Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981


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ARBEITSPLATZ HAMBURG

Regionalökonomie und -politik in Hamburg in den siebziger Jahren ---------------------------------------------------------------- Fritz Fiehler 1. Die Probleme der Hamburger Metropole in der norddeutschen Re- gion - 2. Wirtschaftsstruktur und Entwicklung Hamburgs - 2.1 Die verarbeitende Industrie Hamburgs - 2.2 Die Bedeutung von Handel und Verkehr - 2.3 Banken und Versicherungen Hamburgs - 2.4 Die Dienstleistungen - 2.5 Öffentlicher Dienst - 3. Wirtschaftspoli- tik in Hamburg. Mit der vorliegenden Arbeit wird der Versuch unternommen, Mate- rialien für die Analyse der ökonomischen und sozialen Entwicklung einer regionalen Metropole, Hamburgs, zusammenzutragen. Die Ar- beit knüpft insofern an andere Untersuchungen zur Regionalent- wicklung und Raumökonomie an, die in den "Marxistischen Studien" bisher erschienen. *) Im Mittelpunkt steht die Frage nach den Entwicklungsbedingungen und -perspektiven der Beschäftigungsver- hältnisse in Hamburg. Dabei werden Umfang und Ursachen der Verän- derung der hamburgischen Wirtschaftsstruktur auf der Ebene der Wirtschaftssektoren und Industriezweige genauer untersucht. Für die Ausarbeitung einer wirtschafts- und sozialpolitischen Al- ternativstrategie der Arbeiterbewegung sind jedoch noch weiterge- hende analytische Schritte erforderlich. Das betrifft insbeson- dere die Untersuchung der Auswirkungen der monopolistischen Kon- kurrenz auf die Entwicklung der einzelnen Wirtschafts- und Indu- striezweige der Stadt. Das betrifft weiterhin die Untersuchung der Folgen staatsmonopolistischer Wirtschafts- und Strukturpoli- tik, wobei auf dieser Ebene auch die Einbindung der Hamburger Wirtschaftsentwicklung in den Gesamtzusammenhang staatsmonopoli- stischer Wirtschafts- und Regionalpolitik in der BRD in Rechnung zu stellen wäre. Hier liegen also die Grenzen der vorliegenden Arbeit, weswegen auch noch auf die Formulierung von Grundlinien einer wirtschaftspolitischen Alternativstrategie verzichtet wird. 1. Die Probleme der Hamburger Metropole --------------------------------------- in der norddeutschen Region --------------------------- Die Geschichte Hamburgs ist die einer Handels- und Hafenstadt. Während die unter der Ägide des kaufmännischen Kapitals entstan- dene Industrie durch die lokale Eigentümlichkeit "besondre Pro- duktionszweige an besondre Distrikte eines Landes bannt" 1), be- ginnt das Kapital auf Basis der großen Industrie die territoriale Teilung der Arbeit von der eigentümlichen Lokalität zu lösen, "woraus sich der Verfall alter und das Aufkommen neuer Produkti- onszentren mit veränderten Transport- und Kommunikationsmitteln erklärt." 2) Unter der Bedingung des entwickelten Kapitalismus hat sich für Hamburg die Steigerung der Produktivkraft der Trans- portarbeit als maßgeblich erwiesen. Der industrielle Zyklus hat Hamburg die Beschränkung seiner selbst als Handels- und Hafenstadt bald mehr, bald weniger spüren lassen. Es heißt, wenn die Weltwirtschaft den Schnupfen bekommt, ist Hamburgs Hafen nicht weit von einer Lungenentzündung ent- fernt. 3) So sind den Rückwirkungen des Weltmarkts jeweils Versu- che Hamburgs gefolgt, sich mittels Hafenausbau und Industriean- siedlung die Konkurrenzfähigkeit als Elbmetropole zu erhalten. 4) Es wurden der Containerverkehr erweitert, Anlagen für den Um- schlag von Massengut errichtet, das Verkehrsnetz ausgebaut, Indu- strie angesiedelt, Kraftwerke erbaut. Die Weltwirtschaftskrise 1974/75, die Auseinandersetzungen um Brokdorf 1976 5) und die Werftenkrise 1977/78 haben einen Strich durch die bisherige re- gionalpolitische Rechnung gezogen. Die nachlassende Akkumulation verringert die Zahl ansiedlungswilliger Kapitale, schränkt die ökonomische Potenz des Staates ein und läßt die regionalen Gegen- sätze hervortreten. Das Gewicht der Agrikultur, die Probleme der Werftindustrie, die industrielle Auszehrung durch Rücknahme vor- mals ausgelagerter Produktionsstätten und die Abwanderung von qualifizierten Arbeitskräften machen die norddeutsche 'Strukturschwäche' aus. Selbst unter der Annahme eines künftigen Aufschwungs würde es dem norddeutschen Kapital an Expansivkraft mangeln. Die Konkurrenz Rotterdams hat die Umlenkung der Waren- ströme durch die Scheide in die Rhein/Main-Metropole bewirkt und bedroht Hamburgs Funktion als Hafen- und Handelsstadt. Entspre- chend öffnet sich die Schere der Daten für Bevölkerungs-, Er- werbstätigen- und Bruttoinlandsproduktsentwicklung zwischen Ham- burg, Norddeutschland und der BRD. Tabelle 1: Zuwachsraten von Wohnbevölkerung, Erwerbstätigkeit und Bruttoin- landsprodukt der BRD, Norddeutschlands (1) und Hamburgs von 1970 bis 1978 in v.H. Bereich Wohnbevölkerung Erwerbstätigkeit BIP in Preisen von 1970 BRD +1,1 +0,3 +23,5 Norddeutschland +0,8 +2,8 +22,4 Hamburg -6,8 -6,0 +15,9 _____ Quelle: Berechnet nach den Angaben des Stat. Bundesamtes. (1) Norddeutschland: Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen und Bremen. Die Entwicklung Hamburgs zu einem eigenständigen industriellen Produktionszentrum ist ausgeblieben und seine Funktion als Han- dels- und Hafenstadt bedroht. Angesichts der Arbeitsplatzvernich- tung, Wohnungsnot, Stadtflucht und kommunalen Verschuldung Ham- burgs stellen sich die Fragen, inwieweit der Arbeitsplatz Hamburg verbessert und erweitert werden kann, inwiefern der Industrie oder dem Dienstleistungswesen der Vorrang zu geben ist und wie sich Wirtschafts- und Wohnfunktion der Stadt miteinander verein- baren lassen. 6) 2. Wirtschaftsstruktur und Entwicklung Hamburgs ----------------------------------------------- Einer städtischen Metropole gemäß verteilen sich in Hamburg die Erwerbstätigen zu zwei Drittel auf den Tertiärsektor und zu knapp einem Drittel auf den Sekundärsektor, während der Primärsektor unbedeutend ist. Tabelle 2: Die Verteilung der Erwerbstätigen auf die Sektoren Hamburgs in 1 000 Jahr Erwerbstätige insgesamt Primärsektor Sekundärsektor Tertärsektor 1970 796 13 292 492 1971 804 12 291 501 1972 817 5 276 536 1973 809 6 265 539 1974 796 7 271 517 1975 752 5 259 488 1976 744 9 235 500 1977 734 10 225 502 1978 748 9 228 511 _____ Quelle: Stat. Bundesamt (Hrsg), Bevölkerungsstruktur und Wirt- schaftskraft der Bundesländer 1979, S. 60 f Aus dieser Verteilung ist die Vorstellung erwachsen, die "postindustrielle" Gesellschaft würde sich durch das Übergewicht des Tertiärsektors als Dienstleistungsgesellschaft auszeichnen. Dem Rückgang der Industrie entspräche die Zunahme der Dienstlei- stungen, aus freigesetzten Arbeitern würden Angestellte. Gegen diese Auffassungen lassen sich vorab zwei Argumente anfüh- ren. Einmal ist der Statistik (vgl. Tab. 2) deutlich zu entneh- men, daß der Tertiärsektor nicht unabhängig vom industriellen Zy- klus ist. Auf der Basis einer längeren Periode beschleunigter Ak- kumulation kommt es Anfang der siebziger Jahre zur Entfaltung des Tertiärsektors, wobei der Beschäftigungshöhepunkt von 1973 auch nach der Weltwirtschaftskrise 1974/75 nicht wieder erreicht wird. Das gewachsene Gewicht des Tertiärsektors nach 1974/75 ist un- trennbar mit dem Rückgang des Sekundärsektors verbunden. Nur von 1971 bis 1973 hat der Tertiärsektor eine Kompensationsfunktion besessen. Nach den Anteilen an der gesamtwirtschaftlichen Lei- stung trägt er knapp zwei Drittel, wobei sich sein Gewicht von 1970 bis 1978 verstärkt hat (vgl. Tab. 3). Allerdings verzeichnen die Bereiche des Tertiärsektors unterschiedliche Zuwächse, wobei Handel und Verkehr den niedrigsten Zuwachs haben. Der Vergleich mit anderen städtischen Metropolen zeigt, daß Hamburg sich kei- neswegs als die "Dienstleistungsmetropole" auszeichnet. Berück- sichtigt man ferner, daß die Transport- und Kommunikationsindu- strie Produktionsprozesse innerhalb des Zirkulationsprozesses des Kapitals darstellen, dann ist der Leistungsanteil des Sektors Verkehr und Nachrichtenübermittlung noch dem Sekundärsektor resp. der verarbeitenden Industrie zuzuschlagen. 7) Die Struktur der Elbmetropole wird demnach stärker als angenommen von der indu- striellen Basis geprägt. Tabelle 3: Anteile der Sektoren an der Bruttowertschöpfung Hamburgs 1970 und 1978 (in v.H.) Sektor 1970 1978 Primärsektor 0,7 0,7 Sekundärsektor 40,7 35,5 Tertiärsektor 58,6 63,8 davon Handel/Verkehr 27,4 27,7 Dienstleistungen 22,1 25,2 Staat 9,1 10,9 _____ Quelle: Statistisches Landesamt Hamburg (Hrsg), Statistisches Ta- schenbuch 1979, Hamburg 1979 Die Entwicklung Hamburgs wird bestimmt durch den industriellen Zyklus des Kapitals in der BRD. Danach stellt sich nach einer längeren Periode der beschleunigten Akkumulation eine Wende zu Beginn der siebziger Jahre ein, die mit der Weltwirtschaftskrise bestimmend wird. Der folgende Aufschwung erweist sich als zu schwach, um die Krisenfolgen abzubauen. Der gegenwärtige Zyklus (1975-1981) bleibt im Schatten nachlassender Akkumulation, Mas- senarbeitslosigkeit und schwindender ökonomischer Potenz des Staates. 8) Hamburg wird vom Zykluswechsel 1971/72 stärker in Anspruch genom- men, ist vom Wechsel in der Akkumulation früher betroffen und wirkt mit einem kleineren Anteil an der gesellschaftlichen Reich- tumsproduktion (vgl. Tab. 4). Eine nachträgliche Wiederanglei- chung scheint sich im gegenwärtigen Zyklus anzubahnen. Mit der nachlassenden Akkumulation ist ein Beschäftigungsrückgang verbunden, der zunächst durch die Zunahme der Dienstleistungen kompensiert wird, nach 1974/75 allerdings unverkennbar zutage- tritt. Hamburg bleibt hinter der wirtschaftlichen Entwicklung der BRD und der Norddeutschlands zurück. Dies gilt insbesondere für die verarbeitende Industrie. Handel und Verkehr erzielen nur durchschnittliche Resultate trotz ihres überdurchschnittlichen Gewichts. Tabelle 4: Zuwachsraten des Bruttoinlandsprodukts der BRD und Hamburgs sowie Anteil Hamburgs am Bruttoinlandsprodukt der BRD in v.H. Jahr BRD HH Anteil Hamburgs 1970 +6,0 +5,8 4,9 1971 +3,2 +0,8 4,8 1972 +3,7 +1,7 4,7 1973 +4,9 +0,0 4,5 1974 +0,5 -1,0 4,4 1975 -2,1 -1,6 4,5 1976 +5,6 +9,5 4,6 1977 +2,6 +2,9 4,7 1978 +3,2 +2,8 4,6 _____ Quelle: Zusammengestellt und errechnet nach: Statistisches Lan- desamt Hamburg (Hrsg.), Statistisches Taschenbuch, lfd., Hamburg. 2.1 Die verarbeitende Industrie Hamburgs ---------------------------------------- Das Problem des Arbeitsplatzes Hamburg konzentriert sich auf die verarbeitende Industrie, in der zwischen 1970 und 1978 64 000 Arbeitsplätze oder 22 v.H. abgebaut wurden (vgl. Tab. 2). Dieser Arbeitsplatzabbau konnte durch die Ausweitung des Tertiärsektors um 19 000 Arbeitsplätze nicht wettgemacht werden. Inwieweit der Verlust von gut einem Fünftel der Arbeitsplätze der verarbeiten- den Industrie auf den Wechsel in der Akkumulation, auf Struktur- wandel, industriellen Funktionsverlust, technische Umwälzungen oder Industrieverlagerungen zurückzuführen ist, 'wird im folgen- den untersucht. Eine differenzierte Betrachtung zeigt, daß über die Hälfte des industriellen Arbeitsplatzverlustes auf die Investitionsgüterin- dustrie entfällt (vgl. Tab. 5). Industrieabteilungen Die ausschlaggebende Bedeutung der Investitionsgüterindustrie steht vor dem Hintergrund einer Umstrukturierung der Industrie in Hamburg während der sechziger Jahre, die schneller als in der BRD das Schwergewicht auf die Grundstoff-/Produktionsgüter-industrie und Investitionsgüterindustrie verlagert hat. 9) Der industrielle Beschäftigungsanteil dieser Abteilung lag 1962 bei 72,1 v.H. in Hamburg gegenüber 67,1 v.H. in der BRD und erhöhte sich bis 1973 in Hamburg auf 75,8 v.H., in der BRD auf 70 v.H. 10) Die Heraus- bildung der Abteilung zur Produktion von Produktionsmitteln im Zuge einer Periode beschleunigter Akkumulation vollzog sich auf der Grundlage der Schiffbauindustrie und der rohstoffverarbeiten- den Industrien. Der Niedergang der Hamburger Schiffbauindustrie, die Veränderungen auf dem Rohstoffmarkt und die nachlassende Ak- kumulation haben die "reale Basis der Kapitalakkumulation" 11) in die Krise getrieben. Das Gewicht der Grundstoff-, Produktionsgü- ter- und Investitionsgüterindustrie, deren industrieller Beschäf- tigungsanteil in Hamburg im Jahre 1978 bei 77 v.H., in der BRD bei 72 v.H. lag 12), könnte nur gehalten werden, wenn entweder Hamburgs Funktion als Hafen- und Handelsstadt weiter ausgebaut würde oder eine beschleunigte Industrialisierung die Hamburger Region zu einem zweiten Ruhrgebiet werden ließe. Ein industriel- les Produktionszentrum setzt aber nicht nur die massenhafte Pro- duktion von Produktionsmitteln am Ort, sondern auch deren Markt vor Ort voraus. Die Frage nach dem industriellen Strukturwandel in Hamburg soll anhand der Industriezweige für den Zeitraum 1970 bis 1978 erörtert werden. Tabelle 5: Beschäftigung in der verarbeitenden Industrie Hamburgs 1970 und 1978 Industrie 1970 1978 Veränderungen in v.H. Grundstoff- und Produktionsgüterindustrie 67 744 61 788 -8,8 Chemische Industrie 17 770 15 402 -13,3 Gummi- u. Asbestverarbeit. 12 657 7 170 -56,6 Mineralölverarbeitung 10 734 10 060 -6,3 NE-Metallindustrie 3 602 4 896 +35,9 Feinmechanik u. Optik 3 428 3 191 -6,2 Investitionsgüterindustrie 149 796 113 772 -25,0 Maschinenbauindustrie 27 964 18 645 -43,3 Elektroindustrie 26 655 22 649 -15,0 Schiffbauindustrie 20 046 14 618 -27,1 EBM-Industrie 6 001 2 607 -56,5 Straßenfahrzeugindustrie 5 098 6 734 +32,1 Verbrauchsgüterindustrie 32 704 22 572 +31,0 Druckindustrie 10 799 6 813 -67,5 Bekleidungsindustrie 3 086 10 007 +324,3 Papierverarbeitung 2 948 1 894 -35,7 Textilindustrie 1 240 306 -75,3 Nahrungs- u. Genußmittelind. 41 756 29 868 -28,5 Süßwarenindustrie 3 485 3 398 -2,5 Kaffee u. Teeverarbeitung 3 246 2 038 ' -37,1 Brauereien 3 177 2 233 -29,7 Ölmühlen 1 718 1 423 -18,1 _____ Quelle: Zusammengestellt nach statistischen Angaben der Bürger- schaftenquete 1975 und der Hamburgischen Landesbank Grundstoff-und Produktionsgüterindustrie Als Hafen und Handelsstadt ist Hamburg Ort des Umschlags und der Verarbeitung von Rohstoffen für die Großindustrie. Die Mineralöl- und Chemieindustrie sowie die Gummi- und Asbestverarbeitung prä- gen die Hamburger Grundstoff- und Produktionsgüterindustrie. Ihr industrieller Beschäftigungsanteil von 1970 23,2 v.H. hat sich durch unterdurchschnittliche Arbeitsplatzvernichtung auf 27,1 v.H. 1978 erhöht. Der M i n e r a l ö l i n d u s t r i e wird in diesem Bereich eine entscheidende Rolle zugemessen, weil sie zu den umsatzstärksten Industriezweigen zählt und Hamburg Sitz multinationaler Konzerne wie BP, Shell, Texaco, Esso und Mobil Oil ist. Dabei wird übersehen, daß im Umsatz der Mineralölindu- strie ein beträchtlicher Steueranteil enthalten ist und daß die Raffinerieanlagen den Produktionszentren gefolgt sind, wodurch Hamburg erheblich am Anteil des Rohölimports verloren hat. Die Verlagerung der Raffinerieorte hat zur Umstrukturierung der c h e m i s c h e n I n d u s t r i e geführt. Während die Che- mie in der BRD zu zwei Drittel für die Produktion und zu einem Drittel für den Konsum arbeitet, hat sich das Verhältnis in Ham- burg genau umgekehrt. Die Umstellung ist über Rationalisierung, Produktionsverlagerung und Betriebseinstellungen erfolgt. Ebenso wie die Mineralölindustrie ist die chemische Industrie weitgehend konzentriert und zentralisiert, da von den über 15 000 Beschäf- tigten in über 100 Betrieben allein über 58% in 7 Betrieben zu- sammengefaßt sind. 13) Während in der G u m m i- u n d A s b e s t v e r a r b e i- t u n g eine rücksichtslose Arbeitsplatzvernichtung von 5 487 Arbeitsplätzen betrieben wurde 14), konnte die N E - M e- t a l l i n d u s t r i e eine Ausweitung um 1 294 Arbeitsplätze verzeichnen. Diese Arbeitsplatzzunahme ist durch einen hohen Sub- ventionsaufwand, Verbilligung der Energie für eine der energie- aufwendigsten Produktionen und eine gemeingefährliche Umweltbela- stung erkauft worden, ohne jedoch eine Trendmodifikation erzielen zu können. 15) In der Grundstoff- und Produktionsgüterindustrie kann von einer 'breiten Branchenpalette und dem besonderen Gewicht mittlerer und kleinerer Betriebe' 16) nicht gesprochen werden. Weltmarktabhän- gigkeit und begrenzte industrielle Nachfrage vor Ort lassen der Hamburger Grundstoff- und Produktionsgüterindustrie nur einen en- gen Spielraum. Investitionsgüterindustrie Insbesondere der Kern der verarbeitenden Industrie Hamburgs hat sich bisher nicht von seiner überkommenen Struktur lösen können. Über die S c h i f f b a u i n d u s t r i e hatten sich Me- tallgießereien, Maschinenbau und Elektroindustrie entwickelt. Der verspätete Versuch der Hamburger Werften, am Neubaugeschäft von Tankern und Massengutschiffen Anfang der siebziger Jahre noch teilzuhaben, scheiterte einerseits an den Fusionsverhandlungen zwischen der Blohm & Voss AG und der HDW AG und andererseits an den sich abzeichnenden Überkapazitäten in der Weltschiffahrt. 17) Mit der Werftenkrise 1977 18) erfolgte der Rückzug der HDW AG nach Kiel und die beschleunigte Umstellung auf Rüstungsproduktion (Panzer und Fregatten) bei Blohm & Voss AG. 19) Das umfangreiche Werfthilfsprogramm löste nicht die verlangte Diversifizierung mit Ausnahme der Rüstungsproduktion aus, sondern bestärkte die Werf- ten in der weiteren Spezialisierung im Neubau unter dem gegebenen Konkurrenzdruck. Mit in den Niedergang des Schiffbaus in Hamburg wurden die Metallgußindustrie, die Eisen-, Blech- und Metallver- arbeitende Industrie und der Stahlbau gezogen. Direkt und vermit- telt über die Zulieferindustrien blieb diese Entwicklung nicht ohne Auswirkungen für den für lange Zeit größten Industriezweig Hamburgs, die M a s c h i n e n h a u i n d u s t r i e, deren Beschäftigungszahl sich um über ein Drittel reduziert hat. 20) Mit 22 649 Beschäftigten ist die E l e k t r o i n d u s t r i e als größter Industriezweig Hamburgs inzwischen an die Stelle des Maschinenbaus getreten. Im Gegensatz zum übrigen Bundesgebiet liegt ihr Schwergewicht auf der Produktion elektrotechnischer Produktionsmittel und weniger bei Konsumtionsmitteln. Den schärfsten Einbruch in Beschäftigung (-57 v.H.), Zahl der Be- triebe (-59 v.H.) und Umsatz (-17,2 v.H.) verzeichnet die Eisen-, Blech- und Metallverarbeitende Industrie. Ebenso von Strukturwan- del und Stoffsubstitution betroffen wurden die Stahlverformung sowie die Stahl- und Leichtmetallindustrie. 21) Als expandierende Industriezweige bleiben Feinmechanik und Optik, Kraftfahrzeugbau und Flugzeugbau übrig, wobei deren absolute Größe mittelfristig für die Entwicklung der Investitionsgüterindustrie kaum ins Ge- wicht fallen wird. Spezialisierte Produktion, Betriebsableger von Konzernen, Beteiligung an Rüstungsproduktion und Staatsbeteili- gung beispielsweise bei MBB stellen diese Industriezweige unter labile Sonderbedingungen. 22) Verbrauchsgüterindustrie Der Bereich der Verbrauchsgüterindustrie, der ohnehin verhältnis- mäßig klein ist, hat fast ein Drittel seiner Beschäftigung verlo- ren. Nach dem Niedergang der T e x t i l- u n d B e k l e i- d u n g s i n d u s t r i e wird der Bereich durch die D r u c k- u n d V e r v i e l f ä l t i g u n g s i n d u- s t r i e mit den großen Verlagshäusern Bauer, Springer und Grüner + Jahr geprägt. Die überdurchschnittliche Beschäftigungs- reduzierung in der Druckindustrie rührt einmal von technischen Umwälzungen her. 23) Zum anderen haben in der Druckindustrie Rationalisierung und Be- triebsverlagerungen gewirkt. Von dieser Entwicklung wurde auch die Papier- und Pappeverarbeitende Industrie geprägt. Waren 1970 in Hamburg noch doppelt soviele Betriebe wie in Schleswig-Hol- stein verbanden, so hat sich dieses Verhältnis bis 1978 genau um- gekehrt 24). Einen an die Substanz gehenden Schrumpfungsprozess hat die Holzverarbeitende Industrie mit der Halbierung ihrer Be- schäftigung durchgemacht. Nahrungs- und Genußmittelindustrie Die Bedeutung der Nahrungs- und Genußmittelindustrie ergibt sich einmal aus Hamburgs Funktion als Umschlagsort für Rohstoffe, dann aus der großstädtischen Marktgröße und schließlich aus der Metro- polfunktion Hamburgs in der norddeutschen Landwirtschaft. Bisher galt für einen bedeutenden Teil der hier anzutreffenden Indu- striezweige eine große Abhängigkeit von der örtlichen Nähe zum Markt. 25) Durch Veränderungen in der Verarbeitung und der Verpackung ist die räumliche Zirkulationsweite der Waren der Nahrungs- und Ge- nußmittelindustrie jedoch ausgedehnt worden, was einerseits wei- tere industrielle Produktion gegenüber dem Handwerk ermöglicht und andererseits Konkurrenz gegenüber regionalen Monopolen nach sich zieht. Schließlich wird dieser Industriebereich auch gegen- über Verteuerung und Verknappung des Bodens reagibler, was Pro- duktionsverlagerungen ins Umland zur Folge hatte. Der herrschenden Auffassung, Hamburg besitze eine ausgewogene Struktur, eine günstige Produktionspalette und durchlaufe einen erfolgreichen Strukturwandel, kann nach der Erörterung der Indu- striezweige nicht zugestimmt werden. Das Gros der Industriezweige hängt wesentlich vom Transport- und Kommunikationswesen ab. Von der Größe her konnten die Industriezweige mit rückläufiger Be- schäftigung nicht durch die expandierenden Industriezweige abge- löst werden. Gleichfalls hält man sich die 'vorwiegend mittel- ständische Struktur der Hamburger Industrie' zugute. Im Bereich der Produktionsgüter- und Investitionsgüterindustrie gilt dies insbesondere für die Maschinenbauindustrie. In einigen Bereichen hat sich eine solche Struktur auch als Nachteil erwiesen, da nachlassende Akkumulation, Umwälzung und regionale Randlage eher von größeren Kapitalen ausgeglichen werden können. Eine Betrach- tung der umsatzstärksten Konzerne zeigt, daß der Sitz der Mine- ralölkonzerne in Hamburg nicht mit einem entsprechenden Produkti- onsschwerpunkt korrespondiert, daß andere Konzerne Hamburg als je nach Konjunktur wieder abberufbare Produktionsnebenstätte behan- deln und daß jeweils spezialisiertere Produktionsstätten betrie- ben werden. 26) Von 1967 bis 1976 sind 94 Industriebetriebe mit etwa 7 300 Ar- beitskräften ins Hamburger Umland abgewandert. 27) Die über den Hamburger Zuwächsen liegenden Raten der Betriebezahlen, Beschäf- tigungszunahmen und Umsätze des Umlandes zeigen, daß ein erhebli- cher Teil der Kapitalakkumulation dorthin verlegt worden ist, der über das Maß der reinen Industriebetriebsverlagerungen hinausge- hen dürfte. Diese Industrieverlagerungen ziehen einen steigenden Wirtschafts-und Personenverkehr nach sich, sie schmälern das Steueraufkommen des Hamburgischen Staates und erhöhen die Ausga- ben für den Ausbau der Infrastruktur erheblich. 2.2 Die Bedeutung von Handel und Verkehr ---------------------------------------- Hamburgs Anteil am auswärtigen Handel der BRD hat sich in den sechziger Jahren verringert und stagnierte in den siebziger Jah- ren. Der mit dem Zusammenschluß zur EG gestiegene innerkontinen- tale Handel, der sprunghaft gewachsene Handel mit den OPEC-Staa- ten und der Beginn des Ost-West-Handels veränderten die Waren- ströme erheblich. Regionale Umschichtungen zugunsten Europas und zulasten des Überseehandels sowie Veränderungen in der Waren- struktur mit wachsendem Gewicht der Rohstoffe bei Abnahme der Nahrungsmittel waren die Folge. Die wichtigsten Außenhandelsbe- ziehungen entwickelten sich mit den Niederlanden, USA, Großbri- tannien und den Ölländern 28). Diese Veränderungen in den Außen- handelsbeziehungen verlangten immense Investitionen für die Ha- fen- und Verkehrswirtschaft. Die Vertiefung der Elbe, der Bau des Elbe-Seiten-Kanals, die Köhlbrandbrücke, der Ausbau der Autobahn mit dem Bau des Elbetunnels, die Anlage des Rangierbahnhofs Ma- schen und der Bau von Containerumschlagsanlagen, Massengut- umschlagsplätzen und Hafenerweiterungen haben Hamburgs Posttion in der Konkurrenz mit anderen Häfen erhalten können. 29) Obwohl nur 13 000 Personen im Hafengüterumschlag beschäftigt sind, zählt die Seeverkehrswirtschaft 50 000 Beschäftigte und es wird, Zulieferbetriebe eingeschlossen, mit 100 000 hafenabhängigen Ar- beitsplätzen gerechnet. Dabei ist die Hafenumschlagsarbeit in starkem Maße technisch revolutioniert worden. 30) Die Verflech- tung der Hafenwirtschaft mit anderen Wirtschaftsbereichen Ham- burgs wird deutlich, wenn man sich vergegenwärtigt, mit welchen Wirkungen eine Veränderung der Schichtzeiten der Hafenarbeiter verbunden ist. 31) Die technischen Umwälzungen in der Schiffahrt mit dem "Schiff der Zukunft" 32) werden für den Hafen den Einsatz entwickelter Umschlagstechnik und größerer Hafenflächen zur Kon- sequenz haben. Nachdem sich Hamburg den weiteren Hafenausbau entlang der tiefe- ren Südelbe durch den die Schiffsgrößen beschränkenden Bau der Köhlbrandbrücke und die Überlassung ausgedehntester Hafenflächen an die Mineralölkonzerne selbst verbaut hat, bleiben für den Aus- bau nur der Köhlfleet und die Norderelbe. Mit einer Vorverlage- rung der Hafenanlagen werden die Dörfer Altenwerder, Moorburg und Francop weichen müssen. Der Ausbau an der Norderelbe wird einer- seits erhebliche Elbvertiefungsmaßnahmen und andererseits Ver- kehrsausbaumaßnahmen durch die Innenstadt nach sich ziehen. 33) Weitere Anlagen für die Binnenschiffahrt, den Kraftwagenverkehr und die Deutsche Bundesbahn werden folgen. 34) Der Arbeitsplatzabbau im Handel um 12 v.H. auf 175 000 Beschäf- tigte ging in erster Linie zu Lasten des Großhandels und der Han- delsvermittlung. Das Eindringen der elektronischen Datenverarbei- tung wird eine weitere Arbeitsplatzvernichtung bewirken, bei der die Position der Kaufhauskonzerne und des Facheinzelhandels mit Filialen stärker werden wird. 35) Hinter dem minimalen Rückgang des Bereiches Verkehr und Nachrich- tenübermittlung verbergen sich Verschiebungen zugunsten der Kom- munikationsindustrie, der Transportmakler und zuungunsten der Transportindustrie, in denen die Arbeitsplatzvernichtung des Ha- fens und der Bundesbahn ihren Niederschlag finden. 36) 2.3 Banken und Versicherungen ----------------------------- In der BRD hat sich Hamburg zur zweiten Bankmetropole nach Frank- furt entwickelt. Seit 1968 ist dabei ein Strukturwandel im Bank- wesen zu beobachten 37). Zunächst hat die rasante Ausdehnung des Filialnetzes ihr Ende gefunden, seitdem die Lohn- und Gehaltszah- lungen überwiegend über Girokonten erledigt werden. Zugleich ha- ben ortsansässige private und Spezialbanken an Terrain verloren. Trotz feststellbarer Steigerung der Kreditmasse ist die wirt- schaftliche Entwicklung am Kreditwesen nicht spurlos vorüberge- gangen. Der mäßige Welthandel, die nachlassende Investitionstä- tigkeit und die Konkurrenz anderer Kapitalmärkte zehren am bishe- rigen Kreditgefüge. Die Bürorationalisierung wird zum Abbau von Arbeitsplätzen im Bankbereich führen, da Geschäftsausdehnungen kaum zu erwarten sind. Von dieser Entwicklung dürfte ebenfalls der Versicherungsbereich erfaßt werden. 38) Mit 49 000 Beschäf- tigten hat somit das Kredit- und Versicherungsgewerbe vermutlich seinen Beschäftigungshöhepunkt überschritten. 2.4 Die Dienstleistungen ------------------------ Als Metropole besitzt Hamburg einen vielgliedrigen Tertiärsektor, dessen Gewicht der Erwerbstätigkeit nach 1970/1978 von 62 auf 68 v.H. gestiegen ist (vgl. Tab. 2). Soweit bisher Transport, Han- del, Kredit und Versicherungen betrachtet wurden, ist diese Ent- wicklung Resultat unterschiedlicher Tendenzen. Gegenüber den bis- herigen Bereichen fällt der Zuwachs der sonstigen Dienstleistun- gen um 23 v.H. auf (vgl. Tab. 6). An den Dienstleistungsbereich knüpfen sich daher beschäftigungspolitische Erwartungen. Die Ham- burgische Landesbank verweist in ihrer Strukturuntersuchung auf die erheblichen Schwierigkeiten, den "Schwund an Arbeitsplätzen im sekundären Sektor aufzufangen" und legt eine Förderung des tertiären Sektors nahe, da dieser "noch weiter wachsen dürfte". 39) Tabelle 6: Beschäftigte des Tertiärsektors Hamburgs 1970,1975 und 1980 Bereich 1970 1975 1980 Handel 199 600 180 500 175 000 - Großhandel/Handelsvermittlung 97 600 86 000 83 000 - Einzelhandel 102 000 94 500 92 000 Verkehr, Nachrichtenübermittlung 125 500 129 300 124 000 - Verkehr 98 700 98 300 92 000 - Nachrichtenübermittlung 26 800 31 000 32 000 Kreditinstitute, Versicherungsunternehmen 46 500 48 400 49 000 Wohnungsvermietung - - - Sonstige Dienstleistungen 132 000 144 600 162 000 - Gaststätten, Beherbergungsgewerbe 24 000 23 000 24 000 - Wissenschaft, Bildung, Kunst, Publizistik 18 000 22 000 24 000 - Gesundheits- u. Veterinärwesen 13 000 15 000 19 000 - Übrige Dienstleistungen 77 000 84 600 95 000 Öffentliche Dienstleistungen 103 000 120 200 123 000 Organisationen ohne Erwerbscharakter 23 000 25 000 27 000 _____ Quelle: Hamburgische Landesbank (Hrsg), Dienstleistungsmetropole Hamburg, Hamburg 1980 Eine Prüfung dieser beschäftigungspolitischen Erwartung ergibt, daß zunächst der Bereich G a s t s t ä t t e n / B e h e r- b e r g u n g, der der Größenordnung nach an erster Stelle ran- giert, unter Berücksichtigung erheblicher Veränderungen beschäf- tigungsmäßig stagniert, obwohl beachtliche öffentliche Anstren- gungen unternommen worden sind, Hamburgs Funktion als Messestadt, Unterhaltungsort und touristisches Ziel auszubauen. Um ein Drittel zugenommen hat der Bereich W i s s e n s c h a f t / B i l d u n g / K u n s t / P u b l i z i s t i k, wobei die Entwicklung der Nachrichtenübermittlung/Presse maßgeblich betei- ligt ist. Einen überdurchschnittlichen Zuwachs hat das G e- s u n d h e i t s- / V e t e r i n ä r w e s e n mit über 45 v.H. zu verzeichnen. 40) In der Zunahme der übrigen Dienstlei- stungen ist ein überdurchschnittlicher Zuwachs der Bereiche R e c h t s- / W i r t s c h a f t s b e r a t u n g, W e r- b u n g und G r u n d s t ü c k s v e r w a l t u n g / W o h- n u n g s w i r t s c h a f t auf Kosten traditioneller Dienste (W ä s c h e r e i / R e i n i g u n g und F r i s e u r / K ö r p e r p f l e g e) enthalten. Eine weitere Ausdehnung des Dienstleistungsbereichs kann aus höchst unterschiedlichen Bedingungen heraus erfolgen, wobei der Dienstleistungssektor von technischen Umwälzungen der Büro- und Verwaltungsarbeit sowie Subsumtion dieser Dienste unter das Kapi- tal betroffen ist. 41) Schließlich trügt das Bild vom Dienstlei- stungsgewerbe als eines weniger Kapital, Boden und Umweltbela- stung verlangenden, also eines sich für einen bequemen beschäfti- gungspolitischen Ausweg anbietenden Gewerbes, da seine Praxen, Büros und Agenturen auf die Infrastruktur einer aufwendigen City angewiesen sind und sich für die innerstädtischen Wohnbereiche als außerordentlich zersetzend erweisen. 42) Der Arbeitsplatz Dienstleistung, der sich durch große Verschiedenheit und Zer- splitterung auszeichnet, setzt die Erweiterung der produktiven Basis voraus und macht für seine bewußte Gestaltung weitreichende Reformen der Gesundheit, Bildung, Kultur usw. notwendig. 2.5 Öffentlicher Dienst ----------------------- Aus der Struktur einer städtischen Metropole wie auch der beson- deren Funktion Hamburgs erwachsen zahlreiche öffentliche Aufga- ben, die von einem umfangreichen öffentlichen Dienst wahrgenommen werden müssen (vgl. Tab. 7). Der öffentliche Dienst bezieht seine ökonomische Potenz aus dem nach einem bestimmten Schlüssel zwi- schen Bund und Land aufgeteilten Steueraufkommen. Im Verlaufe der siebziger Jahre hat sich Hamburg in einem Ausmaß verschuldet, daß Tilgungs- und Zinszahlungspflicht den Umfang der öffentlichen Wirtschaftsförderung bereits übersteigen. 43) Tabelle 7: Der öffentliche Dienst in Hamburg 1970 und 1978 Bereich 1970 1978 Veränderungen in v.H. Bundesdienststellen 51 385 47 886 -6,8 Bundesbehörden 7 385 7 834 +6,1 Bundesbahn 18 692 16 983 -9,1 Bundespost 24 373 21 791 -10,6 Sonstige 953 1 278 +34,1 _____ Quelle: Statistisches Landesamt Hamburg (Hrsg), Statistische Ta- schenbücher Zunächst muß von einem größeren Schuldenstand zu Beginn der sieb- ziger Jahre ausgegangen werden, der für die Erweiterung des öf- fentlichen Dienstes, die Industrieansiedlung, den Ausbau von Ha- fen, Verkehr und Energie in Kauf genommen wurde. Offensichtlich war diese Verschuldung mit der Erwartung einer weiteren beschleu- nigten Akkumulation in den siebziger Jahren verknüpft worden, die sich jedoch als Trugschluß erwies. Die Steigerung des Steuerauf- kommens um 77 v.H. blieb weit hinter der Ausgabensteigerung zu- rück. Der Senat reagierte auf den wirtschaftlichen Einbruch 1974/75 mit einer rigorosen Sparpolitik, die von 1974 bis 1977 7 000 Ar- beitsplätze kostete. Neben dieser Sparpolitik wirkte sich der Personalabbau der Bundesbahn und der Bundespost aus, die neben den beschäftigungspolitischen Wirkungen auch eine Einschränkung der Transport- und Kommunikationsfunktion Hamburgs nach sich zo- gen. Die 1978 erfolgte Wiederausdehnung des öffentlichen Dienstes konnte in keiner Weise den Erfordernissen nachkommen, wie Gesund- heits-, Bildungs- und Sozialpolitik beweisen. Mit der gegenwärti- gen Krise wird ein weiterer Personalabbau erwartet. 3. Wirtschaftspolitik in Hamburg -------------------------------- Zu Beginn der achtziger Jahre wird die Hamburger Wirtschaft immer noch von den Wirkungen der Krise 1974/75 geprägt. Arbeitslosig- keit, Rationalisierung und Abbau des sozialen und rechtlichen Be- sitzstandes machen sich in vollem Umfang geltend. Die 1978/79 einsetzende Konjunktur war zu einer Lösung der Krisenfolgen nicht in der Lage. Eine weitere zyklische Krise ist inzwischen einge- treten, und eine Rückkehr zu einer Periode beschleunigter Akkumu- lation wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Insofern gilt für Hamburg kein anderer wirtschaftspolitischer Konflikt als für die BRD. 44) Seit Anfang der siebziger Jahre ist die Hamburger Industrie rück- läufig. Aus dem Gewicht der Produktionsmittel produzierenden Ab- teilung folgt, daß Hamburgs Industriestruktur in überdurch- schnittlichem Maße vom Gang der Akkumulation abhängig ist. Der Niedergang der Werftindustrie und die Rückzugstendenzen auswärti- ger Kapitale wirken sich verschärfend für die wirtschaftliche Lage aus. Von einem erfolgreichen Strukturwandel der Hamburger Industrie kann deshalb nicht die Rede sein, weil sich die Spezi- fik der industriellen Zusammensetzung nicht verändert hat, weil an die Stelle der niedergehenden Industriezweige keine aufstei- genden von entsprechender Größe getreten sind und weil sich keine Ansatzpunkte zu veränderter Industrieverflechtung ergeben haben. Unter diesen Bedingungen ist die Hamburger Industriestruktur be- sonders stark danach ausgekämmt worden, inwiefern sich die ein- zelnen Industriezweige als rationalisierungsstark erwiesen haben. Der unter städtischen Bedingungen beschränkten räumlichen Ausdeh- nungsfähigkeit wegen haben sich eine Reihe von Betriebs- und Un- ternehmensverlagerungen ergeben. Hinsichtlich der Handelsfunktion hat Hamburg den Verlust am Außenhandel der BRD durch Gewinne am seewärtigen Handel wettzumachen versucht, womit die Funktion als Transithafen und Vermittler des Ost-West-Handels gewachsen ist. Der Beschäftigungsrückgang in der Transportindustrie steht vor dem Hintergrund großer Kapitalumwälzungen, an denen sich der Staat umfassend beteiligt hat. Ein weiterer Ausbau des Hafens, der Eisenbahn und des Straßenverkehrs steht nach dieser Logik be- vor, ohne daß Realisierungschancen und Perspektiven geklärt wä- ren. Obwohl die Hafen- und Handelsfunktionen Hamburgs die Grund- lage für einen gewichtigen Banken- und Versicherungssektor gibt, dürfte dieser Sektor doch seinen Zenit überschritten haben, da Kredite für den Außenhandel nachlassen, für den Schiffsbau weg- fallen und für den Wohnungsbau mit Spekulation verbunden sind. Aus diesem Grunde wird es keine weitere Ausdehnung des Filialen- netzes geben, ist ein Rationalisierungsschub durch die weitere Datenverarbeitung zu erwarten und sind Fusionen und Einstellungen abzusehen. Die Zunahme des Dienstleistungsbereichs fällt immer weiter unter die Größe der Beschäftigungsabnahme der Industrie, womit seine Kompensationsfunktion weggefallen ist. Obwohl hier mit weiteren Zuwächsen zu rechnen ist, entzieht sich dieser Be- reich weitgehend einer herkömmlichen beschäftigungspolitischen Förderung, da der Dienstleistungsbereich einerseits Akkumulation und Staatstätigkeit (Ausbildung, Infrastruktur, Subventionierung) voraussetzt und andererseits unterschiedlichste Stufen von Verge- sellschaftung aufweist. Für den öffentlichen Dienst ergibt sich das Dilemma, daß auf der einen Seite die Grenzen weiterer Steige- rung des Steueraufkommens enger werden und sich auf der anderen Seite der Zwang zur Ausgabensteigerung verstärkt. Aus der daraus resultierenden kommunalen Verschuldung wird weiterer Druck zu konservativer Wirtschaftspolitik und restriktiver Haushaltspoli- tik folgen. Entgegen der bisherigen Erwartung, daß der Staat in Zeiten der Krise die Arbeitslosigkeit durch eine Ausdehnung der öffentlichen Beschäftigung mildern würde, hat sich in Hamburg ge- rade das Gegenteil gezeigt. Im Bereich der öffentlichen Unterneh- men ist ebenfalls nicht die geringste Arbeitsplatzsicherheit zu erwarten, weil sie vor dem Hintergrund der öffentlichen Verschul- dung vehementer eine kapitalistische Unternehmenssanierung be- treiben werden. Mit dem Auslaufen der Periode der beschleunigten Akkumulation hat für Hamburg das Problem regionaler Konkurrenz an Virulenz gewon- nen. Ihrer Struktur und Größe nach und ihrer Umgebung wegen man- gelt es der Elbmetropole an Eigenständigkeit als industrielles Zentrum. Sie bleibt nach wie vor auf ihre Handels- und Hafenfunk- tion angewiesen, die aber durch Rotterdam und andere Konkurrenten bedroht ist. Das Problem der Wirtschaftspolitik ergibt sich dar- aus, daß auf der einen Seite den bisherigen wirtschaftlichen Mit- teln (Industrieansiedlung, Ausbau des Energie- und Verkehrswe- sens, Staatsintervention) mit dem Auslaufen der beschleunigten Akkumulation der Boden genommen ist, auf der anderen Seite aber genau diese Mittel für die regionale Konkurrenzfähigkeit nach ka- pitalistischem Kalkül verlangt sind. Das Problem der Wirtschaftspolitik, daß es keine Lösung nach der bisherigen Logik geben kann, gesteht man sich so nicht ein. Die heftigen Auseinandersetzungen um Brokdorf in der Sozialdemokratie zeigen, daß eine Fraktion in Erwartung einer Rückkehr zum Wachs- tum an einer offensiven Industrialisierungskonzeption festhält, während sich die andere Fraktion auf Hamburg selbst zurückziehen will und sich von einem weiteren Hafenausbau eine Stabilisierung des Arbeitsplatzes Hamburg erwartet. Beiden Konzepten ist gemein, daß sie auf größere Ausbeutung und weiteren Verzicht auf soziale Ansprüche zugunsten von mehr Hafen, Industrie und Verkehr setzen und zugleich den ökologischen Konflikt verschärfen. Wenn Brokdorf mit der Industrialisierung des Elbraumes gleichzusetzen ist, dann steht der Hafenausbau gleichfalls für Umweltzerstörung. Unter der Bedingung eines geschrumpften Welthandels kann ein offensiver Ha- fenausbau weiterhin nur bedeuten, daß Hamburg gewinnt, was Bremen verliert. Die Erweiterung der Hafenflächen bedeutet den Untergang der Ortschaften Moorburg und Francop und zieht die Einkreisung und Zersetzung der Stadtteile Wilhelmsburg und Finkenwerder nach sich. Weitreichende Verkehrsausbaumaßnahmen müssen quer durch bisherige innerstädtische Wohnbereiche erfolgen. Die Wirtschafts- und Wohnfunktion der Stadt geraten damit in einen unversöhnlichen Gegensatz. Wohnraumzerstörung zieht Stadtflucht nach sich, die wiederum die Verkehrsbelastung der Stadt steigert. Mit der Stadt- flucht gehen die größeren Steuerzahler verloren und bleiben die von Sozialleistungen abhängigen Haushalte, d.h. unverminderte Ausgaben bei weniger Einnahmen. Das alles wird aber im Interesse einer regionalen Konkurrenzfähigkeit in Kauf genommen. Der Hafen- ausbau verschlingt die Gelder, die eine Begrenzung der Elbwasser- verschmutzung ermöglichen könnten. Die Beteiligung an Brokdorf zieht die Mittel ab, mit der eine Umstellung auf Fernheizung in der Stadt vorgenommen werden könnte. Der Ausbau des Verkehrswe- sens nimmt die Haushaltsposten in Anspruch, mit denen eine wirk- liche Sanierung der von Wohnraum- und Umweltzerstörung bedrohten Stadtteile durchführbar gewesen wäre. Die Perspektive der Arbeiterklasse kann nur in einem Bruch mit dieser Logik der Wirtschaft und deren Politik liegen. Kann ein solcher Bruch auf regionaler Ebene angeboten werden? Können For- derungen gegen die Vernichtung der Arbeitsplätze in der Werftin- dustrie, gegen die Zerstörung der Ortschaften Moorburg und Fran- cop durch den Hafenausbau, gegen die Eibwasserverschmutzung, ge- gen die Wohnraum- und Umweltzerstörung mehr sein als bloße 'Stopforderungen'? Kann schließlich bei diesem Stand wirt- schaftspolitischer Probleme bei beschäftigungspolitischen Aufla- gen, Haushaltsumverteilungen und Verstaatlichungsforderungen spektakulär gewordener Unternehmen stehen geblieben werden? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen ist erforderlich, wenn die Linke Hamburgs sich nicht mehr vom "kleineren Übel" oder dessen Differenzierungen einbinden lassen will und zu einer politischen Alternative sich zu vereinigen anschickt. Einer solchen Diskus- sion Material zu liefern, war Zweck vorliegender Untersuchung. _____ *) Vgl. Hermann Bömer, Regionale Strukturkrisen im staatsmonopo- listischen Kapitalismus und marxistische Raumökonomie. Am Bei- spiel der Ruhrgebietskrise, in: Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF Bd. 2/1979, S. 138-171; Wilma Albrecht, Zum Investiti- onsmechanismus staatsmonopolistischer Regionalpolitik in der BRD, in: ebd., Bd. 3/1980, S. 219-238. 1) K. Marx, Das Kapital I, in: MEW 23, S. 374. 2) K. Marx, Das Kapital II, in: MEW 24, S. 252. 3) Vgl. C. Lau, Seismograph für die Weltkonjunktur, Handelsblatt vom 7.5.80. 4) Vgl. H. Kern, Ein Modell für die wirtschaftliche Entwicklung der Region Unterelbe, Hamburg 1970. 5) Vgl. S. Aust, Brokdorf - Symbol einer politischen Wende, Ham- burg 1981. 6) Mit der Veröffentlichung des 'Stadtentwicklungsplans' durch den Senat hat sich eine Diskussion über Wirtschafts- und Sozial- politik in Hamburg entwickelt. Vgl. Stadtentwicklungsplan, hrsg. v. Senat der Freien und Hansestadt Hamburg, Hamburg 1980; Ar- beitsplatz Hamburg, hrsg. v. Bezirksvorstand der DKP Hamburg, Hamburg 1981; Wie soll es mit Hamburg weitergehen? hrsg. v. SOST, Hamburg 1981. Der vorliegende Beitrag entstammt dieser Diskussion und verdankt sich der Unterstützung von Arbeitskollegen und G. Brosius. 7) Vgl. K. Marx, Das Kapital II, in: MEW 24, S. 150 ff. 8) Vgl. J. Goldberg, Neue ökonomische Krisentendenzen im Kapita- lismus, in: Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 3/1980, Frankfurt 1980, S. 239 ff. 9) Die Zusammenfassung der Grundstoff- und Produktionsgüterindu- strie mit der Investitionsgüterindustrie sowie der Verbrauchsgü- terindustrie mit der Nahrungs- und Genußmittelindustrie zu Indu- strieabteilungen ist nicht identisch mit der Einteilung der Kri- tik der politischen Ökonomie in die Produktionsabteilungen zur Produktion von Produktionsmitteln und Konsumtionsmitteln, obwohl sich Annäherungen ausmachen lassen. 10) Vgl. Bürgerschaft der FHH, Bericht vom 30.4.75. 11) K. Marx, Das Kapital II, in: MEW 24, S. 494. 12) Nach: Stat. Bundesamt (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 1975 und 1980, Mainz/Stuttgart 1975 und 1980, und: Industrieverband Hamburg e.V. (Hrsg.), Hamburgs Industrie 1970"1978, Hamburg 1979. 13) Zu den größeren Kapitalien in der Chemie zählen BASF Farben und Fasern AG, Beiersdorf AG, Lever Sunlicht GmbH, Hans Schwanz- kopf GmbH und die Guano Werke AG. Vgl. Zur Arbeitsplatzsituation in Hamburg, hrsg. v. Bezirksvorstand der DKP Hamburg, Hamburg 1977, S. 47ff. 14) An der Arbeitsplatzvernichtung ist der Phoenix-Konzern in Hamburg-Harburg durch seine Fusion zur Corona - Deutsche Kautschuk AG mit über 2 500 Arbeitsplätzen beteiligt. Vgl. ebd., S. 47. 15) Vgl. S. Rosenbladt, Kernenergie und Arbeitsplätze - oder In- dustrieansiedlung auf hanseatisch, in: S. Aust, Brokdorf... S. 79 ff. 16) Vgl. Stadtentwicklungskonzept... S. 20. 17) Vgl. GHH steigt aus, Hamburger Abendblatt 12.11.71. 18) Vgl. F. Fiehler, Die Krise in der Schiffbauindustrie, in: Marxistische Blätter 6/79. 19) Vgl. Meyer u.a., Strukturelle Arbeitslosigkeit und Kriegs- schiffbau, in: Albrecht u.a., Arbeitsplätze durch Rüstung, Ham- burg 1978, S. 105ff. 20) Nach den wichtigsten Fachzweigen sind im Hamburger Maschinen- bau Fördertechnik, Nahrungsmittelmaschinen, Flüssigkeitspumpen, Druck- und Papiermaschinen und Werkzeugmaschinen vertreten, die eher zu den kleineren und umsatzschwächeren Fachzweigen gehören. Vgl. VDMA Landesgruppe Nord, Maschinenbau in Norddeutschland, Hamburg 1980; VDMA, Investitionen - Schlüssel zum Wachstum, Frankfurt/M. 1977. 21) Vgl. Industrieverband Hamburg e.V. (Hrsg.), Hamburgs Indu- strie von 1970 bis 1978, Hamburg 1979, S. 21 ff. 22) Die Expansion des Luftfahrzeugbaus hängt von der Airbus-Pro- duktion ab, die nur durch staatliches Engagement durchgesetzt werden konnte. 23) Vgl. Zur Arbeitsplatzsituation... a.a.O., S. 74 f. 24) Vgl. Industrieverband Hamburg e.V. (Hrsg.), Hamburgs Indu- strie..., a.a.O., S. 48. 25) "Je vergänglicher eine Ware, je unmittelbarer nach ihrer Pro- duktion sie daher verzehrt, also auch verkauft werden muß, desto geringrer Entfernung von ihrem Produktionsort ist sie fähig, de- sto enger also ihre räumliche Zirkulationssphäre, desto lokalerer Natur ihr Absatzmarkt." K. Marx, Das Kapital II, in: MEW 24, S. 130. 26) Vgl. Die umsatzstärksten Konzerne in Hamburg, Die Welt v. 31.8.79. 27) Vgl. Hamburgische Landesbank (Hrsg.), Bevölkerungswanderungen und Industrieverlagerungen in der Hamburger Wirtschaftsregion, Hamburg 1978. 28) Vgl. Hamburgische Landesbank (Hrsg.), Die Hamburger Außen- wirtschaft im Wandel, Hamburg 1976. 29) Vgl. Hamburgische Landesbank (Hrsg.), Struktur und Entwick- lung des Hamburger Hafens, Hamburg 1978. 30) Vgl. Battelle/Treuarbeit, Einzel- und gesamtwirtschaftliche Entwicklungstendenzen in der deutschen Seeschiffahrt, Ham- burg/Frankfurt 1973, S. 77ff. Während im Umschlag von Stückgut durch den konventionellen Einsatz mit Kaikränen und 4 bis 6 Gangs 40 bis 100 t/h bewältigt wurden, werden beim Palettenumschlag im Gabelstaplerbetrieb 120 bis 250 t/h und mit dem Förderband 800 bis 1200 t/h, beim Roll-on/Roll-off Verkehr 800 bis 1400 t/h, beim Containerumschlag mit Hilfe einer Lift-on/Lift-off Brücke 250 bis 400 t/h und im Horizontalumschlag mehr als 2 000 t/h und schließlich mit Bärge Carrier 2 500 bis 3 000 t/h bewältigt. 31) Den Einfluß des Hafens auf die übrige Wirtschaft hat Uwe Koch am Beispiel der Einführung einer Konti-schicht im Hafen erläu- tert: "Ein Kontischichtsystem in den bundesdeutschen Seehäfen würde das gesamte Arbeitszeitgefüge an der Nord- und Ostseeküste nachteilig beeinflussen. Seeleute lägen noch kürzere Zeit in den Häfen; Seeschiffsschlepper, Seefestmacher, Lotsen müßten ihre Nachteinsätze verstärken. Containertruckfirmen und LKW-Unterneh- mer würden von ihren Fahrern noch mehr Rund-um-die-Uhr-Einsätze verlangen. Bundesbahn, Zöllner, Wasserschutzpolizei und Hafenbe- hörden müßten ihre Dienstpläne auf stärkere Nachtarbeit einstel- len. Spediteure, Schiffsmakler und Agenturen müßten zu jeder Ta- ges- und Nachtzeit den Dokumentenfluß garantieren. Für deren Be- schäftigte wären größtenteils die traditionellen 'Angestellten- arbeitszeiten' von 8.00 bis 17.00 Uhr und sonnabends immer frei für alle Zeiten vorbei. Schätzungsweise 150 000 bis 200 000 Beschäftigte der bundesdeutschen Seehäfen- und Transport- arbeiterschaft wären letztlich von diesen negativen Entwicklungen betroffen." U. Koch, Kontischicht im Hafen - ein Angriff auf die Wochenendfreizeit, in: L. Peter u.a., Rationalisierung, Frank- furt/Main 1980, S. 113 f. 32) Vgl. F. Fiehler, Das Projekt "Schiff der Zukunft", in: Peter u.a., Rationalisierung, a.a.O., S. 114 f. 33) Vgl. Senat der Freien und Hansestadt Hamburg, Stadtentwick- lungskonzept, Hamburg 1980, S. 41 f. 34) Vgl. Handelskammer Hamburg, Bericht 1980, Hamburg 1981, S. 30 ff. 35) Ebenda. 36) Vgl. Abschn. 2.5. 37) Vgl. Hamburgische Landesbank (Hrsg.), Der Bank- und Finanz- platz Hamburg, Hamburg 1978. 38) Vgl. Meyer-Marwitz, Das Hamburg Buch, Hamburg 1981, S. 243 f. 39) Vgl. Hamburgische Landesbank (Hrsg.), Die Beschäftigungstruk- tur in der Hamburger Wirtschaft, Hamburg 1979, S. 10. 40) Vgl. Forderungsprogramm der DKP Betriebsgruppe Universitäts- klinik Eppendorf. 41) Vgl. K. Marx, Grundrisse der Kritik der Politischen Ökonomie, Berlin 1974, S. 372 über die "Entgötterung" der Dienstleistungs- sphäre. 42) Gerade Dienstleistungsbetriebe dringen in innerstädtische Wohnbereiche ein, fordern Wohnraumzerstörung und Bodenspekulation heraus und ziehen somit umfangreiche öffentliche Ausgaben nach sich. 43) Gegenwärtig übersteigt die Tilgungs- und Zinsenlast des Ham- burger Haushalts den Umfang öffentlicher Wirtschaftsförderung. Vgl. Geschäftsbericht der Hamburgischen Landesbank 1980. 44) Vgl. Memorandum '81: Demokratische Wirtschaftspolitik gegen Marktmacht und Sparmaßnahmen, Köln 1981 zurück