Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 06/1983
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DIE ROLLE DER XENOFINANZMÄRKTE IN DER
INTERNATIONALEN FINANZKRISE
Bernhard Roth
1. Überblick - 2. Erscheinungsbild und aktuelle Ursachen der in-
ternationalen Finanzkrise - 2.1 Die Schuldenkonzentration auf ei-
nige Schwellenländer - 2.2 Gefährdung internationaler Großbanken
- 2.3 Privatisierung der Zahlungsbilanzfinanzierung und ihre Fol-
gen für die EL - 2.4 Zahlungsschwierigkeiten der Schwellenländer
- 3. Die Xenofinanzmärkte: Zentrum der Labilität der internatio-
nalen Finanzbeziehungen - 3.1 Entstaatlichung der Geldordnung? -
3.2 Die Xenofinanzmärkte: Ursache der Zinsexplosion? - 4. Der Zu-
sammenhang zwischen privater Zahlungsbilanzfinanzierung und Wäh-
rungskrise
1. Überblick
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Durch die Zahlungseinstellung großer Schuldnerländer 1982 drohte
ein kumulativer Zusammenbruch des internationalen Kreditgebäudes,
der jedoch bisher durch ein geschicktes internationales Schulden-
management vermieden werden konnte. Gefährdet sind insbesondere
die Eurokredite der internationalen Banken an einige Schwellen-
länder, die infolge der Weltwirtschaftskrise zahlungsunfähig ge-
worden sind. Vordergründige Ursache dieser Entwicklung war die
Hochzinspolitik, die die Schuldendienstverpflichtungen dieser
Länder gewaltig anschwellen ließ, während gleichzeitig die Expor-
terlöse und damit die Deviseneinnahmen infolge der weltwirt-
schaftlichen Stagnation drastisch zurückgingen. Die Schuldnerlän-
der befinden sich heute in einer Situation, in der sie neue Kre-
dite überwiegend aufnehmen müssen, um alte Schulden zu bezahlen,
und in der die Auflagenpolitik des Internationalen Währungsfonds
(IWF) ihre nationale Souveränität und Wirtschaftskraft zu schwä-
chen droht - mit der längerfristigen Folge, daß die Schwellenlän-
der sich kaum von ihrer Schuldenlast befreien werden können. Im
Hintergrund dieser internationalen Finanzkrise, deren Lösung ak-
tuell nicht absehbar ist, steht eine neue Entwicklung in den
siebziger Jahren, die eng mit dem Zusammenbruch des Währungssy-
stems von Bretton Woods zu analysieren ist: Die gewaltige Expan-
sion der internationalen Kreditmärkte (Euro-/Xenokreditmärkte;
xeno = fremd) und deren Öffnung für Länder mit Zahlungsbilanzpro-
blemen, d.h. für einige kapitalistische Industrieländer (IL) und
für ausgewählte Schwellenländer. Die Finanzierung der immer grö-
ßer werdenden Zahlungsbilanzdefizite durch die internationalen
Banken verschleppte in den siebziger Jahren zunächst den Ausbruch
einer Krise, die angesichts wachsender weltwirtschaftlicher Un-
gleichgewichte bereits herangereift war. Sie ermöglichte zeitwei-
lig die Fortsetzung expansiver Kapitalstrategien und enthob die
IL der Aufgabe, den Forderungen der Entwicklungsländer (EL) nach
einer neuen Weltwirtschaftsordnung entgegenzukommen. Zugleich je-
doch entwickelten die Xenofinanzmärkte zunehmend eine Eigendyna-
mik, die zur Bedrohung der internationalen Finanzbeziehungen ins-
gesamt und zur Störung nationaler wirtschaftspolitischer Strate-
gien führte. Scheinbar ohnmächtig standen die kapitalistischen
Nationalstaaten den Entwicklungen auf den unkontrollierten
Xenofinanzmärkten gegenüber, denen häufig auch die Verantwortung
für die Zinsexplosion in den letzten Jahren und für Währungsunru-
hen zugewiesen wurde.
Im Mittelpunkt dieses Aufsatzes steht neben der Untersuchung der
aktuellen Ursachen der internationalen Finanzkrise die Frage nach
dem Charakter und der Rolle der Xenofinanzmärkte, die in diese
Krise verwickelt sind. Eine Hauptthese, die in diesem Zusammen-
hang zu belegen versucht wird, ist, daß die vielbeschworene Un-
kontrollierbarkeit und Supranationalität dieser internationalen
Finanzmärkte nicht aus der faktischen Unmöglichkeit ihrer natio-
nalstaatlichen Regulierung entspringt, sondern zum einen aus ei-
ner zeitweiligen Interessenübereinstimmung zwischen führenden ka-
pitalistischen IL, den internationalen Konzernen (IK) und den in-
ternationalen Banken an dieser Entwicklung resultiert und zum an-
deren aus Interessendivergenzen zwischen den führenden kapitali-
stischen Ländern zu erklären ist.
2.) Erscheinungsbild und aktuelle Ursachen
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der internationalen Finanzkrise
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2.1 Die Schuldenkonzentration auf einige Schwellenländer
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Eine internationale Finanzkrise, d. h. eine Stockung der interna-
tionalen Kreditvergabe, droht immer dann, wenn wichtige Schuld-
nerländer zahlungsunfähig sind und Zahlungsaufschub und Umschul-
dung verlangen, dieses Verlangen jedoch daran scheitert, daß die
Gläubiger sich aus diesen bedrohten Kreditbeziehungen zurückzu-
ziehen versuchen. Sofern in dieser Situation wichtige Gläubiger-
banken einen Großteil ihrer Forderungen auf die zahlungsunfähigen
Länder konzentriert haben, kann es zu Bankzusammenbrüchen kommen.
Durch die enge internationale Verflechtung der Banken über den
Interbankenmarkt können solche Zusammenbrüche relevanter Großban-
ken zu einer Kettenreaktion führen, die das ganze internationale
Kreditgebäude gefährden und auch Banken, die im wesentlichen na-
tional tätig sind, bedrohen kann. Gegenwärtig sind die Vorausset-
zungen für den Ausbruch einer akuten internationalen Finanzkrise
im Prinzip gegeben:
E r s t e n s konzentriert sich die Masse der internationalen
Kredite auf einige exponierte Schwellenländer, die den anfallen-
den Schuldendienst nicht mehr bewältigen können;
z w e i t e n s korrespondiert die Konzentration der Schulden
auf wenige Länder mit einer Häufung der entsprechenden Forderun-
gen bei einem begrenzten Kreis internationaler Großbanken, deren
Eigenkapital zur Deckung der entstandenen Risiken nicht aus-
reicht.
Eine hohe und rasch wachsende Verschuldung von Entwicklungslän-
dern und eine damit einhergehende hohe Schuldendienstquote
(Tilgungs- und Zinszahlungen in Prozent der Exporterlöse) sind
keine neuen Probleme. Tabelle 1 zeigt, daß das Wachstum der Ver-
schuldung der EL bereits vor der ersten Ölpreisrunde erheblich
war und jenem in den siebziger Jahren kaum nachstand. Real ge-
rechnet, d.h. unter Berücksichtigung der steigenden Inflations-
raten, wuchs die Verschuldung der EL 1967-1973 jährlich um durch-
schnittlich 15,5 Prozent, während sie im Durchschnitt der siebzi-
ger Jahre nur real um jährlich 9,7 Prozent zunahm. 1) Auch die
Schuldendienstquote hatte vor 1973 bereits über 9 Prozent betra-
gen, so daß die Überschreitung der als kritisch geltenden 12-Pro-
zent-Marke Ende der siebziger Jahre nicht allzu dramatisch er-
schien. Insgesamt nahm der Schuldendienst aller EL relativ zu
wichtigen Vergleichsgrößen wie dem BIP, den Exporten und den Wäh-
rungsreserven der EL seit 1973 nicht dramatisch zu. 2)
Tabelle 1:
Nominale Zuwächse der Auslandsverschuldung der Entwicklungsländer
1965-1982, jährlich durchschnittliche Wachstumsraten in Prozent
1965-69 1969-73 1973-77 1977-82 1970-80
13,7 19,3 21,2 23,3 20,6
_____
Quelle: Weltbank, Weltentwicklungsbericht 1981 u. Jahresbericht
1974; M. Holthus, Die Entwicklung der Auslandsverschuldung seit
1973, in: H.B. Schäfer (Hg.), Gefährdete Weltfinanzen, Bonn 1980,
Tab. 1; DIW-Wochenbericht 4/83, S. 38; eig. Berechnungen.
Eine solche Durchschnittsbetrachtung verdeckt jedoch die Kumula-
tion der Probleme bei einigen wenigen Ländern. So stieg die
Schuldendienstquote der ö l i m p o r t i e r e n d e n EL von
18 Prozent (1980) auf 24 Prozent (1982) und für die 20 meistver-
schuldeten EL von 29 Prozent auf 38 Prozent. In diesen Berechnun-
gen der Schuldendienstquoten sind jedoch die k u r z f r i-
s t i g e n Verschuldungen der EL n i c h t berücksichtigt!
Bezieht man diese in den letzten Jahren für die EL immer
bedeutender gewordene Kreditart in die Berechnung mit ein, so
verdoppeln sich die oben genannten Schuldendienstquoten. Für die
lateinamerikanischen Länder erreichten sie nach dieser Be-
rechnungsweise sogar ca. 125 Prozent. Für 1982 bedeutete dies
Schuldendienstverpflichtungen von ca. 88 Milliarden Dollar (davon
ca. 45 Milliarden Dollar Zinsverpflichtungen), die zum größten
Teil von den fünf meistverschuldeten lateinamerikanischen Ländern
aufzubringen und an die internationalen Banken abzuführen waren.
3) Diese fünf Länder, die 1982 in akute Zahlungsnöte geraten wa-
ren, vereinigten 1982 ca. 36 Prozent (1976 ca. 28 Prozent) der
gesamten Auslandsverschuldung und 73 Prozent der Verbindlichkei-
ten der EL bei den internationalen Banken auf sich. 4)
Tabelle 2:
Auslandsverschuldung, Schuldenstruktur und Schuldendienst der
wichtigsten lateinamerikanischen Schuldnerländer
Brasi- Mexiko Argen- Vene- Chile Zusam-
lien tinien zuela men
Auslandsschulden 1972 8 5 4 - 3 -
(insgesamt) 1976 26 19 6 4 4 59
in Mrd. $ 1982 90 80 45 30 17 262
Anteil an den gesamten
Auslandsschulden
d. EL: 1976 12% 9% 3% 2% 2% 28%
1982 12% 11% 6% 4% 3% 36%
Anteil d. Kredite westl.
Banken an d. Gesamt-
verschuldung: 1982 72% 81% 56% 91% 69% -
Anteil d. kurzfrist. Kre-
dite an d. Bankverschul-
dung: 1982 34% 50% 52% 60% 41% -
Schuldendienst-
quote 1) 1972 13% 24% 22% - 13% 2) 24%
1982 117% 126% 153% 101% 116% -
_____
Quelle: Weltbank, Weltentwicklungsbericht 1980 u. 81 u. Jahresbe-
richt 1974; DIW-Wochenbericht 4/83, S. 40; M. Holthus, Die Ent-
wicklung..., a.a.O., S. 127; Th. Kampfmeyer, Die Verschuldung.
.., a.a.O., S. 4; Stern 3.2.83, Gnadenfrist für den Welt-Konkurs;
eig. Berechnungen
1) Tilgungs- u. Zinszahlungen in % der Exporte von Gütern und
Dienstleistungen
2) 1972 verminderten sich die Schuldendienstzahlungen Chiles we-
gen Zahlungsverzug. Dies erklärt die relativ zu früheren Jahren
niedrigere Schuldendienstquote
2.2 Gefährdung internationaler Großbanken
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Mit der Konzentration der Masse der Kredite auf relativ wenige
Schuldnerländer korrespondiert eine ähnlich große Konzentration
der Forderungen auf eine beschränkte Anzahl internationaler Groß-
banken. Nur 24 US-Banken vereinigen 83 Prozent aller US-Auslei-
hungen an die EL, deren Umfang ca. 180 Prozent des Eigenkapitals
dieser Banken ausmacht. Für die fünf größten US-Banken sieht
diese Relation noch kritischer aus. Ihre Forderungen an ölimpor-
tierende EL betrugen 1977 bereits 156 Prozent ihres Bruttokapi-
tals und stiegen 1980 auf 204 Prozent des Eigenkapitals an. Die
Einstellung der Zinszahlungen der drei größten lateinamerikani-
schen Schuldner (Mexiko, Brasilien, Argentinien) bedeutete allein
für die fünf größten US-Banken einen Ausfall in der Höhe von ca.
75 Prozent ihrer bisherigen Gewinne. Bedrohlich ist insbesondere
auch die Konzentration der Bankforderungen auf einzelne EL. Be-
reits 1979 überschritten in 36 Fällen die Forderungen an e i n
e i n z e l n e s EL 30 Prozent des Eigenkapitals der jeweiligen
US-Bank. 1980 zählte man bereits 80 Fälle, in denen die Sicher-
heit einer US-Bank durch Forderungen an e i n EL bedroht war.
5)
Auch BRD-Banken haben allein in Mexiko und Brasilien ca. 25 Mil-
liarden DM an Krediten und Anleihen plaziert. Die Hauptgefahr für
diese Banken geht jedoch von ihrer engen Verflechtung mit den be-
drohten US-Banken (und deren Auslandsfilialen) über den Interban-
kenmarkt aus. 6) Nicht zuletzt ist das internationale Finanzsy-
stem bereits erheblich durch bedeutende Abschreibungen im Zusam-
menhang mit Konkursen und Zahlungsunfähigkeit von zahlreichen
Klein- und Mittelunternehmen und großer Konzerne wie der AEG, In-
ternational Harvester, Massey Ferguson, Penn Square, Drysdale
u.a. angeschlagen. 7)
Inzwischen haben die bewußt gewordenen hohen Risiken bei der Kre-
ditvergabe an die EL zu einem Stillstand und teilweise sogar zu
einer Reduzierung der Bankausleihungen geführt. Während 1981 den
EL noch für 40 Milliarden Dollar längerfristige Eurokredite zuge-
sagt wurden, waren es 1982 nur noch 32 Milliarden Dollar, wobei
in der zweiten Jahreshälfte ein besonders starker Einbruch er-
folgte. In einer Situation, in der die betroffenen EL zum Erhalt
ihrer Zahlungsfähigkeit auf die Fortsetzung internationaler Li-
quiditätszuflüsse angewiesen sind, drohen diese Zahlungen ins
Stocken zu geraten. Besonders krisenverschärfend erweisen sich
nun die überwiegend kurzfristigen Kreditvergaben in den letzten
Jahren. Solche kurzfristigen Kredite, die mit hohen Risikomargen
(spreads) versehen waren, wurden von den internationalen Banken
in der Erwartung vergeben, sich im Gefahrenfall rasch aus dem
"Geschäft" zurückziehen zu können. Faktisch führte dies dazu, daß
ein immer größerer Umfang der EL-Verschuldung im vergangenen Jahr
fällig wurde oder demnächst fällig wird. Damit verstärkt sich für
die EL das Problem, den Hauptteil der aufgenommenen neuen Kredite
für die Tilgungs- und Zinszahlungen früherer Kredite verwenden zu
müssen. Dies ist ein Teufelskreis, aus dem auf der anderen Seite
auch die Banken nicht ohne weiteres aussteigen können, wollen sie
nicht den Stop der gesamten Schuldendienstzahlungen der betroffe-
nen EL riskieren. Ein Schlaglicht auf die kritische Situation im
internationalen Kreditwesen wirft auch die zunehmend selektive
Kreditvergabe auf dem Interbankenmarkt: Für gefährdete Banken ist
es zunehmend schwieriger geworden, die Refinanzierung ihrer mit-
tel- und langfristigen Kredite zu sichern. Gelingt eine solche
Refinanzierung nicht mehr, sehen i. d. R. Vertragsklauseln eine
sofortige Rückzahlung der gesamten Kredite vor, wozu die
Schuldner jedoch nicht in der Lage sein werden. 8)
Bisher konnte ein internationales Krisenmanagement unter Ein-
schaltung des IWF und wichtiger Zentralbankdirektoren eine völ-
lige Kreditstockung verhindern und die internationalen Großbanken
zur Zustimmung zu Zahlungsaufschüben und Umschuldungen bewegen.
Letztlich deckt sich die Fortsetzung der Kreditvergabe an be-
drohte EL auch mit den Interessen der beteiligten Banken, denen
überwiegend bewußt ist, daß ein Rückzug aus dem risikoreichen in-
ternationalen Kreditgeschäft über die enge internationale Bank-
verflechtung zur Gefährdung der eigenen Existenz führen kann.
2.3 Privatisierung der Zahlungsbilanzfinanzierung
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und ihre Folgen für die EL
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Die Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten durch die interna-
tionalen Bankkonzerne stellt eine neue Erscheinung der siebziger
Jahre dar. Zuvor vergaben Privatbanken nur in Ausnahmefällen Kre-
dite an Staaten generell und an EL im besonderen. Noch 1968
stammten fast 72 Prozent der Kredite an die EL aus öffentlichen
Quellen, d. h. aus bi- oder multilateralen Schenkungen und Anlei-
hen zu relativ günstigen Konditionen. Die öffentlichen Kredite
von Staaten, vom IWF, von der Weltbank und den internationalen
Entwicklungsbanken waren zwar teilweise mit harten Auflagen ver-
sehen, hatten jedoch den Vorteil langer Laufzeiten und ver-
gleichsweise günstiger Zinssätze. Aber auch die Struktur der
p r i v a t e n Kredite an die EL sah in den sechziger Jahren
anders aus als heute. 1968 machten die Lieferantenkredite über
die Hälfte der gesamten privaten Kredite an die EL (Anteil an den
gesamten EL-Krediten: 28 Prozent) aus. Ein großer Teil des rest-
lichen Devisenbedarfs der EL stammte aus den Direktinvestitionen
der Internationalen Konzerne (IK). 9) Natürlich belastete auch
diese Verschuldungsstruktur die Zahlungsbilanzen der EL erheb-
lich. Zwischen 1964 und 1967 flössen aus den EL in die IL jähr-
lich durchschnittlich 5,8 Milliarden Dollar an Zinsen und Gewinn-
transfers, wovon allein 4,5 Milliarden Dollar aus dem Transfer
von Profiten der Auslandsfilialen der IK in die kapitalistischen
Metropolen stammten.
Diese Zahlen zeigen, daß in den sechziger Jahren die Zahlungsbi-
lanzen der EL hauptsächlich durch die Profittransfers der IK be-
lastet wurden, die die Devisenzuflüsse aus den getätigten Direk-
tinvestitionen um das 2,4- (1965) bis 3,3fache übertrafen. 10)
Während sich an dieser Belastung für die EL in den siebziger Jah-
ren wenig änderte - zwischen 1970 und 1978 flössen pro investier-
ten Dollar 2,37 Dollar in Form von Gewinntransfers aus den EL
wieder ab 11) -, wurde in den siebziger Jahren die Verschuldung
der EL bei den internationalen Großbanken zur dominierenden Form
der internationalen Kreditvergabe und zum Hauptinstrument der fi-
nanziellen Ausbeutung der EL. 1982 betrug der Anteil der Forde-
rungen westlicher Banken an der gesamten Bruttoschuld der EL be-
reits deutlich über 60 Prozent, d.h. das Verhältnis zwischen pri-
vater und öffentlicher Kreditgewährung hatte sich nahezu umge-
kehrt. 12) Dabei konzentrierte sich die Kreditvergabe der inter-
nationalen Banken, die im wesentlichen auf den Eurokreditmärkten
erfolgte, auf die ölexportierenden EL mit ca. 39 Prozent und auf
die ölimportierenden EL mit mittleren Einkommen (Schwellenländer)
mit ca. 58 Prozent der Ausleihungen zwischen 1973 und 1980. Im
gleichen Zeitraum gingen an die ärmeren EL nur 3 Prozent der Eu-
rokredite, d. h., diese Ländergruppe war nach wie vor auf öffent-
liche Kredite angewiesen. 13)
Die drastische Zunahme der Verschuldung einiger Schwellenländer
Lateinamerikas und Asiens (Südkorea, Philippinen) bei den inter-
nationalen Banken ist für die gegenwärtige Zuspitzung der inter-
nationalen Finanzprobleme entscheidender als der gewaltige Umfang
ihrer Verschuldung insgesamt. Weisen doch auch viele afrikanische
und asiatische EL sowie einige sozialistische Länder eine hohe
Verschuldung und teilweise noch ungünstigere Schuldendienstquoten
auf, wobei jedoch ein Großteil ihrer Verschuldung aus langfristi-
gen öffentlichen Krediten mit festgelegten Kreditkonditionen be-
steht. Im Unterschied zu diesen öffentlichen Krediten sind die
privaten Kredite für kürzere Zeiträume und mit wesentlich härte-
ren, v a r i i e r e n d e n Konditionen vergeben worden.
Tabelle 3: Vergleich der Kreditkonditionen für Eurokredite und
bi- und multilaterale Entwicklungskredite 1973-1978
Jahr Eurokredite an EL Entwicklungskredite
Fälligkeit Zins Fälligkeit Zins
(Spread u.
Jahre LIBOR) % Jahre %
1973 10,0 10,40 17,9 6,7
1974 8,7 12,38 16,8 7,0
1975 5,5 9,29 15,5 6,9
1976 6,0 7,83 14,0 6,8
1977 6,5 7,91 14,1 6,9
1978 9,0 *) 10,26 *) - -
_____
*) alle Länder
Quelle: A. Wagner, Euromarktverschuldung..., a.a.O., S. 151, Tab.
8
Tabelle 3 läßt erkennen, daß die Zinsen für Eurokredite an die EL
bereits vor der Hochzinsphase erheblich höher ausfielen als jene
für öffentliche Entwicklungskredite. Zudem waren ihre Laufzeiten
um über die Hälfte kürzer als die der öffentlichen Entwicklungs-
kredite. Die Verschuldung der EL auf den Eurokreditmärkten wurde
jedoch vor allem im Zuge der Zinsexplosion seit Ende 1979 zum
Problem.
Eurokredite sind nämlich i.d.R. mit Z i n s g l e i t k l a u-
s e l n ausgestattet, die das Zinsrisiko von den Banken auf die
Kreditnehmer verlagern. Das erhebliche Zinsrisiko auf den Euro-
märkten resultiert aus dem Umstand, daß die Banken ihre lang-
fristigen Ausleihungen jeweils kurzfristig zu rasch wechselnden
Zinssätzen (Londoner Interbankrate: LIBOR) refinanzieren müssen
(roll-over-Kredite), da das Kreditangebot meist nur kurzfristiger
Natur ist. Vermittels von Zinsgleitklauseln wird dieses Zins-
risiko auf den Schuldner überwälzt, der neben einem fest verein-
barten Aufschlag (spread), der von der Bonität des Kreditnehmers
abhängt, die jeweils wechselnden Zinsen (LIBOR) zahlen muß. 14)
Ein Problem entstand weniger aus den etwas höheren spreads für
die EL - infolge eines Überangebots an internationaler Liquidität
sanken die Aufschläge auf deutlich unter l Prozent, wobei sich
die Unterschiede in den Aufschlagssätzen zwischen den IL und EL
erheblich abschwächten -, sondern aus dem Anstieg der LIBOR von
wenig über 6 Prozent (1976/77) auf ca. 17 Prozent 1980/81, wo-
durch die Zinszahlungen der EL "explodierten". 15)
Während der Anteil der Zinsen an den gesamten Schuldendienstzah-
lungen der EL 1971 noch 31,3 Prozent betrug, kletterte er 1981
infolge der Hochzinspolitik auf 41,6 Prozent. Die meistverschul-
deten ölimportierenden EL hatten 1970 1,1 Milliarden Dollar Zin-
sen zu zahlen. 1980 waren es bereits 18,4 Milliarden Dollar, und
1982 betrugen allein die Zinsverpflichtungen Lateinamerikas ca.
45 Milliarden Dollar. An diesen Zahlen wird deutlich, daß sich in
den siebziger Jahren der Export von Leihkapital zum lukrativsten
Geschäft für das internationale Kapital entwickelt hat: 1981
stammten 90 Prozent der Einnahmen des ausländischen Kapitals in
den ölimportierenden EL aus deren Zinszahlungen. 16) Trotz hoher
jährlicher Neuverschuldung der EL fand in den letzten Jahren kaum
noch ein Nettokapitaltransfer in die EL statt, mit dem diese Län-
der ihre Leistungsbilanzdefizite hätten begleichen und Entwick-
lungsvorhaben hätten durchführen können. Denn den 117 Milliarden
Dollar an Krediten, die den EL 1981 zuflössen, stand ein Schul-
dendienst von 99 Milliarden Dollar gegenüber, d. h., nur 18 Mil-
liarden Dollar wurden netto in die EL transferiert. Neue Kredite
dienten folglich überwiegend dem Zweck, den Schuldendienst aus
früheren Kreditverpflichtungen bestreiten zu können. 17) Damit
aber wird es immer unwahrscheinlicher, daß sich die EL - etwa
durch den Aufbau einer nationalen Industrie und einen anschlie-
ßenden verstärkten Export - von der gewaltigen Schuldenlast und
der damit einhergehenden Abhängigkeit von den kapitalistischen
Metropolen befreien können.
2.4 Zahlungskrise der Schwellenländer: Folge ungleicher
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Handelsbeziehungen und der Weltwirtschaftskrise
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Welche Entwicklungen trieben die EL und insbesondere die Schwel-
lenländer zu einer immer größeren Verschuldung bei den interna-
tionalen Banken? Die Hauptursache hierfür ist in den ungleichen
Handelsbeziehungen zwischen den kapitalistischen Metropolen und
den EL zu finden.
Prinzipiell sind Handelsbilanzdefizite von Ländern, die den Auf-
bau einer nationalen Industrie beabsichtigen, nichts Ungewöhnli-
ches und Negatives. Ein solches Defizit bringt zum Ausdruck, daß
ein Realressourcentransfer (Investitionsgüter etc.) in das be-
treffende Land stattfindet, der unter Umständen den Aufbau einer
nationalen Ökonomie erleichtern und beschleunigen kann. Tatsäch-
lich jedoch kann der Hauptteil der Handels- und Leistungsbilanz-
defizite der EL nicht aus einem solchen Ressourcentransfer er-
klärt werden. Vielmehr resultieren diese Defizite vor allem aus
den für die EL ungünstigen Austauschverhältnissen auf dem kapita-
listischen Weltmarkt. Eine Studie der Organisation für Ernährung
und Landwirtschaft (FAO) über die realen Preistendenzen von 15
wichtigen landwirtschaftlichen Rohstoffen ergab, daß die diese
Produkte exportierenden EL 1981/82 ca. 60 Prozent mehr ausführen
mußten, um die gleichen Exporterlöse zu erzielen wie 1960. 18)
Die sinkende Tendenz der realen Rohstoffpreise (ohne Ölpreise)
ist dabei kein bloßes zyklisches Problem, sondern eine seit 1950
anhaltende, langfristige Tendenz, die nur durch kurze boombe-
dingte Preishaussen unterbrochen worden ist. Bedenkt man, daß die
Exporte der nichtölexportierenden Länder Lateinamerikas - der am
stärksten industrialisierten Region der Dritten Welt - auch heute
noch zu 80 Prozent aus landwirtschaftlichen und industriellen
Rohstoffen bestehen, so wird deutlich, wieso die Verschuldung
dieser Länder permanent im Steigen begriffen war. Auch die wach-
senden Anteile der EL an den Weltexporten von Fertigwaren trugen
nur wenig zur Verbesserung der Handelsbilanzen bei. Denn die in-
dustrielle Produktion in den EL konzentrierte sich auf nur sechs
bis sieben Länder, wobei die Gewinne dieser Produktion überwie-
gend in den Filialen der IK in diesen Ländern anfielen und der
"Entwicklung" nur insofern zugute kamen, als es dem Gewinnkalkül
der IK opportun erschien, einen Teil der Erträge wieder zu rein-
vestieren und nicht ins Ausland zu transferieren. 19) Hinzu kam,
daß diese Art der Industrialisierung zu einer wachsenden Im-
portabhängigkeit und Importstarrheit führte, so daß es bereits in
Zeiten günstiger weltwirtschaftlicher Konjunktur zu keiner nen-
nenswerten Reduzierung der Handelsdefizite der EL kam.
Die Zuspitzung der kapitalistischen Weltwirtschaftkrise seit 1980
verstärkte die benannten langfristigen Handelsprobleme der EL. So
wuchs das Leistungsbilanzdefizit der lateinamerikanischen EL zwi-
schen 1979 und 1981 von 19 Milliarden Dollar auf 34 Milliarden
Dollar. 20) Dies ist in erster Linie Resultat einer drastischen
Verschlechterung der Terms of Trade (Austauschrelation zwischen
den importierten und exportierten Gütern eines Landes), die durch
ein starkes reales Sinken der Exportpreise bei weiter steigenden
Importpreisen verursacht wurde. Für die lateinamerikanischen
Staaten verschlechterten sich die Terms of Trade zwischen 1978
und 1980 um insgesamt 30 Prozent und 1981 um weitere 11 Prozent.
21) 1981 sanken die Preise für die hauptsächlich aus den EL ex-
portierten Primärgüter um 12 Prozent (Minerale und Metalle) bis
21 Prozent (Nahrungsmittel); 1982 sanken die Preise für die glei-
chen Produktgruppen noch einmal um 12 Prozent bzw. 18 Prozent.
22) Auf der anderen Seite stiegen nicht nur die Ölpreise, sondern
auch die Preise für Investitionsgüter und andere Importprodukte
aus den IL. Aktuell zeigt sich, daß auch Ölpreissenkungen nicht
zu einer wesentlichen Entlastung der Zahlungsbilanzen der EL bei-
tragen können, solange die Preise für deren Exportprodukte weiter
nachgeben und solange die Exportchancen der EL durch stagnierende
Märkte in den kapitalistischen Metropolen eingeschränkt sind. Der
in der Krise wachsende - zumeist versteckte - Protektionismus
(nichttarifäre Handelshemmnisse) der kapitalistischen Industrie-
länder trägt ein übriges zur Minderung der Exporterlöse der EL
bei: Schätzungen der Wirtschaftskommission für Lateinamerika
(CEPAL) gehen davon aus, daß mehr als die Hälfte der Exporte von
Lateinamerika in die kapitalistischen Zentren von solchen Be-
schränkungen betroffen und beeinträchtigt werden. 23)
Die vorangegangenen Ausführungen skizzieren die Mechanismen, über
die die Krise der führenden kapitalistischen Ökonomien auch auf
jene lateinamerikanischen Schwellenländer übertragen wurde, um
die die Weltwirtschaftskrise zeitweilig einen Bogen zu machen
schien. Der langfristig anhaltende, jedoch krisenhaft zugespitzte
Verfall der Preise wichtiger Exportgüter dieser Länder erhöhte
deren Handelsdefizite. Da die Industrialisierung und die Fortset-
zung des Wirtschaftswachstums in Ländern wie z.B. Brasilien aus-
gesprochen importabhängig war, kam eine Reduzierung der Einfuhren
- auch der Ölimporte - zunächst nicht in Frage. Dies lag auch
nicht im Interesse der dorthin exportierenden IK, für die es von
Vorteil war, daß diese Länder zunächst versuchten, durch eine
verstärkte Kreditaufnahme einem Kriseneinbruch zu entgehen. Der
so wachsende Verschuldungsbedarf traf auf internationale Finanz-
märkte, die infolge des Petrodollarrecycling und infolge der
Überschüsse potenter IK übervoll an Liquidität waren. In dieser
Situation konkurrierten die internationalen Banken scharf um die
profitable Anlage dieser Gelder, mit der Folge, daß zeitweilig
die Zinsmargen verfielen und Risikoerwägungen in den Hintergrund
traten. Die Zuspitzung der Weltwirtschaftskrise um 1980 zerstörte
jedoch die Exporterlöskalkulationen der lateinamerikanischen
Schwellenländer endgültig. Die zugleich einsetzende Zinsexplosion
traf auf einen gewaltig gewachsenen Schuldenberg, so daß die
Schuldenverpflichtungen schlagartig in die Höhe schossen.
Die Exporterlöse reichten in dieser Situation nicht einmal mehr
zur Bestreitung der fälligen Schuldendienstzahlungen, geschweige
denn zur Finanzierung der notwendigen Importe und der Gewinn-
transfers der IK aus den Schwellenländern. Die kritische Zah-
lungsbilanzsituation der betroffenen Schwellenländer erzwang zu-
dem mehrere bedeutende Abwertungen, die zur Verteuerung der rela-
tiv starren Importe führten, ohne daß - angesichts stagnierender
Weltmärkte - die erhoffte Exporterlössteigerung erreicht werden
konnte. So konnte die Zahlungseinstellung der lateinamerikani-
schen Hauptschuldner Mitte 1982 eigentlich nicht überraschen.
Um wenigstens einen Teil der Zins- und Tilgungszahlungen für die
internationalen Banken zu retten, erzwangen die internationalen
Banken im Zusammenspiel mit dem IWF in dieser kritischen Situa-
tion sogenannte "Anpassungsmaßnahmen" der Schuldnerländer: Im-
portbeschränkungen wurden verordnet, weitere Abwertungen durchge-
setzt und eine Restriktionspolitik im Innern erzwungen. Damit je-
doch gerieten die EL in eine "Schrumpfspirale" nach unten: Im-
portbeschränkungen führen in den meisten Schwellenländern zu Pro-
duktionsbeschränkungen, zu einer Minderung der Exportfähigkeit,
da gerade die Exportproduktion i. d. R. besonders importabhängig
ist, und damit letztlich zu einer weiteren Verschlechterung ihrer
Zahlungsfähigkeit, so daß erneute Kredite mit erneuten Sparaufla-
gen notwendig werden. Eine solche "Strategie" kann auf Dauer auch
für die internationalen Banken nicht aufgehen. Der Verzicht auf
notwendige Importe und auf eine Fortsetzung des Wachstums der
Schwellenländer setzt zwar zeitweilig Devisen frei, um den Forde-
rungen der Banken nachzukommen. Längerfristig jedoch untergräbt
diese Politik die Grundlagen für die Erwirtschaftung von Devisen
und stürzt die Masse der Menschen in diesen EL in noch tieferes
soziales Elend.
Das DIW stellt im Zusammenhang mit der gegenwärtigen internatio-
nalen Finanzkrise fest: "Wäre es in Industrie- und Entwicklungs-
ländern gelungen, das Potential des Sozialproduktwachstums auszu-
schöpfen, so hätte sich die Kreditvergabe der Banken im nachhin-
ein als Erfolg erwiesen, und die Schuldnerländer hätten in der
Regel ihren Zahlungsverpflichtungen nachkommen können." 24) Daß
eine solche "Ausschöpfung" jedoch nicht gelang, lag nicht nur an
einer fehlerhaften Wirtschaftspolitik und nicht nur an der Bestä-
tigung der historischen Erfahrung, daß sich die kapitalistische
Weltwirtschaft in krisenhaften Zyklen entwickelt. Vielmehr trafen
eine krisenverschärfende Wirtschaftspolitik (Sparpolitik, Hoch-
zinspolitik, Ausweichen auf die Weltmärkte) in den meisten kapi-
talistischen Industrieländern und eine zunehmende Synchronisation
der Zyklen dieser Länder auf einen Trendbruch in der kapitalisti-
schen Entwicklung, der sich bereits in den sechziger Jahren mit
abschwächenden Wachstumsraten bemerkbar machte und gegen Ende der
siebziger Jahre in eine langandauernde Stagnation mündete. 25)
Den internationalen Finanzmärkten kam in dieser Situation
zunächst eine eher krisenverschleppende Funktion zu. Ihre gewal-
tige Finanzkraft ermöglichte die Kreditierung der weltwirtschaft-
lichen Ungleichgewichte und verhinderte so zunächst eine Stockung
in den internationalen Handels- und Kapitalbeziehungen. Zugleich
jedoch erleichterten die umfassenden Ausleihungen der internatio-
nalen Banken es den imperialistischen Ländern, die Durchsetzung
einer neuen "gerechteren" Weltwirtschaftsordnung zu torpedieren,
so daß die Ursachen der weltwirtschaftlichen Ungleichgewichte
nicht beseitigt werden konnten. In der Folge kumulierten die Kri-
senmomente bis zu einem Umfang, bei dem die internationalen Ban-
ken selbst in Gefahr gerieten und die Krise auf einem höheren Ni-
veau zum Ausbruch kam.
Die gegenwärtige internationale Finanzkrise zerstörte bei den be-
troffenen Schwellenländern zwei Illusionen:
E r s t e n s erwies sich die Erwartung, durch eine private Fi-
nanzierung der Leistungsbilanzdefizite der Knute der Auflagen öf-
fentlicher Kredite entgehen zu können, als illusionär. Bilaterale
öffentliche Kredite an EL waren meist sowohl an politisches Wohl-
verhalten als auch an Verwendungsauflagen (Käufe im Kreditgeber-
land) geknüpft. Noch deutlicher fielen die politischen und wirt-
schaftlichen Einflußnahmen - die einem nationalen Souveränitäts-
verlust gleichkamen - bei den Weltbank- und IWF-Krediten aus.
Viele kapitalistische Staaten übertrugen die Kreditvergabe an
diese scheinbar überstaatlichen Instanzen - in denen jedoch durch
die Stimmrechtgestaltung die Länder des kapitalistischen Zentrums
dominieren -, um so in verdeckterer Form Einfluß auf den Entwick-
lungsweg der kreditsuchenden EL zu nehmen. Da die auflagenfreien
Kredittranchen beim IWF bei weitem nicht dem Liquiditätsbedarf
der EL entsprachen, konnte der IWF bei Verhandlungen um zusätzli-
che Kredite die Kürzung von Sozialausgaben und Löhnen, Steuerer-
höhungen, den Vorrang für die Privatwirtschaft und den Abbau von
Import- und Direktinvestitionskontrollen als Kreditauflagen
durchsetzen. Die Einhaltung dieser Auflagen wurde durch IWF-Kon-
trolleure überwacht und die Auszahlung der Kreditraten an die
schrittweise Auflagenerfüllung gebunden. 25a)
Diese Politik der Öffnung der EL-Märkte für die internationalen
Konzerne bei gleichzeitiger Verschärfung der inneren sozialen
Verhältnisse begünstigte als typische Regierungsform die Militär-
diktatur. Während Ländern mit niedrigerem Pro-Kopfeinkommen
(afrikanische Staaten, Honduras, Guatemala, El Salvador) nur die-
ser Weg der internationalen Verschuldung offen stand, wichen die
Schwellenländer eher auf die teureren Eurokreditmärkte aus als
einen solchen Souveränitätsverlust hinzunehmen. 25b) Diese
"Flucht" gelang jedoch nur zeitweilig und endete letztlich in
noch größerer Abhängigkeit. Seit Ende 1981 stockt die private
Kreditvergabe an die hochverschuldeten EL, 26) und neue Eurokre-
dite sind nur zu haben, wenn zuvor der IWF mit Beistandskrediten
mit den dargestellten harten Auflagen "eingesprungen" ist und ein
"Kreditwürdigkeitstestat" ausgestellt hat. Hinzu kommt, daß die
internationalen Banken - angesichts der Gefahr hoher Verluste -
nunmehr auf Bürgschaften und Garantieerklärungen der führenden
kapitalistischen Nationalstaaten drängen, so daß sich in weit
größerem Ausmaß als bisher auch in die private Kreditvergabe po-
litische und soziale Pressionen zu mengen beginnen. Der durch die
private Kreditvergabe zunächst erleichterte Aufbau der Kredit-
berge wird nun zu einem wirksamen politischen Erpressungsinstru-
ment.
Zum z w e i t e n erwies es sich als illusionär, "Entwicklung"
durch eine verstärkte Integration in den kapitalistischen Welt-
markt forcieren und diesen Weg durch eine hohe Auslandsverschul-
dung finanzieren zu wollen. Letztlich hätte ein Erfolg dieses
Entwicklungswegs vorausgesetzt, daß die kapitalistischen IL be-
reit gewesen wären, "angemessene" Preise für die Exporte der EL
zu zahlen und ihre Leistungsbilanz zu einem späteren Zeitpunkt zu
passivieren. Nur so hätten die EL ihre Auslandsverschuldung und
damit Auslandsabhängigkeit abbauen können. Eine solche Erwartung
ist allerdings angesichts der Konkurrenzverhältnisse auf dem
Weltmarkt zumindest seit den siebziger Jahren unrealistisch. Der
Bewegungs- und Expansionsspielraum der IK begann sich in diesem
Zeitraum durch sinkende Wachstumsraten der IL, deren Märkte ja
den Großteil des Weltmarktes bilden, einzuengen. Mit zunehmend
ähnlichen Produkten wurde um die gleichen, schwächer expandieren-
den Märkte konkurriert (Zunahme des intraindustriellen Handels).
Je mehr sich diese Probleme in einer neuen Weltwirtschaftskrise
zuspitzten, um so mehr glichen sich auch die die Konzernexpansion
begleitenden nationalen Wirtschaftsstrategien an: Spar- und Ver-
zichtspolitik sowie eine gezielte Technologieförderung im Innern
(Modernisierung) sollten die internationale Wettbewerbsfähigkeit
erhöhen und die weltwirtschaftliche Expansion der heimischen Ka-
pitale begünstigen. Über Leistungsbilanzüberschüsse sollte die
Arbeitslosigkeit exportiert werden (beggar-my-neighbour-policy).
Letztlich bewirkte dieser nationalstaatlich unterstützte Kampf
der IK um Weltmarktanteile jedoch nur eine Stagnation des Welt-
handels - denn dieser kann nicht zunehmen, wenn den nationalen
Märkten per Austeritätspolitik eine Schrumpfkur verordnet wird.
27) Es liegt auf der Hand, daß in dieser Situation ungeachtet
gutgemeinter Appelle von Wirtschaftsinstituten und Politikern den
Schwellenländern keine Chancen eingeräumt werden können, ihren
erhöhten Schuldendienst durch eine gesteigerte Exporttätigkeit
und durch höhere Exportpreise bewältigen zu können.
Aktuell begründen also insbesondere die Stagnation und Krise des
Weltmarktes die Zuspitzung der internationalen Finanzkrise. Kri-
senvertiefend und krisenverlängernd wirken dabei zunehmend die
kapitalorientierten, reaktionären Wirtschaftsstrategien in den
kapitalistischen Hauptländern. Zu beantworten bleibt jedoch die
Frage, wie der gewaltige Anstieg der p r i v a t e n Verschul-
dung der Schwellenländer in den siebziger Jahren finanziert wer-
den konnte und wo die Ursachen für die die Schwellenländer so
enorm belastenden hohen Zinsen zu suchen sind. Die Beantwortung
dieser Fragen verlangt eine eingehendere Untersuchung der inter-
nationalen Finanzmärkte: Was unterscheidet sie von den nationalen
Geldmärkten, welche Beziehungen bestehen zu diesen, inwieweit be-
einflussen sie die Zinsbildung, und welche Entwicklungen begün-
stigten ihre gewaltige Ausdehnung im letzten Jahrzehnt?
3. Die Xenofinanzmärkte: Zentrum der Labilität
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der internationalen Finanzbeziehungen
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3.1 Entstaatlichung der Geldordnung?
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Mit dem Begriff "Xenofinanzmärkte" (xeno = fremd) werden interna-
tionale Bankplätze bezeichnet, an denen mit "Währungen gehandelt
wird, die sowohl für die Anbieter als auch für die Nachfrager an
diesem Bankplatz Fremdwährungen darstellen. So bezeichnet man
z.B. DM-Kredite, die eine US-Bank von einer Schweizer Bankentoch-
ter in Luxemburg aufnimmt, als Xenokredite. Gängige Bezeichnungen
für diese internationalen Finanzmärkte sind auch die Begriffe Eu-
rodollar-, Eurofinanz- und Petrodollarmarkt. Da jedoch solche Fi-
nanzplätze nicht nur in Europa (London, Luxemburg, Schweiz), son-
dern weltweit (Singapur, Bahamas und Caymaninseln) existieren,
zwischen 1976 und 1981 neben Dollarkrediten (69 Prozent) auch DM-
Kredite (14 Prozent) und Ausleihungen in Schweizer Franken (7
Prozent) eine erhebliche Rolle spielten und schließlich nicht nur
die Dollarüberschüsse der OPEC-Staaten ("Petrodollar"), sondern
auch in großem Maße Devisenüberschüsse der kapitalistischen Me-
tropolen (Metrodollar) auf diesen Märkten zur Anlage kamen,
drückt der Begriff Xenofinanzmarkt m.E. am umfassendsten den Cha-
rakter dieser Weltfinanzmärkte aus. 28)
Die Xenofinanzmärkte haben sich in den siebziger Jahren zum wich-
tigsten Umschlagplatz für das Kreditangebot der Überschußländer
(OPEC, einige IL) und der IK und für die Kreditnachfrage der De-
fizitländer (Schwellenländer, einige IL und sozialistische Staa-
ten) und der IK entwickelt. Das Volumen (Bestandsgröße) dieser
Märkte betrug Ende 1981 ca. 1,5 Billiarden Dollar und nach Abzug
von Doppelzählungen immerhin noch 940 Milliarden Dollar
(Schätzungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich,
BIZ). 1981 wurden nach Abzug der Tilgungen auf den internationa-
len Finanzmärkten ca. 190 Milliarden Dollar kurz- und langfristi-
ges Kapital verliehen. Zwar sanken die Ausleihungen 1982 um ca.
40 Milliarden Dollar, besaßen aber mit ca. 150 Milliarden Dollar
immer noch einen gewaltigen Umfang. 29) Diese gewaltigen Ge-
schäfte wurden von einigen Dutzend US-amerikanischen und europäi-
schen Banken dominiert, wobei jedoch zwischen 400 und 700 weitere
Banken im internationalen Geschäft tätig waren. 30) Schätzungs-
weise 70 Prozent der Umsätze werden auf den X e n o g e l d-
m ä r k t e n abgewickelt, an denen sich die internationalen
Banken refinanzieren und die sich durch eine hohe Beweglichkeit
der dort kursierenden Gelder - ein "Federstrich" genügt zum Orts-
wechsel - auszeichnen. 31) Ca. 5 Prozent der Umsätze entfallen
auf internationale Anleihen (X e n o k a p it a l/-a n l e i-
b e m a r k t), die jedoch nur erstklassigen Emittenten (i.d.R.
aus den kapitalistichen IL) zugänglich sind. 32) Gefährdet sind
jedoch in erster Linie die Ausleihungen der X e n o k r e-
d i t m ä r k t e, die in den siebziger Jahren zunehmend nicht
nur den IK, sondern auch den Unternehmen und Staaten der Schwel-
lenländer offenstanden.
Worin bestehen die Besonderheiten der Xenofinanzmärkte und welche
Faktoren lassen ihre Unterscheidung von den nationalen Geldmärk-
ten zu?
Nach W. Hankel geht die Herausbildung der Xenofinanzmärkte mit
einer "Entstaatlichung der Geldverfassung" einher. Ähnlich cha-
rakterisiert das Institut für internationale Politik und Wirt-
schaft (IPW), Berlin/DDR, diese Entwicklung als ein Anwachsen
"privatmonopolistischer Marktspontanität in den internationalen
Finanz- und Währungsbeziehungen". 33)
In der Tat handelt es sich bei diesen internationalen Finanzmärk-
ten um "a u s g e l a g e r t e" T e i l m ä r k t e d e r
n a t i o n a l e n D o l l a r-, D M- u n d F r a n k e n-
m ä r k t e, deren Besonderheit in im Vergleich zu den natio-
nalen Vorschriften l o c k e r e r e n s t a a t l i c h e n
R e g u l i e r u n g e n besteht. Natürlich unterliegen die
Aktivitäten der Filialen und Töchter der großen internationalen
Banken an den Xenofinanzplätzen der Kontrolle der dortigen
Aufsichtsinstanzen (Zentralbanken, Bankenaufsicht etc.), die
jedoch den internationalen Kreditgeschäften von Ausländern in
fremder Währung weitgehend freie Hand lassen. 34) So entstanden
"Bankfreihandelszonen" (offshore-centers) in Ländern, die für
internationale Kreditgeschäfte keine Mindestreserven erhoben, in
denen Erträge aus Xenokrediten steuerfrei waren und in denen
keine oder sehr lockere Vorschriften über das Verhältnis von
Forderungen zum Eigenkapital und über die Risikostreuung be-
standen. Die "Anregung" zum Auswandern in solche Bankparadiese
ging Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre von
nationalen Beschränkungen des internationalen Kapitalverkehrs
(die USA erschwerten den Kapitalexport, die BRD umgekehrt
zeitweilig den Kapitalimport) aus, 35) wobei die neu entstandenen
Eurofinanzplätze jedoch rasch eine Eigendynamik entwickelten -
ein Wegfall der auslösenden Restriktionen in späteren Jahren
beeinträchtigte das Wachstum dieser Zentren nicht -, die aus den
Kostenvorteilen dieser neuen Art von Kreditgeschäft entsprang.
Denn die weitgehende Regulierungsfreiheit und das Fehlen einer
Mindestreservepflicht ließen Zinsen auf den Xenofinanzmärkten zu,
die zumeist unter den nationalen Zinssätzen lagen und für
kreditsuchende IK eine attraktive Alternative zur nationalen Kre-
ditaufnahme darstellten. 36)
Triebkraft und Existenzgrundlage der Xenofinanzmärkte war und ist
folglich die Ausnutzung von nationalstaatlichen Regulierungsun-
terschieden des Geldwesens durch die internationalen Bankkon-
zerne, Unterschiede, die teilweise von den Staaten bewußt ge-
schaffen worden sind, um in den Genuß der Vorteile eines interna-
tionalen Bankplatzes (gute Kreditbeziehungen, Arbeitsplätze, Ge-
bühreneinnahmen etc.) zu gelangen, und Unterschiede, an deren Ni-
vellierung zeitweilig auch die übrigen kapitalistischen Staaten
nicht interessiert waren, da sie "ihren" IK Möglichkeiten zur
Aufnahme von Fremdwährungskrediten boten, ohne dadurch die natio-
nale Zahlungsbilanz zu belasten. 37)
Ein weiterer Umstand spricht für die These, daß eine verstärkte
privatmonopolistische Regulierung der internationalen Finanz-
märkte nicht nur im Interesse der internationalen Banken, sondern
zumindest zeitweilig auch im Interesse führender kapitalistischer
Länder und der IK gewesen ist: Deren weltwirtschaftliche Expansi-
onsstrategien (Exporte und Direktinvestitionen) setzen nämlich
voraus, daß andere Länder nicht nur bereit sind, Leistungsbilanz-
defizite hinzunehmen, sondern auch in der Lage sind, diese durch
Kredite zu finanzieren. 38) Die gelockerte, "hemmungslose" Kre-
ditvergabe über die Xenokreditmärkte, die nicht mit restriktiven
Auflagen versehen waren wie die Ausleihungen öffentlicher Insti-
tutionen, erlaubte es den Schwellenländern über längere Zeit,
trotz der Ölpreisbelastungen ihre Importe aus den IL aufrechtzu-
erhalten, den Profittransfer der IK zu finanzieren und nicht zu-
letzt ein Wirtschaftswachstum aufrechtzuerhalten, das eine gün-
stige Verwertung der Auslandsinvestitionen der IK sicherte.
Eine Reihe von nationalstaatlichen Maßnahmen und Überlegungen zur
stärkeren Kontrolle der Aktionen "ihrer" internationalen Banken,
die in letzter Zeit unter dem Eindruck einer 'wachsenden Gefähr-
dung des Weltfinanzsystems vorgenommen wurden, zeigten, daß eine
Regulierung und Begrenzung der Xenokreditmärkte durchaus im Be-
reich des Möglichen gelegen hätte, selbst wenn ein international
koordiniertes Vorgehen an den Interessengegensätzen zwischen den
Ländern gescheitert wäre. So wird von den Bankzentralen in den IL
zunehmend die Vorlage von konsolidierten Bilanzen verlangt, in
denen die weltweit aufgelaufenen Forderungen dem gesamten Eigen-
kapital des Bankkonzerns (incl. Auslandsfilialen und -töchter)
gegenübergestellt werden. Dies ermöglicht nicht nur eine höhere
Transparenz, sondern darüber hinaus durch die Anwendung von na-
tional gültigen Deckungsvorschriften und Regeln über die Risi-
kostreuung eine Beschränkung der internationalen Kreditvergabe.
Während die Vorlage konsolidierter Bilanzen in den USA, den Nie-
derlanden etc. bereits Vorschrift ist, gibt es in der BRD hierzu
Ansätze zu einem "Gentlemen's Agreement" zwischen Bankenaufsicht
und den Bankenverbänden, das jedoch nur konsolidierte Bilanzen
von Bankzentralen und den Auslandsfilialen vorsieht und die Ge-
schäfte der Auslandstöchter, auf die 40 Prozent der Eurokredit-
vergaben von BRD-Banken entfallen, ausspart. 39) Eine wesentlich
stärkere Regulierung und Einschränkung der Xenokreditvergabe
könnte durch die Einführung einer Mindestreserve für diese Kre-
dite, die die Kostenvorteile dieser Märkte untergraben würde, er-
reicht werden. Eine solche "Euromindestreserve" könnte - wie dies
in den USA diskutiert wird - bei der Bankzentrale auf die Aktiva
oder Passiva ihrer Auslandsniederlassungen erhoben werden, da
nicht zu erwarten sein wird, daß die Länder mit Bankfreihandels-
zonen zu solch einer Maßnahme bereit sein werden. 40)
Die genannten Beispiele für Regulierungsmöglichkeiten der Xenofi-
nanzmärkte zeigen, daß die Zunahme privatmonopolistischer Regu-
lierungen auf den internationalen Geldmärkten nicht der
U n m ö g l i c h k e i t entspringt, das Treiben der interna-
tionalen Bankkonzerne zu kontrollieren, sondern vielmehr Ausdruck
einer zeitweiligen Interessenkonvergenz zwischen Banken, den IK
und führenden kapitalistischen Staaten ist. 41) Hinzu kommt, daß
es den führenden kapitalistischen Staaten bisher nicht gelungen
ist, eine neue internationale Währungsordnung zu errichten, die
der polyzentrischen Machtverteilung zwischen den drei rivalisie-
renden kapitalistischen Zentren (USA, EG, Japan) gerecht wird.
Die Folge ist die Etablierung eines "Nichtsystems", einer Lücke,
die die internationalen Banken profitabel zu nutzen verstehen.
In letzter Zeit jedoch geriet die "Unreguliertheit" der interna-
tionalen Finanzmärkte zunehmend in Widerspruch zu den Interessen
und den wirtschaftspolitischen Strategien der führenden kapitali-
stischen IL. An erster Stelle ist natürlich die Gefährdung auch
der nationalen Kreditbeziehungen durch die international einge-
gangenen Risiken der Großbanken zu erwähnen. Darüber hinaus
führte die erhebliche Interdependenz zwischen den nationalen
Geldmärkten der Xenowährungsländer und den internationalen Fi-
nanzmärkten zur Erschwerung und teilweisen Durchkreuzung einer
nationalen Geldpolitik. 42) Eine Erhöhung der Mindestreserven zur
Durchsetzung einer monetaristisch inspirierten, restriktiven
Geldpolitik verstärkte die Kostenvorteile der Xenokreditmärkte
und führte zu einer teilweisen Verlagerung des Kreditgeschäftes
auf diese Märkte. 43) Während national gespart und "deflatio-
niert" wurde, nicht zuletzt mit dem Ziel einer Steigerung der
internationalen Wettbewerbsfähigkeit, blähten sich die inter-
nationalen Finanzmärkte inflationär auf. Dies ist zwar einerseits
nötig, um die Exportüberschüsse der Expansionsländer (und damit
die Defizite der übrigen Länder) möglich zu machen, führt aber
andererseits über die enge Weltmarktverflechtimg und die damit
einhergehende internationale Preisverbundenheit zum In-
flationsimport in die Deflationsländer und damit zur Durchlöche-
rung ihrer restriktiven Wirtschaftsstrategien.
Schließlich wirkt das gewaltige Volumen kurzfristig mobilisierba-
rer internationaler Liquidität zunehmend destabilisierend. Seit
dem Floatingbeginn 1973 überrundeten die finanziellen Umsätze der
Xenofinanzmärkte rasch die Welthandelsumsätze. Somit dient ein
abnehmender Teil der Geldbewegungen auf den Xenofinanzmärkten der
Finanzierung von Güterbewegungen und ein wachsender Teil - Schät-
zungen sprechen von bis zu 90 Prozent - spekulativen Zwecken. 44)
Innerhalb kürzester Fristen werden per Telefonat gewaltige Summen
weltweit hin und her geschoben, um z.B. Aufwertungsgewinne einer
Währung "mitzunehmen" oder um relativ geringfügige Zinsdifferen-
zierungen und Zinsschwankungen profitabel zu nutzen. In diesem
Zusammenhang erscheint die Diskussion müßig, ob solche spekulati-
ven Geldbewegungen ursächlich für den Druck auf bestimmte Währun-
gen sind oder nur reaktiv einem A b w e r t u n g s v e r-
d a c h t folgen. Denn das Ergebnis solcher Transaktionen ist
allemal die Bestätigung des "Verdachts" durch die Wirklichkeit,
da es den Zentralbanken angesichts der gewaltigen Ströme "heißen
Gelds" nur schwer möglich sein wird, die betreffende Währung zu
verteidigen. 45) Insbesondere für Regionen mit Festkurssystemen
(EWS) können deshalb von den Xenofinanzmärkten erhebliche Stö-
rungen ausgehen, die die von festen Wechselkursen erhoffte
Handelsförderung teilweise untergraben.
Aus diesen Widersprüchlichkeiten erklärt sich die seit einiger
Zeit zunehmende Diskussion über eine Regulierung oder gar
"Austrocknung" der Xenofinanzmärkte. Die Rivalitäten zwischen den
drei kapitalistischen Zentren ließen jedoch bisher nur isolierte
nationalstaatliche Eingriffe zu und verhinderten eine internatio-
nal koordinierte Regulierung dieser Märkte. 46)
3.2 Die Xenofinanzmärkte: Ursache der Zinsexplosion?
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W. Hankel analysiert in der Expansion der Xenofinanzmärkte eine
wesentliche Ursache der gewaltigen Zinssteigerungen der letzten
Jahre. Nicht die Zentralbanken seien für die hohen Zinsen verant-
wortlich, sondern die sich auf den Xenofinanzmärkten "bildenden
Zinssätze bestimmen die nationalen Geld- und Kreditkosten, nicht
umgekehrt". 47) Seit Floatingbeginn sei die internationale Liqui-
dität überdimensional angewachsen. Die Ursachen hierfür lägen in
der starken internationalen Konkurrenz der Banken um Ausleihungen
und in der enormen Liquiditätsschöpfungsfähigkeit des interna-
tionalen Bankensystems.
Grundlage dieser Fähigkeit des internationalen Bankensystems,
selbst internationale Liquidität (Dollars, DM etc.) zu schaffen,
sind Devisen, die an irgendeinem Ort der Welt anfallen. Da diese
Devisen seit Floatingbeginn nicht mehr oder nur in geringerem
Maße zu den Zentralbanken gelangen (vgl. Abschnitt 4), stehen sie
vermittels des Interbankenmarkts praktisch in kürzester Frist je-
der international tätigen Bank für die Kreditvergabe zur Verfü-
gung. Auf Basis dieser Devisen können die internationalen Banken,
wie jedes geschlossene Bankensystem, über die Kreditvergabe zu-
sätzliche (internationale) Liquidität schöpfen. Da es keine vor-
geschriebene Mindestreservehaltung gibt und die Sickerverluste in
diesem effektiven internationalen Bankensystem relativ gering
sein dürften, scheint die Vermutung berechtigt, daß die Kredit-
schöpfungsfähigkeit der Xenofinanzmärkte größer als jene nationa-
ler Bankensysteme ist. 48)
Diese Fähigkeit zur Schöpfung internationaler Liquidität exi-
stierte zwar bereits auf den Eurodollarmärkten in den sechziger
Jahren. In der Praxis war diese Fähigkeit jedoch durch die Regeln
des Währungsabkommens von Bretton Woods begrenzt: Zum einen waren
die Zentralbanken zur Intervention auf den Devisenmärkten ver-
pflichtet, um die Wechselkurse zu verteidigen. Deshalb konzen-
trierten sich die Devisenreserven im Zentralbanksystem und stan-
den somit nicht als Kreditschöpfungsbasis zur Verfügung. Und zum
ändern waren die Staaten zur Abdeckung ihrer Leistungsbilanzdefi-
zite auf ihre Währungsreserven und/oder auf die Kreditlinien des
IWF und der Zentralbanken angewiesen, so daß die damaligen Euro-
dollarmärkte im wesentlichen "nur" den Kreditbedarf der interna-
tionalen Konzerne und Banken bedienten.
Seit der faktischen Aufkündigung des Bretton Woods-Abkommens 1973
nahm das Finanzierungsvolumen der Xenofinanzmärkte um das Fünf-
zehnfache zu. 49) Dieses gewaltige Anwachsen der internationalen
Liquidität, das das Wachstum der realen Güterumsätze auf dem
Weltmarkt bei weitem überstieg, dürfte einen wesentlichen Beitrag
zur Steigerung der Weltinflation geleistet haben und somit auch
wztverantwortlich für N o m i n a l z i n s s t e i g e r u n-
g e n sein, die dieser Inflationsrate folgten. Eine Reihe von
Argumenten spricht jedoch m.E. dagegen, die Xenofinanzmärkte
direkt auch für den bedeutenden Anstieg der R e a l z i n s e n
verantwortlich zu machen.
E r s t e n s übertrifft das Volumen der nationalen Kreditver-
gabe jenes der internationalen Ausleihungen erheblich. 1981 mach-
ten die Euro-DM-Kreditausleihungen ca. 1/7 der Ausleihungen des
Kreditmarktes der BRD aus, und auch der nationale Kreditmarkt der
USA übertraf den Xenodollarmarkt um das Vier- bis Fünffache. 50)
Angesichts dieser Größenverhältnisse können die Marktverhältnisse
auf den nationalen Geldmärkten nicht so unbedeutend für die Zins-
bestimmung sein, wie dies die Ausführungen W. Hankels nahelegen,
und somit kommt auch der Politik der jeweiligen Zentralbanken
(vor allem des US-Zentralbanksystems), die durch ihre Geldpolitik
entscheidend das Geldangebot bestimmen, eine entscheidende Rolle
bei der Gestaltung der Zinspolitik zu. 51)
Z w e i t e n s läßt sich die Aufblähung der Xenokreditmärkte
teilweise auch durch die Flucht potenter Kreditnehmer vor einer
nationalen Hochzinspolitik interpretieren. So bieten US-Banken
ihren erstklassigen Kunden zunehmend die Alternative zwischen ei-
ner Kreditabwicklung über die Bankzentrale und einer Kreditauf-
nahme bei deren Auslandsvertretungen. Eine Ursache für die Expan-
sion der Xenokreditmärkte, die ja wegen des großen Anteils des
Dollarumsatzes besonders eng mit den US-Geldmärkten verbunden
sind, stellt in diesem Fall also das Ausweichen der Kreditnehmer
vom teuren Inlandsmarkt auf die billigeren Xenomärkte dar. 52)
Auf diese Weise entsteht ein enger Zinszusammenhang zwischen na-
tionalen und internationalen Geldmärkten - nach Auffassung Köh-
lers bewegen sich die Eurodollarzinsen zwischen den Kosten für
US-Schatzwechsel (Untergrenze) und der US-prime-rate zuzüglich
eines gewissen Aufschlags (Obergrenze) - wobei jedoch ursächlich
für die Zinshöhe letztlich die Zentralbankpolitik bleibt. 53)
D r i t t e n s schließlich sprechen die Marktverhältnisse auf
den Xenofinanzmärkten gegen die These, hier liege die zentrale
Ursache der Zinsexplosion. In den letzten Jahren trugen die in-
ternationalen Finanzmärkte immer die Züge eines Schuldnermarkts,
d.h., einem gewaltigen Liquiditätsangebot aus den OPEC-Ländern
und aus einigen kapitalistischen Ländern stand eine zwar große,
aber gleichwohl aus Bonitätsgründen begrenzte Schuldnernachfrage
gegenüber. Die Feststellung Hankels, daß die gestiegenen Risiken
bei der internationalen Kreditvergabe zu höheren Aufschlägen und
damit zu höheren Zinsen beigetragen hätten, traf nur für die al-
lerjüngste Zeit zu. Zuvor waren die sogenannten spreads auf die
LIBOR durch die Konkurrenz gedrückt worden (man sprach von einem
Konditionenverfall) und spiegelten unterschiedliche Risiken kaum
mehr wieder. 54) Bei einem Überangebot an internationaler Liqui-
dität aber ist ein realzinstreibender Einfluß der Xenofinanz-
märkte unwahrscheinlich.
Insgesamt also sprechen m.E. eine Reihe von Argumenten dafür, die
Zuständigkeit für die die internationale Finanzkrise und die
Weltwirtschaftskrise verschärfenden hohen Zinsen bei den Zentral-
banken und ihrer monetaristisch orientierten Geldpolitik und
nicht bei den "anonymen" Xenofinanzmärkten zu suchen.
"Der Zins ist heute in bestimmtem Rahmen ein der staatsmonopoli-
stischen Einflußnahme unterliegender Monopolpreis, über dessen
Regulierung der Staat auf die Verteilung des gesellschaftlichen
Kapitals und der gesellschaftlichen Arbeit in den für die Verwer-
tung des Monopolkapitals wichtigsten Bereichen der Wirtschaft so-
wie (auf) die Konkurrenzposition der Monopole auf dem Weltmarkt
einwirkt." 55) Diese These beinhaltet, daß die Geldpolitik der
Zentralbanken - wobei das US-Zentralbanksystem hierbei eine ent-
scheidende Rolle spielt - für die Entwicklungstendenz und die
Höhe der Zinsen wichtiger ist als die Marktverhältnisse auf den
Geld- und Kreditmärkten. Hierfür spricht, daß die Refinanzie-
rungskosten (Höhe des Diskontsatzes etc.), das zur Verfügung ste-
hende Refinanzierungsvolumen und der Geldschöpfungsmultiplikator
(Mindestreservepolitik), d.h. wesentliche Momente des Geld- und
Kreditangebots auf den Finanzmärkten, durch die Zentralbankpoli-
tik gesteuert werden können. Zumindest für das angestrebte Ziel
einer restriktiven Geldpolitik verfügen die meisten Zentralbanken
somit über geeignete und wirksame Mittel, das Liquiditätsangebot
zu verknappen und damit (und über den Diskontsatz) die Zinsen
nach oben zu treiben.
Entgegen einer weitverbreiteten Auffassung dürften bei den Zins-
steigerungen seit 1979 die Marktverhältnisse (d.h. das Verhältnis
zwischen Angebot und Nachfrage der privaten Banken, Unternehmen,
Konsumenten und des Staates) und die Geschäftspolitik der Banken
eine untergeordnete Rolle gespielt haben. Zunächst sind hohe Zin-
sen nicht unmittelbar gleichzusetzen mit günstigen Profiterwar-
tungen der Banken, für die ja die Z i n s s p a n n e (Dif-
ferenz zwischen den Kosten der Kreditbeschaffung und dem Zin-
sertrag aus der Geldverleihung) die entscheidende Zielgröße ist.
Hohe Realzinsen sind jedoch nicht per se geeignet, diese Zins-
spanne auszuweiten. Denn hohe Zinsen vergrößern das Kreditangebot
- auch Unternehmen verleihen unter diesen Umständen einen Teil
ihrer Gewinne - und mindern gleichzeitig die Nachfrage nach den
teuren Krediten, so daß die Finanzmärkte trotz der knappen Geld-
politik der Zentralbanken relativ liquide bleiben. Dies ver-
schärft die Konkurrenz zwischen den Banken und fördert eher eine
zinssenkende Tendenz.
Dagegen kann eingewandt werden, daß in der Krise der Kreditbedarf
der Unternehmen steige und zudem die wachsende Staatsverschuldung
zu einer Anspannung auf den Finanzmärkten führe. Tatsache ist je-
doch, daß ein hoher Kreditbedarf von Unternehmen in der Krise
nicht gleichzusetzen ist mit einer entsprechend hohen Kreditnach-
frage oder Kreditbedienung, da die hohen Zinsen und die sinkende
Bonität der Unternehmen einer Deckung ihres Geldbedarfs entgegen-
stehen (mit der Folge steigender Konkurszahlen). Und schließlich
läßt sich zumindest für die BRD in den letzten Jahren keine zins-
treibende Wirkung der Staatsverschuldung nachweisen, nicht zu-
letzt, weil ein erheblicher Teil der Kredite im Ausland aufgenom-
men worden ist. 56)
Die steigenden Zinsspannen der BRD-Banken im Zusammenhang mit der
Lockerung der Geldpolitik der Bundesbank, die damit wiederum auf
Zinssenkungen in den USA reagierte, und die damit einhergehende
Gewinnexpansion sprechen m. E. für die These, daß sich aus dem
K r e d i t g e s c h ä f t der Banken kein unmittelbares Inter-
esse an einer Hochzinspolitik ableiten läßt (wobei auch zweifel-
haft bleibt, ob die Banken überhaupt über die Mittel zur Durch-
setzung möglicher Hochzinsinteressen verfügen).
Dies ist allerdings einzuschränken: Denn die Großbanken sind
zugleich mit den dominierenden Teilen des Industriekapitals ver-
flochten - dieser Zusammenhang wird mit dem Begriff des Finanzka-
pitals zum Ausdruck gebracht -, die teilweise erheblich von der
Hochzinspolitik profitierten. Hohe Zinsen wirken konzentrations-
fördernd, indem sie kleinen und mittleren Unternehmen den Gang
zum Kapitalmarkt erschweren, während ein Teil des Monopolkapitals
auch in der Krise über so hohe Gewinne verfügt, daß Investitionen
aus Eigenmitteln finanziert werden können und andere Großkonzerne
durch ihre Verbindungen zum Bankensektor Zugang zu günstigeren
Krediten besitzen. Ein Teil des Industriekapitals verdient dar-
über hinaus selbst an den hohen Zinsen, indem es Überschüsse als
zinstragendes Kapital anlegt: Daimler-Benz erwirtschaftete durch
diese Geschäfte 1982 mehr als durch Aktivitäten in der Produk-
tion. Zudem dämpfte die Politik des knappen Geldes durch die Ver-
tiefung und Verlängerung der Krise den Preisanstieg und stärkte
so die Wettbewerbsposition der international agierenden Konzerne.
Für die USA kommt hinzu, daß die hohen Zinsen Kapitalzuflüsse be-
günstigten, die die US-Zahlungsbilanz verbesserten und zu einer
Aufwertung des Dollars führten. Dies erleichterte Direktinvesti-
tionen - die Hauptform der internationalen Expansion der US-Kon-
zerne -, führte aber auch zu einer Minderung der Exportchancen
und zu einer Verstärkung der Importkonkurrenz. Auch im Bereich
des industriellen Kapitals lassen sich folglich widersprüchliche
Wirkungen der Hochzinspolitik festmachen. 57)
Zusammenfassend sprechen diese Überlegungen m.E. für die These,
daß die restriktive Geldangebotspolitik der Zentralbanken - allen
voran die des US-Zentralbanksystems - entscheidend für die enor-
men Zinssteigerungen seit 1979 gewesen ist, ohne dabei auszu-
schließen, daß Veränderungen der Marktverhältnisse ebenfalls zu
Zinsschwankungen beigetragen haben. Die Interessen des Kapitals
und insbesondere des Finanzkapitals sind in diesem Prozeß relativ
widersprüchlich, so daß ein häufigerer Wechsel in der Zentral-
bankstrategie nicht ausgeschlossen werden kann. Zumal ja die Er-
wartung, die Inflation mit hohen Zinsen und knappem Geld bekämp-
fen zu wollen, nur vordergründig aufzugehen scheint: Eine
V e r l a n g s a m u n g der Preissteigerungsraten durch die
Verstärkung und Verlängerung wirtschaftlicher Krisen zu erzielen
- in früheren Krisen sanken die Preise -, heißt noch nicht, die
Inflation im konjunkturellen Aufschwung im Griff zu haben. Denn
der wesentlichste Einfluß auf die Inflation, die monopolistische
Preispolitik, wird durch die restriktive Geldpolitik nicht nur
n i c h t b e s e i t i g t, sondern durch die konzentrations-
fördernde Wirkung der Hochzinspolitik sogar verstärkt. Diese Zu-
sammenhänge ignoriert eine monetaristisch inspirierte Zentral-
bankpolitik, die meint, durch eine Geldmengenverknappung die In-
flation zu bekämpfen, die aber faktisch die Inflation nur durch
die Rezession mildert. Damit aber werden auch die begrenzten Mög-
lichkeiten der monetaristischen Politik deutlich.
4. Der Zusammenhang zwischen privater
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Zahlungsbilanzfinanzierung und Währungskrise
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Das sprunghafte und unkontrollierte Wachstum der internationalen
Liquidität und die private Kreditierung von Zahlungsbilanzdefizi-
ten stellen - wie gezeigt - eine neue Entwicklung in der kapita-
listischen Weltwirtschaft nach dem II. Weltkrieg dar, die augen-
scheinlich mit der Aufkündigung wesentlicher Regelungen des Wäh-
rungssystems von Bretton Woods zusammenhängen (Aufgabe fester
Wechselkurse und Übergang zum Floating). Grundsätzlich hängen
Stabilität und Lebensdauer kapitalistischer Währungssysteme von
folgenden Faktoren ab:
1. Vom "Autonomiebedarf" der kapitalistischen Gesellschaften: Ka-
pitalistische Ökonomien wiesen bereits in früheren Zeiten
(Konkurrenzkapitalismus) unterschiedliche "Mischungsverhältnisse"
zwischen einer spontanen, konkurrenzgesteuerten und preisvermit-
telten Marktregulierung und staatlichen Systemregulierungen auf.
So war z. B. die Herausbildung der kapitalistischen Ökonomien in
den Ländern, die England mit Verzögerung folgten, zunächst in ho-
hem Maße durch staatliche Interventionen gekennzeichnet, die sich
jedoch mit der Etablierung und Stabilisierung dieser Ökonomien
unter konkurrenzkapitalistischen Bedingungen abbauten. Begründe-
ten sich staatliche Regulierungen und Interventionen im Frühsta-
dium des Kapitalismus vor allem aus einer Bedrohung durch die äu-
ßere Weltmarktkonkurrenz, so wuchs mit der Herausbildung monopo-
listischer Strukturen auch der innere Regulierungsbedarf des nun-
mehr monopolkapitalistischen Systems: Zunehmend verloren die
spontanen Mechanismen zur Krisenüberwindung an Wirkung, die
"Selbstheilungsfähigkeit" des kapitalistischen Systems ging ver-
loren, und die Notwendigkeit einer staatlichen Konjunkturpolitik
wurde deutlich. 58) Diesem verstärkten A u t o n o m i e b e-
d a r f, d.h. dem Bedarf nach einer von Weltmarkteinflüssen
unabhängigeren staatlichen Wirtschaftsregulierung, stand das
Währungssystem des Konkurrenzkapitalismus - der Goldstandard -
entgegen. Dieses System basierte auf dem Verzicht auf eine
eigenständige nationale Konjunkturpolitik und schuf darüber
hinaus durch die allgemeine Anerkennung des Goldes als Weltgeld
ein weltweites Preissystem (alle Waren besaßen Goldpreise und
waren somit über die Grenzen hinweg "preisvergleichbar"), durch
das ein enger internationaler Konkurrenzzusammenhang geschaffen
wurde. Die U n i v e r s a l i t ä t des Goldstandards geriet
so mit der Herausbildung des Monopolkapitalismus in Widerspruch
zu dem Umstand, daß die notwendig werdenden staatlichen
Regulierungen nur im n a t i o n a l e n R a h m e n zu
realisieren waren. 59) In der Folge - nach einer langandauernden
Weltwährungskrise - entwickelte sich mit dem Währungsabkommen von
Bretton Woods ein i n t e r n a t i o n a l e s Währungssystem,
das versuchte, eine erhöhte nationale Wirtschaftsautonomie mit
festen Wechselkursen zu verbinden.
2. Ein zweiter entscheidender Faktor für die Gestaltung kapitali-
stischer Währungssysteme sind die Kräfteverhältnisse zwischen den
führenden kapitalistischen IL. Solche Kräfteverhältnisse spielten
bereits im Goldstandard eine wichtige Rolle, wenngleich dieses
Währungssystem durch die weltweite Akzeptierung des Warengelds
"Gold" als Weltgeld Züge eines sich spontan herausbildenden,
"echten" W e l t währungssystems trug, d.h. weitgehend ohne
i n t e r n a t i o n a l e, zwischenstaatliche Vereinbarungen
auskam. 60) Im Vergleich zu heute waren das damalige Währungssy-
stem und der Internationalisierungsprozeß jedoch relativ wenig
politisiert. Dagegen kam das Währungssystem von Bretton Woods nur
durch einen internationalen Vertrag zustande, in dem die Bezie-
hungen n a t i o n a l e r Währungen 61) geregelt wurden.
Ein solches internationales Vertragswerk beinhaltet immer die
zeitweilige Festschreibung von Kräfteverhältnissen, d.h. in die-
sem Falle: die Anerkennung der Hegemonie der USA und des US-Dol-
lar. Als einziges Land waren die USA nicht gezwungen, den Wech-
selkurs des US-Dollar zu verteidigen, während alle übrigen Länder
die Paritäten ihrer Währungen zum US-Dollar durch Zentralbankin-
terventionen zu sichern hatten. Dies verschaffte den USA das Pri-
vileg, ihre Zahlungsbilanzdefizite durch das Drucken von Dollar-
zetteln finanzieren zu können, was letztlich trotz der Interven-
tionen der ausländischen Zentralbanken zur Aufwertung wichtiger
Währungen und damit zur Entwertung der Dollarreserven dieser Län-
der führte.
Somit waren die Widersprüche des Währungsabkommens von Bretton
Woods bereits in seiner Konstruktion angelegt, Widersprüche, die
mit einem Abbau der US-Hegemonie und mit der Herausbildung einer
mehr polyzentrischen Machtverteilung zwischen den kapitalisti-
schen Hauptländern zur Zerstörung dieses Währungssystems führen
mußten. Trotz solcher Konstruktionsschwächen konnte im System von
Bretton Woods das Wachstum der internationalen Liquidität (Gold,
vor allem aber US-Dollar, IWF-Kredite und Beistandskredite zwi-
schen den Zentralbanken) begrenzt werden: Das Wachstum der inter-
nationalen Liquidität hing letztlich vom Zusammenspiel der US-
Zentralbank mit den übrigen Zentralbanken und den IWF-Kreditein-
räumungen ab. 62)
Zwar spielten gegen Ende der sechziger Jahre bereits "vaga-
bundierende", d. h. nicht bei den Zentralbanken konzentrierte
Dollars eine gewisse Rolle bei der Spekulation gegen einzelne
Währungen. Das Gros der internationalen Liquidität blieb jedoch
unter der Kontrolle der Zentralbanken, die ja verpflichtet waren,
überschüssige Dollars durch Ankäufe vom Markt zu nehmen, was zu
einer Begrenzung der Dollarliquidität der Eurobanken führte. 63)
Die Freigabe der Wechselkurse enthob die Zentralbanken der
Verpflichtung, auf den Devisenmärkten zu intervenieren 64) und
beschleunigte so die Ansammlung internationaler Liquidität bei
den internationalen Banken.
Die Finanzierung von Zahlungsbilanzdefiziten durch die Xenokre-
ditmärkte hängt somit in der Tat mit dem Zusammenbruch des Wäh-
rungssystems von Bretton Woods und dessen Ersetzung durch ungere-
gelte Währungsbeziehungen ("Nicht"-währungssystem) zusammen. Das
nun vorherrschende Floating einzelner Währungen und/oder Wäh-
rungsblöcke konnte unter diesen Umständen keine der gesetzten Er-
wartungen erfüllen: Denn die gewaltige internationale Liquidität
in den Händen miteinander um Kreditnehmer konkurrierender inter-
nationaler Bankkonzerne führte zum einen zur "unechten" (d.h. nur
kreditären) Finanzierung nahezu jedes Zahlungsbilanzdefizites, so
daß es nicht zur erwarteten Verringerung, sondern zur explosions-
artigen Ausweitung dieser Defizite kam. Aber auch die erhoffte
Stabilisierung der Wechselkurse auf "marktgerechtem" Niveau trat
nicht ein, da es die Finanzierung der weltwirtschaftlichen Un-
gleichgewichte durch die privaten Bankkredite ermöglichte, die
Unterschiede zwischen den leistungsbilanzstarken Stabilitätslän-
dern und den leistungsbilanzschwachen Inflationsländern aufrecht-
zuerhalten und auszuweiten, womit stabile Wechselkursrelationen
unmöglich wurden. Hinzu kam, daß die Anhäufung kurzfristig mobi-
ler internationaler Liquidität ein gewaltiges Spekulationspoten-
tial darstellte, das Währungsungleichgewichte zumindest ver-
stärkte. Schließlich führte auch die Hochzinspolitik der USA zu
spekulativen internationalen Kapitalbewegungen, die stabile Wäh-
rungsbeziehungen unmöglich machten.
F a s s e n w i r z u s a m m e n: Aktuell kam es infolge der
weltwirtschaftlichen Stagnation und der kapitalorientierten Kri-
senbewältigungsstrategien (Austeritätspolitik und Hochzinspolitik
im Innern, Expansion nach außen) zum offenen Ausbruch der inter-
nationalen Finanzkrise. Im Hintergrund dieser Krise stand jedoch
die Zerrüttung, d.h. die Regulierungs"freiheit" der internationa-
len Währungsbeziehungen. Unter diesen Bedingungen konnten sich
die privatmonopolistischen Xenofinanzmärkte herausbilden, in ge-
waltigem Umfang internationale Liquidität umverteilen und schöp-
fen.
Kurzfristig ermöglichte ihre Kreditgebung die Bewältigung welt-
wirtschaftlicher Ungleichgewichte, die aus der Rivalität der ka-
pitalistischen Zentren, aus den Ungleichheitsbeziehungen zwischen
den IL und EL und aus den beiden Ölpreissteigerungsrunden resul-
tierten. Sie waren somit ein aus der Sicht der expansiven kapita-
listischen IL günstiges "Phänomen", das eine unmittelbare, akute
Krise infolge dieser Ungleichheitsbeziehungen vermied und es er-
laubte, über die "Großzügigkeit" der internationalen Kreditver-
gabe reale Veränderungen der Weltwirtschaftsordnung zu verschlep-
pen. Längerfristig allerdings führte diese "Strategie" zu einer
Kumulation der Probleme, deren aktuell sichtbarster Ausdruck die
Gefährdung des weltweiten Kreditgebäudes ist.
Inwieweit es gelingen kann, durch neue internationale Währungs-
vereinbarungen zwischen den kapitalistischen Hauptländern die in-
ternationale Liquiditätsentwicklung und die bedrohliche Auswei-
tung weltweiter Handelsungleichgewichte in den Griff zu bekommen,
bleibt offen. Ein solches Unterfangen hängt nicht vorrangig von
der Fähigkeit und Willigkeit der Regierungen ab, sondern von der
Frage, ob eine internationale Währungsordnung geschaffen werden
kann, die den polyzentrischen Kräfteverhältnissen der Gegenwart
Rechnung trägt. Und letztlich kann keine Währungsordnung funk-
tionieren, solange die realwirtschaftlichen Ungleichgewichte in
der Weltwirtschaft nicht beseitigt werden und nicht gleichberech-
tigte, auf gegenseitigem Vorteil beruhende Wirtschaftsbeziehungen
zwischen den Ländern errichtet werden.
Das gegenwärtige Krisenmanagement zur Bewältigung der internatio-
nalen Kreditkrise allerdings zeigt, daß die kapitalistischen Län-
der - im Einklang mit den Interessen der Großbanken und IK - auf
eine weitere Kreditierung der Ungleichgewichte setzen. Denn die
Verluste aus dieser Strategie lassen sich schließlich
"vergesellschaften", während die Profite aus der weltwirtschaft-
lichen Expansion privatisiert bleiben.
Die "Vergesellschaftung" der Verluste hat bereits begonnen: Die
Rekordgewinne der BRD-Banken 1982 werden damit gerechtfertigt,
daß sie zur Abdeckung kommender hoher Verluste notwendig seien.
Zum gleichen Zweck werden hohe Rückstellungen gebildet, die das
wahre Ausmaß der gegenwärtigen Bankgewinne verschleiern. Die Ko-
sten der Finanzkrise tragen also bereits jetzt die Konsumenten
und Klein- und Mittelunternehmen, die trotz erheblicher Verbilli-
gung der Geldbeschaffung für die Banken nach wie vor relativ hohe
Kreditzinsen zahlen müssen, weil die Banken den Kreditsenkungs-
spielraum nur teilweise an die Kunden weitergeben und so ihre
Zinsspanne erweitern. Nicht zuletzt wird durch diese restriktive
Geschäftspolitik auch die Wirtschaftskrise verlängert, deren La-
sten auf die abhängig Beschäftigten abgewälzt werden.
_____
1) Vgl. Weltbank, Weltentwicklungsbericht 1981, S. 63; M.
Holthus, Die Entwicklung der Auslandsverschuldung seit 1973, in:
H.B. Schäfer (Hg.), Gefährdete Weltfinanzen, Bonn 1980, S. 109.
2) Weltbank, Weltentwicklungsbericht 1981, S. 65; H. C. Wallich,
LDC Debt... to worry or not to worry, in: Challenge, Sept./Oct.
1981, S. 29.
3) Th. Kampfmeyer, Die Verschuldung lateinamerikanischer Staa-
ten..., Manuskript, Berlin (West) 1982, S. 4; Geschäftsbericht
der Deutschen Bundesbank für das Jahr 1982, Frankfurt/Main 1983,
S. 62.
4) Errechnet aus DIW-Wochenbericht 4/83, S. 38 ff.
5) Die voranstehenden Daten finden sich bei H. C. Wallich, LDC
Debt..., a.a.O., S. 31 f. und "Gnadenfrist für den Weltkonkurs",
Stern, 3. Februar 1983.
6) Th. Kampfmeyer, Die Verschuldung..., a.a.O., S. 20.
7) Ebenda, S. 20...
8) Vgl. BIZ, 52. Jahresbericht, Basel 1982, S. 125 u. 132; Ge-
schäftsbericht der Deutschen Bundesbank für das Jahr 1982,
a.a.O., S. 61; R. S. Dale, International Banking is out of Con-
trol, in: Challenge, Jan./ Febr. 1983, S. 19.
9) Vgl. Ch. Lipson, The International Organization of Third World
Debt, in: International Organization, Vol. 35, Nr. 4, 1981, S.
611; R. S. Dale, International Banking..., a.a.O., S. 18; A. Wag-
ner, Euromarktverschuldung der Entwicklungsländer..., in: Gefähr-
dete Weltfinanzen, a.a.O., S. 152.
10) Vgl. Internationale Konzerne in Entwicklungsländern, IPW-For-
schungshefte 4/75, S. 125 ff.; Internationale Monopole, Berlin
(DDR) 1978, S. 151 ff.
11) Vgl. F. Castro, Die ökonomische und soziale Krise in der
Welt..., Bericht an die VII. Gipfelkonferenz der Nichtpaktgebun-
denen, deutsche Ausgabe, Dresden 1983, S. 86.
12) DIW-Wochenbericht 4/83, S. 38 u. 40.
13) Vgl. Weltbank, a.a.O., verschied. Jahresberichte.
14) Vgl. C. Köhler, Geldwirtschaft, II. Band, West-Berlin 1979,
S. 235 ff.
15) Bank f. Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ), verschied.
Jahresberichte; F. Castro, Die ökonomische und soziale Krise...,
a.a.O., S. 83.
16) Handelsblatt, 29. September 1982; F. Castro, Die ökonomische
und soziale Krise ..., a.a.O., S. 91.
17) Ebenda, S. 89.
18) Vgl. ebenda, S. 5 7 ff.
19) Ob diese Reinvestitionen einen sinnvollen Entwicklungsbeitrag
darstellen oder aber nationale Wirtschaftsstrukturen zerstören,
sei hier ausgeklammert. Ebenso wird hier nicht auf den Fakt ein-
gegangen, daß sich die Industrialisierung dieser EL überwiegend
auf den Bereich arbeitsintensiver Produktionen beschränkt und
deshalb vermutlich ungünstige Zukunftsaussichten hat.
20) Vgl. Handelsblatt, 17./18. September 1982.
21) Vgl. Th. Kampfmeyer, Die Verschuldung. .., a.a.O., S. 6; für
die nichtölexportierenden EL insgesamt trat eine Verschlechterung
der Austauschverhältnisse von ca. 20 Prozent (1978"1981) ein: F.
Castro, Die ökonomische und soziale Krise.. ., a.a.O., S. 61.
22) Ebenda.
23) Ebenda, S. 75.
24) DIW-Wochenbericht 4/83, S. 38.
25) Zur zunehmenden Zyklensynchronisation Mitte der 70er Jahre
vgl. E. Lüdemann, Internationalisierung der kapitalistischen
Wirtschaft und Krisenzyklus, IPW-Forschungshefte 1/1980.
25a) Vgl. Autorenkollektiv, Währungsprobleme des heutigen Kapita-
lismus, Berlin (DDR) 1982, S. 149ff.; FR, 23. April 1983.
25b) Dies beinhaltet nicht, daß diese Länder den Souveränitätsge-
winn automatisch für eine demokratischere und sozialere Politik
verwandt hätten. Vielfach wurden mit diesen Auslandskrediten
nicht sinnvolle Investitionen, sondern der Konsum der Reichen in-
flationär finanziert.
26) Vgl. BIZ, 52. Jahresbericht, a.a.O., S. 132.
27) Vgl. hierzu Memorandum '83, Köln 1983, Abschnitt 2.6.
28) Vgl. C. Köhler, Geldwirtschaft, Bd. II, a.a.O., S. 218 ff.;
BIZ, 52. Jahresbericht, a.a.O., S. 140.
29) Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 1982, a.a.O., S.
59. Die Angaben beziehen sich auf Neuausleihungen.
30) Vgl. Ch. Lipson, The International Organization ..., a.a.O.,
S. 608; in letzter Zeit nimmt die Zahl der Banken, die sich ange-
sichts der Risiken aus dem internationalen Geschäft zurückziehen,
drastisch zu. Vgl. Stern v. 3. Februar 1983.
31) Vgl. R.S. Dale, International Banking..., a.a.O., S. 15 ff.
32) Vgl. D. Gehrmann, Die Effizienz des Euro-Kapitalmarktes...,
Hamburg 1978, S. 24 ff.; BIZ, 52. Jahresbericht, a.a.O., S.
126/145.
33) W. Hankel, Shylock gesucht: Hochzinspolitik und internatio-
nale Kreditmärkte, in: Blätter f. dt. u. internat. Politik,
5/1982, S. 593; Labilität des kapitalistischen Währungs- und Fi-
nanzsystems..., in: IPW-Berichte 4/82, S. 20.
34) I.L. Bahre, Dringend vonnöten: Transparenz und Information,
in: Wirtschaftsdienst, XI/1979, S. 543.
35) Vgl. D. Gehrmann, Die Effizienz.. ., a.a.O., S. 35 ff.
36) Ebenda, S. 225; BIZ, 52. Jahresbericht. a.a.O., S. 128 f.;
Autorenkollektiv, Währungsprobleme..., a.a.O., S. 175 ff.; W.
Hankel, Währungsordnung bei weltweit ungeregelten Kreditmärkten?,
in: Gefährdete Weltfinanzen, a.a.O., S. 3.
37) Vgl. R.S. Dale, International Banking..., a.a.O., S. 15 f.;
Ch. Lipson, The International Organization..., a.a.O., S. 607.
38) Wie gezeigt, belasten auch Direktinvestitionen auf Dauer die
Leistungsbilanz der EL, da die Devisenzuflüsse aus den Direktin-
vestitionen durch die Abflüsse infolge von Gewinntransfers über-
troffen werden.
39) Bisher kranken selbst diese freiwilligen Vereinbarungsversu-
che an den Interessenwidersprüchen und Gewinninteressen der BRD-
Banken.
40) Vgl. zu den Kontrollmöglichkeiten der Xenofinanzmärkte: Ge-
schäftsbericht der Deutschen Bundesbank 1979, S. 52f.; M. Lahn-
stein, Schwachstellen müssen behoben werden, in: Wirtschafts-
dienst XI/1979, S. 538 f.; I.L. Bahre, Dringend vonnöten: ...,
a.a.O., S. 544; H. Peters, Eurogeldmärkte.. ., in: Kredit und Ka-
pital, 1980, Heft 3, S. 402 ff.
41) Vgl. zum Verhältnis privatmonopolistischer und staatsmonopo-
listischer Regulierung z. B.: D. Baudis, H. Nußbaum, Wirtschaft
und Staat in Deutschland vom Ende des 19. Jahrhunderts bis
1918/19, Vaduz 1978, S. 17 ff., S. 36 ff., S. 118 ff.
42) Vgl. M. Lahnstein, Schwachstellen..., a.a.O., S. 536 f.; BIZ,
52. Jahresbericht, a.a.O., S. 128 f.
43) Die Mindestreservepolitik spielt in der BRD und den USA, also
den beiden wichtigsten Xenowährungsländern, eine wichtige Rolle
in der Geldpolitik. Da eine Erhöhung der Mindestreserven die na-
tionale Kreditvergabe verteuert, weichen z.B. die IK auf die in-
ternationalen Kreditmärkte aus.
44) W. Hankel, Währungsordnung bei weltweit ungeregelten Kredit-
märkten?, in: Gefährdete Weltfinanzen..., a.a.O., S. 25, S. 32
ff.
45) Vgl. IPW-Berichte 1/83, S. 25f.; M. Lahnstein, Schwachstel-
len..., a.a.O., S. 538.
46) Vgl. die Angaben von Anmerkung 30 und die Vorschläge bei H.C.
Wallich, LDC Debt ..., a.a.O., S. 33 ff., R. S. Dale, Internatio-
nal Banking..., a.a.O., S. 19; P.L. Volcker, The Recycling Pro-
blem Revisited; in: Challenge, July/August 1980, S. 6ff.; "Sollen
die Euromärkte kontrolliert werden?", in: Wirtschaftsdienst
XI/1979, S. 535 ff.
47) W. Hankel, Shylock gesucht:..., a.a.O., S. 593.
48) Vgl. ebenda, S. 28; C. Köhler, Geldwirtschaft, II. Bd.,
a.a.O., S. 238 ff.
49) BIZ, Jahresberichte, versch. Jhrg.; W. Hankel, Shylock ge-
sucht:..., a.a.O., S. 599.
50) Errechnet aus: Geschäftsbericht der Dt. Bundesbank, 1981, S.
18; BIZ, 52. Jahresbericht, S. 17, 81, 140; Statistical Abstract
of the U.S., 1982.
51) Diese Auffassung vertritt z.B. die BIZ, 51. Jahresbericht; C.
Köhler, Geldwirtschaft, Band II., S. 235 ff.; K.G. Zinn, Die au-
ßenwirtschaftliche Misere nachfrageorientierter Politik, Manu-
skript, 1982, S. 22ff.; Ch. Fiedler, Ursachen und Wirkungen der
USA-Hochzinspolitik, in: IPW-Berichte 6/82, S. 18.
52) Vgl. BIZ, 52. Jahresbericht, S. 128 f.
53) Vgl. C. Köhler, Geldpolitik, Bd. II, a.a.O., S. 224 ff., 235
ff.
54) Vgl. Th. Kampfmeyer, Die Verschuldung..., a.a.O., S. 7 ff.;
P.I. Volcker, The Recycling Problem..., a.a.O., S. 13, Tab. 7.
55) Ch. Fiedler, IPW-Berichte 6/82, a.a.O., S. 17.
56) Vgl. DIW-Wochenbericht 13.14/82, "Beansprucht der Staat zu
viel Ersparnisse?"; A. Troost, Der Streit um die Staatsverschul-
dung, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, 4/81,
S. 473 ff.
57) Vgl. auch Ch. Fiedler, IPW-Berichte 6/82, a.a.O., S. 17; Me-
morandum '83, a.a.O., Abschnitt 2.5.
58) Vgl. D. Baudis, H. Nußbaum, Wirtschaft und Staat. .., a.a.O.,
S. 93 ff.
59) Vgl. E. Sanio, Währungskrise und Währungsintegration (Diss.),
Marburg 1975, S. 52ff.; derselbe, Geld und Währung, Frank-
furt/Main 1978; Autorenkollektiv, Währungsprobleme. . ., a.a.O.,
S. 61 ff. Zuzustimmen ist der dort vertretenen Auffassung, daß
der Begriff der "chronischen Währungskrise" zu undifferenziert
ist, um die ständigen Anpassungsprozesse der kapitalistischen
Weltwährungsbeziehungen an realwirtschaftliche Verhältnisse zu
analysieren (S. 100 f.).
60) So gab es kein internationales Abkommen über dieses Weltwäh-
rungssystem und keine supranationale Währungsbehörde. Der
"Anschluß" an dieses Währungssystem geschah durch die nationale
Festlegung und Verteidigung des Goldgehalts des nationalen
Geldes, wodurch spontan die Wechselkursrelationen bestimmt waren.
Allerdings basierte auch der Goldstandard zu einem Teil auf der
informellen Anerkennung der Dominanz des englischen Pfundes, das
bereits damals als eine Art Reservewährung fungierte, und auf der
Einhaltung einiger Regeln (Deckungsregel) durch die Notenbanken.
61) Goldgedeckte Währungen waren, da die Banken zum Umtausch der
nationalen Geldzettel in Gold verpflichtet waren, im Prinzip un-
mittelbare Weltwährungen. Dagegen stellen Geldzettel, die nur
durch eine staatliche Garantie "gedeckt" sind, n a t i o n a-
l e s Geld dar, da die staatliche Garantie an den Grenzen endet
und eine internationale Anerkennung der nationalen Währung
zwischenstaatlicher Vereinbarungen bedarf.
62) Autorenkollektiv, Währungsprobleme..., a.a.O., S. 65 ff.
63) Vgl. W. Hankel, Währungsordnung..., a.a.O., S. 22 ff., S. 30;
Autorenkollektiv, Währungsprobleme ..., a.a.O., 3. u. 5. Ab-
schnitt.
64) Die Zentralbanken intervenierten nun auf den Devisenmärkten
nicht mit dem Ziel einer unbedingten Wechselkursverteidigung,
sondern unter dem Gesichtspunkt "innerer Geldwertstabilisierung"
und "Stärkung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit"
(verschmutztes Floating).
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