Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981


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VERSCHLECHTERUNG DER INTERNATIONALEN WETTBEWERBSFÄHIGKEIT DER BRD-INDUSTRIE?

Bemerkungen zur "Strukturberichterstattung" der ----------------------------------------------- wirtschaftswissenschaftlichen Forschungsinstitute *) ---------------------------------------------------- Jörg Goldberg "Anpassungsprobleme" in der Außenwirtschaft? - Wettbewerbsfähig- keit und Außenhandelsstruktur Die rasche wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung der Bundesrepublik nach 1950, das "Wirtschaftswunder", war zu großen Teilen außen- wirtschaftlich bedingt. Die Integration der neugegründeten Bun- desrepublik in die kapitalistische Weltwirtschaft und deren starke Position in diesem Integrationsprozeß stellen ökonomisch und politisch eine wichtige Grundlage der wirtschaftlichen Stabi- lität und der politischen Bedeutung des Landes dar. Insofern ist erklärlich, daß die offiziellen Krisenerklärungen und Krisentherapien in der Bundesrepublik weniger an den inneren Widersprüchen als an den außenwirtschaftlichen Faktoren ansetzen. Jahrzehntelang war es der Bundesrepublik gelungen, im Sog des in- ternationalen Integrationsprozesses die inneren Widersprüche zu überdecken. Daher warfen die Wachstumsverlangsamung in der kapi- talistischen Welt in den siebziger Jahren, die Zunahme der Kri- senhaftigkeit des Kapitalismus und der Ausbruch der kapitalisti- schen Weltwirtschaftskrise neue Probleme für die Wirtschaft und die Wirtschaftspolitik des Landes auf. Dabei wird als besonders einschneidendes Ereignis die Tatsache gewertet, daß die BRD in den siebziger Jahren ihre Weltmarktposition nicht mehr verbessern konnte. In der offiziellen Darstellung beinhaltet dies grundle- gende "Anpassungsprobleme" in struktureller Hinsicht. Im folgenden soll gezeigt werden, daß es sich beim Versuch der "Anpassung" an neue Erscheinungen im Welthandel und in der Welt- wirtschaft um eine aggressive expansionistische Strategie han- delt, die nicht am Ziel der Ausgewogenheit der nationalen Ent- wicklung orientiert ist, sondern eine Verbesserung der Position der westdeutschen Konzerne in der Weltwirtschaft zum Ziel hat. Ebenfalls wird in Kauf genommen, daß damit zusätzliche Ungleich- gewichte in den internationalen Beziehungen verbunden sind. Dabei kann gezeigt werden, daß die zunehmenden wirtschaftlichen Schwie- rigkeiten im Inland im Kern nicht außenwirtschaftsbedingt sind, daß die internationale Wettbewerbsfähigkeit der westdeutschen Wirtschaft trotz wichtiger Veränderungen im Preisgefüge und in den Handelsströmen nicht nachgelassen hat. Die Bundesrepublik steht nur insofern vor grundlegend neuen Problemen, als sie ihre außenwirtschaftlich bedingte Sonderrolle weitgehend eingebüßt hat. Die anhaltende weltwirtschaftliche Integration der Bundesre- publik reicht nicht mehr aus, um die inneren Widersprüche auf der ökonomischen Ebene zu überlagern, wie es in den fünfziger und sechziger Jahren noch weitgehend der Fall gewesen ist. Aufschlußreich ist in diesem Zusammenhang der Funktionswandel, dem die Forderung nach Anpassung der wirtschaftlichen Struktur der Bundesrepublik durch eine "Modernisierung" im Verlauf der siebziger Jahre unterworfen war. Anfangs entwickelt als Konzept einer umfassenden Strukturpolitik unter Reformgesichtspunkten, die als Orientierungspunkt noch teilweise die Ausnutzung der na- tionalen produktiven Ressourcen hatte, wurde sie inzwischen in eine globale Wirtschaftspolitik der außenwirtschaftlichen Orien- tierung eingeordnet, die das Hauptgewicht auf eine Verbesserung der Kosten/Erlös-Relation der privaten Konzerne legt. Dabei geht es nicht mehr nur um eine Ausweitung der Exporte, sondern um eine umfassende Strategie der außenwirtschaftlichen Positionsverbesse- rung, die den Warenverkehr, den Kapitalexport, die Rolle der DM als währungspolitisches Instrument und die Position in suprana- tionalen staatsmonopolistischen Institutionen im Auge hat. Dies zu betonen ist wichtig, da von Regierungs- und Konzernseite die veränderten internationalen Bedingungen als Begründung für binnenwirtschaftliche Einschränkungen angeführt werden. Lohnver- zicht und Sozialabbau werden mit dem Hinweis auf die angeblich verschlechterte internationale Wettbewerbsfähigkeit des Landes gefordert. Demgegenüber gilt es zu betonen, daß die außenwirt- schaftlichen Probleme der Bundesrepublik im Kern die Grenzen für die bisher verfolgte Expansionsstrategie markieren, durch eine erneute Forcierung dieser Politik also nicht oder nur unter Hint- anstellung aller binnenwirtschaftlichen Ziele bei Einkommens- und Beschäftigungssicherung bewältigt werden können. Von einer sol- chen Orientierung ist nur eine Zunahme der Ungleichgewichte des nationalen Reproduktionsprozesses zu erwarten. Die außenwirt- schaftlichen Probleme des Landes unterstreichen die Notwendigkeit eines grundlegenden wirtschaftspolitischen Kurswechsels, dessen Eckpunkte eine Orientierung auf die Stärkung der Binnenmärkte, die Überwindung der Arbeitslosigkeit und die Verteidigung des Le- benstandards der Arbeiter und Angestellten sind. "Anpassungsprobleme" in der Außenwirtschaft? -------------------------------------------- In der Regierungserklärung von Bundeskanzler Schmidt vom 16. De- zember 1976 hieß es: "Für eine besser koordinierte Industriepoli- tik wird eine sektorale Strukturberichterstattung entwickelt." 1) Als eines der ganz wenigen konkreten Ergebnisse der von der SPD am Anfang der siebziger Jahre diskutierten strukturpolitischen Vorstellungen - dazu wird weiter unten ausführlicher Stellung ge- nommen - legten Ende 1980 die fünf großen wirtschaftswissen- schaftlichen Forschungsinstitute Berichte im Rahmen der "Struk- turberichterstattung" vor, Berichte, deren politische Quintessenz allerdings weitgehend in einer Absage an jede staatliche strukturelle Steuerung besteht und die mit der geforderten laufenden Strukturberichterstattung kaum noch etwas gemein haben. Dies ist vor dem Hintergrund der politischen Stellung der Insti- tute allerdings nicht anders zu erwarten gewesen. 2) Trotzdem sind die Berichte interessant, weil sie das vorhandene empirische Material gründlich ausgewertet haben und dabei der Frage der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik und deren Veränderung in den siebziger Jahren in struktureller Hinsicht einen großen Raum geben. Sie sind auch deswegen interes- sant, weil die Institute in ihren wirtschaftspolitischen Grund- vorstellungen der Außenwirtschaftorientierung der BRD als Krisen- lösungsstrategie verpflichtet sind: man kann davon ausgehen, daß sie in Datenauswahl und Methodik alle die Aspekte in den Vorder- grund stellen, die der außenwirtschaftlich interpretierten "Modernisierungshypothese" als Grundlage dienen können. Die Ausgangshypothese markiert das Kieler Institut für Weltwirt- schaft so: "Der von der Weltwirtschaft herrührende Strukturwandel hat der deutschen Wirtschaft in den letzten Jahren wohl am mei- sten zu schaffen gemacht. Die Anpassungsprobleme, die nicht ge- löst werden konnten, haben erheblich zur Arbeitslosigkeit beige- tragen". 3) Untersucht wird in den außenwirtschaftlichen Teilen der Berichte, ob und warum sich die internationale Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Branchen der Industrie verändert hat. Es geht dabei um die spezifische Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik, die all- gemeinen Veränderungen m der Dynamik der Weltwirtschaft und des Welthandels 'werden nur am Rande behandelt. Dies Konzept wird durchgehalten, obwohl die empirischen Ergebnisse deutlich machen, daß die Veränderungen im westdeutschen Außenhandel vor allem Aus- druck und Folge der insgesamt verlangsamten kapitalistischen Wachstumsdynamik sind. Dies liegt allerdings außerhalb des Er- kenntnisinteresses der Institute, für die nur ein außenwirt- schaftlich expansives wirtschaftspolitisches Konzept in Frage kommt. Ungeprüft bleibt, ob nicht angesichts der verlangsamten Welthandelsdynamik eine stärkere Orientierung auf die Binnen- märkte notwendig wäre. Das Hamburger HWWA-Institut macht deutlich, worum es geht: "Auch der Wachstumsvorsprung, den die Bundesrepublik in den Jahren 1978/79 gegenüber ihren Außenhandelspartnern erzielte, zeigt, daß ein einzelnes Land durchaus auch gegen den Strom der Weltwirt- schaft schwimmen kann." 4) Die Grenzen der internationalen Expan- sion, an die die Bundesrepublik in den siebziger Jahren gestoßen ist, sollen durch eine strukturelle Anpassung überwunden werden, die BRD will in den achtziger Jahren ihre internationale Position wieder weiter ausbauen. Davon erhoffen sich die Wirtschaftspoli- tiker auch eine Verbesserung der inländischen Wachstumsbedingun- gen, ein Ergebnis, das durchaus zweifelhaft ist. Es muß vorausgeschickt werden, daß die Bedeutung von Veränderun- gen in Umfang und Struktur des Außenhandels in den siebziger Jah- ren für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes, für Wachstum und Arbeitsplätze in der öffentlichen Diskussion überhaupt falsch gewichtet wird. So behauptet das RWI: "Dieser beschäftigungsmehrende Effekt des deutschen Außenhandels (in den sechziger Jahren - J.G.) ist ange- sichts steigender Importe und nachlassender Exporte inzwischen aber in einen insgesamt arbeitsplatzvernichtenden Effekt umge- schlagen, und zwar gerade im gewerblichen Bereich: Während die Außenhandelsüberschüsse in den Jahren von 1960 bis 1973 das deut- sche Arbeitsplatzpotential der gewerblichen Wirtschaft pro Jahr noch um 27 000 aufgestockt haben, gehen seit 1973 pro Jahr durch- schnittlich jährlich 36 000 Arbeitsplätze an das Ausland verlo- ren." 5) Diese Darstellung ist irreführend, denn im gleichen Zeitraum sank die Inlandsbeschäftigung um mehr als eine Million oder um 200 000 Erwerbstätige jährlich. Entscheidend ist, daß der durch den Pro- duktivitätsanstieg bewirkte Freisetzungseffekt, der im Außenhan- del ebenso wirkt wie bei der Binnenproduktion, nicht mehr durch ein entsprechendes Wachstum der Exporte im Verhältnis zu den Im- porten kompensiert wird. Dies ist aber eine Folge der Verlang- samung des Wachstumstempos insgesamt. Nur das Westberliner DIW, das - mit sehr großen Einschränkungen - als der "keynesianische" Flügel der fünf Institute bezeichnet werden kann, stellt den richtigen Blickwinkel her: "Die Bundesre- publik konnte in den letzten zwanzig Jahren regelmäßig mehr Güter exportieren als importieren. Von diesem positiven Außenhandels- saldo gingen für sich genommen auch positive Beschäftigungsef- fekte aus, die sich allerdings im Laufe der Zeit verminder- ten...." 6) Die von der Bundesrepublik ungelösten außenwirtschaftlichen "Anpassungsprobleme" der siebziger Jahre werden - in den Struk- turberichten und in der öffentlichen Diskussion - auf drei Kom- plexe bezogen: - die Erhöhung der Ölpreise - die Erhöhung der Lohnkosten - der Verlust an Wettbewerbsfähigkeit in "traditionellen" Indu- striebranchen, der durch Faktoren wie feste Wechselkurse und aus- ländische Arbeitskräfte in den 60er Jahren verdeckt worden war. Ein negativer Einfluß der gestiegenen Ölpreise auf die spezifi- sche Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik kann kaum nachgewie- sen werden, da davon alle Industrieländer - wenn auch unter- schiedlich - betroffen sind. Er spielt in den empirischen Unter- suchungen der Institute auch deshalb keine große Rolle, weil im Untersuchungszeitraum die Belastung der BRD-Wirtschaft infolge der Wechselkursentwicklung relativ geringer war als bei den mei- sten kapitalistischen Konkurrenten. Neben der Verminderung der Konkurrenzfähigkeit in "rohstoffintensiven" Produktionen wird der Ölpreisanstieg als Faktor für die Verschärfung der internationa- len Konkurrenz gesehen. Das Arbeitskostenargument spielt praktisch nur in der propagandi- stischen Aufbereitung durch die Unternehmer eine Rolle: So be- hauptet z.B. das "Institut der deutschen Wirtschaft" (IW): "Auch bei den Arbeitskosten (Löhne und Lohnzusatzkosten) hat die Bun- desrepublik in den siebziger Jahren die großen Industrieländer weit überflügelt und ist in die schmale S p i t z e n g r u p- p e d e r H o c h l o h n l ä n d e r (Stundenlohn von über 20 Mark) aufgerückt." 7) Das Unternehmerinstitut muß sich allerdings vom Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung sagen lassen, daß ein internationaler Kostenvergleich nicht nur die Gesamtheit der Kosten (Material, Zinsen), sondern auch die Arbeitsproduktivität einzubeziehen hat. Daher kommt das Ifo-Institut zu ganz anderen Ergebnissen: "Ein internationaler Vergleich der Entwicklung der Lohnstückkosten in der Gesamtwirtschaft m den siebziger Jahren zeigt, daß die Bundesrepublik in dieser Zeit den schwächsten Arbeitskostenanstieg je Einheit der gesamtwirtschaftlichen Produktion aufzuweisen hatte." Etwas anders sieht das Bild aus, wenn man die Wechselkursveränderungen (DM-Aufwertung) einbezieht. Dann nimmt die Bundesrepublik in der Rangskala des Arbeits- kostenanstiegs in den siebziger Jahren einen mittleren Platz ein: "Gegenüber den zwölf in unsere Untersuchung einbezogenen Indu- strieländern insgesamt hatte die Bundesrepublik unter Berück- sichtigung der Wechselkursverschiebungen von 1970 bis 1978 einen um rund 10 Prozentpunkte rascheren Lohnstückkostenanstieg zu verbuchen." Wichtig ist jedoch, daß diese relativ ungünstige Entwicklung in die Jahre 1970 bis 1973 fiel, seither verlief die Lohnstückkostenentwicklung in der Bundesrepublik - vom Unter- nehmerstandpunkt aus - wieder etwas günstiger als im Durchschnitt der 12 Konkurrenzländer. 8) Durch die Abwertung der DM seit Anfang 1980 wird diese Tendenz verstärkt. Von der Entwicklung der "Lohnkosten" her läßt sich also keine Verschlechterung der westdeutschen Wettbewerbsfähigkeit begrün- den, deshalb spielt dieser Aspekt in den Untersuchungen der In- stitute auch kaum eine Rolle. Zentral ist der Lohnkostenaspekt allerdings in der wirtschaftspo- litischen "Anpassungsstrategie". Durch eine relative Senkung der Lohnstückkosten soll die globale Wettbewerbsfähigkeit des Landes erhöht und die als entscheidend betrachtete "Innovationsfreu- digkeit" der Unternehmen verbessert werden. 9) Im Mittelpunkt des außenwirtschaftlichen Teils der Strukturbe- richte steht der dritte Aspekt: die Bundesrepublik habe vor allem infolge der Industrialisierung der Entwicklungsländer in tradi- tionellen, relativ arbeits- bzw. sachkapitalintensiv arbeitenden Industriezweigen an internationaler Wettbewerbsfähigkeit einge- büßt. Dies sei allerdings erst Anfang/Mitte der siebziger Jahre manifest geworden, da die fixen Wechselkurse und der Zustrom un- qualifizierter und relativ billiger ausländischer Arbeitskräfte den Verlust an Wettbewerbsfähigkeit bis dahin überdeckt hätten. In diesem Zusammenhang taucht auch die These von der "Überindustrialisierung" der Bundesrepublik auf. Auch hätte die EG mit ihrem zeitweilig hohen Importschutz gegen Drittländer an- fangs eine Schutzzone für im Grunde überalterte Industrien ge- schaffen. Es sei nun notwendig, die strukturelle Reduzierung dieser angeb- lich nicht mehr konkurrenzfähigen Produktionen hinzunehmen und sich auf die Herstellung derjenigen Produkte zu konzentrieren, die sich auf dem aufsteigenden Ast des "Produktzyklus" 10) befin- den, die wenig standardisiert sind, die mit viel "Humankapital" (= hochqualifizierter Arbeit) zu produzieren und technologiein- tensiv sind. Erschwert wird die Position der Bundesrepublik in diesen Bereichen durch den Konkurrenten Japan, der den Sprung vom Produzenten standardisierter Industriewaren zum Anbieter von technologieintensiven Produkten geschafft habe, der BRD also auf den Märkten Konkurrenz macht, auf denen die BRD traditionell stark ist. 11) Grundlage dieses Erklärungszusammenhangs und der daraus abgelei- teten strukturpolitischen Strategie ist die in der herrschenden Lehre kaum bestrittene Theorie der komparativen Kostenvorteile, die wesentlich auf dem Faktorproportionentheorem beruht: ein Land hat dort Wettbewerbsvorteile, wo es im Vergleich zu seinen Han- delspartnern besonders gut mit Faktoren ausgestattet ist. In der Bundesrepublik gilt dies für die Faktoren "Humankapital" und "Forschung und Entwicklung". Wettbewerbsfähigkeit und Außenhandelsstruktur --------------------------------------------- Die Institute bemühen sich in ihren empirischen Analysen um den Nachweis, daß die behauptete Verschlechterung der außenwirt- schaftlichen Position der Bundesrepublik in den siebziger Jahren mit dem Problemkomplex "Industrialisierung der 'Dritten Welt' / ruckartig auftretender Anpassungsbedarf" vor dem Hintergrund der Theorie der komparativen Kostenvorteile erklärt werden kann. Dabei kann hier vorab festgestellt werden, daß die z.T. sehr gründlichen empirischen Untersuchungen belegen, daß ihr theoreti- scher Ansatz den gegenwärtigen Tendenzen der Internationalisie- rung der Wirtschaft unangemessen ist. Weder die Rolle der inter- nationalen Konzerne noch die wachsende intraindustrielle Ver- flechtung läßt sich so erklären. Angemessen ist der Ansatz ledig- lich bei den Handelsströmen, die zwischen Ländern mit unter- schiedlichem Entwicklungsniveau verlaufen. Zunächst bemühen sich die Institute, die Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik und ihre Veränderung in den siebziger Jahren zu messen. Dazu dient das RCA-Konzept (Revealed-Comparative-Advantage), dem die Annahme zugrunde liegt, daß eine Branche dann komparative Vorteile auf- weist, wenn sie im Ausland mehr Güter absetzt als die Konkurren- ten im Inland. 12) Erwartungsgemäß ergibt die Anwendung des RCA-Konzepts auf die Branchen der BRD-Industrie, daß die BRD in Bereichen überdurch- schnittlich wettbewerbsfähig ist, wo besonders viel "Humankapital" angewendet wird. Weniger eindeutig sind bereits die Ergebnisse hinsichtlich der Forschungs- und Entwicklungsin- tensität. 13) Immerhin meint das Ifo-Institut noch feststellen zu können: "Die Höhe der Exportquote korrelierte positiv mit dem Qualifikations- niveau der Beschäftigten und der Forschungs- und Entwicklungsin- tensität." 14) Passen die Ergebnisse der empirischen Untersuchun- gen bis hierher - wenn auch mit Einschränkungen - noch auf die "Produktzyklusthese", so gilt dies nicht mehr für die Untersu- chung der Veränderungen in den siebziger Jahren. Denn als wich- tigstes Ergebnis kann festgehalten werden, daß in der Regel die Branchen mit hohen RCA-Werten, also die besonders wettbewerbs- starken, an Wettbewerbsfähigkeit eingebüßt haben, während bei den meisten wettbewerbsschwachen Branchen - wo eigentlich Standort- nachteile zugenommen haben müßten - die Wettbewerbsfähigkeit eher noch gestiegen ist. Insgesamt ergeben die empirischen Untersu- chungen das Bild einer sich annähernden Warenstruktur bei Ein- und Ausfuhren, Branchen mit hohen Exportquoten sind auch impor- tintensiv. Das HWWA kommt zu dem Ergebnis: "Es findet zudem häu- fig nicht nur ein internationaler Austausch von Gütern derselben Branche, sondern auch von Gütern ein- und derselben Produktkate- gorie statt. Dieses als intraindustrieller Außenhandel bezeich- nete Phänomen ist nach den angebotsorientierten Erklärungsansät- zen, die die Außenhandelsstruktur auf Kostenvor- und nachteile gegenüber dem Ausland zurückführen, nicht ohne weiteres zu erwar- ten." 15) Die Haupttendenz der Veränderungen in den siebziger Jahren besteht also in der Zunahme der intraindustriellen Ver- flechtung, ein Tatbestand, der mit der Theorie der komparativen Kostenvorteile absolut nicht zu erklären ist, weil der Warenaus- tausch gerade zwischen den Ländern und Branchen zunimmt, die von der Faktorausstattung her ähnlich strukturiert sind. So stellt das HWWA selbst fest, daß schon die Meßmethode mit Hilfe der RCA-Werte möglicherweise zu falschen Ergebnissen führt, weil sie gerade bei den technologisch hochentwickelten Branchen, in denen der Grad der Integration in die internationale Arbeits- teilung besonders hoch ist, einen Rückgang der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ausweisen kann, obwohl das Gegenteil der Fall ist. An einigen Stellen bemüht sich das HWWA dann auch, von der an Faktorproportionen und Kostenstrukturen orientierten Be- trachtungsweise wegzukommen, insbesondere indem es auf die Bedeu- tung von Skalenvorteilen bei Großproduktion und damit implizit auf die Bedeutung von monopolistischen Positionen, von Marktbe- herrschung durch einzelne Konzerne hinweist. Wichtiger als die Technologieintensität eines Produktionsverfahrens oder eines Pro- dukts ist der Grad der Marktbeherrschung durch den anbietenden Konzern, seine Finanzkraft, seine Fähigkeit zur Mobilisierung ökonomischer und politischer Mittel im Konkurrenzkampf. Da dieser Aspekt aber der "marktorientierten" Betrachtungsweise wider- spricht, wird er von den Instituten nicht weiter untersucht. An- gesichts der Bedeutung internationaler Konzerne würde sich rasch herausstellen, daß die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes bzw. ei- ner Branche - verstanden als Verhältnis von Ein- und Ausfuhren - keineswegs identisch ist mit der Wettbewerbsfähigkeit der ent- sprechenden Unternehmen. Stillschweigend wird vorausgesetzt, daß sich die Anbieterposition eines Landes mit allen Konsequenzen für Wachstum und Arbeitsplätze quasi automatisch dann verbessert, wenn die Wettbewerbsposition und Finanzkraft der "nationalen" Konzerne gestärkt wird. Die Internationalisierung der Produktion hat diesen Zusammenhang aber längst aufgelöst: die Förderung der "Innovationsfähigkeit" eines Konzerns setzt diesen oft erst in den Stand, sich von der Grundlage der nationalen Reproduktionsbe- dingungen abzusetzen. Die Institute verwickeln sich im Bemühen um Ausklammerung dieses Zusammenhangs in einen inneren Widerspruch: So wird der zuneh- mende Anteil von Importen aus "Schwellenländern" in einigen ar- beits- und sachkapitalintensiven Bereichen im Verhältnis zu den Exporten (niedrige bzw. sinkende RCA-Werte) als Beleg für die Hy- pothese der bedrohten internationalen Konkurrenzfähigkeit der Bundesrepublik benutzt. Gleichzeitig aber wird die Auslagerung der entsprechenden Produktionen durch die bundesdeutschen Unter- nehmen als "Anpassungsstrategie" empfohlen, so daß sich auf der gewählten empirischen Ebene das unsinnige Ergebnis herstellt: Eine erfolgreiche Anpassung an die verminderte internationale Wettbewerbsfähigkeit der BRD durch bundesdeutsche Unternehmen muß diese Wettbewerbsfähigkeit optisch weiter vermindern. Produktionsverlagerungen stärken die Wettbewerbsfähigkeit der in- vestierenden Konzerne, tragen aber zur Vernichtung inländischer Ressourcen bei. Das Ifo-Institut weist auf diesen Tatbestand ex- plizit hin, ohne daraus allerdings Konsequenzen zu ziehen: "Der Ausbau der Wettbewerbsposition dieser Länder (d.h. der 'Schwellenländer', J.G.) wurde wesentlich durch ausländische Ka- pitalanlagen - auch aus der Bundesrepublik - gefördert." 16) Festzuhalten bleibt hier, daß die Verbesserung der Wettbewerbsfä- higkeit privater Kapitale einhergehen kann mit der Verschlechte- rung der Wettbewerbsfähigkeit des entsprechenden Landes. Betrachtet man nur die Entwicklung der Handelsströme in globaler und struktureller Hinsicht, so hat die Veränderung der weltwirt- schaftlichen "Rahmendaten" in den siebziger Jahren für die Bun- desrepublik vergleichsweise geringe Konsequenzen gehabt. Insbe- sondere kann nicht davon gesprochen werden, daß die internatio- nale Wettbewerbsfähigkeit der westdeutschen Wirtschaft abgenommen hat. Dies gilt auch für eine zentrale Hypothese der herrschenden Wirtschaftspolitik, die die Freigabe der Wechselkurse Anfang der siebziger Jahre für ein strukturell einschneidendes Ereignis hält. Ähnlich wie das HWWA kommen auch die anderen Strukturbe- richte zu dem Schluß: "Insgesamt zeigt sich, daß die zunächst hinausgeschobene und dann um so raschere Aufwertung der D-Mark nicht zu einer Beschleunigung des Strukturwandels beigetragen hat." 17) Vor allem die Exportstruktur der Bundesrepublik hat sich im Ver- lauf der siebziger Jahre kaum gewandelt. Die führenden fünf Bran- chen (Maschinenbau, Fahrzeugbau, Elektrotechnik, Eisenschaffende Industrie, Chemie) hielten ihre Spitzenstellung bei. Versuche in den Strukturberichten, gewisse Verschiebungen zwischen den Bran- chen auf ihre Ursachen zu untersuchen, ergaben hinsichtlich des Faktors "Wettbewerbsfähigkeit", der von den Wirkungen der Nach- frageverschiebungen im Welthandel isoliert wurde, keine wesentli- chen Veränderungen. Das Ifo-Institut kommt zu dem Ergebnis: "Alle stärkeren Anteilsänderungen der siebziger Jahre (Zunahmen bei Fahrzeugbau, Elektrotechnik und Schiffbau, Abnahmen bei Eisen und Stahl, Maschinenbau und Textil) gingen auf Strukturverschiebungen oder Wachstumsänderungen der Nachfrage zurück." 18) Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt das HWWA-Institut, das "Wettbewerbseffekt" und "Sortimentseffekt" voneinander zu trennen versucht: "Die Entwicklung der deutschen Warenausfuhr ist also vor allem dadurch begünstigt worden, daß die Schwerpunkte des deutschen Exports in überproportional expandierenden Bereichen der Weltnachfrage gelegen haben. Bemerkenswert ist, daß der Wett- bewerbseffekt trotz einer hohen realen Aufwertung zwar gering, aber nicht negativ ausfiel". 19) Von einer nachlassenden internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Exportbranchen der Bundesrepublik als Folge der strukturellen Veränderungen der Weltwirtschaft kann also keine Rede sein. Bei der Diskussion über außenwirtschaftlich bedingte ökonomische Schwierigkeiten der Bundesrepublik geht es tatsächlich nicht um den Ausgleich wettbewerbsbedingter Verluste. Ziel ist es viel- mehr, zusätzliche Weltmarktanteile zu gewinnen. Größer waren die strukturellen Veränderungen auf der Importseite, wobei eine Tendenz zum Anstieg der Einfuhren von industriellen Fertigwaren bestimmend ist. Dies läßt sich insbesondere hinsicht- lich der technologischen Aspekte feststellen: "Insgesamt wird deutlich, daß die technologische Struktur der Exporte zwischen 1964 und 1978 relativ konstant geblieben ist, während sich bei den Importen stärkere Strukturverschiebungen zugunsten von Waren mit höherer Technologie ergeben haben." 20) Im Handel mit den In- dustrieländern ist dabei eine Angleichung der Strukturen von Ein- und Ausfuhren festzustellen. Das besondere Interesse gilt Verän- derungen im Handel mit den Entwicklungsländern. Das Ifo-Institut sieht denn auch den verstärkten "Anpassungsdruck" veränderter weltwirtschaftlicher "Rahmenbedingungen" für die Bundesrepublik weniger im Exportsektor als im Importsubstitutionssektor: "Unter Anpassungsdruck geraten sind vor allem die Anbieter arbeitsinten- siv hergestellter Konsumgüter, wie Lederwaren, Bekleidung, Tex- tilien, feinkeramische Erzeugnisse, Glaswaren oder Produkte der Unterhaltungselektronik." 21) Global betrachtet scheinen aber auch hier die Auswirkungen kaum einschneidend zu sein. Der Anteil der Entwicklungsländer an den westdeutschen Fertigwareneinfuhren war noch bis 1973 zurückgegan- gen. Seither steigt er wieder an, erreichte aber auch 1978 mit 8,4 Prozent noch nicht wieder den Stand von 1964. Auch geht die Positionsverbesserung seit 1973 fast ausschließlich auf das Konto von wenigen "Schwellenländern". Immerhin ist es diesen Ländern in den siebziger Jahren gelungen, in fünf Branchen nennenswerte Anteile an der Inlandsversorgung zu gewinnen. Bei Bekleidung, Textilien, Leder, Musikinstrumen- ten/Spielwaren und Feinmechanik/Optik erreichten die Entwick- lungsländer 1978 Anteile zwischen 11,7 Prozent (Textil) und 3,1 Prozent (Optik). In einigen Branchen wie der Elektrotechnik tra- ten Entwicklungsländer überhaupt erstmalig als Anbieter auf, ohne daß sie bis jetzt größere Einbrüche erzielen konnten. Teilweise ist aber auch die Branchenabgrenzung zu grob, es gibt hier unter- schiedliche Entwicklungen auf der Ebene einzelner Produktgruppen. Die betroffenen Branchen haben diesen Prozeß teilweise selbst durch Direktinvestitionen und Veredelungsverkehr vorangetrieben. Diese vom IfW als "Standortinnovation" befürwortete "Anpassungs- strategie" hat vor allem im Bekleidungsgewerbe, bei der Lederverarbeitung und in der Elektroindustrie stattgefunden. Nach Berechnungen des IfW stammten 1979 etwa 15 Prozent der Be- kleidungseinfuhren aus passivem Veredelungsverkehr und 10 Prozent aus ausländischen Produktionsstätten westdeutscher Unternehmen. 22) Außerdem konnte in den durch Importsubstitution betroffenen Be- reichen eine verstärkte Tendenz zur Rationalisierung des Produk- tionsprozesses festgestellt werden. Dies dürfte damit zusammen- hängen, daß diese Branchen ihr Produktionsprofil in Richtung auf weniger arbeitsintensive und höher "qualifizierte" Produkte än- dern. Die verstärkte Importkonkurrenz führt also nicht dazu, daß ganze Branchen "geopfert" werden müssen, sondern vor allem zu ei- ner Umstrukturierung der inländischen Produktionen innerhalb der Branchen. Das DIW weist darüberhinaus darauf hin, daß, entgegen ideologisch gefärbten Beteuerungen, zunehmend Handelshemmnisse, insbesondere nicht-tarifärer Natur, errichtet wurden. "Die Zunahme der deut- schen Fertigwareneinfuhr aus der dritten Welt hat sich daher m den letzten Jahren deutlich abgeschwächt." 23) Daß die interna- tionalen Handelskonflikte zugenommen haben, macht auch der Tätig- keitsbericht des Gatt für 1980 deutlich: in diesem Jahr erreichte die Zahl der den Gatt-Instanzen zur Schlichtung vorgelegten han- delspolitischen Auseinandersetzungen einen neuen Rekord. 24) Allerdings macht das DIW auch deutlich, daß die Auswirkungen der zunehmenden Importe von Halb- und Fertigwaren aus Entwicklungs- ländern insgesamt noch gering sind: sie entsprachen 1962 0,8 Pro- zent, 1976 1,5 Prozent der Inlandsbeschäftigung. Der insgesamt nicht sehr große Freisetzungseffekt des Handels mit den Entwick- lungsländern ist allerdings sektoral und regional stark auf Be- reiche konzentriert, in denen die Wiedereingliederungschancen für die betroffenen Beschäftigten gering sind, während die positiven Effekte des Handels mit den Entwicklungsländern breit gestreut sind. Die strukturellen Veränderungen im Außenhandel der Bundesrepublik in den siebziger Jahren sind - das zeigen die Analysen der Insti- tute - keineswegs so stark, daß sie die beschwörenden Appelle der Politiker und Unternehmer hinsichtlich der bedrohten internatio- nalen Wettbewerbsfähigkeit der Bundesrepublik rechtfertigen. Leichten Verlusten an internationaler Konkurrenzfähigkeit gegen- über einigen "Schwellenländern" und teilweise auch gegenüber Ja- pan stehen Gewinne an Wettbewerbsfähigkeit in anderen Bereichen gegenüber. Keinesfalls ist die Behauptung gerechtfertigt, die Veränderungen in der internationalen Arbeitsteilung, die erwähn- ten neuen weltwirtschaftlichen "Rahmenbedingungen", hätten einen allgemeinen strukturellen Rückstand der Bundesrepublik und einen erhöhten Anpassungszwang für die Wirtschaft des Landes offenge- legt. _____ *) Beim vorliegenden Beitrag handelt es sich um einen Auszug aus dem Vortrag des Verfassers auf dem vom Institut für Weltwirt- schaft und Internationale Beziehungen (Moskau), dem Institut für Internationale Politik und Wirtschaft (Berlin/DDR) und dem IMSF gemeinsam vom 2. bis 4. Juni 1981 in Frankfurt am Main veranstal- teten Symposium "Weltmarkt und Internationalisierung der Wirt- schaft - Aktuelle und theoretische Gesichtspunkte". Die vollstän- dige Fassung erscheint unter dem Titel "Die 'Modernisierungs- konzeption' in der Außenwirtschaftspolitik der Bundesrepublik" im Protokoll-Band der Tagung. Vgl. auch den Bericht über das Symposium in diesem Band der "Marxistischen Studien". 1) Bulletin des Presse- und Informationsamts der Bundesregierung, Nr. 135/1976, S. 1289 2) Es handelt sich um das Deutsche Institut für Wirtschaftsfor- schung (DIW), Westberlin, das Ifo-Institut für Wirtschaftsfor- schung, München, das Hamburger Weltwirtschaftsarchiv (HWWA), das Institut für Weltwirtschaft (IfW), Kiel und das Rheinisch-Westfä- lische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI), Essen. Eine Dar- stellung und kritische Würdigung der Rolle und der Arbeiten der Institute ist zu finden bei Angelina Sörgel, Die wirtschaftswis- senschaftlichen Forschungsinstitute in der Bundesrepublik und Westberlin, in: Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF, 3/1980, Frankfurt am Main, S. 341 bis 357. Die folgenden empirischen Da- ten beruhen weitgehend auf den von den Instituten Ende 1980 vor- gelegten "Strukturberichten". 3) IfW, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 143 4) HWWA, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 49. 5) RWI, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 189/90 6) DIW, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 136 7) Informationsdienst des IW, Nr. 24/1980, Beilage 8) Ifo-Schnelldienst, Nr. 35-36/1980, S. 3 9) Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaft- lichen Entwicklung formuliert die herrschende Position: "Das er- höhte Verlustrisiko muß, damit die Scheu davor bei den Investoren überwunden wird, durch eine entsprechend größere Gewinnchance ausgeglichen werden." Jahresgutachten 1977/78, S. 156 10) Die Produktzyklusthese geht davon aus, daß Produkte und Pro- duktionsverfahren einem bestimmten Entwicklungsmuster unterworfen sind: in der Einführungsphase erfordern sie ein hohes technisches Niveau, später werden sie immer mehr standardisiert, wobei die Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitskräfte abnehmen. Infolgedessen haben die entwickelten Industrieländer in der "Innovationsphase" von Produkten und Produktionsprozessen kompa- rative Vorteile gegenüber den weniger entwickelten Ländern. Diese gehen zunehmend verloren, wenn die Produkte in die "Standardisierungsphase" kommen. 11) Bis 1977 waren die Anteilsgewinne Japans am Weltmarkt vorwie- gend zu Lasten von USA und Großbritannien gegangen, die Bundesre- publik hat wegen der unterschiedlichen regionalen Schwerpunktset- zung nur wenig gespürt. Seither konnten die japanischen Konzerne aber sowohl im Inlandsmarkt der Bundesrepublik als auch auf den westeuropäischen Exportmärkten der BRD deutliche Anteilsgewinne verzeichnen. Nur in der Chemie und beim Maschinenbau verzeichnet der Japanhandel der BRD noch positive Salden. Ifo, Strukturbe- richterstattung, Bd. 1, S. 76 ff. 12) Vgl. HWWA, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 120 ff. Das HWWA weist selbst auf die Probleme des Konzepts hin, wobei insbe- sondere die Abgrenzung der Branchen als zu grobes Raster zu nen- nen ist. 13) Die "Humankapitalintensität" wird berechnet aus der Relation von durchschnittlichen Lohn- und Gehaltsaufwendungen je Beschäf- tigten einer Branche zum durchschnittlichen Hilfsarbeiterlohn. Die "Technologieintensität" entspricht den FuE-Aufwendungen in Prozent des Nettoproduktionswertes einer Branche. Ebd., S. 130 14) Ifo-Institut, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 63 15) HWWA, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 126/27 16) Ifo-Institut, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 81 17) HWWA, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 124 18) Ifo-Institut, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 69/70 19) HWWA, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 126 20) ebd., S. 137 21) IfW, Strukturberichterstattung, Bd. 1, S. 7/8 22) ebd., S. 183 ff 23) DIW, Strukturberichterstattung, Bd. l, S. 135 24) Gatt-Activities 1980, Genf 1981, zit. nach: "Neue Zürcher Zeitung" v. 24.4.81, Fernausgabe. zurück