Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 03/1980


       zurück

       

DIE BRÜDER ERMEN IN MANCHESTER

Biographische Anmerkungen zu Friedrich Engels' Geschäftspartnern ---------------------------------------------------------------- Michael Knieriem Anläßlich des 150. Geburtstages von Friedrich Engels fand vom 25.-29. Mai 1970 eine Internationale wissenschaftliche Konferenz in Wuppertal statt. 1) Zu Beginn der zweiten Session dieser Konferenz, deren Thema "Engels als Geschäftsmann und Wirtschaftswissenschaftler" lautete, beschäftigte sich W.O. Henderson in seinem Vortrag mit Engels' Aufenthalt in Manchester. 2) Während der sich anschließenden Diskussion sprach Heinrich Gemkow, Berlin (DDR), die Hoffnung aus, daß die vielen Geschäftsbriefe, die Engels als Angestellter oder Associé geschrieben hatte, in Europa und Übersee noch aufzufinden wären, und rief daher zu verstärkten Nachforschungen auf. Gemkow richtete dann seine Aufmerksamkeit auf die Persönlichkeit Gottfried Ermens und stellte fest, daß Ermen kein angenehmer Geschäftspartner gewesen sein müsse. 3) Tatsächlich ist bisher nur eine gründliche Arbeit veröffentlicht worden, die sich speziell mit der Firma "Ermen & Engels" beschäf- tigt hat. 4) Dem Verfasser ist bisher weder eine Untersuchung be- kannt geworden, in der Geschäftsbriefe von Engels' Hand publi- ziert worden wären, geschweige denn eine biographische Untersu- chung über den Personenkreis der Gebrüder Ermen. In seiner Studie blieb Henderson bezüglich der biographischen Daten zu den Gebrü- dern Ermen auf eine Arbeit des Kapitäns der britischen Kriegsma- rine Antony C.G. Ermen, einem direkten Nachkommen eines der Teil- haber der Firma "Ermen & Engels", angewiesen. 5) Die Tatsache, daß Friedrich Engels mehr als zwanzig Jahre mit den Gebrüdern Ermen nolens volens auf das engste verbunden war, mag es gerechtfertigt erscheinen lassen, sich mit dieser Familie et- was näher auseinanderzusetzen, obwohl das hier vorgelegte Mate- rial keineswegs ausreicht, biographische Angaben im Hinblick auf die Herausgabe der MEGA ² so vollständig wie möglich bereitstel- len zu können. Wenn hier einige Mosaiksteine geboten werden und diese Anlaß für weiterführende Forschungen geben könnten, so wäre der Zweck dieser Miszellen erfüllt. Friedrich Engels hielt sich insgesamt viermal für einen mehr oder weniger lang dauernden Zeitraum in Manchester auf: das erste Mal im Juli des Jahres 1838 - also noch vor Beginn seiner Bremer Lehrzeit - in Begleitung seines Vaters. Hier wurde er vermutlich Zeuge der vertraglich geregelten Umbenennung der Firma - Peter Ermen & Co." in - Ermen & Engels". 6) Das zweite Mal reiste Engels zusammen mit seinem ehemaligen Schulkameraden Karl August Erbslöh 7) über Köln, Ostende und Lon- don nach Manchester, um dort seine kaufmännische Ausbildung in der Baumwollspinnerei "Ermen & Engels" abzuschließen. Gleichzei- tig hatte er die Interessen seines Vaters dort zu vertreten so, wie umgekehrt Anton Ermen die Belange seines älteren Bruders Pe- ter in der Spinnerei - Ermen & Engels" in Engelskirchen wahrzu- nehmen hatte. 8) Ein wichtiges Ereignis im Leben des jungen Kauf- manns und Journalisten war das erste Zusammentreffen mit Karl Marx am 16. November 1842 in Köln. 9) Am 19. November wurden Engels und Erbslöh von den Londoner Hafen- behörden registriert. 10) Es kann als ziemlich sicher gelten, daß Engels sich noch einige Tage in London aufhielt, bevor er Anfang Dezember seine Tätigkeit auf dem Kontor der väterlichen Firma in Manchester aufnahm. 11) Es ist erstaunlich zu sehen, wie rasch es Friedrich Engels ge- lang, sich mit den englischen Verhältnissen vertraut zu machen, und wie schnell er in der Lage war, sich in die zeitgemäßen Fra- gestellungen einzudenken. Seine dritte "englische" Korrespondenz für die "Rheinische Zeitung" bezieht sich teilweise schon sehr konkret auf die Vorgänge in Manchester. 12) Vermutlich durch sei- nen Vater, oder aber durch dessen Partner Peter Ermen, war Engels über den Versuch der englischen Arbeiter, im August 1842 in Lan- cashire und Yorkshire einen Generalstreik durchzuführen, beson- ders gut unterrichtet. Hatte doch die Firma "Ermen & Engels" sich im "Manchester Guardian" vom 27. August 1842 sogar für die Hilfe der Polizei zum Schutz ihres Eigentums während der Unruhen durch eine Anzeige öffentlich bedankt. 13) In der zweiten Hälfte des Monats August verläßt Engels Manchester und reist über Paris und Aachen nach Barmen zurück. 14) Etwa vom 23. August bis zum 2. September besucht er Karl Marx für die Dauer von zehn Tagen in Paris. Während dieser Zeit stellt sich ihre "Übereinstimmung auf allen theoretischen Gebieten" heraus. 15) Nach einem höchst unerquicklichen und spannungsgeladenen Inter- mezzo in Barmen und Engelskirchen übersiedelt Engels Mitte April 1845 endgültig nach Brüssel. 16) Die häusliche Atmosphäre war zum Zerreißen gespannt gewesen. Möglicherweise hatte der Vater auch die erste gemeinsame Arbeit von Marx und Engels in einer der Buchhandlungen des Wuppertals entdeckt. 17) Immerhin gelingt es Engels hier in Barmen, sein bedeutendstes Jugendwerk "Die Lage der arbeitenden Klasse in England" abzuschließen. 18) Gleich- zeitig organisiert er zusammen mit Moses Hess und Gustav Adolph Köttgen in Elberfeld Versammlungen, auf denen zum ersten Mal in Deutschland kommunistisches Gedankengut - wenn auch noch weit- gehend an frühsozialistischen Utopien jener Zeit orientiert - einem größeren Publikum propagiert wird. 19) Darüber hinaus mag die Tatsache, daß Engels nun doch nicht an der Bonner Universität wegen des Zerwürfnisses mit dem Vater studieren konnte, seinen Beschluß zur Übersiedlung nach Brüssel bestärkt haben. 20) In Brüssel begannen Marx und Engels gemeinsam mit der Erarbeitung des historischen und dialektischen Materialismus. Hier stellte sich ein unüberwindbarer Gegensatz zu ihren bisherigen philoso- phischen Weggefährten heraus, der sich in der "Deutschen Ideolo- gie" niederschlug. 21) Die dritte - nur kurze - Reise nach Manchester im Sommer 1845 traten Marx und Engels gemeinsam an, um in der Chetham-Bibliothek dieser Stadt zu arbeiten und neue Kontakte zu knüpfen. 22) Dieser Aufenthalt in Manchester bedeutet für Engels insofern eine Aus- nahme, als er keinen geschäftlichen Zielen dient. Auf der Rück- fahrt nach Brüssel wird Engels von seiner Lebensgefährtin Mary Burns begleitet. 23) Nach dem Scheitern der Revolution 1849 gelingt es dem steckbrief- lich gesuchten Engels, von der Schweiz über Genua mit dem engli- schen Segler "Cornish Diamond" nach England zu entkommen. Seine Ankunft in London ist unter dem 12. November 1849 registriert. 24) Warum Engels nicht in London und damit nicht in der Nähe von Karl Marx blieb, erscheint zunächst schwer verständlich. Aber London war gerade in dieser Zeit mit deutschsprachigen Flüchtlin- gen überfüllt, so daß seine Hoffnungen, einen einigermaßen gut dotierten Posten zu erhalten, sich zerschlagen mußten. So war er gezwungen, in den sauren Apfel zu beißen und eine zunächst schlecht bezahlte Stellung bei "Ermen & Engels " anzunehmen. Die- ser vierte und bei weitem längste Aufenthalt in Manchester sollte ihn hier für die Dauer von fast zwanzig Jahren festhalten, bis er dem - doux commerce" im Jahre 1869 für immer "Lebewohl" sagen konnte. 25) Weiter oben habe ich die Arbeit des Kapitäns Antony C.G. Ermen bereits erwähnt, aus der W.O. Henderson zitiert. 26) Es kann je- doch kein Zweifel daran bestehen, daß Antony Ermen noch über Ori- ginalbriefe aus der Frühzeit der Firma "Ermen & Engels" verfügte, aus denen er Material hatte schöpfen können. Es zeigt sich jedoch, daß Ermen mit der Herausgabe seines Maschinenskriptes ei- nige Verwirrung durch Halbwahrheiten und Ungenauigkeiten stif- tete, die Henderson dann mangels geeigneter Quellen bzw. Litera- tur übernahm. Hinzu kam, daß Ermen - wie er übrigens selbst ein- räumt - sich außerstande sah, die in deutscher Sprache abgefaßten Briefe korrekt zu lesen und zu übersetzen. Nicht uninteressant ist der krampfhafte Versuch Ermens, die Familie selbst wie auch die Herkunft der Frauen allein auf die Niederlande bzw. auf Eng- land beschränkt zu sehen. So sollen hier zunächst einmal die ge- sicherten Namen und Daten derjenigen Familienmitglieder der Fami- lie Ermen folgen, die einen unmittelbaren Bezug entweder zur Firma "Ermen & Co.", - Ermen & Engels" oder "Ernten & Roby" hat- ten. 27) Ich lasse hier ein genealogisches Schema folgen, das durch zu- sätzliche Angaben von Antony Ermen bzw. von Friedrich Engels an- gereichert wurde: 28) (1) Gottfried Ermen * Bergeyk 13. November 1765 + Hachenburg 24. Juli 1814 erwirbt am 6. Oktober 1803 das Bürgerrecht in's-Hertogenbosch. Seit 1810 Bürger und Gastwirt in Hachenburg. 29 oo Hachenburg 13. April 1796 Johannetta Philippine Bertram * Hachenburg 1. Mai 1773 + Hachenburg 28. April 1842 (4 Kinder - 2.1. - 2.4. - von insgesamt 8) 2.1. Francis Bernhard Ermen * Bergeyk 20. Juli 1798 + Wiesbaden 1865 [?] Schenkwirt zu Hachenburg, später angeblich Hotelbesitzer zu Wiesbaden. oo Hachenburg 20. Oktober 1825 Auguste Elisabeth Bohle * Hachenburg 14. Dezember 1806 + [?] (2 Kinder - 3.1.1. - 3.1.2. - von insgesamt 7) 3.1.1. Heinrich Eduard Ermen * Hachenburg 26. Juni 1833 + 1913 oo [?] Friederika Schwabe Im Jahre 1850 überträgt ihm dessen Onkel Gottfried (2.4.) eine Unter- nehmensbeteiligung an der Firma "Ermen & Engels"; seit 1875 Partner. (mehrere Kinder) 3.1.2. Franz Julius Ermen * Hachenburg 1. November 1840 + [?] oo [?] Johanna Ermen * Alsbach/Bz. Köln 31. Dezember 1848 Kam nach Manchester, im Jahre 1859 überträgt ihm sein Onkel Gottfried (2.4.) eine Beteiligung an der Firma "Ermen & Engels"; seit 1875 Partner. Er scheidet 1896 aus der Firma aus. Verkauft zusammen mit seinem Vetter Francis J. Gottfried Ermen (3.2.2.) das Unternehmen 1899 an die "English Sewing Cotton & Co." 2.2. Peter Albertus Ermen * Bergeyk 29. Juni 1800 + Dawlish, Devonshire 1889 Kam zusammen mit seinem Vater etwa 1810 nach Hachenburg, ging 1820 nach Manchester; gründete 1826 eine Baumwollspinnerei in Blackfriars, eine solche 1837 zusammen mit Friedrich Engels sen. in Manchester, zog sich Anfang 1852 vom Geschäft zurück, (mehrere Kinder, darunter 3.2.1. u. 3.2.2.) 3.2.1. Mary Ann Mathilde Ermen * [?] + [?] oo John Henry Roby B. A. * 1830 + 1915 Lektor für klassische Philologie. Seit 1869 Tätigkeit in der Firma "Ermen & Engels", seit 1874 in der Firma "Ermen & Roby". 3.2.2. Francis J. Gottfried Ermen * 1849 + Bath, Somerset 1925 Dessen Onkel Gottfried (2.4.) überträgt ihm 1867 eine Unternehmensbeteiligung an der Firma "Ermen & Engels"; seit 1875 Partner. Verkauft zusammen mit seinem Vetter Franz Julius Ermen (3.1.2.) das Unternehmen 1899 an die "English Sewing Cotton & Co.", seit 1898 Friedensrichter in Eccles. 2.3. Gottfried Anton Ermen * 's-Hertogenbosch 12. Februar 1807 + Barton upon Irwell, Eccles 1886 Kam 1830 nach Manchester, lebte seit 1841 in Braunswerth [Engelskirchen], trat 1874 aus dem Unternehmen aus. oo [?] ca. 1836 Johanna Emilie Julie Sartorius * Köln [?] 2.4. Peter Jakob Gottfried Ermen * Hachenburg 6. Oktober 1811 + Dawlish/Devonshire 20.9.1899 ledig Kam 1830 durch Vermittlung seines älteren Bruders Peter Albert Ermen (2.2.) nach Manchester, übernahm 1851 von diesem die Leitung der Firma Ermen & Engels in Manchester, trat 1877 aus dem Unternehmen aus. Er vermachte dem Armenhaus seiner Vaterstadt Hachenburg eine beträchtliche Summe. Ein Brief von Peter Albert Ermen (2.2.), wenige Tage nach seiner Ankunft in Manchester geschrieben, soll hier im Anhang abgedruckt werden. 30) Peter Albert war also nicht, wie später behauptet wurde, erst im Jahre 1825 nach England gekommen, sondern bereits 1820. Der Brief an seine Mutter wirft ein deutliches Licht auf die Verhältnisse in jener Zeit in England, andererseits aber auch auf den Briefschreiber selbst. Bemerkenswert erscheint Ermen of- fensichtlich ein gut organisiertes Verkehrswesen, das er auf dem Kontinent gewiß nicht vorfinden konnte. Es scheint Stolz mitzu- schwingen, wenn er schreibt: "... während welcher Zeit ich nur ein einziges Mal eine kleine halbe Stunde Zeit, etwas zu genie- ßen, hatte", Stolz über die eigene physische Leistung und nicht etwa Bedauern über die verlorene Beschaulichkeit. Obwohl er schon drei Tage in der Stadt weilt, kennt er eigentlich nur seine Wohn- und Arbeitsstätte. Das Innere der Stadt mit seinen Prachtbauten als auch den großartigen technischen Neuerungen finden nicht sein unmittelbares Interesse. Als "schön" empfindet er an Manchester all diejenigen Einrichtungen, die mit denen der Niederlande iden- tisch sind: die Architektur und Möblierung der Häuser, aber auch die Heidelandschaft. Ermen war mit dem festen Vorsatz nach England gekommen, hier "Geld zu machen". Sein pragmatisches Denken läßt nur eine blutleere Beschreibung der dortigen Verhältnisse zu. Wie anders hatte sich der junge En- gels nach seinem ersten Englandbesuch achtzehn Jahre später geäu- ßert! Selbst Peters eigener Bruder Gottfried Anton beklagt sich in einem Brief über dessen - Sklavenhaltermethoden" 31), die ihm keine Zeit ließen, neben seiner Arbeit die "angenehmen Seiten des Lebens" wahrzunehmen. Anhang: ------- Manchester 28. April 1820 Vielgeliebte Mutterl! Meinen Brief aus London vom 23. oder 24. dieses schätze ich in Deinem Besitz und komme daher auf darin behandelte Gegenstände nicht ferner zurück, doch will ich zum Überfluß meine Adresse am Fuße dieses noch einmal bemerken. Seit Donnerstagabend bin ich nun hieran Ort und Stelle, recht müde zwar, denn ich fuhr mit der Mail oder Briefkutsche in 22 Stunden 184 englische Meilen, während welcher Zeit ich nur ein einziges Mal eine kleine halbe Stunde Zeit, etwas zu genießen, hatte, kam ich an und habe mich bei meinem Prinzipal Herrn Shen- ton 32) eingemietet, bei dem ich auch esse und trinke. Soviel ich diesen Mann nach unserem dreitägigen Bekanntsein zu beurteilen imstande bin, scheint er mir äußerst brav und gut, er ist dabei ganz anspruchslos, und er geht mit mir nicht wie mit einem Unter- gebenen, sondern wie mit einem Kollegen um. Dieses tut einem in einem so ganz fremden Lande sehr gut, und ich glaube, wenig Zeit nötig zu haben, um mich ganz heimisch zu fühlen, Herr Troost 33) ist ebenfalls sehr freundschaftlich, und ich komme erst eben mit ihm und Shenton von einer Spaziertour zurück, nachdem ich diesen Mittag bei ihm speiste. - Weil ich nicht in Manchester selbst, sondern der gesünderen und angenehmeren Lage wegen eine halbe Stunde davon auf dem Lande wohne, so kenne ich das Innere der Stadt noch nicht ganz, doch glaube ich, gleicht dasselbe ganz dem schon gesehenen Teil und alsdann kann ich es weder sehr schön noch häßlich nennen. Die Häuser sind wie in Holland von roten Backsteinen erbaut, und ist die Form verschieden, auch fehlt ihnen das freundliche Rot jener, weil der durch die vielen Spinnereien, Fabriken und Färbereien erzeugte Kohlenstoff die Häuser schwärzt und keinen Anstrich zuläßt. Die Straßen sind übrigens meistens ziemlich breit und licht. Die Lage von Manchester gefällt mir gut, die Gegend umher ist eine nur von Heide unterbrochene Ebene von dem Fluß Irwell durchschnitten, Einwohner zählt man hier 156 000. Die Mobiliare der Häuser finde ich mit denen in Holland übereinstimmend; in den Gängen sowohl als auf den Treppen und in allen Stuben Teppiche, alle Möbel, als Stühle, Tische, Betten, Kommoden sind von Mahagoniholz und schön gearbeitet. So schön ich dies alles finde, so sehr mißfällt mir fürs erste die englische Kost, die meinem Urteile nach der deutschen bei weitem weichen muß; dies gestehen die Engländer, welche gereist sind, selbst. Die Gemüse sind schlecht und in geringer Anzahl vorhanden, Suppen kennt man nicht, und nur von fleisch allein muß und kann man sich erholen, denn das Brot, obgleich es hier recht gut schmeckt, wird verhältnismäßig nur wenig gegessen. Ich sehe die Engländer während einer ganzen Mahlzeit zu ihren kräftigen und fetten Fleischspeisen oft nicht einen Bissen Brot nehmen. Die Kartoffeln spielen in England eine ebenso wichtige Rolle als in der ganzen Welt. - Das Klima scheint mir hier etwas kälter als auf dem festen Lande zu sein, unsere Obstbäume blühen jetzt erst, und in den Kaminen ist noch überall Feuer, doch sollen die Winter nicht so streng sein und die Schafe meistens während desselben im freien bleiben können. - In drei Wochen werde ich hier einem mir noch ganz fremden Schau- spiel beiwohnen, nämlich dem in England so beliebten Pferderennen und Hahnengefechten; es ist dazu hier in der Nähe auf einem Hügel ein besonderer mit einem Amphitheater umgebener Platz. Es wird bei dergleichen Gelegenheiten von den Zuschauern immer und oft um große Summen gewettet. Da Du wahrscheinlich bald an Marianne 34) schreibst, so bitte ich, ihr zu sagen, daß ich das für Dick 35) bestellte Tuch noch nicht bestellt, weil ich noch nicht an meinen freund geschrieben hätte, daß solches aber nun in den nächsten Tagen geschehe und er, wenn auch nicht gleich, doch auf den Empfang desselben rechnen könne. Beide bitte ich übrigens aufs beste zu grüßen. - An Bertram 36) schreibe ich baldmöglichst, sage ihm dies gfl., wenn er dorthin kommen sollte. Genehmige, liebe Mutter, meine herzlichen Wünsche für Dein fer- neres Wohlergehen, und sei versichert, daß ich auch in der fremde nicht aufhöre zu sein Dein Dich liebender Sohn P. An alle meine herzlichen Grüße, Meine Adresse ist: Mr Pet Ermen, care of Messrs Wrm Shenton & Co. franco Küste Manchester Nur ja immer auf ganze Bögen geschrieben und nicht beigeschlagen oder halbe Blätter genommen. [Umschlag] Poststempel Via Ostend Manchester Herrn Gottfr. Ermen seel. Wb Hachenburg Duché de Nassau p. Cöln & Siegburg _____ 1) Die Ergebnisse der Wuppertaler Konferenz sind in einem von Hans Feiger sorgfältig betreuten Band veröffentlicht: Friedrich Engels 1820-1970, Referate, Diskussionen, Dokumente. Redaktion Hans Feiger, Schriftenreihe des Forschungsinstitus der Friedrich- Ebert-Stiftung, Bd. 85, Hannover 1971. 2) W.[illiam] O.[tto] Henderson, Friedrich Engels in Manchester, in: Friedrich Engels 1820-1970, a.a.O., S. 27-38. 3) Vgl. ebd., S. 59. 4) W.[illiam] O.[tto] Henderson, The Firm of Ermen & Engels in Manchester, in: Internationale Wissenschaftliche Korrespondenz zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, hrsg. v.d. Histo- rischen Kommission zu Berlin v. Henryk Skrzypczak, H. 11/12, 1971, S. 1-10. 5) A.[ntony] C.G. Ermen, The Three Red Towers, Maschinenskript, o.O. 1965. Diese Arbeit legt den Schwerpunkt auf genealogische Untersuchungen, die aber kaum durch Quellen belegt werden, son- dern wohl mehr auf mündlicher Überlieferung beruhen. Der Titel "The Three Red Towers" - "Die drei roten Türme" - ist eine An- spielung auf das angebliche (?) Familienwappen dieser Familie Er- men. Ohne dies kenntlich zu machen, zitiert der Verfasser aus wohl noch vorhandenen Familienbriefen, räumt aber ein, daß er we- der der niederländischen noch der deutschen Sprache mächtig sei bzw. die Briefe nicht richtig entziffern könne. Ein Versuch, mit A.C.G. Ermen brieflich in Kontakt zu kommen, blieb ohne jede Re- sonanz. 6) Vgl. Michael Knieriem, Über Friedrich Engels, Privates, Öf- fentliches und Amtliches. Aussagen und Zeugnisse von Zeitgenos- sen. Nachrichten aus dem Engels-Haus, H. 2, Wuppertal 1979, S. 29. Die Beschreibung der Reise mit dem Schiff und mit dem neuen Verkehrsmittel Eisenbahn, findet sich in dem von Engels verfaßten Artikel "Landschaften", in: Telegraph für Deutschland, Nr. 122"123, Juli/August 1840, wiederabgedruckt in: MEW, EB II, Ber- lin (DDR) 1973, S. 68"74, hier: S. 72 f. Die Firma wurde mit Wirkung vom 1. August 1838 umbenannt; seit dem 20. Februar 1837 datiert die Partnerschaft zwischen Friedrich Engels sen. und Peter Ermen. Vgl. hierzu auch Hans Feiger/Michael Knieriem, Friedrich Engels als Bremer Korrespondent des Stuttgar- ter "Morgenblattes für gebildete Leser" und der Augsburger "Allgemeinen Zeitung", Schriften aus dem Karl-Marx-Haus, hrsg. v. Karl-Marx-Haus, Trier, und dem Friedrich Engels-Haus, Wuppertal, H. 15, Trier 1976 ², S. 65. 7) Karl August Erbslöh (1819-1894) besuchte von Ostern 1831 bis Herbst 1833 die Barmer Stadtschule, wurde später Fabrikant in Barmen. Sein Sohn heiratete eine Nichte Engels'. 8) Gottfried Anton Ermen lebte seit mindestens 1841 in Brauns- werth/Engelskirchen, wo auch die meisten seiner Kinder geboren waren. Laut einer freundlichen Mitteilung des Nordrhein-Westfäli- schen Hauptstaatsarchivs Düsseldorf vom 30.4.1980 ließ sich eine Einbürgerung von G.A. Ermen in den Einwanderungsakten des Landratsamtes Wipperfürth nicht nachweisen. 9) Vgl. den Brief Friedrich Engels' an Franz Mehring in Berlin, London, Ende April 1895: "Als ich gegen Ende Nov. [1842] auf der Durchreise nach England wieder vorsprach, traf ich Marx dort [in der Redaktion der "Rheinischen Zeitung"], und hatten wir bei der Gelegenheit unser erstes sehr kühles Zusammentreffen...", vgl. MEW, Bd. 39, S. 473 f. hier: S. 473. Engels' Aufenthalt in Köln läßt sich für den 16. November 1842 nachweisen: vgl. "Kölnischer Anzeiger mit dem Kölner Fremdenblatt verbunden", Nr. 272 vom 17. November 1842, "Verzeichnis der gestern angekommenen Fremden: [Hotel] Wiener Hof [...] Engels, dito [Kaufmann] a.[us] Barmen", vgl. auch: Michael Knieriem, Über Friedrich Engels..., a.a.O. S. 81. 10) Vgl. das Ankunfts-Zertifikat für den Londoner Hafen vom 19. November 1842, in: Public Record Office London, HO 2/108 18424, abgedruckt in: Michael Knieriem, Über Friedrich Engels..., a.a.O., S. 82. 11) Vgl. Friedrich Engels' Korrespondenz in der "Rheinischen Zei- tung", Nr. 358 vom 24. Dezember 1842: "Stellung der politischen Partei. *+* Aus Lancashire. 15. Dezember." Wiederabgedruckt in: MEW, Bd. 1, S. 461-463. 12) Vgl. Friedrich Engels' Korrespondenz in der "Rheinischen Zei- tung" Nr. 343 und 344 vom 9. und 10. Dezember 1842: "Die innern Krisen. *** London, den 30. November." Wiederabgedruckt in: MEW, Bd. 1, S. 456-460, hier bes. S. 459 f. 13) Vgl. W.[illiam] O.[tto] Henderson, The Firm of Ermen & Engels in Manchester, a.a.O., S. 3. 14) Das "Aachener Fremdenblatt. Auch Unrerhaltungs- und Anzeigen- blatt" vom 3. September 1844 weist den Aufenthalt von Engels im Hotel "Mainzer Hof" aus. Vgl. auch: Michael Knieriem, Über Fried- rich Engels..., a. a. O., S. 98. 15) Vgl. Karl Marx. Chronik seines Lebens in Einzeldaten, Moskau 1934, S. 24 f. 16) Vgl. hierzu das Auswanderungsgesuch Friedrich Engels' nach England vom 14. April 1845, erstmals veröffentlicht in: Michael Knieriem, Ein unbekanntes Auswanderungsgesuch Friedrich Engels' nach England, in: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, Bd. 87, Jg. 1974/76, Neustadt/Aisch 1977, S. 105-109, hier: S. 106 f. Vgl. auch die Anmeldung Friedrich Engels' in Brüssel, rue de l'Alliance 7, vom 26. August 1845; ein Aufsatz über Engels' Anmeldung in Brüssel v. Verf. ist in Vorbereitung. 17) Es handelt sich hierbei um die Arbeit von Friedrich Engels und Karl Marx: Die heilige Familie oder Kritik der kritischen Kritik. Gegen Bruno Bauer und Konsorten, Frankfurt/M. 1845, wie- derabgedruckt in: MEW, Bd. 2, S. 3-223. 18) Vgl. Friedrich Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse in England. Nach eigener Anschauung und authentischen Quellen, Leip- zig 1845, wiederabgedruckt in: MEW, Bd. 2, S. 225-506. 19) Vgl. hierzu: Helmut Hirsch, Carnaps Bericht über die Elber- felder Versammlungen. Ein Dokument zur Geschichte des rheinischen Frühsozialismus, in: Bulletin of USG, Bd. 8, Amsterdam 1953, S. 104"114, sowie: Michael Knieriem, Zwei unbekannte Aktenstücke über die Elberfelder Versammlungen im Jahre 1845. Ein Beitrag zur Geschichte des rheinischen Frühsozialismus, in: Mitteilungen des Stadtarchivs, der Abteilung für Stadtgeschichte und Frühindu- strialisierung des Fuhlrott-Museums und des Bergischen Ge- schichtsvereins, Abt. Wuppertal, H. l, 1976, S. 12"21. Vgl. be- sonders auch die diesbezüglichen Berichte des Wuppertaler Dich- ters Adolph Schults im Rahmen seiner Korrespondenzen für das Stuttgarter "Morgenblatt für gebildete Leser", Nr. 78 und 79 vom 1. und 2. April 1845, auszugsweise wiederabgedruckt in: Michael Knieriem, Über Friedrich Engels..., a.a.O., S. 112 f. 20) In der Bescheinigung des Barmer Bürgermeisters Wilkhaus, die Engels am 17. April 1845 dem Bürgermeister von Brüssel präsen- tierte, wurde ausdrücklich bestätigt, daß Engels mit Zustimmung seines Vaters die Bonner Universität beziehen könnte. Das Doku- ment ist erstmals abgedruckt in: Michael Knieriem, Über Friedrich Engels..., a.a.O., S. 118. 21) Vgl. Karl Marx/Friedrich Engels, Die deutsche Ideologie. Kri- tik der neuesten deutschen Philosophie in ihren Repräsentanten Feuerbach, B. Bauer und Stirner, und des deutschen Sozialismus in seinen verschiedenen Propheten, in: MEW, Bd. 3, S. 5-530. 22) Vgl. hierzu die Notiz in der "Trier'schen Zeitung" vom 16. Juli 1845. "Belgien. Brüssel. 12. Juli: Die Herren Carl Marx und Friedrich Engels haben in diesen Tagen eine Reise nach England angetreten, um die für ihre Arbeiten nöthigen Untersuchungen an Ort und Stelle zu vervollständigen. Wie es heißt, werden sie bin- nen Kurzem ein Werk über Nationalökonomie dem Publikum überge- ben." Vgl. hierzu auch: Michael Knieriem, Über Friedrich En- gels..., a.a.O., S. 128. Von Marx' und Engels' Aufenthalt in Man- chester zeugt auch der Brief Georg Ludwig Weerths an seine Mutter Wilhelmine Weerth, geb. Burgmann in Detmold, Brüssel, 23. August 1845, vgl. Marx-Engels-Jahrbuch 1, S. 410. 23) Dies ist zumindest einer brieflichen Bemerkung Jenny Marx' zu entnehmen, vgl. ihren Brief an Karl Marx in Brüssel, Trier, nach dem 24. August 1845: "[...] Ist Engels solo mit heimgekehrt oder à deux?" Vgl. MEGA ² III, I, S. 479 ff., hier: S. 480. 24) Vgl. Public Record Office, London, Home Office, Alien Lists, H.O. 3, Bd. 54, erstmals zitiert in: Hans Pelger/Michael Knie- riem, Friedrich Engels als Bremer Korrespondent..., a.a.O., S. 77. 25) Vgl. den Brief Friedrich Engels' an Marx in London, Manche- ster, 1. Juli 1869, wiederabgedruckt in: MEW, Bd. 32, S. 329 f. 26) Vgl. Anm. Nr. 5. 27) Am 20. Februar 1837 wurden Friedrich Engels sen. und Peter Ermen Partner. Am 1. August 1838 wurde die Firma "Ermen & Co." in "Ermen & Engels" umbenannt. Seit 1874 lautete der Firmenname "Ermen & Roby". Vgl. W.[illiam] O.[tto] Henderson, The Firm of Ermen & Engels in Manchester, a.a.O., S. 2 u. S. 10. Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, daß dies nicht die erste Geschäftsbetei- ligung der Firma Engels an einer englischen Firma war. Es bestand bereits eine Konto-a-metà-Verbindung der Firma "Caspar Engels Söhne" mit der Goldlitzenfabrik "Thomas Wilson & Co." in London im Jahre 1836. Vgl. Michael Knieriem, Die Entwicklung der Firma Caspar Engels Söhne. Zugleich ein Beitrag zum sozialen Umfeld des jungen Engels, Nachrichten aus dem Engels-Haus, H. 1, Wuppertal 1978, S. 15 f. 28) Die biographischen bzw. genealogischen Daten und Zusammen- hänge wurden aufgrund der Original-Kirchenbücher bzw. der Bürger- bücher von 's-Hertogenbosch durch Einsichtnahme beifolgenden In- stituten ermittelt: Bischöfliches Ordinariat Limburg/Lahn, Evan- gelisches Pfarramt Hachenburg, Rijksarchief 's-Hertogenbosch, Ge- meentearchief 's-Hertogenbosch, Rijksarchief 's-Gravenhage, Per- sonenstandsarchiv Brühl. Das dort erhaltene Material, das über den Rahmen der hier publizierten Angaben weit hinausgeht, soll in einer der nächsten Ausgaben der "Mitteilungen der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde" durch den Verfasser veröffent- licht werden. 29) Die Behauptung Antony C.G. Ermens, Gottfried Ermen sei Offi- zier der niederländischen Armee gewesen, ließ sich bisher nicht bestätigen. Vgl. Mitteilung des Rijksarchiefs 's-Gravenhage an d. Verf. vom 31. März 1980. 30) Eine Kopie dieses Briefes wurde d. Verf. freundlicherweise von Hans Feiger, Leiter des Karl-Marx-Hauses in Trier, zur Verfü- gung gestellt. Das Original befindet sich im Besitz des Karl- Marx-Hauses, Trier. 31) Vgl. A[ntony] C.G. Ermen, The Three Red Towers, a.a.O., S. 18. 32) Inhaber der Firma "William Shenton & Co.". Diese Garnhandels- firma wird in den Adreßbüchern von Manchester von 1817 bis 1830 erwähnt. Für diesen Hinweis habe ich Herrn Allan D. Barlow von der Zentralbibliothek in Manchester zu danken. 33) Hier handelt es sich ganz offensichtlich um Johann Abraham Troost (* Elberfeld 10. Dez. 1762 + Godesberg 21. Okt. 1840). Er gründete das Handelshaus "Abraham Troost & Söhne" zu Elberfeld und im Jahre 1829 auch zu Manchester. Er spielte im wirtschaftli- chen Leben seiner Vaterstadt eine bedeutende Rolle, besonders im Deutsch-amerikanischen Bergwerksverein sowie bei der Rheinisch- westindischen Kompanie. Die Firma in Manchester wurde später durch den Enkel des Begründers Abraham Eberhard Robert Troost (1816-1874) in "Robert Troost & Co." umbenannt und bestand wohl bis zu dessen Tode im Jahre 1874. 34) Vermutlich Peter Albert Ermens Schwester Anna Maria Dick (* Hachenburg 5. Okt. 1796 + ebd. 13. Okt. 1822). Sie war seit dem 30.6.1818 verheiratet mit Johann Anton Dick. Vgl. zu diesem wei- ter unten, Anm. 35. 35) Johann Anton Dick (* Wischau/Mähren 9. Mai 1786 + Niederlahn- stein 30. Aug. 1822) hzgl. nassauischer Accessist zu Hachenburg, später zu Niederlahnstein. 36) Peter Ermens Mutter Johannetta Philippine (1773-1842) war eine geborene Bertram; wahrscheinlich handelt es sich um einen Verwandten müttetlicherseits. zurück