Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 04/1981
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POLARISIERUNG ODER HÖHERQUALIFIKATION? ZUR KONTROVERSE UM DEN
ZUSAMMENHANG VON PRODUKTIVKRAFTENTWICKLUNG, WISSENSCHAFTLICH-
TECHNISCHEM FORTSCHRITT UND ARBEITSQUALIFIKATION
Lothar Peter
1. Die Polarisierungsthese - 2. Der widersprüchliche Charakter
kapitalistischer Produktivkraftentwicklung - 3. Bedingungen und
Tendenzen kapitalistischer Qualifikationsentwicklung - 4. Die Po-
sition der Projektgruppe "Automation und Qualifikation" - 5. Qua-
lifikationsentwicklung und Strategie der Arbeiterbewegung
1. Die Polarisierungsthese
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Die arbeitswissenschaftliche und arbeitssoziologische Diskussion
über den Zusammenhang von technischem Fortschritt, Arbeitstätig-
keit und Qualifikationsstruktur wird nach wie vor von der Frage
beherrscht, in welcher gesellschaftlichen Richtung sich unter den
Bedingungen der Automation zukünftig die Qualifikationen verän-
dern werden. Strittig bleibt vor allem, ob Automation zu einer
Höherqualifizierung oder zu einer Polarisierung der Qualifikatio-
nen jener lohnabhängigen Schichten führt, deren Arbeitstätigkeit
durch Automation eine tiefgreifende Umgestaltung erfährt.
Bekanntlich ist die sogenannte Polarisierungsthese, die ansatz-
weise schon von Pollock u.a. in den fünfziger und sechziger Jah-
ren vorgetragen wurde 1), in der westdeutschen Diskussion zuerst
von Kern und Schumann umfassend ausgearbeitet und empirisch be-
legt worden 2). Ausgehend von einem Klassifikationsschema indu-
strieller Arbeit, das zwischen prämechanisierter, mechanisierter
und (teil-)automatisierter Produktionsstufe unterscheidet, ver-
suchten Kern/Schumann in ihrer Studie "Industriearbeit und Arbei-
terbewußtsein" die Auswirkungen des technischen Produktionssy-
stems auf die Arbeitstätigkeit und das Bewußtsein der Arbeitenden
zu erfassen. Indem sie ihr im Verlauf der Studie differenziertes
Klassifikationsschema industrieller Arbeit mit einer Systemati-
sierung der Arbeitsanforderungen und des Arbeitsverhaltens der
Industriearbeiter verknüpften, entwickelten sie eine Methode der
sowohl "arbeitsbezogenen" als auch "arbeiterbezogenen Analyse",
die über technizistisch beschränkte Forschungsansätze hinausgehen
und der Reduktion der Arbeitssituation auf technisch determi-
nierte soziale Handlungsstrukturen und Einstellungsmuster entge-
genwirken sollte.
Als zentrales Ergebnis der von Kern/Schumann aus der empirischen
Analyse erhobenen Befunde zur Qualifikationsentwicklung kann die
Schlußfolgerung gelten, daß Automation sowohl zu einer Auflösung
"qualifizierter Varianten herkömmlicher Industriearbeit" und zu
einer Reproduktion "repetitiver Teilarbeit" auf technisch höherer
Stufenleiter führt als auch eine "Polarisierung der Belegschaften
an den technisch fortgeschrittensten Aggregaten" hervorruft. Die
automationsbedingte innere Differenzierung der Belegschaften bil-
det nach Kern/Schumann die materielle Grundlage für den Zerfall
traditioneller kollektiver Bewußtseinsformen der Industriearbei-
ter und stellt die auf Interesseneinheit und Kollektivität sich
berufenden Strategien der Arbeiterbewegung in Frage.
Zum Zeitpunkt ihres Entstehens knüpfte die Studie von
Kern/Schumann an einen internationalen Diskussionsstand an, der
durch gegensätzliche Prognosen über die Auswirkungen von Automa-
tion auf die Entwicklung der Qualifikationen geprägt war. So
standen den Versionen einer allgemeinen Dequalifikationstendenz,
wie sie zum Beispiel James R. Bright in den Vereinigten Staaten
vertrat 3), optimistische Einschätzungen der zukünftigen Qualifi-
kationsstruktur in automatisierten Arbeitsprozessen gegenüber.
Französische Autoren wie Alain Touraine und Serge Mallet, die von
einer aufsteigenden Linie der durch Automation geforderten Ar-
beitsqualifikationen ausgingen, deduzierten aus ihren soziologi-
schen Analysen eine Revision der marxistischen Bestimmung der Ar-
beiterklasse als kollektivem Subjekt der gesellschaftlichen Eman-
zipation, indem sie an die Stelle der sogenannten "alten Arbei-
terklasse" die aus hochqualifizierten Automationsarbeitern, Tech-
nikern und Ingenieuren sich rekrutierende "neue Arbeiterklasse"
("nouvelle classe ouvrière") setzten 4). Den Angelpunkt ihrer
theoretischen Überlegungen bildete nicht mehr der Bezug politi-
schen Handlungspotentials auf die objektiven sozialökonomischen
Bedingungen von Lohnarbeit, sondern das Verhältnis der Produzen-
ten zum Stand der fortgeschrittenen industriellen Produktiv-
kräfte, die als entscheidende Determinante gesellschaftlichen Be-
wußtseins und politischer Praxis angesehen wurden 5).
Das den kontroversen Prognosen gemeinsame Problem lag in elemen-
taren Schwächen des theoretischen Zusammenhangs der Analysen, ge-
nauer in der Unfähigkeit, die Entwicklung von Qualifikationen als
Bestandteil der widersprüchlichen Bewegung von Produktivkräften
und Produktionsverhältnissen im Kapitalismus zu begreifen und
eben diese Widersprüchlichkeit zu einer schlüssigen theoretischen
Leitkonzeption für die Deutung empirischer Phänomene auszuarbei-
ten. Obwohl an der Oberfläche des 'wissenschaftlichen Meinungs-
streits zu gegensätzlichen Ergebnissen gelangend, blieben sowohl
die Vertreter der Dequalifikationsthese als auch Anhänger der
entgegengesetzten Auffassung im Deutungsmuster eines technologi-
schen Determinismus befangen.
Die jeweiligen empirischen Befunde einer Dequalifizierung bzw.
Höherqualifizierung wurden nicht nur verabsolutiert, sondern in
beiden Fällen gleichermaßen auf die technologische Wirkungsweise
der Produktivkräfte unabhängig von ihrer gesellschaftlichen Form-
bestimmung zurückgeführt.
Zwar gelang es nun Kern/Schumann mit ihrer Untersuchung, den
Schematismus der konträren Positionen empirisch begründet zu wi-
derlegen, gleichwohl vermochten sie es noch nicht, wie sie später
selbst andeutungsweise einräumten 6), sich vom Paradigma des
technologischen Determinismus vollständig zu lösen.
Kern/Schumann wiesen nach, daß weder die Auffassung einer allge-
meinen Dequalifizierung noch die Hypothese automationsbedingter
Höherqualifizierung der empirischen Prüfung standhalten konnten.
Theoretisch tendierten sie jedoch ebenfalls dazu, die Qualifika-
tionsentwicklung aus technischen und arbeitsorganisatorischen Be-
stimmungsgründen abzuleiten, ohne die konkreten Veränderungen der
Qualifikationen an hochmechanisierten und teilautomatisierten Ar-
beitsplätzen als technisch vermittelte Erscheinungen kapitali-
stisch bestimmter Produktivkraftbewegung zu reflektieren 7). Ob-
wohl Kern/Schumann vom kapitalistischen Produktionszweck, der
Verwertung von Kapital ausgingen, blieb die kapitalistische Form-
bestimmung der theoretischen Anlage wie der methodischen Durch-
führung der Studie äußerlich. Insofern verwundert es nicht, daß
sie, wo sie Möglichkeiten praktischer Verbesserungen der Arbeits-
situation und der Qualifikationen thematisieren, bei sozialrefor-
merischen Vorschlägen stehenblieben, deren Grenzen Frank Deppe
schon 1971 in seiner Untersuchung zur Soziologie des Arbeiterbe-
wußtseins aufzeigte: "Völlig unberücksichtigt bleibt (bei
Kern/Schumann; L.P.) die Tatsache, daß die untersuchten technolo-
gischen Innovationsprozesse Ausdruck des kapitalistischen Verwer-
tungsbedürfnisses sind, das seinerseits die gesellschaftliche
Qualität des - durchaus richtig beobachteten - Polarisierungspro-
zesses definiert. Die Trennung von qualifizierten und unqualifi-
zierten, privilegierten und subalternen, von anleitenden und aus-
führenden Tätigkeiten ist nicht abstrakt dem wissenschaftlich-
technischen Fortschritt geschuldet; sie reflektiert die Entfal-
tung der Produktivkräfte unter kapitalistischen Bedingungen, in
denen die Arbeiterklasse nicht Subjekt, sondern Objekt der ge-
sellschaftlichen Planung ist. So reduzieren sich bei Kern und
Schumann in den politischen Schlußfolgerungen grundlegende Ein-
sichten in die sozial antagonistische Grundstruktur des Spätkapi-
talismus auf die Forderung nach partikularen Reformen, auf die
Eindämmung und nicht auf die Aufhebung von Widersprüchen" 8).
Trotz ihrer theoretischen Schwächen hat die Studie von
Kern/Schumann für die wissenschaftliche Diskussion der Folgezeit
eine maßgebliche Rolle gespielt und zur Erarbeitung weiterführen-
der theoretischer und methodischer Ansätze angeregt.
So versuchten Mickler/Dittrich/Neumann (SOFI Göttingen), anknüp-
fend an die Methode "arbeitsbezogener Analyse" die Begrenztheit
der theoretischen Prämissen bei Kern und Schumann zu überwinden
und eine Konzeption zu erarbeiten, in der die gesamtgesellschaft-
lichen ökonomischen Determinanten des industriellen Produktions-
prozesses nahtlos mit den konkreten betriebsspezifischen Erschei-
nungsformen der Technik wie der sozialen Beziehungen der Produ-
zenten vermittelt sind. Am Beispiel von Betrieben der Zement-,
Mineralöl- und Elektrizitätsindustrie stellten sie sich die Auf-
gabe, die Durchsetzung des kapitalistischen Verwertungsinteresses
als Determinante und Gestaltungsprinzip betrieblicher Technik,
Arbeitsorganisation und Qualifikation zu rekonstruieren 9). Sie
kamen zu dem Ergebnis, daß sich das kapitalistische Verwertungs-
streben zwar bis in die betriebliche Entwicklung hinein durch-
setze, daß aber gleichzeitig die durch das Verwertungsprinzip de-
terminierte Struktur und Funktionsweise der Produktionstechnik
Spielräume für alternative Formen der Arbeitsorganisation und Ar-
beitstätigkeiten enthalte, die durch das Handeln und die Phanta-
sie der Beschäftigten erschlossen werden könnten.
Die bis in die betriebliche Realität hinein unmittelbar wirkende
Determinationsmacht des kapitalistischen Rentabilitätsprinzips
prägt nach Mickler/Dittrich/Neumann die Qualifikationsstruktur
der Belegschaften nicht weniger nachhaltig als den betrieblichen
Produktionsapparat und die Arbeitsorganisation, zumal da die Ar-
beitssituation nur eine untergeordnete Funktion dieser beiden Va-
riablen bilde. Die empirisch gewonnenen Qualifikationsbefunde
stützen im wesentlichen die von Kern/Schumann vertretene Polari-
sierungsthese, auch wenn sich der theoretische Begründungszusam-
menhang beider Untersuchungen unterscheidet. Das Ergebnis von
Mickler/Dittrich/Neumann läßt sich mit der folgenden Feststellung
der Autoren zusammenfassen: "So zeigt sich etwa bei den Qualifi-
kationsanforderungen der Automationsarbeiter eine deutliche Pola-
risierung zwischen Wartenfahrern und Instandsetzern einerseits,
deren Arbeit vor allem durch technische Intelligenz von systema-
tisch-optimierender bis hin zu strategisch-innovativer Qualität
sowie hohen arbeitsmotivationalen Anforderungen gekennzeichnet
ist und den Anlagenkontrolleuren und Laboranten andererseits, die
bei ihrer Arbeit technische Intelligenz lediglich auf dem ver-
gleichsweise niedrigen empirisch-adaptiven Niveau zu aktivieren
haben und auch hinsichtlich ihrer arbeitsmotivationalen Qualifi-
kationen weniger gefordert werden" 10).
2. Der widersprüchliche Charakter
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kapitalistischer Produktivkraftentwicklung
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Die Westberliner Projektgruppe "Automation und Qualifikation" hat
u.a. die beiden eben erwähnten Studien einer grundlegenden Kritik
unterzogen und die Polarisierungsthese verworfen 11).
Während die Projektgruppe an der Studie "Industriearbeit und Ar-
beiterbewußtsein" kritisiert, daß handwerkliche Industriearbeit
trotz ihres historisch regressiven Charakters zum Maßstab der zu-
künftigen Entwicklung menschlicher Arbeit verklärt werde, wendet
sich die Projektgruppe bei Mickler/Dittrich/Neumann gegen eine
Verabsolutierung des kapitalistischen Rentabilitätsprinzips als
absoluter Determinante von Technik, Arbeitsorganisation und Ar-
beitstätigkeit, weil so eine Bewegung der Produktivkräfte gegen
die Produktionsverhältnisse als undenkbar erscheinen müsse.
Mit der von der Projektgruppe vorgebrachten zutreffenden Kritik
an Fehlern und Widersprüchen der theoretischen Begründungen, auf
die sich die Polarisierungsthese bisher stützte, wird die Frage
aufgeworfen, ob die Polarisierungsthese insgesamt und vollständig
aufgegeben werden muß. Kann man für die Polarisierungsthese, für
die ja empirisch eindrucksvolle Belege sprechen, nicht eine theo-
retische Begründung entwickeln, mit deren Hilfe die empirischen
Daten von Qualifikationspolarisierung interpretiert werden kön-
nen, ohne die Dialektik gesellschaftlicher Bewegung aus der Un-
tersuchung auszuklammern? Das Dilemma der Studie von
Kern/Schumann und der SOFI-Studie besteht nach meiner Auffassung
nicht in einer falschen empirischen Beschreibung der beobachteten
Qualifikationsveränderungen, sondern vielmehr darin, daß ihre
Auswertung der empirischen Ergebnisse nicht zur Erkenntnis der
Bedingungen, Möglichkeiten und Schranken kapitalistischer Produk-
tivkraftentwicklung beitragen kann. Wie läßt sich aber das Bewe-
gungsgesetz dieser Produktivkraftentwicklung bestimmen, mit des-
sen Hilfe die Vielfalt konkreter Erscheinungen theoretisch be-
herrschbar und die Richtung des gesellschaftlichen Produktions-
prozesses erkennbar wird?
Für den Versuch, diese überaus schwierige Frage so zu beantwor-
ten, daß die Antwort als Leitfaden der empirischen Analyse dienen
kann, scheint zunächst einmal die Feststellung erforderlich, daß
die Dialektik des Widerspruchs in der Bewegung der kapitalisti-
schen Gesellschaft nicht auf den allgemeinen Gegensatz zwischen
Produktivkräften und Produktionsverhältnissen beschränkt ist,
sondern die Elemente der Produktivkräfte selbst einer wider-
sprüchlichen Bewegung unterworfen sind. Die Produktivkräfte im
Kapitalismus entfalten sich einerseits als Momente fortschreiten-
der Vergesellschaftung der Arbeit als "Stoffwechsel(s) bzw. Ener-
gieaustausch(s) zwischen menschlicher und außermenschlicher Na-
tur" 12), sie werden aber andererseits als Momente kapitalisti-
scher Verwertung angeeignet. Die Logik der in kapitalistischen
Formen verlaufenden Produktivkraftbewegung schließt deshalb unab-
dingbar ein, daß die Entfaltung neuer, wirksamer und ökonomisch
vorteilhafter Produktivkraftelemente zugleich die Voraussetzung
für die Vernichtung und Stillegung anderer Produktivkraftelemente
schafft, die für den kapitalistischen Produktionszweck disfunk-
tional geworden sind.
Gewiß, Vernichtung, Brachlegung, Vergeudung und Stagnation von
Produktivkräften sind nicht das eigentliche Ziel kapitalistischer
Produktion. Sie sind aber ein unvermeidliches Ergebnis der kapi-
talistischen Produktionsweise, die durch den erbitterten Kampf
der Einzelkapitale um die besten Verwertungsbedingungen vorange-
trieben wird.
Da der kapitalistische Reproduktionsprozeß in seinen monopolisti-
schen Formen die Disproportionen der gesamten gesellschaftlichen
Entwicklung vertieft, verschärft sich auch der Gegensatz zwischen
progressiven und stagnativen Tendenzen der Produktivkraftbewegung
13). Die Ungleichzeitigkeit und innere Widersprüchlichkeit kapi-
talistischer Produktivkraftentwicklung, die während der Bele-
bungs- und Aufschwungsperioden der zyklischen Bewegung durch die
Ausdehnung der Akkumulation verdeckt bleiben mag, tritt in Kri-
senperioden offen zutage. So steht, wenn man den Blick auf die
krisenhafte sozialökonomische Entwicklung der Bundesrepublik seit
1974/75 richtet, einer enormen Steigerung der Produktivkraft der
Arbeit, meßbar mit Hilfe der Kennziffer Arbeitsproduktivität, die
Brachlegung eines bedeutenden Teils der in der Industrie ange-
wandten lebendigen Arbeit gegenüber. Während nämlich im Zeitraum
zwischen 1970 und 1978 die Arbeitsproduktivität (Produktions-
ergebnis pro Beschäftigten) in der Industrie um rund 35% wuchs,
sank die Zahl der Beschäftigten um 15%, d.h. mit anderen Worten:
jeder 7. Arbeitsplatz in der Industrie ging während dieser acht
Jahre verloren 14).
Gesamtgesellschaftlich gesehen hat also die notwendige gesell-
schaftliche Arbeitszeit zur Herstellung eines bestimmten Produk-
tionsquantums beträchtlich abgenommen; der Grad der durch gesell-
schaftliche Arbeit realisierten "Naturbeherrschung" im Sinne pro-
duktiver Aneignung ist gestiegen; das meßbare Verhältnis von Pro-
duktionsergebnis und aufgewandter Arbeitszeit spiegelt den Fort-
schritt der Produktivkräfte wider. Gleichzeitig liefern jedoch
der Beschäftigungsrückgang und die Existenz einer seit Jahren um
die Millionengrenze schwankenden, sie gegenwärtig weit über-
schreitenden "überschüssigen Arbeitsbevölkerung" den lapidaren
Beweis, daß das Kapitalverhältnis nicht nur als Entwicklungsform
und Triebkraft, sondern auch als Fessel und Schranke eines enor-
men Teils der verfügbaren lebendigen Arbeit wirksam ist, der dem
Produktionsprozeß wenn nicht dauerhaft, so doch zumindest vor-
übergehend entzogen wird.
Indes beschränkt sich die innere Widersprüchlichkeit kapitalisti-
scher Produktivkraftentwicklung nicht auf das Verhältnis von ver-
gegenständlichter und lebendiger Arbeit, sondern durchdringt die
jeweilige Struktur dieser beiden Momente des Produktionsprozesses
selbst.
So kontrastiert der raschen Ausbreitung neuer Technologien und
ihrer fortwährenden Vervollkommnung eine mangelnde Auslastung
vorhandener Produktionsanlagen, deren produktionstechnische Effi-
zienz vom Verwertungsstandpunkt des Kapitals als nicht mehr ren-
tabel erscheint 15). Während diejenigen Einzelkapitale, die auf-
grund ihrer günstigen Verwertungsbedingungen, meist also Mono-
pole, in der Lage sind, den "moralischen Verschleiß von Maschi-
nen" oder die Nichtauslastung von Kapazitäten durch Einführung
der modernsten technischen Neuerungen auszugleichen oder sogar
profitmaximierend zu nutzen, zwingt die Ökonomie des fixen Kapi-
tals unter den Bedingungen monopolistischer Konkurrenz andere Un-
ternehmen und Betriebe dazu, vorhandene Produktionsanlagen still-
zulegen, die Produktion auf gegebener "veralteter" technischer
Basis einzuschränken oder schließlich, wenn die verfügbaren sach-
lichen Produktivkräfte den herrschenden monopolistischen Verwer-
tungsanforderungen nicht mehr gewachsen sind, aus dem Reprodukti-
onsprozeß des Kapitals auszuscheiden. Noch plastischer, wenn auch
nur in einzelnen Fällen nachweisbar, tritt die hemmende Funktion
des Kapitalismus für die Bewegung der Produktivkräfte in solchen
Fällen zutage, wo der in bestimmten Betrieben installierte Pro-
duktionsapparat hinsichtlich seiner technischen Kapazitäten hin-
ter dem möglichen Leistungsoptimum deshalb zurückblieb, weil die
Profiterwartungen es verlangten 16).
Die der kapitalistischen Produktivkraftbewegung immanenten de-
struktiven und stagnativen Tendenzen greifen heute jedoch weit
über die sachlichen Momente des unmittelbaren Produktionsprozes-
ses hinaus. In dem Maß, wie durch die von den Monopolen und dem
Staat betriebene Verwissenschaftlichung der Produktion, insbeson-
dere durch den Einsatz neuer Energieträger (Atomindustrie) und
durch Chemisierung der Produktion, die natürlichen Bedingungen
des Produktionsprozesses vereinnahmt und in ihrem Bestand sowie
ihrer Reproduzierbarkeit elementar bedroht werden 17), stößt die
Produktivkraftbewegung auch von dieser Seite her auf eine
Schranke, die, sofern sie nicht politisch durchbrochen oder we-
nigstens teilweise herabgedrückt werden kann, den Prozeß rück-
sichtslos vorangetriebener "Naturbeherrschung" physisch-stofflich
in Frage stellt 18).
Die von der marxistischen Theorie begründete Aussage über die ge-
setzmäßige Höherentwicklung der Produktivkräfte im Kapitalismus
als materielle Basis der sozialistischen Gesellschaft darf nicht
zu der dogmatisierenden Auffassung verführen, daß sich die Pro-
duktivkräfte in ihrer empirischen Gesamtheit solange weiterent-
wickeln, bis sie - quasi im Selbstlauf - die Fesseln kapitalisti-
scher Produktionsverhältnisse sprengen. Es ist vielmehr davon
auszugehen, daß die Tendenzen fortschreitend produktiver Natura-
neignung einerseits und die destruktiven, paralysierenden Tenden-
zen der Produktivkräfte andererseits in einer in sich wider-
sprüchlichen Bewegung unlösbar ineinandergreifen und nicht durch
die Beschwörung dieses oder jenes Aspekts der Produktivkraftent-
wicklung, sondern nur durch die des Gegensatzes bewußte politi-
sche Praxis der Produzenten als Klasse in einer historisch quali-
tativ höheren Form nichtantagonistischer Produktivkraftentfaltung
aufgehoben werden können.
3. Bedingungen und Tendenzen kapitalistischer
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Qualifikationsentwicklung
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Ebenso wie die Entwicklung der sachlichen Produktivkräfte wird
die der Qualifikationen der Arbeitskraft als des subjektiven Pro-
duktionsmoments durch den Akkumulationsprozeß des Kapitals be-
stimmt und in ihrer konkreten Struktur modifiziert, verändert und
umgestaltet.
Um die sachlichen Elemente des Produktionsprozesses weiterzuent-
wickeln, um der lebendigen Arbeit durch neue, effektivere Formen
der Arbeitsteilung und Kooperation zusätzlich produktive Potenzen
abzugewinnen, um den Aufwand an variablem Kapital im Verhältnis
zum produzierten Mehrwert zu verringern, ist das Kapital, zumal
in seinen heute gegebenen monopolistischen Formen und der ihnen
adäquaten materielltechnischen Basis, nach Maßgabe seiner spezi-
fischen Verwertungsbedingungen gezwungen, bestimmte Teile des ge-
sellschaftlichen Gesamtarbeiters mit höheren Qualifikationen aus-
zustatten. Verwissenschaftlichung der Produktion, Umwandlung der
Wissenschaft in eine "unmittelbare Produktivkraft", Automation
und andere neue Technologien erfordern auf der Seite der lebendi-
gen Arbeit eine quantitative Zunahme und einen qualitativen Be-
deutungszuwachs derjenigen Beschäftigungsgruppen, die über die
notwendigen Qualifikationen verfügen, um die Produktivkräfte auf
systematischer wissenschaftlicher Grundlage theoretisch wei-
terentwickeln und praktisch anwenden zu können.
In der während der vergangenen drei Jahrzehnte zu verzeichnenden
sprunghaften Zunahme von hochqualifizierten und akademisch ausge-
bildeten Arbeitskräften in allen Bereichen des Reproduktionspro-
zesses kommt die Verwissenschaftlichung der gesellschaftlichen
Arbeit zweifelsohne als Moment der Höherentwicklung der Hauptpro-
duktivkraft Mensch zum Ausdruck 19). Gleichzeitig wirkt die Ver-
wissenschaftlichung des Reproduktionsprozesses als der heute ent-
scheidende "stoffliche Träger" von Vergesellschaftung der Arbeit,
die mit den kapitalistischen Eigentumsformen immer unverträgli-
cher wird. Auf betrieblicher Ebene zeigt sich das beispielsweise
in dem Einsatz von Systemen der elektronischen Datenverarbeitung
sowohl für Fertigungssteuerung usw. als auch für die Leitung und
Organisierung der Arbeitsprozesse, deren Komplexität hinsichtlich
der Produktionsfunktionen und Leitungserfordernisse nur noch
"gesellschaftlich", d.h. durch Formen lückenloser Kooperation und
Arbeitsteilung aller Belegschaftsgruppen erfolgreich realisiert
werden kann. Die empirisch eindeutig feststellbare Höherqualifi-
zierung bestimmter sozialer Kategorien des gesellschaftlichen Ge-
samtarbeiters aufgrund wissenschaftlich-technisch vermittelter
Vergesellschaftung der Arbeit ändert jedoch nichts daran, daß die
Bewegung der Qualifikationsstruktur ebenso wie die der anderen
Elemente der Produktivkräfte dem Prinzip der Kapitalverwertung
untergeordnet ist. Infolgedessen bewegt sich die Qualifikations-
struktur des gesellschaftlichen Gesamtarbeiters nicht allgemein
und harmonisch zu stets höheren Stufen produktiver Fähigkeiten
und Fertigkeiten, sondern äußert sich in widersprüchlichen For-
men, analog zur Entwicklung und Anwendung der Arbeitsmittel und
Arbeitsgegenstände, wie weiter oben ausgeführt wurde.
Der Entfaltung spezifischer Qualifikationen in einem bestimmten
Bereich entsprechen Dequalifikation und Restriktion des Arbeits-
vermögens in anderen Bereichen des gesellschaftlichen Produkti-
ons- und Reproduktionsprozesses; denn nicht die kollektiven In-
teressen der Produzenten an gebrauchswertbezogenen Qualifikatio-
nen, sondern kapitalistische Ökonomisierung der lebendigen Arbeit
reguliert die Veränderungen der Qualifikationsstruktur. So steht
auf betrieblicher Ebene bei der Einführung computergestützter
Technologien einer wachsenden Zahl hochqualifizierter Arbeits-
kräfte die Dequalifizierung und lohnmäßige Abgruppierung anderer
Belegschaftsgruppen gegenüber 20). So spaltet sich die Qualifika-
tionsstruktur betrieblich und überbetrieblich nach Alter, Ge-
schlecht und Beruf. So konzentrieren sich die wissenschaftlich-
technischen Kader vor allem in den (monopolistischen) Spitzenin-
dustrien der Energiegewinnung, der Elektronik, der chemischen
Produktion, der Luft- und Raumfahrt oder Mineralölverarbeitung,
während kleinere (nichtmonopolistische) Unternehmen und Betriebe
zum Beispiel in der Nahrungsmittel-, Textil- und holzverarbeiten-
den Industrie einen Überhang an vergleichsweise niedrig qualifi-
zierten Arbeitskräften aufweisen. So entziehen die industriellen
Zentren und Ballungsräume den agrarischen und agrarischindustri-
ellen Regionen das für den Ausbau ökonomisch leistungsfähiger
Produktionseinheiten notwendige Qualifikationspotential 21). So
verschärft sich, um ein weiteres Beispiel zu nennen, die Diskre-
panz zwischen erworbenen und am Arbeitsplatz abverlangten Quali-
fikationen, wie etwa die große Zahl gelernter Handwerker in kurz-
zyklischen Montageprozessen des Fahrzeugbaus zeigt.
All dies sind Erscheinungsformen von Dequalifikation, die von den
betroffenen Individuen als Verlust beruflicher Autonomie, als
Vorenthaltung von Bildungselementen, als Verkümmern produktiver
Fähigkeiten und als Versagung sozialer Anerkennung in der Arbeit
erfahren werden, die aber objektiv auf den kapitalistischen Cha-
rakter der Produktivkraftentwicklung und auf die sozialökonomi-
sche Existenz der Arbeit als Lohnarbeit verweisen. Was die empi-
rische Sozialforschung mit der Polarisierungsthese bezeichnet,
ist also nicht Folge soziotechnischer Determinanten des unmit-
telbaren Produktionsprozesses, sondern konkrete Erscheinungsform
der durch den kapitalistischen Akkumulationsprozeß bestimmten Un-
gleichzeitigkeit und Disproportionalität der Qualifikationen in
den einzelnen Wirtschaftsbereichen, Industriezweigen und Betrie-
ben. Die Polarisierung zwischen Höherqualifizierung und Dequali-
fizierung muß sich unvermeidlich, wenn auch auf historisch stei-
gendem Grundniveau des gesellschaftlichen Arbeitsvermögens, re-
produzieren, solange das Kapital als herrschendes gesellschaftli-
ches Verhältnis fortbesteht. Über das konkrete Ausmaß der Polari-
sierung allerdings entscheidet das gesellschaftliche Kräftever-
hältnis der Klassen.
Die Qualifikationsentwicklung in teilautomatisierten und automa-
tisierten Arbeitsprozessen ist von den Folgen der Polarisierung
nicht ausgenommen. Da Polarisierung der Qualifikationen zwar
technisch vermittelt ist, aber ihre eigentliche Ursache in der
Verwertungslogik des Kapitals hat, ist die Polarisierung der Qua-
lifikationen auch nicht durch Automatisierung schlechthin aufheb-
bar. Es scheint im Gegenteil, daß mit fortschreitender Automation
unter kapitalistischen Bedingungen selbst diejenigen Tätigkeiten
einer Polarisierung unterworfen werden, deren hohe Qualifikatio-
nen als bisher beständig galten.
Eine Studie des Frankfurter Instituts für Sozialforschung, die
Rationalisierungsvorgänge auf EDV-Basis bei technisch hochquali-
fizierten Angestellten der Elektroindustrie untersucht, belegt
eindrucksvoll, wie im Zuge der Automatisierung die Polarisierung
in den Bereich komplexer geistiger Arbeit selbst eindringt und
dort die Tätigkeiten in kreative dispositive Funktionen zum einen
und monotone "repetitive" Routinearbeiten zum anderen aufspaltet.
Die Autoren der Studie stellen fest, daß mit der Durchsetzung ei-
ner "Taylorisierung geistiger Arbeit" kreative Momente und Ent-
scheidungskompetenzen arbeitsteilig aus den Projektierungs- und
Entwicklungsabteilungen herausgelöst werden und in Gestalt einer
selbständigen übergeordneten, entscheidungsbefugten und jederzeit
interventionsberechtigten Instanz den Angestellten als gleichsam
"fremde, sie beherrschende Macht" gegenübertreten. Indem die Ar-
beit der betroffenen Angestellten schematisiert und standardi-
siert wird, nimmt sie auf der Stufe unterer und mittlerer Quali-
fikationen den Charakter "repetitiver Teilarbeit" an, während sie
auf der Stufe technisch hochqualifizierter und ingenieurmäßiger
Arbeitstätigkeit zur Restriktion von Arbeitsautonomie durch den
Verlust bisher erforderlicher komplexer Qualifikationen führt:
a) "Prozesse fortschreitender Arbeitsteilung, Schematisierung und
Standardisierung von Arbeitsinhalten unter Einschluß EDV-spezifi-
scher Mechanisierungen bilden vor allem in den mittleren und un-
teren technischen Angestelltenqualifikationen Formen repetitiver
Tätigkeiten aus. In ihnen kommen am stärksten Angleichungstenden-
zen zwischen gewerblicher und angestellter Lohnarbeit zum Aus-
druck, die sich - und das sei zur Angleichungsthese hinzugefügt -
nicht auf die soziale Lage insgesamt, sondern auf den Grad der
Objektivierung und der strukturierenden Prinzipien des Arbeits-
prozesses beziehen.
b) die für qualifizierte und hochqualifizierte technische Ange-
stelltentätigkeiten traditionelle Verbindung von planend-organi-
sierenden und inhaltlich-ausführenden Funktionen, Kennzeichen ih-
rer bisherigen spezifischen Arbeitsautonomie, löst sich auf und
wird organisatorisch voneinander getrennt.
c) für die Mehrheit der technischen Angestellten auch mit parti-
ell innovativen Funktionen wird als Folge dieser Tendenzen die
Arbeit sich auf die Tätigkeit von Sachbearbeitern reduzieren und
zunehmend der Typus des technischen Detailarbeiters sich heraus-
bilden" 22).
Der oben unternommene Versuch, eine theoretische Begründung für
die Richtigkeit der Polarisierungsthese zu geben, steht aller-
dings nicht im Gegensatz zur Anerkennung einer seit der ge-
schichtlichen Entstehung des Kapitalismus sich vollziehenden Hö-
herqualifizierung des gesellschaftlichen Gesamtarbeiters. Hier
ist die Unterscheidung zwischen den sich historisch entwickelnden
Anforderungen an das durchschnittliche gesellschaftliche Arbeits-
vermögen einerseits und der praktischen Realisierung dieses
durchschnittlichen Arbeitsvermögens auf der Ebene spezifischer
Produktionsprozesse der Einzelkapitale (bzw. des Staates) zu be-
rücksichtigen 23). Während sich die Ausbildung des allgemeinen
Arbeitsvermögens an den stofflichen, sozialökonomischen und poli-
tischideologischen Durchschnittsbedingungen des Reproduktionspro-
zesses ausrichtet, setzen die Einzelkapitale (bzw. der Staat) die
Arbeitskräfte je nach ihren besonderen Produktionserfordernissen
ein. Dabei können sie sich zwar nicht über die stofflich vermit-
telte Vergesellschaftungsdynamik der Arbeit hinwegsetzen, da der
Verwertungsprozeß ja stets und notwendig auch Produktionsprozeß
von Gebrauchswerten ist, aber die Anwendung und Entwicklung von
Qualifikationen, in denen sich der Gebrauchswert der Ware Ar-
beitskraft für die produktive Konsumtion durch das Kapital kri-
stallisiert, erfolgt nach dem Rentabilitätsprinzip der Einzelka-
pitale. In die Realisierung des Verwertungszwecks ist die Tendenz
zur Senkung des Werts der im Produktionsprozeß fungierenden Kapi-
talelemente gesetzmäßig eingeschlossen. Eine Senkung des Werts
des konstanten wie des variablen Kapitals ist aber (von der
stofflichen Seite des Produktionsprozesses her) wiederum nur mög-
lich, wenn die Produktivkraft der Arbeit gesteigert wird. For-
tentwicklung der materiell-technischen Basis und Anhebung der
dazu erforderlichen Qualifikationen eines Teils des Gesamtarbei-
ters ermöglicht zugleich die Ökonomisierung der Arbeit anderer
Teile des Gesamtarbeiters, deren Arbeitskraft in ihrem Wert bzw.
Preis durch Dequalifikation herabgesetzt wird, um im Ergebnis die
Verwertungsbedingungen eines bestimmten Kapitals gegenüber den
konkurrierenden Einzelkapitalen zu verbessern. Da sich an einem
bestimmten Punkt des gesellschaftlichen Reproduktionsprozesses
die technisch am weitesten fortgeschrittenen Produktionsformen
auf höherem Niveau verallgemeinern, widerspricht die Erscheinung
einer Polarisierung der Qualifikationen auf der Ebene der Einzel-
kapitale nicht der geschichtlich sich durchsetzenden Hebung des
allgemeinen durchschnittlichen gesellschaftlichen Arbeitsvermö-
gens. Dies zeigt sich beispielsweise in der zeitlichen Verlänge-
rung der Schulpflichtigkeit an allgemeinbildenden Schulen sowie
in der Anhebung formaler Ausbildungsgänge zahlreicher Berufe im
Laufe der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft.
Die Annahme, daß über längere Phasen der kapitalistischen Ent-
wicklung hinweg eine Anhebung des Grundniveaus des gesellschaft-
lichen Arbeitsvermögens stattfindet, wird von werttheoretischen
Überlegungen marxistischer Ökonomen über die Werttendenzen der
Arbeitskraft gestützt. Sie bestätigen außerdem die Unterscheidung
zwischen langfristiger Anhebung des gesellschaftlichen Arbeits-
vermögens und der im konkreten kapitalistischen Produktionsprozeß
sich durchsetzenden Widersprüchlichkeit der Qualifikationsstruk-
tur, von der in erster Linie die Arbeiterklasse betroffen sei. So
schreibt beispielsweise J.F. Kusmitschew: "Infolge des techni-
schen Fortschritts und der Komplizierung der Arbeitsmittel voll-
zieht sich im Kapitalismus eine Komplizierung der durchschnittli-
chen gesellschaftlichen Arbeit und steigt das Qualifikationsni-
veau der Gesamtarbeitskraft der Gesellschaft... Im Kapitalismus
wird jedoch der Prozeß der Komplizierung der gesellschaftlichen
Arbeit durch das Wirken spezifischer Gesetze, durch das System
der kapitalistischen Produktionsverhältnisse, verzerrt. Das Qua-
lifikationsniveau der Arbeiterklasse erhöht sich wesentlich lang-
samer als das der Gesamtarbeitskraft der Gesellschaft. Die Be-
rufsstruktur des Gesamtarbeiters jeder einzelnen Fabrik trägt
klar ausgeprägten Klassencharakter. Zahlreiche Arbeiter werden in
einzelnen Perioden (in Krisenjahren, Zeiten der Stagnation und
langer Arbeitslosigkeit, in Perioden der Kriege usw.), aber auch
infolge des 'Absterbens' alter Wirtschaftszweige dequalifiziert"
24).
4. Die Position der Projektgruppe "Automation und Qualifikation"
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Wenn im folgenden die bisher vorgetragenen Argumente kritisch zu
den Auffassungen der Projektgruppe "Automation und Qualifikation"
in Beziehung gesetzt werden sollen, dann bedarf es zunächst der
Klärung einiger Mißverständnisse.
1. Die von der Projektgruppe entwickelte Methode zur Erfassung
des Zusammenhangs von Automation, Arbeitstätigkeit und Qualifika-
tion geht von den am weitesten fortgeschrittenen Vergesellschaf-
tungsformen der Arbeit aus und macht diese zum Maßstab der Beur-
teilung von Veränderungen der Qualifikationen. Im Unterschied zu
vorliegenden Studien, in denen die Polarisierungsthese vertreten
wird, orientiert sich die Projektgruppe weder am Standard hand-
werklicher Industriearbeit noch an einem Begriff von Kapitalver-
wertung, mit dem die Entfaltung der Produktivkräfte zu einer ab-
hängig Variablen der betrieblichen Verwertungsstrategien umgedeu-
tet wird.
Statt dessen versucht die Projektgruppe, die sich in den Formen
und gegen die Formen kapitalistischer Aneignung herausbildenden
neuen produktiven Potenzen der menschlichen Arbeit auf der Grund-
lage automatisierter Produktionsprozesse herauszuarbeiten und für
eine praktisch-politische Nutzung durch die Arbeiterbewegung auf-
zubereiten. Gewiß ist diese theoretische Konzeption vielen bishe-
rigen gesellschaftskritischen oder marxistisch beeinflußten For-
schungsansätzen insofern überlegen, als sie auf die Analyse zu-
künftiger Entwicklungsformen der Arbeit hin entworfen ist, ohne
deren theoretisches Verständnis auch die praktische Interessenpo-
litik der Arbeiterbewegung auf ein bloß reaktives, am Status quo
der Arbeitsverhältnisse festhaltendes Handeln beschränkt bleibt.
2. Die Projektgruppe stellt mit ihrer herausfordernden Formulie-
rung "Automation führt zur Höherqualifikation" keine Behauptung
mit empirischem Geltungsanspruch dergestalt auf, daß alle konkret
sich abspielenden Automationsprozesse an den von ihnen erfaßten
Arbeitsplätzen zwangsläufig und in jedem Fall eine Höherqualifi-
zierung auslösen: "Die These 'Automation führt zur Höherqualifi-
kation' ist daher nicht als Aussage über die Qualifizierung der
Arbeitenden zu lesen, - etwa, daß an allen automatisierten Ar-
beitsplätzen höher qualifizierte Arbeitskräfte vorfindlich sind
(eine These, deren empirische Überprüfung nur geringen Aufwand
verlangen würde) -, sondern sie ist als Theorem zu lesen, wonach
die Automation zwangsweise hervorgetrieben wird und als Arbeits-
instrument innerhalb der Arbeit bestimmend wirkt, so daß neuar-
tige Bedingungen entstehen und als Handlungszwänge in der sozia-
len Praxis sich bemerkbar machen. Da unter neuen Bedingungen neu
über das Ausmaß an Entwicklung und Einfluß entschieden wird, wel-
ches die Arbeitenden sich erobern können, entstehen in diesen
Auseinandersetzungen Formen, in denen in kapitalistischen Ver-
hältnissen die Anforderungen der automatischen Arbeitsinstrumente
an die Entwicklung der Arbeitenden aufgenommen werden und die als
konkrete unbekannt sind, selber zur Untersuchung jetzt stehen"
25).
Wenn nun sowohl die theoretische Konzeption als auch die von Miß-
verständnissen bereinigte Formulierung "Automation führt zur Hö-
herqualifikation" als wissenschaftlich produktiv eingeschätzt
werden können, worin liegen dann noch Gegensätze zwischen der
Projektgruppe und der von mir vertretenen Auffassung?
Sie betreffen zunächst und vor allem die theoretische Beurteilung
der mit der realen Durchsetzung von Automation verbundenen empi-
rischen Erscheinungen von Dequalifikation und Entwertung der Ar-
beitskraft. Obwohl die Projektgruppe deren tatsächliches Auftre-
ten nicht absolut in Abrede stellt, interpretiert sie Dequalifi-
kationserscheinungen als ein transistorisches Phänomen, dem an-
gesichts der durch Automation eröffneten Entwicklungsperspektive
des Menschen in der Arbeit nur untergeordnete Bedeutung beigemes-
sen wird.
Gegen die Polarisierungsthese gerichtet, postuliert die Projekt-
gruppe die Aufhebbarkeit von Dequalifizierung durch Automation
und degradiert damit die in der Entfaltung der Produktivkräfte
gleichzeitig und strukturell als Widerspruch wirkende Zersetzung,
Auflösung und Verdrängung von Arbeitsqualifikationen zu einer
wissenschaftlich nicht weiter beachtenswerten Begleiterscheinung:
"Zusammenfassend läßt sich festhalten: einige Prognosen, denen
zufolge mit der Automation eine Polarisierung der Qualifikationen
verbunden sei, sind durch den transistorischen Charakter der zu-
grunde gelegten empirischen Basis in Frage zu stellen. Ar-
beitsplätze, an denen aufgrund der in einfachste Arbeitsschritte
zerlegten Tätigkeiten eine 'Dequalifizierung' der Arbeitenden er-
mittelt wurde, sind u.U. durch weitere Automatisierung aufhebbar.
Braucht man nicht eine Perspektive, die zur Aufdeckung der neuen
Anforderungen und nicht nur zur Feststellung des Verlusts bereits
vorhandener Qualifikationsanforderungen verhilft? Die Frage nach
dem Schicksal und der Anwendbarkeit vorhandener Fertigkeiten und
Fähigkeiten ist für die Bestimmung gewerkschaftlicher Aufgaben im
Kampf um Lohn und Sicherheit des Arbeitsplatzes jedes einzelnen
Arbeiters zweifellos von großer Bedeutung. Wenn aber die Entwer-
tung der Qualifikationen eines Teils der Arbeitenden Ausdruck der
Tatsache sein soll, daß sich neue oder andersartige Qualifikatio-
nen als notwendig erweisen, dann ist gerade vom Interessenstand-
punkt jener Arbeiter, deren Qualifikation entwertet zu werden
droht, Inhalt und Ausbreitungsdynamik der neu-öder andersartigen
Qualifikationen zu erfassen, damit rechtzeitig entsprechende Ge-
genmaßnahmen geplant und durchgesetzt werden können" 26).
Die am Schluß des Zitats anklingende Anerkennung empirischer De-
qualifikationserscheinungen bleibt jedoch für die Durchführung
der Analysen der Projektgruppe weitgehend folgenlos. Hatte sich
die Projektgruppe zu Recht dagegen gewandt, in der Entfaltung von
Automationsarbeit lediglich den Verlust von Qualifikationen zu
beklagen, so droht diese Kritik nun mechanisch ins Gegenteil um-
zuschlagen. Der die Qualifikationsentwicklung bewegende Wider-
spruch, dessen Beschränkung auf lediglich restringierende, dequa-
lifizierende Auswirkungen von Automation die Projektgruppe als
regressive Betrachtungsweise verworfen hatte, verkürzt sich bei
der Projektgruppe selbst auf die Dimension der vorantreibenden
dynamischen Potenzen von Automationsarbeit. Das führt schließlich
auch in der empirischen Forschung zu problematischen Interpreta-
tionen, wie ich am Beispiel des "Von-Hand-Fahrens" automatischer
Anlagen exemplarisch beleuchten möchte 27).
Die Projektgruppe versteht das "Von-Hand-Fahren" automatischer
Anlagen und Aggregate als eine hochentwickelte Arbeitstätigkeit,
in der sich das ganze Spektrum der durch Automation gesetzten Ar-
beitsanforderungen widerspiegelt. Obwohl eingeräumt wird, daß die
Notwendigkeit des "Von-Hand-Fahrens" auf technische Defizite des
Entwicklungsstandes und der Funktionsfähigkeit automatisierter
Arbeitsprozesse verweise, wird daran festgehalten, daß gerade in
störungsbedingten Situationen des "Von-Hand-Fahrens" das Erfor-
dernis umfassender Beherrschung und Aneignung des systemhaften
inneren Zusammenhanges automatischer Anlagen gebieterisch seinen
praktischen Ausdruck erlange.
Selbst wenn man der Argumentation der Projektgruppe so weit fol-
gen will, stellt sich die Frage, ob das, was vom Standpunkt der
Automationsarbeiter für das "Von-Hand-Fahren" im Störungsfall an
Qualifikationen notwendig wäre, in der realen Ausformung der Qua-
lifikationsstruktur auch tatsächlich in Erscheinung tritt und
praktisch wirksam werden kann.
Am Fall einer modernen, 1974 eingerichteten Warmbreitbandstraße
eines stahlproduzierenden Großbetriebs im norddeutschen Raum läßt
sich zeigen, daß die für die allerdings häufig eintretende Stör-
situation erforderlichen Qualifikationen des selbständigen "Von-
Hand-Fahrens" an den entsprechenden Arbeitsplätzen äußerst un-
gleichmäßig verteilt sind 28). Über weiterreichende, nie jedoch
analytisches Niveau erreichende Kenntnisse der Anlage verfügen
nur die sogenannten Fertigwalzer. Sie können, wenn der Prozeß-
rechner "aussteigt" oder das Band "flattert", aber auch bei Pro-
grammänderungen der laufenden Produktion durch Umstellung auf
"Von-Hand-Fahren" in den Produktionsprozeß intervenieren. Gegen-
über diesen Fertigwalzern sind die übrigen Steuerleute weisungs-
gebunden. Sie sind nicht in der Lage, selbständig diejenigen Kor-
rekturen vorzunehmen, die im Störungsfall oder bei unvorhergese-
henen Programmänderungen objektiv erforderlich sind. Während die
Fertigwalzer die höchste Lohngruppe (LG 10) plus Zuschläge erhal-
ten, sind die 1. Steuerleute überwiegend in Lohngruppe 9 und die
2. Steuerleute in Lohngruppe 8 eingestuft, wobei sich je nach Be-
triebszugehörigkeit und anderen Kriterien die Lohndifferenzierung
nach unten verlängern kann. Abgesehen davon, daß auch die Fertig-
walzer keineswegs über Qualifikationen auf wissenschaftlichem Ni-
veau verfügen, belegt die Differenzierung der Qualifikationen bei
den Steuerleuten, daß zwar einerseits nach Umstellung des Warm-
walzwerks auf die neue Breitbandstraße die Qualifikationen der
allerdings zahlenmäßig verringerten Schichtbelegschaften insge-
samt nicht gesunken sind, sich aber andererseits die Qualifikati-
onsdifferenzierung auf höherer technischer Stufenleiter wieder-
herstellt.
Qualifikationen, die den Fertigwalzern aufgrund der Produktiv-
kraftentwicklung zugestanden werden müssen, werden den übrigen
Steuerleuten vorenthalten. Vom Interessenstandpunkt der gesamten
Gruppe der Steuerleute her betrachtet, handelt es sich durchaus
um eine Qualifikationspolarisierung, in der die Logik der Kapi-
talverwertung dem Interesse aller Steuerleute an einer möglichst
umfassenden qualifikatorischen Beherrschung der gegenständlichen
Arbeitsbedingungen und einer entsprechenden Entlohnung entgegen-
gesetzt ist.
Eine der Ursachen für die optimistischen Prognosen der Projekt-
gruppe, die kritische Gegenstimmen herausgefordert haben, liegt
vermutlich in der problematischen Bezugsbasis der empirischen Un-
tersuchung; denn die Projektgruppe erhebt ihr Datenmaterial
hauptsächlich an solchen Arbeitsplätzen, an denen schöpferische
Aspekte der Arbeit, Identifikation mit der Arbeit, Problemlö-
sungsinteresse, Verantwortungsbewußtsein und kooperative Arbeits-
beziehungen in relativ hohem Maß kumulieren 29). Nun läßt sich
jedoch Automation nicht auf Arbeitstätigkeiten reduzieren, die in
der Tat beweisen, daß der Kapitalismus nicht in jedem Falle De-
qualifikation bewirkt, sondern - zumindest in begrenztem Ausmaß -
schöpferische Fähigkeiten der Produzenten in Anspruch nehmen muß,
ohne die der Kapitalverwertung eine wichtige Grundlage entzogen
würde. Allerdings spiegeln sich die "sozialen Folgen" der Automa-
tion nicht allein in der Arbeit hochqualifizierter Systemanalyti-
ker, Programmierer, Operatoren, Meßwarte und Regeltechniker, son-
dern ebenso - wenn nicht sogar in weitaus typischeren Erschei-
nungsformen - in solchen Arbeitsfunktionen wider, die massenhaft
substituierbar sind und in denen sich gleichsam die "Normal-
struktur" von Automationsarbeit verkörpert. Obwohl die Be-
schreibung des Samples der Projektgruppe auch Hinweise darauf
enthält, daß vergleichsweise niedrig qualifizierte Gruppen von
Automationsbeschäftigten wie Locherinnen und Datentypistinnen
ebenfalls berücksichtigt wurden, liegt das Schwergewicht der Da-
teninterpretation ganz offenkundig auf hochqualifizierten Automa-
tionsarbeiten. Sowohl in der Struktur der Stichprobe als auch in
der selektiven Auswertung des Datenmaterials ist deshalb die Ge-
fahr einer die wirkliche Qualifikationsentwicklung verzerrenden
theoretischen Interpretation angelegt.
Neuere empirische Studien, die sich wie die Untersuchungen der
Projektgruppe von einem "arbeitsorientierten" Wissenschaftsver-
ständnis lenken lassen, kommen, indem sie die Durchschnittsbedin-
gungen von Automationsarbeit zum Gegenstand haben, zu Ergebnis-
sen, die denen der Projektgruppe teilweise diametral entgegenge-
setzt sind.
Diese Studien stützen eher die Position der Vertreter der
"Polarisierungsthese". W. Kudera u.a., die Betriebsräte von 84
Betrieben der bayerischen Metallindustrie über die Auswirkungen
von Rationalisierungen auf die Angestellten befragten, stellten
eindeutig fest, daß der Einsatz von EDV sowie andere technische
und arbeitsorganisatorische Rationalisierungen positive Verände-
rungen der Arbeitssituation allenfalls - von wenigen Ausnahmen
abgesehen - für höher gruppierte Angestellte in leitenden Funk-
tionen nach sich ziehen. Dagegen werden die negativen Folgen auf
die Arbeitsbelastung, die Dispositionsspielräume in der Arbeit,
auf die Arbeitsinhalte und Qualifikationen als so gravierend be-
schrieben, daß sie kaum etwas von jener optimistischen Perspek-
tive erkennen lassen, die sich nach Auffassung der Projektgruppe
den Automationsarbeitern erschließt 30). Bestätigt wird die
"Polarisierungsthese" weiterhin von einer im Auftrag des Bundes-
ministers für Forschung und Technologie durchgeführten, inhalt-
lich gleichwohl "arbeitsorientierten" Studie über EDV-Systeme und
Arbeitsorganisation. Obwohl diese 1977 als Forschungsbericht ver-
öffentlichte Studie auf einer schmalen empirischen Basis aufbaut
- untersucht werden jeweils drei Unternehmen der Stahlindustrie
und des Bankgewerbes - und wegen des weitgehend qualitativen Cha-
rakters der empirischen Forschungsmethode nur bedingt verallge-
meinerungsfähige Aussagen zuläßt, dürfen die zumindest in der
Frage der Qualifikationsentwicklung gezogenen dezidierten
Schlußfolgerungen als Beleg gelten, der die "Polarisierungsthese"
stützt: "Zusammenfassend läßt sich sagen, daß der EDV-Einsatz im
Hinblick auf die Qualifikationsanforderungen zweierlei wichtige
Veränderungen mit sich bringt: Während routinisierte Arbeiten
herkömmlicher Art weitgehend dadurch entfallen, daß sie auf Ma-
schinen übertragen werden, findet gleichzeitig eine Abspaltung
und Reorganisation der Arbeitsaufgaben statt, die in der Tendenz
darauf hinaus läuft, daß neben wenigen höherqualifizierten Tätig-
keiten neue minderqualifizierte entstehen bzw. alte reproduziert
werden" 31).
Von der Polarisierung seien in erster Linie Sachbearbeitertätig-
keiten auf mittlerer Qualifikationsstufe und Tätigkeiten auf un-
terer, ausführender Qualifikationsstufe betroffen. Obwohl an ein-
zelnen Arbeitsplätzen neue Qualifikationen entstünden und Ar-
beitsfunktion mit bereits dispositivem Charakter teilweise quali-
fikatorisch angereichert würden, verringert der EDV-Einsatz ins-
gesamt den Qualifikationsgrad der Belegschaften. Deshalb sehen
die Autoren der Studie ihre Hypothese vorn "abnehmenden quantita-
tiven Gewicht der menschlichen Arbeit" im Zuge der Automation zu-
mindest hinsichtlich des Personalbestandes und der Qualifikati-
onshöhe sowohl in der materiellen Produktion (Stahlindustrie) als
auch in Arbeitsprozessen der Zirkulation (Bankgewerbe) als im we-
sentlichen verifiziert an.
5. Qualifikationsentwicklung und Strategie der Arbeiterbewegung
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Forschungsergebnisse, die den bedrohlichen Charakter von Automa-
tion für die Arbeitsbedingungen und die Qualifikation unterstrei-
chen, finden ihre überzeugendste Bestätigung in der Praxis der
Klassenauseinandersetzungen selbst. Hier zeigt sich nämlich, daß
der Prozeß der Automation unter kapitalistischen Bedingungen zwar
einerseits höhere Qualifikationen erfordert, andererseits aber
Technologien ermöglicht, die - und das ausschließlich ist ihr
ökonomischer Zweck - menschliche Arbeit auf breiter Front ver-
drängen, um den Verwertungsgrad des eingesetzten Kapitals zu er-
höhen.
In dem Maß, wie Automation die technisch-organisatorischen Durch-
schnittsbedingungen zahlreicher arbeitsintensiver Arbeitsprozesse
zu prägen beginnt, verbreitert und beschleunigt sich die Dequali-
fikationstendenz für große Beschäftigtengruppen, wie z.B. Bild-
schirmarbeit an vielen Arbeitsplätzen schon jetzt deutlich macht
32). Diese Tendenz wird jedoch nicht durch die weitere Entfaltung
der Produktivkräfte selbst aufgehoben, sondern verlangt - vom In-
teressenstandpunkt der betroffenen Lohnabhängigen her gesehen -
den organisierten praktischen Widerstand gegen die Auswirkungen
dieser neuen technologischen "Kriegsmittel des Kapitals" (Marx)
gegen die lebendige Arbeit. Die während der vergangenen Jahre in
der Metall- und Druckindustrie geführten Arbeitskämpfe gegen De-
qualifizierung und Abgruppierung liefern den Beweis dafür, daß
die widersprüchliche Entwicklung der Qualifikationsstruktur durch
die Bewegung des Kapitals bestimmt ist. Daß die Gewerkschaften
sich von ihren früher häufig vorgetragenen sorglos optimistischen
Einschätzungen des technischen Fortschritts auch unter dem Aspekt
der Qualifikationen zu lösen beginnen, hat sich in dem neuen
Grundsatzprogramm des DGB niedergeschlagen, wo der Dequalifizie-
rung der Kampf angesagt wird 33).
In diesem Zusammenhang muß außerdem hervorgehoben werden, daß
sich Prozesse der Dequalifizierung nicht auf Veränderungen der
Arbeitssituation der lohnabhängig Beschäftigten beschränken, son-
dern daß Arbeitslosigkeit auch als spezifische Form von Dequali-
fikation und zwar als die für die Betroffenen härteste und fol-
genschwerste zu bezeichnen ist. Darauf hinzuweisen ist gerade
deshalb wichtig, weil auch die gesellschaftskritische sozialwis-
senschaftliche Qualifikationsforschung dazu neigt, ihr Interesse
auf diejenigen Gruppen der Lohnabhängigen zu begrenzen, die
(noch) im Arbeitsprozeß stehen. Aussagen über die Richtung der
Qualifikationsbewegung, die den Tatbestand von Arbeitslosigkeit
als gesetzmäßige Folge der zyklischen Schwankungen kapitalisti-
scher Akkumulation ausklammern, abstrahieren davon, daß Verände-
rungen der Qualifikationsstruktur an die Arbeitskraft als Ware,
also an deren Verkaufs- und Reproduktionsbedingungen gebunden
sind. Die Entwicklung von Qualifikationen im Produktionsprozeß
setzt voraus, daß ihre gesellschaftlichen Träger, die Lohnarbei-
ter, Beschäftigung finden; denn das Kapital hat an bestimmten
Qualifikationen nur insoweit Interesse, als es sie im Produkti-
onsprozeß zum Zweck der Verwertung "produktiv konsumieren" kann.
Die der Arbeitslosigkeit unter dem Gesichtspunkt der Qualifikati-
onsentwicklung zukommende sozialökonomische Bedeutung hat der
französische Marxist Pierre Noppart folgendermaßen zutreffend be-
schrieben: "Die Arbeitslosigkeit ist der erste Ausdruck dieser
Krise der Qualifikation: sie nimmt die Form einer gigantischen
Vergeudung menschlicher Produktivkräfte an und betrifft diejeni-
gen, die das Kapital aus dem Produktionsprozeß herausdrängt sowie
diejenigen, die es außerhalb in Reserve hält. Die Dauer der Be-
rufstätigkeit und die Berufserfahrung schützen die Werktätigen
immer weniger vor dem Dequalifizierungsrisiko, das aus den Be-
triebsschließungen und den ungerechtfertigten Entlassungen resul-
tiert. Man vergeudet die erworbene Berufserfahrung. Die erzwun-
gene Rotation der Arbeitskräfte im Betrieb, die Intensivierung
der produktiven Arbeit und die Überschwemmung des Arbeitsmarktes
durch eine wachsende Zahl von Leuten, die eine qualifizierte Be-
schäftigung suchen, führen dazu, daß die Arbeitsplätze im Produk-
tions- und Dienstleistungsbereich immer instabiler und immer
stärker angreifbar werden. Die Gefühle der Unsicherheit und Zu-
kunftsangst, die sie bei den arbeitenden Menschen hervorrufen,
sind eine wichtige Dimension der Beschäftigungs- und Qualifikati-
onskrise" 34).
Welche Schlußfolgerungen sind aus den bisherigen Überlegungen für
eine Kritik an den theoretischen und methodologischen Positionen
der Projektgruppe "Automation und Qualifikation" zu ziehen? Eine
erste zusammenfassende Antwort lautet: Dequalifizierung und Ent-
lassung als schärfste Formen von Qualifikationsverlust, die durch
den kapitalistisch vorangetriebenen und angewandten wissenschaft-
lich-technischen Fortschritt verursacht werden, lassen sich durch
Qualifikationspolitik nur erfolgreich bekämpfen, wenn diese nicht
zum Dreh- und Angelpunkt antikapitalistischer Strategie dekla-
riert, sondern als ein spezifisches, an Bedeutung gewinnendes
Kampffeld begriffen wird, das die "traditionellen" Frontlinien
zwischen Kapital und Arbeit erweitert. Als Erscheinungsformen,
die in den strukturellen Gesetzmäßigkeiten der kapitalistischen
Akkumulation begründet sind, erfordern Prozesse der Dequalifizie-
rung und Entwertung der Arbeitskraft seitens der Arbeiterbewegung
strategische Antworten, die zwar die Dimension der Entwicklung
des Menschen in der Arbeit als wesentliches Element einbeziehen,
gleichzeitig aber, über Probleme der Stellung der Arbeitenden im
technisch hochentwickelten Arbeitsprozeß hinausgehend, die Frage
beantworten, wie die Arbeiterklasse in den Mechanismus der Akku-
mulation eingreifen kann. Die Bewegungsform der monopolkapitali-
stischen Akkumulation als dominierendes gesellschaftliches Ver-
hältnis ist den konkreten Erscheinungsformen der Produktiv-
kraftentwicklung und also auch der Qualifikationsstruktur logisch
vorausgesetzt und konstituiert diese überhaupt erst.
Forderungen, die sich auf eine Höherqualifizierung der Arbeiten-
den im unmittelbaren Produktionsprozeß beziehen, müssen deshalb
mit politischen Forderungen verknüpft werden, deren praktische
Durchsetzung es der Arbeiterbewegung ermöglicht, auf strukturelle
Entscheidungen über Entwicklung und Einsatz von Produktivkrafte-
lementen betrieblich und überbetrieblich Einfluß zu nehmen. 35)
Was von der Projektgruppe hinsichtlich der Funktion von Mitbe-
stimmung, Arbeiterkontrolle, Investitionslenkung und Struktur-
und regionalpolitischen Steuerungsinstrumenten entweder nur zag-
haft oder beiläufig angesprochen wird, muß in den Mittelpunkt
wissenschaftlicher Überlegungen treten, die sich der Unterstüt-
zung der Arbeiterbewegung verpflichtet fühlen.
Es gilt deshalb, die Frage zu diskutieren und fortschreitend bes-
ser und konkreter zu beantworten, wie die aus den materiellen Be-
dingungen technisch hochentwickelter Arbeitsprozesse sich erge-
benden Anforderungen an die Arbeitenden in eine Strategie antika-
pitalistisch-demokratischer Reformen einbezogen werden, die den
Arbeits- und Lebensbedingungen der Gesamtheit der Lohnabhängigen
und nicht nur einzelner ihrer Abteilungen Rechnung trägt.
Es ist die Ungleichzeitigkeit und Widersprüchlichkeit kapitali-
stischer Produktivkraftbewegung selbst, die den wissenschaftlich
zu begründenden Vermittlungsprozeß der Interessen aller Lohnab-
hängigen erfordert, will die Analyse der Produktivkräfte und der
Entwicklung der menschlichen Arbeit empirisch die Totalität der
Arbeitsbedingungen nicht verfehlen und nicht zu einer Privilegie-
rung derjenigen Beschäftigungsgruppen führen, die an der Spitze
der Produktivkraftentwicklung stehen.
_____
1) Vgl. Friedrich Pollock, Automation. Materialien zur Beurtei-
lung ihrer ökonomischen und sozialen Folgen, Frankfurt am Main
1964. Der Begriff der Polarisierung wird hier bereits verwendet,
vgl. S. 261.
2) Horst Kern/Michael Schumann, Industriearbeit und Arbeiterbe-
wußtsein, 2 Bde, Frankfurt am Main 1970.
3) Vgl. James R. Bright, Automation und Management, Boston 1958;
ders., Does Automation raise Skill Requirements? in: Harvard Bu-
siness Review, Cambridge (Mass./USA), Juli/August 1958 (Vol. 36).
4) Vgl. Alain Touraine, La conscience ouvrière, Paris 1966; Serge
Mallet, Die neue Arbeiterklasse, Neuwied und West-Berlin 1972.
5) Zur Kritik am Konzept der "neuen Arbeiterklasse" vgl. Frank
Deppe/Hellmuth Lange/Lothar Peter (Hrsg.), Die neue Arbeiter-
klasse. Technische Intelligenz und Gewerkschaften im organisier-
ten Kapitalismus, Frankfurt am Main 1970.
6) Vgl. das Vorwort von Kern/Schumann in der 1977 erschienenen
Studienausgabe von "Industriearbeit und Arbeiterbewußtsein"
(Frankfurt/M. 1977).
7) Zur neuen Kritik am Technikbegriff Kerns und Schumanns vgl.
Sebastian Herkommer/Heinz Bierbaum, Industriesoziologie. Be-
standsaufnahme, Kritik, Weiterentwicklung, Stuttgart 1979, beson-
ders S. 102-107.
8) Frank Deppe, Das Bewußtsein der Arbeiter. Studien zur politi-
schen Soziologie des Arbeiterbewußtseins, Köln 1971, S. 110.
9) Vgl. im folgenden: O. Mickler/E. Dittrich/U. Neumann, Technik,
Arbeitsorganisation und Arbeit. Eine empirische Untersuchung in
der automatisierten Produktion, Frankfurt am Main 1976.
10) Ebd., S. 452/453.
11) Vgl. Projektgruppe Automation und Qualifikation, Theorien
über Automationsarbeit, Band EU, Argument-Sonderband 31, West-
Berlin 1978.
12) Diesen präzisen Ausdruck verwendet K.H. Tjaden, um den durch
vergesellschaftende Arbeit hergestellten Zusammenhang von Natur-
evolution und gesellschaftlicher Entwicklung zu bezeichnen. Vgl.
K.H. Tjaden, Naturevolution, Gesellschaftsformation, Weltge-
schichte. Überlegungen zu einer gesellschaftswissenschaftlichen
Entwicklungstheorie, in: Das Argument 101/1977, S. 30.
13) Zu diesem Problem vgl. verschiedene Arbeiten von Robert Kat-
zenstein, so zum Beispiel: Technischer Fortschritt - Kapitalbewe-
gung - Kapitalfixierung. Einige Probleme der Ökonomie des fixen
Kapitals
unter den gegenwärtigen Bedingungen der Vergesellschaftung der
Produktion im staatsmonopolistischen Kapitalismus, Berlin 1974.
14) Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Wirtschaft und Statistik,
Wiesbaden, Stuttgart und Mainz, 2/1979, S. 112 (Tabelle).
15) Vgl. dazu im folgenden Robert Katzenstein, Zur Monopolproble-
matik. Ein Beitrag zur Diskussion um den Staatsmonopolistischen
Kapitalismus, in: Sozialistische Politik, 28/1974, besonders S.
102-109.
16) Ebd., S. 104/105.
17) Vgl. Edgar Gärtner, Arbeiterklasse und Ökologie, Frankfurt am
Main 1979.
18) Zur systematischen Einordnung dieses Problems in die gesell-
schaftliche Entwicklung vgl. K.H. Tjaden, Naturevolution, Gesell-
schaftsformation, Weltgeschichte, a.a.O. S. 32 ff.
19) Zur gesellschaftlichen Entwicklung und Sozialstruktur der
wissenschaftlich-technischen Intelligenz vgl. Christof Kieven-
heim/Dorlies Pollmann, Die Intelligenz der BRD 1950-1970, Teil in
der MSF-Studie über "Klassen- und Sozialstruktur der BRD 1950-
1970", Frankfurt am Main 1974. Selbst die wissenschaftlich-tech-
nische Intelligenz ist aber von Dequalifikationstendenzen nicht
ausgeschlossen, wie etwa die Veränderungen von universitären Aus-
bildungsgängen, die soziale Hierarchisierung bestimmter Akademi-
kergruppen (z.B. Lehrer und Ingenieure) und nicht zuletzt die
hohe Zahl arbeitsloser Akademiker in der Krise zeigen (vgl. Bernd
Güther, Arbeitslosigkeit von Hoch- und Fachhochschulabsolventen
in der BRD, Informationsbericht Nr. 28 des IMSF, Frankfurt am
Main 1977.)
20) Vgl. dazu Beispiele in Lothar Peter, Werner Petschick und
Peeter Raane, Rationalisierung. Auswirkungen - Antworten. 5.
Nachrichten-Seminar, Referate und Diskussionsbeiträge, Frankfurt
am Main, o.J. (1980), S. 13/14 u. S. 22.
21) Vgl. Forschungsgruppe Produktivkraftentwicklung Nordhessen
(Gesamthochschule Kassel), Forderungen für den Schwalm-Eder-
Kreis. Grundlinien einer arbeitsorientierten Strukturpolitik für
ein unterentwickeltes agrarisch-industrielles Gebiet, Kassel
1980, besonders S. 208 ff. u. S. 247 ff.
22) Klaus Hermann/Eckart Teschner, Taylorisierung geistiger Ar-
beit? - Entwicklungstendenzen der Arbeits- und Berufssituation
technischer Angestellter in der Industrie. Unveröff. Manuskript,
Frankfurt am Main 1971, S. 2/3.
23) Zur näheren Bestimmung des Verhältnisses von "allgemeinem Ar-
beitsvermögen" und "Qualifikation" vgl. Lothar Peter, Probleme
und Tendenzen der Qualifikationsstruktur der Arbeiterklasse im
staatsmonopolistischen Kapitalismus, in: Sozialistische Politik,
26/1973, S. 7-27.
24) J.F. Kusmitschew, Das 'Gesetz der Komplizierung der Arbeit'
und die Qualifikationsentwicklung der Arbeitskraft, in: IMSF
(Hrsg.), Qualifikations- und Werttendenz der Arbeitskraft heute,
Frankfurt am Main 1980, S. 15 (Theorie und Methode Bd. IV).
25) Projektgruppe Automation und Qualifikation, Band IV: Automa-
tionsarbeit, empirische Untersuchungen Teil l, Argument-Sonder-
band 43, West-Berlin 1980, S. 23.
26) Projektgruppe Automation und Qualifikation, Band III: Theo-
rien..., a.a.O., S. 17.
27) Vgl. im folgenden Projektgruppe Automation und Qualifikation,
Band IV: Automationsarbeit..., a.a.O., S. 147-169.
28) Vgl. unveröffentliches Arbeitspapier über die Arbeitsorgani-
sation eines Warmwalzwerks im norddeutschen Raum, Bremen
(Universität) 1977.
29) Vgl. Projektgruppe Automation und Qualifikation, Band IV: Au-
tomationsarbeit..., a.a.O.
30) Werner Kudera/Konrad Ruff/Rudi Schmidt/Theodor Wentzke, Be-
triebliche Rationalisierung und Angestellte. Eine Umfrage unter
Betriebsräten der bayerischen Metallindustrie, Köln 1979.
31) G. Brandt/B. Kündig/Z. Papadimitriou/J. Thomae, Sozioökonomi-
sche Aspekte des Einsatzes von Computersystemen und ihre Auswir-
kungen auf die Organisation der Arbeit und die Arbeitsplatzstruk-
tur, Frankfurt am Main 1977, S. 220.
32) Vgl. DGB (Hrsg.), Bildschirmarbeit - human gestalten, Düssel-
dorf 1980.
33) Vgl. den Wortlaut des neuen Grundsatzprogramms in: Nachrich-
ten zur Wirtschaft- und Sozialpolitik, 4/1981, S. 14. Ferner: M.
Jansen/K. Pickshaus, Das Grundsatzprogramm der DGB. Antwort auf
die Probleme der 80er Jahre? in: Blätter für deutsche und inter-
nationale Politik, 6/1981, S. 720 ff.
34) Pierre Noppart, Die Vergeudung der Qualifikation - eine sy-
stematische Politik des staatsmonopolistischen Kapitalismus in
Frankreich, in: IMSF (Hrsg.), Qualifikations- und Werttendenz der
Arbeitskraft heute..., a.a.O., S. 171 und 173/174.
35) Vgl. Lothar Peter, Wissenschaftlich-technischer Fortschritt,
neue Technik und Arbeiterbewegung, in: Marxistische Studien,
Jahrbuch des IMSF 2/1979, Frankfurt am Main 1979.
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