Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 03/1980


       zurück

       

DAS INSTITUT FÜR GESELLSCHAFTSWISSENSCHAFTEN BEIM ZK DER USAP, BUDAPEST

Tibor Halay 1. Charakter und Tätigkeit des Instituts; - 2. Forschungsrichtun- gen und -themen; - 3. Internationale Beziehungen und Zusammenar- beit. Das Institut für Gesellschaftswissenschaften (IG) wurde vor mehr als 10 Jahren gegründet. Es ist eine wissenschaftliche Einrich- tung beim ZK der Ungarischen Sozialistischen Arbeiterpartei (USAP) und Bestandteil des institutionellen Wissenschafts- und Forschungssystems Ungarns. Es hat die Aufgabe, die aktuellen ge- sellschaftspolitischen Probleme zu studieren, theoretische und empirische Forschungen durchzuführen, an der Entscheidungsvorbe- reitung politischer Organe teilzunehmen und Aufgaben bei der Ko- ordinierung der gesellschaftswissenschaftlichen Forschung in Un- garn zu übernehmen. 1. Charakter und Tätigkeit des Instituts ---------------------------------------- Die Tätigkeit des IG entspricht in den wesentlichen Zügen derje- nigen anderer gesellschaftswissenschaftlicher Forschungseinrich- tungen in Ungarn. Einige Besonderheiten sind jedoch durch den komplexen Charakter des Gegenstandes und der Methoden der For- schung bestimmt. Die Untersuchungsprobleme tangieren mehrere Wis- senschaftsdisziplinen. Die Aufgabenstellung ist in der Regel mit- telfristig, nur selten langfristig. Die Forschungsergebnisse sind überwiegend Ergebnisse kollektiver Arbeit, in die die individuellen Forschungen integriert sind. Die Aufgabenstellung bedingt, daß im Institut keine auf Dauer fixier- ten Arbeitsgruppen oder Abteilungen bestehen, sondern daß diese stets gemäß den gegebenen Forschungsthemen - in der Regel für fünf Jahre - organisiert werden. Sie wurden dementsprechend, seit Bestehen des IG, mehrmals reorganisiert. Die Forschungsarbeit hat interdisziplinären Charakter. In den einzelnen Forschungsgruppen arbeiten je nach der Aufgabenstellung Philosophen, Ökonomen, Ju- risten, Historiker, Soziologen, Psychologen und Mathematiker zu- sammen. Im IG werden unterschiedliche Typen von Forschungen mit ihnen jeweils entsprechenden Methoden durchgeführt. So gibt es grundlegende Studien theoretischen Charakters, z.B. über die Einordnung und Rolle der Räte in der ungarischen Gesell- schaft während der Vorbereitung des "Rätegesetzes" vom Jahre 1971, über theoretische Fragen der Entwicklung der Sozialstruk- tur, über die Perspektiven des Bildungssystems usw. Daneben ste- hen regelmäßig empirische soziologische Untersuchungen mit unter- schiedlichen methodischen Verfahren auf dem Programm. Früher gab es umfangreiche Erhebungen zur Situation der Arbeiterklasse, zu Lebensbedingungen und Bildungsverhältnissen der verschiedenen Ar- beiterschichten, zur Durchsetzung der Betriebsdemokratie und zu den Lebens- und Arbeitsbedingungen der Pendler. Danach fand sei- tens des IG eine umfangreiche empirische Erfassung der Situation der Intelligenz in der Provinz und nachher - unter Nutzung der gesammelten Erfahrungen - in Budapest statt. Ein großer Teil der Erhebungen ist in ein Forschungsprojekt größeren Umfangs inte- griert, und zwar der Überprüfung der Klassen- und Schichtstruktur der ungarischen Gesellschaft. Als Endprodukte der empirischen und der Grundlagenforschung unseres Institutes über die Struktur der ungarischen Gesellschaft könnten zahlreiche Publikationen angese- hen und angeführt werden. Im Laufe der vergangenen 10 Jahre wurden mehr als 200 Studien, Monographien und Studienbände veröffentlicht. Das Institut gibt auch die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift "Tarsadalom- tudomanyi Közlemenyek" (Gesellschaftswissenschaftliche Mitteilun- gen) heraus. Daneben werden auch sogenannte Werkstattstudien veröffentlicht, die Detailresultate der einzelnen Forschungen enthalten und den Bedürfnissen engerer Fachkreise entsprechen. Bücher für einen breiteren Leserkreis oder für die wis- senschaftliche Öffentlichkeit erscheinen auch bei verschiedenen Buchverlagen. In einzelnen Fällen, wie z.B. zur Sozialstruktur und zur Jugendforschung oder im Zusammenhang mit ideologischen Problemen, veröffentlichen wir auch Bücher in russischer, engli- scher oder auch in anderen Sprachen . So wurde z.B. anläßlich des 9. Weltkongresses der Soziologen ein Studienband über die Sozial- struktur in russischer und englischer Sprache veröffentlicht; an- läßlich des im Jahre 1979 in Moskau veranstalteten Weltkongresses der Politologen veröffentlichten wir eine Publikation unter dem Titel "Some issues of the political System in Hungary". Unsere Zeitschrift veröffentlicht in erster Linie die Studien und Dis- kussionsartikel unserer Mitarbeiter, daneben kommen darin auch andere in- und ausländische Autoren zu Wort. Die Redaktion der Zeitschrift und der sonstigen Publikationen fällt in den Arbeits- bereich des IG. In der Periode 1975 bis 1980 bestanden in unserem Institut 5 For- schungsgruppen. Zur Unterstützung der Forschungsarbeit entstand auch eine Dokumentations- und Informationsabteilung. Selbstver- ständlich verfügen wir entsprechend den Forschungsthemen auch über eine entsprechende Bibliothek und eine Dokumentationsbasis. Außer unseren eigenen Mitarbeitern werden für einzelne Themen auch namhafte externe inländische Experten, Gelehrte usw. für einen bestimmten Zeitraum zur Mitarbeit herangezogen. 2. Forschungsrichtungen und -themen ----------------------------------- In der vergangenen 5-Jahresperiode wurde die Forschungsarbeit auf der Grundlage folgender Forschungsrichtungen organisiert: a) Entwicklung des Staates und der Demokratie; b) Kennzeichen des entwickelten Sozialismus; c) Gestaltung der Sozialstruktur und ihr Zusammenhang mit dem ge- sellschaftlichen Bewußtsein; d) einzelne ideologische Prozesse der Gegenwart; e) Lage der Jugend, Probleme der zukünftigen Entwicklung des Bil- dungssystems. Unsere Tätigkeit im Rahmen dieser Forschungsrich- tungen kann für die vergangenen Jahre wie folgt konkreter bestimmt werden: Zu a): "Im Rahmen der mit dem Komplex S t a a t u n d D e m o k r a t i e zusammenhängenden Forschungen untersuchten wir die Einordnung der gesellschaftlichen Organe in das System der politischen Machtausübung, das Vertretungssystem, die Tätig- keit der staatlichen Verwaltung und die Bürgerrechte. Das Insti- tut beteiligte sich auch an der Formulierung der Prinzipien des R ä t e g e s e t z e s von 1971, an der theoretischen Vorberei- tung der Verfassungsreform und der damit zusammenhängenden Ge- setze der Staatsorganisation mit Verfassungsrang. Seit geraumer Zeit analysiert das Institut Begriff und Inhalt des politischen Systems. Die Untersuchungen sind nicht institutio- nell, sondern funktionell ausgerichtet. In den Diskussionen der vergangenen Jahre stellte sich auch die Frage der Einordnung nichtstaatlicher gesellschaftlicher Organe. Besonders sorgfältige Analysen erfordern dabei die Gewerkschaften und ihre Interessen- vertretungsfunktion. Die Vervollkommnung der gesellschaftlich-po- litischen Funktion der in den Staatsapparat integrierten Vertre- tungsorgane (Parlament, örtliche Räte usw.) bildet ein anderes großes Gebiet in der Entwicklung der politischen Organisation der sozialistischen Gesellschaft. Wir analysierten, wo und mit welchen Garantien es notwendig ist, die Interessen der Individuen oder bestimmter sozialer Gruppen im System der politischen Organisation zu stärken. Die durch die einzelnen Institutionen vertretenen Interessen sind keineswegs im voraus gegeben oder einheitlich. Darum ist es erforderlich, auch innerhalb der Institutionen - z. B. in den Gewerkschaften - die unterschiedlichen Interessen in Rechnung zu stellen, sie abzuwä- gen, abzustimmen und fallweise auch miteinander zu konfrontieren. Die Abstimmung, Konfrontation und Vertretung unterschiedlicher Interessen und Anschauungen erfolgt in unserer Gesellschaft kon- tinuierlich, an verschiedenen Orten und in verschiedenen Organi- sationen. Wir sind bestrebt, die Formulierung und Durchsetzung der Interessen mit dem gesamten Mechanismus der sozialistischen Demokratie zu gewährleisten. Unsere Forschungsergebnisse bestärken uns in unserer Überzeugung, daß kontroverse Anschauungen und Meinungen - sowie ihre Abstim- mung und Konfrontation - in allen Bereichen des gesellschaftli- chen Lebens ständig entstehen und bestehen und im gesellschaftli- chen Prozeß reproduziert werden. Die Meinungsunterschiede er- scheinen zwar nicht in spektakulärer, sensationeller Form, mit der Entwicklung des politischen Systems, mit der Erweiterung der Staatsbürgerrechte bilden wir jedoch eine die inhaltliche Lösung der Probleme sichernde Demokratie heraus. Zu b): Die im Themenkomplex K e n n z e i c h e n d e r e n t- w i c k e l t e n s o z i a l i s t i s c h e n G e s e l l- s c h a f t untersuchten Fragen betreffen die historische Stel- lung des Sozialismus, die Produktivkräfte der entwickelten sozia- listischen Gesellschaft, einzelne Fragen der sozialen Gleichheit und des Kollektivismus, allgemeine Gesetzmäßigkeiten und natio- nale Eigenheiten im Aufbau der entwickelten sozialistischen Gesellschaft. Hierzu erschienen als Forschungsergebnisse mehrere Werke z.B. über das System und über die Entwicklung der Arbeitsteilung, über die gesellschaftliche Information und Infor- miertheit, über die Frauen u. a. Anhand von Daten der sozialisti- schen Länder wurde auch eine internationale Bibliographie über Probleme beim Aufbau der entwickelten sozialistischen Gesell- schaft zusammengestellt. Zu c): Innerhalb des Themenkomplexes S o z i a l s t r u k t u r u n d s o z i a l e s B e w u ß t s e i n befaßt sich unser Institut insbesondere mit drei Fragen: Probleme der Annäherung der Klassen, innere Schichtung und Dynamik der Arbeiterklasse, Widerspiegelung sozialer Gleichheit und Ungleichheit im Bewußt- sein und in den damit zusammenhängenden Wertorientierungen. Für die Koordinierung der hierzu laufenden ungarischen Forschun- gen trägt unser Institut ebenfalls die Verantwortung. Im Inter- esse der weiteren Untersuchung dieser Probleme wird die entspre- chende Forschungsarbeit in den nächsten 10 Jahren noch erweitert werden. Das Forschungsprogramm "Gestaltung der Sozialstruktur, der Lebensweise und des Bewußtseins in Ungarn" wird als vorrangi- ges Projekt auf zentraler Ebene koordiniert. Zu diesem Thema gab es schon bemerkenswerte Publikationen. Unter dem Titel "Entwicklung unserer Sozialstruktur" erschien ein zu- sammenfassendes Werk in drei Bänden. Veröffentlicht wurden Mono- graphien und Studienbände wie z.B. "Pendler", "Änderungen in der Struktur der Arbeiterklasse", "Soziale Gliederung in den land- wirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften" u.a. Zum Thema "Annäherungsprozesse zwischen der Arbeiterklasse und der technischen Intelligenz" beteiligten wir uns an einer inter- nationalen empirischen soziologischen Untersuchung, die im Rahmen der entsprechenden gemeinsamen Problemkommission der Akademien der Wissenschaften der RGW-Länder Europas durchgeführt wird und der Bulgarien, die Tschechoslowakei, Polen, die DDR, Rumänien, die Sowjetunion und Ungarn angehören. Mit dem Erreichen eines mittleren Entwicklungsniveaus und der Um- wandlung Ungarns in ein industrielles Agrarland zeigten sich qua- litative Veränderungen des Wachstumsprozesses unserer Gesell- schaft, so u.a. in der Zusammensetzung der Arbeiterschaft, in ih- rer Fachbildung, Schulbildung, Kultur, ihrem politischen und ideologischen Charakter. Im Vergleich zu früher verringerten sich auch die Unterschiede innerhalb unserer Bauernschaft; ihre jahr- hundertelange Abkapselung ist verschwunden. Mit den wirtschaftli- chen Erfolgen der Genossenschaftsbewegung veränderte sich auch der Charakter der Bauernschaft. Eine ähnliche Entwicklung durch- lief auch die Intelligenz, indem sich die Intelligenz berufe auch für Arbeiter und Bauern öffneten. Anstatt der früher außerordent- lich starken sozialen Differenzierung entstand eine in jeder Hin- sicht ausgeglichenere Struktur der Arbeiterschaft, der Bauern- schaft und der Intelligenz. Aus unseren bisherigen Forschungsergebnissen ergibt sich - was die Zukunft unserer Sozialstruktur betrifft ", daß die Periode der extensiven strukturellen Umwandlung unserer Gesellschaft ab- geschlossen ist. Mit einer weiteren raschen Umwandlung ist nicht zu rechnen. Aufgrund der Annäherung der Klassen und Schichten ist zu beobachten, daß die Unterschiede innerhalb der Klasse manchmal bereits größer sind als jene zwischen den Klassen und den abge- grenzten sozialen Schichten (z.B. sind Hilfsarbeiter und Fachar- beiter derzeit hinsichtlich ihrer Lebensführung, materiellen Lage, in ihrem kulturellen und politischen Verhalten weiter von- einander entfernt als Facharbeiter und Angehörige der Intelli- genz). Außer den derzeitigen Schichtunterschieden könnten in Zu- kunft neuartige Differenzen entstehen. Die Schulbildung und die regionalen Unterschiede könnten eine bedeutendere Rolle erhalten als früher. All dies rückt den Problemkreis Gleichheit und Un- gleichheit in den Vordergrund des Interesses der Gesellschaft. Mit den Ausdrucksformen des Gleichheits-Ungleichheits-Bewußtseins und seinen strukturellen Komponenten begannen wir uns in den ver- gangenen Jahren intensiver zu befassen. Obwohl sich unsere For- schungen erst im Anfangsstadium befinden, sind wir der Ansicht, daß dieser Themenkreis in Zukunft eine wichtige Frage der sozia- listischen Entwicklung darstellen wird. Zwei grundlegende Tenden- zen unserer Verteilungsverhältnisse stoßen in dieser Frage auf- einander: die immer konsequentere Realisierung der Anforderung einer Verteilung gemäß der Arbeitsleistung und die Absicht einer Erweiterung der sozialen Umverteilung. Zu d): Auf dem Gebiet i d e o l o g i s c h e r P r o b l e m e bearbeiten wir gegenwärtig u.a. folgende Fragen: eine kritische Analyse der bürgerlichen Interpretation des realen Sozialismus, eine Kritik der technokratischen Theorien sowie die Erforschung neuerer Tendenzen der bürgerlichen Ideologie. Zu e): Im Rahmen des Themenkomplexes J u g e n d u n d G e- s e l l s c h a f t werden z. Zt. folgende Probleme untersucht: Zusammenhang zwischen der Gesellschaftsstruktur und dem Schul- und Bildungssystem, Prozeß des Heranwachsens junger Arbeiter und Eingliederung der jungen Facharbeiter in die Gesellschaft, Fragen der Jugend und Familie. In Ungarn koordiniert das IG auch die Jugendforschung, deren 5- Jahrplan z. Zt. ausgearbeitet wird. Im Rahmen der multilateralen Zusammenarbeit der Akademien der Wissenschaften der europäischen RGW-Staaten in der Problemkommission "Die Arbeiterklasse im welt- revolutionären Prozeß" koordiniert unser Institut eine interna- tionale Vergleichsuntersuchung zum Thema "Lebensperspektive der Jugend im Sozialismus", die jetzt abgeschlossen wird. Dazu wurden jährlich Arbeitskonferenzen der Wissenschaftler aus Bulgarien, der Tschechoslowakei, der DDR, aus Polen, der Sowjetunion und Un- garn veranstaltet. An diesen Aktivitäten sind die wissenschaftli- chen Institute der Bruderparteien und die Institute der Akademien der Wissenschaften der genannten Ländern gemeinsam beteiligt. 3. Internationale Beziehungen und Zusammenarbeit ------------------------------------------------ Im Laufe der vergangenen 10 Jahre entfalteten sich umfangreiche Beziehungen zwischen unserem Institut und ausländischen Einrich- tungen ähnlichen Profils. Unsere Beziehungen mit den Einrichtun- gen der sozialistischen Länder entwickelten sich meist auf der Basis bilateraler Abkommen. Ähnliche Abkommen bzw. Kontaktaufnah- men entstanden auch mit einer Reihe von Forschungsinstituten in kapitalistischen Ländern, darunter zu Einrichtungen kommunisti- scher Bruderparteien, zu der kommunistischen Bewegung nahestehen- den Instituten und zu mehreren unter sozialdemokratischer Leitung stehenden Forschungsinstituten in Westeuropa. Wir beteiligen uns regelmäßig an den bedeutenden internationalen Konferenzen und Weltkongressen der gesellschaftswissenschaftlichen Disziplinen (beispielsweise in den vergangenen Jahren am Weltkongreß der So- ziologen, am Weltkongreß der Philosophen, am Weltkongreß der Po- litologen, an den in Cavtat/Jugoslawien veranstalteten Konferen- zen, am Forum zur Arbeiterbewegung unter der Schirmherrschaft der UNESCO in Paris). Wie schon erwähnt, ist die Beteiligung an den gemeinsamen Forschungsarbeiten und den gemeinsamen empirischen soziologischen Untersuchungen der sechs bzw. sieben RGW-Staaten zu den Themen "Annäherungsprozesse zwischen der Arbeiterklasse und der technischen Intelligenz" und "Lebensperspektive der Ju- gend im Sozialismus" ein zentraler Bereich unserer internationa- len Aktivitäten. Kooperationsbeziehungen gibt es u. a. mit dem Institut für inter- nationale Arbeiterbewegung (IMRD) der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, mit dem Marxistischen Forschungszentrum, das im Be- reich des Präsidiums des ZK des BDKJ, Belgrad, arbeitet und mit dem Institut für Gesellschaftskunde der Akademie der Wissenschaf- ten von Kuba. Wir organisieren bi- und multilaterale Rundtischkonferenzen und Diskussionen. Mit zahlreichen ausländischen Teilnehmern gab es derartige Veranstaltungen z.B. zu Fragen der Menschenrechte (Budapest), über das Verhältnis zwischen Staat und Partei (Bukarest), über die Interessen in der sozialistischen Gesell- schaft (Gdansk), über Bündnispolitik (Paris), über die Leitung der Gesellschaft in Ungarn (Rom), über politisches System und De- mokratie (Amsterdam) usw. Selbstverständlich gibt es auch einen regen Dokumentations- und Informationsaustausch. In organisierter Form realisiert sich die- ser im Rahmen der internationalen Informationsorganisation für Gesellschaftswissenschaften der sozialistischen Länder (MISZON), in welcher auch wir vertreten sind. Gleichzeitig vollzieht er sich auf der Basis entsprechender Vereinbarungen mit Partnerin- stituten. Diese Zusammenarbeit erstreckt sich auch auf die gegen- seitige Teilnahme an internationalen Konferenzen, Beratungen, Diskussions- und Gedenksitzungen. Unsere Beziehungen zu Forschungsinstituten der kommunistischen Parteien kapitalistischer Länder nahmen in den letzten Jahren sy- stematischen Charakter an. Mit dem Gramsci-Institut, Rom, seinen Wissenschaftlern und Lei- tern arbeiten wir schon seit geraumer Zeit zusammen. Dies bein- haltet auch den Austausch von Wissenschaftlern, von Informationen sowie die Veranstaltung von Rundtischkonferenzen in Budapest und Rom (u.a. über Erfahrungen der sozialistischen Entwicklung Un- garns, über die Jugend- und Bildungsprobleme). Mit dem Institut für Marxistische Forschung (IRM), Paris, bestehen ähnliche Bezie- hungen. Neben dem Austausch von Wissenschaftlern und Informatio- nen führen wir auch in theoretischen Fragen Diskussionen durch (so u. a. in Budapest über Demokratie in Staat und Partei, über Bündnispolitik, über Probleme des ideologischen Kampfes, über den Einfluß der Änderung der Sozialstruktur auf das politische System und anderes). Auch mit dem IMSF, Frankfurt/M., besteht seit einigen Jahren ein Meinungs- und Informationsaustausch zu Fragen der politischen De- mokratie, der heutigen Sozialdemokratie, zur Situation und Per- spektive der Jugend und zur sozialen und wirtschaftlichen Lage der Arbeiterklasse. Darüber hinaus fanden zwischen IG und IMSF Rundtischbesprechungen, Diskussionen und - im beschränkten Maße - Wissenschaftleraustausch und Wissenschaftlerkonsultationen statt. Auf der Grundlage der Materialien eines gemeinsamen Rundtischge- spräches, das im November 1979 in Budapest stattfand, wird z. Zt. von beiden Instituten unter dem Titel "Arbeiterklasse und Intel- ligenz in der BRD und in Ungarn" die Veröffentlichung eines Stu- dienbandes vorbereitet, der in ungarisch und deutsch 1980 in Un- garn und der BRD erscheinen wird. Zwischen dem griechischen KME (Zentrum für Marxistische For- schung), Athen, und dem IG entwickelten sich ebenfalls auf der Basis des Material- und Dokumentenaustausches intensive Beziehun- gen. Über die gemeinsame Arbeit wurde im Jahre 1977 ein Abkommen abgeschlossen. Außer dem gegenseitigen wissenschaftlichen Infor- mationsaustausch bemühen wir uns um die Erweiterung der Beziehun- gen zu Wissenschaftlergruppen, die im Rahmen der kommunistischen Parteien Großbritanniens, Österreichs und Finnlands tätig sind. Seit Jahren pflegen wir auch die Beziehungen mit dem Institut für Sozialforschung (ISF) an der Universität Frankfurt/Main in der BRD. Wir organisierten den Austausch von Wissenschaftlern und veranstalteten in der BRD und in Ungarn Diskussionen über kon- krete Fragen wie Frauenprobleme, über die Beziehung von gesell- schaftlichen Verhältnissen und gesellschaftlichem Bewußtsein, über die Beziehungen von Effektivität, Gesellschaft und Wirt- schaft sowie über Fragen der Lohnsysteme. Im vergangenen Jahre wurden ebenfalls Beziehungen zu dem Stichting Instituut voor Po- litiek en Sociaal Onderzoek, Amsterdam, und zur Friedrich-Ebert- Stiftung, Bonn, hergestellt. Im Entwicklungszustand befindet sich gegenwärtig noch die Zusammenarbeit mit den wissenschaftlichen Instituten der sozialistischen Parteien Belgiens und Finnlands. Wir sind daran interessiert, unsere internationalen Beziehungen und Kooperationen im Zusammenhang mit der Thematik unserer For- schungen zu entwickeln und alles zu unterstützen und zu fördern, was diesen Prozeß voranbringt. zurück