Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 01/1978
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ENTWICKLUNGSTENDENZEN DER ARBEITSBEDINGUNGEN UND -BELASTUNGEN
IN DER BUNDESREPUBLIK
Klaus Priester
1. Arbeitsbedingungen als Forschungsgegenstand - 2. Indikatoren
für die Entwicklung der Arbeitsbedingungen - 3. Ist die Arbeit
"leichter" geworden? - Anhang: Statistische Materialien zu Ar-
beitsbedingungen und -belastungen in der BRD
1. Arbeitsbedingungen als Forschungsgegenstand
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Die derzeit - und 1973/74 vor dem Beginn der Krise noch stärker -
geführte Diskussion um Möglichkeiten und Grenzen einer
"Humanisierung der Arbeit" in der Bundesrepublik 1) kann als Re-
flex auf bestimmte, gesellschaftspolitisch relevante Fragestel-
lungen und Probleme betrachtet werden, die in der Qualität der
Arbeitsbedingungen selbst wurzeln.
Zwar wurde in den bisherigen Debatten über "neue Modelle der Ar-
beitsstrukturierung", "menschengerechte Gestaltung des Arbeits-
platzes" und "Menschenwürde im Betrieb" häufig und intensiv über
theoretische Konzepte und praktische Modellversuche von Unterneh-
mern, Wissenschaftlern und Gewerkschaften gestritten 2), gleich-
wohl ist die Basis praktischer Erfahrungen mit neuen Arbeits-
strukturen noch vergleichsweise schmal, zumal gesamtwirtschaft-
lich gesehen - dies gilt zumindest für die noch überschaubaren
Verhältnisse in der Bundesrepublik - derartige Experimente und
Modelle quantitativ, d.h. hinsichtlich der Anzahl der betroffenen
Beschäftigten, kaum eine Rolle spielen. 3) Zumindest steht der
publizistische Aufwand, der um einige solcher Experimente in
großem Stil betrieben wird, in keinem angemessenen Verhältnis zu
deren tatsächlicher Bedeutung, und man gewinnt zunehmend den Ein-
druck, als solle mit der Propagierung "neuer Modelle der Arbeits-
strukturierung" bewußt von der tatsächlichen Beschaffenheit der
Arbeitsbedingungen in der Bundesrepublik abgelenkt werden. 4)
Die Rückführung der "Humanisierungs"-Diskussion auf ihren eigent-
lichen Ausgangspunkt, nämlich die Beschaffenheit und Entwick-
lungstendenzen der Arbeitsbedingungen und die daraus resultieren-
den Anforderungen an Gesundheit und Qualifikation der abhängig
Beschäftigten, ist dringend notwendig, damit erst einmal die ana-
lytischen Grundlagen für die weitere Beschäftigung mit Modellen
"humanisierter" Arbeit geschaffen werden. Das Problem stellt sich
um so vordringlicher, als wir bis heute nur sehr wenig aus-
sagekräftiges Datenmaterial besitzen, das Auskunft über die
E n t w i c k l u n g und die e r r e i c h t e n S t a n-
d a r d s im Bereich der Arbeitsbedingungen geben kann. Zu
wissen, wie viele Arbeiter, Angestellte und Beamte unter welchen
konkreten, die Arbeits- und Lebenssituation prägenden und
beeinttächtigenden Bedingungen arbeiten müssen und wie diese ein-
zelnen Faktoren miteinander vermittelt sind, ist unabdingbare
Voraussetzung für jegliche "Humanisierungs"-Diskussion: Denn erst
die genaue Analyse der die Arbeitsbedingungen bestimmenden
Faktoren kann Aufschluß darüber geben, wo Strategien zur Verbes-
serung der Arbeitsbedingungen anzusetzen haben und aufweichen
Teilgebieten Veränderungen am dringlichsten sind.
"Humanisierung der Arbeit" im Sinne einer tatsächlichen Verbesse-
rung der Arbeitsbedingungen muß von den Interessen der abhängig
Arbeitenden ausgehen und nicht auf Initiative von Unternehmern
und im Interesse effizienterer Rationalisierungs- und Arbeitsin-
tensivierungsmethoden. Daß letzteres häufig versucht wird, läßt
sich an einer Reihe entsprechender "humanitärer" Initiativen aus
dem Unternehmerlager nachweisen. 5) Sogar die von der Bundesre-
gierung eingesetzte "Kommission für wirtschaftlichen und sozialen
Wandel" konnte in ihrem Schlußgutachten formulieren: "Neuere Mo-
delle der Arbeitsstrukturierung, die zum Teil von den bisherigen
Methoden der Rationalisierung und Intensivierung der Arbeit abge-
hen, haben für weitere Überlegungen an Bedeutung gewonnen. Es hat
sich zum Beispiel bei einer Erweiterung von Einflußmöglichkeiten
der Beteiligten auf bestimmte Arbeitsbedingungen und veränderte
Kombinationen von Arbeitsaufgaben gezeigt, daß bisher wenig ge-
nutzte Leistungspotentiale und Rationalisierungsreserven er-
schlossen werden können. Zum Teil lassen sich so auch Konflikte
und Schwierigkeiten vermeiden, die bei der Anwendung von tradi-
tionellen Rationalisierungstechniken zu erwarten wären." 6)
Die bisherigen Versuche der Darstellung und Analyse der Verände-
rung der Arbeitsbedingungen in der Bundesrepublik haben, bis auf
wenige Ausnahmen, den Zusammenhang zwischen Kapitalverwertungsin-
teressen der Unternehmer und der jeweils konkreten Ausformung der
Arbeitsbedingungen nicht berücksichtigt. Dieser Zusammenhang ist
gleichwohl unverzichtbare Grundlage für die marxistische Analyse.
Neuere Ansätze der Bestandsaufnahme vor allem industrieller Ar-
beitsbedingungen aus der Bundesrepublik beschränken sich in der
Mehrzahl auf die Sammlung und Kommentierung von Datenmaterial,
ohne vorher analysiert zu haben, vor welchem konkreten ökonomi-
schen, politischen und sozialen Hintergrund sich z.B. Nacht- und
Schichtarbeit, Entlohnungsformen, Arbeitszeiten usw. entwickeln.
In gewisser Weise exemplarisch für eine derartige Vorgehensweise
sind die diesbezüglichen Arbeiten aus dem SPES-Projekt. Diese so-
zialpolitische Forschergruppe an den Universitäten Frankfurt/M.
und Mannheim beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit der Entwick-
lung eines "Sozialpolitischen Entscheidungs- und Indikatorensy-
stems" (SPES) für die Bundesrepublik. Unter anderem hat das SPES-
Projekt auch Daten zur Entwicklung der Arbeitsbedingungen in der
Bundesrepublik vorgelegt und ein System von Sozialindikatoren für
andere Lebensbereiche entwickelt. 7)
Im Gegensatz zu dieser Forschungsrichtung, die sich stark an ent-
sprechende Forschungen in den Vereinigten Staaten anlehnt 8),
wurden in der Vergangenheit vom Soziologischen Forschungsinstitut
Göttingen (SOFI) Arbeiten vorgelegt, in denen stärker der Zusam-
menhang von kapitalistischer Produktionsweise, ökonomischer Ent-
wicklung und Veränderung der Arbeitsbedingungen betont wird. 9)
Ferner ist in diesem Zusammenhang auf eine umfassende, allerdings
mehr kommentierende als analysierende Darstellung zu verweisen,
die im Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut (WSI)
des Deutschen Gewerkschaftsbundes entstanden ist. 10)
Auf der Grundlage eigens zu diesem Zweck erhobener Daten hat nun-
mehr Ende 1977 der Soziologe V. Volkholz (inzwischen Mitglied der
Dortmunder "Forschungsgruppe Arbeit und Gesundheit") einen zusam-
menfassenden Bericht über "Belastungsschwerpunkte und Praxis der
Arbeitssicherheit" in der Bundesrepublik vorgelegt, der im Auf-
trag des Bundesministers für Arbeit und Sozialordnung erstellt
wurde. 11) Dabei handelt es sich um die Zusammenfassung von Ar-
beits- und Forschungsergebnissen mehrerer autonomer Teilprojekte,
die von Mitarbeitern einer Reihe von Universitätsinstituten in
der Bundesrepublik und vom Institut für angewandte Sozialwissen-
schaft (Infas) 12) durchgeführt wurden . Mit dieser Studie (und
den noch zu veröffentlichenden Berichten über die einzelnen Teil-
projekte 13) liegt nunmehr erstmals für die Bundesrepublik ein
repräsentativer Überblick über den derzeitigen (1975) Entwick-
lungsstand der Arbeitsbedingungen und die Häufigkeit und Vertei-
lung von Arbeitsbelastungen auf die Gruppen von Erwerbstätigen
vor. 14)
Ohne den hohen wissenschaftlichen - und hoffentlich auch prakti-
schen - Wert gerade dieser Untersuchung unterschätzen zu wollen,
muß dennoch festgestellt werden, daß bis heute zusammenfassende
Arbeiten über die langfristige E n t w i c k l u n g der Ar-
beitsbedingungen in der Bundesrepublik, in denen etwa über die
bloße Kommentierung von amtlichem Datenmaterial für einzelne
Wirtschaftszweige und Teilbereiche der Arbeitsbedingungen hinaus-
gegangen und die gewonnenen Ergebnisse mit theoretischen Annahmen
und empirischen Belegen über die ökonomische und technisch-orga-
nisatorische Entwicklung in Verbindung gebracht würden, weitge-
hend fehlen. 15)
Dies mag nicht zuletzt auf die über weite Strecken mangelhafte
Datenlage und die Komplexität des Untersuchungsfeldes zurückzu-
führen sein. 16)
Konkreter ausgedrückt: Solange es in der Bundesrepublik zwar mög-
lich ist, statistische Angaben über die Anzahl der allmonatlich
eingelegten Bruteier und ausgeschlüpften Küken zu machen, solange
man zwar den Veröffentlichungen der Statistischen Ämter die re-
gelmäßigen Veränderungsraten des bundesdeutschen Obstbaumbestan-
des oder der beschrankten bzw. unbeschrankten Bahnübergänge ent-
nehmen kann, r e g e l m ä ß i g e u n d v e r l ä ß l i c h e
Erhebungen über den Umfang z.B. der Nacht- und Schichtarbeit so-
wie andere, die tatsächliche Qualität der Arbeitsbedingungen be-
legende Daten aber weitgehend fehlen, so lange wird man kaum zu
vollständig empirisch abgesicherten Bestandsaufnahmen der Ar-
beitsbedingungen in der Bundesrepublik kommen und die Entwicklun-
gen auf diesem Gebiet erfassen können. 17)
Das IMSF hat nun eine erste Arbeit zu diesem Themenkomplex vorge-
legt, mit der der sicherlich ergänzungsbedürftige und diskutie-
renswerte Versuch einer Zusammenstellung und Analyse von Daten
über die konkrete Wirklichkeit industrieller Arbeitsbedingungen
in der BRD und gewerkschaftlicher Forderungen und Vorstellungen
zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen unternommen wird. 18)
Aufgabe der Studie war es, anhand vorliegender Daten die Entwick-
lung ausgewählter Indikatoren für die Arbeitsbedingungen und die
durch sie geprägten Anforderungen und Belastungen zu skizzieren.
Dabei wurde von der Arbeitshypothese ausgegangen, daß sich die
Belastungen im Bereich der industriellen Tätigkeiten im Verlauf
der Nachkriegsentwicklung zumindest nicht verringert, wahr-
scheinlich aber erhöht haben. Dies sollte anhand geeigneter Indi-
katoren für die Gesamtarbeitsbelastung (u.a. Arbeitsunfälle, Be-
rufskrankheiten und Invaliditätstaten) belegt werden.
Die folgenden Ausführungen basieren zum Großteil auf dieser Un-
tersuchung, fassen wichtige Ergebnisse zusammen und aktualisieren
sie in einigen Bereichen.
2. Indikatoren für die Entwicklung der Arbeitsbedingungen
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In Anbetracht der gebotenen Kürze können im folgenden nur einige
thesenhafte Anmerkungen zu den groben Entwicklungstrends ausge-
wählter Indikatoren für die Arbeitsbedingungen gemacht werden,
die helfen sollen, die in Tabelle 1 (im Anhang) zusammengestell-
ten empirischen Befunde zu erläutern.
Hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die gesundheitlichen Bela-
stungen sind es vor allem drei Aspekte der Arbeitsbedingungen,
die näher betrachtet werden müssen:
Zum e r s t e n K o m p l e x gehören die Bedingungen, unter
denen die unmittelbare Arbeitsaufgabe erledigt wird. Dabei ist
wichtig zu wissen, wie weit Formen restriktiver Arbeit verbreitet
sind und welche Belastungen mit ihnen verbunden sind. Mit der Or-
ganisation eines großen Teils industrieller Arbeitertätigkeiten -
und seit einiger Zeit auch von Angestelltentätigkeiten - als re-
petitive Teilarbeiten in engem Zusammenhang steht die Entwicklung
der verschiedenen Entlohnungssysteme. Hierbei interessieren be-
sonders die Verbreitung von Leistungslohnsystemen und deren Aus-
wirkungen als Arbeitsbelastungen.
Zum z w e i t e n K o m p l e x belastungsrelevanter Einflüsse
sind die aus der nicht-menschengerechten Gestaltung von Arbeits-
mitteln und -gegenständen sowie aus der Arbeitsumgebung resultie-
renden schädigenden Einflüsse auf die Beschäftigten zu zählen.
Schließlich werden als d r i t t e r K o m p l e x die Ar-
beitszeittegelungen sowohl hinsichtlich der Lage als auch der
Dauer der Arbeitszeit in ihrer Entwicklung skizziert.
Formen des Arbeitsvollzugs
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Unter Belastungsgesichtspunkten interessiert hinsichtlich der
quantitativen Verbreitung und Bedeutung unterschiedlicher Formen
des Arbeitsvollzugs in erster Linie die Verteilung der abhängig
Beschäftigten auf Arbeitsplätze, an denen r e p e t i t i v e
T e i l a r b e i t e n geleistet werden müssen. Arbeitszerle-
gung bis ins Detail und taktgebundene Arbeit drücken sich einmal
- in ihrer deutlichsten Form - als F l i e ß b a n d a r b e i t
aus. Die genaue Zahl der Fließbandarbeiter in der BRD ist, da re-
gelmäßige statistische Erhebungen darüber fehlen, nicht bekannt.
Nach nichtamtlichen Angaben, die auf statistischen Erhebungen des
Allensbacher Instituts für Demoskopie vom August 1972 beruhen,
waren zu diesem Zeitpunkt fast 700 000 Arbeiter am Fließband tä-
tig. Davon waren fast zwei Drittel Frauen. 19)
In extremem Maße belastende Tätigkeiten in Form repetitiver Teil-
arbeit und einfacher Handarbeit reichen jedoch über die reine
Fließbandarbeit hinaus. Taktgebundene und anderweitig monotonie-
fördernde Arbeiten finden sich ebenfalls auf höheren Mechanisie-
rungsstufen in der materiellen Produktion und zunehmend auch im
Angestelltenbereich.
1970 leisteten in der Bundesrepublik ca. 45 Prozent aller in der
Herstellung beschäftigten männlichen Arbeiter überwiegend Handar-
beit. An Halbautomaten und Automaten arbeiteten dagegen erst rund
8 Prozent. Von fast 4,1 Mio. Arbeitern in der Herstellung waren
dies 1,8 bzw. 0,3 Mio. Personen. 20)
Weitere Einblicke in die Verteilung der Arbeiter auf die unter-
schiedlichen Mechanisierungsstufen und Arbeitsplatztypen in der
Industrie ergeben sich aus den industriesoziologischen Untersu-
chungen von Kern und Schumann. 21) Danach üben in diesem Kernbe-
reich der Produktion noch fast 30 Prozent aller Arbeiter einfa-
che, repetitive Teilarbeit aus, die mit steigendem Mechanisie-
rungsgrad unter kapitalistischen Bedingungen auch nicht gänzlich
abgeschafft, sondern vielmehr als Teilfunktionen in den automati-
sierten Bereichen wieder neu eingerichtet werden. 22) Weiterhin
leisten nach Kern und Schumann noch rund 16 Prozent der erfaßten
Arbeiter eher traditionelle Maschinenarbeit, etwa 27 Prozent ar-
beiten in von der Automation erfaßten Bereichen. 23)
Die Ergebnisse einer Mikrozensus-Zusatzerhebung des Statistischen
Bundesamtes vom Juli 1969 allerdings zeigen, daß die vorstehenden
Angaben von Kern und Schumann etwas verzerrt sind: Es ergibt sich
nämlich aus den amtlichen Daten, daß erst rund 14 Prozent der Ar-
beiter an halb- und vollautomatischen Fertigungsanlagen und Ma-
schinen arbeiten, der Anteil der Arbeiter in eher "traditio-
nellen" Arbeitsvollzügen demnach noch höher liegen muß 24).
Auch im Bereich der kaufmännischen und verwaltenden Tätigkeiten
machen sich infolge stärker betriebener Rationalisierung Arbeits-
zerlegung und -zergliederung seit einiger Zeit stärker bemerkbar.
In der BRD konzentriert sich gegenwärtig die Bürorationalisierung
auf die Zerlegung komplexer Arbeitsaufgaben in einfache Teilauf-
gaben. Im Bereich der Textverarbeitung zeichnet sich ein Trend
zur Zentralisierung der Schreibdienste ab, wodurch schätzungs-
weise 200 000 Schreibkräfte in Zukunft eingespart werden können.
Auf diese Weise entstehen Bedingungen, wie wir sie in der Produk-
tion vom Fließband her kennen, so daß man durchaus von einer kom-
menden "Verakkordisierung" des Büros sprechen kann.
Die Arbeitszerlegung dürfte jedoch augenblicklich im Angestell-
tenbereich erst am Anfang ihrer Entwicklung stehen. Vergegenwär-
tigt man sich, daß z.B. die Tätigkeit eines traditionellen Sach-
bearbeiters im Büro in sehr viele unterschiedliche Teiltätigkei-
ten zergliedert werden kann - also etwa Telefonieren, Ablage, Be-
sprechungen mit Kollegen und Vorgesetzten, Kontakte mit Besu-
chern, Besorgen von Arbeitsmaterialien, Bearbeitung von komplexe-
ren Vorgängen (die wiederum unterteilbar sind) ", dann werden die
Möglichkeiten zur Schematisierung von Teiltätigkeiten erst im
vollen Ausmaß deutlich. 25) Nach entsprechenden Schätzungen sol-
len rund 60 Prozent der Büroarbeit aus Routinetätigkeiten, also
aus solchen Tätigkeiten, die sich in regelmäßigen Abständen wie-
derholen, bestehen. 26)
Anhaltspunkte für die Verbreitung und Entwicklung monotonieför-
dernder oder -erzeugender Tätigkeiten geben die von Infas erho-
benen Daten aus den Jahren 1972/73 und 1975. 27) Danach gaben im
Juli/August 1975 fast 23 Prozent der Erwerbsbevölkerung in der
Bundesrepublik an, "immer wieder den gleichen Arbeitsgang mög-
lichst schnell durchführen" zu müssen; das sind (hochgerechnet)
6,1 Mio. Personen. Deutlich überdurchschnittlich betroffen von
Monotonie am Arbeitsplatz sind die Arbeiter: 34 Prozent von ihnen
gaben Monotonie als für ihre Arbeit zutreffende Arbeitsbedingung
an, wobei die an-und ungelernten Arbeiter (die z.B. den überwie-
genden Teil der Fließbandarbeiter ausmachen) mit 42 Prozent noch-
mals deutlicher betroffen waren als die Facharbeiter (29 Pro-
zent). In der gleichen Befragung gaben fast 15 Prozent der Er-
werbsbevölkerung (3,9 Mio. Personen) an, bei ihrer Arbeit
"ununterbrochen und konzentriert auf den gleichen Vorgang blicken
und beobachten" zu müssen. Auch hierbei waren die Arbeiter insge-
samt (19 Prozent) und darunter die an- und ungelernten Arbeiter
(26 Prozent) gegenüber der übrigen Erwerbsbevölkerung deutlich
überdurchschnittlich betroffen.
Interessante Entwicklungstendenzen offenbart der Vergleich zweier
Infas-Erhebungen aus den Jahren 1972/73 und 1975. Danach gaben
als "eher schlechte und störende" Seite ihres derzeitigen Ar-
beitsplatzes die Variablen "Monotonie" bzw. "keine Abwechslung"
1972/73 noch rund 18 Prozent aller - Arbeitnehmer" (18 Prozent
der einfachen / mittleren Angestellten, 15 Prozent der Facharbei-
ter, 26 Prozent der an-und ungelernten Arbeiter) an; dagegen wa-
ren es 1975 nur noch 16 Prozent aller "berufstätigen Arbeitnehmer
insgesamt" (13 Prozent der einfachen/mittleren Angestellten, 14
Prozent der Facharbeiter und 25 Prozent der an- und ungelernten
Arbeiter). 28)
Diese Daten zugrunde gelegt, wäre die Monotonie am Arbeitsplatz
innerhalb von 2 bis 3 Jahren also leicht zurückgegangen; immerhin
wären jedoch noch ca. 3,6 Mio. abhängig Beschäftigte 1975 monoto-
nen Arbeitsbedingungen unterworfen gewesen und hätten diese als
störend empfunden. Betrachtet man allerdings die entsprechenden
Daten für die Berufstätigen insgesamt (die Selbständigen und mit-
helfenden Familienangehörigen sind darin offenbar eingeschlos-
sen), dann zeigt sich dagegen gewachsene Kritik am Arbeitsplatz
aufgrund von Routinearbeit und fehlender Abwechslung (1972: 13
Prozent, 1975: 18 Prozent). (Tabelle 5 im Anhang)
Heute kann keineswegs davon gesprochen werden, daß körperliche
Schwerarbeit und einseitig belastende Tätigkeiten aus dem Produk-
tionsprozeß verschwunden sind. "Die Annahme, auf dem heutigen Ni-
veau der Produktionstechnik gehöre körperliche Schwerstarbeit mit
extremen muskulären Belastungen und schädlichen Umgebungseinflüs-
sen mehr oder weniger der Vergangenheit an, ist falsch. (...) In
den arbeitsintensiven Bereichen der Industrie, wo Tätigkeiten der
Maschinenbedienung, der Fließband- und Taktarbeiten sowie der
Mehrstellenarbeit vorherrschen, hat die muskuläre Belastungskom-
ponente - zumeist im Sinne einseitiger Belastungen - durch die
hohe Arbeitsgeschwindigkeit und gesteigerte Leistungsnormen ihre
Bedeutung für die Gesamtbelastung der Arbeiter nicht nur behal-
ten, sondern in vielen Fällen sogar verstärkt." 29)
Schätzte Hettinger 1971, körperliche Schwer- und Schwerstarbeit
würde nur noch von ca. 1,5 Mio. bis 2 Mio. Beschäftigten in der
BRD geleistet 30), so verweisen die neueren (empirisch abgesi-
cherten) Daten der Infas-Erhebung auf einen weit größeren Kreis
von Schwerarbeitern und einseitig Belasteten. Die Daten in den
Tabellen 1, 2, 3 und 5 zeigen, daß mehr als 40 Prozent der Fach-
arbeiter und jeder fünfte Berufstätige insgesamt die körperliche
Anstrengung bei der Arbeit kritisieren, fast ein Siebtel der Er-
werbstätigen mit schweren Lasten umgehen müssen und jeder 13. Er-
werbstätige in der BRD mit schwerem Werkzeug hantieren muß. Ins-
gesamt dürfte sich die Zahl der p h y s i s c h stark bean-
spruchten Beschäftigten also zwischen 2 Mio. und fast 5 Mio. Per-
sonen bewegen, wobei berücksichtigt werden muß, daß die Zahl der
darüber hinaus in starkem Maße p s y c h i s c h Beanspruchten
noch weitaus höher liegen dürfte: Einen Anhaltspunkt dafür bieten
die 6,8 bis 9,4 Mio. Erwerbstätigen, die angeben, durch die Ar-
beit nervlich belastet bzw. "gestreßt" zu werden.
Entlohnungsformen:
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Die Entwicklung der E n t l o h n u n g s f o r m e n hängt eng
mit technischen und organisatorischen Rationalisierungsmaßnahmen
zusammen. Die Veränderung der Grundlagen der Entlohnung und der
Lohnformen selbst vollzieht sich aber nicht einfach nur im Ge-
folge des technisch-organisatorischen Wandels und als dessen
sichtbarer Ausdruck. Sondern zugleich weisen veränderte Lohnfin-
dungs- und Entlohnungsmethoden auf neue Arbeitsanforderungen und
-belastungen hin.
Die verstärkte Anwendung von Leistungslohnsystemen bedeutet für
die Beschäftigten eine weitere Intensivierung der Arbeitsveraus-
gabung. Bereits Marx formulierte: "Daß der Arbeiter aber auch
wirklich mehr Arbeitskraft flüssig macht, dafür sorgt das Kapital
durch die Methode der Zahlung." 31)
Insgesamt zeichnet sich in der BRD eine Tendenz zur Ausbreitung
der Leistungsentlohnung ab, die sich zwar langsam, aber stetig
vollzieht. Besonders zwischen 1966 und 1972 hat der Anteil der
Leistungslöhner, also der nach Akkord und Prämie entlohnten Ar-
beiter, an allen Arbeitern sprunghaft zugenommen.
Bei den männlichen Arbeitern liegt dieser Anteil etwa bei einem
Drittel aller Arbeiter, bei den weiblichen bei mehr als zwei
Fünfteln. Unter den männlichen Arbeitern hat der Anteil der Lei-
stungslöhner in allen Leistungsgruppen zugenommen, am deutlich-
sten unter den am wenigsten qualifizierten Arbeitern. Bei den Ar-
beiterinnen hat der Leistungslohn ebenfalls am meisten unter den
unqualifizierten zugenommen. Heute kann man davon ausgehen, daß
fast 40 Prozent aller Arbeiter und mehr als 50 Prozent aller Ar-
beiterinnen ganz oder teilweise im Akkord- und Prämienlohn
(Mischlöhner eingeschlossen) arbeiten. 32)
Mit der weiteren Ausbreitung leistungs- und ergebnisbezogener
Entlohnungsformen werden sich zukünftig auch die Arbeitsbelastun-
gen weiter verschärfen. Wenn auch beim Akkord leicht rückläufige
Tendenzen festzustellen sind, so darf mit Sicherheit ein stär-
keres Ansteigen der Prämienentlohnung erwartet werden. Die Ten-
denz dürfte dabei zu einer immer stärkeren Reglementierung der
Zeitlohnarbeit gehen, wobei der Zeitlohn mit den unterschiedlich-
sten Leistungszulagen, die nicht einmal tarifvertraglich abgesi-
chert sein müssen und jederzeit wieder zurückgenommen werden kön-
nen, gekoppelt wird.
Prämienentlohnung wird zunehmend auch im Angestelltenbereich ein-
geführt, vor allem in zentralen Schreibdiensten von Unternehmen
und Behörden, wo sich die Höhe der Prämie dann etwa nach der Zahl
der erbrachten Anschläge pro Zeiteinheit beim Maschineschreiben
richtet. Auch in der Datenverarbeitung, z.B. an Arbeitsplätzen
von Locherinnen und Prüferinnen, wird zunehmend häufiger zur Prä-
mienentlohnung übergegangen.
Arbeitsumgebungseinflüsse
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Die u n m i t t e l b a r e A r b e i t s u m g e b u n g
u n d i h r e G e s t a l t u n g spielen für die Kapitalisten
eine prinzipiell den Verwertungsinteressen untergeordnete Rolle.
Bei der Konstruktion von Maschinen, der Einrichtung von Werkshal-
len und Büros werden klimatische, akustische, optische und ähnli-
che Einflüsse nur insofern berücksichtigt, als von ihnen Wirkun-
gen auf das individuelle Leistungsniveau der Beschäftigten ausge-
hen, als es die Art der Produktion notwendig macht oder gesetz-
lich bzw. anderweitig festgelegte Mindestnormen existieren.
Über die genannten Arbeitsumgebungseinflüsse und ihre Wirkungen
auf die Gesundheit der Menschen liegen zwar viele arbeitswissen-
schaftliche und arbeitsmedizinische Erkenntnisse vor; kaum aber
ist etwas über die tatsächliche quantitative Verbreitung dieser
Einflüsse an Arbeitsplätzen in der BRD bekannt.
Allerdings konnten in jüngster Zeit aus verschiedenen Untersu-
chungen erste Anhaltspunkte gewonnen werden. So gab in einer Be-
fragung von 4000 Arbeitern und Angestellten durch das Bayerische
Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung aus dem Jahre 1975
33) mehr als die Hälfte der Befragten an, in einem gut gestalte-
ten Arbeitsplatz eines der wichtigsten Kriterien für die allge-
meine Arbeitszufriedenheit zu sehen. Allerdings wird gleichzeitig
von einem Drittel der Befragten die räumliche Enge des Arbeits-
platzes beklagt, von einem Viertel ein unbequem gestalteter Ar-
beitsplatz. Jeder sechste Befragte bezeichnet die Körperhaltung,
in der er zu arbeiten gezwungen ist, als ungünstig. 34) Jeder
zweite Beschäftigte beklagt das Fehlen körpergerechter Arm- und
Fußstützen, und an mehr als 50 Prozent der Arbeitsplätze, an
denen diese für erforderlich gehalten werden, fehlen sie entweder
oder sind nicht körpergerecht angebracht. Von nur kleineren Be-
schäftigtengruppen werden die Gestaltung von Werkzeugen und Ge-
räten und die Betätigung von Bedienungselementen, die Höhe der
Arbeitsfläche usw. bemängelt.
Diese Umfrageergebnisse sind insofern interessant, als sie zei-
gen, daß bei großen Teilen der Beschäftigten einseitige Arbeits-
belastungen noch gesenkt werden könnten, ohne daß in der Regel
teure Investitionen notwendig wären. Zugleich zeigen diese Daten
aber auch, daß durch an sich vermeidbare Belastungsformen, wie z.
B. unnatürliche Körperhaltung, selbst bei verhältnismäßig leich-
ter körperlicher Arbeit Beanspruchungen auftreten können, die
langfristig gesundheitliche Schäden zur Folge haben.
Neben der Gestaltung von Arbeitsmaschinen und -geräten selbst
spielen die klimatischen, optischen und akustischen Arbeitsumge-
bungsbedingungen eine wichtige Rolle als Belastungsfaktoren. Wie
aus den Tabellen 1 und 3 ersichtlich, kommt den Faktoren Lärm,
Hitzearbeit, Arbeit im Freien und offenen Hallen, Zugluft, Staub,
Nässe, Rütteln/Vibrieren, Gestank/giftige Gase, Beleuchtung und
Kältearbeit große quantitative Bedeutung als Belastungsmomenten
zu. Nicht umsonst stellen die arbeitsbedingten Lärmerkrankungen
(Lärmschwerhörigkeit und Lärmtaubheit) auch einen Großteil der
jährlich gemeldeten Berufskrankheiten dar, die ständig weiter an-
wachsen. Daneben kommt insbesondere den berufsbedingten Hauter-
krankungen, der Silikose (Quarzstaublunge), Infektionskrankhei-
ten, Meniskusschäden und Erkrankungen der Sehnenscheiden als häu-
figsten Berufskrankheiten Bedeutung zu.
Gravierende Mißstände deckte eine Umfrage des Deutschen Gewerk-
schaftsbundes unter 45- bis 65jährigen Arbeiterinnen und weibli-
chen Angestellten im Jahre 1973 auf. Dabei stellte sich heraus,
daß sich die Befragten am häufigsten über die Lärm-, Licht- und
hygienischen Verhältnisse an ihren Arbeitsplätzen beklagten. Be-
sonders unter Arbeiterinnen standen diese direkt arbeitsplatzbe-
zogenen Fragen unmittelbar hinter der am stärksten kritisierten
Arbeitshetze im Mittelpunkt der vielfältigen Begründungen für die
geäußerte Überforderung bei der Arbeit. 35)
Große Mängel in der Gestaltung der direkten Arbeitsumgebung be-
legte auch die bereits erwähnte Umfrage des Bayerischen Staatsmi-
nisteriums für Arbeit und Sozialordnung. Danach geben rund 30
Prozent der Befragten an, ihr Arbeitsraum erhalte nicht genügend
Tageslicht, die Hälfte der Befragten hält die Belüftung ihres Ar-
beitsraums nicht für ausreichend, und jeder neunte Befragte gibt
an, daß sein Arbeitsbereich nicht geheizt werden kann. 36)
Aus einer 1977 vom Verband der Metallindustrie in Baden-Württem-
berg publizierten Untersuchung 37) über die Gestaltung der Ar-
beitsbedingungen in 92 Betrieben mit insgesamt rund 68 000 Be-
schäftigten geht hervor, daß lediglich in 5 2 Prozent der unter-
suchten Betriebe die Beleuchtungsmöglichkeiten als "den Anforde-
rungen entsprechend" bezeichnet werden können, in jedem fünften
Betrieb die Lufttemperatur nicht den Anforderungen entspricht und
in mehr als einem Viertel der Betriebe die Be- und Entlüftungs-
verhältnisse nur als teilweise befriedigend anzusehen sind.
Hinsichtlich der Verbreitung gefährlicher Arbeitsstoffe wurde
festgestellt, daß in 53 Prozent der Betriebe Hitze, Gase, Dämpfe
und Rauch als Belastungen auftreten. Aber lediglich in 36 Prozent
der untersuchten Betriebe werden Beschäftigte an Arbeitsplätzen,
an denen Rauch, Gase und Dämpfe arbeitserschwerend auftreten, re-
gelmäßig und gezielt arbeitsmedizinisch untersucht. Zusammenfas-
send wird festgestellt, daß nur bei einem Drittel der untersuch-
ten Firmen die Berücksichtigung ergonomischer Erkenntnisse bei
der Gestaltung von Einzelarbeitsplätzen aufgrund eines systemati-
schen Gesamtkonzepts, bei etwa einem Siebtel der Betriebe bei der
Gestaltung ganzer Arbeitsbereiche erkennbar ist.
Die Ergebnisse dieser und anderer Untersuchungen zeigen, daß im
Bereich der Gestaltung der unmittelbaren Arbeitsumgebung noch be-
trächtliche Mißstände zu beseitigen sind, bevor von menschenge-
rechten Arbeitsbedingungen gesprochen werden kann. Insgesamt kann
davon ausgegangen werden, daß gesundheitsschädigenden Arbeitsum-
gebungseinflüssen im Prozeß fortschreitender Mechanisierung und
Automatisierung zwar langfristig eine geringere Bedeutung zu-
kommt, daß sie aber heute - und wahrscheinlich auch noch mittel-
fristig - noch ein großes Problem darstellen.
Arbeitszeitregelungen
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Der Gestaltung der A r b e i t s z e i t kommt hinsichtlich der
Belastungsentwicklung in doppelter Weise große Bedeutung zu,
sowohl was die Länge der Arbeitszeit als auch was deren Dauer be-
trifft: Einmal wird durch die Länge der Arbeitszeit der zeitliche
Rahmen gesetzt, in dem sich bestimmte Arbeitsbedingungen als Be-
lastungen auswirken können. Zum zweiten stellen Länge und Lage
der Arbeitszeit selbst Faktoren dar, die belastend, belastungs-
verschärfend bzw. belastungsmindernd wirken können. Der empiri-
sche Beweis für die Gültigkeit dieser Zusammenhänge ist durch
zahlreiche arbeitswissenschaftliche und arbeitsmedizinische Un-
tersuchungen erbracht: So der Zusammenhang von Arbeitszeitdauer
und Unfallgefährdung und -häufigkeit, Arbeitszeitdauer und Er-
krankungshäufigkeit usw.
Wenn wir zunächst die Entwicklung der t a r i f l i c h e n
A r b e i t s z e i t betrachten, dann ist hierbei zu berück-
sichtigen, daß diese Größe lediglich Aufschlüsse über die von den
Gewerkschaften erkämpfte, tarifvertraglich normierte Arbeitszeit-
dauer geben kann, jedoch nichts über die tatsächlich geleistete
Arbeitszeit aussagt. Zwischen beiden bestehen beträchtliche Dif-
ferenzen.
Der generelle Durchbruch zur 40-Stunden-Woche gelang den Gewerk-
schaften in den meisten Wirtschaftszweigen erst in den siebziger
Jahren. Allerdings muß angemerkt werden , daß außerhalb der Indu-
strie zum Teil bis heute noch keine derartigen Arbeitszeitverkür-
zungen erreicht sind: So arbeitete etwa in der Landwirtschaft, wo
1966 erst die 46-Stunden-Woche erreicht wurde, auch 1976 noch
mehr als die Hälfte der abhängig Beschäftigten mehr als 44 Stun-
den pro Woche - Mehrarbeitsstunden nicht eingerechnet.
Nach Berechnungen des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen
Instituts (WSI) des Deutschen Gewerkschaftsbundes war zum
31.12.1976 für rund 92 Prozent aller Beschäftigten die 40-Stun-
den-Woche tarifvertraglich vereinbart. Allerdings muß hierzu an-
gemerkt werden, daß diese Angaben nur für die Bereiche gelten,
für die auch Tarifverträge zwischen Gewerkschaften und Unterneh-
merverbänden vereinbart waren.
Die tarifvertraglich vereinbarte Wochenarbeitszeit kann durch
M e h r a r b e i t s s t u n d e n (Überstunden) verlängert
werden. Die Entwicklung der Mehrarbeitsstunden steht in engem Zu-
sammenhang mit der konjunkturellen Entwicklung, der jeweiligen
betrieblichen und Branchensituation. Ferner bestehen Zusammen-
hänge zwischen Einkommenshöhe und Überstundenarbeit: Schlechter
verdienende Beschäftigte leisten durchschnittlich mehr Überstun-
den als besser verdienende. 38)
Überstunden werden auch noch in Zeiten wirtschaftlicher Krisen
geleistet: "Während Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit zunehmen,
stagniert oder steigt die Arbeitszeit der voll Arbeitenden." 39)
Betrug die durchschnittlich wöchentlich von den Industriearbei-
tern geleistete Mehrarbeitszeit im Jahre 1974 3 Stunden, so ging
sie bis Juli 1976 um nur 0,4 auf durchschnittlich 2,6 Stunden zu-
rück. Die Zahl der Arbeitslosen stieg dagegen zwischen 1974 und
1976 um mehr als eine halbe Million Personen an.
Überstundenarbeit wird von den Beschäftigten, gerade in wirt-
schaftlichen Krisenzeiten, nicht nur wegen (oftmals nur geringfü-
gig) höherer Einkommen geleistet; vielmehr wirkt sich hierbei die
disziplinierende Funktion der Krise auf die Arbeitenden aus. "Die
Überarbeit des beschäftigten Teils der Arbeiterklasse schwellt
die Reihen ihrer Reserve, während umgekehrt der vermehrte Druck,
den die letztere durch ihre Konkurrenz auf die erstere ausübt,
diese zur Überarbeit und Unterwerfung unter die Diktate des Kapi-
tals zwingt." 40)
Die 40-Stunden-Arbeitswoche stellt in der Bundesrepublik also
eher die Ausnahme als die Regel dar. Mindestens 4 Mio. Erwerbstä-
tige arbeiten sogar normalerweise 45 und mehr Stunden wöchent-
lich.
Während die tarifliche und die geleistete Arbeitszeit in ihrer
Länge in der Vergangenheit verkürzt werden konnten, haben die Un-
ternehmer über die Intensivierung der Arbeit durch technische und
organisatorische Rationalisierung zumindest einen Teil der durch
Arbeitszeitverkürzungen erzielten Belastungsminderungen wieder
kompensieren können.
Zu den Maßnahmen, die der besseren Kapitalverwertung und der Er-
höhung der Umschlagsgeschwindigkeit des Kapitals dienen und die
sich gleichzeitig belastungserhöhend für die Beschäftigten aus-
wirken, gehören S c h i c h t- u n d N a c h t a r b e i t.
Mit diesen verbunden werden muß die S o n n- u n d F e i e r-
t a g s a r b e i t, die in vielen Fällen unmittelbare Folge des
Schichtbetriebes ist.
Die Zahl der Schichtarbeiter, unabhängig davon, ob Nacht- oder
Tagschicht gearbeitet wurde, nahm zwischen 1960 und 1975 um 3,6
Mio. Personen oder 164 Prozent zu, während die Gesamtzahl der Er-
werbstätigen um fast l Mio. Personen oder 3,5 Prozent zurückging.
1975 arbeitete jeder vierte Erwerbstätige in der BRD in Schicht,
1960 erst jeder zwölfte. 1,9 Mio. Personen, das sind 31 Prozent
aller Schichtarbeiter (1975), leisteten nachts Schichtarbeit. Die
Zahl der Nachtarbeiter beträgt heute - nach unterschiedlichen An-
gaben - zwischen 2,3 und 3,1 Mio. Personen. An Sonn- und Feierta-
gen arbeiten fast 5 Mio. Erwerbstätige.
Die Ursachen für den Anstieg des Anteils der Beschäftigten mit
Schicht-, Nacht-, Sonn- und Feiertagsarbeit, der sich ohne ent-
schiedene gewerkschaftliche Gegenwehr zukünftig weiter fortsetzen
wird, liegen zum überwiegenden Teil in den kapitalistischen Be-
strebungen zur optimalen Nutzung der Produktionskapazitäten rund
um die Uhr. Hierbei beschränkt sich die Nachtarbeit (als Bei-
spiel) nicht auf technisch nicht abstellbare Arbeitsprozesse,
sondern sie wird darüber hinaus in vielen Fällen auch in solchen
Wirtschaftszweigen und Produktionsanlagen geleistet, wo Arbeits-
unterbrechungen während der Nachtstunden technisch zwar möglich,
aber unter Gesichtspunkten der Maximierung des Profits ökonomisch
für den Einzelkapitalisten nicht sinnvoll wären.
Die Problematik der Schicht- und Nachtarbeit besteht für viele
Beschäftigte oftmals darin, daß sie auf Lohnzuschläge durch
Nachtarbeit angewiesen sind. Häufig werden zwar die mit solchen
Arbeitszeitregelungen verbundenen gesundheitlichen Risiken von
den Beschäftigten erkannt, oftmals besteht für sie aber keine
Möglichkeit, auf andere Arbeitsplätze auszuweichen. Finanzielle
Anreize bewirken ein übriges.
Da Schicht- und Nachtarbeit auch zukünftig nicht gänzlich abzu-
bauen sein werden, wenngleich die gewerkschaftlichen Bestrebungen
dahin gehen, sie einzuschränken und von behördlichen Sondergeneh-
migungen abhängig zu machen, wird sich die gewerkschaftliche Po-
litik in diesem Bereich verstärkt darauf zu richten haben, bes-
sere Freizeit-und Urlaubsregelungen, medizinische Versorgung und
Überwachung und gegebenenfalls Altersbegrenzungen für Nacht- und
Schichtarbeit, gekoppelt mit Abkommen über Besitzstandsicherung
bei Versetzung auf andere Arbeitsplätze, für Schichtarbeiter
durchzusetzen.
3. Ist die Arbeit "leichter" geworden?
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Aus den skizzierten Entwicklungstendenzen kann nicht abgeleitet
werden, daß die Arbeitsbedingungen durchgängig und für alle Grup-
pen der abhängig Beschäftigten grundlegend verbessert worden
sind. Vielmehr kann demgegenüber allenfalls von einer Verlagerung
von Belastungen, also einem tendenziellen Abnehmen körperlicher
bei gleichzeitigem, wahrscheinlich stärkerem Anwachsen psychoso-
zialer Belastungen, gesprochen werden.
Als Indiz für die wachsende Bedeutung psychischer Belastungen bei
der Arbeit können die in den Infas-Untersuchungen von 1972/73 und
1975 deutlich an der Spitze der Belastungsskala stehenden Vari-
ablen "nervliche Belastung" und "Hektik/Zeitdruck" bzw. "Streß"
und "Monotonie", die jeweils von großen Gruppen der Erwerbstäti-
gen (zwischen fast 25 und mehr als 40 Prozent der Befragten) als
Belastungen genannt werden, angesehen werden. (Tabelle 2)
Seit der Untersuchung von Volkholz ist nun für die BRD auch be-
kannt, wie viele und welche Belastungen bei welchen Gruppen von
Erwerbstätigen gehäuft auftreten. (Tabelle 4)
Die durchschnittliche Belastungshäufigkeit lag 1975 für alle Er-
werbstätigen bei 2,52, bei den Abhängigen bei 2,63, bei den männ-
lichen Arbeitern sogar bei 4,12. Auf den Durchschnitt der männli-
chen Arbeiter in der BRD trafen demnach mehr als vier der in Ta-
belle 3 genannten Belastungen zu. Mindestens eine Belastung nann-
ten 18,5 Mio. Erwerbstätige, rund 4 Mio. Erwerbstätige gaben
sechs und mehr Belastungen an. Selbst wenn man davon ausgeht, daß
es sich hierbei "nur" um von den Befragten subjektiv empfundene
Belastungen handelt, muß ihre Verbreitung - besonders unter den
abhängig Beschäftigten - erschrecken: Rechnet man nur die Extrem-
gruppen mit 6 und mehr Belastungen hoch, dann ergibt sich: 3,7
Mio. von rund 22,3 Mio. abhängig Erwerbstätigen insgesamt (rund
17 Prozent) und 2,7 Mio. von 10,9 Mio. Arbeitern (rund 25 Pro-
zent) haben in der BRD unter extrem schlechten Arbeitsbedingungen
zu leiden. Dagegen geben nur 29 Prozent der abhängig Erwerbstäti-
gen an, bei ihrer Arbeit keinen Belastungen ausgesetzt zu sein.
Die genannten Daten vermögen freilich lediglich den gegenwärtigen
Zustand grob zu beschreiben, nicht jedoch die mittel- oder lang-
fristigen Entwicklungstendenzen der durch den Arbeitsvollzug ver-
ursachten Gesamtarbeitsbelastung empirisch abzusichern. Hierzu
wurden in der Vergangenheit von verschiedenen Autoren Indikatoren
entwickelt, die mehr oder minder aussagekräftig sind: so etwa
Fluktuations- und Absentismusraten, Krankenstandsziffern, Berufs-
krankheiten- und Arbeitsunfallzahlen, Invaliditätsraten und
Sterblichkeits- bzw. Lebenserwartungsziffern. "Ihre Veränderung
ist zwar auch durch die Veränderung von Bedingungen mitverur-
sacht, die nicht unmittelbar mit Arbeitsbelastungen in Zusammen-
hang gebracht werden können - von Grippewellen bis zur Entwick-
lung der medizinischen Wissenschaft, von Veränderungen gesetzli-
cher Normierungen bis zum 'Gesundheitsbewußsein' einer Gesell-
schaft oder Gesellschaftsschicht und seinen Wandlungen. Doch läßt
sich von ihnen trotzdem, wenn schon nicht auf die absolute Höhe
der Gesamtbelastung, so doch zum einen zumindest auf ihre Verän-
derung im Zeitablauf und zum anderen auf arbeitsbedingte Unter-
schiede in der Gesamtbelastung schließen, der unterschiedliche
Beschäftigtengruppen unterliegen." 41)
Am Beispiel der Entwicklung der Arbeitsunfälle, Berufskrankheiten
und der Frühinvalidität soll dies konkretisiert werden.
Arbeitsunfälle
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Die langfristige Entwicklung der Arbeitsunfälle in der BRD 42)
(Tabellen 6 und 7) zeigt zwischen 1949 und 1961, dem bisherigen
Höhepunkt der Unfallentwicklung in der BRD, zunächst steigende,
danach - mit Unterbrechungen - fallende Tendenz. Dabei sind in
allen Gruppen von Unfallversicherungsträgern langfristige Rück-
gänge zu verzeichnen, wenn man die extrem niedrigen Zahlen vom
Ende der vierziger / Anfang der fünfziger Jahre, die auf stati-
stische Unzulänglichkeiten, aber auch andere Faktoren zurückzu-
führen sein mögen, außer acht läßt. Allerdings vermögen die abso-
luten Unfallzahlen (Tabelle 6) lediglich einen ersten Eindruck
von den Größenordnungen zu vermitteln, mit denen wir es zu tun
haben. Um zu aussagekräftigen Ziffern zu gelangen, müssen diese
Zahlen ins Verhältnis zur Zahl der jeweils Beschäftigten bzw.
Versicherten gesetzt werden. Die amtliche Statistik hat sich da-
für den fiktiven "Vollarbeiter" geschaffen, der - ermittelt aus
der Versichertenzahl oder der Zahl der geleisteten Arbeitsstunden
- den zeitlichen Umfang der jährlichen Beschäftigung berücksich-
tigen soll. Auch die Häufigkeitsziffern je 1000 Vollarbeiter kön-
nen nur grobe Entwicklungstendenzen verdeutlichen, da die Berech-
nung der Vollarbeiter-Zahlen bei den einzelnen Berufsgenossen-
schaften (Träger der Unfallversicherung) uneinheitlich ist.
Betrachtet man die Entwicklung der angezeigten Arbeitsunfälle un-
ter diesen Vorbehalten, dann lassen sich die folgenden groben
Tendenzen ausmachen: Für die Unfallversicherungsttäger insgesamt
nehmen die relativen Häufigkeiten zwischen 1949 und 1961 um 93
Prozent zu - verdoppeln sich also fast -, um danach bis 1976 wie-
der um 36 Prozent zu fallen. Während allerdings bis 1961 konstant
Zuwächse zu verzeichnen waren, verläuft die Entwicklung seitdem
differenziertet. Was sich bei den absoluten Zahlen bereits andeu-
tete, nämlich ein kontinuierlicher Rückgang der Unfälle von 1961
auf 1967, kommt in den Relativzahlen noch deutlicher zum Aus-
druck: Zwischen 1961 und dem Krisentiefpunkt 1967 gehen die Ar-
beitsunfälle je 1000 Vollarbeiter um 24 Prozent zurück. Nach kur-
zem Anstieg zwischen 1968 und 1970 (+2 Prozent) ist seit 1971
schließlich wiederum ein Rückgang festzustellen (1971/1976: -20
Prozent), der sich seit dem Beginn der gegenwärtigen Krise
1973/74 beschleunigt hat. Zwischen 1949 und 1976 sind die Ar-
beitsunfälle je 1000 Vollarbeiter aber immer noch um 23 Prozent
gestiegen! Lediglich in den Jahren 1949 bis 1951 lag die Zahl der
angezeigten Arbeitsunfälle je 1000 Vollarbeiter niedriger als
heute. Von einem langfristigen Rückgang der Arbeitsunfälle, bezo-
gen auf die Zahl der jeweils Versicherten bzw. Vollarbeiter, kann
demnach nur unter Vorbehalten gesprochen werden.
Die drastischen Unfallrückgänge in den Jahren 1967 und 1974/75
verweisen auf die Abhängigkeit der Unfallanzeigen von der ökono-
mischen Entwicklung. Einmal ist verständlich, daß sich mit kon-
junkturbedingten Beschäftigungsrückgängen auch die Zahl der po-
tentiell Unfallgefährdeten und damit die Zahl der Arbeitsunfälle
selbst verringert. Darüber hinaus muß aber angenommen werden, daß
in Krisenzeiten aus Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes Ar-
beitsunfälle in verstärktem Maß nicht angezeigt werden. Als diese
Annahme verstärkendes weiteres Indiz mag der statistisch nach-
weisbare, krisenbedingt deutlich niedrigere Krankenstand gelten.
43)
Deutlicher als für die Gesamtheit der Unfallversicherungsträger
kommen die genannten Tendenzen in den Daten für die gewerblichen
Berufsgenossenschaften, in deren Bereich sich etwa 80 Prozent der
angezeigten Arbeitsunfälle ereignen, zum Ausdruck. Eine ähnliche
Entwicklung, wenn auch mit leichten zeitlichen Verschiebungen und
einem geringeren Rückgang der Unfallhäufigkeit von 1961 auf 1976
(-11 Prozent), zeigt sich für die Eigenunfallversicherungsträger
(öffentlicher Dienst, Post, Bahn). Dagegen fällt die Entwicklung
im landwirtschaftlichen Bereich völlig aus dem Rahmen: Wo die
Statistik der absoluten Unfallzahlen einen Rückgang vorspiegelt,
haben wir es statt dessen, aufgrund stärker als die Zahl der Un-
fälle gesunkener Beschäftigtenzahlen, mit einem starken Anstieg
der Unfallhäufigkeit seit 1961 zu tun (1961/1976: +21 Prozent).
Bisher war nur von den a n g e z e i g t e n Arbeitsunfällen
die Rede, die jedoch nur einen Teil der sich tatsächlich ereig-
nenden Arbeitsunfälle ausmachen.
Aus den vom Statistischen Bundesamt in unregelmäßigen Abständen
durchgeführten Zusatzbefragungen zum Mikrozensus verfügen wir
über Arbeitsunfalldaten, die zwischen einem Drittel und vier
Fünfteln über denen für die angezeigten Arbeitsunfälle liegen
(Tabelle 8). Gleichwohl ist, die Mikrozensus-Zahlen zugrunde ge-
legt, ein starker Unfallrückgang seit dem Beginn der siebziger
Jahre nicht zu übersehen.
Fragt man nun nach den Ursachen für den Rückgang der angezeigten
Arbeitsunfälle seit 1961, so wird man in zahlreichen Veröffentli-
chungen zumeist auf die offenbar positiven Wirkungen gesteigerter
Arbeitsschutzaktivitäten des Staates und der Unternehmer verwie-
sen. Kaum einmal wird jedoch von offiziellen und offiziösen Stel-
len nach möglichen weiteren Ursachen gefragt. Damit sollen Ver-
besserungen auf dem Gebiet des Arbeitsschutzes, die hauptsächlich
unter dem Druck gewerkschaftlicher Aktivitäten vor allem in den
sechziger und am Beginn der siebziger Jahre erzielt wurden, kei-
neswegs in ihrer Bedeutung gemindert werden. Andererseits ist je-
doch nicht zu übersehen, daß diese Maßnahmen nur begrenzt wirksam
wurden.
Ausgehend von der Hypothese, daß der Rückgang der Arbeitsunfälle
vor allem auf die Verminderung des Arbeitsvolumens und den Struk-
turwandel in der Wirtschaft zurückzuführen ist, haben wir ver-
sucht, erste grobe Näherungswerte für den Einfluß verschiedener
"natürlicher" Komponenten des Unfallrückgangs zu berechnen. 44)
Die Ergebnisse in Tabelle 9 zeigen, daß bei Berechnung von nur
drei relevanten Faktoren, nämlich der Verminderung des Arbeirsvo-
lumens, der Veränderung der Branchenstruktur (Rückgang der un-
fallträchtigen Bereiche) und sozialstrukturellen Verschiebungen
(Verringerung des Arbeiteranteils), der Unfallrückgang von 1967
auf 1975 45) vollständig aus diesen objektiven Veränderungen er-
klärt werden kann. Hätte also 1975 die gleiche Branchen- und So-
zialstruktur wie 1967 bestanden und hätte sich das Arbeitsvolumen
nicht verringert, dann hätte die Zahl der angezeigten Arbeitsun-
fälle 1975 weitaus höher gelegen.
An der Entwicklung der Zahl der angezeigten Arbeitsunfälle allein
lassen sich, vergegenwärtigt man sich überdies die in Tabelle 5
enthaltenen Daten zur Unfallgefahr, die ein gestiegenes Unfallri-
siko innerhalb weniger Jahre signalisieren, "humaner "gewordene
Arbeitsbedingungen und gesunkene Arbeitsbelastungen noch nicht
ablesen.
Berufskrankheiten
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Erschreckender als die Unfallbilanz präsentiert sich die Entwick-
lung der angezeigten Berufskrankheiten in der BRD, die absolut
und relativ seit Mitte der sechziger Jahre wieder ansteigen.
(Tabelle 10)
Dazu muß angemerkt werden, "daß die Berufskrankheitenstatistik
der Unfallversicherungsrräger nur einen Teil der arbeitsbedingten
Erkrankungen erfaßt, was sich damit erklären läßt, daß die Defi-
nition der Berufskrankheiten weniger einen medizinischen als
vielmehr einen versicherungsrechtlichen Tatbestand umschreibt."
46) Eine Krankheit gilt danach nur als berufsbedingt, "wenn sie
auf eine Einwirkung zurückgeht, die nach den pathophysiologischen
Theorien eine solche Krankheit mit hinreichender Wahrscheinlich-
keit verursacht". 47) Diese Kausalitätsnorm bedeutet in der Pra-
xis den Ausschluß vieler Krankheiten aus der Entschädigungs-
pflicht. So bleiben ein großer Teil der organischen Krankheiten,
sämtliche psychosomatischen und psychischen Erkrankungen aus dem
Bereich der "amtlichen" Berufskrankheiten ausgeschlossen. 48)
Zwischen 1949 und 1975 wurden in der BRD etwa 950 000 Berufs-
krankheitsfälle gemeldet. Zwischen 1949 und 1954 stiegen sie bis
auf jährlich fast 56 000 an, um danach bis 1968 wieder auf etwa
26 000 abzusinken. Seit 1968 ist wiederum eine stark ansteigende
Tendenz zu verzeichnen, was zweifellos auf die wachsende Bedeu-
tung der Lärmerkrankungen zurückzuführen ist. Weitete besonders
häufig auftretende Berufskrankheiten sind z.B. Hauterkrankungen,
Silikosen, Infektionskrankheiten, Sehnenscheidenerkrankungen und
Meniskusschäden. Insbesondere die Wirtschaftsbereiche, in denen
schwerpunktmäßig Arbeiter beschäftigt sind, wie etwa der Bergbau,
die Industrie der Steine und Erden, die Eisen- und Stahlindu-
strie, die elektrotechnische Industrie, die chemische Industrie
und die Bauwirtschaft, die etwa die Hälfte aller Beschäftigten
umfassen, sind in stärkerem Maß von Berufskrankheiten betroffen
als andere Wirtschaftszweige. Im Jahr 1975 entfielen auf die ge-
nannten Zweige fast drei Viertel aller gemeldeten Berufskrankhei-
ten. Mehr als 8000 Menschen starben seit 1949 an den Folgen von
Berufskrankheiten.
Frühinvalidität
---------------
Die quantitative Entwicklung der Frühinvalidität kann hier ledig-
lich gestreift werden. In Tabelle 11 sind die Rentenbestände der
unter 65jährigen Arbeiter und Angestellten zusammengestellt.
Freilich ist hieraus noch nicht das gesamte Ausmaß der Frühinva-
lidität erkennbar, weil Verletztenrenten infolge von erstmals
entschädigten Arbeitsunfällen (Ende 1974 rund 802 000 49), die
die Berufsgenossenschaften bezahlen, hierin nur zum Teil erfaßt
sind. Nicht enthalten sind ferner die ruhenden Renten und solche,
die unmittelbar von den Versicherungsträgern gezahlt werden. 50)
Die ausgewiesenen Rentenbestände zeigen, daß es 1974 in der Bun-
desrepublik rund 365 000 Rentner unter 60 Jahren gab, die berufs-
oder erwerbsunfähig waren und daß diese Zahl in der Altersgruppe
der 60- bis 65jährigen noch einmal steil auf über 1 Million an-
steigt. Das ist u.a. ein deutlicher Beleg für die Berechtigung
der Forderung nach weiterer Vorverlegung der flexiblen Rentenal-
tersgrenze.
Für die Darstellung der quantitativen Entwicklung der Berufs- und
Erwerbsunfähigkeit (BU/EU) gibt es hauptsächlich zwei Möglichkei-
ten. Zum einen kann der Anteil der BU/EU-Renten am gesamten
R e n t e n b e s t a n d, zum anderen ihr Anteil an den R e n-
t e n z u g ä n g e n dargestellt werden. 51)
Beide Arten der Darstellung enthalten freilich eine systematische
Verzerrung: die Folgen des zweiten Weltkrieges, die sich in ihren
Auswirkungen auf die BU- und EU-Entwicklung wegen ungenügenden
statistischen Datenmaterials nur sehr schwer bestimmen lassen.
Die Gruppe derer, die Kriegsverletzungen und -krankheiten erlit-
ten hat, die noch nicht einmal nach dem Bundesversorgungsgesetz
entschädigt werden müssen, wächst nur sehr langsam aus der er-
werbstätigen Bevölkerung heraus.
Die Daten der Tabelle 12 zeigen, daß die Zahl der BU- und EU-Ren-
ten zwar absolut zunimmt, ihr Anteil an allen Versichertenrenten
aber abnimmt. Die denkbare Schlußfolgerung, daß dies ein Beleg
für den Rückgang der Frühinvalidität sei, läßt sich leider nicht
belegen. Dies würde dann gelten, wenn sich innerhalb des Renten-
bestandes keine grundlegenden Strukturveränderungen vollzogen
hätten, die Zugänge stets nach dem gleichen Recht erfolgt wären
und die Abgänge infolge von Tod bei allen Gruppen von Rentenver-
sicherten in der gleichen Rate erfolgen würden. Keine dieser Vor-
aussetzungen trifft zu. Der Zugang zur Rentenversicherung wurde
besonders für die über 60jährigen erleichtert. Von der bereits
seit längerer Zeit bestehenden Möglichkeit, bei Arbeitslosigkeit
bereits ab 60 Jahren auf Rente gesetzt zu werden, was häufig in
Sozialplänen vereinbart wird, mußten immer mehr Arbeiter und An-
gestellte Gebrauch machen. Von Jahr zu Jahr zugenommen haben
ebenfalls die Rentenbestände aufgrund der flexiblen Altersgrenze
von 62 und 63 Jahren, was seit 1973 möglich ist. In der Arbeiter-
rentenversicherung stieg der Anteil dieser Rentenarten am ge-
samten Rentenbestand von 0,9 Prozent (1965) über 3,6 Prozent
(1973) auf 8,5 Prozent im Jahre 1976, wobei 2,0 Prozent auf die
Arbeitslosenrente für 60jährige, 0,9 Prozent auf Renten ab dem
62. und 5,6 Prozent auf Renten ab dem 63. Lebensjahr entfielen.
52) Wie die Daten der Tabelle 11 gezeigt hatten, stiegen aber BU
und EU gerade in der Altersgruppe der 60- bis unter 65jährigen
deutlich an. Sichtbar wurde dieser Effekt auch an dem schlagarti-
gen Rückgang des BU- und EU-Anteils an den Rentenzugängen im
Jahre 1973 (vgl. Tabelle 13).
Die Rentenbestände haben sich außerdem durch den immer größer
werdenden Anteil der Rentnerinnen, eine Folge des starken An-
stiegs der Frauenerwerbsquoten, in ihrer Struktur verändert. Im
Jahre 1960 waren erst 1,7 Prozent des Gesamtbestandes der Arbei-
terrentenversicherung Renten für weibliche Versicherte, die ab 60
Jahren Rente bezogen. Dieser Anteil betrug 1976 bereits 11,3 Pro-
zent. Diese genannten Tendenzen zusammengenommen und die recht
stabile Zugangsquote an BU- und EU-Renten führten dazu, daß der
Anteil der Renten, die ab dem 65. Lebensjahr bezogen wurden, am
gesamten Rentenbestand von 63 Prozent (1965) über 62 Prozent
(1970) auf nur noch 54 Prozent im Jahre 1976 zurückging. 53)
Schließlich werden die Bestände durch die unterschiedliche Sterb-
lichkeit der verschiedenen Kategorien von Rentenbeziehern ver-
zerrt. Einen Hinweis darauf gibt die Zugangs- und Abgangs-
statistik der Berufsgenossenschaften. Verletzte, die infolge
eines Arbeits- oder Wegeunfalls oder einer Berufskrankheit
erstmals entschädigt wurden, haben eine Sterberate, die weit
höher als der Durchschnitt der Gesamtbevölkerung liegt. 54)
Es zeigt sich, daß eine Vielzahl von Faktoren den Anteil der BU-
und EU-Rentenbezieher am gesamten Rentenbestand systematisch ver-
ringert.
Daß die Frühinvalidität (zumindest) nicht zurückgegangen ist,
wird deshalb aus den Zugangsstatistiken eher sichtbar. Bei weit-
gehend unverändertem Rentenrecht zwischen 1965 und 1972 ist der
Anteil der frühinvaliden Männer an allen Rentenzugängen sowohl in
der Arbeiter- als auch in der Angestelltenversicherung nahezu
konstant geblieben. Der Einschnitt durch die Einführung der fle-
xiblen Altersgrenze im Jahre 1973 wird deutlich sichtbar.
Freilich sind auch vor 1973 zwei Tendenzen zu berücksichtigen,
die die Zugangsquote an BU- und EU-Renten verzerren: Die Folgen
des Krieges wachsen langsam aus dem Potential der Erwerbstätigen
heraus, und die Möglichkeit, bei Arbeitslosigkeit bereits mit dem
60. Lebensjahr zum Rentenbezieher zu werden, wurde vor allem wäh-
rend und nach der Krise von 1966/67 in wachsendem Maße genutzt.
Werden diese beiden Entwicklungen berücksichtigt, dann ergibt
sich auch für die Zugangsstatistik, daß trotz verbesserter Reha-
bilitation und weiterem medizinischen Fortschritt die Frühinvali-
dität von der Mitte der sechziger Jahre bis 1972 leicht angestie-
gen ist. Über die Zeit nach 1973 lassen sich zuverlässige Aussa-
gen erst formulieren, wenn die Daten der Rentenversicherungsträ-
ger ab 1976 ausgewertet sind.
***
Über die in diesem Aufsatz skizzierten Entwicklungstendenzen
wichtiger Indikatoren für die Arbeitsbedingungen und -belastungen
läßt sich zusammenfassend festhalten:
- K ö r p e r l i c h e S c h w e r- u n d S c h w e r s t-
a r b e i t mit extremen muskulären und Arbeitsumgebungsbe-
lastungen wird heute nach wie vor in großem Ausmaß geleistet.
Zwar dürften die muskulären Belastungen in den meisten Bereichen
mit steigender Mechanisierung tendenziell abnehmen, jedoch ist
ein Absinken der schädigenden Arbeitsumgebungseinflüsse bisher
nicht zu beobachten.
- E i n s e i t i g e A r b e i t s b e l a s t u n g e n tre-
ten vor allem in solchen arbeitsintensiven Industriezweigen auf,
in denen Maschinenbedienung, Fließband- und Taktarbeiten sowie
Mehrstellenarbeit vorherrschen. Hier haben muskuläre Belastungen
ihre Bedeutung für die Gesamtbelastung nicht nur behalten, son-
dern in vielen Fällen sogar noch verstärkt. Hinzu treten bei den
genannten Arbeitstypen in wachsendem Maße noch psychische Bela-
stungen , die der geistigen Entleerung der Arbeit und Monotonie-
erlebnissen sowie fehlenden formellen und informellen Kontakten
während des Arbeitsvollzugs geschuldet sind.
- N e u e F o r m e n p s y c h i s c h e r B e l a s t u n-
g e n, teilweise als Kompensation für verringerte muskuläre
Belastungen, treten im Gefolge der in Ausnutzung von Rationa-
lisierungseffekten forcierten Nacht- und Schichtarbeit, gewach-
sener Arbeitsumgebungseinflüsse (vor allem Lärm) und des immer
bedeutender werdenden Monotoniefaktors als Folge der Ausweitung
von Kontrolltätigkeiten und Taktarbeiten auf. Allerdings muß
darauf hingewiesen werden, daß die Zunahme psychischer Bela-
stungen oftmals nicht von einer Abnahme muskulärer Belastungen um
den gleichen Betrag begleitet wird, d.h. daß die Gesamtbelastung
noch gesteigert wird.
Im A n g e s t e l l t e n b e r e i c h kann mit steigendem
Mechanisierungs- und Automatisierungsgrad eine Tendenz zur Aus-
dehnung der Auslastungszeit der Anlagen und Geräte, d.h. zur Ein-
führung oder weiteren Ausdehnung der Schichtarbeit prognostiziert
werden. Die hieraus erwachsenden psychosozialen Belastungen wer-
den mit Sicherheit, gekoppelt mit der Intensivierung der Arbeits-
verausgabung, einer stärkeren Kontrolle dieser Arbeitsleistung
durch die Unternehmensleitungen, der Zunahme von Routinearbeiten
für einen großen Teil der Angestellten und der damit verbundenen
Monotoniebelastung, das Gesamtniveau der Arbeitsbelastungen für
den größten Teil der Angestellten weiter erhöhen.
Angesichts dieser Entwicklungen wird deutlich, daß der gewerk-
schaftliche Kampf um die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, um
reale "Humanisierung der Arbeit" wichtiger Bestandteil der Ge-
werkschaftspolitik der nächsten Jahre sein muß. Die Entwicklung
der Arbeitsbedingungen zeigt aber auch, daß sich kapitalistische
Profitinteressen und humane Arbeitsbedingungen gegenüberstehen:
"Wir sehen, daß die Maschinerie, die mit der wundervollen Kraft
begabt ist, die menschliche Arbeit zu verringern und fruchtbarer
zu machen, sie verkümmern läßt und bis zur Erschöpfung auszehrt.
Die neuen Quellen des Reichtums verwandeln sich durch einen selt-
samen Zauberbann zu Quellen der Not. (...) All unser Erfinden und
unser ganzer Fortschritt scheinen darauf hinauszulaufen, daß sie
materielle Kräfte mit geistigem Leben ausstatten und das men-
schliche Leben zu einer materiellen Kraft verdummen. Dieser
Antagonismus zwischen moderner Industrie und Wissenschaft auf der
einen Seite und modernem Elend und Verfall auf der anderen Seite,
dieser Antagonismus zwischen den Produktivkräften und den gesell-
schaftlichen Beziehungen unserer Epoche ist eine handgreifliche,
überwältigende und unbestreitbare Tatsache." 55)
Anhang: Statistische Materialien zu Arbeitsbedingungen
------------------------------------------------------
und -belastungen in der BRD
---------------------------
Tabelle 1:
Ausmaß der gesundheitlichen Gefährdung der Arbeitskraft durch den
Arbeitsprozeß in der Bundesrepublik
Art der Beeinträchtigung, Betroffene
Belastung oder Gefährdung Erwerbstätige
(Mio.)
Fließbandarbeit (1972) 1) 0,7
repetitive Teilarbeit (1970) 2) 1,9
körperliche Anstrengung (1975) 3) 4,7
schwere Lasten bewegen (1975) 4) 3,6
monotone Arbeit (1975) 5) 6,1
konzentrierte Beobachtung (1975) 6) 3,9
Hektik, Zeitdruck (1975) 3) 7,6
nervliche Belastung (1975) 3) 9,4
Streß (1975) 7) 6,8
Akkord (1975) 8) 1,7
leistungsabhängige Entlohnung insges. (1972) 9) 2,6
Lärm (1975) 10) 6,0
darunter: durch Lärm am Arbeitsplatz stark
gesundheitlich gefährdet 11) 0,7-3,0
große Hitze (1975) 12) 4,6
Arbeit im Freien oder in offener Halle (1975) 13) 4,4
Zugluft oder starke Temperatur-
schwankungen (1975) 14) 4,3
Nässe (1975) 15) 2,9
Kälte (1975) 16) 0,9
Staub (1975) 17) 4,0
Gestank, giftige Gase (1975) 18) 1,7
Arbeit in Zwangshaltung (1975) 19) 2,1
Arbeit mit schwerem Werkzeug (1975) 20) 2,0
Rütteln, Vibrieren (1975) 21) 1,8
schlechte Beleuchtung (1975) 22) 1,5
grelles Licht (1975) 23) 1,2
wöchentliche Arbeitszeit von 45 Std.
und mehr (1977) 24) 4,1
weniger als 4 Wochen Urlaub (1977) 25) 2,1
Schichtarbeit (1975) 26) 5,8
Nachtarbeit (1975) 27) mind. 2,3
Sonn- und Feiertagsarbeit (1975) 28) 4,8
nie Freizeit am Wochenende (1972) 29) 0,5
nicht genügend Zeit für Familie
und Freizeit (1972/73) 30) 6,0
psychosoziale Belastungen aufgrund
Arbeitslosigkeit (1977) 31) 0,8
Unfallgefahr (1975) 32) 3,1
Arbeitsunfälle (1976) 33) 2,4
arbeitsbedingte Erkrankungen (1972) 34) 2,4
angezeigte Berufskrankheiten (1977) 35) 0,05
durchschnittl. jährlicher Zugang an Frühinvaliden 36) 0,2
eine oder mehr Arbeitsbelastungen (1975) 37) 18,5
darunter: 6 und mehr Belastungen 38) 4,0
Überforderung bei der Arbeit (1972/73) 39) 3,2
_____
Anmerkungen zu Tabelle 1
1) Berechnet nach Allensbacher Berichte 23/1973; Leistung und
Mollwo/Holzbauer, a.a.O., S. 34. - Nur voll berufsrätige Arbei-
ter.
2) Nur Industriearbeiter; geschätzt auf der Basis der Daten von
Kern/Schumann (a.a.O., Bd. II, S. 128 f.), denen zufolge 29,1
Prozent der in ihrer Untersuchung erfaßten Industriearbeirer re-
petitive Teilarbeiten verrichten. 1970 gab es in der BRD ca. 6,47
Mio. beschäftigte Industriearbeiter (IMSF: Klassen- und Sozial-
struktur der BRD 1950-1970, Teil II, a. a. O., S. 167), von denen
30Prozent (= ca. 1,9 Mio.) als repetitive Teilarbeiter angenommen
werden.
3) Berechnet nach den Angaben aus Tabelle 2 auf der Basis von
22,3 Mio. abhängig Erwerbstätigen 1975 (Arbeits- und Sozialstati-
stik, Hauptergebnisse 1977. O.O.u.J., S. 17). - Nur "berufsrätige
Arbeitnehmer".
4) Quelle siehe Tabelle 3.
5) Ebenda. - Monotonie: Immer wieder den gleichen Arbeitsgang
möglichst schnell durchführen.
6) Ebenda. - Konzentrierte Beobachtung: Ununterbrochen und kon-
zentriert auf den gleichen Vorgang blicken und beobachten.
7) Ebenda. - Streß: Die Arbeit muß unter großem Zeitdruck durch-
geführt werden.
8) Ebenda. - Das Statistische Bundesamt (Fachserie M: Preise,
Löhne, Wirtschaftsrechnungen, Reihe 17: Gehalts- und Lohnstruk-
turerhebungen, I. Gewerbliche Wirtschaft und Dienstleistungsbe-
reich, Arbeiterverdienste 1972. Stuttgart - Mainz 1976, S. 31)
weist für 1972 rund 1,2 Mio. Akkordarbeiter nach, allerdings fast
ausschließlich nur aus dem Produzierenden Gewerbe.
9) Erfaßt sind fast ausschließlich nur Arbeiter des Produzieren-
den Gewerbes, die im Leistungslohn (Prämienlohn, Akkord) und als
"Mischlöhner" (Beschäftigte, die sowohl im Zeit- als auch im Lei-
stungslohn arbeiten) arbeiten. - Berechnet nach Gehalts- und
Lohnstrukturerhebung 1972, a.a.O., S. 31. Im Gegensatz zur Ver-
fahrensweise des Statistischen Bundesamtes wurden hier allerdings
- richtig - die Prämienlöhner den Leistungslöhnern zugerechnet.
10) Quelle siehe Tabelle 3.
11) Die Angaben beruhen auf Schätzungen verschiedener Institutio-
nen; siehe dazu ÖTV-Magazin 4/1976, S. 25; W. Klosterkötter,
Lärmeinwirkungen und ihre Bedeutung für die Aufstellung von
Immissionsrichtwerten. In: Arbeitsmedizin - Sozialmedizin -
Präventivmedizin 9/1974, S. 181.
12) Quelle siehe Tabelle 3 - Hettinger schätzt die (dauernd)
durch Hitze belasteten Personen in der BRD auf ca. 200000. (Vgl.
W. Hettinger, Belastung des Menschen am Hitzearbeitsplatz. In:
betriebssärztliches 1/1975, S. 13.)
13) Quelle siehe Tabelle 3.
14) Ebenda.
15) Ebenda.
16) Ebenda. - Hettinger (a.a.O.) schätzt die Zahl der kontinuier-
lich durch extreme Kälte belasteten Personen auf ca. 2000, die
der sporadisch durch Kälte belasteten Personen auf ca. 20 000.
17) Quelle siehe Tabelle 3.
18) Ebenda.
19) Ebenda. "Arbeit in Zwangshaltung: In Zwangslage arbeiten,
d.h. lang anhaltendes oder häufiges Durchstehen anstrengender
Körperhaltungen (bücken, knien, liegen, über Kopfarbeiten).
20) Ebenda.
21) Ebenda. - Rütteln, Vibrieren: Den ganzen Tag die Vibration
und das Rütteln von Werkzeugen oder Maschinen durchstehen.
22) Ebenda.
23) Ebenda.
24) Normalerweise geleistete Wochenarbeitsstunden der Erwerbstä-
tigen; Ergebnisse des Mikrozensus, April 1977. Quelle: Statisti-
sches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 1978 für die Bundesrepu-
blik Deutschland. Stuttgart - Mainz 1978, S. 96.
25) Mindestzahl für die abhängig Erwerbstätigen; berechnet nach
L. Glasen, Arbeitsbedingungen 1977. In: Bundesarbeitsblatt
3/1978, S. 65. Dort heißt es: "Insgesamt hatten 1977 rund 88% al-
ler Arbeitnehmer vier Wochen oder (...) mehr Urlaub." Glasen er-
faßt in seiner Auswertung tarifvertragliche Regelungen für 17,6
Mio. abhängig Beschäftigte in der BRD (ohne Beamte, Soldaten und
Richter).
26) Quelle siehe Tabelle 3- - Erheblich geringere Schichtarbei-
terzahlen werden in einer "Vorauswertung der gemeinsamen Stich-
probe über Arbeitskräfte der EG, Verordnung des Rates (EG)Nr.
2640 vom 15. Oktober 1974 durch das Statistische Amt der Europäi-
schen Gemeinschaften Luxemburg" (abgedruckt in Volkholz, a.a.O.,
S. A 181) angegeben: Danach wurden lediglich rund 3,9 Mio.
Personen ermittelt, die erklärt haben, Schichtarbeit zu leisten,
unter ihnen 3,2 Mio. Personen regelmäßig.
27) Quelle siehe Tabelle 3- - Erheblich höhere Nachtarbeiterzah-
len ergeben sich aus der erwähnten EG-Stichprobe: 3,1 Mio. Perso-
nen erklärten danach, zwischen 22 und 8 Uhr zu arbeiten, unter
ihnen 1,3 Mio. regelmäßig. (Vgl. Volkholz, a. a. O., S. A 184.)
28) Nach Ergebnissen der EG-Stichprobe; vgl. Volkholz, a.a.O., S.
A 186. - Rund 2,2 Mio. Personen gaben an, regelmäßig an Sonn- und
Feiertagen zu arbeiten.
29) Wirtschaft und Statistik 6/1974, S. 423 f.
30) Nur abhängig Erwerbstätige; hochgerechnet nach Arbeits- und
Sozialstatistik. Hauptergebnisse 1977, a. a. O., S. 17 (26 Pro-
zent von 23,0 Mio. abhängig Erwerbstätigen 197 3) auf der Basis
von Ergebnissen einer Repräsentativbefragung von Infas. (Vgl.
Volksholz, a.a.O., S. A 175.)
31) Geschätzt auf der Basis von 1,03 Mio. Arbeitslosen im Jahres-
durchschnitt 1977 (vgl. Informationen zur Wirtschaftsentwicklung
und Lage der Arbeiterklasse, hrsg. vom IMSF, Heft 2/1978, S. 12)
nach den Ergebnissen der IAB-Untersuchung über finanzielle und
psychosoziale Belastungen während der Arbeitslosigkeit (1975),
die ergab, daß bis zu fast drei Vierteln der Befragten
(repräsentative Gruppe von deutschen Arbeitslosen über 19Jahre)
in irgendeiner Weise durch die Arbeitslosigkeit psychosozialen
Belastungen ausgesetzt waren. (Siehe Chr. Brinkmann, Finanzielle
und psycho-soziale Belastungen während der Arbeitslosigkeit. In:
Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung 4/1976, S.
408). - Aufgrund dieser Ergebnisse wird angenommen, daß 75 Pro-
zent der Arbeitslosen von 1977 psychosozialen Belastungen ausge-
setzt waren.
32) Berechnet nach den Angaben aus Tabelle 2 auf der Basis von
22,3 Mio. abhängig Erwerbstätigen 1975 (siehe auch Anmerkung 3).
- Nur "berufstätige Arbeitnehmer".
33) Hochgerechnet aufgrund der Daten der Mikrozensus-Zusatzbefra-
gung vom Mai 1976 (siehe Wirtschaft und Statistik 2/1978, S. 125-
129). - Die bei den Unfallversicherungsträgern angezeigten Ar-
beitsunfälle lagen 1976 bei nur etwa 1,8 Mio.
34) Frage: "Haben Sie oder hatten Sie - abgesehen von Unfällen -
i n d e n l e t z t e n J a h r e n irgendwelche ernsteren
Krankheiten, die auf Ihre berufliche Tätigkeit zurückzuführen
sind?" - 9 Prozent der befragten Berufstätigen antworteten posi-
tiv. (Vgl. Infas-Repräsentativerhebung, August 1972, Bundesrepu-
blik; zit. n. Volkholz, a.a.O., S. A 162. Die absolute Zahl wurde
auf der Basis von 26,9 Mio. Erwerbstätigen berechnet.)
35) 1977 wurden bei den gesetzlichen Unfallversicherungsträgern
48 414 Berufskrankheiten angezeigt; vgl. Wirtschaft und Statistik
6/1978, S. 396 *.
36) Dähne/Priester, a.a.O., S. 113 (Tabelle 51).
37) Gemeint sind die in Tabelle 3 aufgeführten Belastungsfakto-
ren. Errechnet auf der Basis einer Erwerbsbevölkerung von 26,8
Mio. Personen 1975 nach den Daten aus Tabelle 4.
38) Berechnet nach Tabelle 4.
39) Infas-Repräsentativerhebung, August 1972-März 1973, Bundesre-
publik; zit. n. Volkholz, a.a.O., S. A 161. - 14 Prozent der be-
fragren abhängig Beschäftigten gaben an, bei der Arbeit überfor-
dert zu werden.
Tabelle 2:
Kritik an Arbeit und Arbeitsplatz 1972/73 und 1975 a)
es mißfällt
Merkmale Zahl der Hektik Monoto- Schmutz, Hitze Lärm
Befragten Zeit- nie, kei- Staub Nässe
druck ne Ab- schlechte Kälte
wechs- Luft
lung
abs. % % % % %
BRD 1972/73
Arbeitnehmer
insgesamt 2451 36 18 22 14 17
davon:
einfache /mittlere
Angestellte 781 41 18 9 6 8
Facharbeiter 796 35 15 33 23 25
an-/ungelernte
Arbeiter 482 25 26 35 20 24
BRD 1975
berufstätige Arbeitneh-
mer insgesamt 511 34 16 18 16 19
davon:
einfache/mittlere
Angestellte 176 30 13 8 6 6
Facharbeiter 139 39 14 33 32 33
an-/ungelernte
Arbeiter 119 34 25 25 21 33
Merkmale Unfall- körper- nervliche Verant- weiß
gefahr liche Belastung wortung nicht,
Anstren- für keine
gung andere Angabe
% % % % %
BRD 1972/73
Arbeitnehmer
insgesamt 12 19 42 15 11
davon:
einfache /mittlere
Angestellte 4 8 52 16 14
Facharbeiter 22 30 30 14 7
an-/ungelernte
Arbeiter 16 32 32 8 10
BRD 1975
berufstätige Arbeitneh-
mer insgesamt 14 21 42 18 18
davon:
einfache/mittlere
Angestellte 7 6 43 20 31
Facharbeiter 25 42 33 12 10
an-/ungelernte
Arbeiter 16 25 40 10 14
_____
a) Im Unterschied zu Tabelle 5 sind hier nur die abhängig Be-
schäftigten erfaßt.
Frage: Im allgemeinen hat jeder Arbeitsplatz seine guten und
schlechten Seiten, wie ist das bei Ihnen? Was finden Sie an ihrer
jetzigen Arbeitsstelle eher schlecht oder störend? (Den Befragten
wurde eine Karte vorgelegt, Mehrfachnennungen.)
Quelle: Infas-Repräsentativerhebungen, August 1972 - März 1973,
Bundesrepublik (ohne West-Berlin), Random-Auswahl, (Qualität des
Arbeitslebens);
Infas, Repräsentativerhebung, August 1975, Bundesrepublik (ohne
West-Berlin), (Bund-Belastungserhebung).
Zit. n. Volkholz, a.a.O., S. A 164.
Tabelle 3:
Subjektiv empfundene Häufigkeiten von Belastungsfaktoren in der
Bundesrepublik 1975
Belastungsfaktor Anteil der Anzahl der Statistischer
Betroffenen an der Betroffenen Vertrauensbe-
Erwerbsbev. (%) in Millionen reich in Mil-
lionen
Streß (1) 25,4 6,8 5,9 bis 7,7
Monotonie (1) 22,7 6,1 5,3 bis 6,9
Lärm (2) 22,2 6,0 5,1 bis 6,8
Schicht (3) 21,7 5,8 5,0 bis 6,6
Hitze (2) 17,1 4,6 3,9 bis 5,3
Arbeit im Freien (2) 16,4 4,4 3,7 bis 5,1
Zugluft (2) 16,0 4,3 3,6 bis 5,0
Staub (2) 14,8 4,0 3,3 bis 4,6
Konzent. Beobachtung (1) 14,5 3,9 3,2 bis 4,6
Schwere Lasten (1) 13,4 3,6 3,0 bis 4,3
Nässe (2) 10,9 2,9 2,3 bis 3,5
Nachtarbeit (3) 8,5 2,3 1,7 bis 2,8
Zwangshaltung (1) 7,9 2,1 1,6 bis 2,7
Schweres Werkzeug (1) 7,6 2,0 1,5 bis 2,5
Rütteln, Vibrieren (1) 6,9 1,8 1,4 bis 2,3
Gestank, giftige Gase (2) 6,5 1,7 1,3 bis 2,2
Akkord (4) 6,2 1,7 1,2 bis 2,2
Schlechte Beleuchtung (2) 5,5 1,5 1,0 bis 1,9
Grelles Licht (2) 4,6 1,2 0,8 bis 1,6
Kälte (2) 3,2 0,9 0,6 bis 1,1
Zusammen (Mehrfach-
nennungen) 252,0 67,6 52,4 bis 79,7
_____
Frage (1): Welche der folgenden Arbeitsbedingungen treffen für
Ihre Arbeit zu?
Kartentext: 1. Schwere Lasten heben oder tragen; 2. Mit schwerem
Werkzeug hantieren; 3. In Zwangslage arbeiten, d.h. lang anhal-
tendes oder häufiges Durchstehen anstrengender Körperhaltungen
(bücken, knien, liegen, über Kopfarbeiten); 4. Immer wieder den
gleichen Arbeitsgang möglichst schnell durchführen; 5. Den ganzen
Tag die Vibration und das Rütteln von Werkzeugen oder Maschinen
durchstehen; 6. Ununterbrochen und konzentriert auf den gleichen
Vorgang blicken und beobachten; 7. Die Arbeit muß unter großem
Zeitdruck durchgeführt werden.
Frage (2): Und welchen der folgenden Belastungen sind Sie bei Ih-
rer Arbeit ausgesetzt? Kartentext: 1. Starker und lang anhalten-
der Lärm; 2. Nässe; 3. Große Hitze; 4. Kälte, Arbeit im Kühlraum;
5. Einatmen von Staub; 6. Gifte oder übelriechende Gase; 7. Häu-
fige Zugluft oder starke Temperaturschwankungen; 8. Arbeit im
Freien oder in offener Halle; 9. Schlechte Beleuchtung; 10. Grel-
les Licht, Strahlungseinwirkungen.
Frage (3): Arbeiten Sie in Nachtschicht, in Wechselschicht mit
Nachtschicht oder in Wechselschicht ohne Nachtschicht?
Frage (4): In welcher Form beziehen Sie Ihr Einkommen?
Quelle: Infas-Repräsentativerhebungen, Bundesgebiet, Juli und Au-
gust 1975; zitiert nach: Susanne Meyer / Wilhelm Thiele / Volker
Volkholz, Gesundheitsversorgung. Daten des Gesundheitssystems der
BRD, Hamburg 1978, S. 101 und 191 f. (Summenzeile eigene Berech-
nung)
Tabelle 4:
Mehrfach auftretende subjektiv empfundene Belastungsfaktoren in
der Bundesrepublik 1975
Durchschnitt-
Häufigkeit des Auftretens von liche Bela-
Belastungsfaktoren stungshäufig-
keit (Ø)
Zahl Keine 1 2 3 4 5 6. u Alle Nur solche,
der mehr Be- die minde-
Be- Belastungen rufs- stens eine
frag- täti- Belastung
ten gen angegeben
haben
abs. % % % % % % % % Ø Ø
Berufstätige insgesamt
1674 31 15 13 11 9 6 15 2,52 3,67
Selbständige, Mithelfende, freie Berufe
247 42 15 12 8 8 6 9 1,94 3,37
davon:
in der Landwirtschaft
70 23 4 13 16 8 9 22 3,34 4,68
nicht in der Landwirtschaft
177 48 19 11 6 8 4 4 1,38 2,65
Arbeitnehmer insgesamt
1419 29 16 13 11 9 6 16 2,63 3,69
Beamte 140 42 23 12 6 4 6 7 1,63 2,81
Gehobene Angestellte
94 53 22 10 8 2 1 4 1,14 2,43
Übrige Angestellte
442 46 18 15 8 4 4 5 1,45 2,70
Facharbeiter
430 14 8 16 15 12 11 24 3,83 4,45
An-, ungelernte Arbeiter
313 11 17 10 16 15 6 25 3,55 3,98
davon:
Männer 173 7 14 6 17 19 4 33 4,12 4,43
Frauen 140 16 19 16 13 10 9 17 2,84 3,37
_____
Quelle: wie Tabelle 3
Tabelle 5:
Kritik an Arbeit und Arbeitsplatz in der Bundesrepublik Deutsch-
land 1972 und 1975 a)
Merkmal August 1972 August 1975
n = 549 n = 611
Nervliche Belastung 36% 42%
Hektik, Zeitdruck 32% 34%
Körperliche Anstrengung 21% 22%
Schmutz, Staub, schlechte Luft 20% 17%
Hitze, Nässe, Feuchtigkeit, Kälte 19% 16%
Lärm 15% 17%
Routine, keine Abwechslung 14% 16%
Verantwortung für andere 13% 18%
Unfallgefahr 11% 13%
Keine Angaben 13% 18%
_____
a) Im Unerschied zu Tabelle 2 beziehen sich die Prozentangaben
auf die Berufstätigen insgesamt. Frage: Im allgemeinen hat jeder
Arbeitsplatz seine guten und seine schlechten Seiten. Wie ist das
bei Ihnen: Was finden Sie an Ihrer jetzigen Arbeitsstelle eher
schlecht oder störend? (Den Befragten wurde eine Karte vorgelegt.
Mehrfachnennungen möglich.)
Datenquelle: Infas-Repräsentativethebungen, Bundesgebiet, August
1972 und 1975.
Quelle: Autorengruppe, Arbeitsplätze und Arbeitsbelastungen.
Bonn-Bad Godesberg, Dezember 1975; zusammengest. n. Volkholz,
a.a.O., S. A 166.
Tabelle 6:
Angezeigte Arbeitsunfälle nach Trägern der gesetzlichen Unfall-
versicherung 1949 bis 1976 (in Tausend)
Jahr alle UV- davon
Träger gewerbliche landwirtschaftliche Eigenunfall-
insgesamt BG BG versicherung
1949 1100 771 329
1955 2180 1702 478
1961 2871 2410 280 181
1962 2722 2279 263 180
1963 2619 2176 257 186
1964 2695 2257 256 181
1965 2655 2223 250 182
1966 2542 2114 251 178
1967 2181 1754 253 174
1968 2264 1836 253 175
1969 2360 1970 241 156
1970 2392 2010 229 155
1971 2338 1960 223 155
1972 2237 1868 211 158
1973 2221 1855 204 163
1974 1989 · 1628 200 162
1975 1761 1407 199 155
1976 1829 1471 200 158
_____
Quelle: Zusammengestellt und berechnet nach Unfallverhütungsbe-
richte der Bundesregierung, lfd.; Bundesminister für Arbeit und
Sozialordnung (Hrsg.), Hauptergebnisse der Arbeits- und Sozial-
statistik. lfd.
Tabelle 7:
Zahl der Vollarbeiter (VA) und Häufigkeit der angezeigten Ar-
beitsunfälle je 1000 VA nach Trägern der gesetzlichen Unfallver-
sicherung 1949 bis 1976
Jahr alle UV- davon
Träger gewerbliche landwirtschaftliche Eigenunfall-
insgesamt BG BG versicherung
VA AU je VA AU je VA AU je VA AU je
(Mio.) 1000 (Mio.) 1000 (Mio.) 1000 (Mio.) 1000
1949 a)18,0 61 - 87 - - - -
1955 22,6 97 - 121 - - - -
1961 24,3 118 b) 17,5 138 3,6 78 3,2 57
1962 24,4 111 17,7 129 3,5 74 3,2 56
1963 24,3 108 17,7 123 3,5 73 3,1 60
1964 24,6 108 18,5 122 3,3 78 3,1 59
1965 25,0 106 18,8 119 3,2 78 3,0 62
1966 25,0 102 18,9 112 3,1 80 3,0 60
1967 24,1 90 18,0 98 3,1 83 3,0 58
1968 24,3 93 18,2 101 3,0 86 3,1 57
1969 25,6 92 19,7 100 2,9 84 3,0 52
1970 25,2 95 19,6 103 2,5 90 3,1 50
1971 24,8 94 19,7 100 2,5 91 2,7 c) 58
1972 24,7 91 19,6 95 2,3 92 2,7 58
1973 25,0 89 19,9 93 2,2 94 2,9 57
1974 24,3 82 19,3 84 2,1 94 2,9 57
1975 23,3 76 18,2 77 2,1 94 2,9 53
1976 24,5 d) 75 d) 19,3 d) 76 d) 2,1 94 3,1 51
_____
a) Vom Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung geschätzte
Zahlen.
b) Diese Zahl wurde erstmals im Unfallverhütungsbericht '76 ange-
führt; bis dahin wurde die Unfallhäufigkeit für 1961 mit 113 an-
gegeben. Die in den Unfallverhütungsberichten veröffentlichten
Grafiken zur Entwicklung der Arbeitsunfälle blieben bis heute
dennoch unberichtigt und wurden von verschiedenen Autoren auch
falsch übernommen. Differenzen zwischen den Veröffentlichungen
der gewerblichen Berufsgenossenschaften, des Bundesarbeitsmini-
steriums und den Unfallverhütungsberichten der Bundesregierung
finden sich auch für die Daten anderer Jahre, sind allerdings
nicht so gravierend wie für 1961. Die bisher angeführten Daten
stammen zum überwiegenden Teil aus den Veröffentlichungen des
Bundesarbeitsministeriums.
c) Der Vollarbeiterrückgang ist vor allem dadurch bedingt, daß
die Berufsschüler in die Schülerunfallversicherung übernommen
wurden.
d) Diese Daten sind aufgrund von Veränderungen in der VA-Berech-
nung nicht mehr mit denen der Vorjahre vergleichbar. Allerdings
sind die Differenzen zu den nicht ermittelten tatsächlichen Wer-
ten nicht sehr gravierend.
Quelle: Siehe Tabelle 6.
Tabelle 8:
Vergleich der Arbeitsunfalldaten nach dem Mikrozensus und der
Statistik der Unfallversicherungsträger (absolute Zahlen in Tau-
send) a)
Jahr Mikrozensus Unfallver- Differenz
innerh. hochgerechnet hütungs- (Prozent)
4 Wochen pro Jahr bericht
d. Erhe-
bungszeit- Methode Methode Methode
raums A B A B
1966 142 1704 1727 2542 -33 -32
1970 503 6036 5510 2392 +152 +130
1972 345 4140 3938 2237 +85 +76
1973 280 3360 3228 2221 +51 +45
1974 239 2868 2893 1989 +44 +45
1976 194 2328 2419 1829 +27 +32
_____
a) Methode A: Multiplikation der Vierwochen-Mikrozensus-Daten mit
dem Faktor 12 Monate.
Methode B: Hochrechnung der Vierwochen-Mikrozensus-Daten auf das
jeweilige Halbjahr, in dem die Erhebung stattfand, und Gewichtung
entsprechend dem prozentualen Anteil des jeweiligen Halbjahres an
den angezeigten Arbeitsunfällen nach Daten der Unfallversiche-
rungsträger.
Quelle: Zusammengestellt und berechnet nach Unfallverhütungsbe-
richte der Bundesregierung, lfd.; Wirtschaft und Statistik
5/1968, S. 252-254; 10/1972, S. 570-576; 3/1974, S 183-186;
7/1975, S. 456-459; 3/1977, S. 197-200; 2/1978, S 125-129; Ar-
beits-und sozialstatistische Mitteilungen, lfd.; Arbeits-und So-
zialstatistik, lfd.
Tabelle 9:
Anteile struktureller Effekte am Rückgang der Arbeitsunfälle 1967
bis 1975
Merkmal erklärt ... Fälle in Prozent
des Rückgangs
Rückgang des gesamtwirtschaftlichen
Arbeitsvolumens um 12,1 Prozent 264 000 62,7
Veränderung der Branchenstruktur 47 000 11,2
Veränderung der Sozialstruktur
der Erwerbstätigen; 146 000 34,7
Insgesamt 457 000 108,6
tatsächlicher Rückgang der angezeigten
Arbeitsunfälle 421 000 100,0
_____
Quelle: Priester, Zur Entwicklung der Arbeitsunfälle in der Bun-
desrepublik, a.a.O., S. 147.
Tabelle 10:
Angezeigte Berufskrankheiten (A) und Häufigkeit der angezeigten
Berufskrankheiten je 1000 Vollarbeiter (B in den Jahren 1950 bis
1975
Jahr Träger der davon
gesetzl. gewerbliche landwirtsch. Eigen-UV
UV insge- BG BG
samt
A B A B A B A B
1950 37551 1,96 35262 3,45 - - - -
1955 51348 2,27 48620 3,45 - - - -
1060 33727 1,36 31502 1,85 - - - -
1965 27467 1,10 25606 1,36 487 0,15 1374 0,46
1968 25793 1,06 23072 1,26 769 0,26 1952 0,63
1969 27427 1,07 24493 1,24 649 0,23 2285 0,75
1970 25960 1,03 22823 1,17 524 0,18 2585 0,83
1971 27200 1,10 24221 1,23 518 0,21 2462 0,91
1972 30273 1,23 27422 1,40 478 0,21 2373 0,87
1973 32827 1,31 29795 1,50 421 0,19 2611 0,91
1974 36124 1,49 32762 1,70 361 0,17 3001 1,04
1975 38296 1,64 34980 1,92 400 0,19 2916 0,99
_____
Quelle: Zusammengestellt und berechnet nach: Hauptverband der ge-
werblichen Berufsgenossenschaften (Hrsg.), Arbeitsunfallstatistik
für die Praxis 1977. Bonn 1977, S. 21; Unfallverhütungsbericht
der Bundesregierung, lfd.; Mergner/Osterland/Pelte, a.a.O., Tab.
13.
Tabelle 11:
Rentenbestände der unter 65jährigen am 1.7.1974 nach Altersgrupp-
pen (in 1000) a)
unter 30-40 40-50 50-60 60-65 Insg.
30 J. Jahre Jahre Jahre Jahre
Arbeiterrenten
BU 0,7 4,9 14,5 45,1 79,8 145,0
EU 2,4 20,2 61,3 165,6 340,0 589,5
BU + EU 3,1 25,1 75,8 210,7 419,8 734,5
60 J. u. arbeitslos - - - - 18,0 18,0
62 u. 63 J. - - - - 65,2 65,2
Zusammen : 3,1 25,1 75,8 210,7 503,0 817,7
Angestelltenrenten b)
BU 0,1 1,5 4,3 16,8 22,6 45,3
EU 1,0 6,1 21,0 81,9 80,0 190,0
BU + EU 1,1 7,6 25,3 98,7 102,6 235,3
60 J. u. arbeitslos - - - - 7,6 7,9
62 u. 63 J. - - - - 25,4 25,4
Zusammen 1,1 7,6 25,3 98,7 135,9 268,6
Bergleute
Teilweise BUC c) 0,1 2,5 13,6 12,8 1,7 30,7
BU 0,0 0,8 5,1 17,3 3,7 26,9
EU 0,1 0,9 4,8 15,3 19,6 40,7
Rente mit 50 J. - - - 10,0 0,2 10,2
60 J. u. arbeitslos - - - - 14,1 14,1
60 J. u. Wartezeit - - - - 14,0 14,0
62 u. 63 J. - - - - 8,8 8,8
Zusammen 0,2 4,2 23,5 55,4 62,1 145,4
Insgesamt 4,4 36,9 124,6 364,8 701,0 1231,7
_____
a) Ohne weibliche Versicherte, die das 60. Lebensjahr erreicht
haben.
b) Einschl. Angestellten-Handwerkerversicherung,
c) Bergmannsrente wegen verminderter bergmännischer Berufsfähig-
keit.
Quelle: Arbeits- und Sozialstatistische Mitteilungen, 4/1975, S.
104 f. und 9/1975, S. 326 f.; eigene Berechnungen.
Tabelle 12:
Rentenbestand in der Rentenversicherung der Arbeiter und Ange-
stellten in den Jahren 1960 bis 1976 a)
Jahresende Renten an darunter:
Versicherte BU/EU
insgesamt wegen BU wegen Eu zusammen
in 1000 % in 1000 % in 1000 % absolut %
Rentenversicherung der Arbeiter
1960 3135 100 265 8,5 859 27,4 1124 35,9
1965 3628 100 379 10,5 771 21,3 1150 31,8
1970 4366 100 341 7,8 890 20,4 1231 28,2
1975 5197 100 227 4,4 1136 21,9 1363 26,3
1976 5330 100 209 3,9 1184 22,2 1393 26,1
Rentenversicherung der Angestellten
1960 1007 100 63 6,3 228 22,6 291 28,9
1965 1210 100 87 7,2 188 15,6 275 22,7
1970 1486 100 90 6,0 209 14,1 299 20,1
1975 1962 100 67 3,4 284 14,5 351 17,9
1976 2120 100 63 3,0 318 15,0 381 18,0
_____
a) Nur Renten an Versicherte; ohne Witwen- und Witwerrenten sowie
Waisenrenten, die zusammen mit den Renten an Versicherte den Ge-
samtbestand an laufenden Renten ausmachen. In dieset Statistik
sind ferner nicht die ruhenden und die von den Versicherungsträ-
gem unmittelbar gezahlten Renten enthalten. Ebenfalls nicht ent-
halten sind die Bergleute, die in der "Knappschaft" versichert
sind.
Quelle: Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung (Hrsg.), Ar-
beits- und Sozialstatistik, Hauptergebnisse 1977, a.a.O., S. 127;
eigene Berechnungen.
Tabelle 13:
Anteil der BU- und EU-Renten an den Rentenzugängen insgesamt in
den Jahren 1963 bis 1974
M ä n n e r F r a u e n
BU EU BE/EU BU EU BE/EU
% % % % % %
Arbeiterrentenversicherung
1963 26,0 32,2 58,2 25,8 30,2 56,0
1964 22,2 32,2 54,4 21,9 32,2 54,1
1965 19,5 33,5 53,0 18,7 33,8 52,5
1966 17,0 34,8 51,8 16,1 33,2 49,3
1967 17,0 35,7 52,7 15,1 32,7 48,1
1968 16,8 35,9 52,7 15,3 33,3 48,6
1969 15,9 36,6 52,5 13,5 33,5 47,0
1970 13,6 38,9 52,5 12,5 36,0 48,5
1971 8,3 45,1 53,4 10,5 39,3 49,8
1972 6,8 45,3 52,1 9,0 41,0 50,0
1973 5,1 30,7 35,8 7,7 40,2 47,9
1974 5,9 34,5 40,4 6,6 41,2 47,8
Rentenversicherung der Angestellten
1962 17,3 24,2 41,5 27,5 23,7 51,2
1963 15,1 22,9 38,0 22,3 22,9 45,2
1964 13,6 23,1 36,7 19,5 24,8 44,3
1965 12,4 23,2 35,6 17,8 25,0 42,8
1966 11,3 21,3 32,6 15,2 22,1 37,3
1967 11,8 21,6 33,4 14,8 22,2 37,0
1968 11,9 22,9 34,8 14,2 22,6 36,8
1969 11,8 22,8 34,6 13,4 22,2 35,6
1970 10,0 26,7 36,7 12,2 24,8 37,0
1971 6,8 29,9 36,7 9,6 27,7 37,3
1972. 5,6 29,5 35,1 8,7 29,5 38,2
1973 3,9 17,5 21,4 7,0 24,8 31,8
1974 3,9 18,8 22,7 4,5 26,1 30,6
_____
Quelle: Verband Deutscher Rentenversicherungsträger (Hrsg.), Sta-
tistik der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung. Frank-
furt/Main, lfd.; Walter Rüth, Ursachen vorzeitiger Berufs- und
Erwerbsunfähigkeit. Göttingen 1976, S. 15 f.
_____
1) Siehe dazu dokumentierend z.B.: W.D. Winterhager, Humanisie-
rung der Arbeitswelt. Gesetzliche Vorschriften, Pläne, Modelle
und Kontroversen. Berlin (West) - New York 1975; F. Froemer
(Hrsg.), Arbeitshumanisierung. Eine Darstellung der Bestrebungen,
die Arbeitswelt menschlicher zu gestalten. Opladen 1975; G. Keil
/ A. Oster, Humanisierung des Arbeitslebens. Eine Dokumentation.
Bad Honnef 1976.
2) Aus der Fülle der Untersuchungen, Protokolle und Analysen von
Modellversuchen sei exemplarisch verwiesen auf Horst Kern u.a.,
Neue Formen betrieblicher Arbeitsgestaltung. Darstellung relevan-
ter Veränderungsprojekte in Großbritannien, Italien, Norwegen,
Schweden. Göttingen o.J. (1975); Lisl Klein, Die Entwicklung
neuer Formen der Arbeitsorganisation. Internationale Erfahrungen
und heutige Problemstellungen. Göttingen 1975; Klaus Gülden /
Wolfgang Krutz / Ingrid Krutz-Ahlring, Humanisierung der Arbeit?
Ansätze zur Veränderung von Form und Inhalt industrieller Arbeit.
Berlin (West) 1973; Friedrich-Karl Maiwald, Humansierung der Ar-
beitswelt. Eine internationale Studie aus fünf Ländern. Stuttgart
o.J. (1976/77); Klaus Priester, "Humanisierung der Arbeit" und
Kapitalverwertungsinteresse. Ökonomische und ideologische Aspekte
unternehmerischer "Humanisierungs"-Konzeptionen. In: Humanisie-
rung der Lohnarbeit? Der Kampf um die Arbeitsbedingungen.
(Argument-Sonderband 14), Berlin (West) 1977, S. 130-155. Ratio-
nalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft (RKW) (Hrsg.),
Menschengerechte Arbeit - Erfahrungsausrausch zwischen Forschung
und betrieblicher Praxis. Dokumentation zum RKW-Kongreß am 6. und
7. April 1976 in Essen, Gruga-Hallen. Frankfurt/M. 1977 (2.
Aufl.).
3) In diesem Sinne äußern sich auch Bärbel Kern und Horst Kern,
Krise des Taylorismus? Bemerkungen zur "Humanisierung der Ar-
beit". In: Martin Osterland (Hrsg.), Arbeitssituation, Lebenslage
und Konfliktpotential. Festschrift für Max E. Graf zu Solms-Ro-
edelheim. Frankfurt/M. - Köln 1975, S. 100.
4) Hierauf verweist etwa der DGB-Vorsitzen de Heinz Oskar Vetter,
wenn er erklärt, daß "derartige Experimente und Techniken (...)
nur allzuleicht den Blick auf die eigentlichen Ursachen und auf
die Entwicklungstrends, die zur Verschärfung der Arbeitsbedingun-
gen führen", verschleiern. (Heinz Oskar Vetter, Referat. In:
Ders. [Hrsg.], Humanisierung der Arbeit als gesellschaftspoliti-
sche und gewerkschaftliche Aufgabe. Protokoll der Konferenz des
Deutschen Gewerkschaftsbundes vom 16. und 17. Mai 1974 in Mün-
chen. Frankfurt/M. - Köln 1974, S. 28.)
5) Vgl. etwa K. Priester, "Humanisierung der Arbeit" und Kapital-
verwertungsinteresse, a.a.O.
6) Wirtschaftlicher und sozialer Wandel in der Bundesrepublik
Deutschland. Gutachten der Kommission für wirtschaftlichen und
sozialen Wandel. Göttingen 1977, S. 426 (Ziffer X/19).
7) Siehe Eike Ballerstedt / Wolfgang Glatzer, Soziologischer Al-
manach. Handbuch gesellschaftspolitischer Daten und Indikatoren
für die Bundesrepublik Deutschland. Frankfurt/M. - New York 1975,
S. 261-273; Wolfgang Zapf (Hrsg.), Lebensbedingungen in der Bun-
desrepublik. Sozialer Wandel und Wohlfahrtsentwicklung. Frank-
furt/M. - New York 1977.
8) Es handelt sich hierbei um das "social-indicator-movement", -
Siehe dazu die zusammenfassenden Übersichtsartikel von Christian
Leipert, Soziale Indikatoren - Überblick über den Stand der Dis-
kussion. In: Konjunkturpolitik 7/1973; Wolfgang Zapf, Soziale In-
dikatoren. In: Günther Albrecht / Hansjürgen Daheim / Fritz Sack
(Hrsg.), Soziologie. Sprache, Bezug zur Praxis, Verhältnis zu an-
deren Wissenschaften. René König zum 65. Geburtstag. Opladen
1974; Franz-Xaver Kaufmann, "Soziale Indikatoren" in der Bundes-
republik Deutschland? Ein Bericht über die Sektion "Soziale Indi-
katoren" der DGS. In: Zeitschrift für Soziologie 2/1974, S. 200-
208; Eduardo Lawrence, Soziale Indikatoren: Kommentar und Per-
spektive. In: H.J. Krysmanski / Peter Marwedel (Hrsg.), Die Krise
in der Soziologie. Ein kritischer Reader zum 17. Deutschen Sozio-
logentag. Köln 1975, S. 24l"260; Gotthard Bechmann, Soziale Indi-
katoren und politisch-administratives System. In: Axel Murswieck
(Hrsg.), Staatliche Politik im Sozialsektor. München 1976, S. 35-
61.
9) Siehe Martin Osterland u.a., Materialien zur Lebens- und Ar-
beitssituation der Industriearbeiter in der BRD. Frankfurt/M.
1973 (3. Aufl.); Ulrich Mergner / Martin Osterland / Klaus Pelte,
Arbeitsbedingungen im Wandel. Eine Literaturstudie zur Entwick-
lung von Belastungen und Qualifikationsanforderungen in der BRD.
Göttingen 1975, Otfried Mickler / Eckhard Dittrich / Uwe Neumann,
Technik, Arbeitsorganisation und Arbeit. Eine empirische Untersu-
chung in der automatisierten Produktion. Frankfurt/M. 1976.
10) Mario Helfen, Indikatoren für die Arbeitsbedingungen in der
Bundesrepublik. In: Vorstand der Industriegewerkschaft Metall
(Hrsg.), Krise und Reform in der Industriegesellschaft. Band 1:
Materialien der IG-Metall-Tagung vom 17. bis 19. Mai (1976) in
Köln. Frankfurt/M. - Köln-1976, S. 438-511.
11) Siehe Volker Volkholz, Belastungsschwerpunkte und Praxis der
Arbeitssicherheit. Zusammenfassender Bericht. Bonn 1977.
12) Infas hatte bereits im Dezember 1973 eine Untersuchung zur
"Qualität des Arbeitslebens" publiziert, für die 1972/73 in Re-
präsentativerhebungen Daten gesammelt wurden. Im Unterschied zu
der 1975er Erhebung, die bisher noch nicht vollständig veröffent-
licht wurde (lediglich Teilergebnisse sind bekannt), waren die
damals erhobenen "sozialen Kennziffern zu Arbeitszufriedenheit
und Berufschancen" (so der Untertitel der Studie) nicht so tief-
greifend und instruktiv wie die nun ausschnittsweise veröffent-
lichten. - Siehe Axel R. Bunz / Rolfjansen / Konrad Schacht
(Infas), Qualität des Arbeitslebens, Soziale Kennziffern zu Ar-
beitszufriedenheit und Berufschancen. Bonn 1973.
13) Davon liegt bereits vor: Gine Elsner, Lärmquellen und Mög-
lichkeiten ihrer Bekämpfung im Urteil von Betriebsräten und Ar-
beitnehmern. Bonn 1977.
14) Allerdings liegt in der Studie von Volkholz der Schwerpunkt
auf der Darstellung der erreichten Standards im Bereich der Ar-
beitsbedingungen. Der zeitliche Entwicklungsaspekt und die Verän-
derungstendenzen bleiben weitgehend unberücksichtigt, was natür-
lich der Tatsache geschuldet ist, daß es sich hierbei eben um die
Auswertung einer einmaligen statistischen Erhebung, also um eine
Momentaufnahme handelt.
15) Eine Ausnahme hiervon bildet die Arbeit von Mergner/Oster-
land/Pelte, a.a.O.
16) Auf Datenlücken und unzureichende statistische Angaben im Be-
reich der Arbeitsbedingungen verweist auch etwa Siegfried Bal-
duin. Er meint, daß zur bewußten Gestaltung der Arbeitsorganisa-
tion und zur Einflußnahme auf die Konstrukrion technischer Aggre-
gate von gewerkschaftlicher Seite Leitlinien und Standards ent-
wickelt werden müßten. Hierzu und "um gezielte Gegen- und Abwehr-
maßnahmen einleiten und ergreifen zu können, sind u.a. weit exak-
tere und umfassendere Informationen erforderlich, als sie bislang
zur Verfügung stehen. (...) Einer der nächsten Schritte müßte
sich u.a. darauf konzentrieren, solche Informationen zu beschaf-
fen bzw. ihre Sammlung in die Wege zu leiten." (Siegfried Bal-
duin, Humanisierung der Arbeit als gewerkschaftliche Aufgabe. In:
Gewerkschaftliche Monatshefte 3/1974, S. 181 f.)
17) So erhebt das Statistische Bundesamt monatlich (!) den
Schweinebestand, die Zahl der eingelegten Bruteier, geschlüpften
Küken und des geschlachteten Geflügels, die Fangmengen der Hoch-
see- und Küstenfischerei in der BRD einschließlich Berlin (West).
Ferner veröffentlichte das Statistische Bundesamt 1978 z.B. Daten
über den Anbau von Baumobst (gegliedert nach dem Alter der
Bäume), den Rindvieh- und Schafbestand im Juni 1978 sowie den
Pferde-, Schaf-, Ziegen-, Geflügel- und Bienenvölkerbestand im
Dezember 1977. (Vgl. dazu Wirtschaft und Statistik 7/1978, S. 421
*.)
Wichtig zu wissen für den Benutzer des Statistischen Jahrbuchs
der BRD scheint es auch zu sein, welchen jährlichen Veränderungs-
raten der Bestand an Bahnübergängen im Bereich der Deutschen Bun-
desbahn und der nichtbundeseigenen Eisenbahnen - selbstverständ-
lich gegliedert in solche mit und ohne Schranken und Blinklichter
- unterworfen ist. (Statistisches Bundesamt: Statistisches Jahr-
buch 1977 für die Bundesrepublik Deutschland. Stuttgart - Mainz
1977, S. 259.) - Wie viele Erwerbspersonen in der BRD, gegliedert
nach Wirtschaftszweigen. Stellung im Beruf, Alters- und Einkom-
mensklassen, Tätigkeitsmerkmalen usw. in den Jahren 1970 bis 1977
aber Nacht-, Schicht-, Überstundenarbeit, verbunden mit wie
vielen und welchen weiteren Arbeitsbelastungen, leisteten, ist
den Veröffentlichungen des Statistischen Bundesamtes dagegen we-
der regelmäßig noch überhaupt zu entnehmen.
18) Siehe Eberhard Dähne / Klaus Priester, Arbeitsbedingungen und
gewerkschaftlicher Kampf. Materialien zur Entwicklung der Ar-
beitsbedingungen und zur Diskussion um die "Humanisierung der Ar-
beit" in der Bundesrepublik. Frankfurt/M. 1978 (IMSF-Informati-
onsbericht 20).
19) Ebenda, S. 22; Ingrid Mollwo / Irmgard Holzbauer, Frauen und
Arbeitsmarkt. Ausgewählte Aspekte der Frauenerwerbstätigkeit.
(Quintessenzen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Band
4.) Nürnberg 1976, S. 34.
20) Vgl. Lothar Schuster, Zur Struktur der männlichen Arbeiter-
schaft in der Bundesrepublik Deutschland. Aus der Untersuchung
des IAB über Berufsverläufe. In: Mitteilungen aus der Arbeits-
markt- und Berufsforschung 2/1974, S. 104.
21) Siehe Horst Kern / Michael Schumann, Industriearbeit und Ar-
beiterbewußtsein. Frankfurt/M. 1970 (2 Bde.).
22) Vgl. ebenda.
23) Vgl. ebenda, Bd. II, S. 128 f.
24) Vgl. IMSF, Klassen- und Sozialstruktur der BRD 1950-1970.
Teil II: Sozialstatistische Analyse. Frankfurt/M. 1973, S. 182 f.
25) Vgl. Annegret Köchling / Andreas Drinkuth, Das Großraumbüro -
Eine Arbeitgeberstrategie der Bürorationalisierung. Stuttgart
1977 (2. Aufl.), S. 6.
26) Vgl. W. Sämann, Rationalisierung der Büroarbeit als Zu-
kunftsaufgabe. In: REFA-Nachrichten 6/1970, S. 423.
27) Vgl. zu den folgenden Daten - sofern nicht anders angegeben -
Volkholz, a.a.O.; Eisner, a.a.O.; Tabelle 3 im Anhang zu diesem
Aufsatz.
28) Vgl. Tabelle 2 im Anhang.
29) Michael Schumann, Bestandsaufnahme, Analyse und Entwicklungs-
trends im Produktionsbereich. In: Vetter (Hrsg.), a.a.O., S. 44.
30) Vgl. Theodor Hettinger, Stärker belastet als ein Fußballstar.
In: Der Gewerkschafter 5/1971.
31) Karl Marx, Das Kapital. Erster Band. In: Marx/Engels, Werke
Bd. 23. Berlin 1966, S. 433.
32) Siehe Dähne/Priester, a.a.O., S. 26.
33) Vgl. zu den folgenden Ausführungen: Bayerisches Staatsmini-
sterium für Arbeit und Sozialordnung (Hrsg.), Wo drückt uns der
Schuh? Arbeitnehmer in Bayern beurteilen ihre Arbeitswelt. Mün-
chen o.J. (1976).
34) Aus den Infas-Daten in Tabelle 3 ergibt sich ein prozentual
kleinerer Kreis durch "Zwangshaltung" Betroffener. Allerdings
liegt der Anteil bei den Arbeitern allein mit 13 Prozent deutlich
über dem Durchschnitt für alle Erwerbstätigen. (Vgl. Eisner,
a.a.O., S. 21.)
35) Siehe dazu: Frauen und Arbeit 2"3/1974, S. 11 ff.
36) Vgl. Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialord-
nung, a. a. O., S. 38 ff.
37) Siehe Verband der Metallindustrie Baden-Württemberg (Hrsg.),
Untersuchung zur menschengerechten Arbeitsgestaltung. Stuttgart
1977 (vervielf. Manuskr.).
38) Vgl. Kaspar Maase, Arbeitszeit - Freizeit - Freizeitpolitik.
(IMSF-Informationsbericht 27.)Frankfurt/M. 1976, S. 24.
39) Ebenda, S. 27.
40) Marx, a.a.O., S. 665.
41) Ulrich Mergner, Tendenzen der Belastungsenrwicklung in der
industriellen Arbeit. Aspekte des Verhältnisses von Arbeit und
Gesundheit. In: Medizinsoziologische Mitteilungen (Frankfurt/M.)
3/1978, S. 22.
42) Vgl. zum folgenden Abschnitt Dähne/Priester, a. a. O., S. 79
ff.; Klaus Priester, Zur Entwicklung der Arbeitsunfälle in der
Bundesrepublik. Ergebnisse einer Analyse der amtlichen Unfallsta-
tistik. In: Jahrbuch für kritische Medizin, Band 3. (Argument-
Sonderband 27). Berlin (West) 1978. S. 131-151.
43) Siehe dazu etwa Hans-Ulrich Deppe, Medizinische Soziologie.
Aspekte einer neuen Wissenschaft. Frankfurt/M. 1978, S. 91; Karl
Böker, Entwicklung und Ursachen des Krankenstandes der westdeut-
schen Arbeiter. In: Das Argument 69/1971, bes. S. 911 ff.
44) Vgl. dazu genauer Priester, Zur Entwicklung der Arbeitsun-
fälle in der Bundesrepublik, a.a.O., S. 140 ff.
45) Diese beiden Vergleichsjahre wurden deshalb gewählt, weil sie
Krisentiefpunkte markieren.
46) Reinhold Konstanty / Edeltraut Remmel, Arbeitsunfälle und ar-
beitsbedingte Erkrankungen. In: Rolf Kasiske (Hrsg.), Gesundheit
am Arbeitsplatz. Reinbek 1976, S. 69.
47) Ebenda.
48) Vgl. dazu Peter Thoma, Arbeit und Krankheit. In: Brigitte
Geißler / Peter Thoma (Hrsg.), Medizinsoziologie. Frankfurt/M.
"New York 1975, S. 129; Konstanty / Remmel, a.a.O., S. 79 f. Auf
die Bedeutung psychischer Erkrankungen durch den Arbeitsprozeß
verweist auch Christa Rebell, Sozialpsychiatrie in der Indu-
striegesellschaft. Arbeitsbedingungen, psychische Erkrankungen
und psychiatrische Versorgung. Frankfurt/M. - New York 1976, bes.
S. 73-104.
49) Vgl. Arbeits- und sozialstatistische Mitteilungen 5/1975, S.
157.
50) Vgl. Anmerkung a zu Tabelle 12 im Anhang.
51) Zur Berechnung von Frühinvaliditätsraten sind jedoch noch an-
dere Methoden möglich, die hier aber nicht im einzelnen ausge-
breitet werden können. Allerdings stoßen solche Berechnungsversu-
che auf Datenlücken. Vgl. dazu Jobst Ricke / Wilfried Karmaus /
Ruth Höh, Ftühinvalidität - Arbeiterschicksal? Medizinalstatisti-
sche Ergebnisse über den Einfluß sozioökonomischer Faktoren auf
Gesundheit und Krankheit am Beispiel der Frühinvalidität. In:
Jahrbuch für kritische Medizin, Band 2. (Argument-Sonderband 17),
Berlin (West) 1977, S. 149.
52) Berechnet nach Arbeits- und Sozialstatistik, Hauptergebnisse
1977. O.O.u.J., S. 127.
53) Berechnet nach ebenda.
54) Vgl. Dähne/Priester, a.a.O., S. 110.
55) Karl Marx, Rede auf der Jahresfeier des "People's Paper". In:
Marx/Engels, Werke Bd. 12. Berlin 1963, S. 3 f.
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