Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 02/1979
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MATERIALIEN ZUR ENTWICKLUNG DER EINKOMMEN UND DER INDIVIDUELLEN
KONSUMTION DER LOHNABHÄNGIGEN IN DEN SIEBZIGER JAHREN *)
Eberhard Dähne / Jörg Dieckhoff
I. Zur Entwicklung der Haushaltseinkommen und der individuellen
Konsumtion der Haushalte verschiedener sozialstatistischer Grup-
pen - II. Einkommen und Einkommensquellen - Reproduktionsleistun-
gen - 1. Die Entwicklung der Arbeitseinkommen aus dem Hauptberuf
- 2. Einkommen aus Nebenerwerbstätigkeit - 3. Sozialeinkommen -
4. Einkommen aus Wohnungseigentum und-Vermietung sowie aus Geld-
vermögen - 5. Eigenleistungen der Arbeiterfamilien zur Reproduk-
tion der Arbeitskraft - III. Krise und Konsumtion der erwerbstä-
tigen Teile der Arbeiterklasse - IV. Einkommen und individuelle
Konsumtion bei Arbeitslosigkeit und ihren Folgen - 1. Zur Struk-
tur und zum Umfang der industriellen Reservearmee - 2. Einkom-
mensverluste verschiedener Gruppen der industriellen Reservearmee
- 3. Auswirkungen der finanziellen Belastungen - Einschränkungen
der individuellen Konsumtion - 4. Schlußbemerkung - Statistischer
Anhang
Das Statistische Bundesamt hat kürzlich erste Ergebnisse der Ein-
kommens- und Verbrauchsstichprobe 1978 über die Ausstattung der
Haushalte mit langlebigen Gebrauchsgütern veröffentlicht. 1) Da-
nach ergibt sich zwar, daß Ausstattungsunterschiede zwischen den
Haushalten der verschiedenen sozialstatistischen Gruppen nach wie
vor vorhanden sind, daß aber für eine relativ große Anzahl
langlebiger Gebrauchsgüter inzwischen eine relativ gleichförmige
Verbreitung festgestellt werden kann (vgl. Tabelle 1). Im Ver-
gleich zu der Ausstattung, die 1973 festgestellt wurde, ist neben
dem weiteren Anstieg der privaten Motorisierung für die Arbeiter-
haushalte bemerkenswert, daß auch Gefriertruhen und Telefone -
Gebrauchsgüter mit vergleichsweise großen Betriebskosten - inzwi-
schen in mehr als 50 Prozent aller Arbeiterhaushalte anzutreffen
sind. 2)
Dabei darf allerdings nicht übersehen werden, daß es noch viele
langlebige Gebrauchsgüter gibt, bei denen die Ausstattungsunter-
schiede zwischen den sozialstatistischen Gruppen nach wie vor be-
trächtlich sind. So gab es 1978 beispielsweise Geschirrspülma-
schinen in 33,5 Prozent aller Landwirts - und in 4 5,2 Prozent
aller Selbständigenhaushalte (Beamte 31,8; Angestellte 25,2),
aber nur in 11 Prozent aller Arbeiterhaushalte. 3)
Derartige Unterschiede resultieren zum einen aus der unterschied-
lichen Höhe der Haushaltseinkommen, die zum Teil unterschiedliche
Klassenlagen widerspiegeln. Bei den Angestellten- und Beamten-
haushalten ist zu berücksichtigen, daß hier neben Arbeiterklas-
sengruppen auch ein hoher Prozentsatz von Haushalten erfaßt ist,
die den Mittelschichten und zu Teilen der Kapitalistenklasse zu-
zurechnen sind.
Diese Unterschiede sind zum anderen Ausdruck schichtspezifischer
Unterschiede der individuellen Konsumtion selbst dann, wenn die
Haushalte der gleichen Einkommensklasse angehören. 4)
Das erreichte relativ hohe Ausstattungsniveau - das inzwischen
zum gewohnheitsmäßigen Konsum der Arbeiterklasse gehört und in
die Wertbestimmung der Ware Arbeitskraft eingeht - hat u. a. zur
Folge, daß die "Investitionskosten" für einen neu einzurichtenden
Haushalt die 30 000-DM-Grenze überschritten haben. Nach unseren
überschlägigen Berechnungen ergeben sich allein für Güter mit ei-
nem Einzelpreis über 30 DM (ohne Ausstattung für Kinder und Kin-
derzimmer) nach den Preisen (für einen unteren bis mittleren Qua-
litätsstandard) vom Januar 1978 Ausgaben in folgender Größenord-
nung:
- Gebrauchsgüter für Verkehr und Nachrichten
einschließlich Auto und Autozubehör 10.900 DM
- Gebrauchsgüter für Haushaltsführung,
(vom Bügeleisen bis zum Elektroherd) 4.300 DM
- Gebrauchsgüter für Bildung und Unterhaltung 3.300 DM
- Gebrauchsgüter für die übergreifende Ausstattung
einer 80 qm großen Wohnung (Bodenbelag, Gardinen
usw.) 3.900 DM
- Kücheneinrichtung, kleinere Haushaltsgeräte 1.700 DM
- Schlafzimmereinrichtung (einschl. Bettzeug usw.) 4.100 DM
- Wohnzimmereinrichtung 3.400 DM
Zusammen 31.600 DM
Aus den Kosten dieser Ausstattung, die neben den laufenden Ausga-
ben der Arbeiterhaushalte aufzubringen sind, ergibt sich nicht
zuletzt, daß Kinder in der Aufbauphase eines Haushalts eine
schwere Belastung sind. Bündig formuliert besteht die Alterna-
tive: Entweder "Mithalten" und den gewohnheitsmäßigen Konsum re-
alisieren oder Kinder großziehen.
Zugleich wird deutlich, welche Probleme entstehen, wenn ein Haus-
halt in der Aufbauphase von Arbeitslosigkeit betroffen wird. Die
Probleme potenzieren sich, wenn auf Raten oder mit Konsumenten-
krediten gekauft wurde.
I. Zur Entwicklung der Haushaltseinkommen
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und der individuellen Konsumtion der Haushalte
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verschiedener sozialstatistischer Gruppen
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Das vorliegende Datenmaterial über die soziale Struktur der Haus-
haltsnettoeinkommen und seine Quellen ist spärlich. 5) Es erlaubt
lediglich einige Grundtendenzen aufzuzeigen. Das Statistische
Bundesamt hat zum Beispiel in seiner 1977 vorgelegten Untersu-
chung, die auf einer Aufbereitung der volkswirtschaftlichen Ge-
samtrechnung für den Zeitraum 1962-1972 beruht, deutlich gemacht,
wie groß die Einkommensunterschiede zwischen den Haushalten der
Selbständigen und denen der Lohnabhängigen sind (vgl. Tabelle 2).
1972 betrug das verfügbare Jahres-Netto-Einkommen pro Mitglied
eines Haushaltes von
- "Arbeitnehmern" 7.266 DM (= 100)
- Nichterwerbstätigen 7.510 DM (= 103)
- Selbständigen 15.838 DM (= 218)
Die Einkommensrelation zwischen dem Mitglied des Selbständigen-
haushalts zu dem
des Arbeiterhaushalts betrug also 2,18:1. Sie hatte 1962 "nur"
1,73:1 betragen. Sie hat sich also im untersuchten 10-Jahres-
Zeitraum beträchtlich erhöht, wobei der deutliche Rückgang der
Zahl der Selbständigenhaushalte eine Rolle spielte. Überwiegend
dürften die Haushalte mit geringerem Einkommen ausgeschieden
sein.
Selbst wenn man berücksichtigt, daß die Selbständigenhaushalte
aus ihrem verfügbaren Einkommen noch Kranken- und Altersversiche-
rung bezahlen müssen, ist die Differenz doch so groß, daß sie als
Widerspiegelung unterschiedlicher Klassenlagen angesehen werden
kann. Dies um so mehr, als die Lohnabhängigen nicht die Möglich-
keit haben, Ausgaben für die individuelle Konsumtion als Ge-
schäftsausgaben zu verbuchen.
Zu ähnlichen Ergebnissen gelangt man auch durch die Auswertung
der nach sozialstatistischen Gruppen und Einkommensschichten ge-
gliederten Untersuchungen des DIW, die methodisch annähernd mit
denen des Statistischen Bundesamtes übereinstimmen, allerdings
teilweise korrigiert wurden. 6) Im 20-Jahres-Zeitraum 1955-1977
stiegen die monatlichen Durchschnittsnettoeinkommen der Selbstän-
digenhaushalte um rund 600 Prozent, die der Angestellten-, Beam-
ten- und Arbeiterhaushalte lediglich um ca. 320 und 360 Prozent
(vgl. Tabelle 3). Dabei muß berücksichtigt werden, daß diejenigen
Arbeiter- und Angestelltenhaushalte, die überwiegend von
Arbeitslosengeld oder -hilfe leben oder sogar zum Empfang von
Sozialhilfe gezwungen sind - in überdurchschnittlichem Maße
relativ wenig verdienende Haushalte der Arbeiterklasse ", unter
den Nichterwerbstätigen erfaßt werden, wodurch sich die
Durchschnittseinkommen der aktiven Lohnabhängigenhaushalte 1977
erhöht haben.
Der Vorteil der DIW-Zahlen besteht nicht zuletzt darin, daß die
Information über die Verteilung der Einkommen nach sozialen Grup-
pen durch die Schichtung der Haushaltseinkommen nach Einkommens-
klassen ergänzt wird. Entsprechende Daten sind in Tabelle 4 zu-
sammengestellt. Aus ihnen geht beispielsweise hervor, daß 1977 19
Prozent aller Arbeiterhaushalte (Angestellte/Beamte 14,4) aber
nur 0,2 Prozent aller Haushalte von Selbständigen ein monatliches
Haushaltsnettoeinkommen unter 1500 DM hatten. Weniger als 2500 DM
hatten 1977 zur Verfügung:
- 60,7 Prozent aller Arbeiterhaushalte
- 49,9 Prozent aller Angestellten/Beamtenhaushalte
- 5,1 Prozent aller Selbständigenhaushalte.
Die Durchschnittseinkommensangaben verwischen allerdings - beson-
ders bei den Selbständigen - die Klassen- und Schichtengrenzen.
Die 9,1 Prozent aller Selbständigenhaushalte (187 000),die 1977
mehr als 10 000 DM Monatseinkommen hatten, verfügten im Durch-
schnitt über 20 450 DM. Jährlich hatten diese Haushalte also 45,9
Milliarden DM verfügbares Einkommen, wobei hier abweichend von
den Berechnungen des Statistischen Bundesamtes die nichtentnomme-
nen Gewinne noch nicht einmal berücksichtigt sind. 7) Die 20 000
Angestellten/Beamtenhaushalte mit mehr als 10 000 DM im Monat
hatten im Durchschnitt 13 258 DM zur Verfügung. Das Monatseinkom-
men dieser Gruppe beträgt also ca. 265 Millionen, das Jahresein-
kommen rund 3,2 Milliarden DM. Ähnlich wie bei den 1000 Arbeiter-
haushalten mit mehr als 10000 DM Monatseinkommen - der Durch-
schnitt lag hier bei 12082 DM - dürften hier Einkommen mehrerer
Einkommensbezieher 8), Einkommen aus Zweiterwerb, Wohnungsvermie-
tung usw. eine vergleichsweise große Rolle spielen.
Die Höhe der Netto-Haushalts-Einkommen bestimmt in der Hauptsache
den Umfang des individuellen Konsums und der Ersparnis sowie die
Struktur des privaten Verbrauchs. Dabei gilt die bekannte Gesetz-
mäßigkeit, daß der Anteil der vergleichsweise elastischen Aus-
gangspositionen 9) - Übrige Ware und Dienstleistungen für die
Haushaltsführung; Waren und Dienstleistungen: für Verkehrszwecke
und Nachrichtenübermittlung, Körper- und Gesundheitspflege, Bil-
dung und Unterhaltung, Persönliche Ausstattung und Sonstiges -
sowie der Ersparnisse um so größer ist, desto größer die Einkom-
men sind. Eine gewisse Sonderstellung nehmen die Ausgaben für Be-
kleidung und Schuhe ein, die zunächst auch relativ mit dem Ein-
kommen steigen, in sehr hohen Einkommensklassen aber wieder ab-
sinken. Die Strukturdifferenzen zwischen verschiedenen Einkom-
mensklassen unterschiedlicher sozialer Gruppen bezeichnen im
großen und ganzen zugleich die Tendenz der zeitlichen Entwicklung
der Konsumtionsstruktur (vgl. Tabelle 5).
Nach den DIW-Zahlen gab zum Beispiel ein Arbeiterhaushalt der
Einkommensklasse 1250-1500 DM (1977 rund 19 Prozent aller Arbei-
terhaushalte) rund 62 Prozent seines Nettoeinkommens für den ver-
gleichsweise unelastischen Bedarf aus seine Sparquote betrug 6,8
Prozent. Der Selbständigenhaushalt mit mehr als 10000 DM Haus-
haltseinkommen wendete für die gleiche Gmppe von Waren und
Dienstleistungen nur noch 24,2 Prozent auf; nur wenig mehr als
die Sparquote, die 22,2 Prozent betrug. Der Vergleich der
absoluten "unelastischen" Ausgabenbeträge dieser zwei Haushalts-
typen (Arbeiterhaushalt 864 DM; Kapitalistenhaushalt 4960 DM) -
die unterschiedliche Haushaltsgröße spielt angesichts der Größe
dieser Differenz kaum eine Rolle 10) - verweist freilich darauf,
daß hier im Grunde genommen Unvergleichbares verglichen wird.
10a)
Besonders deutlich werden die Differenzen beim Umfang der Erspar-
nis. Nach den DIW-Zahlen sparte 1977 ein durchschnittlicher Haus-
halt von
- Selbständigen fast 13 500 DM
- Lohnabhängigen 3 254 DM
- Angestellten/Beamten 3 804 DM
- Arbeitern 2 712 DM
im Jahr.
Nach einer Untersuchung der Bundesbank betrugen die durchschnitt-
lichen Geldvermögen (einschließlich Wertpapieren zum Tageskurs)
im Jahre 1976 für den durchschnittlichen "Arbeitnehmer "haushält
33 750 DM, für den Selbständigenhaushalt 89 450 DM. 11) Daß die
Bestände 1976 nach der Bundesbankuntersuchung in ihrer Relation
(Lohnabhängige zu Selbständigen 1:2,7) so deutlich von den Zugän-
gen an Ersparnis 1977 abweichen (1:4,1) dürfte neben dem großen
Unsicherheitsfaktor aller dieser Berechnungen (vgl. Anmerkung 5)
damit zusammenhängen, daß die Selbständigen in Abhängigkeit von
der Bewegung des Konjunkturzyklus den größten Teil ihres Geldver-
mögens akkumulieren. Für sie handelt es sich bei dieser Anlage-
form nur um einen durchlaufenden Posten.
Nach den DIW-Zahlen lassen sich auch Ungleichgewichte der Erspar-
nis innerhalb der Gruppe der Lohnabhängigen aufzeigen. So hatten
1977 die Lohnabhängigenhaushalte insgesamt mit einem Netto-Haus-
halts-Einkommen
- bis unter 1500 DM (16,7 Prozent aller Lohnabhängigenhaushalte)
einen Anteil von 5,3 Prozent an der Ersparnis;
- bis unter 2000 DM (37,1 Prozent dieser Haushalte) einen Anteil
von 15,8 Prozent an der Ersparnis;
- bis unter 2500 DM (55,3 Prozent dieser Haushalte) einen Anteil
von 2 8,9 Prozent an der Ersparnis.
An der Spitze der Einkommenspyramide hatten dagegen die Lohnab-
hängigenhaushalte mit einem monatlichen Netto-Haushalts-Einkommen
- von mehr als 8000 DM (0,9 Prozent aller Haushalte von Lohnab-
hängigen) einen Anteil von 4,7 Prozent an der Ersparnis
- von 4000 bis unter 8000 DM (13,6 Prozent der Haushalte) einen
Anteil von 32,5 Prozent an der Ersparnis.
Lediglich in der Einkommensgruppe von 2500 DM bis unter 4000 DM
(in der sich Arbeiterklasse und lohnabhängige Mittelschichten
überlappen) stimmte der Haushaltsanteil (30,3 Prozent) mit dem
Anteil an der Ersparnis (34,0 Prozent) in etwa überein. 12) Die-
ses deutliche Ungleichgewicht der Ersparnis ist bei allen Durch-
schnittsangaben über die vorhandenen Geldvermögen der
"Arbeitnehmer"haushalte zu berücksichtigen.
Neben der Differenzierung der Konsumtionsstruktur durch die un-
terschiedliche Einkommenshöhe spielen schichtspezifische Konsum-
tionsgewohnheiten eine Rolle. Sie werden sichtbar, wenn die Kon-
sumtionsausgaben unterschiedlicher Haushaltstypen der gleichen
Einkommensklasse miteinander verglichen werden (vgl. Tabelle 6).
Auch hier gilt freilich wieder die materialbedingte Einschrän-
kung, daß sich aufgrund verschiedener Haushaltsgrößen und unter-
schiedlicher Zahlen von Einkommensbeziehern pro Haushalt nur
grobe Anhaltspunkte skizzieren lassen. Am auffälligsten ist die
Tatsache, daß die Arbeiterhaushalte deutlich mehr als die anderen
Haushaltstypen für Nahrungs- und Genußmittel ausgeben. Das gilt
vor allem bei einem Vergleich mit den Angestelltenhaushalten.
Nach den Daten der Tabelle 6 gibt ein Arbeiterhaushalt mit durch-
schnittlich 3,2 Haushaltsmitgliedern und einem Jahresnettoeinkom-
men des Haushalts von ca. 25 500 DM rund 5670 DM im Jahr für Nah-
rungsmittel aus. Der durchschnittliche Angestelltenhaushalt die-
ser Einkommensklasse (2,8 Mitglieder) verausgabt nur ca. 4110 DM
für diesen Zweck, also rund 1560 DM weniger. Der Abstand bei den
Genußmittelausgaben beträgt ca. 400 DM. Die Differenz ist so
deutlich, daß sie nur zum Teil durch den 0,4 Haushaltsmitglieder
größeren Umfang des Arbeiterhaushalts erklärt werden kann. 13)
Hier dürften sich der höhere Kalorienbedarf bei körperlicher Ar-
beit ebenso bemerkbar machen wie die im Sozialisationsprozeß ent-
standene unterschiedliche Rangordnung der Bedürfnisse einschließ-
lich der Eßgewohnheiten.
Der erste Teil dieser These wird auch von seiten des Statisti-
schen Bundesamtes vorsichtig diskutiert, das erstmals 1978 die
Daten der Wirtschaftsrechnungen für 1976 und 1977 nach den sozi-
alstatistischen Hauptgruppen der Lohnabhängigen aufgegliedert
hat. 14) Für den privaten Verbrauch insgesamt gaben die Arbeiter-
haushalte des Haushaltstyps 2 ("4-Personen-Arbeitnehmer-Haushalt
mit mittlerem Einkommen des alleinverdienenden Haushaltsvor-
stands") monatlich 2028 DM, die Angestelltenhaushalte 2146 DM
aus. Trotz dieser relativ geringen Differenz lagen bei den Arbei-
terhaushalten fast in allen Untergruppen die Nahrungs- und Genuß-
mittelausgaben absolut in DM über denen der Angestelltenhaus-
halte. Besonders deutlich bei Eiern (+ 25 Prozent), Speisefette
ohne Butter - vorwiegend Margarine (+ 25,9), Kartoffeln (+31,5),
konserviertem Gemüse (+40,0), Zucker (+48,4), Tabakwaren (+51,4).
Lediglich der Konsum von fertigen Mahlzeiten (-24,1) und Wein
(-18,4) - nicht aber von Bier (+20,6) und Branntwein (+46,6) -
lag deutlich niedriger als bei den Angestellten. 15) Nach den
DIW-Zahlen der Tabelle 6 liegen die Angestelltenausgaben aller
übrigen Hauptgruppen der individuellen Konsumtion und die Erspar-
nis in aller Regel über denen vergleichbarer Arbeiterhaushalte.
Eine Sonderstellung nehmen die Selbständigenhaushalte ein: Trotz
des höheren privaten Motorisierungsgrades liegen deren Ausgaben
für Verkehr und Nachrichtenübermittlung (Telefon!) selbst unter
denen vergleichbarer Angestelltenhaushalte. Dabei dürfte eine
Rolle spielen, daß Ausgaben für die individuelle Konsumtion hier
in den Geschäftsausgaben untergehen, was zum Teil auch für die
Mieten und Energiekosten zu gelten scheint. 16)
II. Einkommen und Einkommensquellen - Reproduktionsleistungen
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Der Verkauf der Arbeitskraft bzw. die daraus resultierenden Ein-
kommen sind auch im gegenwärtigen Stadium der kapitalistischen
Entwicklung sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hin-
sicht entscheidendes Kriterium der materiellen Existenzbedingun-
gen der Lohnabhängigen. Mit dem Arbeitslohn allein ist jedoch
nicht die Summe von Lebensmitteln abgedeckt, die gegenwärtig Be-
standteil der individuellen Konsumtion der Arbeiterhaushalte ist.
Vielmehr wird der Reproduktionsfonds noch durch eine Reihe weite-
rer Einkommensquellen gebildet, die in den vergangenen Jahrzehn-
ten sowohl in ihrer Anzahl als auch in ihrer Bedeutung zugenommen
haben. Dazu gehören u. a. die Sozialeinkommen (Einkommen aus Ren-
ten- und Krankenversicherungen, der Arbeitslosenversicherung, aus
Wohngeld, Kindergeld, Ausbildungsbeihilfen, Sozialhilfe), die
Einkommen aus Haus- und Grundbesitz, Geldvermögen. Ferner sind
bei der Untersuchung der Reproduktionsquellen der Arbeitskraft
auch die Güter und Leistungen einzubeziehen, die im Rahmen der
Haushalte durch Eigenleistungen entstehen und unmittelbar in die
individuelle Konsumtion eingehen.
Umfang und Bedeutung der verschiedenen Reproduktionsquellen ent-
wickelten sich in den vergangenen drei Jahrzehnten unterschied-
lich. Einige Daten sind in Tabelle 7 zusammengestellt.
1. Die Entwicklung der Arbeitseinkommen aus dem Hauptberuf
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Ein erster Blick auf die langfristige Veränderung der B r u t-
t o a r b e i t s e i n k o m m e n für verschiedene Gruppen der
Arbeiterklasse zwischen 1950 und 1977 läßt Zuwachsraten bis zu
780 Prozent erkennen. (Vgl. Tabelle 8.) Die Wachstumsraten der
nach Abzug der Lohnsteuer- und Sozialversicherungsbeiträge ver-
bleibenden N e t t o l ö h n e u n d -g e h ä l t e r fallen
jedoch schon merklich geringer aus. Mit rd. 600 Prozent bei den
Nettoarbeitseinkommen "je durchschnittlich beschäftigter Arbeit-
nehmer" liegt die Zuwachsrate fast ein Viertel unter der der
Bruttolöhne und -gehälter. Besonders hohe Abzugsquoten sind bei
den ledigen sowie verheirateten Erwerbstätigen ohne Kinder zu
beobachten. Ein lediger Facharbeiter in der Industrie mußte 1977
fast 36 Prozent seines Bruttolohnes an das Finanzamt und die
Sozialversicherungsträger abführen. Das entspricht einem
monatlichen Betrag von 830 DM, womit die gesetzlichen Abzüge für
diese Gruppe von Lohnabhängigen 1977 ein fast so hohes Niveau
erreichten wie ihr Nettoeinkommen im Jahr 1969 (857 DM).
Allerdings können auch die Nettolohnkennziffern nur ein unvoll-
ständiges Bild der Veränderung des Einkommensniveaus zeichnen, da
sie noch die Einflüsse der inflationsbedingten Kaufkraftminderung
verdecken. Berücksichtigt man, daß sich die Kaufkraft des Geldes
in der Bundesrepublik zwischen 1950"1977 um 55,6 Prozent verrin-
gert hat 17) (eine Mark mit der Kaufkraft von 1950 war 1977 nur
noch 44,4 Pfennige wert), ergeben sich für die R e a l l ö h n e
u n d - g e h ä l t e r verschiedener Lohnabhängigengruppen
seit 1950 Wachstumsraten zwischen 160 und 230 Prozent. Diese
Steigerungsraten weisen, selbst wenn sie erheblich unter denen
der Nominaleinkommen liegen, immer noch auf eine beträchtliche
Erweiterung der realen kaufkraftfähigen Nachfrage der Arbeiter-
klasse hin und zeigen eine deutliche Ausweitung des zur Befriedi-
gung gewachsener konsumtiver Bedürfnisse notwendigen individuel-
len Reproduktionsfonds.
Die realen Einkommenszuwächse haben sich im Zeitraum der vergan-
genen drei Jahrzehnte ungleichmäßig entwickelt. Sie waren beson-
ders groß in der Restaurationsperiode des westdeutschen Kapita-
lismus bis hin zur Krise 1966 / 67. In dieser Zeit partizipierte
die Arbeiterklasse an den Ergebnissen der äußerst günstigen Akku-
mulationsbedingungen des westdeutschen Kapitals und konnte, von
wenigen Ausnahmen abgesehen, ohne größeren Widerstand von Seiten
der Unternehmer erhebliche materielle Zugeständnisse erringen.
18) So lagen die jährlichen Zuwachsraten der Realeinkommen für
den Durchschnitt aller beschäftigten Lohn- und Gehaltsempfänger
mit Ausnahme der Krisenjahre 1958 (+2,9%) und 1963 (+2,7%) über
der 4-Prozent-Marke. Die Krise 1966/67 brachte für große Teile
der Arbeiterklasse nicht nur erstmalig Reallohnrückgänge mit
sich, sondern markiert auch einen Wendepunkt in der langfristigen
Einkommensentwicklung. Diese wird seitdem gekennzeichnet durch
deutlich geringere Wachstumsraten mit zeitweiligen Stagnationsund
Rückgangstendenzen.
Vor dem Hintergrund verschlechterter Wachstumsbedingungen des
volkswirtschaftlichen Reproduktionsprozesses wurde seit Ende der
sechziger Jahre die Verbesserung der materiellen Existenzbedin-
gungen über die Durchsetzung höherer Reallöhne als deren Haupte-
lement zusehends schwieriger. Zwar konnten in den Jahren 1969 und
1970 im Zuge der kurzfristig wirkenden konjunkturellen "Wachs-
tumsexplosion" noch einmal hohe Reallohnsteigerungen durchgesetzt
werden - allerdings auch erst nach massiven Streikaktionen vor
allem im September 1969 -, doch blieb die Höhe der Einkommens-
zuwächse dieser Jahre bis in die Gegenwart trotz einer insgesamt
offensiveren Lohnpolitik der Gewerkschaften und einer erheblichen
Zunahme der sozialen Kämpfe die Ausnahme. Wie geringfügig die
Einkommenssteigerungen in den siebziger Jahren bisher waren,
zeigt die Tatsache, daß die monatlichen Realeinkommen der
Industriearbeiter im Jahr 1975 lediglich um 10 DM über denen des
Jahres 1971 lagen. In den 4 Jahren dieses ökonomischen Zyklus
konnte lediglich eine Verbesserung der realen Kaufkraft von 1,7
Prozent durchgesetzt werden; wohlgemerkt: im Zeitraum 1971/75
insgesamt, nicht im Jahresdurchschnitt. 19)
Die Stagnation der tatsächlichen Arbeitseinkommen in den siebzi-
ger Jahren wurde von überaus hohen nominalen Zuwachsraten beglei-
tet. Die Spanne zwischen nominalen und realen Einkommenssteige-
rungen war nie so groß wie in dieser Periode. Sie ist zum einen,
wie bereits angeführt, Ergebnis der besonders seit Mitte der
sechziger Jahre rapide ansteigenden gesetzlichen Abzugsquoten,
zugleich und vor allem aber Ausdruck der um die Wende zu den
siebziger Jahren eintretenden qualitativen Verschärfung des In-
flationsprozesses . Angesichts verschlechterter Verwertungsbedin-
gungen versuchten die Monopole in dieser Zeit unter Ausnutzung
ihrer beherrschenden Marktstellung durch Preissteigerungen eine
Rückverteilung der in den Klassenkämpfen der vorangegangenen
Jahre von den Lohnabhängigen errungenen materiellen Zugeständ-
nisse zu erzwingen. Daß diese Bemühungen nicht ohne Erfolg blie-
ben und wie sehr die Beschleunigung des Inflationstempos die
Durchsetzung realer Kaufkraftzuwächse beschränkte, zeigt die fol-
gende Übersicht.
Jährliche Zuwachsraten der monatlichen Netto- und Reallöhne für
ausgewählte Gruppen der Arbeiterklasse in den siebziger Jahren
(in Prozent)
Verteue- Industrie- Facharbei- Facharbeiter in der In-
rung der arbeiter ter in der dustrie, verheiratet,
Lebens- insgesamt Industrie, 3 Kinder
haltung Netto- Real- ledig Netto- Real- Netto- Real-
a) b) Löhne Netto- Real- b) Löhne c) Löhne
b) Löhne einschl. ohne Kinder-
Kindergeld geld
1970 3,2 10,5 7,1 12,2 9,0 11,6 8,4 12,1 8,6
1971 5,1 8,1 2,9 8,3 3,2 8,7 3,6 8,7 3,3
1972 5,3 8,1 2,6 5,0 -0,3 5,8 0,5 6,2 -0,1
1973 6,8 6,8 0,0 6,7 -0,1 7,9 1,1 8,4 0,5
1974 6,9 6,7 -0,1 5,5 1,4 6,2 -0,7 6,6 -0,7
1975 6,1 5,3 -0,7 9,4 3,3 10,3 4,2 0,0 -6,7
1976 4,6 6,3 1,6 4,4 -0,2 5,1 0,5 5,9 -1,3
1977 3,6 6,4 2,7 5,3 1,7 5,8 2,2 6,7 5,1
1970/1977 insge-
samt 45,8 58,6 9,2 54,0 6,3 61,6 11,9 51,2 -0,3
1970/1977 im Jahresdurch-
schnitt 5,5 6,8 1,3 6,4 0,9 7,1 1,6 6,1 0,0
_____
a) Berechnet nach dem Preisindex für die Lebenshaltung eines "4-
Personen-Arbeitnehmerhaushalts mit mittlerem Einkommen"
b) Deflationierung mit dem Preisindex für die Lebenshaltung eines
"4-Personen-Arbeitnehmerhaushalts mit mittlerem Einkommen"
c) Deflationierung mit dem "Preisindex für die einfache Lebens-
haltung eines Kindes"
Quelle: Zusammengestellt und berechnet nach Stat. B A., Fachserie
17, Reihe 7, Preise und Preisindizes für die Lebenshaltung, Ja-
nuar 1978; Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Sozialbe-
richt 1978.
Gleichzeitig wird deutlich, daß die Krise 1974/75 die seit Mitte
der sechziger Jahre wirkende Tendenz der langfristigen Verringe-
rung der Einkommenszuwächse verschärfte: Für den Durchschnitt al-
ler Industriearbeiter waren die jüngsten Krisenjahre mit einer
absoluten Verminderung des realen Einkommensniveaus verbunden.
Dabei ist hervorzuheben, daß sich diese Daten lediglich auf die
aktiv im Erwerbsprozeß stehenden Teile der Industriearbeiter-
schaft beziehen. Eine Berücksichtigung der Gruppen der Arbeiter-
klasse, die im Zuge der Krise arbeitslos wurden, ergäbe für die
materiellen Reproduktionsbedingungen des Durchschnitts der ge-
samten Arbeiterklasse noch ein wesentlich ungünstigeres Bild.
Ferner ist auf ein statistisch-methodisches Problem aufmerksam zu
machen, das im Zusammenhang mit Reallohnberechnungen von Bedeu-
tung ist. Es wurde bereits an anderer Stelle deutlich gemacht,
daß die für diese Zwecke heranzuziehenden Preisindexziffern des
Statistischen Bundesamtes - insbesondere was den Preisindex eines
"mittleren Arbeitnehmerhaushalts" betrifft - die Verteuerung der
Lebenshaltung für große Teile der Arbeiterklasse tendenziell zu
gering ausweisen 20), so daß mit dem Gebrauch dieser Indexziffer
das Bild der realen Einkommensentwicklung günstiger gezeichnet
wird, als diese tatsächlich ist. 21)
Als der Druck der Unternehmer auf das Lebensniveau der Arbeiter
und Angestellten 1974/75 seinen Höhepunkt erreichte, sah sich die
sozialdemokratisch geführte Bundesregierung, nicht zuletzt auch
wegen der bevorstehenden Bundestagswahlen, zum Eingreifen genö-
tigt. Allerdings nicht in der Weise, daß sie wirksame Maßnahmen
gegen die Inflationspolitik der Unternehmer in die Wege leitete,
sondern durch ein Paket Steuer- und sozialpolitischer Maßnahmen,
insbesondere durch die Kindergeldreform sollte die angespannte
Einkommenssituation der Lohnabhängigen entlastet werden. Die am
1.1.1975 in Kraft getretene Kindergeldreform sah als wesentliche
Neuerung die Entkoppelung der Kindergeldzahlungen von der Anzahl
der Kinder und von der Einkommenshöhe vor. Sie brachte nach Be-
rechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW)
den Arbeiter- und Angestelltenhaushalten 1975 monatliche Mehrein-
nahmen in Höhe von 78 bzw. 71 DM. 22) Eine solche Reform kostet
natürlich Geld, 1975 allein rd. 11 Milliarden DM. 23) Allerdings
ist, wie das Bundesarbeitsministerium 1977 feststellte, dieser
"Unterschiedsbetrag zwischen den (Kindergeld- d. Verf.) Aufwen-
dungen für 1974 und 1975 kein echter Mehraufwand, da den Ausgaben
für Kindergeld 1975 z.B. Steuermehreinnahmen aufgrund der wegge-
fallenen steuerlichen Kinderfreibeträge gegenüberstehen (rund 6
Mrd. DM)." 24) Dies bedeutet somit nichts anderes, als daß diese
"Reform" zum größeren Teil von den Lohn- und Gehaltsempfängern
selbst bezahlt wurde. Im Endeffekt hatte sie allerdings das Er-
gebnis, daß sie den bisher größten Angriff der Unternehmer auf
das Lohnniveau verschleierte: Ohne die Kindergeldreform wären die
Reallöhne 1975 z.B. für die 5köpfige Familie eines Facharbeiters
in der Industrie gegenüber dem Vorjahr um nicht weniger als 6,7
Prozent gesunken.
In den Folgejahren konnten bei sich abschwächendem Inflations-
tempo und im Gefolge eines leichten konjunkturellen Aufschwungs
wieder geringfügige reale Einkommensverbesserungen erzielt wer-
den, doch scheint diese Entwicklung für 1979 schon wieder nicht
mehr zuzutreffen, so werden die zur Jahreswende 78/79 bzw. im
Frühjahr vereinbarten Brutto-Einkommensverbesserungen um 4 Pro-
zent inzwischen durch die beschleunigte Verteuerung der Lebens-
haltung wieder aufgezehrt. 25)
Die Untersuchung des Niveaus der Arbeitseinkommen der Arbeiter-
klasse eröffnet nur einen begrenzten Zugang zur Beurteilung der
Veränderung der materiellen Reproduktionsbedingungen. Zwar bilden
nach wie vor die aus dem Verkauf der Arbeitskraft resultierenden
Einkommen die Hauptreproduktionsquelle der Haushalte, doch ist
nicht zu übersehen, daß ihre Bedeutung als Einkommensquelle in
den vergangenen Jahren rückläufig gewesen ist. So zeigt die Über-
sicht über die personelle Einkommensverteilung in Tabelle 7, daß
der Anteil der Nettolöhne und -gehälter an den verfügbaren Ein-
kommen der Lohnabhängigen zwischen 1950 und 1977 um 7 (Arbeiter)
bzw. 4 (Angestellte/Beamte) Prozentpunkte zurückgegangen ist.
2. Einkommen aus Nebenerwerbstätigkeit
--------------------------------------
Neben den Arbeitseinkommen aus dem Hauptberuf bilden die Nebener-
werbseinkommen eine wichtige zusätzliche Einkommensquelle. Zuneh-
mende Intensität der Arbeit im Hauptberuf hat in den vergangenen
Jahren allerdings wesentlich dazu beigetragen, daß den Belastun-
gen einer zusätzlichen Erwerbstätigkeit immer weniger Werktätige
gewachsen sind. Die Zahl der Nebenerwerbstätigkeiten ist auf rund
eine halbe Million bis Mitte der siebziger Jahre zurückgegangen.
1961 lag die Anzahl der Erwerbstätigen mit zweiter Tätigkeit im-
merhin noch bei mehr als einer Million. Gegenwärtig verfügen etwa
5% der Haushalte von Lohn- und Gehaltsempfängern über Einkommen
aus angemeldetem Nebenerwerb. 26)
In der Mehrzahl (fast 70 Prozent) handelt es sich bei den z.Z.
noch ausgeübten Zweiterwerbstätigkeiten um Nebenerwerb in der
Landwirtschaft. Die Reineinkommen, die aus der Bewirtschaftung
von landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieben resultieren, be-
liefen sich im Monatsdurchschnitt des Wirtschaftsjahres 1977/78
auf 246,50 Mark und machten damit 10,2 Prozent der Gesamteinkom-
men der Familien aus (vgl. Tabelle 9). Im Gegensatz zu den Neben-
erwerbs- ist in den Zuerwerbsbetrieben noch die landwirtschaftli-
che Erwerbstätigkeit Haupteinkommensquelle. Ihr Niveau ist aller-
dings so gering, daß die außerbetriebliche (Zu-)Erwerbstätigkeit
unmittelbare Existenznotwendigkeit für diese Familien geworden
ist.
Trotz zweiter Erwerbstätigkeit erreichen die Familien mit land-
wirtschaftlichem Nebenerwerb nicht das durchschnittliche Einkom-
mensniveau von Arbeiterhaushalten. 27) Mit 3,6 Prozent ist die
Differenz zu den Haushaltseinkommen der Arbeiter allerdings rela-
tiv gering, sie wäre jedoch ohne die Nebeneinkommen bedeutend hö-
her (15,3 Prozent).
Eine zusätzliche Einkommensquelle erschloß sich einer Vielzahl
von Haushalten durch unangemeldeten Nebenerwerb ("Schwarz-
arbeit"). Durch Umgehung von Lohnsteuern und Sozialabgaben
erzielte hohe Effektiwerdienste trugen dazu bei, die gerade in
dieser Zeit gewachsene Spanne zwischen konsumtiven Bedürfnissen
und den zu deren Realisierung notwendigen Einkommen zu ver-
kleinern. Es liegt in der Natur der Sache, daß abgesicherte Anga-
ben über das Ausmaß von "Schwarzarbeit" nicht vorliegen.
Schätzungen zufolge wurde das Volumen der "Schwarzarbeit" 1966
insgesamt auf 500 Millionen DM beziffert 28), für 1973 wurde mit
6 Milliarden DM ein erheblich höherer Betrag angenommen. 29)
Teilt man diesen Betrag durch die Anzahl der Arbeiter-, Ange-
stellten- und Beamtenhaushalte, ergibt sich für diese ein fikti-
ves monatliches Einkommen aus "Schwarzarbeit" in Höhe von 43 DM.
Es sind vor allem Handwerker, die über "Schwarzarbeit" zu zusätz-
lichen Einkommen gelangen. Nach in der FAZ veröffentlichten
Schätzungen für 1973 wurden 73% aller Rohbauten, 58% aller In-
stallationsarbeiten und 90% aller Malerarbeiten in "Schwarz-
arbeit" geleistet. 30) Wenngleich diese Angaben reichlich
überhöht zu sein scheinen, bleibt doch festzuhalten, daß das Ein-
kommen aus unangemeldetem Nebenerwerb für bestimmte Gruppen von
Lohnabhängigen zeitweilig eine beachtliche Größenordnung er-
reicht.
3. Sozialeinkommen
------------------
Ein Bündel vielfältiger ökonomischer, politischer und demographi-
scher Faktoren hat dazu geführt, daß der Umfang der staatlichen
Sozialleistungen in den vergangenen drei Jahrzehnten angestiegen
ist und gegenwärtig fast ein Viertel des Bruttosozialprodukts
ausmacht (1960: 16,0 Prozent). 31) Der Schwerpunkt der Ausdehnung
der Sozialleistungsquote lag dabei besonders in den siebziger
Jahren.
Diese Entwicklung spiegelt sich auch in der wachsenden Bedeutung
der Sozialeinkommen für die Reproduktion der Arbeitskraft wider.
Sie hatten 1977 einen Anteil von 15,1 Prozent an den verfügbaren
Einkommen der Arbeiterhaushalte. 32)
Den für die Lohn- und Gehaltsempfänger in bezug auf den Empfän-
gerkreis sowie die Höhe der Leistungen größten Bereich der So-
zialeinkommen stellen die K i n d e r g e l d z a h l u n g e n
dar. Ein allgemeines Kindergeld wurde erstmals 1954 gezahlt, al-
lerdings nur für Familien mit drei und mehr Kindern. Seitdem hat
sich sowohl die Höhe der Leistungen als auch der Empfängerkreis
beträchtlich ausgeweitet, woran die bereits erwähnte Kinder-
geldreform von 1975 wesentlichen Anteil hatte (vgl. Tabelle 10).
Nach wie vor haben die Kindergeldzahlungen besondere Bedeutung
für Großfamilien. Zum Haushaltseinkommen z.B. einer sechsköpfigen
Arbeiterfamilie trugen sie 1977 zu rund 10% bei.
W o h n g e l d trat als zusätzliche Reproduktionsquelle 1976
bei etwa 213 000 Lohnabhängigenhaushalten auf. Mehr als zwei
Drittel davon waren Arbeiterfamilien. 33) Ihr Anteil an den Wohn-
geldempfängern insgesamt - überwiegend handelt es sich dabei um
Haushalte von Nichterwerbstätigen - betrug dagegen nur 9,2 Pro-
zent. Umgelegt auf alle Lohnabhängigenhaushalte ergaben die
staatlichen Wohngeldzahlungen einen Betrag von 1,20 Mark pro
Haushalt. Die Haushalte von Arbeitern, Angestellten und Beamten,
die 1976 Wohngeld bezogen, bekamen im Durchschnitt monatlich 72
Mark. Mehr als 50 Prozent aller Wohngeld empfangenden Arbeiter-
haushalte wohnten in sogenannten "Sozial"wohnungen.
Rund 3,4 Milliarden DM wurden 1975 für A u s b i l d u n g s-
b e i h i l f e n nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz ge-
zahlt. 34) Die Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung und
die Sozialhilfe werden in einem anderen Abschnitt dieses
Aufsatzes untersucht.
4. Einkommen aus Wohnungseigentum und -vermietung
-------------------------------------------------
sowie aus Geldvermögen
----------------------
Mit der Verbreitung des Haus- und Wohnungseigentums hat sich für
mehr als ein Drittel der Haushalte von Lohn- und Gehaltsempfän-
gern eine weitere potentielle Reproduktionsquelle aufgetan. Im-
merhin hatten 1978 Haus- und Grundbesitz etwa
- 80 Prozent der Selbständigenhaushalte
- 40 Prozent der Angestelltenhaushalte
- 35 Prozent der Arbeiterhaushalte
- 30 Prozent der Rentnerhaushalte. 35)
Zumeist wird der Wohnraum von den Eigentümerhaushalten jedoch
selbst genutzt, so daß nur in geringem Umfang tatsächlich Zu-
satzeinkommen aus der Wohnraumvermietung realisiert werden. Das
ist bei den Daten der Tabelle 11 zu berücksichtigen, bei der ne-
ben den realen Mieteinnahmen auch unterstellte Beträge für die
Nutzung der Eigentümerwohnung enthalten sind.
Die Zahl von Arbeiter- und Angestelltenhaushalten, die Einkommen
aus Untervermietung von Wohnraum bezogen, belief sich Anfang der
siebziger Jahre auf etwa 400 000, die Höhe der entsprechenden mo-
natlichen Einkommen betrug für diese Haushalte 90 bis 95 DM. Da-
bei ist zu beachten, daß Untervermietung von Wohnraum nicht an
dessen Besitz gebunden ist. So waren z.B. 1972 nur 58 Prozent der
untervermietenden Haushalte Wohnungseigentümer, während die rest-
lichen 42 Prozent Hauptmieter waren. 36)
Gegenwärtig gibt es innerhalb der Gruppe der Lohnabhängigen so
gut wie keine Haushalte mehr, die nicht in der einen oder anderen
Form Geldrücklagen anlegen. 37) Je mehr Urlaubsreisen und hoch-
wertige langlebige Gebrauchsgüter unmittelbare Reproduktions-
erfordernisse und Bestandteil der individuellen Konsumtion
wurden, weitete sich vor allem das kurz- und mittelfristige
Sparen auf immer größere Gruppen von Lohnabhängigen aus. Mit der
Anlage von Sparguthaben verbunden sind, je nach Anlageform, Zins-
und Prämienzahlungen, Dividenden u.ä., die inzwischen zu einer
laufenden Einkommensquelle nahezu aller Arbeiter- und Ange-
stelltenhaushalte geworden sind.
Mit der Ausweitung des Sparvolumens haben sich auch die daraus
resultierenden Einkommen erhöht. Die Einkommen aus Vermögen (aus
Geldvermögen und Haus- und Grundbesitz zusammen) haben ihren An-
teil an den Einkommen der Arbeiter seit 1950 verzehnfacht;
gleichwohl lag dieser Anteil 1977 erst bei 4,3 Prozent (vgl. Ta-
bellen 7 und 11).
Zwischen den Vermögenseinkünften von Arbeiter- und Angestell-
ten-/Beamtenhaushalten bestehen deutliche Unterschiede, die sich
seit 1970 absolut noch erheblich vergrößert haben. Sie erklären
sich aus den im Durchschnitt erheblich höheren Vermögensbeständen
der Angestellten- und Beamtenhaushalte. Wir hatten bereits ge-
zeigt, daß eine deutliche Einkommenspolarisierung auch innerhalb
dieser sozialstatistischen Gruppen dazu führt, daß diese Durch-
schnittszahlen wenig aussagekräftig sind.
5. Eigenleistungen der Arbeiterfamilien
---------------------------------------
zur Reproduktion der Arbeitskraft
---------------------------------
Wie deutlich wurde, sind die Gesamteinkünfte der Familien höher
als der Arbeitslohn der erwerbstätigen Familienmitglieder. Aller-
dings ist auch über die Erfassung der gesamten Geldeinkünfte noch
nicht der Rahmen abgesteckt, innerhalb dessen sich die Reproduk-
tion der Arbeitskraft vollzieht. Vielmehr muß noch auf die Bedeu-
tung des Haushalts als Quelle von Reproduktionsleistungen hinge-
wiesen werden. Hier produziert die Arbeiterfamilie alles das, was
sie für ein normales Leben braucht, aber wegen fehlender Geldein-
künfte auf dem Markt nicht kaufen kann. "Dies zu ignorieren wäre
falsch; Haushalt und daraus resultierendes Einkommen müssen in
den Prozeß der Produktion heutiger Arbeitskraft miteinbezogen
werden." 38) Ihrem Wesen nach sind die in der arbeitsfreien Zeit
durch Hausarbeit erbrachten Eigenleistungen, deren Produktivität
und Intensität in den vergangenen Jahren mit der gewachsenen
Technisierung der Haushalte zugenommen hat, Moment verstärkter
Ausbeutung. Würden diese Dienstleistungen und Güter nicht in Ei-
genleistung erbracht, müßte eine entsprechende Erhöhung der Ar-
beitslöhne ein unverändertes Reproduktionsniveau gewährleisten.
Auf die den Wert der Arbeitskraft senkende Wirkung der eigenen
Reproduktionsleistungen wies bereits Friedrich Engels im Vorwort
zu seiner Arbeit "Zur Wohnungsfrage" hin: Nirgends wurden in
Deutschland "so infam niedrige Löhne" gezahlt wie in der deut-
schen Hausindustrie, wo die Handweber neben der Arbeit an ihren
Webstühlen auch noch den eigenen Grund und Boden bewirtschafte-
ten. 39)
Die gesellschaftliche Bedeutung der eigenen Reproduktionsleistun-
gen war bzw. ist in den verschiedenen Ländern je nach den spezi-
fischen Entwicklungsbedingungen verschieden. Sie sind gegenwärtig
noch besonders hoch in Japan, wo Mitte der siebziger Jahre die
Naturaleinkünfte und Naturaleinkommen aus Haushaltstätigkeit fast
ein Drittel der monatlichen Gesamteinkommen von städtischen Ar-
beiterfamilien ausgemacht haben sollen. 40)
Das Spektrum der gegenwärtig in westdeutschen Lohnabhängigenhaus-
halten erbrachten eigenen Reproduktionsleistungen ist vielfältig.
Es beschränkt sich nicht auf die Produktion von Nahrungsmitteln
(wenngleich diese Eigenleistungen bei den rund 370 000 Erwerbstä-
tigenhaushalten mit Zweiterwerb in der Landwirtschaft immer noch
zu den bedeutendsten zählen) und auf die "normale" Hausarbeit
(Saubermachen, Kochen, Waschen usw.), sondern reicht von dieser
Art von Eigenleistungen über hauswirtschaftlich nutzbringende
Hobbies (wie z.B. Stricken, Nähen, Basteln) bis hin zu den soge-
nannten Do-it-yourself-Arbeiten. Gerade letztere haben in den
vergangenen Jahren stark zugenommen. In den meisten Arbeiterfami-
lien werden leichte Reparaturarbeiten, Instandhaltungs- oder Ver-
schönerungsarbeiten am eigenen Haus, der Wohnung, an Einrich-
tungsgegenständen oder anderen Gebrauchsgütern (wie z.B. am eige-
nen Auto) selbst vorgenommen und nicht an entsprechende private
Dienstleistungseinrichtungen übertragen. Die Quantifizierung der
dadurch entstehenden Einsparungseffekte ist allerdings angesichts
des vorliegenden spärlichen Datenmaterials über die Verbreitung
von Do-it-yourself-Arbeiten schwierig.
l
III. Krise und Konsumtion des erwerbstätigen Teils
--------------------------------------------------
der Arbeiterklasse
------------------
Die seit Mitte der sechziger Jahre zu beobachtende Labilität der
wirtschaftlichen Entwicklung spiegelt sich auch in der Entwick-
lung der Reallöhne der Industriearbeiter in den Krisenjahren
1966/67 und 1974/75 wider. Für die verschiedenen Gruppen der
Lohnabhängigen verlief die Entwicklung in der letzten Krise al-
lerdings wesentlich differenzierter als 1966/67. Das gilt auch
für die Auswirkungen von Krise und Einkommensverlusten auf die
Struktur und das Niveau der individuellen Konsumtion.
Der Reallohnabbau 1967 betrug gegenüber dem Vorjahr für den
Durchschnitt aller Industriearbeiter 2,2 Prozent. 41) Aus den
laufenden Wirtschaftsrechnungen des "4-Personen-Arbeitnehmerhaus-
halts mit mittlerem Einkommen" ergibt sich, daß in diesem Jahr
nicht nur die Individualeinkommen, sondern die gesamten ausgabe-
fähigen Einkommen gegenüber dem Vorjahr real um 2,1 Prozent zu-
rückgingen (vgl. Tabelle 12). Mit dem Einkommensabbau ging eine
Einschränkung der individuellen Konsumtion einher: Die inflati-
onsbereinigten Lebenshaltungsausgaben des gleichen Haushaltstyps
sanken um mehr als 3 Prozent, 1968 gegenüber 1967 nochmals um 0,2
Prozent. Wie die nachfolgende Übersicht zeigt, waren von der Ein-
schränkung vor allem die Verbrauchskomplexe "Verkehr und Nach-
richtübermittlung" sowie "Persönliche Ausstattung" betroffen.
Entwicklung der individuellen Konsumtion in den Krisenjahren
1966/67 und 1974/75 für den "4-Personen-Arbeitnehmerhaushalt mit
mittlerem Einkommen" nach den laufenden Wirtschaftsrechnungen
Veränderung gegenüber dem Vorjahr (in Prozent)
1966 1967 1974 1975
Reallöhne der Industriearbeiter -0,9 -2,2 -0,1 -0,7
Inflationsbereinigte Ausgaben für
- die individuelle Konsumtion insg. -1,3 -3,3 1,3 6,0
- Nahrungs- und Genußmittel 0,4 -0,2 2,0 2,2
- Bekleidung, Schuhe -2,8 -8,6 2,4 4,9
- Wohnungsmieten 5,5 3,8 5,9 2,1
- Elektrizität, Gas, Brennstoffe 1,7 4,4 -4,1 1,6
- Übrige Waren und Dienstleistungen
für die Haushaltsführung 5,8 -2,4 -4,9 2,2
- Waren und Dienstleistungen für Verkehrs-
zwecke , Nachrichtenübermittlung -6,0 -20,5 -0,6 20,7
- Körper- und Gesundheitspflege 4,4 -1,8 ±0 1,1
- Bildungs- und Unterhaltungszwecke 8,8 1,5 4,9 12,0
- Persönliche Ausstattung,
sonst. W. u. D. 3,9 -24,4 8,5 16,2
_____
Quelle: Wie Tabelle 13 im Anhang
1974/75 war dagegen eine anderslaufende Entwicklung zu beobach-
ten. Obwohl die Reallöhne der Industriearbeiter ebenfalls rück-
läufig waren (allerdings in geringerem Umfang als 1966/67), konn-
ten durch die Steuer- und Kindergeldreform zahlreiche Gruppen von
Lohnabhängigen Einkommenszuwächse verbuchen. So stiegen z.B. die
monatlichen Kindergeldeinkommen für den 2-Kinder-Haushalt ab 1.1.
1975 von 25 DM auf 120 DM. Der reale Zuwachs der ausgabenfähigen
Einkommen betrug für den "4-Personen-Arbeitnehmerhaushalt" der
laufenden Wirtschaftsrechnungen 7,3 Prozent (vgl. Tabelle 12).
Der Anstieg der Haushaltseinkommen war wesentliche Grundlage für
die Ausweitung der inflationsbereinigten Konsumtionsausgaben.
Nach den Wirtschaftsrechnungen stiegen sie 1975 gegenüber dem
Vorjahr um 6 Prozent. Den größten Anstieg hatten die Ausgaben-
gruppen zu verzeichnen, bei denen 1966/67 die deutlichsten Rück-
gänge eintraten: "Verkehr- und Nachrichtenübermittlung" sowie
"Persönliche Ausstattung".
Aus den laufenden Wirtschaftsrechnungen allein lassen sich auf-
grund der problematischen Datenbasis kaum weitergehende verallge-
meinerbare Aussagen hinsichtlich der Konsumtionsentwicklung in
der jüngsten Krise treffen. Hinweise liefert die zusätzliche Be-
trachtung gesamtwirtschaftlicher Globaldaten. Danach ist seit
Einsetzen der Krise im 2. Halbjahr 1973 bis zu ihrem Tiefpunkt im
1. Halbjahr 1975 eine deutliche Zurückhaltung der privaten Haus-
halte bei den Konsumtionsausgaben zu beobachten. Sie ist jedoch
nicht auf fehlende Geldeinkünfte der privaten Haushalte zurückzu-
führen. Vielmehr stiegen, wie die folgende Übersicht zeigt, die
verfügbaren Einkommen zunächst deutlich schneller als der private
Verbrauch, was dazu führte, daß die Sparquote im 1. Halbjahr 1975
ihren bisher höchsten Stand erreichte.
Einkommen, privater Verbrauch und Ersparnis privater Haushalte
1974-1976 (Milliarden DM)
1974 1975 1976
1. Hj. 2. Hj. 1. Hj. 2. Hj. 1. Hj.
Verfügbare Einkommen 295,2 332,9 329,4 359,9 349,0
Privater Verbrauch 252,8 280,2 274,0 306,2 299,0
Ersparnis 42,4 52,7 55,4 53,8 50,0
Sparquote in Prozent 14,4 15,8 16,8 14,9 14,3
Steigerung gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum in Prozent:
Verfügbare Einkommen - 12,8 11,7 8,1 5,9
Privater Verbrauch . - 10,8 8,2 9,3 9,1
Ersparnis - 24,3 32,2 2,1 -9,7
_____
Quelle: Zusammengestellt und berechnet nach Monatsberichten der
Deutschen Bundesbank, März 1976, S. 15; Oktober 1976, S. 15.
Die Einschätzung der Bundesbank scheint nicht unbegründet, daß
die privaten Haushalte in dieser Zeit einen großen Teil des ihnen
aus der Steuer- und Kindergeldreform zufließenden Einkommenszu-
wachses "aus Furcht vor einem Verlust des Arbeitsplatzes gespart
und manche Käufe von Verbrauchsgütern... zurückgestellt" 42) ha-
ben. Mit der, abgesehen von den Arbeitsmarktproblemen, Verbesse-
rung der ökonomischen Entwicklung trat in der 2. Jahreshälfte
1975 auch eine Trendwende im Verbrauchsverhalten der Haushalte
ein. Der durch die Konsumzurückhaltung zur Zeit des Tiefpunktes
der Krise entstandene Nachholbedarf wurde nunmehr durch den ver-
stärkten Kauf besonders von langlebigen Gebrauchsgütern ausgegli-
chen. Das ging zum einen zu Lasten der Ersparnisbildung: Die
Sparquote sank von 16,8 Prozent im 1. Halbjahr 1975 auf 14,3 Pro-
zent im 1. Halbjahr 1976, wobei die neu gebildeten Ersparnisse
vorwiegend in verhältnismäßig liquider Form angelegt wurden 43),
um eine schnelle Zuführung dieser Mittel für die individuelle
Konsumtion zu sichern. Die Verbrauchsexpansion war ferner beglei-
tet von einem deutlichen Anstieg der Kreditaufnahmen der privaten
Haushalte, die zur Zeit des Krisentiefpunktes äußerst gering war
und zum Teil sogar durch das Volumen der Kreditrückzahlungen
übertroffen wurden. 44) Die aus der verstärkten Kreditaufnahme
resultierenden Einkommen dürften hauptsächlich zur Anschaffung
langlebiger hochwertiger Gebrauchsgüter, vor allem für Kfz-Käufe,
verwendet worden sein, worauf auch die Haushaltsbucherhebungen im
Rahmen der laufenden Wirtschaftsrechnungen hindeuten. 45) Ferner
glaubte die Bundesbank Anfang 1976 eine zunehmende Auflösung pri-
vater Geldanlagen (z.B. Sparguthaben) registrieren zu können, die
nach ihrer Vermutung vornehmlich für den Erwerb von Wohnungsei-
gentum bzw. für größere Reparaturen und Renovierungen ausgegeben
wurden. 46)
Wenngleich sich das Niveau der Konsumtionsausgaben 1975 erhöhte,
kann doch nicht übersehen werden, daß die Krise zu Veränderungen
in der Lebensführung der Haushalte führte. So ist gerade in den
Krisenjahren eine verstärkte Tendenz zur Rückverlagerung zahlrei-
cher Reproduktionsleistungen in die Haushalte zu beobachten, die
im Rückgang bzw. der Stagnation des Anteils der privaten Dienst-
leistungsausgaben zum Ausdruck kommt. 47) Sogar absolut rückläu-
fig waren in mindestens einem der Krisenjahre die Ausgaben für
Wohnungsreparaturen, Schneiderarbeiten, für Wäscherei und Reini-
gung und für Taxi-Fahrten. Auch der gegenwärtig bei den rund 10-
12 Millionen Kleingärtnern der Bundesrepublik zu bemerkende Trend
zu einer wirtschaftlicheren Nutzung der privaten Gartenflächen
durch vermehrten Anbau von Obst und Gemüse muß wohl unter diesem
Gesichtspunkt gesehen werden.
IV. Einkommen und individuelle Konsumtion bei Arbeitslosigkeit
--------------------------------------------------------------
und ihren Folgen
----------------
Vorliegende Untersuchungen über die Auswirkungen der Krise auf
die Lohnabhängigen - vor allem der Arbeiterklasse -, die für
kurze oder längere Zeit arbeitslos wurden, zeigen, daß neben den
negativen psychisch-sozialen Folgen auch materielle Einbußen eine
große Rolle spielen. 48) Das Ausmaß der Betroffenheit ist unter-
schiedlich. Es reicht von Einkommenseinbußen infolge langandau-
ernder Kurzarbeit, über längere und kürzere Perioden der Arbeits-
losigkeit bis zum Absinken in die "Lazarusschicht der Arbeiter-
klasse". Aber auch die verschiedenen Möglichkeiten, aus der Ar-
beitslosigkeit herauszukommen - Aufnahme einer neuen Erwerbstä-
tigkeit, vorzeitige Verrentung, "Aufgehen" in der sogenannten
"stillen Reserve", amtlich verordnete Bildungsmaßnahmen, Wehr-
dienst und Krankheit führen meistens zu Einkommensverschlechte-
rungen.
1. Zur Struktur und zum Umfang der industriellen Reservearmee
-------------------------------------------------------------
Die aufgezählten Kategorien von Krisenbetroffenen sind sichtbare
Teile der für die kapitalistische Produktionsweise charakteristi-
schen "relativen Überbevölkerung", das heißt, der "mit Bezug auf
das mittlere Verwertungsbedürfnis des Kapitals überschüssigen Be-
völkerung". 49) Diese industrielle Reservearmee erfülle nicht nur
die Funktionen des Lohndrucks und der Disziplinierung, sondern
sie ist unter den "normalen" Bedingungen kapitalistischer Ent-
wicklung zugleich das Reservoir, über das die Verteilung der Ar-
beitskräfte auf die verschiedenen Sektoren der gesellschaftlichen
Produktion vermittelt ist. Die erweiterte Reproduktion des Kapi-
tals erfordert die Existenz einer "disponiblen industriellen Re-
servearmee", die "ohne Abbruch der Produktionsleiter in andere
Sphären auf die entscheidenden Punkte werfbar" ist. 50)
Dieser ständig ablaufende Prozeß-die niedrigste Zahl an jährli-
chen Arbeitslosenmeldungen in der Nachkriegszeit betrug immer
noch 1,3 Millionen (1970) - beschleunigt und weitet sich unter
dem Druck der Krise aus. Nach einer Untersuchung des IAB wird "
in zwei von drei Fällen (67 Prozent) . . . mit der Wiederaufnahme
der Arbeit auch der Wirtschaftszweig gewechselt". 51) Nach den
Angaben der wieder Erwerbstätigen haben auch rund 44 Prozent den
Beruf gewechselt. Von den Berufswechslern geben wiederum fast
drei Viertel an, daß sie von ihren " beruflichen Kenntnissen und
Fertigkeiten auf dem neu en Arbeitsplatz wenig, sehr wenig oder
nichts verwenden" können. Wichtig ist auch der Hinweis, daß der
Anteil der Berufswechsler mit der abgelaufenen Dauer der Arbeits-
losigkeit und im Ausmaß der finanziellen Belastungen ansteigt.
Daß die durch die Krise ausgelösten Mobilitätsprozesse noch nicht
abgeschlossen sind, geht auch aus der Einschätzung des neuen Ar-
beitsplatzes hervor: 15,1 Prozent der Wiedererwerbstätigen be-
zeichnen ihn als "Notlösung", 34,3 Prozent betrachten ihn als
"Übergangslösung", und nur 50,7 Prozent meinen eine "Dauerlösung"
gefunden zu haben, die es aber unter kapitalistischen Bedingungen
nicht gibt.
"Die relative Überbevölkerung existiert in allen möglichen Schat-
tierungen. Jeder Arbeiter gehört ihr an während der Zeit, wo er
halb oder gar nicht beschäftigt ist. Abgesehen von den großen pe-
riodisch wiederkehrenden Formen, welche der Phasenwechsel des in-
dustriellen Zyklus ihr aufprägt, so daß sie bald akut in den Kri-
sen erscheint, bald chronisch in den Zeiten flauen Geschäfts, be-
sitzt sie fortwährend drei Formen: flüssige, latente und
stockende". 52) Es bedarf keiner näheren Begründung, daß diese
verschiedenen Formen zwar analytisch, aber kaum empirisch zu
trennen sind. In Tabelle 14 wurde versucht, eine Übersicht über
die durch die Statistik der Arbeitsverwaltung erfaßten sichtbaren
(bzw. überhaupt erfaßbaren Teile) der Reservearmee
zusammenzustellen. Nur schwerlich sichtbar zu machen - dazu wären
eigene Untersuchungen notwendig - sind vor allem die l a t e n-
t e n Formen der Reservearmee. Ihr sind z.B. Selbständige und
Mithelfende zuzurechnen, die angesichts relativ ungünstiger
Möglichkeiten, die Arbeitskraft zu verkaufen, an ihrer Kümmer-
existenz festhalten. Dazu zählen die Schüler, die die Zeit ihrer
formalen Ausbildung verlängern, ohne daß sich - nicht zuletzt
wegen der völlig ungenügenden materiellen und personellen
Ausstattung der entsprechenden Bildungsgänge - ihr Bildungsniveau
und ihre Verkaufschancen dadurch merklich verbessern. Schwer
abzuschätzen ist auch die Zahl derjenigen Jugendlichen, die unter
dem Druck der Lehrstellenknappheit aussichtslose Berufe aufzuneh-
men gezwungen sind. Die Hauptgruppe dieses Teils der Reservearmee
stellen aber die Un- und Unterbeschäftigten in den Armenhäusern
Europas, weil die Abzugskanäle ökonomisch und administrativ
blockiert sind.
In der Statistik der Arbeitsverwaltung sichtbar werden lediglich
Personen, die in sogenannte Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und in
Vollzeitmaßnahmen der beruflichen Bildung und Umschulung einbezo-
gen sind. 53) Häufig handelt es sich dabei um längerfristig Ar-
beitlose, die auch nach dem Abschluß der Arbeitsamtsmaßnahmen
keinen Arbeitsplatz finden. Zu schätzen ist ferner der Umfang der
sogenannten "Stillen Reserve", bei der es sich um Personen han-
delt, die nicht erwerbstätig sind, sich aber auch nicht (oder
nicht mehr) als Arbeitlose melden. 54) Zu dieser "Stillen Re-
serve" zählen vor allem Frauen, die aus der Erwerbstätigkeit in
die "Nur-Hausfrauentätigkeit" zurückgedrängt wurden oder die ein
Kind bekommen und während ihrer gesetzlichen Schwangerschaftszei-
ten aus der Arbeitslosenstatistik gestrichen werden. Nach einer
Abgangsstichprobe (gezählt und beobachtet wurden alle Personen,
die an einem bestimmten Stichtag aus der Arbeitslosigkeit
"abgingen") des IAB vom September 1976 55) verteilten sich die
"Abgangsquoten" nach verschiedenen Arten des Ausscheidens aus der
Arbeitslosigkeit (in Prozent) wie folgt:
Beendigung der Arbeitslosigkeit durch
Arbeitsauf- Krankheit Aus- und Rente Sonstige
nahme Weiterbil- Gründe /
dung, Um- unbekannt
Geschlecht schulung
Männer 71,3 5,6 4,8 1,7 16,6 b)
Frauen 61,6 12,5 a) 4,3 0,7 20,9 c)
Insgesamt 67,5 8,3 4,6 1,3 18,3
_____
a) Neben "Kranken" sind hier auch Frauen gezählt, die ihren ge-
setzlichen Schwangerschaftsurlaub antreten.
b) vor allem Ablauf der Aufenthaltserlaubnis in der Bundesrepu-
blik für Ausländer; Aufnahme des Zivil- und Wehrdienstes, Tod.
c) vor allem "Aufnahme einer Hausfrauentätigkeit".
Daß viele Frauen, die ihre Arbeitskraft aktuell nicht (bzw. nur
zu für sie unakzeptablen Bedingungen) verkaufen können, an einer
neuen Erwerbstätigkeit interessierr sind, zeigt eine andere IAB-
Untersuchung: Nur rund 17 Prozent der durch die Arbeitslosigkeit
zu Nur-Hausfrauen Gewordenen beabsichtigten nicht, einen neuen
Arbeitsplatz zu suchen; dagegen erklärten 34 Prozent, daß sie das
auf "jeden Fall" vorhaben. 56) Das deckt sich auch mit den Ergeb-
nissen einer Infratest-Untersuchung, nach der jede dritte Frau,
die nicht mehr arbeitslos gemeldet ist, weiter nach Arbeit sucht;
ein weiteres Drittel erklärt, daß es gerne wieder berufstätig
wäre. 57)
Im Unterschied zur registrierten Arbeitslosenzahl, die an be-
stimmten Stichtagen gezählt wurde, wächst der erfaßbare Teil der
latenten Reservearmee ("Stille Reserve", Arbeitsbeschaffungsmaß-
nahmen und Fortbildungs- und Umschulungsmaßnahmen) auch nach dem
Krisentiefpunkt noch weiter an. So betrug die Personenzahl in
1000:
1973 1974 1975 1976 1977 1978
260 329 652 737 750 801
_____
Quelle: Eigene Berechnung nach den Daten der Tabelle 14.
Neben Kurzarbeitern und vergleichsweise kurzzeitig Arbeitslosen
infolge von Entlassungen zählen zur f l ü s s i g e n F o r m
der Reservearmee auch die "Fluktuationsarbeitslosen", die selber
kündigen, Auswanderer 58) usw. Auch von dieser Gruppe taucht ein
erheblicher Teil überhaupt nicht in den Arbeitsamtsstatistiken
auf. Dabei handelt es sich vor allem um solche Personen, die sich
selbst einen neuen Arbeitsplatz suchen, ohne daß sie ihren alten
vorher aufgeben. Diese Form der "freiwilligen" 59) Mobilität geht
in Krisenperioden allerdings zurück.
Eines der Kennzeichen des flüssigen Teils der Reservearmee sind
die unterdurchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit und die
vergleichsweise reibungslose Umsetzung in neue Unternehmen der
gleichen Branche, neue Branchen und Berufe. Dieses Merkmal der
"kurzen Dauer der Arbeitslosigkeit" läßt sich statistisch kaum
von einem Kennzeichen des s t o c k e n d e n Teils der Reser-
vearmee trennen, denn - sie bildet einen Teil der aktiven Arbei-
terarmee mit durchaus unregelmäßiger Beschäftigung" 60), was
durch die Arbeitsamtsstatistik bestätigt wird. Gerade unter den
Problemgruppen der Arbeitslosen ist die Mehrfacharbeitslosigkeit
innerhalb eines Jahres besonders ausgeprägt. Nach einer Untersu-
chung des IAB betrug die Mehrfacharbeitslosigkeit für alle Ar-
beitslosen insgesamt 1,54 Arbeitslosigkeitsfälle pro Person und
Jahr. 61) Das heißt, wenn der jährliche Zugang an Arbeitslosen
drei Millionen beträgt, dann beträgt die Zahl der betroffenen
Personen rund 2 Millionen.
Die zusammengefaßten Merkmale einer Person, die innerhalb eines
Jahres überdurchschnittlich häufig arbeitslos wird, sind: Auslän-
discher Arbeiter, ohne Berufsausbildung, mit gesundheitlichen
Einschränkungen, älter als 50 Jahre (vgl. Tabelle 15). Bei diesen
Personengruppen handelt es sich zugleich um diejenigen, die den
größten Teil der Dauerarbeitslosen stellen.
Bekanntlich ist die Betroffenheit von Arbeitslosigkeit bedeutend
größer als die Bestandszahlen ausweisen. So gab es im Jahres-
durchschnitt 1973 lediglich 273 000 registrierte Arbeitslose,
aber rund 1,9 Millionen Arbeitslosenmeldungen. Hinter dieser
Fallzahl verbergen sich wegen der beschriebenen Mehrfacharbeits-
losigkeit aber "nur" rund 1,2 Millionen Betroffene (vgl. Tabelle
14).
Für die insgesamt von Arbeitslosigkeit Betroffenen und die Ar-
beitslosenbestände ist auch eine unterschiedliche Zeitdauer der
Arbeitslosigkeit charakteristisch. Nach der IAB-Untersuchung vom
September 1976 betrug die Dauer der bisherigen Arbeitslosigkeit
der Abgangsstichprobe 13,5 Wochen, während der verbleibende Be-
stand im Durchschnitt bereits 31,7 Wochen arbeitslos war (vgl.
Tabelle 15).
Mit dem Verlauf des Zyklus verändert sich auch die Dauer der Ar-
beitslosigkeit. Beim Arbeitslosenbestand folgt sie der konjunktu-
rellen Entwicklung deutlich phasenverzögert (vgl. Tabelle 16,
Spalte 6). Im Zusammenhang mit der Rezession 1966/67 wird die
längste Durchschnittsdauer mit 7,58 Monaten im September 1968 er-
reicht. 62) Die Werte im Gefolge der Krise 1974/75 liegen nicht
nur wesentlich höher - (Mai 1978: 9,17 Monate, September 1978:
8,55 Monate) -, sondern auch zeitlich viel weiter hinter dem Kri-
sentiefpunkt. Das verweist darauf, daß der Anteil der Dauerar-
beitslosen nach der jüngsten Krise höher ist als nach der Krise
1966/67 und daß sich der Ausleseprozeß der Arbeitskräfte auch
nach dem Krisentiefpunkt weiter fortsetzt.
Die durchschnittliche vollendete Dauer der Arbeitslosigkeit für
alle, die innerhalb eines Jahres von Arbeitslosigkeit betroffen
waren, entwickelte sich nach den IAB-Berechnungen dagegen wie
folgt 63):
Durchschnittlich vollendete Dauer der Arbeitslosigkeit in Monaten
10/66- 10/67- 10/68- 10/69- 10/70-
9/67 9/68 9/69 9/70 9/71
1,66 2,17 1,99 1,52 1,32
10/71- 10/72- 10/73- 10/74- 10/75-
9/72 9/73 9/74 9/75 9/76
1,59 1,71 1,88 2,79 3,66
_____
Quelle: Gramer und Egle, Dauer der Arbeitslosigkeit, S. 495.
Auch bei der vollendeten Dauer der Arbeitslosigkeit liegen die
Werte im Gefolge der Krise 1966/67 wesentlich niedriger als
1974/75, und der Gipfelpunkt lag näher am Krisentiefpunkt als
1974/75. Diese Daten legen die Vermutung nahe, daß innerhalb des
flüssigen Teils der Reservearmee (der wohl am besten als Konti-
nuum von "leichtflüssig" bis "zähflüssig" zu begreifen ist) im
Gefolge der jüngsten Krise und der durch sie angetriebenen Ratio-
nalisierungswelle die "zähflüsssigen" Elemente stärker als in den
sechziger Jahren vertreten sind.
"Ein Teil der Erwerbstätigen, die arbeitslos werden, haben in be-
zug auf ihre Wiederbeschäftigung keine größeren Probleme. Etwa
ein Drittel aller Arbeitslosen findet innerhalb von drei Monaten
wieder eine Beschäftigung und verschlechtert sich dabei im Durch-
schnitt nicht." 64) Der angegebene Prozentsatz dürfte in etwa den
leichtflüssigen Teil der Reservearmee unter den betroffenen Ar-
beitslosen angeben, wozu noch die betroffenen Kurzarbeiter zu
zählen sind. 65)
Überlegungen zur Dauer der Arbeitslosigkeit und der Struktur der
industriellen Reservearmee sind in unserem Untersuchungszusammen-
hang auch deshalb wichtig, weil sie den objektiven Hintergrund
für die Formen und das Ausmaß der materiellen Verluste andeuten .
Aus diesem Grund haben wir auch versucht, den Umfang der ver-
schiedenen Teile der Reservearmee abzuschätzen. Dabei ist klar,
daß es sich - schon wegen der Doppelzählungen (jemand kann z. B.
im gleichen Jahr Kurzarbeiter und Arbeitsloser sein) - nur um
eine Schätzung handeln kann, die lediglich Größenordnungen auf-
zeigt. 66)
Schätzung des Umfangs und der Struktur der industriellen Reser-
vearmee 1973-1978 (Personen in 1000)
Form der Reserve-
armee 1973 1974 1975 1976 1977 1978
Latent 260 330 650 740 750 800
Leichtflüssig 450 890 1500 980 940 850
Flüssig bis zähflüssig 680 1010 1180 1040 1060 970
Stockend 160 220 340 400 410 400
Zusammen 1550 2450 3670 3160 3160 3020
1975 = 100 42 67 100 86 86 82
Zuwanderer a) 692 260 180 204 227 .
Abwanderer a) 369 389 361 278 225 .
Zusammen 961 649 541 482 452 .
Insgesamt b) 2510 3100 4210 3640 3610 .
_____
a) Erwerbspersonen.
b) gerundet.
Quelle: Eigene Berechnungen nach den Daten der Tabelle 14 (vgl.
Anmerkung 66).
Aus der Übersicht wird deutlich, welche Scharen "disponibler Ar-
beitskraft abhängig von der Bewegung des Kapitals" "in Bewegung
gesetzt", "umgesetzt", "freigesetzt" usw. werden, - so daß der
Arbeitsmarkt bald relativ untervoll erscheint, weil das Kapital
sich expandiert, bald wieder übervoll, weil es sich kontrahiert".
67)
Selbst wenn die möglichen Doppelzählungen berücksichtigt werden,
ergibt sich, daß seit 1975 Jahr für Jahr aktive und potentielle
Arbeitskraftanbieter in der Größenordnung von 3 Millionen Einzel-
personen Einbußen an Einkommen und Konsum hatten. Schließlich
zeigt sich, daß der Anstieg der Reservearmee in der jüngsten Kri-
senperiode sehr rasch erfolgte, während sich der Abbau sehr
schleppend vollzieht, wobei die über die Bundesgrenzen erfolgende
Wanderungsbewegung eine ausgleichende Wirkung hat.
Von der stockenden Form der Reservearmee ist der Übergang zur
"Lazarusschicht der Arbeiterklasse" und zum Lumpenproletariat
fließend. Spärliches Zahlenmaterial vom Ende der sechziger Jahre,
Anfang der siebziger Jahre wurde in der Klassenstrukturstudie des
IMSF veröffentlicht. 68) Wegen des Aufwands haben wir darauf ver-
zichtet, die Daten zu aktualisieren. Mit einiger Sicherheit kann
man aber davon ausgehen, daß die folgende Beziehung auch in der
Gegenwart gilt: "Je größer endlich die Lazarusschicht der Arbei-
terklasse und die industrielle Reservearmee, desto größer der of-
fizielle Pauperismus. " 69)
2. Einkommensverluste verschiedener Gruppen
-------------------------------------------
der industriellen Reservearmee
------------------------------
Große Teile der industriellen Reservearmee beziehen zeitweise
Einkommen nach verschiedenen Bestimmungen des "Arbeitsförderungs-
gesetzes (AFG)". Entweder Arbeitslosengeld (§ 100 ff.) oder
Arbeitslosenhilfe (§ 134 ff.), zu geringen Teilen und unter
bestimmten Bedingungen auch Unterhaltsgeld bei Maßnahmen zur
beruflichen Fortbildung und Umschulung (§ 44). Wachsende Bedeu-
tung hat die Sozialhilfe nach dem Bundessozialhilfegesetz (BSHG)
erlangt, die ein Dahinvegetieren deutlich unterhalb des sozialen
Existenzminimums erlaubt. Es hat sich eingebürgert, die Sozial-
hilfe als Maßstab für die absolute Armut zu gebrauchen. 70)
Neben den Arbeitseinkommensverlusten, die durch den Bezug dieser
im Vergleich zum vorherigen Arbeitseinkommen vergleichsweise
niedrigen Leistungen entstehen, spielt außerdem die Differenz
zwischen dem Einkommen in der "alten" und der "neuen" Erwerbstä-
tigkeit eine Rolle: In vielen Fällen vermindern sich die Löhne
und Gehälter. "Anspruch auf Arbeitslosengeld hat, wer arbeitslos
ist, der Arbeitsvermittlung zur Verfügung steht, die Anwart-
schaftszeit erfüllt, sich beim Arbeitsamt gemeldet und Arbeitslo-
sengeld beantragt hat" (§100 AFG, Absatz 1). In diese Bestimmung
sind also eine Reihe von Fallstricken eingebaut.
Anteil der Leistungsberechtigten an den Arbeitslosen
----------------------------------------------------
Die Hauptklippen sind die Erfüllung der "Anwartschaft" und das
"zur Verfügung" Stellen der Arbeitskraft. Gerade das letzte Kri-
terium ist in den letzten Jahren laufend in Richtung einer Ent-
rechtung und "Verflüssigung" 71) der Arbeitslosen verschärft wor-
den.
Mindestvoraussetzung für den Leistungsbezug ist eine beitrags-
pflichtige Beschäftigung in den letzten drei Jahren vor der Ar-
beitslosigkeit von mindestens 6 Monaten (26 Wochen). Arbeitslo-
sengeld wird in diesem Fall für 78 Tage gewährt. Die Staffel
reicht bis zu einer vorangegangenen Arbeitszeit von 2 Jahren, die
einen Anspruch auf Arbeitslosengeld für 312 Tage begründet. Ar-
beitslosenhilfe wird dagegen zeitlich unbegrenzt gewährt, wenn
"Bedürftigkeit" besteht.
Nicht empfangsberechtigt sind in aller Regel:
- Bisher Nichterwerbstätige, die ihre Arbeitskraft verkaufen wol-
len;
- Ehemalige Mithelfende und Selbständige;
- Teilzeitbeschäftigte, die eine so geringe Wochenstundenzahl ar-
beiteten, daß sie nicht beitragspflichtig waren;
- Abgänger aus dem Ausbildungssystem;
- "Fluktuationsarbeitslose", die innerhalb der ihnen auferlegten
Sperrfrist einen neuen Arbeitsplatz finden;
- Erwerbstätige, die in den letzten drei Jahren weniger als 26
Wochen gearbeitet haben.
Letzteres kommt nicht selten vor, weil die Nachfrage nach Ar-
beitskräften unmittelbar vor dem Kriseneinbruch besonders groß
ist, was zur Rekrutierung von schwer mobilisierbaren Arbeitskräf-
ten führt (Beispiel Hausfrauenschichten), die dann beim Krisen-
einbruch wieder auf die Straße gesetzt werden.
Daneben ist bei den Bestandszahlen der Arbeitslosenstatistik zu
berücksichtigen, daß stets ein nicht unbeträchtlicher Teil der
Arbeitslosen zwar eine Leistung beantragt hat, aber noch keine
Leistung bezieht. Ende Mai 1977 ergab sich zum Beispiel für den
Arbeitslosenbestand folgendes Bild 72):
Leistungsart Zahl der Fälle Prozent
(absolut)
Ohne Leistung 147 262 15,6
Leistung beantragt 222 596 23,5
Bezug Arbeitslosengeld 439 172 45,5
Bezug Arbeitslosenhilfe 146 172 15,4
Insgesamt 946 491 100,0
Unter Berücksichtigung der abgelehnten Anträge auf Leistungen ge-
langt Karr zu dem Ergebnis, daß im Zeitraum September 1974 bis
September 1977 der Anteil der Leistungsempfänger am Arbeitslosen-
bestand zwischen 80 Prozent (September 1977) und 90 Prozent (Mai
1975) gelegen hat. 73) Wesentlich niedrigere Raten ergeben sich,
wenn man untersucht, wie hoch der Anteil der Leistungsberechtig-
ten an allen innerhalb eines Jahres von Arbeitslosigkeit Betrof-
fenen ist.
Anteil von arbeitslosen Leistungsberechtigten an den Arbeitlosen
insgesamt bei allen in einem Zeitraum von Arbeitslosigkeit Be-
troffenen in Prozent 74)
1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977
40 43 45 46 64 77 73 71
Sowohl die zeitlichen Unterschiede des Anteils der Leistungsbe-
rechtigten, die auch beim Bestand sichtbar wurden, als auch die
Abweichungen zwischen den Bestandszahlen und den Stromgrößen
(alle von Arbeitslosigkeit Betroffenen) sind darauf zurückzufüh-
ren, daß der Anteil der aufgezählten Kategorien von Nichtlei-
stungsberechtigten in Phasen der Hochkonjunktur und unter den
Insgesamt-Betroffenen besonders hoch ist.
Für den Fortgang der Untersuchung muß also berücksichtigt werden,
daß stets nur ein Teil der Reservearmee Arbeitslosenunterstützung
erhält, was für den größten Teil ihrer latenten Form ohnehin
gilt. Die Nichtanspruchsberechtigten sind entweder auf Sozial-
hilfe oder die Mildtätigkeit ihrer Verwandten angewiesen.
Willkürliche Handhabung von Sperrfristen
----------------------------------------
Eine weitere Kategorie von Arbeitslosen, die zumindest vorüberge-
hend keine Arbeitslosenunterstützung erhalten, sind die, denen
eine Sperrfrist - in der Regel 4 Wochen 75) - auferlegt wird. An-
laß dafür ist entweder die eigene Kündigung (§ 119, Absatz 1, Nr.
1 AFG) 76), die Weigerung, eine sogenannte "zumutbare" Arbeit (§
103 AFG) anzunehmen, an einer Umschulungsmaßnahme teilzunehmen
oder diese abzubrechen (§ 119, Absatz 1, Nr. 24 AFG). 77) Wer
zwei Sperrzeiten bekommt, der verliert jeglichen Anspruch auf Ar-
beitslosenunterstützung (§ 119, Absatz 3 AFG). Allein von dieser
Willkürmaßnahme waren 1977 fast 10000 Arbeitslose betroffen. 78)
Alle diese Maßnahmen bedeuten für die betroffenen Arbeitslosen
eine erhebliche finanzielle Einbuße. Wie die Daten der Tabelle 17
zeigen, ist das Ausmaß dieser Disziplinierungs- und Einschüchte-
rungsmaßnahmen auf der einen Seite, der Einsparungseffekt bei der
Bundesanstalt für Arbeit auf der anderen Seite nicht gering. Al-
lein in der Periode 1974-1977 wurden insgesamt 938 000 Sperrzei-
ten verhängt.
Geht man davon aus, daß ein Arbeitsloser im Monatsdurchschnitt
dieses Zeitraums 700 bis 800 Mark erhielt, dann bedeuten diese
Sperrfristen eine Ausgabenverminderung bei der Bundesanstalt zwi-
schen 660 und 750 Millionen DM.
Der Anteil der Sperrzeiten, bezogen auf die Zahl der Anträge auf
Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe, steigt in Krisenperioden
an. An der jüngsten Entwicklung ist vom Standpunkt der Arbeiter-
klasse besonders besorgniserregend, daß die Anteilswerte deutlich
über denen der Krise 1966/67 liegen, wo jeweils 5,4 und 8,3
Prozent erreicht wurden. Dagegen betrugen die entsprechenden
Sätze 1975 - 7,3 Prozent, 1976 - 8,6 Prozent, 1977 - 9,6 Prozent
(vgl. Tabelle 17).
Nach wie vor machen die Sperrfristen, die aufgrund Ziffer 1
(eigene Kündigung) ausgesprochen werden, den größten Anteil an
den Sperrfristen aus. Auch die Sperrfrist mit dieser Begründung -
im Grunde genommen handelt es sich um eine Verletzung der Eigen-
tumsgarantie des Grundgesetzes, weil dem Eigentümer die freie
Verfügbarkeit über seine Ware Arbeitskraft eingeschränkt wird -
steigt in Krisenperioden deutlich an. Das dürfte darauf zurückzu-
führen sein, daß
- ein Teil der Arbeiter und Angestellten aus einem Betrieb aus-
scheidet, bevor er pleite macht;
- in Krisenperioden die sogenannten Kündigungen "in beiderseiti-
gem Einvernehmen" - häufig eine verschleierte Form der Erpressung
durch den Unternehmer - zunehmen. Das gilt auch für die sogenann-
ten "Abfindungskündigungen";
- die Zahl der fristlosen Kündigungen zunimmt.
Selbst wenn der Betriebsrat zum Beispiel der fristlosen Kündigung
widersprochen hat, wird der Arbeitslose in vielen Fällen mit ei-
ner Sperrfrist belegt. Der Beamte beim Arbeitsamt ist in der un-
glücklichen Lage, sich hier als Richter aufspielen zu müssen. 79)
Daß schon bei der Anwendung dieser Bestimmung ein beträchtliches
Maß an Willkür möglich ist - zumal bei der Abwägung der Kündi-
gungsgründe der Begriff der "zumutbaren Arbeit" eine Rolle spielt
-, zeigt eine IAB-Untersuchung. Der Sperrzeitenanteil wegen §
119, Absatz 1, Nr. 1 streut zwischen den Arbeitsamtsbezirken der
Bundesrepublik beträchtlich. Den niedrigsten Anteilssatz (bezogen
auf die Arbeitslosenzugänge aus Erwerbstätigkeit) hat der Ar-
beitsamtsbezirk Traunstein mit 3,9 Prozent, den höchsten der Ar-
beitsamtsbezirk Helmstedt mit 17,5 Prozent. 80) In die Willkür-
richtung verweist ein weiteres Ergebnis der Untersuchung, das be-
sagt, "daß Arbeitsämter, die häufig Sperrzeiten wegen Arbeitsauf-
gabe verhängen, tendenziell auch häufig Sperrzeiten wegen Ableh-
nung einer zumutbaren Arbeit verhängen, ohne daß zwischen beiden
Größen ein unmittelbar zwingender Zusammenhang zu bestehen
braucht". 81)
Besonders beunruhigend ist es, daß der Anteil der Sperrzeiten,
die wegen Verweigerung einer "zumutbaren Arbeit" verhängt werden,
laufend ansteigt. Im Zeitraum 1974-1977 wurde insgesamt 200 000
mal von dieser Disziplinierungsmaßnahme Gebrauch gemacht. Dabei
wurden die Zumutbarkeitskriterien laufend zuungunsten der Arbei-
ter und Angestellten verschärft: Erstmals mit dem Haushaltsstruk-
tur-Gesetz vom Dezember 1975, nach dem Arbeitslose auch gezwungen
werden können - falls sie nicht ihren Anspruch auf Arbeitslosen-
unterstützung verlieren wollen ", ihre Arbeitskraft unterhalb ih-
rer Qualifikation, auf größere Entfernung als bisher und zu
schlechteren Bedingungen zu verkaufen. Die letzte Verschärfung
brachte die ebenfalls von einem sozialdemokratischen Arbeitsmini-
ster vorgelegte 5. Novelle zum AFG, die Genugtuung in den Wirt-
schaftsredaktionen der bürgerlichen Zeitungen hervorlockte: "Der
Zwang zum Wochenendpendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz, zum
Wechsel von einer Angestellten- zu einer Arbeitertätigkeit oder
die Aufnahme von Schicht- und Nachtarbeit wird nach dem 1. August
nicht mehr grundsätzlich eine Arbeitsvermittlung verhindern. Er-
schwernisse dieser Art gelten künftig nur noch dann als unzumut-
bar für einen Arbeitslosen, wenn dessen persönliche und familiäre
Verhältnisse mit solchen Vermittlungsbedingungen nicht zu verein-
baren sind. " 82)
Wie die bereits zitierte IAB-Untersuchung gezeigt hat, werden
solche Gummibestimmungen mit einem beträchtlichen Ermessensspiel-
raum in jedem Arbeitsamtsbezirk anders ausgelegt. Im Durchschnitt
aller 140 Arbeitsamtsbezirke der Bundesrepublik sowie Westberlins
beträgt die Quote der Sperrzeiten wegen Ziffer 2-4 (bezogen auf
den Gesamtzugang an Arbeitslosen aus Erwerbstätigkeit) 2,7 Pro-
zent. Am niedrigsten liegt der Arbeitsamtsbezirk Ahlen mit 0,2
Prozent, am höchsten Waiblingen mit 5,8 Prozent. 83)
Nachdem die Autoren der IAB-Untersuchung keine nennenswerten re-
gionalspezifischen Faktoren als Ursache für die großen Streuungen
ausmachen konnten, formulieren sie vorsichtig: "A m t s s p e-
z i f i s c h e V e r h a l t e n s w e i s e n, die zudem noch
durch einen E i n f l u ß d e s ü b e r g e o r d n e t e n
L a n d e s a r b e i t s a m t e s überlagert werden, können
zumindest nicht ausgeschlossen werden." 84)
Auf deutsch heißt das, daß hier zum Teil willkürlich gehandelt
wird und die Bestimmungen unterschiedlich "scharf" ausgelegt wer-
den. Das Problem müßte von den Vertretern der Gewerkschaften in
den Verwaltungsausschüssen der Arbeitsämter auf allen Ebenen,
aber auch gegenüber der Bundesregierung angepackt werden. Zum
einen, um der weiteren Entsolidarisierung zwischen dem aktiven
und dem arbeitslosen Teil der Lohnabhängigen entgegenzuwirken,
zum anderen im Hinblick auf die langfristigen Entwicklungstenden-
zen des Arbeitsmarktes in der Bundesrepublik. Angesichts der ho-
hen Sockelarbeitslosigkeit , die sich bei der nächsten Krise ohne
weiteres auf einen Bestand von 2 bis 3 Millionen Arbeitslosen
aufstocken kann, ist nicht abzusehen, wie dann mit den arbeitslo-
sen Kolleginnen und Kollegen umgesprungen wird, wenn dieser Pra-
xis nicht heute bereits Widerstand entgegengesetzt wird.
Beträgt das Arbeitslosengeld 68 Prozent des Nettolohnes?
--------------------------------------------------------
Die im § 11 des AFG vorgetragene Aussage - "Das Arbeitslosengeld
beträgt 68 vom Hundert des um die gesetzlichen Abzüge, die bei
Arbeitnehmern gewöhnlich anfallen, verminderten Arbeitsentgelts"
- ist eine Behauptung, der bereits im Gesetz laufend widerspro-
chen wird. Meistens liegt das Arbeitslosengeld unter dieser
Marke. Die Fakten:
- Das Arbeitsentgelt wird stets nur bis zur Leistungsbemessungs-
grenze berücksichtigt, die 1977 z.B. bei 3400 DM Bruttoeinkommen
lag.
- Unabhängig davon, ob jemand in der Kirche ist oder nicht, wird
bei der Bemessung des Arbeitslosengeldes auch die Kirchensteuer
in Abzug gebracht (1977: 8 Prozent der Lohnsteuer). Das fällt be-
sonders bei ungünstigen Steuerklassen ins Gewicht und benachtei-
ligt alle, die ohnehin keine Kirchensteuer bezahlen.
- Arbeitsentgelt "ist das im Bemesssungszeitraum in der Arbeits-
stunde durchschnittlich erzielte Arbeitsentgelt, vervielfacht mit
der Zahl der Arbeitsstunden, die sich als Durchschnitt der
t a r i f l i c h e n r e g e l m ä ß i g e n w ö c h e n t-
l i c h e n A r b e i t s z e i t... im Bemessungszeitraum
ergibt (§ 112 AFG, Absatz 2). Anders als beim Krankengeld werden
Überstunden, falls sie vor der Arbeitslosigkeit noch geleistet
wurden (was nicht selten der Fall ist), nicht berücksichtigt;
lediglich der Überstundenzuschlag geht in das "durchschnittlich
erzielte Arbeitsentgelt" ein.
- "Bemessungszeitraum" sind die letzten 20 Arbeitstage vor der
Arbeitslosigkeit, was ins Gewicht fällt, wenn kurzfristig weder
tarifvertraglich noch durch Betriebsvereinbarungen gesicherte
"freiwillige" Lohnzuschläge abgebaut wurden, was häufig vorkommt.
- Generell bleiben "einmalige Zuwendungen... außer Betracht"
(AFG, § 112, Absatz 2). Weihnachts- und Urlaubsgeld bleiben bei
der Berechnung des Arbeitslosengeldes also ebenso unberücksich-
tigt wie "freiwillige" Bargeldzuwendungen der Unternehmen
(Essensgeld, Zuschuß zu den Fahrtkosten usw.).
Abgesehen von diesen Einschränkungen muß berücksichtigt werden,
daß Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe nur mit Verzögerung
auf die Veränderung des Lohn- und Gehaltsniveaus des aktiven
Teils der Lohnabhängigen reagieren. Das für die Höhe des Arbeits-
losengeldes maßgebende Arbeitsentgelt wird zwar um den Prozent-
satz erhöht, "um den die Renten der gesetzlichen Rentenversiche-
rung zuletzt angehoben worden sind", aber ein Arbeitsloser, der
das Arbeitslosengeld für die zulässige Höchstdauer von einem Jahr
ohne Unterbrechung bezieht, kommt "frühestens mit dem Beginn der
anschließenden Zahlung von Arbeitslosenhilfe in den Genuß der an-
gepaßten Leistung". 85) Aus dieser Koppelungsbestimmung ergibt
sich übrigens, daß gerade die Dauerarbeitslosen durch das 21.
Rentenanpassungsgesetz, dessen 4-Prozent-Steigerungsbeträge deut-
lich unterhalb der Inflationsrate liegen werden, besonders be-
nachteiligt sind.
Die vorgetragenen Einschränkungen gelten selbstverständlich auch
für die angeblichen 58 Prozent des Nettolohnes, den die Arbeits-
losenhilfe betragen soll.
Zu den durchschnittlichen Einkommensverlusten von Arbeitslosen
--------------------------------------------------------------
"Während beschäftigte Arbeiter und Angestellte im Durchschnitt
ein monatliches Haushaltsnettoeinkommen von etwa 2400 DM angeben,
beträgt das Haushaltseinkommen der Arbeitslosen nach ihrer Angabe
im Durchschnitt etwa 1600 DM, das der wiederbeschäftigten Ar-
beitslosen etwa 2200 DM. Dementsprechend geben die Arbeitslosen
eine V e r r i n g e r u n g d e s H a u s h a l t s e i n-
k o m m e n s d u r c h d i e A r b e i t s l o s i g k e i t
v o n d u r c h s c h n i t t l i c h 6 0 0 D M, a n." 86)
Diese Aussage , die sich auf die Einkommensverhältnisse 1976/77
bezieht, deckt sich in etwa mit den Ergebnissen der IAB-Untersu-
chung, die Einkommensverhältnisse im Zeitraum 1974/75 berücksich-
tigt. Der von den Befragten angegebene Einkommensverlust durch
die Arbeitslosigkeit beträgt im Durchschnitt 520 DM pro Monat.
Die Aufgliederung nach Nettoeinkommensklassen zeigt im übrigen,
daß schon in der Einkommensklasse 800 bis unter 1000 DM netto die
68-Prozent-Grenze des Einkommens aus Erwerbstätigkeit unter-
schritten wird. 87)
In der Größenordnung ähnliche Einkommensverluste stellt auch Ca-
rola Möller in ihrer Untersuchung fest: "Die individuellen Ein-
kommensverluste durch Arbeitslosigkeit betragen bei den Männern
durchschnittlich 510 DM im Monat (= 40%), bei den Frauen, auf-
grund des insgesamt um 25% niedrigeren Einkommensniveaus, 350 DM
je Monat." 88)
Insgesamt ergibt sich also, daß schon die durchschnittlichen Ein-
kommensverluste beträchtlich sind. Die dargestellten Einkommens-
verluste reichen aus, daß große Teile der Arbeiter und Angestell-
ten bereits beim Bezug von Arbeitslosengeld unter die Armuts-
schwelle, den Sozialhilfesatz, abrutschen. 89) So
"- der weitaus größte Teil der Arbeitslosen mit Kindern,
- nahezu alle alleinstehenden Frauen mit Kindern,
- nahezu alle alleinverdienenden, verheirateten Arbeiter ohne
Kinder,
- ein großer Teil der alleinverdienenden, verheirateten Ange-
stellten ohne Kinder,
- ein großer Teil der alleinstehenden Frauen." 90)
Nach dieser Untersuchung des Sozialministeriums von Rheinland-
Pfalz sind in der Regel nur zwei Gruppen von Arbeitslosen von ei-
nem Einkommen unterhalb der Armutsschwelle verschont: unverheira-
tete Männer ohne Kinder, kleine Familien mit zwei Erwerbstätigen.
91)
In der Brinkmann-Untersuchung finden sich auch Belege für die
Einkommensverluste , die beim Wiedereintritt in die Erwerbstätig-
keit von den Arbeitslosen hingenommen werden müssen. Wir hatten
bereits gezeigt, daß die SPD-geführte Bundesregierung durch das
Haushaltsstrukturgesetz und die 5 . Novelle zum AFG einen bedeu-
tenden Beitrag dazu geleistet hat, daß immer mehr Arbeitslose
durch Druck dazu gezwungen werden können, schlechter bezahlte Ar-
beitsplätze anzunehmen.
Einkommensunterschied zwischen dem Arbeitsplatz vor der Arbeits-
losigkeit und dem nach der Arbeitslosigkeit ·
Monatliches Nettoeinkommen Veränderung in der neuen
vor der Arbeitslosigkeit Erwerbstätigkeit in DM
unter 800 DM +140 DM
800 bis unter 1000 DM +60 DM
1000 bis unter 1200 DM +20 DM
1200 bis unter 1400 DM -100 DM
1400 bis unter 1600 DM -190 DM
1600 bis unter 2000 DM -320 DM
2000 DM und mehr -490 DM
Zusammen -100 DM
_____
Quelle: Brinkmann, Mobilität, S. 216.
Vor allem bei den Einkommenszuwächsen in den unteren Lohngruppen
ist zu berücksichtigen , daß mindestens eine, in vielen Fällen
sogar zwei Lohnrunden zwischen der alten Erwerbstätigkeit vor der
Arbeitslosigkeit und der Befragung lagen und daß 1975 eine
Steuerentlastung für die unteren Lohn- und Gehaltsgruppen ein-
trat.
Einkommensverluste des latenten und flüssigen Teils
---------------------------------------------------
der Reservearmee - Verlust durch Kurzarbeit
-------------------------------------------
Die latenten Teile der Reservearmee haben entweder ihre Arbeits-
kraft noch nicht verkauft oder vor ihrem erzwungenen Abwandern in
die Stille Reserve über längere oder kürzere Zeit Arbeitslosenun-
terstützung bezogen. Weil es sich dabei in vielen Fällen um ver-
heiratete Frauen handelt, entfällt hier häufig die Arbeitslosen-
hilfe, wenn der Anspruch auf Arbeitslosengeld aufgebraucht ist.
Umschüler erhalten angeblich 80 Prozent ihres vorhergegangenen
Nettolohnes. Hier gelten die gleichen Einschränkungen, wie wir
sie für die fiktive 68-Prozent-Quote entwickelt haben. Häufig
handelt es sich bei dieser Gruppe um Personen, die vor der Um-
schulungsmaßnahme schon längere Zeit arbeitslos waren und zur
stockenden Form der Reservearmee zählten.
Längere Arbeitslosigkeit (meistens 1 Jahr) trifft auch für die
Beschäftigten in "Arbeits-Beschaffungs-Maßnahmen" zu. Sie erhal-
ten zwar für ein halbes Jahr (häufig werden die Verträge aber auf
1 Jahr verlängert) vollen Lohn, der aber nicht selten niedriger
als in der alten Erwerbstätigkeit ist. Bekanntlich werden diese
Löhne aus den Arbeitslosenbeiträgen bis zu 90 Prozent an 92) die
öffentlichen und privaten Unternehmer erstattet. Häufig wird ver-
sucht, diese Gruppe von Beschäftigten durch raffiniert gelegte
Eintritts- und Austrittstermine um Weihnachts- und Urlaubsgeld zu
prellen.
Für das Kontinuum des flüssigen Teils der Reservearmee - von
leichtflüssig bis zähflüssig - gilt: um so länger arbeitslos, um
so größer die Einkommensverluste während der Arbeitslosigkeit, um
so größer die negative Einkommensdifferenz zwischen alter und
neuer Erwerbstätigkeit.
Wir hatten bereits gezeigt, daß auch der flüssige Teil der Reser-
vearmee mit seinem Arbeitsloseneinkommen unter die Sozialhil-
feschwelle gedrängt werden kann. Allerdings wissen die meisten
Arbeitslosen nicht, daß sie Ansprüche auf Sozialhilfe haben.
E i n e v o n u n s d u r c h g e f ü h r t e B l i t z-
u m f r a g e u n t e r A r b e i t s ä m t e r n i n S ü d-
h e s s e n e r g a b, d a ß i n k e i n e m F a l l d i e
A r b e i t s l o s e n d a r a u f h i n g e w i e s e n
w e r d e n, d a ß, w i e u n d w o s i e i h r e
R e c h t s a n s p r ü c h e g e l t e n d m a c h e n k ö n-
n e n. Das widerspricht eindeutig dem Geist und Buchstaben des
Bundessozialhilfegesetzes. Aus den Berechnungsunterlagen des
Arbeitsamtes geht in aller Regel hervor, ob jemand noch
zusätzlichen Anspruch auf Sozialhilfe hat. Hier ergibt sich u.E.
ein wichtiger Ansatzpunkt gewerkschaftlicher Interessenvertretung
zur Sicherung der elementarsten Existenzbedingungen der von Krise
und Arbeitslosigkeit besonders betroffenen Teile der Klasse. 93)
Wir haben gezeigt, daß die K u r z a r b e i t e r einen we-
sentlichen Teil der (leicht-)flüssigen Form der Reservearmee aus-
machen. Bei ihren Einkommensverlusten ist zu berücksichtigen, daß
vor dem Eintritt der Kurzarbeit in aller Regel durch den Abbau
von Überstunden, unabgesicherten Lohnzulagen usw. bereits die
Effektiwerdienste gesunken sind. Arbeitsausfall und die Dauer der
Kurzarbeit sind über die Jahre hinweg recht unterschiedlich (vgl.
Tabelle 18) und damit auch das Ausmaß der finanziellen Belastun-
gen. Im Januar 1979 fiel bei 15,6 Prozent der Kurzarbeiter mehr
als 50 Prozent der Arbeitszeit aus, und 15,6 Prozent arbeiteten
schon mehr als 6 Monate kurz. Die Übereinstimmung der beiden Pro-
zentzahlen ist zufällig, verweist aber darauf, daß lange Dauer
der Kurzarbeit und großer Ausfall von Arbeitsstunden häufig zu-
sammentreffen dürften.
In einer IAB-Untersuchung wurden für das Jahr 1977 die finanziel-
len Wirkungen und Kosten der Kurzarbeit untersucht. Für die
231 000 Kurzarbeiter dieses Jahres (bei 555 000 Fällen von Kurz-
arbeit) ergab sich dabei folgendes zusammengefaßtes Ergebnis:
"Die Arbeitnehmer haben während der Ausfallzeit einen Einkommens-
ausfall, da ihnen durch das Kurzarbeitergeld nur 68% des potenti-
ellen Nettolohnes (ohne Berücksichtigung von Überstunden) ersetzt
werden. Dieser Prozentsatz erhöht sich jedoch durch Steuererspar-
nisse und je nach dem Ausmaß der Arbeitszeitverkürzung auf bis zu
99%. Der insgesamt entstandene Einkommensausfall beziffert sich
für 1977 auf 130 Mio. DM." 94)
Abgesehen davon, daß die Steuerersparnis zum Teil erst im Lohn-
steuerjahresausgleich geltend gemacht werden kann, sind auch die
errechneten 130 Millionen DM noch eine beträchtliche Belastung.
Teilt man diese Summe durch die 231000 Kurzarbeiter des Jahres
1977, dann ergibt sich ein Einkommensausfall von durchschnittlich
563 DM. Für viele Kurzarbeiter dürfte damit zumindest die Ur-
laubsreise - falls sie überhaupt möglich war - ausfallen.
Einkommen des stockenden Teils der Reservearmee -
-------------------------------------------------
Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe
---------------------------------
"Wesentlich in der Entwicklung der Lebenslage der Lohnabhängigen
ist auf der einen Seite das weitgehende Verschwinden der absolu-
ten Armut." 95) Die Fakten stimmen zumindest seit der jüngsten
Krise nicht mit dieser Aussage überein. Dabei ist selbstverständ-
lich, daß "absolute Armut" am Ende der siebziger Jahre des 20.
Jahrhunderts anders zu definieren ist als für die schlesischen
Weber Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts.
Daß im Gefolge der jüngsten Krise auch die absolute Verarmung zu-
genommen hat, belegt zum einen das Ansteigen des stockenden Teils
der Reservearmee, der nach unseren Schätzungen von 160 000 (1973)
auf 400 000 Personen 1977 angestiegen ist. Das geht außerdem dar-
aus hervor, daß die Zahl der Haushaltsvorstände unter 60 Jahren,
die im Rahmen der Sozialhilfe l a u f e n d e H i l f e z u m
L e b e n s u n t e r h a l t empfangen, von 195 000 im Jahre
1970 über 241 000 (1973) auf 466 000 im Jahre 1977 angestiegen
ist (vgl. Tabelle 19 im Anhang). Die empfangenen Durchschnittsbe-
träge zeigen freilich, daß viele dieser Haushaltsvorstände nur
zeitweilig Sozialhilfe bezogen haben. Auf der anderen Seite ist
zu berücksichtigen, daß viele potentielle Sozialhilfeempfänger
diese aus Unkenntnis und Scham nicht in Anspruch nehmen. 96) Nach
der Studie des Rheinland-Pfälzischen Sozialministeriums ergibt
sich, daß Empfänger von Arbeitslosenhilfe - meistens handelt es
sich dabei um Angehörige des stockenden Teils der Reservearmee -
fast immer unter den Regelsätzen der Sozialhilfe liegen. Zusam-
menfassend ergibt sich: "Die Zahl der Haushalte (allein von Ar-
beitslosen, d. Verf.) mit einem verfügbaren Einkommen unter der
Sozialhilfeschwelle dürfte etwa bei 500 000 liegen. Die zahlrei-
chen Unsicherheitsfaktoren lassen es allerdings geraten erschei-
nen, sich nicht auf eine feste Zahl festzulegen. Man kann aber
nach den oben gewonnenen Erkenntnissen mit großer Sicherheit da-
von ausgehen, daß zwischen 300 000 bis 700 000 Haushalte ein ver-
fügbares Einkommen unterhalb der Armutsgrenze haben. Die Zahl der
betroffenen Personen dürfte fast dreimal so hoch sein." 97) Rund
900 000 bis 2,1 Millionen Personen sind also zumindest zeitweilig
in die Lazarusschicht der Arbeiterklasse abgesunken. Daß es sich
bei der Sozialhilfe tatsächlich um eine absolute Armutsschwelle
handelt, zeigen die Höhe der sogenannten Regelsätze und die Aus-
gestaltung des Warenkorbes, der ihnen zugrunde liegt.
Dem Anspruch nach ist es die Aufgabe der Sozialhilfe, "dem Emp-
fänger der Hilfe die Führung eines Lebens zu ermöglichen, das der
Würde des Menschen entspricht" (§ 1, Absatz 2 BSGH). Angesichts
der geltenden Regelsätze 98) und der teilweise von den Ämtern
geübten Praxis ist das blanker Hohn.
Die Regelsätze für die laufende Hilfe zum Lebensunterhalt betra-
gen z.B. in Hessen zur Zeit (letztmalig erfolgte eine Anhebung im
September 1978 um ganze 1,7 Prozent):
- Haushaltsvorstand oder Alleinstehende 297,-
- Haushaltsangehörige im Alter von 21 und mehr Jahren · 238,-
- Haushaltsangehörige im Alter von 15"20jahren 267,-
- Haushaltsangehörige im Alter von 11"l4Jahren 223,-
- Haushaltsangehörige im Alter von 7"lOjahren 193,-
- Haushaltsangehörige unter 7 Jahren 134,-
Dazu kommen die Mietausgaben in tatsächlicher Höhe (einschließ-
lich Umlagen, abzüglich Wohngeld).
Diese Regelsätze sollen für die laufenden Ausgaben des Haushalts
ausreichen. Anschaffungen von Hausrat, Kleidung, Schuhen usw.
müssen jeweils einzeln beantragt werden, wobei sich unter dem
Druck der kommunalen Finanzmisere - Sozialhilfe muß fast aus-
schließlich von der kommunalen Ebene aufgebracht werden - die
Praxis eingebürgert hat, die Sozialhilfeempfänger selbst um ihnen
gesetzlich zustehende Leistungen zu prellen. 99)
Wozu diese Regelsätze ausreichen, zeigt der Warenkorb, der letzt-
malig 1970verändert wurde und den der "Deutsche Verein für öf-
fentliche und private Fürsorge" aufgestellt hat:
An Grundnahrungsmitteln stehen dem Erwachsenen täglich vier
Scheiben Graubrot, 14 g Nudeln oder Reis und zwei Kartoffeln zur
Verfügung. Wenn er, wie vorgesehen, jeweils zur Hälfte Butter und
Margarine verwendet, stehen ihm pro Woche wechselweise 25 g (1
kleiner Becher) zu. Als Brotauflage kann er täglich zwei bis drei
Scheiben Wurst und eine Scheibe Schnittkäse verwenden. Für jeden
zweiten Tag sieht der Speiseplan ein Ei vor. Der Gebrauch von
Marmelade kommt nur in geringem Umfang in Frage, da ein Glas (450
g) rund drei Monate ausreichen muß. Bei den "Hauptmahlzeiten" muß
sich der Sozialhilfeempfänger noch stärker einschränken. Nur an
zwei Tagen der Woche reicht es zu einem Fleisch- oder Fischge-
richt. Immerhin kann er täglich ein kleines Döschen Gemüse (150
g) oder eine entsprechende Menge Salat verbrauchen. Schließlich
soll ihm der Regelsatz jeden zweiten Tag den Verzehr einer Apfel-
sine oder einer anderen Südfrucht und jeden dritten Tag den eines
Apfels gestatten. An Getränken muß sich der Hilfeempfänger täg-
lich etwa mit zwei Tassen Kaffee und einem Glas Milch begnügen.
Die Einrechnung von Süßigkeiten besitzt fast nur symbolischen
Wert. Demnach kann eine erwachsene Person etwa alle zwei Wochen
einen kleinen Becher Joghurt und alle vier Wochen eine Tafel
Schokolade einplanen. Um diese Speisen zuzubereiten, wird
tatsächlich nur wenig elektrische Energie benötigt. Es erscheint
jedoch zweifelhaft, ob die angesetzte Menge (526 Watt täglich)
überhaupt reicht, um die dafür erforderliche Kochfeuerung zu er-
halten. Der Betrieb anderer lebensnotwendiger Elektrogeräte
(Kühlschrank, Radio, Glühlampen) überschreitet diesen Betrag in
jedem Fall.
Selbst dieser kümmerliche Warenkorb ist nach den Berechnungen und
Erhebungen der "Landesarbeitsgemeinschaft Soziale Brennpunkte
Hessen" selbst bei billigstem Einkauf in Supermärkten und Kauf-
häusern nicht für den Regelsatz von 297 DM zu bekommen. Notwendig
wären dafür 358,89 DM. 100) Insofern kann kein Zweifel bestehen:
Wer zum Bezug von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt verdammt
ist, ist a b s o l u t a r m.
Arbeitslos und mit 60 Jahren verrentet
--------------------------------------
Bei diesem Teil der stockenden Form der Reservearmee muß zunächst
berücksichtigt werden, daß der Verrentung in der Regel längerdau-
ernde Arbeitslosigkeit und der Bezug von Arbeitslosengeld und
-hilfe (u.U. auch Sozialhilfe) vorausgegangen sind. Ehemals vor-
handene Ersparnisse sind in vielen Fällen aufgebraucht.
Aus den Daten der Tabelle 14 geht hervor, daß inzwischen Jahr für
Jahr zwischen 20000-30000 Arbeitslose auf diese Weise abgeschoben
werden. Die Bestandszahlen dieser Art von Rentenbeziehern haben
sich entsprechend "stürmisch" entwickelt: 1970 gab es 130000,
1977 bereits 222 000 Personen. 101)
Neben den Einkommensverlusten infolge der Arbeitslosigkeit ist zu
berücksichtigen, was die vorzeitige Verrentung an Verlusten bei
der Rente bringt. Dazu eine Modellrechnung. Die Formel für die
Berechnung der Rente berücksichtigt 102):
- Die a l l g e m e i n e B e m e s s u n g s g r u n d l a g e
(aB) des Jahres, in dem der Versicherungsfall eingetreten ist;
- den Prozentsatz, den der Versicherte im Durchschnitt seiner
Versicherungsjahre mit seinem Bruttoarbeitsentgelt im Verhältnis
zum Durchschnittsentgelt aller Versicherten erzielt hat. Das ist
die p e r s ö n l i c h e B e m e s s u n g s g r u n d l a g e
(P);
- Die V e r s i c h e r u n g s d a u e r (Vd);
- Den S t e i g e r u n g s s a t z je Versicherungsjahr (St).
Die Formel für die Jahresrente lautet: (PxaB) x (VdxSt). Danach
ergibt sich zum Beispiel für einen Arbeiter, der im Durchschnitt
seiner 40 Versicherungsjahre 120 Prozent der allgemeinen Berech-
nungsgrundlage verdient hat, beim Stand der allgemeinen Bemes-
sungsgrundlage von 18 337 DM und dem gültigen Steigerungssatz von
1,5 Prozent eine J a h r e s r e n t e i n H ö h e v o n
1 3 2 0 2, 6 4 D M. 103) Nimmt man an, daß diese 40 Versiche-
rungsjahre einem Rentenalter von 63 Jahren entsprochen haben,
dann bekäme der gleiche Mann bei einer Verrentung mit 60 Jahren
(also nach nur 37 Versicherungsjähren) lediglich eine J a h-
r e s r e n t e i n H ö h e v o n 1 2 2 1 2, 4 4 D M. 104)
Der jährliche Rentenverlust beträgt also 990,20 DM. Hätten sich
die 40 Versicherungsjahre auf das Rentenalter 65 Jahre bezogen,
dann würde die Jahresrente (nach 3 5 Versicherungsjahren) sogar
nur 11 552,31 DM, der jährliche Rentenverlust also 1650,33 DM
betragen.
Die Verluste sind also im Einzelfall nicht unbeträchtlich, diese
Form der Bereinigung der Arbeitslosenstatistiken und ihre Anwen-
dung in Sozialplänen nicht unproblematisch.
3. Auswirkungen der finanziellen Belastungen -
----------------------------------------------
Einschränkungen der individuellen Konsumtion
--------------------------------------------
Die Zahl der zu diesem Problem vorliegenden Untersuchungen ist
gering. Auch hier liefert die bereits häufig zitierte Repräsenta-
tivbefragung von Brinkmann wichtiges Material. Nach dieser Unter-
suchung gaben lediglich 18,2 Prozent aller befragten Arbeitslo-
sen, die älter als 20 Jahre waren, an, daß sie im Zusammenhang
mit der Arbeitslosigkeit kaum finanzielle Belastungen verspürt
hätten. Dagegen antworteten...... Prozent der Befragten,
sie hätten 105):
Persönliche Ausgaben eingeschränkt 73,4
Anschaffungen zurückgestellt 53,0
Ersparnisse ganz oder teilweise verbraucht 43,6
Schulden gemacht, Kredite aufgenommen 14,8
Schwierigkeiten mit Ratenzahlungen gehabt 14,0
Schwierigkeiten mit Sparverträgen gehabt 13,1
Schwierigkeiten mit Versicherungszahlungen 11,0
Mit der Miete in Verzug gekommen 9,1
Sonstige finanzielle Probleme 7,9
Zusammen (Mehrfachnennungen) 239,9
Bereits diese Durchschnittszahlen zeigen, daß die materiellen
Einbußen in der Regel so groß sind, daß sie in drei Viertel aller
Fälle zu spürbaren Einschränkungen der Konsumtion zwingen. Die
Tatsche, daß fast 44 Prozent angaben, Ersparnisse ganz oder teil-
weise verbraucht zu haben (die Spanne reicht hier von 14,4 Pro-
zent bei Frauen, die an erneuter Arbeitsaufnahme nicht interes-
siert sind, bis zu 57 Prozent bei Angestellten in gehobe-
ner/leitender Stellung) -, verweist darauf, daß sich in vielen
Fällen die "Manövrierfähigkeit" der Haushalte bei zukünftiger er-
neuter Arbeitslosigkeit wesentlich verringert hat. Aus der Unter-
suchung von Carola Möller geht ohnehin hervor, daß 17 Prozent al-
ler Arbeitslosenhaushalte überhaupt keinen Sparfonds haben. 106)
Besonderes Augenmerk verdienen die Fälle, in denen kontinuierlich
anstehende Ausgaben nicht mehr geleistet werden können. Wer mit
der Miete in Verzug kommt, dem droht häufig eine Räumungsklage
und der Abstieg in die Obdachlosigkeit. Die Zahl dieser Fälle ist
in den letzten Jahren sprunghaft angestiegen. 107)
Pro befragten Arbeitslosen trafen im Durchschnitt 2,4 Fälle der
benannten 9 Indikatoren finanzieller Belastung zu. Auch bei die-
sem Merkmal ist die Streuung zwischen verschiedenen Gruppen von
Arbeitslosen hoch, wie die folgende Übersicht zeigt. Sie reicht
von l ,8 bei den Frauen, die nach der Arbeitslosigkeit ins Haus-
haltsdasein wechseln mußten, bis zu 3,3 bei den Männern, die 18
Monate und mehr arbeitslos waren.
In der Zusammenstellung tritt das unterschiedliche Ausmaß der fi-
nanziellen Betroffenheit verschiedener Formen der industriellen
Reservearmee deutlich hervor. Sichtbar wird u.a., daß für große
Teile der stockenden Form der Reservearmee der Übergang zur Laza-
russchicht der Arbeiterklasse vorgezeichnet ist. Rund ein Fünftel
ist mit den Mietzahlungen in Verzug geraten. Gerade diese Gruppe
muß aber bei neuer Erwerbstätigkeit überdurchschnittlich häufig
Einkommenseinbußen hinnehmen und ist ständig in Gefahr, erneut
arbeitslos zu werden. 108)
Ausgewählte Merkmale finanzieller Belastungen für einzelne Grup-
pen verschiedener Formen der industriellen Reservearmee
Gruppen/Formen der Anteil an durch- In Schwierig- kaum
industriellen Reserve- allen Ar- schnitt- keiten gera- Schwie-
armee beitslo- liche ten mit c) rigkei-
sen Zahl der Raten- Mieten ten
in % a) Belast. zah.
b)
"Latent"
Abgang aus der Arbeits-
losigkeit in
"Umschulung" 4,0 2,6 10 10 21
ins Hausfrauendasein 11,9 1,8 8 3 30
"Leichtflüssig"
Dauer der Arbeitslosig-
keit bis zum Aus-
scheiden (Männer und
Frauen)
bis unter 1 Monat c) 2,6 1,9 12 3 30
1 bis unter 3 Monate c) 9,4 2,1 12 8 25
bis unter 3 Monate
(nur Männer)... f) 6,2 2,2 14 9 22
Flüssig-Zähflüssig
Durchschnitt aller
Arbeitslosen 100 2,4 14 9 18
"Stockend"
erneut arbeitslos 7,5 3,0 24 20 10
12 - 18 Monate
arbeitslos f) 10,4 3,1 23 17 9
18 und mehr Monate
arbeitslos f) 8,1 3,3 28 22 11
_____
a) Alle Arbeitslosen, die an der Befragung teilnahmen, b) von 9
Belastungsarten, c) Prozentanteil an allen Arbeitslosen der ent-
sprechenden Gruppe, d) "kaum finanzielle Schwierigkeiten". Pro-
zentanteil an allen Arbeitslosen der entsprechenden Gruppe, e)
alle befragten Arbeitslosen, unabhängig vom Geschlecht und der
Art ihrer Tätigkeit bzw. Nichttätigkeit zum Zeitpunkt der Befra-
gung, f) nur Männer, die zum Zeitpunkt der Befragung entweder er-
werbstätig oder arbeitslos waren. Quelle: Zusammengestellt nach
Brinkmann, Belastungen, S. 400 (teilweise eigene Berechnungen).
Die Daten zeigen aber auch, daß finanzielle Schwierigkeiten und
Anzeichen von Armut nicht nur in der Gruppe der stockenden Form
der Reservearmee zu finden sind. Wie die Untersuchung von Carola
Möller zeigt, spielt dabei vor allem die Haushaltsgröße eine
Rolle. Haushalte mit vielen Kindern - häufig kann dann die Frau
keine Arbeit aufnehmen - sinken auch bei kurzer Dauer der Ar-
beitslosigkeit in vielen Fällen unter die "Armutsgrenze". Die um-
fassendste Untersuchung zum Problem - die Ergebnisse stimmen zum
Teil mit der Brinkmann-Untersuchung recht gut überein - hat Ca-
rola Möller vom "Institut zur Erforschung sozialer Chancen" in
Köln vorgelegt. 109) Auf die an Arbeitslose gerichtete Frage: "In
jedem Haushalt gibt es andere Möglichkeiten zu sparen oder das
Haushaltseinkommen aufzubessern. Ich lese Ihnen hier einige Mög-
lichkeiten vor und bitte Sie, mir anzugeben, ob Sie davon jetzt
in der Arbeitslosigkeit Gebrauch machen, oder ob das für Sie
nicht zutrifft" antworteten in Prozent 110):
- preisbewußter einkaufen, weniger teure Lebensmittel
einkaufen 75
- geplante Anschaffungen zurückstellen 67
- weniger Kleidung kaufen 62
- Dinge wieder selbst machen (nähen, Reparaturen) 58
- auf Urlaubsreise verzichten 53
- weniger ausgehen, weniger Ausflüge am Wochenende 51
- entsparen 33
- Nebentätigkeit außer Haus aufnehmen 23
- Kredit aufnehmen 18
- Auto verkaufen 13
- Heimarbeit übernommen 12
- andere aus dem Haushalt arbeiten jetzt mehr - 11
- andere aus dem Haushalt haben Arbeit aufgenommen 10
- Wohnung gewechselt 3
Zusammen (Mehrfachnennungen) 489
Zu den Mehrfachnennungen, die vor allem unter den Sparmaßnahmen
auftreten, wird ergänzend bemerkt: "Wer geplante Anschaffungen
zurückstellt, der spart auch beim Einkauf von Lebensmitteln und
Kleidern, der repariert im Haushalt mehr als früher etc. Arbeits-
los gewordene Frauen sparen gezielter beim Kleiderkauf, arbeits-
lose Männer verzichten häufiger auf das gewohnte Ausgehen. Dies
sind die einzigen geschlechtsspezifischen Abweichungen in den fi-
nanziellen Reaktionen der Haushalte." 111)
Die Angaben der Zusammenstellung relativieren sich, wenn berück-
sichtigt wird, welche Haushalte überhaupt in der Lage sind, be-
stimmte Vorhaben zu realisieren. Von den befragten Arbeitslosen-
haushalten verfügen 17 Prozent über keine Ersparnisse und 36 Pro-
zent haben kein Auto. Von denen, die überhaupt auf Erspartes zu-
rückgreifen konnten, mußten dies 40 Prozent aller Arbeitslosen-
haushalte tun. Jeder 5. Haushalt mit einem Pkw mußte diesen ver-
kaufen. 112)
In Tabelle 20 im Anhang sind die Nutzung von Einsparungsmöglich-
keiten und neuen Einnahmequellen in Abhängigkeit von der Dauer
der Arbeitslosigkeit dargestellt. Die Aussagen dieser Zusammen-
stellung entsprechen der Erwartung: Je länger die Arbeitslosig-
keit, desto umfassender die Einsparungen und die Nutzung zusätz-
licher Einnahmequellen. Schwellenwert mit sprunghaft steigenden
Prozentsätzen ist der Punkt, an dem die Arbeitslosigkeit bereits
ein Jahr andauert. Immerhin wechseln dann 7 Prozent aller Ar-
beitslosenhaushalte die Wohnung, nach 2 Jahren Arbeitslosigkeit
sogar 10 Prozent.
Das hängt u.a. damit zusammen, daß spätestens nach etwa einem
Jahr der Übergang vom Arbeitslosengeld zur Arbeitslosenhilfe
stattfindet. Wie wir gezeigt hatten, bedeutet das fast immer, daß
die Arbeitslosen unter das Niveau der Sozialhilfe absinken. Wie
tiefgreifend der Eingriff der Arbeitslosigkeit ist, zeigt sich
auch daran, daß in vielen Fällen Lebenspläne geändert werden müs-
sen. Jedenfalls geben das 23 Prozent aller Arbeitslosen an. 113)
An erster Stelle stehen dabei Pläne, die mit Geldausgaben verbun-
den sind (z.B. Aufschieben oder Streichen von Bauplänen), an
zweiter Stelle Pläne im Hinblick auf die Berufsperspektive, an
dritter Stelle Pläne, die die zwischenmenschlichen Beziehungen
(Verschiebung von Heiraten, Verzicht auf Kinder usw.) betreffen
(vgl. Tabelle 21 im Anhang).
4. Schlußbemerkung
------------------
Wir hatten gezeigt, daß für d e n b e s c h ä f t i g t e n
T e i l d e r L o h n a b h ä n g i g e n die realen Arbeits-
einkommen in den siebziger Jahren zeitweilig stagnierten, teil-
weise zurückgingen. Zu einer gewissen Verbesserung kam es erst in
der Aufschwungsphase nach der letzten Krise ab 1976.
Anders als in der Krise 1966/67 gingen in der letzten Krise die
Ausgaben für die Konsumtion - soweit das spärliche Datenmaterial
zu diesem Sachverhalt eine verläßliche Aussage erlaubt - nicht
zurück.
Neben dieser beschäftigten Gruppe von Lohnabhängigen stehen jene,
d i e d a u e r n d o d e r z e i t w e i l i g d e n v e r-
s c h i e d e n e n F o r m e n d e r i n d u s t r i e l-
l e n R e s e r v e a r m e e z u g e h ö r e n. Ihr Umfang
hat sich zwischen 1973 und 1978 verdoppelt. Darunter befindet
sich ein wachsender Anteil in ihrer stockenden Form mit erhebli-
chen Einbußen an Einkommen und Möglichkeiten der individuellen
Konsumtion. Es gibt Anzeichen dafür, daß die darunter gelagerte
Lazarusschicht der Arbeiterklasse und die offizielle Armut ebenso
zugenommen haben, wie das Lumpenproletariat (der Begriff wird
hier als soziale Gruppenbezeichnung und nicht als Schimpfwort be-
nutzt) in seinen verschiedenen Formen vom organisierten Verbre-
chen, über Prostitution und Zuhälterei, bis zu denen, die durch
Alkoholismus und Rauschgiftsucht keiner geregelten Arbeit mehr
nachgehen können.
Es bedarf weitergehender Untersuchungen, um die Struktur und den
Umfang dieses Sozialgefüges zu erhellen. Dabei drängt sich die
Frage auf, ob bei uns bereits eine ähnliche Entwicklung wie in
den USA eingesetzt hat, wo dem erwerbstätigen Teil der Bevölke-
rung ständig wachsende Gruppen gegenüberstehen, die aus dem
"normalen" kapitalistischen Reproduktionskreislauf ausgeschlossen
sind.
Statistischer Anhang
--------------------
Tabelle 1:
Langlebige Gebrauchsgüter, die 1978 in mehr als 50 Prozent aller
Arbeiterhaushalte vorhanden waren nach sozialer Stellung des
Haushaltsvorstandes
Von den Haushalten waren... % ausgestattet mit:
Land- Selbstän- Beamter Ange- Arbeiter Nichter-
wirt diger stell- werbs-
ter tätiger
Fabrikneues Auto 45,5 61,0 57,7 50,1 42,0 19,3
Gebrauchtwagen 43,3 25,5 34,4 31,5 35,2 12,8
Autos zusammen 88,8 86,5 91,9 81,6 77,2 32,1
Telefon 69,8 93,0 82,9 81,7 58,3 64,2
Fernsehgerät 92,9 94,0 95,3 94,8 96,0 90,3
davon Farbfern-
seher 38,6 64,7 53,4 53,7 52,9 44,1
Rundfunkgerät 84,7 73,8 76,5 73,0 74,2 77,4
Fotoapparat 72,9 90,8 91,1 91,7 87,9 52,7
Kühlschrank 89,9 86,3 83,5 82,5 84,8 83,7
Gefriertruhe 88,2 58,2 54,5 47,8 56,1 28,8
Elek. Nähma-
schine 45,4 54,6 61,9 57,9 54,3 31,9
Waschautomat 82,3 83,6 80,6 76,4 79,0 55,7
Staubsauger 88,2 97,6 97,3 97,3 96,3 91,2
_____
Quelle: Zusammengestellt (Zu.) Stat. BA, Wirtschaft und Statistik
(WiSta), H. 4/1979, S. 295.
Tabelle 2:
Zahl der Haushalte und Haushaltsmitglieder sowie das durch-
schnittliche verfügbare Jahreseinkommen von Selbständigen-, Ar-
beitnehmern- a) und Nichterwerbstätigenhaushalten 1962 und 1972
1962 1972 1962/72
in %
Selbständige
Zahl der Haushalte in 1000 2 400 1 950 -18,8
Haushaltsmitglieder in 1000 9 300 7 470 -19,7
Verfügbares Einkommen b) in Mill. DM 59 270 118 310 99,6
Pro Haushalt in DM 24 996 60 672 145,7
Pro Haushaltsmitglied in DM 6 373 15 838 148,5
Arbeitnehmer a)
Zahl der Haushalte in 1000 11 070 12 440 12,4
Haushaltsmitglieder in 1000 33 920 39 000 15,0
Verfügbares Einkommen b) in Mill. DM 124 810 283 360 127,0
Pro Haushalt in DM 11 275 22 778 102,0
Pro Haushaltsmitglied in DM 3 680 7 266 97,4
Nichterwerbstätige
Zahl der Haushalte in 1000 6 010 7 610 26,6
Haushaltsmitglieder in 1000 11 837 13 693 15,7
Verfügbares Einkommen b) in Mill. DM 39 670 102 830 159,2
Pro Haushalt in DM 6 601 13 512 104,7
Pro Haushaltsmitglied in DM 3 351 7 510 124,1
_____
a) Gemeint sind Arbeiter, Angestellte und Beamte, b) Das
"verfügbare Einkommen" ergibt sich aus dem Ge-samt-Brutto-Einkom-
men abzüglich laufenden Übertragungen" (Steuern, Sozialversiche-
rungsbeiträge, Gewerkschaftsbeiträge usw.) und Zinsen auf Konsu-
mentenschulden.
Quelle: Zus. und ber. nach Richter und Hartmann, Verteilung und
Verwendung der Einkommen nach Haushaltsgruppen in: WiSta, H.
6/1977, S. 421 f.
Tabelle 3:
Monatliches Netto-Durchschnittseinkommen von Haushalten verschie-
dener sozialstatistischer Gruppen 1955, 1970 und 1974 (in DM)
Selbständige Angestellte a) Arbeiter Rentner b)
1955 939 690 550 337
1970 3267 1842 1519 911
1974 5150 2461 2077 1362
1977 6539 2894 2505 1628
Veränderung
1955/77 in DM 5600 2204 1955 1291
in % 596 319 355 383
_____
a) Einschl. Beamte b) Einschl. Nichterwerbstätiger, die vom Ver-
mögen usw. leben.
Quelle: Göseke und Bedau, Einkommens- und Verbrauchsschichtung,
S. 74 ff.; Zahlen für 1977 nach: Verbrauch und Ersparnis sozialer
Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1977, DIW-Wo-
chenbericht 11/79, S. 1227.
Tabelle 4:
Einkommensschichtung der Haushalte ausgewählter sozialer Gruppen
1977
Monatl. Haushaltseinkommen Selbständige Angestellte a) Arbeiter
in DM 1000 % 1000 % 1000 %
unter 1500 4 0,2 897 14,4 1196 19,0
1500-2000 30 1,5 1125 18,1 1430 22,7
2000-2500 70 3,4 1077 17,3 1201 19,1
2500-3000 119 5,8 898 14,4 891 14,1
3000-4000 364 17,6 1109 17,8 894 14,2
4000-6000 685 33,2 778 12,5 624 9,9
6000-10 000 606 29,3 311 5,0 63 1,0
10 000 und mehr 187 9,1 20 0,3 1 0,0
Insgesamt 2065 100 6215 100 6300 100
Durchschnittseinkommen DM 6539 2894 2505
_____
a) Einschließlich Beamte
Quelle: Zu. und ber. nach: Verbrauch und Ersparnis, DIW-Wochenbe-
richt 11/79, S. 122 f.
Tabelle 5:
Verbrauch und Ersparnis verschiedener Haushaltstypen pro Monat
1977
Angest. Arbei- Angest. Arbei- Selbständ. Selbständ.
c) ter c) ter
1250- 1250- 2500- 2500- 6000-7000 m.a. 10000
1500 1500 2570 2750
DM DM DM DM DM DM
% % % % % %
Nahrung 292 334 458 561 877 1605
21,0 24,1 17,5 21,4 13,6 7,8
Genußm. 108 137 177 222 347 730
7,8 9,9 6,7 8,5 5,4 3,6
Bekleid. 127 120 250 242 516 1224
Schuhe 9,1 8,7 9,5 9,3 8,0 6,0
Mieten 200 183 311 289 490 1172
14,3 13,9 11,9 11,0 7,6 5,7
Energie 83 80 116 108 148 229
5,9 5,7 4,4 4,1 2,3 1,1
Üb. Haus-140 133 276 258 717 2418
haltsf. 10,1 9,6 10,5 9,9 11,1 11,9
Verkehr, 138 138 342 323 1050 3989
Nachr. 9,9 9,3 13,0 12,3 16,3 19,5
Gesundh. 114 107 265 248 803 2881
a) Unter- 8,2 7,7 10,1 9,5 12,5 14,1
halt.
Pers. A. 79 60 168 140 446 1655
b) Sonsti- 5,7 4,4 6,4 5,3 6,9 8,1
ges
Erspar- 111 94 260 228 1042 4547
nis 8,0 6,8 9,9 8,7 16,2 22,1
_____
a) Körper- und Gesundheitspflege, Bildung und Unterhaltung; b)
Persönliche Ausstattung, Dienstleistungen von Beherbergungsge-
werbe, Banken, Versicherungen usw., Saldo der Reiseausgaben der
Ausländer im Inland und der Inländer im Ausland; c) Einschließ-
lich Beamte.
Quelle: Zu. nach DIW-Wochenbericht 11/79, S. 122 f.
Tabelle 6:
Ausgaben für den privaten Verbrauch nach Hauptgruppen und Erspar-
nis verschiedener Haushaltstypen in der Einkommensklasse 2000-
2250 DM im Jahr 1974 (in DM und Index: durchschnittlicher Arbei-
terhaushalt = 100)
Haushalt von ...
Selbstän- Ange- Arbei- 4-Perso- 4-Perso- 4-Perso-
digen stell- tern nen nen nen
ten Selb- Ange- Arbei-
ständi- stellten
gen
a) a) a) b) c) d)
Personen je
Haushalt 2,6 2,8 3,2 4 4 4
Netto-Einkommen
in 1000 DM e) 25,6 25,5 25,5 25,8 25,6 25,4
Nahrungs- DM 4383 4112 5667 4910 4767 5819
mittel A=100 77 73 100 87 84 103
Genuß- DM 1953 1688 2096 1703 1768 1845
mittel A=100 93 81 100 81 84 88
Beklei- DM 2399 2746 2433 2604 3322 2175
dung A=100 99 113 100 107 137 89
Mieten DM 2491 2631 2460 2442 2381 2597
A=100 101 107 100 99 97 106
Energie DM 789 1151 1031 844 928 1334
A=100 77 112 100 82 90 129
Übrige
Haushalts- DM 2956 2949 2671 2869 2711 2723
führung A=100 111 110 100 107 101 102
Verkehr
und Nach- DM 2485 2594 2343 2498 2737 2253
richten A=100 106 111 100 107 117 96
Körper- und Gesundheits-
pflege Bil-
dung DM 2338 2386 2175 2487 2391 2317
Unterh. A=100 107 110 100 114 110 107
Persönliche Ausst.
Sonsti- DM 1626 1702 1463 1534 1654 1296
es A=100 111 116 100 105 113 89
Private Er-DM 4227 3508 3114 3893 2917 3032
sparnis A=100 136 113 100 125 94 97
_____
a) Durchschnittshaushalte b) mit 1 Einkommensbezieher c) Mit zwei
und mehr Einkommensbeziehern d) mit 1 Einkommensbezieher e) Jah-
reseinkommen des Haushalts insgesamt.
Quelle: Zu. und ber. nach Göseke und Bedau, Einkommens- und Ver-
brauchsschichtung, S. 200 ff.
Tabelle 7:
Personelle Einkommensverteilung a) bei Arbeiter-, Angestellten-
und Beamtenhaushalten 1950-1977
1950 1960 1970 1977
Mrd. DM % Mrd. DM % Mrd. DM % Mrd. DM %
Arbeiter
Nettolöhne 21,8 86,5 59,0 86,9 108,3 87,1 154,0 79,8
Entnommene
Gewinne - - - - 1,0 0,8 1,6 0,8
Vermögensein-
kommen 0,1 0,4 1,0 1,5 4,5 3,6 8,2 4,3
Sozialein-
kommen 3,3 13,1 7,9 11,6 10,5 8,4 29,1 15,1
Verfügbares
Einkommen 25,2 100,0 67,9 100,0 124,3 100,0 192,9 100,0
Angestellte b)
Netto-
gehälter 12,8 91,4 44,9 92,2 107,7 89,8 196,1 87,0
Entnommene
Gewinne - - - - 1,0 0,8 1,6 0,7
Vermögens-
einkommen 0,1 0,7 1,1 2,3 5,8 4,8 12,2 5,4
Sozial-
einkommen 1,1 7,9 2,7 5,5 5,5 4,6 15,5 6,9
Verfügbares
Einkommen 14,0 100,0 48,7 100,0 120,0 100,0 225,4 100,0
_____
a) Ohne Einkommen der Personen in Anstaltshaushalten, b) Einschl.
Beamte.
Quelle: Göseke und Bedau, Einkommen der privaten Haushalte, S.,
Das Einkommen sozialer Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland
im Jahr 1977, in: DIW-Wochenbericht 32-33/1978.
Tabelle 8:
Die Einkommensentwicklung für ausgewählte Gruppen der Arbeiter-
klasse in den Zyklen 1950-1977
Einkommenszuwächse in den Zyklen
1950 1977 Zuwachs 1950/1953 1953/1958 1958/1963 1963/1967
in% ins-
DM DM gesamt DM % DM % DM % DM %
Monatliches Individualeinkommen Bruttolöhne und -gehälter von
Industriearbeitern
268 2039 660 78 29,0 108 31,2 225 49,6 186 27,4
1957:
Angestellten 2a)
479 2433 408 . . . . 225 44,5 245 33,5
Beamten b)
307 1946 534 133 43,3 138 31,4 188 32,5 180 23,5
je durchschnittlich beschäftigter Arbeitnehmer c)
243 2137 779 80 32,9 121 37,5 210 47,3 208 31,8
Nettolöhne und -gehälter je
durchschn. besch. Arbeitnehmer
213 1490 599 64 30,0 101 36,5 164 43,4 161 29,7
Reallöhne und -gehälter d)
je durchschn. besch. Arbeitnehmer
213 662 211 43 20,2 65 25,4 94 29,3 69 16,6
Industriearbeiter
235 634 170 39 16,8 54 19,7 101 30,8 56 12,9
weibliche Industriearbeiter
133 434 227 22 16,6 36 23,2 72 37,7 47 17,7
Facharbeiter in der Industrie:
Ledig
255 673 164 43 16,7 57 19,3 98 27,5 62 13,6
Verheiratet, mit 1 Kind
273 775 184 45 16,4 67 21,2 107 27,7 58 11,7
Verheiratet, mit 2 Kindern
276 811 194 50 18,1 77 23,7 116 28,8 49 9,4
Verheiratet, mit 3 Kindern d)
279 863 209 54 19,3 98 29,5 138 32,0 73 12,9
Verheiratet, mit 3 Kindern c)
. . . . . . . . . . .
Einkommenszuwächse in den Zyklen
1967/1971 1971/1975 1975/1977
DM % DM % DM %
Monatliches Individualeinkommen Bruttolöhne und -gehälter von
Industriearbeitern
416 48,0 459 35,8 299 17,0
1957:
Angestellten 2a)
442 45,3 695 49,0 320 15,1
Beamten b)
318 33,6 501 39,6 181 10,2
je durchschnittlich beschäftigter Arbeitnehmer c)
421 48,8 586 45,7 268 14,3
Nettolöhne und -gehälter je
durchschn. besch. Arbeitnehmer
272 38,7 376 38,6 139 10,3
Reallöhne und -gehälter d)
je durchschn. besch. Arbeitnehmer
115 23,8 52 8,7 11 1,7
Industriearbeiter
112 23,0 10 1,7 26 4,3
weibliche Industriearbeiter
77 24,7 32 8,3 16 3,8
Facharbeiter in der Industrie:
Ledig
139 26,9 9 1,5 9 1,5
Verheiratet, mit 1 Kind
161 29,3 36 5,1 29 3,9
Verheiratet, mit 2 Kindern
175 30,8 40 5,4 28 3,5
Verheiratet, mit 3 Kindern d)
157 24,5 41 5,1 23 2,7
Verheiratet, mit 3 Kindern c)
142 21,9 8 1,1 16 2,0
_____
a) Angestellte in Industrie und Handel (einschl. Banken und Ver-
sicherungen); b) Bundesbeamte der höchsten Dienstaltersstufe; bis
1972 Ortszuschlag S, verheiratet; die Gehaltsangaben enthalten
Kinderzuschlag für 1 Kind; Bundesbeamte der Besoldungsgruppe A 5
(Eingangstufe für Mittleren Dienst); c) Kennziffer der Volkswirt-
schaftlichen Gesamtrechnung; genaue Bezeichnung: Bruttolohn- und
-gehaltssumme je durchschnittlich beschäftigten Arbeitnehmer; d)
Deflationierung mit dem Preisindex für die Lebenshaltung von "4-
Personen-Arbeitnehmer-Haushalten mit mittlerem Einkommen des al-
leinverdienenden Haushaltsvorstandes"; e) Deflationierung mit dem
Preisindex für die "einfache Lebenshaltung eines Kindes", dessen
Warenkorbstruktur den Verbrauchsverhältnissen kinderreicher Ar-
beiterfamilien eher entspricht als die des Index "mittlerer Ar-
beitnehmerhaushalte".
Quellen: Zusammengestellt und berechnet nach Bundesminister für
Arbeit und Sozialordnung, Statistisches Taschenbuch 1978 ders.,
Sozialbericht 1978 ders., Einkommens- und Vermögensverteilung
1977, Statistisches Bundesamt, Bevölkerung und Wirtschaft 1872-
1972, Wiesbaden 1972, ders.. Statistisches Jahrbuch für die Bun-
desrepublik Deutschland, laufend, Göseke und Bedau, Einkommen der
privaten Haushalte. Das Einkommen sozialer Gruppen in der Bundes-
republik Deutschland im Jahr 1977, in: DIW-Wochenbericht 32-
33/1978.
Tabelle 9:
Monats-Netto-Einkommen von Haushalten mit landwirtschaftlichen
Zu- und Nebenerwerbsbetrieben im Wirtschaftsjahr 1977/78
Zuerwerbs- Nebenerwerbs- Durchschn.
. betriebe betriebe aller Arbei-
terhaushalte
Einkommen aus landwirtschaft-
licher Erwerbstätigkeit 972, 58 246,50 -
Außerbetriebliche Erwerbs-
einkommen 694,83 2136,42 -
sonstige Einkommen 140,00 - -
Gesamteinkommen 1807,41 2415,25 2501,00
_____
Quelle: Berechnet nach Agrarbericht 1979, Bundestagsdrucksache
8/2530, S. 22; Das Einkommen sozialer Gruppen in der Bundesrepu-
blik Deutschland im Jahr 1977, in: DIW-Wochenbericht 32-33/1978,
S. 318.
Tabelle 10:
Höhe der monatlichen Kindergeldzahlungen 1955-1979 (DM)
ab 1. Kind 2. Kind 3. Kind 4. Kind 5. und weitere
Kinder
1.1.1955 - - 25 25 25
1.10.1957 - - 30 30 30
1.3.1959 - - 40 40 40
1.4.1961 - 25 40 40 40
1.7.1964 - 25 50 60 70
1.9.1970 - 25 60 60 70
1.1.1975 50 70 120 120 120
1.1.1978 50 80 150 150 150
1.1.1979 50 80 200 200 200
1.7.1979 50 100 200 200 200
_____
Quelle: Bundesminister für Arbeiter und Sozialordnung, Übersicht
über die Soziale Sicherheit, Bonn 1977, S. 238; Bundesminister
für Jugend, Familie und Gesundheit, Das Kindergeld, Bonn 1979.
Tabelle 11:
Bruttomonatseinkommen von Arbeiter- und Angestell-
ten/Beamtenhaushalten a) aus Wohnungsvermietung b) und Geldvermö-
gen c) 1970-1978 (in DM)
Arbeiterhaushalte Angestellten/Beamtenhaushalte
Wohnungsverm. Geldvermögen Wohnungsverm. Geldvermögen
DM DM DM DM
1970 99 29 137 72
1971 104 31 140 79
1972 111 34 153 84
1973 113 39 153 101
1974 110 43 149 110
1975 137 49 185 116
1976 160 55 215 126
1977 175 62 234 143
1978 185 68 253 158
______
a) Nur Haushalte mit Wohnungseigentum bei der Wohnungsvermietung;
Einkommen aus Geldvermögen alle Arbeiter- und Angestelltenhaus-
halte.
b) Reale Einkünfte und unterstellte Beträge für die Nutzung der
Eigentümerwohnung zzgl. Abschreibungen auf Wohngelände zu Wieder-
beschaffungspreisen.
c) Nach Abzug der Zinsen auf Konsumentenkredite.
Quelle: Vermögenseinkommen der privaten Haushalte in der Bundes-
republik Deutschland 1970-1978, DIW-Wochenbericht, 19/1979.
Tabelle 12:
Monatliches Einkommen eines "4-Personen-Arbeitnehmerhaushaltes
mit mittlerem Einkommen des alleinverdienenden Haushaltsvorstan-
des" 1962-1977
Jahr Einkommen aus Einkommen aus Haus- ausgabe- Reales Haus-
unselbst. Arbeit Erwerbst., halts- fähige halts-
d. Haushaltsvor- Vermögen und netto- Ein- einkommen 5)
standes empf. Eink.- ein- nahmen
(brutto) übertragungen kommen 4)
(brutto) 2) 3)
DM DM DM DM DM ±%
1 2 3 4 5 6
1962 800 894 782 800 800 -
1963 865 964 837 853 828 3,5
1964 915 1024 882 904 858 3,6
1965 982 1107 960 994 912 6,3
1966 1045 1180 1015 1043 925 1,4
1967 1036 1179 1008 1036 906 -2,1
1968 1082 1212 1021 1042 899 -0,8
1969 1195 1340 1112 1142 965 7,3
1970 1354 1507 1221 1256 1029 6,6
1971 1529 1732 1381 1427 1112 8,1
1972 1687 1931 1527 1573 1164 4,7
1973 1910 2177 1694 1761 1220 4,8
1974 2122 2433 1875 1934 1255 2,9
1975 2242 2684 2100 2200 1346 7,3
1976 2449 2882 2212 2352 1375 2,2
1977 2624 3067 2331 2459 1387 0,9
_____
1) Einkommen aus haupt- und (angemeldeter) nebenberuflicher Tä-
tigkeit.
2) Spalte 1 zzgl.: Einkommen aus unselbständiger Arbeit (brutto)
der Ehefrau, der Kinder und sonstiger Haushaltsmitglieder; Ein-
kommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen (brutto); empfangene
Einkommensübertragungen.
3) Spalte 2 abzgl.: Einkommens- und Vermögenssteuer, Pflichtbei-
träge zur Sozialversicherung.
4) Spalte 3 zzgl.: "Sonstige Einnahmen" (Einnahmen) (brutto) aus
Untervermietung, aus dem Verkauf gebrauchter Waren und Nettoein-
nahmen aus Erstattung von Ausgaben für geschäftliche
(dienstliche) Zwecke, empfangene Vermögensübertragungen (brutto);
Einnahmen, die anderen Positionen nicht zuzuordnen sind. Diese
Position erfaßt nicht die Einnahmen aus Auflösung und Umwandlung
von Vermögen und Kreditaufnahme.
5) Spalte 4, deflationiert mit dem Preisindex f. d. Lebenshaltung
des "mittleren Arbeitnehmerhaushalts".
Quellen: Stat. BA., FSM, R 13, Wirtschaftsrechnungen, Einnahmen
und Ausgaben ausgewählter privater Haushalte, 1969-1977; Stat.
BA., Statistisches Jahrbuch, lfd.
Tabelle 13:
Die Entwicklung der realen Ausgaben für die individuelle Konsum-
tion von "4-Personen-Arbeitnehmerhaushalten mit mittlerem Einkom-
men des alleinverdienenden Haushaltsvorstandes" 1958-1977
Waren und Dienstleistungen für...
Nahrungs- Bekleidung Wohnungs- Elektrizität,
und Genuß- und mieten u.ä. Gas, Brenn-
mittel Schuhe stoffe u.ä.
DM gg. Vj. DM gg. Vj. DM gg. Vj. DM gg. Vj.
in % in % in % in %
1958 251,75 . 69,33 . 53,97 . 26,48 .
1959 260,82 3,6 73,12 5,5 57,14 5,9 26,46 -0,1
1960 269,47 3,3 75,43 3,2 58,67 2,7 27,71 4,7
1961 285,14 5,8 79,16 4,9 59,24 1,0 29,38 6,0
1962 288,80 1,3 82,72 4,5 60,94 2,9 32,18 9,5
1963 294,26 1,9 87,76 6,1 63,86 4,8 37,06 15,2
1964 302,03 2,6 88,66 1,0 65,48 2,5 33,57 -9,4
1965 301,64 -0,1 91,78 3,5 68,20 4,1 35,16 4,7
1966 302,98 0,4 89,16 -2,8 71,96 5,5 35,76 1,7
1967 302,47 -0,2 81,50 -8,6 74,69 3,8 37,35 4,4
1968 293,52 3,0 81,22 -0,3 77,93 4,3 37,02 -0,9
1969 300,50 2,4 88,89 9,4 81,13 4,1 40,11 8,3
1970 309,30 2,9 93,81 5,5 83,47 2,9 40,11 ±0
1971 321,25 3,9 96,74 3,1 85,57 2,5 42,21 5,2
1972 319,60 -0,5 101,25 4,7 92,52 8,1 42,42 0,5
1973 318,32 -0,4 96,26 -4,9 94,41 2,0 47,88 12,9
1974 324,71 2,0 98,62 2,4 100,00 5,9 45,96 -4,1
1975 331,97 2,2 103,49 4,9 102,09 2,1 46,71 1,6
1976 343,22 3,4 99,50 -3,9 106,19 4,0 49,24 5,4
1977 340,62 -0,8 102,62 3,1 108,88 2,5 52,10 5,8
Übrige Wa- Verkehrs- Körper- Bildungs-
ren und zwecke, und Ge- und Unter-
Dienstl. Nachrich- sundheits- haltungs-
f. d. tenüber- pflege zwecke
Haushalts- mittlung
führung
DM gg. Vj. DM gg. Vj. DM gg. Vj. DM gg. Vj.
in % in % in % in %
1958 56,48 . 22,74 . 16,00 . 37,25 .
1959 61,32 8,6 23,08 1,5 17,91 11,9 36,19 -2,8
1960 60,97 -0,6 29,76 28,9 19,69 9,9 38,10 5,3
1961 66,92 9,8 33,21 11,6 21,54 9,4 40,10 5,2
1962 76,00 13,6 45,90 38,2 22,54 4,6 38,74 -3,4
1963 70,67 -7,1 51,39 12,0 22,20 -1,5 44,54 15,0
1964 74,42 5,3 64,25 25,0 24,24 9,2 46,28 3,9
1965 79,97 7,5 73,94 15,1 25,20 4,0 47,27 2,1
1966 84,65 5,8 69,53 -6,0 26,31 4,4 51,41 8,8
1967 82,60 -2,4 55,24 -20,5 25,84 -1,8 52,20 1,5
1968 79,23 -4,1 70,32 27,3 24,19 -6,4 46,43 -11,0
1969 91,59 15,6 76,61 8,9 26,42 9,2 49,97 7,6
1970 84,14 -8,1 91,79 19,8 26,95 2,0 56,79 13,6
1971 103,35 22,83 101,33 10,4 27,82 3,2 63,59 12,0
1972 101,41 -1,9 95,42 -5,8 28,30 1,7 69,37 9,1
1973 122,71 21,0 113,90 19,4 27,63 -2,4 73,41 5,8
1974 116,71 -4,9 113,22 -0,6 27,63 ±0 76,99 4,9
1975 119,32 2,2 136,65 20,7 27,94 1,1 86,26 12,0
1976 120,20 0,7 146,94 7,5 28,80 3,1 96,78 12,2
1977 124,85 3,9 163,00 10,9 30,33 5,3 91,64 -5,3
Persönliche Lebens-
Ausstattung, haltung
sonst. insgesamt
W. u. D.
DM gg. Vj. DM gg. Vj.
in % in %
1958 10,09 544,09 .
1959 11,40 13,0 567,44 4,3
1960 12,27 7,6 592,07 4,3
1961 13,50 10,2 628,19 6,1
1962 17,73 31,3 665,55 5,9
1963 17,85 0,7 689,59 3,6
1964 19,35 8,4 718,28 4,2
1965 21,14 9,2 744,30 3,6
1966 21,97 3,9 753,73 1,3
1967 16,61 -24,4 728,50 -3,3
1968 17,38 4,6 727,24 -0,2
1969 20,76 19,4 775,98 6,7
1970 23,26 12,0 809,62 4,3
1971 26,20 12,6 868,06 7,2
1972 29,46 12,4 879,75 1,3
1973 32,78 11,3 927,30 5,4
1974 35,57 8,5 939,41 1,3
1975 41,34 16,2 995,77 6,0
1976 43,85 6,1 1034,72 3,9
1977 46,85 6,8 1060,89 2,5
_____
a) Die Deflationierung erfolgte mit dem Preisindex für die Le-
benshaltung des gleichen Haushaltstyps.
Quelle: Eigene Berechnungen auf der Grundlage der laufenden Wirt-
schaftsberechnungen: Stat. BA, FSM, Reihe 13, Haushalte 1969 und
1975 ff.; Einnahmen und Ausgaben ausgewählter privater Haushalte
1969 und 1975 ff.
Tabelle 14:
Daten zur Arbeitsmarktentwicklung 1973-1978
Zugang Betroffene Stille (2)+(3) Registrier-
an Ar- Arbeits- Reserve ter Arbeits-
beits- lose a) b) losenbestand
losen c)
Jahr (1) (2) (3) (4) (5)
1973 1877 1219 156 1375 273
1974 2795 1815 206 2021 582
1975 3450 2240 480 2720 1074
1976 3256 2114 561 2675 1060
1977 3315 2153 609 2762 1030
1978 3081 2001 642 2643 993
Betrof- Arbeits- Bildung Mit 60 (6)+(7)
fene besch. Reserve in (8)+(9)
Kurzar- ABM e) (FuU) f) Rente
beiter g)
d)
Jahr (6) (7) (8) (9) (10)
1973 44 4 100 (16) 164
1974 292 8 115 (13) 428
1975 773 41 130 (17) 961
1976 277 75 101 29 482
1977 231 72 69 (26) 398
1978 191 90 69 (25) 375
_____
a) Jahressumme der monatlichen Arbeitslosenmeldungen geteilt
durch den Faktor 1,54.
b) Weder erwerbstätiges noch arbeitslos gemeldetes Erwerbsperso-
nenpotential.
c) Jahresdurchschnitt.
d) Geschätzte Zahl der einmal oder mehrmals kurzarbeitenden Per-
sonen (vgl. Anmerkung 65).
e) Allgemeine Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung (ABM) - Zahl der
betroffenen Personen.
f) Vollzeitmaßnahmen zur beruflichen Bildung und Umschulung -
Zahl der betroffenen Personen.
g) Altersruhegeld wegen Vollendung des 60. Lebensjahres bei Ar-
beitslosigkeit - Zahl der neubewilligten Anträge - teilweise
(geschätzt).
Quellen: ANBA, Arbeitsstatistik 1978 - Jahreszahlen; ANBA, H.
3/1978; ANBA, H. 3/1979, Bundesminister für Arbeit und Sozialord-
nung, Arbeits- und Sozialstatistik, Hauptergebnisse 1977, 1978;
Autorengemeinschaft, Der Arbeitsmarkt in der Bundesrepublik
Deutschland 1979, insgesamt und regional, in: Mitteilungen aus
der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, H. 1/1979, S. 27 f.; ei-
gene Berechnungen.
Tabelle 15:
Abgeschlossene und bisherige Dauer der Arbeitslosigkeit im Sep-
tember 1979 sowie Mehrfacharbeitslosigkeit für verschiedene Grup-
pen von Arbeitslosen
abgeschl. bisherige Mehrfacharbeits-
Dauer a) Dauer b) losigkeit a)
(1) Insgesamt 13,5 31,7 1,54
(2) Geschlecht
Männer 12,5 34,9 1,60
Frauen 15,0 28,6 1,47
(3) Nationalität
Deutsche 14,3 32,1 1,52
Ausländer 8,7 27,2 1,74
(4) Alter
Unter 20 Jahre 8,6 13,7 1,49
20 bis 25 Jahre 10,8 22,0 1,49
25 bis unter 30 Jahre 12,9 26,8 1,59
30 bis unter 3 5 Jahre 13,3 30,9 1,59
35 bis unter 40 Jahre 14,0 34,3 1,59
40 bis unter 45 Jahre 15,0 39,0 1,59
45 bis unter 50 Jahre 18,0 43,4 1,59
50 bis unter 55 Jahre 24,3 46,2 1,59
55 bis unter 60 Jahre 24,3 47,8 1,48
über 60 Jahre 36,0 43,0 1,48
(5) Gesundheitliche
Einschränkung nicht
vorhanden 21,1 26,4 1,53
vorhanden 20,2 47,6 1,65
(6) Berufsausbildung
ohne Ausbildung, Anlernung 13,2 34,4 1,66
Lehre, Berufsfachschule,
Fachschule 13,6 28,8 1,45
Hochschule, Universität 16,7 28,2 1,25
(7) Stellung im Beruf
Angestellte 16,8 28,4 1,37
nicht Angestellte 12,3 34,1 1,66
(8) gewünschte Arbeitszeit
Vollzeit 12,8 31,7 1,56
Teilzeit 21,7 31,8 1,42
_____
a) Arbeitslose, die am 28. 9. 1976 aus der Arbeitslosigkeit aus-
geschlossen sind.
b) Bestand an Arbeitslosen Ende September.
Quelle: Egle und Leupoldt, Mehrfacharbeitslosigkeit, S. 464, 467.
Tabelle 16:
Daten zur Dauer der Arbeitslosigkeit 1966-1978
Arbeits- 1-2 Jahre mehr als Durchschnittl.
lose arbeits- 2 Jahre Dauer der Ar-
insg. los arbeitslos beitslosigkeit
in 1000 in 1000 in % in 1000 in in Monaten
von von
(1) (1)
Zeit-
punkt a) (1) (2) (3) (4) (5) (6) b)
Sept. 1966 113 4 3,5 3 2,7 3,91
Sept. 1967 341 10 2,9 3 0,9 4,64
Sept. 1968 174 30 17,2 6 3,4 7,58
Sept. 1969 100 10 10,0 5 5,0 6,61
Sept. 1970 97 5 5,2 3 3,1 4,92
Sept. 1971 147 6 4,1 2 1,4 4,25
Sept. 1972 195 9 4,6 2 1,0 4,55
Sept. 1973 219 15 6,8 4 1,8 4,95
Mai 1974 457 18 3,9 6 1,3 4,74
Sept. 1974 557 22 3,9 6 1,1 4,46
Mai 1975 1018 60 5,9 11 1,1 5,56
Sept. 1975 1007 84 8,3 13 1,3 5,96
Mai 1976 954 130 13,6 30 3,1 7,56
Sept. 1976 898 122 13,6 39 4,3 7,44
Mai 1977 946 113 11,9 59 6,2 8,01
Sept. 1977 911 106 11,6 63 6,9 7,94
Mai 1978 913 112 12,3 91 10,0 9,17
Sept. 1978 864 98 11,3 77 8,9 8,55
_____
a) Jeweils Ende des Monats.
b) Durchschnittliche bisherige Dauer der Arbeitslosigkeit des am
Stichtag erfaßten Arbeitslosenbestandes (vgl. auch Anmerkung 62).
Quelle: Spalte (1)-(5) ANBA, Arbeitsstatistik 1969 - Jahreszah-
len; ANBA, Arbeitsstatistik 1978 - Jahreszahlen; eigene Berech-
nungen; Spalte (6) Ende September 1966 bis Ende September 1976
nach: Gramer und Egle, Dauer der Arbeitslosigkeit, S. 482; ab Mai
1977 eigene Berechnungen.
Tabelle 17: Sperrzeiten beim Arbeitslosengeld und bei der Ar-
beitslosenhilfe 1966"1977 (Zahl der Maßnahmen)
Anträge auf Sperrzeiten (2) in % Sperrzeiten wegen (5) in %
Arbeitslo- insgesamt von (1) Arbeits- Ableh- von (2)
senunter- aufgabe b) nung
stützung c)
Jahr in 1000 in 1000
(1) a) (2) a) (3) (4) (5) (6)
1966 728 39 5,4 35 4 10,3
1967 1800 150 8,3 132 18 12,0
1968 1156 82 7,1 65 17 20,7
1969 737 38 5,2 31 7 18,4
1970 632 23 3,6 20 3 13,0
1971 804 38 4,7 33 5 13,2
1972 914 55 6,0 46 9 16,4
1973 1079 59 5,5 50 9 15,3
1974 2189 145 6,6 123 22 15,2
1975 3276 240 7,3 195 45 18,8
1976 3031 262 8,6 200 62 23,7
1977 3022 291 9,6 220 71 d) 24,4
d)
____
a) Arbeitslosengeld und Arbeitslosenhilfe, b) § 119, Absatz 1,
Nr. 1 AFG, c) Ablehnung einer "zumutbaren" Arbeit § 119, Absatz
1, Nr. 2-4 AFG, d) außerdem verloren 9590 Arbeitslose jeglichen
Anspruch auf Unterstützung, weil sie zweimal mit einer Sperrzeit
belegt worden waren.
Quelle: ANBA, Arbeitsstatistik 1976 - Jahreszahlen, S. 226 f.;
ANBA, Arbeitsstatistik 1978 - Jahreszahlen, S. 262 f. (eigene Be-
rechnungen).
Tabelle 18:
Daten zum Umfang und zur Dauer der Kurzarbeit Januar 1974 bis Ja-
nuar 1979
Arbeitsausfall in ...% der
betriebsübl. Arbeitszeit 1974 1975 1976 1977 1978 1979
Bis 25% 30,6 27,5 52,1 49,5 46,9 38,2
25-50% 53,5 56,5 38,5 41,7 41,8 46,2
mehr als 50% 15,8 16,0 9,4 8,8 11,4 15,6
Zusammen 100 100 100 100 100 100
Kurzarbeiter in 1000 a) 268 1000 743 269 251 135
Dauer der Kurzarbeit
in Monaten
Bis 3 Monate . . 37,7 61,9 50,4 65,2
3 bis 6 Monate . . 20,3 23,3 29,0 19,2
6 bis 12 Monate . . 26,8 3,7 9,0 7,2
mehr als 12 Monate . . 15,2 11,1 11,6 8,4
Zusammen . . 100 100 100 100
_____
a) Bestand an Kurzarbeitern Mitte Januar.
Quelle: ANBA: H. 3/1974, S. 223; H. 3/1975, S. 265; H. 3/1976, S.
345, 347; H. 3/1977, S. 372, 374; H. 3/1978, S. 470, 472; H.
3/1979, S. 245, 247 (eigene Berechnungen).
Tabelle 19: Daten zur Entwicklung der Sozialhilfe 1970-1977
1970 1971 1972 1973 1974 1975 1976 1977
1 Empfänger von Sozialhilfe
insg. (1000) 1491 1548 1645 1730 1916 2049 2109 2164
2 Sozialhilfeempfänger pro 1000 Einwohner
25 25 27 28 31 33 34 35
3 Empfänger von laufender Hilfe zum Lebensunterhalt (HLU)
insg. (1000) a) 749 803 867 918 1057 1190 1276 1362
4 E in % von 1 50,2 51,9 52,7 53,1 55,2 58,1 60,5 62,9
5 Empfänger von HLU außerhalb
von Anstalten in 1000
a) - Zahl der
Haushalte 424 454 485 505 568 633 674 715
- %-Anstieg gegen
Vorjahr . 7,1 6,8 4,1 12,5 11,4 6,5 6,1
b) - Zahl der
Hilfeempfänger 698 748 809 861 999 1134 1222 1302
- % -Anstieg gegen
Vorjahr . 7,2 8,2 6,4 16,0 13,5 7,8 6,5
c) - Haushaltsvorstände unter
60 Jahren 195 205 220 241 299 365 413 466
- % - Anstieg gegen
Vorjahr . 5,1 7,3 9,5 24,1 22,1 13,2 12,8
d) - Brutto ausgaben je Empfänger von
HLU in DM b) 1097 1255 1450 1581 1747 1753 1877 1994
_____
a) Innerhalb und außerhalb von Anstalten; b) außerhalb von An-
stalten im Laufe eines Jahres.
Quelle: Zusammengestellt (teilw. eig. Berechnungen) nach Wirt-
schaft und Statistik, H. 3/1972; H. 4/1973; H. 7/1974; H. 5/1975;
H. 7/1976; H. 5/1977; H. 4/1978; H. 4/1979.
Tabelle 20:
Nutzung von Einsparungsmöglichkeiten und neuen Einnahmequellen in
Abhängigkeit von der Dauer der Arbeitslosigkeit
seit unter 1 bis 3 bis 6 bis 12 bis 24 Mo- Durch-
einigen einem unter unter unter unter nate schnitt
Tagen Monat 3 Mo- 6 Mo- 12 Mo- 24 Mo- und der Ak-
nate nate nate nate länger tivität
preisbewußter einkaufen, weniger
teureLebensmittel einkaufen
65 70 79 82 82 78 83 78
geplante Anschaffungen zurückstellen
47 61 74 70 71 81 83 70
weniger Kleidung kaufen
39 57 68 70 66 71 79 65
Dinge wieder selbst machen (nähen, Reparaturen)
50 50 63 60 59 67 72 60
auf Urlaubsreise verzichten
32 43 53 57 65 70 71 56
weniger ausgehen, weniger Ausflüge am Wochenende
35 47 54 56 51 66 67 54
entsparen
31 29 28 38 36 52 48 36
Nebentätigkeit außer Haus aufnehmen
32 23 23 18 23 32 32 25
Kredit aufnehmen
10 21 17 19 19 28 23 19
Auto verkaufen
15 12 11 13 12 21 21 14
Heimarbeit übernommen
16 12 13 13 11 13 13 13
andere aus dem Haushalt arbeiten jetzt mehr
13 10 13 12 9 12 13 12
andere aus dem Haushalt haben Arbeit aufgenommen
9 12 11 10 10 13 17 11
Wohnung gewechselt
1 - 3 3 6 7 10 4
_____
Quelle: Übernommen aus Möller, Finanzielle Auswirkungen, S. 67.
l
Tabelle 21:
Lebenspläne haben aufgegeben in Prozent
Arbeitslose Alte Neue Nicht-
insgesamt Arme a) Arme b) Arme c)
Ja 23 36 31 18
Nein 77 64 69 82
zusammen 100 100 100 100
n = (716) (64) (168) (484)
Geänderte Lebenspläne im Hinblick auf (%)...
Geldausgaben
71 59 70 73
Zwischenmenschliche Beziehungen
12 6 18 10
Berufsperspektive
17 35 12 17
zusammen 100 100 100 100
n = (150) (17) (51) (82)
_____
a) Haushalte, deren Einkommen bereits vor der Arbeitslosigkeit
unter den Sätzen der Sozialhilfe lag; b) Haushalte, die durch die
Arbeitslosigkeit Anspruch auf Sozialhilfe haben; c) Haushalte,
deren Einkommen während der Arbeitslosigkeit über den Sozialhil-
fesätzen liegt.
Quelle: Möller, Finanzielle Auswirkungen, S. 877.
_____
*) Der Leser findet die statistischen Materialien, auf die sich
der vorliegende Beitrag stützt, im Anhang abgedruckt; Verweise im
Text auf Tabellen beziehen sich auf diesen Anhang.
1) Manfred Euler, Ausstattung privater Haushalte mit langlebigen
Gebrauchsgütern im Januar 1978. Ergebnis der Einkommens- und Ver-
brauchsstichprobe, in: Wirtschaft und Statistik (Wista), H.
4/1979, S. 291 ff.; der entsprechende Aufsatz vom gleichen Ver-
fasser zur Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1973 erschien in:
Wista, H. 7/1974, S. 476 ff.
2) Vgl. Wista, H. 4/1979, S. 295. Welche Probleme im Hinblick auf
die Repräsentativität dieser Stichproben - also auch im Hinblick
auf die hier vorgetragenen Ergebnisse - bestehen, haben wir an
anderer Stelle entwickelt. Vgl. Eberhard Dähne und Jörg Dieck-
hoff, Die Preisindizes für die Lebenshaltung und die Entwicklung
der Verbraucherpreise, IMSF-Informationsbericht Nr. 32, Frankfurt
1979, S. 75 ff.
3) Zusätzlich ist zu berücksichtigen, daß die einzelnen Ge-
brauchsgüter große Qualitäts- und Preisunterschiede haben können.
"Auto" ist nicht gleich Auto usw.
4) Vgl. zu dieser These im Hinblick auf den Urlaubs- und Erho-
lungsverkehr: Kaspar Maase, Arbeitszeit - Freizeit - Freizeitpo-
litik, IMSF-Informationsbericht Nr. 27, Frankfurt 1976, S. 42.
5) Die 1977 erstmalig vom Statistischen Bundesamt veröffentlich-
ten Zeitreihen, die auf Umrechnungen der volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnungen beruhen, operieren teilweise mit "heroischen"
Annahmen und Hilfskonstruktionen. In der entsprechenden Veröf-
fentlichung wird dazu mit kritischem Unterton - mehr ist bei ei-
ner Institution, die dem Bundesminister des Innern untersteht,
wohl auch nicht möglich - angemerkt: "Fortschritte hinsichtlich
der Aktualität und der Gliederungstiefe der Ergebnisse sind nur
durch Verbesserung der Basisstatistiken über die Einkommen und
ihre Verwendung möglich. Diese sind - wie die Erfahrungen bisher
gezeigt haben - nur schrittweise zu erreichen; sie setzen ent-
sprechende Rechtsgrundlagen voraus." (Hans-Wilhelm Richter und
Norbert Hartmann, Nachweis der Verteilung und Verwendung der Ein-
kommen nach Haushaltsgruppen in den Volkswirtschaftlichen Gesamt-
rechnungen 1962 bis 1975, in: Wista, H. 6/1977, S. 353; Hervorhe-
bung im Original). Nach ähnlichen Methoden wie das Statistische
Bundesamt bemüht sich seit Jahren das Deutsche Institut für Wirt-
schaftsforschung zunächst für einige Stichjahre eine stimmige
Übersicht über die Verteilung der Einkommen und ihre Verwendung
zu errechnen. Der Vorteil dieser Arbeiten liegt in der Differen-
zierung des Materials nach Haushaltstypen und Einkommensschich-
ten. Vgl. Gerhard Göseke und Klaus Dietrich Bedau, Verteilung und
Schichtung der Einkommen der privaten Haushalte in der Bundesre-
publik Deutschland 1950 bis 1975, DIW-Beiträge zur Strukturfor-
schung, H. 31, Westberlin 1974; Dieselben, Einkommens- und Ver-
brauchsschichtung für die größeren Verwendungsbereiche des priva-
ten Verbrauchs und die privaten Ersparnisse in der Bundesrepublik
Deutschland 1955 bis 1974, DIW-Beiträge zur Strukturforschung, H.
49, Westberlin 1978. Ferner liegt eine Untersuchung der Deutschen
Bundesbank vor: Ersparnisbildung und Geldvermögen der Haushalte
von Arbeitnehmern, Selbständigen und Rentnern, in: Monatsberichte
der Deutschen Bundesbank, H. 11/1977, S. 23 ff.
Neben den Einkommens-und Verbrauchsstichproben, die bisher
1962/63, 1969, 1973 und 1978 durchgeführt wurden, ist auf die
laufenden Wirtschaftsrechnungen zu verweisen, die bei allen Män-
geln grobe Entwicklungstendenzen der individuellen Konsumtion
aufzeigen. Bei den Verbrauchsstichproben und laufenden Wirt-
schaftsrechnungen bleiben die Haushalte von Ausländern unberück-
sichtigt.
6) Diese Änderungen - in der Veröffentlichung von 1977 sind sie
leider nicht erwähnt - dürften zum Teil mit den verschiedentlich
erfolgten Korrekturen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung
durch das Statistische Bundesamt zusammenhängen. Nachweisbare
Veränderungen des verfügbaren Einkommens bei den Haushalten mit
erwerbstätigem Haushaltsvorstand in Milliarden DM:
Selbständige Angestellte/Beamte Arbeiter
(1) (2) (1) (2) (1) (2)
1970 98,0 93,0 116,8 120,2 125,7 120,2
1974 144,3 129,0 172,0 175,3 169,1 165,2
(1) Zahlen nach Göseke und Bedau, Einkommens- und Verbrauchs-
schichtung, S. 168 ff.; (2) Zahlen nach: Verbrauch und Ersparnis
sozialer Gruppen in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1977,
DIW - Wochenbericht 11/79, S. 120.
7) In der Veröffentlichung der Deutschen Bundesbank wird die Grö-
ßenordnung der nichtentnommenen Gewinne für den Zeitraum 1963-
1972 auf jährlich 15 Milliarden DM geschätzt. Vgl. Ersparnisbil-
dung und Geldvermögen, a.a.O., S. 31.
8) 1974 betrug nach den DIW-Zahlen das Netto-Durchschnitts-
einkommnen aller Angestelltenhaushalteam Jahr 29 528 DM; das von
Angestelltenhaushalten mit zwei und mehr Einkommensbeziehern
dagegen 41 880 DM (vgl. Göseke und Bedau, Einkommens- und Ver-
brauchsschichtung, S. 204 ff.).
9) Die Bestimmung dessen was in Abhängigkeit vom Einkommen zur
"elastischen" und was zur "unelastischen" Konsumtion gehört, ist
bekanntlich umstritten. Zum einen handelt es sich nicht um
starre, sondern mit der Entwicklung der Produktion und der Be-
dürfnisse veränderliche Begriffe. In diesem Zusammenhang spielt
auch eine Rolle, wie groß der Haushaltet für die jeweiligen Aus-
gabenpositionen ist. Ein 4-Personen-Haushalt der 1000 DM für Es-
sen im Monat ausgibt, kann leichter etwas einsparen als einer,
der 500 DM ausgibt. Zum anderen reicht die Aufgliederung nach 9
Hauptgruppen nicht aus um die Aufteilung vorzunehmen. Seife und
Klopapier gehören gewiß zum "unelastischen" Bedarf, sind aber in
der "elastischen Ausgabengruppe Körper-und Gesundheitspflege ent-
halten.
10) Nach den DIW-Berechnungen hatten 1974 Haushalte von Selbstän-
digen mit 7000 DM und mehr Haushaltsnettoeinkommen im Monat eine
durchschnittliche Größe von 4,3 Personen Bei Arbeiterhaushalten
der Einkommensklasse 1300-1500 DM betrug durchschnittliche Haus-
haltsgröße dagegen lediglich 2,7 Personen Berechnet nach: Göseke
und Bedau, Einkommens- und Verbrauchsschichtung, S. 200 und 208.
10a) "Wissen Sie, wie man in anständigen Schuhen geht? Ich meine
in leichten, nach Maß aus feinem Leder, wo Sie sich wie ein Tän-
zer fühlen, und richtig geschnittene Hosen aus weichem Material,
wer kennt das schon von euch? Das ist aber eine Unwissenheit, die
sich rächt. Die Unwissenheit über Steaks, Schuhe und Hosen ist
eine doppelte: Sie wissen nicht, wie das schmeckt, und Sie wissen
nicht wie Sie das bekommen können, aber die Unwissenheit ist eine
dreifache, wenn Sie nicht einmal wissen, daß es das gibt." (B.
Brecht, Flüchtlingsgespräche).
11) Vgl. Deutsche Bundesbank, Ersparnisbildung und Geldvermögen,
S. 29.
12) Berechnet nach: Verbrauch und Ersparnis ... 1977, S. 122 f.
13) Maximal könnten 1/8 der Nahrungsmittelausgaben, also rund 708
DM, auf den größeren Haushaltsumfang zurückgeführt werden.
14) Manfred Euler, Einfluß der sozialen Stellung des Haushalts-
vorstandes auf Einnahmen und Ausgaben ausgewählter privater Haus-
halte. Ergebnis der laufenden Wirtschaftsrechnungen, in: Wista,
H. 11/1978, S. 730 ff.; derselbe, Budgets ausgewählter privater
Haushalte 1978, in: Wista, H. 5/1979, S. 365 ff.
15) "Trotzdem bleibt offen, ob die Unterschiede in der Ernährung
nicht möglicherweise auch auf die unterschiedliche regionale
Streuung der Angestellten- und Arbeiterhaushalte zurückzuführen
sind. Gerade weil die Ergebnisse gewisse Klischeevorstellungen
von dem Verbrauchsverhalten von Angestellten und Arbeitern zu be-
stätigen scheinen, muß besonders gründlich überlegt werden, ob
und inwieweit andere Faktoren eine Rolle spielen könnten."
(Euler, Einfluß der sozialen Stellung, S. 743.)
16) Vgl. dazu auch Göseke und Bedau, Einkommens- und Verbrauchs-
schichtung, S. 29.
17) Nach dem Preisindex für die Lebenshaltung eines 4-Personen-
Arbeitnehmerhaushalts mit mittlerem Einkommen.
18) Vgl. zur Lohn- und Gehaltsentwicklung in dieser Zeit: Rainer
Skiba, Die gewerkschaftliche Lohnpolitik und die Entwicklung der
Reallöhne, Köln 1968; Hermann Adam und Rainer Skiba, Die langfri-
stige Lohn- und Gehaltsentwicklung, in: Das Mitbestimmungsge-
spräch, 8/1971.
19) Neben den aufgezählten Faktoren spielt zusätzlich der in ge-
wissem Umfang erfolgte Abbau von Überstunden und unabgesicherten
Zuschlägen eine Rolle. Es ist aber auch zu berücksichtigen, daß
die arbeitslos gewordenen Arbeiter insgesamt unterdurchschnittli-
che Einkommen hatten (besonders die Gruppe der teilzeitbeschäf-
tigten Frauen), was den Einkommensdurchschnitt für die aktiven
Industriearbeiter 1975 nach oben verschoben hat.
20) Vgl. Dähne und Dieckhoff, Preisindizes für die Lebenshaltung,
vor allem S. 139 ff.
21) Ein weiteres Problem ergibt sich bei der Reallohnberechnung
daraus, daß für alle Gruppen der Arbeiterklasse lediglich ein In-
dex, nämlich der des "4-Personen-Arbeitnehmerdurchschnittshaus-
halts ..." zur Verfügung steht. Es liegt auf der Hand, daß ein
derartiger Index allein schon aufgrund seines auf die spezifi-
schen Verbrauchsverhältnisse dieses Haushaltstyps zugeschnittenen
Warenkorbs für Reallohnberechnungen von Ledigen oder kinderrei-
chen Arbeiterfamilien wenig tauglich ist. Will man aber auf Real-
lohnberechnungen für diese Gruppen nicht gänzlich verzichten, muß
man behelfsweise Indizes zur Hilfe nehmen, die zwar nicht für die
Messung der Verteuerung der Lebenshaltung bei Arbeiterfamilien
konstruiert sind, deren Warenkorbsstruktur aber die Ausgaben-
struktur der genannten Erwerbstätigengruppen weitaus besser re-
präsentieren, etwa die Preisindizes für die "Einfache Lebenshal-
tung eines Kindes" bzw. für 2-Personen-Rentnerhaushalte.
22) DIW-Wochenbericht 30-31/1976, S. 285.
23) Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Übersicht über
die soziale Sicherung, Bonn 1977, S. 238.
24) Ebenda.
25) Der von uns auf der Grundlage der offiziellen Daten berech-
nete durchschnittliche Preisanstieg im ersten Halbjahr 1979 im
Vergleich zum ersten Halbjahr 1978 betrug rund 3,4 Prozent. Dabei
stiegen bislang die Nahrungs- und Genußmittelpreise sowie die
Mieten unterdurchschnittlich, was im Verlauf des Jahres u.E.
nicht anhalten wird. Überdurchschnittliche Preissteigerungsraten
gab es nicht nur bei Mineralölprodukten, sondern auch bei den Wa-
ren und Dienstleistungen für: Verkehrszwecke und Nachrichtenüber-
mittlung, Körper- und Gesundheitspflege, Bildungs- und Unterhal-
tungszwecke sowie die persönliche Ausstattung. Darunter befinden
sich auch viele öffentliche Dienstleistungen, deren Preise zum
Teil beträchtlich in die Höhe getrieben wurden. Angesichts der am
l. Juli erfolgten Mehrwertsteuererhöhung und den gewachsenen Mög-
lichkeiten der Großunternehmen, Preiserhöhungen am Markt durch-
zusetzen, ist es sicher, daß die Jahresdurchschnittsrate der
Preissteigerung selbst nach den amtlichen Berechnungen um 5 Pro-
zent liegt. Sie hatte 1978 offiziell noch 2,6 Prozent betragen.
Spätestens im September 1979 wird die Rate im Vergleich zum Vor-
jahr die 6-Prozent-Grenze erreichen oder übersteigen. Ohne
"Nachschlag" tritt also eine beachtliche Senkung der Reallöhne
ein.
26) Vgl. Stat. BA., FS A, Reihe 6, Entwicklung der Erwerbstätig-
keit (Ergebnis des Mikrozensus), laufend.
27) Eine gewisse Rolle dürfte dabei allerdings die Minderbewer-
tung der Entnahmen von Nahrungsmitteln und der Mieten spielen.
28) C.A. Andreae, Ökonomik der Freizeit, Reinbek 1970, S. 140.
29) Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13.8.1974.
30) Ebenda.
31) Vgl. Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Übersicht
über die soziale Sicherung, Bonn 1977, S. 27.
32) Auch bei diesen Daten muß freilich berücksichtigt werden, daß
der Unsicherheitsbereich dieser Schätzungen sehr groß ist.
33) Stat. BA., FS 13, Reihe 4, Wohngeld 1976, S. 13; nicht erfaßt
sind hierbei die Empfänger von Sozialhilfe.
34) Das Einkommen sozialer Gruppen in der Bundesrepublik Deutsch-
land im Jahre 1975, in: DIW-Wochenbericht 30"31/1976, S. 279.
35) Vermögenseinkommen der privaten Haushalte in der Bundesrepu-
blik Deutschland 1970 bis 1978, DIW-Wochenbericht, 19/79, S. 209.
36) Bundesminister für Raumordnung, Bauwesen und Städtebau, Das
Wohnen in der Bundesrepublik, Bonn-Bad Godesberg 1975, S. 46.
37) Dabei spielt die staatliche Sparförderung, die inzwischen
auch in vielen Tarifverträgen berücksichtigt wird, eine beträcht-
liche Rolle. Nach der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe von
1973 hatten 63,7 Prozent aller Arbeiterhaushalte, 60,8 Prozent
aller Haushalte von Angestellten und 54,4 Prozent aller Beamten-
haushalte prämienbegünstigte Sparbücher. Nimmt man alle Anlage-
möglichkeiten zusammen, dann hatten 92,3 Prozent aller Arbeiter-
,92,4 aller Angestellten- und 96,2 Prozent aller Beamtenhaushalte
vermögenswirksam gespart. (Vgl. Manfred Euler, Nutzung der staat-
lichen Sparförderung durch private Haushalte im Jahr 1973, Ergeb-
nis der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe 1973, in: Wista, H.
1/1976, S. 14 ff.)
38) V.S. Gojlo, Zur Theorie des "menschlichen Kapitals" und eini-
gen realen Problemen der Reproduktion der Arbeitskraft, in: Mar-
xismus Digest 3/1973 (Nr. 15), S. 61.
39) Friedrich Engels, Zur Wohnungsfrage, Vorwort zur zweiten Auf-
lage, in: Marx/Engels, Werke, Bd. 21, S. 331 f.
40) Vgl. Gojlo, Reproduktion der Arbeitskraft, S. 61. Hohe eigene
Reproduktionsleistungen der Arbeiterfamilien ermöglichen den Un-
ternehmern, "den ganzen Kapitalprofit. . . aus einem Abzug vom
normalen Arbeitslohn" herauszuholen und "den ganzen Mehrwert dem
Käufer zu schenken" (Engels, Wohnungsfrage, S. 331) bzw. den An-
teil der bezahlten Arbeit an der gesamten Arbeitsverausgabung be-
deutend zu drücken und die Akkumulationskraft entsprechend zu er-
höhen. Das dürfte nicht nur "das Geheimnis der erstaunlichen
Wohlfeilheit der meisten deutschen Ausfuhrartikel" (ebenda, S.
332) Ende des vorigen Jahrhunderts gewesen sein, sondern auch zum
Teil das "japanische Wirtschaftswunder" erklären.
41) Einzelne Gruppen von Industriearbeitern wurden vom Real-
lohnabbau in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. So sanken die
Reallöhne für Industriearbeiterinnen um 1,0 Prozent, für verhei-
ratete Facharbeiter mit 2 Kindern um 2,6 Prozent.
42) Monatsberichte der Deutschen Bundesbank, Oktober 1976, S. 14.
43) Vgl. Monatsberichte, März 1976, S. 14.
44) Monatsberichte, Oktober 1976, S. 16.
45) So schreibt das Statistische Bundesamt: Für den Haushaltstyp
des "mittleren Arbeitnehmerhaushalts" ist "hervorzuheben, daß die
Haushalte die Aufwendungen für Verkehr und Nachrichtenübermitt-
lung - nach einem äußerst zurückhaltenden Ausgabenverhalten im
Vorjahr - 1975 kräftig gesteigert haben. Die absolute Höhe dieser
Aufwendungen nahm ... um ... fast 30% zu. Ausschlaggebend für
diese Entwicklung waren vor allem die um mehr als die Hälfte ...
höheren Aufwendungen für den Kauf von Kraftfahrzeugen (und Fahr-
rädern)." Stat. BA., Einnahmen und Ausgaben 1975, S. 9.
46) Vgl. Monatsberichte, Oktober 1976, S. 16.
47) Vgl. Stat. BA., Einnahmen und Ausgaben, lfd.
48) Vgl. dazu: Christian Brinkmann, Finanzielle und psychosoziale
Belastungen während der Arbeitslosigkeit, in: Mitteilungen aus
der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (MittAB), H. 4/1976; ders.
Arbeitslosigkeit und Mobilität, in: MittAB, H. 2 /1977; Arbeits-
gruppe des IMSF, Wirtschaftskrise und Frauenemanzipation in der
BRD, IMSF-Informationsbericht Nr. 31, Frankfurt/M. 1978; Wolfram
Eisner, Soziale Kosten der Wirtschaftskrise: Lebenslage - Ver-
schlechterungen und Anpassungsleistungen von Arbeitslosen, Dis-
kussionsarbeiten der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der
Universität Bielefeld, Nr. 51, Bielefeld 1978, Ministerium für
Gesundheit, Soziales und Sport von Rheinland-Pfalz, Begleiter der
Arbeitslosigkeit, Abstieg und Armut, Dokumentation zur wirt-
schaftlichen Lage von Arbeitslosen in der Bundesrepublik Deutsch-
land, Mainz 1978; Hans Schindler, Folgen der Arbeitslosigkeit,
in: Marxistische Blätter, H. 1/1979, S. 57 ff.; Carola Möller,
Finanzielle Auswirkungen von Erwerbslosigkeit auf die Erwerbslo-
sen und ihre Haushalte, unveröffentlichtes, vorläufiges Manu-
skript, Köln 1979; Norbert Lambert, Arbeitsmarktpolitik in der
Wirtschaftskrise, IMSF-Informationsbericht Nr. 33, Frankfurt am
Main 1979.
49) Karl Marx, Das Kapital, Bd. I, in Marx/Engels, Werke, Bsd.
23, S. 658.
50) Ebenda, S. 661.
51) Brinkmann, Mobilität, S. 209; auch die folgenden Angaben nach
dieser Quelle, S. 209 ff.
52) Marx, Kapital, Bd. I, S. 670.
53) Die sogenannte "Entlastungswirkung", d.h. die Minderung der
Arbeitslosenzahl liegt unter den in Tabelle 14 angegebenen
Zahlen, da sich die Maßnahmen nur zum Teil über ein ganzes Jahr
ausdehnen.
54) zum Begriff vgl. W. Klauder und G Kühlewind, Zur längerfri-
stigen Vorausschätzung des Arbeitskräfteangebots in der Bundesre-
publik Deutschland, Technik, Probleme, Möglichkeiten und Grenzen,
in MittAB H. 10/1969.
55) Franz Egle und Rudolf Leupoldt, Mehrfacharbeitslosigkeit,
Dauer der Arbeitslosigkeit und Wiedereingliederung von Arbeitslo-
sen. Eine empirische Untersuchung aus einer Abgangsstichprobe, in
MittAs, H. 4/1977, S. 465.
56) Christian Brinkmann, Strukturen und Determinanten der beruf-
lichen Wiedereingliederung von Langfristigarheitslosen, in
MittAB. H. 2/1978. S. 195.
57) Werner Sörgel, Motivation von Arbeitssuchenden, Hemmnisse für
die Einstellung von Arbeitslosen, Effektivität von Vermittlung
und Beratung, Fortbildungs- und Mobilitätsbereitschaft von Be-
schäftigten, Zusammenfassung wichtiger Untersuchungsergebnisse,
Forschungsprojekt von Infratest (finanziert vom Bundesministerium
für Arbeit und Sozialordnung), München, Mai 1978, S. 5.
58) In den drei Jahren 1974-1976 wanderten 1,028 Millionen Er-
werbspersonen aus der Bundesrepublik ab. Gleichzeitig wanderten
643 000 Erwerbspersonen in die Bundesrepublik ein. Beide Ströme
sind u.E. Bestandteil bzw. Form der Reservearmee, weil die Zuwan-
derer, insofern sie in der Bundesrepublik auch einen Arbeitsplatz
finden, von der unsichtbaren "latenten" Reserve in die "flüssige"
Form überführt werden, ansonsten zur "Stillen Reserve" gehören.
Der Saldo der Wanderungsströme betrug in diesen drei Jahren -
384000 Erwerbspersonen. Alle Zahlen nach: Der Bundesminister für
Arbeit und Sozialordnung, Arbeits- und Sozialstatistik, Haupter-
gebnisse 1978, S. 10.
59) Daß bei dieser "Freiwilligkeit" ökonomische Zwänge, u.a. der
Druck, der von den strukturellen Veränderungen der Produktion
ausgeht, eine Rolle spielen, haben für die sechziger Jahre be-
reits Burkhardt Lutz und Friedrich Weltz gezeigt. Vgl. Der zwi-
schenbetriebliche Arbeitsplatzwechsel. Zur Soziologie und Sozio-
ökonomie der Berufsmobilität, Frankfurt 1966.
60) Marx, Kapital, Bd. I, S. 672.
61) Vgl. Egle und Leupoldt, Mehrfacharbeitslosigkeit, S. 463.
62) Ausgewiesen werden als Ergebnisse der Strukturerhebungen fol-
gende Klassen: "bis unter 1 Monat", "1 bis unter 3 Monate", "3
bis unter 6 Monate", "6 bis unter 12 Monate", "12 bis unter 24
Monate", "24 Monate und darüber". Bei der Durchschnittsbildung
wird davon ausgegangen, daß die Arbeitslosen in der unteren offe-
nen Klasse im Durchschnitt einen halben Monat, in der oberen of-
fenen Klasse 36 Monate arbeitslos sind und daß sich die Arbeits-
losen ansonsten auf die Klassenmitten verteilen.
63) Ulrich Gramer und Franz Egle, Zur durchschnittlichen Dauer
der Arbeitslosigkeit, in: MittAB, H. 4/1976, S. 495.
64) Sörgel, Zusammenfassung, S. 4.
65) Auch bei den Kurzarbeitern ist die Zahl der Kurzarbeitsfälle
wegen Mehrfachkurzarbeit höher als die Zahl der Betroffenen, die
wiederum beachtlich über der amtlich registrierten Zahl von Kurz-
arbeitern liegt. Rolf Flechsenhar nimmt an, daß den 555 000 Kurz-
arbeitsfällen des Jahres 1977 rund 231000 Kurzarbeiter entspra-
chen. Vgl. Kurzarbeit - Kosten und Finanzierung,' in: MittAB, H.
4/1978, S. 443.
66) Als "latent" wurde die Summe aus Stiller Reserve, und der Be-
teiligung an ABM-Maßnahmen sowie Vollzeitmaßnahmen der berufli-
chen Bildung bezeichnet. Die beiden zuletzt genannten Gruppen
können selbstverständlich auch im gleichen Jahr arbeitslos sein,
also doppelt gezählt werden. Als "leichtflüssig" wurden 30 Pro-
zent der von Arbeitslosigkeit Betroffenen und die Kurzarbeiter
bezeichnet. "Stockend" setzt sich zum einen aus der Gruppe der
Mehrfacharbeitslosen mit unstabilen Beschäftigungsverhältnissen
zusammen. Aufgrund verschiedener Untersuchungen wurde angenommen,
daß diese Kennzeichnung für 10 Prozent der von Arbeitslosigkeit
Betroffenen zutraf. Dazu gezählt wurden diejenigen, die länger
als ein Jahr arbeitslos waren, und diejenigen, die im gleichen
Jahr einen Antrag auf Verrentung mit 60 bewilligt bekommen haben.
Auf mögliche Doppelzählungen wurde bereits mehrfach verwiesen.
Die Gruppe "flüssig bis zähflüssig" wurde als Restkategorie be-
stimmt: 60 Prozent aller von Arbeitslosigkeit Betroffenen abzüg-
lich der Arbeitslosen, die länger als ein Jahr arbeitslos waren.
67) Marx, Kapital, Bd. I, S. 666.
68) Klassen- und Sozialstruktur der BRD 1950-1970, Sozialstati-
stische Analyse, Beiträge des IMSF 3, Verlag Marxistische Blät-
ter, Frankfurt 1975, 2. Halbbd., S. 146 ff.
69) Marx, Kapital, Bd. I, S. 673 f.
70) Vgl. Heiner Geißler, "Neue Soziale Frage" - Zahlen, Daten,
Fakten, 5. November 1975, S. 15 ff.
71) Sowohl im Hinblick auf Qualifikation, Einkommensansprüche und
regionale Mobilität; das Unternehmerleitbild scheinen Wohnwagen-
besitzer zu sein, die sich nach Belieben von einer Ecke der Bun-
desrepublik in die andere verschieben lassen.
72) Werner Karr, Die Leistungsberechtigten in der Arbeitslosen-
statistik, in: MittAB, H. 1/1978, S. 3.
73) Ebenda, S. 4.
74) Ebenda, S. 5.
75) Bei besonderen Härtefällen kann diese Frist auf 14 Tage ver-
mindert werden (§ 119, Absatz 2 AFG). Versäumt der Arbeitslose
eine Meldung beim Arbeitsamt, obwohl er dazu aufgefordert wurde,
dann kann die Sperrfrist 6 Tage betragen (§ 120 AFG).
76) "Hat der Arbeitslose 1. das Arbeitsverhältnis gelöst oder
durch ein vertragswidriges Verhalten Anlaß für die Kündigung des
Arbeitsgebers gegeben und hat er dadurch vorsätzlich oder grob-
fahrlässig die Arbeitslosigkeit herbeigeführt ..."
77) Hat der Arbeitslose "trotz Belehrung über die Rechtsfolgen
eine vom Arbeitsamt angebotene Arbeit nicht angenommen oder nicht
angetreten ...".
78) Vgl. ANBA, Arbeitsstatistik 1978 - Jahreszahlen, S. 263.
79) Nach einer von uns durchgeführten Umfrage unter südhessischen
Arbeitsämtern sind die Vermittler angehalten, alle Umstände des
Einzelfalls zu berücksichtigen und dabei auch die Unternehmensar-
gumente gebührend zu berücksichtigen.
80) Werner Karr und Rudolf Leupoldt, Unterschiede im Leistungsbe-
zug zwischen den Arbeitsamtsbezirken der Bundesrepublik Deutsch-
land, in: MittAB, H. 1/1979, S. 19.
81) Ebenda, S. 22.
82) Süddeutsche Zeitung, 2-3-4.6.1979.
83) Karr und Leupoldt, Unterschiede, S. 20.
84) Ebenda, S. 22.
85) Erich Weber und Walter Blitzer, Arbeitsrechts- und Sozialfi-
bel, 13. Auflage, Köln 1976, S. 410.
86) Sörgel, Zusammenfassung, S. 5.
87) Brinkmann, Belastungen, S. 403.
88) Möller, Finanzielle Auswirkungen, S. 13.
89) Ganz abgesehen davon , daß ein erheblicher Prozentsatz von
Arbeitern und Angestellten vor allem im Handel bereits während
der Erwerbstätigkeit Sozialhilfe beziehen müßte.
90) Ministerium für Gesundheit, Soziales und Sport von Rheinland-
Pfalz, Abstieg und Armut, S. 51.
91) Ebenda.
92) Es gibt Fälle, in denen erst Leute entlassen wurden, andere
später wieder mit den entsprechenden staatlichen Beihilfen einge-
stellt wurden.
93) Das häufig zu hörende "Gegenargument", daß dann die kommuna-
len Haushalte noch stärker belastet würden, ist haltlos. Es gilt
dann eben den Kampf für eine bessere finanzielle Ausstattung der
Kommunen entschiedener zu führen, als das bisher geschehen ist.
94) Hans Rolf Flechsenhar, Kurzarbeit - Kosten und Finanzierung,
in: MittAB, H. 4/1978, S. 443.
95) Sebastian Herkommer u.a., Gesellschaftsbewußtsein und Gewerk-
schaften, Arbeitsbedingungen, Lebensverhältnisse, Bewußtseinsän-
derungen und gewerkschaftliche Strategie von 1945 bis 1979, S.
63. Ansonsten ist die kurze und knappe Zusammenfassung über viele
Momente der Arbeitsbedingungen und Lebensverhältnisse sehr infor-
mativ.
96) Bei einer INFAS-Untersuchung in Dortmund ergab sich, daß nur
rund 20 Prozent der Haushalte, die Anspruch auf Sozialhilfe hat-
ten, diese auch in Anspruch nahmen. Vgl. Geisler, "Neue Soziale
Frage", S. 36.
97) Ministerium für Gesundheit, Soziales und Sport usw., Abstieg
und Armut, S. 51.
98) Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind gering.
99) Eine gute Grundlage, solchen Praktiken entgegenzuwirken, ist
der "Leitfäden der Sozialhilfe", Frankfurt 1978, herausgegeben
von der Sozialhilfegruppe TUWAS, c/o Fachhochschule, FB Sozialar-
beit, Limescorso 5, 6000 Frankfurt.
100) Vgl. Geschäftsstelle der Landesarbeitsgemeinschaft Soziale
Brennpunkte Hessen, Brennpunkt-Zeitung,
Nr. 2/78 vom 23.9.1978.
101) Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, Arbeits- und
Sozialstatistik, Hauptergebnisse 1978, S. 113.
102) Alle Angaben und das grundlegende Berechnungsbeispiel nach
Erich Weber und Walter Blitzer, Arbeitsrechts-und Sozialfibel,
13. Auflage, Köln 1976, S. 553 f.
103) 120 1,5
(--- x 18 337) X (40 x ---) = 13 202,64 DM.
100 100
104) Nach Auskunft der Landesversicherangsanstalt bleibt der
Steigerungssatz mit 1,5 Prozent unverändert. Allerdings dürfte
die Arbeitslosigkeit auch zu einer Senkung der Persönlichen Be-
messungsgrundlage geführt haben, was in unserer Überschlagsrech-
nung nicht berücksichtigt wurde.
105) Brinkmann, Belastungen, S. 400.
106) Möller, Finanzielle Auswirkungen, S. 61.
107) So gab es z.B. allein in Offenbach 1975 78 Fälle von
Zwangsräumungen, 1978 bereits 143 und für 1979 wird mit 160 ge-
rechnet (vgl. FAZ, 31.7.1979).
108) Die Stationen einer solchen Abstiegsspirale sind sehr pla-
stisch dargestellt, in: Arbeitsgruppe der IMSF, Wirtschaftskrise
und Frauenemanzipation, Informationsbericht Nr. 31, S. 151 ff.
109) Man kann nur hoffen, daß diese wichtige Untersuchung bald
veröffentlicht wird.
110) Möller, Finanzielle Auswirkungen, S. 59 f.
111) Ebenda, S. 60.
112) Ebenda, S. 61.
113) Ebenda, S. 87.
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