Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 06/1983
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NEUE TECHNOLOGIEN UND ARBEITERKLASSE
Zur Entwicklung des Produktivkraftsystems in der Bundesrepublik
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André Leisewitz
I. Produktivkraftentwicklung und Arbeiterklasse - II. Informati-
onstechnologien: Perspektiven der Ausbreitung, Vernetzungstendenz
- III. Neue Technologien im Produktivkraftsystem der Bundesrepu-
blik zu Beginn der 80er Jahre - IV. Auswirkungen auf die Arbeits-
bedingungen bei Angestellten und Arbeitern
Die Einführung neuer Technologien in der Wirtschaft der Bundesre-
publik vollzieht sich seit Mitte der siebziger Jahre in großen
Schritten. Sie ist Teil der weltmarktorientierten "Modernisie-
rungs"-Strategie und zielt unter den eingeengten Verwertungs-
bedingungen des Kapitals auf die Effektivierung seines Repro-
duktionsprozesses durch Steigerung der Fondseffektivität und
Arbeitsproduktivität und Erhöhung der Flexibilität von Produkti-
onsprozessen, um rascher auf die Anforderungen der Absatzmärkte
reagieren und Konkurrenzpositionen durch Beschleunigung des tech-
nischen Wandels, Typenwechsel etc. verbessern zu können. Neue
Technologien sind zugleich Mittel der relativen und absoluten
Freisetzung von Arbeitskräften, der Entwertung von Qualifikatio-
nen und damit des Drucks auf Löhne und Gehälter; ihre Anwendung
beeinflußt die Arbeitsbedingungen und Arbeitsbelastungen der Er-
werbstätigen nachhaltig. Kämpfe gegen Rationalisierungsmaßnahmen
und negative Folgen der Einführung neuer Technologien, für den
Erhalt und die Ausweitung von Qualifikationen, Tätigkeitsmerkma-
len und Einkommen haben besonders in der zweiten Hälfte der sieb-
ziger Jahre eine beachtliche Rolle gespielt.
Der folgende Beitrag behandelt weder die Ursachen und ökonomi-
schen Triebkräfte des gegenwärtigen technologischen Umbruchs noch
die gewerkschaftliche Diskussion über mögliche Formen der Gegen-
wehr. Letzteres war Gegenstand einer Diskussion beim IMSF, über
die in diesem Band berichtet wird. 1) Es werden hier Informatio-
nen über die Verbreitung neuer Technologien im Produktivkraftsy-
stem der Bundesrepublik zusammengestellt; um die Perspektive des
Umbruchs im Produktivkraftsystem sowie seine Auswirkungen auf So-
zialstruktur und Arbeitsbedingungen besser beurteilen zu können,
werden einige Bemerkungen zur Einbindung der Arbeiterklasse in
den Reproduktionsprozeß des Kapitals und zur Veränderung der
technologischen Produktionsweise in der wissenschaftlich-techni-
schen Revolution vorangestellt.
I. Produktivkraftentwicklung und Arbeiterklasse
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Der kapitalistische Reproduktionsprozeß ist nicht nur Prozeß der
Produktion von Waren und der Abpressung von Mehrarbeit, er ist
zugleich Prozeß der Reproduktion des Kapitalverhältnisses selbst,
der grundlegenden Klassenbeziehungen des Kapitalismus. Die Arbei-
terklasse ist damit in den Reproduktions- und Wachstumsprozeß des
Kapitals eingebunden, ihre quantitative Ausdehnung hat hier
ebenso ihren Bestimmungspunkt wie die Entwicklung und Veränderung
ihrer inneren Struktur. Die Tendenz des Kapitals, ständig die
technische Basis des Produktionsprozesses, umzuwälzen, durch Ein-
führung neuer Technologien die Produktivität und Intensität der
Arbeit zu erhöhen, ist insofern Grundlage der Strukturveränderun-
gen der Arbeiterklasse.
Veränderungen der technischen Zusammensetzung des Kapitals und
neue Technologien bedeuten für die von ihm angewandten Lohnar-
beitskräfte auch Vertiefung der Arbeitsteilung, veränderte und
neue Tätigkeiten, Entstehung neuer und Entwertung vorhandener
Qualifikationen, stärkere Unterordnung unter den technisch vorge-
gebenen Rhythmus des Produktionsapparates usf. Zugleich verändert
sich mit dem technischen Fortschritt die Struktur des gesell-
schaftlichen Arbeitskörpers insgesamt, die Proportionen der in
den verschiedenen Zweigen der Volkswirtschaft verausgabten Arbeit
und damit der einzelnen Abteilungen der Arbeiterklasse verschie-
ben sich. So war die wachsende Produktivität der Arbeit in der
materiellen Produktion in der Vergangenheit die entscheidende
Grundlage dafür, daß mit der zunehmenden Vergesellschaftung des
Gesamtreproduktionsprozesses neue Bereiche der Lohnarbeit und
Gruppen der Arbeiterklasse in den nichtproduzierenden Sektoren
sich rasch ausdehnen konnten. Dieser Prozeß setzt sich auch in
der Gegenwart fort. 2) Die Entwicklung der materiellen Produktiv-
kräfte, der technologischen Prozesse, der Arbeitsorganisation
steht also in engem Zusammenhang mit Veränderungen der Struktur
der sie anwendenden Hauptproduktivkraft, der Arbeiterklasse.
Der Zwang zur raschen Entwicklung der Produktivkräfte folgt aus
der inneren Logik der Kapitalverwertung. Anwendung von Wissen-
schaft und Technik, Umgestaltung der Arbeitsorganisation sind
Mittel zur Steigerung der Profitproduktion und Sicherung der Kon-
kurrenzposition - auch und gerade im monopolistischen und staats-
monopolistischen Kapitalismus. Die Entwicklung von Technik und
Technologien des Stoffwechsels mit der Natur bedeutet dabei Aus-
nutzung von Naturgesetzen; sie kann nur Erfolg haben, wenn sie
sich diesen Gesetzen unterwirft. Es gibt also eine Seite der
t e c h n i s c h e n D e t e r m i n i e r t h e i t der Pro-
duktivkraftentwicklung.
Dies gilt gleichermaßen für die Hauptproduktivkraft. Der indu-
strialisierte Produktionsprozeß setzt ein ganz anderes, insgesamt
vielfältigeres und ungleich höheres Qualifikationsniveau des Ge-
samtarbeiters voraus als vorhergehende Produktionsformen. Wissen-
schaft und Technik werden erst mit der großen Industrie zu Poten-
zen im Stoffwechsel Mensch-Natur, ihre Gesetzmäßigkeiten bestim-
men die mit dem Kapitalismus sich entwickelnde technologische
Produktionsweise, sie wollen beherrscht sein. Die historische
Tendenz der Erhöhung der Qualifikation der Lohnarbeiter, die sich
allein schon am Niveau der allgemeinen Schulbildung und der Ver-
mittlung von Allgemeinkenntnissen ablesen läßt und die unschwer
im Vergleich mit weniger industrialisierten Ländern zu erkennen
ist, hat in diesen Anforderungen des Produktivkraftsystems an die
lebendige Arbeit ihre eigentliche Wurzel.
Der Übergang zu neuen Technologien setzt somit im Prinzip nicht
nur die vorangehende Höherentwicklung und Ausdifferenzierung der
materiell-technischen Arbeitsmittel, die Entfaltung der
t e c h n i s c h e n Potenzen und der Naturbeherrschung voraus,
er erfordert auch eine vorangegangene Entwicklung m e n s c h-
l i c h e r Arbeitsfertigkeit und Qualifikationen (ohne die
erstere zudem nicht denkbar wäre). Marx hatte dies in klassischer
Weise beim Übergang von der Manufaktur mit ihrem handwerklichen
Arbeitstyp zur großen Industrie analysiert. Eben hier hatten sich
keimhaft jene technischen und arbeitsorganisatorischen Elemente
und jene Fertigkeiten der Arbeitskraft herausgebildet, an denen
die industrielle Revolution mit dem Übergang zum Maschinensystem
ansetzen konnte, um sie als Elemente der Qualifikation des
gesellschaftlichen Gesamtarbeitskörpers auf viele Detailarbeiter
zu verteilen, sie also von der einzelnen Arbeitskraft abzuziehen,
um sie gerade dadurch zu verallgemeinern und in der neuen
technologischen Produktionsweise "aufzuheben".
Produktivkraftentwicklung - und auch hier ist die lebendige Ar-
beit als Hauptproduktivkraft eingeschlossen - vollzieht sich im-
mer nur vermittels historisch-konkreter Produktionsverhältnisse;
Produktivkräfte sind ohne die sozialen Beziehungen produzierender
Menschen, eben die Produktionsverhältnisse, nicht denkbar, und
sie bleiben, was ihre Entwicklung betrifft, immer vom Charakter
der durch die gesellschaftlichen Produktionsverhältnisse bestimm-
ten Triebkräfte der sozialen Entwicklung geprägt. Dies ist die
f o r m a t i o n s s p e z i f i s c h e S e i t e der Produk-
tivkraftentwicklung, die nicht nur die gesellschaftlichen Trieb-
kräfte, sondern auch die geschichtliche Form des Produktivkraft-
systems betrifft.
Indem in der kapitalistischen Produktionsweise sich Produktiv-
kräfte nur als Kapital entwickeln, bestimmen auch die Gesetzmä-
ßigkeiten, die den Gesamtreproduktionsprozeß regulieren, darüber,
wie und in welche Richtung sich das Produktivkraftsystem entwic-
kelt. Ihre Verkehrung zu Destruktivkräften ist Ausdruck dieses
Zusammenhangs; besonders deutlich tritt er hervor, wenn die
Hauptproduktivkraft betrachtet wird. Die Gattungspotenzen der
Menschen haben sich in keiner vorangegangenen geschichtlichen Pe-
riode so rasch entwickelt wie unter dem Kapitalismus. Mit der ka-
pitalistischen Produktionsweise wurde überhaupt erst der Übergang
zu permanenter erweiterter Reproduktion auf stets wachsender Stu-
fenleiter erreicht: Verwissenschaftlichte Produktivkräfte werden
im Mensch-Natur-Stoffwechsel von einer Arbeiterklasse mit außer-
ordentlich hohem Qualifikationsniveau beherrscht; sie eignet sich
in diesem Prozeß zugleich jene Fähigkeiten an, die Voraussetzung
dafür sind, den gesellschaftlichen Reproduktionsprozeß w i r k-
l i c h zu beherrschen und ihn zu lenken, also eine so-
zialistische Gesellschaft aufzubauen. Aber dennoch vollzieht sich
dieser Prozeß der Aneignung wachsender Fähigkeiten und Kennt-
nisse, neuer Bedürfnisse und Ansprüche, Interessen und Handlungs-
potentiale in höchst widersprüchlicher Form, eingezwängt in den
Widerspruch von Beschäftigung und industrieller Reservearmee, von
Qualifikation und Entwertung von Qualifikationen, der Entfaltung
fachlicher Kenntnisse und des Ausschlusses von der Bestimmung
über den Reproduktionsprozeß selbst bis hin zu dessen elementar-
sten Ebenen wie etwa der Bestimmung über die Gestaltung der Ar-
beitsbedingungen. Denn daß mit der Entwicklung und Anwendung
neuer Technologien unter dem Regime des Kapitals Arbeitsplätze
wegrationalisiert, qualifizierte Arbeiter dequalifiziert, Mög-
lichkeiten der Bestimmung über den Arbeitsablauf technisch abge-
schnitten werden, wird man ebensowenig leugnen können wie die hi-
storische Tendenz wachsender Gattungspotenzen.
Diese allgemeine, aus dem Kapitalverhältnis selbst entspringende
Gesetzmäßigkeit zur Kenntnis zu nehmen, ist von großer prakti-
scher Bedeutung, weil nur von hier der Kampf um Erhaltung und
Ausweitung von Qualifikationen, um die Bestimmung über Arbeitsbe-
dingungen als Vertretung von Reproduktionsinteressen der Arbei-
terklasse erfaßt werden kann; damit wird zugleich deutlich, daß
eine solche Auseinandersetzung, wenn sie allein auf der Ebene
technischer Alternativen ansetzt, aus dem Bannkreis einer kapita-
listisch beherrschten Produktivkraftentwicklung nicht heraustre-
ten wird.
Ein zweiter, für den Zusammenhang von Arbeiterklasse und Produk-
tivkraftentwicklung wichtiger Gesichtspunkt schließt sich hier
an. Die Arbeiterklasse wird, was ihre k o n k r e t e Gestalt,
ihr geschichtliches "Antlitz" betrifft, in vielem durch die
Struktur des Arbeitsprozesses, die unmittelbare Arbeitstätigkeit
und damit den Typ der Technik und der materiellen Produktionsmit-
tel geprägt, mit denen sie in den verschiedenen Sphären des Re-
produktionsprozesses umgeht. Wie gearbeitet wird, das entscheidet
in starkem Maße über abgeforderte Qualifikationen, Entwicklungs-
möglichkeiten, aber auch Möglichkeiten der Kommunikation und des
Maßes der Bestimmung über die eigene Tätigkeit. Die Struktur der
Arbeitsmittel gibt insofern auch Aufschluß über das unterschied-
liche Entwicklungsniveau der Klasse selbst wie ihrer einzelnen
Fraktionen. Die Art der Tätigkeiten und der Beziehungen zu den
materiellen Arbeitsmitteln ist außerordentlich vielfältig. Den-
noch lassen sich allgemeine Gesichtspunkte gewinnen.
Die Herausbildung der kapitalistischen Maschinenproduktion mit
der industriellen Revolution bedeutete reelle Subsumtion der Pro-
duktivkräfte unter das Kapital; 3) sie wurden nicht mehr allein
in ihrer vorgefundenen Form kapitalistisch angewandt, sondern
selbst dem Zweck der Kapitalverwertung möglichst optimal ange-
paßt. Auch dies gilt keineswegs nur für die gegenständlichen Pro-
duktivkräfte, sondern auch und gerade für die lebendige Arbeit.
Die Entstehung der Maschinenproduktion war insofern der Prozeß
der Herausbildung des voll entwickelten Warencharakters der Ar-
beitskraft 4) durch Auflösung der rein subjektiven Gliederung des
gesellschaftlichen Arbeitsprozesses in der Manufaktur und die Ab-
lösung des Produktionsergebnisses vom besonderen individuellen
Geschick und der physischen Leistungsfähigkeit der einzelnen Ar-
beitskraft. Diese Durchsetzung der "Tendenz der Gleichmachung
oder Nivellierung der Arbeiten", 5) ihrer Reduzierung auf massen-
haft verfügbare, technisch dem Gang des Arbeitsmittels unterge-
ordnete, rasch erlern- und damit ersetzbare Detailarbeit schuf
einen neuen, der technologischen Produktionsweise entsprechenden
Produzententyp.
Schon im Kernbereich der Maschinenproduktion ist das Fabrikprole-
tariat, wie Marx es erfaßte, jedoch keineswegs völlig homogen. Es
bildeten sich, an verschiedene technische Prozesse und Operatio-
nen im Sinne "rein technischer" 6) Arbeitsteilung gebunden, un-
terschiedliche Gruppen der Arbeiterklasse heraus: Maschinenarbei-
ter, den Maschinen Arbeitsstoff zuliefernde "Handlanger", das Ma-
schinenkontroll- und -reparaturpersonal. Die technische Arbeits-
teilung, vom Produktionsapparat erzwungen, erweist sich jedoch
zugleich als Bewegungsform sozialer Beziehungen und Unterschiede.
Den Maschinenarbeitern und Handlangern als eigentlichem Fabrik-
proletariat steht das Kontroll- und Reparaturpersonal als eine
"höhere, teils wissenschaftlich gebildete, teils handwerksmäßige
Arbeiterklasse, außerhalb des Kreises der Fabrikarbeiter und ih-
nen nur aggregiert", 7) gegenüber. Solche Besonderheit ihrer
Stellung in der betrieblichen und gesellschaftlichen Organisation
der Arbeit folgt aus dem speziellen Charakter ihrer Tätigkeit auf
der Grundlage höherer Qualifikation und einer geringeren Unter-
ordnung unter den Maschinenrhythmus; sie ist verbunden mit größe-
rer Beweglichkeit, anderen Möglichkeiten der Arbeitseinteilung,
anderen sozialen Kontakten (gerade solchen "nach oben") und u. U.
der Übernahme nicht nur technischer, sondern auch arbeitsorgani-
satorischer Kontroll- und Aufsichtsfunktionen, also höherer Ein-
gliederung im innerbetrieblichen Herrschaftssystem. Unter dem
gleichen, im Zirkulationsakt begründeten Status der Lohnabhängig-
keit verbirgt sich insofern eine unterschiedliche Ausprägung des
Warencharakters der Arbeitskraft, ein unterschiedlicher Grad ih-
rer reellen Subsumtion, der auch zum Ausgangspunkt unterschied-
licher Interessen, sozialer Bezugspunkte und Orientierungen wer-
den kann.
Zwischen der Stellung in der gesellschaftlichen Organisation der
Arbeit, der Art der "Anbindung" an das technische Arbeitsmittel
und dem Grad der Subsumtion unter das Kapital besteht also durch-
aus ein Zusammenhang. Marx faßt dies mit Blick auf das Maschinen-
personal, dessen Unterordnung unter das technische Arbeitsmittel,
seine Stellung als "Anhängsel" der Maschinerie am ausgeprägtesten
in der Fabrik ist, mit folgender Formulierung: "Mit der Maschine-
rie... erhält die Herrschaft der vergangnen Arbeit über die le-
bendige, nicht nur sociale, - in der Beziehung von Capitalist und
Arbeiter ausgedrückte - sondern so zu sagen t e c h n o l o-
g i s c h e Wahrheit." 8) Die technische Form des Kapitals wird
insofern zum Medium der Unterordnung der Arbeitskraft unter seine
Verwertungsinteressen.
Dieser Gedanke hat durchaus aktuelle Bedeutung. Die im Vergleich
zum Arbeitermilieu in vieler Hinsicht unterschiedliche sozialpsy-
chologische Orientierung von zur Arbeiterklasse zählenden Ange-
stellten, die sich in der Praxis sozialer Auseinandersetzungen
ebenso wie in empirischen Erhebungen immer wieder zeigt, 9) wur-
zelt als ständig reproduzierte, keineswegs nur aus dem Fort-
schleppen überholter Traditionen und Einstellungen zu erklärende
Differenzierungslinie innerhalb der Klasse u.a. eben a u c h
darin, daß Angestellte in weiten Bereichen unter Bedingungen ar-
beiten, die sich nicht durch jenen technischen, von den sachli-
chen Arbeitsmitteln aufgeherrschten und vermittelten Zwang aus-
zeichnen, wie er für die Arbeitsbedingungen großer Teile der Ar-
beiter charakteristisch ist. Eine solche weniger rigide Anbindung
an vorgegebene Abläufe ermöglicht eher die individuelle Gestal-
tung von Arbeitsgeschwindigkeiten, Tätigkeitsabfolgen usf. Unter-
ordnung unter die Interessen des Kapitals wird bei Angestellten
stärker durch personelle Unterstellungsverhältnisse vermittelt;
der Personalisierung von Beziehungen - Konkurrenz und Unterord-
nung - und der Regulierung sozialer Konflikte auf dieser Ebene
statt auf der Ebene kollektiver Interessenvertretung kommt daher
bei ihnen eine weitaus größere Bedeutung als bei Arbeitern zu.
Technische Abläufe, die Handlungsweisen starr festlegen, wenig
Spielraum und Entfaltungsmöglichkeiten gestatten, vertragen sich
schlechter mit Vorstellungen, aufgrund individueller Kompetenz
und Qualifikation in Konkurrenz zu anderen "nach oben" kommen zu
können. Auch innerhalb der Arbeiterklasse können insofern techni-
sche Veränderungen soziale Veränderungen auslösen.
Der historische Rückblick beweist die ungeheure, durch die Ent-
wicklung des Kapitalismus und die Herausbildung der maschinellen
Großproduktion freigesetzte Dynamik im Fortschritt der Produktiv-
kräfte. Wenn heute gefragt wird, wie und mit welchen Arbeitsmit-
teln, auf welchem technischen Niveau die Lohnabhängigen arbeiten,
so zeigt sich paradoxerweise aber auch eine deutliche Begrenzt-
heit in der Entwicklung der materiellen Produktivkräfte. Tabelle
1 läßt erkennen, daß in der Bundesrepublik gegenwärtig rund drei
Viertel der Erwerbstätigen hauptsächlich mit einfachem Gerät
(Hammer, Schreibzeug, Handbohrmaschine oder Schreibmaschine sind
Beispiele), also auf einem niedrigen Mechanisierungsniveau, ar-
beiten. Lediglich jeder vierte Erwerbstätige hat überwiegend mit
Maschinen oder Anlagen der mittleren und höheren Mechanisierungs-
stufe oder mit automatischen Produktionsmitteln zu tun (von der
Werkzeugmaschine bis zur EDV-Anlage). Zusammen sind dies rund 5,4
Millionen Erwerbstätige, 37 Prozent von ihnen Frauen. Vom techni-
schen Mittel her gesehen charakterisiert also Arbeit auf hand-
werklichem Niveau die Tätigkeit der überwiegenden Mehrheit der
Erwerbstätigen. Das bedeutet selbstverständlich nicht, daß sie
nicht in viel breiterem Umfang auch mit Geräten und Prozessen hö-
heren technischen Niveaus zu tun hätten; für ihre Haupttätigkeit
sind sie aber nicht von entscheidender Bedeutung.
Die wesentliche Ursache dafür, daß Maschinerie auch heute noch
erst in einem relativ schmalen Sektor menschlicher Arbeitstätig-
keiten das bestimmende, übergreifende Moment bildet, hängt damit
zusammen, daß sich die Grundlinie der Produktivkraftentwicklung
seit der industriellen Revolution 10) trotz außerordentlicher
Produktivitätssteigerung und der Einführung einer Fülle von neuen
Technologien und Techniken nicht wesentlich gewandelt hat. Die
Übertragung der direkten Bearbeitungsfunktion des Menschen - der
Führung des Werkzeugs und der Aufbringung der erforderlichen Ope-
rationsenergie - vom Menschen auf die Maschine war der Schlüssel-
prozeß der industriellen Revolution. Damit wurde jener (aber auch
nur jener) Bereich der gesellschaftlichen Produktion technisch
vollständig umgewälzt, in dem sich die unmittelbare stoffliche
Verarbeitung und Umformung der Rohstoffe und Rohmaterialien voll-
zieht. So wurde schlagartig eine innere Entwicklungsschranke der
Produktivkraftentwicklung beseitigt - die Bindung des Produkti-
onsergebnisses an das Geschick, die Kraft, die Präzision des
(handwerklichen) Produzenten.
Tabelle 1:
Mechanisierung, Automation, Arbeitstätigkeit
in der Bundesrepublik 1979
Mechanisierungsstufe des hauptsächlich Erwerbstätige
verwendeten Arbeitsmittels absolut in Prozent
(in aller
Tausend) Erwerbs-
tätigen
1. Einfaches Handwerkzeug/Arbeitsgerät 12 174 55,2
(keine Mech./ Autom. z.B. Hammer, Feile,
Spaten, Pinsel, Schreibzeug, Zeichenbrett
u.ä.)
2. "Angetriebenes" Handwerkzeug (geringe 4 423 20,1
Mech./ Autom. z.B. Handbohrmaschine,
Schreibmaschine, Küchengeräte u.ä.)
3. "Handgesteuerte" Maschinen/Anlagen 2 931 13,3
(mittlere Mech./Autom.; z.B. Drehmaschine,
Fräsmaschine, Bohrmaschine, Nähmaschine,
Röntgengerät u.a.)
4. "Halbautomatische" Maschinen/Anlagen 1 241 5,6
(gehobene Mech./Autom.; z.B. Drehautomat,
Stanze mit automatischer Zufuhr,
Flaschenabfüllautomat, Spülmaschine u.ä.)
5. Computergesteuerte Maschinen/Anlagen 1 274 5,8
(hohe Mech./Autom.; z.B. EDV-Anlage,
Terminal, NC-Maschine u.ä.)
Insgesamt 22 043 100,0
_____
Quelle: F. Stooß/L. Troll, Die Verbreitung "programmgesteuerter
Arbeitsmittel", in: MittAB 2/1982, S. 170 (ohne ausländische Er-
werbstätige).
Spätere technologische Neuerungen, die große Produktivitätsschübe
mit sich brachten - die Revolutionierung der Antriebssysteme
durch den Elektromotor, die Durchsetzung des Fließbandprinzips -
blieben aber in den Rahmen der mit der industriellen Revolution
geschaffenen technologischen Produktionsweise eingegrenzt. Andere
Bereiche der materiellen Produktion, ganz zu schweigen von den
nichtproduzierenden Sektoren, konnten nicht oder höchstens sehr
begrenzt von Maschinenarbeit erfaßt und durchdrungen werden. Dies
gilt für die nachgelagerten Prozesse (Montage), für den der un-
mittelbaren Produktion vorgelagerten Bereich der Projektierung,
Konstruktion, Produktionsvorbereitung, für die prozeßintegrie-
rende Instandhaltung oder für Umschlags-, Transport- und Lager-
prozesse.
Erst mit der wissenschaftlich-technischen Revolution zeichnet
sich durch die Einführung von informationsverarbeitenden Techno-
logien hier eine Wende ab, die zur maschinellen Durchdringung
dieser und anderer Tätigkeitsbereiche des Reproduktionsprozesses
führen wird und eine neue technologische Produktionsweise begrün-
det.
II. Informationstechnologien: Perspektiven der Ausbreitung,
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Vernetzungstendenz
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Mit der systematischen Analyse der kapitalistischen Produktiv-
kraftentwicklung, bei der Marx die Beziehung Mensch-Arbeitsmittel
zum Ausgangspunkt machte und den technischen Fortschritt im Kern
als Vergegenständlichung menschlicher Produktions- und Ar-
beitsfunktionen im technischen Arbeitsmittel verstand, konnte er
jene Prozesse wissenschaftlich vorwegnehmen, in denen sich heute
eine neue, nur der industriellen Revolution logisch vergleichbare
Umwälzung des Produktivkraftsystems abzuzeichnen beginnt.
Einzelne Elemente einer solchen neuen technologischen Produkti-
onsweise, deren Kern die Übertragung geistig-intellektueller, in-
formationsverarbeitender oder logischer Arbeitsfunktionen des
Menschen auf technische Mittel darstellt, nehmen seit etwa zwei
Jahrzehnten Gestalt an und beginnen seit den siebziger Jahren Ar-
beitstätigkeiten und -bedingungen wachsender Gruppen der Arbei-
terklasse und der lohnabhängigen Mittelschichten zu prägen. Mit
ihrer Entwicklung werden jene inneren Hemmnisse der Produktiv-
kraftentwicklung überwunden (in Analogie zur Überwindung der be-
grenzten physischen Leistungsfähigkeit des Menschen durch die
Entwicklung der Arbeitsmaschine in der industriellen Revolution),
die sich bei der Verwissenschaftlichung und organisatorisch-tech-
nischen Durchrationalisierung des Produktivkraftsystems aus den
Grenzen menschlicher Fähigkeiten zur Aufnahme, Speicherung und
Umsetzung von Informationen nach Menge, Reaktionsgeschwindigkeit
und Präzision (an die die Verwendung mechanischer Arbeitsmittel
weitgehend gebunden bleibt) ergeben.
Die Anwendung solcher Informationstechnologien 11) in der Bundes-
republik vollzog sich seit Ende der fünfziger Jahre zuerst und in
engen Grenzen als Einführung relativ starrer, unflexibler Prozeß-
steuerungsanlagen in einigen Sektoren der Grundstoffindustrie und
des verarbeitenden Gewerbes mit vollkontinuierlichen Produktions-
prozessen, dann als Einführung zentraler EDV-Anlagen
(Großrechner) zur Verarbeitung von Massendaten in nichtproduzie-
renden Bereichen (Dienstleistungssektor, Verwaltungen) und als
Entwicklung der numerischen Steuerung von Werkzeugmaschinen in
den sechziger Jahren. Mit der Entwicklung informationsverarbei-
tender Technologien auf mikroelektronischer Basis zum Ende der
sechziger Jahre und deren rapider Miniaturisierung, Leistungs-
steigerung und Verbilligung hat sich seit Mitte der siebziger
Jahre das Anwendungsfeld der Informationstechnologien sprunghaft
ausgeweitet.
Bei der Vielzahl der technischen Entwicklungslinien sind zwei
Aspekte besonders zu betonen. Miniaturisierung der neuen Technik
geht mit w a c h s e n d e r F l e x i b i l i t ä t Hand in
Hand, was die Möglichkeit zu ihrer Integration in die verschie-
densten Klassen von Arbeitsmitteln und Tätigkeitsbereiche und zu
einer "dezentralen", "arbeitsplatznahen" Anwendung schafft. Damit
korrespondiert der in gewissem Sinne umgekehrte P r o z e ß
d e r I n t e g r a t i o n der verschiedenen technischen Sy-
steme, Ebenen und Anwendungsfelder von Informationstechnologien;
er kann sich sowohl auf der Ebene des Betriebes oder einzelner
seiner Abteilungen vollziehen, wie auch - zwischenbetrieblich,
raumübergreifend und Institutionen verschiedener gesellschaftli-
cher Sphären (Betriebe, staatliche Institutionen, "Privatper-
sonen") verknüpfend - netzwerkartig zur Herausbildung einer
entsprechenden "informationstechnologischen Infrastruktur" 12)
führen.
Die Einführung informationstechnologischer Arbeits- und Automati-
onsmittel stellt logisch im Sinne der Übertragung einer zweiten
zentralen Arbeitsfunktion des Menschen auf technische Mittel den
Schlüsselvorgang der wissenschaftlich-technischen Revolution dar,
und sie beginnt, neben anderen "traditionellen" Formen der Ratio-
nalisierung und Einführung neuer Technologien, auch quantitativ
in wachsendem Maße die Umstrukturierung der Arbeitsprozesse zu
bestimmen.
Nur ein begrenzter Teil der im gesellschaftlichen Reproduktions-
prozeß zu vollziehenden Arbeitsoperationen beinhaltet unmittelbar
die Be- und Verarbeitung materieller Rohstoffe und Halbfabrikate.
Demgegenüber sind im Prinzip alle Arbeitsoperationen mit der Ver-
arbeitung von Informationen verbunden; das Feld der durch die
Einführung von Informationstechnologien zu verändernden Tätigkei-
ten ist damit sehr viel weiter gesteckt und umfaßt sowohl die
produzierenden wie die nichtproduzierenden Wirtschaftsbereiche.
Die "Integrationskraft" der neuen Informationstechnologien beruht
auf diesem Sachverhalt: Durch mikroelektronische Miniaturisierung
flexibler geworden, können sie die verschiedensten Tätigkeitsbe-
reiche entlang der sie objektiv verbindenden Informationsstruktu-
ren und -flüsse miteinander verknüpfen. Ihr arbeitssparender und
produktivitätssteigernder Charakter schlägt um so mehr zu Buche,
je stärker diese Verknüpfung der informationellen und formali-
sierbaren Beziehungen zueinandergehöriger, bisher jedoch vonein-
ander getrennter Prozesse gelingt.
Wir geben jetzt zum besseren Verständnis einen knappen Überblick
über Formen ihrer Anwendung in einigen Bereichen der materiellen
Produktion, im Büro- und Verwaltungsbereich und in der überbe-
trieblichen Kommunikation, also in wichtigen Sektoren der Arbei-
terklasse. Dies geschieht in eher systematischer Form und bezieht
sich sowohl auf bereits angewandte wie gegenwärtig technisch in
der Erprobung bzw. vor der Einführung stehende Systeme. In der
betrieblichen Praxis erfolgt die Einführung der neuen Technolo-
gien jedoch keineswegs in dieser systematischen Form, sondern
eher punktuell, in unübersichtlicher und oft zuerst kaum zu er-
kennender Form. Dies ist auch ein zentrales Problem der gewerk-
schaftlichen Gegenwehr, da sich die Dimensionen der Veränderung
von Arbeitstätigkeiten, Arbeitsbedingungen und Beschäftigungssi-
tuation erst richtig beim Zusammenwachsen der einzelnen Einsatz-
formen der neuen Technologien zeigen. Gerade darum ist die Kennt-
nis ihrer Vernetzungsmöglichkeiten und -perspektiven von so
großer Bedeutung.
Auf der E b e n e d e r u n m i t t e l b a r m i t d e r
P r o d u k t i o n v e r b u n d e n e n B e r e i c h e
d e r k a p i t a l i s t i s c h e n F a b r i k zeigt sich
die Integrationstendenz in dem Bestreben, die Bereiche
"Entwicklung/Konstruktion", "Arbeitsvorbereitung", "unmittelbare
Produktion" und "Produktionsüberwachung" informationstechnolo-
gisch zu durchdringen und zu einem einheitlichen Mechanismus zu-
sammenzuschließen, dessen Struktur-Gerippe in einem durchgehenden
System miteinander verketteter automatischer Maschinerie bestehen
soll. 13) Dieser Prozeß vollzieht sich gegenwärtig in Teilschrit-
ten: In verschiedenen Abschnitten des Produktionsprozesses bilden
sich Einzel-Elemente der zukünftigen Struktur heraus, die oft un-
tereinander noch unverbunden bleiben. Die technischen Möglichkei-
ten für die einzelnen Automationsschritte sind erst in unter-
schiedlichem Maße gegeben, und neben technischen bestimmen insbe-
sondere ökonomische Faktoren darüber, ob und wie rasch der pro-
jektierte Gesamtmechanismus Gestalt annehmen wird. (Dies gilt im
übrigen, ohne daß es besonders betont werden müßte, für den Ge-
samtprozeß der gegenwärtigen Umwälzung im Produktivkraftsystem.)
Über die Verbreitung solcher Einzelelemente in Betrieben der Me-
tallindustrie informiert Tabelle 2.
In dem der unmittelbaren Produktion vorgelagerten Bereich
"Entwicklung/Konstruktion" ist die arbeitsorganisatorische Auf-
gliederung in Einzeltätigkeiten (wie: Herstellung von technischen
Zeichnungen, Konstruktionsberechnungen und Stücklisten) in den
technisch entwickelten Betrieben soweit vorangeschritten und
durch "traditionelle" technische Hilfsmittel gestützt, daß sich
durch CAD-Systeme (computergestütztes Konstruieren) die eindeutig
formalisierbaren Konstruktionsprozesse auf Computerprogramme
übertragen lassen. 14)
Die "Arbeitsvorbereitung" umfaßt Produktionsplanung und -steue-
rung. Die von der vorgelagerten "Entwicklung/Konstruktion"
erstellten technischen Zeichnungen und Stücklisten dienen hier
als Grundlage für die Auswahl und Festlegung von Arbeitsverfah-
ren, Werkzeugen, neuzukonstruierenden Betriebsmitteln, Arbeits-
vorgängen, Vorgabezeiten, Lohngruppen usf. sowie, im Rahmen der
Produktionssteuerung, der Festlegung der herzustellenden Stück-
zahlen, der Materialdisposition und Auftragsterminierung. Es han-
delt sich also um einen Bereich, der mit umfangreichen und sich
zudem rasch ändernden Informationsunterlagen zu tun hat
(Arbeitspläne, Materialscheine, Lohnscheine, Stücklisten etc.),
die bereits heute in Großbetrieben zu einem beachtlichen Teil mit
Hilfe von EDV erstellt und verwaltet werden; auch computerge-
stützte Arbeitsplanerstellung wird punktuell schon eingesetzt. Da
"Entwicklung/Konstruktion" und "Arbeitsvorbereitung" durch Infor-
mationsflüsse miteinander verbunden sind, besteht die Möglich-
keit, entsprechende EDV-gespeicherte Informationen mit Hilfe be-
sonderer Programme direkt zu Arbeitsplänen zu verarbeiten - eine
bereits heute realisierte Möglichkeit. 15) Jedoch steht der Inte-
gration von Systemen des CAD und des CAP (computergestützte Pro-
duktionsplanung) bisher technisch entgegen, daß die
"Dezentralisierung der Datenverarbeitung... zunächst zu einer
Vielzahl arbeitsplatzspezifischer Programmentwicklungen geführt
und dadurch den notwendigen Informationsfluß zwischen den Funkti-
onsbereichen und den logischen Zusammenhang zwischen den einzel-
nen Arbeitsschritten außer acht gelassen" hat. 16) Dieses Hemmnis
gilt auch für andere Integrationsprozesse.
Die Anwendung programmgesteuerter Arbeitsmittel in der u n-
m i t t e l b a r e n P r o d u k t i o n in Form von numerisch
gesteuerten Werkzeugmaschinen (Schwerpunkt Maschinenbau), von
Industrierobotern (Schwerpunkt Automobilindustrie), generell von
Handhabungsgeräten und deren Kopplung mit anderen automatischen
Anlagen zur Bearbeitung, zum Transport und zur Montage von
Werkstücken in Bearbeitungszentren bzw. flexiblen Fertigungssy-
stemen oder von automatisierten Produktionsanlagen bei der Her-
stellung, Montage und Prüfung elektronischer Bauelemente
(Elektroindustrie) hat sich - gemessen am Stand von Mitte der
siebziger Jahre - relativ rasch verbreitet (vgl. Tabelle 2). 17)
Demgegenüber reicht der Einsatz von Prozeßrechnern zur Überwa-
chung, Steuerung und Optimierung vollkontinuierlicher Produkti-
onsprozesse der V e r f a h r e n s t e c h n i k zeitlich sehr
viel weiter zurück; er stieß jedoch immer wieder an die Grenzen
der relativen Starrheit, großen Aufwendigkeit und eines hohen
Ausfallrisikos zentraler Prozeßrechner. Mit der Entwicklung von
Datenverarbeitung auf mikroelektronischer Basis und ihrer größe-
ren Flexibilität ergeben sich hier zahlreiche neue Anwendungsfel-
der.
Der Bereich der F e r t i g u n g s t e c h n i k m i t
S t ü c k g u t b e a r b e i t u n g war in der Vergangenheit
für Automationstechnik viel schwieriger zu erschließen. 18) Er
ist heute entweder ein Sektor "klassischer" Maschinenarbeit mit
hohem Qualifikationsniveau und starken Anforderungen an die Fle-
xibilität des Produktionsprozesses bei Einzel- und Kleinserien-
fertigung wie im Maschinenbau; oder ein Bereich der Serien- und
Massenfertigung, der das Fließprinzip einschließt und durch einen
hohen Anteil relativ gering qualifizierter Arbeitskräfte charak-
terisiert ist wie z.B. die Montage in der Automobil- und Elektro-
industrie. Die Mikroelektronik gibt die Möglichkeit, die Ferti-
gungstechnik mit ihren großen technisch-organisatorischen Niveau-
unterschieden insgesamt, sowohl im Bereich klassischer Maschinen-
arbeit wie in der Montage, für Automation zu öffnen.
Die Ansätze zur informationstechnologischen Durchdringung und
Verknüpfung unterschiedlicher Abteilungen des Produktionsbetrie-
bes haben Systeme der bereichsübergreifenden Informationserfas-
sung hervorgebracht, die zur Registrierung und Überwachung der
verschiedenen Stadien von Produktionsabläufen dienen. Solche
B e t r i e b s d a t e n e r f a s s u n g s s y s t e m e sind
zugleich in starkem Maße Instrumente der Kontrolle der Beschäf-
tigten und der Leistungsverdichtung; sie können mit entsprechen-
den Informationssystemen verbunden werden, dienen also keineswegs
nur der Erfassung technischer u.ä. Daten. Indem sie den Produkti-
onsablauf transparenter machen und der Betriebsleitung rasche
Entscheidungshilfen geben, sind sie auch Instrumente zur Vorbe-
reitung weitergehender Rationalisierungsschritte. 19)
Die B ü r o- u n d V e r w a l t u n g s a r b e i t umfaßt
in erster Linie Tätigkeiten, die mit der Verarbeitung von Daten
und Informationen verbunden sind. Die stoffliche Umwandlung von
Arbeitsmaterialien (die in der materiellen Produktion im Mittel-
punkt steht) findet hier nur als Veränderung von Daten- und In-
formationsträgern statt; Ziffern und Buchstaben auf dem Papier
sind die materielle Vergegenständlichung von Daten und Informa-
tionen, ohne die keine größeren arbeitsteiligen Prozesse der In-
formationsverarbeitung vollzogen werden können. Dem dienen auch
materielle Mittel der Daten- und Informationsübertragung.
Aus dieser Besonderheit folgte, daß im Bürosektor neben den be-
deutenden arbeitsorganisatorischen Rationalisierungsmaßnahmen zu-
erst nur diese "stoffverändernde" Seite durch Einführung von Bü-
rogeräten zum Schreiben, Vervielfältigen, Datenbuchen etc. mecha-
nisiert werden konnte. Auch elementare logische Funktionen der
Datenverarbeitung wurden, soweit sie rationell durch mechanische
Prinzipien zu bewältigen waren, auf technische Arbeitsmittel
übertragen. Die mechanische Rechenmaschine ist hier der Parade-
fall. Der Kern der in Büro und Verwaltung verrichteten Tätigkei-
ten wurde jedoch dadurch lange Zeit kaum berührt; die Bindung des
Arbeitsablaufs an die individuellen psycho-physischen Fähigkei-
ten, Qualifikationen und Dispositionen der Beschäftigten blieb
insofern sehr viel enger als im Bereich der materiellen Produk-
tion. Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung und Erhöhung der
Arbeitsintensität begrenzten sich im wesentlichen auf arbeitsor-
ganisatorische Rationalisierung, umfaßten nicht die weitergehende
Übertragung von Arbeitsfunktionen auf technische Mittel.
Seit den sechziger Jahren hat sich dies gründlich gewandelt. 20)
EDV konnte dort rationell angesetzt werden, wo es um die Erfas-
sung von Massendaten und standardisierten Informationen geht und
wo formalisierbare und relativ einfache logische Verknüpfungen
dieser Daten in großer Zahl vorgenommen werden müssen. Die Fort-
setzung der technischen Rationalisierung, die an der materiell-
stofflichen Seite der Daten- und Informationsträger ansetzte
(Speicherung), wurde insofern von Anfang an mit der programmge-
steuerten Verarbeitung der Daten verknüpft; elementare geistige
Arbeitsfunktionen wurden damit technischen Mitteln übertragen.
Dies gelang dort zuerst, wo die arbeitsorganisatorische Rationa-
lisierung bis zur Isolierung von Tätigkeiten vorangetrieben wor-
den war, die sich allein auf die Erfassung und einfachste Verar-
beitung von Massendaten bezogen (Rechnungswesen, Personalverwal-
tung usf.). Die Miniaturisierung und Leistungssteigerung der In-
formationstechnologien führte später zur Entwicklung von
"arbeitsplatznahen" programmgesteuerten Arbeitsmitteln (Bürocom-
puter; "Personalcomputer" mit begrenzten Kapazitäten), insbe-
sondere von Terminals, die als Ein- und Ausgabegeräte den
Arbeitsplatz mit zentralen Computern unterschiedlicher Hierar-
chien verbinden und die informationellen Arbeitsfunktionen am
Bildschirm abwickeln lassen.
Die Gerätetechnik (Hardware) ist Voraussetzung für die Übertra-
gung informationsverarbeitender Prozesse auf die vom Computer ab-
zuarbeitenden Programme (Software). Die Entwicklung und Gestal-
tung der Programme bilden dabei jedoch den eigentlichen materia-
lisierbaren Kern der Übertragung menschlicher Arbeitsfunktionen
auf Technik. Die Programme bestimmen den Lauf der Geräte, und
ihre Gestaltung entscheidet darüber, was, wie und oft auch, in
welchem Rhythmus gearbeitet wird. Die Arbeit an Terminal und
Bildschirm als einer entscheidenden "Mensch-Maschine-Schnitt-
stelle" wird zu einem wesentlichen Element der Bindung der Ange-
stellten an die Technik, der Vorgabe von Arbeitstempo und
-methode, der Kontrolle und der Einschränkung von Handlungsmög-
lichkeiten.
Datenerfassung, Textverarbeitung und Sachbearbeitung sind Haupt-
felder der Tätigkeit von Bürobeschäftigten mit einfachen und
mittleren Qualifikationen, die zur Arbeiterklasse gehören. Dies
sind auch die wichtigsten Einsatzbereiche der neuen Informations-
technologien im Büro. Neben der weiteren Einführung von EDV liegt
gegenwärtig das Hauptgewicht auf der Rationalisierung der Text-
verarbeitung, wobei Speicherschreibmaschinen, Bildschirm-Textsy-
steme und die bisher noch wenig verbreitete computergestützte
Textverarbeitung Ausgangspunkte sind.
Die mit der Einführung elektronischer Informationstechnologien
verbundenen Integrationstendenzen zeigen sich gegenwärtig bei der
V e r b i n d u n g d e r b e t r i e b l i c h e n D a t e n-
u n d T e x t v e r a r b e i t u n g m i t e i n e m
S y s t e m e x t e r n e r K o m m u n i k a t i o n s-
d i e n s t e. 21) Die Absicht der Post, solche Dienste wie das
Fernkopieren, die codierte Textübertragung und Bildschirmtext
über ein einheitliches, digitales Fernmeldetransportsystem abzu-
wickeln (Breitbandkabel auf Glasfaserbasis), soll Datenübertra-
gungszeiten radikal verkürzen und ein gewaltiges zusätzliches Ra-
tionalisierungspotential schaffen. Schon auf der Grundlage der
heute gegebenen Kupfer-Verkabelung (Telefonnetz) ist bei Digita-
lisierung der Dienste und Verfügbarkeit entsprechender Terminal-
Einrichtungen (Fernsehbildschirm, Verbindungseinrichtungen) an
fast jedem Ort der Zugriff auf faktisch unbegrenzte Datenmengen
möglich. Fortfall von Korrespondenz sowie neue Formen der Teil-
zeitarbeit und der Heimarbeit werden damit anvisiert.
Ähnliche wie die hier geschilderten Prozesse gelten für viele an-
dere Bereiche, insbesondere den Dienstleistungs- und Handelssek-
tor. Die neuen Informationstechnologien auf mikroelektronischer
Basis sind Schlüsseltechnologien der Produktivkraftumgestaltung,
die sowohl als Datenverarbeitungs- und Kommunikationsmittel wie
als Steuerungseinheiten in Stoffumwandlungs-, Verarbeitungs- und
Fließprozessen eingesetzt werden und als solche miteinander ver-
knüpft werden können. Sie erweitern das Anwendungsfeld der Compu-
tertechnologien ungemein und verschaffen ihnen erst die Möglich-
keit, alle anderen Technologien zu durchdringen, wo es um logi-
sche Operationen geht.
III. Neue Technologien im Produktivkraftsystem der Bundesrepublik
-----------------------------------------------------------------
zu Beginn der 80er Jahre
------------------------
Die siebziger Jahre waren eine Periode der raschen Einführung
neuer Technologien. Für ihre Verbreitung sollen einige Daten an-
geführt werden. Die Zahl der großen P r o z e ß r e c h n e r
für die Steuerung industrieller Prozesse erhöhte sich zwischen
1970 und 1978 in der BRD von 400 auf 18 446; bei großen
U n i v e r s a l c o m p u t e r n stieg sie in der gleichen
Zeit von 6 350 auf 18 385. Allein zwischen 1978 und 1982 hat sich
der G e s a m t b e s t a n d a n C o m p u t e r n (Prozeß-
rechner, Universalcomputer und Kleincomputer) von rund 185
Tausend auf über 356 Tausend fast verdoppelt. 22) Die Verbreitung
der B i l d s c h i r m g e r ä t e ist von rund 40 000 Mitte
der siebziger Jahre auf etwa 200 000 1980 gestiegen. 23) Die An-
zahl der Textverarbeitungssysteme (elektronische Schreibmaschi-
nen, Speicherschreibmaschinen mit externem Speicher, Systeme mit
Bildschirm, Drucker, externem Speicher) hat sich von 1978 bis
1982 von 26 000 auf 78 000 verdreifacht. 24)
Für den Bereich der materiellen Produktion folgende Angaben: 1982
waren in der BRD rund 35 000 n u m e r i s c h g e s t e u-
e r t e W e r k z e u g m a s c h i n e n 25) installiert (2,7
Prozent des gesamten Werkzeugmaschinenbestandes gegenüber 1980
25 000 oder 2,2 Prozent. Als Sättigungsgrenze gelten 15 Prozent).
1980 verfügten von den eingesetzten Maschinen rund die Hälfte
über CNC-Steuerung (Computersteuerung), von den im gleichen Jahr
produzierten Maschinen dagegen bereits 90 Prozent. Die Hälfte der
1980 installierten Maschinen waren Drehmaschinen, 60 Prozent
wurden für Losgrößen unter 50 Stück eingesetzt, also in der
Kleinserienfertigung. I n d u s t r i er o b o t e r: 26) Der
Bestand erhöhte sich von 1977 = rund 500 auf 3600 1982. Davon
entfielen etwa 2 500 auf die Werkzeughandhabung (darunter
Beschichten: 397; Punktschweißen: 1331; Bahnschweißen: 585;
Montage: 122), etwa 1000 Industrieroboter dienten der Werkstück-
Handhabung.
Wenn man in Rechnung stellt, daß andere produktionsnahe Automati-
sierungssysteme wie Einrichtungen des CAD oder flexible Ferti-
gungssysteme gegenwärtig erst in sehr begrenztem Maße installiert
sind, so zeigt die Übersicht, daß elektronische, programmgesteu-
erte Arbeits- und Produktionsmittel heute in erster Linie im Be-
reich der unmittelbaren Informationsverarbeitung zu finden sind.
Der Grund ist darin zu sehen, daß elektronische Geräte zur Steue-
rung von Produktionsprozessen schwerer anzuwenden sind als bei
ihrem Einsatz als reines Informationsverarbeitungssystem. Im er-
sten Fall benötigen sie eine komplizierte Sensortechnik zur In-
formationsaufnahme aus der Umgebung. Zusammen mit den oft als
"software-Krise" bezeichneten Hemmnissen in der Programmgestal-
tung dürfte hier das größte technische Problem bei der Entwick-
lung von Automationsmitteln liegen.
Probleme ergeben sich aber nicht nur aus dem unterschiedlichen
Entwicklungsstand von Gerätetechnik, Sensortechnik und Program-
men, sondern auch aus dem Niveau-Unterschied zwischen Automati-
onsmitteln und ihrer technischen und arbeitsorganisatorischen Um-
gebung. Dies zeigt sich beispielhaft beim Einsatz von Industrie-
robotern. Deren Anwendungsmöglichkeiten sind, wie Fachleute fest-
stellen, heute "noch immer sehr eingeschränkt. (...) Bei der Lö-
sung von Automatisierungsproblemen im Handhabungsbereich macht
der Industrieroboter vielleicht 50 Prozent der Lösung aus. Ein
ebenso großer Anteil entfällt auf die Peripherie, also die Umge-
staltung des Arbeitsablaufs. Erst wenn diese Abläufe entsprechend
automatisiert sind, lassen sich... etwa 30 Prozent der Ar-
beitsplätze im Produktionsprozeß der Metallverarbeitung durch Ro-
boter bedienen." 27)
Diese wenigen Angaben demonstrieren neben den Problemen und Gren-
zen der Einführung neuer Technologien auch deren Dynamik. Sie
lassen die Entwicklungsrichtung erkennen. Darüber hinaus zeigt
sich, daß auch dort, wo die einzelnen Automationselemente erst in
relativ geringer Zahl verbreitet sind, bereits eine große Zahl
von Betrieben und Belegschaften betroffen ist. Es ist wichtig,
dies festzuhalten, weil sich die Auswirkungen neuer Technologien
keineswegs nur auf die unmittelbar mit ihnen arbeitenden Beschäf-
tigten beziehen, sondern ganze Abteilungen und Belegschaften be-
treffen können, wie dies z.B. für die Einführung von Betriebsda-
tenerfassungssystemen gilt. Schließlich ist daran zu erinnern,
daß die Einführung einzelner Automationselemente i.d.R. weitere
Rationalisierungsschritte nach sich zieht und erfordert, um Pro-
duktivitätszuwachs und Kostenvorteile, die sich aus ihrer Vernet-
zung ergeben, voll ausschöpfen zu können.
Tabelle 2:
Neue Technologien in der Metallindustrie der BRD nach
Betriebsgrößenklassen 1982/83 (in Prozent der erfaßten Betriebe)
Technologie Gesamt- Beschäftigtenzahl
durch- -499 500-999 1000-1999 2000 u.m.
schnitt
1. Fertigungstechnologien:
NC/CNC-Maschinen 64 49 68 78 88
Bearbeitungszentren/
flexible Fertigungszentren 26 13 25 41 48
Industrieroboter 12 4 9 19 32
Automatische Montagesysteme 12 5 12 20 23
EDV-Meß- und Prüfsysteme 36 16 32 56 76
EDV-Fertigungssteuerung 36 21 35 49 68
EDV-Betriebsdatenerfassung
(BDE) 74 67 78 79 81
Automatische Hochregallager 12 1 9 19 40
2. Technologien im Büro- und
Verwaltungsbereich: EDV-unter-
stützte Sachbearbeitung 64 50 65 74 88
EDV-Textverarbeitung 42 29 39 52 72
Bildschirmstationen 81 65 88 96 96
Computerunterstütztes
Konstruieren (CAD) 17 7 9 24 53
Personalinformationssysteme 28 16 23 43 55
3. Zahl der erfaßten
Betriebe 983 418 244 176 139
_____
Quelle: Zusammengestellt nach: IG Metall, Erhebung zu den negati-
ven Folgen von Rationalisierung und technischem Wandel
(Kurzfassung), Frankfurt/M. 1983, S. 3 f.
Zur Verbreitung neuer Technologien in Betrieben der Metallindu-
strie der Bundesrepublik und den sozialen Folgen ihrer Einführung
liegen erste Ergebnisse einer Studie der IG Metall vor, die hier
wiedergegeben werden sollen. 28) Bei der Studie handelt es sich
um eine bundesweite Betriebsrätebefragung in über 1000 Betrieben
der Metallwirtschaft zu technischen und arbeitsorganisatorischen
Rationalisierungsmaßnahmen. Die Untersuchung, die vom Sommer 1982
bis zum Frühjahr 1983 durchgeführt wurde, erfaßte 15 Prozent al-
ler Metallbetriebe und 30 Prozent der Beschäftigten der Metallin-
dustrie; ihre Ergebnisse gelten als repräsentativ für Metallbe-
triebe mit über 100 Beschäftigten.
Tabelle 2 zeigt, daß Automations- und programmgesteuerte Arbeits-
mittel auf Basis von informationsverarbeitenden Technologien
sowohl den Fertigungs- wie den Büro- und Verwaltungsbereich der
untersuchten Betriebe voll erfaßt haben. Es handelt sich hierbei
u m e i n e r e a l e u n d s i c h a l l m ä h l i c h
d u r c h s e t z e n d e T e n d e n z in der Umgestaltung des
Produktivkraftsystems der Bundesrepublik. Die Studie bestätigt
auch, was zur D y n a m i k der Verbreitung neuer Technologien
gesagt wurde. Auf die Metallwirtschaft hochgerechnet, ergibt sie
z.B. für numerisch gesteuerte Werkzeugmaschinen einen derzeitigen
Bestand (1983) von rund 30 000 Maschinen, bei Industrierobotern
von 4 600 Stück, bei Bildschirmen von über 100 000. Verglichen
mit den oben genannten Angaben zeugt dies von Beibehaltung und
z.T. Erhöhung ihrer Einführungsgeschwindigkeit. Die Tabelle
zeigt, daß eine Reihe von Systemen (Betriebsdatenerfassung, nume-
risch gesteuerte Maschinen, Bildschirmarbeitsplätze, EDV-ge-
stützte Sachbearbeitung) über alle Betriebsgrößenklassen hinweg
bereits große Verbreitung gefunden hat. Bei ihnen handelt es sich
oft um einfache und inzwischen auch kostengünstiger einzuführende
Systeme. Die weitere Verbilligung und Leistungssteigerung neuer
Technologien dürfte ihre Verbreitung in Klein- und Mittelbetrie-
ben fördern. Damit würde auch dort die im großbetrieblichen Sek-
tor deutliche Tendenz zur Technologievernetzung zum Zuge kommen.
Die Einführung neuer Technologien bedeutet Ersetzung lebendiger
durch vergegenständlichte Arbeit. Sie drückt sich zuerst im Rück-
gang bestimmter, mit traditionellen Produktionsmitteln verbunde-
ner Beschäftigtenkategorien aus; andere Beschäftigtenkategorien,
die mit den neuen Technologien arbeiten oder sie entwickeln, neh-
men demgegenüber an Bedeutung zu. 29) Soweit es sich um höherqua-
lifizierte Spezialisten und Gruppen der lohnabhängigen Intelli-
genz handelt, können veränderte Anforderungen der materiellen
Produktivkräfte an den gesellschaftlichen Arbeitskörper auch zu
sozialstrukturellen Veränderungen führen; die für die siebziger
Jahre konstatierbare Tendenz zu einem (zeitweilig) rascheren
Wachstum von Mittelschichtgruppen hat in solchen Umbrüchen im
Produktivkraftsystem eine ihrer Wurzeln. 30) Der Wandel der Be-
rufsstruktur sagt jedoch noch wenig aus über die mit der Einfüh-
rung neuer Technologien verbundenen Veränderungen, denn die Be-
rufe selbst, die Tätigkeiten und abgeforderten Qualifikationen
ändern sich sehr viel rascher. Wir greifen daher noch einmal auf
die Statistik der Arbeitsmittel zurück.
Tabelle 3: Beschäftigte an "programmgesteuerten Arbeitsmitteln"
1979 (in Tausend und Prozent)
Ar- Arbeits- Arbeits- darunter
beits- mittel mittel
mit- wird über- wird haupt- Arbei- Ange- Beamte
tel haupt ver- sächlich ter stell-
wendet verwendet te
abso- % 1) abso- % 3) abso- % 4) abso- % 4) abso- % 4)
Programm-, computergesteuerte Maschinen! Anlagen Programmgesteu-
erte Maschine/ Automat, Fertigungsanlage
(z.B. Transferstraße, Walzstraße, Webanlage)
648 2,9 266 20,9 155 58,0 84 31,5 8 3,1
Verfahrenstechnische Großanlagen Energieerzeugung/-Umwandlung
z.B. Turbinen, Stromverteilungsanlagen usw.,
Chemieanlage), Verfahrenstechnische Anlage (z.B. Extraktionsan-
lage, Crackanlage, Zentrifuge, Elektrolyse usw.)
393 1,8 164 12,9 87 53,6 70 42,7 / /
Computergesteuerte medizinisch-technische Anlagen Medizinisch-
technische Anlage (z.B. computergesteuertes Narkosegerät,
computergesteuertes Infusionsgerät usw.)
214 1,0 64 5,0 / / 49 77,2 / /
Computer, EDV-Anlage, Terminal, Bildschirm
1006 4,6 366 28,8 30 8,2 305 83,2 24 6,6
"Moderne Büromittel" Schreibautomaten, Textverarbeitungsgerät,
Composer - elektronische Registrierkasse - automatische Kartei,
Registraturgerät - Kopiergerät, Mikrofilmgerät
3487 15,8 414 32,5 63 15,4 271 65,4 8 1,9
Alle "programmgesteuerten Arbeitsmittel"
4721 21,4 1274 100,0 340 26,7 779 61,1 53 4,1
2)
_____
1) Bezogen auf alle bundesdeutschen Erwerbstätigen 1979.
2) Durch Mehrfachnennung ist die Summe der Einzelangaben größer,
was zeigt, in welchem Umfang entsprechende Arbeitsmittel neben-
einander verwendet werden.
3) Bezogen auf alle Erwerbstätigen, die hauptsächlich mit
"programmgesteuerten Arbeitsmitteln" arbeiten.
4) Bezogen auf alle Erwerbstätigen, die mit dem entsprechenden
Arbeitsmittel arbeiten.
Quelle: Zusammengestellt nach: Fr. Stooß/L. Troll, Die Verbrei-
tung "programmgesteuerter Arbeitsmittel", in: MittAB, 2/1982, S.
171.
Tabelle 3 kann entnommen werden, daß heute jeder fünfte Er-
werbstätige (rund 4,7 Millionen Personen) mit "programmge-
steuerten Arbeitsmitteln" entweder als dem von ihm hauptsächlich
verwendeten oder als einem Arbeitsmittel unter anderen arbeitet.
Weitaus mehr Arbeiter und Angestellte kommen also in ihrer Arbeit
aktiv mit neuen Technologien in Berührung als jene knapp 6
Prozent der Erwerbstätigen (1,3 Millionen Personen), deren Arbeit
sie unmittelbar prägen. 31) Die weiteste Verbreitung haben
"moderne Büromittel" und Computer/EDV-Anlagen, Terminals und
Bildschirme gefunden, an denen hauptsächlich Angestellte ar-
beiten, also überwiegend kleinere und weniger aufwendige Geräte
zur Büro- und Verwaltungsrationalisierung. An computergesteuerten
Maschinen und verfahrenstechnischen Großanlagen arbeiten rund
430 000 Beschäftigte unmittelbar, davon waren mehr als die Hälfte
Arbeiter.
Bezogen auf die jeweilige soziale Gruppe waren programmgesteuerte
Arbeitsmittel am weitesten bei gehobenen Angestellten verbreitet
(10 Prozent arbeiteten hauptsächlich mit einem solchen Gerät),
gefolgt von der absolut sehr viel stärker besetzten Gruppe der
Angestellten mit mittlerer und einfacher Qualifikation (9 Pro-
zent), die mit 568 000 Erwerbstätigen die Masse jener stellen,
die mit "modernen Büromitteln" umgehen. Unter ihnen befinden sich
besonders viele Frauen im Rechnungswesen oder der Textverarbei-
tung wie überhaupt in den Büroberufen (sie stellten 1980 z.B. 77
Prozent der Buchhalter, 97 Prozent der Schreibkräfte). 32) Insge-
samt arbeiten mit "modernen Büromitteln" als Hauptarbeitsmittel
mehr Frauen (284 000) als Männer (130 000).
Bei den Arbeitern ist die Verbreitung entsprechender Geräte, An-
lagen und Maschinen geringer. Insgesamt arbeiten 4 Prozent von
ihnen hauptsächlich mit solchen Produktionsmitteln, mehr-un- und
angelernte (181000) als Facharbeiter (159000).
Wie in der Studie der IG Metall zeigt sich auch hier, daß die
aufwendigeren programmgesteuerten Maschinen, Anlagen und Computer
eher in größeren Betrieben installiert sind; demgegenüber finden
sich 60 Prozent der Arbeitsplätze, an denen "moderne Büromittel"
am häufigsten benutzt werden, in Kleinbetrieben unter 50 Beschäf-
tigten. Die hier ausgewertete Studie bezieht sich auf das Jahr
1979. Die seitherigen Erfahrungen lassen keinen Zweifel daran,
daß die Zahl der von der Einführung der neuen Technologien be-
troffenen Lohnabhängigen in der Bundesrepublik seither rasch ge-
stiegen ist.
IV. Auswirkungen auf die Arbeitsbedingungen bei Angestellten
------------------------------------------------------------
und Arbeitern
Neben den Beschäftigungsfolgen, die heute die gewerkschaftliche
Diskussion und Aktion stark bestimmen, sind weitreichende Verän-
derungen der Arbeitsbedingungen die gravierendste Folge der Ein-
führung neuer Technologien. Ihre unter den herrschenden sozial-
ökonomischen Bedingungen p o l a r i s i e r e n d e W i r-
k u n g auf den Gesamtarbeiter ist, keineswegs nur auf die
Qualifikation bezogen, nicht zu übersehen und findet in einschlä-
gigen Untersuchungen ihre Darstellung. Da aus dieser Tendenz in
der Vergangenheit wesentliche Widerspruchs- und Konfliktfelder
und damit Triebkräfte der Klassenauseinandersetzung erwuchsen -
zu erinnern ist an die Auseinandersetzungen in der Druckindustrie
oder um den Lohnrahmentarifvertrag II der Metall-Industrie Baden-
Württembergs 33) -, soll zum Abschluß kursorisch auf einige neue
industriesoziologische Ergebnisse verwiesen werden, die bei der
Untersuchung sozialer Folgen der Anwendung von Automationstechno-
logien in Betrieben der Bundesrepublik gewonnen wurden. Dabei
geht es nicht, wie die modische These vom "Verelendungsdiskurs"
nahelegen möchte, um anklagende Beschreibung von Automationsar-
beit als Begründung des Rufs nach "Rückkehr zur alten Position",
sondern um die Erfassung realer Prozesse; damit sollen Forderun-
gen und Bewegungen zur Verteidigung von Reproduktionsinteressen
der Arbeiterklasse fundiert werden - Bewegungen, die für die
Masse der Lohnarbeiter erst Voraussetzung der Aneignung neuer
Qualifikationen und Fähigkeiten im Umgang mit neuer Technik sind.
Neue Technologien werden in der Hauptsache dort zuerst und am
breitesten eingeführt, wo arbeitsorganisatorische Maßnahmen und
technische Rationalisierung relativ einfache, formalisierbare und
durch informationsverarbeitende Technologien beherrschbare Tätig-
keiten hervorgebracht haben. Sie führen meist zu weitergehender
Arbeitsteilung und tragen auch dort, wo sie ein hohes allgemeines
Qualifikationsniveau erfordern, zur Entwertung erworbener tradi-
tioneller Qualifikationen bei.
Die Übernahme menschlicher Arbeitsfunktionen durch technische
Mittel, insbesondere die Vergegenständlichung logischer Funktio-
nen in den Arbeitsablauf strukturierenden Programmen, wird unter
solchen Bedingungen zum Instrument der stärkeren Fesselung der
lebendigen Arbeit an die gegenständlichen Produktionsmittel. Dies
gilt für die Einschränkung von Spielräumen bei der individuellen
Arbeitseinteilung und -gestaltung, für die Bestimmung des Ar-
beitstempos oder der Reaktionszeiten im Bildschirm-"Dialog" mit
dem zentralen Rechner. Damit werden in vielen Bereichen die Ar-
beitsdisziplin und das Arbeitsergebnis stärker kontrollierbar,
Leistungskontrolle auf technischer Grundlage wird zum Mittel der
Intensivierung der Arbeit. Betriebsdatenerfassungssysteme sind
wichtige Instrumente hierfür.
Wachsende Unterordnung der lebendigen Arbeit unter den bestimmen-
den Gang des Arbeitsmittels verleiht zugleich den betrieblichen
Unterstellungsverhältnissen, die immer auch Mittel der Abpressung
von Mehrarbeit sind, eine gegenüber ihrer personengebundenen
Durchsetzung ausgeprägtere technische Struktur. Dies gilt beson-
ders für jene lohnabhängigen Gruppen, deren Arbeitsbedingungen
sich aufgrund ihrer konkreten Arbeitstätigkeiten noch deutlich
von jenen der Kerngruppen der Arbeiterklasse unterscheiden, ins-
besondere für die meisten Angestelltengruppen im Büro- und Ver-
waltungsbereich.
Hier ergab eine Untersuchung von Kudera u.a. über Rationalisie-
rungsfolgen bei A n g e s t e l l t e n in der Metallindustrie,
daß Angestellte der unteren Qualifikationsgruppen, deren Arbeit
bereits stark formalisierten und routinisierten Charakter trägt,
bei Einführung neuer Technologien "kaum etwas anderes zu gewärti-
gen haben, als Belastungszunahme, Reduktion der qualifikatori-
schen Anforderungen durch Standardisierung, Rationalisierung und
Spezialisierung ihrer Tätigkeit, sowie erhöhte Disponibilität im
Rahmen des Arbeitskräftebedarfs der Betriebe".
34) Wird hier ein bereits vorhandener Trend verstärkt, so wirken
neue Technologien auf der Ebene mittlerer Angestelltenqualifika-
tionen (im Bereich von Sachbearbeitern) ausgesprochen zwie-
schlächtig; z.T. lösen sie eine Einengung von Arbeitsinhalten
aus, z.T. führen sie zu Arbeitserweiterung und Vergrößerung von
Dispositionsräumen. Auf der Ebene der oberen Angestelltengruppen
ist, dieser Studie zufolge, die Einführung neuer Technologien
fast ausnahmslos Mittel der Erweiterung von Entscheidungsmöglich-
keiten; sie trägt eher zur Erhöhung von Qualifikation bei. 35)
Die kapitalistische Nutzung neuer Technologien bewirkt insofern
eine Tendenz der Angleichung der Arbeitsbedingungen für viele An-
gestelltenkategorien an solche, wie sie in ihrer Essenz für Ar-
beiter gelten; sie trägt gleichzeitig zur Verfestigung von sozia-
len Differenzierungen unter den Lohnabhängigen bei (so bei den
mittleren Angestelltengruppen) und verstärkt die Kontroll- und
Herrschaftspotenzen des Kapitals auf betrieblicher Ebene. Die
Einführung neuer Technologien wird damit Moment sozialstrukturel-
ler Prozesse. Gleichermaßen haben die Herausbildung neuer Spezia-
listengruppen und das Wachstum der lohnabhängigen Intelligenz
reale Grundlagen in objektiven Tendenzen der Produktivkraftent-
wicklung.
Gravierende Veränderungen der Arbeitstätigkeiten und Qualifikati-
onsanforderungen, der Belastungen und des Typs von Arbeit voll-
ziehen sich auch in Kernbereichen der A r b e i t e r b e-
s c h ä f t i g u n g. Dies gilt sowohl für hochqualifizierte,
traditionelle Facharbeitertätigkeiten (z.B. im Maschinenbau) wie
für bereits stark durch Taylorisierung und geringe Qualifikation
charakterisierte Detailarbeitsplätze etwa in Fertigungsprozessen
der Automobil- oder elektrotechnischen Industrie. 36)
Auch hier ist es ein allgemeines Kennzeichen der Einführung von
informationsverarbeitenden Rationalisierungstechnologien, daß sie
mit einer noch stärkeren Unterordnung der lebendigen Arbeitskraft
unter den Rhythmus des Maschinensystems verbunden sind. Für Be-
reiche mit bereits vorher ausgeprägter Arbeitsaufspaltung und
Fließfertigung wird konstatiert: "Waren schon die angelernten Tä-
tigkeiten in der mechanisierten Produktion inhaltlich und zeit-
lich weitgehend durch das technisch-organisatorische Fertigungs-
system vorgegeben, so gilt für die nach der Automatisierung ver-
bleibenden Restfunktionen menschlicher Arbeit eine ungleich rigi-
dere Einbindung in die Prozeßzeiten der neuen Anlagen. An Automa-
ten und hochintegrierten Fertigungsstraßen werden die Tätigkeiten
den Maschinen- und Prozeßzeiten sowie den technologischen Lücken
der Automatisierung angepaßt." 37)
Etwas anders verläuft die Entwicklung im Maschinenbau. Dort, wo
auf hohe Flexibilität der Produktion geachtet werden muß
(Kleinserien, Kundenwünsche etc.), bleiben Facharbeitertätigkei-
ten auch bei Einführung der numerischen Maschinensteuerung z.T.
erhalten, um in jedem Fall reibungslosen Produktionsgang zu si-
chern.
Die vom Produktionsgang abgeforderten Qualifikationen und Tätig-
keitsmerkmale der Arbeiter sind gleichfalls starken Veränderungen
unterworfen. Im Bereich der Montage und Fließfertigung setzen
sich Polarisierungsprozesse voll durch. Neben vergleichsweise we-
nigen Tätigkeiten der Anlagenführung und -überwachung mit kom-
plexem Qualifikationsniveau verbleibt eine größere Zahl inhalts-
armer, dequalifizierter Tätigkeiten, die die nicht-automatisier-
ten Lücken des Systems auszufüllen haben. Auch bei Einführung der
numerischen Steuerung von Werkzeugmaschinen dominiert die dequa-
lifizierende Tendenz der Auflösung von Facharbeit in einfachere
vorbereitende Tätigkeiten und solche der Maschinenüberwachung.
Neue Technologien im Produktionsbereich bedeuten damit auch, daß
eine Reihe qualifizierter Funktionen der Arbeitsvorbereitung,
Planung oder Projektierung aus dem unmittelbaren Produktionspro-
zeß ausgegliedert und in vorgelagerten Abteilungen zusammengefaßt
wird. Numerisch gesteuerte Maschinen werden zu 78 Prozent in der
Arbeitsvorbereitung programmiert. 38) Wie dargestellt, unterlie-
gen diese ausdifferenzierten Tätigkeitsfelder ebenfalls der in-
formationstechnologischen Rationalisierung. Sie sind insgesamt
jedoch eher das Arbeitsfeld höherqualifizierter (technischer) An-
gestellter und von Spezialisten.
***
Die mit der Einführung neuer Technologien im Arbeiter- wie Ange-
stelltenbereich festzustellende Tendenz, die im Umgang mit ihnen
notwendigen Funktionen des Menschen bzw. des Gesamtarbeiters -
wie Einrichten, Programmieren, Bedienen und Überwachen von Ma-
schinen und Anlagen, Projektieren, Planen, Entscheiden -auseinan-
derzureißen, folgt keineswegs einer zwingenden Logik der Technik
selbst. Hierfür gibt es genügend Beispiele aus der betrieblichen
Praxis, die belegen, was auch theoretisch aus dem Wesen der neuen
Technologien ableitbar ist: Sie sind in weiten Bereichen außeror-
dentlich flexibel zu gestalten und damit unterschiedlichen Inter-
essen anzupassen. Produktivkräfte entwickeln sich unter kapitali-
stischen Produktionsverhältnissen immer nur als Produktivkräfte
des Kapitals; ihre Entwicklung, ihr Einsatz, ihre komplexe Struk-
tur werden durch dessen Interessen bestimmt, vorangetrieben und
geformt. Sie sind nichtsdestoweniger Gegenstand des Klassen-
kampfs: Einfluß auf die Entwicklung, die konkrete Formung und den
Einsatz der Produktivkräfte zu nehmen, erweist sich unter den Be-
dingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution als drin-
gende Aufgabe der Arbeiterklasse, um dem Bestreben des Kapitals
Widerstand entgegenzusetzen, den Wert der Arbeitskraft durch Ent-
qualifizierung zu senken, technologische Systeme ausschließlich
unter dem Gesichtswinkel der optimalen Abpressung von Mehrarbeit,
der Arbeitsintensivierung und Unterwerfung der Arbeitskraft zu
gestalten.
Der Charakter der Arbeit bestimmt sich jedoch nicht primär von
seinen technisch-organisatorischen Bedingungen her, sondern ent-
scheidend von den Klassenverhältnissen. Die Durchsetzung alterna-
tiver Arbeitsgestaltung, über die in den Gewerkschaften zunehmend
diskutiert wird, hebt den Charakter kapitalistischer Lohnarbeit
als ausgebeutete und fremdbestimmte Lohnarbeit nicht auf, aber
sie wäre ein wichtiger Beitrag zur Verteidigung der Reprodukti-
onsinteressen der Arbeiterklasse.
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1) St. Voets, IMSF-Arbeitsgespräch zu neuen Technologien, in die-
sem Band; vgl. auch: L. Peter, Wissenschaftlich-technischer Fort-
schritt, neue Technik und Arbeiterbewegung, in: Marxistische Stu-
dien. Jahrbuch des IMSF 2/1979, S. 279 ff.
2) Vgl. H. Jung, Zur Arbeiterklasse der 80er Jahre. Struktur -
Kern - betriebliche Basis, in diesem Band.
3) K. Marx, Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses,
Frankfurt/M. 1968, S. 45 ff.
4) Vgl. zu dieser Kategorie der marxistischen Klassenanalyse:
Beiträge des IMSF 3, Klassen- und Sozialstruktur der BRD 1950-
1970, Teil I: Klassenstruktur und Klassentheorie, Frankfurt/M.
1972; H. Jung, a.a.O., Abschnitt 1.2.
5) K. Marx, Das Kapital, 1. Bd., in: MEW Bd. 23, S. 442.
6) Ebd., S. 443.
7) Ebd.
8) Karl Marx, Zur Kritik der politischen Ökonomie (Manuskript
1861-1863), in: MEGA ² II/3.6, Berlin 1982, S. 2059.
9) Vgl. hierzu W. Kudera, K. Ruff, R. Schmidt, Blue collar-white
collar: grey collar? Zum sozialen Habitus von Arbeitern und Ange-
stellten in der Industrie, in: Soziale Welt, H. 2/1983, S. 201
ff.
10) Vgl. H. Nick, Wissenschaftlich-technische Revolution - histo-
rischer Platz, Entwicklungsetappen, soziales Wesen, Berlin/DDR
1983; A. Leisewitz, Entwicklungsrichtungen des wissenschaftlich-
technischen Fortschritts und seiner gesellschaftlichen Anwendung,
in: IMSF (Hrsg.), Technik - Umwelt - Zukunft, Frankfurt/M. 1980,
S. 13 ff.
11) Vgl. ebd. sowie U. Briefs, Arbeiten ohne Sinn und Perspek-
tive? Gewerkschaften und "Neue Technologien", Köln 1980, S.
24ff.; J. Friedrich, F. Wicke, W. Wicke, Computereinsatz: Auswir-
kungen auf die Arbeit, Reinbek 1982 (= L. Zimmermann, Hrsg., Hu-
mane Arbeit. Leitfaden für Arbeitnehmer, Bd. 3); E. Rechtziegler
u.a. (IPW), Mikroelektronik im Dienst des Imperialismus, Ber-
lin/DDR 1982, auf der Grundlage einer Reihe von Beiträgen in:
IPW-Berichte, H. 9/1980 ff.
12) Vgl. Briefs, a.a.O., S. 54 ff.
13) Vgl. insbesondere J. Friedrich, F. Wicke, W. Wicke, a.a.O.
14) E.-F. Kaebelmann, Aufbau und Anwendung von CAD-Arbeitsplätzen
in der Konstruktion, in: Zeitschr. f. wiss. Fertigung, H. 4/1979,
S. 187 ff.; G. Zimmer, Automatisierung der Konstruktionsarbeit,
in: J. Hund (Hrsg.), Unterm Rad des Fortschritts?, Köln 1981, S.
105 ff.
15) SOFI Göttingen, Zum Einsatz rechnergestützter Systeme der
Fertigungssteuerung - Ihre Auswirkung auf die Betriebsstruktur
und die Situation der Beschäftigten, in: SOFI-Mitteilungen
5/1981, S. 15 ff.
16) J. Friedrich, F. Wicke, W. Wicke, a.a.O., S. 99.
17) Vgl. neben der zit. Lit.: WSI-Mitteilungen, H. 2/1983, ver-
schiedene Beiträge.
18) Vgl. die Fallstudien bei: K. Benz-Overhage, E. Brumlop, Th.
von Freyberg, Z. Papadimitriou, Neue Technologien und alternative
Arbeitsgestaltung. Auswirkungen des Computereinsatzes in der in-
dustriellen Produktion, Frankfurt/New York. 1982; R. Bispinck,
Montagetätigkeit im Wandel, in: WSI-Mitteilungen, H. 2/1983, S.
88 ff.
19) J. Hofmann, Personalinformationssysteme, Frankfurt/M. 1982,
nachrichtenreihe H. 21.
20) Vgl. A. Glaesmer, Th. Steinberg, Angestelltenrationalisierung
und Gegenwehr, Frankfurt/M. 1979;
G. Trautwein-Kalms, Rationalisierung in Büro und Verwaltung, in:
WSI-Mitteilungen, H. 2/1983, S. 119 ff.; U. Briefs, a.a.O.
21) Vgl. ifo-schnelldienst, H. 19/1982, S. 6 ff., sowie die Stel-
lungnahmen von DGB-Einzelgewerkschaften in: Gewerkschaftliche Mo-
natshefte, H. 6/1983, S. 370 ff.
22) Lt. Diebold-Statistik, lfd.
23) J. Friedrich, F. Wicke, W. Wicke, a.a.O., S. 246.
24) ifo-schnelldienst 1-2/1983, S. 22; VDI-Nachrichten 13/1983.
25) Daten für 1982: Mitteilung der VDMA; für 1980: J. Friedrich,
F. Wicke, W. Wicke, a.a.O., S. 120 f.; der gewerkschafter, H.
5/1982.
26) VDI-Nachrichten 5/1983 und 11/1983.
27) wirtschaftswoche H. 15/1983, S. 80. Welche Potenzen jedoch
auch beim heutigen Niveau der Automatisierungstechnik durch An-
passung von neuer Technik, Produkt und Produktionsumgebung (mit
großen Kapitalinvestitionen) freigesetzt werden können, zeigt der
einjährige Betrieb einer der derzeit modernsten Automobilfabriken
der Bundesrepublik, des Ingolstädter Werks für Rohbau und Montage
der Karosserie des Audi. Die Einrichtung neuer Produktionsanlagen
wurde mit einer Neukonstruktion der Karosserieteile verbunden,
die ihre automatische Handhabung und Fügung erlaubt. Abgeändert
wurde auch die Aufbaufolge der Karosserie. Im Rohbau werden sämt-
liche Schweißarbeiten mit vollmechanisierten Schweißanlagen und
insgesamt 260 frei programmierbaren Schweißrobotern erledigt. Die
Teilezuführung erfolgt vollautomatisch, bei Störungen kann der
Ersatz von Robotern über die Rechnersteuerung der Anlage koordi-
niert werden. Für die Präzisionskontrolle werden Meßmaschinen mit
automatischer Ergebnisauswertung verwandt. "Handarbeit, die im
alten Rohbau dominierte, ist nun fast ausgestorben. Sie ist nur
noch für das Einlegen und an wenigen anderen Stellen erforder-
lich, wo Automatisierung keinen betriebswirtschaftlichen Vorteil
bringt. So sank der Personaleinsatz auf etwa ein Siebtel des frü-
heren Bedarfs." Zu den Rationalisierungsvorteilen, die sich bei
der völligen Neustrukturierung dieses Fertigungsabschnittes erga-
ben, zählen die Einsparung von Löhnen durch Reduzierung der Be-
schäftigten, Qualitätssteigerung durch höhere Meßgenauigkeiten,
eine höhere Prozeßsicherheit, die es erlaubte, die Zahl der
Schweißpunkte gegenüber dem Vorgängermodell um rund 30 Prozent zu
senken, und eine drastisch gestiegene Nutzungsdauer der Gesamtan-
lage. Die flexible, nicht typengebundene Ausstattung der Ferti-
gungsstraße soll künftig Modellwechsel ohne Verschrottung der
meisten Komponenten bei Umprogrammierung und Neupositionierung
der Roboter gestatten. Die anschließende Montage des Wagens ist
demgegenüber weiterhin der personalintensivste Fertigungsab-
schnitt (nach VDI-Nachrichten 31/1983). Daß auch der Bereich ma-
nueller Montage in hohem Grad durch Einsatz von Regeltechnik und
Industrierobotern automatisiert werden kann, zeigt die 1983 in
Betrieb genommene Anlage zur Endmontage des "Golf" in Wolfsburg.
(Vgl. VDI-Nachrichten 34/1983).
28) IG Metall, Erhebung zu den negativen Folgen von Rationalisie-
rung und technischem Wandel, Frankfurt/M. 1983 (Kurzfassung).
29) Entwicklung der Erwerbstätigkeit in einigen Berufsgruppen,
Angaben für 1970/1980, in Tausend: Drucker 189/159, Dreher
198/150; Buchhalter 356/261, Stenographen, Stenotypisten, Maschi-
nenschreiber 413/358, Technische Zeichner 118/109; Datenverarbei-
tungs-Büroberufe 99/160, Techniker 541/768, Ingenieure 426/469.
Zum Vergleich: Studenten mathematischer, naturwissenschaftlicher
und ingenieurwissenschaftlicher Fachrichtung 1973 265 Tausend,
1980 347 Tausend. Zusammengestellt nach: Wirtschaft und Statistik
H. 7/1981, S. 442 *; L. Troll, Arbeitsplatz Büro, MittAB 4/1982,
S. 485; Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, Grund- und
Strukturdaten 1977, S. 81; ebd., 1981/82, S. 116 f.
30) Vgl. H. Jung, a.a.O.
31) Allerdings ist einschränkend festzuhalten, daß die Erhebung
zumindest unter "modernen Büromitteln" auch technische Mittel er-
faßt, die nicht im engeren Sinne zu Automationsmitteln oder in-
formationsverarbeitenden Technologien zählen.
32) Wirtschaft und Statistik, H. 7/1981, S. 442 *.
33) Vgl. hierzu u.a.: B. Güther/K. Pickshaus, Der Arbeitskampf in
der Druckindustrie im Frühjahr 1976, Soziale Bewegungen. Analyse
und Dokumentation des IMSF, H. l, Frankfurt/M. 1976; C. Weber,
Rationalisierungskonflikte in Betrieben der Druckindustrie,
Frankfurt/New York 1982; U. Laube, Gewerkschaftliche Tarifpolitik
und industrielle Arbeitsbedingungen in der BRD, Köln 1981; B.
Spannhake, Die Arbeitsbedingungen zwischen Humanisierung und
Rationalisierung. Ansätze gewerkschaftlicher Strategiebildung,
Köln 1982.
34) W. Kudera, K. Ruff, R. Schmidt, Th. Wentzke, Betriebliche Ra-
tionalisierung und Angestellte. Eine Umfrage unter Betriebsräten
der bayerischen Metallindustrie, Köln 1979, S. 60.
35) Ebd., S. 62.
36) Vgl. K. Benz-Overhage u. a., a.a.O., S. 557ff.; die Beiträge
in WSI-Mitteilungen, H. 2/1983 (Computer und Arbeit - Humanisie-
rung durch Automatisierung?); H. Borcherding, Th. Cleemann,. R.-
W. Hoffmann, B. Irrek, H. Schranz, Die Biografie des Dreherbe-
rufs, Göttingen (SOFI), o.J. (1982); A. Sorge, G. Hartmann, M.
Warner, I. Nicholas, Mikroelektronik und Arbeit in der Industrie,
Frankfurt/New York 1982; W. Wobbe-Ohlenburg, Automobilarbeit und
Roboterproduktion. Eine Fallstudie zum Einsatz von Industrierobo-
tern im Volkswagenwerk, West-Berlin 1982.
37) K. Benz-Overhage u.a., a.a.O., S. 559 f.
38) K. Benz-Overhage, Automatisierung der Fertigung im Maschinen-
bau und ihre Folgen für die Arbeitsgestaltung, in: WSI-Mitteilun-
gen, a.a.O., S. 81.
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