Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 01/1978


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DIE VERWERTUNGSBEDINGUNGEN DES KAPITALS IN DER BUNDESREPUBLIK

Eine Darstellung und Kritik von empirischen Versuchen ----------------------------------------------------- Jörg Goldberg Kapitalverwertung und Oberfläche - Preis oder Wert - Kritik der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung - Die Kapitalrentabilität - Monopole und Branchenprofitraten - Die Divergenz der Profitraten - Mehrwertrate und Ausbeutung - Bilanzanalysen - Die Entwicklung der Monopolprofite - Der einzelkapitalistische Nettoprofit - Schlußbemerkung - Anhang: Verwertungsbedingungen des Kapitals in der BRD Mit der Zunahme krisenhafter Prozesse in der Bundesrepublik ei- nerseits und der Belebung marxistischer Ansätze in den Wirt- schafts- und Gesellschaftswissenschaften andererseits wächst das Bedürfnis nach gesicherten Grundlagen für eine Konjunktur- und Wirtschaftsanalyse, die nicht nur krisenhafte Entwicklungen dann konstatiert, wenn sie unübersehbar geworden sind, sondern auch in der Lage ist, Entwicklungstendenzen ökonomischer und - hier al- lerdings treten zusätzliche Vermittlungsprobleme auf" politischer Prozesse zu erkennen. Daß Marxisten eine begründetete Vorstellung von der Funktions- weise kapitalistischer Gesellschaften besitzen und daher auch eher in der Lage sind, realistische Prognosen abzugeben, ist schon mehrfach bewiesen worden. 1) Allerdings genügt es nicht, die allgemeinen Funktionsprinzipien des Kapitalismus zu kennen, da die treibenden Widersprüche immer eine bestimmte historische Gestalt besitzen. Es muß also ihre Wirkungsweise in konkreten Si- tuationen untersucht werden, eine Arbeit, die nur empirisch geleistet werden kann. Diesen Schritt von der Ebene der abstrak- ten Theoriediskussion hin zur Anwendung auf eine nur empirisch zu fassende Situation getan zu haben, ist das Verdienst der zu be- sprechenden Autoren. So unterschiedlich die Arbeiten auch zu be- werten sind, spiegeln sie doch einen merklichen Fortschritt der marxistischen politischen Ökonomie in Richtung Praxis wider. Die Verwertung des Kapitals ist Orientierungspunkt und Zweck der Produktion im Kapitalismus, die "Rate der Verwertung des Gesamt- kapitals" ist der "Stachel der kapitalistischen Produktion". 2) Ausgehend von dieser Feststellung muß bei einer Analyse realer ökonomischer Entwicklungen eines Landes durch Marxisten die Ent- wicklung der Kapitalverwertung zentraler Bezugspunkt sein. Aber auch bei bürgerlichen Wirtschaftswissenschaftlern ist die zentrale Rolle des Unternehmergewinns für die wirtschaftliche Entwicklung kaum bestritten - wobei diese beiden Kategorien al- lerdings nur teilweise deckungsgleich sind. Eine empirische Aus- einandersetzung mit Tendenzen ökonomischer Prozesse kann also nicht darauf verzichten, die Verwertung des Kapitals empirisch zu erfassen und seine Bestimmungsfaktoren aufzudecken. Dabei sieht sich die Wirtschaftsforschung mit einer Fülle stati- stischen Materials konfrontiert, dessen Konstruktion und Qualität jedoch sehr mangelhaft ist. Diese Mängel beziehen sich sowohl auf die Zuverlässigkeit des Zahlenmaterials als auch auf die katego- riale Abgrenzung der erhobenen Daten. Der "Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" vermerkt diese Tatsache selbst und unterbreitet in einem Brief an das Bun- deswirtschaftsministerium detaillierte Vorschläge zur Erweiterung der Gewinnstatistik. 3) Der Widerspruch zwischen dem Stellenwert, den die praktische Wirtschaftspolitik dem Gewinn zumißt und der Qualität der entsprechenden Statistiken ist offensichtlich. Ob daraus in absehbarer Zeit entsprechende Konsequenzen gezogen werden, muß sehr bezweifelt werden: Der Gewinn gehört aus unter- schiedlichen Gründen zum engsten Intimbereich des Kapitals. Sowohl die Konkurrenzinteressen der Einzelkapitale als auch die Klasseninteressen im Verteilungskampf lassen es geraten erschei- nen, die Informationen über die Gewinnentwicklung auf ein notwen- diges Minimum zu beschränken. Dabei kann allerdings nicht überse- hen werden, daß mit wachsendem Vergesellschaftungsgrad der Pro- duktion im Rahmen des Kapitalismus das Informationsbedürfnis wächst - erinnert sei nur an die Entwicklung der Aktiengesell- schaft zum herrschenden Unternehmenstyp, wodurch neue Maßstäbe für die Veröffentlichungspraxis der Unternehmen gesetzt wurden. Alle Versuche zur empirischen Durchdringung der Realität, d.h. zur Aufdeckung der wirklichen Bewegungsweise einer konkreten ka- pitalistischen Ökonomie in einer konkreten historischen Periode mit dem Anspruch, an den praktischen Bedürfnissen der Arbeiterbe- wegung orientiert zu sein, sehen sich einer Fülle von Problemen gegenüber, die sich im Kern auf drei verschiedenen Ebenen stel- len: 1. Das existierende Datenmaterial ist unvollständig, unsicher und nicht selten falsch. Die kapitalistische Produktion ist wesent- lich private Produktion, d.h. die Erstellung gesamtgesell- schaftlicher Statistiken ist den Privatinteressen der Einzelkapi- tale untergeordnet. Zugleich sind die Quellen der Daten in fast allen Fällen eben diese privaten Kapitale. Die besonderen Einzel- und Klasseninteressen schlagen sich also auch in den Statistiken nieder. Dabei sind erklärlicherweise die Gewinn- und Verteilungs- statistiken unmittelbar berührt. 2. Die statistischen Kategorien entsprechen den mystifizierten Vorstellungen der Einzelkapitale von der Realität. Die ökonomi- schen Bewegungsgesetze treten den Funktionären des Kapitals nur in ihrer verdinglichten Form gegenüber, "wobei die wirklichen Produktionsagenten in diesen entfremdeten und irrationellen For- men... sich völlig zu Hause fühlen, denn es sind eben die Gestal- tungen des Scheins, in welchem sie sich bewegen und womit sie täglich zu tun haben". 4) Allerdings sind diese "Gestaltungen des Scheins" keine bloße Fiktion: Sie bestimmen unmittelbar die Bewe- gungen der Einzelkapitale und damit auch reale Entwicklungen. 3. Die erscheinenden Kategorien werden ihrerseits reguliert von den wirklichen Bewegungsgesetzen der Produktionsweise, die selbst aber nicht erscheinen, also auch nicht unmittelbar empirisch faß- bar sind. Auch durch eine Entschlüsselung der Oberflächenerschei- nungen werden die regulierenden Gesetze nicht direkt empirisch sichtbar. Die widersprüchlichen Beziehungen von Wesen und Er- scheinung können durch eine bloß andere Gliederung der empiri- schen Daten nicht aufgelöst werden. Besonders deutlich wird das am Wertgesetz. Der Wert selbst tritt nur in Gestalt des Markt- preises an die Oberfläche, wobei diese Erscheinungsform doppelt gebrochen ist: durch den Übergang vom Wert zum Produktionspreis und vom Produktionspreis zum Marktpreis. Bei allen Versuchen zur empirischen Bestimmung der Profitrate er- weisen sich die mit dem unzureichenden Datenmaterial verbundenen Probleme als die kompliziertesten. Sie erschweren die Entschlüs- selung der Kategorien der bürgerlichen Produktionsweise und zwin- gen zu praktischen Kompromissen bei der Berechnung, welche erheb- lichen Einfluß auf die Ergebnisse haben. Im folgenden werden die Arbeiten des "Projekt Klassenanalyse" (PKA), der Autorengruppe um Elmar Altvater, von Peter Saß, von Helmut Zschocke, von Hans Tammer und dem "Institut für Interna- tionale Politik und Wirtschaft" (IPW-Berlin/DDR) und der Bremer "Arbeitsgruppe Großunternehmen" untersucht. Die Publikationen stammen mit Ausnahme derjenigen Tammers - das IPW hat auf diesem Gebiet eine längere Tradition aufzuweisen - aus den Jahren 1974 bis 1978, konnten also die Ergebnisse der Krise von 1974/75 nur teilweise berücksichtigen. Der Erkenntniszweck der Berechnungen ist unterschiedlich. Das PKA und Altvater gehen von der Existenz der Durchschnittsprofitrate als realer Tendenz aus und versuchen die ökonomische Entwicklung der Bundesrepublik daraus zu erklären, Zschocke und Tammer tun das ebenfalls, sie interessieren sich als Zwischenschritt aber auch für die monopolistische Differenzierung der Profitraten. Zschockes und Saß' Untersuchungen wollen vor allem die Bestim- mungsgründe der Profitratendifferenzen ermitteln, die sie errech- net haben. Ganz im Vordergrund steht die These von der monopoli- stischen Differenzierung der Profitraten bei den sich auf veröf- fentlichte Bilanzen stützenden Untersuchungen von Tammer und der Arbeitsgruppe Großunternehmen. Kapitalverwertung und Oberfläche -------------------------------- Das wichtigste Anliegen bei den meisten Profitratenberechnungen ist die Aufdeckung der grundlegenden Gesetzmäßigkeiten der Pro- duktionsweise in ihrer konkreten historischen Gestalt. Die sicht- bare Entwicklung der ökonomischen Prozesse soll auf ihre eigent- lichen Bestimmungsgründe zurückgeführt werden. Das geschieht - auf der Grundlage der existierenden Statistiken - im wesentlichen durch eine Umgliederung der erscheinenden Größen entsprechend den von Marx im "Kapital" aufgedeckten Grundkategorien. Deren Bewe- gung, entschlüsselt aus den Bewegungen der Erscheinungen, soll als Erklärungsgrundlage für konkrete Abläufe und als Basis für Entwicklungsprognosen dienen. Es besteht kein Zweifel, daß die inneren Verwertungsbedingungen des Kapitals die in letzter Instanz regulierenden Faktoren sind, daß sich eine konkrete zeitgeschichtliche Analyse auf diese Fak- toren beziehen muß. Allerdings besteht häufig die Gefahr, daß - abgesehen von den drei oben dargestellten Problemgruppen bei der empirischen Aufdeckung dieser Faktoren - notwendige Zwischen- schritte übergangen werden. Die grundlegenden Gesetzmäßigkeiten treten nicht als solche an die Oberfläche, sondern wirken nur vermittelt über die Widersprüche der Gesellschaft, vollziehen sich unbewußt, hinter dem Rücken der Funktionäre des Reproduk- tionsprozesses. "In der Darstellung der Versachlichung der Pro- duktionsverhältnisse und ihrer Verselbständigung gegenüber den Produktionsagenten gehn wir nicht ein auf die Art und Weise, wie die Zusammenhänge durch den Weltmarkt, seine Konjunkturen, die Bewegung der Marktpreise, die Perioden des Kredits, die Zyklen der Industrie und des Handels, die Abwechslung der Prosperität und Krise, ihnen als übermächtige, sie willenlos beherrschende Naturgesetze erscheinen und sich ihnen gegenüber als blinde Notwendigkeit geltend machen. Deswegen nicht, weil die wirkliche Bewegung der Konkurrenz außerhalb unseres Planes liegt und wir nur die innere Organisation der kapitalistischen Produktions- weise, sozusagen in ihrem idealen Durchschnitt, darzustellen ha- ben." 5) Für die Analyse einer bestimmten Zeitperiode, die Anspruch auf praktische Anwendbarkeit hat, die Hinweise für die Praxis der Ar- beiterbewegung und ihrer Organisationen geben will, müssen gerade diese Vermittlungsglieder zwischen der erscheinenden Bewegung und den regulierenden Gesetzmäßigkeiten interessieren. Zu untersuchen ist, wie sich die Gesetze in einer jeweils konkreten historischen Situation durchsctzen, in welcher Form sie die Handlungen der Funktionäre des kapitalistischen Reproduktionsprozesses bestim- men. Vielen Berechnungen scheint unausgesprochen die Annahme zu- grunde zu liegen, daß die Durchsetzungsform der Gesetze im Rahmen der kapitalistischen Produktionsweise immer gleich ist, daß es also genügt, den inneren Verwertungszusammenhang aufzudecken, um Zeitgeschichte erklären zu können. Es besteht so die Gefahr, daß die von Marx auf der hohen Abstraktionsebene des "Kapital" aufge- deckten Kategorien einfach mit aktuellen Daten illustriert wer- den, um konkrete ökonomische Vorgänge zu erklären. Die Wirkungsweise, die Durchsetzungsform der grundlegenden Ge- setzmäßigkeiten hängt jedoch von einer Vielzahl von konkreten hi- storischen Faktoren ab, die bei einer "Realanalyse" einbezogen werden müssen. Die strukturellen Bedingungen, unter denen die Ge- setze wirken, bleiben nicht gleich. Die Entwicklung des Welt- markts, des Kredits, die Herausbildung von Monopolen, die Entste- hung sozialistischer Staaten das alles verändert die Wirkungs- weise der Gesetze der kapitalistischen Produktionsweise, verän- dert den Zusammenhang zwischen Oberfläche und Wesensmerkmalen. Zudem wirken die Gesetze nicht "rein", d.h. auch in einem entwic- kelten kapitalistischen Lande existieren Bereiche, die nicht un- mittelbar unter das Kapitalverhältnis subsumiert sind, die ökono- mische Entwicklungaber trotzdem beeinflussen. 6) Die historische Dimension solcher Analyse darf sich also nicht nur auf die Ge- schichte der Grundkategorien beziehen, sie muß auch die Ge- schichte der Durchsetzungsformen untersuchen. Preis oder Wert - die Indikatorfrage ------------------------------------ Die unterschiedlichen Positionen, die zum Verhältnis von Wesen und Erscheinung in der kapitalistischen Ökonomie eingenommen wer- den können, werden in der Diskussion um das "Indikatorproblem" deutlich. Dabei steht das Verhältnis von Preis und Wert im Mit- telpunkt. Altvater und seine Mitarbeiter gehen bei ihren Berech- nungen von vornherein davon aus, daß "die innere Organisation (einer Gesellschaft, J.G.) und die ihr zugrundeliegenden Bewe- gungsgesetze nicht unmittelbar an der Oberfläche der bürgerlichen Gesellschaft erscheinen, sondern nur in vermittelter und verkehr- ter Form". 7) Die Kategorien, mit denen bei der Analyse gearbei- tet werden muß, "sind notwendigerweise Verkehrungen der Wesenska- tegorien und als Verkehrungen noch der definierenden gesell- schaftlichen Konvention verdankt". 8) Daher stellen sie sich von vornherein nur die Aufgabe, Indikatoren zu suchen, die die Bewe- gung der Wesenskategorien adäquat ausdrücken, die Wesenskatego- rien selbst sind ihrer Ansicht nach empirisch nicht faßbar: das Wesen ist immer nur über den Umweg der Erscheinung zu erfassen, die wiederum nicht identisch mit jener ist. Bezogen auf die Be- ziehung Wert-Preis heißt das: "Der Marktpreis und seine Bewegung allein ist meßbar, nicht jedoch die Kategorien, die seine Bewe- gung letztlich regulieren." 9) Dieser methodisch sorgfältigen Trennung soll hier zugestimmt wer- den. Allerdings bleibt sie für die praktische Analyse konsequen- zenlos, da die eigentlich interessante Frage, nämlich der Charak- ter der Beziehung zwischen Wesen und Erscheinung unter den kon- kreten Bedingungen der BRD, nicht angesprochen wird. Es wird ein- fach davon ausgegangen, daß die Bewegung der Indikatoren direkt von der Bewegung der Grundkategorien bestimmt wird, d.h. daß sich Wert und Preis parallel entwickeln. "In unserem Beitrag sind wir davon ausgegangen, daß letztendlich die Tendenzen der Wertbewe- gung die Marktpreisbewegungen bestimmen, daß über entsprechend lange Zeiträume also Wertverhältnisse und die sich in Marktprei- sen ausdrückenden Verhältnisse an der Oberfläche parallel verlau- fen." 10) Für eine reale historische Analyse mit dem Anspruch auf praktische Verwertbarkeit ist aber gerade das "letztendlich" in- teressant, d.h. die Durchsetzungsform der Wesenskategorien, die sich ja auf der Erscheinungsebene nur durch Abweichungen von je- nen durchsetzen. Indem eine einfache Parallelität zwischen Wesen und Erscheinung angenommen wird, werden alle die Probleme ausge- schaltet, die mit den Strukturveränderungen des Kapitalismus, d.h. mit der historischen Veränderbarkeit der Durchsetzungsformen zusammenhängen. In der Konsequenz führt das sowohl bei der Gruppe um Altvater als auch beim "Projekt Klassenanalyse" dazu, die kon- krete, erscheinende Bewegung des Kapitalismus in der Bundesrepu- blik unvermittelt aus den Grundkategorien des Kapitals auf der Marxschen Abstraktionsebene abzuleiten, ohne die Wirkungsweise dieser Kategorien vor dem Hintergrund der historisch bestimmten Gestalt des Kapitalismus zu untersuchen. Es entsteht so ein unhi- storisches Bild des Kapitalismus, das im Grunde für alle Perioden und alle Länder Gültigkeit besitzt. In dieser Hinsicht erscheint denn auch die Auseindersetzung zwischen Altvater und dem "Projekt Klassenanalyse" als praktisch irrelevant, als 'Streit um des Kaisers Bart'. Desungeachtet fährt das PKA - entspechend seinen Gewohnheiten - grobes Geschütz auf: "Für sie (die Gruppe um Altvater, J.G.) sind Marxsche Analyse und die wirkliche Bewegung prinzipiell nur im Theoretikerhirn zusammenzubringen." 11) Die grundlegende Frage des Verhältnisses von Gesetz und Erscheinung wird mit den Proble- men vermengt, die sich ergeben, weil die grundlegenden Gesetze dem Einzelkapital nur in mystifiziertet, verkehrter Gestalt er- scheinen. Allerdings hat auch Altvater zwischen diesen beiden Problemebenen nicht explizit unterschieden, versucht aber in der praktischen Analyse, diese verkehrte Gestalt zu entschlüsseln, d.h. die Fak- toren darzustellen, die die unmittelbare Verwertung des Einzelka- pitals regulieren. Sein Ziel ist nicht die bloße Beschreibung der Oberfläche - wie es ihm das PKA unterstellt - sondern die Auf- deckung der die einzelkapitalistische Verwertung bestimmenden Faktoren wie Mehrwert- und Profitrate. Insofern ist sein Ansatz der gleiche wie der des PKA. Auch Altvater und seine Mitarbeiter versuchen also die "Dechiffrierung der verselbständigten Formen " 12) - jedoch bei beträchtlichen methodischen Unterschieden zur Vorgehensweise des PKA. Allerdings kann mit dieser "Dechiffrierung" zwar die Verkeh- rung von "Distributionsformen ... in Produktionsformen" "wie sie z.B. mit der Behandlung des Zinses als Abzug vom Gewinn erfolgt - aufgelöst werden, nicht aber die Beziehung von Preisen und Wer- ten. Und das ist der eigentliche Streitpunkt in den beiden Ansät- zen. Für die Autoren des PKA besteht deshalb keine Differenz zwischen Preisen und Werten, weil: "Gesamtgesellschaftlich stimmen Werte und Preise jedoch überein." 13) Abweichungen der Marktpreise von den Produktionspreisen und dieser von den Werten gleichen sich gesamtgesellschaftlich und im zyklischen Durchschnitt aus. Mit dieser Annahme wird von einer Vielzahl konkreter Bedingungen abstrahiert, die alle auf das Preis-Wert-Verhältnis einwirken. An erster Stelle muß hier die Abstraktion vom Weltmarkt genannt wer- den, über den ja eine Vielzahl von Wertübertragungen stattfinden. Gerade für ein Land wie die Bundesrepublik mit seinem hohen welt- wirtschaftlichen Verflechtungsgrad und mit der großen Bedeutung, die der Außenhandel für die Entwicklung der nationalen Ökonomie hat, muß das sehr problematisch erscheinen. Selbst wenn akzep- tiert wird, daß aus praktischen Gründen dieser Aspekt zunächst vernachlässigt werden muß, kann jedenfalls die Fiktion, man rechne mit den Wertgrößen selbst, schon allein deshalb nicht auf- recht erhalten werden. Dieser Einwand geht nach Ansicht des PKA zwar "ins Leere, weil das Aufnehmen dieser Dimension in die Un- tersuchung selbst nur Resultat der Analyse der Struktur des na- tionalen Reproduktionsprozesses sein kann". 14) Es ist aber klar, daß die Analyse des konkreten nationalen Repro- duktionsprozesses nicht isoliert von den Weltmarkteinflüssen vor- genommen werden kann. 15) Das versucht auch das PKA in der Tat nicht, da es vom fertigen Ergebnis der ökonomischen Entwicklung ausgeht, Weltmarkteinflüsse also nicht von der Veränderung der inneren Bedingungen des nationalen Reproduktionsprozesses trennt. Wo solche Einflüsse angesprochen werden, da wird deutlich, daß die Annahme, man rechne mit den Wertgrößen selbst, bloße Fiktion ist. So wird z.B. der Fall der Mehrwertrate im 6. Zyklus auf die "verschlechterte Position der BRD auf dem Weltmarkt" zurückge- führt, d.h. konkret auf die Aufwertung der DM. 16) Bei der Unter- suchung der "wirklichen Bewegung der Konkurrenz" ist es unmög- lich, die Ergebnisse der inneren Verwertungsbedingungen von den Weltmarkteinflüssen zu isolieren, die auch auf das Verhältnis von Preisen und Werten einwirken. Der Anspruch, es werde mit den tatsächlichen Werten gerechnet, ist aber auch deshalb nicht aufrechtzuerhalten, weil das PKA sich ja keineswegs nur zur Größe des gesellschaftlichen Gesamtprodukts äußert, sondern sich auch für die "Struktur des nationalen Repro- duktionsprozesses" 17) interessiert. "Es ist klar, daß bestimmte Teile des Gesamtkapitals betrachtet, Abteilungen, Sphären oder auch Einzelkapitale, die Preise von den Werten abweichen werden", 18) was natürlich auch international gilt. Da aber ökonomische Prozesse durch Verschiebungen zwischen diesen Bestandteilen des Gesamtprodukts gekennzeichnet sind, ist die Tatsache, daß diese Verschiebungen im Gesamtprodukt aufgehoben sind, für eine Erklä- rung der Entwicklung ohne Bedeutung. Das wird noch deutlicher, wenn man sich die praktische Vorgehens- weise des PKA vor Augen hält. Seine empirischen Grundlagen sind die Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR), die sich in einer von der bürgerlichen Gesellschaftsform bestimm- ten Struktur darstellen. Das PKA tut im Grunde nichts anderes, als diese Struktur aufzulösen und die nach seinen Kriterien getrennten einzelnen Bestandteile neu zusammenzusetzen. Da aber die Annahme Preis = Wert für die einzelnen Bestandteile der Ergebnisse der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung nicht gilt, ist es eine sehr kühne Annahme, daß nach der Herausrechnung bzw. Umrechnung der Bestandteile ein Gesamtprodukt herauskommt, in dem "alle Abweichungen, die durch Monopole und andere Modifi- kationen in der Preisbildung, z. B. indirekte Steuern, bewirkt werden... ausgeglichen sind". 19) Schließlich kann auch die Annahme, die Inflation ändere nichts am Preis-Wert-Verhältnis, in der Realität nicht akzeptiert werden. Die Geldentwertung ist schließlich keine auf den Geldsektor be- schränkte Erscheinung, sondern berührt die Preisentwicklung der einzelnen Bestandteile des gesellschaftlichen Gesamtprodukts durchaus unterschiedlich und wirkt so auch auf die Produktion und die Verwertung. Besonders ins Gewicht fällt dabei der Unterschied zwischen fixen und zirkulierenden Kapitalbestandteilen. Selbst wenn man die Gleichheit von Werten und Preisen nur auf den Zyklendurchschnitt bezieht, müssen in der Praxis so viele Ein- schränkungen an dieser Annahme gemacht werden, daß schon allein wegen der statistischen Mängel eine solche Gleichsetzung mit zu vielen Vorbehalten verbunden werden müßte. Angesichts dieser Tat- sache verschwindet die Differenz zwischen Altvater und dem PKA völlig. Auch das PKA nimmt den Preis tatsächlich nur als "Indikator" des Werts, muß also annehmen, daß die von ihm errech- neten empirischen Kategorien die Bewegung der regulierenden Fak- toren adäquat widerspiegeln. 20) Das Problem besteht also nicht darin, ob die Grundkategorien selbst oder nur empirische Indika- toren erfaßt werden: Es geht um die Auswahl und die Berechnung dieser Indikatoren und ihre konkreten Beziehungen zu den regulie- renden Gesetzen der kapitalistischen Produktionsweise. Diese Frage aber bleibt bei beiden Ansätzen ungelöst: weder die "Identitätsannahme" des PKA noch die "Parallelitätsannahme" Alt- vaters berühren das Problem der jeweils historisch wechselnden Beziehungen zwischen allgemeinen Gesetzmäßigkeiten und Erschei- nungsformen. Kritik der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung ----------------------------------------------- als Voraussetzung empirischer Untersuchungen - ---------------------------------------------- die Methode des "Projekt Klassenanalyse". ----------------------------------------- Projekt Klassenanalyse, Gesamtreproduktionsprozeß der BRD 1950- 1975, Kritik der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, VSA, West- berlin 1976. 21) Ausgangspunkt für alle konkreten empirischen Arbeiten über die Entwicklung der Bundesrepublik muß nach Ansicht des "Projekt Klassenanalyse" die Darstellung des Gesamtprozesses der kapitali- stischen Reproduktion sein. Untersuchungen über Inflation, mono- polistische Produktionsstrukturen usw. könnten erst dann sinnvoll sein, wenn der Gesamtreproduktionsprozeß empirisch erfaßt ist. Wie bereits angedeutet, kommt darin der Versuch zum Ausdruck, von bestimmten konkreten Erscheinungsformen bzw. Wirkungsweisen der allgemeinen Gesetze zu abstrahieren. Vorausgesetzt ist damit, daß der Gesamtreproduktionsprozeß in seinem konkreten Verlauf allein durch die Wirkungsweise der Grundkategorien erklärt werden kann, daß die erwähnten "Modifikationen" (310) also keine wesentlichen Auswirkungen haben - das aber wäre durch eine empirische Analyse eigentlich erst zu belegen. Als Grundlage für eine Analyse des Gesamtprozesses bietet sich die Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung (VGR) an, in der die "erscheinende Bewegung" ihren empirischen Ausdruck erhält. "Ist die VGR notwendige Darstellungsform der konkreten Gestalt der ökonomischen Verhältnisse der bürgerlichen Gesellschaft, muß sie Ausgangspunkt der empirischen Untersuchung des Gesamtreprodukti- onsprozesses auf Basis der Marxschen Theorie sein." (32) Da die erscheinende Bewegung aber ein Reflex der wirklichen Bewegung ist, kann dies durch eine systematische Entschlüsselung der VGR aufgedeckt werden. Wie weiter unten noch gezeigt werden soll, verleitet diese sicher wichtige Feststellung, daß sich die reale Bewegung in irgendeiner Form in den Ergebnissen der VGR widerspiegelt, zu einem oft un- kritischen Umgang mit den empirischen Daten. Das widersprüchliche Verhältnis der bürgerlichen Gesellschaft zu gesamtwirtschaftli- chen Statistiken, deren Interessengebundenheit, wird nicht mehr als Problem gesehen. Dabei zeigt schon das Ergebnis der Neube- rechnungen der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen - die vom PKA noch nicht berücksichtigt werden konnten - daß schon durch geringfügige methodische Änderungen erhebliche quantitative Ver- schiebungen erfolgen können, die natürlich auch das Berechnungs- ergebnis des Gesamtreproduktionsprozesses berühren müssen. 22) Das PKA geht in seinen Berechnungen im wesentlichen von den Wertansätzen der VGR aus, die lediglich umgruppiert werden mit dem Ziel, alle Bereiche herauszurechnen, die nicht mit der Pro- duktion des gesellschaftlichen Reichtums zusammenhängen. Diese Arbeit kann hier nicht im einzelnen nachgezeichnet werden, darzu- stellen sind aber die Abgrenzungskriterien. Ausgangspunkt ist eine umständliche und unkonsequente Anwendung des Begriffs der "produktiven Arbeit". Nur produktive Arbeit lei- stet einen Beitrag zur Herstellung des gesellschaftlichen Gesamt- produkts. Dabei jongliert das PKA in der Praxis mit verschiedenen Bestimmungen des Begriffs, ohne diese Tatsache der jeweils unter- schiedlichen Bestimmtheit deutlich zu machen. In den Mittelpunkt stellt es das Merkmal der "Formbestimmtheit" : "Der Unterschied zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit besteht also darin, ob Arbeit gegen Geld als Geld oder gegen Geld als Kapital ausge- tauscht wird." (114) Der Inhalt der Arbeit gilt hier als unwich- tig: für das Einzelkapital ist es in der Tat lediglich interes- sant, ob die Arbeit die Aneignung von Mehrwert, die Verwertung des eingesetzten Kapitals vermittelt. Insofern ist es für das Ka- pital auch völlig gleichgültig, ob die Arbeit in der materiellen Produktion oder z. B. im Bankwesen verrichtet wird: in beiden Fällen ist sie eine Voraussetzung zur Aneignung von Mehrwert, also vom Standpunkt des engagierten Kapitals produktive Arbeit. Dem PKA ist es jedoch offensichtlich entgangen, daß es mit dieser Seite der Bestimmung der produktiven Arbeit auf der Ebene der "erscheinenden Bewegung" bleibt. Ist es für den Einzelkapitali- sten gleichgültig, ob die Arbeit in der materiellen Produktion oder im Handel oder im Bankwesen verrichtet wird, so ist es das vom Standpunkt des Gesamtreproduktionsprozesses keineswegs: der Umfang der materiellen Produktion reguliert letzten Endes den Um- fang des zur Verteilung verfügbaren Gesamtprofits und damit auch die Bereiche der Zirkulation, der unproduktiven Aneignung von Mehrwert. Der Ausgangspunkt "Formbestimmtheit der Arbeit" widerspricht also diametral den eigentlichen Absichten des PKA: die Entschlüsselung der wirklichen Bewegung als Grundlage der erscheinenden Bewegung. Tatsächlich verstößt das PKA in den praktischen Berechnungen auch ständig gegen den angeblichen Ausgangspunkt, wodurch es zu den kompliziertesten und halsbrecherischsten Argumentationsketten kommt. So zum Problem der Zirkulationssphäre: "Der industrielle Kapitalist beschäftigt also produktive wie unproduktive Arbeiter, und zwar als Kapitalist, d.h. er kauft die Arbeit in beiden Fäl- len mit Geld als Kapital." (119) Hier stutzt der Leser: wurde nicht wenige Seiten vorher betont, daß der Unterschied zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit die Frage ist, ob Arbeit ge- gen Geld als Geld oder als Kapital ausgetauscht wird? Aber das PKA weiß einen Ausweg, den es in einer Fußnote folgen- dermaßen formuliert: "Wenn es bei der Entwicklung der Bestimmung produktiver Arbeit hieß, der Unterschied zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit besteht darin, ob Arbeit gegen Geld als Ka- pital oder Geld als Geld ausgetauscht wird, so ist dies also nur richtig, wenn von den unproduktiven Arbeitern in der Zirkulati- onssphäre des Kapitals abgesehen wird." (163) Eine andere Ausnahme macht das PKA bei der Behandlung der Sphäre der einfachen Warenproduktion, die natürlich auch mit dem Krite- rium der "Formbestimmtheit" nicht zu erfassen ist. Dort wird ein Beitrag zum gesellschaftlichen Reichtum geleistet, obwohl die Ar- beit vom Standpunkt der "Formbestimmtheit" unproduktiv ist. Im Endeffekt geht das PKA doch von einem inhaltlich bestimmten Be- griff der "produktiven Arbeit" aus: dem Bereich der materiellen Produktion - allerdings mit einigen wichtigen Ausnahmen, auf die weitet unten noch eingegangen werden soll. 23) Empirische Probleme bereitet dabei weniger die Ausgliederung von Bereichen wie der Finanzunternehmen und der Wohnungsvermietung als die Ausgliederung von nichtproduktiven Bereichen des indu- striellen und des Warenhandlungskapitals: Grundlage für die Tren- nung sollen die "Beschäftigungskategorien" (129) sein. Leider fehlen hier nähere Angaben. Besonders problematisch ist bei diesen Umgliederungen die Behand- lung des Staatssektors: So zielt die widersprüchliche Hantiererei mit der "Formbestimmtheit" det produktiven Arbeit einzig und al- lein darauf ab, den staatlichen Sektor als unproduktiv herauszu- rechnen. Alle Unternehmen mit öffentlich-rechtlicher Eigentums- form werden dann als unproduktiv aus dem gesellschaftlichen Ge- samtkapital herausgerechnet, wenn sie die Erweiterung der Stufen- leiter der Produktion nicht aus dem eigenen Surplus finanzieren können: gleichgültig ob sie zum Bereich der materiellen Produk- tion gehören oder nicht. Es wurde so vorgegangen, daß bei den öf- fentlich-rechtlichen Unternehmen "Rentabilitätsrechnungen" vorge- nommen wurden: "Es hat sich dabei gezeigt, daß die öffentliche Rechtsform ein hinreichend genauer Indikator dafür ist, daß es sich um einen Staatsbetrieb handelt." 24) Obwohl nicht angegeben wird, nach welchen Gesichtspunkten diese Rechnungen durchgeführt wurden, muß z.B. für die Bundespost Zweifel an der offensichtlich festgestellten Unrentabilität angemeldet werden. 25) Ein Teil der "Kosten" dieser Unternehmen sind im Grunde nur Gewinnübertragun- gen an den Staat, der damit seine spezifischen Aufgaben finan- ziert. Wenn z. B. bei der Bundesbahn Defizite entstehen, weil be- stimmten Personengruppen Sozialtarife eingeräumt werden, so kön- nen die damit verbundenen Subventionen an die Bahn nicht als Be- gründung für deren Unrentabilität und den unproduktiven Charakter der Arbeit bei der Bahn angeführt werden. Da außerdem bei den privaten Unternehmen erst gar nicht untersucht wird, ob sie nicht bestimmte Bereiche ihrer erweiterten Reproduktion vorwiegend aus Subventionen bestreiten (Beispiel: Bergbau), wird tatsächlich le- diglich die Rechtsform zur Abgrenzung benutzt. Das Ergebnis ist denn auch absurd. Vom Standpunkt der Produktion des gesellschaft- lichen Reichtums nämlich werden Polizei und öffentliche Elektri- zitätswerke gleichbehandelt: als unproduktiv. Doch selbst wenn diese Unstimmigkeiten vernachlässigt werden, ist der Ansatz des PKA unsinnig: Die Folgen der Umverteilungsfunktio- nen des Staates, die spezifische Rolle öffentlicher Unternehmen als Instrumente der gezielten Profitübertragung wird ignoriert. So ist das staatliche Kapital durchaus Bestandteil des gesell- schaftlichen Gesamtkapitals, kann Waren und Werte, damit aber auch Profite produzieren, die aber nicht unmittelbar dort ange- eignet werden, sondern z.B. durch politisch gesetzte Preise an bestimmte private Kapitale übertragen werden. Indem das PKA aber das gesamte staatliche Kapital - auch wenn es in der materiellen Produktion fungiert - einfach aus dem gesell- schaftlichen Gesamtkapital ausgliedert, muß es zu falschen Ergeb- nissen kommen: Das gesellschaftliche Gesamtkapital wird zu nied- rig, die Profitrate zu hoch ausgewiesen. Nach erfolgten Umgliederungen wird der Produktionswert des ge- sellschaftlichen Gesamtkapitals als Ausgangspunkt berechnet (Produktenwert). Nach Abzug der ebenfalls aus dem entsprechend umgegliederten Kontensystem der VGR errechenbaren Vorleistungen, d.h. dem konstanten Kapital auf Kostenbasis, erhält das PKA das Wertprodukt. Ein wichtiges Problem, das auch in anderen Berech- nungen auftaucht, ist dabei die Bewertung der Abschreibungen bzw. des Anlagevermögens. Das PKA geht entsprechend der Praxis der VGR von den Wiederbeschaffungspreisen aus, was damit begründet wird, daß die jeweiligen Preise als Ausgangsbasis zu nehmen sind. Tatsächlich ist mit inflationären Preiserhöhungen aber ein wich- tiger Vorteil für das Kapital verbunden: sein tatsächlich vorge- schossenes Kapital wird beschleunigt freigesetzt, seine Akkumula- tionsfähigkeit wird gesteigert, seine Fähigkeit zur Ansaugung von Mehrarbeit und zur Produktion von Mehrwert wird erhöht. Natürlich würde bei einer Bewertung der Abschreibungen zu Anschaffungsprei- sen - wenn sonst weiterhin zu jeweiligen Preisen gerechnet wird - das Wertprodukt inflationär aufgebläht erscheinen. Dieser Vorgang hat jedoch reale Auswirkungen auf den Gesamtreproduktionsprozeß: Erwirkt sich auf die Struktur des Gesamtprodukts und auf das Ak- kumulationstempo aus. Eine "Abstraktion" vom Problem der Infla- tion, wie es das PKA vorhat - die Inflation sei eine Frage, die erst in einem zweiten Schritt untersucht werden kann - ist jeden- falls nicht möglich, der empirisch vorgefundene Akkumulationspro- zeß ist a u c h Folge der Inflation. Nach der Errechnung des Wertprodukts ist das variable Kapital zu bestimmen, d.h. zunächst die Lohnsumme der produktiven Arbeiter. Dabei werden die immer wichtiger werdenden Probleme der Steuern und der Sozialabgaben vom PKA sehr kurz und summarisch abgehan- delt. Von der Umrechnung der indirekten Steuern auf den Wett der Ware Arbeitskraft wird wegen der damit verbundenen Abgrenzungs- probleme ganz abgesehen. Die Lohnsteuern der - in seiner Diktion - produktiven Lohnarbeiter werden in Gänze dem Surplus zugeschla- gen, dagegen werden die veranlagten Einkommensteuern der oberen Lohnarbeitergruppen zum variablen Kapital gerechnet. Eine Begrün- dung für diese Praxis wird nicht angegeben: Es scheinen auf den ersten Blick nur pragmatische Gründe zu sein. Die Sozialversiche- rungsbeiträge werden ebenso wie die Beiträge der Unternehmen zur Unfallversicherung 26) zum variablen Kapital gerechnet. Die Behandlung von Lohnsteuern und Sozialversicherungsbeiträgen entspricht offensichtlich der vom PKA vertretenen Trennung von Sozialversicherung und Staat: "Der gesellschaftliche Assekuranz- fonds (ist) im Unterschied zum Staatshaushalt ein Teil der ge- samtgesellschaftlichen Lohnsumme und die Umverteilung, die durch diesen Fonds bewirkt wird, ist im wesentlichen eine Umverteilung innerhalb der Revenue der Lohnabhängigen ." Dagegen sei die öko- nomische Basis des Staates - d.h. die Steuern - "in erster Linie der Abzug vom gesellschaftlichen Mehrwert". 27) Die Tatsache, daß ein wachsender Teil der Reproduktionskosten der Arbeitskraft ge- sellschaftlich - und zwar über Staat und Sozialversicherung - um- verteilt wird, bleibt hier also außer Betracht. 28) Vom so errechneten Mehrwert werden nun die Zirkulationskosten ab- gezogen, es bleibt die Brutto-Revenue der Kapitalisten, die in Akkumulationsfonds, Warenvorrat und Netto-Revenue der Kapitali- sten unterteilt wird. Problematisch ist die Bestimmung des Akku- mulationsfonds, in den lediglich das fixe Kapital eingeht. Vor allem bei der Berechnung von Akkumulationsraten und ihrer Bewe- gung dürfte das zu Verzerrungen führen. Als Nationaleinkommen gilt merkwürdigerweise die Summe aus der Netto-Revenue und dem Lohn der Lohnarbeiter nach PKA-Diktion, also nur der zur Konsum- tion bestimmte Teil, während bei Marx das Nationaleinkommen als Summe aus Lohn, Profit und Rente definiert wird. 29) Es wird nir- gends erläutert, warum das PKA den Akkumulationsfonds nicht zum Nationaleinkommen zählt. Mit den gewonnenen empirischen Größen wird nun versucht, die öko- nomische Entwicklung der BRD darzustellen und zu erklären. Hier muß die Kritik wesentlich ansetzen. Denn obwohl die Berechnungen explizit von solchen konkreten Faktoren wie Weltmarkt, Inflation, Monopolen - als "Modifikationen" bezeichnet - abstrahieren und sich nur als ein erster Schritt zu einer konkreten Analyse ver- stehen, wird im letzten Teil der Arbeit versucht, aus diesen 'abstrahierten' Ergebnissen konkrete ökonomische Vorgänge abzu- leiten. Es wird also der unmittelbare Sprung von den inneren Ge- setzen - die das PKA empirisch aufgedeckt zu haben beansprucht - auf die Erscheinungsebene getan, ohne den jeweils konkreten Durchsetzungsformen und deren historischem Wandel irgendeine Auf- merksamkeit zu schenken. Das aber ist auf der vom PKA selbst ge- wählten Abstraktionsebene nicht möglich. Im Folgenden wird das noch an einigen Punkten verdeutlicht. Die Zeitperiode von 1950 bis 1975 wird in 6 Zyklen eingeteilt, wobei allerdings der zwischen dem 5. und 6. Zyklus gemachte Einschnitt in den Jahren 1971/72 durch die eigenen Zahlen wenig begründet erscheint. Vor allem die Profitrate zeigt hier keine der für die übrigen Zykleneinschnitte typischen Schwankungen. Es liegt m.E. näher, den Zeitraum 1968 bis 1975 als einen einheitlichen Zyklus zu betrachten. Zunächst wird die Entwicklung von Wertprodukt und Akkumulation verfolgt, wobei hier nur das fixe Kapital berücksichtigt wird. Die Entwicklung der Akkumulationstätigkeit wird als Erklärungs- grundlage des Wachstums begriffen: Bei zunächst - in den ersten 3 Zyklen - steigender Wachstumsrate des Akkumulationsfonds und steigender Akkumulationsrate (= Anteil des Akkumulationsfonds am Mehrwert bzw. am Wertprodukt) sinkt die Wachstumsrate des Wert- produkts, aber auf hohem Niveau. Sie sinkt beschleunigt bei sin- kender Akkumulationsrate: Zunächst werden mit abnehmender Rate produktive Arbeiter angezogen, später vermindert sich deren Zahl auch absolut. Die Analyse der Entwicklung von Produktenwert und Wertprodukt kommt so im großen und ganzen zu den gleichen Ergebnissen, die sich auch bei einer Untersuchung auf der Grundlage von Brutto- und Nettosozialprodukt ergeben. Behauptet wird: "Zwischen beschleunigter Produktion von Mehrwert und beschleunigter Akkumulation von Kapital findet also ein enges Wechselverhältnis statt." (231) Die Ergebnisse zeigen allerdings, daß sich die konkrete Beziehung durchaus unterschiedlich gestal- tet. Denn in den ersten 3 Zyklen (bis 1963) fällt die Mehr- wertrate und verlangsamt sich die Produktion von Mehrwert (konkret: die Wachstumsrate der Mehrwertmasse sinkt), während die Akkumulationsrate wächst. Im übrigen bestätigt sich biet die vom PKA immer heftig angegrif- fene These von der Unterteilung der ökonomischen Entwicklung der Bundesrepublik in eine "extensive" und eine "intensive" Wachs- tumsphase: Das vergleichsweise hohe Wachstumstempo in den ersten 3 Zyklen hängt vor allem mit der zusätzlichen Ansaugung produkti- ver Arbeit zusammen, während die Erweiterung der Mehrwertproduk- tion in den 60er Jahren wesentlich durch eine steigende Mehr- wertrate bedingt ist. 30) Im zweiten Schritt wird die Bewegung der Mehrwertrate als Kern der Verwertungsbedingungen untersucht, wobei die "wirkliche", den Ausbeutungsverhältnissen entsprechende Mehrwertrate, nicht die Jahresmehrwertrate gemeint ist. Diese sinkt in den ersten drei Zyklen, stagniert im 4. Zyklus, steigt im fünften stark an und geht im sechsten wieder zurück, wobei sie noch knapp über dem Ni- veau des ersten liegt. Schließlich wird aus den ermittelten Zahlen die Profitrate be- rechnet, jene, "die in der wirklichen Bewegung der Konkurrenz die bestimmende Rate des Rohprofits" ist: die um die Zirkulationsko- sten bereinigte Mehrwertmasse wird auf das industrielle und kom- merzielle Kapital bezogen (264). Dabei wird ein zentrales Problem der Profitratenberechnungen ganz kurz abgehandelt: die Ermittlung des vorgeschossenen Kapitals. Es wird einfach vom Nettoanlagever- mögen zu Wiederbeschaffungspreisen ausgegangen, wie es vom Stati- stischen Bundesamt berechnet wird. Abgezogen werden die entspre- chenden Teile der Wohnungsvermietung, der privaten Haushalte und der staatlichen Unternehmen. Die Tatsache, daß die Staatsunter- nehmen keinen Profit beanspruchen - selbst das ist nur mit Ein- schränkungen richtig ", veranlaßt das PKA entsprechend seinem An- satz, sie aus dem gesellschaftlichen Gesamtkapital herauszurech- nen. Eine wichtige Funktion des Staates, die in der Entwertung von Kapital zugunsten der privaten Kapitale besteht, wird per De- finition ausgeschaltet, kann also in weiteren Untersuchungen auf der Grundlage des Zahlenmaterials des PKA empirisch auch gar nicht belegt werden. Es ist klar, daß nach solchen Abgrenzungen bei der empirischen Untersuchung der Staatstätigkeit und ihres Einflusses auf den Ge- samtreproduktionsprozeß als Ergebnis herauskommen muß; "daß von einem ständig steigenden Gewicht des Staates am Gesamtreprodukti- onsprozeß und einer daraus sich ergebenden Ausbildung einer neuen Qualität im Verhältnis von Politik und Ökonomie nicht die Rede sein kann". 31) Ein Beispiel soll verdeutlichen, wie die theore- tische Setzung des PKA das empirische Ergebnis bestimmt. So stellt das PKA fest, daß der Anteil der Verkäufe des Staates am Produktenwert der Jahresarbeit sinkt, und schließt daraus unter anderem auf eine rückläufige Beteiligung des Staates an der mate- riellen Produktion. Eine der wichtigen Funktionen des Staates be- steht aber gerade darin, dem privaten Kapital Waren und Dienst- leistungen unter Wert zur Verfügung zu stellen und damit die Ver- wertung des Privatkapitals zu stützen. Geht man aber von der An- nahme Preis = Wert aus, so muß sich dieser Prozeß notwendig in einem relativ sinkenden Anteil der Staatsverkäufe ausdrücken. Aber auch von diesen Problemen abgesehen steht die vom PKA be- rechnete Profitrate auf empirisch sehr unsicheren Beinen. Die Au- toren sind sich dessen durchaus bewußt. "Dementsprechend können auch von uns Bestandsaggregate nur punktuell in die Untersuchung miteinbezogen werden; dies betrifft ausschließlich die Ermittlung der allgemeinen Profitrate des gesellschaftlichen Gesamtkapi- tals." 32) Die letztere Bemerkung trifft nicht zu, da die Be- standsbetechnung Grundlage für die Errechnung der Abschreibungen ist und damit auch den Gesamtreproduktionsprozeß berührt. Die vom PKA festgestellten "zu langen Nutzungsdaueransätze für die Ausrü- stungen" betreffen natürlich auch die Berechnung des Wertprodukts und seiner Struktur. 33) Das zirkulierende Kapital setzt sich aus den Vorräten und dem Geldkapital zusammen. Dabei wird in der VGR bei "Vorräten" nicht zwischen Vorprodukten und Fertigwaren unterschieden, in denen sich auch noch nicht realisierte Profitteile befinden. 33a) Pro- blematisch ist auch die Tatsache, daß die Wertansätze sich auf die willkürlichen Angaben der Unternehmen beschränken. Die sehr summarische Abhandlung des Bestandsproblems soll hier nicht in den Vordergrund der Kritik gestellt werden, obwohl der geringe Rechenaufwand und die in diesem Punkt unkritische Über- nahme der Daten der VGR in einem deutlichen Mißverhältnis zu sonst sehr aufwendigen Umrechnungen steht. Kritisch anzumerken ist jedoch, daß der Leser des Buches über diese Berechnungspro- bleme und die damit verbundenen Ungenauigkeiten im unklaren ge- lassen wird. Bei der Interpretation der Ergebnisse gerät die vor allem bei der Profitrate doch sehr dünne empirische Grundlage vollends aus dem Blickfeld. Es wird dabei eine Genauigkeit vorge- täuscht, die tatsächlich nicht vorhanden ist. Die so ermittelte Profitrate gilt dem PKA als Erklärungsgrundlage der wirtschaftlichen Entwicklung der BRD, wobei in der Anwendung eine Reihe von Bedenken und Einschränkungen methodischer Art über Bord geworfen werden: so wird die Aufteilung in Zins und Steuern nicht untersucht, obwohl gesehen wird, daß "in der wirklichen Be- wegung der Konkurrenz... die Profitrate, die ohne diese Steuern berechnet ist, die das Handeln der Kapitalisten bestimmende Größe" ist. (270) Bei der Beschreibung der ökonomischen Entwick- lung der BRD, der Akkumulationstätigkeit des privaten Kapitals, wird die "allgemeine" Profitrate als unmittelbarer Bestimmungs- grad genommen: ob eine bestimmte Tendenz der Akkumulationstätig- keit des privaten Kapitals von der Entwicklung der allgemeinen Profitrate bestimmt ist, kann aber erst nachgewiesen werden, wenn die Form der Vermittlung dieser Entwicklung mit der Veränderung der Oberfläche geklärt ist. Die vom PKA berechnete Profitrate weist über die Zyklen hinweg eine fallende Tendenz auf, die aber erst vom dritten Zyklus ab wirksam wird. Ein leichter Anstieg ist noch im 5. Zyklus zu ver- zeichnen. Der Zusammenhang Profitrate-Akkumulation ist allerdings nicht so unvermittelt wie behauptet. So verschlechtert sich die Kapitalverwertung im 3. Zyklus deutlich, während sich die Akkumu- lation beschleunigt. "Der Fall der Profitrate unter diesen Bedin- gungen wirkt also eher als Stachel der beschleunigten Akkumula- tion, die aber nicht so sehr darauf zielt, die Produktion auszu- dehnen, sondern die Produktionskosten zu senken." (277) Als Er- klärung für diesen Verlauf werden die stabilen Absatzverhältnisse als Bestimmungsgrund der Akkumulation eingeführt, ohne diese aber mit den berechneten Grundkategorien zu vermitteln. Wollte das PKA seinen selbstgesetzten Anspruch erfüllen, nämlich "durch die De- chiffrierung der notwendigen Erscheinungsformen dieser historisch spezifischen Form der gesellschaftlichen Arbeit" die "Analyse ei- nes konkreten Stücks Zeitgeschichte" zu leisten (309), so hätte es anhand seiner Kategorien zeigen müssen, warum die Nachfrage im 3. Zyklus stabil geblieben ist. Es bleibt die Tatsache, daß eine sinkende Profitrate historisch sowohl mit einer beschleunigten als auch einer verlangsamten Akkumulation verbunden sein kann - d.h. ihr Verlauf hängt noch von weiteren Momenten ab, die jeden- falls in keinem direkten Verhältnis zur Profitrate stehen. Einen völligen Verstoß gegen die eigenen Prinzipien stellt dann der Versuch dar, mit Hilfe der ermittelten Kategorien eine Pro- gnose der bevorstehenden Konjunkturentwicklung abzuleiten. Obwohl die Aussichten für eine Steigerung der Profitrate im Jahre 1978 als an sich günstig beurteilt werden und "eine Belebung der Akku- mulation des Kapitals voraussetzt, daß sich das Zusatzkapital mindestens genauso hoch verwertet wie das schon fungierende Kapi- tal" (312), kommt das PKA zu pessimistischen Prognosen. Der Grund wird - richtig - in "der durch Arbeitslosigkeit und Lohnsenkung verringerten Nachfrage der Arbeiterklasse" gesehen (313), eine Vermittlung dieser Erscheinung mit den Verwertungsverhältnissen findet aber nicht statt. Hier zeigt sich übrigens, daß das PKA die stofflichen Bedingungen des Reproduktionsprozesses - im Wi- derspruch zu seinem krisentheoretischem Ansatz - bei der Analyse des Gesamtreproduktionsprozesses der Bundesrepublik völlig ver- nachlässigt. 34) Es wird am Schluß eingeräumt, daß die vorgelegte Untersuchung nur "ein Zwischenschritt für die weitere Arbeit sein kann". (309) Weitere Untersuchungen auf dem Gebiet des Preis-Wert-Verhältnis- ses, des Staates, der Monopole, des Außenhandels, der Inflation seien nötig. Dies alles sind aber keine "Modifikationen" der Grundgesetze - wie vom PKA behauptet -, sondern betreffen größ- tenteils deren Durchsetzungsformen, ihre Wirkungsweise unter kon- kreten historischen Bedingungen. Ohne diese Zwischenschritte kann die ökonomische Entwicklung der BRD jedenfalls nicht erklärt wer- den. So bezieht sich die Kritik neben den erwähnen inhaltlichen Punk- ten vor allem auf die Überstrapazierung der Ergebnisse. Zwar wird die Arbeit zunächst durchaus bescheiden als "ein erster Schritt der empirischen Analyse des Gesamtreproduktionsprozesses" be- zeichnet, der "eine ganze Reihe von Abstraktionen zu berücksich- tigen oder von bestimmten entwickelteren und komplizierteren Ver- hältnissen zunächst abzusehen" hat. 35) Die Vernachlässigung der erwähnten wichtigen "Modifikationen" soll hier nicht angegriffen werden. Man kann durch perfektioni- stische Ansprüche an empirische Untersuchungen schließlich kon- krete empirische Arbeiten ganz verhindern und einen Rückzug auf die "reine" Theorie begründen. 36) Insofern scheint der vom PKA gewählte Ausgangspunkt der VGR für eine Analyse der ökonomischen Entwicklung ein sinnvoller Ansatzpunkt zu sein. Vorgeworfen werden muß den Autoren jedoch, daß sie die Kluft zwi- schen der Aufdeckung der grundlegenden Gesetzmäßigkeiten und der Bewegung der Oberfläche eben nicht "schrittweise" überbrücken, sondern unvermittelte Schlußfolgerungen ziehen. Die Abstraktions- ebene, auf der die Ergebnisse des PKA liegen, läßt eine Anwendung auf die konkreten Erscheinungen jedenfalls noch nicht zu. Schließlich muß auch angemerkt werden, daß die Umrechnungen oft so kompliziert sind - stellenweise scheinen sogar ausgesprochen interne Kenntnisse vorzuliegen -, daß sie in der Praxis kaum noch nachvollzogen werden können. Die Anwendung der Ergebnisse für weiterführende Arbeiten auf be- stimmten Gebieten ist daher ebenso kompliziert wie die detail- lierte Kritik einzelner Rechenvorgänge. Der praktische Wert sol- cher Arbeiten, die in der vorliegenden Form ohnehin nur von "Spezialisten" konsumiert werden können, wird durch die Darbie- tung und die durch die Nichtvetöffentlichung des angekündigten Materialbandes begründete mangelnde Nachvollziehbarkeit erheblich verringert. Die Kapitalrentabilität als Profitrate - ---------------------------------------- Das pragmatische Indikatorverfahren Altvaters --------------------------------------------- Elmar Altvater/Jürgen Hoffmann/Wolfgang Schoeller/Willi Semmler, Die Entwicklung des Kapitalismus in Westdeutschland, in: Handbuch 1, Perspektiven des Kapitalismus, hrsg. von Volkhard Brandes, Frankfurt/M. 1974, S. 241-274. Auch für die Autorengruppe um Elmar Altvater ist eine Untersu- chung der "allgemeinen Bedingungen der Kapitalverwertung" Voraus- setzung zur Analyse kapitalistischer Gesellschaften. "Sollen da- her Aussagen über die Entwicklung eines nationalen Kapitalismus gemacht werden, dann kommt es wesentlich darauf an, die Bewegung der Profitrate zu untersuchen." (242) Dabei geht es nicht um den einzelkapitalistischen Profit, sondern um die inneren Bedingungen der Profitproduktion, die jener konkreter Einzelunternehmen regu- lierend zugrunde liegen. Da diese inneren Bedingungen nicht er- scheinen, sondern nur in den Bewegungen der Oberfläche reflek- tiert werden, sind aus der quantifizierten Darstellung der Ober- fläche in der Statistik "empirische Indikatoren" aufzufinden, die die Grundbewegung "irgendwie" 37) ausdrücken. Das "irgendwie" wird - wie bereits oben ausgeführt - von der Autorengruppe als Parallelität von Grundbewegung und Oberfläche begriffen. Die in der Profitrate sich ausdrückenden allgemeinen Verwertungs- bedingungen des Kapitals werden von der Mehrwertrate und der or- ganischen Zusammensetzung des Kapitals bestimmt, so daß man, um die Entwicklung des westdeutschen Kapitalismus zu untersuchen, "vor allem die Entwicklung der Mehrwertrate und der organischen Zusammensetzung des Kapitals analysieren" muß. (244) Daher gilt es, für diese Grundkategorien der kapitalistischen Produktions- weise in der existierenden Statistik adäquate Indikatoren aufzu- finden. Altvater und seine Mitautoren glauben, diese in der Ar- beitsproduktivität und der Lohnquote einerseits und der Kapital- intensität andererseits gefunden zu haben (271). Diese drei Grö- ßen bestimmen die Kapitalrentabilität, die ihrerseits den Indika- tor für die Profitrate darstellt. Wenn auch vielfach betont wird, daß Profitrate und Kapitalrentabilität nicht identisch sind 38), so führt doch der direkte "Rückschluß" von dieser auf jene in der Praxis der Untersuchung zur Verwischung dieses Unterschieds. Es ist daher Diefenbach zuzustimmen, wenn er in einer Kritik an der "Realanalyse" Altvaters als Fazit zieht: "Das Rückschlußverfahren bringt die Realanalyse in die Nähe zur Tautologie." 39) Der praktische Vorteil bei Altvaters Vorgehen ist die relativ leichte Handhabbarkeit und Nachvollziehbarkeit der von ihm ermit- telten Kennziffern. So ermittelt er die Mehrwertmasse (die aber auch die Abschreibungen enthält) durch Abzug der Lohnsumme vom Nettoproduktionsvolumen, wobei versucht wird, das Problem der In- flation durch die Rechnung zu festen Preisen auszuschalten. Das kann natürlich nicht gelingen, da sich auch hinter festen Preisen inflationäre Prozesse verbergen können. Ausgangspunkt sind die Daten der VGR für die Gesamtwirtschaft. Gleichzeitig berechnet die Autorengruppe aber auch die entsprechenden Kennziffern für die Industrie. Neben den Problemen, die mit der Preisbereinigung verbunden sind, erweist sich auch die fehlende Unterscheidung zwischen produkti- ver und unproduktiver Arbeit als unbefriedigend. Altvater ist sich dieses Problems zwar bewußt, er versucht auch, durch Schät- zungen die Entwicklung der Mehrwertrate im produktiven Bereich zu ermitteln. "Der steigende Anteil der Lohnarbeiter am Nettoprodukt (hier: der unselbständig Beschäftigten am Volkseinkommen) wäre demnach Ausdruck des steigenden Anteils der unproduktiven Arbei- ter an den Beschäftigten, die aus dem Mehrwert bezahlt werden und deren steigender Anteil so Ausdruck einer hohen und wahrschein- lich sogar steigenden Mehrwertrate ist." 40) Allerdings wird bei den Tabellen, die die Entwicklung der Verwertungsbedingungen il- lustrieren sollen, vom Anteil der Bruttoeinkommen aus unselbstän- diger Arbeit am Nettoproduktionsvolumen ausgegangen, d.h. die un- produktiven Arbeitet bleiben einbezogen. Diese Größe wird als Lohnquote bezeichnet bzw. umgekehrt als Pro- fitquote. Problematisch ist dabei auch die Einbeziehung sämtli- cher "Lohnkosten", so daß das mit den Sozialabgaben und den Lohn- steuern verbundene Moment der Umverteilung aus dem Blickfeld ge- rät. Zusätzlich wird die Arbeitsproduktivität als Verhältnis von Nettoproduktionsvolumen und Arbeitsstunden eingeführt. Die organische Zusammensetzung des Kapitals wird auf der Indika- torebene durch die Kapitalintensität als Beziehung von Bruttoan- lagevermögen und Arbeitsstunden definiert, wobei vor allem die Gleichsetzung des Bruttoanlagevermögens mit dem konstanten Kapi- tal angreifbar ist. So ist anzumerken, daß ein systematischer Faktor bei der tendenziellen Entwicklung der Profitrate, die Wertveränderung der Elemente des Anlagevermögens, vernachlässigt wird. Wenn die so berechnere Kapitalintensität aus pragmatischen Gründen als Indikator der organischen Zusammensetzung des Kapi- tals benutzt wird, so wäre das nur dann zulässig, wenn die Paral- lelitätsannahme fallengelassen wird. Altvater hätte an diesem Punkt näher auf die Beziehungen zwischen seinem Indikator und der durch ihn reflektierten Grundkaregorie eingehen müssen. Denn ei- ner der dem Fall der Profitrate entgegenwirkenden Faktoren, die "Verwohlfeilerung der Elemente des konstanten Kapitals", besteht ja gerade darin, "daß, das Gesamtkapital betrachtet, der Wert des konstanten Kapitals nicht in demselben Verhältnis wächst wie sein materieller Umfang". 41) Die Rechnung zu konstanten Preisen kann aber nur die Entwicklung des materiellen Umfangs des Anlagevermö- gens reflektieren - und selbst dabei ist von den Problemen ab- strahiert, die mit der Übersetzung von Mengen in Preisreihen zu- sammenhängen. Das macht deutlich, daß die von Altvater gebildeten Indikatoren untereinander in bezug auf die Verwertungsverhältnisse überhaupt nicht vergleichbar sind, die Ableitung aus der Relation zwischen ihnen also einen systematischen Fehler enthält. Nach Altvaters Annahmen müßten bei gleich rasch ansteigender Kapitalintensität und Arbeitsproduktivität und konstanter Lohnquote die Verwer- tungsbedingungen unverändert bleiben. Da bei steigender Ar- beitsproduktivität aber notwendig die Wertzusammensetzung des Ka- pitals langsamer steigt als die Kapitalintensität, würden sich tatsächlich die Verwertungsbedingungen verbessern. Andere Verschiebungen hängen mit der Vernachlässigung des zirku- lierenden Kapitals zusammen. Schließlich entspricht das Bruttoan- lagevermögen auch nicht dem vorgeschossenen Kapital, da der Pro- duktionsprozeß mit der ständigen Freisetzung fixer Kapitalteile verbunden ist. Die gleichen Bedenken müssen gegen die Ermittlung der Kapitalren- tabilität eingewandt werden, die aus dem Verhältnis von Bruttoan- lagevermögen und Mehrwertmasse berechnet wird. Hinzu kommt, wie schon an anderer Stelle bemerkt, daß bei der Ermittlung der Mehr- wertmasse aus dem preisbereinigten Nettoproduktionsvolumen und der zu jeweiligen Preisen berechneten Lohnsumme sich schon allein infolge der unterschiedlichen Berücksichtigung der Inflation eine sinkende Kapitalrentabilität ergeben muß. Lange genug fortge- schrieben, würde die Rentabilität notwendig sogar negativ werden. 42) Mit diesen empirischen Größen will die Autorengruppe nun die Ent- wicklung der Verwertungsbedingungen selbst und die diese Entwick- lung verursachenden Faktoren herausarbeiten. Darüber sollen die Beziehungen zwischen Lohnquote, Arbeitsproduktivität und Kapital- intensität Auskunft geben. Diese jeweils wechselnden Beziehungen sind die Grundlage für die Beschreibung der konkreten histori- schen Entwicklung der BRD. Es lassen sich dabei drei Entwicklungsetappen feststellen: 1. 1950 bis Ende der fünfziger Jahre: die Arbeitsproduktivität steigt schneller als die Kapitalintensität bei gleicher oder rückläufiger Lohnquote, d.h. die Profitrate steigt. 2. Ende der fünfziger bis Anfang der sechziger Jahre: die Ar- beitsproduktivität steigt langsamer als die Kapitalintensität bei gleicher Lohnquote, d. h. die Profitrate fällt. 3. Anfang der sechziger Jahre bis in die Gegenwart: die Ar- beitsproduktivität steigt langsamer als die Kapitalintensität, und die Lohnquote steigt, d. h. die Profitrate fällt beschleu- nigt. Eine zentrale Feststellung ist dabei die Aussage, "daß das Absin- ken der Kapitalrentabilität hauptsächlich auf den starken Anstieg der Kapitalintensität zurückzuführen ist, während nur in wenigen Jahren dafür der starke Anstieg der Lohnstückkosten hauptverant- wortlich sein dürfte". 43) Diese Aussage wird vor allem von Blechschmidt angegriffen, der allerdings keine eigenen Profitratenberechnungen anstellt. Er meint vielmehr, "daß bislang für den Fall der Profitrate die sin- kende Ausbeutungsrate ein größeres Gewicht hatte als die stei- gende organische Zusammensetzung". 44) Die Auseinandersetzung hat im Rahmen des Kapitalverständnisses von Altvater und Blechschmidt insofern Bedeutung, als das Ergebnis von Altvater die Gewerk- schaften vom Vorwurf, die Krisenhaftigkeit wesentlich verursacht zu haben, entlastet. Blechschmidts Aussage würde die Lohnkosten- erklärung der Krise zunächst stützen, wobei er sich jedoch durch den Hinweis auf "veränderte Akkumulationsbedingungen des Kapi- tals" aus der Affäre zu ziehen sucht. Der Boden, auf dem diese Frage diskutiert wird, ist die gemeinsame Ableitung der Krise un- vermittelt aus den Verwertungsbedingungen in der Produktion, un- ter Umgehung des Realisierungsproblems. 45) Blechschmidt stützt seine Behauptung auf die Annahme, daß die or- ganische Zusammensetzung des Kapitals zumindest zwischen 1960 und 1970 nicht gestiegen ist: "Das so indizierte variable Kapital ist schneller gestiegen als das konstante." 46) Die empirische Grund- lage für diese Behauptung ist allerdings nicht besser als die von Altvater. Denn das Verhältnis von Lohn- und Gehaltssumme zum Wert des Bruttoanlagevermögens ist ebensowenig identisch mit der orga- nischen Zusammensetzung des Kapitals wie die Kapitalintensität Altvaters. Die auch von ihm erkannte "Lücke" zwischen der Logik des Kapitals und der Oberflächenentwicklung wird "durch pure An- nahmen geschlossen, so unbefriedigend das auch sein mag". 47) So richtig diese Feststellung auch unter pragmatischen Gesichtspunk- ten sein mag, müssen die Annahmen doch begründet sein und in ei- ner gewissen Klarheit übet den Charakter der Beziehungen zwischen Kapitallogik und Oberfläche bestehen. Die von Altvater (und auch von Blechschmidt) angestellte Ursa- chenanalyse ist gerade wegen der ungeklärten Vermittlung von Grundkategorie und Oberfläche nicht möglich. Die entwickelten Ka- tegorien mögen ausreichen, um große Entwicklungstendenzen festzu- stellen. Das tut allerdings auch der Sachverständigenrat mit der Berechnung einer "Realrendite". Dabei wird das um einen fiktiven Arbeitslohn der Selbständigen bereinigte Unternehmereinkommen nach der VGR zum Nettoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen bei gewerblichen Unternehmen plus dem Vorratsvermögen in Be- ziehung gesetzt. Im beobachteten Zeitraum von 1960 bis 1972 ergibt sich nun eine sinkende Tendenz. 48) Selbst wenn man die empirische Vorgehensweise hier unberücksich- tigt läßt, ist aus der Feststellung einer sinkenden Kapital- verwertung weder ein unmittelbarer Rückschluß auf deren Ursachen noch auf die Folgen für die Konjunkturentwicklung zu ziehen. Gerade weil sich die Rückschlüsse auf die Ursachen der Entwick- lung bei Altvater auf die quantitative Relation zwischen den Veränderungen der einzelnen Indikatoren stützen, ist nicht nur deren Entwicklungsrichtung, sondern auch das genaue Ausmaß der Veränderungen relevant. Allein durch eine andere Abgrenzung der Indikatoren - die so wenig begründet sein muß wie diejenige Altvaters - wird sich ihr quantitatives Verhältnis zueinander rasch ändern. Aber auch die Auswirkungen der rückläufigen Tendenz der Kapital- verwertung selbst sind im Ansatz von Altvater abhängig vom quan- titativen Ausmaß, nicht bloß von der Richtung der Veränderung. So stellt die Autorengruppe fest: "Wenn aber die Profitrate so sehr fällt, daß aus der wachsenden Profitmasse keine Zusatzkapi- tale mehr zur bisherigen Profitrate angelegt werden können, dann erscheint Kapital als überschüssig, als 'überakkumuliert'." 49) Wenn dieser Satz keine bloße Tautologie sein soll, dann kann das nur bedeuten, daß die Profitmasse nicht mehr ausreicht, um die Investitionen, die Umstrukturierungen der Produktion zu finanzie- ren, die notwendig sind, um die Mehrwertrate zu erhöhen und so dem Rückgang der Profitrate entgegenzuwirken. Die Bedingung für "Überakkumulation" wäre demnach aus einem ganz bestimmten quanti- tativen Verhältnis zwischen Profitrate, Profitmasse und den stofflichen, technologischen Bedingungen des Reproduktionsprozes- ses abzuleiten. Die beliebige Konstruktion der Altvaterschen In- dikatoren reicht jedoch nicht aus, um ein solches bestimmtes quantitatives Verhältnis überhaupt registrieren zu können. Daher sind sie für Analysen auf der Grundlage des Überakkumulationsan- satzes untauglich, was nicht bedeutet, daß sie nicht als Grund- lage für die Beschreibung wichtiger Momente der kapitalistischen Entwicklung nützlich sein können. Außerdem muß hier angemerkt werden, daß eine so definierte "Überakkumulation" ganz verschiedene Ursachen haben kann. Wie weiter unten gezeigt werden soll, kann eine solche Situation auch bei einer steigenden Profitrate eintreten - dann nämlich, wenn die Realisierungsbedingungen eine Neuanlage von Kapital nicht erlauben und/oder monopolistische Marktpositionen einen entspre- chenden Preisrückgang verhindern. Die Beliebigkeit der Kategorien und die damit verbundene Mehrdeu- tigkeit der Ergebnisse zeigt auch die Form der Aufnahme der vor- gebrachten empirischen Einwände durch Altvater, wobei er zu einer völligen Neuberechnung kommt, die sich teilweise an die Ergeb- nisse von Zschocke anlehnt. So wird das Nettoproduktionsvolumen um die Abschreibungen bereinigt, die industrielle Lohnquote wird deflationiert und nur noch aus der Lohn- und Gehaltssumme der produktiven Lohnarbeiter berechnet. Außerdem wird als fixes Kapi- tal nun das Nettoanlagevermögen berechnet, das zirkulierende kon- stante und variable Kapital wird einberechnet. 50) Allerdings wird hier - entsprechend dem Vorgehen bei Zschocke - nun nur noch die Industrie berücksichtigt. Im Ergebnis der Neuberechnung fällt die so berechnete "Kapital- renrabilität" in den sechziger Jahren ebenfalls, allerdings bedeutend langsamer als in der ersten Berechnung. Ob aber die Kapitalrentabilität der Industrie von 1960 bis 1968 um 9,7 oder um 24,8 Prozent (wie in der alten Rechnung) fällt, kann für eine konkrete Analyse sicher nicht gleichgültig sein. Trotz der erheblichen Verschiebungen hält Altvater seine ursprüngliche Be- hauptung - wenn auch vorsichtig - aufrecht: es zeige sich , "daß auch in dieser verbesserten Version offenbar jene Trends durch- schlagen, die in unserer ersten Näherungsformel erfaßt waren". 51) Diese Behauptung wird durch die Ergebnisse nicht gedeckt. Zschocke, der mit entsprechenden Zahlen rechnet, kommt gerade für die sechziger Jahre zu einem anderen Ergebnis, wie weiter unten gezeigt werden soll. Altvater macht sich auch keine Mühe, seine Aussage näher zu belegen. Erweist lediglich daraufhin, daß die Kapitalzusammensetzung zwischen 1955 und 1968 rascher gestiegen ist als das Profit-Lohn-Verhältnis gesunken, wobei er selber an- merkt, daß diese beiden Raten in ihrer Auswirkung auf die Kapi- talrentabilität nicht vergleichbar sind. Neben diesen Einwänden trifft auch für die Gruppe um Altvater die am PKA geübte Kritik zu: bei der Erklärung der konkreten Akkumu- lationsbewegung aus den Verwertungsbedingungen werden die Ver- mittlungsglieder zwischen Kapitallogik und Oberflächenbewegung übersprungen, es wird von der Verwertungsveränderung unmittelbar auf die Akkumulationstätigkeit zurückgeschlossen. 52) Die Auf- spaltung der Profitrate in Zins und Unternehmergewinn, Inflation, Kredit usw. werden zwar teilweise angesprochen, aber nicht mit den errechneten Indikatoren quantitativ vermittelt. Das gilt auch für die Weltmarkteinflüsse, obwohl gerade deren Berücksichtigung als wichtiges Moment der Akkumulation gefordert wird. Anfangs wird auch der Charakter der Beziehungen zwischen Welt- markt und nationalen Reproduktionsbedingungen genannt, wobei die Durchschnittsbedingungen der nationalen Arbeit im internationalen Vergleich und davon abgeleitet die Realisierungsmöglichkeiten auf dem Weltmarkt im Mittelpunkt stehen. Bei der konkreten Analyse des Verlaufs wird darauf jedoch nicht mehr bezug genommen, die günstigen Weltmarkteinflüsse werden mit den berechneten Katego- rien nicht mehr vermittelt. So wäre zu erklären, warum die Reali- sierungsbedingungen auf dem Weltmarkt auch 1974/75 noch so gut sind, obwohl sich die Verwertungsbedingungen im Inland ver- schlechtert haben. 53) Der Hinweis auf den wachsenden Kapitalexport ist sicher ober- flächlich eine Erklärung, wirft jedoch die Frage nach den Verwer- tungsbedingungen in den Konkurrenzländern auf. Hier wäre gemäß dem eigenen Ansatz eine konkrete Bestimmung der Durchschnittsbe- dingungen der Arbeit im internationalen Vergleich notwendig, da sich doch offensichtlich ein in den fünfziger Jahren wichtiger, die Exportexpansion der BRD begünstigender Faktor, die hohe Mehr- wertrate, verändert hat. Im Rahmen der bisher vorliegenden Untersuchungen bleibt jeden- falls die Forderung der Autoren, "den Wertbildungprozeß unter Einbeziehung des Weltmarktzusammenhangs zu betrachten" 54) noch uneingelöst. Allerdings finden sich durchaus Ansatzmöglichkeiten, um dieses Moment in weiterführenden Untersuchungen einzubeziehen. Ein weiteres, aus dem akkumulationstheoretischen Ansatz der Auto- ren rührendes Problem hängt mit der fehlenden Vermittlung von Verwertungsbedingungen und Realisierung zusammen. 55) Ein Vergleich der Ergebnisse von Altvater mit denen des PKA, ja selbst mit denjenigen des Sachverständigenrates, zeigt in der Grundstruktur ähnliche Entwicklungstendenzen auf. Dabei sind zwar durchaus große Differenzen im Ausmaß der Veränderungen und auch im Niveau der "Profitrate" festzustellen, die jedoch zu einem großen Teil auf Probleme bei der Ermittlung der empirischen Daten zurückzuführen sind. Diese Fragen aber können auf der rein kate- gorialen Ebene allein nicht gelöst werden, da einfach die vorhan- dene Datenlage immer wieder zu pragmatischen Kompromissen zwingt, zu Schätzungen, für die es immer unterschiedliche Wege gibt. Die vorliegenden Berechnungsarten sind so immer im einen oder anderen Punkt kritisierbar, ohne daß aber eine "richtige" Lösung entge- gengestellt werden kann. Es muß einfach konstatiert werden, daß es auf der Grundlage der gegenwärtigen Datenlage einen Spielraum von Ungenauigkeit gibt, der kaum zu verringern ist. Das macht die vorliegenden Berechnungen nicht überflüssig, zeigt aber, daß auf dem Wege immer neuer Rechenansätze ein Erklärungsfortschritt nicht mehr möglich ist. Es wäre notwendig, daß die empirischen Untersuchungen den Schritt von immer neuen Illustrationen der Ka- pitallogik mit aktuellen Daten hin zur Anwendung auf die konkre- ten Erscheinungen tun, ohne den Erklärungswert der bisherigen Be- rechnungen überzustrapazieren. Monopole und Branchenprofitraten - die Berechnungen von Zschocke ---------------------------------------------------------------- Helmut Zschocke, Kapitalstruktur und Kapitalverwertung in der BRD-Industrie, IPW-Forschungshefte 2/1974, Berlin/DDR 1974. Bei Zschockes Versuch, die Entwicklung der Kapitalverwertung und ihre Determinanten durch empirische Analysen herauszuschälen, ist es sein Anliegen, "das Gesetz des tendenziellen Falls der Pro- fitrate mit der konkreten Entwicklung in einem geographisch, zeitlich und sektoral genau abgegrenzten Bereich der Realität zu konfrontieren, wobei davon auszugehen ist, daß ein ökonomisches Gesetz die Wirklichkeit zwar nicht im Detail widerspiegelt, aber doch wesentliche im Leben vorhandene Zusammenhänge und Widersprü- che ausdrückt und demzufolge empirisch belegt werden kann und muß". (8) Wichtig ist dabei, daß die Wirkungen der widersprüchlichen Mo- mente, die mit dem Gesetz des Profitratenfalls verbunden sind, nicht bloß in Hinblick auf die Verwertung selbst, sondern auch in Hinblick auf das Gesamtfeld der sozialen und ökonomischen Wider- sprüche untersucht wird. So meint Zschocke, daß das Gesetz auch dann in seiner Wirkungsweise zu belegen ist, wenn die Profitrate aufgrund entgegenwirkender Faktoren nicht fällt: die Wirksamkeit des Gesetzes findet demnach ihren Ausdruck auch in den Strategien zur Vermeidung des Profitratenfalls. "Es kommt vielmehr darauf an, die Auswirkungen des Gesetzes auf ökonomische und soziale Wi- dersprüche herauszuarbeiten, deren Schwerpunkt und Wirkungsinten- sität nicht zuletzt von der im betreffenden Zeitpunkt ermittelten konkreten Entwicklungsrichtung der Profitrate und anderer wichti- ger Komponenten der Kapitalverwertung abhängt." (8) Als Abgrenzung zum Ansatz der bisher behandelten Autoren ist festzuhalten, daß Zschocke die Vermittlung von verschlechteren Verwertungsbedingungen zu den Erscheinungen der Oberfläche kom- plizierter sieht als jene, die oftmals unmittelbare Beziehungen zwischen Verwertung und Wirtschaftsentwicklung zu knüpfen versu- chen, von denen der Wirkungszusammenhang zwischen Verwertung und Konjunktur als ständig gleich betrachtet wird. Zschocke dagegen geht davon aus, daß veränderte Verwertungsbedingungen sich auch auf die strukturellen Gegebenheiten des Kapitalismus auswirken, daß der Zusammenhang zwischen Verwertungsbedingungen und Konjunk- tur sich ebenfalls im Zuge sinkender Profitraten verändert. Der Stand der Verwertung beeinflußt also nicht nur die jeweilige Kon- junkturlage, sondern verändert das gesamte kapitalistische "Milieu", in dem die Grundkategorien wirken. Die Schranke der Entwicklung, die das Kapital selbst in Form von sich verschlechternden Verwertungsbedingungen immer höher vor sich aufrichtet, führt zu immer neuen Versuchen, diese Schranken zu übersteigen. "Sobald es (das Kapital, J.G.) anfängt, sich selbst als Schranke der Entwicklung zu fühlen und gewußt zu wer- den, nimmt es zu Formen Zuflucht, die, indem sie die Herrschaft des Kapitals zu vollenden scheinen, durch Zügelung der freien Konkurrenz, zugleich Ankündiger seiner Auflösung und der Auflö- sung der auf ihm beruhenden Produktionsweise sind." 56) Es fragt sich allerdings, ob Zschockes Vorgehen im weiteten die- sem Ansatz immer gerecht wird. Er merkt selbst an: "Die Konzen- tration der Untersuchung auf die Industrie bedeutet insofern eine Einschränkung, als das Gesetz des tendenziellen Falls der Pro- fitrate in solchen relativ hochmonopolisierten Bereichen des ge- sellschaftlichen Gesamtkapitals an-ders wirkt als im privaten nichtmonopolisierten bzw. staatlichen Sektor." (8) Infolge der Beschränkung auf diesen Bereich besteht die Gefahr, daß die Triebkräfte und die Ergebnisse der Entwicklung empirisch unter- schiedslos behandelt werden. Wird zum Beispiel die Monopolisie- rung als Konsequenz der verschlechterten Verwertungsbedingungen begriffen, so ist klar, daß eine Einschränkung auf die "hochmono- polisierten" Bereiche der Industrie diesen Zusammenhang nicht ausreichend deutlich machen kann. Entscheidend für die Wirkungen des Falls der Profittate ist die Existenz eines "relativen Kapitalüberschusses" (14), d.h. eines Kapitalteils, der, eingesetzt als Zusatzkapital, "keinen oder mi- nimalen Zusatzptofit abwirft". (14) Fallende Profitraten wirken sich also je nach den konkreten stofflichen Produktionsbedingungen und den Marktverhältnissen auf die Akkumulation unterschiedlich aus: günstige Expansionsmöglich- keiten können dazu führen, daß der Fall der Profitrate durch das Wachstum der Profitmasse in seinen Auswirkungen auf die Akkumula- tion kompensiert werden kann. Dieser Gedanke entspricht im Kern der von Altvater definierren "Überakkumulation", wobei im weite- ten die Vorgehensweise Zschockes aber konsequenter ist. Er unter- sucht vor allem auch die Momente, die den Zusammenhang zwischen Profitrare, stofflichen Bedingungen und Marktverhältnissen kon- kret vermitteln, wobei allerdings eine quantitative Fixierung dieser Verhältnisse auch ihm nicht möglich ist. Als wesentliches Moment der Vermittlung gelten Staat und Mono- pole. "Gerade die Tatsache, daß Kapitalüberschüsse zur ständigen, tendenziell an Bedeutung gewinnenden Erscheinung gewotden und auf einzelne Fraktionen des gesellschaftlichen Gesamtkapitals un- gleichmäßig vetteilt sind, unterscheidet die Wirkung des Gesetzes der tendenziell fallenden Profitrate unter den heutigen Bedingun- gen wesentlich von den vormonopolistischen Verhältnissen." (15) Mit der Entwicklung des Kapitalismus setzte eine Differenzierung zwischen den Einzelkapitalen ein, die nicht mehr nur in unter- schiedlichem Ausmaß, sondern in unterschiedlicher Weise von der Kapitalentwertung betroffen waren: Teile des Kapitals konnten sich den Wechselfällen von Ver- und Entwertung entziehen. In der Folge kommt es zu einer Differenzierung der Profitraten, d.h. die Durchschnittsprofitrare existiert nur mehr als gesamtge- sellschaftliche Grenze, nicht als reales Schwankungszentrum der individuellen Profitraten. "Infolge der ungleichmäßigen Vertei- lung des Kapitalüberschusses entwickeln sich die privatmonopoli- stisch realisierte und die gesamtgesellschaftliche Profitrate, die neben dem Monopolbereich auch den privaten nichtmonopolisier- ten und den Staatssektor umfaßt, unter quantitativ und qualitativ unterschiedlichen Bedingungen." (18) Dieser Ansatz impliziert, daß eine Analyse det gesamtgesellschaftlichen Verwertungsbedin- gungen allein nicht mehr ausreicht, um die Entwicklungstendenzen des Kapitalismus zu erklären: das Moment der Strukturunterschiede muß einbezogen werden. Zschocke berechnet nun als ersten Schritt die Tendenz der techni- schen Zusammensetzung, die einen wichtigen Aspekt der stofflichen Bedingungen darstellt. 57) Ausgehend vom Bruttoanlagevermögen 58), erweitert um den Materialbestand, zu Preisen von 1962, wird die Realkapitalausstattung je Industriebeschäftigten ermittelt, wobei auslastungsbedingte Veränderungen ausgeklammert werden. Al- lerdings wird zwischen produktiven und unproduktiven Arbeitern nicht unterschieden. Bei raschem Wachstum der technischen Zusammensetzung 59) sind die Branchenunterschiede erheblich, wobei eine leichte Tendenz zur Nivellierung registriert wird. Dementgegen sinkt bis 1960 der "spezifische Produktionsmitteleinsatz" (70), d.h. pro Produktein- heit wird weniger Realkapital benötigt. Ursache ist, daß bis etwa 1960 der sinkende spezifische Materialeinsatz die steigende Fond- sintensität kompensiert. Ab den sechziger Jahren kehrt sich diese Tendenz um. Zschocke schließt daraus auf in den 60er Jahren verschlechtere Verwertungsbedingungen: bis etwa 1960 ist die Produktion rascher gewachsen als die technische Kapitalzusammensetzung, der Fall der Profitrate ist also durch den Anstieg der Profitmasse in Hinblick auf die Akkumulation kompensiert worden. Eine sinkende Profitrate wirkt sich dann nicht ungünstig auf die Akkumulation aus, wenn die Profitmasse ausreicht, um bei ihrer Verwandlung in Kapital zusätzliche Mehrarbeit anzusaugen, d.h. wenn mehr produktive Arbeiter beschäftigt werden können oder wenn durch die Umwälzung der Produktion die Mehrwertrate erhöht werden kann. Es ist offensichtlich, daß diese Möglichkeiten nicht nur von der Größe der Profitmasse, sondern auch von ihrer Verteilung abhän- gen. Der sinkende spezifische Produktionsmitteleinsatz ermög- lichte es, die Zahl der produktiven Arbeiter zu erhöhen und so die Produktion von Profit auszudehnen. In anderer Form finden sich hier übrigens einige Indikatoren wie- der, wie sie auch Altvater - unabhängig von Zschockes Arbeit - entwickelt hat. Der spezifische Produktionsmitteleinsatz ent- spricht kategorial der umgekehrten Kapitalproduktivität bei Alt- vater, die dort von der Kapitalintensität und der Arbeitsproduk- tivität bestimmt wird. Der entscheidende Faktor ist der sinkende Produktionsmitteleinsatz je Produkt oder umgekehrt die steigende Kapitalproduktivität, aus der sich notwendigerweise ergibt, daß die Arbeitsproduktivität rascher ansteigt als die Kapitalintensi- tät. Das ist aber eine rein rechnerische Tatsache und sagt über die Ursachen und die Folgen der Entwicklung nichts aus. Es wäre auch eine Situation denkbar, in der durch eine bestimmte Form der Rationalisierung, d.h. durch "kapitalsparenden Technischen Fort- schritt" der spezifische Produktionsmitteleinsatz je Produktein- heit gesenkt würde. Wenn gleichzeitig auch der Aufwand an bezahl- ter lebendiger Arbeit je Produkteinheit zurückgeht, dann dürften sich die Verwertungsbedingungen in der Produktion verbessern - es sei denn, die Kapitalumschlagszahl verkleinert sich erheblich. Es würde nun wesentlich von den Absatzverhältnissen abhängen, ob die steigende Profitrate auch mit einer Vergrößerung der Profitmasse verbunden ist. Eine profitable Anlage des Mehrwerts als Zusatzka- pital könnte unter solchen Bedingungen an die Grenzen des be- schränkten Marktes stoßen, weil die Stufenleiter der Produktion sich durch die Akkumulation rascher erweitern würde, als es die durch die spezifisch "kapitalsparende" Form der Rationalisierung relativ verengten Absatzverhältnisse erlauben würden. Unter dem Gesichtspunkt der stofflichen Struktur des Gesamtprodukts müßte der Anteil der Konsumtionsmittel im Vergleich zu den Produktions- mitteln zunehmen. Da aber auch der Aufwand an bezahlter lebendi- ger Arbeit je Produkt zurückgeht, würde die Ausdehnung der Abtei- lung II der Produktion rasch an die Grenzen der relativ be- schränkten Konsumtionsfähigkeit stoßen. Kapital wate dann trotz einer hohen Profitrate "überakkumuliert", d.h. eine Anlage als Zusatzkapital würde zu keiner Vergrößerung der Profitmasse füh- ren. Es ist dies eine Form des "relativen Kapitalüberschusses", die wohl weder Zschocke noch Altvater im Auge hatten. Das ist auch insofern erklärlich, als die Entwicklung in den sechziger Jahren umgekehrt verlief. Es gibt jedoch Momente in der aktuellen wirtschaftlichen Lage, die eine solche Entwicklung möglich er- scheinen lassen. 60) Es ist offensichtlich, daß die analytisch von den Marktverhältnissen abstrahierenden Indikatoren von Altva- ter einer solchen Situation nicht gerecht werden können. Die Berücksichtigung des Auslastungsgrads durch Zschocke zeigt übrigens, daß die steigende Kapitalproduktivität - worauf Altva- ter letzten Endes seine Feststellung der günstigen Verwertungsbe- dingungen in den fünfziger Jahren stützt - zu einem überwiegenden Teil auf den in diesem Zeitraum steigenden Auslastungsgtad zu- rückzuführen ist, also auch direkr durch die inneren Verwertungs- bedingungen allein nicht zu erklären ist. Trotz der erheblichen Berechnungsdifferenzen kommt auch Zschocke zur Abgrenzung von Entwicklungsetappen der BRD in ein 'extensives' und ein 'intensives' Wachstum, wie es sich in etwa auch aus den Ergebnissen von Altvater und selbst denen des PKA ergibt. Ähnlich unterscheidet auch Huffschmid, der mit weit ein- facheren Methoden zur Unterscheidung einer "Phase der extensiv erweiterten Reproduktion" und einer "Phase der intensiv erweiter- ten Reproduktion" kommt. 61) In einem zweiten Schritt untersucht Zschocke nun die Entwicklung der Verwertung, auf die allein aus den technischen Bedingungen nicht zurückgeschlossen werden kann. Da er annimmt, daß "prinzipiell der Zusammenhang zwischen Werten und Preisen trotz Inflation erhalten geblieben ist" (72), geht er von jeweiligen Preisen aus. Es muß allerdings bemerkt werden, daß die Inflation keine den Wertrelationen gegenüber neutrale Erscheinung ist: sie wirkt verzerrend. Dagegen wendet Zschocke ein: "Und selbst, wenn die wertmäßigen Größen durch die nominelle Entwicklung aus infla- tionsbedingten und anderen Gründen verzerrt widergespiegelt wer- den sollten, - bei der Ermittlung der industriellen bzw. in der Industrie realisierten Profitrate interessieren ohnehin nur die tatsächlich von den Monopolen und sonstigen Unternehmen für die eingesetzten Produktionsmittel gezahlten Preise und die tatsäch- lich gezahlten Löhne!" (73) Seine Behandlung des Anlagevermögens stellt allerdings einen Ver- stoß gegen dieses Prinzip dar. Das Nettoanlagevermögen bewertet er zu Wiederbeschaffungspreisen, d. h. er schaltet den bereits erwähnten, mit der Inflation verbundenen Entwertungseffekt des Kapitals aus. Das inflationär freigesetzte Kapital kann rascher wieder angewandt werden und ermöglicht dem Kapital so die Ausbeu- tung einer größeren Menge lebendiger Arbeit, steigert also die Profitrate. Zum konstanten Kapital wird das um die Fertigwaren bereinigte Vorratsvermögen gerechnet. Daraus und aus dem Materialverbrauch wird die Umschlagshäufigkeit errechnet, die Grundlage zur Bestim- mung des vorgeschossenen variablen Kapitals ist. Im Unterschied zum PKA bezieht Zschocke den Profit also nur auf das Produktivka- pital, klammert Geld-und Warenkapital also aus. Die Profitrate wird nun ermittelt, indem der industrielle Profit vor Steuern auf das so berechnete vorgeschossene Kapital bezogen wird. Beim industriellen Profit handelt es sich um den in der In- dustrie realisierten Profit (also ohne Handelsprofit, aber ein- schließlich Zinsen und Steuern), er ergibt sich, indem vom Brut- toproduktionswert die Kosten der Jahresproduktion abgezogen wer- den. 62) Problematisch ist dabei die Behandlung der Reproduktionskosten der Arbeitskraft. Es fällt auf, daß trotz der Bedeutung der Mehr- wertrate für die Verwertungsbedingungen diesem Problem kaum Auf- merksamkeit geschenkt wird. Zschocke geht vom jährlichen Aufwand an Löhnen und Gehältern aus, bezieht also die Lohnsteuern ein, nicht aber die Sozialversicherungsbeiträge der Unternehmer. Die Effekte der staatlichen Umverteilung werden hier also nicht bzw. nur teilweise berücksichtigt. Auch findet keine Trennung zwischen produktiven und unproduktiven Arbeitern statt. Die von Zschocke ermittelte Profitrate weist ebenfalls eine fallende Tendenz auf. Das hängt wesentlich mit der gestiegenen organischen Zusammensetzung des Kapitals, d.h. vor allem mit dem wachsenden Gewicht des fixen Kapitals zusammen. Die organische Zusammensetzung des Kapitals ist allerdings wesentlich langsamer als die technische Zusammensetzung gestiegen, sowohl Folge der "Verwohlfeilerung" des konstanten Kapitals als auch der verbes- serten Lohnsituation. Diese zuletzt genannten Faktoren bedingen trotz des beschleunigten Wachstums der technischen Zusammenset- zung eine verlangsamte Zunahme der organischen Zusammensetzung in den sechziger Jahren, so daß der beschleunigte Fall der Pro- fitrate in dieser Periode nicht aus der veränderten Kapitalstruk- tur abgeleitet werden kann. "Die komplizierter gewordenen Wachs- tumsbedingungen hätten daher auf Seiten der Kapitalverwertung gar keinen beschleunigten Fall der Profitrate erwarten lassen." (97) Die Ursache des beschleunigten Falls ist die Mehrwertrate, die seit 1955 schwankt, mit rückläufiger Tendenz. Zschocke führt das auf die relativ günstigen Verkaufsbedingungen der Arbeitskraft zurück. Die relativen Erfolge der gewerkschaftlichen Lohnpolitik wurden , wie die Entwicklung der Lohnquoten zeigt, durch staatli- che Umverteilungsmaßnahmen zu einem großen Teil wieder zunichte gemacht. 63) Das aber kann Zschocke mit seiner Berechnungsmethode nicht erfassen. Die relativ günstige Verteilungsposition stabilisierte natürlich auch die organische Zusammensetzung des Kapitals. Zschocke fol- gert: "Weniger denn je reicht deshalb die organische Zusammenset- zung des Kapitals für sich genommen als Indiz aus, um die Ent- wicklung der Profittate zu begründen. 64) (101) Der Unterschied zu Altvater resultiert offensichtlich nicht nur aus der Benutzung deflationierter Preisgrößen. Vor allem die Berücksichtigung des Auslastungsgrads dürfte eine Rolle spielen. Bei in den fünfziger Jahren steigendem Auslastungsgrad muß die Kapitalzusammensetzung nach Zschocke schneller ansteigen als bei Altvater. Umgekehrt in den sechziger Jahren: bei sinkendem Auslastungsgrad wird die Ka- pitalzusammensetzung Zschockes langsamer ansteigen als die von Altvater berechnete. Das eigentliche Anliegen Zschockes geht jedoch über die Berech- nung der industriellen Mehrwertrate hinaus. Sein Ziel ist die Be- rechnung von Branchenprofittaten und die Aufdeckung ihrer jewei- ligen Bestimmungsgründe aus den konkreten Verwertungsbedingungen der einzelnen Branchen. Völlig unerklärlich ist daher die Behauptung des PKA in einet Be- sprechung von Zschokes Untersuchung: "Er gesteht damit faktisch zu, daß sich der Ausgleich zu durchschnittlichen Verwertungsbe- dingungen offenbar zunächst unabhängig von der Rückwirkung von Monopolen und Staat herstellt. Die These von der Auflösung der Konkurrenz durch die Monopole und den Staat steht als inhalts- leere Formel beziehungslos neben diesem Resultat der empirischen Untersuchung." 65) Offensichtlich haben die Rezensenten hier ein- fach nicht zur Kenntnis genommen, daß es ja das Hauptanliegen Zschockes ist, die festgestellten Differenzen in den Profitraten der Branchen, die Zschocke ermittelt, durch die fehlende Aus- gleichsbewegung zur Durchschnittsprofitrate zu erklären. Zschocke geht also gerade nicht von der Existenz der Durchschnittsprofit- rate aus, sondern meint, daß die Existenz von Monopolen und Staatseingriffen dazu führt, daß sich die jeweils unterschiedli- chen Verwertungsfaktoren in den einzelnen Branchen heute direkt in den Profitraten ausdrücken, also praktisch eine Abkehr von den Produktionspreisen, eine Rückkehr zur direkten Wertbestimmung der Preise stattfindet. Die von ihm berechneten branchenspezifischen Verwertungsfaktoren (organische Zusammensetzung, Kapitalumschlagshäufigkeit und Jah- resmehrwertrate) weisen erhebliche Unterschiede auf. Bei funktio- nierender freier Konkurrenz hätten diese Unterschiede in bezug auf die Profitrate ausgeglichen werden müssen, d.h. es hätte kein Zusammenhang zwischen der Höhe der Profitrate und den jeweils günstigen oder ungünstigen Verwertungsfaktoren geben dürfen. Um das zu überprüfen, ordnet er die Branchen nach der Reihenfolge der jeweiligen Verwertungsfaktoren, addiert die Ordinalzahlen und errechnet daraus eine fiktive Rangfolge der Branchen, d.h. eine Rangfolge, die sich aus dem Charakter der Verwertungsfaktoren in den jeweiligen Branchen ergibt. Eine niedrige organische Zusam- mensetzung, eine hohe Kapitalumschlagszahl und eine hohe Jahresmehrwertrate führen dann zu einer hohen Position in der Rangfolge der 'fiktiven' Profitraten. Diese "errechnete Rang- folge" (102/103) wird nun verglichen mit der tatsächlichen Rang- folge. Im Ergebnis entsprechen sich die beiden Reihenfolgen, d.h. die Branche mit den günstigen Verwertungsfaktoren hat auch tatsächlich eine hohe Profitrate und umgekehrt. Das kann allerdings nicht Überraschen, da die Verwertungsfakto- ren, so wie sie Zschocke berechnet, auch der Errechnung der tatsächlichen Profitrate zugrunde liegen. Die Jahresmehrwertrate, die als Verwertungsfaktor aufgeführt wird, ist fein rechnerisch die gleiche, die bei der Berechnung der tatsächlichen Profitrate verwendet wurde. Die beiden Rangfolgen, die Zschocke miteinander vergleicht, müssen sich also entsprechen. 66) Denn die Berechnun- gen basieren ja bereits auf den Marktpreisen, d.h. die Aus- gleichsprozesse finden schon Eingang in die Ermittlung der Ver- wertungsfaktoren. Das wird schon dadurch deutlich, daß die wirk- liche Mehrwertrate in den Branchen zwischen 20 Prozent im Schiff- bau und 234 Prozent in der Erdölgewinnung schwankt. (110/111) Bei einer Rückkehr zu Wertpreisen, wie sie Zschocke als eine Folge der Monopolisierung und der Hemmung der Ausgleichsprozesse an- nimmt, müßten sie etwa auf dem gleichen Niveau liegen. Die bei Zschocke gemachte Annahme - daß nämlich durch die Monopo- lisierung eine Hemmung der Ausgleichsprozesse mit der Folge einer Tendenz zur direkten Bestimmung der Marktpreise durch die Werte bewirkt wird - kann so jedenfalls nicht belegt werden. Sie wider- spricht zudem der Voraussetzung von Monopolisierung: diese setzt sich in der Regel gerade in den Branchen durch, die besonders viel fixes Kapital anwenden müssen, bei denen also die Verwer- tungsfaktoren Zschockes an sich ungünstig gelagert sind. Eine Blockierung der Ausgleichsprozesse mit dem Ergebnis der Rückkehr zu Wertpreisen würde also gerade die monopolistisch organisierten Kapitale benachteiligen. Schließlich ist auch die Tatsache unterschiedlicher Branchenpro- fitraten allein noch kein Beleg monopolistischer Profitratendif- ferenzierung. Denn Zschocke berechnet die Branchenprofitraten nur für ein Jahr, so daß eine eventuell existierende Ausgleichsbewe- gung nicht erfaßt werden kann. Zudem muß fraglich bleiben, ob die berechneten Branchenprofitraten mehr sind als ein statistischer Durchschnitt, ob nicht vielmehr Unternehmensgrößen einen stärke- ren Einfluß auf die Profitrate haben als die Branchenzugehörig- keit. Der Widerspruch in Zschockes Aussagen wird auch deutlich, wenn im letzten Abschnitt Wege der staatlichen Absicherung der Kapital- verwertung dargestellt werden: "Die Reduzierung der von den Mono- polen aufzubringenden Vorschüsse für das fixe, das konstante zir- kulierende sowie das variable Kapital und die Aufstockung der privat verfügbaren Profite." (119) Der Staat sichert die Verwer- tung also gegen an sich ungünstige innere Verwertungsfaktoren, es müßte also zu einer D i f f e r e n z zwischen Verwertungsfak- toren und tatsächlicher Verwertung kommen: das kann natürlich durch Zschockes Berechnungen nicht aufgedeckt werden, da die staatlichen Übertragungen ja zu einem Teil sowohl bei der Ermitt- lung der tatsächlichen Profite als auch bei der Analyse der Ver- wertungsfaktoren einbezogen sind. Zschocke sieht zwar die letz- tere Tatsache, hält sie aber nicht für entscheidend. Als Instru- mente staatlicher Umverteilung können also nur die Bereiche ge- trennt von den inneren Verwertungsfaktoren untersucht werden, die eine nachträgliche Übertragung von Profitteilen außerhalb der Produktion beinhalten; die Steuerpolitik, die Subventionen und Zuschüsse. Die Bedeutung der Profitübertragungen durch staatliche Betriebe an die private Wirtschaft wird auch dargestellt und in ihrem Ausmaß abgeschätzt: so sparte die Industrie allein durch verbilligten Strom- und Gasbezug im Jahre 1970 7,5 Mrd. DM. 67) Es muß aber darauf hingewiesen werden, daß der Effekt dieser Ver- billigung schon in der vorgestellten Profitratenberechnung impli- ziert ist. Immerhin läge die Profitrate - klammerte man dieses Moment aus - 1950 nicht bei 37,3, sondern bei 32,7 Prozent, 1968 bei 29,8 Prozent statt bei 31,8. Der Fall wäre demnach also we- sentlich langsamer verlaufen als es Zschocke unter Einbeziehung der staatlichen Zuschüsse berechnet. Zschocke kommt insgesamt zu dem Ergebnis, daß die Entlastung der Verwertung durch staatliche Eingriffe an Effektivität einbüßt: "Das in den 60er Jahren einsetzende Fallen der industriellen Pro- fitrate (strahlte) mehr und mehr auf den Staat aus." (144) Diese Aussage ist durch die Berechnungen allerdings nur zum Teil abge- deckt, da er ja nur einen Teil der staatlichen Einflüsse in ihren Auswirkungen auf die Profitrate isolieren kann. Trotz der Mängel, die Zschockes Berechnungen besonders in bezug auf die Monopolisierungshypothese haben, stellen sie doch einen wichtigen Schritt zur empirischen Erfassung der Realität dar. Wichtig ist dabei die Erkenntnis, daß sich die konkreten histori- schen Verwertungsbedingungen nicht allein durch die allgemeine Profitrate bestimmen lassen. Dabei gelingt die Einbeziehung von Faktoren wie Staat und Monopolen allerdings nur exemplarisch, nicht systematisch. Vor allem wird nur eine Seite des Reprodukti- onsprozesses, der Verwertungsprozeß in der Produktion, betrach- tet. Von der Realisierungsseite wird in der Praxis auch hier ab- strahiert, der Begriff des "relativen Kapitalüberschusses" erfaßt wie der Überakkumulationsansatz Altvaters nur die eine Seite des Reproduktionsprozesses. Die damit beschriebene Erscheinung - daß ein Zusatzkapital keinen oder nur geringen Zusatzprofit abwirft -, kann ihre Ursache aber auch in den oben beschriebenen stoffli- chen Disproportionen zwischen dem Anteil von Konsumgütern und dem Anteil der Produktionsmittel haben, die allerdings nicht selb- ständig, sondern nur als Reflex der beschränkten Konsumtionsfä- higkeit der Gesellschaft unter den herrschenden Produktions- und Verteilungsverhältnissen wirken. An sich günstige Verwertungsbe- dingungen können so ohne positive Auswirkungen auf den Akkumula- tionsprozeß bleiben, weil die produzierten Profite infolge der veränderten Kapitalstruktur nicht zu realisieren sind. Diese Ein- seitigkeit in Zschockes Ansatz läßt auch die Tatsache aus dem Blickfeld geraten, daß staatliche Eingriffe keineswegs nur die unmittelbare Verbesserung der Verwertungsbedingungen zum Ziel ha- ben. Gerade keynesianisch orientierte Konzepte setzen an der Re- alisierungsseite an, wollen also die vom Kapital durch die Stei- gerung der Ausbeutungsrare selbst gesetzte Grenze der beschränk- ten Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft aufheben. Die Divergenz der Profitraten und die Konkurrenzintensität - ------------------------------------------------------------ die Sachvermögensrentabilität bei Saß ------------------------------------- Peter Saß, Die Untersuchung der Profitraten-Unterschiede zwischen den westdeutschen Industriebranchen nach dem 2. Weltkrieg, Veröf- fentlichungen der Hoch schule für Wirtschaft und Politik Hamburg, Tübingen 1975. Im Mittelpunkt der Untersuchung von Saß steht die Frage, welches die Ursachen der großen und wachsenden Differenzen in den Verwer- tungsbedingungen der Industriebranchen sind. Mit Hilfe von Korre- lationsberechnungen wird versucht, verschiedene Determinanten dieser Differenzen zu ermitteln. Neben den implizierten stillschweigenden Voraussetzungen - z.B. daß die Branchenzugehörigkeit tatsächlich der wesentliche Bestim- mungsgrund der Profitrate ist - hat die Berechnungsmethode in ei- nigen Fällen eine präjudizierende Wirkung. Problematisch ist schon der Profitbegriff: "Unter Profit wird - vornehmlich in der marxistischen Theorie - das gesamte Besitzein- kommen verstanden, das den Produktionsmittelbesitzern zufließt." (4) Diese Feststellung ist unzutreffend. Sie reflektiert den Standpunkt der "Quellentheorie" der bürgerlichen Ökonomie, setzt schon eine Verteilung des Profits voraus: ausgeklammert werden sowohl die Steuern als auch andere Mehrwertteile, die zur Erfül- lung von Funktionen des Zirkulationsprozesses benötigt werden. Zudem fehlt überhaupt ein Begriff der produktiven Arbeit, so daß schlechthin jede Tätigkeit - sei sie werteschaffend oder nur mit der Verwaltung des Profits verbunden - als Arbeit gilt und jedes mit einer Tätigkeit verbundene Einkommen als Arbeitseinkommen ge- wertet wird. Auch der Begriff der Profitrate ist problematisch: "Die Pro- fitrate bezeichnet dann das Verhältnis zwischen der Profitsumme und dem Wert der eingesetzen produzierten Produktionsmittel (d.h. unter Ausschluß des Bodens)." (4) Nicht das eingesetzte Gesamtka- pital, sondern nur der konstante Teil werden untersucht. In der Berechnungspraxis wählt Saß als Index der so definierten Profitrate die "Sachvermögensrentabilität" 68), die jedoch nicht mit jener identisch sei: Saß weist selbst daraufhin, daß zum "Sachvermögen" auch die Fertigwarenbestände gezählt werden. Er tut das, da eine Differenzierung aufgrund des vorhandenen Daten- materials nicht möglich sei 69), und begründet: "Ohne pragmati- sche Bereitschaft zum Kompromiß wäre empirische Wirtschaftsfor- schung nicht möglich." (S. 5) Dieser Bemerkung ist zuzustimmen. Es wäre allerdings günstig gewesen, wenn sich der Autor bei der Interpretation der mit mathematischen Methoden behandelten Ergeb- nisse an diese Einschränkungen erinnert und auf die möglichen Konsequenzen für die Schlußfolgerungen hingewiesen hätte. Ausgangspunkt seiner Berechnungen sind die Ergebnisse der amtli- chen Industrieberichterstattung: berechnet wird die "Sachvermö- gensrentabilität" in den Industriebranchen (ohne Bauwirtschaft und Energie) in Betrieben ab 10 Beschäftigten. Dazu wird vom um die Abschreibungen bereinigten Bruttoinlandsprodukt zu Faktor- kosten der Branchen ausgegangen, von dem das Arbeitseinkommen abgezogen wird. Die indirekten Steuern werden also ausgeklammert, so daß allein steuertechnische Verschiebungen zwischen direkten und indirekten Belastungen die "Sachvermögensrentabilität" beein- flussen. Wichtig ist die Berechnung der Arbeitseinkommen: dazu gehören die Bruttolöhne und -gehälter, die Sozialversicherungsbeiträge der Arbeitgeber einschließlich der "freiwilligen Sozialaufwendungen" und ein kalkulatorisches Arbeitsentgelt der Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen. Die Einbeziehung dieses "kalkulatorischen Arbeitsentgelts" zeigt, daß der Autor den Be- griff des "Profits" anders meint als Marx. Willkürlich auch die Kalkulation: es wird vom durchschnittlichen Angestelltengehalt zuzüglich eines zehnprozentigen Zuschlags "als Entgelt für eine längere Arbeitszeit" (12) ausgegangen, wobei diese Annahme zumin- dest für die mithelfenden Familienangehörigen nicht zutrifft. Da der Selbständigenanteil in der Industrie klein ist, dürfte dieser Faktor empirisch nicht allzu stark ins Gewicht fallen. 70) Das so errechnete "Besitzeinkommen" wird auf das um die Lagervor- räte vergrößerte Nettoanlagevermögen zu Wiederbeschaffungspreisen - Grundlage sind wieder die Berechnungen von Krengel" bezogen. Es ergibt sich die "Sachvermögensrentabilität". Auf die Probleme, die bei der Rechnung mit Wiederbeschaffungspreisen bei Abschrei- bungen und Anlagevermögen verbunden sind, wurde bereits oben ver- wiesen. Die Kennziffer, die Saß berechnet, liegt auf einer mittleren Ab- straktionsebene: Geht man davon aus, daß die eigentlich regulie- rende Größe im Kapitalismus in den Verwertungsbedingungen in der Produktion zu suchen ist, so kann die von Saß berechnete Katego- rie nicht ausreichen. Denn eine ganze Reihe von Umverteilungspro- zessen, die Beschränkung auf die Industrie, die fehlende Unter- scheidung zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit, die Um- verteilungswitkung von Lohnsteuern und Sozialabgaben bewirken Verschiebungen. Auf der anderen Seite aber wird auch nicht der einzelwirtschaftliche Gewinn berechnet, der auf der Oberfläche erscheint und als unmittelbar bestimmendes Moment einzelkapitali- stischer Entscheidungen fungiert: sowohl Fremdkapitalzinsen als auch Gewinnsteuern werden nicht als Kosten - wie sie sich für den Einzelunternehmer darstellen -, sondern als Profitbestandteile gerechnet. Nimmt man hier einmal ein Ergebnis der Untersuchungen vorweg - nämlich daß die Konkurrenz zwischen den Industriezweigen be- schränkt ist und somit eine Tendenz zum Profitratenausgleich nicht existiert -, dann wirft der Ansatz doch einige Fragen auf. Denn Kostenvorteile einzelner Branchen, die z.B. mit Steuerver- günstigungen, mit besserer Zugangsmöglichkeit zum Kapitalmarkt usw. zusammenhängen, finden in der Berechnung von Saß keinen Ein- gang. Der Impuls für Kapitalwanderungen aber wird von den an der Oberfläche erscheinenden einzelkapitalistischen Profiten ausge- löst. Wenn überprüft werden soll, ob dieser Mechanismus noch funktioniert oder ob die Kapitalwanderung gehemmt ist, so müßte kategorial der Profit ermittelt werden, der die Wanderung aus- löst. Dann dürften solche Momente wie Zinsbedingungen und steuer- liche Begünstigungen aber nicht ausgeklammert werden, wie es Saß tut. Als Beispiel kann der Bergbau dienen, für den Saß eine negative Rentabilität errechnet. Das dort investiere Kapital hätte also abwandern müssen mit der Konsequenz, daß die Kohlepreise gestie- gen wären und so die Verwertungsbedingungen wieder an die allge- meinen Durchschnittsverhältnisse angenähert worden wären. 71) Die Feststellung von Saß, daß dieser Prozeß wegen der beschränkten Konkurrenz eben nicht oder nur in geringem Maße abgelaufen ist, kann durch seine Berechnungen nicht schlüssig belegt werden. Ebenso wäre es möglich, daß staatliche Begünstigungen den Nach- teil ausgeglichen haben und so für das Kapital gar kein Anlaß be- stand, abzuwandern. Die von Saß berechneten Unterschiede zwischen den Branchen könnten also auch staatlich kompensiert worden sein - über die Funktionsfähigkeit des Ausgleichsprozesses durch Kapi- talwanderungen könnten dann keine Aussagen gemacht werden. Offen bleibt, ob die tatsächlichen Kapitalbewegungen nicht auch Ergeb- nis von staatlichen Lenkungsmaßnahmen sein könnten. Durch die Konstruktion der "Sachvermögensrentabilität" bei Saß wird so die Fragestellung von vorneherein nur auf bestimmte Ursa- chen von Profitratenunterschieden gerichtet, während Momente wie staatliche Eingriffe schon systematisch ausgeklammert werden . Diese Einschränkungen machen die Arbeit von Saß nicht wertlos, sie relativieren aber den Aussagewert einiger seiner zentralen Thesen. Darauf muß deutlich hingewiesen werden, weil über der mit mathematischen Methoden durchgeführten Verarbeitung der Ergeb- nisse nur zu leicht die Beschränktheit der Voraussetzungen ver- gessen werden kann. Dem ist z.B. Heseler unterlegen, wenn er be- hauptet: "Ich glaube, die einzig bisher relevante empirische Un- tersuchung, die es dazu gibt, soweit mir das bekannt ist, über diese Frage ist die von Peter Saß, der explizit den Nachweis er- bringt, daß kein Zusammenhang von Konzentrationsentwicklung und Profitratenentwicklung besteht, allerdings eine ganz erhebliche Niveaudifferenzierung in den Branchenprofiten." 72) Diese Fest- stellung ist nicht nur wegen des beschränkten Monopolbegriffs von Saß falsch, wie weiter unten noch gezeigt werden wird. Sie gilt auch deshalb nicht, weil Saß bestimmte Seiten monopolistischer Profitaneignung überhaupt nicht untersucht. Saß selbst hat diesen Tatbestand nicht übersehen; er weist in einer Schlußbemerkung daraufhin, daß Untersuchungen auf Unternehmensebene notwendig sind. (64) Saß berechnet zunächst die "Sachvermögensrentabilität" für 36 In- dustriezweige und stellt eine Rangskala auf. Dabei ergibt sich eine beträchtliche Schwankungsbreite, die von einer negativen "Rentabilität" im Bergbau von 0,76 Prozent bis zu einer Rentabi- lität von 52,12 Prozent in der Musikinstrumentenindustrie reicht. Die "negative" Rentabilität im Bergbau rührt vor allem aus der Bergbaukrise in den Sechzigerjahren. Weiterhin stellt Saß fest, daß die Profitraten zwischen 1950 und 1967 in der Tendenz zurück- gehen und daß der Variationskoeffizient größer wird, d.h. die Ab- weichungen vom Durchschnitt nehmen zu. Daraus zieht Saß den Schluß: "Aus der Verschärfung der Profitratenunterschiede muß die Schlußfolgerung gezogen werden, daß sich die Möglichkeiten für die Mobilität des Kapitals verschlechtert haben ." (25) Das heißt für ihn: "Läßt sich jedoch langfristig keine Annäherung zwischen Branchen-Profitrate und Durchschnittsprofitrate beobachten, so kann selbst von einem tendenziellen Profitraten-Ausgleich keine Rede mehr sein." (26) Diese Feststellung wird weiter unten durch den Nachweis erhärtet, daß die Hierarchie der Branchen-Profitra- ten stabil ist. (49) Im Fall des Bergbaus muß allerdings angemerkt werden, daß in an- deren Branchen rentabilitätsverbessernde Faktoren dort rechne- risch umgekehrt wirken. Eine Verringerung des Anlagevermögens steigert bei positivem Besitzeinkommen die Rentabilität, läßt sie aber bei 'Besitzverlusten' weiter ins Minus rutschen. Das dürfte sich bei der Berechnung der Variationskoeffizienten verzerrend bemerkbar machen. Bei einem Vergleich mit den Ergebnissen von Zschocke - er berech- net die Branchen-Profitraren nur für das Abschwungsjahr 1962, Saß für den gesamten Untersuchungszeitraum - zeigen sich einige Un- terschiede. Insgesamt ist die Rentabilität bei Saß niedriger als bei Zschocke. Das hängt einmal damit zusammen, daß dort die Pro- fitsumme höher ist als das Besitzeinkommen, während das vorge- schossene Gesamtkapital bei Zschocke etwas größer ist als bei Saß. Im Verlauf der Profitrate gibt es zwischen Saß und Zschocke allerdings keine großen Differenzen, sowohl langfristig als auch konjunkturell. Auch die Rangfolge der Branchen-Profitraten ist - bezieht man sie nur auf das Jahr 1962 - bei beiden Autoren ähn- lich. Saß versucht nun, durch die Berechnung von Korrelationen zwischen den Profitraten-Differenzen und verschiedenen möglichen verursa- chenden Faktoren die Bestimmungsgründe der Unterschiede zu ermit- teln. Dabei wird festgestellt, daß es zwischen Profitrate und Konzentrationsgrad keinen signifikanten Zusammenhang gibt, wobei als Konzentrationsmaß der Anteil der 10 größten Unternehmen am Umsatz der jeweiligen Branche gilt. Der Autor schränkt seine Aus- sage selbst ein: "Aus den Ergebnissen der eben diskutierten Kor- relationsanalyse (zwischen Branchenprofitraten und Konzentration, J.G.) können indes noch keine verallgemeinernden Schlußfolgerun- gen abgeleitet werden, durch die der positive Einfluß der Unter- nehmenskonzentration auf die Profitrate verneint würde." (33) Denn das Konzentrationsmaß sagt z. B. noch nichts über die Markt- verhältnisse aus: die Branchen umfassen ganz unterschiedliche Teilmärkte, die Existenz von großen Unternehmen hat jeweils an- dere Konsequenzen, je nachdem ob die restlichen Marktanteile breit gestreut sind oder ob der Markt insgesamt zwischen relativ gleich starken Unternehmen aufgeteilt ist. Außerdem - so Saß - prüft der Korrelationskoeffizient nur lineare Zusammenhänge, d.h. er untersucht, ob bei einem Anstieg des Konzentrationsmaßes um 10 Prozent sich die Profitrate entsprechend verändert. Es ist aber anzunehmen, daß erst ab einem bestimmten Konzentrationsgrad Aus- wirkungen auf die Profitrate festzustellen sind, d.h. ein etwai- ger Zusammenhang wäre sicher nicht linear. Zudem - auch darauf weist Saß hin - kann Konzentration auch eine Reaktion auf ungün- stige Verwertungsbedingungen sein, d.h. Monopolisierung hätte dann die Funktion, das Sinken der Profitrate aufzuhalten. Mono- polprofite müssen also nicht unbedingt hohe Profite sein. Schließlich muß noch einmal darauf verwiesen werden, daß in der von Saß berechneten Profitrate nur einige Determinanten monopoli- stischer Profitdifferenzierung Eingang finden, soweit sie direkt über den Markt realisiert werden. Andere Momente wie Steuern, Kredit, Beherrschung abhängiger Unternehmen werden nicht erfaßt. Der Begriff des Monopols kann nicht allein durch die Größe von Marktanteilen definiert werden. Eine schwache Korrelation berechnet Saß zwischen Preisbewegung und Branchenprofitrate, wobei sich der Zusammenhang im Zeitablauf etwas verstärkt. Es ist allerdings nicht linear, d.h. das Pro- fitratenniveau kann nicht allein durch den Preisanstieg erklärt werden. Zwischen der Arbeitsproduktivität und dem Profitratenniveau ist ebenfalls kein Zusammenhang festzustellen, der Zusammenhang zwi- schen Kapitalproduktivität und Profitrate ist nur in den sechzi- ger Jahren - und da schwach - festzustellen: vor allem in Bran- chen mit hoher Profitrate ist ein Rückgang der Kapitalproduktivi- tät zu registrieren. Sehr deutlich ist der Zusammenhang zwischen Lohnhöhe und Pro- fitrate, d.h. in Branchen mit einem niedrigen Lohnniveau ist die Profitrate hoch: vor allem der Frauenanteil spielt eine Rolle. Saß: "Der in der westdeutschen Industrie bestehende Zusammenhang zwischen interindustrieller Profitraten-Hierarchie und Lohnstruk- tur deutet somit darauf hin, daß das in verschiedenen Industrie- zweigen unterdurchschnittliche Lohnniveau von den Betrieben in einen langfristigen Profitraten-Vorteil umgesetzt werden konnte." (43/44) Ob dieser statistische Zusammenhang auch ein Ursachenzusammenhang ist, muß dahingestellt bleiben. Denn die Branchen mit hoher Pro- fitrate sind in der Regel nicht nur die mit niedrigen Löhnen, sondern auch die mit niedriger organischer Zusammensetzung des Kapitals. Eine wichtige Rolle in der Argumentation von Saß spielt die "Konkurrenzintensität". Ein Zusammenhang zwischen Branchen-Pro- fitrate und dieser Größe kann nur für die sechziger Jahre errech- net werden. Die inhaltliche Fragestellung, die hinter dem rechnerischen Er- gebnis etwas verschwindet, lautet: kann eine hohe Branchen-Pro- fitrate durch niedriges Kapitalstockwachstum erklärt werden? Würde diese Frage bejaht, so könnte belegt werden, daß hohe Pro- fitraten dadurch zustande kommen, daß der Kapazitätsausbau mit dem Ziel der Preishochhaltung gebremst wird, daß die freie Kapi- talwandetung gehemmt ist. Berechnet wird die "Konkurrenzintensität", indem von der Rangfol- gezahl der Branchen-Profitrate die Rangfolgezahl im Tempo des Ka- pazitätsausbaus abgezogen wird. Es ergeben sich Ziffern für die Konkurrenzintensität, aus denen wiederum eine Rangfolge aufge- stellt wird. Die Korrelationsrechnung prüft nun den Zusammenhang zwischen der Rangfolge der Profitrate und der Rangfolge der Kon- kurrenzintensität. Dieser Zusammenhang existiert dann, wenn eine hohe Position in der Rangfolge der Konkurrenzintensität mit einer niedrigen Position im Rang der Profitrate zusammentrifft. Das ist natürlich nur dann der Fall, wenn eine hohe Rangfolge im Tempo des Kapazitätsausbaus mit einer niedrigen Profitrate und ein niedriges Tempo des Kapazitätsausbaus mit einer hohen Profitrate zusammentrifft. Es wäre also naheliegender gewesen, wenn der Au- tor die Korrelation von Kapazitätsausbautempo und Profitraten- rangfolge berechnet hätte, ohne den mißverständlichen Umweg über die "Konkurrenzintensität". Denn die Annahme, daß bei einer hohen Profitrate und einem hohen Tempo des Kapazitätsausbaus die Kon- kurrenz groß ist, muß durchaus nicht plausibel sein. Das Tempo des Kapazitätsausbaus hängt auch mit der erwarteten Nachfrageent- wicklung in der angenommenen Branche zusammen. Eine strukturell wachsende Branche kann durchaus im Verhältnis zu einer struktu- rell schrumpfenden Branche einen raschen Kapazitätsausbau haben, der aber trotzdem dazu dient, die Profitrate durch Angebotsver- knappung hoch zu halten. Die strukturell schrumpfende Branche mag bei niedriger Profitrate auch einen langsamen Kapazitätsausbau haben, trotzdem kann in der ersten Branche weniger Konkurrenz als in der zweiten herrschen. Die Rechnung von Saß ergäbe in diesem Fall keinen Einfluß der "Konkurrenzintensität" auf die Pro- fitrate, obwohl tatsächlich die hohe Profitrate in der expandie- renden Branche durch künstliche Angebotszurückhaltung zustande gekommen ist. Darüber hinaus ist auch die Rechnung mit Rangfolgeziffern proble- matisch. Denn in der Korrelationsrechnung wird der Abstand zwi- schen den Rängen ignoriert. Es könnte aber durchaus sein, daß bei einer Gruppe von dicht beeinanderliegenden Branchen - sowohl nach der Höhe der Profitrate als auch nach dem Tempo des Kapazitäts- ausbaus - kein signifikanter Zusammenhang der Rangfolgen exi- stiert, während bei weit auseinanderliegenden Branchen, d.h. Branchen mit einer sehr hohen, vom Durchschnitt stark abweichen- den Profitrate und einem hohen Tempo des Kapazitätsausbaus dieser Zusammenhang existiert. Für die Aussage wäre diese Gruppe von Branchen weit gewichtiger als der nicht sichtbare Zusammenhang bei den Branchen, die dicht am Durchschnitt liegen. In der Rech- nung wird jedoch kein Unterschied der Wichtigkeit gemacht. Getrennt davon wird eine Korrelation zwischen Umsatzwachstum und Profitratenniveau berechnet, wobei ein teilweise gesicherter Zu- sammenhang nur im Zeitraum 1960-1967 festzustellen ist. Es wäre hier sicher besser gewesen, wenn nicht die Umsatz-, sondern die Absatzentwicklung genommen worden wäre. So würde eine Umsatzex- pansion, die durch Absatzausweitung bei stabilen Preisen bewirkt ist, die Profitrate anders beeinflussen als eine vorwiegend auf Preiserhöhungen zurückzuführende Umsatzausweitung. Da weder ein durchgängiger gesicherter Zusammenhang zwischen Kon- kurrenzintensität (d.h. dem Tempo des Kapazitätsausbaus) und Branchen-Profitrate auf der einen und zwischen Umsatzwachstum und Profitraten-Rangfolge auf der anderen Seite festzustellen ist, zwischen den beiden Faktoren aber eine Beziehung untereinander anzunehmen ist, versucht Saß, ihren gemeinsamen Einfluß auf die Branchen-Profitraten mit Hilfe einer multiplen Korrelationsana- lyse festzustellen. Dabei ergibt sich eine wahrscheinlichkeitstheoretisch gesicherte Korrelation, d.h. man kann davon ausgehen, "daß in der Bundesre- publik zu jedem Zeitpunkt ein enger Zusammenhang zwischen Pro- fitrate, Konkurrenzintensität und Umsatzwachstum der Industrie- zweige bestanden hat". (51) Damit hält Saß seine zentrale Aussage für empirisch belegt: "Die über längere Fristen zu spürende Verzögerung in der Anpassung der sektoralen Angebotsstruktur an die veränderte Zusammensetzung der Nachfrage muß so (genau wie eine wirksame Wettbewerbseinschrän- kung) als Schwäche des Marktmechanismus angesehen werden." (50) Das heißt, die Profitratendifferenzen - die im Zeitablauf ja grö- ßer geworden sind - resultieren vor allem aus dem im Verhältnis zur Nachfrageentwicklung verzögerten Kapazitätsausbau, die freie Kapitalwanderung, die zu einer Anpassung der Kapazitäten führen müßte, ist gehemmt. Trotz der an den Berechnungsmethoden und an der Orientierungs- größe "Sachvermögensrentabilität" geübten Kritik ist dieses Er- gebnis immerhin so interessant, daß sich eine Weiterführung der Arbeit sicher lohnen würde. Denn an dem Punkt, an dem Saß seine Arbeit beschließt, sind seine Ergebnisse noch nicht geeignet, den Charakter und die Richtung von Kapitalwanderungen bestimmen zu können. Immerhin sind sie doch ein Hinweis dafür, daß die Durchschnittsprofitrate als re- ales Schwankungszentrum unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht mehr wirksam ist. Allerdings stellt Saß lediglich fest, daß der Ausgleich nicht funktioniert. Damit sind aber, wie er selbst ein- räumt, "die den Wettbewerb begrenzenden und die Profitraten-Un- terschiede konstituierenden Faktoren noch nicht identifiziert". (63) Ob die gehemmte Kapitalwanderung auf den hohen Grad der Ka- pitalfixierung, auf monopolistische Zugangsbeschränkungen oder auf die kompensierenden Eingriffe staatlicher Lenkungsmaßnahmen zurückzuführen ist, kann nicht geklärt werden. Schließlich bleibt die Annahme der Branchenzugehörigkeit als Bestimmungsgrund der Profitrate eine bloße Annahme. In einem kurzen Schlußkapitel skizziert Saß einige notwendige weitere Untersuchungsschritte , die vor allem - entgegen seinem Branchen-Konzept - auf der Unternehmensebene anzusetzen hätten. Es wären dann weitere Determinanten für Profitraten-Unterschiede einzuführen und ihre Auswirkungen auf den Reproduktionsprozeß zu untersuchen. Er betont am Schluß, daß das Verhalten der Unterneh- men nicht bloß als reaktives Ergebnis vermachteter Märkte anzuse- hen ist - wie ja aus seinen Ergebnissen auch abgelesen werden kann -, sondern als Folge ihrer ökonomischen Aktivität. "Konkurrenz muß demgegenüber als Auseinandersetzung zwischen den Unternehmen um die Aneignung des Profits verstanden werden, wobei die Bedingungen dieser Auseinandersetzung für das einzelne Unter- nehmen prinzipiell variabel und damit beeinflußbar sind." (64) Kritisch anzumerken bleibt allerdings, daß dem Autor die politi- sche, über den Staat vermittelte Dimension dieses Prozesses völ- lig aus dem Blickfeld gerät. Mehrwertrate und Ausbeutungverhältnis - die Arbeiten von Tammer --------------------------------------------------------------- Hans Tammer, Wachsender Ausbeutungsgrad der Arbeiter und Ange- stellten in der BRD - Die Entwicklung der Mehrwertrate von 1950 bis 1975, in: IPW-Berichte, 6/77, S. 11-22, Berlin/DDR. Hans Tammer, Profite und Profitraten in der BRD-Industrie, in: IPW-Berichte 6/78, S. 12-24. Bei vielen Arbeiten zur Ermittlung der Profitrate fällt auf, daß bei der Errechnung des variablen Kapitals und des Mehrwerts oft recht willkürliche Schätzungen zugrunde gelegt werden. Das be- trifft vor allem die Behandlung des gesellschaftlich vermittelten Teils der Reproduktionskosten der Arbeitskraft. Ein erheblicher Teil der unterschiedlichen Ergebnisse läßt sich auf Unterschiede bei der Erfassung der Mehrwertrate zurückführen, auf die relativ wenig rechnerische Sorgfalt verwendet wird. Tatsächlich aber ist die Mehrwertrate die die Verwertungsverhältnisse eigentlich regu- lierende Kategorie, sie ist das Wesen der Profitrate. "Mehrwert und Rate des Mehrwerts sind, relativ, das Unsichtbare und das zu erforschende Wesentliche, während Profitrate und daher die Form des Mehrwerts als Profit sich auf der Oberfläche der Erscheinun- gen zeigen." 73) Der geringe Aufwand, der bei der Ermittlung von Mehrwert und va- riablem Kapital oft gemacht wird, dürfte darauf zurückzuführen sein, daß viele Autoren sich direkt oder indirekt bemühen, die ökonomische Entwicklung der BRD aus dem Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate abzuleiten, wobei der Hauptaugenmerk auf die organische Zusammensetzung des Kapitals gerichtet ist. Hans Tammer dagegen widmet sich - in der Folge von Varga und Wy- godski 74) - zunächst den Problemen, die mit der veränderten Be- deutung der produktiven Arbeit und den wachsenden, über gesell- schaftliche Fonds umverteilten Lohnteilen bei der empirischen Er- mittlung der Mehrwertrate und später auch der Profitrate verbun- den sind. Da seiner Ansicht nach "für die BRD eine alle produktiven Berei- che erfassende Analyse nicht möglich" ist (6/77/13), bezieht er seine Berechnungen nur auf das produzierende Gewerbe, d. h. Berg- bau, Energiewirtschaft, verarbeitendes Gewerbe und Bau Wirt- schaft. Außerdem versucht er, sich durch Ausschaltung der Unter- nehmen mit weniger als 10 Beschäftigten auf die kapitalistischen Betriebe zu beschränken. "Das Untersuchungsgebiet ist folglich genügend repräsentativ für Verallgemeinerungen und grundsätzliche Aussagen hinsichtlich der ermittelten Mehrwertrate als Ausdruck des Ausbeutungsgrades der Arbeiter und Angestellten durch das herrschende Kapital in der BRD." (6/77, 14) Dieser Feststellung kann deshalb nicht vorbe- haltlos zugestimmt werden, weil die nicht berücksichtigten Berei- che der Wert- und Mehrwertproduktion wie z.B. Transport und Ver- kehr, Land- und Forstwirtschaft, aber auch produktive Funktionen im Handel zwar quantitativ nicht sehr ins Gewicht fallen, aber doch durch die unterschiedliche Verteilung des Mehrwerts über die gesellschaftlichen Bereiche das Gesamtergebnis beeinflussen kön- nen. Auf der Datengrundlage der VGR geht Tammer vom um die indirekten Steuern (plus Subventionen) bereinigten Bruttoptoduktionswerte aus. Aus der Differenz von Produktionswert und Vorleistungen im Handel errechnet er die Handelsspanne, die er dem Produktionswert des produzierenden Gewerbes zuschlägt. 75) Davon setzt er die um Mieten, Pachten, Zinsen usw. bereinigten Vorleistungen ab und er- hält das Wertprodukt bzw. das Nationaleinkommen. Die größten Probleme bereitet die Ermittlung des angewandten va- riablen Kapitals. Als produktive Arbeiter werden die Arbeiter (entsprechend der versicherungsrechtlichen Abgrenzung) und die technischen Angestellten begriffen. Für diese Gruppe gelten alle weiteren Rechnungen. Von deren Bruttolöhnen werden alle staatli- chen Abgaben abgesetzt. Auch die anteilig berechneten indirekten Steuern werden abgezogen - was insoweit konsequent ist, als Tam- mer die indirekten Steuern ja schon bei der Errechnung des Wert- produkts außer acht gelassen hatte. Entsprechend dem Verhältnis der produktiven Arbeiter zur Gesamtzahl der Erwerbstätigen wird nun der vom Staat für soziale Aufgaben verausgabte Betrag antei- lig ermittelt und dem Geldlohn der produktiven Arbeiter zuge- schlagen. Das variable Kapital enthält nun beide Momente der Re- produktionskosten der Arbeitskraft, die individuell über den Geldlohn und die gesellschaftlich übet die öffentlichen Haushalte vermittelten Teile. Dabei ergibt sich ein leicht ansteigender An- teil des staatlich vermittelten variablen Kapitals, aber sein An- teil an den eingezogenen Steuern und Sozialabgaben sinkt. Das so ermittelte variable Kapital läßt nun die Berechnung der Mehrwert- masse und der Mehrwertrate zu. Zwischen 1950 und 1975 schwankt die Mehrwertrate im zyklischen Ablauf ähnlich wie bei den Ergebnissen des PKA. Allerdings steigt bei Tammer die Mehrwertrate über die Zyklen hinweg eindeutig an, d. h. der Ausbeutungsgrad wächst. Dagegen hatte das PKA eine eher fallende Tendenz ermittelt, wobei nur der 5. Zyklus diese Entwicklung unterbrochen hatte. 76) Die Ursache für diesen Unterschied scheint nicht in der Beschrän- kung Tammers auf das produzierende Gewerbe zu liegen, sondern bei der Berechnung des variablen Kapitals. Während das Wertprodukt bei beiden Untersuchungen etwa gleich schnell ansteigt, wächst das variable Kapital bei Tammer langsamer, der Mehrwert schneller als beim PKA. Die Frage, wie die verschiedenen Abzüge vom Brutto- lohn behandelt werden sollen, ist offensichtlich für die Ermitt- lung des Ausbeutungsgrads, der ja schließlich regulierend hinter der Profitrate steckt, von erheblicher Bedeutung. Es muß Tammer als Verdienst angerechnet werden, daß er dieses Problem wahrge- nommen und differenzierter als die übrigen Autoren behandelt hat. Erst in einer Fortsetzung seiner Arbeit ermittelt Tammer auch die Profitraten, wobei er sich auf die in der Bilanzstatistik des Statistischen Bundesamtes erfaßten Aktiengesellschaften des pro- duzierenden Gewerbes und die Entwicklung seit 1961 beschränkt. Der dort produzierte Mehrwert wird entsprechend der oben geschil- derten Methode berechnet. Die Mehrwertrate des erfaßten Bereichs unterscheidet sich weder in der Höhe noch in der Tendenz von der gesamtgesellschaftlichen Mehrwertrate des gesamten produzierenden Gewerbes, in einzelnen Jahren gibt es allerdings Verschiebungen. Das Hauptproblem bei der Profitratenberechnung ist die Ermittlung des vorgeschossenen Kapitals. Ausgangspunkt sind für Tammer nicht die Buchwerte, sondern die Bruttoanlageinvestitionen der Unter- nehmen, aus denen er mit Hilfe der Lebensdauerfunktionen des DIW zunächst das jeweilige Bruttoanlagevermögen ermittelt. Dessen Entwicklung (zu Preisen von 1970) stellt er dar, um Informationen "über die reale Entwicklung des Produktionspotentials" zu gewin- nen. (6/78, 17) Da Qualitätsveränderungen durch die Setzung zu konstanten Preisen nicht ausgeschaltet werden können, kann das Produktionspotential - bezogen auf die Produktmenge - so nur sehr ungefähr ausgedrückt werden. Durch die Ermittlung der Abschrei- bungen - die ja schon bei der Berechnung des Mehrwerts zugrunde lagen - erhält Tammer das Nettoanlagevermögen zu Wiederbeschaf- fungspreisen. Das so berechnete vorgeschossene fixe und das aus den bilanzier- ten Vorräten für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe, sowie Halbfer- tigerzeugnisse zu jeweiligen Preisen gebildete zirkulierende Ka- pital ergeben das konstante Kapital, während das vorgeschossene variable Kapital aus der Summe der verausgabten Lohnsbestandteile - berechnet entsprechend der oben wiedergegebenen Methode -, di- vidiert durch die aus Vorräten und Jahresverbrauch an Vorproduk- ten ermittelte Umschlagshäufigkeit errechnet wird. Es ergibt sich die organische Zusammensetzung des Kapitals - die allerdings, daran sei hier noch einmal erinnert, nur einen Aus- schnitt des gesellschaftlichen Gesamtkapitals wiedergibt. Da z.B. staatlich entwertete Kapitalteile ausgeklammert werden, darf die Entwicklung im untersuchten Bereich auch nicht als Index für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung verstanden werden. Wie ein Vergleich der drei großen Chemiekonzerne zeigt, verändert sich die Kapitalzusammensetzung sprunghaft und weist von Jahr zu Jahr große Differenzen auch innerhalb der Branche auf. Das kann nicht nur durch das unterschiedliche Produktionsprofil, also durch technologische Faktoren erklärt werden, sondern drückt Willkürlichkeiten bei der Bewertung von Vorratsvermögen, eine be- stimmte Lagerhaltungsstrategie, Auslastungsschwankungen usw. aus. Die auf dieser Grundlage berechnete Profitrate (mit und ohne Be- rücksichtigung der Handelsspanne) weist eine fallende Tendenz auf, bei typischen zyklischen Schwankungen. Ein Vergleich mit den Ergebnissen anderer Autoren zeigt erneut, wie stark sich die me- thodischen Unterschiede bei der Ermittlung des variablen Kapitals auswirken. So ist bei Zschocke die organische Zusammenserzung im Durchschnitt 10:1, bei Tammer aber 30:1. Allerdings müssen bei einem Vergleich der Profitraten mit den Er- gebnissen anderer Autoren die kategorialen Unterschiede im Auge behalten werden. Denn Tammer bezieht den produzierten Mehrwert nur auf das produktive Kapital, berechnet es also vor dem Aus- gleich zur gesamtgesellschaftlichen Profitrate, während das PKA auch das kommerzielle Kapital in seinem Anspruch auf Mehrwert- teile berücksichtigt und Zschocke nur den industriell realisier- ten Teil des Mehrwerts auf das produktive Kapital bezieht. Als ein weiterer Unterschied fällt auf, daß Tammer zu dem klaren Ergebnis kommt: der Fall der Profitrate wird durch die wachsende organische Zusammensetzung des Kapitals bestimmt, die steigende Ausbeutungsrate reicht nicht aus, um deren Wirkungen zu kompen- sieren. Schließlich untersucht Tammer die Entwicklung der Profitraten bei den sechs größten Konzerngruppen, 77) die deutlich übet dem Durchschnitt liegen, allerdings ebenfalls eine fallende Tendenz aufweisen. Die Differenz, die er ermittelt, kann dabei sowohl eine Folge der günstigeren Marktposition als auch der rationelle- ren Verwertungsmöglichkeiten im Rahmen eines solchen Konzerns sein. Eine andere, wichtige Dimension monopolistischer Profita- neignung, die außerhalb der unmittelbaren Produktion erfolgt, kann mit seiner Methode natürlich nicht ermittelt werden. Die Möglichkeiten, die durch finanzkapitalistische Operationen usw. entstehen, werden daher auch nur angedeutet. Tammers Feststel- lung: "Die Wirkungen des Gesetzes vom tendenziellen Fall der Pro- fitrate können sie jedoch auch für ihr Kapital nicht außer Kraft setzen" (6/78, 24), kann daher nicht ohne weiteres zugestimmt werden. Denn durch die Berechnungsmethode werden solche monopoli- stischen Aneignungsprozesse ausgeschlossen, die außerhalb der Sphäre der Produktion erfolgen. Es ergeben sich erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Unternehmen, wobei allerdings die Unterschiede zwischen den drei großen Chemiekonzernen relativ gering sind. Diese Differenzen zwischen den Profitraten sind nach Tammers Ansicht für die Erklä- rung des Reproduktionsprozesses aber weniger wichtig: "Es handelt sich bei ihnen jedoch durchaus nicht um Unterschiede der Kapital- verwertung von Unternehmen einander gegenüberstehender Mono- polgruppen, sondern im Grunde nur um Unterschiede zwischen Kon- zernunternehmen, die zu ein und derselben Finanzgruppe gehören." (6/78, 24) Ob eine Tendenz zum Ausgleich der Profitraten exi- stiert, könnte unter diesen Voraussetzungen also nur in bezug auf die entsprechenden finanzkapitalistischen Gruppierungen unter- sucht werden. Damit spricht Tammer eines der Probleme an, die bei der Untersu- chung des konkreten historischen Zusammenhangs von Verwertungsbe- dingungen und ökomomischer Entwicklung zu untersuchen sind. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren geht er davon aus, daß durch die Aufdeckung der Verwertungsverhältnisse nur ein "Beitrag zur Analyse der spezifisch staatsmonopolistischen Formen der Ausbeu- tung sowie der Reproduktion des Kapitals und der Arbeitskraft der Werktätigen geleistet werden" kann. (6/77, 11) Es wird bei weite- ren Arbeiten über die konkreten Formen des kapitalistischen Re- produktionsprozesses zu zeigen sein, inwieweit diese Ergebnisse als Erklärungsgrundlage tauglich sind. Die Erfassung der Verwertungsbedingungen ---------------------------------------- mit Hilfe von Bilanzanalysen ---------------------------- Die inneren Verwertungsbedingungen einer kapitalistischen Gesell- schaft sind für die ihre Entwicklungsdynamik bestimmenden Einzel- kapitale unsichtbar. Sie sind nur in der Form bestimmend, in der sie an die Oberfläche treten und als einzelkapitalistischer Pro- fit sichtbar werden. Die bisher diskutierten Autoren hatten es sich - wenn auch auf unterschiedlichen Abstraktionsebenen anset- zend - zum Ziel gesetzt, die eigentlich regulierende Kategorie, die inneren Verwertungsbedingungen in der Produktion, aufzudec- ken. Dabei wurde mehr oder weniger bewußt davon ausgegangen, daß die inneren Verwertungsbedingungen "irgendwie" auch die einzelka- pitalistischen Gewinne bestimmen und über diesen Umweg auch die wirtschaftlichen Entwicklungen determinieren. Vorausgesetzt wer- den muß also, daß die Profitrate - wenn auch in einer mystifi- zierten Form - zum Handlungsmotiv des Einzelkapitalisten wird, sich also im einzelkapitalistischen Profit wiederfindet. Zu kritisieren ist dabei nicht diese Grundannahme - zu oft wird aber darüber vergessen, daß die Wirkungsweise der allgemeinen Ge- setze, der Zusammenhang zwischen den inneren Verwertungsbedingun- gen, ihrer Erscheinungsweise als einzelkapitalistischer Profit und dessen Auswirkungen auf die Akkumulation unter bestimmten hi- storischen Bedingungen damit noch nicht analysiert ist. Wenn also der Rückschluß von den inneren Verwertungsbedingungen auf die Er- scheinungsebene reale Beziehungen ausdrückt, so ist es nahelie- gend, auch den umgekehrten Weg zu gehen, d.h. von der Erschei- nungsform auf der Oberfläche auf die inneren Verwertungsbedingun- gen zu schließen. Dieser Gedanke scheint um so plausibler, als die empirischen Probleme auf den ersten Blick geringer zu sein scheinen. Ausgangspunkt wäre dann die Darstellung der allgemeinen Profit- rate in der Form, in der sie auch dem Einzelkapital sichtbar ist. Vorausgesetzt ist also, daß eine Verschlechterung der einzelkapi- talistischen Verwertungsbedingungen auch eine Verschlechterung der inneren Verwertungsverhältnisse reflektiert. Einen solchen Weg gehen die Bilanzanalysen, wobei allerdings die jeweiligen Ziele durchaus unterschiedlich sind. So besteht oft keine Klarheit über die Abstraktionsebene, auf der der jeweils ermittelte Begriff im Verhältnis zur empirischen Oberfläche angesiedelt ist. Während auf der einen Seite nur der einzelkapitalistische Profit aus den verschleiernden Informatio- nen der Unternehmer herausgeschält werden soll, wird auf der an- deren Seite versucht, den Profit als regulierende Kategorie aus- findig zu machen. In diesen Fällen ist nur das empirische Aus- gangsmaterial ein anderes als bei den bisherigen Ansätzen, Ziel ist die Aufdeckung der inneren Verwertungsbedingungen. Als Beispiel für diesen Ansatz kann eine ältere Arbeit von Tammer und Warnke dienen. Die Ermittlung der Profite durch Bilanzentschleierung - ------------------------------------------------------- die Bilanzanalysen von Tammer und Warnke ---------------------------------------- Hans Tammer, Die Profite der Aktiengesellschaften in der BRD-In- dustrie 1961 bis 1969, in: DWI-Berichte, Berlin/DDR, 10/71, S. 13-22. Hans Tammer, Bruno Warnke, Kapitalvorschüsse und Profitraten der Aktiengesellschaften der BRD-Industrie, in: DWI-Berichte, 12/71, S. 14-31. Ausgangspunkt sind die Abschlüsse von etwa 1000 Aktiengesell- schaften der Industrie entsprechend der Bilanzstatistik des Sta- tistischen Bundesamtes. Indem von der Gesamtleistung die Kosten für Rohstoffe, Abschreibungen sowie Löhne und Gehälter abgezogen werden, ergibt sich der industrielle Bruttoprofit, der noch um die Steuern bereinigt wird. "Der übrige, in der Regel der größere Teil, steht unmittelbar den Kapitalisten als Nettoprofit zur Ver- wendung in der privaten Sphäre zur Verfügung". (10/71, S. 20) Die so gebildete Kategorie "Nettoprofite" - wegen der Beschrän- kung auf die Aktiengesellschaften als Monopolprofit bezeichnet - ist aber in mehrfacher Hinsicht unklar abgegrenzt. Auf der einen Seite wird nur der in der Produktion erzielte bzw. in diesem Rahmen angeeignete Monopolprofit ermittelt, während über finanzkapitalistische Beziehungen erwirtschaftete Gewinn- teile ausgeklammert werden. Der so ermittelte Nettoprofit ist also nicht mit den tatsächlichen einzelwirtschaftlichen Gewinnen identisch. Auf der anderen Seite aber entspricht er auch nicht den produzierten Profiten, da bei der Behandlung des Handelspro- fits und der Löhne der Kostenstandpunkt des Einzelkapitalisten eingenommen wird. Problematisch ist auch die Behandlung der Zin- sen sie sind gesamtgesellschaftlich sicher Profite, stellen aber einzelwirtschaftlich Kosten dar. Die Autoren zählen sie unter die Profitteile, nehmen hier also einen gesamtgesellschaftlichen Standpunkt ein. Der "Nettoprofit" drückt in dieser Form kategorial also weder die Verwertungsbedingungen in der Produktion noch den einzelkapitali- stischen Monopolprofit aus, wie er nach der Aufteilung erscheint. Im zweiten Teil der Veröffentlichung wird der so berechnete Pro- fit auf das vorgeschossene Kapital bezogen, wobei die Autoren aber über die Berechnungsmethode hier keine näheren Angaben ma- chen. Grundlage sind die Bilanzen, die Restbuchwerte werden aber nur als Ausgangspunkt für eigene Schätzungen genommen. Die sich ergebenden Bruttoprofitraten (einschließlich Steuern) weisen - infolge der wachsenden organischen Zusammensetzung - eine deut- lich sinkende Tendenz auf, während die Nettoprofitraten im unter- suchten Zeitraum gestiegen sind. Bei den sechs untersuchten Branchen ergeben sich allerdings ge- wisse Unterschiede auch in der Tendenz: so steigen in der chemi- schen Industrie auch die Bruttoprofitraten, während in der Tex- tilindustrie die Nettoprofitrate leicht zurückgeht. Erwähnenswert ist auch die Tatsache, daß die hier berechnete Rangfolge anders ist als bei den Beziehungen von Zschocke: vor allem die chemische Industrie hat bei Tammer eine vordere Position, bei Zschocke eine hintere. Auch sind die Unterschiede zwischen den Branchen bei Tammer größer als bei Zschocke. Auf die im einzelnen durchaus bezüglich der Verteilungsverhält- nisse, der Rolle der Steuern, der Unterschiede zwischen den Branchen usw. interessanten Berechnungsergebnisse soll hier je- doch nicht weiter eingegangen werden, da die beiden Aufsätze im Vergleich zu den oben diskutierten Arbeiten von Tammer als Vorar- beiten verstanden werden können, während einige mit dem Bilanz- sentschleierungsansatz verbundenen Probleme im Zusammenhang mit anderen Arbeiten des Instituts für Internationale Politik und Wirtschaft (IPW) diskutiert werden sollen. Die Entwicklung der Monopolprofite - die Bilanzanalysen des IPW --------------------------------------------------------------- "Die Profite der Konzerne", in: Deutsches Wirtschaftsinstitut (DWI). Bericht 24. Berlin/DDR, Dezember 1961, S. 471-476. Jährlich fortgesetzt, die letzte erfaßte Veröffentlichung: Hans Tammer, Die Profite der BRD-Industriekonzerne im Jahre 1976, in. IPW-Berichte 12/77, S. 33-42. Das Institut für Internationale Politik und Wirtschaft (IPW), vormals Deutsches Wirtschaftsinstitut (DWI) führt seit 1960 jähr- lich eine Untersuchung der Gewinne der 50 bzw. 100 größten Indu- strieunternehmen der BRD durch, die auf einer bestimmten Methode der Bilanzanalyse beruht. 78) Ermittelt werden sollen die "unmittelbar realisierten Bruttopro- fite", d.h. "die im Bereich des Handels, der Banken usw. auf diese Produktion realisierten Profite sind hier nicht enthalten". (12/66, 14) Es geht also um die einzelwirtschaftlich sichtbaren Erträge, wobei die Existenz monopolistischer Profitdifferenzie- rung angenommen wird. "Die sich aus der Analyse ergebenden Resul- tate sind damit in hohem Maße verallgemeinerungsfähig für die ge- samte monopolistische Industrie Westdeutschlands." (11"12/68, 2) Erträge aus Beteiligungen auf der einen Seite und Zinsen auf der anderen Seite werden eingerechnet. Der entschleierte "Nettoprofit" besteht aus dem bilanzierten Reingewinn, der Erhö- hung der ausgewiesenen Reserven, der Hälfte der "sonstigen Auf- wendungen", zwei Drittel der "sonstigen Sozialleistungen" und den überhöhten Abschreibungen. Die Probleme, die mit der empirischen Abgrenzung der Posten ver- bunden sind, sollen hier nicht diskutiert werden. Wichtig ist hier, ob der Gewinnbegriff auf der kategorialen Ebene konsequent ist. Ermittelt werden sollen nicht die Verwertungsbedingungen im engeren Sinne, es geht im Kern um die auf der Oberfläche erschei- nenden Verteilungsverhältnisse. Erkenntnisziel ist die Aufdeckung der von den einzelnen Konzernen angeeigneten Profitmasse, wobei vor allem die Beziehung Löhne- Profite als wichtigstes Moment der Klassenauseinandersetzungen interessiert. Außerdem sollen die Wirkungen der Steuern auf die Gewinnverhältnisse dargestellt und die Quellen der Gewinne der Einzelkapitale aufgedeckt werden. Während die Berechnungsmethode anfangs konsequent auf den einzel- wirtschaftlichen Gewinn gerichtet ist, wird Anfang der siebziger Jahre die Methode in einigen Punkten geändert. Insbesondere wer- den nun die Zinsaufwendungen als Gewinnbestandteil verstanden - während die Zinserträge gleichfalls als Gewinn gelten. Damit wird nicht nur die Ebene des einzelkapitalistischen Gewinns verlassen, es tritt auch die Gefahr von Doppelzählungen auf. Denn bei gegen- seitigen Kreditgeschäften würden Zinsaufwendungen und Zinserträge addiert werden. Gleichfalls werden nun die "sonstigen Aufwendungen" vollständig zum Gewinn gerechnet, d. h. sämtliche Transportkosten, Reparatur- kosten, Werbekosten usw. werden ebenso wie Aufsichtsratstantiemen und Spesen behandelt. Der sich nun ergebende "Nettoprofit" spie- gelt aber weder die erwirtschafteten Gewinne vor der Verteilung wider (dann wäre die Einbeziehung von Zinsen und "sonstigen Auf- wendungen", nicht aber die Ausklammerung der Steuern vertretbar), noch den angeeigneten einzelkapitalistischen Profit (dann wäre der Ausschluß der Steuern, nicht aber der anderen Posten vertret- bar). Die bis 1950 zurückgerechneten Daten ergeben einen ständigen An- stieg der Nettoprofitsumme, wobei die Steuerlast relativ sinkt, d. h. die Bruttoprofite steigen langsamer an. Nur in zwei Jahren, 1956 und 1975, werden absolute Einbrüche verzeichnet. Der Verlauf der Profitentwicklung entspricht im großen und ganzen dem Zyklen- verlauf, wobei man den Eindruck gewinnt, "daß die Entwicklung der Profite der der Industrieproduktion in der Tendenz jeweils um ein Jahr nachhinkt." (24/61, 11) Das Institut nimmt an, daß die Kon- zerne bei der Bilanzaufstellung für das abgeschlossene Geschäfts- jahr jeweils von der Situation des laufenden (d.h. folgenden) Jahres ausgehen und die Zahlen entsprechend manipulieren. Da es sich bei den errechneten Nettoprofiten bereits um eine "Entschleierung" handelt, würde damit eine praktisch grenzenlose Manipulierbarkeit der Basisdaten bei der Bilanzierung vorausge- setzt, wodurch natürlich die Aussagekraft der Ergebnisse der Ana- lysen - zumindest auf kurze Sicht - als sehr gering betrachtet werden müßte. Das Institut formuliert diesen Sachverhalt vorsich- tig: "Dies mag abschließend als zusätzlicher Beweis dafür dienen, daß die Aussage der kapitalistischen Bilanzen selbst bei sehr kritischer Durchleuchtung für allgemein wirtschaftliche Betrach- tungen nur mit der gebotenen Vorsicht benutzt werden darf." (ebd.) Dieses "Nachhinken" gilt übrigens nicht mehr für die siebziger Jahre, was teilweise mir einer veränderten Definition und Berech- nung des "Nettoprofits" zusammenhängen dürfte. Damit könnte der oben kritisierte Methodenwechsel gerechtfertigt werden - wenn es lediglich um die Darstellung der Entwicklungstendenzen ginge. Es ist klar, daß die Gewinnentwicklung aus der Bilanz um so deutli- cher herausgelesen werden kann, je mehr Posten, in denen potenti- ell Gewinnteile versteckt werden können, ganz einbezogen werden. Das ist ein Ansatzpunkt der z.B. der von Scheibe-Lange durchge- führten Kapitalflußrechnung zugrunde liegt. Er ist jedoch unge- eignet, solange die Verwertungsbedingungen selbst in irgendeiner Form Erkenntnisziel sind. 79) Der einzelkapitalistische Nettoprofit und die monopolistische ------------------------------------------------------------- Profitdifferenzierung - die Bilanzanalyse der Arbeitsgruppe ----------------------------------------------------------- Großunternehmen --------------- Arbeitsgruppe Großunternehmen (P. Flieshardt, U. Haupt, J. Huff- schmid, R. Sablotny, A. Sörgel). Gewinnentwicklung und Gewinnver- schleierung in der westdeutschen Großindustrie, 2 Bände, Köln 1977. Die an der Universität Bremen arbeitende "Arbeitsgruppe Großun- ternehmen" sucht explizit den vom Einzelkapital angeeigneten Ge- winn. Sie untersucht anhand der veröffentlichten Handelsbilanzen der 50 größten Unternehmensgruppen der Industrie die Entwicklung des "einzelkapitalistischen Nettoprofits" (68), d.h. des "tat- sächlich erwirtschafteten Gewinns" 80) im Zeitraum von 1967 bis 1975 (bzw. 1976) und vergleicht die Ergebnisse mit der ent- sprechenden Entwicklung bei den übrigen Aktiengesellschaften, d.h. soweit sie in die Bilanzstatistik des Statistischen Bundes- amtes aufgenommen werden. Die Gruppe geht von der Annahme aus, daß ein "grundsätzlicher Rentabilitätsvorsprung der Großunternehmen zu den entscheidenden Strukturmerkmalen der modernen westdeutschen Wirtschaft gehört". Das heißt nicht nur, "daß Großunternehmen in der Regel eine hö- here Gewinnrate als andere Unternehmen" haben. Angenommen wird auch, daß "die Gewinnrate der Großunternehmen... durch konjunktu- relle Krisen gar nicht oder zumindest später und weniger stark beeinträchtigt" wird, daß sich die Profitbedingungen immer mehr "differenzieren und polarisieren". (18) Diese Hypothese wäre gleichzeitig ein Erklärungsansatz für die Verschärfung der Krise und die anhaltenden depressiven Erschei- nungen, den Ausfall des konjunkturellen "Aufschwungs" nach 1975: denn während die monopolistische Profitstabilisierung in der Krise die Verwertungsschwierigkeiten der nichtmonopolistischen Kapitale verschärft und verlängert, verbietet die Profitstrategie der Monopole diesen gleichzeitig die Beschleunigung der Akkumula- tion in Form von Sachkapital. Findet also nach der Krise eine Verbesserung der Verwertungsvethältnisse vor allem bei den Mono- polen statt, so führt das zu keiner entsprechenden Beschleunigung der Akkumulation. Die These von der monopolistischen Profitdiffe- renzierung könnte also die Grundlage einer Stagnationserklärung bieten - wobei ein empirischer Beleg allerdings noch weitere Schritte notwendig macht. 81) Die These der Gruppe entspricht damit in einer Beziehung auch der Aussage von Saß, der ja auch eine fehlende "Konkurrenzintensität" zur Erklärung der Profitratenunterschiede heranzieht: die Unter- schiede vergrößern sich, weil die Branchen mit expandierender Nachfrage nicht gezwungen sind, die Kapazitäten entsprechend aus- zuweiten. 82) Mit diesem Ansatz ist allerdings auch implizit die Aussage verbunden, daß eine Veränderung der globalen Verwertungs- verhältnisse nicht als unmittelbarer Erklärungsansatz für die Tendenz der Wirtschaftsentwicklung benutzt werden kann. Es ist also der Versuch, einen der in den übrigen Analysen fehlenden Vermittlungsschritte zwischen der gesamtgesellschaftlichen Ver- wertung und ihrer Erscheinung auf der Ebene der Einzelkapitale zu tun. Es sollen im folgenden nicht alle Probleme der Gewinnermittlung diskutiert werden. Die Berechnungen basieren auf den veröffent- lichten Bilanzen, deren Posten umgruppiert bzw. deren Wertansätze in einigen Fällen verändert werden. Die wichtigsten Korrekturpo- sten sind die überhöhten Abschreibungen, die "sonstigen Aufwen- dungen", die Rückstellungen und die überhöhten Aufwendungen für Altersversorgung. Unterschiede zu der Berechnungsmethode bei Tam- mer, aber auch gegenüber der Handlungsanleitung des IMSF, ergeben sich bei den Abschreibungen und den "sonstigen Aufwendungen". 83) Aus den gewonnenen Gewinnzahlen errechnet die Arbeitsgruppe schließlich die "Eigenkapitalrendite", die als erscheinende Form der gesamtgesellschaftlichen Kapitalverwertung, d.h. der Pro- fitrate, gewertet werden kann. Dabei ergibt der Vergleich, daß die Rentabilität der Großkonzerne deutlich über der Rentabiltät der übrigen Aktiengesellschaften liegt und im Aufschwung die Großunternehmen rascher profitieren. Wollte man von der gesamtge- sellschaftlichen Profitrate Rückschlüsse auf die Wirtschaftsent- wicklung ziehen, so müßte demnach als ein Zwischenschritt die Verteilung der Profitrate auf die Einzelkapitale nach Maßgabe ih- rer Monopolpositionen erfolgen. Allerdings scheint auch hier ein einfacher Rückschluß vom Monopolisierungsgrad der Branche - ge- messen an den Marktanteilen - auf die Höhe der Profitrate nicht möglich zu sein, da die Reihenfolge der nach Branchen geglieder- ten untersuchten 50 Unternehmen etwa der von Saß bzw. Zschocke ermittelten entspricht. Allerdings macht die Arbeitsgruppe auch keine weiteren Versuche, Rückschlüsse auf Branchen zu ziehen. Denn die berechnete Branchenprofitrate der Großunternehmen scheint ohne große Aussagekraft: die Profitraten (Eigenkapital- rentabilität) differieren von Unternehmen zu Unternehmen erheb- lich. Monopolistische Differenzierung wirkt also nicht nur in bezug auf die Branchen, sondern auch auf die einzelnen Unter- nehmen. Monopolistische Positionen werden von der Arbeitsgruppe zudem nicht an Marktanteilen, sondern an Umsatzgrößen fest- gemacht, wodurch die gesellschaftliche Bedeutung eines Konzerns sicher auch adäquater ausgedrückt wird als durch Marktanteile. Die Arbeitsgruppe errechnet ähnlich wie Tammer einen Anstieg des Nettoprofits und der Eigenkapitalrentabilität bei den Großunter- nehmen, wobei auch hier zyklische Schwankungen festzustellen sind. Allerdings steigt beides auch bei den untersuchten übrigen Aktiengesellschaften. Es muß jedoch festgehalten werden, daß auch die Aktiengesell- schaften ohne die Großunternehmen nicht mit dem nichtmonopolisti- schen Bereich der Wirtschaft identisch sind, so daß die Untersu- chungsergebnisse nur Hinweise auf Unterschiede, nicht aber empi- risch abgesicherte Informationen über ihre Höhe bzw. über ihr Ausmaß geben können. Einen erheblichen Anteil am Anstieg der Eigenkapitalrendite sowohl der Großunternehmen als auch der übrigen Aktiengesell- schaften hat nach den Untersuchungen die Entwicklung der Steuer- last: ihr Anteil am Bruttoprofit geht in der Tendenz zurück. Eine spezifische Eigenart der Großunternehmen ist der hohe Anteil der Übertragungsprofite, die nicht aus der eigenen Produktion stam- men: im Durchschnitt der Jahre 1967-73 beläuft er sich auf 26 Prozent des Bruttoprofits. Bei den übrigen AG ist er niedriger, steigt allerdings ebenfalls. An diesem Punkt - darauf weist die Arbeitsgruppe hin - tritt eine Schwierigkeit auf: abgeführte Ge- winne Werden bei der abführenden Gesellschaft als Gewinnbestand- teil, bei der empfangenden Gesellschaft aber auch als Gewinn be- rechnet. Bestünden z.B. innerhalb der untersuchten Gruppe gegen- seitige Abhängigkeitsverhältnisse, die zu entsprechenden Transak- tionen führen, so würden bei einer Addition der Ergebnisse Dop- pelzählungen auftreten. Die Arbeitsgruppe rechtfertigt diese un- terschiedliche Behandlung mit der Ungleichheit der ökonomischen Machtpositionen der jeweiligen Gesellschaften (139). Trotzdem bringt die festgestellte steigende ökonomische Verknüpfung bei Unternehmensvergleichen Probleme mit sich: werden herrschende und beherrschte Gesellschaften jeweils zu Gruppen zusammengefaßt, so würde ein Vergleich die existierenden Unterschiede untertreiben. Der Gewinn der abhängigen Unternehmen wird im Grunde um die abge- führten Gewinnteile zu hoch ausgewiesen. Bei globalen Untersu- chungen, in denen die Erträge sowohl der abhängigen als auch der beherrschenden Gesellschaften zusammengefaßt werden - und bei den in der Bilanzstatistik des Statistischen Bundesamtes aufgeführten AG gibt es sicher solche gegenseitigen Abhängigkeiten - werden Posten, bei denen es nur um Gewinnumverteilungen geht, aufsum- miert, so daß die Gewinnsumme übertrieben wird. Eine Addition z.B. über alle AG würde in der Tendenz sicher auch zu falschen Aussagen führen, in dem Maße, wie die gegenseitigen Verflechtun- gen anwachsen. 84) Gegen die Entschleierungsmethoden der Arbeitsgruppe sind zwei wichtige Kritikpunkte vorgebracht worden - die übrigens auch teilweise auf die Methoden des IPW zutreffen. Ingrid Scheibe- Lange greift vor allem zwei Punkte an: 85). 1. Durch die Anwendung der ermittelten realistischen Abschrei- bungssätze jeweils auf die Restbuchwerte wird nur ein Teil der Anschaffungskosten der Investitionsgüter tatsächlich abgeschrie- ben. 86) An sich müßten die Restbuchwerte jeweils um die überhöht ausgewiesenen Abschreibungen korrigiert werden, und diese korri- gierte Größe wäre dann der Ausgangspunkt für die Ermittlung der weiteren gerechtfertigten Abschreibungen. Überabschreibungen wür- den also nur zu einer anderen Verteilung über die Zeit führen. 2. Dementsprechend geht die Arbeitsgruppe auch bei der Ermittlung des Eigenkapitals nur von den ausgewiesenen Posten aus. Die er- mittelten stillen Reserven werden ausgeklammert, so daß die Ren- dite zu hoch ausfällt. Da die Arbeitsgruppe diese Frage in ihren Veröffentlichungen selbst problematisiert hat, kann gerade an diesen Punkten die Intention der Untersuchung deutlich gemacht werden. Obwohl die Kritik von Scheibe-Lange durchaus einige schwache Punkte trifft, geht sie doch am Kern der Sache vorbei. Denn sowohl bei der Bilanzaufstellung, als auch bei der Bilanzent- schleierung muß zunächst gefragt werden, welche Ziele und Ab- sichren verfolgt werden. Bei der Bilanzaufstellung kann davon ausgegangen werden: "Die unternehmerische Bilanzpolitik ist eine Komponente im Instrumentarium der Unternehmenspolitik und unter- liegt letztlich wie alle anderen Komponenten (...) dem General- ziel der Gewinnmaximierung." 87) Dem entspricht in der Regel und in der Praxis der Ausweis niedri- ger Gewinne. Das räumt auch Scheibe-Lange in einem anderen Auf- satz ein: "Das typische Unternehmensverhalten ist, hohe Gewinne schamhaft zu verstecken, langfristig 'bescheidene' und möglichst ansteigende Gewinne vorzuzeigen und Ertragseinbrüche bzw. Verlu- ste zu verschleiern, zumal wenn sie auf Managementfehlern beru- hen." 88) Wenn die Arbeitsgruppe davon ausgeht, daß in der Regel in den Bilanzen Gewinne versteckt werden, so schließt das natür- lich nicht aus, daß in Einzelfällen die Bilanzierung auch anderen Zielen folgt: gerade angesichts der von Scheibe-Lange festge- stellten "übergroßen Manipulierbarkeit von Jahresabschlüssen" kann bei einer Untersuchung, die sich zum Ziel gesetzt hat, "die Spannen aufzudecken, innerhalb derer tatsächlich erwirtschaftete Gewinne versteckt, und damit gesellschaftlicher Diskussion prin- zipiell entzogen werden", (56) nicht jeder Sonderfall berücksich- tigt werden: es handelt sich um keine Anweisung zur Bilanzana- lyse. Der Vorwurf des "Unterschlagens der Tatsache, daß Unternehmen nicht nur Gewinne, sondern oft auch Verluste verstecken", 89) trifft wegen der anderen Aufgabenstellung nicht zu. Es ist si- cherlich richtig, daß auch durch das Verstecken von Verlusten Ar- beitern und Angestellten große Nachteile entstehen können: so z.B. wenn Managementfehler verdeckt, große Ertragssprünge ver- schleiert werden sollen. Auch kann einem Betrieb durch Ausweis und Abführung überhöhter Gewinne Kapital entzogen und er bewußt "ausgetrocknet" werden. Um solche Praktiken aufzudecken, müßten die veröffentlichten Da- ten daraufhin untersucht werden, ob eine "richtige" Verrechnung der Kosten in der Produktion stattfindet - was sicher in einigen Punkten ein anderes Vorgehen als das der Arbeitsgruppe erfordern würde. Dies ist aber keineswegs das Ziel der Analyse: es geht weder um die Ermittlung der Verwertung des gesamten eingesetzten Kapitals im Konzern noch um die Profite aus der Produktion: die Autoren- gruppe will vielmehr die Profitaneignungsfähigkeit der Kapitale, insbesondere die der monopolistischen Kapitale offenlegen, wobei diese ganz verschiedene Dimensionen hat. Sie erfolgt sowohl auf dem "normalen" Wege der Verwertung des eingesetzten Kapitals in der Produktion als auch durch Beherrschung fremder Kapitale, als auch durch Vermittlung des Staates. Die Frage, die bei der Be- rechnung der Eigenkapitalrendite eigentlich beantwortet werden müßte, ist folgende: wieviel eigenes Kapital muß im Rahmen eines bestimmten Konzerns aufgebracht werden, um wieviel Nettogewinne zu machen. Das wirft natürlich schwierige Abgrenzungsprobleme auf, die in den bisher vorliegenden Berechnungen noch nicht ausreichend ge- löst sind - und hier kann Scheibe-Lange mit Recht auf Inkonse- quenzen verweisen. Ob überhöhte Abschreibungen bzw. stille Reser- ven dem Anlagevermögen bzw. dem Eigenkapital zugeschlagen werden, hängt davon ab, woher die entsprechenden Mittel stammen. Das ist besonders deutlich bei der Bestimmung des eingesetzten Eigenkapi- tals, bei dem die stillen Reserven nicht (d.h. nur zu einem klei- nen Teil) berücksichtigt sind. Die Arbeitsgruppe rechtfertigt das mir dem Hinweis, daß es sich dabei "zum größten Teil" um staatli- che Steuersubventionen handelt. d.h. um "Kapitalentwertung, ent- wertetes staatliches (und in geringerem Maß auch privates) Kapi- tal, das dem Privatkapital zur Verfügung gestellt wird und dazu beiträgt, das ursprüngliche Privatkapital besser zu verwerten..." 90) Die Unklarheit hat sich die Arbeitsgruppe aber zumindest teil- weise selbst zuzuschreiben, weil sie bei der Berechnung den An- schein erweckt, als sei die Tatsache, daß es sich um "stille Re- serven" handelt, das eigentliche Kriterium für die Nichtberück- sichtigung beim Eigenkapital. Ob ein eingesetztes Kapital offen ausgewiesen wird oder nicht, hat natürlich an sich für die tatsächliche Rendite keinerlei Bedeutung: das wird nur deshalb wichtig, weil der Nichtausweis ein Instrument zur Steuererspar- nis, d.h. eigentlich zur Aneignung von staatlichem Kapital auf politischem Wege, über die Steuergesetzgebung ist. Bei den Be- rechnungen sowohl der Abschreibungen als auch des Eigenkapitals - beides drückt das gleiche Problem aus - müßte eigentlich zwischen dem Profit aus der Produktion bzw. aus der "normalen" wirtschaft- lichen Tätigkeit und dem Profit aus politischen Einflüssen unter- schieden werden. Der Profit aus der Produktion oder auch aus An- lagen in Form von Geldkapital muß natürlich - soweit er nicht ausgeschüttet wird - zum Eigenkapital geschlagen bzw. bei der Er- mittlung der Abschreibungen berücksichtigt werden. Es ist klar, daß die Profitrate auf das gesamte eigene Kapital berechnet wer- den muß - wobei es uninteressant ist, ob es bilanziert wird oder nicht. Dagegen muß der mit Hilfe der Bilanzpolitik angeeignete Profit bei der Berechnung des Eigenkapitals und auch der Basis der Abschreibungen ausgeklammert werden, da es sich hierbei um eine nicht unmittelbar ökonomische Funktion des Kapitals handelt. Ausgehend vom Kriterium der Profitaneignungsfähigkeit wäre es da- her auch falsch, die 'gratis' zur Verfügung gestellten Anlagen abzuschreiben und als Kosten zu verbuchen. Das sind sie nur vom Standpunkt der gesellschaftlichen Produktion, nicht für das Ein- zelkapital. Ähnlich verhält es sich mit den so angeeigneten Kapi- talteilen: es ist ja gerade der Zweck der staatlich betriebenen Kapitalentwertung, den Profit der Einzelkapitale durch den Ver- zicht auf angemessene Verwertung zu erhöhen. Würden die auf dem Umweg über das Steuersystem auf die privaten Kapitale übertrage- nen Summen bei der Berechnung der Eigenkapitalrendite berücksich- tigt werden, dann würde gerade der hier zu untersuchende Effekt bilanzpolitischer Verschleierungsmaßnahmen ausgeklammert. Huff- schmid betont in einer Erwiderung auf die Kritik von Scheibe- Lange: "Es wird bei der korrigierten Gewinnermittlung nicht ge- fragt, was die Herstellung einer Anlage die Gesellschaft kostet, sondern es wird gefragt, was sie das Unternehmen kostet, und zwar im Hinblick aufsein vorgeschossenes Kapital." 91) Da Scheibe- Lange in ihrer Kritik diese jeweils unterschiedlichen Gesichts- punkte bei der Gewinnermittlung nicht berücksichtigt, gehen ihre Einwände am Kern der Sache vorbei. Die Abgrenzung zwischen "gratis" angeeignetem und "normal" akku- muliertem Kapital dürfte in der Praxis allerdings kaum völlig korrekt durchführbar sein, da sich solche Profitteile auch in den offen ausgewiesenen Gewinnen verbergen können. So sind z.B. die Aneignung von Rohstoffen oder Vorleistungen zu politisch beding- ten niedrigen Preisen oder die Verkäufe z. B. an den Staat zu überhöhten Preisen auch Formen der Übertragung fremden, entwerte- ten Kapitals. Durchführbar ist die genannte Abgrenzung aber bei den Profitteilen, die über mit der Bilanzierungspraxis verbundene Steuerersparnisse angeeignet werden. Es wären also die Teile der stillen Reserven bzw. der überhöhten Abschreibungen dem Eigenka- pital bzw. den Buchwerten der Anlagen zuzuschlagen, die auch bei offenem Ausweis - d.h. wenn sie versteuert werden müßten - beim Unternehmen bleiben würden. Diese Möglichkeit wird im übrigen von der Arbeitsgruppe selbst angedeutet - allerdings meint sie zunächst, wegen der relativ geringen Bedeutung darauf verzichten zu können. Das und manche Unklarheit in der Argumentation bei der Begründung dieser Praxis hat sicher dazu beigetragen, daß der Hintergrund des rechnerischen Verfahrens aus dem Blickfeld ge- riet. 92) Trotz dieser Probleme - die ja im übrigen eine zentrale Aussage, nämlich die der monopolistischen Profitdifferenzierung nicht be- rühren - müssen die Arbeiten der Bremer Gruppe als ein wichtiger Schritt angesehen werden, um die in vielen Veröffentlichungen be- stehende Kluft zwischen allgemeinen Gesetzmäßigkeiten und er- scheinender Wirklichkeit zumindestens im Punkt 'Monopolisierung' zu überbrücken. Schlußbemerkung --------------- Die hier besprochenen Versuche, die Verwertungsbedingungen des Kapitals in der einen oder anderen Form empirisch zu erfassen, zeigen meiner Auffassung zu allererst, daß neben den kategorialen Fragen die Probleme der Statistik das Haupthemmnis bilden. Auf allen Ebenen zeigt sich, daß schon die Praxis der Erhebung den Interessenstandpunkt und den Blickwinkel des Kapitals ausdrückt, d.h. die erhobenen Daten selbst unterliegen den Mystifikationen der kapitalistischen Produktionsweise. Allein durch eine andere Gruppierung der statistischen Kategorien können die inneren Ver- hältnisse also nicht unmittelbar sichtbar gemacht werden. "Daher lassen sich die allgemeinen Entwicklungslinien des kapitalisti- schen Systems, wie sie von Marx aufgezeigt wurden: Akkumulation, Zentralisation, Konzentration, tendenzielles Fallen der Pro- fitrate usw., wie auch die die imperialistische Epoche speziell kennzeichnenden Momente: Finanzkapital, Monopolbildung, 'staats- kapitalistische Trusts', sehr schwer, besonders für kurze Zeit- abschnitte, durch statistische Zahlen konkret illustrieren." 93) Damit ist nun weder empirischer Enthaltsamkeit noch empirischer Beliebigkeit das Wort geredet. Es ist möglich , die Haupttenden- zen der inneren Verwertungsbedingungen auf der Grundlage der in der Bundesrepublik existierenden Statistik zu erfassen . Das zeigt schon die Tatsache, daß die mit verschiedenen empirischen und theoretischen Ansätzen arbeitenden Untersuchungen - soweit die methodischen Voraussetzungen nicht völlig unhaltbar sind - in der großen Linie zu vergleichbaren Ergebnissen kommen. Konstatiert wird eine allgemeine Verschlechterung der Verwer- tungsbedingungen, wobei diese Tendenz vor allem in den sechziger Jahren überwiegt. Ein wichtiges Kennzeichen ist die Zunahme der organischen Zusammensetzung des Kapitals und die ebenfalls in den sechziger Jahren eintretende Stagnation in der Entwicklung der Beschäftigtenzahlen in der materiellen Produktion. Unterschiede gibt es bei der Berechnung der Mehrwertrate. Diese sind jedoch m.E. auf falsche Abgrenzungen des variablen Kapitals zurückzufüh- ren. Hier ist die Methode von Tammer die korrekteste. Denn sowohl die bei einigen Autoren völlig fehlende Unterscheidung zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit sowie die schematische Be- handlung der Lohnabzüge ist vom theoretischen Inhalt der "Mehrwertrate" her nicht zu vertreten. Alle differenzierteten Aussagen, die über die Herausarbeitung solch grober Entwicklungstendenzen hinausgehen, scheinen mir durch das vorliegende empirische Material nicht gedeckt zu sein. Das gilt vor allem für die Frage, wodurch der Fall der Profitrate eigentlich verursacht worden ist. Beide Momente, Kapitalzusammen- setzung und Mehrwertrate, stehen in einer engen Beziehung zuein- ander, wirken gemeinsam und dürfen daher nicht als Ursachen für sich auseinandergerissen werden. Ein zentrales Problem bei der Analyse der Verwertungsbedingungen des Kapitals ist die Wahl der richtigen Abstraktionsebene. Zwar ist die tatsächliche Profitrate in der Produktion der Regulator des gesamten Reproduktionsprozesses - sie wirkt jedoch nur ver- mittels der spezifischen Widersprüche der kapitalistischen Pro- duktionsweise. Die inneren Verwertungsbedingungen erscheinen nur in einer durch diese Widersprüche vermittelten Form - wobei die Erscheinungsweise auch durch die jeweiligen historischen Bedin- gungen konstituiert wird. Dies zeigt die von mehreren Autoren zur Erklärung realer Entwick- lungsprozesse im Kapitalismus explizit oder implizit verwendete Kategorie der "Überakkumulation", die in der vorgebrachten Form mehr beschreibend als erklärend ist. Im Kern wird Überakkumula- tion immer dann konstatiert, wenn der Akkumulationsprozeß stockt. Ob der damit einhergehende Verfall der Profitrate die Ursache oder die Folge der stockenden Akkumulation ist, bleibt empirisch ungeklärt. Vorausgesetzt ist bei den mit dieser Kategorie arbei- tenden Größen der erste Fall - was aber nicht belegt werden kann. Das weist auf einen schon mehrfach angesprochenen Kritikpunkt hin: bei Rückschlüssen von den Profitraten auf die Akkumulations- bedingungen wird zu leicht übersehen, daß der kapitalistische Produktionsprozeß zwar in erster Linie Verwertungsprozeß ist, dessen Funktionieren aber auch an die stofflichen Bedingungen der Reproduktion gebunden ist. Der Widerspruch zwischen Arbeits- und Verwertungsprozeß äußert sich also im gesamten Reproduktionspro- zeß, auch in der Beziehung Produktion-Realisierung. Die Verände- rungen in den stofflichen und wertmäßigen Bedingungen der Produk- tion von Profit müssen in weiteren Schritten auch in ihren Aus- wirkungen auf die Realisierungsbedingungen verfolgt werden. Trotzdem leisten die vorgestellten Arbeiten - bei aller notwendi- gen Kritik - einen wichtigen Beitrag zur empirischen Erfassung der ökonomischen Entwicklungstendenzen der Bundesrepublik, wenn auch manchmal der Aufwand in einem ungünstigen Verhältnis zu den vetwertbaren Aussagen steht. Zu warnen ist dabei allerdings vor der Überstrapazierung der Ergebnisse. Das Kapital setzt sich im Verwertungsprozeß selbst die Schranken, die seine Entwicklung hemmen. Es findet aber auch immer wieder Auswege, um sie zu über- steigen. Nur in diesem Wechselverhältnis kann die reale Entwick- lung eines Landes verstanden werden - die Geschichte des Kapita- lismus darf also nicht auf eine Geschichte der Profitrate redu- ziert werden. Anhang: Verwertungsbedingungen des Kapitals in der BRD ------------------------------------------------------ 1. Projekt Klassenanalyse Profitrate Mehrwertrate Jahr Rate in % Jahr Rate in % 1950 35,3 1950 234 1951 39,1 1951 244 1952 36,6 1952 254 1953 36,3 36,8 1) 1953 244 244 1) 1954 37,2 1954 238 1955 39,9 1955 240 1956 37,9 1956 237 1957 36,2 1957 231 1958 34,4 37,1 1) 1958 230 235 1) 1959 35,4 1959 239 1960 36,0 1960 241 1960 36,1 1960 238 1961 34,0 1961 233 1962 31,8 1962 226 1963 30,0 33,9 1) 1963 229 233 1) 1964 31,0 1964 232 1965 29,8 1965 228 1966 28,4 1966 230 1967 26,5 28,9 1) 1967 243 233 1) 1968 30,5 1968 255 1969 32,0 1969 257 1970 30,4 1970 244 1971 28,5 30,4 1) 31,7 2) 1971 245 250 1) 1972 27,8 30,2 1972 245 1973 27,4 31,2 1973 244 1974 25,5 29,6 1974 243 1975 26,9 1) 27,1 29,5 1) 1975 248 245 1) 1976 29,2 _____ 1) Zyklendurchschnitte 2) Neuberechnung auf der Grundlage der revidierten VGR (Quelle: Gesamtreproduktionsprozeß der BRD 1950-975, S. 267 und 236; Materialband, unveröffentlichtes Manuskript, S. 134). 2. Autorengruppe Altvater, Semmler u.a. Kapitalrentabilität in der "Profitrate" 1) der Gesamt- Industrie wirtschaft Jahr Rate Jahr 2) Rate Jahr Rate 1950 0,5123 1950 0,126 1951 0,5683 1951 0,125 1952 0,5555 1952 0,130 1953 0,5482 1953 0,135 1954 0,5768 1954 0,139 1955 0,6020 1955 0,147 1956 0,5682 1956 0,144 1957 0,5408 1957 0,139 1958 0,5100 1958 0,130 1959 0,5103 1959 0,133 1960 0,5416 1960 0,5319 1960 0,133 1961 0,5102 1961 0,5029 1961 0,124 1962 0,4709 1962 0,4693 1962 0,112 1963 0,4442 1963 0,4540 1963 0,104 1964 0,4543 1964 0,4789 1964 0,102 1965 0,4350 1965 0,4759 1965 0,094 1966 0,4003 1966 0,4510 1966 0,083 1967 0,3722 1967 0,4208 1967 0,078 1968 0,4074 1968 0,4816 1968 0,080 1969 0,4313 1969 0,077 1970 0,3903 1970 0,057 1971 0,3499 _____ 1) Die "Profitrate" der Gesamtwirtschaft ist ebenso berechnet wie die Kapitalrentabilität der Industrie (Kapitalproduktivität mal Profitquote), lediglich die Datenbasis ist eine andere. 2) Ergebnis nach der Neuberechnung, bei der eine Reihe von Kri- tikpunkten an der alten Berechnungsmethode berücksichtigt wurden. (Quelle: Handbuch 1, S. 270 ff.; Probleme des Klassenkampfes, Nr. 24/1976, S. 206) 3. Helmut Zschocke Profitrate der Industrie Mehrwertrate der Industrie Jahr Rate in % Jahr Rate in % 1950 37,3 1950 125,1 1951 40,7 1951 132,7 1952 38,6 1952 130,9 1953 38,7 1953 126,6 1954 39,2 1954 125,2 1955 40,3 1955 127,4 1956 37,3 1956 119,7 1957 34,8 1957 115,6 1958 32,3 1958 107,4 1959 36,0 1959 122,0 1960 36,2 1960 121,2 1960 1) 36,5 1960 1) 121,5 1961 34,9 1961 116,8 1962 33,1 1962 111,5 1963 29,9 1963 102,5 1964 31,7 1964 106,4 1965 30,7 1965 100,3 1966 27,6 · 1966 90,3 1967 26,0 1967 90,6 1968 31,8 1968 105,5 _____ 1) Ab 1960 einschließlich Saarland und Westberlin. (Quelle: Helmut Zschocke, a.a.O., S. 83 und 99) 4. Peter Saß Profitrate der Industrie Jahr Rate in % 1953 22,0 1954 22,0 1955 23,4 1956 22,1 1957 21,4 1958 20,5 1959 21,3 1960 22,1 1960 1) 22,3 1961 20,9 1962 19,5 1963 18,0 1964 18,8 1965 18,7 1966 16,4 1967 15,8 _____ 1) Ab 1960 einschließlich Saarland und Westberlin (Quelle: Peter Saß, a.a.O., S. 24) 5. Hans Tammer Profitrate der AG der Mehrwertrate des produzierenden Industrie Gewerbes Jahr Rate in % Jahr Rate in % 1950 181,4 1951 217,7 1952 213,1 204,1 2) 1953 191,2 1954 197,3 1955 215,4 1956 210,4 1957 216,4 206,1 2) 1958 202,9 1959 214,7 1960 236,3 1961 · 45,16 1961 217,4 1962 42,55 1962 232,8 1963 40,74 1963 223,3 1964 41,54 1964 239,1 1965 39,46 1965 223,1 224,6 2) 1966 37,91 1966 208,9 1967 35,70 1967 226,0 1968 39,78 1968 246,9 1969 43,34 1969 274,9 1970 43,28 1970 273,9 246,1 2) 1971 39,23 1971 256,7 1972 37,10 1972 265,2 1973 1) 42,64 1973 268,0 1974 1) 42,62 1974 270,2 265,1 2) 1975 31,11 1975 259,7 1976 41,99 _____ 1) Nach Korrektur eines Rechenfehlers 2) Zyklendurchschnitte. (Quelle: IPW-Berichte 6/77, S. 19 und 6/78. S. 19) Gesamtprofit der 100 größten AG der Industrie Jahr Mill. DM 1966 23 149 1970 32 887 1973 44 152 1974 49 541 1975 44 694 1976 54 321 _____ (Quelle: IPW-Berichte 12/77, S. 35) 6. Arbeitsgruppe Großunternehmen Einzelkapitalistischer Nettoprofit und Eigenkapitalrendite Nettoprofit 1) Rendite in % Jahr Mrd. DM Großunternehmen Übrige AG 1967 8,5 28,0 22,8 1968 10,6 31,8 25,1 1969 11,4 31,3 26,4 1970 12,7 33,2 27,6 1971 12,0 28,6 24,8 1972 13,2 28,7 25,3 1973 17,3 39,3 25,3 1974 18,3 38,9 27,9 1975 15,6 - - 1976 22,0 - - 1967-73 2) 11,3 32,5 3) 25,6 3) 1974-76 2) 18,7 _____ 1) der 41 größten industriellen AG 2) Jahresdurchschnitte 3) 1967-74 (Quelle: WSI-Mitteilungen. 1/78, S. 26 und 31) 7. Sachverständigenrat Realrendite in der gewerblichen Wirtschaft Jahr Index: 1960 = 100 1960 100,0 1961 90,5 1962 81,5 1963 76,5 1964 78,5 1965 79,0 1966 73,0 1967 67,0 1968 82,0 1969 77,0 1970 74,0 1971 64,5 1972 61,5 _____ (Quelle: Jahresgutachten 1973 des Sachverständigenrates, S. 57) 8. Lohnquoten Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen 1) Bruttoeinkommen aus unselbständiger Nettolohn- und Gehaltssumme Arbeit Tatsächliche Bereinigte Tatsächliche Bereinigte Lohnquote 1) Lohnquote 2) Lohnquote 1) Lohnquote 2) 1950 58,4 58,4 45,4 45,4 1955 59,3 . 55,0 45,2 41,9 1960 60,4 53,4 43,6 38,5 1961 62,7 55,1 44,9 39,5 1962 64,1 55,8 45,8 39,8 1963 65,1 56,1 46,3 39,9 1964 64,8 55,3 · 46,2 39,4 1965 65,6 55,5 46,9 39,7 1966 66,6 56,4 46,9 39,6 1967 66,4 56,1 46,5 39,3 1968 64,8 54,4 44,5 37,4 1969 66,1 54,9 44,5 36,9 1970 67,8 55,7 44,4 36,5 1971 69,1 56,4 44,3 36,2 1972 69,5 56,5 44,2 36,0 1973 70,7 57,3 43,1 34,9 1974 72,6 58,9 43,3 35,1 1975 72,8 59,0 43,2 35,0 1976 71,2 57,5 41,0 33,1 1977 72,0 57,9 41,0 33,0 _____ 1) In Prozent 2) Bereinigt auf Grundlage der Beschäftigtenstruktur von 1950. (Quelle: Informationen zur Wirtschaftsentwicklung und Lage der Arbeiterklasse, IMSF, Nr. 2/1978) _____ 1) Das belegt z.B. eine Gegenüberstellung der Aussagen Eugen Var- gas und des "Instituts für Konjunkturforschung" von Wagemann vor und zu Beginn der Weltwirtschaftskrise von 1929/33. Vgl. Jürgen Kuczynski, Die Geschichte der Lage der Arbeiter unter dem Kapita- lismus, Bd. 15, Berlin/DDR 1965, S. 65 ff. 2) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., MEW 25. S. 251. 3) Der Sachverständigenrat hat vor allem die weitere Aufgliede- rung der Kategorie "Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermö- gen" im Auge, wobei er auch deren Charakter als bloße Restgröße beklagt, in der alle Fehlet bei der Ermittlung der anderen Größen kumulieren. Vgl. Jahresgutachten 1976/77 des Sachverständigen- rates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, S. 189 ff. 4) Karl Marx, a.a.O., S. 838. 5) Ebenda, S. 839. 6) Zu den wechselnden Beziehungen zwischen 'Gesetz' und 'Erscheinung' vgl. J.H. v Heiseler, 'Gesetzesbegriff und Kapita- lismustheorie', in: IMSF (Hrsg.), Das Monopol - ökonomischer Kern des heutigen Kapitalismus, Frankfurt/M 1976, S. 35 ff. 7) Altvater/Hoffmann/Schöller/Semmler, Entwicklungsphasen und -tendenzen des Kapitalismus in Westdeutschland, I. Teil, in: Pro- bleme des Klassenkampfes, Westberlin, Nr. 13/1974. S. 104. 2. Teil: a. a. O.. Nr. 16/1974 Dieser zweiteilige Aufsatz ist praktisch die ausführlichere Fas- sung des unten besprochenen Beitrags im Handbuch 1. 8) Ebenda, S. 108. 9) Ebenda. 10) Altvater/Hoffmann/Semmler, Zum Problem der Profitratenberech- nung, in: Probleme des Klassenkampfes, Nr. 24/76, S. 194. 11) Projekt Klassenanalyse, Die akkumulationstheoretische Real- analyse im Spiegel des Indikatorverfahrens, in: Beiträge zum wis- senschaftlichen Sozialismus, Westberlin, Nr. 4/1976, S. 155. 12) Ebenda, S. 154. 13) Ebenda. 14) Projekt Klassenanalyse, Gesamtreproduktionsprozeß der BRD 1950-1975, Westberlin 1976, S. 38. 15) In einer Kritik am PKA bemerkt Heiner Ganßmann richtig: "Die Art und Weise, in der das PKA Weltmarkteinflüsse auf den Gesamt- reproduktionsprozeß der BRD behandelt (bzw. ignoriert), diente nur der Illustration eines in empirischen Untersuchungen depla- zierten Verfahrens der isolierenden Abstraktion." Heiner Ganß- mann, Marxistische Milchmädchenökonomie, in: Beiträge..., Nr. 2/1978, S. 127. 16) Projekt Klassenanalyse, Gesamtreproduktionsprozeß..., a.a.O., S. 282. 17) Ebenda, S. 38. 18) Ebenda, S. 42. 19) Ebenda. 20) Daß die theoretische Abgrenzung des PKA von Altvater in der Praxis der Berechnung bedeutungslos ist, zeigt auch eine Bemer- kung des PKA im (unveröffentlichten) Materialband: "Wir haben noch anzumerken, daß in diesen Größen nicht direkt Werte erfaßt sind; einerseits ist die Wertbestimmung nur im Zyklendurchschnitt realisiert, andererseits sind hier Preisänderungen in Rechnung zu stellen." Vgl. Manuskripts. 98. 21) Die Seitenzahlen im Text beziehen sich im folgenden auf die jeweils angegebenen besprochenen Veröffentlichungen. 22) Vgl. zur Neuberechnung der VGR: G. Hamer u. a., Revision der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung 1960 bis 1976, in: Wirt- schaft und Statistik, 4/1977, S. 215 ff. So beläuft sich die Bruttowertschöpfung des produzierenden Gewer- bes nach der alten Methode auf 563 550 . Millionen DM, nach der neuen auf 542 930 Millionen. Diese Differenzen wirken sich auch auf die Ergebnisse des PKA aus, wie der im Anhang abgedruckte Vergleich der auf der Grundlage der revidierten VGR berechneten Profitrate mit der allen Berechnung zeigt. Ein Teil der Differen- zen ist allerdings auf Korrekturen bei der Berechnung des Geldka- pitals durch das PKA zurückzuführen. Vgl. Materialband, unveröf- fentlichtes Manuskript S. 134. 23) Dagegen heißt es an anderer Stelle: "Schließlich ist es ei- nerlei, ob sie (die produktive Arbeit, J.G.) in der Sphäre der materiellen oder immateriellen Produktion verausgabt wird, ob sie sich in Produkten vergegenständlicht oder nicht. "Joachim Bi- schoff (Hrsg.), Grundbegriffe der marxistischen Theorie, Hamburg 1978, S. 29. 24) Materialband, a.a.O., S. 51. 25) Die Bundespost weist seit 1975 Überschüsse aus. Aber auch schon vorher wurden in Form von "Ablieferungen" Gewinne an den Bund abgeführt. Es ist zudem völlig uneinsichtig, daß das PKA mit dem Hinweis auf die finanzielle und formelle Selbständigkeit der Sozialversicherung diese aus dem Staatsbereich ausgliedert, wäh- rend die öffentlichen Unternehmen, deren Geschäftspolitik minde- stens ebenso selbständig durchgeführt wird, zum Staatskonto ge- schlagen werden. - Vgl. Projekt Klassenanalyse, Der Staat in der BRD, Hamburg/Westberlin 1977, S. 59 ff. 26) Das ist problematisch, weil die Unfallversicherung ein Versi- cherungsfonds der Unternehmer ist, der diese gegen Regreßforde- rungen der Unfallopfer absichert. 27) PKA, Der Staat..., a.a.O., S. 35. Ganz abgesehen davon, daß auch Selbständige in die Sozialversicherung einbezogen sind, bleibt auch eine Umverteilung unter den Lohnabhängigen für die Berechnung von Mehrwert und Profit keineswegs gleichgültig. Das ist auch deshalb zu beachten, weil das PKA selbst deutliche Ein- kommensdifferenzen zwischen den produktiven Lohnarbeitern und den übrigen Lohnabhängigen ermittelt. 28) In einer Kritik an den Arbeiten Tammers wird das registriert, ohne aber Schlußfolgerungen für die eigenen Berechnungen zu zie- hen. Vgl. Beiträge.. ., 1/78, S. 44. 29) "Das Einkommen der ganzen Gesellschaft betrachtet, besteht das Nationaleinkommen aus Arbeitslohn plus Profit plus Rente, also aus dem Roheinkommen." Marx, Das Kapital, 3. Bd., a.a.O., S. 848. Obwohl das PKA diesen Satz von Marx zitiert, wird die abwei- chende Definition nirgends begründet. Auch in der erwähnten Kri- tik an Tammer, der das Nationaleinkommen entsprechend der Marx- schen Definition abgrenzt, wird auf diese Differenz nicht einge- gangen. 30) Vgl. Beiträge... Nr. 4/76, S. 143 und 1/78, S. 49. 31) PKA, Der Staat.... a.a.O., S. 63. 32) Die Probleme bei der Berechnung der Vermögensbestandteile werden deutlich bei: H. Lützel, Das reproduzierbare Sachvermögen zu Anschaffungs- und zu Wiederbeschaffungspreisen, in: Wirtschaft und Statistik, 11/72, S. 611 ff. Vgl. auch die Darstellung bei R. Wagenführ, Wirtschafts- und Sozialstatistik, Bd. 1, Freiburg 1970, S. 121 ff. 33) Materialband, a.a.O., S. 131. 33a) Die Berücksichtigung der Fertigwarenbestände ist insofern korrekt, als das PKA vom vorgeschossenen Gesamtkapital ausgeht, das sich immer gleichzeitig teilweise in der Form des Geldkapi- tals, des produktiven Kapitals und des Warenkapitals befindet. Eine Trennung zwischen den Kapital und den Profit repräsentieren- den Fertigwaren dürfte empirisch sehr schwierig sein. Es ist auch korrekt, hier das variable Kapital nicht gesondert aufzuführen, da dieses teilweise die Form von Geldkapital, teilweise die Form von Warenkapital besitzt. Es muß dagegen berücksichtigt werden, wenn vom produktiven Kapital ausgegangen wird, wie es Zschocke, Tammer und teilweise auch Saß tun. Saß vernachlässigt zwar kate- gorial das variable Kapital - wie auch Gillman -, rechnet es praktisch jedoch zumindest teilweise mit ein, weil er aus pragma- tischen Gründen das Warenkapital zum Sachvermögen zählt. 34) Vgl. J. Bischoff (Hrsg.) Die Klassenstruktur der Bundesrepu- blik Deutschland, Westberlin 1976. S. 152. 35) Materialband, a.a.O., S. 5. 36) "Ich sehe eben die Aufgabe eines wirklichen Marxisten nicht darin, die Marxschen Grundlehren immer von neuem fehlerlos herzu- sagen, sondern diese Lehren, auf die - seit deren Niederschrift so stark modifizierte - gegenwärtige Wirklichkeit selbständig sinngemäß anzuwenden. Bei diesen Versuchen macht man oft Fehler." Eugen Varga, Wirtschaft und Wirtschaftspolitik im 4. Vierteljahr 1924, S. 278, in: Wirtschaft und Wirtschaftspolitik, Vierteljah- resberichte 1922-1939, hrsg. von J. Goldberg, Westberlin 1977, 5 Bde., hier: Bd. 2. 37) Altvater u.a., Entwicklungstendenzen..., a.a.O., S. 113. 38) Ebenda, S. 123. 39) C. Diefenbach u.a., Wie real ist die Realanalyse?, in: Pro- bleme des Klassenkampfes, Nr. 24/1976, S. 179. 40) Altvater u.a., Entwicklungstendenzen..., 2. Teil, in: Pro- bleme des Klassenkampfes, 16/74 S. 119. 41) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., a.a.O., S. 245/46. 42) Vgl. A. Blechschmidt, Profitentwicklung und Krise in der BRD- Industrie, in: Handbuch 1, Perspektiven des Kapitalismus, hrsg. von V. Brandes, Frankfurt/M. 1974, S. 302. Altvater und seine Mitautoren haben selbst auf diese Problematik verwiesen. Wegen der Schwierigkeiten der Reallohnberechnung hatten sie jedoch zunächst auf eine Preisbereinigung der Löhne verzichtet. Vgl. Entwicklungstendenzen..., 2. Teil, a.a.O., S. 97. 43) E. Altvater, V. Brandes, J. Reiche, Rezession, Inflation und staatliche Wirtschaftspolitik in der Bundesrepublik, in: Handbuch 4, Inflation - Akkumulation - Krise, II, Frankfurt/M. 1976, S. 80/81. 44) A. Blechschmidt, a.a.O., S. 275. 45) Eine Kritik dieser krisentheoretischen Ansätze findet sich u.a. in: J. Goldberg, Wirtschaftskrise und Krisentheorie. Eine kritische Literaturübersicht, in: Blätter für deutsche und inter- nationale Politik, 7/77, S. 882. Vgl. auch: F. Beckenbach, M. Krätke, Zur Kritik der Überakkumulationstheorie, in: Probleme des Klassenkampfes, 30/1978, S. 43 ff. 46) A. Blechschmidt, a.a.O., S. 285. 47) Ebenda, S. 299. 48) Jahresgutachten 1973 des Sachverständigenrates, S. 57. Vgl. auch die Angaben im Anhang. 49) Altvater u.a., Entwicklungstendenzen..., 2. Teil, a.a.O., S. 140. 50) Diess., Zum Problem..., a.a.O., S. 204. 51) Ebenda, S. 205. 52) Das PKA formuliert richtig in seiner Kritik an Altvaters Ver- fahren: "Die Betrachtung der ganzen Untersuchung zeigt aber, daß die Autoren tatsächlich keinerlei Anstalten treffen, den Vermitt- lungszusammenhang zwischen diesen Bestimmungen aufzuzeigen. Sie unterstellen bei ihrer Interpretation, daß der industrielle Ein- zelkapitalist sich in seinem praktischen Tun und Treiben direkt an der Entwicklung des gesellschaftlichen Gesamtkapitals ausrich- tet." PKA, Die akkumulationstheoretische Realanalyse..., a.a.O., S. 147. Leider macht das PKA in seinen Interpretationen den glei- chen Fehler. 53) Altvater u.a., Entwicklungstendenzen..., 2. Teil, a. a. O., S. 143. 54) Diess. Entwicklungstendenzen..., 1. Teil, a.a.O., S. 101. 55) Darauf kann hier nicht eingegangen werden. Es sei auf die oben angegebenen Aufsätze von Goldberg und Beckenbach/Krätke ver- wiesen. 56) Karl Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, Berlin/DDR 1953, S. 544/45. 57) Weil Altvater zwischen stofflicher und wertmäßiger Betrach- tung nicht trennt, ist im Grunde auch eine Anwendung seines Über- akkumulationstheorems nicht möglich. Zschockes Vorgehen, der ja ebenfalls einen Überakkumulationsansatz vertritt, ist daher kon- sequenter. 58) Hier - wie auch bei vielen anderen Berechnungen - liegen die Daten von: E.R. Baumgart, R. Krengel, Die industrielle Vermögens- rechnung des DIW, Ergebnisse einer Neuberechnung, Beiträge zur Strukturforschung Nr. 10, Westberlin 1970, zugrunde. 59) Natürlich kann auch die Rechnung zu festen Preisen keine Qua- litätsveränderungen im Anlagevermögen widergeben, so daß die technische Zusammensetzung auch so nicht korrekt zu erfassen ist. 60) So eröffnet die oft diskutierte Anwendung der Mikroprozesso- ren die Möglichkeit für kapitalsparenden technischen Fortschritt, d.h. eine Senkung der Produktionsmittelintensität pro Produktein- heit erscheint möglich. Vgl. z.B. W. Dostal, K. Köster, Mikropro- zessoren - Auswirkungen auf Arbeitskräfte?, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, 2/77, S. 243 ff. 61) Wirtschaftskrise und Wirtschaftspolitik, Zu den Beziehungen zwischen Wirtschaftsentwicklung und Wirtschaftspolitik in der BRD in der Periode 1966/67 bis 1975/76, Beiträge des IMSF 4, Frank- furt/M. 1976, S. 19. Diese Einteilung gehört zu den traditionel- len Ansätzen der Kapitalismusanalyse in der Bundesrepublik. In der Phase von 1950/60 vollzieht sich "die erweiterte Reproduktion extensiv", d. h. durch eine Ausdehnung der Menge lebendiger Ar- beit und "intensiv", d. h. durch eine Steigerung der Arbeitspro- duktivität. In der Phase 1960/70 vollzieht sie sich "in erster Linie intensiv". Vgl. auch: IMSF, Beiträge 3, Klassen- und Sozi- alstruktur der BRD 1950-1970, Sozialstatistische Analyse, Frank- furt/M. 1973, S. 91. 62) Zu den Kosten zählt Zschocke nicht die "sonstigen Vorleistun- gen" wie Mieten, Zinsen, Pachten usw. 63) Vgl. die Lohnquoten im Anhang. 64) Ein Anstieg des variablen Kapitals wirkt sich sowohl auf die Mehrwertrate als auch auf die organische Zusammensetzung des Ka- pitals aus. Denn es gilt nur solange als "Index für die Menge le- bendiger Arbeit" (Altvater, Zum Problem..., a. a. O., S. 205), wie die Mehrwertrate als konstant angenommen wird. Vgl. Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., S. 62 und S. 154. 65) PKA, Auf der Suche nach dem Monopol, in: Beiträge... 1/78, S. 53. 66) Vgl. auch: W.M. Breuer, Zur politischen Ökonomie des Mono- pols, Köln 1974, S. 38. 67) Allerdings ist diese Rechnung insofern etwas gewagt, als ja auch der Preis für Tarifabnehmer, also für Haushalte, der als Maßstab genommen wird, ebensowenig ein "Marktpreis" ist wie der für industrielle Abnehmer. 68) Saß orientiert sich offensichtlich an J. M. Gillman, Das Ge- setz des tendenziellen Falls der Profitrate, deutsch Frankfurt/M. 1969, der ähnlich vorgeht. 69) Das ist nicht ganz richtig, da Stichproben aus einzelnen Jah- ren eine zumindest schätzungsweise Differenzierung möglich ma- chen. Vgl. H. Lützel, a.a.O., S. 617. Saß möchte also nur das produktive konstante Kapital ermitteln. 70) Positiv ist dabei, daß Verzerrungen zwischen kleinen und großen Unternehmen zumindest teilweise ausgeglichen werden: wäh- rend die Bezüge der Unternehmensleitungen bei großes Konzernen als Kosten unter "Löhnen und Gehältern" ausgewiesen werden, gel- ten sie bei Personenunternehmen als Gewinnentnahmen. 71) Es ist hier außer acht gelassen worden, daß ein solcher Aus- gleichsprozeß die internationale Konkurrenz einbeziehen muß. Es wäre dann durchaus möglich, daß bei einem solchen "spontanen" Ab- lauf eine ganze Branche verschwindet - was der Staat in den mei- sten Fällen verhindern würde. Allein aus diesem Grunde ist die Annahme eines funktionierenden Ausgleichs zur Durchschnittspro- fitrate ohne Einbeziehung der internationalen Dimensionen irreal. 72) H. Heseler, Zur Formulierung einiger empirischer Forschungs- probleme, in: IMSF, Das Monopol..., a.a.O., S. 129. 73) Karl Marx. Das Kapital, 3. Bd., a.a.O., S. 53. 74) E. Varga, Versuch einer annähernden Bestimmung der Mehrwerts- rate und Profitrate in der amerikanischen Industrie, in: Wirt- schaft und Wirtschaftspolitik im 1. Vierteljahr 1927, S. 1059 (Wirtschaft und Wirtschaftspolitik, Vierteljahresberichte 1922- 1939, a.a.O., Bd. 3) S.L. Wygodski, Der gegenwärtige Kapitalis- mus, Versuch einer theoretischen Analyse, deutsch Köln 1972, S. 225 ff. 75) Das PKA merkt an, daß auch die Zirkulationskosten des Han- dels, nicht nur der Handelsprofit, Teil des gesellschaftlich pro- duzierten Mehrwerts sind. Beiträge... 1/78, a. a. O., S. 43. 76) Es ist auffallend, daß das PKA in seiner Kritik an Tammer auf diese Differenzen kaum eingeht. Bei Tammer steigt die Mehr- wertrate kontinuierlich von Zyklus zu Zyklus an, während die vom PKA berechnete Rate sinkt oder stagniert, mit Ausnahme des kräf- tigen Anstiegs im 5. Zyklus. Dieser Unterschied kann nicht damit erklärt werden, daß Tammer "den dritten und vierten Zyklus zu ei- nem einzigen zusammengefaßt hat", wie das PKA meint (ebenda, S. 47). Gliedert man die Jahreszahlen von Tammer entsprechend der Zykleneinteilung des PKA, so bleibt die Mehrwertrate von Tammer in diesem Zeitraum ebenso unverändert wie die des PKA. Vgl. auch Anhang. 77) Bayer, Hoechst, BASF, Thyssen, Siemens, Daimler-Benz. 78) Eine Darstellung der Methode findet sich in: DWI, Bericht 24/61 und 24/63 79) Daher wird der "Umsatzüberschuß" von Scheibe-Lange, der im Kern die Differenz von laufenden Einnahmen und Ausgaben erfaßt, hier nicht behandelt. Es werden dabei "laufende Geldströme auf ihre Höhe, ihre Quellen und ihre Verwendung hin analysiert". Das heißt: "Kapitalflußrechnungen sind Geldrechnungen." (Ingrid Lange, Probleme der Kapitalflußrechnung, in: WWI-Mitteilungen 6/67, S. 164.) Erfaßt werden also nicht die Verwertungsbedingun- gen der Einzelkapitale, sondern ihr finanzwirtschaftlicher Spiel- raum. Damit ist jedoch nicht gesagt, daß die berechneten Indices nicht die Tendenz der Gewinnentwicklung auf einer bestimmten Ebene widerspiegeln. Unberücksichtigt bleibt hier auch, welche Indikatoren von den Unternehmensleitungen nun tatsächlich als Entscheidungskritetium gewählt werden. Dabei ist anzunehmen, daß der jeweilige finanzielle Status eine wichtige Rolle spielt. 80) P. Flieshardt, J. Huffschmid, R. Sablotny, A. Sörgel, Die Le- gende vom Gewinnverfall, in: WSI-Mitteilungen, 1/78, S. 21. 81) Es müßte vor allem nachgewiesen werden, wie sich die Entwick- lung der monopolistischen Verwertungsbedingungen auf die Akkumu- lationstätigkeit der Monopole auswirkt und wie sich dieser Zusam- menhang historisch verändert hat bzw. ob er sich von entsprechen- den Beziehungen bei nichtmonopolistischen Kapitalen unterschei- det. 82) Saß sieht den Grund dafür allerdings nicht unbedingt im Mono- polisierungsprozeß. 83) Vgl. D. Schmidt (IMSF), Entschleierte Profite - Bilanzlesen leicht gemacht. Frankfurt/M. 1975, Die Anleitung zur Bilanzana- lyse des IMSF soll die selbständige Durchleuchtung veröffentlich- ter Bilanzen der verschiedenen Unternehmen ermöglichen, sie muß daher mit "Faustregeln" arbeiten. Die mit größeren personellen und materiellen Mitteln ausgestattete Arbeitsgruppe Großunterneh- men - ihr stand das Rechenzentrum der Universität Bremen zur Ver- fügung - war darauf nicht angewiesen. Ihre Ergebnisse sind aber insofern auch für praktische Handlungsanleitungen interessant, als sie eine bessere Begründung von "Faustregeln" ermöglichen. 84) Es wäre sicher nützlich, für die Gruppe der kleineren, oft abhängigen Gesellschaften eine Rentabilität unter Ausschluß der abgeführten Gewinne zu berechnen. Denn für viele kleine Unterneh- men dürfte die Hereinnahme von Kapital seitens großer Geldgeber ähnlich wirken wie die Aufnahme von Krediten: die damit verbun- dene Gewinnabführung wirkt vom Standpunkt des abhängigen Kapitals ähnlich wie eine Zinszahlung. Die Grenzen dürften in der Realität oft fließend sein. 85) I. Scheibe-Lange, Die Legende von der realistischen Ermitt- lung der Profite, in- WSI-Mitteilungen 3/78 S 175 ff. 86) Die Kritik würde auch auf die Methode des IPW (DWI) zutref- fen. Für den Zeitraum von 1948 bis 1960 ermittelte es bei den 50 größten Unternehmen der einzelnen Branchen eine Differenz von 1,4 Mrd. DM, d.h. 14 Prozent der Abschreibungssumme. Vgl. DWI, Be- richt 24/61, S. 8. 87) G. Volkmann, Bilanzanalyse und Interessenvertretung der Ar- beitnehmer im Unternehmen, in: Das Mitbestimmungsgespräch, 2/78, S. 35. 88) I. Scheibe-Lange, Bilanzanalyse, in: Das Mitbestimmungsge- spräch 3/78, S. 60. Das gilt jedenfalls, wenn man Verluste oder "bescheidene" Gewinne nicht als Normalfall bei Großunternehmen annimmt. 89) Diess., Die Legende..., a.a.O., S. 178. 90) Fließhardt u.a., Die Legende..., a.a.O., S. 25. 91) Jörg Huffschmid, Gewinnermittlung durch Bilanzanalyse - brauchbar für Arbeitnehmervertreter?, in: Das Mitbestimmungsge- spräch Nr. 6/78, S. 139. 92) Die Autoren haben eine Neuberechnung unter teilweiser Berück- sichtigung der Einwände angekündigt. 93) E. Varga, Wirtschaft und Wirtschaftspolitik im 4. Vierteljahr 1924, S. 278. a.a.O., Bd. 2. zurück