Regierungsübernahme 1969 vollzog, war Reflex auf das eklatante Planungsdefizit einer von den Christde- mokraten zwanzig Jahre lang mehr oder weniger sich selbst bzw. dem privaten Gewinnstreben überlassenen Volkswirtschaft, die auf dem Weltmarkt nach Ansicht ihrer Führungskräfte nur dann konkur- renzfähig bleiben konnte, wenn neue Steuerungstechniken die Re- alisierung von Monopolprofiten reibungsloser gestalteten und die Systemloyalität der arbeitenden Bevölkerung sicherstellten. Schiller erklärte denn auch eine als "gesellschaftliche Kommuni- kation und Kooperation" ausgegebene Abstimmung der Zielprojektio- nen zwischen Monopolverbänden und Gewerkschaften zum Grundgedan- ken der unter dem Etikett "Globalsteuerung" firmierenden Wirt- schaftspolitik: "Das heißt, je größer Rationalität und Einsicht in den autonomen gesellschaftlichen Gruppen sind, desto weniger wird der Staat in Zukunft direkt in das Wirtschaftsleben eingrei- fen, und um so mehr kann er sich künftig in einen Aufklärungs- und Orientierungsstaat verwandeln, der mit Argumenten statt mit Befehlen regiert und der seine Argumente an jene gesellschaftli- chen Gruppen adressiert, die zu Trägern und Vollstreckern seiner aufgeklärten Wirtschaftspolitik avancieren. Der Staat tritt hier- bei aus ordnungspolitischen Motiven heraus in einen ständigen Dialog mit den Verbänden der Unternehmer, Arbeitnehmer und der Finanzwelt ein, um über sie und mit ihrer Hilfe seinen Aufgaben gerecht zu werden." 20) Als 1967 das "Gesetz zur Förderung der Stabilität und des Wachs- tums der Wirtschaft" in Kraft trat, hatten die neuen Instrumente staatsmonopolistischen Krisenmanagements ihren ersten Einsatz schon hinter sich. Während die mittelfristige Finanzplanung die Konzentration wirtschaftspolitischer Entscheidungskompetenzen beim Bund implizierte und die föderative Natur des westdeutschen Regierungssystems weiter aushöhlte, wurde der Konzertierten Ak- tion ein Gremium institutionalisiert, das einzig dem Koordinati- ons- und Kooperationsbedürfnis der Kapitalisten diente und sich gerade im Hinblick auf die Disziplinierung der Lohnabhängigen bzw. ihrer Gewerkschaften als äußerst effizient erwies. "Das Sta- bilitätsgesetz schafft die Kompetenzen und Voraussetzungen für eine reibungslose und wirkungsvolle Planung der gesamtwirtschaft- lichen Größen durch die Bundesregierung, indem es entscheidende Machtbefugnisse von den Ländern auf den Bund verlagert und Mög- lichkeiten einer steuerlichen Gewinnmanipulation, also zur Beein- flussung unternehmerischer Investitionsentscheidungen, bereit- stellt. Es hält sich - gemäß der Konzeption der Globalsteuerung - fest im Rahmen der bestehenden Kapitalverwertungswirtschaft und erkennt die Autonomie der Unternehmerentscheidung prinzipiell als wirtschaftspolitisch oberstes Gebot an. Die Stabilisierung, die das Gesetz meint, ist die Stabilisierung der Herrschaft des Kapi- tals, und das Wachstum, das das Gesetz fördern will, ist die Ex- pansion des konzentrierten Kapitals über die gesamte Gesell- schaft." 21) Zu dem 1968/69 von einem Rekordanstieg der Unternehmereinkommen begleiteten Aufschwung haben die Schillerschen Regulierungsmaß- nahmen entscheidend beigetragen, eine längerfristige Konjunktur- verstetigung bewirkten sie nicht. Im Gegenteil; während der an- schließenden Boomphase blieben die Waffen des Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes merkwürdig stumpf. Die Ziele des "magischen Vierecks", Preisstabilität, hoher Beschäftigungsgrad, außenwirt- schaftliches Gleichgewicht und stetiges Wachstum, waren unter ka- pitalistischen Vorzeichen auch nicht annähernd zu realisieren. "Die Globalsteuerung hat ihre selbstgesetzten, gesetzlich fixier- ten Ziele nicht erreicht. Die fiskalpolitische Nachfragesteuerung hat selbst im Sinne des staatsmonopolistischen Kapitalismus ver- sagt. Nach ihr sollte durch Beeinflussung des volkswirtschaftli- chen 'Datenkranzes' eine Gleichrichtung des Unternehmerverhaltens erfolgen, vor allem in der Investitionstätigkeit. Statt dessen haben die kapitalistischen Unternehmer eine Situation herbei- geführt, die die Staatsaktivitäten mehr und mehr stranguliert hat." 22) Es zeigte sich, daß eine Stakkato-Planung des "stop and go" zwar geeignet ist, bestimmte Friktionen des kapitalistischen Reproduk- tionsprozesses abzumildern, gesetzmäßige Vorgänge (wie den Wirt- schaftsaufschwung nach der zyklischen Überproduktionskrise 1966/67) zu beschleunigen oder zu verlangsamen und die gesamtge- sellschaftlichen Folgeschäden der kapitalistischen Wildwuchspro- duktion zu verringern, wenn auch nur um den Preis der Krisenver- lagerung in benachbarte Gesellschaftsbereiche (Währungs- und Fi- nanzsystem) bzw. der Krisenverschärfung (Bildungs- und Gesund- heitswesen), nicht aber der Problemfülle Herr zu werden vermag. "Der grundlegende Widerspruch des Kapitalismus zwischen dem Stand der Vergesellschaftung der Produktion und der privaten Aneignung kann durch die staatliche Regulierung bestenfalls verdeckt und für eine gewisse Zeit gedämpft werden - endgültig aufzuheben ist dieser Widerspruch jedoch nur durch die Beseitigung der kapitali- stischen Produktionsverhältnisse. Die Irrationalität des gesamten Systems kann durch die Einführung partieller Rationalität nicht aufgehoben werden." 23) Spätestens die schwerste Nachkriegskrise des Kapitalismus in den Jahren 1974 bis 1976 führte das Konzept der Globalsteuerung, eben noch als Rezessionsbezwinger und Wachstumsgarant gefeiert, ad ab- surdum. Obwohl es bei Ausbruch der Krise so schien, als würde das westdeutsche Monopolkapital mit rigideren Formen staatlicher Re- gulierung auf die Zunahme seiner Verwertungsrisiken antworten, setzte sich unter der Regierung Schmidt/Genscher eine Richtung durch, die auf die "Selbstheilungskräfte des Marktes" vertraute und auf Staatseingriffe weitgehend verzichtete. Das stabilisie- rende Moment des Hin- und Herschwankens zwischen neokeynesiani- scher Krisenbekämpfung und einer Austeritätspolitik à la Brüning bestand darin, die Vormachtstellung des BRD-Kapitals auf dem Weltmarkt zu Lasten eines Millionenheeres von Arbeitslosen und Kurzarbeitern, von Schülern und Studenten, Rentnern und Sozial- hilfeempfängern zu erhalten. Der die wirtschaftspolitische Dis- kussion aller hochindustrialisierten kapitalistischen Staaten be- herrschende Kampf zwischen Neokeynesianismus und Monetarismus wurde in der BRD zugunsten des letzteren entschieden. Die moneta- ristische Wende, personell durch den freidemokratischen Wirt- schaftsminister und heutigen Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Hans Friderichs, sowie seinen Nachfolger Otto Graf Lambsdorff, nach dem Kanzlerwechsel Brandt/Schmidt im Frühjahr 1974, aber auch vom Regierungschef selbst repräsentiert, gab dem Krisenmana- gement der SPD/FDP-Koalition sein Gepräge. Wegen des eingeschla- genen Restriktionskurses, der auch die Geld- und Kreditpolitik der Bundesbank prägte, muß die Wirtschaftspolitik der Regierung "insgesamt als ein in den Ergebnissen krisenverschärfendes Moment bezeichnet werden." 24) Die sozialdemokratische "Krisenbewältigung" ist durch einen ekla- tanten Widerspruch zwischen sozialstaatlichem Anspruch und pro- monopolistischer Wirklichkeit, zwischen linkskeynesianischer Theorie und deflationistischer Praxis nach Friedmanschen Rezepten gekennzeichnet. In den Parteiorganen erschienen eindringliche Ap- pelle, mittels einer expansiven Haushaltspolitik die Konjunktur zu beleben, wohingegen die sozialdemokratisch geführte Bundesre- gierung ein weiteres Ansteigen der Arbeitslosenquote bewußt in Kauf nahm, um durch Senkung der Inflationsrate die Konkurrenzfä- higkeit der westdeutschen Konzerne auf Weltmarktebene zu verbes- sern. In demselben Maße, wie dies gelang und trotz Dollarverfalls riesige Außenhandelsüberschüsse erzielt wurden, verschärfte sich die innerimperialistische Konkurrenz so sehr, daß es nicht nur zu ernsten politischen Spannungen im Verhältnis BRD-USA kam, sondern auch immer schwerer wurde, der Krise durch eine Exportoffensive auszuweichen. Die Synchronität der nationalen Zyklen und das Zu- sammentreffen von konjunkturellen und Strukturkrisen in wichtigen Industriezweigen (Bauwirtschaft, Textil- und Bekleidungsindu- strie, Stahlerzeugung) trugen zur Vertiefung der wirtschaftlichen Labilität entscheidend bei. Das als "Stagflation" oder "Slumpflation" bekannte Phänomen des anhaltenden Preisauftriebs in Rezessionsphasen lieferte den Be- weis dafür, "daß es der 'Globalsteuerung' nicht gelingt, den Kri- senzyklus aufzuheben, und daß sie Prozesse fördert, durch die ne- ben zyklischen Krisen der Kapitalverwertung Erscheinungen einer permanenten Krise des kapitalistischen Wirtschaftssystems tre- ten." 25) Die Forderung, sich - wie in der Rezession 1966/67 - auf Keynes' Vorschläge zur Konjunkturankurbelung über die Erhö- hung der Staatsnachfrage zu besinnen, verhallte ungehört, weil sie der Interessenlage des stark exportorientierten BRD-Monopol- kapitals nicht (mehr) entsprach: "Keynes ist noch lange nicht tot, wie manche Monetaristen hoffen: er hat uns heute mehr zu sa- gen als zuvor." 26) Einer der Diskussionsteilnehmer, die solche Überlegungen anstellten, bekannte, er komme sich "seit Jahren wie ein Rufer in der Wüste vor." 27) Angesichts einer zum Dauerproblem für Millionen Bundesbürger ge- wordenen Massenarbeitslosigkeit mußte die Berufung der Regierung auf den "Primat der Geldwertstabilität", verbunden mit Maßhal- teappellen an die Adresse der Gewerkschaften, zunehmend obsolet erscheinen, zumal eine wachsende Zahl demokratischer und soziali- stischer Wirtschaftswissenschaftler alternative Möglichkeiten der Krisenbekämpfung empfahl. 28) Daß auch die Mehrheit der Lohnab- hängigen nicht länger bereit war, den Ratschlägen des "Sachver- ständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" zu folgen und Reallohneinbußen zwecks angeblicher Anregung der unternehmerischen Investitionstätigkeit hinzunehmen, zeigte die Tarifrunde 1978 mit Streiks der Hafenarbeiter, Drucker und Metallarbeiter. Obwohl Maßnahmen zur Steigerung der Massenkaufkraft, sofern sie aus dem Zusammenhang eines umfassender angelegten strategischen Konzepts herausgerissen werden, reformistische Illusionen in be- zug auf die schrittweise Transformation des Kapitalismus durch Korrekturen im Distributionsbereich (gerechtere Verteilung des als "Kuchen" vorgestellten Sozialprodukts auf die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen) hervorrufen können, wäre eine Ab- schwächung der Krisenfolgen auch unter Beschränkung auf "systemkonforme" Mittel durchaus möglich gewesen. Was sich jedoch heute in den Prognosen des Sachverständigenrates ungeachtet zweckoptimistischer Aufschwunghoffnungen niederschlägt, das ist die Permanenzerklärung der Depression, die Kapitulation der bür- gerlichen Nationalökonomie vor der Krisengesetzlichkeit des kapi- talistischen Systems! Modelle der Investitionskontrolle und -lenkung ---------------------------------------------- Die westdeutsche Planungsdiskussion wird nur verständlich auf dem Hintergrund der sich Ende des Jahres 1973 bereits deutlich ab- zeichnenden Krisenentwicklung, ebenso wie die ökonomischen, poli- tischen und sozialen Verhältnisse nicht ohne Einfluß auf die kon- krete Ausgestaltung der verschiedenen Modelle zur Investitions- kontrolle und -lenkung blieben. Im folgenden bestimmten unausge- lastete Produktionskapazitäten, Konkurse vor allem kleinerer Un- ternehmen, Massenarbeitslosigkeit, Reallohnsenkungen, der Abbau staatlicher Sozialleistungen, die Einschränkung demokratischer Rechte und andere Krisensymptome das Fiasko der monopolistischen Regulierungsmethoden. Versuche der verantwortlichen Politiker, die "Globalsteuerung" durch eine Differenzierung, Regionalisie- rung und Sektoralisierung ihres Instrumentariums fortzuent- wickeln, scheiterten an den schwerwiegenden Interessengegensätzen innerhalb der herrschenden Klasse, begegneten aber auch dem Un- willen derjenigen, die regelmäßig die Lasten staatlicher Program- mierungsexperimente zu tragen haben. Im Gewerkschaftsbereich häuften sich kritische Stimmen, die nach zumindest tendenziell antimonopolistischen Reformschritten rufen, weil erkannt wurde, daß die beschönigenden Konjunkturvoraussagen der Bundesregierung, ihres Sachverständigenrates und der führenden Wirtschaftsfor- schungsinstitute von den eigentlichen Ursachen des Dilemmas, der Unfähigkeit des Kapitalismus zur Lösung seiner Probleme, zur Be- friedigung der elementarsten Bedürfnisse des arbeitenden Men- schen, ablenkten. Die krisenbedingte Enttabuisierung der Len- kungsthematik hätte, das lehrt die Erfahrung anderer Länder, von einer starken, kämpferischen und bewußten Arbeiterbewegung zur Verankerung des sozialistischen Planungsgedankens in den Massen genutzt werden können - zweifellos ein wichtiger Beitrag zur Bil- dung proletarischen Klassenbewußtseins. Beim gegenwärtigen Kräfteverhältnis zwischen den Klassen fing die Investitionslenkungsdebatte die wachsende Unzufriedenheit weiter Teile der arbeitenden Bevölkerung auf und diente als "theore- tische Spielwiese" für Systemkritiker in den Regierungsparteien. Jörg Huffschmid zufolge hatte die Investitionslenkungsdiskussion zwei Funktionen: "Zum einen sollte sie ablenken und hat wirksam abgelenkt von den unmittelbar anstehenden wirtschaftlichen Problemen und wirtschaftspolitischen Aufgaben, von der Ar- beitslosigkeit und den möglichen und notwendigen Maßnahmen zu ih- rer Behebung.(...) Zum anderen sollte das vorläufige parteioffi- zielle Ergebnis dieser Diskussion alle Befürchtungen zerstreuen, daß die SPD sich auch nur einen Schritt weiter nach links und von der unbedingten Verteidigung marktwirtschaftlicher Steuerung der Wirtschaft fortbewegen würde." 29) Auslösendes Moment der Pla- nungsdiskussion ist die sozialökonomische (krisenhafte) Entwick- lung des Kapitalismus; über Verlauf und inhaltlichen Rahmen der Debatte entscheiden die Konstellation der Klassenkräfte, die po- litischen Machtverhältnisse und die Kampfkraft der abhängig Be- schäftigten bzw. ihrer Organisationen. Probleme der Wirtschafts- lenkung sind keine technischen, sondern Machtfragen. Im Laufe der Investitionslenkungsdiskussion wurden folgende Vor- schläge unterbreitet: 1. Die Investitionsmeldestelle (IMS). Um drohende regionale und sektorale Ungleichgewichte rechtzeitig diagnostizieren zu können, beschloß der Mannheimer SPD-Parteitag 1975, "die Einführung einer Meldepflicht für geplante gewerbliche und öffentliche Investitio- nen von einer bestimmten Größenordnung an zu befürworten." 30) Eine nähere Spezifizierung blieb aus, während der im selben Jahr abgehaltene Hamburger DGB-Bundeskongreß genaue Angaben über die Voraussetzungen machte, unter denen Investitionen einer Melde- pflicht unterliegen sollen. Er entschied sich für dieselben Be- dingungen, wie sie der Gewerkschaftsvorschlag zur paritätischen Mitbestimmung in Großunternehmen vorsieht: "Der 10. Ordentliche Bundeskongreß des DGB fordert die Bundesregierung auf, eine öf- fentliche Investitionsmeldestelle einzurichten, die über Investi- tionen von Großunternehmen und -konzernen rechtzeitig und voll- ständig zu unterrichten ist. Meldepflichtig sollen alle Unterneh- men bzw. Konzerne sein, die zwei der drei folgenden Kriterien er- füllen: Mindestens 2000 Beschäftigte, 75 Millionen DM Bilanz- summe, 150 Millionen DM Jahresumsatz." 31) Natürlich bewirkt die Investitionsmeldestelle für sich allein keinerlei Veränderungen im Wirtschaftsablauf; eine Offenlegung der Investitionspläne er- leichtert allenfalls die Marktstrategie der Konzerne. Damit wer- den zwar die Verwertungsbedingungen des Großkapitals verbessert, Umstrukturierungen des Wirtschaftssystems ergeben sich aber nicht. Vielmehr bleibt die IMS ganz und gar im Rahmen der herr- schenden Privateigentums- und Verfügungsverhältnisse. Ihre Befür- worter stellen sich vielfach auf den Boden der marktwirtschaftli- chen Ordnung und streben lediglich eine Informationsverbesserung der Unternehmen an: "Die Erhöhung der Transparenz durch die Of- fenlegung der unternehmerischen Investitionspläne zielt zunächst einmal auf die Verbesserung der Voraussetzungen für die Selbstre- gulierung der Märkte." 32) 2. Sektorale Investitionskontrolle (Selektive Branchensteuerung). Aufgrund sektoraler Überproduktionskrisen in der Aluminium- und Kunstfaserindustrie forderte die IG Chemie-Papier-Keramik 1973, drittelparitätisch mit Vertretern des Kapitals, der Gewerkschaf- ten und des Staates besetzte Branchenausschüsse zu bilden, die mittels Empfehlungen und Warnungen die Investitionstätigkeit der Unternehmen eines von Überkapazitäten bedrohten Wirtschaftszwei- ges beeinflussen, ein Mitspracherecht über die staatlichen Sub- ventionsleistungen erhalten und evtl. Investitionsverbote aus- sprechen sollen. Der von Manfred Krüper entwickelte Dreistufen- plan 33) macht zwar auf den ersten Blick den Eindruck eines durchdachten und ausgewogenen Konzepts, weist aber entscheidende Schwächen auf, die ihn ungeeignet erscheinen lassen, die Dispro- portionen zwischen Produktion und Markt zu beheben. Wohl können Fehl- und Überinvestitionen verhindert oder vermindert werden, in Depressionsphasen erweist sich die sektorale Investitionskon- trolle jedoch als unwirksam, weil ihr das Mittel des Investiti- onsangebots nicht zur Verfügung steht. Darüber hinaus besteht die Gefahr, daß die Gewerkschaften - ähnlich wie bei der Konzertier- ten Aktion - integriert und für branchenegoistische Kapitalinter- essen instrumentalisiert werden. Schließlich sind die Macht der Monopole und die Bewegungsgesetze des Kapitals nicht auf Bran- chenebene zu überwinden. "Erst wenn die entscheidenden Kom- mandohöhen, wenn die monopolistischen und staatlichen Entschei- dungszentren über die wichtigsten Investitionen von der Arbeiter- klasse und ihren Organisationen erobert sind, besteht berechtigte Aussicht darauf, daß die zyklische Entwicklung der Kapitalakkumu- lation, deren wesentliche Erscheinungsform die Überakkumulation ist, einer planvollen proportionalen und kontinuierlichen ökono- mischen Entwicklung weicht." 34) 3. Die Investitionskontrolle. Von den sozialdemokratischen Ökono- men Werner Meißner, Norbert Wieczorek und Karl Georg Zinn wurde ein Modell ausgearbeitet, in dem eine nach Vorbild des Bundeskar- tellamtes konzipierte Behörde (Bundesamt für Investitionskon- trolle) auf der Grundlage einer vom Bundestag beschlossenen Be- darfsrangskala über Großinvestitionen im Zuge eines Genehmigungs- verfahrens entscheidet. Mit der sektoralen Investitionskontrolle reih dieser Ansatz die Beschränkung auf Möglichkeiten zur negati- ven Selektion von Investitionsvorhaben. Die monopolkapitalisti- sche Wirtschaftsstruktur wird als restriktives Moment planeri- scher Eingriffe unterschätzt. Gerade am Bundeskartellamt hat sich jedoch gezeigt, daß die staatliche Exekutive den Entschei- dungsspielraum der Konzerne nicht antastet. Im seltenen Konflikt- fall bieten sich dem Großkapital genügend Chancen, die Weisungen der Staatsadministration zu unterlaufen. Das größte Manko des In- vestitionskontrollmodells, nämlich die Tendenzen zur Verflechtung von Staat und Monopolen zu verstärken, statt sie aufzulösen, wie es das Ziel einer demokratischen Wirtschaftspolitik ist, mißdeu- tet Zinn infolge seiner Ignoranz gegenüber dem Klassencharakter des Staates als Vorteil: "Die Investitionskontrollen dürften in wachsendem Maße zu einer Konzentration der Zusammenarbeit von Kontrollbehörden und Großunternehmen führen. (...) Staat und Großunternehmen weisen bereits heute im Verhältnis zu mittleren und kleineren Unternehmen einen längeren Planungshorizont auf. Eine institutionalisierte Koordination der bereits praktizierten Langfristplanung von Staat und Großunternehmen stellt somit kei- nen Widerspruch, sondern eine sinnvolle Fortentwicklung der bis- her gehandhabten Praxis dar." 35) 4. Indirekte Investitionslenkung. Auf dem rechten Flügel der Re- gierungsparteien dominierten Konzeptionen, die einen Ausbau und eine Verfeinerung des Instrumentariums der "Globalsteuerung" be- zweckten. In erster Linie sind hier die Arbeiten des heutigen Ar- beitsministers Herbert Ehrenberg und des Staatssekretärs im Wirt- schaftsministerium, Otto Schlecht, zu nennen. Beide lehnten Ein- griffe in die Investitionsautonomie der privaten Unternehmer strikt ab und empfahlen statt dessen, notwendige Korrekturen der Anlagestruktur durch Subventionen, Investitionszulagen, Steueran- reize einerseits und finanzielle Belastungen andererseits herbei- zuführen. Ein ausgeklügeltes Prämierungssystem soll dafür sorgen, daß dort investiert wird, wo es volkswirtschaftlich sinnvoll er- scheint. Nicht das Kapital hat sich nach den Bedürfnissen der Be- völkerungsmehrheit zu richten, sondern diese den Profithunger des Kapitals zu stillen. "Die staatliche Wirtschaftspolitik hat immer dort einzugreifen, wo die Marktkräfte allein nicht ausreichen: Konkret bedeutet das, daß dort, wo die gegebene Datenkonstella- tion keine ausreichende Investitionstätigkeit der Unternehmen be- wirkt, durch staatliche Maßnahmen der Datenkranz so verändert werden kann, daß die Investitionen in die gewünschte Richtung ge- lenkt werden." 36) Die Widersprüche, Strukturmängel und Dispro- portionalitäten der Profitwirtschaft durch Profitstimulierung be- heben zu wollen, heißt Teufel mit Beelzebub austreiben. - Man un- terwirft sich den Bewegungsgesetzen des Kapitals, die für Störun- gen und Stockungen der gesellschaftlichen Reproduktion, für Über- produktion und Krisen verantwortlich sind. Indikative Planvorga- ben führen sich, strenggenommen, selbst ad absurdum, lassen sie doch die Kapitaleigentümer, deren Handeln nach gesellschaftlich sinnvollen Kriterien beeinflußt werden soll, autonom über die Re- alisierung oder Boykottierung der gewählten Ziele entscheiden. Am deutlichsten wird dies, wenn der sozialdemokratische "Orientie- rungsrahmen '85" erklärt: "Die letztverantwortliche Investitions- entscheidung innerhalb des gesetzten Rahmens verbleibt (...) beim Unternehmen." 37) 5. Direkte Investitionslenkung. Neben der Investionskontrolle, die ein Modell direkter Steuerung darstellt, sind auch andere Formen imperativer Investitionsplanung erörtert worden. Besondere Beachtung verdienen die Überlegungen Ulrich Stegers, der sich am Planungssystem der Volksrepublik Ungarn orientiert, dabei aller- dings die sozialistischen Eigentumsverhältnisse als Grundlage der ungarischen Volkswirtschaftsplanung vernachlässigt. Steger plä- diert für eine zentrale Investitionslenkung auf der Basis eines gesamtwirtschaftlichen Rahmenplanes, schränkte jedoch ein, daß sie "aufgrund der mangelnden Planungserfahrung, der völlig unzu- reichenden Datengewinnungs- und Informationsverarbeitungsbasis sowie den pluralistischen Blockierungen im Konsensbildungsprozeß (...) nicht ad hoc eingeführt werden kann." 38) 6. Gesamtgesellschaftliche demokratische Planung. Marxistische Autoren stellten die Investitionslenkung in den Zusammenhang ei- ner demokratischen Wirtschaftspolitik, die umfassende Mitbestim- mungsregelungen für Arbeiter und Angestellte sowohl auf Unterneh- mens- als auch auf gesamtwirtschaftlicher Ebene (Wirtschafts- und Sozialräte) ebenso einbegreift wie die Vergesellschaftung der Schlüsselindustrien und die Verstaatlichung des Bank- und Kredit- wesens. "Eine gesellschaftliche Regulierung der privaten Investi- tionstätigkeit ist mit den Prinzipien der privaten Kapitalverwer- tung unvereinbar. Im Rahmen einer antimonopolistischen Gesamt- strategie muß die machtmäßige Voraussetzung für eine weitestge- hende Substitution des Kapitalverwertungsprinzips durch eine planmäßige Entfaltung der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten im In- teresse der Gesellschaft geschaffen werden." 39) Damit die Inve- stitionslenkung aus einem Hilfsmittel des Monopolkapitals zur Verstetigung seines Profitaufkommens zur Fessel seines Bedürf- nisses nach ungezügelter Akkumulation werden kann, bedarf es ei- ner grundlegenden Veränderung der gesellschaftlichen Machtver- hältnisse. Nur unter einer antimonopolistischen Regierung, die von der Arbeiterklasse und den übrigen werktätigen Schichten ge- tragen wird, läßt sich die Umgestaltung der Produktion im Inter- esse des Volkes verwirklichen, und in diesem Prozeß kann die In- vestitionslenkung - begriffen als Kampfaufgabe - eine wichtige Rolle bei der Wirtschaftsneuordnung spielen. Staatsmonopolistische Programmierung in Frankreich und Schweden --------------------------------------------------------------- Erstaunlicherweise haben die Erfahrungen anderer imperialisti- scher Länder mit einem hoch- bzw. höherentwickelten Lenkungssy- stem im Rahmen der jüngsten Planungsdebatte in der BRD kaum eine Rolle gespielt. Zwar bauten auch dritte Staaten (Großbritannien, USA, Niederlande) ihr Steuerungsinstrumentarium während der fünf- ziger und sechziger Jahre aus, das Musterland monopolistischer Wirtschaftsregulierung aber war und ist Frankreich. Die Planifi- cation, ursprünglich auf Vorstellungen des antifaschistischen Wi- derstandes (Resistance) basierend, "wurde zum Instrument der Überwindung der relativen Schwäche des französischen Kapitalis- mus. Dies zeigt sich deutlich in den Zielsetzungen der verschie- denen Wirtschaftspläne. Die Themen 'Unter-Industriealisierung', 'internationale Konkurrenzfähigkeit', 'Konzentration des Kapi- tals' gehören mit unterschiedlicher Akzentuierung zu den Leitmo- tiven aller bisherigen Wirtschaftspläne." 40) Die Pervertierung der emanzipatorischen Planungsidee im Sinne des Großkapitals und der Hochfinanz führte zwei Jahrzente nach Kriegsende infolge nun auch in der BRD spürbar werdender Verwertungsschwierigkeiten des gesellschaftlichen Gesamtkapitals zu einer ersten Aufweichung der hierzulande herrschenden Planungsphobie, die sich in vorsichtig formulierten Vorschlägen zur Übernahme des "französischen Mo- dells" manifestierte. 41) Trotz der von den ersten Nachkriegsregierungen ergriffenen, in erster Linie den Energiesektor, das Transportwesen sowie Banken und Versicherungen betreffenden Verstaatlichungsmaßnahmen schei- terten die Bemühungen der fortschrittlichen Kräfte in Parteien und Gewerkschaften, den Übergang zu einer sozialistischen Plan- wirtschaft einzuleiten. Ausschlaggebend für den Sieg des Kapitalismus war freilich kei- neswegs "der sprichwörtliche französische Individualismus", wie Eberhard Rhein glauben machen will, 42) sondern die ungebrochene ökonomische und politische Macht der einheimischen Bourgeoisie . Mir der Zeit kristallisierte sich auf dem Weg über eine stärkere Ausdifferenzierung der Mehrjahrespläne eine signifikante Bevorzu- gung des monopolistischen Kapitals heraus, die kleine und mitt- lere Unternehmen an den Rand des Ruins brachte. Die Monopolisie- rung der staatlichen Entscheidungsprozesse ließ die französische Wirtschaftslenkung zu einer Planung "durch die Großindustrie für die Großindustrie" werden. 43) Gefördert wurden vorrangig sog. Wachstumsindustrien, d.h. solche Unternehmen, die im internatio- nalen Konzert der Konzerngiganten mithalten konnten. Das Nachse- hen hatten die Lohn-und Gehaltsempfänger, die selbständigen Zwi- schenschichten und unterprivilegierte Teile des Bürgertums. So beklagen selbst Befürworter der Planification "die Tendenz, Inve- stitionen, die besonders eng mit der Entwicklung des industriel- len Wachstums verbunden sind - dies gilt auch für das gesamte Verkehrs- und Nachrichtenwesen -, auf Kosten von Projektionen zur Verbesserung der sozialen Lebensqualität (Bildung, Umschulung, Gesundheitswesen, Sport, Justiz) bevorzugt zu fördern. " 44) Der Klassencharakter der Planification wird jedoch "vor allem an der 'Einkommensplanung' sichtbar. Obwohl die Einkommenszunahme aller Schichten als staatliches Ziel propagiert wurde, führte die staatsmonopolistische Planification in Frankreich zu einer Ver- schärfung der bestehenden Einkommensunterschiede." 45) Solange das monopolkapitalistische Eigentum die Grundlage der Planification bildet, steht diese zu den Bedürfnissen der arbei- tenden Bevölkerung im Widerspruch. Die Wirtschaftspolitik des im- perialistischen Staates kann keine Übel heilen, deren Produkt sie ist. Das Dilemma der staatsmonopolistischen Programmierung be- steht darin, daß sie trotz raffiniertester Versuche, das Verhal- ten von Staat und Privatindustrie abzustimmen und antizyklisch zu beeinflussen, Sklave des zyklischen Verlaufs der Kapitalreproduk- tion als Zwangsgesetz der herrschenden Ökonomie bleibt. Die fran- zösische Finanzoligarchie "verwandelte das seiner Natur nach ge- sellschaftliche Instrument der volkswirtschaftlichen Planung, der ökonomischen Regulierung des gesellschaftlichen Gesamtsystems, in ein spezifisch staatsmonopolistisches Instrument zur einheitli- cheren, konsequenteren, d.h. programmierten Durchsetzung ihrer Interessen. Dabei verstand sie es wohl, die Planification mit dem üblichen staatlichen Instrumentarium zur Regulierung der Repro- duktionsbedingungen geschickt zu verbinden, ohne daß die Teilsy- steme innerhalb des Gesellschaftssystems in langfristiger Per- spektive von ihr zu entwickeln wären. Daher treten auch in der Ausübung der ökonomischen Teilfunktionen des Monopolstaates: staatlicher Unternehmensfunktion, Funktion der Einkommensvertei- lung und juristisch-administrativer Regulierungsfunktion Unstim- migkeiten aller Art ein, obwohl die Planification gerade die Ein- heit der Ökonomie und Politik im Kapitalismus sichern soll." 46) Ein wesentliches Merkmal der Planification stellt die Unverbind- lichkeit ihrer Projektionen zumindest für den Bereich der Privat- wirtschaft dar. Planvorgaben imperativer Natur richten sich aus- schließlich an staatliche Unternehmen, während das Verhalten des Kapitals durch indikative Rahmensetzung synchronisiert werden soll. Aufgrund des Zwittercharakters dieses Regulierungsmechanis- mus ergeben sich zwangsläufig immense Probleme bei der Planreali- sierung. Erkannt wurde hingegen die überragende Bedeutung der In- vestitionsstruktur für die Entwicklung des Wirtschaftswachstums: "Die Bestimmungen über die Investitionen bilden den Schwerpunkt des französischen Plans." 47) Die beiden wichtigsten Organe der Planification sind das Plankommissariat, dem die Aufstellung der Pläne obliegt, und die ad hoc eingesetzten Modernisierungskommis- sionen, deren Aufgabe in der Ausarbeitung von Investitionspro- grammen für einzelne Wirtschaftszweige besteht. In den per Regie- rungserlaß berufenen Kommissionen stellen die Gewerkschaftsver- treter gegenüber den Repräsentanten von Monopolverbänden, Staats- bürokratie und Management nur eine kleine Minderheit. "Der natio- nale französische 'Plan' ist nichts anderes als eine besondere und spezifische Form der öffentlichen Phase der monopolistischen Planung." 48) Es entspricht dieser Einschätzung, daß die unternehmerische Ent- scheidungsautonomie im Rahmen der französischen Regulierungskon- zeption strikt respektiert wird. Das war freilich nicht immer so. Bis 1949 wurden Maßnahmen direkter Lenkung ergriffen: "Zu ihnen gehörte die staatliche Prüfung von privaten Investitionsvorhaben zum Zweck der Zuteilung von Kontingenten für Rohstoffe und Ausrü- stungsmaterial, die im Bereich der Schlüsselindustrien vom Plan- kommissariat und im übrigen von den zuständigen Direktionen der Ministerien durchgeführt wurde." 49) Wegen des Gegensatzes, in den das französische Planungsmodell zur Intention seiner geisti- gen Väter geraten ist, kann nicht oft genug auf jene historischen Modifikationen hingewiesen werden, denen es unterlag: "An die Stelle einer Investitionslenkung in den ersten Nachkriegsjahren trat immer stärker ein bloßes Orientieren der Investition, das auf jede Anwendung von Zwang verzichtet." 50) Die Geschichte der Planung in Schweden weist zahlreiche Paral- lelen auf. Auch hier hat sich das Gewicht "von direkten Eingrif- fen des Staates auf indirekt beeinflussende Mittel verschoben." 51) Die Einbettung von Nationalbudgets in den prognostischen Rah- men längerfristiger Pläne folgt der französischen Programmie- rungskonzeption. Planungsorganisatorisch stützt man sich einer- seits auf den Planungsrat, ein der Konzertierten Aktion entspre- chendes Expertengremium, dem auch Vertreter von Wirtschaftsfor- schungsinstituten angehören, andererseits auf ein dem Finanzmini- sterium (Wirtschaftsabteilung) angegliedertes ständiges Sekreta- riat, das mit der Planerstellung und -evision befaßt ist. Schwe- dens Regulierungsinstrumentarium unterscheidet sich von demjeni- gen anderer imperialistischer Staaten durch eine Reihe konjunk- tur- und strukturpolitischen Zielen dienender Fondseinrichtungen, die hiermit Ausnahme des Investitionsreserve-Fonds, der die größte Bedeutung hat, nicht im einzelnen dargestellt werden kön- nen. Industrieunternehmen können bis zu 40 Prozent ihrer Brutto- einnahmen steuerfrei einem Investitionsfonds übertragen. Während 54 Prozent dieser Summe dem Unternehmen als Kapital verbleiben , werden die restlichen 46 Prozent auf ein Sperrkonto bei der schwedischen Reichsbank überwiesen. "Diese Einzahlung entzieht die Gelder zunächst der Verfügungsgewalt der Unternehmer und un- terstellt sie der Aufsicht des staatlichen Amtes für Arbeits- marktfragen, das auf Antrag der Unternehmen entscheidet, wo, in welcher Höhe und für welchen Zweck die Fonds mobilisiert werden sollen. (...) Mit diesem Programmierungsinstrument wurden kon- junkturstimulierende, -dämpfende, beschäftigungs- und strukturpo- litische Wirkungen erzielt. Der entscheidende Effekt besteht je- doch darin, daß die schwedischen Unternehmen große Steuerbegün- stigungen erhalten und ihre Akkumulationskraft entscheidend ver- stärken können." 52) Bei der Investitionsrücklagenbildung "tritt der gleiche Effekt ein wie bei einer beschleunigten oder soforti- gen Abschreibung; deshalb kann die Fondsbildung auch als vorweg- genommene Abschreibung auf spätere Investitionen bezeichnet wer- den." 53) Kein Wunder also, daß rechtssozialdemokratische Kreise in der BRD Gefallen am Planungsmodell des "Wohlfahrtsstaates" Schweden ge- funden haben. Sogar der Wirtschaftswissenschaftler Werner Meißner hebt die "Flexibilität" des Investitionsfonds hervor, der deshalb ein auch für westdeutsche Verhältnisse geeignetes Hilfsmittel der Konjunkturpolitik darstelle. "Hinzu kommt: Verstärkt sich die Notwendigkeit einer selektiven Stabilitätspolitik, so werden jene Instrumente attraktiver, welche von ihrer Konstruktion her besser auf eine kombinierte Zielsetzung von Niveau- und Strukturpolitik zugeschnitten sind." 54) Auch Karl-Heinz Luckhardt betont, daß der Investitionsreserve-Fonds "nicht nur im Rahmen einer Global- steuerung der Wirtschaft eingesetzt wird, sondern auch bestimmte regionale und sektorale Wirtschaftsförderungsaufgaben hat. Bei konjunkturell notwendigen Dämpfungsmaßnahmen im allgemeinen wird die Förderung von strukturschwachen Regionen und die strukturelle Umstellung von Wirtschaftssektoren ungekürzt fortgesetzt." 55) Ohne Zweifel hat der Investitionsfonds sein Teil dazu beigetra- gen, die Arbeitslosenquote in Schweden selbst während der kapita- listischen Weltwirtschaftskrise 1974/76 relativ niedrig zu hal- ten. Nichtsdestoweniger muß konstatiert werden, daß die Fondslö- sung als (trotz der imperativen Momente des Genehmigungsverfah- rens bei Abrufung gesperrter Gelder für private Investitionen) indirekte Lenkungsvariante zwar das Profitaufkommen der Konzerne steigern, einzelne Auswüchse der anarchischen Warenproduktion im Unternehmerinteresse beseitigen und bestimmte Strukturdefekte des Kapitalismus vorübergehend kaschieren, aber seine Krisenanfällig- keit nur abschwächen, die Arbeits- und Lebenssituation der Werk- tätigen mithin weder grundlegend verbessern noch ihren Einfluß auf Produktionsziele und -ablauf mehren kann. Perspektiven der Investitionslenkungsdiskussion ----------------------------------------------- Für die Planungspraxis der beiden behandelten Länder gilt, was auch im Hinblick auf die BRD zutrifft und von dem bürgerlichen Ökonomen John Kenneth Galbraith folgendermaßen kommentiert wurde: "Wenn die Wirtschaft einer Lenkung bedarf: wie erfreulich, daß sie auf so diskrete und nette Weise erfolgt!" 56) Der ideologi- sche Schleier, hinter dem sich die Verschränkung von Wirtschafts- regulierung bzw. -programmierung und monopolistischem Verwer- tungsinteresse verbirgt, ist allerdings nur schwer zu zerreißen, denn die Rechtfertigung des verstärkten Staatsinterventionismus kann sich vordergründig auf die partielle Interessenkonvergenz von Lohnarbeit und Kapital stützen, läßt sich doch etwa die Sub- ventionierung der Konzerne in strukturschwachen Gebieten mit dem Zwang zur Schaffung neuer Arbeitsplätze legitimieren. Selbst wenn von ihrer Anlage und Intention her fortschrittliche Steuerungsmo- delle realisiert würden, verbliebe vor allem multinationalen Un- ternehmen ein weites Feld, um den Konsequenzen der veränderten Lage zu entgehen. Deshalb hat sich die Bewertung einer jeden Len- kungskonzeption nach den herrschenden Eigentumsverhältnissen, dem Einfluß demokratisch legitimierter Arbeitervertreter auf Pla- nungsziele und -methoden sowie der Überwachung der Planerfüllung, nicht zuletzt aber auch nach der Wirkung von Begleitmaßnahmen (Preiskontrollen, Bestimmungen zur Verhinderung von Kapitalflucht usw.) zu richten. Tatsächlich greifen Lenkungsdirektiven so lange nicht im Interesse der Lohnabhängigen, wie das Großkapital über den bürgerlichen Staat Projektionen und Kalkulationen zu manipu- lieren oder die Planexekution mittels ökonomischer und politi- scher Ausweichmanöver zu hintertreiben vermag. Das Konterkarieren einzelner gegen seine Interessenpräferenzen verstoßender Steuerungsbeschlüsse fällt dem Kapital um so leich- ter, je höher der Monopolisierungsgrad einer Volkswirtschaft ist. Die beträchtliche Konzentration und Zentralisation des westdeut- schen Kapitals findet ihren Niederschlag in den Berechnungen von Norbert Koubek und Ingrid Scheibe-Lange über den Anteil der Um- satzmilliardäre am Gesamtanlagevolumen des Jahres 1972. Demnach investierten 103 Konzerne "über 35 Mrd. DM und vereinigten damit mehr als zwei Fünftel der Investitionen in Industrie, Handel und Verkehr auf sich". 57) Diese Zahlen, wiewohl durch die Fusions- und Konkurswelle der Krisenjahre inzwischen überholt, unterstrei- chen, daß die innerhalb der SPD vorübergehend wiederaufgelebte Wettbewerbsdiskussion "bestenfalls ökonomische Nostalgie" 58) sein kann. Die auch in bezug auf den Entwicklungsstand ihres staatlichen Re- gulierungssystems als "verspätete Nation" hinter dem imperiali- stischen Weltstandard zurückgebliebene BRD braucht, zumindest was Schlagkraft und Aggressivität ihrer Finanzoligarchie angeht, kei- nen Vergleich mit westlichen Industrienationen zu scheuen. An diesem Tatbestand dürfte auch die Modernisierung des wirtschafts- politischen Instrumentariums wenig ändern. Im Gegenteil. Durch die Realisierung eines technokratischen Lenkungsmodells würde der Monopolisierungsprozeß weiter forciert, die Verflechtung zwischen Großkapital und Staatsapparat intensiviert. Ähnliches gilt für das vom Hamburger SPD-Parteitag im November 1977 verabschiedete Konzept einer "vorausschauenden Strukturpoli- tik". Es sieht vor, Konjunkturrat und Finanzplanungsrat zwecks Behandlung strukturpolitischer Probleme zu einem - Strukturrat der öffentlichen Hand" zusammenzufassen und einen - Strukturrat der sozialen Gruppen" zu bilden, der die Bundesregierung berät, eine Empfehlung bei Standortentscheidungen öffentlicher bzw. staatlich geförderter Unternehmen abgibt und Stellung zur Ar- beitsmarktlage im Gefolge strukturpolitischer Maßnahmen bezieht. "Die konzertierte Aktion wird so weiterentwickelt, daß sie struk- turpolitische Aufgaben übernehmen kann (Strukturrat der sozialen Gruppen). Dazu gehört die Meinungsbildung der gesellschaftlichen Gruppen zum Strukturwandel und eine bessere Abstimmung zwischen staatlicher Wirtschaftspolitik und privaten Unternehmensplanun- gen." 59) Gedacht ist ferner an die Schaffung eines Struktur- fonds, der sich in erster Linie aus ERP-Mitteln sowie Zuschüssen des Bundes und der Länder speisen soll. Zur "Beruhigung des Kon- junkturverlaufs" wird die Bildung unternehmerischer Investitions- rücklagen bei der Bundesbank erwogen, die auf Vorschlag der Re- gierung vom Konjunkturrat freigegeben werden. Mittels solcher an- tizyklischer Beeinflussung des privaten Investitionsverhaltens dürften sich die durch den mit der wachsenden organischen Zusam- mensetzung des Kapitals einhergehenden Profitratenfall zusätzlich verstärkten Störungen im Reproduktionsprozeß zwar abschwächen lassen; die zunehmenden Verwertungsschwierigkeiten liegen jedoch in der Natur des Kapitals selbst begründet und treten, solange die kapitalistische Produktionsweise fortbesteht, in periodischer Regelmäßigkeit als Überakkumulationskrise auf. Wie die oben skizzierten Vorschläge zeigen, setzt die SPD-Führung auf technokratische Regulierungsvarianten mit integrationisti- scher Zielsetzung. Eine noch so gute Koordination der staatlichen Steuerungsinstrumente und optimale Information über wirtschafts- politisch relevante Daten heben allerdings die Bewegungsgesetze des Kapitals, und das bedeutet: zyklischer Verlauf des Reproduk- tionsprozesses und Aufeinanderfolge von Konjunktur und Krise, nicht auf. Von rechtssozialdemokratischer wie von Unternehmer- seite wird die Planungsthematik gern zu einem Problem der "richtigen" Instrumente erklärt, wodurch von der entscheidenden Frage nach dem Klasseninhalt der Wirtschaftslenkung, ihren sozi- alökonomischen Grundlagen und den gesellschaftlichen Herrschafts- verhältnissen, auf denen sie beruht, abgelenkt wird. Die instrumentelle Verkürzung des Gegensatzpaares "Plan" und "Markt" oder "Markt und Lenkung" soll darüber hinwegtäuschen, daß sich hier zwei verschiedene Wirtschaftssysteme gegenüberstehen, von denen das eine durch den Grundwiderspruch zwischen gesell- schaftlicher Produktion und privatkapitalistischer Aneignung ge- kennzeichnet ist, auf der Ausbeutung der Lohnarbeit durch das Ka- pital basiert, wohingegen das andere, in dem sozialistische Ei- gentumsformen dominieren, eine planvolle Nutzung der gesell- schaftlichen Ressourcen sowie eine kontinuierliche Entwicklung der Wirtschaft und des materiellen Wohlstands aller ermöglicht. Das Märchen vom "gemischten Wirtschaftssystem", in dem nur noch über ein ausgewogenes Verhältnis zwischen "Markt" und "Lenkung" als Instrumenten einer aufgeklärten Wirtschaftspolitik gestritten werden muß 60), verschleiert die wahren Macht-, Eigentums- und Klassenverhältnisse im staatsmonopolistischen Kapitalismus. Die Ambivalenz der Forderung nach Investitionskontrolle bzw. -lenkung besteht darin, sowohl zur "Modernisierung", Effektivierung und Stabilisierung des kapitalistischen Systems beitragen als auch seiner Bekämpfung und schließlichen Überwindung dienstbar gemacht werden zu können. Sie ist "einerseits eine Art bürgerlich-demo- kratische Verbrämung der Alleinherrschaft der Monopole im Bereich wirtschaftlicher Entscheidungen. Andererseits kann eine Investi- tionskontrolle und -lenkung - wenn sie von starken antimonopoli- stischen Kräften durchgesetzt wird - die private ökonomische Ent- scheidungsbefugnis der Monopole einengen und den Spielraum der demokratischen Kräfte vergrößern, die für die Zurückdrängung der Macht der Monopole in Wirtschaft und Staat kämpfen". 61) Ihre volle strategische Relevanz für die Arbeiterbewegung gewin- nen Eingriffe in den kapitalistischen Reproduktionsprozeß erst im Rahmen einer gesamtgesellschaftlichen demokratischen Planung, de- ren politökonomisches Rückgrat der antimonopolistische Dreiklang von paritätischer Mitbestimmung, Investitionslenkung und Verge- sellschaftung der Schlüsselindustrien bildet. Im Gegensatz zum reformistischen, "partnerschaftlich" orientierten wie zum "antirevisionistischen", Investitionslenkungsmaßnahmen pauschal als systemstabilisierend verdammenden Standpunkt verknüpfen Mar- xisten die Tagesforderung nach staatlicher Wirtschaftsplanung mit dem sozialistischen Ziel, betrachten die Verwirklichung entspre- chender Modellvorstellungen als ein strategisches Zwischenziel, das Ausgangsbasis weiterreichender Reformen antimonopolistischen Inhalts sein kann, und benennen den konkreten Zusammenhang, in dem Steuerungskonzeptionen den Machtzuwachs der Werktätigen im Klassenkampf institutionell abzusichern vermögen. Maßnahmen der Investitionskontrolle und -lenkung werden als Mittel zur Errich- tung von Gegenmachtpositionen verstanden, um durch Teilerfolge der politischen Ökonomie der Arbeiterklasse über die des Kapitals den Grundstein einer neuen Gesellschaftsordnung zu legen. Jedes isoliert umgesetzte Regulierungsmodell kann von den Lohnabhängi- gen und ihren Gewerkschaften nicht zum Zwecke der Erzeugung pro- letarischen Massendrucks genutzt werden, konzediert doch selbst Herbert Ehrenberg, "daß eine Vielzahl der Eigentumsverfügungs- rechte einem gesamtgesellschaftlichen Planungsprozeß entgegenste- hen". 62) Hinsichtlich der Vorschläge aus dem linkssozialdemokra- tischen Bereich, die dem bürgerlichen Staat die "Rolle des Ver- mittlers demokratisch legitimierter Planungsprozesse" 63) zuwei- sen, läßt sich eine Desorientierung insofern konstatieren, als die Problematik des monopolistischen Eigentums an Produktionsmit- teln außer acht bleibt. Sogar das großbürgerliche "Handelsblatt" mußte nach einer im Namen von Konsum- und Unternehmerfreiheit ge- führten Kampagne gegen das Wiederaufleben der Planungsdiskussion zugeben: "Das Reizwort Investitionslenkung verliert bei näherer Betrachtung der unterschiedlichen Theorien zu diesem Begriff ei- niges von seinem Beigeschmack von Systemüberwindung." 64) Getrotzt werden muß dem Modetrend bürgerlicher Ideologieproduk- tion, beinahe schon "klassisch" zu nennende Forderungen der demo- kratischen und Arbeiterbewegung - Überführung der Produktionsmit- tel in gesellschaftliches Eigentum oder Ausweitung der Mitbestim- mungsrechte - gegen die Investitionslenkung auszuspielen. Das In- teresse an rationaler Nutzung der vorhandenen Ressourcen befrie- digen "kann nur eine antimonopolistische staatliche Lenkung von Investitionen von (in den wichtigsten Sektoren) verstaatlichten und den verbleibenden privatkapitalistischen Unternehmen sein, die nicht mehr oder nicht primär auf dem kapitalistischen Profit- maximierungsprinzip beruhen, sondern in einen demokratischen, von der Arbeiterklasse, ihren Organisationen und ihrer Regierung er- stellten und kontrollierten Wirtschaftsplan eingegliedert sind". 65) Von ausschlaggebender Bedeutung in bezug auf die gesellschaftspo- litischen Implikationen der Planungskonzeption ist die Über- schreitung einer Minimalschwelle der Vergesellschaftung, wie sie das Regierungsprogramm der französischen Volksunion aus dem Jahre 1972 vorsah: "Die Überschreitung einer Mindestgrenze bei der Na- tionalisierung soll es ermöglichen, die monopolistischen Zentren zu begrenzen und einzuschränken." 66) Betroffen wäre neben dem Bank- und Versicherungswesen eine kleine Zahl industrieller Kern- bereiche (Eisen und Stahl, Energie, Chemie, Elektrotechnik und Elektronik, Luft- und Raumfahrt, Rüstung). Hinzu kämen die markt- beherrschenden Unternehmen anderer Branchen. 67) Der staatliche Sektor der BRD fällt, wenn man ihn mit dem anderer hochentwickelter kapitalistischer Länder vergleicht, kaum ins Ge- wicht. Dennoch ist auch heute schon "theoretisch ein nicht uner- hebliches öffentliches Wirtschafts- und Machtpotential vorhanden , mit dem im Hinblick auf Beeinflussung und Koordinierung priva- ter und öffentlicher Investitionen gearbeitet werden könnte". 68) Skepsis verdient dagegen die Behauptung Claus Schäfers, gegenwär- tig würden "die industriellen Investitionen mindestens so sehr überschätzt wie die staatlichen unterschätzt werden". 69) Da- durch, daß sich die Interessen des hochkonzentrierten Kapitals im staatlichen Entscheidungsprozeß bevorzugt niederschlagen, geraten die öffentlichen Investitionen in unmittelbare Abhängigkeit vom Investitionsverhalten der Monopole. Im sogenannten Infrastruktur- bereich tätigt der Staat Vor- und Folgeleistungen der privaten Kapitalakkumulation. Besonders in Krisenphasen, die den Legitima- tionsdruck, der auf dem bürgerlichen Staat lastet, potenzieren, degeneriert staatliches Handeln zur abhängig Variablen des mono- polistischen Verwertungsinteresses, woraus folgt, daß der Hebel zur Veränderung der kapitalistischen Ökonomik im politischen Be- reich anzusetzen ist. Im Kampf um die Staatsmacht muß die Arbeiterklasse den Rahmen für eine an ihren Bedürfnissen und Interessen orientierte Lenkung schaffen, fällt die Entscheidung über Planungsinhalte und -methoden. Entfällt die Voraussetzung eines Wechsels in der poli- tischen Führung, verbunden mit einem grundlegenden Strukturwandel des Staatsapparates , bleibt die Demokratisierung der Planung Vi- sion. Sobald die Arbeiterklasse im Bündnis mit den übrigen werk- tätigen und antimonopolistischen Schichten die politische Macht erobert hat und ihre Parteien die Regierung stellen, beginnt die Umgestaltung der sozioökonomischen Verhältnisse, und zwar unter voller Ausschöpfung der geltenden Verfassungsnormen (insbesondere Art. 14, 15 GG), wobei die demokratische Leitung und Lenkung der Wirtschaft einen zentralen Stellenwert im Kampf gegen die noch immer starken Überreste des Kapitalismus einnimmt, weil durch sie die für den Ausgang des gesellschaftlichen Kräftemessens ent- scheidenden Potenzen der arbeitenden Bevölkerung zur Entfaltung gelangen. "Werden die Fragen der Investitionskontrolle und Inve- stitionslenkung vom Standpunkt der unmittelbaren und der histori- schen Interessen der Arbeiterklasse in der BRD aufgerollt, dann stellen sie sich dar als Bestandteile und Elemente einer antimo- nopolistischen Politik zur Verteidigung, Sicherung und Erweite- rung des materiellen und sozialen Standards der Arbeiterklasse und ihrer demokratischen Rechte sowie in der strategischen Orien- tierung als Bestandteile und Elemente einer auf die Überwindung der Herrschaft und Macht des Groß- und Monopolkapitals gerichte- ten Politik. Investitionslenkung ist ein Grundelement der Reali- sierung einer an den Interessen des arbeitenden Volkes orientier- ten gesamtgesellschaftlichen demokratischen Planung der Wirt- schaft, Bestandteil einer Politik zur Durchsetzung der Ökonomie der Arbeiterklasse." 70) Investitionskontrolle und -lenkung sind in den Katalog derjenigen Forderungen aufzunehmen, die den Weg zum Sozialismus ebnen und der Arbeiterbewegung die Chance eröffnen sollen, ihre historische Mission der gesellschaftlichen Umwälzung, der Aufhebung des Pri- vateigentums an Produktionsmitteln und der Abschaffung der Klas- sen zu vollenden. Diese über partielle Verbesserungen des beste- henden Regulierungssystems weit hinausreichende Zielsetzung er- fordert das geschlossene Auftreten der demokratischen und Arbei- terbewegung, die Aktionseinheit der Arbeiterklasse (voran ihrer Hauptströmungen, Sozialdemokraten und Kommunisten) im politischen wie im gewerkschaftlichen Kampf, überhaupt verstärkte Bemühungen aller fortschrittlichen Kräfte, sich nicht auseinanderdividieren und in die Defensive, in Resignation und Anpassung drängen zu lassen. Das gemeinsame Eintreten für eine Konzeption gesamtge- sellschaftlicher demokratischer Planung könnte unter diesen Be- dingungen als einigendes Band derjenigen dienen, die im Ringen um den sozialen Fortschritt heute noch getrennt marschieren. Fragt man nach den Perspektiven der Investitionslenkung, so stößt man auf den Umstand, daß die Debatte aufflammte, als 1972/73 sek- torale Überproduktionskrisen (in der Chemiefaser- und Alumi- niumindustrie) Investitionsrestriktionen erforderlich machten, und daß sie abflaute, als die kapitalistische Krise Ende des Jah- res 1975 ihren Höhepunkt erreicht hatte. Da die demokratische und Arbeiterbewegung unseres Landes noch zu schwach ist, um tiefgrei- fende Strukturveränderungen durchzusetzen, andererseits aber eine länger andauernde Depressionsphase (wie nach der Weltwirtschafts- krise 1929/33) zu erwarten ist, die Monopolverbände, bürgerliche Wirtschaftswissenschaft und -publizistik weniger nach konjunktur- dämpfenden, vielmehr nach staatlichen Ankurbelungsmaßnahmen ver- langen läßt, dürfte das Problem der Ausrichtung weitetet Konjunk- turprogramme am Profitinteresse (Steuergeschenke für Unternehmer) oder am Nachfragemangel (Stärkung der Massenkaufkraft) im Mittel- punkt der wirtschaftspolitischen Auseinandersetzungen stehen. Das Fortdauern der Massenarbeitslosigkeit, die für Millionen direkt Betroffener und ihre Familien zu einer Belastungsprobe sowohl in psychischer als auch in sozialer Hinsicht geworden ist, ver- schiebt den Brennpunkt der Klassenauseinandersetzungen fast zwangsläufig zur Sozialpolitik im weiteren Sinne, also: tarifver- tragliche Absicherung gegen den weiteren Arbeitsplatzabbau durch Rationalisierungsmaßnahmen, Kampf gegen Reallohneinbußen, Siche- rung des Rentenniveaus und anderer Sozialleistungen. Dahinter wird die Forderung nach Investitionskontrolle und -lenkung vor- erst zurückstehen. Die zunehmende Kampfbereitschaft der Lohnabhängigen und ihrer Ge- werkschaften, wie sie in den Tarifkonflikten dieses Jahres zutage trat, macht es jedoch möglich, wenn nicht wahrscheinlich, daß auch weitergehende, tendenziell über das kapitalistische System hinausweisende Forderungen nach paritätischer Mitbestimmung, de- mokratischer Nationalisierung und stärkeren planerischen Eingrif- fen des Staates erhoben werden. Die herrschende Klasse der BRD hat in den letzten Jahren eher auf die privatmonopolistische, mit neoliberalen Argumenten begründete Variante kapitalistischer "Krisenlösung" gesetzt. "Für diese Orientierung und Praxis ist es absehbar, daß sie wiederum zu jenem Steuerungs- und Infrastruk- turdefizit führen müssen, das am Ende der Ära Erhard stand." 71) Um so notwendiger erscheint die Reaktivierung der Investitions- lenkungsdiskussion, die nicht nur periodisch, nämlich in Phasen akuter Überproduktion bzw. Überakkumulation geführt werden darf. Wenn unsere Ausführungen dazu beitragen, die Forderung nach Inve- stitionskontrolle und -lenkung auf Seiten der Linken nicht länger als "toten Hund" zu behandeln, haben sie ihren Zweck erfüllt. _____ 1) Vgl. auch Christoph Butterwegge, Alternativen der Wirtschafts- lenkung. Zur Begründung eines Konzepts gesamtgesellschaftlicher demokratischer Planung. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Gerhard Kade, Köln 1976; ders., Investitionslenkung als Kampfaufgabe, Zum aktuellen Stand der Planungsdiskussion in der BRD, in: Marxisti- sche Blätter 4/1976, S. 84 ff. 2) Werner Meißner, Investitionslenkung, Frankfurt am Main 1974, S. 45. 3) Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Uto- pie zur Wissenschaft, in: MEW 19, S. 220 f. 4) Siehe Wladimir I. Lenin, Rede zur Resolution über die gegen- wärtige Lage, gehalten auf der Siebenten Gesamtrussischen Konfe- renz der SDAPR (B), 29. April (12. Mai) 1917, in: LW 24, S. 299. 5) Siehe Heinz Jung, Investitionslenkung und -kontrolle, Neue Stufe staatsmonopolistischer Regulierung oder Ansatzpunkt antimo- nopolistischer Politik, in: Marxistische Blätter 1/1975, S. 74. 6) Siehe Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, a.a.O., S. 223. 7) Gerhard Kade, Kriterien einer gesamtwirtschaftlich orientier- ten Investitionssteuerung, in: Manfred Krüper (Hrsg.), Investiti- onskontrolle gegen die Konzerne?, Reinbek bei Hamburg 1974, S. 39. 8) Georges Marchais, Die demokratische Herausforderung, Frankfurt am Main 1974, S. 66. 9) Siehe Wolfgang Abendroth, Die Alternativen der Planung: Pla- nung zur Erhaltung des Spätkapitalismus oder Planung in Richtung auf eine klassenlose Gesellschaft?, Einige marxistische Bemerkun- gen zum Problem der Planung, in: ders., Antagonistische Gesell- schaft und politische Demokratie, Aufsätze zur politischen Sozio- logie, 2. Aufl. Neuwied/Westberlin 1972, S. 493. 10) So Albert Schunk, Vergesellschaftung und Investitionslenkung als Alternativen, in: Gewerkschaftliche Monatshefte 12/1973, S. 743: "Die Idee der Investitionslenkung ist hier als Alternative zur Vergesellschaftung von Schlüsselindustrien zu verstehen. Wei- chet Vorschlag geeigneter ist, hängt von der Beeinflußbarkeit und Kontrollierbarkeit privatwirtschaftlicher Machtpositionen ab (...)." 11) Anneliese Werner, "Politische Planung" im Imperialismus, in: IPW-Berichte 6/1973, S. 8. 12) Karl Marx, Das Kapital III, in: MEW 25, S. 259. 13) Paul Boccara u.a., Der staatsmonopolistische Kapitalismus, Frankfurt am Main 1972, S. 58. 14) Alfred Bönisch, Wirtschaftsprogrammierung im Kapitalismus, Berlin (DDR) 1969, S. 175. 15) Siehe Robert Katzenstein, Die Investitionen und ihre Bewegung im staatsmonopolistischen Kapitalismus, Zu einigen Fragen der Re- produktion des fixen Kapitals, der zyklischen Bewegung der Ge- samtproduktion und des technischen Fortschritts in Westdeutsch- land nach dem Kriege, Berlin (DDR) 1967, S. 185. 16) Siehe Gerhard Kade, Kriterien einer gesamtwirtschaftlich ori- entierten Investitionssteuerung, a.a.O., S. 34. 17) Vgl. Udo Mayer, Normative Aspekte einer demokratischen Inve- stitionskontrolle, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 11/1975, S. 1262. Zur Vereinbarkeit mit dem Bonner Grund- gesetz siehe auch Hans Joachim Böhlk u.a., "Kapitalismus als Be- ruf" oder Verfassungsrechtliche Bemerkungen zur Frage der Inve- stitionslenkung, in: Die Neue Gesellschaft 12/1976, S. 998 ff. 18) Zit. nach Hans Karl Rupp, Sozialismus und demokratische Er- neuerung. Die ersten Konzeptionen der Parteien in den Westzonen nach 1945, Köln 1974, S. 31. 19) Jörg Huffschmid u.a., Die Widersprüche des westdeutschen Ka- pitalismus und die Wirtschaftspolitik der SPD, in: Kursbuch 21 (1970), S. 55. 20) Karl Schiller, Zukunftsaufgaben der Industriegesellschaft, Vorwort, in: Andrew Shonfield, Geplanter Kapitalismus, Wirt- schaftspolitik in Westeuropa und USA, Köln/Westberlin 1968, S. XX. 21) Jörg Huffschmid, Die Politik des Kapitals, Konzentration und Wirtschaftspolitik in der Bundesrepublik, 3. Aufl. Frankfurt am Main 1970, S. 160. 22) Heinz Jung, Investitionslenkung und -kontrolle, a.a.O., S. 68. 23) Wilhelm M. Breuer, Der geplante Kapitalismus - Garant für Stabilität und Wachstum?, in: Friedrich Hitzer/Reinhard Opitz (Hrsg.), Alternativen der Opposition, Köln 1969, S. 105 ff. 24) Siehe Jörg Goldberg/Heinz Jung, Die Wirtschaftskrise 1974- 1976 in der Bundesrepublik Deutschland, Ursachen - Auswirkungen - Argumente, Frankfurt am Main 1976, S. 44. 25) Siehe Klaus Franke, "Globalsteuerung der Wirtschaft" oder "Investitionskontrolle und -lenkung"?, in: IPW-Berichte 5/1975, S. 29. 26) Uwe Jens, Ökonomie in der Krise, in: Die Neue Gesellschaft 3/1978, S. 215. 27) Siehe Karl Kühne, Konjunkturlabilität durch Haushaltszuwachs- drosselung, in: Die Neue Gesellschaft 6/1977, S. 468. 28) Vgl. Memorandum von Wirtschaftswissenschaftlern "Für eine wirksame und soziale Wirtschaftspolitik", vorgelegt am 4. Novem- ber 1975 in Bonn, in: Blätter für deutsche und internationale Po- litik 11/1975, S. 1287 ff.; Vorschläge zur Beendigung der Massen- arbeitslosigkeit, Vorgelegt im Namen von 75 Wirtschaftswissen- schaftlern von Prof. Dr. Edgar Uherek (Berlin), Prof. Dr. Axel Zerdick (Berlin), Prof. Dr. Herbert Schui (Bremen) und Prof. Dr. Rudolf Hickel (Bremen) auf einer Pressekonferenz am 29. April in Bonn, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 5/1977, S. 625 ff.; Memorandum '78: Alternativen der Wirtschaftspolitik, Vorgelegt im Namen von 158 Wirtschaftswissenschaftlern auf einer Pressekonferenz am 27. April 1978 in Bonn, in: Blätter für deut- sche und internationale Politik 5/1978, S. 624 ff. 29) Jörg Huffschmid, Alternativen und Perspektiven im Kampf gegen die Krise, in: ders./Herbert Schui (Hrsg.), Gesellschaft im Kon- kurs?, Handbuch zur Wirtschaftskrise 1973"76 in der BRD, Köln 1976, S. 528. 30) Siehe Vorstand der SPD (Hrsg.), Ökonomisch-politischer Orien- tierungsrahmen für die Jahre 1975-1985 in der vom Mannheimer Par- teitag der SPD am 14. November 1975 beschlossenen Fassung, Bonn o.J., S. 46. 31) Antrag 59 zum Bundeskongreß des DGB in Hamburg, Mai 1975, in: WSI-Mitteilungen 1/1976, S. 48. 32) Klaus Mehrens, Zum Problem der Investitionsmeldestelle (IMS), in: WSI-Mitteilungen 12/1976, S. 745. 33) Vgl. Manfred Krüper, Sektorale Investitionslenkung in der Aluminium-und Chemiefaserindustrie, in: Gewerkschaftliche Monats- hefte 12/1973, S. 774 ff. 34) Bernd Güther, Investitionslenkung und Investitionskontrolle (Informationsbericht 18 des IMSF), Frankfurt am Main 1975, S. 46. 35) Karl Georg Zinn, Investitionskontrollen und -planung, in: Wirtschaftsdienst 6/1973, S. 305 f. 36) Otto Schlecht, Investitionssteuerung über den Markt oder über Wirtschaftsräte, in: Manfred Krüper (Hrsg.), Investitionskon- trolle gegen die Konzerne?, a.a.O., S. 31. 37) Vorstand der SPD (Hrsg.), Ökonomisch-politischer Orientie- rungsrahmen für die Jahre 1975"1985 in der vom Mannheimer Partei- tag der SPD am 14. November 1975 beschlossenen Fassung, a.a.O. 38) Siehe Ulrich Steger, Alternative Konzepte der Investitions- planung - Ansatzpunkte, Probleme und Effizienzvergleich -, in: Jahrbuch für Sozialwissenschaft 1/1975, S. 101. 39) Manfred Zöllmer, Möglichkeiten und Grenzen der Investitions- lenkung im Rahmen einer demokratischen Wirtschaftspolitik, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 5/1975, S. 522. 40) Detlev Albers u.a., Klassenkämpfe in Westeuropa, England, Frankreich, Italien, Reinbek bei Hamburg 1971, S. 22. 41) Vgl. z.B. Planung in der freien Marktwirtschaft, Bergedorfer Protokolle, Bd. 7, Hamburg/Westberlin 1964. 42) Siehe Eberhard Rhein, Möglichkeiten und Probleme staatlicher Investitionsplanung in der Marktwirtschaft, Dargestellt am Bei- spiel Frankreichs, Köln/Opladen 1960, S. 19. 43) Siehe Stephen S. Cohen, Modern Capitalist Planning: The French Model, Cambridge (Mass.) 1969, S. 66 f. 44) Siehe Joachim Volz, Investitionslenkung in Frankreich, in: Gerhard Fleischle/Manfred Krüper (Hrsg.), Investitionslenkung, Überwindung oder Ergänzung der Marktwirtschaft?, Frankfurt am Main/Köln 1975, S. 176. 45) Siehe Alfred Bönisch, Wirtschaftsprogrammierung im Kapitalis- mus, a.a.O., S. 166. 46) Lola Zahn, Die französische Planifikation als Modellfall staatsmonopolistischer Programmierung, in: Marxismus Digest 1/1970, S. 143 f. 47) Michel Fromont. Öffentliche Unternehmen als Instrumente der französischen Planification, in: Joseph H. Kaiser (Hrsg.), Pla- nung III, Mittel und Methoden planender Verwaltung, Baden-Baden 1968, S. 395. 48) Paul Boccara u.a., Der staatsmonopolistische Kapitalismus, a.a.O., S. 527. 49) Siehe Lotte Müller-Ohlsen, Wirtschaftsplanung und Wirt- schaftswachstum in Frankreich, Tübingen 1967, S. 63. 50) Eberhard Rhein, Möglichkeiten und Probleme staatlicher Inve- stitionsplanung in der Marktwirtschaft, a.a.O., S. 62. 51) Siehe Holger Heide, Die langfristige Wirtschaftsplanung in Schweden, Tübingen 1965, S. 130. 52) Alfred Bönisch, Wirtschaftsprogrammierung im Kapitalismus, a.a.O., S. 155. 53) Siehe Volker Helms, Der schwedische Investitionsfonds für die Bundesrepublik Deutschland - Kritische Analyse und Alternativvor- schläge ", in: WSI-Mitteilungen 1/1976, S. 22. 54) Werner Meißner, Investitionslenkung, a.a.O., S. 87. 55) Karl-Heinz Luckhardt, Bericht über die schwedische Arbeits- marktpolitik, in: Die Neue Gesellschaft 6/1977, S. 454. 56) John Kenneth Galbraith, Gesellschaft im Überfluß, 2. Aufl. München/Zürich 1970, S. 203. 57) Siehe Norbert Koubek/Ingrid Scheibe-Lange, Einzel- und ge- samtwirtschaftliche Daten zut Investitionsstruktur in der BRD, in: WSI-Mitteilungen 8/1974, S. 325. 58) Ulrich Steger, Zum Verhältnis von "Plan" und "Markt" im Ori- entierungsrahmen, in: Die Neue Gesellschaft 1/1975, S. 15. 59) Vorstand der SPD (Hrsg.), Parteitag Hamburg, 15.-19. November 1977, Beschlüsse zur Wirtschafts-, Beschäftigungs- und Finanzpo- litik, Bonn o.J., S. 10 f. 60) Vgl. etwa Wolfgang Roth, Markt und Lenkung - Versuch eines Dialogs, in: ders (Hrsg.). Investitionslenkung, Ergebnisse einer Diskussion zwischen jungen Unternehmern und Sozialdemokraten zum Problem von Markt und Lenkung, Reinbek bei Hamburg 1976, S. 10 f. 61) Klaus Franke, "Globalsteuetung der Wirtschaft" oder "Investi- tionskontrolle und -lenkung"?, a.a.O., S. 32. 62) Siehe Vergesellschaftung - ein Mittel sozialdemokratischer Wirtschaftspolitik?, Streitgespräch zwischen Herbert Ehrenberg und Johano Strasser, in: Die Neue Gesellschaft 7/1973, S. 486. 63) So Georg Beez, Staatsfunktionen - politische Planung und De- mokratisierung (5 Thesen), in: Rudolf Scharping/Friedhelm Wollner (Hrsg.), Demokratischer Sozialismus und Langzeitprogramm, Diskus- sionsbeiträge zum Orientierungsrahmen '85 der SPD, Reinbek bei Hamburg 1973, S. 62. 64) Investitionslenkung in Theorie und Praxis, Vielfach bestehen Zweifel an der Praktikabilität, in: Handelsblatt v. 3.4.1975. 65) Siehe Bernd Güther, Investitionslenkung und Investitionskon- trolle, a. a. O., S. 69. 66) Werner Goldschmidt (Hrsg.), Das gemeinsame Regierungsprogramm der Sozialisten und Kommunisten in Frankreich, Köln 1972, S. 38. 67) Jene Konzerne, die für eine Vergesellschaftung in zwei Stufen vorzusehen sind, listet namentlich auf: Jörg Huffschmid, Alterna- tiven und Perspektiven im Kampf gegen die Krise, a.a.O., S. 535 f. 68) Siehe Hartmut Tofaute, Zur Problematik volkswirtschaftlicher Investitionslenkung durch öffentliche Unternehmen, in: WSI-Mit- teilungen 11/1976, S. 683. 69) Siehe Claus Schäfer, Öffentliche Investitionen und staatliche Investitionsplanung als besondere Problemstruktur, in: WSI-Mit- teilungen 11/1976, S. 684. 70) Bernd Güther, Investitionslenkung und Investitionskontrolle, a.a.O,, S. 70. 71) Wirtschaftskrise und Wirtschaftspolitik, Zu den Beziehungen zwischen Wirtschaftsentwicklung und Wirtschaftspolitik in der BRD in der Periode 1966/67 bis 1975/76 (Beiträge des IMSF 4), Frank- furt am Main 1976, S. 502. zurück