Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 02/1979
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FORSCHUNG IN DER GEWERKSCHAFTSBEWEGUNG. ZUR TÄTIGKEIT DES
WIRTSCHAFTS- UND SOZIALWISSENSCHAFTLICHEN INSTITUTS DES
DEUTSCHEN GEWERKSCHAFTSBUNDES
Klaus Priester
I. Geschichte und Organisation. - II. Veränderung der Forschungs-
gebiete und Arbeitsschwerpunkte. - III. Gegenwärtige Arbeits-
schwerpunkte. - IV. Bilanz und Perspektiven.
Über das traditionell distanzierte Verhältnis der wissenschaftli-
chen Forschung und Lehre zur Arbeiterbewegung und ihren Organisa-
tionen ist gerade in den letzten Jahren im Zusammenhang mit der
Diskussion um Möglichkeiten der Kooperation zwischen universitä-
rer Forschung und Lehre und Gewerkschaften in der Bundesrepublik
viel geschrieben worden. 1) Dabei wurde ins Gedächtnis gerufen,
daß die wissenschaftliche Forschung auf den verschiedensten Ge-
bieten, sei es in den Hochschulen oder in "unabhängigen" For-
schungseinrichtungen außerhalb der Universitäten, in sehr starkem
Maße von Kapitaleinflüssen, die u.a. über die Vergabe und Finan-
zierung von Forschungsaufträgen deutlich werden, abhängt 2) und
daß - im Gegensatz zu dem immer wieder von interessierter Seite
kolportierten Gerücht vom "Gewerkschaftsstaat" - die Arbeiterbe-
wegung in der Bundesrepublik und namentlich die Gewerkschaften
über keinen nennenswerten Einfluß auf Forschungspolitik, -strate-
gie und -inhalte in staatlichen, halbstaatlichen und "unabhän-
gigen" Institutionen verfügen. 3)
An den Interessen der Lohnabhängigen und ihren Bedürfnissen ori-
entierte wissenschaftliche Forschung kann sich gegenwärtig - von
wenigen Ausnahmen im Rahmen der Kooperation von Hochschulen und
Gewerkschaften in den letzten Jahren abgesehen - fast ausschließ-
lich im außeruniversitären Bereich und in begrenztem Umfang in
den Gewerkschaften selbst vollziehen. Ein Beispiel hierfür ist
die Arbeit des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Insti-
tuts des DGB (WSI), die im folgenden skizziert werden soll.
I. Geschichte und Organisation 4)
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Das Institut ist eine Gründung der Gewerkschaften. Es wurde unter
dem Namen "Wirtschaftswissenschaftliches Institut der Gewerk-
schaften" (WWI) 1946 als Forschungseinrichtung der Gewerkschaften
in der damaligen britischen Besatzungszone mit Sitz in Köln
(heute: Düsseldorf) gegründet. Seine Entwicklung in den ersten
Nachkriegsjahren ist eng mit dem Wirken von Dr. Viktor Agartz
verbunden. 5) Diese Tatsache wird in offiziellen und offiziösen
Darstellungen über die Geschichte des WSI heute gern verschwie-
gen. 6) Agartz war nach 1945 der bedeutendste fortschrittliche
Wirtschaftsexperte von SPD und Gewerkschaften. Er bekleidete in
den ersten Nachkriegsjahren zahlreiche führende Positionen in der
Wirtschaftsverwaltung der westlichen Besatzungszonen und war we-
sentlich an der Erarbeitung wirtschafts- und gesellschaftspoliti-
scher Neuordnungsvorstellungen von SPD und Gewerkschaften betei-
ligt.
Agartz hielt 1947 das wirtschaftspolitische Grundsatzreferat aus
dem Gründungskongreß des DGB der britischen Zone in Bielefeld.
1949 übernahm er die Leitung des WWI, das auf seine Veranlassung
hin gegründet worden war. Dort war er in starkem Maße an der Er-
arbeitung wirtschaftspolitischer Neuordnungsvorstellungen der Ge-
werkschaften beteiligt . Von Agartz stammt das Konzept der soge-
nannten - expansiven Lohnpolitik" 7), das er u.a. in seiner Pro-
grammrede auf dem 3. DGB-Bundeskongreß 1954 in Frankfurt/M. ver-
trat. Das Referat unter dem Titel "Wirtschafts- und Steuerpoli-
tik" 8) wird allgemein als eine "hervorragende Analyse der deut-
schen Situation" 9) eingeschätzt. Agartz ging in seinem Referat
u.a. davon aus, daß sich der Kapitalismus in der BRD stabilisiert
habe und daß diese Restauration mit einer Gefährdung der demokra-
tischen Rechte verbunden sei. Aktuelle Aufgabe der Gewerkschaften
in dieser Situation sei es, Klassenbewußtsein insbesondere auch
in Lohnkämpfen zu fördern und zu entwickeln. Mitbestimmung wird
von ihm als Form demokratischer Kontrolle bezeichnet und scharf
gegen eine Partnerschaft von Arbeit und Kapital abgegrenzt.
Agartz' Ausführungen stießen auf dem DGB-Kongreß auf breiteste
Zustimmung, bis in christdemokratische Kreise hinein. Nach Ab-
schluß des Kongresses wird jedoch - vornehmlich von Vertretern
der "katholischen Soziallehre" unter der Führung von O. von Nell-
Breuning - eine Diffamierungskampagne gegen Agartz eingeleitet.
Im Verlauf der Auseinandersetzung droht die CDU schließlich mit
der Spaltung des DGB 10), woraufhin sich die SPD-Führungsgremien
der Kampagne gegen Agartz anschließen und entsprechenden Druck
auf die Gewerkschaften ausüben. Der DGB-Bundesvorstand beugt sich
diesem Druck und entläßt Agartz zum Jahresende 1955 aus seiner
Funktion als WWI-Direktor, nachdem er Ende 1954/Anfang 1955 be-
reits die Verantwortlichkeit für das institutseigene Publikati-
onsorgan WWI-Mitteilungen an Prof. Dr. Bruno Gleitze abgegeben
hatte. 11) Gleitze, früher Professor an der Berliner Humboldt-
Universität, übernahm die Geschäftsführung des Instituts und lei-
tete es allein bzw. mit den Mitdirektoren Dr. Erich Potthoff und
Dr. Otto Kunze bis zu seiner Berufung als Wirtschaftsminister in
Nordrhein-Westfalen im Dezember 1966. Nach seinem Rücktritt vom
Ministeramt 1967 kehrte Gleitze dann bis zu seiner Pensionierung
Ende 1968 in die Geschäftsführung des WWI zurück. Nach der zwi-
schenzeitlich erfolgten Berufung von Dr. Heinz Markmann als WWI-
Direktor (mit Dr. Otto Kunze) hatte das WWI zeitweilig drei Di-
rektoren zur gleichen Zeit. Kunze schied 1969 aus Altersgründen
aus der Geschäftsführung aus und wurde durch den SPD-Bundestags-
abgeordneten Dr. Friedhelm Farthmann ersetzt, der seinerseits
wiederum 1975 zum Arbeits- und Sozialminister in Nordrhein-West-
falen berufen wurde und für den Dr. Wolfgang Spieker in die WSI-
Geschäftsführung eintrat. Markmann und Spieker leiten das Insti-
tut gegenwärtig.
Im Verlauf der letzten dreißig Jahre hat sich das WWI, das Ende
1971 in "Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut des
DGB" (WSI) umbenannt wurde, in der Zusammensetzung seiner Mitar-
beiter und seiner Aufgabenstellung grundlegend verändert. Bilde-
ten am Ende der vierziger und in den fünfziger Jahren nur einige
wenige Wissenschaftler den Mitarbeiterstamm des Instituts, so wa-
ren Anfang 1979 neben den beiden Geschäftsführern 28 wissen-
schaftliche Mitarbeiter im WSI beschäftigt.
Im Mittelpunkt der Tätigkeit des WSI steht die wissenschaftliche
Beratung der Abteilungen der Bundesvorstands-Verwaltung des DGB
und der Einzelgewerkschaften, die - wie es im letzten Tätigkeits-
bericht des WSI heißt - "schätzungsweise zwei Drittel der Kapazi-
tät des WSI... in Anspruch" nimmt. 12) In der Satzung des WSI
(Fassung vom 4.3.1974) 13) heißt es zum Zweck des Instituts: - 1.
Zweck des WSI sind eigene Forschungen im Bereiche der Wirt-
schafts- und Sozialwissenschaften, der Zukunftsforschung und des
Umweltschutzes; Beteiligung an inner- und außerdeutschen For-
schungsvorhaben, insbesondere Untersuchungen und Enqueten; Ertei-
lung von Forschungsaufträgen; Förderung des wissenschaftlichen
Nachwuchses; Erstattung von Gutachten; Herausgabe von Publikatio-
nen , insbesondere einer wissenschaftlichen Zeitschrift. - 2. Das
WSI hat die ihm übertragenen Aufgaben in eigener wissenschaftli-
cher Verantwortung durchzuführen und ist im Rahmen seiner wissen-
schaftlichen Tätigkeit an Weisungen nicht gebunden." (§2) Finan-
ziert wird die Arbeit des WSI durch Zuschüsse und Spenden, Gewinn
wird nicht erstrebt. (§ 3) Das WSI wird als Gesellschaft mit be-
schränkter Haftung (GmbH) - Gesellschafter sind die gemeinwirt-
schaftlichen Unternehmen Neue Heimat, Bank für Gemeinwirtschaft,
Volksfürsorge sowie die Vermögensverwaltungs- und Treuhandgesell-
schaft des DGB - von einem Kuratorium kontrolliert. Dieses be-
steht aus den Mitgliedern des DGB-Bundesvorstandes und kann wei-
tere Mitglieder kooptieren. Vorsitzender des Kuratoriums ist der
DGB-Vorsitzende (§ 7 der Satzung). Das Kuratorium berät den Haus-
halt des Instituts, schlägt die Geschäftsführer vor und prüft
Jahresabschluß, Geschäftsbericht und wissenschaftliche Tätig-
keitsberichte (§ 8 der Satzung). Das WSI ist in drei Forschungs-
bereiche gegliedert:
- K o n j u n k t u r- u n d S t r u k t u r f o r s c h u n g
mit den Schwerpunkten Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung/
Statistik/EDV (R. Görlich), Investitions- und Konzentrations-
forschung (Dr. R. Jordan), Konjunkturforschung/Arbeitsmarkt-
politik (Dr. H. Küchle, B. Mülhaupt, G. Müller, H. Seifert), Un-
ternehmens- und Branchenanalysen/Beratung von Beschäftigtenver-
tretern in Unternehmen (I. Scheibe-Lange, G. Volkmann), Raumord-
nung/Regionale Strukturpolitik (W. Schneider);
- V e r t e i l u n g s f o r s c h u n g mit den Schwerpunkten
Einkommensverteilung, -entwicklung und -politik (M. Piecha, R.
Welzmüller), Finanz- und Steuerpolitik/Staatstätigkeit (C. Schä-
fer, H. Tofaute), Gesundheits-, Sozial-, Frauen- und Familienpo-
litik (G. Bäcker, W. Mudra, E. Standfest), Tarifanalysen/Tarif-
archiv (G. Gerlach);
- G e s e l l s c h a f t s p o l i t i k mit den Schwerpunkten
Gewerkschaftliche Grundsatzfragen/Arbeits- und Wirtschafts-
recht/Mitbestimmung (Dr. G. Leminsky, U. Briefs, U. Sieling-Wen-
deling, Dr. U. Zachert), Personalplanung/betriebliche Beschäfti-
gungspolitik (Dr. H. Kohl), Bildungspolitik (Dr. D. Görs), Indu-
striesoziologie/Arbeitsbedingungen/"Humanisierung der Arbeit" (M.
Helfert, G. Trautwein-Kalms), Europäische Gewerkschafts- und Ge-
sellschaftspolitik (W. Lecher), Gewerkschaftstheorie und -pra-
xis/Parteien- und Verbändeforschung (D. Ferner), Wissenschafts-
und Forschungspolitik (U. Mertes).
Diese gegenwärtige Struktur des WSI besteht seit Anfang 1972,
also seit der Umbenennung des WWI in WSI.
In einer Betriebsvereinbarung zwischen Geschäftsführung und Be-
triebsrat wurde die neue Organisationsstruktur des Instituts
festgelegt, die Beschäftigten und Betriebsrat "wesentliche Mitbe-
stimmungsrechte in arbeitsorganisatorischen und forschungspoliti-
schen Fragen" 14) einräumt. Mit der Neuorganisation wurden die
Abteilungsleiter abgeschafft, um "sowohl die demokratische Wil-
lensbildung zu gewährleisten als auch die Effektivität der Insti-
tutsarbeit zu erhöhen". 15) Statt dessen wählen die Mitglieder
der Forschungsbereiche einen Forschungsbereichssprecher, der im
Rahmen der Beschlüsse der Forschungsbereichsbesprechung die koor-
dinierenden Funktionen im Forschungsbereich wahrnimmt und den
Forschungsbereich im Institutsrat vertritt. Mitglieder des Insti-
tutsrats sind die Geschäftsführung, die Forschungsbereichsspre-
cher und Mitglieder des Betriebsrats. Er ist an den Beratungen
und Entscheidungen über alle Angelegenheiten des WSI beteiligt.
In regelmäßigen Versammlungen der wissenschaftlichen Referenten
werden alle wissenschaftlichen und forschungspolitischen Fragen
diskutiert und beraten. 16)
Mitarbeiter des Instituts waren und sind an der Tätigkeit vieler
nationaler und internationaler Institutionen beteiligt, darunter
auf nationaler Ebene in der Kommission für wirtschaftlichen und
sozialen Wandel, in der Konzertierten Aktion, im Wissenschafts-
rat, im Rationalisierungs-Kuratorium der Deutschen Wirtschaft, im
Außenhandelsbeirat und Kohlebeirat des Bundeswirtschaftsmini-
steriums, in Beirat und Fachausschüssen des Statistischen Bundes-
amtes, in kirchlichen Institutionen sowie im Programm "Humani-
sierung der Arbeit" und im ad-hoc-Ausschuß - Technische Kommu-
nikation" beim Bundesministerium für Forschung und Technologie.
17) In der Vergangenheit wirkte das WWI/WSI in weiteren
nationalen Institutionen wie dem Forschungsbeirat für Fragen der
Wiedervereinigung Deutschlands, in REFA-Fachausschüssen, in der
Gesellschaft für Zukunftsfragen und in der Kommission zur
Neuordnung des beruflichen Schulwesens in Nordrhein-Westfalen
mit. 18)
Die Mitarbeit des WSI in inter- und übernationalen Gremien und
Institutionen konzentriert sich gegenwärtig auf die EG und hier
vor allem auf die Generaldirektion Soziale Angelegenheiten sowie
Wirtschaft und Finanzen. Mitarbeiter des WSI waren ebenfalls an
Arbeiten von Fachgremien und des gewerkschaftlichen Beratungsaus-
schusses der OECD beteiligt. Intensive Kontakte pflegt das WSI zu
den internationalen Gewerkschaftsorganisationen EGB und IBFG. 19)
Ferner sind das Institut oder einzelne Mitarbeiter des Instituts
Mitglieder einer Reihe von nationalen und internationalen wissen-
schaftlichen Vereinigungen wie der Arbeitsgemeinschaft Deutscher
Wirtschaftswissenschaftlicher Forschungsinstitute, der Arbeitsge-
meinschaft Sozialwissenschaftlicher Institute, der Agrarsozialen
Gesellschaft, der Gesellschaft für Wirtschafts- und Sozialwissen-
schaft (Verein für Sozialpolitik), der Deutschen Statistischen
Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Friedens- und Kon-
fliktforschung, der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler usw.
20)
Darüber hinaus pflegt das WSI mehr oder weniger intensive Verbin-
dungen zu in- und ausländischen Organisationen, Institutionen und
Einzelpersonen, unter anderem auch aus sozialistischen Ländern.
Das WSI verfügt über eine B i b l i o t h e k mit einem Bestand
von ca. 40 000 Titeln aus dem weiteren Bereich der Wirtschafts-
und Sozialwissenschaften sowie zur Zeit 365 Zeitschriften aus dem
In- und Ausland. Das Institut stellt auch auswärtigen Interessen-
ten Arbeitsmöglichkeiten in der Bibliothek zur Verfügung. Mit der
Bibliothek und dem Archiv des DGB-Bundesvorstandes, die im Ge-
bäude des WSI untergebracht sind, besteht enger Kontakt.
Die Arbeitsergebnisse des WSI werden u.a. durch V e r-
ö f f e n t l i c h u n g e n nach außen getragen . Wichtigstes
Publikationsorgan des Instituts ist seine im 32. Jahrgang
erscheinende Monatszeitschrift WSI-Mitteilungen (Früher: Mittei-
lungen des WWI), die redaktionell betreut wird von H. Tofaute, R.
Jordan, W. Lecker und D. Langenbrinck. In den WSI-Mitteilungen
kommen auch externe Autoren, vor allem aus dem Universitäts- und
Gewerkschaftsbereich und der Politik zu Wort. Im Gegensatz zu
früheren Jahren sind die WSI-Mitteilungen seit einiger Zeit dazu
übergegangen, häufiger Hefte zu Schwerpunktthemen (z.B. zur Sozi-
alpolitik, Forschungspolitik, Arbeitsmarktpolitik, Berufsbildung,
"Humanisierung der Arbeitswelt") zu veröffentlichen. Die WSI-Mit-
teilungen erreichen eine Auflage von durchschnittlich ca. 6000
Exemplaren, von denen mehr als 4000 im Abonnement vertrieben wer-
den. Adressaten der WSI-Mitteilungen sind die Gewerkschaften (ca.
1600 Abonnements), Schulen, Universitäten, Parteien (ca. 1700
Abonnements), Einzelbezieher (ca. 1100 Abonnements, davon fast
zwei Drittel an Studenten) und Buchhandlungen.
Überdurchschnittlich starke Verbreitung erfuhren die beiden Son-
derhefte der WSI-Mitteilungen "Gewerkschaftsstaat oder Unterneh-
merstaat" (1976/77), die Auflagen von ca. 45 000 bzw. 13 000 er-
zielen konnten. 21)
Neben den WSI-Mitteilungen gibt das Institut die WSI-Studien zur
Wirtschafts- und Sozialforschung in unregelmäßigen Abständen her-
aus. Kennzeichen der WSI-Studien, von denen bisher 38 Bände er-
schienen sind, sind u.a. "der kooperative und interdisziplinäre
Ansatz sowie die Orientierung an gewerkschaftlichen und gesell-
schaftlichen Interessen", 22) Sie sind Veröffentlichungen für
Spezialisten der jeweiligen Fachgebiete. Ihre Auflagenhöhe
(einschließlich Zweitauflagen) liegt in letzter Zeit bei ca. 3200
Exemplaren und konnte gegenüber früheren Jahren erheblich gestei-
gert werden.
Das WSI veröffentlicht zur aktuellen Information von Wirtschafts-
redaktionen, Presseagenturen, Fernsehen und Rundfunk und anderen
interessierten Fachstellen I n f o r m a t i o n s d i e n s t e
u.a. zur Konjunktur-, Preis-und Lohnentwicklung. Mitarbeiter des
WSI veröffentlichen darüber hinaus Bücher (in der Regel im ge-
werkschaftseigenen Bund-Verlag, Köln, und in der - vom DGB inzwi-
schen verkauften - Europäischen Verlagsanstalt, Köln-Frank-
furt/M.) und Aufsätze (z.B. in den "Gewerkschaftlichen Monatshef-
ten", Köln) außerhalb der WSI-Publikationsorgane.
II. Veränderung der Forschungsgebiete und Arbeitsschwerpunkte
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Im Verlauf seiner mehr als dreißigjährigen Existenz haben sich
die Arbeits- und Forschungsschwerpunkte des WSI entsprechend der
Veränderung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhält-
nisse und den daraus resultierenden Anforderungen der Gewerk-
schaften gewandelt.
Das WWI war in den ersten Nachkriegsjahren stark in die Entwick-
lung programmatischer und reformpolitischer Konzeptionen des im
Aufbau befindlichen DGB einbezogen. Insbesondere wurden von Wis-
senschaftlern des WWI programmatische Vorstellungen zur Wirt-
schaftsführung und zur Mitbestimmung erarbeitet, die in die Neu-
ordnungsdiskussionen der unmittelbaren Nachkriegszeit eingeflos-
sen sind. Daneben beschränkte sich die Arbeit des Instituts auf
die Beobachtung und Kommentierung der wirtschaftlichen Lage und
der Lebensverhältnisse der Arbeiter und Angestellten.
Mit dem Beginn der fünfziger Jahre zeichnete sich ein Wandel ab,
der auch auf die veränderten politischen Verhältnisse in der Bun-
desrepublik zurückzuführen ist. Mit der Regierungsübernahme der
CDU/CSU und einiger anderer bürgerlichen Parteien, der in den
Grundzügen schon vollzogenen Restauration kapitalistischer Eigen-
tums- und Machtverhältnisse und dem raschen Wiederaufbau der
westdeutschen Wirtschaft unter dem Leitbild der "sozialen Markt-
wirtschaft" schwanden die Chancen zur parlamentarischen Durchset-
zung alternativer ordnungspolitischer Vorstellungen für die Ge-
werkschaftsbewegung. Mit Ausnahme der Mitbestimmung gab es kaum
noch ein gesellschaftspolitisch relevantes Feld, auf dem das WWI
weitertreibende theoretische Forschungen vorlegte. Die Instituts-
arbeit konzentrierte sich in dieser Periode fast vollständig auf
die Beobachtung und Kommentierung der wirtschaftlichen und sozia-
len Entwicklung in der Bundesrepublik. Dieser Prozeß der Be-
schränkung der Institutsarbeit auf pragmatische Tagesfragen der
Politik korrespondierte in gewisser Weise mit einer entsprechen-
den gesellschaftspolitischen Orientierung und Politik des DGB und
der meisten Einzelgewerkschaften, wie sie sich etwa im DGB-Akti-
onsprogramm von 1955 ausdrücken. 23) G. Leminsky faßt die wissen-
schaftliche Arbeit des WWI in dieser Periode kritisch zusammen:
"Methodenfragen, die statistischen Grundlagen der Wirtschafts-
und Sozialforschung und inhaltliche Probleme wie Konjunktur, Ar-
beitsmarkt, berufliche Bildung, Agrarwirtschaft, Wohnungsbau, En-
ergie usw. wurden in Einzelreferaten, die zu verschiedenen Abtei-
lungen zusammengefaßt waren, mehr fachwissenschaftlich denn ge-
werkschaftspolitisch behandelt. Der Fachreferent hatte zwar je
nach Aufgabengebiet und persönlichen Neigungen auch Verbindungen
zum DGB und den Einzelgewerkschaften, doch war ein wirklicher Ar-
beitsverbund nur in wenigen Fällen gegeben, und er war auch nicht
erforderlich. Es gab kaum eine gewerkschaftliche Politik mit der
Anforderung, politische Konzepte mit wissenschaftlichen Methoden
zu fundieren. Die Referenten, durchweg Ökonomen, unterschieden
sich in ihrem Denken und ihren Orientierungen kaum von denen an-
derer wirtschaftswissenschaftlicher Fachinstitute." 24)
Die Institutsarbeit blieb in dieser Periode von den Auswirkungen
des Kalten Krieges nicht unberührt. Mit der Illegalisierung und
Kriminalisierung der Kommunisten in der Bundesrepublik wurden
nicht nur marxistisches Denken, sondern auch linkssozialistische
und andere fortschrittliche Ansätze zur Politik vollends an den
Rand gedrängt. Dies läßt sich nach der Entfernung Agartz' aus dem
Gewerkschaftsapparat und den sozialdemokratischen und gewerk-
schaftlichen Publikationsorganen besonders deutlich etwa an Ver-
öffentlichungen in den WWI-Mitteilungen ablesen. Gleichzeitig
verstärkte das WWI in seiner Zeitschrift die - in aller Regel von
antikommunistischen Vorurteilen geprägte und bisweilen in Unter-
gangsprognosen gipfelnde - Berichterstattung über die ökonomische
und soziale Lage in der DDR. Diese - wie sie bezeichnet wurde -
"mitteldeutsche Berichterstattung", deren Nestor B. Gleitze war,
wurde in größerem Umfang bis 1968/69 im WWI betrieben. 25) Die
gewandelten Erfordernisse der "neuen Ostpolitik" der SPD/FDP-Re-
gierung, das Ausscheiden Gleitzes aus der Spitze der WWI und eine
veränderte Schwerpunktsetzung in der Institutsarbeit ließen der-
artige Analysen aus den Spalten der WWI-Mitteilungen gänzlich
verschwinden. Zum letzten Mal erwähnt wird die DDR-Berichterstat-
tung im WWI-Tätigkeitsbericht für die Jahre 1966-1968. 26)
Seit Mitte der sechziger Jahre zeichnete sich eine gewisse Ände-
rung in der Institutsarbeit ab. Mit der Bildung der "Großen Ko-
alition" aus CDU/CSU und SPD 1966 und der Formulierung ihrer
"Neuen Wirtschaftspolitik" wurde nach der ersten schweren Nach-
kriegskrise in der Bundesrepublik die "Konzertierte Aktion" ein-
geführt. Im WWI-Tätigkeitsbericht für die Jahre 1966-1968 heißt
es hierzu: "Die Schlagworte Konzertierte Aktion, kurz- und mit-
telfristige Wirtschaftsprojektionen, mittelfristige Finanzpla-
nung, Sozialbudget charakterisieren die neuen Tatbestände, mit
denen sich das WWI in den vergangenen zweieinhalb Jahren ausein-
anderzusetzen hatte. Das Institut hatte schon seit langem und mit
ständig wachsendem Nachdruck eine rationale, einer reifen Volks-
wirtschaft angemessene Wirtschafts-, Sozial- und Gesellschaftspo-
litik gefordert. Die Versuche des Parlaments und der Bundesregie-
rung der Großen Koalition, derartige Politiken zu verwirklichen,
trafen das WWI also durchaus nicht unvorbereitet." 27) Das WWI
wurde in dieser Zeit verstärkt in die wissenschaftliche Beratung
der Gewerkschaftsführung im Zusammenhang mit der Konzertierten
Aktion einbezogen, WWI-Mitarbeiter wurden sogar in die Arbeits-
kreise "Einkommens- und Vermögensverteilung" und "Automation" der
Konzertierten Aktion berufen. Dazu heißt es im Rechenschaftsbe-
richt: "Das WWI kann mit Befriedigung feststellen, daß es den
neuen Anforderungen durchaus gewachsen ist." 28)
Diese Einbeziehung auch von Teilen der Arbeitskapazitäten des WWI
in den staatlichen Wirtschaftsregulierungsapparat führte im In-
stitut zu Akzentverlagerungen in der wissenschaftlichen Arbeit,
engeren Kontakten mit der DGB-Führung und zur stärkeren Einbin-
dung in die gewerkschaftliche Arbeit überhaupt. 29)
Gleichzeitig führten die im Gefolge der Krise deutlich gewordenen
strukturellen Wirtschaftsprobleme und die Rationalisierung zu
neuen Überlegungen im Bereich der Mitbestimmungsdiskussion, die
nunmehr zusehends auf den überbetrieblichen Bereich ausgedehnt
wurde. Auch wurden in stärkerem Maße als bisher Studien zur Ver-
änderung von Arbeitsanforderungen, -tätigkeiten und -quali-
fikationen im Gefolge von Rationalisierung und technischem
Wandel, die später dann in eine umfassendere Beschäftigung mit
Problemen der "Humanisierung der Arbeit" einmündeten, durchge-
führt. 30) Ferner rückte erneut die "Vermögensbildung", zu der
das WWI bereits vorher Arbeiten vorgelegt hatte, in das Blickfeld
der Institutsarbeit 31) und 1968 wurde ein sozialpolitischer Be-
raterkreis zur Auswertung der Sozialenquete der Bundesregierung
gebildet.
Eine neue Etappe der Institutsarbeit begann mit dem Ende der
sechziger Jahre. Die mit der Bildung der SPD/FDP-Regierung ver-
breiteten Reformerwartungen hatten auch auf den DGB übergegrif-
fen. Der Bildung einer gesellschaftspolitischen Abteilung beim
DGB Bundesvorstand 1969 folgte auch im WWI eine stärkere Beschäf-
tigung mit sozialwissenschaftlichen Aspekten der Wirtschafts- und
Gesellschaftspolitik. Dies führte dazu, daß am Ende einer länge-
ren Diskussion das WWI Ende 1971 in WSI umbenannt und die Ar-
beitsstrukturen im Institut verändert wurden. Im Zusammenhang mit
der stärkeren Betonung des sozialwissenschaftlichen Elements in
der Tätigkeit des WSI ist auch die starke Betonung der Arbeits-
felder "Zukunftsforschung" und "Umweltgestaltung" zu sehen. Im
Tätigkeitsbericht für die Jahre 1969-1971 heißt es dazu: "Bisher
befaßte sich die Sozialforschung generell zu wenig systematisch
mit der Zukunft. Allenfalls wurden verhältnismäßig globale Pro-
gnosen über fünf bis zehn Jahre aufgestellt. Entscheidungen in
einzelnen Bereichen wurden im allgemeinen kaum im Hinblick auf
ihre Wechselbeziehungen mit Entwicklungen und Entscheidungen in
anderen Bereichen systematisch analysiert. (...) Aufgabe der Zu-
kunftsforschung ist es, die empirischen und theoretischen Grund-
lagen langfristiger politischer Konzeptionen für die verschie-
denen Lebensbereiche zu erarbeiten und vor allem die gesell-
schaftspolitischen Implikationen solcher Konsequenzen aufzuzei-
gen. Zukunftsforschung kann die politisch wirksamste unter allen
Wissenschaften sein. Deshalb dürfen die Gewerkschaften sie weder
den persönlichen Neigungen einzelner Wissenschaftler noch den
privatwirtschaftlichen Interessen allein überlassen." 32)
Die aus diesen Ausführungen sprechende Überschätzung des Werts
einer - auch nicht näher definierten - "Zukunftsforschung" zeigte
sich in der praktischen Arbeit des WSI dann auch sehr bald. Be-
reits im nächsten Tätigkeitsbericht des WSI heißt es dazu: "Es
zeigte sich aber, daß die Analyse von längerfristigen Entwicklun-
gen und Aufgaben nicht als eigenständiges Forschungsobjekt anzu-
sehen ist; vielmehr sind diese Aspekte bei allen, auch bei den
schon früher im Institut verfolgten Schwerpunkten zu behandeln."
33)
In der ersten Hälfte der siebziger Jahre wurde die Institutsar-
beit stärker als bisher auf die unmittelbaren Bedürfnisse der Ge-
werkschaften ausgeweitet. "Die wissenschaftliche Fundierung der
gewerkschaftlichen Politik wurde für die Diskussion nach innen
und außen wichtiger und das Institut gewann im Vorfeld politi-
scher Entscheidungen bei der Diskussion um die Begründung unter-
schiedlicher Alternativen ein schärferes Profil." 34) Mit dieser
Entwicklung korrespondierte das stärkere Übergehen der Instituts-
arbeit auf interdisziplinäre Projekte, also das Abgehen von
streng einzelwissenschaftlichen Betrachtungsweisen einzelner Pro-
bleme. Beispiele hierfür sind etwa die Veröffentlichungen einer
WSI-Projektgruppe "Grundelemente einer Arbeitsorientierten Ein-
zelwirtschaftslehre" (1974), in der die herkömmlichen betriebs-
wirtschaftlichen Entscheidungsmodelle auf ihre Eignung zur Durch-
setzung arbeitsorientierter Interessen hin überprüft werden 35),
und die bereits 1971 abgeschlossene, inzwischen mehrfach aufge-
legte Studie einer Autorengruppe "Die Gesundheitssicherung in der
Bundesrepublik Deutschland. Analyse und Vorschläge zur Reform",
die in der gesundheitspolitischen Diskussion bis heute eine wich-
tige Rolle spielt. 36)
Beschränkte sich die Arbeit des WSI in der ersten Hälfte der
siebziger Jahre wesentlich auf die wissenschaftliche Fundierung
der Gewerkschaftspolitik, ohne in der Regel Wege der Umsetzung
erarbeiteter Forderungen zu benennen, so zeichnet sich seit der
Krise von 1974/75 eine stärkere Betonung von Durchsetzungsstrate-
gien in den Arbeiten des WSI ab. Leminsky meint, seit der Krise
habe sich abgezeichnet, "daß die Hoffnung auf die Umsetzung der
gewerkschaftlichen Reformpolitik über die politischen Parteien,
zumal über die Sozialdemokraten, durch die Diskussion um ein
neues Mitbestimmungsgesetz schwer erschüttert wurde". 37) Die Ge-
werkschaften hätten erkannt, daß strukturelle Unterschiede zwi-
schen den Aufgaben von Parteien und Gewerkschaften existierten
und "daß keine Seite die andere, insbesondere bei einer Koali-
tion, überlasten darf". 38)
Diese Erkenntnis habe notwendigerweise "zu einer größeren Besin-
nung auf die eigene Kraft, auf die autonome Durchsetzung gewerk-
schaftlicher Forderungen mit gewerkschaftlichen Machtmitteln" 39)
geführt. Probleme der Tarifpolitik, von Streik und Aussperrung
gewannen damit eine neue Dimension. In Verbindung mit der seit
1975 anhaltenden Massenarbeitslosigkeit und ökonomischen Stagna-
tionstendenzen, die mit den herkömmlichen Mitteln der Wirt-
schaftspolitik offenbar nicht mehr zu lösen sind, stellten sich
neue Aufgaben für die Gewerkschaften und an die Arbeit des WSI:
"Es konnte nun nicht mehr nur um die Ausarbeitung, die Begründung
und die wechselseitige Vereinbarkeit gewerkschaftlicher Forderun-
gen gegenüber dem Staat gehen. Gleichzeitig mußte geprüft werden,
welche Möglichkeiten der Umsetzung dieser Forderungen durch die
Gewerkschaften selbst gegeben sind, im Bereich der Arbeitsmarkt-
politik etwa durch die Betriebsräte, die Mitbestimmungsträger auf
Unternehmensebene, durch tarifpolitische Ansätze oder durch die
Selbstverwaltung im Rahmen der Bundesanstalt für Arbeit." 40) Ge-
sellschaftspolitische Zielsetzungen mußten damit auch in der Ar-
beit des Instituts auf konkretere Problemstellungen bezogen wer-
den.
Im Ergebnis konnte das WSI insbesondere in den Bereichen der Ar-
beitsgestaltungs-, Beschäftigungs- und Sozialpolitik in den letz-
ten Jahren wissenschaftliche Analysen vorlegen, die realistische
Durchsetzungsstrategien aufzeigten. 41) Es wurde deutlich, daß
diese Problembereiche besser und realitätsnäher in Kooperation
mit gewerkschaftlichen und betrieblichen Praktikern behandelt
werden können. "Ohne Aufgabe des wissenschaftlichen Anspruchs
müssen Lösungen nicht nur aus Diskussionen unter Wissenschaft-
lern, sondern aus Wissenschaft in Verbindung mit vielfältigen un-
mittelbaren Praxisbezügen entwickelt werden. Die praktische Be-
deutung von Vorschlägen, die aus einem solchen Arbeitsverbund
entwickelt werden, ist unvergleichlich viel größer als eine nur
literaturmäßig-theoretische Behandlung der Probleme, so wichtig
diese im Einzelfall auch sein mag." 42) Mehr als bisher also müs-
sen Experten aus den Einzelgewerkschaften und Betrieben in die
praktische Forschungsarbeit des WSI einbezogen werden: Wissen-
schaft soll nach diesem Selbstverständnis nicht mehr neben oder
für, sondern m i t den Gewerkschaften betrieben werden.
III. Gegenwärtige Arbeitsschwerpunkte
-------------------------------------
Nach diesem allgemeineren Überblick über die Entwicklung der For-
schungsschwerpunkte und -strategien des WSI sollen im folgenden
die wesentlichsten gegenwärtigen Arbeitsbereiche und Projekte des
WSI skizziert werden.
Auffällig ist bei der Durchsicht des letzten Tätigkeitsberichts
des WSI, daß die Zahl der forschungsbereichsübergreifenden und
projektbezogenen Arbeiten im Vergleich zu früheren Jahren erheb-
lich zugenommen hat und einen Schwerpunkt der Tätigkeit des In-
stituts ausmacht. 43)
Wichtige Projekte waren und sind:
- die Durchführung eines Forums über die "Integrierte medizini-
sche Versorgung. Notwendigkeit - Möglichkeiten - Grenzen" (1975)
44);
- die Durchführung eines Forums über die "Krise der ökonomischen
Theorie - Krise der Wirtschaftspolitik" (1977) 45);
- die Mitarbeit in der von der Bundesregierung eingesetzten
"Kommission für wirtschaftlichen und sozialen Wandel", die im Ja-
nuar 1977 nach sechsjähriger Arbeit ihren Schlußbericht vorgelegt
hat 46);
- die Auseinandersetzung mit antigewerkschaftlichen Ideologien
und Propaganda im Rahmen des Projekts "Gewerkschaftsstaat oder
Unternehmerstaat" 47);
- die Arbeit an einem "Handbuch der Unternehmensmitbestimmung"
für gewerkschaftliche Mitbestimmungsträger;
- die Durchführung eines vom Bundesministerium für Forschung und
Technologie im Rahmen des Aktionsprogramms "Forschung zur Humani-
sierung des Arbeitslebens" geförderten Projektes - Implikationen
des Regierungsprogramms zur Humanisierung der Arbeit für die Ar-
beitnehmer und ihre Gewerkschaften";
- die Analyse der betrieblichen Beschäftigungspolitik, Personal-
planung und Möglichkeiten der Einflußnahme über die Mitbestim-
mung. 48)
Die Arbeit an diesen forschungsbereichsübergreifenden Projekten
dauert zum Teil noch an. Die Ergebnisse wurden z.T. bereits ver-
öffentlicht und haben in der inner- und außergewerkschaftlichen
Diskussion oftmals eine wichtige Rolle gespielt. Insbesondere
gilt dies für die WSI-Vorstellungen über ein "System der inte-
grierten medizinischen Versorgung", die Sonderhefte
"Gewerkschaftsstaat oder Unternehmerstaat" der WSI-Mitteilungen
und die Studien zur "Humanisierung der Arbeit".
Neben diesen übergreifenden Projekten verfolgt das WSI innerhalb
der drei Forschungsbereiche "Konjunktur- und Strukturforschung",
"Verteilungsforschung" und "Gesellschaftspolitik" vor allem fol-
gende Schwerpunkte: 49)
Konjunktur- und Strukturforschung:
----------------------------------
- B e o b a c h t u n g u n d A n a l y s e d e r w i r t-
s c h a f t l i c h e n E n t w i c k l u n g u n d k o n-
j u n k t u r p o l i t i s c h e n D i s k u s s i o n. Hierzu
gehören die regelmäßig in den WSI-Mitteilungen veröffentlichten
Konjunkturberichte und -prognosen sowie die Auseinandersetzung
mit den Jahreswirtschaftsberichten der Bundesregierung und den
Jahresgutachten des Sachverständigenrates. In jüngster Zeit waren
und sind Mitarbeiter des WSI auch an der Erarbeitung alternativer
wirtschaftspolitischer Vorstellungen und -forderungen im Rahmen
der "Memorandum"-Gruppe beteiligt. 50) Zahlreiche Mitarbeiter des
WSI unterstützen die von dieser Gruppe von Wirtschafts-
wissenschaftlern vorgelegten Memoranden, allerdings - wie sich
nach der Vorlage des jüngsten Memorandums gezeigt hat - nicht
vorbehaltlos und in allen Punkten. 51)
- A r b e i t s m a r k t a n a l y s e n u n d A r b e i t s-
m a r k t p o l i t i k. 52) Hierzu gehören regelmäßige Analysen
der Arbeitsmarktentwicklung im Rahmen der Konjunkturbericht-
erstattung und die Schätzung der voraussichtlichen Arbeits-
marktentwicklung, auch von Teilbereichen des Arbeitsmarktes
(Branchen, Problemgruppen), die Erarbeitung von Konzeptionen und
die Diskussion beschäftigungspolitischer Maßnahmen zur Bekämpfung
der Arbeitslosigkeit (hierzu hat das WSI u.a. die Wirkungen
verschiedener Formen der Arbeitszeitverkürzung quantifiziert und
Durchsetzungsmöglichkeiten untersucht) sowie die Untersuchung der
Arbeitslosigkeit einzelner Beschäftigungsgruppen und die Aus-
einandersetzung mit verschiedenen Erklärungsansätzen für Arbeits-
losigkeit.
- G e l d p o l i t i k u n d B a n k e n m a c h t. Hierzu
gehören die Analyse der Auswirkungen, Tragweite und Grenzen der
"Neuorientierung" der Geldpolitik in der BRD seit 1974, die Be-
schäftigung mit der Macht der Banken und die Kritik am Bankensy-
stem in der BRD.
Verteilungsforschung:
---------------------
- A n a l y s e d e r E i n k o m m e n s v e r t e i l u n g
u n d E i n k o m m e n s p o l i t i k. Hierbei handelt es
sich um die Analyse und Kritik der aus der Volkswirtschaftlichen
Gesamtrechnung ableitbaren Daten zur funktionellen und personel-
len Einkommensverteilung in der Bundesrepublik. Das WSI geht da-
bei davon aus, daß es notwendig ist, "die Verteilungsfragen ver-
stärkt als eine Verteilung von Lebenslagen zu betrachten, d.h.
also möglichst alle Bedarfsdeckungsmöglichkeiten zu berücksichti-
gen, insbesondere aber die Versorgung mit öffentlichen Gütern und
Diensten". 53)
- T a r i f v e r t r a g s a n a l y s e n d e s T a r i f-
a r c h i v s. Das ständige Arbeitsprogramm des WSI-Tarifarchivs
umfaßt die regelmäßige Auswertung der Lohn- und Gehaltstarif-
verträge und sonstiger tarifvertraglicher Vereinbarungen (Urlaub,
Sonderzahlungen, vermögenswirksame Leistungen, Arbeitszeit) sowie
die Veröffentlichung der wichtigsten Ergebnisse und Veränderungen
in den WSI-Mitteilungen.
- V e r m ö g e n s v e r t e i l u n g u n d V e r m ö-
g e n s p o l i t i k, Das WSI unterstützt den DGB in der
vermögenspolitischen Diskussion und erarbeitet Stellungnahmen zur
überbetrieblichen und betrieblichen Vermögensbeteiligung. Insbe-
sondere hat es sich gegen diesbezügliche Vorhaben der Bundes-
regierung ausgesprochen.
- Ö f f e n t l i c h e F i n a n z e n, s t a a t l i c h e
A k t i v i t ä t. Angesichts des finanziellen Drucks auf die
öffentlichen Haushalte und den öffentlichen Dienst als Folge der
krisenhaften Wirtschaftsentwicklung untersuchte das WSI die
staatliche Finanzpolitik 54); Ergebnisse dieser Untersuchungen
flössen in die "Vorschläge des DGB zur Wiederherstellung der
Vollbeschäftigung" (1977) ein. Ferner befaßt sich das WSI mit der
Untersuchung allgemeiner Probleme des öffentlichen Dienstes und
insbesondere der Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen.
- S o z i a l- u n d G e s u n d h e i t s p o l i t i k. In
Anbetracht der Auswirkungen der Wirtschaftskrise und der wieder
einsetzenden Diskussion über die "Grenzen des Sozialstaats" ver-
sucht das WSI die kritische Analyse der herrschenden Sozialpoli-
tik voranzutreiben und gewerkschaftliche Gegenpositionen zu erar-
beiten, befaßt sich mit alten und "neuen" Konzepten gegen den
"Sozialstaat" und analysiert die Kostenentwicklung in der Sozial-
und Gesundheitspolitik. 55) Hierzu hat das WSI u.a. eine ausführ-
liche Studie "Sozialpolitik und Selbstverwaltung" (1977) vorge-
legt, in der die herrschenden sozialpolitischen Theorien und
Strategien analysiert und kritisiert sowie Vorschläge für die Re-
form der sozialen Selbstverwaltung unterbreitet werden. 56)
Gesellschaftspolitik:
- G r u n d s a t z f r a g e n g e w e r k s c h a f t l i-
c h e r P o l i t i k. Neben der Fundierung gewerkschaftlicher
programmatischer Vorstellungen beschäftigt sich das Institut mit
der Konkretisierung gewerkschaftlicher Mitbestimmungsforderungen
auf allen gesellschaftlichen Ebenen, den Wechselwirkungen von
Mitbestimmung, Tarifpolitik der Gewerkschaften sowie mit den
gesellschaftspolitischen Aspekten der Beschäftigungs-, Arbeits-
gestaltungs- und Technologiepolitik.
- A r b e i t s b e d i n g u n g e n, R a t i o n a l i s i e-
r u n g, "H u m a n i s i e r u n g d e r A r b e i t". Seit
der Münchner DGB-Konferenz "Humanisierung der Arbeit als gesell-
schaftspolitische und gewerkschaftliche Aufgabe" (1974) widmet
sich das WSI verstärkt den Problemen der Entwicklung der
Arbeitsbedingungen in der BRD. Im Bereich der Analyse der
Arbeitsbedingungen in der BRD lagen die wichtigsten Akzente des
WSI auf der Ausarbeitung und Konkretisierung gewerkschaftlicher
Forderungen, der Analyse ihrer sozioökonomischen Bedingungen, der
Bestimmung des Ausmaßes der gesundheitlichen Gefährdungen der
Lohnabhängigen und ihrer Entwicklung sowie der kritischen
Untersuchung der Orientierung der Arbeitswissenschaften bei der
Gestaltung von Arbeitssystemen. Auf allen diesen Gebieten wurden
von Mitarbeitern des WSI Studien vorgelegt, die richtungweisende
Anstöße für die weitere Beschäftigung mit diesen Problemen auch
für andere Wissenschaftler gaben. 57) Einen weiteren Schwerpunkt
bildete die Mitarbeit des WSI bei der Abwicklung des "Humani-
sierungs"-Programms der Bundesregierung und die Verfolgung seiner
Ergebnisse. Vertreter des WSI sitzen u.a. in zwei beratenden
Ausschüssen zur Betreuung des Forschungsprogramms. Die Mitarbeit
von WSI-Vertretern in diesen Gremien zur Steuerung und Beratung
staatlich geförderter Forschungspolitik hat das WSI bisher jedoch
nicht daran gehindert, sehr kritisch zur generellen Zielrichtung
des "Humanisierungs"-Programms Stellung zu beziehen. 58)
Neben allgemeinen Fragen der Entwicklung der Arbeitsbedingungen
und der "Humanisierung der Arbeit" beschäftigt sich das Institut
in den letzten Jahren verstärkt mit den Auswirkungen der Rationa-
lisierung auf den Angestelltenbereich. 59) In diesem Zusammenhang
unterstützte das WSI die zuständigen DGB-Gremien bei der Durch-
führung der "Angestellten-Aktion" des DGB.
- B e t r i e b l i c h e B e s c h ä f t i g u n g s p o l i-
t i k / P e r s o n a l p l a n u n g. In Ergänzung zu den im
Forschungsbereich "Konjunktur- und Strukturforschung" durchge-
führten Arbeiten zur Arbeitsmarktentwicklung und -politik führt
der Forschungsbereich "Gesellschaftspolitik" Studien zu einzel-
wirtschaftlichen Fragen der betrieblichen Beschäftigungspolitik
durch. Personalplanung, Qualifikationsentwicklung und -planung
sowie andere, auch tarifpolitische und mitbestimmungsrelevante
Fragen der betrieblichen Personal- und Beschäftigungspolitik ste-
hen dabei im Mittelpunkt. 60) In diesem Bereich ist das WSI auch
an empirischen Untersuchungen über die Praxis der Personalplanung
in verschiedenen Wirtschaftszweigen beteiligt.
- B i l d u n g s p o l i t i k, W i s s e n s c h a f t s-
u n d F o r s c h u n g s p o l i t i k. Unter diesem Schwer-
punkt befaßt sich das Institut vor allem mit Fragen des Bildungs-
urlaubs 61) und den Beziehungen zwischen Schule und Arbeitswelt
sowie mit der Analyse der Forschungspolitik in der Bundesrepublik
62) und der Ausarbeitung forschungspolitischer Vorstellungen der
Gewerkschaften. Durch seine Mitgliedschaft im Wissenschaftsrat
und in von verschiedenen Bundes- und Länderbehörden berufenen
Studienreformkommissionen versucht das Institut in enger Zusam-
menarbeit mit dem DGB die Neuregelung von Studiengängen an den
Hochschulen zu beeinflussen.
- E u r o p ä i s c h e G e w e r k s c h a f t s- u n d G e-
s e l l s c h a f t s p o l i t i k, E n t w i c k l u n g s-
p o l i t i k. Fragen der Internationalisierung von Kapital und
Arbeit behandelt das Institut im Zusammenhang mit der Analyse
multinationaler Konzerne und der Entwicklung gewerkschaftlicher
Strategien gegenüber den multinationalen Konzernen sowie den
Möglichkeiten zwischennationaler Gewerkschaftspolitik in West-
europa. Hinzu kommt die kontinuierliche Beobachtung und Analyse
der Gewerkschaftsbewegungen in anderen westeuropäischen Ländern,
insbesondere in Großbritannien und Italien. 63) Dagegen nehmen
entwicklungspolitische Fragestellungen einen nur geringen
Stellenwert in der Arbeit des WSI ein.
- R e c h t u n d M i t b e s t i m m u n g. Die Schwerpunkte
der Aktivitäten des WSI liegen in diesem Bereich auf dem Gebiet
des kollektiven Arbeitsrechts, des Verfassungs- und Unternehmens-
rechts sowie der Mitbestimmung. Insbesondere zum Tarifvertrags-
recht 64) und zum Arbeitskampfrecht 65) hat das Institut umfang-
reiche Arbeiten vorgelegt. Perspektivische Überlegungen zur Mit-
bestimmung werden vom WSI in enger Zusammenarbeit mit einer Ar-
beitsgruppe des DGB in der Projektgruppe "Unternehmensrecht" an-
gestellt.
IV. Bilanz und Perspektiven
---------------------------
Insgesamt zeigt sich bei einem Überblick über die Tätigkeit des
WSI in den letzten Jahren, daß die engere Zusammenarbeit mit ge-
werkschaftlichen und betrieblichen Praktikern und die Hinwendung
zu praxisrelevanten Fragestellungen, mit denen die Gewerkschaften
in ihrer täglichen Arbeit konfrontiert werden, zur Beschäftigung
mit Problemfeldern geführt hat, die im WSI in früheren Zeiten
nicht oder nur am Rande behandelt wurden. Dies gilt insbesondere
für gesellschaftspolitische Fragestellungen, besonders in den Be-
reichen Rationalisierung, "Humanisierung der Arbeit", betriebli-
che Personal- und Beschäftigungspolitik sowie für gesundheits-
und sozialpolitische Probleme. Dagegen scheint es, als ob gegen-
über dem fortgeschrittensten Diskussionsstand auf dem Gebiet der
Wirtschaftstheorie und Wirtschaftsanalyse Rückstände bestünden.
Die jüngst veröffentlichte kritische Stellungnahme zum 'Memo-
randum '79' 66) deutet an, daß dabei nicht nur methodologische
Erwägungen eine Rolle spielen, sondern daß die Notwendigkeit der
Konzipierung einer an den Interessen der Arbeiterklasse ori-
entierten alternativen Wirtschaftspolitik unter den gegenwärtigen
Bedingungen einen Diskussionsprozeß in Gang gesetzt hat, in dem
unterschiedliche theoretische und politische Positionen wirksam
sind.
Auch künftig sollen die in den letzten Jahren ausgebauten Ar-
beitsschwerpunkte Rationalisierung und ihre Folgen, Beschäfti-
gung, Qualifikation und Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt der Ar-
beit des WSI stehen. Verbunden werden soll die Behandlung dieser
Problembereiche mit der Erarbeitung entsprechender Durchsetzungs-
strategien für diese Forderungen, was auf die Notwendigkeit hin-
weist, sich stärker als bisher auf die eigene Kraft der Gewerk-
schaften und ihre Mobilisierung zu orientieren. Dies bedeutet im
Selbstverständnis des WSI nicht, daß damit auf Alternativen und
Forderungen auf der staatlichen Ebene verzichtet werden könnte.
67)
Verfolgt man die Tendenz der WSI-Veröffentlichungen der jüngsten
Zeit, so wird ersichtlich, daß man sich in Zukunft offensichtlich
auch den Problemen der Technologie-, Umwelt- und Strukturpolitik
verstärkt zuwenden wird.
Die Bindung an die gewerkschaftliche Organisation bedeutet für
das WSI nicht den Verzicht auf die Eigenständigkeit in der Ent-
wicklung von Forschungsstrategien und im Ausbau von Kooperationen
zum universitären Bereich. Hier eröffnet sich den Aktivitäten des
WSI ein weites Feld.
_____
1) Siehe z.B. R. Sorg (Hrsg.), Kooperation zwischen Gewerkschaf-
ten und Hochschulen. Köln 1978; IG Chemie-Papier-Keramik (Hrsg.),
Kooperations-Handbuch für die Zusammenarbeit von Gewerkschaft und
Hochschule. Hannover 1977; H. O. Vetter, Was erwarten die Gewerk-
schaften von den Hochschulen? In: Blätter für deutsche und inter-
nationale Politik 8/1977, S. 969"981; H.-D. Bamberg/H.J. Krö-
ger/R. Kuhlmann, Arbeitnehmerinteressen, Wissenschaft und Hoch-
schulen. In: WSI-Mitteilungen 12/1978, S. 667-678; J. Frerichs/W.
Lieb, Entwicklungsstufen und Erfahrungen in der Kooperation zwi-
schen Arbeitnehmern und Wissenschaftlern in der Hochschulfor-
schung. In: WSI-Mitteilungen 12/1978, S. 678-687.
2) Siehe dazu V. Adam, Untersuchung über Unternehmereinflüsse auf
die Hochschulforschung. Bielefeld 1978 (Universität Bielefeld,
Projekt "Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitnehmer als Ge-
genstand der Hochschulforschung", Arbeitsmaterial Nr. 3).
3) Siehe dazu N. Trautwein, Gewerkschaften und Forschungspolitik.
In: WSI-Mitteilungen 12/1978, S. 706-717.
4) Die im folgenden angeführten Daten und Fakten sind, wenn nicht
anders gekennzeichnet, den regelmäßig veröffentlichten Tätig-
keitsberichten des WWI bzw. WSI entnommen; siehe dazu WWI, Tätig-
keitsbericht 1966-1968. Düsseldorf o.J. (1969); WSI, Tätigkeits-
bericht 1969-1971. Düsseldorf o.J. (1972); WSI, Tätigkeitsbericht
1972-1974. Düsseldorf o.J. (1975); WSI, Tätigkeitsbericht 1975-
1977. Düsseldorf o.J. (1978). - Einen Überblick über Geschichte
und Arbeitssschwerpunkte des WSI gibt auch G. Leminsky, Wissen-
schaft und Gewerkschaftspolitik - Das Beispiel WSI. In: WSI-Mit-
teilungen 12 /1978, S. 687-692.
5) Zu V. Agartz' Leben und Wirken siehe näher H.-G. Hermann, Ver-
raten und verkauft. Fulda 1958; W. Abendroth, Ein Leben in der
Arbeiterbewegung. Frankfurt/M. 1977 (2. Aufl.), S. 224 ff.; F.
Deppe, Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) 1949-1965. In: F.
Deppe/G. Fülberth/J. Harrer (Hrsg.), Geschichte der deutschen Ge-
werkschaftsbewegung. Köln 1977, S. 366 ff.; V. Gransow/M. Krätke,
Viktor Agartz - Gewerkschaften und Wirtschaftspolitik. Berlin
(West) 1978, S. 9ff.; V. Agartz, Gewerkschaft und Arbeiterklasse.
München 1971.
6) Hiervon bildet der ansonsten informative und auch durchaus
(selbst-) kritische Bericht von Leminsky (a. a. O.) leider keine
Ausnahme.
7) Siehe dazu näher Krätke/Gransow, a. a. O., S. 24 ff.
8) V. Agartz, Wirtschafts- und Steuerpolitik. Grundsätze und Pro-
gramm des DGB. In: Protokoll des 3. ord. Bundeskongresses in
Frankfurt/M. vom 4. bis 9. Oktober 1954. Frankfurt/M. o.J.
(1954), S. 423-468.
9) Abendroth, a. a. O., S. 224.
10) Angeblich aus Verbitterung über den "Radikalmarxismus" des
DGB wurde im Oktober 1955 eine "Christliche Gewerkschaftsbewegung
Deutschlands" gegründet. - Vgl. dazu Gransow/Krätke, a.a.O., S.
14.
11) Agartz gründete Anfang 1956 die Zeitschrift WISO, wurde spä-
ter verhaftet und wegen "landesverräterischer Beziehungen" zur
DDR angeklagt. Agartz wurde später wegen erwiesener Unschuld
freigesprochen. - Vgl. dazu näher ebenda, S. 14 f.; ferner Abend-
roth, a.a.O., S. 229 ff.
12) WSI, Tätigkeitsbericht 1975-1977, a.a.O., S. 5.
13) Siehe ebenda, S. 120-123.
14) WSI, Tätigkeitsbericht 1969-1971, a.a.O., S. 7.
15) Ebenda.
16) Vgl. ebenda.
17) Vgl. WSI, Tätigkeitsbericht 1975-1977, a.a.O., S. 113.
18) Vgl. WWI, Tätigkeitsbericht 1966-1968, a.a.O., S. 87; WSI,
Tätigkeitsbericht 1969-1971, a.a.O., S. 63.
19) Vgl. WSI, Tätigkeitsbericht 1975-1977, a.a.O., S. 113.
20) Vgl. ebenda, S. 114.
21) Vgl. ebenda, S. 25 ff.
22) Ebenda, S. 27.
23) Siehe dazu F. Deppe, a.a.O., S. 365 f.
24) Leminsky, a.a.O., S. 688.
25) Siehe z.B. B. Gleitze, Sowjetzonenwirtschaft in der Krise.
Köln 1962 (2. Aufl.) (WWI-Studie 2); H. Buck/D. Schröder, Woh-
nungsbau und Wohnungsbaufinanzierung in der Sowjetzone (SBZ).
Köln 1965 (WWI-Studie 11).
26) Siehe WWI, Tätigkeitsbericht 1966-1968, a.a.O., S. 73 f.
27) Ebenda, S. 5.
28) Ebenda. S. 7.
29) Vgl. Leminsky, a.a.O., S. 688.
30) Siehe dazu 2. B. A. Sturmthal, Amerikanische Forschungsarbei-
ten über Automation und Arbeitsbeziehungen (Industrial Relati-
ons). Köln 1963 (WWI-Studie 5); G. Leminsky/M. Helfert, Der Wan-
del der Arbeitsanforderungen bei technologischen und organisato-
rischen Änderungen. Theoretische und methodische Probleme. Köln
1970 (WWI-Studie 19).
31) Siehe z.B. B. Gleitze, Sozialkapital und Sozialfonds als Mit-
tel der Vermögenspolitik. Köln 1969(2. Aufl.) (WWI-Studie 1).
32) WSI, Tätigkeitsbericht 1969-1971, a. a. O., S. 5.
33) WSI, Tätigkeitsbericht 1972-1974, a. a. O., S. 60.
34) Leminsky, a. a. O., S. 690.
35) Siehe Projektgruppe des WSI, Grundelemente einer Arbeitsori-
entierten Einzelwirtschaftslehre. Köln 1974 (WSI-Studie 23); WSI-
Forum, Arbeitsorientierte Einzelwirtschaftslehre contra Kapitalo-
rientierte Betriebswirtschaftslehre. Köln 1974 (WSI-Studie 24).
36) Siehe E. Jahn u.a., Die Gesundheitssicherung in der Bundesre-
publik Deutschland. Analyse und Vorschläge zur Reform. Köln 1973
(3. Aufl.) (WSI-Studie 20).
37) Leminsky, a.a.O., S. 690.
38) Ebenda.
39) Ebenda.
40) Ebenda.
41) Siehe dazu die unten im einzelnen genannten Arbeiten insbe-
sondere zur "Humanisierung der Arbeit", Beschäftigungspolitik und
sozialen Selbstverwaltung.
42) Leminsky, a.a.O., S. 691.
43) Vgl. zum folgenden WSI, Tätigkeitsbericht 1975"1977, a.a.O.,
S. 7 ff.
44) Siehe WSI-Forum, Integrierte medizinische Versorgung. Notwen-
digkeit - Möglichkeiten - Grenzen. Köln 1975 (WSI-Studie 32).
45) Die Veröffentlichung der Ergebnisse dieses WSI-Forums ist ge-
plant.
46) Wirtschaftlicher und sozialer Wandel in der Bundesrepublik
Deutschland. Gutachten der Kommisssion für wirtschaftlichen und
sozialen Wandel. Bonn 1977; W. Lecher, Die Gewerkschaften und die
Kommission für wirtschaftlichen und sozialen Wandel - ein Lehr-
stück? In: WSI-Mitteilungen 3/1977.
47) Siehe die Sonderhefte der WSI-Mitteilungen "Gewerkschafts-
staat oder Unternehmerstaat" 1(1976) und II (1977).
48) Siehe Projektgruppe im WSI, Betriebliche Beschäftigungspoli-
tik und gewerkschaftliche Interessenvertretung. Köln 1977 (WSI-
Studie 34).
49) Im folgenden werden nur die u. E. wichtigsten Schwerpunkte
angeführt; ausführlicher siehe WSI, Tätigkeitsbericht 1975-1977,
a.a.O., S. 28 ff.
50) Siehe dazu das im gewerkschaftseigenen "Bund-Verlag" erschie-
nene "Memorandum: Alternativen der Wirtschaftspolitik". Köln
1978; ferner: Memorandum '79: Vorrang für Vollbeschäftigung. Al-
ternativen der Wirtschaftspolitik. Köln 1979 (Pahl-Rugenstein-
Verlag).
51) Siehe dazu die ungezeichnete Kritik "Zum Memorandum '79". In:
WSI-Mitteilungen 6/1979, S. 294-297.
52) Siehe hierzu die Schwerpunkthefte der WSI-Mitteilungen
2/1975, 2/1976, 4/1977, 5/1977, 4/1978 und 2/1979.
53) WSI, Tätigkeitsbericht 1975"1977, a.a.O., S. 57.
54) Siehe hierzu das Schwerpunktheft 6/1977 der WSI-Mitteilungen.
55) Siehe hierzu die Schwerpunkthefte 5/1978 und 10/1978 der WSI-
Mitteilungen.
56) C. v. Ferber u.a., Sozialpolitik und Selbstverwaltung. Zur
Demokratisierung des Sozialstaats. Köln 1977 (WSI-Studie 35).
57) Siehe hierzu z.B. das Schwerpunktheft 2/1978 der WSI-Mittei-
lungen.
58) Siehe M. Helfert, Forschung-, aber kein Realisierungspro-
gramm. Stellungnahme zum Forschungsprogramm der Bundesregierung
zur Humanisierung der Arbeit. In: WSI-Mitteilungen 12/1974, S.
472-478; M. Helfert/G. Trautwein-Kaims, Die gewerkschaftliche
Auseinandersetzung um Arbeitsbedingungen und das Forschungspro-
gramm der Bundesregierung zur Humanisierung des Arbeitslebens.
In: WSI-Mitteilungen 2/1978, S. 73-83.
59) Siehe z.B. U. Briefs, Arbeitslosigkeit unter Angestellten.
In: WSI-Mitteilungen 2/1976; ders., Der Wandel in den Büros. In:
WSI-Mitteilungen 4/1977; ders., Vom qualifizierten Sachbearbeiter
zum Bürohilfsarbeiter? In: WSI-Mitteilungen 2/1978.
60) Siehe Projektgruppe im WSI, Betriebliche Beschäftigungspoli-
tik und gewerkschaftliche Interessenvertretung, a.a.O.; H. Kohl,
Arbeit für alle, Zukunftsbezogene Arbeitspolitik im Interesse der
Arbeitnehmer. Köln 1979.
61) Siehe D. Görs, Zur politischen Kontroverse um den Bildungsur-
laub. Politische, ökonomische und didaktische Bedingungen. Köln
1978 (WSI-Studie 37).
62) Siehe dazu das Schwerpunktheft 12/1978 der WSI-Mitteilungen.
63) Siehe dazu das Schwerpunktheft 4/1979 der WSI-Mitteilungen.
64) Siehe R. Seitenzahl/U. Zachert/H.-D. Pütz, Vorteilsregelungen
für Gewerkschaftsmitglieder. Köln 1976 (WSI-Studie 33).
65) Siehe dazu U. Zachert/M. Metzke/W. Hamer, Die Aussperrung.
Zur rechtlichen Zulässigkeit und praktischen Durchsetzungsmög-
lichkeiten eines Aussperrungsverbots. Köln 1978 (WSI-Studie 36).
66) Siehe z.B. die bereits erwähnte Kritik am "Memorandum '79"
(Anmerkung 51) sowie das interne Rundschreiben des DGB-Vorsitzen-
den Heinz O. Vetter zu diesem Memorandum, abgedruckt in "die
neue", 12. Juni 1979. - Vetter rügt darin die aus dem hauptamtli-
chen Gewerkschaftsbereich stammenden Mitunterzeichner des "Memo-
randums '79".
67) Vgl. dazu Leminsky, a.a.O., S. 691.
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