Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981
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TECHNISCHER FORTSCHRITT GLEICH FORTSCHRITTLICHE TECHNIK?
Probleme, Tendenzen und Widersprüche der Technik-Diskussion.
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Sybille Krämer-Friedrich
1. Die Problemstellung - 2. Entwicklungslinien der Diskussion -
2.1 Bürgerliche Techniktheorie - 2.2 Antikapitalistische Tech-
nikkritik - 3. Entwicklungsprobleme der stofflichen Vergesell-
schaftung technischer Systeme - 3.1 Mögliche Widersprüche zwi-
schen der "lebendigen "und der "toten" Arbeit - 3.2 Technologie
und die Abhängigkeit der Gesellschaft von der Natur
1. Die Problemstellung
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Die Landschaft technikorientierter Diskussion ist vielfältig ge-
worden. Neben so soliden Konstruktionen wie der "Systemtheorie
der Technik" 1) finden sich die exotischen Blüten fast indianisch
anmutender Technikphilosophien. 2) Doch statt vorschnell zu ur-
teilen, gar zu verurteilen, ist ernsthaft zu fragen, ob in der
bunten Heterogenität vertretener Technikauffassungen sich nicht
ein Kernproblem herausschält. Ein Kern, der ein wirkliches
P r o b l e m ist, um dessen Lösung die verschiedensten Konzep-
tionen sich bemühen. Es gibt eine solche "Grundfrage" der Tech-
nikdiskussion. Sie lautet: Wie ist das Verhältnis von emanzipato-
rischer und destruktiver Kraft der Technik beschaffen? Zwei kon-
tradiktorische Antworten auf diese Fragen sind denkmöglich. Ihre
Pole spannen den Rahmen, innerhalb dessen die Diskussion sich be-
wegt.
a) Die Technik ist selbst Ursache ihrer bedrohlichen Wirkungen.
In ihrer gegenständlichen Konstruktion ist schlechthin eine Ent-
fremdung des Menschen von seiner inneren und äußeren Natur ange-
legt. Der Technik und Naturwissenschaft an sich innewohnende Di-
stanzierungsprozeß von der Natur schlägt unter den Bedingungen
großtechnischer Organisation notwendig in lebensbedrohliche Ef-
fekte um. Die industrielle Gesellschaft vollzieht somit nur, was
in der industriellen Technik an Handlungszwang angelegt ist.
b) Die gesellschaftlichen Verhältnisse, innerhalb derer Technik
genutzt und angewendet wird, sind Ursache ihrer Negativeffekte.
Die der Technik an sich zukommende emanzipatorische Kraft wird
zur Destruktivität gewendet erst durch die sozialen Anwendungsbe-
dingungen. Diese allein determinieren Möglichkeiten und Grenzen
des technischen Prozesses.
Die Frage nach dem Verhältnis von emanzipatorischer und destruk-
tiver Dimension der Technik weitet sich somit zu der nach dem Ab-
hängigkeitsverhältnis von Technik und Gesellschaft. Die skizzier-
ten Antwortmöglichkeiten stufen dieses Verhältnis hierarchisch
und machen - mit jeweils umgekehrtem Vorzeichen - eine Seite zur
monokausalen Ursache der anderen. Zwischen diesen Extremen bewegt
sich die Diskussion. Ihre Verlaufsform sei kurz skizziert.
2. Entwicklungslinien der Diskussion
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2.1. Bürgerliche Techniktheorie
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Die kritische Auseinandersetzung mit der Technik ist so alt wie
diese selbst. Auch in der BRD stellte nicht erst die marxistische
Diskussion "die Frage nach der Technik". Gelegentlich machte es
sich letztere allerdings einfach in der Beurteilung der Resultate
nichtmarxistischer Technikreflexion. "Technologischer Determinis-
mus" war das Urteil, mit welchem bürgerliche Technikvorstellungen
in ein Abseits verwiesen wurden, mit dem auseinanderzusetzen sich
nicht mehr lohnte. Läßt man sich aber wirklich ein auf die ver-
schlungenen Pfade dieser Diskussion, so zeigt sich ein durchaus
differenzierteres Bild. In der Tat vermag der "technologische
Determinismus" die Situation bis zu Beginn der siebziger Jahre zu
charakterisieren. Durch zwei Linien ist diese Situation zu be-
schreiben: Die Erfahrungen der technischen Vernichtungskraft des
Zweiten Weltkrieges ließen einerseits technikpessimistische Auf-
fassungen an Boden gewinnen. Kulturkritische 3), existentialisti-
sche 4) und religiöse Deutungen 5) entwarfen Modelle einer den
Menschen von sich selbst entfremdenden Technik. Technik eignete
nicht nur zum Negativsymbol, sondern wurde auch zum Subjekt, zum
verursachenden Prinzip des als mangelhaft empfundenen Lebens im
Kapitalismus stilisiert. Davon hoben Ansätze ab, deren Vertreter
vor allem aus den Reihen der technischen Intelligenz und des
"Vereins Deutscher Ingenieure" kamen. Diese bemühten sich um die
Wiederherstellung eines positiven Kulturwerts der Technik 6).
Doch auch dies vollzog sich in durchaus "metaphysischem" Gewand:
Die emanzipatorische Kraft der Technik wurde nicht in ihrem re-
alen gegenständlichen Nutzen gesehen, sondern in einer nutzenjen-
seitigen Spiegelungsfähigkeit, vermittels welcher der Mensch die
Möglichkeiten seiner Kraftentfaltung zu erschauen vermag. Der
technikkritischen wie optimistischen Sichtweise blieb gemeinsam,
die destruktive oder produktive Potenz des Menschen auf Technik
selbst zurückzuführen. Diese Zurückverlegung gesellschaftlicher
Verhältnisse auf technisches Verhalten blieb auch Zentrum der
"Industriegesellschaftstheorie", dem Leitgedanken bürgerlicher
Gesellschaftsinterpretation, der sich in den siebziger Jahren
durchsetzte 7). Technik und Wissenschaft wurden dieser zum Koor-
dinatensystem, welches sich nicht nur in der Rückschau als ge-
schichtsgliedernder Maßstab eignete, sondern auch die Zukunft als
Übergang in die postindustrielle Gesellschaft zu prognostizieren
erlaubte. Das technische Kalkül zum Prinzip sozialen Handelns zu
erheben, wurde in der Technokratiethese gegen Ende der siebziger
Jahre zum sozialpolitischen Konzept 8). Mit diesem Höhepunkt
technologisch determinierter Gesellschaftsauffassung untergrub
allerdings das bürgerliche Denken sein eigenes Anliegen: Kann die
"Industriegesellschaftstheorie" als ein Versuch interpretiert
werden, verlorene Geschichtsmächtigkeit über die Fortschrittsfä-
higkeit im technisch-wissenschaftlichen Bereich wiederherzustel-
len, so entmachtet aber eine zum Subjekt erhobene "technische Lo-
gik" in der Technokratiekonzeption gerade die Handlungskompetenz
der herrschenden Klasse. So griffen reale Krisenentwicklung, die
soziale Bewegung der Studenten und die Dynamik der Theoriebildung
ineinander und führten zu einer Wende innerhalb der nicht-marxi-
stischen Ansätze. Ihr Charakteristikum ist der Versuch, techni-
sches Handeln wieder der Priorität politischer und sozialer Ent-
scheidung zu unterstellen. Statt der einseitigen Rückführung ge-
sellschaftlicher Verhältnisse auf technische Notwendigkeiten wird
versucht, die determinierende Kraft der Gesellschaft gegenüber
ihrer Technik abzuleiten. Im Zuge dieser "antitechnokratischen"
Wende in der bürgerlichen Techniktheorie entstanden Denkansätze,
deren Ergebnisse bislang in der kritischen Diskussion weitgehend
ignoriert wurden, obwohl sich hier fruchtbare Gesichtspunkte fin-
den. Gesichtspunkte, die nicht nur anregen können in der Entwick-
lung der eigenen Position, sondern auch Grundlagen schaffen für
den Dialog mit der technischen Intelligenz und ihren Organisatio-
nen.
Es sind vor allem zwei Richtungen in der neueren Techniktheorie,
die Einblicke in den näheren Zusammenhang von Technik und Gesell-
schaft gestatten: die wissenschaftstheoretische 9) und die sy-
stemtheoretische 10) Untersuchung der Technik.
Die Denkfigur einer "inneren Sachlogik" des technischen Prozesses
wurde vor allem von der Wissenschaftstheorie der Technik nachhal-
tig untergraben. Sie zeigte, daß die konkrete Gebrauchsgestalt
eines technischen Produktes nicht Resultat zwangsläufiger Kombi-
nationslogik technischer Wirkungsabläufe ist. Denn diese Zwangs-
läufigkeit gibt es nicht. Jede technische Aufgabenstellung kann
auf ganz verschiedene Weise realisiert werden. Welche Alternative
aber aus der Klasse der technischen Möglichkeiten ausgewählt
wird, schreibt keine wie auch immer geartete "Sachlogik" vor,
sondern ist Resultat sozialer Entscheidung und Auswahl. 11) In
diesen sozialen Auswahlakt gehen Wertmaßstäbe gesellschaftlicher
Herkunft ein. Vor der Frage allerdings, welche Interessen es
sind, die sich in der Bewertung technischer Alternativen Geltung
verschaffen, hält die wissenschaftstheoretische Beschäftigung mit
Technik ein. Doch ihr Verdienst bleibt, auf die entscheidende
Rolle gesellschaftlicher Wertungskriterien aufmerksam gemacht zu
haben.
Die Systemtheorie der Technik wendet sich vor allem den Verwen-
dungszusammenhängen zu: Die technokratische Stilisierung der
Technik zur autonomen Gewalt wird zurückgenommen in einem Modell,
in welchem Technik stets nur als "soziotechnisches Handlungssy-
stem" gilt 12). Die Sachdominanz eines technischen Gebildes in
Gestalt des in ihm verkörperten Verwendungsprogrammes wird ent-
hüllt als Dominanz der sozialen Gruppen, die Technik gemäß ihren
Bedürfnissen schaffen. Der Sachzwang wird als sozialer Zwang de-
chiffriert. Die Systemtheorie der Technik hat nachdrücklich deren
gesellschaftlichen Charakter enthüllt. Wie dieser "Charakter" nä-
her zu bestimmen sei, bleibt ihr allerdings verborgen.
Führen wir das hier kurz Entwickelte zurück auf die polaren Deu-
tungsmöglichkeiten des Verhältnisses von Technik und Gesell-
schaft, so kommen wir zu folgendem Ergebnis: In der Entwicklung
des bürgerlichen Denkens über Technik zeigt sich eine gewisse Um-
orientierung dahingehend, daß von Modellen einer monokausalen Ab-
leitung gesellschaftlicher Bedingungen aus jenen der Technik
übergegangen wird zu differenzierteren Ansätzen, in welchen die
bestimmende Rolle der Gesellschaft gegenüber ihrer Technik zu re-
konstruieren versucht wird. Versuchen wir nun, die jüngere Ent-
wicklung der antikapitalistischen Techniktheorie nachzuzeichnen.
2.2. Antikapitalistische Technikkritik
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Die Studentenbewegung mit ihrer Technokratiediskussion wurde zur
Geburtsstunde der neueren antikapitalistischen Technikkritik in
der BRD. Damit aber waren folgenschwer Weichen techmktheoreti-
scher Diskussion gestellt: Technikkritik konstituierte sich als
Ideologiekritik 13). Technik wurde nicht in ihrem stofflichen
"Substrat" und ihrer technischen Funktion zum Gegenstand der Ana-
lyse. Sondern sie galt als Ideologieform, d.h. als Symbol ver-
suchter Verschleierung kapitalistischer Determinanten der Produk-
tionspraxis vermittels der zum Normativen erhobenen sachlichen
Faktizität der Technik. Diese Aufdeckung des kapitalistischen
Charakters technischer Kalküle schlug zwei Wege ein, in welchen
nicht unschwer die zu Anfang entwickelte polare Entgegensetzung
einer Priorität der gesellschaftlichen oder technischen "Seite"
sich wiederfindet. Die "Frankfurter Schule" wurde zum Ausgangs-
punkt der einen Richtung: Den Zusammenhang kapitalistischer Ent-
wicklung und Technik versuchte sie dahingehend zu fassen, daß das
Kapital Technik nicht bloß für seine herrschaftlichen Zwecke in-
strumentalisiere, sondern die Technik selbst in ihrer sachlichen
Struktur diese Herrschaft schon verkörpere 14). Nicht erst die
Logik des Kapitals, sondern die immanente Logik naturwissen-
schaftlicher und technischer Prozesse erzeuge die kapitalspezifi-
sche Anwendung der Technik. Dies allerdings setzt voraus, Natur-
herrschaft umstandslos mit sozialer Herrschaft in eins zu setzen,
Vergegenständlichung stets auf der Folie von entfremdeter Ver-
dinglichung zu fassen und die Arbeitsteilung selbst schon als
Trennung von Produktion und Aneignung unabhängig von der Eigen-
tumsform zu begreifen 15). Was als Ideologiekritik der techni-
schen Denkform - exemplarisch hierfür Horkheimers "Kritik der in-
strumenteilen Vernunft" - begann, wird schrittweise in die Real-
struktur der Technik zurückverlegt. Doch da kehrt antikapitali-
stische Technikkritik sich gegen sich selbst: sie wird zur forma-
tionsunspezifischen Kritik an industrieller Technik überhaupt.
Da, wo die antikapitalistische Stoßrichtung sich zur antiindu-
striellen wendet, ist die Technostruktur endgültig zur Kernstruk-
tur sozialer Verhältnisse erklärt. Was als Technokratiekritik be-
gann, teilt schließlich mit der Technokratiethese das methodische
Postulat einer soziale Verhältnisse fundierenden Bedeutung der
Technik. Nur das Vorzeichen ist umgekehrt: technischer Fort-
schritt ist nicht mehr Garant des sozialen Fortschritts, sondern
dessen Destruktion.
Die Frage, ob die durch den Kapitalismus historisch erzeugten
Produktivkräfte nicht "an sich" destruktiven Charakters seien, so
daß auch unter sozialistischen Produktionsverhältnissen, soweit
diese industrieller Technik sich bedienten, die emanzipatorische
Wirkung von Technik sich notwendig verlieren müsse, bleibt Grund-
problem auch bei den "Erben" der "Frankfurter Schule". Nach zwei
Seiten hin verzweigt sich deren Diskussion. Einerseits wird die
Kritik an Naturwissenschaft und Technik als Herrschaftslogik
fortgeführt und zu den immanenten Gefahren großtechnischer Aggre-
gationen hinkonkretisiert 16). Deren Größe und Komplexität wird
zu Maßstab und Ursache unbezweckter, unkontrollierbarer Gefahren
und Folgewirkungen der Technik. Folgerichtig wird die Rücknahme
komplexer Vergesellschaftung technischer Systeme zum Grundstein
alternativer Technologie 17). Andererseits steht - ebenfalls von
den Folgen moderner Technostruktur ausgehend - die Ökologiepro-
blematik im Mittelpunkt. Ging Karl Marx noch davon aus, daß die
spezifischen Interessen der Arbeiterklasse zugleich Träger ge-
schichtlich allgemeinen Gattungsinteresses sind, so wird bei die-
ser Gruppe von Autoren 18) Arbeiter- und Ökologiebewegung ausein-
anderdividiert: das bornierte Klasseninteresse der Arbeiter
stelle sich gegen das Gattungsinteresse der Menschheit, welches
auf klassenübergreifende Lösungen ökologischer Probleme dränge.
Beiden hier kurz angerissenen Richtungen in Nachfolge der
"Frankfurter Schule" bleibt gemeinsam, das von Karl Marx entwic-
kelte Modell von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen
für revisionsbedürftig zu halten. Revisionsbedürftig dahingehend,
daß der marxistischen Produktivkraftkonzeption ein Fortschritts-
optimismus zueigen sei, der sich angesichts gegenwärtiger Tech-
nikprobleme als unangemessen erweise. Indem das großtechnische
und komplexe Organisationsniveau des Produktivkraftsystems selbst
als Fundament der Technikprobleme gelegt wird, fällt der Karl
Marx und der "dogmatischen Linken" vorgeworfenen Produktivkraft-
fetischismus auf die Kritiker selbst zurück 19).
Gleichwohl sollte ein Problem ernst genommen werden, auf das hin-
zuweisen zumindest Resultat der hier skizzierten Diskussionslinie
ist. Wenn die Technologie - unterworfen dem Zwang ihrer kapitali-
stisch profitablen Nutzung - lebensbedrohliche Effekte zeitigt,
so müssen diese Folgen als Möglichkeit, d.h. als potentielles Er-
eignis im Produktivkraftsystem angelegt sein. Die Produktionsver-
hältnisse können aufgrund der ihnen eigenen gesellschaftlichen
Zwänge zur schlechten Wirklichkeit nur werden lassen, was als
Möglichkeit dem Produktivkraftsystem innewohnt.
Diese abstrakten Möglichkeiten zugunsten der die Produktionsver-
hältnisse konstituierenden Gesetzlichkeiten zuwenig berücksich-
tigt zu haben, ist durchaus Defizit der zweiten antikapitalisti-
schen Diskussionslinie der Technikkritik. Diese gewann ihren Zu-
gang zur Technik über den methodologischen Ansatz, welcher den
Doppelcharakter der Arbeit zum Bezugspunkt der Analyse gesell-
schaftlicher Produktion macht 20). In dieser Dimension schreibt
die ökonomische Form der Arbeit fest, was an Entwicklungsmöglich-
keiten und -grenzen den Komponenten des Naturstoffwechsels - und
damit auch der Technik - vorgegeben ist. Die ökonomische Funktion
kapitalistischen technischen Fortschrittes, nämlich Instrument
zur Erzeugung des relativen Mehrwerts zu sein, determiniert ein-
deutig dessen soziale Wirkungen. Die negativen Folgeeffekte sind
Resultate ihrer kapitalistischen Anwendung, nicht aber der
stofflichen Struktur der Technik selbst 21). Das Wechselwirkungs-
verhältnis von Produktivkräften und Produktionsverhältnissen wird
hier unter dem Gesichtspunkt der Priorität sozialökonomischer
Verhältnisse gefaßt, gleichsam "strukturell" bezogen auf eine ge-
gebene gesellschaftliche Formation, innerhalb derer es zu bestim-
men gilt, welche sozialen Grundfunktionen die technischen Produk-
tionsorgane notwendig realisieren müssen. Davon zu unterscheiden
ist ein stärker "genetisch" orientierter Ansatz, welcher zum Ziel
setzt, die geschichtliche Abfolge gesellschaftlicher Formationen
im Zusammenhang mit der Entfaltung des Produktivkraftsystems zu
analysieren. Gegenüber der "strukturellen" Priorität der Produk-
tionsverhältnisse wird hier die historische Priorität der Produk-
tivkräfte betont unter dem Gesichtspunkt notwendiger Überwindung
der gegebenen kapitalistischen Gesellschaftsform, um die dem Pro-
duktivkraftsystem innewohnenden emanzipatorischen Möglichkeiten
zu verwirklichen 22). Der Begriff der wissenschaftlich-techni-
schen Revolution hat hier seinen Ort 23). Er zielt ab auf eben
die emanzipatorischen Möglichkeiten, die mit dem technologischen
Entwicklungsstand hochautomatisierter und verwissenschaftlichter
Produktion gegeben, gleichwohl jedoch unter kapitalistischen Be-
dingungen nicht realisierbar sind. Hier wird auch das Problem
thematisiert, daß die Realisierung sozialistischer Vergesell-
schaftung bei einem relativ niedrig entwickelten Stand technolo-
gischer Naturbearbeitung auf Grenzen stößt. Der Analyse
"technischer" Destruktivität, resultierend aus den kapitalisti-
schen Verwendungszusammenhängen, tritt so zur Seite die Analyse
emanzipatorischer Möglichkeiten hochentwickelter Produktivkräfte.
Offen jedoch bleibt die Frage nach den in den stofflichen Bedin-
gungen moderner Technik liegenden möglichen Negativeffekten der-
selben.
Diese Frage zu stellen, dienen die folgenden Überlegungen. Sie
können nur Skizze sein. Entwerfen sollen sie die Richtung, in
welcher weiterzudenken ist, wenn wir fragen, mit welchen Proble-
men uns eine hochentwickelte Technologie konfrontiert. Zwei Pro-
blemfelder seien umrißhaft gezeichnet: einerseits das Verhältnis
der "lebendigen" zur technischen Komponente des Produktivkraftsy-
stems; andererseits das von Technik und Natur. Beide beziehen
sich auf die Funktion der Technik, Instrument des Naturstoffwech-
sels zu sein. Die folgenden Erörterungen tragen daher den metho-
dologischen Charakter der Abstraktion. Denn abgesehen wird von
der sozialökonomischen Funktionsbestimmung der Technik. Erst je-
doch die Berücksichtigung des Doppelcharakters der Zweck-Mittel-
Relation, in welche Technik durch soziale Praxis eingebunden ist,
vermag die gesellschaftliche Wirklichkeit zu erfassen. Doppelcha-
rakter insofern, als Technik einerseits als Instrument von Natu-
raneignung fungiert, andererseits jedoch als Instrument der Re-
alisierung sozialökonomischer Beziehungen zwischen den Gesell-
schaftsmitgliedern rein gesellschaftliche Funktionen erfüllt 24).
3. Entwicklungsprobleme der stofflichen Vergesellschaftung
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technischer Systeme
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3.1. Mögliche Widersprüche zwischen der "lebendigen"
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und der "toten" Arbeit.
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Gesellschaftliche Entwicklung steht in einem kontinuierlichen wie
zugleich diskontinuierlichen Verhältnis zu ihren eigenen naturge-
schichtlichen Voraussetzungen. Die Evolution alles Lebendigen
vollzieht sich über die zunehmende Entfaltung und Komplizierung
der Organe des Stoffaustausches mit der Umwelt 25). Dies gilt
auch für die gesellschaftliche Entwicklung. Doch durch die Arbeit
findet ein folgenreicher Umbruch in den natürlichen Grundlagen
menschlicher Existenz statt: die Organe der Stoffwechselaktivität
werden nach "außen" verlegt und erhalten eine unbiologische,
künstliche Gestalt. Technik entsteht, und zwar als ein externes
künstliches Organsystem des Austausches mit der Natur. Mit dieser
"Externalisierung" verändert sich zugleich auch der "Organismus",
auf welchen das System der Arbeitsmittel bezogen ist und welcher
Träger und Subjekt von deren Fortentwicklung wird: nicht mehr be-
darf die Entwicklung zum Höheren der Veränderung des biologischen
Organismus, sondern sie vollzieht sich - soweit es die Dimension
des Naturstoffwechsels betrifft - über die Ausdifferenzierung des
künstlichen Organsystems der Technik unter weitgehender Konstanz
der biologischen Ausstattung des Menschen. Träger dieses Prozes-
ses sind nicht mehr die biologischen Organismen einer Population,
sondern dieser Träger ist die Gesellschaft. Damit tritt ein fol-
genreicher Umbruch ein hinsichtlich der Ganzheit, die Resultat
und Potenz des evolutiven Prozesses repräsentiert: In der biolo-
gischen Evolution fallen die Veränderung der Art und diejenige
des Individuums zusammen, existiert doch die biologische Spezies
nur in Gestalt ihrer individuellen Repräsentanten 26). Die orga-
nismische Ganzheit des Individuums und ihre genetische Konditio-
nierung sind Kristallisationsform des Erbes bisheriger Entwick-
lung der Arten. Demgegenüber signalisiert die Externalität der
gesellschaftlichen Produktionskräfte, daß nicht mehr der biologi-
sche, sondern der soziale Organismus die Ganzheit bildet, an wel-
cher und über welche geschichtliche Entwicklung sich vollzieht.
Indem die Menschwerdung außerhalb der organischen Struktur sich
vollzieht, verlagert sich die "Menschennatur" auf die Gesell-
schaft. Damit aber ist eine, der biologischen Evolution selbst
unbekannte Möglichkeit des Auseinandertretens von Gattungs- und
Individualentwicklung entstanden 27): im System der Technik ge-
rinnen die Produktionserfahrungen einer Gesellschaft zur sachli-
chen Gestalt. Über sie wird das gesammelte Können und Wissen ge-
nerationsweise tradierbar, d.h. aber vor allem: erlernbar. Dem
menschlichen Individuum ist die Fähigkeit der Gattung nicht mehr
"eingeboren", d.h. über den genetischen Kode qua "Innenspei-
cherung" mitgegeben, sondern in Gestalt der "Außenspeicherung"
der in Technik vergegenständlichten Gattungskräfte aufgegeben.
Diese müssen vom Individuum angeeignet werden, sollen sie
eingehen in die Bildung des Reichtums der menschlichen Natur.
Dieser Aneignungsprozeß ist ein sozialökonomisches und
stoffliches Verhältnis zugleich. Seine Doppelnatur hat weitrei-
chende Konsequenz für die Individuation der gesellschaftlichen
Wesenskräfte. Sind die sozialökonomisch bedingten Einschränkun-
gen, die entstehen, wenn die produzierenden Individuen vom Eigen-
tum an den materialisierten Gattungspotenzen ausgeschlossen sind,
nicht zuletzt auch in den Ergebnissen der kritischen Psychologie
ansatzweise aufgearbeitet 28), so wollen wir hier auf die "andere
Seite" verweisen. Nämlich auf die stofflichen Implikationen des
Auseinandertretens von Gattungs- und Individualentwicklung, deren
Verschränkung mit den sozialökonomischen Bedingungen erst das ka-
pitalismusspezifische Auseinanderklaffen von technischem und so-
zialem Fortschritt begründet.
Technischem Fortschritt liegt die Übertragung ehemals durch die
natürlichen Arbeitsorgane des Individuums wahrgenommener Arbeits-
operationen an das technische Instrument zugrunde 29). Die tech-
nische Modellierung menschlicher Tätigkeiten setzt voraus, daß
ehemals individuelle Handlungen einem sozialen Objektivierungs-
prozeß unterliegen, in welchem ihre zweckmäßigste Gestalt heraus-
gearbeitet, eindeutig fixiert und damit wiederholbar gemacht wird
30). So wohnt jedem technischen Gebilde ein überindividuelles
Verwendungsprogramm inne, in welchem die Gesellschaftlichkeit
dieses Objektivationsprozesses zur sachlichen Gestalt gerinnt.
Die Delegation ehemals lebendiger Arbeitsoperationen an das tech-
nische System beinhaltet deren gesellschaftliche Potenzierung,
ist es doch Ziel der in Technik zweckgerichtet umgeformten Natur-
kräfte, die aus der biologischen Organisation des Individuums
entspringenden Schranken seiner produktiven Tätigkeit hinauszu-
schieben und zu überwinden 31). In der lebendigen Realisierung
der der Technik einverleibten Produktionsfunktionen vergesell-
schaftet der Mensch zugleich seine eigene Tätigkeit. Sowohl der
der Technik zugrunde liegende gesellschaftliche Objektivierungs-
prozeß wie auch die in ihr statthabende Potenzierung individuel-
ler Handlungen kennzeichnen die Ausbildung des technischen Organ-
systems als elementaren Vergesellschaftungsvorgang. Der techni-
sche Fortschritt ist in dieser Dimension fortschreitende Verge-
sellschaftung der stofflichen Bedingungen von Arbeit. Die produk-
tive Kraft des technischen Werkes ist immer eine der Gesell-
schaft, nicht des einzelnen Individuums, und hat doch keine Re-
alität außerhalb ihrer Betätigung durch die produzierenden Indi-
viduen. Technischer Fortschritt als Vergesellschaftungsprozeß
heißt zugleich, ihn nicht nur zu messen an den durch ihn geschaf-
fenen Entfaltungsmöglichkeiten der Gesellschaft im Allgemeinen,
sondern auch der Individuen im Besonderen 32). Insofern die in
Technik vergegenständlichten Gestaltungskräfte nur potentielle,
d.h auf Aktualisierung durch den Menschen angewiesene sind, ist
der Funktionsweise des technischen Mittels stets ein spezifisches
Verhältnis von lebendiger und vergangener Arbeit eigen. Die Ver-
wirklichung der festgeronnenen Produktionsfunktionen bedarf spe-
zifischer Tätigkeitsprofile seitens der Produzenten, die mit der
Operationsweise des künstlichen Mittels, seinem "Verwendungs-
programm" gegenständlich erfordert sind. Die Ersetzung mensch-
licher Arbeit durch Technik ist stets zugleich Neusetzung
lebendiger Arbeit 33).
Analog der in Technik materialisierten "toten" Arbeit unterliegt
auch die lebendige einem Vergesellschaftungsprozeß. Doch verläuft
im Zuge wechselseitiger Ersetzung und Neusetzung produktiver
Handlungen deren Vergesellschaftungsniveau nicht synchron. Nicht
jeder Entwicklungsstufe der in Technik vergegenständlichten Gat-
tungspotenz korrespondiert ein Profil lebendiger Tätigkeit, wel-
che diese Potenzen in seinem individuellen Produktionsvermögen zu
realisieren und auszubilden gezwungen ist. Dies sei an einem kur-
zen technikgeschichtliche.n Exkurs erläutert: Typisch für die
technikgeschichtliche Epoche, die von den Anfängen technischen
Schaffens bis zur industriellen Revolution reicht, ist das einfa-
che Werkzeug, das der Produzent in handwerklicher Betätigung zwi-
schen sich und den Arbeitsgegenstand schiebt. Dem Werkzeug ist
keine der Grundfunktionen der Fertigung vollständig übertragen:
Werkzeugführung, Werkstückhandhabung, Energiezufuhr verbleiben
dem Menschen. Die Technik fungiert hier mehr als Verlängerung und
Verstärkung der natürlichen Arbeitsorgane des Handwerkers, seiner
Hände, Sinne usw. Dieser naturwüchsigen Einheit entspricht, daß
die subjektiven Arbeitsfertigkeiten unmittelbar gebunden bleiben
an die leibliche Ausstattung des Menschen, seine geschickten
Hände, genau registrierenden Sinne. Der Produzent vermag die in
Technik kristallisierten produktiven Kräfte im kunstfertigen Um-
gehen mit denselben sich unmittelbar anzueignen. Das Auseinander-
fallen der Entwicklung der Gattungspotenzen und ihrer Individua-
tion durch die Produzenten ist noch keine dem technischen Prozeß
innewohnende Möglichkeit. Hier liegt der Grund, daß in Klassenge-
sellschaften, die auf handwerklicher Produktionsweise beruhen,
die Technik sich noch nicht als Mittler und Träger sozialökonomi-
scher Herrschaftsbeziehungen eignet. Letztere bedurfte der unmit-
telbaren Inbesitznahme des Menschen (Sklaverei/Leibeigenschaft)
und des Einsatzes außerökonomischer Zwangsmittel. Schon hier
zeigt sich, daß die Fähigkeit der Technik, auf die Unterdrückung
von Menschen gerichtete herrschaftliche Zwecke umzusetzen, kei-
neswegs eine substantielle Eigenschaft der Technik ist, sondern
gebunden ist an einen spezifischen Umfang der Akkumulation in ihr
vergegenständlichter Produktionspotenzen. Doch schon in der manu-
fakturellen Aufspaltung der ganzheitlichen handwerklichen Ar-
beitsoperation in schematisierte Teilarbeiten kündigt sich das
Auseinandertreten von Gattungspotenz und individueller Aneignung
gesellschaftlicher Wesenskraft an. Es wird zur umfassenden ge-
sellschaftlichen Realität im Zuge der Umwälzung der subjektabhän-
gigen individuellen Produktivkraftstruktur der Handarbeit durch
die industrielle Revolution. In der Maschine werden erstmals
Grundfunktionen produktiver Prozesse technologisch vollständig
modelliert und erhalten im maschinellen System eine vom Produzen-
ten abgetrennte, objektivierte Gestalt 34). Doch verkörpert das
mechanisierte System die Delegation von Fertigungsfunktionen noch
durchaus unvollständig, da dem Produzenten so wesentliche Opera-
tionen wie die Regelung, Steuerung und Kontrolle des technologi-
schen Ablaufes verbleiben. Menschliche Arbeitskraft, soweit sie
der Maschinerie aggregiert ist, hat die Mechanisierungslücken
derselben aufzufüllen, die Mängel noch unvollständiger Übertra-
gung von Fertigungsfunktionen auf die Technik zu kompensieren und
ist daher deren Bewegung vollkommen subsumiert.
War der Handlungskreis handwerklicher Produktion durch die über-
greifende Rolle lebendiger Arbeit gekennzeichnet, so ist für den
Funktionskreis maschineller Fertigung die übergreifende Rolle des
mechanischen Systems konstitutiv. Die kompensatorische Rolle men-
schlicher Arbeitskraft zieht die routinisierte, unschöpferische
Arbeit notwendig nach sich. Die "Entleerung" der Arbeitstätigkeit
zeigt sich hier nicht einfach als Resultat des hochvergesell-
schafteten Produktionssystems, sondern folgt umgekehrt aus dessen
Vergesellschaftungslücken. Solange der Produzent als untergeord-
netes Moment des maschinellen Handlungskreises agiert, solange
ist die Individuation der in der Maschinerie akkumulierten Gat-
tungspotenz keine durch den technischen Prozeß erforderte Notwen-
digkeit. In dieser Differenzierung zwischen den produktiven Kräf-
ten der Gattung und denjenigen der produzierenden Individuen ist
erstmals die stoffliche Voraussetzung eines Einsatzes der Technik
für Zwecke der Herrschaft des Menschen über Menschen entstanden,
wie sie dann in der reellen Subsumtion der Arbeit unter die Ver-
wertungslogik des Kapitals zur historischen Realität wurde.
Erst die sich in der Vollautomatisierung eröffnende Perspektive,
auch die mit der Verarbeitung von Information befaßten routini-
sierten Fertigungsfunktionen an Technik zu delegieren 35),
schafft die Möglichkeit der Ersetzung aller unschöpferischen
schematisierten Tätigkeitsprofile in der unmittelbaren Produk-
tion. Der menschlichen Arbeitskraft können demgegenüber neue,
stärker wissenschaftlich und schöpferisch durchsetzte Tätigkeiten
in den der Fertigung vor- und nachgelagerten Bereichen zuwachsen
36). Indem der Produzent nicht mehr ausführendes Organ der in
Technik vergegenständlichten produktiven Zwecke ist, sind erst in
der Perspektive hochautomatisierter Fertigung die stofflichen Be-
dingungen herausentwickelt, aufgrund derer die Möglichkeit (nicht
Notwendigkeit!) entstanden ist, daß die lebendige Arbeit von ei-
ner den objektiven Bedingungen ihrer Betätigung untergeordneten
zu einer diese beherrschenden sich emanzipieren kann.
Der kursorische Überblick sollte zweierlei zeigen:
1. Die mit der "Außenspeicherung" des gesellschaftlichen Erbes
anhebende Möglichkeit des Auseinanderfallens von Gattungs- und
Individualentwicklung findet im technischen Fortschritt ihr mate-
rielles Substrat nur dann, wenn dieser Disparitäten des Verge-
sellschaftungsniveaus lebendiger und in Technik verobjektivierter
Tätigkeiten zeitigt.
2. Indem jedoch die "Verarmung" individueller Tätigkeitsprofile
nicht dem in Technik statthabenden Vergegenständlichungs- und Di-
stanzierungsprozeß schlechthin anzulasten ist, sondern in dem
noch unterentwickelten Stadium der Vergesellschaftung des Natur-
stoffwechsels begründet ist, kann eine Veränderung nicht etwa im
Rekurs auf Modelle vorindustrieller Einheit von Mensch und Tech-
nik erhofft werden. Sondern sie bedarf auf Basis der Revolutio-
nierung der sozialen Verhältnisse auch der Fortentwicklung des
technischen Systems gemäß der ihm innewohnenden "Logik von Verge-
sellschaftung". Denn diese schafft nicht nur die abstrakte Mög-
lichkeit des Auseinanderfallens, sondern auch die einer neuarti-
gen Synthese des Verhältnisses von Gattungs- und Individualent-
wicklung im Zuge dynamisch automatisierter Produktion.
3.2. Technologie und die Abhängigkeit der Gesellschaft
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von der Natur
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Mit Technik bezwecken wir die Umgestaltung unserer natürlichen
und künstlichen Umwelt. So scheint es nicht unangemessen zu sein,
technische Entwicklung geradezu zum Symbol der schrittweisen Aus-
dehnung gesellschaftlicher Macht über die Natur zu stilisieren.
Doch eine Sichtweise, in der Technik zur Inkarnation des Ausbeu-
tungs- und Machtstrebens gegenüber der Natur gerät, in welcher
jene zum grenzenlos formbaren Gegenstand menschlicher Nutzanwen-
dung degeneriert, kann den Kern des Verhältnisses von Technologie
und Natur nicht erfassen 37). Seine Emanzipation von den inneren
und äußeren Schranken der Natur kann der Mensch nur verwirklichen
in Gestalt einer neuen Form von Abhängigkeit, seine Befreiung von
den Zwängen der Natur vermittels Technologie nur als neuerliches
Eingehen in die Natur. Denn die Meisterung der Natur ist reali-
sierbar allein durch ihre technologische Einbeziehung: bei Strafe
der Funktionsfähigkeit hat jedes technische Gebilde Naturgesetz-
lichkeiten zu berücksichtigen. Und dies nicht nur als gleichsam
passive Grenze des Verbots, gegen Naturgesetze zu verstoßen. Die
"List" technologischer Vernunft besteht gerade darin, daß im
technischen Instrument natürliche Wirkungsketten zweckgerichtet
umgeformt und kombiniert werden, so daß sie in den Dienst gesell-
schaftlicher Zwecke genommen werden können 38). Die funktionelle
Modellierung menschlicher Arbeitsoperationen in der Technik ge-
lingt nur durch die zweckgerichtete Einbeziehung naturgesetzli-
cher Wirkungszusammenhänge: Die Wirkung eines Verbrennungsmotors
kommt nicht anders zu Stande denn durch Einsatz und Nutzung ther-
modynamischer Gesetze, der Chemie der Kraftstoffe, der Strömungs-
mechanik der Gase usf.
Indem eine Gesellschaft natürliche Prozesse und Kräfte zu ihren
technologischen Gestaltungskräften formt, wird das Band zur Natur
durch Technik nicht einfach zerrissen, sondern auf neue Art und
Weise geknüpft. In der Technik erfolgt eine Eingliederung natür-
licher Wirkweisen in die Funktionszusammenhänge des Sozialen. Als
Komplex natürlicher und gesellschaftlicher Bewegungsformen findet
somit in der Technik eine wechselseitige Einschränkung von Natur
und Gesellschaft statt. Baut die Gesellschaft die freie Bewegung
der Natur zugunsten der geordneten ihrer technischen Werke ab, so
ist die schöpferische technische Neuordnung grundsätzlich be-
grenzt durch die universale Gültigkeit natürlicher Gesetzmäßig-
keiten.
Die Berücksichtigung naturgesetzlicher Wirkungsabläufe in techno-
logischen Prinzipien vertieft sich im Zuge stofflicher Vergesell-
schaftung der Technik. Der durch sie vermittelte Stoff- und Ener-
gieaustausch mit der Natur hat zunehmend "unbezweckte" Sekundär-
effekte in Gestalt der Veränderungen in den materiellen Zyklen
des Naturmilieus zur Folge. Der biotische Kreislauf 39) ununter-
brochener Hervorbringung und Vernichtung von organischen Stoffen
hat relativ stabile Beziehungen zwischen verschiedenen Variablen
zur Grundlage wie Klima, Zusammensetzung der Atmosphäre, Meere,
lebenserhaltende Qualitäten der Landoberfläche und der natürli-
chen Reservoire und Zyklen 40). Da die menschliche Gesellschaft
nur als Bestandteil der Biosphäre existiert, hat ihr Eingriff in
die Naturumwelt zugleich die Umverteilung von Energien und Stof-
fen der materiellen Zyklen im Gesamtsystem der Erde zur Folge.
Nun begleiten Verschiebungen im Kreislauf des Naturhaushaltes die
gesellschaftliche Produktionstätigkeit zwar von Anbeginn. Doch
ernsthafte Störungen entscheidender Prozesse der Lebenserhaltung
des Planeten setzten erst ein mit der Industriellen Revolution
und erhalten durch den gegenwärtigen Grad globaler Naturaneignung
eine Dimension, in welcher der Mensch dem Gesamtsystem und folg-
lich seinem eigenen Erhalt gefährlich werden kann. Industriali-
sierung und Städtebau beeinflussen die tierische, pflanzliche und
kleinstorganismische Entwicklung, wirken ein auf die geochemi-
schen Zerfalls- und Aufbauprozesse, verändern Wasserhaushalt, Zu-
sammensetzung der Atmosphäre etc.. Partikulare Veränderungen ha-
ben Einfluß auf das ökologische Gesamtsystem und verursachen
weitreichende Rückwirkungen. Die Metamorphose der Natur durch
technische Eingriffe hat auf dem gegenwärtigen Entwicklungsniveau
die Gesetzlichkeiten der Biosphäre mitzuberücksichtigen. Insofern
die in technischen Systemen genutzten und eingesetzten Energien
und Materialien als Bestandteile des umfassenden ökologischen
Kreislaufes zu begreifen sind, muß Technik selbst als organischer
Bestandteil des ökologischen Kreislaufes angesehen werden. Der
Maßstab, der an die Optimierung technischer Systeme anzulegen
ist, muß folglich zugleich ein Maßstab der Optimierung ökologi-
scher Reproduktionszusammenhänge sein. Technische Effizienzkrite-
rien können nicht mehr außerhalb derjenigen des Gesamtlebensrau-
mes entwickelt werden. Die Abhängigkeit von naturimmanenten Ge-
setzlichkeiten - sie ist im einzelnen technischen Mittel bereits
in Gestalt der Notwendigkeit der Berücksichtigung von Naturgeset-
zen verkörpert - stellt sich nun in Gestalt zu berücksichtigender
Wirkungszusammenhänge der Biosphäre auf qualitativ neuem Niveau.
Damit aber findet eine folgenreiche Veränderung im Verhältnis von
angestrebtem Zweck und objektiver Wirkung technischen Einsatzes
statt. Jedes technische Gebilde verkörpert in seiner gegenständ-
lichen Funktionsweise einen gesellschaftlich gesetzten Zweck.
Doch geht die soziale Wirklichkeit der Technik nicht auf in ihrer
gegenständlichen Struktur, repräsentiert diese doch erst potenti-
ell die abverlangte Aufgabenbestimmung. Nur die Verwirklichung
dieser Funktion - das sind aber: die realen Wirkungen, die aus
der Benutzung von Technik resultieren - enthüllt die "Wahrheit"
der Technik als soziales Phänomen. Es ist somit zu unterscheiden
zwischen der Aufgabe, die eine Gesellschaft mit ihren technischen
Konstruktionen bezweckt, und den Wirkungen, die sie durch deren
Realisierung bewirkt.
Nun korrespondiert der Zunahme ökologischer Folgeeffekte des Ein-
satzes großtechnischer Systeme die Tendenz des zunehmenden Aus-
einanderfallens von unmittelbarem Zweck und objektiver Wirkung.
Was mit der Technik bezweckt und was durch sie bewirkt wird, ist
nicht deckungsgleich. Dem unmittelbaren Zweck, höhere "Ordnung"
der Natur im künstlichen System zu erlangen, korrespondiert sein
Gegenteil: die Rückführung von komplexen zu einfachen Strukturen
in der Reduzierung und Vernichtung organischer Populationen, der
Zerrüttung natürlicher Systeme durch Verschmutzung von Wasser,
Luft und Boden etc.. Dieses Spannungsverhältnis von organisati-
onsabbauender Funktion der Gesellschaft gegenüber der Natur macht
deutlich, wie das Nicht-Zusammenfallen von beabsichtigtem Zweck
und unbeabsichtigter Wirkung zur Folge hat, daß die Fernwirkungen
die Primäreffekte an Bedeutung zu übersteigen beginnen. Daß
technologische Transformationen über ihre gegenständlichen
Resultate hinausgehenden Wirkungen haben, ist jedoch keineswegs
Ursache lebensbedrohlicher Folgen moderner Technik. Dies ist erst
dann der Fall, wenn gesellschaftliche Planmäßigkeit nur auf den
unmittelbaren Zweck-Mittel-Zusammenhang angewandter Technik sich
bezieht, dagegen die außertechnischen Fern- und Folgewirkungen
außerhalb der rationellen Organisation des technischen Prozesses
liegen. In der Form kapitalistischen Privateigentums an industri-
eller Technik unterliegt nun zwar die Primärrelation von Zweck
und Mittel - allerdings in Gestalt der Priorität des Verwertungs-
zweckes - der bewußten Regelung. Nicht jedoch mehr das Gesamtsy-
stem gesellschaftlicher Zwecke, welches sich als Resultante
gleichsam hinter dem Rücken der Beteiligten konstituiert. Dem in
der Technologie zweckgerichtet wirkenden Prozeß ist ein Grad an
Determiniertheit zueigen, welche die kapitalistische Gesellschaft
sich selbst gegenüber als sozialem System nicht zu entfalten in
der Lage ist. Dieses "Determinationsgefälle" in den Funk-
tionsmechanismen technischer und sozialer Entwicklung verwandelt
das Nichtzusammenfallen von technologischem Zweck und sozialer
Wirkung in die Gefahr lebenszerstörerischer Folgen großtechni-
scher Projekte.
_____
1) Vgl. G. Ropohl, Eine Systemtherorie der Technik, München/Wien
1979.
2) Vgl. dazu exemplarisch H. v. Gizycki, H. Habicht, Oasen der
Freiheit 1978; Th. Schmidt, Kuh und Komputer, in: Autonomie Nr.
3, München 1976
3) Vgl. dazu F.G. Jünger, Die Perfektion der Technik, 1949; H.J.
Meyer, Die Technisierung der Welt, Tübingen 1961.
4) Vgl. dazu K. Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der Geschichte
1957; M. Heidegger, Die Technik und die Kehre, Prüflingen 1962
5) Vgl. exemplarisch N. Berdjajew, Der Mensch in der technischen
Zivilisation, Wien 1948; J. Bernhardt, Der technische Mensch,
Augsburg 1946
6) Vgl. dazu u.a. G. Quarg, Wider den technischen Kulturpessimis-
mus, Düsseldorf 1949; P. Luchtenberg, Vom Beitrag der Technik im
Werden der Kultur, in: VDI-Nachrichten 14/1958, S. 5 ff; E. Fink,
Technische Bildung als Selbsterkenntnis, in: VDI-Zeitschrift
5/1962, S. 381 ff.
7) Vgl. R. Aron, Die industrielle Gesellschaft, Frankfurt/M.
1964: D. Bell, Die postindustrielle Gesellschaft, Frankfurt/M.,
New York 1975; H. Freyer, Theorie des gegenwärtigen Zeitalters,
Stuttgart 1958
8) Zur Technokratiedebatte vgl. exemplarisch die Diskussion in
der Zeitschrift "atomzeitalter", insbesondere Sonderheft 7/8,
1967.
9) Siehe u.a. A. Huning, Technik: Wissenschaft oder Handwerk.
Wissenschaftstheorie der Technik als Aufgabe, in: VDI-Nachrichten
52/1969, S. 25 f; ders.: Erfahrungsbezogene Wissenschaften. Zur
Methode der Naturwissenschaft und Technik, in: VDI-Nachrichten
20/1976; F. Rapp, Die Technik in wissenschaftstheoretischer
Sicht, in: Neue Aspekte der Wissenschaftstheorie, hrsg. v. H.
Lenk, Braunschweig 1971, S. 179 ff; ders., Technik und Natur-
wissenschaft - eine methodologische Untersuchung, in: Techne,
Technik, Technologie, hrsg. v. H. Lenk und S. Moser, Pullach
1971, S. 108 ff; H. Rumpf, Gedanken zur Wissenschaftstheorie der
Technikwissenschaften, in: Techne, Technik, Technologie, a.a.O.,
S. 82 ff.
10) Vgl. dazu exemplarisch: G. Ropohl, Die Systemtechnik und das
gesellschaftliche Bewußtsein des Ingenieurs, in: technica 1970,
S. 303 ff; ders., Prolegomena zu einem neuen Entwurf der allge-
meinen Technologie, in: Techne, Technik, Technologie, a.a.O., S.
152 ff; ders., Eine Systemtheorie der Technik, a.a.O.
11) Auf den Einfluß außertechnischer, gesellschaftlicher Wertmaß-
stäbe bei der Konstruktion eines technischen Gebildes verweisen
u.a. auch die Ergebnisse einer ingenieurwissenschaftlichen Diszi-
plin, der "Konstruktionssystematik". Vgl. dazu u.a. F. Hansen,
Konstruktionssystematik, Berlin 1965; F. Kesselring, Bewertung
von Konstruktionen, Düsseldorf 1951; R. Matousek, Konstruktions-
lehre des allgemeinen Maschinenbaus, Berlin 1974
12) Vgl. G.Ropohl, Eine Systemtheorie der Technik, a.a.O., S. 104
ff.
13) Dafür exemplarisch J. Habermas, Technik und Wissenschaft als
Ideologie, Frankfurt/M. 1969.
14) Vgl. dazu H.D. Bahr, Kritik der "Politischen Technologie".
Eine Auseinandersetzung mit H. Marcuse und Jürgen Habermas,
Frankfurt/M. 1970; ders.: Die Klassenstruktur der Maschinerie,
in: Richard Vahrenkamp (Hrsg), Technologie und Kapital, Frank-
furt/M. 1973; J. Habermas, Technik und Wissenschaft als Ideo-
logie, a.a.O.; H. Marcuse, Der eindimensionale Mensch. Neuwied,
Berlin 1967; G. Ch. Tholen, Technischer Fortschritt als Gewalt
und Ideologie. Zur Kritik systemtheoretischer Bildungsplanung,
Gießen 1975
15) Zur Kritik am Topos "Technik als Herrschaft" vgl. R. Nemitz,
Technik als Ideologie, in: Das Argument 103/1977
16) Vgl. dazu exemplarisch: P. Bulthaup, Zur gesellschaftlichen
Funktion der Naturwissenschaften, Frankfurt/M. 1973; L. Hieber,
Ist der naturwissenschaftlich technische Fortschritt noch demo-
kratisch kontrollierbar? in: Prokla 39/1980, S. 45ff; I. Ilich,
Selbstbegrenzung. Eine politische Kritik der Technik, Hamburg
1975; O. Ullrich, Technik und Herrschaft, Frankfurt 1977; ders.,
Weltniveau. In der Sackgasse des Industriesystems, Berlin 1979
17) Vgl. dazu u.a. R. Brun (Hrsg), Kleintechnologie contra Wirt-
schaft, Frankfurt 1976; Prokol-Gruppe Berlin, Der sanfte Weg.
Technik in einer neuen Gesellschaft, Stuttgart 1976
18) Vgl. dazu C. Amery, Natur als Politik. Die ökologische Chance
der Menschen. Hamburg 1976, G. Armanski, Überlegungen zum Ver-
hältnis von Mensch, Natur und Gesellschaft, in: Prokla 34/1979,
S. 109 ff; Ökologie und Arbeiterbewegung - ein Widerspruch?
Editorial, in: Prokla 39 / 1980, S. 1 ff; H.M. Enzensberger und
K.M. Michel, Ökologie und Politik oder die Zukunft der
Industrialisierung, Kursbuch 33
19) Vgl. dazu B. Moldenhauer, Fetisch Produktivkraft? Ökologie
und Ökonomie in: Blätter für deutsche und internationale Politik
12/1980, S. 146 ff.
20) Vgl. dazu exemplarisch das Kapitel "Die Marxsche Analyse der
"Doppelform" des gesellschaftlichen Produktionsprozesses " in: R.
Rilling, Theorie und Soziologie der Wissenschaft, Frankfurt/M.
1975 S. 13 ff
21) Siehe J.H. Mendner, Technologische Entwicklung und Arbeits-
prozeß, Frankfurt/M. 1975; R. Katzenstein, Die Investitionen und
ihre Bewegung im staatsmonopolistischen Kapitalismus, Berlin
1967; L. Peter, Neue Technik und die Folgen ihrer kapitalisti-
schen Anwendung in: Marxistische Blätter 2/1978; ders. Wissen-
schaftlich-technischer Fortschritt, neue Technik und Arbeiterbe-
wegung, in: Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 2/1979; J.
Schleifstein, Marxistische Grundpositionen zur Entwicklung von
Wissenschaft und Technik im Kapitalismus, in: IMSF (Hrsg.), Tech-
nik-Umwelt-Zukunft, Frankfurt / M. 1980, S. 58 ff; R. Steiger-
wald, Technik-Weltanschauung-Klassenkampf, in: Marxistische Blät-
ter, 6/1979, S. 9 ff.
22) Vgl. dazu die Arbeiten des Projektes Automation und Qualifi-
kation (West-Berlin): Automation in der BRD. Argument Sonderheft
(AS) 7; Entwicklung der Arbeitstätigkeiten und die Methode ihrer
Erfassung, AS 19; Theorien über Automationsarbeit, AS 31
23) Zur Diskussion um den Begriff der wissenschaftlich-techni-
schen Revolution in der BRD vgl. H.J. Sandkühler, Wissenschaft,
Technik und revolutionäre Veränderung, in: Marxistische Blätter
6/1979, S. 14 ff; H. Lange, Ist die wissenschaftlich-technische
Revolution gesellschaftsneutral? Ebd. S. 20 ff; F. Haug, Wissen-
schaftlich-technischer Fortschritt und Qualifikationsentwicklung,
in: Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 3/1980, S. 43 ff; L.
Peter, Produktivkraftentwicklung, Automation und gesellschaftli-
che Veränderungen, ebd., S. 59 ff.
Einen Überblick über die Diskussion um die wissenschaftlich-tech-
nische Revolution in der DDR gibt S. Krämer-Friedrich, Zur Ent-
wicklung der Konzeption "wissenschaftlich-technische Revolution"
in der DDR-Theorie, in: Deutschland Archiv, Sonderheft 1976, S.
53 ff
24) Zu dem Doppelcharakter der Zweck-Mittel-Relation, in welche
Technik eingebunden ist, vgl. S. Krämer-Friedrich, Vergesell-
schaftung der Natur und Natur der Gesellschaft-Versuch einer
gesellschaftstheoretischen Bestimmung der Technik, Diss. Marburg
1979 (erscheint 1982 bei Campus).
25) Vgl. dazu G. Heberer (Hrsg), Die Evolution der Organismen,
Stuttgart 1959; T. Dobzhansky, Evolution und Umwelt, in: 100 Jah-
ren Evolutionsforschung, Stuttgart 1960, S. 83 ff.
26) Zum Individuum als einzig wirklicher Realität der biologi-
schen Art vgl. O.H. Schindewolf, Neue Systematik, in: Paläontolo-
gische Zeitschrift Bd. 36, 1962, S. 1 ff.
27) Zu dieser Differenz von Humanität und Animalität vgl. L.
Sève, Für eine materialistische Theorie der menschlichen Indivi-
dualität, in: W. Arnaszus u.a., Materialismus. Wissenschaft und
Weltanschauung im Fortschritt, Köln 1976, S. 163
28) Vgl. dazu folgende Arbeiten: K. Holzkamp, Sinnliche Erkennt-
nis. Historischer Ursprung und gesellschaftliche Funktion der
Wahrnehmung, Frankfurt/M. 1973: A.A. Leontjew, Probleme der Ent-
wicklung des Psychischen, Berlin 1973; L. Sève, Marxismus und
Theorie der Persönlichkeit, Frankfurt/M. 1972.
29) G.N. Wolkow prägte hierfür den Begriff der "funktionellen Mo-
dellierung", in: ders., Soziologie der Wissenschaft, Berlin 1976,
S. 65
30) Vgl. dazu K. Fuchs-Kittowski u.a., Mensch und Automatisie-
rung, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, Sonderheft 1973,
S. 104 ff., hier: S. 105 ff.
31) Diese schrittweise Emanzipation vom hemmenden Einfluß der
biologischen Organisation liegt sowohl der stufenweisen Entwick-
lung des Arbeitsmittels zugrunde (das Werkzeug durchbricht die
Grenzen menschlicher Einwirkmöglichkeiten der Hand, die Maschinen
die Schranken vor allem der Bewegungsenergie, das automatische
Regel- und Steuerwerk die beschränkte Kapazität des Nervensystems
zur Informationsverarbeitung), wie überhaupt jegliche technische
Erfindung, man denke nur an Fernrohr und Mikroskop, eine Steige-
rung des Wirkungsgrades und der Reichweite der menschlichen Sinne
zur Folge hat.
32) Hier setzt die Problematik eines gesellschaftstheoretischen
Begriffes von technischem Fortschritt ein, der nur an dem Krite-
rium der Effizienz orientiert ist. So z.B. bei W. Krohn, Techni-
scher Fortschritt und fortschrittliche Technik - die alternativen
Bezugspunkte der technischen Innovation, in: Technik oder wissen
wir was wir tun, hrsg. v. W. Zimmerli, Basel 1976, S. 38 ff.
33) Vgl. dazu K. Fuchs-Kittowski u.a., a.a.O., S. 106
34) Zur Beschreibung der durch Mechanisierung veränderten Ar-
beitsfunktionen vgl. J.H. Mendner, Technologische Entwicklung und
Arbeitsprozeß, a.a.O., S. 122 ff; H.Kern/M. Schumann, Indu-
striearbeit und Arbeiterbewußtsein, Teil I, in: Wirtschaftliche
und soziale Aspekte des technischen Wandels in der BRD, hrsg. v.
RKW, Bd. 8, Frankfurt 1970, S. 56 ff
35) Vgl. dazu Projektgruppe Automation: Automation in der BRD,
a.a.O., S. 9; R. Sonnenmann, Mensch und Maschine, in: Maschinen-
bautechnik 10/1974, S. 444; S. Karapanos, Der Standort der Infor-
mationsmaschinen in der wissenschaftlich-technischen Revolution,
in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 8/1978, S. 1037 ff.
36) Diese Entwicklungstendenzen gehen vom Modell vollautomati-
sierter Produktion aus, haben in dieser Hinsicht also den Charak-
ter wissenschaftlicher Antizipation. Sie berücksichtigen nicht
Übergangsetappen, in denen entgegengesetzte Tendenzen freiwerden,
z.B. in der Locherinnentätigkeit. Wesentlich ist aber, daß diese
unschöpferischen, routinisierten Tätigkeiten im Fortgange der Au-
tomation wiederum an das technische System delegierbar sind.
37) Dies aber bei J. Ellul, La Technique ou l' enjeu du siecle,
Paris 1954; S. Buchanan, Nature, Science and Technology. Techno-
logy as a System of Exploitation, in: Technology and Culture
3/1963, S. 535 ff.
38) Vgl. dazu G. Banse, Zur philosophischen Analyse der Heraus-
bildung des wissenschaftlichen Technikverständnisses, Disserta-
tion Berlin 1974; T. Elek, Über die Wechselbeziehungen zwischen
den technischen Wissenschaften, Naturwissenschaften und der Ma-
thematik in: Freiberger Forschungshefte 53, Leipzig 1976; G.
Hochmuth, In technischen Gebilden und Verfahren wirkende Gesetze,
in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 3/1976, S. 267 ff.
39) Zum Begriff des "biotischen Kreislaufes" vgl. M. Kamschilow,
Wissenschaftlich-technischer Fortschritt und Evolution der Bio-
sphäre, in: Gesellschaftswissenschaft 1/1975, S. 57 .
40) Vgl. J. McHale, Der ökologische Kontext, Frankfurt/M. 1974,
S. 81.
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