Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 03/1980
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MODERNISIERUNG UND INTERNATIONALE ARBEITSTEILUNG
Zum Zusammenhang von staatsmonopolistischer Struktur- und
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Modernisierungspolitik der Bundesregierung und fortschreitendem
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Internationalisierungsprozeß unter besonderer Berücksichtigung
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von Produktionsverlagerungen in die Dritte Welt
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Dieter Boris/Rainer Falk
I. Grundzüge der Entwicklung des kapitalistischen Weltmarkts vom
Ende des Zweiten Weltkrieges bis zum Beginn der siebziger Jahre -
II. Neue Elemente in der internationalen Arbeitsteilung seit Be-
ginn der siebziger Jahre - III. Die Weltmarktposition der BRD und
die Entwicklung einer weltmarktorientierten Struktur- und Moder-
nisierungspolitik - IV. Umrisse des herrschenden Konzepts:
"Modernisierung der Volkswirtschaft" - V. Charakter und Durchset-
zungsgrad einer "neuen" Arbeitsteilung zwischen der BRD und den
Entwicklungsländern - 1. Internationale Monopole als Träger der
internationalen Arbeitsteilung - 2. Neue Tendenzen in den Im-
port/Export-Beziehungen der Bundesrepublik mit der Dritten Welt -
3. Hauptentwicklungslinien westdeutscher Direktinvestitionen in
der Dritten Welt - 4. Entwicklungstendenzen von Auslandsproduk-
tion und Auslandsbeschäftigung - VI. Ausblick: Konsequenzen und
Perspektiven - Tabellenanhang.
"Manches von den notwendigen Umstrukturierungsprozessen und Um-
strukturierungsinvestitionen führt sicherlich zunächst sogar zu
eher mehr Arbeitslosigkeit. Jedenfalls sieht das gegenwärtig so
aus; es mag (!) sich später wieder ändern." Helmut Schmidt, 1978
Im folgenden Beitrag soll einigen Zusammenhängen zwischen den
Prozessen des weltwirtschaftlichen Strukturwandels und seinen
Ausprägungen und Reaktionsformen in der BRD nachgegangen werden.
Vor dem Hintergrund der allgemeinen Voraussetzungen und Implika-
tionen der starken Weltmarktstellung der Bundesrepublik Deutsch-
land ist hier insbesondere der Zusammenhang von neuen Tendenzen
der internationalen Arbeitsteilung und den hierauf reagierenden
Struktur- und modernisierungspolitischen Konzepten der Bundesre-
gierung, die eine überwiegend außenwirtschaftliche Begründung er-
fahren haben, zu behandeln. In einer weiteren Konkretisierung und
Spezifizierung des Themas sollen vor allem die außenwirtschaftli-
chen Beziehungen der Bundesrepublik Deutschland zur Dritten Welt
beleuchtet werden. Dabei wird es vor allem um die Frage gehen,
inwieweit sich bereits heute neue Elemente in der Arbeitsteilung
zwischen der BRD und den Entwicklungsländern durchgesetzt haben.
I. Grundzüge der Entwicklung des kapitalistischen Weltmarkts vom
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Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Beginn der siebziger Jahre
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Wesentliche Ursachen für die langanhaltende Prosperität und ra-
sche Produktivkraftentwicklung in der kapitalistischen Welt nach
dem Zweiten Weltkrieg waren die massenhafte Kapitalentwertung und
die Lohnsenkung während und in der Folge von Weltwirtschaftskrise
und Weltkrieg; beide Momente verbesserten in allen kapitalisti-
schen Staaten die Bedingungen der Mehrwertproduktion bedeutend.
Auf der anderen Seite schuf die Realisierung dieser Warenmassen
auf Grund der aufgeschobenen Nachfrage, der nicht vorgenommenen
Neuinvestitionen und der mit der Produktivkraftentwicklung ein-
hergehenden Produktdifferenzierung keine großen und kontinuierli-
chen Probleme für den kapitalistischen Produktions- und Reproduk-
tionsprozeß. Dieser Wachstumsprozeß in den meisten westlichen In-
dustrieländern war auch die eigentliche Grundlage für einen funk-
tionierenden und sich überproportional ausdehnenden Weltmarkt,
wie umgekehrt dieser eine weitere Grundlage für die Aufnahme der
die Binnenmärkte überschreitenden Kapitalexpansion war. Neue po-
litische Formen und Überbauinstanzen (wie z.B. Weltbank, IWF,
GATT etc.) sicherten diese zunehmende Weltmarktverflechtung ab.
Dem beschleunigten Fortschreiten der Produktivkraftentwicklung
entsprach im nationalen Raum die beständige Bedeutungsminderang
der Primärproduktion (Landwirtschaft und Bergbau), im internatio-
nalen Maßstab der Rückgang des Anteils von Primärerzeugnissen im
Welthandelsaustausch. Bei wachsendem Weltmarkt mußte dies
zugleich bedeuten, daß die komplementären Handelsbeziehungen
(Rohstoffe gegen Fertiggüter) zugunsten des sogenannten Aus-
tauschhandels (Fertigwaren - häufig derselben Branche und dersel-
ben Produktgruppe - aus einem Land gegen Fertigwaren der gleichen
Art aus dem anderen Land) an Bedeutung verloren. Was die Verände-
rung der Regionalstruktur der Welthandelsströme angeht, so war
hiermit logischerweise die Abnahme der Bedeutung der Entwick-
lungsländer und die Zunahme der Bedeutung der entwickelten kapi-
talistischen Länder für den Weltmarkt insgesamt die Konsequenz.
Dies mußte jedenfalls so lange so bleiben, wie die Produktions-,
Verwertungs- und Realisierungsbedingungen zwischen Entwicklungs-
ländern und Industrieländern sehr unterschiedlich blieben und die
Exportstruktur der Entwicklungsländer sich nicht wesentlich ver-
änderte. 1)
Die zweite zentrale Ebene des weltwirtschaftlichen Strukturwan-
dels nach dem Zweiten Weltkrieg bezieht sich auf die veränderte
Form, den anderen Zielbereich und die Regionalstruktur des
K a p i t a l e x p o r t s. Gegenüber bloßen Anleiheemissionen
nahmen nun die direkten Anlagen von Produktivkapital im Ausland
(Direktinvestitionen) sehr an Bedeutung zu. Dieser Metamorphose
des Kapitalexports von der internationalen Anleihe zur Direktin-
vestition entsprach die regionale und sektorale Verlagerung sei-
ner Schwerpunkte. Statt in die kolonialen und halbkolonialen Re-
gionen - und hier in die extraktiven und landwirtschaftlichen Be-
reiche - zu fließen, gingen nun die Direktinvestitionen mehr und
mehr in die hochentwickelten kapitalistischen Staaten und zielten
hier auf die Anlage in den technisch fortgeschrittensten Berei-
chen oder in den Wachstumsindustrien. Gleichwohl hat die absolute
Bedeutung des Kapitalexports in die Entwicklungsländer noch zuge-
nommen. Zudem kann man feststellen, daß viele Direktinvestitionen
in den Entwicklungsländern einen höheren Grad an Nichtersetzbar-
keit aufweisen als Direktinvestitionen in den kapitalistischen
Industrieländern (z.B. Investitionen in bestimmten Rohstoffberei-
chen).
Sicherlich wird man eine wechselseitige Beeinflussung von Außen-
handelstendenzen und Tendenzen zur Internationalisierung der Pro-
duktion annehmen können, wobei zweifellos die Ebene der Waren-
tauschbeziehungen eine gewisse Vorreiterrolle gespielt hat. Auf
den Zusammenhang zwischen den beiden Hauptebenen der internatio-
nalen ökonomischen Beziehungen weist auch der Tatbestand hin, daß
sektoral in beiden Fällen die technologisch fortgeschrittensten
Güter und/oder Investitionsgüter ein verhältnismäßig starkes Ge-
wicht haben.
II. Neue Elemente in der internationalen Arbeitsteilung
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seit Beginn der siebziger Jahre
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Gegen Ende der sechziger Jahre mehrten sich die Anzeichen dafür,
daß die seit dem Zweiten Weltkrieg auf dem kapitalistischen Welt-
markt eingetretenen Tendenzen zum Stillstand kommen bzw. sich um-
kehren würden. Neben der Brechung der absoluten ökonomischen Vor-
herrschaft der USA durch das Aufholen der EG und Japans (und die
damit verursachten Währungsunruhen, die schließlich mit einer er-
heblichen Modifikation des Weltwährungssystems endeten) war die
neue Konstellation auf dem Weltmarkt auch durch verstärkte Indu-
strialisierungsschübe in einigen (relativ fortgeschrittenen) Ent-
wicklungsländern bestimmt. Diese rasche industrielle Akkumulation
vollzog sich aber fast niemals gegen das ausländische Kapital,
sondern erfolgte regelmäßig unter maßgeblicher Beteiligung der
transnationalen Konzerne, die in einigen Ländern schon seit den
fünfziger Jahren zu binnenmarktorientierten Industrieinvestitio-
nen übergegangen waren. In einigen Ländern waren jedoch die ex-
portorientierten Investitionen im industriellen Sektor von Anfang
an bestimmend, vor allem im ostasiatischen Raum. Dieser Typus der
abhängigen kapitalistischen Entwicklung - gleichgültig ob stärker
binnenmarktorientiert (z.B. Brasilien) oder mehr exportorientiert
(z.B. Singapur) - implizierte zugleich eine relativ starke Betei-
ligung des jeweiligen Staates und auch (häufig schwächer vertre-
ten) der nationalen Kapitale. Dies ist insofern wichtig, als
hierdurch der langfristige und aus endogener Kapitalbildung ge-
speiste Charakter dieses Prozesses deutlich wird, der zweifellos
keineswegs als eine bloß ephemere Schwindelblüte anzusehen ist.
Die Tatsache, daß die ausländischen Monopole den jeweiligen ein-
heimischen Geld- und Kapitalmarkt verstärkt zur Ergänzung ihrer -
Selbstfinanzierung" heranziehen, unterstreicht die Behauptung,
daß es sich hier um Strukturverschiebungen der jeweiligen Ent-
wicklungsländerökonomien handelt, die auch langfristige Bedeutung
erlangen müssen.
Durch die und während der seit 1973/74 voll einsetzenden kapita-
listischen Weltrezession sowie durch die parallel hierzu erfolgte
sprunghafte Erhöhung der Erdölpreise wurden die neuen Elemente
der internationalen Arbeitsteilung beschleunigt freigesetzt und
waren während des restlichen Zeitraums dieser Dekade deutlich
sichtbar. Der seit 1970 ansteigende Anteil der Entwicklungsländer
am Welthandel ist ein wesentlicher Indikator für die Umkehrung
der Haupttendenz seit Ende des Zweiten Weltkrieges. So stieg der
Welthandelsanteil der Entwicklungsländer von ca. 19% 1970 auf ca.
27% im Jahre 1976 an, ein Anstieg, der direkt zu Lasten der kapi-
talistischen Industrieländer ging. 2) Er ist auf verschiedene
Faktoren zurückzuführen: e i n m a l natürlich auf den gestie-
genen Erdölpreis und auf den - zumindest zeitweilig zu konstatie-
renden - Anstieg des Preisniveaus auch anderer Rohstoffe (Kupfer,
Kaffee, Weizen etc.); z u m z w e i t e n aber auch auf die
sich sehr rasch verändernde Exportstruktur in vielen Entwick-
lungsländern in Richtung auf eine wesentlich größere Bedeutung
industrieller Fertigwaren. D r i t t e n s wurde durch die Kri-
sensituation die Konkurrenz enorm verschärft, und es scheint, als
ob sich auch hierdurch die Position der Entwicklungsländer in
mancher Hinsicht verbessert hat; der Zusammenbruch schwacher Pro-
duzenten auf den metropolitanen Binnenmärkten ging zum Teil auch
zurück auf einen verstärkten Importdruck aus den einzelnen Ent-
wicklungsländern. V i e r t e n s darf nicht vergessen werden,
daß gerade die Krisensituation in den imperialistischen Ländern
die Tendenz zum Kapitalexport bedeutend verstärkt hat; wenn auch
keine grundsätzliche Veränderung der Regionalstruktur in den pri-
vaten Direktinvestitionsströmen aus den entwickelten kapitalisti-
schen Ländern feststellbar ist, so kann allein aufgrund der abso-
luten Größendimension dieser Kapitalexporte (zu denen die reinve-
stierten Profite hinzugezählt werden müssen) durchaus von einer
Abstützung und Konsolidierung jener neuen Entwicklungstendenz in
der internationalen Arbeitsteilung gesprochen werden.
Nicht zufällig reift in dieser Periode die Forderung nach einer
neuen Weltwirtschaftsordnung aus, die unter anderem eine rapide
Steigerung des Anteils der Entwicklungsländer an der Weltindu-
strieproduktion enthält und zugleich eine Öffnung der Märkte der
entwickelten kapitalistischen Länder für Industrieexporte aus den
Entwicklungsländern postuliert. So enthalten die verschiedenen
Elemente dieser Konzeption einer neuen internationalen Wirt-
schaftsordnung sowohl Züge einer "Fortschreibung" bereits im Gang
befindlicher weltwirtschaftlicher Strukturwandelprozesse wie auch
Momente einer - aus ökonomischen und politischen Gründen notwen-
digen - eigenständigen, auf größere ökonomische Unabhängigkeit
zielenden Industrialisierungspolitik der Entwicklungsländer. Die
verschiedenen Impulse und Triebkräfte jener neuen Tendenz sind
zumindest teilweise einander entgegengesetzt. Das herkömmliche
komplementäre weltwirtschaftliche Spezialisierungsmuster (Aus-
tausch von Fertigwaren gegen Rohstoffe) mußte auch im Interesse
einer höheren Gesamtverwertung der transnationalen Konzerne
modifiziert werden - eine Modifikation, die eine bestimmte Art
und Reichweite von Industrialisierung der Länder der Dritten Welt
nicht in Widerspruch zu den führenden Kapitalinteressen der impe-
rialistischen Länder bringen mußte. Andererseits entsprach diese
ökonomische Tendenz auch einem politischen Eingehen auf die For-
derungen der Entwicklungsländer nach verstärkter Industrialisie-
rung und ökonomischer Unabhängigkeit. Eben an diesem Punkte wer-
den sich auch in Zukunft die Interessengegensätze deutlich dar-
stellen und aufeinanderprallen: Industrialisierung in Abhängig-
keit und Unterordnung auf höherer Stufe in einer Komplementär-
stellung zu den kapitalistischen Metropolen - oder Industriali-
sierung mit dem Ziel, notfalls auch unabhängig von den Reproduk-
tionskreisläufen mit den kapitalistischen Metropolen sein zu kön-
nen und den Schwerpunkt der eigenen ökonomischen Reproduktion im
Lande selbst zu haben.
III. Die Weltmarktposition der BRD und die Entwicklung einer
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weltmarktorientierten Struktur- und Modernisierungspolitik
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Bis zum Beginn der siebziger Jahre war in der BRD von Strukturpo-
litik kaum die Rede; viele Marktwirtschaftsideologen (im Gegen-
satz zu den "Praktikern") argwöhnen noch heute hinter diesem Be-
griff nur eine verkleidete Umschreibung von vermehrtem
"staatlichem Dirigismus". 3) Höchstens im Zusammenhang mit der
Krise des westdeutschen Bergbaus oder dem Problem zurückgebliebe-
ner Regionen wurde der Begriff gelegentlich benutzt. Zwar kam der
Begriff seit Beginn der siebziger Jahre auch in weltwirtschaftli-
chen Zusammenhängen auf, etwa durch die entwicklungspolitische
Konzeption von Erhard Eppler 4); auch bei den Untersuchungen zum
weltwirtschaftlichen Strukturwandel durch das Kieler Institut für
Weltwirtschaft. 5) Jedoch erst mit der Weltwirtschaftskrise ab
1973/74 und mit den ideologischen Reaktionen auf die hierdurch
geschaffene Situation hat sich die Bedeutung von "Struktur-
politik" verändert und spezifiziert; einmal wird der Begriff
immer eindeutiger im Kontext weltwirtschaftlicher Entwicklungen
gebraucht - im Sinn der Anpassung an und Förderung von neuen
weltwirtschaftlichen Tendenzen 6); und zum zweiten wird er
weniger im Sinn des Ausgleichs und der Überbrückung als vielmehr
im Sinn der planmäßigen Vorbereitung, im Sinn einer zukunft-
strächtigen Modernisierungs- und Technologiepolitik gebraucht.
Die nun entwickelte Konzeption der "Modernisierung der Volkswirt-
schaft" - so der Titel eines programmatischen Buchs von Volker
Hauff und Fritz Scharpf 7) - berührt verschiedene Bereiche der
Politik. Einmal will sie Technologie- und Wissenschaftspolitik
sein; sie ist aber zugleich auch Wirtschaftspolitik im Sinne der
Förderung des Wachstums, daneben noch Außenwirtschaftspolitik und
Entwicklungspolitik. Die Konzeption besteht - zusammengefaßt -
darin, technologisch fortgeschrittenste Produkte ("intelligente
Güter"), Wachstumsbranchen und besonders expansionsträchtige Mo-
nopole systematisch zu fördern (ihnen bei "Risikoinvestitionen"
unter die Arme zu greifen) und andererseits die Strukturschwa-
chen, die sogenannten Fußkranken der Wirtschaft, rückläufige Pro-
duktarten und schrumpfende Branchen, kleine und mittlere Unter-
nehmen fallen zu lassen bzw. zur Verlagerung ihrer Produktion zu
animieren. Nur so könne die Zukunft gemeistert werden, und nur so
könne man die weltwirtschaftliche Position der BRD halten.
Zugleich sei diese Konzeption die einzige Möglichkeit, eine ef-
fektive Beschäftigungspolitik zur Erhaltung der Arbeitsplätze -
sicherer Arbeitsplätze, wie immer argumentiert wird - im Inter-
esse der Lohnabhängigen zu gewährleisten.
Daß diese Konzeption, auf die in ihren einzelnen Facetten und Nu-
ancierungen noch einzugehen sein wird, ausgerechnet in der Kri-
senphase seit 1973 entstehen konnte und zunehmend allgemein und
aggressiver propagiert werden konnte, läßt sich auf verschiedene
Gründe zurückführen.
1. Es breitete sich zu Recht das Gefühl aus, daß die einstmals
von Wirtschaftsminister Schiller gepriesene Globalsteuerung unter
den heutigen Bedingungen nicht mehr ausreiche , daß die Politik
der globalen Steuerung der Nachfrage nicht mehr zureichend
"greife" und zudem außenwirtschaftlich unerwünschte Konsequenzen
(Inflationsschub) nach sich ziehen könnte. Daher der vielfach
vermerkte Übergang "von der globalen zur strukturellen Steuerung"
(Rainer Thoss). 8)
2. Die Entwicklung der Außenwirtschaftsbeziehungen während der
Krise zeigte, daß durch entsprechend große Überschüsse die Tiefe
der Krise (zumindest zeitweise) abgemildert werden konnte und daß
die Positionsverbesserung der BRD auf dem Weltmarkt vor allem auf
das starke Gewicht der vier wichtigsten Investitionsgüterbranchen
(Maschinenbau, Chemie, Elektroindustrie, Fahrzeugbau) zurückzu-
führen war.
3. Es war aber auch deutlich geworden, daß diese Erfolge des
westdeutschen Kapitals auf frühere Investitions- und Rationali-
sierungswellen (vor allem im Gefolge der Krise 1966/67) zurück-
gingen, während die jüngste Krise u.a. dadurch gekennzeichnet
war, daß es auch nach dem relativen Aufschwung von 1976 und in
den folgenden Jahren nicht zur Wiederaufnahme hoher Bruttoanlag-
einvestitionen kam. Die realen Investitionen der Industrie stie-
gen nicht mehr, sondern gingen von 1970 bis 1976 um jahresdurch-
schnittlich 5,8% zurück. Das führte zu einem Absinken des Anteils
junger Anlagen am Anlagevermögen ; so z.B. ergab eine Errechnung
des Altersaufbaus der westdeutschen Industrie, daß 1976 nur noch
etwa 52% der Maschinen unter 10 Jahre alt waren, der Anteil von
Anlagen über 15 Jahre war 1977 so groß wie 1950! 9) Diese Veral-
terungstendenz der Kapitalanlagen konnte noch kompensiert werden
durch hohe Produktivitätsfortschritte, die sich zwischen 1970 und
1976 von vorangegangenen Perioden kaum unterschieden, jedoch im
wesentlichen durch Arbeitsintensivierung, verstärkte Arbeitshetze
und Umorganisation des Arbeits- und Produktionsprozesses erreicht
worden waren. Doch ist ein ständiger Produktivitätsfortschritt
langfristig nicht ohne massenhafte Neuinvestitionen zu gewährlei-
sten. Daher beendet Krengel seine Analyse mit den bedeutungs-
schweren Worten: "In den nächsten Jahren wird sich zwangsläufig
etwas für die wirtschaftliche Zukunft der Bundesrepublik sehr
Wichtiges entscheiden. Entweder es gelingt, die Industrie zur Mo-
dernisierung ihres Anlagevermögens anzuregen - dies ist nicht
ohne wirtschaftliches Wachstum und erst nach der Normalisierung
der Kapazitätsausnutzung möglich -, oder der Prozeß der Veralte-
rung setzt sich fort, mit allen Konsequenzen für die langfristige
Produktivitätsentwicklung und die Konkurrenzfähigkeit." 10)
4. Ein weiterer Grund für die nun verstärkt geführte Diskussion
um Strukturprobleme ist in der Tatsache zu sehen , daß während
der Krise von 1973 und der folgenden Jahre erstmals auch bislang
als ausgesprochene Wachstumsindustrien geltende "dynamische"
Branchen langanhaltende strukturelle Überkapazitäten aufwiesen.
"Der Unterschied besteht eigentlich nur darin, daß in den ausge-
sprochenen Schrumpfindustrien der Abbau der Produktionskapazität
dem Rückgang der Nachfrage hinterherhinkt, weil insbesondere die
Monopole bzw. Großunternehmen durch rigorose, staatlich oft un-
terstützte Rationalisierung ihr Produktionspotential oft noch er-
weitern statt einzuschränken, während in den Wachstumsindustrien
die Kapazitätsausweitung die Nachfrage trotz deren schneller Ent-
wicklung überflügelt." 11) Dies hängt zweifellos z.T. damit zu-
sammen , daß der erreichte Grad der Vergesellschaftung und die
damit verbundene rentable Mindestkapazität neuer Anlagen heute in
vielen Branchen derart groß sind, daß die international oder so-
gar national parallele Inbetriebnahme von zwei oder drei neuen
Produktionsanlagen zu regelrechten Angebotssprüngen führen kann,
die sich zu veritablen Überkapazitätskrisen verdichten. Im übri-
gen hat sich die Zahl der Industriezweige mit sinkender Beschäf-
tigungszahl fortlaufend erhöht. Waren es noch im ersten Jahrfünft
der sechziger Jahre 17 Branchen mit einem Anteil von 28% an den
gesamten Beschäftigten der Industrie, so waren es ein Jahrzehnt
später schon 30 Branchen mit einem Anteil von fast 4l% der Indu-
striebeschäftigten. 12)
5. Ein weiteres Element für den Anstoß der Diskussion um Struk-
turwandel ist zweifellos in den weltwirtschaftlichen Entwicklun-
gen zu sehen sowie in den Zusammenhängen zwischen den internen
Problemen und den externen Prozessen des Strukturwandels. So
wurde von verschiedenen Seiten der Strukturwandel in der Bundes-
republik auch als notwendiges "entwicklungspolitisches Opfer"
(Helmut Schmidt) gedeutet, in dem Sinne, daß arbeitsintensive
Produktionsprozesse zunehmend ausgelagert werden sollten bzw. auf
sie verzichtet und umgekehrt den sich industrialisierenden Ent-
wicklungsländern die Gelegenheit gegeben werden müßte, ihre Ex-
portwaren auf den Märkten der entwickelten kapitalistischen Län-
der abzusetzen. So gehört die Forderung nach "der Öffnung der
Märkte" zur Diskussion um Strukturwandel in der Bundesrepublik.
IV. Umrisse des herrschenden strukturpolitischen Konzepts:
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"Modernisierung der Volkswirtschaft"
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Aus der Tatsache , daß die BRD zu den in der Technologieentwick-
lung führenden Industrienationen gehört und ihre außenwirtschaft-
liche Verflechtung (insbesondere bei den höher entwickelten,
technologisch sehr anspruchsvollen Produkten) besonders hoch ist,
wird abgeleitet, daß schon die Erhaltung der gegenwärtigen Posi-
tion der BRD auf dem Weltmarkt eine besondere Herausforderung
darstelle und daher besondere Anstrengungen in der Forschungs-
und Entwicklungspolitik, d. h. der Technologiepolitik notwendig
seien. 13) Ein eigentlich längst notwendiger Strukturwandel sei
bislang aufgeschoben worden wegen der Unterbewertung der D-Mark,
wegen eines allgemein hohen Wachstumstempos, wegen der leicht zu
bewerkstelligenden Anwesenheit großer Potentiale von Gastarbei-
tern usw., also wegen der insgesamt vorteilhaften Weltmarktposi-
tion. Es müsse nun eine Konzentration auf die wachstumsintensiv-
sten Branchen, die technologisch anspruchsvollsten und neuesten
Bereiche erfolgen; als besonders zukunftsträchtig werden die Pro-
duktionsbereiche Mikroelektronik, Datenverarbeitung, Kommunikati-
onstechnologie, Kernenergie und schließlich energie- und roh-
stoffsparende Produktionsanlagen und -verfahren wie auch um-
welterhaltende und -schützende Aggregate genannt. Mit dieser
Schwerpunktsetzung auf Zukunftsindustrie soll zugleich eine stär-
kere Spezialisierung und Konzentration auf bestimmte Sparten ein-
hergehen. 14) Diese "aktive", "vorausschauende" Strukturpolitik
schließt ein, daß staatlicherseits hinfort in der Regel keine
"Erhaltungssubventionen" für strukturschwache Branchen oder Un-
ternehmen mehr vergeben werden, sondern nur noch zukunftsträch-
tige Bereiche gefördert werden sollen. Nicht "Fußkranke", sondern
"Schnelläufer" sollen durch staatliche Zuschüsse belohnt werden.
Diese Konzeption scheint nicht nur hohe Rationalität für sich be-
anspruchen zu dürfen, sondern auch der einzige Weg für die Bun-
desrepublik zu sein: die sogenannte "Flucht nach vorn" zum Zwecke
der Erhaltung der Errungenschaften (hoher Lebensstandard, sozia-
les Netz etc.). Daher kann es zunächst nicht erstaunen, daß diese
Konzeption des aktiven Strukturwandels, die Dynamik, Modernität,
technischen Fortschritt und schließlich auch weltoffenen Libera-
lismus verheißt, von sehr unterschiedlichen sozialen Kräften und
Gruppierungen, wenn auch unter spezifischer Nuancierung und bei
unterschiedlicher Schwerpunktsetzung in der Wahl der Mittel, ge-
teilt wird.
Auch die westdeutschen Gewerkschaften setzen sich für dieses Kon-
zept der vorausschauenden Strukturpolitik ein; sie betonen die
Unabwendbarkeit und die positiven Seiten des technischen Fort-
schritts und verweisen auf die Notwendigkeit, die Wettbewerbsfä-
higkeit der BRD im internationalen Maßstab zu erhalten. Gelegent-
lich wird von ihrer Seite sogar moniert, daß es den Managern und
Kapitaleignern bisweilen an Flexibilität und Weitsicht bezüglich
der Durchsetzung der fortgeschrittensten Produktionsverfahren ge-
fehlt habe. In Ergänzung zum Grundmuster der Argumentation für
einen "aktiven Strukturwandel" betonen die Gewerkschaften aller-
dings, daß den Arbeitnehmern ein "gerechter Anteil" an den Pro-
duktivitätsfortschritten durch technologischen Wandel zugute kom-
men müsse; mit dem Umstrukturierungsprozeß dürfe keine Arbeitslo-
sigkeit, kein Verlust sozialer Errungenschaften einhergehen; Um-
schulungshilfen und Unterstützung bei geforderter regionaler Mo-
bilität seien zu gewähren.
Zwar werden Produktionsauslagerungen, Erweiterungsinvestitionen
im Ausland sowie "Billigimporte" aus den Entwicklungsländern mit
kritischen Kommentaren bedacht, doch wird eine Gegenwehr gegen
diese Tendenzen "mit allen Mitteln" als "nicht zwingend" empfun-
den: "Die Gewerkschaften der Industrieländer brauchen sich diesen
zum Teil sinnvollen und für die Entwicklungsländer wie für die
Industrieländer nützlichen Veränderungen nicht zu widersetzen,
sofern sichergestellt ist, daß sie sich allmählich, überschaubar
und gesteuert vollziehen und mit der Expansion der Wachstumsindu-
strien abgestimmt werden. Die deutschen Gewerkschaften fordern
deshalb neue Instrumente einer vorausschauenden, planvollen und
aktiven Strukturpolitik im Rahmen gesamtwirtschaftlicher Mitbe-
stimmung." 15) Als weitere Instrumente dieser Politik werden
"Innovationsberatungsstellen" und "Investitionsmeldestellen" ge-
nannt. Während in ersteren nach dem IG-Metall-Konzept branchen-
übergreifend und von der öffentlichen Hand getragen Innovations-
hemmnisse beseitigt und die strikte Einhaltung von gezielten
staatlichen Förderungsauflagen kontrolliert werden sollen, ist
mit den Investitionsmeldestellen eine Abstimmung zwischen einzel-
nen Großinvestitionen in mittelfristiger Perspektive angestrebt.
16)
Einzelne Stimmen aus dem Gewerkschaftslager nehmen sich weniger
naiv und hoffnungsfroh gegenüber den aktuellen Möglichkeiten ei-
ner "sozialen und gesamtwirtschaftlich orientierten vorausschau-
enden" Strukturpolitik aus. Gleichzeitig wird gelegentlich auch
der hohe außenwirtschaftliche Verflechtungsgrad der BRD und der
aus ihm stets erwachsende Disziplinierungsdruck auf die Arbeiten-
den problematisiert. R. Kuda resümiert die bisherigen strukturpo-
litischen Ansätze und die daraus zu folgernden Umorientierungen
so: "Die Existenz eines strukturpolitischen Handlungsbedarfs er-
gibt sich aus der Zunahme der strukturellen Beschäftigungsrisiken
und ihrer Verschärfung durch die Verwertungsstrategien des Kapi-
tals einerseits, aus der bedingten Zuverlässigkeit herkömmlicher
beschäftigungspolitischer Kompensationsmechanismen im außen- und
binnenwirtschaftlichen Rahmen sowie der begrenzten beschäfti-
gungspolitischen Funktionsfähigkeit überlieferter markt- und kon-
junkturpolitischer Steuerungsinstrumente andererseits. Damit ist
zugleich die generelle Zielrichtung für gewerkschaftliche Überle-
gungen zur Strukturpolitik vorgegeben. Sie müssen auf die Ergän-
zung der allgemeinen Nachfragesteuerung durch eine gezielte
Struktursteuerung einerseits, auf die schrittweise Einschränkung
der unternehmerischen Verfügungsgewalt über Investitionen und Be-
schäftigung andererseits hinzielen." 17)
Bei den von sozialdemokratischer Seite geäußerten Vorstellungen
zeigt sich in vieler Hinsicht eine Parallele zu gewerkschaftli-
chen Positionen; manche Ähnlichkeiten scheinen allerdings eher
verbal zu sein, die Nuancierung sozialdemokratischer Positionen
zur aktiven Strukturpolitik wechselt deutlich entsprechend dem
jeweiligen Adressatenkreis. Gelegentlich wird auch die Bedeutung
der Strukturpolitik etwas relativiert und die staatliche Hilfs-
funktion für sich bereits andeutende "ökonomische Kräfte" unter-
strichen. - Strukturpolitik allein kann Vollbeschäftigung weder
gewährleisten noch herbeiführen, sondern (nur) die ökonomischen
Kräfte zur Erneuerung, Modernisierung, Anpassung und Veränderung
der volkswirtschaftlichen Strukturen unterstützen." 18) Als In-
strumente dieser Politik werden die Notwendigkeit verbesserter
statistischer Grundlagen für Diagnosen und Prognosen genannt so-
wie die Einrichtung von Strukturräten, die regelmäßig eine Struk-
turberichterstattung vorlegen und damit u.a. eine verbesserte,
strukurpolitisch zukunftsträchtige staatliche Ausgaben- und För-
derungspolitik möglich machen sollen; konkret werden Investiti-
onshilfen, Abschreibungsvorteile, Steuerentlastungen, gemeinsame
privatwirtschaftlich-staatliche Unternehmen genannt.
Daß es in der sozialdemokratischen Variante der strukturpoliti-
schen Konzeption letztlich um die Unterordnung unter einzelwirt-
schaftliche, monopolistische - natürlich am Profit orientierte -
Entscheidungen geht und die Arbeitsplatzsicherung durch Struktur-
politik eher als sekundär und zufällig eintretende Nebenwirkung
(die auch ausbleiben kann) betrachtet wird, läßt sich an Äußerun-
gen führender Sozialdemokraten verdeutlichen: "Unsicherheit...
muß durch ein wieder stärker gegenseitiges Vertrauen schaffendes
Zusammenwirken von Staat und Wirtschaft überwunden werden. Die
Regierung will sich dabei nicht - wie immer wieder befürchtet
wird - auf Umwegen in dirigistische Funktionen begeben. Sie will
vielmehr langfristig die Rahmenbedingungen für Investitionen und
Innovationen verbessern, sie will ein vielfältiges Angebot für
unterschiedliche Formen der Beratung, der Existenzgründung, des
Technologie-Transfers, der Wangnisfinanzierung oder von Krediten
und Bürgschaften bereitstellen, die die unternehmerischen Hand-
lungsspielräume nicht einengen, sondern stärken sollen." 19)
Die entsprechenden Vorstellungen der CDU und der Unternehmerver-
bände unterscheiden sich nur geringfügig von den Positionen der
SPD. In enger Anlehnung vor allem an die methodischen und theore-
tischen Prämissen des neoklassisch orientierten Kieler Weltwirt-
schaftsinstituts wird hier die Notwendigkeit des Strukturwandels
aus der Theorie der komparativen Kostenvorteile und der Faktor-
proportionentheorie abgeleitet. Da die spezifischen Kosten- und
Standortvorteile der Entwicklungsländer bei arbeits- und roh-
stoffintensiven Produkten und Produktionsverfahren liegen, seien
diese Produktionssparten in den entwickelten Industrieländern
entweder definitiv aufzugeben und/oder zu verlagern. Die BRD habe
sich - gemäß ihrer Faktorausstattung - auf kapital- und technolo-
gieintensive Produkte und Verfahren zu konzentrieren. Mit dieser
Zunahme der Arbeitsteilung und Spezialisierung werde die Gesamt-
produktivität gesteigert und beschleunigtes Wachstum wieder mög-
lich; je radikaler, d.h. den Gesetzen und Bedürfnissen privatmo-
nopolistischer Kapitalexpansion folgend, der Strukturwandel sich
durchsetze, um so weniger Probleme werfe die Freisetzung von Ar-
beitskräften auf. "Die bei der Umstrukturierung frei werdenden
industriellen Arbeitskräfte müssen im Dienstleistungssektor...
untergebracht werden, soweit sie nicht in den neuen Produktions-
bereichen Beschäftigung finden. Dies dürfte bei einer verjüngten
wettbewerbsfähigen und damit gewinnbringenden Industrie ohne un-
überwindbare Schwierigkeiten erreichbar sein." 20) Eine aggres-
sive Tonart gegenüber den auf Umverteilung des Weltreichtums zie-
lenden Forderungen der Entwicklungsländer sowie die panische
Furcht davor, der Staat könne die Strukturpolitik zu "Dirigismus"
oder gar "Investitionslenkung" mißbrauchen, gehören zum besonde-
ren Kolorit dieser Position, die im übrigen fast dieselben Förde-
rungsinstrumente befürwortet wie die zuvor kurz dargestellte.
V. Charakter und Durchsetzungsgrad einer "neuen" Arbeitsteilung
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zwischen der BRD und den Entwicklungsländern
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1. Internationale Monopole als Träger
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der internationalen Arbeitsteilung
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Es gehört zu den gravierendsten Mängeln der auf neoklassischen
Prämissen fußenden Empfehlungen für einen Wandel in den arbeits-
teiligen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und den Entwick-
lungsländern, daß die Träger und Organisatoren dieses Prozesses,
die internationalen Konzerne, in das analytische Instrumentarium
der zu Grunde liegenden Theorie nicht eingehen, was ihre Verfech-
ter aber nicht davon abhält, eben diese Konzerne als diejenigen
Organismen anzupreisen, innerhalb derer eine optimale internatio-
nale Arbeitsteilung am ehesten gewährleistet werden kann. 21) Man
wird den Charakter der Modifikationen im System der internationa-
len kapitalistischen Arbeitsteilung jedoch kaum erfassen können,
wenn man nicht davon ausgeht, daß es vor allem Internationalisie-
rungsprozesse auf monopolistischer Basis sind, die in den aktuel-
len Umschichtungen der kapitalistischen Weltwirtschaft zum Aus-
druck kommen. Die internationalen Monopole 22) sind das dominie-
rende Strukturelement des heutigen kapitalistischen Weltwirt-
schaftssystems. Sie bestimmen auch den Charakter der außenwirt-
schaftlichen Verflechtung der BRD mit den Entwicklungsländern.
Verschiedene Untersuchungen haben darauf hingewiesen, daß das
verstärkte Eindringen der Monopole der Bundesrepublik in die
kapitalistische Weltwirtschaft als wichtigstes Merkmal der gegen-
wärtigen Stufe der Monopolisierung des BRD-Kapitals angesehen
werden kann. 23) Zugleich ist die internationale Expansion der
westdeutschen Ökonomie selbst viel stärker noch als der binnen-
wirtschaftliche Bereich eine Domäne des Monopolkapitals. Bei
allen drei Formen bzw. Ebenen der Internationalisierung (Außen-
handel, Direktinvestitionen / Kapitalexport und Außlandsproduk-
tion / -beschäftigung), an Hand derer in diesem Abschnitt der
Durchsetzungsgrad einer "neuen" Arbeitsteilung zwischen der
Bundesrepublik und den Entwicklungsländern beschrieben werden
soll, lassen sich Anhaltspunkte finden, die es gerechtfertigt
erscheinen lassen, von einem überdurchschnittlichen Konzentra-
tionsgrad bezüglich der Träger der Außenwirtschaftsbeziehungen
auszugehen. 24) Bereits Anfang der 70er Jahre vereinigten die
transnationalen Konzerne nahezu 50% des gesamten industriellen
Warenexports der Bundesrepublik auf sich. Schätzungsweise 21%
dieses Exports entfielen auf konzerninterne Lieferungen. 25) Ende
1975 vereinigten 74 Unternehmen 57% der bis zu diesem Zeitpunkt
im Ausland angelegten westdeutschen Direktinvestitionen auf sich.
Die fünf größten bundesdeutschen Auslandsinvestoren konzentrier-
ten allein 18% aller Direktinvestitionen in ihren Händen. 26)
Entsprechend hoch dürfte auch der Anteil der unter der
Kommandogewalt westdeutscher Großunternehmen stehenden Auslands-
beschäftigten sein.
Die behauptete Dominanz der Monopolunternehmen bedeutet freilich
nicht, daß sich der Internationalisierungsprozeß auf sie be-
schränkt. Daß heute bereits eine wachsende Zahl auch mittlerer
und kleinerer Unternehmen der BRD von der Internationalisierungs-
tendenz erfaßt ist 27), deutet daraufhin, daß die Monopole als
treibende Kräfte der internationalen Expansion eine Art Sogwir-
kung auf oftmals von ihnen abhängige mittlere Unternehmen ausüben
und z.B. Zulieferfirmen veranlassen, den Verlagerungsprozeß mit-
oder nachzuvollziehen.
2. Neue Tendenzen in den Import/Export-Beziehungen
--------------------------------------------------
der Bundesrepublik mit der Dritten Welt
---------------------------------------
Modifikationen im System der Arbeitsteilung zwischen der Bundes-
republik und den Entwicklungsländern lassen sich zunächst an der
Entwicklung der Außenhandelsbeziehungen ablesen. Dabei zeigt
sich, daß das Jahr der "Ölkrise" in verschiedener Hinsicht einen
Wendepunkt markiert. Dies betrifft zunächst die absolute und re-
lative Bedeutung der Handelsbeziehungen mit der Dritten Welt für
den gesamten Außenhandel der BRD, die seither - nach einer be-
ständig rückläufigen Tendenz in den 50er und 60er Jahren - wieder
zunimmt (vgl. Tabelle 1). Der Handel mit den Entwicklungsländern
wächst insgesamt schneller als der mit den entwickelten kapitali-
stischen Ländern. Dies führt dazu, daß die Entwicklungsländer
sowohl als Absatzmarkt als auch - in noch größerem Maße - als Be-
zugsquelle der BRD-Ökonomie an Bedeutung gewinnen.
Verschiedene Indikatoren weisen daraufhin, daß für diese Tendenz
die Erhöhung der Ölpreise zwar eine wichtige Rolle spielt, jedoch
nicht als der einzige Faktor zur Erklärung angesehen werden kann.
E r s t e n s ist das Wachstum des Außenhandels mit der Dritten
Welt nicht auf die OPEC-Länder beschränkt, sondern zeigt sich -
wenn auch in abgeschwächter Form - auch bei den nichterdölprodu-
zierenden Entwicklungsländern. Z w e i t e n s macht sich das
Wachstum der OPEC-Anteile am Im- und Export sehr unregelmäßig be-
merkbar; besonders hoch ist der OPEC-Anteil im Jahre 1974 (dem
Jahr mit den stärksten Preissteigerungen), während er in den fol-
genden Jahren wieder zurückgeht. Für den Charakter der Arbeits-
teilung zwischen der BRD und den OPEC-Ländern ist d r i t-
t e n s wichtig, daß die scheinbare Intensivierung der traditio-
nellen Komplementärstruktur der beiderseitigen Handelsbeziehungen
langfristig nur vorübergehender Natur sein dürfte, da die OPEC-
Länder ihre gewachsenen Deviseneinkünfte verstärkt zum Einkauf
von Investitionsgütern benutzen, was in der starken Erhöhung der
BRD-Exporte in die OPEC-Staaten zum Ausdruck kommt, - eine
Tendenz, die sich in jüngster Zeit allerdings bereits wieder
stark abgeschwächt hat. Langfristig bedeutet dies, daß in vielen
OPEC-Ländern Industriepotentiale aufgebaut werden, die in der Zu-
kunft auch zu einer Verschiebung in der Warenstruktur des Handels
mit der BRD führen dürften.
Für die Modifikationen im Spezialisierungsmuster zwischen der BRD
und den Entwicklungsländern ist es wichtig, die Warenstruktur der
Im- und Exporte zu betrachten (vgl. Tabelle 2). Hier tritt deut-
lich hervor, daß der Anteil der Fertigwaren an den Entwicklungs-
länderimporten der BRD ständig steigt, wenngleich die Entwick-
lungsländer in überwiegendem Maße immer noch Rohstofflieferanten
sind. Von besonderer Bedeutung ist, daß die Fertigwarenimporte
zum allergrößten Teil aus arbeitsintensiv hergestellten Konsumgü-
tern bestehen; "qualifikationsintensive" Industriewaren sind
ebenso wie Investitionsgüterimporte bislang ohne große Relevanz
(vgl. Tabelle 2). 28)
Bezüglich des Charakters der Arbeitsteilung zwischen der BRD und
den Entwicklungsländern läßt sich vor dem Hintergrund dieser Ent-
wicklungen die These vertreten, daß es in der Tendenz zu einer
Ablösung der traditionellen Rolle der Dritten Welt, lediglich
Quelle der Rohstoffzufuhr zu sein, kommt. Mit dem Bedeutungszu-
wachs der Entwicklungsländer im Außenhandel der BRD geht einher,
daß sie in wachsendem Maße auch Fertigwarenlieferanten der BRD
werden. Irreführend ist es allerdings, diesen Prozeß - wie in der
neoklassischen Theorie - als Wandel von einer komplementären zu
einer substitutiven Arbeitsteilung zu charakterisieren. Besonders
an der Warenstruktur der Importe zeigt sich, daß es sinnvoller
ist, davon zu sprechen, daß sich die Rolle der Entwicklungsländer
von einer ausschließlichen Rohstoffperipherie zu einer Rohstoff-
u n d Industrieperipherie modifiziert. 29) In bezug auf die In-
dustriestruktur der BRD weist auch diese tendenziell neue Funk-
tion der Entwicklungsländer in der internationalen Arbeitsteilung
komplementäre Züge auf. Sie scheint genau jene Struktur anzuneh-
men, die dem beschriebenen staatsmonopolistischen Stukturwandel-
und Modernisierungskonzept entspricht: die Dritte Welt tritt als
Lieferant jener Industriewaren in Erscheinung, deren Produktion
in der BRD zunehmend unrentabel geworden ist und deren Beibehal-
tung den Wachstums- und Verwertungsprozeß der Monopole tenden-
ziell behindert.
Da die neuen Momente der Arbeitsteilung zwischen der BRD und den
Entwicklungsländern den abhängigen Charakter des Reproduktions-
prozesses in den Entwicklungsländer-Ökonomien nicht grundsätzlich
aufheben, sondern ihn allenfalls auf einer neuen Stufe reprodu-
zieren, ist es abwegig, davon zu sprechen, daß der "zentrale Ka-
pitalismus" nicht länger als "autozentriert" gelten könne bzw.
daß der Reproduktionsprozeß entwickelter kapitalistischer Länder
durch die neue Spezialisierungsstruktur von den Entwicklungslän-
dern "funktional abhängig" werde. 30) Zumindest suggeriert eine
solche Interpretation, daß es im Zuge der Durchsetzung der neuen
Elemente in der internationalen Arbeitsteilung gleichsam gesetz-
mäßig zur Herausbildung "interdependenter" Beziehungen zwischen
den entwickelten kapitalistischen Ländern und den Entwicklungs-
ländern komme, wobei die asymmetrische und ungleiche Stellung der
Dritten Welt in der internationalen Arbeitsteilung langfristig
überwunden werde. Da das "neue" Spezialisierungsmuster viel stär-
ker noch als das "alte" auf die monopolistische Kontrolle der
Technologie durch die entwickelten kapitalistischen Länder bzw.
die internationalen Monopole hinausläuft, ist das entscheidende
Merkmal dieser Prozesse gerade die Vertiefung und Intensivierung
der Abhängigkeit der Dritten Welt von den kapitalistischen Indu-
striemetropolen.
Ebenso irreführend ist es, den wachsenden Anteil der Entwick-
lungsländer am Außenhandel entwickelter kapitalistischer Länder
als "Reintegration" in die Weltwirtschaft zu interpretieren. 31)
Diese Sicht übernimmt unkritisch die neoklassische These, daß der
Bedeutungsrückgang der Entwicklungsländer im Kontext der Welthan-
delsströme identisch mit ihrer "Desintegration" aus der kapitali-
stischen Weltwirtschaft war. 32) Dabei wurde geflissentlich über-
sehen, daß für die Abhängigkeit der Entwicklungsländer von den
kapitalistischen Zentren nicht deren relativer Anteil an der ka-
pitalistischen Weltwirtschaft, sondern das absolute Ausmaß der
Durchdringung ihrer Volkswirtschaften durch die Agenten des
"zentralen Kapitalismus" ausschlaggebend ist. Gleichwohl deutet
der Trendwechsel, der seit 1973 festgestellt werden kann, auf
eine neue Stufe der ökonomischen Verflechtung zwischen den Ent-
wicklungsländern und der BRD hin.
Hierin spiegelt sich selbst noch eine neue Qualität der Interna-
tionalisierung der BRD-Ökonomie wider, die darin besteht, - daß
sie durch den Übergang von der internationalen Arbeitsteilung
zwischen Industriezweigen zu einer Arbeitsteilung innerhalb von
Industriezweigen und Produktionskomplexen gekennzeichnet ist",
33) In den arbeitsteiligen Beziehungen zwischen der BRD und den
Entwicklungsländern tritt jedoch deutlich hervor, daß der Platz
der Entwicklungsländer im System dieser inter- und intraindustri-
ellen Arbeitsteilung gleichsam am unteren Ende liegt. Die Ent-
wicklungsländer erfüllen in diesem System insofern eine abhängige
Ergänzungsfunktion für die entwickelten kapitalistischen Länder,
als sie Produktionszweige übernehmen, die von vornherein zu einem
großen Teil exportorientiert sind und daher keine eigenständige,
an den inneren Bedürfnissen orientierte Akkumulationsdynamik in
Gang setzen können.
Bei der Analyse der geschilderten neuen Elemente in der Arbeits-
teilung darf nicht vergessen werden, daß die Dritte Welt regional
höchst ungleichmäßig von der neuen Verflechtungswelle erfaßt
wird. Im wesentlichen "profitieren" davon die OPEC-Länder und die
ost- und südostasiatischen "Billiglohnländer". Dies drückt sich
sowohl in den Rangverschiebungen bei den wichtigsten Handelspart-
nern der Bundesrepublik in der Dritten Welt aus (vgl. Tabelle 3)
als auch bei der Betrachtung des Fertigwarenanteils an der Ein-
fuhr der Bundesrepublik aus außereuropäischen Entwicklungslän-
dern.
Den höchsten Fertigwarenanteil an ihren Importen in die Bundesre-
publik weisen die Länder Asiens auf. Ohne Öl beträgt der Anteil
der Industriewaren an ihren Importen in die Bundesrepublik inzwi-
schen über 70%. Längst nicht so stark wächst dieser Anteil bei
Lateinamerika, während die afrikanischen Länder offensichtlich
erhebliche Schwierigkeiten haben, auf dem Industriewarenmarkt der
BRD stärker Fuß zu fassen (vgl. Tabelle 2). Unter den 20 wichtig-
sten Einfuhrländern der Bundesrepublik in der Dritten Welt befin-
den sich fast ausschließlich erdölexportierende Länder, Staaten,
deren Wirtschaftsmodell stark exportorientiert ist (Südkorea,
Hongkong, Taiwan, Malaysia usw.) oder aber Länder, die sich nach
dem Durchlaufen einer Phase der importsubstituierenden Industria-
lisierung nun im Übergang zum verstärkten Export von Industriewa-
ren befinden (Brasilien, Argentinien, Kolumbien). 34)
3. Hauptentwicklungslinien westdeutscher Direktinvestitionen
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in der Dritten Welt
-------------------
Ein weiterer Gradmesser für die Einbeziehung der Entwicklungslän-
der in die Arbeitsteilung mit der Bundesrepublik sind die Direk-
tinvestitionen westdeutscher Konzerne. Um eine besondere Form
handelt es sich dabei insofern, als sich arbeitsteilige Prozesse
hier im Rahmen der internationalen BRD-Monopole vollziehen. Das
Ausmaß und der Charakter der konzerninternen Arbeitsteilung wird
jedoch in den globalen Angaben der westdeutschen Direktinvestiti-
onsstatistik über die Branchenstruktur kaum sichtbar.
Zunächst muß festgehalten werden, daß - gemessen am Umfang der
Direktinvestitionen - der Bedeutungszuwachs der Entwicklungslän-
der im Außenhandel der BRD hier keine Entsprechung findet. Der
Anteil der Entwicklungsländer an den gesamten westdeutschen Di-
rektinvestitionen im Ausland hat sich seit den 60er Jahren bei
knapp 30% stabilisiert (vgl. Tabelle 4). Die zuweilen vorgetra-
gene Auffassung, daß seit Mitte der 70er Jahre "eine erneute Ver-
änderung in der Aufteilung der Kapitalinvestitionen zwischen im-
perialistischen und Entwicklungsländern in Richtung auf eine Er-
höhung des Anteils der Entwicklungsländer" zu beobachten sei 35),
findet somit zumindest für die Bundesrepublik keine empirische
Bestätigung. Legt man nicht die BMWi-Statistik, die die kumulier-
ten jährlichen Transaktionswerte ausweist, zu Grunde, sondern
geht von einer neuen, von der Bundesbank vorgenommenen und an den
Bilanzunterlagen der Unternehmen orientierten Statistik aus, so
ist der auf die Entwicklungsländer entfallende Bestand westdeut-
scher Direktinvestitionen in den 70er Jahren sogar auf knapp 22%
des Gesamtbestands zurückgefallen. 36) Beide Erhebungsmethoden
gelangen zwar zugegebenermaßen insgesamt zu Werten, die die Di-
rektinvestitionen zu niedrig ausweisen, was aber an den Relatio-
nen nichts ändern dürfte.
Allerdings kann die nach wie vor untergeordnete Bedeutung der
Entwicklungsländerinvestitionen westdeutscher Monopole nicht als
Argument dagegen ins Feld geführt werden, daß es gerade die Di-
rektinvestitionen in der Dritten Welt sind, die als entscheidende
Vermittlungsglieder der neuen Elemente in der internationalen ka-
pitalistischen Arbeitsteilung fungieren. 37) Mit Junne 38) können
sinnvollerweise drei verschiedene Typen von Direktinvestitionen
unterschieden werden, die gleichzeitig drei aufeinanderfolgende
Phasen in der globalen Bewegung der Direktinvestitionen kenn-
zeichnen:
1. Exportorientierte Direktinvestitionen im Rohstoff- und Ener-
giesektor;
2. Direktinvestitionen im Sektor der verarbeitenden Industrie,
die binnenmarktorientiert sind;
3. weltmarkt- ud exportorientierte Direktinvestitionen im Sektor
der verarbeitenden Industrie.
Selbstverständlich tritt keiner dieser Typen von Direktinvesti-
tionen jeweils in "reiner" Form auf. Gleichwohl dominiert in un-
terschiedlichen historischen Phasen jeweils ein Direktinvestiti-
onstyp. Dies korreliert jeweils sehr stark mit den in den Ent-
wicklungsländern selbst verfolgten Entwicklungs- bzw. Industria-
lisierungsstrategien, was daraufhinweist, daß die Bewegung der
Direktinvestitionen nicht nur an den Bedingungen der Profitpro-
duktion in den kapitalistischen Zentren orientiert ist, sondern
sich zu einem gewissen Ausmaß den konkret-historischen Bedingun-
gen in den Zielländern des Kapitalexports anpassen muß.
Im Falle der Bundesrepublik waren Bewegung und Zielbestimmung der
Direktinvestitionen von Beginn an zusätzlich noch dadurch modifi-
ziert, daß der deutsche Imperialismus aufgrund seiner Niederlagen
in den beiden Weltkriegen bis heute keine nennenswerten Positio-
nen in den Rohstoffsektoren der Entwicklungsländer erobern
konnte, was in einem entsprechend niedrigen Anteil dieses Direk-
tinvestitionstyps an seinen Gesamtauslandsinvestitionen zum Aus-
druck kommt. Um so stärker war die Konzentration der westdeut-
schen Monopole auf den Sektor der verarbeitenden Industrie (vgl.
Tabelle 5). Danach entfielen Mitte 1979 mehr als 72% aller west-
deutschen Direktinvestitionen in den Entwicklungsländern auf die
verarbeitende Industrie. 39)
Verschiedene Anhaltspunkte deuten daraufhin, daß die westdeut-
schen Direktinvestitionen in Entwicklungsländern nach wie vor in
überwiegendem Maße dem binnenmarktorientierten Typ zuzurechnen
sind. E r s t e n s gibt es nur minimale Unterschiede in der
Branchenstruktur der Direktinvestitionen in kapitalistischen In-
dustrieländern und Entwicklungsländern. In beiden Fällen dominie-
ren eindeutig jene Branchen, die gemeinhin zu den auch in der
Bundesrepublik wachstumsträchtigsten gerechnet werden.
Z w e i t e n s entfällt traditionell ein hoher Anteil der west-
deutschen Direktinvestitionen auf solche Entwicklungsländer, die
über relativ große und aufnahmefähige Binnenmärkte verfügen und
während ihrer Phase der importsubstituierenden Industrialisierung
günstige Ansatzpunkte geboten haben (Lateinamerika, bes. Brasi-
lien, Argentinien und Mexiko). D r i t t e n s weisen empiri-
sche Erhebungen darauf hin, daß absatzpolitische Überlegungen im-
mer noch bei unternehmerischen Direktinvestitionsentscheidungen
eine dominante Rolle spielen. 40)
Gleichwohl ist unübersehbar, daß auch in der Bewegung der west-
deutschen Direktinvestitionen in der Dritten Welt die neuen Ele-
mente der internationalen Arbeitsteilung - wenngleich noch in
eher embryonaler Form - zum Tragen kommen. E r s t e n s - dar-
auf wurde bereits hingewiesen - lassen die globalen Angaben über
die Branchenstruktur keine Aussagen darüber zu, ob es sich um die
Verlagerung unvollständiger Produktionszyklen handelt oder um re-
lativ geschlossene Produktionsprozesse. Z w e i t e n s gibt es
in der regionalen Verteilung der westdeutschen Direktinvestitio-
nen innerhalb der Dritten Welt einige interessante Verschiebun-
gen. Erhöht hat sich das Gewicht der asiatischen Länder, während
der Anteil Lateinamerikas zurückgefallen ist. Auch die Position
der südeuropäischen Mittelmeerländer als Zielregion der westdeut-
schen Direktinvestitionen hat sich verbessert. Eine überdurch-
schnittliche Zuwachsrate wiesen in den letzten Jahren mit fast
35% jährlich die sog. ASEAN-Länder auf, die den Typ der exporto-
rientierten Industrialisierung exemplarisch verkörpern. 41)
D r i t t e n s kann beobachtet werden, daß international agie-
rende BRD-Monopole ihre Unternehmensniederlassungen auch in tra-
ditionellen Schwerpunktländern wie Brasilien verstärkt als Ex-
portbasen zur Bedienung der regionalen oder weltweiten Märkte
oder auch zum Reimport in die BRD nutzen. Dies kommt auch darin
zum Ausdruck, daß Länder wie Brasilien in den letzten Jahren
sprunghafte Zuwachsraten beim Export aufweisen. Diese Form der
Nutzung von ausländischen Unternehmensniederlassungen kann als
Übergangsform zwischen dem 2. und dem 3. Typ der Direktinvesti-
tionen begriffen werden.
V i e r t e n s kann in letzter Zeit festgestellt werden, daß
gerade jene Produkionszweige, in denen die Lohnkostenvorteile der
Entwicklungsländer besonders stark zum Tragen kommen (Herstellung
und Verarbeitung von Leder, Säge- und Holz Verarbeitung, Textil-
gewerbe, Bekleidungsindustrie, Herstellung von Schuhen, Musikin-
strumente, Sportgeräte und Spielwaren), einen zunehmenden Anteil
ihrer Kapitalanlagen in Entwicklungsländern tätigen, wenngleich
ihr relatives und absolutes Gewicht an den Direktinvestitionen
insgesamt noch niedrig ist. 42) F ü n f t e n s schließlich
liefern auch die Motivforschungen des HWWA Anhaltspunkte dafür,
daß in letzter Zeit kosten- gegenüber absatzpolitischen Erwägun-
gen bei Direktinvestitionsentscheidungen der Konzerne an Bedeu-
tung gewinnen. 43)
4. Entwicklungstendenzen von Auslandsproduktion
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und Auslandsbeschäftigung
-------------------------
Wichtige Anhaltspunkte für die Herausbildung neuer Elemente in
der Arbeitsteilung der Bundesrepublik mit den Entwicklungsländern
liefert schließlich die Untersuchung von Auslandsproduktion und
Auslandsbeschäftigung im Bereich der internationalen Konzerne.
Aufschlußreich für mögliche binnenwirtschaftlicndsproduktion und
Auslandsbeschäftigung im Bereich der internationalen Konzerne.
Aufschlußreich für mögliche binnenwirtschaftliche Rückwirkungen
der sich darin ausdrückenden Internationalisierung des westdeut-
schen Kapitals wäre auch ein Vergleich der Entwicklungen von Ex-
port und Auslandsproduktion, von Investitionsausgaben der BRD-In-
dustrie im Inland und im Ausland sowie von Auslands- und Inlands-
beschäftigung. Nicht immer lassen es die verfügbaren Daten jedoch
zu, den spezifischen Anteil der Entwicklungsländer an diesen Po-
sitionen sichtbar zu machen.
In den letzten Jahren ist die Auslandsproduktion der westdeut-
schen Konzerne (die gemeinhin am Umsatz der Auslandsniederlassun-
gen gemessen wird) ständig schneller gewachsen als der Export.
Nach einer neueren Schätzung entspricht der Wert der Auslandspro-
duktion der Bundesrepublik seit etwa Mitte der 70er Jahre gut der
Hälfte des Wertes der Exporte. Vergleicht man dies mit der glo-
balen Auslandsproduktion, die auf das Doppelte der weltweiten Ex-
porte geschätzt wird, so zeigt sich, daß die BRD-Konzerne ihre
Außenexpansion immer noch wesentlich stärker als ihre internatio-
nalen Hauptkonkurrenten auf den Export stützen als auf die Inter-
nationalisierung der Produktion. 44) Gleichwohl kann als sicher
gelten, daß sich das Gewicht der Auslandsproduktion gegenüber dem
Warenexport auch in Zukunft weiter erhöhen wird. Mit dieser Ent-
wicklung dürfte eine zumindest teilweise Substitution von Expor-
ten durch direkte Auslandsproduktion verbunden sein. 45)
Vor dem Hintergrund der ökonomischen Krisenprozesse der letzten
Jahre und unter dem Einfluß der staatsmonopolistischen Struktur-
politik veränderten sich im Innern der BRD die Zielsetzungen der
industriellen Investitionen: Während der Anteil der Investitionen
zur Kapazitätserweiterung von 41% (1973) auf 25% (1978) zurückge-
gangen ist, hat der Anteil der Investitionen zur Rationalisierung
und Ersatzbeschaffung beträchtlich zugenommen. 46) Diesem verän-
derten Investitionsverhalten entspricht ein absoluter Rückgang
der abhängig Beschäftigten in der Bundesrepublik, der schon des-
halb als strukturell und nicht nur konjunkturell bedingt angese-
hen werden muß, weil die Beschäftigtenanzahl auch nach der Über-
windung des Tiefpunktes im konjunkturellen Zyklus ihr ursprüngli-
ches Niveau nicht mehr erreicht. 47)
Zur Erklärung dieses Phänomens soll hier die These vertreten wer-
den, daß Rationalisierung im Innern und Produktionsverlagerung
nach außen komplementär aufeinander bezogene Prozesse sind, die
beide Ausdruck der durch verschärfte Konkurrenzbedingungen be-
schleunigten Strukturveränderungen der kapitalistischen Weltwirt-
schaft sind. 48) Beide zielen letztlich auf die Verbesserung der
Verwertungssituation des metropolitanen Kapitals, wenngleich da-
bei unterschiedliche Methoden angewandt werden. Im Falle von Ra-
tionalisierungsmaßnahmen handelt es sich um den Versuch, die re-
lative Mehrwertproduktion zu steigern; Produktionsverlagerungen,
die ebenfalls auf eine Senkung des Kostenanteils für variables
Kapital zielen, sind demgegenüber - vom Standpunkt des auslagern-
den Kapitals - eher mit der klassischen Methode der Steigerung
der absoluten Mehrwertproduktion vergleichbar. Die in diesem Pro-
zeß auftretenden "Freisetzungseffekte" statistisch einwandfrei
jeweils getrennt auf die Rationalisierungsprozesse auf der einen
und die Verlagerungstendenzen auf der anderen Seite zurückführen
zu wollen, übersieht den durch die Gesetze der Profitproduktion
unter den Bedingungen fortschreitender Internationalisierung dik-
tierten unauflöslichen Zusammenhang von Modernisierung, interna-
tionaler Expansion und kapitalistischen Strukturveränderungen.
Die Entwicklungsländer spielen in diesem Prozeß rückläufiger oder
tendenziell stagnierender Beschäftigung im Innern und wachsender
Subordination von Arbeitskräften im Ausland unter die Kommandoge-
walt des westdeutschen Monopolkapitals insofern eine besondere
Rolle, als die dortige Auslandsproduktion besonders arbeitsinten-
siv ist. Während die Auslandsproduktion in den entwickelten kapi-
talistischen Staaten eher den gleichen oder ähnlichen Bedingungen
wie in der BRD unterliegt, steht in der Dritten Welt in der Tat
ein wachsendes und wohlfeiles Arbeitskräftepotential bereit, zu
dessen verstärkter Nutzung die internationalen Monopole vor dem
Hintergrund der wachsenden Zerlegbarkeit von Produktionsprozessen
und der Entwicklung der Transport- und Kommunikationstechnologie
immer besser in der Lage sind. Es ist deshalb kein Zufall, daß -
wie sich aus einer neueren Statistik der Deutschen Bundesbank er-
gibt - ca. 40% der Beschäftigten in den westdeutschen Auslandsun-
ternehmen auf die Entwicklungsländer entfallen, obwohl diese nur
etwas mehr als 20% der westdeutschen Direktinvestitionen auf sich
vereinigen. 49) Nach den Schätzungen von Fröbel/Heinrichs/Kreye
für die Mitte der 70er Jahre beläuft sich der Anteil der Aus-
landsbeschäftigten in Entwicklungsländern sogar auf 46%
(Industrieländer: 54%). 50) Insgesamt beziffern Fröbel/Hein-
richs/Kreye die Anzahl der Auslandsbeschäftigten der westdeut-
schen Industrie auf 1,5 bis 1,6 Mio. Die Auslands-beschäftigten-
quote (Anteil der Auslandsbeschäftigten an den Inlandsbeschäftig-
ten) beziffern sie auf gut 20%. 51)
Ein besonders augenfälliges Beispiel dieser vom Strukturwandel
erfaßten Industriezweige ist die westdeutsche Textil- und Beklei-
dungsindustrie. 52) Anfang der 70er Jahre importierte die BRD ca.
30% ihres Textil- und grob 10% ihres Bekleidungsbedarfs. Während
die Importquote bei Bekleidungsartikeln ständig stieg, gingen die
Bekleidungsexporte beständig zurück. Damit verbunden war ein Be-
schäftigungsrückgang bei Textil und Bekleidung in der Bundesrepu-
blik um ca. 37% zwischen 1960 und 1976. Im Gefolge davon nahm
auch der Anteil dieses Zweiges an der Gesamtbeschäftigtenzahl der
BRD-Industrie von 1960 noch 7,7% auf 1976 nur noch 4,6% (Textil)
bzw. von 4,4% auf 3,7% (Bekleidung) ab. Gleichzeitig hatten bis
Mitte der 70erJahre etwa 45% der in die Untersuchung von Frö-
bel/Heinrichs/Kreye einbezogenen Unternehmen der Textilindustrie
und etwa 70% der Unternehmen der Bekleidungsindustrie der BRD in
irgendeiner Form eine Auslandsfertigung errichtet. 53) Die Zahl
der im Ausland produzierenden Unternehmen der westdeutschen Tex-
til- und Bekleidungsindustrie ist von 60 (1966) über 80 (1970)
auf etwa 200 (1974/75) angestiegen. Die Zahl der Auslandsbeschäf-
tigten hat sich im Zuge dieses Auslagerungsprozesses bei der Tex-
tilindustrie von ca. 8000 (1966) über ca. 14200 (1970) auf ca.
29500 (1974/75) und bei der Bekleidungsindustrie von ca. 15000
(1966) über ca. 24 800 (1970) auf schließlich 31 000 (1976) er-
höht. Davon waren jeweils etwa 45% in ausgesprochenen
"Niedriglohnländern" beschäftigt. Nimmt man passive Lohnverede-
lungsgeschäfte hinzu, so gab es allein in der Textil- und Beklei-
dungsindustrie 69 000 bis 80 000 Auslandsbeschäftigte (1974/75).
Die Auslandsbeschäftigtenzahl des Textil- und Bekleidungsgewerbes
in der BRD hat sich also in acht bis neun Jahren mehr als verdop-
pelt, während die Inlandsbeschäftigtenzahl um ein Viertel zurück-
gegangen ist.
Von besonderer Bedeutung in diesem Zusammenhang ist der Tatbe-
stand, daß knapp die Hälfte der ausländischen Produktionsstätten
der Textilindustrie (mit etwa 11 000 Beschäftigten) und über zwei
Drittel der ausländischen Produktionsstätten der Bekleidungsindu-
strie (mit 18 500 Beschäftigten) überwiegend oder ausschließlich
für den BRD-Markt produzieren, so daß davon ausgegangen werden
muß, daß zumindest in diesem Bereich der Strukturdruck auf die
inländische Textil- und Bekleidungsindustrie zum großen Teil
durch die BRD-Unternehmen selbst produziert worden ist.
Darüber hinaus unterliegen jedoch auch solche Zweige dem be-
schriebenen Entwicklungstrend, die im allgemeinen als besonders
dynamisch gelten. Alle drei großen Unternehmen der westdeutschen
Elektroindustrie z.B. (Siemens, Bosch, AEG-Telefunken) haben in
den Jahren 1971-1976 ihre Inlandsbeschäftigten auch in absoluten
Zahlen reduziert , während die Zahl ihrer Auslandsbeschäftigten
kräftig zugenommen hat (vgl. Tabelle 6). Der Siemenskonzern, der
größte "Arbeitgeber" im Ausland, reimportierte schon im Jahre
1971/72 rund 18% der Eigenleistungen seiner Auslandstöchter wie-
der in die BRD oder exportierte sie in Drittländer. Ebenso waren
bereits 13% der Eigenleistung der Bosch-Auslandstöchter für den
Export auf den Weltmarkt oder in die BRD bestimmt. Die Pläne der
Elektrofirmen signalisierten schon damals eine Erhöhung dieses
Anteils, die sich im Beschäftigtenabbau in der BRD niedergeschla-
gen haben dürfte. 54) Diese Entwicklung ist Ausdruck von sich zu-
spitzenden strukturellen Disproportionen in der westdeutschen
Elektroindustrie, die in jüngster Zeit zu einer starken Polari-
sierung zwischen weniger und höher qualifizierter Arbeit im Rah-
men der weltweiten Arbeitsteilung innerhalb der betreffenden Kon-
zerne geführt haben. Die Höherbewertung der DM und der bis 1973
ungehinderte Zufluß von ausländischen Gastarbeitern (insbesondere
Arbeiterinnen) hatten laut einer Untersuchung des Kieler Welt-
wirtschaftsinstituts Teilen der westdeutschen Elektroindustrie
bis in die 70er Jahre hinein eine Überlebenschance verschafft,
"die sie normalerweise in einem so hochentwickelten Land wie der
Bundesrepublik nicht gehabt hätten". 55) Sobald diese Sonderfak-
toren abgebaut waren, schien die Auslagerung dieser Teilprozesse
der Elektroindustrie immer mehr zur Bedingung dafür zu werden,
daß die Wachstumsträchtigkeit der gesamten Branche erhalten wer-
den konnte.
VI. Ausblick: Konsequenzen und Perspektiven
-------------------------------------------
Wenngleich kaum ein Interview, eine Festrede oder programmatische
Erklärung eines Politikers der BRD zu Problemen der weltwirt-
schaftlichen Entwicklung ohne den Hinweis auf die zukünftige Di-
mension und Qualität der BRD als überwiegender Exporteur von
Blaupausen und technologischem "know how" auskommt, so wird der
Realitätsgehalt derartiger Vorstellungen nur selten überprüft.
Selten ist in diesem Zusammenhang thematisiert worden, daß die
BRD seit langem wesentlich mehr Patente und Lizenzen importiert
als exportiert, daß also die Patent- und Lizenzbilanz heute noch
defizitär ist. 55a)
Auch muß vor der Vorstellung gewarnt werden, daß die sogenannte
aktive und vorausschauende Strukturpolitik schon in nennenswertem
Umfang realisiert wird. Nimmt man direkte Finanzhilfen und Steu-
ervergünstigungen für Betriebe und Wirtschaftszweige als wichtig-
ste öffentliche Subventionsformen zusammen, so zeigt sich, daß
die "Erhaltungshilfen" mit über 50% (ca. 8,5 Mrd. DM) immer noch
den größten Posten ausmachen und dieser Anteil sich im Laufe der
siebziger Jahre (zumindest bis 1976) kaum verringert hat; dagegen
ist der Anteil der "Produktivitätshilfen", der noch am stärksten
dem Konzept der "aktiven Strukturpolitik" entsprechen dürfte,
sogar noch leicht zurückgegangen. 56) Das schließt keineswegs
aus, daß auf anderen Ebenen die an fortgeschrittener Technologie
orientierte Strukturpolitik erheblich an Bedeutung zugenommen
hat; die Forschungsund Entwicklungsaufwendungen des Staates
stiegen nicht nur absolut seit Beginn der sechziger Jahre enorm
an (1962: 4,5 Mrd. jährlich, 1974: 24,6 Mrd. jährlich), sondern
erhöhten auch ihren Anteil am Bruttosozialprodukt von 1,3% auf
2,4% erheblich. 57)
Auch die freihändlerischen Postulate, die der aktiven Strukturpo-
litik im Bereich der Außenwirtschaft entsprechen und letztlich
eine forcierte staatliche Förderung der Exportexpansion und/oder
der Produktionsverlagerung ins Ausland implizieren, wurden durch
die BRD keineswegs so konsequent eingehalten wie die Repräsentan-
ten des Systems, die als ideologische Bannerträger des völligen
Welthandels-Liberalismus schon den Spott ihrer Konkurrenten auf
sich gezogen haben, für sich reklamieren. 58) Eine lückenlose und
stromlinienförmige Realisierung des Konzepts der "aktiven Struk-
turpolitik" stößt aber nicht nur auf interne Hemmnisse, die auch
geschwächte Monopole unter Hinweis auf die Notwendigkeit der Er-
haltung von Arbeitsplätzen auszuüben vermögen (z.B. die gesamte
Werftindustrie der BRD!), sondern natürlich auch auf ähnliche
Verhaltensweisen ausländischer Monopole und Staaten, die analoge
Konzepte entwerfen und überdies schon seit längerem in Abwehr und
Gegenreaktionsstellung gegenüber den überaus expansionistischen
BRD-Monopolen stehen. Auch spricht nicht viel gegen die Überle-
gung, daß einige fortgeschrittene Entwicklungsländer selbst eine
ähnliche Strategie einschlagen und der BRD zusätzliche Konkurrenz
bereiten. 59)
Zum anderen leidet eine gezielte Technologie- und Strukturpolitik
auch darunter, daß sich eindeutige Erkenntnisse bzw. Prognosen
über zukünftige Wachstumsbranchen, besonders nachgefragte Pro-
dukte und über langfristige Standortvorteile der BRD nicht machen
lassen: "In den Genuß der Fördermittel sollten eigentlich nur die
Produktionsbereiche kommen, von denen erwartet werden kann, daß
sie längerfristig Standortvorteile in der Bundesrepublik besit-
zen. Welche Produktionen das sein werden, ist allerdings nur
schwer zu sagen. Zwar kann man heute jene Produktionen, die
Standortvorteile in der Bundesrepublik verloren haben und die un-
ter diesem Aspekt eine Art Negativliste des weltwirtschaftlich
bedingten Strukturwandels bilden, recht gut identifizieren. Aber
es ist nicht möglich, mit annähernder Präzision eine Positivliste
der zukünftigen Wachstumsbranchen zu erarbeiten." 60)
Aber selbst wenn die Strategie des "aktiven Strukturwandels"
weitgehend realisiert würde, so wären mit ihren Resultaten neue
Schwierigkeiten verbunden. Trotz der erklärten Absicht, die hohe
außenwirtschaftliche Verflechtung bzw. Exportlastigkeit der BRD
nicht noch weiter zu befördern, sondern nur konsolidieren zu wol-
len 61), muß u.E. davon ausgegangen werden, daß eine erfolgreiche
Realisierung dieses Konzepts eine Zunahme der außenwirtschaftli-
chen Verflechtung bedeutet. Die Abhängigkeit der BRD-Wirtschaft
von Nachfragetendenzen in anderen Ländern, von politischen Ent-
scheidungen etc. würde damit weiter steigen; die nationalstaatli-
che "Steuerbarkeit" von Konjunkturprozessen, die ohnehin nicht
allzu hoch veranschlagt werden kann, würde noch weiter eingeengt.
Zum anderen sind sich viele Beobachter der langfristigen techno-
logischen Entwicklung darin einig, daß in der unmittelbaren und
mittelfristigen Zukunft der technische Fortschritt bzw. die Nach-
frage nach den Resultaten des technischen Fortschritts weniger in
bedeutenden Produktinnovationen (wie Automobil oder elektrische
Küchengeräte etc.) - begleitet von Nachfrage- und Einkommensex-
pansion - liegen wird, sondern schwerpunktmäßig in Prozeß- bzw.
Produktionsinnovationen. 62) Es darf angenommen werden, daß von
beiden Innovationsformen recht unterschiedliche Wirkungen auf das
Beschäftigungsniveau ausgehen. - Zwar wird man nicht umstandslos
Produktinnovation mit positivem und Prozeßinnovation mit negati-
vem Beschäftigungseffekt gleichsetzen dürfen; man wird aber fest-
halten können, daß eine beschäftigungssteigernde Wirkung einer
Prozeßinnovation an sehr spezielle Voraussetzungen geknüpft ist,
die diese Wirkung in der Regel als wenig realistisch, jedenfalls
als unrealistischer als bei einer Produktinnovation erscheinen
lassen... Wenn Innovationen vom nationalisierenden Typ' dominie-
ren, kann nicht länger erwartet werden, daß eine wirtschaftspoli-
tisch unterstützte Verstärkung der Innovationstätigkeit zu Ergeb-
nissen führt, wie sie von Endnachfrage-erweiternden Innovationen
erwartet werden könnten. Förderung der Innovationstätigkeit heißt
unter solchen Voraussetzungen primär Förderung von Rationalisie-
rungsinnovationen. Die wahrscheinliche Folge einer solchen Poli-
tik ist nicht die Sicherung der Beschäftigung, sondern die wirt-
schaftspolitisch unterstützte Förderung solcher Innovationen, die
das Arbeitsplatzangebot der Industrie reduzieren." 63)
Diese allgemein sich abzeichnende Tendenz, die auch mit dem Be-
griff "Entkoppelung von Wachstum und Beschäftigung" beschrieben
wurde, spitzt sich bei der weltmarktorientierten Strategie der
"aktiven Strukturpolitik" insofern zu, als im Exportsektor die
größten Produktivitätsfortschritte gemacht und demzufolge - auch
bei weiterer Zunahme der "Exportquote" - der Tendenz nach sogar
immer weniger Beschäftigte absorbiert werden können. Der hohe und
bis Mitte der siebziger Jahre wachsende Anteil der direkt oder
indirekt für den Warenexport produzierenden Erwerbstätigen (ihre
Anzahl stieg von 1970: 3,8 Mio. auf 1974: 4,5 Mio.) 64) scheint
sich aufgrund einer gewissen Polarisierung zwischen dem interna-
tionalen und dem Binnen-Sektor seit Mitte der siebziger Jahre zu-
rückzuentwickeln. "Auch im Aufschwung 1975/76 nahm die Zahl der
Beschäftigten unmittelbar zu, aber nur im Binnensektor, dessen
Güter nicht international gehandelt werden. Dagegen verlief die
Entwicklung im internationalen Sektor der westdeutschen Wirt-
schaft entgegen dem früheren Konjunkturmuster; die Beschäftigung
ging hier weiter zurück", und es muß als fraglich gelten, "ob die
künftige längerfristige Beschäftigtenentwicklung im internatio-
nalen Sektor zu einer Beseitigung der Arbeitslosigkeit beitragen
kann". 65)
Dieser globale Befund und die sich hieran knüpfende Hypothese
sollten zukünftig verstärkt auf den verschiedenen Ebenen der au-
ßenwirtschaftlichen Verflechtungen der BRD untersucht werden:
Verstärkte Importkonkurrenz, fortgesetzter hoher Kapitalexport,
Forcierung der Auslandsproduktion, z.T. mit dem Ziel des Reim-
ports oder des Exports in dritte Länder (was ebenfalls einen Weg-
fall von heimischen Arbeitsplätzen bedeutet) - auf allen diesen
Ebenen kommt es offensichtlich zur "Freisetzung" von Arbeitskräf-
ten in einem Ausmaß, das durch den Ausbau des technologieintensi-
ven Exportsektors nicht kompensiert werden kann. 66) Einer eini-
germaßen genauen Schätzung dieser Entwicklungen stehen eine große
Zahl von Schwierigkeiten entgegen, die daraus resultieren, daß
für die Erfassung von bestimmten Zusammenhängen - wie z.B. des
Verhältnisses von Außenhandel und Beschäftigung oder der Wirkun-
gen von Direktinvestitionen auf den Außenhandel - einerseits bis-
lang kaum theoretische Vorarbeiten vorliegen, während auf der an-
deren Seite methodische Schritte und ihre empirische Einlösung
auf sehr stark disaggregierten Größen aufbauen müßten.
Tabellenanhang:
---------------
Tabelle 1:
Anteile der Ländergruppen am Außenhandel der Bundesrepublik
Deutschland nach Herstellungs- und Verbrauchsländern in Prozent
Export
1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979
Kapitalist. Industrieländer
82,2 78,9 75,4 76,6 76,5 76,8 79,4
Entwicklungsländer 11,5 13,9 16,5 16,9 17,1 16,7 14,3
Afrika 2,9 3,3 4,1 4,3 4,9 4,4 3,8
Lateinamerika 3,6 4,4 4,0 3,4 3,5 3,2 3,1
Asien 5,0 6,2 8,3 8,5 8,7 8,8 7,4
Ozeanien 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
OPEC-Länder 3,4 4,5 7,5 8,1 9,1 8,6 6,1
Übrige EL 9,1 9,4 8,9 8,1 8,0 8,1 8,2
Sozialistische Länder 6,1 6,9 7,9 6,8 6,1 6,2 6,0
Import
Kapitalist. Industrieländer
78,9 72,9 75,2 74,5 74,6 76,8 75,8
Entwicklungsländer 16,5 22,4 20,0 20,5 20,4 18,0 18,6
Afrika 5,4 8,0 6,6 6,6 6,5 5,4 6,1
Lateinamerika 4,1 3,9 3,6 3,7 4,3 3,8 3,6
Asien 6,7 10,3 9,5 9,9 9,5 8,5 8,8
Ozeanien 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0
OPEC-Länder 7,2 13,3 11,0 11,0 10,0 8,0 9,1
Übrige EL 9,3 9,1 9,0 9,5 10,5 10,0 9,4
Sozialistische Länder 4,6 4,7 4,7 4,9 4,8 5,2 5,5
_____
Quelle: Statistisches Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland,
div. Jg.: WiSta 2/80; eigene Berechnungen.
Tabelle 2a:
Außenhandel der Bundesrepublik Deutschland mit außereuropäischen
Entwicklungsländern nach Warengruppen 1972"1978 zu laufenden
Preisen 1)
1972 1975 1976 1978
Warengruppe Mio. Anteil Mio. Anteil Mio. Anteil Mio. Anteil
DM in % DM in % DM in % DM in %
Einfuhr
Ernährungswirtschaft
5255 26,8 6508 17,7 8001 17,6 9872 22,6
Lebende Tiere 6 0,0 8 0,0 8 0,0 8 0,0
Nahrungsmittel 3752 19,1 4906 13,3 5117 11,3 6238 14,3
Nahrungsmittel tierischen
Ursprungs 1030 5,2 582 1,6 725 1,6 862 2,0
Nahrungsmittel pflanzlichen
Ursprungs 2722 13,9 4324 11,7 4392 9,7 5376 12,3
Genußmittel 1497 7,6 1596 4,3 2875 6,3 3626 8,3
Gewerbliche
Wirtschaft 14313 72,9 30209 82,0 37258 82,0 33571 76,9
Rohstoffe 9860 50,2 22239 60,4 26519 58,4 20788 47,6
Halbwaren 1561 7,9 2124 5,8 2973 6,5 3453 7,9
Fertigwaren 2892 14,7 5845 15,9 7766 17,1 9330 21,4
Vorerzeugnisse 1119 5,7 1318 3,6 1747 3,8 2228 5,1
Enderzeugnisse 1773 9,0 4527 12,3 6019 13,2 7102 16,3
insgesamt 2) 19635 100,0 36840 100,0 45444 100,0 43686 100,0
Ausfuhr
Ernährungswirtschaft
489 2,9 976 2,7 1116 2,7 1584 3,3
Gewerbliche
Wirtschaft 16475 96,9 35401 97,1 40610 97,1 45725 96,3
Rohstoffe 100 0,6 212 0,6 233 0,6 303 0,6
Halbwaren 880 5,2 1601 4,4 1453 3,5 2023 4,3
Fertigwaren 15496 91,1 33588 92,1 38924 93,0 43399 91,4
Vorerzeugnisse 2633 15,5 5313 14,6 5390 12,9 6508 13,7
Enderzeugnisse 12863 75,7 28275 77,6 33535 80,2 36891 77,7
insgesamt 2) 17004 100,0 36457 100,0 41835 100,0 47461 100,0
_____
1) Herstellungs- bzw. Verbrauchsländer
2) in der Gesamtein- bzw. -ausfuhr sind Rückwaren und Ersatzlie-
ferungen enthalten; diese fehlen bei den Angaben für die einzel-
nen Warengruppen
Quelle: Tabellenanhang zum Vierten Bericht zur Entwicklungspoli-
tik der Bundesregierung, Bonn, März 1980, S. 118.
Tabelle 2b:
Anteil der Industriewaren (SITC 5-8) an der Einfuhr der Bundesre-
publik Deutschland aus außereuropäischen Entwicklungsländern in
Prozent
1972 1976 1978
mit Öl ohne Öl mit Öl ohne Öl mit Öl ohne Öl
Insgesamt 21,0 33,4 20,8 42,9 24,8 43,7
Afrika 7,4 18,4 6,0 21,3 7,5 21,2
Lateinamerika 19,4 20,4 20,4 22,4 20,1 22,3
Asien 34,8 59,3 30,9 68,6 38,3 70,3
_____
Quelle: Statistisches Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland,
div. Jg.; eigene Berechnungen.
Tabelle 3:
Rangpositionen von 20 außereuropäischen Entwicklungsländern bei
der Einfuhr in die Bundesrepublik Deutschland in Mio. DM
1973 1976 1978
Land Rang Mio. Rang Mio. Rang Mio.
Iran 4 1.686,5 2 4.983,5 1 4.214,8
Libyen 1 2.222,3 1 5.272,3 2 3.416,5
Saudi Arabien 3 1.923,3 3 4.516,0 3 3.033,4
Nigeria 7 1.074,5 5 2.453,8 4 2.450,1
Algerien 5 1.409,0 4 2.881,5 5 2.341,2
Brasilien 2 1.946,5 6 2.414,6 6 2.299,8
Hongkong 6 1.134,6 7 2.285,8 7 2.212,3
Argentinien 8 1.031,8 11 892,1 8 1.490,0
V.A. Emirate 9 651,7 8 1.737,8 9 1.395,7
Südkorea - 297,8 10 1.017,5 10 1.356,5
Taiwan 10 608,0 9 1.093,8 11 1.320,0
Kolumbien 14 408,3 12 842,3 12 1.204,3
Malaysia 12 440,2 13 776,1 13 907,1
Israel 15 406,7 17 562,0 14 816,2
Chile 11 489,0 14 760,3 15 781,2
Thailand - 223,5 20 502,6 16 765,4
Indien 18 339,7 15 750,1 17 764,6
Elfenbeinküste 13 426,7 - 482,3 18 733,7
Indonesien 16 370,9 18 535,8 19 703,0
Philippinen 19 323,0 16 609,4 20 655,2
_____
Quelle: Statistisches Jahrbuch der Bundesrepublik Deutschland,
div. Jg.
Tabelle 4:
Regionale Verteilung der westdeutschen Direktinvestitionen in
Mrd. DM und Prozent (Bestandswerte)
1970 1975 1977 1979 a)
Mrd. % Mrd. % Mrd. % Mrd. %
Insgesamt 21,1 100,0 42,0 100,0 52,1 100,0 61,6 100,0
Industrieländer 14,9 70,6 29,7 70,7 36,4 69,9 43,9 71,3
Entwicklungsländer 6,2 29,4 12,3 29,3 15,7 30,1 17,6 28,6
Afrika b) 1,2 5,7 2,6 6,2 3,1 5,9 - -
Lateinamerika 3,7 17,5 5,5 13,1 7,3 14,0 - -
Brasilien 1,5 7,0 2,9 6,9 4,0 7,8 4,8 7,8
Asien 0,4 2,0 1,4 3,3 2,0 3,8 - -
ASEAN-Länder c) 0,04 0,2 0,2 0,5 - - 0,5 0,8
_____
a) Stand: 30.6.1979
b) einschließlich Südafrika
c) Thailand, Malaysia, Singapur, Indonesien, Philippinen
Quelle: BMWi-Statistik nach H. Krägenau, Internationale Direktin-
vestitionen, Ergänzungsband 1978/79, Hamburg 1979; ifo-Schnell-
dienst, 4/1980; eigene Berechnungen.
Tabelle 5:
Branchenstruktur der westdeutschen Direktinvestitionen in Indu-
strie- und Entwicklungsländern in Prozent (Bestandswerte)
1971 1976 1977 1979a)
IL EL IL EL IL EL IL EL
Industrie 84,2 82,8 80,1 69,2 79,0 71,0 77,5 72,2
Erdölgewinnung
und -verarbeitung 4,1 4,3 5,3 8,8 5,5 9,0 5,4 8,5
Chemie 24,0 20,7 19,4 17,2 18,7 16,4 17,0 15,9
Elektrotechnik 12,1 10,4 10,7 10,1 10,7 11,1 9,5 11,4
Eisen/Stahl 6,1 5,9 9,6 4,3 9,2 4,4 10,5 4,5
Automobilindu-
strie 7,7 12,7 5,3 8,2 5,3 9,0 5,2 9,1
Maschinenbau 7,1 7,4 8,6 6,6 8,1 6,9 7,7 8,0
Dienstleistungs-
sektor 12,3 16,1 17,2 29,4 18,4 27,7 19,3 26,7
Sonstige 3,5 1,1 2,7 1,4 2,6 1,3 3,2 1,1
_____
a) Stand 30.6.1979
Quelle: BMWi-Angaben nach H. Krägenau, Internationale Direktinve-
stitionen, Ergänzungsband 1978/79, Hamburg 1979; ifo-Schnell-
dienst, 4/1980.
Tabelle 6:
Beschäftigungsentwicklung bei wichtigen BRD-Konzernen im Inland
und im Ausland 1971-1976, in 1000 und Veränderung in Prozent
Konzern 1971 1975 1976 Veränderung 1971
- 1976 in %
Beschäftigte im Inland
AEG-Telefunken 146 133 132 -9,6
BASF 78 89 89 14,1
Bosch 90 70 72 -20,0
Daimler Benz 127 129 133 4,7
Hoechst 97 105 104 7,2
Mannesmann a) 73 85 84 15,1
Siemens b) 234 207 208 -11,1
Volkswagen 160 118 124 -22,5
Beschäftigte im Ausland
AEG-Telefunken 21 29 30 42,8
BASF 15 23 24 60,0
Bosch 25 35 34 36,0
Daimler Benz 20 27 28 40,0
Hoechst 45 77 79 75,5
Mannesmann a) 12 23 25 108,3
Siemens b) 72 89 96 33,3
Volkswagen 42 59 59 40,5
_____
a) ab 1973 mit Demag
b) ab 1976 mit Osram
Quelle: F. Fröbel/J. Heinrichs/O. Kreye, Die neue internationale
Arbeitsteilung, Reinbek bei Hamburg 1977, S. 392; eigene Berech-
nungen.
_____
1) Zum empirischen Beleg dieser Tendenzen vgl. u.a. E. Lüdemann,
Die Wirtschaft der kapitalistischen Länder in Zahlen (= IPW-For-
schungshefte, 4/1977), S. 24 ff.
2) Vgl. ebenda, S. 25.
3) So wird z.B. fast durchgängig argumentiert in: H. Besters
(Hg.), Strukturpolitik - wohin? Technologischer Interventionismus
versus marktwirtschaftliche Ordnungspolitik, Baden-Baden 1978.
Grundlegend für die neue Diskussion um Strukturwandel in der BRD:
Kommission für wirtschaftlichen und sozialen Wandel, Wirtschaft-
licher und sozialer Wandel in der Bundesrepublik Deutschland,
Göttingen 1977; vgl. den kritischen Kommentar von A. Oppolzer in:
Soziologische Revue, Jg. 1/1978, S. 245"255. Als knappen Über-
blick siehe: D. Ehrig, Sektorale Strukturpolitik - ein Ausweg aus
der Krise?, in: Das Argument, Nr. 120/1980, S. 225-234.
4) Vgl. dazu u.a.: D. Boris, Neuere Entwicklungen im System des
Neokolonialismus der Bundesrepublik Deutschland, in: IMSF/AIB
(Hg.), Neokolonialismus der BRD und antiimperialistischer Befrei-
ungskampf, Frankfurt/M. 1979, S. 17-35 sowie R. Falk, Zwischen
Krisenmanagement und langfristiger Systemsicherung. Zur Entwick-
lungspolitik der Bundesregierung, in: Blätter für deutsche und
internationale Politik, Nr. 6/1979, S. 676-686 und Nr. 7/1979, S.
852-867.
5) Vgl. den hierzu grundlegenden Aufsatz: G. Fels, Spezialisie-
rungsmuster in der Arbeitsteilung zwischen Industrie- und Ent-
wicklungsländern, in: Die Weltwirtschaft, Heft 1/1971, abgedruckt
in: BMZ (Hg.), Entwicklungspolitik. Materialien, Nr. 19, Bonn,
September 1971, S. 1-22.
6) Vgl. z.B. für dieses neue Verständnis von Strukturpolitik: H.
Tank, Weltwirtschaftliche Veränderungen und ihre Konsequenzen für
die Strukturpolitik, Opladen 1977.
7) V. Hauff/F. Scharpf, Modernisierung der Volkswirtschaft. Tech-
nologiepolitik als Strukturpolitik, Frankfurt/M., Köln 1975.
8) Vgl. R. Thoss, Von der globalen zur strukturellen Steuerung,
in: H. Markmann/D.B. Simmert (Hg.), Krise der Wirtschaftspolitik,
Köln 1978, S. 231"250, sowie: H. Arndt, Arbeitslosigkeit und In-
flation in der Weltwirtschaft, in: ebenda, S. 401-414.
9) Nach: R. Krengel, Drastische Verschlechterung des Altersauf-
baus und des Modernisierungsgrades des industriellen Anlagevermö-
gens in der Bundesrepublik Deutschland, in: Vierteljahreshefte
zur Wirtschaftsforschung, Heft 1/1978, S. 22-25.
10) Ebenda, S. 25.
11) H. Zschocke, Widersprüche bei der kapitalistischen Durchset-
zung des industriellen Strukturwandels unter den gegenwärtigen
Bedingungen, in: IPW-Forschungshefte, 4/1973, S. 69.
12) Vgl. ebenda, S. 73.
13) Vgl. Materialien Forum SPD, Vorausschauende Strukturpolitik
für Vollbeschäftigung und humanes Wachstum, Bonn 1977, S. 10.
14) Vgl. Hauff/Scharpf, a.a.O., S. 91 f.
15) H.O. Vetter, Die Haltung der Arbeiterschaft zu den Problemen
der Entwicklungsländer, in: J. Tinbergen (Hg.), Der Dialog Nord-
Süd, Frankfurt/M., Köln 1977, S. 138.
16) Vgl. IG Metall (Hg.), Strukturelle Arbeitslosigkeit durch
technologischen Wandel, Frankfurt/M. 1977, S. 12 und 127.
17) R.F. Kuda, Strukturpolitik und Gewerkschaften, in: Krise der
Wirtschaftspolitik, a.a.O., S. 354.
18) SPD-Forum, a.a.O., S. 6.
19) H. Matthöfer, Möglichkeiten und Grenzen der Finanz- und Wäh-
rungspolitik in der gegenwärtigen weltwirtschaftlichen Lage, in:
A. Nau (Hg.), Wirtschaft International, Bonn 1978, S. 32.
20) J.G. Todenhöfer, Wachstum für alle. Plädoyer für eine Inter-
nationale Soziale Marktwirtschaft, Stuttgart 1978.
21) Vgl. zur Kritik der neoklassischen Thesen über die interna-
tionale Arbeitsteilung u.a.: K. Wohlmuth, Ungleiche Arbeitstei-
lung und abhängige Reproduktion, in: A. Schmidt (Hg.), Strategien
gegen Unterentwicklung. Zwischen Weltmarkt und Eigenständigkeit,
Frankfurt/M., New York 1976, S. 101-131.
22) Zur Definition der Begriffe "internationale Monopole",
"internationale Konzerne", "transnationale Konzerne" und "multi-
nationale Konzerne" vgl. IPW (Hg.), Internationale Monopole, Ber-
lin 1978, S. 20f. Die internationalen Monopole kontrollierten zu
Beginn der 70er Jahre mehr als 50% der Industrieproduktion, etwa
zwei Drittel des Exports und mehr als 20% des Bruttosozial-
produkts der kapitalistischen Welt. Vgl. ebenda, S. 206.
23) Vgl. z.B. H. Tammer, BRD-Monopole auf Kurs zu internationalen
Dimensionen, Frankfurt/M. 1974.
24) Dabei muß allerdings darauf hingewiesen werden, daß der Kon-
zentrationsgrad im außenwirtschaftlichen Bereich bislang kaum Ge-
genstand der empirischen Wirtschaftsforschung gewesen ist.
25) Wirtschaftsdienst, 1/1975 nach: Internationale Monopole,
a.a.O., S. 217.
26) Vgl. R. Jungnickel/H. Krägenau/M. Lefeldt/M. Holthus, Einfluß
multinationaler Unternehmen auf Außenwirtschaft und Branchen-
struktur der Bundesrepublik Deutschland, Hamburg 1977, S. 28 f.
Eine kürzlich erschienene Erhebung der westdeutschen Direktinve-
stitionen in Entwicklungsländern nach Umsatzgrößenklassen ergab,
daß es sich bei 94% aller Firmen, die bis heute in der Dritten
Welt investitiert haben oder Investitionen für die Zukunft pla-
nen, um Großunternehmen handelt. Vgl. A.J. Halbach, Deutsche Di-
rektinvestitionen: Entwicklungsländer bleiben interessant, in:
ifo-Schnelldienst, 4/1980, S. 14.
27) Vgl. dazu ausführlich: F. Fröbel/J. Heinrichs/O. Kreye, Die
neue internationale Arbeitsteilung. Strukturelle Arbeitslosigkeit
in den Industrieländern und die Industrialisierung der Entwick-
lungsländer, Reinbek bei Hamburg 1977. Eine besondere Rolle bei
der staatlichen Stimulierung des "mittelständischen" Kapitalex-
ports in die Dritte Welt will die Deutsche Entwicklungsgesell-
schaft spielen. Vgl. dazu: ebenda, S. 199 ff.
28) Siehe dazu näheres bei: G. Simonis, Die Bundesrepublik und
die neue internationale Arbeitsteilung, in: Leviathan, 1/1979, S.
36-56, hier zitiert nach einer ausführlicheren hektographierten
Fassung, Konstanz 1978, S. 21 ff.
29) Vgl. dazu auch: H. Schilling, Krise und Verfall des imperia-
listischen Kolonialsystems, Berlin 1977, S. 56.
30) So z.B. Simonis, a.a.O., S. 11.
31) Vgl. ebenda, S. 12.
32) Typisch ist hier: Fels, a.a.O.
33) Internationale Monopole, a.a.O., S. 215.
34) entfällt.
35) So auch die Autoren des Buches: Internationale Monopole,
a.a.O., S. 235. Ähnlich: W. Olle/W. Schoeller, Auslandsproduktion
und strukturelle Arbeitslosigkeit, in: Prokla, 29/4/1977, S. 114
ff. In der Regel werden solche Aussagen nur durch besonders hohe
Zuwachsraten der Entwicklungsländerinvestitionen in einzelnen
Jahren abgestützt, wobei vorübergehende Steigerungen unzulässig
in die Zukunft extrapoliert werden.
36) Vgl. dazu: Stand der Direktinvestitionen Ende 1976, in: Mo-
natsberichte der Deutschen Bundesbank, 4/1979, S. 26-40, und: Die
Auslandsverflechtung der Unternehmen Ende 1977, in: Monatsbe-
richte der Deutschen Bundesbank, 4/1980, S. 22-35.
37) Vgl. auch Olle/Schoeller, a. a. O., S. 114.
38) Vgl. G. Junne, Typen, Gründe und regionale Verteilung der
Auslandsdirektinvestitionen in Entwicklungsländern, in: D. Seng-
haas/U. Menzel (Hg.), Multinationale Konzerne und Dritte Welt,
Opladen 1976, S. 11-29.
39) Vgl. Halbach, a.a.O., S. 13.
40) Vgl. Jungnickel/Krägenau/Lefeldt/Hohhus, a.a.O., S. 71.
41) Vg. Halbach, a.a.O., S. 12.
42) Vgl. dazu: J.P. Agarwal, Zur Struktur der westdeutschen Di-
rektinvestitionen in Entwicklungsländern - Einfluß von Außenhan-
delsverflechtung und relativen Lohnkosten, in: Die Weltwirt-
schaft, Heft 1/1978, S. 117. Vgl. auch die umfänglichen Erhebun-
gen über die Auslandsinvestitionen der westdeutschen Textil-und
Bekleidungsindustrie bei: Fröbel/Heinrichs/Kreye, a.a.O., S. 69
ff.
43) Vgl. M. Holthus (Hg.), Die deutschen multinationalen Unter-
nehmen. Der Internationalisierungsprozeß der deutschen Industrie,
Frankfurt/M. 1974, S. 158.
44) Vgl. dazu: H. Krägenau, Internationale Direktinvestitionen,
Ergänzungsband 1978/79, Hamburg 1979. S. 92 f.
45) Zur Diskussion zum Zusammenhang zwischen Auslandsproduktion
und Export vgl. auch: H.G. Kiera. Die Wirkungen deutscher Direk-
tinvestitionen auf den deutschen Außenhandel, in: Mitteilungen
des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung,
Nr. 3/1976, S. 195-216.
46) Vgl. dazu die alljährlichen Erhebungen des Ifo-Instituts in:
ifo-Schnelldienst, lfd.
47) Vgl. zu diesem Phänomen: J. Huffschmid, Entkoppelung von Kon-
junktur und Beschäftigung. Eine wirtschaftliche Zwischenbilanz
fünf Jahre nach der "Ölkrise", in: Blätter für deutsche und in-
ternationale Politik, 1/1979, S. 69-86.
48) Vgl. auch die Argumentation bei: Fröbel/Heinrichs/Kreye,
a.a.O., S. 35 und 210.
49) Vgl. Stand der Direktinvestitionen Ende 1976, a.a.O., S. 34.
50) Vgl. Fröbel/Heinrichs/Kreye, a.a.O., S. 296.
51) Ebenda, S. 390.
52) Im folgenden werden einige Ergebnisse der Studie von Frö-
bel/Heinrichs/Kreye, S. 71 ff., wiedergegeben.
53) Berücksichtigt sind hier über 50% des Textil- und Beklei-
dungsgewerbes der BRD, vor allem Großunternehmen; erfaßt wurden
50 bis 75% der existierenden Auslandsfertigung.
54) Vgl. Holthus, a.a.O., S. 67 f.
55) F. Weiss, Strukturveränderungen in der westdeutschen Elektro-
industrie, in: Die Weltwirtschaft, Heft 1/1975, S. 146.
55a) Vgl. Tank, a.a.O., S. 38 ff.
56) Vgl. Todenhöfer, a.a.O., S. 190 f.; allerdings weisen - lang-
fristig gesehen - die "Produktivitätshilfen" die höchste Zuwachs-
rate auf. Vgl. hierzu: Autorenkollektiv, Strukturveränderungen
und staatsmonopolistisches Finanzsystem, Berlin 1978, S. 131.
57) Hauff/Scharpf, a.a.O., S. 68.
58) Vgl. die Beispiele hierfür bei: D. Kebschull, Der Außenhan-
delsspielraum wird enger, in: Wirtschaftsdienst, VIII/1978, S.
412.
59) Vgl. den Hinweis bei: H. Dicke u.a., Beschäftigungswirkung
einer verstärkten Arbeitsteilung zwischen der Bundesrepublik und
den Entwicklungsländern, Tübingen 1976, S. 6.
60) Ebenda, S. 147 f. Siehe auch: Kalmbach, a.a.O., S. 396 f.
61) Vgl. Hauff/Scharpf, a.a.O., S. 119.
62) Vgl. L. Scholz, Strukturprobleme und ihre Überwindung durch
Innovationspolitik als Vollbeschäftigungspolitik, in: Struktu-
relle Arbeitslosigkeit durch technologischen Wandel?, a.a.O, S.
94.
63) Kalmbach, a.a.O., S. 394 ff.
64) Vgl. R. Stäglin/H. Wessels, Abhängigkeit der Wirtschafts-
zweige in der Bundesrepublik Deutschland von der Warenausfuhr,
in: Materialien zur Tagung Krise und Reform in der Industriege-
sellschaft, Frankfurt/M. 1976, S. 274.
65) H. Dicke/B. Heitger, Beschäftigungschancen in der Bundesrepu-
blik Deutschland - Internationaler Sektor versus Binnensektor,
in: Die Weltwirtschaft, Heft l /1977, S. 97. Vgl. auch: D. E.
Louda, Beschäftigungseffekte des Außenhandels, in: Mitteilungen
aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Heft 3/1977,S.385.
66) So kommt z.B. eine Schätzung zu folgendem Ergebnis: - Wird
davon ausgegangen, daß in der Bundesrepublik auf Grund der fort-
schreitenden Arbeitsteilung mit den Entwicklungsländern und der
damit verbundenen Importkonkurrenz 600 000 Arbeitsplätze verloren
gehen, daß der Verlagerung der Produktion und der Exportsubstitu-
tion zusätzlich etwa 400000 Arbeitsplätze zum Opfer fallen können
und daß der Radonalisierungsschub zur Einsparung einer weiteren
Million Arbeitsplätze führt, dann wird deutlich, daß in der Bun-
desrepublik die Zahl der registrierten Arbeitslosen leicht auf
über 4 Millionen ansteigen kann, d. h. auf eine Arbeitslosenrate
von über 15 Prozent, also auf mehr als das Dreifache der gegen-
wärtigen Rate." (G. Junne, Internationalisierung und Arbeitslo-
sigkeit. Interne Kosten des "Modells Deutschland", in: Leviathan,
1/1979, S. 76)
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