Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 05/1982


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SOZIALPOLITIK IN DER WIRTSCHAFTSKRISE - KRISE DER SOZIALPOLITIK

Angelina Sörgel 1. Fragestellung - 2. Sozialpolitik in der Krise - Krise der So- zialpolitik? / Verbesserungen der 70er Jahre / Rücknahme der Re- formen - 3. Sozialpolitik als Ausdruck der Sozialfunktion des SMK-Staates / Aufgaben und Problemfelder / Leistungsabbau - 4. Perspektiven 1. Fragestellung ---------------- Die BRD erlebt gegenwärtig, 1981/82, den bisher schärfsten Sozi- alabbau ihrer Geschichte. Artikel und Meldungen immer neuer Kür- zungen überschlagen sich - Analysen und Kritiken der Sparpolitik folgen einander dicht auf dem Fuße. An dieser Stelle soll den zahlreichen informativen Darstellungen der Kürzungsmaßnahmen im Sozialbereich 1) nicht noch eine weitere hinzugefügt werden. Ich möchte vielmehr die Gelegenheit nutzen, mich einigen grundsätzlichen Fragen und Problemen der Sozialpoli- tik im SMK zuzuwenden, die sich angesichts dieser Krise neu oder anders stellen: 1. Wir waren es in der Geschichte der BRD bisher gewohnt, die So- zialdemokratie als Träger des Reformismus zu sehen, d.h. als eine politische Kraft, die soziale Reformen durchführt, die im Rahmen der bestehenden Eigentumsverhältnisse das Los der arbeitenden Menschen erleichtern - nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ge- genwärtig erleben wir dagegen die Einschränkung sozialer Rechte durch eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung. 2. Die gegenwärtige Politik und ihre Auswirkungen auf die soziale Lage der Bevölkerung wird mit Recht durch marxistische, linksso- zialdemokratische und andere fortschrittliche Wissenschaftler, Journalisten, Politiker als eine erneute Bestätigung dafür ange- sehen, daß soziale Zugeständnisse nicht freiwillig gewährt wer- den. Sie sind Ergebnis des täglichen Klassenkampfes und als sol- ches prinzipiell gefährdet, besonders in Zeiten der wirtschaftli- chen Krise, in der die Position der Arbeiterbewegung geschwächt ist; mit anderen Worten, sie sind "konjunkturanfällig". 2) Auf der anderen Seite enthalten die sozialen Leistungen auch ein öko- nomisches Element. Sie dienen der Reproduktion der Ware Arbeits- kraft. In welchem Verhältnis stehen nun ökonomische Reprodukti- onsbedingungen des Kapitals und soziale Bedürfnisse der Arbeiter- klasse? Mit anderen Worten: Was ist der Kern der Sozialpolitik im SMK der BRD, und ist dieser durch die Kürzungen im Sozialbereich betroffen? 3. Die Behandlung dieser Frage erlaubt es, den gegenwärtigen So- zialabbau, vor allem aber die bisherige weitgehende Duldung die- ses Abbaus durch die Gewerkschaftsbewegung und die Tendenzen der weiteren Entwicklung präziser einzuschätzen. Die Grenzen des So- zialstaats nach unten sind ökonomisch und politisch bestimmt; das eine ist aber mit dem anderen vermittelt: Die politische Bereit- schaft, sich zur Wehr zu setzen, hängt auch mit dem Niveau der materiellen Lebenssicherung zusammen. Die Schärfe des Abbaus so- zialer Leistungen muß also vor dem Hintergrund des erreichten Standes der sozialen Versorgung beurteilt werden, der materiellen Grundlage der dominierenden Politik der Sozialpartnerschaft, um beurteilen zu können, ob die von der Regierung geforderte "Sozialpartnerschaft auf niedrigerem Niveau" auch weiterhin von dem überwiegenden Teil der Arbeiterbewegung als Strategie für die 80er Jahre akzeptiert wird. 2. Sozialpolitik in der Krise - Krise der Sozialpolitik? -------------------------------------------------------- Die soziale Frage ist im Kapitalismus durch die Lohnarbeit be- stimmt; Armut ist die Folge der Akkumulation des Kapitals, die Lebensbedingungen sind wesentlich durch die industriellen Ar- beitsbedingungen festgelegt, Existenzunsicherheit entspringt dem Gang der kapitalistischen Wirtschaft. Sozialpolitik richtet sich daher im Prinzip auf die Anforderungen und Folgewirkungen kapita- listischer Produktion - auf die Ausbildung und Erhaltung der Ar- beitskraft, auf die Arbeitsbedingungen, auf die Milderung sozi- aler und ökologischer Fehlentwicklungen, die der kapitalistischen Produktionsweise entspringen - und auf die Abschwächung der Unsi- cherheit der Existenz der Lohnarbeit. Die staatliche Sozialpolitik hat ihre Grenze in den privaten Ei- gentumsverhältnissen; sie erstreckt sich daher nicht bzw. nur in Form der Rahmengesetzgebung 3) auf die betrieblichen Arbeitsbe- dingungen. Ihr eigentlicher Gegenstand im engeren Sinne ist die materielle Absicherung im Alter, bei Krankheit und Arbeitslosig- keit; die Versorgung mit sozialer Infrastruktur; monetäre Aus- gleichszahlungen und Sachleistungen. Über die soziale Lage der Beschäftigten im Betrieb entscheidet wesentlich die unmittelbare Kampfkraft der Arbeiterklasse und ihrer Gewerkschaften. Verbesserungen der 70er Jahre ----------------------------- Die sozialen Bedingungen der Arbeiterklasse haben sich unter der SPD/FDP-Koalition gegenüber den Jahren davor verbessert, beson- ders in der ersten Hälfte der 70er Jahre. Betrieblicher Bereich --------------------- Im b e t r i e b l i c h e n B e r e i c h sind vor dem Hin- tergrund des hohen Wachstums der 70er Jahre Zuwächse der Einkom- men erzielt worden. Die bereinigte Bruttolohnquote stieg von 61,8% in 1969 auf 66,1% in 1974 an; durch den Reallohnabbau der letzten drei Jahre ist sie heute auf 65% gefallen. Eine ganze Reihe von Maßnahmen wurde verabschiedet, die die Be- dingungen der Beschäftigten im Betrieb in verschiedener Hinsicht verbessern. - Das B e t r i e b s r e n t e n g e s e t z sichert die Un- verfallbarkeit von Anwartschaften auf eine spätere Betriebsrente auch beim Wechsel des "Arbeitgebers". Die Firmen sind Zwangsmit- glieder im "Pensionierungs-Sicherungsverem". 1976 verfügten 36% der Unternehmen über betriebliche Altersversorgungssysteme, und 65% der abhängig Beschäftigten hatten einen Anspruch auf Be- triebsrente erworben. Die durchschnittliche Höhe schwankt aller- dings sehr stark. 4) - Das K o n k u r s a u s f a l l g e l d garantiert den Be- schäftigten gegebenenfalls den rückständigen Nettoverdienst der letzten drei Monate bei Konkurs des Unternehmens. Es wird vom Ar- beitsamt gezahlt. 1981 gab es 11 653 Insolvenzen. - Durch das A r b e i t s s i c h e r k e i t s g e s e t z werden Betriebsärzte verbindlich vorgeschrieben für Unternehmen ab einer gewissen Größenordnung oder für mehrere Unternehmen ein Werksärztezentrum. - Durch die A r b e i t s s t ä t t e n v e r o r d n u n g und die A r b e i t s s t o f f v e r o r d n u n g werden sicher- heitstechnische, hygienische und medizinische Anforderungen an die Arbeitsstätten selbst und an giftige, explosive und sonstwie gefährliche Hilfs-, Roh- und Betriebsstoffe gestellt. - D e r J u g e n d a r b e i t s s c h u t z und d e r M u t t e r s c h u t z wurden ebenfalls verbessert. Für die Ju- gendlichen gilt die 5-Tage-Woche mit mindestens 2 beschäftigungs- freien Sonnabenden und Sonntagen; der Urlaub wurde verlängert auf 25 bis 30 Arbeitstage (nach Alter) und die Freistellung an Be- rufsschultagen erweitert. Werdende Mütter erhalten einen verbes- serten Arbeitsschutz, erhöhte gesundheitliche Vorsorge und die Möglichkeit, nach den jetzt 8 Wochen gesetzlichen Mutterschutzes weitere 4 Monate in Anspruch zu nehmen. - Die L o h n f o r t z a h l u n g im Krankheitsfall wurde auch für die Arbeiter in voller Höhe durchgesetzt. - Schließlich ist auch die b e r u f l i c h e B i l d u n g auf ein höheres Niveau gehoben worden; in einigen Bereichen wurde die Stufenausbildung eingefühlt, das Berufsgrundbildungsjahr und die Möglichkeiten der Umschulung und beruflichen Fortbildung durch das Arbeitsförderungsgesetz geschaffen. Alle diese Gesetze bleiben in vielen Punkten hinter den Forderun- gen der Gewerkschaften, die selbst bereits Kompromißcharakter tragen, zurück. Es besteht auch eine erhebliche Diskrepanz zwi- schen den neuen Rechtsansprüchen und ihrer Durchsetzung in den Betrieben. 5) Bei aller Relativierung spielen sie aber eine Rolle für das tägliche Arbeitsleben von rund 80% der Beschäftigten. Reproduktionsbereich -------------------- Im Bereich der P r o d u k t i o n u n d R e p r o d u k- t i o n d e r A r b e i t s k r a f t wurde für zahlreiche Leistungen der Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert, sie wurden dynamisiert, und es wurden auch neue Leistungen einge- führt: - In der A l t e r s s i c h e r u n g wurde die Rentenversi- cherung für Frauen und Selbständige geöffnet sowie für Arbeits- lose, die Geldleistungen nach dem AFG erhalten. Die Rente nach Mindesteinkommen ist eingeführt worden, und es wurde die flexible Altersgrenze geschaffen. Gleichzeitig wurden 1972 die jährliche Rentenanpassung um ein halbes Jahr vorgezogen, womit sich auch das allgemeine Rentenniveau hebt 6), und die Kriegsopferrenten dynamisiert. - In der G e s u n d h e i t s p o l i t i k wurden die gesetz- liche Krankenversicherung für Studenten, Landwirte und Selbstän- dige geöffnet, der Leistungskatalog um die Vorsorge erweitert, ein Anspruch auf unbegrenzten Krankenhausaufenthalt eingeräumt, die Rehabilitationsleistungen vereinheitlicht und die Mutter- schaftshilfe sowie die Leistungen für Maßnahmen im Rahmen des § 218 ausgebaut. Auch der Anspruch auf eine Haushaltshilfe bei Krankheit eines Kindes bzw. auf fünf bezahlte freie Tage wurde von der SPD/FDP-Regierung eingeführt. 7) - Im s c h u l i s c h e n B i l d u n g s w e s e n wurde durch das Bundesausbildungsförderungsgesetz, das Jugendlichen in- nerhalb bestimmter Einkommensgrenzen der Eltern den Lebensunter- halt und die Ausbildungskosten bis zur Vollendung des jeweiligen Ausbildungsweges decken soll und als Zuschuß oder als Darlehen gezahlt wird, die Chancengleichheit erhöht. - Schließlich wurden die m o n e t ä r e n T r a n s f e r s ausgebaut durch die Einführung des Kindergeldes, des Wohngeldes und des Prämiensparens. In der Sozialhilfe wurden die Regelsätze 1971 um 20% angehoben und danach jährlich gemäß der Preisentwick- lung angepaßt, die Hilfe zum Lebensunterhalt erhöht und die Rück- griffsmöglichkeiten auf Familienangehörige erschwert. 8) - Daneben erhöhten sich die Investitionen und Personalausgaben im Gesundheits- und Bildungsbereich in den 70er Jahren beträchtlich. Die Verabschiedung aller dieser Gesetze konzentriert sich im we- sentlichen auf die erste Hälfte der 70er Jahre. Mit der Krise 1974 kam die sozialliberale Reformpolitik ins Stocken; schon ab 1975, mit dem ersten Haushaltsstrukturgesetz, wurden Reformmaß- nahmen storniert oder wieder zurückgenommen 9); 1976/77 folgten das unsoziale "Sozialpaket" und das 21. Rentenanpassungsgesetz 10), Maßnahmen, die gegenwärtig durch die "Operation '82", die Beschlüsse des Bundesrats zum Abbau der Sozialhilfe und des Deut- schen Städtetages über die Tarif- und Gebührengestaltung der Städte und Gemeinden sowie die geplante "Gemeinschaftsinitiative" ihre Fortsetzung finden. Rücknahme der Reformen ---------------------- Dieser Rückzug aus der Reformpolitik wird mit der Krise der staatlichen Finanzen erklärt. Stagnierende, sogar wieder anstei- gende Arbeitslosigkeit und wachsende Inanspruchnahme des sozialen Systems, Erhöhung des Leistungsniveaus verursachen selbstver- ständlich steigende Ausgaben bei sinkenden Einnahmen im System der sozialen Sicherheit. Seit 1975 ist die Sozialversicherung de- fizitär. Besonders stark sind die Ausgaben der Krankenversiche- rung und der Rentenversicherung in den 70er Jahren gestiegen; al- lerdings mit sinkenden Zuwachsraten in der 2. Hälfte der 70er Jahre, die Folge des 1. Kostendämpfungsgesetzes im Gesundheitswe- sen und der Kürzungen der Rentenansprüche durch das 20. und 21. Rentenanpassungsgesetz sowie der Verlagerung von Finanzierungsla- sten der Rentenversicherung auf andere öffentliche Haushalte (Krankenversicherung und Bundesanstalt für Arbeit) sind. Tabelle 1 Finanzen der Rentenversicherung 1971 1975 1980 1981 2) Einnahmen 1) - in Mill. DM 58571 91554 135731 143127 - Wtr *) in % +13,8 +4,6 +7,8 +5,4 davon - Bundeszuschüsse; - in Mill. DM 7893 11195 22430 19970 - Wtr *) in % +7,8 -4,3 +5,5 -11,0 Ausgaben - in Mill. DM 53012 95142 132989 140042 - Wtr *) in % +10,6 +14,2 +5,4 +5,3 _____ 1) Renten und Bundeszuschüsse nach kassenmäßigem Anfall 2) vorläufige Zahlen *) Wtr = Wachstumsraten Quelle: Monatsberichte der Deutschen Bundesbank 4/82, S. 67 *), eigene Berechnung Für 1982/83 wurde erneut eine defizitäre Entwicklung der Renten- versicherung prognostiziert. Noch explosiver ist die Entwicklung der Ausgaben bei der Bundes- anstalt für Arbeit verlaufen; von 1971"1981 haben sie sich beinahe verfünffacht ( + 472%), während die eigenen Einnahmen um 393% zunahmen. 1981 zahlte der Bund 8 Milliarden DM dazu (vgl. Tab. 2). Tabelle 2 Finanzen der Bundesanstalt für Arbeit 1971 1975 1980 1981 Einnahmen 1) - in Mill. DM 4033 9234 19050 19872 - Wtr *) in % +12,8 +15,6 +8,8 +4,3 Liquiditätshilfe des Bundes - in Mill. DM - 7282 1840 8209 Ausgaben - in Mill. DM 4928 17836 21674 28165 - Wtr *) in % +26,1 +72,3 +9,8 +29,9 davon: - Arbeitslosenunterstützung 2) in Mill. DM 1027 10749 10122 14579 - Beschäftigungsförderung 3) in Mill. DM 1825 3612 6327 7427 _____ 1) Ohne Liquiditätshilfen des Bundes 2) Arbeitslosengeld, Anschlußarbeitslosenhilfe, Kurzarbeitergeld incl. Renten- und Krankenversicherungsbeiträge 3) incl. Renten- und Krankenversicherungsbeiträge *) Wtr = Wachstumsrate gegenüber dem Vorjahr in % Quelle: Vgl. Tab. l, eigene Berechnung Aber es wäre zu einfach, die unsoziale Politik der gegenwärtigen Regierung, ihre Abkehr von konstituierenden Prinzipien der eige- nen Politik alleine durch diese schlichte Rechnung zu erklären, die einen unumgänglichen Zwang zur Haushaltssanierung unter- stellt. Es handelt sich hier nicht um Naturnotwendigkeiten. Der Sozialabbau ist vielmehr Ausdruck einer bestimmten politischen Reaktion auf die Krise. Grundlage der Reformpolitik der SPD stellte das wirtschaftliche Wachstum dar. In den mittel- und langfristig angelegten Program- men Anfang der 70er Jahre wurde ein durchschnittliches reales wirtschaftliches Wachstum von 4 bis 5% jährlich unterstellt, auf dessen Grundlage durch eine bloße Veränderung der Zuwachsraten der Gewinn-und Lohneinkommen und des Staatsanteils nach und nach der staatliche Anteil auf Kosten des privaten vergrößert werden sollte. Charakteristisch für dieses Konzept war die Erwartung im SPD-Langzeitprogramm: "Niemandem wird dadurch etwas genommen". Schon im Orientierungsrahmen '85, der 1975 zu einer Zeit disku- tiert und verabschiedet wurde, als wirtschaftliche Stagnation herrschte, wurde auf weitere Quantifizierungen sozialdemokrati- scher Reformpolitik wohlweislich verzichtet. Es tauchte nun die Frage auf, wie Reformen bei verringertem wirtschaftlichem Wachs- tum zu finanzieren seien. In der Antwort finden sich die wider- sprüchliche Haltung der SPD und der Zwiespalt, in den sie sich begibt, bereits angelegt: Einmal wird darauf verwiesen, daß Reformpolitik durchaus auch bei sinkenden Wachstumsraten möglich sei, der Mitteleinsatz aber ge- zielter vorgenommen werden müsse, und es heißt: "Dabei können schwerwiegende Probleme der Durchsetzung entstehen. Der Wider- stand der Privilegierten wird um so erbitterter sein, je weniger Maßnahmen aus einer Neuverteilung von Zuwächsen finanziert werden können, je mehr sie also aus einer Umverteilung von Besitzständen finanziert werden müssen." 11) Zum anderen wird aber auch hier bereits der "alternative" Weg aufgezeigt; es ist die Rede von Personalkostensenkungen im öffentlichen Dienst, von einer Kon- trolle der öffentlichen Transferzahlungen und von Gebühren- und Abgabenerhöhungen. 12) Die Sozialpolitik in den Jahren der Wirtschaftskrise und -stagnation seit 1974 wird von diesen beiden widersprüchlichen Haltungen bestimmt. Es gibt Kräfte in der SPD, vor allem von ih- rer gewerkschaftlichen Basis her, die versuchen, die einfache Wahrheit, daß dem Arbeiter nichts geben kann, wer dem Kapital nichts nimmt, in ihrer Partei durchzusetzen. Die zahlreichen Re- formen, darunter auch solche, die in Rechte der Unternehmer ein- greifen (Betriebsverfassungsgesetz, Mitbestimmung) oder ihre Ge- winne antasten (Berufsbildungsabgabe, Lohnfortzahlung, Betriebs- renten), belegen das. Auf der anderen Seite gelingt es immer wie- der, diese zu integrieren in das Konzept gewinnorientierter Wirt- schafts- und Sozialpolitik, das inzwischen von dem dominierenden Flügel der SPD vertreten wird und die letztliche Konsequenz nur halbherzig durchgeführter Reformen darstellt: In dem Moment, wo auf eine, auch nur partielle, Veränderung der Eigentumsverhält- nisse verzichtet wird, zentrale gesellschaftliche Planung und Re- gulierung, wenigstens in wichtigen Teilbereichen, nicht stattfin- den darf, eine staatliche Kontrolle der Umsetzung beschlossener wirtschaftlicher und sozialpolitischer Reformen im Herrschaftsbe- reich des Unternehmers entfällt - in dem Moment wird vom Kapital die Politik der marktmäßigen "Herstellung" der Grundlagen der So- zialpolitik erzwungen, wenn die Reformpolitik kein ausreichendes Profitniveau gewährleistet. Eben dies ist aber der Fall: Die hohen Wachstumsraten des "Wirtschaftswunders" gehören endgültig der Vergangenheit an; die Krise 1966/67 kann nicht mehr als einmaliger "Fehltritt" in der wirtschaftlichen Entwicklung angesehen werden, der durch keyne- sianische Wirtschaftspolitik relativ leicht gesteuert werden konnte 13), sondern als der Beginn der Normalisierung kapitali- stischer "Wachstumszyklen". Die Wachstumsraten des BSP lagen in den 50er Jahren im Durchschnitt bei 8%, in den 60er Jahren bei 5% und in den 70er Jahren bei unter 3%. 1981 nahm das BSP um 0,3% ab; für das laufende Jahr 1982 wird mit einem leichten Zuwachs von 0,5-1% gerechnet. Die integrative Kraft der SPD reicht nicht aus, um Störungen der Akkumulation des Kapitals in neuen, profitablen Bereichen zu ver- meiden. Außerhalb der Gewerkschaften, die überwiegend an die SPD gebunden bleiben, formieren sich neue Bewegungen gegen den KKW- Bau, gegen das unsoziale Mietrecht, gegen Zerstörungen der Um- welt, die von der SPD nicht beherrscht werden und "Investitionshemmnisse" darstellen. International kompliziert sich die Situation ebenfalls durch die Entwicklung und Festigung der nationalen Autonomie verschiedener Rohstoffproduzenten der "3. Welt", die sich zusammenschließen und ihre nationalen Interessen gegenüber den rohstoffimportierenden Industrieländern bzw. deren Konzernen behaupten. Zur Überwindung all dieser mittel- und langfristigen Veränderun- gen reichten die herkömmlichen Mittel sozialdemokratischer Wirt- schafts- und Sozialpolitik nicht aus. Das System der Sozialversi- cherung ist auf gleichmäßige Wachstumsraten mit entsprechendem stetigem Einnahmefluß eingerichtet; in der Krise versagt es auf Dauer und müßte zur Finanzierung erhöhter Sozialausgaben durch die Erschließung zusätzlicher Finanzquellen ergänzt werden. Diese könnten im wesentlichen nur durch die Abschöpfung von Gewinnein- kommen erschlossen werden; ein Schritt, der in harten sozialen Auseinandersetzungen erzwungen werden müßte, vor denen die SPD- Führung zurückschreckt. Die Unternehmer dagegen fordern in dieser Situation eine grundsätzliche Veränderung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die ihnen ein angemessenes Profitniveau durch günstige Produktionsbedingungen im Inland und verbesserte Absatz- aussichten im Ausland eröffnet. Verringerung des Staatsanteils und seine Verlagerung zu gewinnfördernden Maßnahmen, begleitet von einem Lohnabbau nach innen, Förderung der Wettbewerbsfähig- keit (durch Technologiepolitik) nach außen, begleitet von wirt- schafts- und militärpolitischer Einmischung oder Bedrohung ande- rer Länder, vor allem der "3. Welt", sind die Kernstücke der ge- wünschten Umorientierung. Diese Situation "verarbeitet" die SPD-Führung mit wachsender Aus- prägung einer zwiespältigen Position. Zum einen macht sie die In- teressen und Forderungen "der Wirtschaft" zur Leitlinie ihres praktischen Handelns und gibt faktisch deren Druck nach. Zum an- deren argumentiert sie gegenüber ihrer Wählerbasis und den Ge- werkschaften, nur die Stimulierung eines investitionsfreundlichen Klimas für das Kapital sei die reale Basis eines wirtschaftlichen Wiederaufschwungs, der mittelfristig die Rückkehr zu den alten Strategien sozialdemokratischer Reformpolitik erlaube. Entspre- chend werden die Gewerkschaften zur analogen Still- und Durchhal- tepolitik ermahnt. Sozialabbau und weitere Aufrüstung, zwei Kehr- seiten ein und derselben Medaille, sollen hingenommen werden als vermeintliche Garanten eines neuen Wachstums. 14) Sozialpolitik wird so in der Tat zur variierbaren Restgröße der Wirtschaftspo- litik. 3. Sozialpolitik als Ausdruck der Sozialfunktion des SMK-Staates ---------------------------------------------------------------- Sozialpolitik ist nicht in das willkürliche Belieben der Regie- rung und des Kapitals gestellt. Sie hat objektive Ursachen und objektive Grenzen, die im erreichten Stand der Produktivkraftent- wicklung, dem Grad der Vergesellschaftung der Arbeit und länger- fristigen demographischen, ökologischen und geographischen Verän- derungen liegen. Daß Sozialpolitik in Reaktion auf sich verän- dernde ökonomische und soziale Bedingungen wachsende Bedeutung gewinnt, zeigt ihre längerfristige Betrachtung. Die Sozialausga- ben im weitesten Sinne ziehen schon in der Weimarer Republik den größten Anteil der Staatsausgaben auf sich, wie aus Tabelle 3 er- sichtlich ist. Die sozial bedingten Ausgaben 15) ziehen 1925 38,5%, 1930 sogar mehr als 40% der staatlichen Ausgaben auf sich. Heute übertreffen die staatlichen Ausgaben im Rahmen der Sozial- funktion die für die Sicherung des Herrschaftsapparates, den zweitgrößten Block. 1977 entfielen auf die Soziale Sicherung 24,8% der direkten Staatsausgaben, 16) zuzüglich der Ausgaben für Bildung, Ausbil- dung, Gesundheit und Sport sogar 57,9%, während die allgemeinen Dienste knapp 28% beanspruchten. 17) Von den laufenden Ausgaben, Bruttoinvestitionen und Vermögensübertragungen zusammen waren es 1979 für die Soziale Sicherung 39%, für alle sozial bedingten Ausgaben 67,8% (s. Tabelle 4). Der Kapitalstock wurde zu 3,2% durch die Soziale Sicherung, zu 30% durch dieselbe zuzüglich Bil- dung und Gesundheit beansprucht; von den Beschäftigten im unmit- telbaren Staatsdienst entfielen 10,4% bzw. 44,2% auf diese Berei- che. 18) In der Tat entfällt der größte Teil der staatlichen Ausgaben, die rund 50% des BSP ausmachen, auf die Reproduktion der Arbeits- kraft. Rund 80% der monetären Transfers und mehr als die Hälfte der Realtransfers fließen den privaten Haushalten zu. Im wesent- lichen handelt es sich dabei um Renten- und Pensionszahlungen und Sachleistungen im Gesundheits- und Schulwesen. Diese Leistungen werden überwiegend durch die abhängig Beschäftigten selber finan- ziert; z. T. durch die versicherungsrechtlichen Zahlungen und Sachausgaben der Sozialversicherung, 19) z.T. über die Steuerzah- lungen. 20) Das ändert aber nichts daran, daß sie über die staat- lichen Apparate umverteilt werden und im öffentlichen Bewußtsein als staatliche Leistungen erscheinen. Die staatlichen Ausgaben für die Sozialfunktion unterliegen Schwankungen. Z.B. ist der Anstieg der Sozialausgaben Ende der 20er Jahre auf die Weltwirtschaftskrise zurückzuführen und wird gefolgt von einem Rückgang in den 30er Jahren, v.a. im 2. Welt- krieg; dem folgt ein erneuter Anstieg in der Nachkriegszeit, der sich dann relativ kontinuierlich bis in die 80er Jahre fortsetzt. Dabei muß ein Anstieg der Ausgaben nicht einmal eine Erhöhung der sozialen Ansprüche der Bevölkerung, eine Leistungsverbesserung, beinhalten. Das Gegenteil ist sogar häufig der Fall, wenn in Kriegs- oder Krisenzeiten trotz erheblicher Verschlechterungen der individuellen Leistungen die Zahl der Anspruchsberechtigten sich sprunghaft erhöht. 21) Diese Schwankungen ändern aber bisher nichts an der langfristigen Tendenz des Zuwachses sozial beding- ter Ausgaben in unserem Jahrhundert, die Ausdruck säkularer Ver- änderungen der Produktions- und Reproduktionsbedingungen und der Vergesellschaftung der Arbeit ist und im Zuge der Entstehung ei- nes quantitativ sehr gewachsenen Arbeiterheeres mit steigendem Bildungsniveau und Massengewerkschaften durchgesetzt wird. Siche- rung der Verwertbarkeit der Arbeitskraft für das Kapital, Schutz der natürlichen Ressourcen vor Raubbau und soziale Integration der wachsenden Arbeiterklasse müssen staatlich auf dem erreichten Niveau der Produktivkraftentwicklung in gewissem Maße gewährlei- stet werden. Nicht zufällig bildete die Sozialpolitik immer ein Kernstück des staatsmonopolistischen Kapitalismus der BRD. Schon der Begriff der "sozialen Marktwirtschaft", wie er in den Anfän- gen nach 1945 entwickelt und als herrschende BRD-Variante des SMK der Nachkriegszeit durchgesetzt wurde, beinhaltet ein starkes so- zialintegratives Moment - auch unter den CDU-Regierungen. Die So- zialausgaben stiegen auch in den 50er und 60er Jahren kontinuier- lich an. Wirtschaftliches Wachstum u n d eine aktive Sozialpo- litik sind die materiellen Grundlagen der Politik der Sozialpart- nerschaft, die die gesellschaftliche Entwicklung in der BRD bis heute prägt. 22) Aufgaben- und Problemfelder --------------------------- Die Höhe der Sozialausgaben an sich sagt noch nichts aus über die tatsächliche Problemadäquanz der sozialen Systeme. Denn auch der Bedarf an sozialen Leistungen ist aufgrund von Veränderungen in der Beschäftigtenstruktur, in den industriellen Arbeitsprozessen in Produktion und Verwaltung, im demographischen Altersaufbau und der Verlängerung der Ausbildungszeiten etc. stark gewachsen. 23) Für alle sozialen Leistungen entsprechend der Definition der So- zialberichte 24) wurden 1980 rund 450 Mrd. DM ausgegeben; das entspricht einem Anteil am BSP von 30%. Von diesem Sozialbudget entfällt der größte Teil auf den Funktionsbereich "Alter und Hin- terbliebene" (38%), gefolgt vom Bereich "Gesundheit" (34%) und dem Bereich "Ehe und Familie" (14%). Auf die Arbeitsförderung entfielen 1,6%. 25) Alterssicherung --------------- 1980 wurden 107 Mrd. DM Renten an 12,1 Mill. Rentenfälle ver- teilt, davon waren ein knappes Drittel Altersruhegelder, 30% Wit- wenrenten, 14% Erwerbsunfähigkeitsrenten und 19% vorgezogene Al- tersruhegelder. Die Leistungen der Rentenversicherung umfassen Renten aufgrund Tabelle 3: Staatliche Ausgaben nach Aufgabenbereichen 1925, 1932 und 1969 (in v.H.) Öffentl. Insge- Sicher- Unter- Siche- Ge- samt heit richt/ Soziale heit Mill. Rechts- Vertei- Wissen- Siche- sund- Wirt- Ver- Jahr DM schutz digung schaft rung heit schaft kehr 1925 14446 8,8 4,4 12,4 20,9 5,2 2,2 7,9 1932 14763 8,6 4,9 12,8 32,1 3,3 3,3 6,3 1969 196227 3,3 10,4 11,7 17,3 3,8 8,4 7,4 Gemeind- liche Wohnungs- Jahr Anstalten wirtschaft 1925 3,4 7,4 1932 3,3 2,3 1969 3,5 3,2 _____ Quelle: Statistisches Bundesamt, 100 Jahre..., a.a.O. Tabelle 4: Staatsausgaben 1) nach Aufgabenbereichen in 1979 Allgemeine Verteidi- Unterrichts- Gesundheits- Soziale staatliche gung wesen wesen Sicherung Verwaltung Mill. in Mill. in Mill. in Mill. in Mill. in DM v.H. DM v.H. DM v.H. DM v.H. DM v.H. Staatsver- brauch 53390 19,2 38670 13,9 55770 20,0 82150 29,5 23710 8,5 Bruttoinvesti- tionen 3750 8,2 300 0,7 7680 16,9 3470 7,6 950 2,3 Geleistete Übertra- gungen 19180 6,4 1060 0,4 5770 1,9 1690 0,6 229700 76,7 Summe 76230 11,8 40030 6,2 69220 10,7 87210 13,5 254350 39,3 *) Wohnungs- Sonstige Wirtschafts- Sonstige wesen Dienste förderung, Ausgaben f.d. Allge- -ordnung meinheit Mill. in Mill. in Mill. in Mill. in DM v.H. DM v.H. DM v.H. DM v.H. Staatsver- brauch 4330 1,6 5840 2,1 14720 5,3 Bruttoinvesti- tionen 8870 19,5 2530 5,6 17990 39,5 Geleistete Übertra- gungen 4640 1,6 1590 0,5 35680 11,9 Summe 17840 2,8 9960 1,5 68390 10,6 24230 3,7 *) _____ Quelle: Stat. BA, Fachserie 18 VGR Reihe 1 Konten + Standardta- bellen 1980, Stuttgart/Mainz 1981. Eigene Berechnung. *) = Laufende Ausgaben, Bruttoinvestitionen + Vermögensübertra- gungen d. Staates. 1) incl. Sozialversicherung. 2) aus den vorliegenden Quellen nur pauschal zu entnehmen; die Prozentwerte der drei oberen waagerechten Spalten beziehen sich daher auf eine Gesamtsumme ohne "Sonstige Ausgaben". - Erreichens der Altersgrenze von 65 Jahren (bei 15 Jahren Warte- zeit, d.h. rentenpflichtiger Tätigkeit); - Ausnutzens der "flexiblen Altersgrenze" ab 63 Jahre für Männer, 60 Jahre für Frauen, Behinderte sowie Berufs- und Erwerbsunfähige mit entsprechender Rentenminderung bei mind. 35 Jahren Wartezeit; - vorzeitiger Berufsaufgabe wegen Berufsunfähigkeit oder Erwerbs- unfähigkeit (5 Jahre Wartezeit); - vorzeitiger Verrentung nach einjähriger Arbeitslosigkeit und Erreichens der flexiblen Altersgrenze von 60 Jahren; - von Renten an Hinterbliebene. Neben den Rentenzahlungen (rd. 80% der Ausgaben) leistet die ge- setzliche Rentenversicherung Zahlungen für die Krankenversiche- rung der Rentner und für Rehabilitationsmaßnahmen. Rentenberech- tigt sind im Prinzip alle abhängig Beschäftigten und deren Hin- terbliebene; seit 1972/73 können auch Selbständige und freiberuf- lich Tätige der Pflichtversicherung beitreten. Wer nicht oder nur Teile seines Arbeitslebens berufstätig war, hat keinen Anspruch auf eigene Rentenbezüge. Dem Anspruch nach soll die Rente "Lohnersatzfunktion" haben und beim Ausscheiden aus dem Arbeitsleben die lebensdurchschnittlich erreichte Einkommensposition sichern. Der DGB fordert in seinem Aktionsprogramm ein Rentenniveau von drei Vierteln des Bruttoar- beitsverdienstes; die IG Metall verlangte auf ihrem 12. Gewerk- schaftstag 90% des Nettoverdienstes. Davon kann keine Rede sein; die durchschnittliche Rentenhöhe liegt bei 40 Versicherungsjahren um 64% der Durchschnittseinkommen. Diese 40 Versicherungsjahre sind aber mehr die Ausnahme als die Regel; die durchschnittliche Versicherungszeit beträgt bei der Arbeiterrentenversicherung 37, bei der Angestelltenversicherung 38 Jahre, bei den Frauen 22 bzw. 27 Jahre. Die Einnahmen aus der gesetzlichen Rentenversicherung werden ergänzt durch betriebliche oder öffentlich-rechtliche Al- tersversorgungssysteme. In der Beamtenversorgung wird schon nach 35 Dienstjahren ein Netto-Pensionsniveau von 81-85% erreicht, so daß für diese Beschäftigtengruppe bei Berücksichtigung der Zu- satzversorgung die Forderung nach Erhalt des selben Lebensstan- dards im Alter realisiert ist. Rund ein Viertel der Rentnerhaus- halte hat aber weniger als 1000,- DM monatlich zur Verfügung, von den verwitweten Rentnerinnen sogar 42%. Nach Schätzungen von Bau- mann sind 1,5 bis 2 Millionen alter Menschen über 60 Jahre paupe- risiert. 26) Auf die Situation der alten Menschen hatten die Sparmaßnahmen im Bereich der Rentenanpassung in der 2. Hälfte der 70er Jahre gra- vierende Auswirkungen. Durch das 20. und 21. Rentenanpassungsge- setz wurden die Anpassungstermine hinausgeschoben, ihre Bemes- sungsgrundlage wurde nach unten gedrückt und die bruttolohnbezo- gene Anpassung für 3 Jahre ausgesetzt (bis 1982). Ab 1984 droht das erneut. In der Folge sank das Rentenniveau, gemessen an der durchschnittlichen monatlichen Rente im Verhältnis zum durch- schnittlichen Bruttomonatsarbeitsentgelt, von 49% in 1977, dem bisher höchsten erreichten Stand, auf 44% in 1981. 27) Damit ist es wieder auf den Stand von 1975 gefallen. Gesundheit ---------- Die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung wird über die Krankenversicherung organisiert. Sie umfaßt rund 90% der Bevölke- rung durch eigene gesetzliche oder freiwillige Versicherung bzw. durch die Mitversicherung als Familienangehörige; privat sind rund 8% versichert. Ihre Leistungen umfassen: - Maßnahmen zur Vorsorge und Früherkennung; - ärztliche und zahnärztliche Behandlung durch Kassenärzte und Versorgung mit Zahnersatz bei Kostenbeteiligung; - Versorgung mit Arznei-, Heil- und Hilfsmitteln (1,- DM Gebühr pro Mittel); - Behandlung in Krankenhauseinrichtungen, Anspruch auf Kuren; - Hauspflege und Haushaltshilfe für die Dauer eines Krankenhaus- aufenthalts, wenn Kinder unter 8 Jahren oder behinderte Kinder zu versorgen sind; - Mutterschaftshilfe (ärztliche Betreuung, Vorsorgeuntersuchun- gen, Beratungen und Entbindung); - Geldleistungen, darunter das Krankengeld nach Ablauf der Lohn- fortzahlung durch den Arbeitgeber in Höhe von 80% des Bruttoent- gelts (maximal 100% des Nettoentgelts) für höchstens 78 Wochen, Mutterschaftsgeld 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt, Er- satz für Verdienstausfall 5 Tage im Jahr, wenn ein Kind unter 8 Jahren krank ist. Das Niveau der gesundheitlichen Versorgung hat sich in den ver- gangenen 10 Jahren qualitativ und quantitativ verbessert; die Zahl der niedergelassenen Ärzte hat von 1970"1977 um 15% zugenom- men, damit kommen auf l Arzt 1053 Einwohner (1970 waren es 1195). 28) Diese Durchschnittszahl über die "Ärzteschwemme", wie das von konservativer Seite bezeichnet wird, täuscht allerdings über re- gionale, sektorale und fachliche Unterschiede im Versorgungsgrad hinweg. Die gesundheitliche Versorgung in strukturschwachen Ge- bieten und auch den Arbeitervierteln der Großstädte ist schlech- ter, der Anteil der allgemein-praktischen Ärzte ist zurückgegan- gen, in Krankenhäusern, vor allem aber in den Betrieben besteht ein Mangel an Ärzten. Nach verschiedenen Berechnungen sind es in den Krankenhäusern 20000 Ärzte, in den Gesundheitsämtern 5000, die man noch brauchen könnte. Ein menschenwürdiger Ausbau der psychiatrischen Anstalten würde einen Bedarf von 5000 bis 10000 weiteren Ärzten bedeuten. Auch die Nachfrage nach Leistungen ist erheblich angestiegen; neben der auffallenden Häufigkeit von Frühverrentungen und einer allgemeinen Zunahme der Berufskrank- heiten zeigt das der steigende Krankenzugang in den Krankenhäu- sern, der bei 176 pro Tausend Einwohner in 1978 liegt (1970 waren es 146). Die Prognos AG errechnete bis 1990 einen Mehrbedarf von 120 000 Stellen im Gesundheitswesen. 29) Die sog. Kostendämpfung im Gesundheitswesen im Rahmen der Opera- tion '82 wird ebenfalls eine Einschränkung (Anspruch auf Kuren, Brillen und andere Hilfsmittel, Entbindungsaufenthalt), vor allem aber eine Verteuerung der Leistungen mit sich bringen (Rezeptgebühr, Eigenbeiträge, besonders beim Zahnersatz, Wegfall der studentischen Krankenversicherung), während gleichzeitig die Krankenversicherungsbeiträge steigen. Ehe und Familie / Soziale Transfers ----------------------------------- Der Bereich "Ehe und Familie" ist im Sozialbericht ein Sammelpo- sten, der verschiedene Leistungen umfaßt, die sich auf Kinder, Ehegatten und Mütter beziehen. Für die Kinder wurden 1980 rund 18 Mrd. DM Kindergeld gezahlt; dazu kommen Leistungen wie Kinder- grundfreibeträge bei der Einkommensteuer, Kinderausgleichbeträge für Empfänger von Sozialhilfe und Zuschläge zum Kindergeld im er- sten halben Jahr nach der Geburt. Bei den Ehegatten werden das steuerliche Ehegatten-Splitting angerechnet und die Steuerpro- gressionswirkungen, für die Mütter die Kosten für den Mutter- schaftsurlaub in Anschlag gebracht. Diesen Leistungen verwandt sind weitere verschiedene Transferzahlungen, die hier aufgezählt werden, wie Wohngeld, Sparprämien und Sozialhilfe. - Anspruch auf Kindergeld haben 8,7 Millionen Familien, davon 3,8 Millionen mit einem Kind (50,- DM monatlich), 3,1 Millionen mit zwei Kindern (170,- DM monatlich) und 1,6 Millionen mit drei und mehr Kindern (410,- DM monatlich + 240," DM für jedes weitere). - Anspruch auf Wohngeld haben 1980 1,9 Millionen Haushalte, das entspricht mehr als 6% aller Haushalte. Sie beziehen im Durch- schnitt 85,- DM monatlich. Gemessen am bisherigen Höchststand von 1975 (1,67 Mill.) bedeutet das einen Rückgang; allerdings lag die Zahl 1977 noch tiefer und ist wieder angestiegen. 30) - Anspruch auf Sozialhilfe hatten 1980 0,6 Millionen Haushalte, und zwar im monatlichen Durchschnitt 329," DM. Die Regelsätze er- höhten sich von 1970-1974 jahresdurchschnittlich um 11,6% und 1975-1980 um 4,6%; absolut stieg die Sozialhilfe von 3,34 Mrd. DM auf 13,27 Mrd. DM in 1980. 31) - Anspruch auf Sparprämien hatten 1977 rund 15 Millionen Sparer mit einem Durchschnittssparbetrag von 2906,- DM. Die Leistungen der Bundesregierung für die Vermögensbildung stiegen von 2,5 Mrd. DM in 1969 auf 9,4 Mrd. DM in 1977 an; 1980 betrugen sie aufgrund der Auswirkungen des 1. Haushaltsstrukturgesetzes (Kürzung der Sparprämie von 20% auf 14%, der Wohnungsbauprämie von 23% auf 18%) nur noch 6,3 Mrd. DM. Alle diese Bereiche werden durch die Sparmaßnahmen 1981/82 einge- schränkt: - Das Kindergeld wird ab dem 2. Kind herabgesetzt um jeweils 20,- DM. - Das Wohngeld wird gekürzt durch die Senkung pauschaler Frei- beträge bei der Berechnung des Anspruchs. - Die Arbeitnehmer-Sparzulage ist von 30/40% auf 23/33% bzw. 16/26% (je nach Anlageart) herabgesetzt worden. - Der Regelsatz der Sozialhilfe soll 2 Jahre lang nur noch um 3% statt entsprechend der Teuerungsrate angepaßt werden; der Mehrbe- darfszuschlag wird um 30% des Regelsatzes auf 20% gesenkt. - Mutterschaftsgeld und -urlaub gibt es nur noch, wenn mindestens 9 Monate innerhalb der letzten 12 Monate vor der Entbindung ein Arbeitsverhältnis bestand oder Leistungen aus der ALV bezogen wurden. Arbeitsförderung / Arbeitsmarkt / Berufliche Bildung ---------------------------------------------------- Der gesamte Bereich "Beschäftigung" wurde durch die soziallibe- rale Koalition auf ein konzeptionell neues Niveau gehoben, das im AFG (Arbeitsförderungsgesetz) seine gesetzliche Verankerung fand. Insbesondere wurde der Gedanke der präventiven Beschäftigungspo- litik in den Mittelpunkt gestellt, d.h. die vorausschauende An- passung der Qualifikation der Arbeitskräfte an strukturelle Ver- änderungen der Technologie und Zweigstruktur der Wirtschaft durch berufliche Fortbildung und Umschulung. Im Laufe der Jahre haben von 1972"1980 an Maßnahmen zur beruflichen Fortbildung und Um- schulung teilgenommen (in Tausend Personen): 32) 1972 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 260 227 233 271 152 136 175 209 247 Nach Erhebungen der BfA vergrößert sich die Chance der Teilnehmer an solchen Maßnahmen zur Wiedereingliederung in das Arbeitsleben. In diesem reduzierten Sinne ist auch das Berufsgrundbildungsjahr positiv zu beurteilen; es dient als "großes Auffangbecken für ju- gendliche Schulabsolventen ohne Hauptschulabschluß". 33) Nach ei- ner repräsentativen Befragung des LAB nahmen 29% der Haupt- schulabgänger ohne Schulabschluß das Berufsgrundbildungsjahr wahr und holten damit ihren fehlenden Schulabschluß nach. Im Verlauf der Krise hat allerdings die materielle Existenzsiche- rung bei Arbeitslosigkeit wieder einen wachsenden Teil der Ge- samtausgaben der BA an sich gezogen; 1970 lag er bei 20%, inzwi- schen bei mehr als der Hälfte. Obwohl der Anteil der Geldempfän- ger an den Arbeitslosen kontinuierlich sinkt und inzwischen nur bei gut zwei Dritteln der Arbeitslosen liegt, sind das immerhin 1981 rd. 1,4 Millionen. Die Durchschnittskosten für einen Ar- beitslosen betragen bei Anspruch auf Arbeitslosengeld gut 28 000,- DM jährlich. Bei allen diesen Leistungen wurden wesentliche Kürzungen vorge- nommen: - Die Anspruchsberechtigung für Arbeitslosengeld und Arbeitslo- senhilfe wird eingeschränkt. Die Leistungen werden ggf. beim Lohnsteuerjahresausgleich berücksichtigt. Die Sperrzeit wird auf 8 Wochen verdoppelt. Die 59er-Regelung entfällt, die es erlaubte, daß Arbeitnehmer, die vor Erreichen der flexiblen Altersgrenze von 60 Jahren ihr Arbeitsverhältnis aufgaben, einen Betrag in Höhe der Rente erhielten. Die Voraussetzungen für die Berechtig- ten werden verschärft. - Das Unterhaltsgeld bei Maßnahmen der beruflichen Bildung wird auf 68% des früheren Nettoentgelts herabgesetzt statt bisher 80%; bei Inanspruchnahme, die "nur" dem beruflichen Aufstieg dienen soll, auf 58%, die als Darlehen gewährt werden. Das Übergangsgeld für Behinderte wird auf 75% herabgesetzt von bisher 100%. Nach Beendigung der Ausbildung soll es sogar nur noch 68% betragen. Leistungsabbau -------------- Dieser Leistungsabbau im System der Sozialen Sicherheit ab 1975 bzw. 1981 wird verschärft durch die parallelen Maßnahmen auf dem Gebiet der Staatseinnahmen: Bei den direkten Steuern werden für Eltern, deren Kinder Bafög in Anspruch nehmen, auf die Frei- beträge eigene Einkünfte der Kinder angerechnet; Freiberufler müssen die volle Mehrwertsteuer zahlen, und die sog. Mehrwert- steueroption beim Bauherrenmodell entfällt. Bei den indirekten Steuern werden die Tabak-, die Branntwein- und die Schaumwein- steuer erhöht. Kommunal werden die meisten Tarife und Gebühren angehoben, eine Maßnahme, durch die die Gemeinden und Städte die Lasten an die Bürger weiterreichen, die ihnen durch die Sparmaß- nahmen auf Bundesebene und die wachsende Arbeitslosigkeit entste- hen. Die SPD hat mit diesen Sparmaßnahmen ihren eigenen Reformen die Spitze abgebrochen: bei der Arbeitsmarktpolitik durch die Schwer- punktverlagerung auf die Unterstützungsleistungen; in der Renten- politik durch die finanzielle Schlechterstellung der Rentner und den Verzicht auf die Gleichstellung der Frauen, die absehbare Folge der Finanzentwicklung der Rentenversicherung; in der Ge- sundheitspolitik durch die Bescheidung auf das Kurieren anstelle des weiteren Ausbaus der Vorsorge und durch die Verteuerung der Leistungen; in der Sozialpolitik i.e.S. durch die Kürzung sämtli- cher relevanter monetärer Transfers, die weniger als je Ungleich- heiten in der Verteilung ausgleichen können. Ging es zuerst in der regierungsoffiziellen Interpretation darum, den sogenannten "Wildwuchs" in der Sozialen Sicherung zu "beschneiden", mit ande- ren Worten, wirkliche und fiktive Mißbräuche zu beseitigen, so werden heute durch die SPD-geführte Bundesregierung neugeschaf- fene Rechtsansprüche wieder zurückgenommen, reale Leistungen ab- gebaut. Realistischerweise muß man aber auf der anderen Seite feststel- len: Das Niveau der Sozialleistungen in der BRD hat sich mittel- fristig erhöht und trägt nach wie vor zu einem relativ hohen Le- bensstandard der BRD-Bevölkerung im internationalen Vergleich bei. Nimmt man die wesentlichen sozio-ökonomischen "Antriebs- komplexe" der Sozialpolitik zum Maßstab und läßt sie Revue passieren, dann zeigt sich: - Soziale und ökonomische Lebensverhältnisse der Arbeiterklasse haben sich einkommensmäßig durch die Tarifeinkommen und die Erhö- hung staatlicher Transferzahlungen gegenüber 1970 verbessert, wenn auch nicht mehr in den vergangenen drei Jahren. - Die Folgen der Unsicherheit der Existenz des Lohnarbeiters wur- den durch die Maßnahmen des AFG abgeschwächt, die gegenwärtig wieder abgebaut werden. - Die sozialen Infrastrukturleistungen sind in den 70er Jahren besonders im Bildungsund im Gesundheitswesen ausgebaut worden. - Die sozialen Gebrechen der kapitalistischen Ordnung (Armut, Ob- dachlosigkeit, Drogen) werden statistisch nur unzureichend er- faßt. Nimmt man die Inanspruchnahme und Höhe der Sozialhilfe als Indikator für ihre Linderung, wären auch diese z. T. geringfügig gebessert worden. - Schließlich sind zusätzliche Systeme materieller Begünstigungen neu geschaffen worden (Sparförderung etc.), die ebenfalls gegen- wärtig eingeschränkt werden. Der gegenwärtige Abbau der Sozialpolitik läßt sich am treffend- sten durch die V e r ä n d e r u n g i h r e s C h a r a k- t e r s beschreiben: Soziale Sicherheit bei Arbeitslosigkeit wird von früherer "Leistung" und zukünftiger Leistungsbereit- schaft abhängig gemacht; die Chancengleichheit im Bildungswesen wird wieder vermindert; die Gleichbehandlung der Frauen in Ausbildung, Beruf und Altersversorgung wird zurückgestellt; ins- gesamt wird der Kontroll- und Fürsorgecharakter des Systems der Sozialen Sicherheit verstärkt, der demokratische Rechtsanspruch auf Leistungen ohne "Gegenleistung" zurückgedrängt. In Umkehrung der euphorischen Analysen der Sozialpolitik der 70er Jahre geht heute der Weg zurück "von der systemgestaltenden zur systemstabi- lisierenden Sozialpolitik". 34) Die Sozialpolitik der SPD, die einst mit dem Anspruch auftrat, den Weg zu einer neuen Gesellschaftsordnung, die den Grundwerten des Sozialismus entspreche, zu bahnen, 35) ist so auf das Wesen kapitalistischer Sozialpolitik, auf reaktive, systemimmanente und stabilisierende Maßnahmen, zurückgeführt worden. 4. Perspektiven --------------- Der Prozeß des Sozialabbaus steht erst an seinem Anfang. Die an- gebotsorientierte Wirtschaftspolitik, der Versuch der Haushalts- sanierung über Ausgabenkürzungen packen das eigentliche Problem - die Arbeitslosigkeit - nicht an der Wurzel: Eine Sanierung der Staatsfinanzen wird letztlich nur auf der Grundlage wirtschaftli- chen Wachstums gelingen, das durch diese Politik nicht gefördert wird. Sie eröffnet vielmehr einen kumulativen Prozeß: Staatliche Ausgabenkürzungen und Stelleneinsparungen vermindern die gesamt- wirtschaftliche Nachfrage und erhöhen die Arbeitslosigkeit. Ein weiterer Rückgang der staatlichen Einnahmen ist die Folge. Er wird begleitet von einer stärkeren Inanspruchnahme des Systems der Sozialen Sicherheit. Einnahmeminderungen bei Ausgabenerhöhun- gen führen zur weiteren Verschärfung der Finanzkrise. Diese wird beantwortet durch eine Einschränkung staatlicher Leistungen, wei- tere Einschränkungen verschärfen die Krise usw. Aus sich heraus käme dieser Prozeß erst zum Stillstand bei einem Niveau und einer inhaltlichen Ausrichtung staatlicher Leistungen, tariflicher Einkommen und politischer Reaktion, wie sie das BRD- Kapital als kurzfristig profitabel betrachtet. Die Vorschläge der CDU/CSU zur Wirtschaftspolitik machen denn auch diesen Weg zum Programm. Die im Februar 1982 verabschiedete "7-Punkte-Strategie für eine neue Wirtschafts- und Beschäftigungspolitik" beinhaltet: - Gesundung der Staatsfinanzen "über die Ausgabenseite", d.h. durch weitere Leistungskürzungen; - Investitionsförderung durch weitere Steuergeschenke an die Un- ternehmen und durch die "Beseitigung bürokratischer und politi- scher Investitionshemmnisse", d. h. durch die Aufhebung aller Be- schränkungen im Kernkraftwerksbau und bei den Kommunikationstech- nologien; - staatliche Förderung der Schaffung neuer Unternehmen durch So- fort-Abschreibungen, Verlustvortrag und den Einsatz staatlichen Risikokapitals; - Liberalisierung des Mietrechts durch die Einführung von Staf- felmieten und laufende Anpassung des Mietspiegels; - Ausbau der Kernkraftwerke und Weiterentwicklung der Kernener- gietechnik; - maßvolle Lohnabschlüsse; - "Öffnung" des Arbeitsmarktes durch Teilzeitarbeitsplätze, Ar- beitsteilung. 36) "Privatisierung" der "Marktwirtschaft", Zurückdrängung demokrati- scher, sozialer und Einkommensansprüche, unbedingter Vorrang der Unternehmensförderung sind die Haupttendenzen dieser Politik, die innenpolitische Absicherung für die Expansion nach außen. Daß sie für durchsetzbar gehalten wird, zeigt u.a. die Reaktion der Un- ternehmerverbände auf die "beschäftigungspolitischen" Vorschläge der sozialliberalen Koalition durch die sog. Gemeinschaftsinitia- tive. Noch vor wenigen Jahren wurde das In-vestitionszulagenge- setz von 1975 von den Unternehmen freudig aufgegriffen und voll ausgeschöpft - auch wenn es seinem eigentlichen Zweck, der Schaf- fung zusätzlicher Investitionen, nicht gerecht wurde. Heute dage- gen stoßen dieselben angebotenen Subventionen nur auf Gering- schätzung oder Ablehnung durch die Kapitalverbände und Unterneh- menssprecher! Darin spiegeln sich sowohl veränderte Wachstumsbe- dingungen, die weitere Investitionen im Inland nicht geboten er- scheinen lassen, als auch politische Einschätzungen wider. Ange- sichts dieses harten Widerstandes der Unternehmer, der im eigenen Regierungsbündnis durch die FDP positiv aufgegriffen wird, weicht die SPD-Führung immer weiter zurück: Die Finanzierung der Gemein- schaftsinitiative durch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer, das Aussetzen der Lohnfortzahlung innerhalb von drei Karenztagen, die neuen Zumutbarkeitsregelungen bei der Arbeitslosengeldzahlung - das alles wären in der Tat Maßnahmen, die den Kern sozialdemokra- tischer Sozialreform beträfen, erkämpfte Fortschritte endgültig rückgängig machten. Der Sozialabbau würde eine neue, bedrohli- chere Stufe erreichen. Nun setzen sich objektive Prozesse nicht anders als durch subjek- tive Träger durch. Auch die objektive Bestimmung der Sozialfunk- tion durch die Veränderung der Verwertungsbedingungen und deren Folgen für die gesamtgesellschaftliche Reproduktion stellt nur die Basis eines Prozesses dar, dessen eigentliche Triebkraft die Arbeiterbewegung ist. Die Frage nach der A b w e h r des Sozi- alabbaus durch die Betroffenen, nach den Gegenkräften, die die aufgezeigten Maßnahmen und Tendenzen hervorrufen, ist damit ent- scheidend für eine Beurteilung und Einschätzung der weiteren Per- spektiven. Sie ist weder leicht noch eindeutig zu beantworten. Bisher war die unmittelbar gegen die Rotstift-Politik und den Reallohnabbau gerichtete Gegenwehr, gemessen an dem Umfang des Sozial- und Lohnabbaus, eher gering. Insbesondere von seiten der Gewerkschaf- ten, die historisch und ihrem Selbstverständnis nach d i e Ar- beiterorganisation zur Führung sozialer Abwehrkämpfe bilden, ist nur in Einzelfällen zu einer aktiven, massenmobilisierenden Ge- genwehr aufgerufen worden. Die Ursachen dafür sind sicher viel- fältig; hier soll auf einige wesentliche Momente eingegangen wer- den, die sich aus dem Vorhergehenden ableiten. 1. Der eigentliche Anspruch sozialdemokratischer Reformen, die sozial gestaltende und transzendierende Komponente, ist aufgege- ben worden. Aber die materielle Existenzsicherung ist durch die Kürzungen, so unsozial sie auch sind, noch nicht grundsätzlich in Frage gestellt worden. Eben das ermöglicht und erleichert es, daß die gegenwärtige Politik des Sozialabbaus von so großen Teilen der SPD und der Gewerkschaften noch geduldet und sogar mangels der Bereitschaft, offensive Alternativen aufzugreifen, weiter ge- tragen wird. 2. Der Grad der Betroffenheit durch die Kürzungsmaßnahmen ist äu- ßerst verschieden; es gibt keine einzige Maßnahme, die alle ab- hängig Beschäftigten gleichzeitig und im selben Ausmaß beträfe: - Von der Kindergeldkürzung sind nur Familien mit mehr als einem Kind betroffen; - von der Novelle des AFG sind nur Umschüler, Arbeitslose und Be- hinderte betroffen; - die Kürzungen im Bildungsbereich zielen "nur" auf die Bezieher von Bafög etc.; - die Wohngeld- und Mietregelungen betreffen die Empfänger und Gruppen unter den Mietern des sozialen Wohnungsbaus; - von den Rentenkürzungen sind nur die alten Leute betroffen; - die Kürzungen bei der Sozialhilfe zielen auf die Anspruchsbe- rechtigten. Auf alle wirken sich die Steuererhöhungen aus, die schon durchge- setzt sind; auf alle auswirken werden sich die kommunalen Gebüh- ren- und Tariferhöhungen; auf alle auswirken würde sich eine er- neute Mehrwertsteuererhöhung. Als eigenständige Kraft organisiert ist von den betroffenen Grup- pen keine in einer nennenswerten Größenordnung, auch wenn es bei den alten Leuten, den Kinderreichen und den Arbeitslosen Ansätze dazu gibt. Die Gewerkschaften sind in ihrem Kernbereich, der Ver- tretung der aktiv Beschäftigten in der Arbeitssphäre, meist nicht unmittelbar und aktuell betroffen. 3. Diese beiden Faktoren zusammen erleichtern es, daß bei der Durchsetzung der unsozialen Maßnahmen auf bestehende Vorurteile gegenüber den jeweils anderen betroffenen Gruppen und insgesamt gegenüber der "staatlichen Bürokratie" zurückgegriffen werden kann. Gleichzeitig fallen Beitragsleistung und Inanspruchnahme von Leistungen häufig bei den einzelnen Individuen bzw. Gruppen auseinander. Im Verein mit einer Reihe wirklicher Mißstände im bürokratischen Apparat, besonders den Korruptionsaffären der jüngsten Zeit, in die staatliche "Würdenträger" tief verstrickt sind, führt das dazu, daß die reaktionäre Demagogie der "Zurückdrängung" des Staates selbst bei den negativ Betroffenen auf fruchtbaren Boden fallen kann. Exemplarisch dafür ist die Diskussion um das "Sonderopfer" des öffentlichen Dienstes. Auf der gleichen Ebene liegt das Ausnutzen von Interessengegensätzen zwischen verschiedenen Beschäftigten-gruppen - Ausländern und einheimischen Arbeitern, Facharbeitern und Ungelernten, Auszubil- denden und älteren Kollegen, Frauen und Männern - und verschie- denen Bevölkerungsgruppen - Alten und Jüngeren, Arbeitslosen und Beschäftigten, Behinderten und Gesunden. Die Diskussion um die Wirtschafts- und Sozialpolitik wird so zum Vehikel der bewußtseinsmäßigen Verankerung und Durchsetzung reak- tionärer Ideologien, jede "Standesvereinigung" hat ihren konser- vativen Spruch dazu beigetragen: vom Hartmannbund bis zur Steuer"gewerkschaft"; ganz zu schweigen von den monopolistisch beherrschten Wirtschaftsverbänden. Die Bonner Parteien selber - und zwar ohne Ausnahmen, wenn auch verschieden im Grad der Abstu- fung - greifen diese Argumente willig auf. Die z. Z. noch vorherrschende Tendenz ist der Prozeß der Gewöh- nung an den Sozialabbau, das Aufnehmen fortschrittsfeindlicher Ideologien und die Veränderung des allgemeinen gesellschaftspoli- tischen Klimas. Die SPD als Partei wird diesen Prozeß nicht zu Ende führen können, aber sie erlaubt es, heute unter Beteiligung und/oder Duldung eines entscheidenden Flügels der Führungen des DGB und der Einzelgewerkschaften grundsätzliche wirtschafts- und gesellschaftspolitische Weichen zu stellen. Diese Kräfte sind nicht bereit und in der Lage, durch massive ge- werkschaftliche Aktionen die Sozialdemokraten in der Regierung in eine andere Richtung zu drängen, sondern sie lassen sich auf im- mer neue Zugeständnisse ein, um die SPD als Regierungspartei zu retten. Die positive Aufnahme der "Gemeinschaftsinitiative", ei- nes reinen Subventionsprogramms, als beschäftigungspolitischer Impuls durch H.O. Vetter ist ein deutlicher Beleg dafür. Unterstrichen werden muß: Es geht nicht allein um die Abwehr un- sozialer Maßnahmen, es geht in erster Linie darum, eine grund- sätzliche gesellschafts- und wirtschaftspolitische Wende in unse- rem Land hin zu einer aggressiven und reaktionären imperialisti- schen Großmachtpolitik zu verhindern. Sozialabbau auf der einen und Aufrüstung auf der anderen Seite gehen Hand in Hand; sie sind Ausdruck ein und derselben Strategie des Monopolkapitals. _____ 1) R. Hickel, Haushaltsoperation '82 - Politisch-ökonomische Hin- tergründe, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 9/81, S. 1062 ff.; A. Böpple, Sozialpolitik in der BRD - Löcher im Netz der sozialen Sicherung, Frankfurt/M. 1981; E. Walch, Der von "oben" verordnete Katalog der Grausamkeiten, in: Marxistische Blätter 1/82, S. 20 ff; J. Goldberg, Von der Wohlfahrts- zur Op- fergesellschaft, in: Rote Blätter Nr. 2-3/82, S. 31 ff; W. Roß- mann, Wiederholt sich die Geschichte? Brünings Notverordnungen, die Bonner Sparpolitik und die Haltung der Gewerkschaften, in: Blätter für deutsche und internationale Politik 1/82, S. 56 ff; zusammenfassende Darstellung: G. Hautsch, Operation 82,83..., Frankfurt/M., 1982 und A. Gottschalk/M. Eihsen im Pahl-Rugen- stein-Verlag, Köln, sowie das Memorandum 1982 "Qualitatives Wachstum statt Gewinnförderung - Alternativen der Wirtschaftspo- litik". 2) F. Niess, Die Maschen des sozialen Netzes. Zur Konjunkturge- schichte d. Sozialstaats, in: Blätter für deutsche und interna- tionale Politik 3/1982, S. 344. 3) Mindestarbeitsbedingungen, Arbeitszeitordnung, Heimarbeiter-, Frauen- und Jugendarbeitsschutz, Kündigungsschutz. 4) G. Bäcker u.a., Sozialpolitik - Eine problemorientierte Ein- führung, Köln 1980, S. 367, von dem auch die vorige Angabe stammt, spricht von einem Durchschnitt von 250,- DM im Monat und damit einer Aufstockung der Renten um 20% bis 30%. Diese Angabe ist aber recht unwahrscheinlich; bei der Klöckner-Hütte Bremen z.B. beträgt der Durchschnitt monatl. 50,- DM. Bei W. Baumann heißt es realistischer: "Leider liegen keinerlei gesicherte Zah- len oder Schätzungen über den Umfang der Bezieher von Betriebs- renten vor" (ders., Die im Schatten leben, Armut und Lohnabhän- gigkeit in der BRD, Köln 1982, S. 100). 5) vgl. z.B. für das Arbeitssicherheitsgesetz R. Rosenbrock u.a., Gesundheitspolitik im Betrieb - Ergebnisse einer empirischen Un- tersuchung zur Praxis des Arbeitsschutzes, in: WSI-Mitteilungen 10/1980, S. 570 ff. 6) Die Rente wird nach der sog. Rentenformel berechnet: PxB JxSt --- x ---- = Jahresrente. 100 100 P = persönliche Bemessungsgrundlage, die durch das Verhältnis des Bruttoeinkommens des Rentenbeziehers, das bis zu einer bestimmten Beitragsbemessungsgrenze berücksichtigt wird, zum durchschnittli- chen Bruttoeinkommen aller Versicherungsbezieher in allen Versi- cherungsjahren gebildet wird. B = allgemeine Bemessungsgrundlage, die dem Durchschnittseinkom- men der letzten 3 Kalenderjahre vor dem Jahr des Versicherungs- falls entspricht. J = Zahl der anrechnungsfähigen Versicherungsjahre. St = Steige- rungssatz pro Jahr. Daraus ergeben sich zwei Wirkungen: Die Renten hinken hinter der allgemeinen Bruttolohn- und Gehaltsentwicklung her. Damit bleiben sie hinter den Preissteigerungen in der Regel zurück. Eine Be- schleunigung oder Verzögerung der Rentenanpassung hebt oder senkt auch das allgemeine Rentenniveau. 7) BM für Arbeit und Sozialordnung, Ratgeber Soziale Sicherheit. 8) ebenda 9) vgl. A. Sörgel, Stabilisierung der Gewinne - Zur Antikrisenpo- litik der Bundesregierung, in: J. Huffschmid/H. Schui, Gesell- schaft im Konkurs? Handbuch zur Wirtschaftskrise 1973-1976 in der BRD, Köln 1976, S. 376 ff. 10) vgl. A. Böpple, a.a.O., S. 73 ff. 11) Vorstand der SPD (Hrsg.), Zweiter Entwurf eines ökonomisch- politischen Orientierungsrahmens für die Jahre 1975-1985, Hamburg o.J. (1975), S. 28. 12) ebenda, S. 30 f. 13) In einer Jubelbroschüre der Bundesregierung von 1979/80 "Demokratie als Auftrag - Drei Jahrzehnte Bundesrepublik Deutsch- land" heißt es zu diesem Thema noch stolz: "Die Bundesregierung tat zur Bekämpfung des wirtschaftlichen Abschwungs das Gegenteil dessen, was die Reichsregierung in der Zeit der wirtschaftlichen Katastrophe Anfang der 30er Jahre gemacht hatte. Während damals die Reichsregierung die Staatsausgaben drastisch kürzte und so die Katastrophe noch beschleunigte, ließ die Bun- desregierung mehrere Konjunkturprogramme anlaufen, förderte die Investitionsneigung, erhöhte das Kindergeld und senkte einen Teil der Steuern. So stützte sie die Konjunktur und verbesserte die Beschäftigungslage. Die soziale Stabilität blieb erhalten." Ebenda, S. 126. Drei weitere Jahre wirtschaftlicher Krise reich- ten schon aus, um diesen "historischen Fortschritt" wieder rück- gängig zu machen; ein Zeichen dafür, daß es sich hier nicht um eine Frage der gewachsenen Erkenntnismöglichkeiten handelt, son- dern um eine Frage der Kampfbereitschaft gegenüber dem kapitali- stischen System. 14) Daß der letzte Haushalt (1982) der Bundesregierung nicht nur ein Haushalt des Sozialabbaus, sondern gleichzeitig, trotz auf den ersten Blick nur durchschnittlicher Zuwachsraten des Vertei- digungsetats, ein Schritt zur Aufrüstung der BRD ist, hat J. Huffschmid zuletzt in den Marxistischen Blättern 1/82 überzeugend vorgerechnet. S. ebenda, Was kostet uns die Rüstung? S. 14 f. 15) Statistisches Bundesamt, 100 Jahre Statistik, Wiesbaden 1972. Als sozial bedingte Ausgaben lassen sich die für Unterricht und Wissenschaft, soziale Sicherheit und Gesundheit ansehen; gemeind- liche Anstalten und Wohnungswirtschaft z. T., sie sind aber hier nicht eingerechnet. 16) Darunter sind die Ausgaben für Sachinvestitionen, Vorleistun- gen und Entgelte für die staatlichen Beschäftigten zu verstehen, mit anderen Worten, die staatliche Nachfrage auf dem Güter- und dem Arbeitsmarkt. 17) Angaben nach: Ifo-Institut, Strukturberichterstattung, Mate- rialband "Staat". 18) Allgemeine Dienste 45,8% und 4,9% des Kapitalstocks. 19) Diese wurden 1980 zu 22% durch Beiträge der Versicherten und zu 54% aus öffentlichen Mitteln incl. unterstellter Arbeitgeber- Beiträge finanziert. Sozialbericht 1980, Materialband, S. 18. 20) Die Steuereinnahmen machen rund 88% der Staatseinnahmen aus; von ihnen entfielen 1980 auf die Einkommen- und die Umsatzsteuer rund 56%. 21) vgl. Frank Niess, a.a.O. 22) vgl. E. Reidegeld, Staatliche Sozialpolitik in den ersten Nachkriegsjahren und in der Bundesrepublik, in: U. Albrecht u.a., Geschichte der Bundesrepublik, Beiträge, Köln 1979, S. 132 ff. "Die 'soziale Marktwirtschaft' brachte die Befreiung unseres Vol- kes von wirtschaftlicher Not und sozialem Zwang. Die soziale Si- cherheit ist das Werk der Union. Das Programm 'Wohlstand für alle' wurde Realität", strich L. Erhard noch 1965 die sozialpoli- tischen Verdienste der CDU-Regierungen heraus. Zu einer realisti- scheren Einstellung vgl. W. Müller, Die Grenzen der Sozialpolitik in der Marktwirtschaft, in: G. Schäfer, C. Nedelmann (Hrsg.), Der CDU-Staat I, Analysen zur Verfassungswirklichkeit der Bundesrepu- blik, Frankfurt/M. 1969, S. 14 ff. 23) Zu der Entwicklung der Problemfelder vgl. H. Jung, Der Klas- senkampf als Triebkraft der Sozialpolitik, in: H. Jung, J. Schleifstein (Red.), Der Staat im staatsmonopolistischen Kapita- lismus der Bundesrepublik, Staatsdiskussion und Staatstheorie, Beiträge des IMSF 6/1, Frankfurt/M. 1981, S. 347 f. 24) Die Leistungen der Arbeitgeber und die indirekten staatlichen Leistungen sind darin eingeschlossen, nicht enthalten sind pri- vate Vorsorge, natural erbrachte persönliche Leistungen im Fami- lienverbund und diejenigen der privaten Wohlfahrtsverbände. 25) Die Beschreibung der Leistungen im folgenden orientiert sich an G. Bäcker u.a., a.a.O. und G.W. Brück, Allgemeine Sozialpoli- tik, Grundlagen - Zusammenhänge - Leistungen, Köln 1981. 26) W. Baumann, a.a.O., S. 110. 27) Das Rentenniveau beschreibt das Verhältnis der durchschnitt- lichen monatl. Renten zum durchschnittlichen monatlichen Ar- beitsentgelt der Arbeiter und Angestellten, s. Rentenanpassungs- bericht 1981, BTDr 9/290, S. 58 f. 28) Die Zahl der Ärzte liegt in der Allgemeinmedizin heute bei 140 000 (1972: 100 000), die der Zahnärzte bei 33 000 (1972: 31 000), der Krankenschwestern bei 192 000 (1972: 123 000), der Pfleger und Helferinnen bei 44 000 (1972: 21 000); die Zahl der Masseure hat sich verdreifacht, die der Heilpraktiker verdoppelt. 29) H. Tofaute, Grundlagen und Möglichkeiten einer beschäfti- gungssichernden Personalpolitik im öffentlichen Dienst, in: C. Schäfer/H. Tofaute, Beschäftigungssichernde Finanzpolitik, Eine Chance für Vollbeschäftigung, Frankfurt/New York 1980, S. 111. 30) Wirtschaft und Statistik 8/81, S. 555. 31) WiSta, 11/1981,5. 796 H. 32) Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit, Arbeits- statistik 1980 Jahreszahlen, Nürnberg 1981, S. 189. 33) W. Baumann, a.a.O., S. 49. 34) In Umkehrung der Formulierung von G. W. Brück, a.a.O., S. 30. 35) vgl. SPD-Langzeitprogramm 1, Entwurf eines ökonomisch-politi- schen Orientierungsrahmens für die Jahre 1973-1985, Texte, Bonn- Bad Godesberg 1972, S. 27. 36) Handelsblatt v. 10.2.82, S. 3 (Nr. 28).+ zurück