Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 07/1984


       zurück

       

DIE LOHNABHÄNGIGEN NATURWISSENSCHAFTLER UND INGENIEURE: "DIE ARBEITEN WERDEN AUFGETEILT, UND ES WIRD IMMER MEHR" 1)

Hellmuth Lange 1. Plädoyer für die Wiederentdeckung der naturwissenschaftlich- technischen Intelligenz (ntI) - 2. Umfang, soziale Lage und be- triebliche Stellung der ntI - 3. Stoffliche Bestimmtheit der Ar- beit und "reelle Subsumtion" der ntI - 4. Betriebliche Stellung, Berufsübergang und Bewußtsein - einige Aspekte 1. Plädoyer für die Wiederentdeckung der ---------------------------------------- naturwissenschaftlichtechnischen Intelligenz (ntI) -------------------------------------------------- Die Intelligenz bildet weder eine eigene soziale Klasse noch we- nigstens eine in sich homogene Schicht. 2) Ihr größter Teil ist heute lohnabhängig, und spätestens die wachsende Arbeitslosigkeit in zahlreichen ihrer Berufsgruppen zeigt an, daß die Lohnabhän- gigkeit auch für Angehörige der Intelligenz mehr ist als ein nur formaler Status. Die restriktiven Wirkungen der Lohnabhängigkeit auf Berufsausübung, Lebensweise und nicht zuletzt auf das berufs- politische und gesellschaftliche Bewußtsein machen sich - über längere Zeiträume betrachtet - breiter und intensiver bemerkbar. Die soziale Sonderstellung, durch die sich die Intelligenz histo- risch von "normalen" Beschäftigten unterschied, verliert damit an Gewicht. Andererseits hat dieser Angleichungsprozeß nach wie vor deutliche Grenzen. Auch die lohnabhängigen Teile der Intelligenz unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Arbeits- und Lebensverhält- nisse noch immer durch überdurchschnittliche Handlungsfreiräume von der Masse der Lohnabhängigen. Darüber hinaus weisen die Ange- hörigen der Intelligenz trotz der sozialen Heterogenität der Gruppe als ganzer eine Reihe verhältnismäßig stabiler Gemeinsam- keiten hinsichtlich ihrer geistigen und politischen Einstellungen auf: einerseits in Gestalt der Neigung, den Konsequenzen des Antagonismus von Lohnarbeit und Kapital als bestimmendem gesell- schaftlichen Gegensatz im eigenen Denken und Handeln auszuwei- chen, und andererseits in Gestalt der Tendenz, mit der eigenen Orientierung je nach dem Stand der gesamtgesellschaftlichen Kräf- teverhältnisse - in wie vermittelter Form auch immer - zwischen beiden Seiten zu schwanken. All dies ist bekannt und in der wissenschaftlichen Literatur weithin akzeptiert. Damit sind jedoch bei weitem nicht alle Fra- gen beantwortet. Mit der wachsenden Bedeutung von Wissenschaft und Technik verschärft sich die Auseinandersetzung um die Frage, welchen Zwecken und Interessen Wissenschaft und Technik dienen sollen, wie entsprechende Alternativen in wissenschaftlich-tech- nischer Hinsicht aussehen können und wie sie zu realisieren sind. Die naturwissenschaftlich-technische Intelligenz trägt in dieser Auseinandersetzung eine besonders große Verantwortung. Wird sie dieser Verantwortung gerecht? Wo liegen ungenutzte Möglichkeiten, und wie lassen sich namhafte Teile der ntI für diese Aufgabe ge- winnen? Und schließlich: Welche neuen Beziehungen, Aufgaben und Möglichkeiten ergeben sich im Verhältnis zwischen der Intelligenz bzw. ihren verschiedenen Gruppen und den sozialen Hauptkräften unserer Gesellschaft? Der politische Angelpunkt der Debatte um die Intelligenz während ihrer "Hochkonjunktur" in der ersten Hälfte der 70er Jahre 3) be- stand in der Frage, ob die Intelligenz angesichts einer vermeint- lich verbürgerlichten Arbeiterklasse zum politischen Ersatzsub- jekt grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen werden könne, oder ob sie - als ganze oder in Teilen - von ihrer Interessenlage her Anschluß an die Arbeiterbewegung finden müsse und könne. 4) In dem Maße, wie sichtbar wurde, daß es in absehbarer Zeit w e d e r m i t n o c h o h n e Arbeiterbewegung zu grundle- genden Veränderungen kommen würde, und wie schließlich ökonomi- sche Krise und politische Tendenzwende die praktischen Handlungs- spielräume der Arbeiterbewegung u n d der auf Systemveränderung bedachten Teile der Intelligenz immer nachhaltiger einschränkten, kam auch die wissenschaftliche Befassung mit dem Thema "Intelligenz" schnell zum Erliegen. Es entstanden noch einige Ar- beiten über Ingenieure. 5) Sie reichen jedoch bei weitem nicht aus, um die oben aufgeworfenen Fragen gesichert beantworten zu können. In bezug auf die Naturwissenschaftler wurden nurmehr Teilaspekte (vor allem der Arbeitsmarktentwicklung) untersucht. 6) Die theoretische Reflexion der spezifischen gesellschaftlichen Einflußchancen der Intelligenz im allgemeinen kam völlig zum Er- liegen. Bei genauerer Betrachtung zeigt sich allerdings, daß das Thema Intelligenz keinesfalls - wie es das Bild der wechselnden Moden nahelegt - gleichsam in der ideologischen Rumpelkammer abgelegt worden ist. Es ist vielmehr in verstärktem Maße zu einer Domäne eher konservativer Autoren geworden. Zu nennen sind in diesem Zu- sammenhang Schelskys Abrechnungen mit der linken Intelligenz, Tenbrucks Auseinandersetzung mit der Soziologie, Gouldners Schrift über die Intelligenz als neue Klasse 7) und nicht zuletzt die immer offensiver geführte Elitediskussion, in der die - kon- servative - Auseinandersetzung um die Intelligenz auf die Spitze getrieben wird. 8) Die angegriffene, vorwiegend sozialwissenschaftliche, linke In- telligenz hat dem bis heute wenig entgegenzusetzen. Ihr abnehmen- des wissenschaftliches Interesse am Thema stellt sich vor diesem Hintergrund primär als Ausdruck einer Krise des gesellschaftli- chen und politischen Selbstverständnisses eines beachtlichen Teils der linken Intelligenz selbst dar: als wachsendes Unvermö- gen, eine Perspektive des gesellschaftlichen Fortschritts zu kon- zipieren und praktisch zu befördern, in der der Intelligenz eine definierte Rolle zufällt; und als wachsende Bereitschaft, dem konservativem Druck auch in Form von theoretischen Konzessionen nachzugeben. Auch unter den solchermaßen gewandelten Bedingungen bestätigt sich im übrigen, was bereits im Ausgang der Debatte sichtbar war: Die Frage nach der gesellschaftlichen Rolle der In- telligenz umfaßt - offen oder verdeckt - stets auch die weiterge- hende und grundlegendere Frage nach der Arbeiterklasse und ihrer politischen Bewegung als historischem Subjekt und nach der Bedeu- tung des Marxismus als wissenschaftlicher und handlungsleitender Theorie. Dem Abschied vom Selbstbild der Intelligenz als spezifi- scher Kraft des gesellschaftlichen Fortschritts folgen der prak- tische "Abschied vom Proletariat" (A. Gorz) und der theoretische Abschied vom Marxismus auf dem Fuße. In letzterem Zusammenhang erfreut sich die These einer gewissen Beliebtheit, die Debatte der frühen 70er Jahre habe, soweit sie das Verhältnis von "Sein" und "Bewußtsein" (der Arbeiter und der ntI) betraf, unter ökonomistischen Verkürzungen gelitten, 9) die ihrerseits als Ausdruck "marxistischer 'Orthodoxie'" 10) gedeutet werden. Demgegenüber ist auf folgendes zu verweisen: Das verbrei- tete Bemühen um marxistische Authentizität hat sich zwangsläufig in Gestalt einer Hervorhebung der Bedeutung der kapitalistischen Ökonomie als objektiver Basis für den Verlauf sozialer Differen- zierungsprozesse und ihrer Bedeutung für die Entwicklung von ge- sellschaftlichem Bewußtsein dargestellt: Dies war das erklärte Ziel. In d i e s e m Zusammenhang ist es naheliegenderweise auch zu theoretischen Verkürzungen gekommen. 11) Andererseits ist schon seinerzeit vielfach darauf verwiesen worden, daß sich öko- nomisch bestimmte Veränderungen der beruflichen und sozialen Lage keinesfal s zwangsläufig in ein dementsprechendes Bewußtsein um- setzen und daß die Ausbildung von Klassenbewußtsein innerhalb der lohnabhängigen Intelligenz zusätzlich dadurch behindert wird, daß der konstatierbaren Annäherung einzelner ihrer Teile an die Ar- beiterklasse (Entfaltung des Warencharakters der Arbeit) zugleich auch Grenzen gesetzt sind, die eine erhebliche historische Stabi- lität aufweisen. 12) 2. Umfang, soziale Lage und betriebliche Stellung der ntI --------------------------------------------------------- Die fortschreitende Verwissenschaftlichung der gesellschaftlichen Produktion und des gesellschaftlichen Lebens im ganzen geht mit einem beachtlichen zahlenmäßigen Wachstum der hochqualifizierten Arbeitskräfte (HQAs) einher Der Mikrozensus des Jahres 1982 weist 2,3 Mio. Erwerbstätige mit Hochschul- und Fachhochschulabschluß aus (= 8,6 Prozent aller Erwerbstätigen gegenüber 5 4 Prozent im Jahre 1970). Gegenüber 1976 verzeichnen die Hochschulabsolventen einen Zuwachs von 24 Prozent, die Fachhochschulabsolventen einen Zuwachs von 45 Prozent (Volks-[Haupt-]Schulabschluß: -4,3 Pro- zent). 13) Dabei ist ein kräftiges Wachstum nicht allein in der Zahl der HQAs, sondern auch im Anteil der Lohnabhängigen an deren gestiegener Gesamtzahl zu verzeichnen: Der Anteil der lohnabhän- gigen HQAs erreichte schon 1978 bei den Hoch- und Fachhochschul- absolventen den betreffenden Durchschnitt aller Erwerbspersonen. 14) Diese Entwicklung ordnet sich in die allgemeine Entwicklungs- tendenz der Qualifikations- und Sozialstrukturen. Sie besteht ei- nerseits in einem Anstieg des durchschnittlichen Qualifikations- niveaus und in einer weiteren Umschichtung der Lohnabhängigen der Angestellten und andererseits in einem weiteren Sinken des An- teils der Selbständigen. Nichts ist daher abwegiger als die Er- wartung einer postindustriellen Dienstleistungsgesellschaft, in der "die sozialstrukturelle Konfliktlinie 'Arbeit vs. Kapital'" zunehmend verdrängt und relativiert würde. 15) Die Zahlen machen deutlich, daß sich diese Konfliktlinie auch in sozialstrukturel- ler Hinsicht weiter vertieft. Die HQAs tragen mit ihrem wachsen- den Anteil abhängig Beschäftigter zu dieser Entwicklung bei. Derartige Durchschnittszahlen signalisieren den allgemeinen Trend. Der konkrete Verlauf unterscheidet sich jedoch von Teil- gruppe zu Teilgruppe in nicht unwesentlicher Weise. Was bedeutet das hinsichtlich der ntI? Der Begriff der ntI bezieht sich auf spezifische Rekrutierungs- und Reproduktionsbedingungen einer so- zialen Gruppe und auf besondere stoffliche Charakteristika ihrer Arbeit. 16) Er ist folglich nicht ohne weiteres aus den Abgren- zungen der Berufsstatistik rekonstruierbar. Mit der Unterschei- dung in Naturwissenschaftler und Ingenieure (Berufsgruppen 60 und 61) als der eigentlichen Kerngruppe der ntI und den Technikern und technischen Sonderfachkräften (Berufsgruppen 62 bis 63) als Randgruppen der ntI werden ihre Binnengliederung und ihr Umfang immerhin einigermaßen zutreffend erfaßt. Ungenauigkeiten der Er- hebung und der Zuordnung lassen es trotzdem geraten erscheinen, die folgenden Zahlen in erster Linie als Trendzahlen und weniger als absolute Zahlen zu werten. 17) Demnach ergibt sich bis 1982 folgendes Bild: Tabelle 1: Naturwissenschaftler, Ingenieure und Techniker (= technische Be- rufe) 1970-1982 nach Berufsgruppen und ausgewählten Berufsordnun- gen (Erwerbstätige in Tausend) 1970 1973 1976 1978 1980 1982 1982 ggüb. 1978 1 Chemiker/Physiker/ Mathematiker 41 45 44 50 52 51 +2% 2 Ingenieure 426 429 428 415 469 485 +17% 3 Zwischensumme 1+2 467 474 472 465 571 536 +12% 4 techn. Sonderfach- kräfte 222 208 202 193 205 218 +13% 5 Techniker 541 707 691 728 768 792 +9% 6 Zwischensumme 4+5 763 915 893 921 973 1010 +11% 7 Zwischensumme 3+6 1230 1389 1365 1386 1494 1546 +11% 8 Datenverarbeitungs- fachleute 61 73 92 103 113 131 +27% 9 Insgesamt 1291 1462 1457 1489 1607 1677 +11% Die Gesamtzahl von 1,677 Mio. Angehörigen der ntI entspricht 6,3 Prozent aller Erwerbstätigen. Allein die HQAs als Kerngruppe um- faßten 1982 mit mehr als 536 000 Erwerbstätigen über 2 Prozent aller Erwerbstätigen (1970: 1,8 Prozent). 18) Gegenüber dem Zeit- raum zwischen 1961 und 1973 mit einem Wachstum der Gesamtgruppe (ohne Datenverarbeitungsfachleute) um 65,6 Prozent hat sich ihr Wachstum zwischen 1973 und 1982 mit 11,4 Prozent zwar verlang- samt. 19) Das Wachstum der ntI dürfte aber auch in Zukunft anhal- ten, und zwar trotz wachsender Arbeitslosigkeit, die die Berech- nungsbasis (erwerbstätige Angehörige der Gruppe) zusammenschrump- fen läßt. Im einzelnen sind die Zuwachsraten allerdings schon bisher recht unterschiedlich. Die negativste Bilanz verzeichnen die techni- schen Sonderfachkräfte mit einer absoluten Abnahme gegenüber 1970. Andererseits sind sie seit 1978 wieder in Expansion begrif- fen (1982 gegenüber 1978: +13 Prozent). Trotz einer positiven Bi- lanz zwischen 1970 und 1982 verzeichnen dagegen die Chemiker, Physiker und Mathematiker seit 1980 zum ersten Mal eine absolute Abnahme. Die übrigen Gruppen wachsen seit 1970 ohne Unterbre- chung. Allein zwischen 1978 und 1982: die Datenverarbeitungsfach- leute mit 27 Prozent, die Ingenieure mit 17 Prozent, die techni- schen Sonderfachkräfte mit 13 Prozent und die Techniker mit 9 Prozent. Eine Interpretation der in diesen Zahlen zutage treten- den Ungleichmäßigkeit der Entwicklung wirft erhebliche Probleme auf. Sie hätte kurzfristige konjunkturelle Wirkungen mit mittel- fristig wirkenden bildungspolitischen Faktoren und längerfristig wirkenden demographischen Faktoren in Beziehung zu setzen. Erst vor einem solchen Hintergrund ließen sich detailliertere Aussagen über die Qualifikationsentwicklung als den eigentlichen Kern des Problems machen. Allerdings sind selbst in einem solchen Rahmen keine einheitlichen Befunde zu erhalten, da die Verhältnisse je nach dem Grad der Verwissenschaftlichung einzelner Branchen vari- ieren. Die politökonomisch naheliegende und in der Industrieso- ziologie empirisch bestätigte Polarisierungsthese findet in den vorliegenden Zahlen zumindest keine e i n d e u t i g e Bestä- tigung, obwohl auch hier Anzeichen für zwei Polarisierungsbewe- gungen sichtbar sind (Naturwissenschaftler - Ingenieure; techni- sche Sonderfachkräfte - Techniker). Ihnen steht aber beispiels- weise die Entwicklung im Maschinenbau entgegen: Von 1961 bis 1968 stieg die Zahl der Fachhochschulabsolventen mit 31 Prozent bedeu- tend schneller als die der Hochschulabsolventen mit 16,7 Prozent. Von 1980 bis 1982 kehrt sich diese Tendenz hingegen in drasti- scher Weise um: Hochschulabsolventen +126,9 Prozent - Fachhoch- schulabsolventen +28,1 Prozent. 20) Dem Maschinenbau mit einem extrem überdurchschnittlichen Zuwachs der Hochschulabsolventen, in dessen Zusammenhang die Verfasser einer Erhebung "fast von ei- ner Verwissenschaftlichung'" sprechen, 21) stehen andere Branchen gegenüber, in denen sich eine solche Entwicklung früher vollzogen hat. Sie verläuft heute dementsprechend flacher. In jenen Bran- chen schließlich, die von vornherein als "science based indu- stries" entstanden sind (elektrotechnische Industrie/chemische Industrie) sind heute eher Stagnationstendenzen im Zuwachs der Beschäftigten mit Hochschulabschluß zu konstatieren. Insofern läßt sich andererseits auch nicht umstandslos von einem d u r c h g ä n g i g e n Trend zur Höherqualifizierung im Sinne einer vermehrten Integration von Hochschulabsolventen sprechen, obwohl sich auch für diese Tendenz gute Belege finden. 22) Ein- deutig ist hingegen, daß der Berufsbereich der ntI (Technische Berufe) mit 94,7 Prozent abhängig Beschäftigten nach den Angehö- rigen der Fertigungsberufe (99,1 Prozent) die höchste Quote an abhängig Beschäftigten aufweist (Erwerbstätige insgesamt 88,3 Prozent [1982]). 23) Besonders hohe Raten weisen einerseits die technischen Sonderfachkräfte und Techniker auf (97,8 Prozent). Andererseits erreichen auch Naturwissenschaftler (z.B. Chemi- ker/Chemieingenieure mit 98,4 Prozent) enorm hohe Raten. Bei den Ingenieuren finden sich im einzelnen sehr unterschiedliche Werte. Sie schwanken von 73,9 Prozent bei den Bauingenieuren und Archi- tekten über 93,8 Prozent bei den "sonstigen Ingenieuren" bis zu den Chemieingenieuren (einschließlich Chemiker) mit Werten über 98 Prozent (s.o.). 24) Die Ausdehnung der Lohnabhängigkeit innerhalb einer Berufsgruppe ist ein wichtiger, zugleich aber noch recht ungenauer Indikator für sozialstrukturelle Verschiebungen und Veränderungen ihrer Ar- beitsbedingungen: Es kommt darauf an, mit welchen konkreten so- zialen Konsequenzen die Lohnarbeit verbunden ist. Die Spanne der Möglichkeiten reicht von der Besetzung oberer Managementfunktio- nen bis zur Arbeitslosigkeit. Im Hinblick auf beide Pole des Spektrums der Möglichkeiten stellt sich die Lage der ntI wider- sprüchlich dar. Sie ist einerseits - im Vergleich zur Lage der übrigen abhängig Beschäftigten - r e l a t i v günstig. Ande- rerseits kann aber von einer Privilegierung der Gruppe a l s g a n z e r keine Rede sein. Die ntI besetzt einerseits denjenigen Berufsbereich, in dem die Leitungspositionen einen größeren Anteil ausmachen als in allen anderen Bereichen (Abteilungsleiter/Prokurist/Direktor/Amtsleiter/Betriebsleiter: zusammen 5,7 Prozent gegenüber einem Durchschnitt aller Er- werbstätigen von 2,7 Prozent). 25) Andererseits ist selbst dieser Anteil nicht übermäßig groß. Etwas günstiger stellt sich die Si- tuation dar, sofern nach "leiten" als "überwiegend ausgeübter Tä- tigkeit" gefragt wird. Mit 12,6 Prozent liegen die Angehörigen technischer Berufe auch hier an der Spitze (allerdings ist der betreffende Wert auch im Durchschnitt aller Erwerbstätigen mit 4,7 Prozent höher). 26) Die Naturwissenschaftler und Ingenieure erreichen naheliegenderweise mit 17,8 Prozent ("leiten als über- wiegend ausgeübte Tätigkeit") einen höheren Wert. 27) Die Quote der Inhaber von oberen Leitungspositionen liegt hier bei 11,6 Prozent. 28) Nimmt man die nachfolgende Hierarchieebene hinzu, so ergeben sich jedoch immer erst 21,6 Prozent. 29) Die überwiegende Mehrheit (%) auch der qualifiziertesten Teile der ntI arbeitet somit bestenfalls in der Funktion von "herausgehobenen qualifi- zierten Fachkräften" bzw. Meistern u.ä. (52,1 Prozent) oder in noch weiter untergeordneter Position. Da es sich bei diesen Zahlen um die Ergebnisse von Selbstein- schätzungen handelt, die im übrigen häufig ein positiveres Bild zeichnen, als es der Wirklichkeit entspricht, läßt sich feststel- len, daß selbst die Hochschul- und Fachhochschulabsolventen unter den Angehörigen der technischen Berufe - ihrem eigenen Urteil nach - weit davon entfernt sind, als G r u p p e zu den leiten- den Angestellten zu zählen, als die sie von den Unternehmenslei- tungen (und der Union der leitenden Angestellten) gerne bezeich- net werden. Dem widerspricht nicht, daß die Kategorie "leiten" hier in den vergangenen zehn Jahren um 1 bis 2 Prozentpunkte zu- genommen hat. Einen erheblich stärker gewachsenen Raum nehmen bei den Angehörigen technischer Berufe die Bürotätigkeiten ein (zwischen 1976 und 1982 von 1,4 auf 12,8 Prozent). 30) Im übrigen schließt die Kategorie "leiten" die unterschiedlichsten Formen von Verantwortung ein; nicht allein ökonomische, sondern ebenso personelle, organisatorische, wissenschaftliche und technische, d. h. solche Momente von Verantwortung, die aus fachlichen Grün- den delegiert werden, während vor allem ökonomisch orientierte Entscheidungskompetenzen zentralisiert bleiben bzw. werden. 31) Die DAG wirbt mit dem ebenso extremen wie für die Großindustrie repräsentativen Beispiel des Stellenkegels der Siemens AG, in dem sich Abteilungsleiter, Prokuristen, Abteilungsdirektoren einer- seits und Gruppenführer und Sachbearbeiter andererseits in einer Relation von 13:380 gegenüberstehen, unter den Naturwissenschaft- lern und Ingenieuren um Mitglieder. In kleineren Unternehmen ist die Schere weniger groß. Auch hier sind die Leitungsfunktionen aber einem relativ kleinen Kreis vorbehalten. 32) Verhältnismäßig günstig im Vergleich zu anderen Berufsgruppen, aber gleichwohl in rapider Verschlechterung begriffen, stellt sich die Lage der lohnabhängigen ntI auch in bezug auf die Ar- beitslosigkeit als extremsten Ausdruck der Lohnabhängigkeit dar. Der Anstieg der registrierten Arbeitslosigkeit von HQAs (ntI u.a.) vollzog sich während der 70er Jahre in zwei Perioden. Beide Male verheißen nach einem ersten steilen Anstieg sinkende Zu- wachsraten eine Besserung - allerdings auf der Grundlage eines ständig wachsenden Sockels der Arbeitslosigkeit (in absoluten Zahlen). Allein das Jahr 1978 bringt einen nennenswerten Rückgang der Arbeitslosigkeit auch in absoluten Zahlen. Es leitet zur zweiten Periode über. Der Höchststand der ersten Periode wird bei den Hochschulabsolventen schon 1979, bei den Fachhochschulabsol- venten 1981 überschritten. Im Unterschied zur ersten Periode scheint nun auch - trotz neuerlich sinkender Zuwachsraten - ein absoluter Rückgang nicht mehr absehbar. Selbst wenn es dazu käme, bliebe der hohe Sockel im wesentlichen erhalten. Eine Veränderung von rund 4000 arbeitslosen Hoch- und Fachhochschulabsolventen, die zwischen 1973 und 1974 einen Zuwachs von rund 70% ausmachte, ergäbe bezogen auf 1983 im Falle eines entsprechenden Sinkens der Arbeitslosigkeit einen Rückgang von weniger als 6% der Gesamtzahl der arbeitslosen Absolventen. Die Zahl der registrierten Arbeits- losen mit Hoch- und Fachhochschulabschluß überstieg im Jahre 1983 erstmals die Zahl 100 000 (Hochschulabsolventen: 70 312; Fach- hochschulabsolventen: 32 814). 33) Der Umstand, daß die spezifi- sche Arbeitslosenquote der Hoch- und Fachhochschulabsolventen auch 1983 mit rund 5% noch unter der Gesamtarbeitslosenquote (9,1%) liegt, ändert wenig daran, daß die Arbeitslosigkeit als die mit Abstand drastischste Ausdrucksform der Lohnabhängigkeit inzwischen auch für Hoch- und Fachhochschulabsolventen zur allge- genwärtigen Realität geworden ist. 34) Ob 1982 durchschnittlich 10 Arbeitslose (Hoch-/Fachhochschulabsolventen) oder 36) (Gesamt- heit der Arbeitslosen) um eine offene Stelle konkurrieren, macht für die soziale Unsicherheit und Perspektivlosigkeit der Betroffenen kaum einen Unterschied aus. Hinsichtlich der Gesamtstruktur der Arbeitslosigkeit ist von ei- ner "Normalisierung" gesprochen worden: Der relative Unterschied zwischen traditionell schlechter gestellten "Randgruppen" (Ungelernte, ältere Arbeitskräfte und Frauen) und den traditio- nell besser gestellten Gruppen (vor allem der männlichen Fachar- beiter) gehe zu Lasten der letzteren zurück. 35) In diese Ent- wicklung sind offenbar - wenngleich mit umgekehrten Vorzeichen - die HQAs, und hier nicht zuletzt diejenigen der ntI, mit einge- schlossen. 36) Die traditionellen "Privilegien" ihrer Randgrup- penstellung gehen, soweit sie die geringere Gefährdung durch Ar- beitslosigkeit betreffen, deutlich zurück. Arbeitslosigkeit wird auch hier "zur Normalität". Der Übergang verläuft bei den Teilgruppen der ntl in dreierlei Hinsicht unterschiedlich. Unterschiede bestehen erstens in Abhän- gigkeit vom Grad des A u s b i l d u n g s a b s c h l u s- s e s. Die Fachhochschulabsolventen (technische Richtungen) ver- zeichnen in jüngster Zeit fast durchweg größere Zuwächse der Arbeitslosigkeit als die betreffenden Hochschulabsolventen. 37) Zum zweiten sind die Angehörigen bestimmter F ä c h e r in besonderem Maße betroffen. So lag Ende September 1983 trotz der erstgenannten Tendenz die Relation zwischen Arbeitslosen und offenen Stellen bei einzelnen Ingenieurgruppen deutlich günstiger als bei bestimmten Naturwissenschaftlergruppen (Ingenieure des Maschinen- und Fahrzeugbaus 5:1; Elektroingenieure rund 3:1; Naturwissenschaftler außer Physiker, Chemiker, Mathematiker rund 50:1). Von einer generellen Besserstellung der Höherqualifi- zierten kann daher kaum gesprochen werden. Zum dritten geht die bezeichnete "Normalisierung" mit einer Vertiefung der U n t e r- s c h i e d e i n n e r h a l b d e r n t I einher. Der Anteil der arbeitslosen F r a u e n liegt auch hier heute durchwegs höher als ihr Anteil an den Erwerbspersonen der betref- fenden Fachrichtungen. Ä l t e r e Absolventen von Fachhoch- schulen und Hochschulen sind trotz bzw. gerade wegen ihres über- wiegend beachtlichen Spezialisierungsgrades betroffen: "Ältere Ingenieure (werden) zunehmend durch jüngere ersetzt..., weil sie von den Hochschulen die neuesten technologischen Kenntnisse mit- bringen." 38) Da aber auch der Zustrom von B e r u f s a n- f ä n g e r n deutlich höher liegt als die betreffende Auf- nahmebereitschaft des Arbeitsmarktes, werden sie trotz ihres relativen Vorteils gegenüber älteren Bewerbern zur weiteren Problemgruppe, 39) und dies um so mehr, als die Absolventenzahlen in Zukunft weiter steigen werden. Die Amtlichen Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit sprechen unumwunden von "zunehmenden beruflichen Einstiegsschwierigkeiten" für Berufsanfänger. 40) 3. Stoffliche Bestimmtheit der Arbeit und "reelle Subsumtion" ------------------------------------------------------------- der naturwissenschaftlich-technischen Intelligenz ------------------------------------------------- Die bisher genannten Teilaspekte der betrieblichen Stellung und vor allem der Arbeitsmarktsituation zeigen, daß sich der langfri- stige Trend des Übergangs der Naturwissenschaftler und Ingenieure in die Lohnabhängigkeit in der jüngsten Krisenphase beschleunigt, daß das Verhältnis der Lohnabhängigkeit für einen wachsenden Teil der Gruppe extrem drückende Züge annimmt und daß sich die Lebens- und Arbeitsbedingungen der lohnabhängigen ntI insofern tatsäch- lich denen der Masse der abhängig Beschäftigten annähern. Damit bestätigt sich zugleich die markanteste theoretische Prämisse der Intelligenzdebatte der frühen 70er Jahre: Der Lohnabhängigkeit als ö k o n o m i s c h e r Form von Berufstätigkeit kommt hin- sichtlich der sozialen Lage und der objektiven Interessenausbil- dung der ntI eine zentrale Bedeutung zu, und zwar unabhängig da- von, in welcher Weise sich dieser Umstand im Bewußtsein der Be- treffenden reproduziert. Die empirisch konstatierbaren Unter- schiede der Bewußtseinsentwicklung ergeben sich dabei keineswegs allein aus den besonderen Bewegungsformen der s u b j e k t i- v e n Verarbeitungsmechanismen, sondern bereits aus weiteren o b j e k t i v e n Gegebenheiten. Die ökonomischen Produktions- verhältnisse bilden zwar die letzte, allgemeinste Ebene objektiver und subjektiver gesellschaftlicher Differenzierungs- prozesse, jedoch ist die Entfaltung der Produktionsverhältnisse ihrerseits an den Rahmen stofflich bestimmter Voraussetzungen und Elemente von Aneignung gebunden: an die Naturverhältnisse als allgemeine Voraussetzung jeglicher gesellschaftlichen Tätigkeit und an gesellschaftlich invariante Aspekte des jeweiligen Produk- tivkraftsystems bzw. einzelner seiner Elemente. In diesem Sinne ist auch j e d e T ä t i g k e i t d o p p e l t b e- s t i m m t: e i n e r s e i t s g e s e l l- s c h a f t l i c h u n d a n d e r e r s e i t s s t o f f- l i c h. Die historisch konkrete Charakteristik einzelner Tä- tigkeitsarten und die Probleme der Angehörigen bestimmter Berufe erschließen sich folglich erst aus dem Zusammenhang beider Momente. Die stofflichen Charakteristika der Arbeit von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren bilden einerseits ein Fun- dament, das spezielle Zugänge zur "reellen Subsumtion" eröffnet. Andererseits wurzelt in den stofflichen Charakteristika der Ar- beitskraft von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren eine Reihe von "Sperren", die eine vollständige Angleichung ihrer Arbeits- und Lebensbedingungen an die der Arbeiterklasse verhindern. 41) Bliebe dieser Aspekt unberücksichtigt, läge die Vermutung nahe, daß der fortschreitende Abbau vormaliger "Privilegien" - vermittelt über die Herausbildung wissenschaftlicher Detailarbeit - ohne weiteres einem qualitativen Umschlag jener Art zutriebe, die Marx als Übergang von einer lediglich "formellen" zu einer umfassenden "reellen Subsumtion" unter das Kapital faßte. 42) Der klassische Übergang besteht in systematischer Hinsicht darin, daß die mehr oder minder ganzheitliche Qualifikation des Handwer- kers aufgelöst wird, die ihm - wenngleich mit abnehmender Tendenz - als lohnabhängigem Manufakturarbeiter formell noch die Möglich- keit offenließ, in eine klassische handwerkliche Tätigkeit und ggf. sogar in die Selbständigkeit zurückzukehren. Mit der vollen Entfaltung der manufakturiellen Arbeitsteilung und vollends mit der Verallgemeinerung der industriellen Produktion kann eine sol- che Qualifikation in der vormaligen gesellschaftlichen Breite nicht mehr erworben werden. Es entsteht geschichtlich der voll- ständig "entkenntnißte Arbeiter", 43) dessen Qualifikation nur- mehr aus wenigen Handfertigkeiten besteht, und, über graduale Ab- stufungen mit jenem verbunden, der industrielle Facharbeiter mit neuen, höheren Qualifikationen. 44) In beiden Fällen ist eine Rückkehr in die Selbständigkeit des Handwerkers nun auch aus Gründen der stofflichen Spezifik der betreffenden Qualifikationen in der Regel ausgeschlossen: im Falle des "entkenntnißten Arbei- ters", weil das erforderliche Qualifikations n i v e a u weit unterschritten wird; im Falle des industriellen Facharbeiters aufgrund der Qualifikations r i c h t u n g: weil die Nutzung der Qualifikation an das Vorhandensein industrieller Maschinerie gebunden ist, für die die Handwerkerstube finanziell und räumlich zu eng ist. 3.1 Die stoffliche Bestimmtheit der Arbeit ------------------------------------------ als Fundament fortschreitender "reeller Subsumtion" --------------------------------------------------- Die Qualifikation der Ingenieure und Naturwissenschaftler ähnelt der des industriellen Facharbeiters insofern, als auch sie er- stens auf "komplizierte Arbeit" gerichtet ist und als sie - zwei- tens - die Breite ihrer Möglichkeiten in der Regel nur in Verbin- dung mit mehr oder minder aufwendigen technischen Einrichtungen entfalten kann. Im Falle der Ingenieurtätigkeit geht die Analogie noch weiter: Die Entstehung des Ingenieurwesens ist historisch eng an technische Großprojekte gebunden: zunächst im Rahmen mili- tärischer und anderer staatlicher "Großaufträge", seit dem 19. Jahrhundert zunehmend in der industriellen Produktion. Mit stei- gendem Vergesellschaftungs- und technischem Niveau der Produkti- ons- und Dienstleistungsprozesse nimmt die Abhängigkeit der Na- turwissenschaftler und Ingenieure von der Verfügbarkeit teurer und in ständiger Veränderung begriffener FuE-Infrastrukturen ra- pide zu. Die Entfaltung einer freiberuflichen Existenz wird somit nicht allein aus ökonomischen, sondern auch aus stofflichen Grün- den immer schwieriger. Dies ist zweifellos ein Moment von "reeller Subsumtion", das sich gegenwärtig mit besonderer Dynamik entwickelt. Angesichts der ungünstigen aktuellen Arbeitsmarktlage ist diese Entwicklung mit Wirkungen verbunden, die die Ingenieure und Na- turwissenschaftler insofern härter treffen als den größten Teil der sonstigen Arbeiter und Angestellten, als bei längerer Ar- beitslosigkeit ein Entprofessionalisierungsprozeß erfolgt, der die Chance rapide sinken läßt, die erworbene Qualifikation in nä- herer oder fernerer Zukunft ü b e r h a u p t n o c h e i n- m a l in nennenswerter Breite einsetzen zu können. Die Spiel- räume, sich auf entsprechendem Niveau in gänzlich andere Fachgebiete einarbeiten zu können, sind minimal. Auch wenn sich hier kein allgemeingültiges "Verfallsdatum" angeben läßt, ist da- von auszugehen, daß - um im Bilde zu bleiben - die "Frischegarantie" schon nach einem halben Jahr erlischt. Eine Ar- beitslosigkeit von mehr als einem Jahr dürfte nahe an das endgül- tige Aus heranführen. "Wer innerhalb dieser Frist keine Stelle in der Industrie gefunden hat, der hat es ganz, ganz schwer, den Fuß noch einmal in eine industrielle Tätigkeit zu bekommen." 45) Die Einstellungsanforderungen im Öffentlichen Dienst sind weniger rigide bestimmt. Gleichwohl lagen 1983 fast zwei Drittel der Che- miker und mehr als 50 Prozent der Physiker und sonstigen Natur- wissenschaftler in dieser Problemzone (Arbeitslosigkeit länger als ein halbes Jahr). 46) Im Gefolge derartiger Schwächen der Anbieterseite auf dem Ar- beitsmarkt kommt es im übrigen zu Sekundäreffekten, deren Wirkun- gen weit über den Kreis der unmittelbar betroffenen Arbeitslosen hinausreichen. Das gilt erstens für den A u s b i l d u n g s- p r o z e ß, zweitens hinsichtlich der E i n s t e l l u n g s- m o d a l i t ä t e n und zum dritten für den b e r u f l i- c h e n A l l t a g. In allen drei Abschnitten besteht das gemeinsame Resultat in einer Verschärfung des Leistungsdrucks und in einer entsprechenden Verschärfung der Konkurrenz zwischen den Betroffenen. So forderte der verantwortliche Personalleiter der Bayer AG un- längst die Hochschullehrer unumwunden auf, "frühzeitig eine posi- tive Auslese (zu) betreiben, und zwar so frühzeitig, daß dem ein- zelnen nicht aus Altersgründen die Möglichkeit genommen ist, sich noch einmal neu zu orientieren: also im ersten Jahr, spätestens vor dem Vorexamen". 47) Der Kampf um den Arbeitsplatz wird auf diesem Wege in die ersten beiden Semester vorgezogen. Die Sorge der Hochschullehrer um das künftige Schicksal ihrer Absolventen, aber auch ihre Überlastung durch zu viele und zu große Lehrveran- staltungen sowie ihre finanzielle Abhängigkeit von Drittmitteln lassen sie für derartige Ratschläge empfänglich werden. Ist eine "positive Auslese" der gewünschten Art aber einmal etabliert, hat dies nicht zuletzt massive Konsequenzen für die Arbeitshaltung der Studierenden. Sie befestigt und entfaltet eine Mentalität, die zum Lehrstoff im besonderen und zur Wissenschaft im allgemei- nen ein primär instrumentelles Verhältnis pflegt: Die Bewältigung der Prüfungen als mehr oder minder präzisen Indikatoren für Fort- schritte in der Sache droht dabei objektiv und subjektiv zum we- sentlichen Inhalt des Studiums und zugleich zum wesentlichen Mit- tel zu werden, um der Sache zu entkommen. Über den Wandel der Einstellungsmodalitäten berichtet die Redak- tion der "Nachrichten aus Chemie, Technik ...", einer der Punkte, die in Gesprächen mit "Leuten, die sich gerade beworben haben", immer wieder auftauche, sei der, "daß man z. Zt. 'mit Auszeich- nung' promoviert haben muß, um überhaupt zur Vorstellung eingela- den zu werden; 'sehr gut' hat schon fast keine Chance mehr". 48) Daß Bewerber in diesem Zusammenhang auch "von ihrer Persönlich- keit her" eine "reibungslose Anpassung an das Arbeitsleben in der Industrie erwarten lassen" 49) sollen, versteht sich vor diesem Hintergrund fast von allein. "So hatte die Stellen- und Bewerber- suche mehr und mehr den Charakter einer 'Besten-Auslese'." 50) Die naheliegende Vermutung, daß mit der Einstellung schließlich die entscheidende Hürde überwunden sei, geht fehl. Ohne daß dies hier näher ausgeführt werden könnte, zielen die Bemühungen zumin- dest der Großindustrie in drei Richtungen zugleich: Erstens wird damit gedroht, die Anforderungen im Probejahr so zu ändern, daß es zu einer Verlängerung der "Besten-Auslese" wird. Zweitens sucht die Großindustrie, unterstützt von der Bundesregierung, vermehrt nach Möglichkeiten, einem wachsenden Teil der Berufsan- fänger lediglich Zweijahresverträge zu geben. Ein drittes Bemühen zielt auf einen "Einführungstarif zum Kennenlernen" für sog. Post-doc-Praktikanten im Rahmen projektgebundener Arbeiten, 51) der mit lediglich 1000 bis 2000 DM honoriert würde. Auf die Frage, ob die befristeten Arbeitsverhältnisse in der Tendenz zu Lasten der Dauerarbeitsplätze gingen, antwortete der Repräsentant der Bayer AG kurz und bündig: "Das ist eine Gefahr." Daß schon die Inaussichtnahme derartiger Veränderungen bisheriger Üblich- keiten zu einer enormen Erhöhung des Leistungs- und Loyalitäts- drucks führt, darf als ausgemacht gelten. Somit eröffnet die stoffliche Abhängigkeit der naturwissenschaftlich-technischen Be- rufskompetenz vom kontinuierlichen Kontakt mit den Arbeitsmitteln als Moment der "reellen Subsumtion" zugleich neue Möglichkeiten für solche Veränderungen der Arbeit, die schon im Prozeß der "formellen Subsumtion" eine Schlüsselstellung einnehmen. Die ge- genwärtige Krise des Arbeitsmarkts wirkt auf diesem Wege bis weit in die Berufstätigkeit hinein. 3.2 Die stoffliche Bestimmtheit der Arbeit ------------------------------------------ als Schranke fortschreitender "reeller Subsumtion" -------------------------------------------------- Stoffliche Charakteristika der Fähigkeit von Naturwissenschaft- lern und Ingenieuren stehen andererseits der Ausbildung einer u m f a s s e n d e n "reellen Subsumtion" im Wege. Insofern stabilisieren sie die soziale Stellung der ntI als einer von der Arbeiterklasse abgehobenen sozialen Schicht, als (in ihrer Masse) lohnabhängiger Mittelschicht. Naturwissenschaftlich-technische Arbeit zielt i m K e r n stets darauf ab, neue Lösungen zu finden - so klein sie auch sein mögen. Der Weg zu diesen Lösungen ist nie vollständig bekannt. 52) Seine Bewältigung kann folglich auch nicht im gleichen M a ß e, wie dies im Übergang von der handwerklichen zur indu- striellen Handarbeit und in wachsendem Maße auch in der Büroar- beit der Fall ist, auf dem Wege über eine Aufteilung in deren einzelne Elemente routinisiert und kontrolliert werden. Naturwis- senschaftler und Ingenieure behalten daher z w i n g e n d ein im einzelnen zwar unterschiedliches, gleichwohl aber beachtliches Maß an fachlicher Autonomie, sachlicher Entscheidungskompetenz und entsprechenden Möglichkeiten der persönlichen Selbstverwirk- lichung in der Arbeit. Sie behalten damit als Berufsgruppe in re- lativ stabiler Weise gerade jene Eigentümlichkeiten der Tätig- keit, die der klassischen Handarbeit mit dem Übergang zur indu- striellen Maschinenarbeit und - mit fortschreitender "reeller Subsumtion" der Lohnarbeitskraft unter das Kapital - heute auch qualifizierten Arbeitern und Angestellten entzogen wird und deren gänzlicher Verlust die "reelle Subsumtion" auf die Spitze treibt. Der Versuch, die Arbeit von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren in ähnlicher Weise unter Kontrolle zu nehmen, müßte das profi- table Ziel - eben die Hervorbringung von verkaufbarem Neuem - ernsthaft gefährden. In den Worten eines erfahrenen FuE-Managers: "Ganz ohne Chaos geht die Forschung nicht." 53) Dieser Umstand setzt dem Fortgang der Subsumtion der Naturwissenschaftler und Ingenieure unter das Kapitalverhältnis eine nicht nur histori- sche, sondern p r i n z i p i e l l e Schranke. Eine Proletari- sierung der Intelligenz ist i n d i e s e m S i n n e ausge- schlossen. Die Existenz stofflicher Konstanten in der Tätigkeit von Natur- wissenschaftlern und Ingenieuren bedeutet indessen nicht, daß sich deren Tätigkeit nicht schon in der Vergangenheit auch i n h a l t l i c h gewandelt hätte, und daß dieser Prozeß nicht in Zukunft noch erheblich voranschreiten könnte. Die betreffenden Methoden müssen jedoch stets der stofflichen Spezifik der betref- fenden Arbeit angepaßt bleiben. Eben darin liegt ihre Begrenzung. Es sind dies vornehmlich diejenigen Methoden, die den klassischen Entwicklungsschritt der "formellen Subsumtion" von Handarbeit und ihrer Intensivierung im Rahmen der arbeitsorganisatorischen und technischen Entwicklung der Manufakturarbeit kennzeichnen. Inso- fern spricht Neef zutreffend von der "Manufaktur-Periode" der Ingenieurarbeit" 54) - nur folgt dieser Periode, anders als es die in diesem Zusammenhang gelegentlich verwandten Begriffe der "Taylorisierung", 55) der "intellektuellen Fließbandarbeit" 56) oder gar der "Proletarisierung" 57) bzw. des "akademischen Prole- tariats" 58) andeuten, nicht der breite Durchbruch zu vollständig "entkenntnißter Arbeit", und zwar: obwohl der Prozeß der Zerle- gung, Routinisierung, Intensivierung und Kontrolle der Arbeit auch im Bereich der lohnabhängigen Naturwissenschaftler und Inge- nieure weiter voranschreitet und obwohl sich damit auch die Ar- beitsinhalte verändern. Die betreffenden Veränderungen lassen sich vielleicht am besten als h o r i z o n t a l e und v e r t i k a l e E n t d i f- f e r e n z i e r u n g beschreiben, die stets auf mehr oder minder gewichtigen organisatorischen und technischen Verände- rungen des Arbeitsprozesses zugleich beruhen. Die wichtigsten t e c h n i s c h e n Veränderungen bestehen - für Naturwissen- schaftler nicht anders als für Ingenieure - in der zunehmenden Übertragung von Routine- und Sucharbeiten auf Maschinen, vor allem auf Computer. Das CAD zeigt, daß die Möglichkeiten sehr weit reichen können. 59) Sie decken jedoch stets nur einen Teil der F.-, E.- und Konstruktionsarbeit und der sonstigen Tätigkei- ten ab, für die Naturwissenschaftler bzw. Ingenieure eingesetzt werden. Die o r g a n i s a t o r i s c h e n Mittel der Zerle- gung, Routinisierung, Intensivierung und Kontrolle faßt Laatz zu- sammen. Auch sie gelten für Naturwissenschaftler nicht minder als für Ingenieure: "1. Arbeitsplatzbeschreibungen (Dienstpostenbe- schreibungen), Vollmachtenkataloge u.ä. mit dem Zwecke der bewußten Durchgliederung und Organisation des Funktionsablaufs, der genauen Klärung der Arbeitsaufgaben, der dadurch klareren Kommunikation und als Ausgangspunkt zur Gestaltung der einzelnen Arbeitsabläufe. 2. Periodische Zielplanung und Zielüberprüfung mit dem Zwecke der Zeitplanung und Ablaufkontrolle sowie als Ausgangspunkt der Verbesserung der Arbeitsabläufe. Hier vor allem findet die Netzplantechnik ihre Anwendung. 3. Verschiedene Mittel zur Kontrolle der Arbeitszeit, der Kosten usw. 4. Standardisierte Leistungsbeurteilung mit dem Ziel der Leistungsmotivierung und der Kontrolle von Arbeitskraft." 60) Bis heute und in absehbarer Zukunft ist davon auszugehen, daß beide Arten von Veränderungen selbst in Großunternehmen erst be- grenzt und in unterschiedlichem Maße durchgesetzt sind. Sie be- zeichnen insofern mehr die Richtung als den historischen Entwick- lungsstand. Im übrigen finden sie in den verschiedenen Naturwis- senschaftler- und Ingenieurberufen und in deren einzelnen Ein- satzfeldern höchst unterschiedliche Entfaltungsspielräume. 61) Von v e r t i k a l e r D i f f e r e n z i e r u n g ist in dem Maße zu sprechen, wie wissenschaftlich-technische Realisie- rungsaufgaben von Planungs- und Entscheidungsaufgaben abgetrennt und letztere zur Aufgabe eigener, übergeordneter Abteilungen ge- macht werden. Der Verlust betrifft erstens ökonomisch relevante Tätigkeitsmerkmale, die in eigenen Büros (für Wertanalyse u.ä.) konzentriert werden. Überspitzt formuliert: "Die Kosten determi- nieren Aufwand und Termine", während die Kosten früher vom Ar- beitsaufwand und den Terminen abhingen, die die Naturwissen- schaftler und Ingenieure "aufgrund ihrer technisch-organisatori- schen Kompetenz" selbst festlegten. 62) Der Verlust betrifft zweitens zeitliche Spielräume: zum einen auf dem Wege einer stär- keren, mit vorgesetzten Stellen abzustimmenden Strukturierung der Arbeitsvorhaben in "abrechenbare" Teilabschnitte, zum anderen auf dem Wege einer Erhöhung des Arbeitsdruckes mittels verkürzter Zeitvorgaben. Detailliertere Personalbeurteilungstechniken, die u. a. an die Einhaltung ökonomischer und arbeitsorganisatorischer bzw. zeitlicher Vorgaben und positiver Resultate in jedem Einzel- abschnitt der Arbeit gebunden sind, vervollständigen den Druck. 63) Im Zusammenwirken aller dieser Momente erleidet die traditionelle p r o f e s s i o n e l l e A u t o n o m i e der Naturwissen- schaftler und Ingenieure - über längere Zeiträume betrachtet - erhebliche Einbußen: in jenen Bereichen und Berufen, in denen (nicht zuletzt aus stofflichen Gründen) die innere Differenzie- rung von Projekten (wie z. B. im Flugzeugbau) sehr ausgeprägt ist, in höherem Maße; in jenen, die (wie die Chemie) bis heute weithin nur kooperierende, in sich relativ abgeschlossene Klein- projekte kennen (ohne deswegen hinter der Zeit zurück zu sein), in geringerem Maße. Die n a t u r w i s s e n s c h a f t- l i c h - t e c h n i s c h e, f a c h l i c h e A u t o n o- m i e in der Beurteilung und Bewältigung der betreffenden Aufga- ben wird durch diese Entwicklung zwar berührt. Sie sinkt jedoch nicht im gleichen Maße. Der Haupteffekt besteht hier unter dem Gesichtspunkt vertikaler Differenzierung im R ü c k g a n g d e s f a c h l i c h e n Ü b e r b l i c k s u n d d e r E n t s c h e i d u n g s k o m p e t e n z e n h i n s i c h t- l i c h d e s G e s a m t z u s a m m e n h a n g s d e r j e w e i l i g e n P r o j e k t e. Umgekehrt wird damit die Leitung nicht nur in betriebspolitischer, sondern auch in fach- licher Hinsicht zum zwingenden Erfordernis. 64) Der vergleichs- weise anspruchsvolle (und subjektiv befriedigende) Charakter der Arbeit wird davon jedoch n i c h t z w a n g s l ä u f i g be- rührt. Das gleiche gilt für jene Aspekte der Veränderung, die als h o r i z o n t a l e E n t d i f f e r e n z i e r u n g be- zeichnet werden können: Die fachliche Spezialisierung nimmt zu. Starke Spezialisierung ist jedoch nicht zwingend mit starker Ar- beitsteilung, Arbeitszergliederung und Sinnentleerung der Arbeit gleichzusetzen. Einerseits beinhaltet sie tatsächlich eine Ver- einseitigung. Andererseits wissen die Spezialisten nun häufig "über weniger mehr und komplexere Dinge". 65) Insoweit k a n n die Arbeit sogar anspruchsvoller werden. Dies ist um so mehr der Fall, wo die Spezialisierung mit einer Entlastung von Routinetä- tigkeiten einhergeht, die ihrerseits auf enger ausgebildete Spe- zialisten und später häufig auch auf Maschinen übertragen werden (vgl. etwa in der Chemie die historische Verselbständigung der Analytik und deren eigene Entwicklung). Ein relativ hoher Grad der fachlichen Identifikation mit der eigenen Arbeit und eine entsprechende Arbeitszufriedenheit, die hinsichtlich der Mehrheit der Naturwissenschaftler außer Frage stehen, aber eben auch für große Teile der Ingenieure ausreichend belegt sind, 66) stellen insofern - anders als Neef dies nahelegt - keineswegs zwingend eine mehr oder minder illusorische Form der Selbstvergewisserung dar, die lediglich darüber hinwegtäuschen soll, daß der Be- rufsalltag kaum mehr Anlaß zu entsprechender Identifikation biete und deren soziale Funktion folglich nurmehr darin bestünde, eine subjektive Trennungslinie gegenüber den Arbeitern zu markieren. 67) Die vergleichsweise hohe fachliche Identifikation und Arbeitszu- friedenheit von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren verweisen anstelle dessen zunächst einmal auf einen o b j e k t i v e n Sachverhalt. Die vertikale und horizontale Entdifferenzierung laufen zwar h i s t o r i s c h auf eine Verarmung der Arbeits- inhalte hinaus. Ihre g e g e n w ä r t i g e n Resultate sind jedoch relativ anspruchsvoll geblieben. Sie bezeichnen somit nicht den Fortgang einer gleichsam linearen Annäherung an die Ar- beits- und Lebensbedingungen der Masse der Lohnabhängigen oder gar einer gänzlichen Entleerung der Arbeit, sondern einen Aus- druck der Tatsache, daß genau das nicht möglich ist. Dem widerspricht nicht, daß der Prozeß der Entdifferenzierung als kapitalistische Rationalisierung auf dem Rücken der jeweiligen Beschäftigten durchgesetzt wird und daß er insofern zu jedem Zeitpunkt T e i l g r u p p e n entstehen läßt, für die sich der Wandel zum Teil extrem negativ bemerkbar macht. Die ntI ist von dieser Tendenz schon lange nicht mehr ausgeschlossen. 68) Sie wirkt heute auf a l l e n Qualifikationsebenen: vom Techniker bis hin zu den promovierten Hochschulabsolventen. Die Reduktion der professionellen Autonomie kann zeitweise mit erheblichen Stö- rungen der verbliebenen Arbeitsaufgaben seitens neugeschaffener Planungs-, Entscheidungs- und Kontrollinstanzen einhergehen: durch unzulängliche organisatorische Abstimmungen, durch inkompe- tente Erwartungen in der Sache, durch demoralisierende Formen der Kontrolle und/oder des Arbeitsdrucks, durch die Schaffung einsei- tiger oder inkohärenter Tätigkeitsfelder bzw. Aufgabenzuweisungen etc. Letzteres greift auf die Dimension der fachlichen Speziali- sierung über. Weitgehende fachliche Spezialisierung, zumal in fortgeschrittenen Phasen des Berufslebens, beeinträchtigt die be- ruflichen Mobilitätschancen. Im Zusammenhang mit der möglichen Aufgabe einzelner Arbeitsrichtungen seitens der Unternehmen und damit verbundener möglicher Entlassungen ist dauerhafte Arbeits- losigkeit der betreffenden Spezialisten die naheliegende Konse- quenz. Spezialisierung führt im übrigen nicht zwangsläufig zu gleichbleibenden oder steigenden fachlichen Anforderungen. Sie führt ebenso zu Routinetätigkeiten, die nicht allein subjektiv unbefriedigend sind, sondern auf Dauer auch die berufliche Quali- fikation als ganze gefährden. Die genannten Prozesse sind mehr oder minder zwangsläufige Folgen jener spezifischen sozialen Verantwortungslosigkeit und Planlo- sigkeit, in der sich die Verwissenschaftlichung der gesellschaft- lichen Produktion und Reproduktion unter kapitalistischen Bedin- gungen entwickelt. Sie bezeichnen als solche jedoch eher einzelne V e r l a u f s f o r m e n als den eigentlichen I n h a l t dieses Prozesses. In der historischen Kontinuität stellt sich die Sache vielmehr so dar: Die ntI nimmt zahlenmäßig weiter zu. Dabei werden einerseits auf allen Qualifikationsebenen beständig Teil- gruppen hinsichtlich ihrer Arbeitsbedingungen und ihrer sozialen Lage an den Rand und schließlich - zusammen mit den von ihnen re- präsentierten Arbeitsfunktionen - aus der ntI als solcher heraus- gedrückt. Andererseits vollzieht sich ein beständiger Reorganisa- tionsprozeß der verbleibenden bzw. wachsenden ntI. Damit bleibt der besondere, von den Gruppen der Arbeiterklasse abhebende Cha- rakter der ntI auch unter den Bedingungen ihrer stärkeren Unter- ordnung unter das kapitalistische Lohnverhältnis gerade aufgrund der stofflichen Spezifik ihrer gemeinsamen Tätigkeitsmerkmale er- halten. 4. Betriebliche Stellung, Berufsübergang und Bewußtsein - --------------------------------------------------------- einige Aspekte -------------- Im Prozeß ihrer beständigen Neuformierung einerseits und der im- mer breiter und nachhaltiger sich durchsetzenden horizontalen und vertikalen Entdifferenzierung andererseits wandelt sich aller- dings der d o m i n a n t e T y p u s des lohnabhängigen Inge- nieurs bzw. Naturwissenschaftlers selbst. Bildeten die Naturwis- senschaftler und Ingenieure historisch gleichsam U n i v e r- s a l i s t e n in Sachen Innovation u n d Leitung von Inno- vationsprozessen, so werden sie mehrheitlich immer stärker zu S p e z i a l a r b e i t e r n im Rahmen von weithin a u- ß e n g e s t e u e r t e n Innovationsprozessen und innerhalb eines dichter werdenden Netzes von Kontrollmechanismen. Nur eine Minderheit wird hingegen zu taylorisierten D e t a i l a r- b e i t e r n im dem Sinne, der für die historische, aktuelle und zukünftige Entwicklung der Handarbeit charakteristisch ist. 69) Damit wird nicht behauptet, daß sich die Arbeit von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren aufgrund ihrer stofflichen Eigentümlichkeiten prinzipiell von der "gewöhnlichen" Handarbeit (in der Produktion und in den Büros) unterschiede. Das Auftreten von "Ungewißheiten" und unvorhergesehenen "Zwischenfällen" und folglich die Notwendigkeit von persönlichen Entscheidungen, von Eigeninitiative und je individuellen Lösungen zur Überwindung solcher Ereignisse charakterisieren, wie N e e f zutreffend schreibt, jede - auch die normierteste und standardisierteste - menschliche Arbeit. 70) Der Unterschied zur Arbeit der Mehrheit der Naturwissenschaftler und Ingenieure, und zwar auch unter den Bedingungen fortschreitender Entdifferenzierung, besteht in der H ä u f i g k e i t des Auftretens solcher Momente und in dem Umstand, daß diese Momente hier, in entsprechender Häufigkeit, als prinzipiell konstitutive (d.h. nicht unbedingt auch in jedem historisch-konkreten Falle) und dauerhafte Bestandteile der Arbeit anerkannt werden müssen. Allerdings bestehen auch hier Abstufungen. Das hierarchische Gefüge der naturwissenschaftlich- technischen Ausbildungsabschlüsse spiegelt das unterschiedliche Gewicht dieses Momentes in Grenzen angemessen wider. Dem entspricht nicht allein eine unterschiedliche Nähe der Berufs- situation der jeweiligen Absolventen zu derjenigen der Arbeiter und einfachen Angestellten, sondern bekanntlich auch eine entsprechend unterschiedliche Offenheit für kollektive und na- mentlich gewerkschaftliche Formen der Interessenvertretung. 71) Die besonders schwache Ausbildung von gewerkschaftlichem Bewußt- sein im Kreise der Hochschulabsolventen erweist sich in diesem Zusammenhang zwar als subjektives Defizit, das einer Wahrnehmung der eigenen Interessen im Wege steht, zugleich aber als ein Defi- zit, das sich nicht allein aus der Qualität betriebspolitischer Manipulierungstechniken der Unternehmensleitungen und/oder aus allgemeinen kulturellen Veränderungen "lebensweltlicher" Zusam- menhänge und Wertorientierungen, sondern - auch als Basis für die Wirksamkeit entsprechender Techniken - vor allen anderen aus ob- jektiven Merkmalen der Tätigkeit von Hochschulabsolventen ergibt. Da diese Tätigkeitsmerkmale auch in Zukunft relativ stabil blei- ben werden, wird sich das betreffende Bewußtsein auch in Zukunft nur verhältnismäßig langsam verändern lassen. Die hier interessierenden - arbeitssoziologisch zu analysierenden - Voraussetzungen variieren im übrigen auch auf der Ebene ein und des gleichen Qualifikationsniveaus von Fachrichtung zu Fachrich- tung. Auch hier spielen stoffliche Aspekte eine beachtliche Rolle: in diesem Falle die für einzelne Fachrichtungen charakte- ristischen Arbeitsgegenstände und die darauf bezogenen Arbeits- operationen als Grundlage für das Entstehen typischer Arbeitsfel- der und entsprechend spezieller betriebspolitischer Nutzungs- spielräume dieser Besonderheiten. Auffällige berufstypische Merkmale zeigen sich schon in den un- terschiedlichen Graden der betrieblichen M a s s i e r u n g von Angehörigen der verschiedenen Berufe. Während die Angehörigen der meisten Ingenieurgruppen häufig in ein und dem gleichen Groß- betrieb in verhältnismäßig großer Zahl konzentriert sind, ist dies bei den meisten Naturwissenschaftlergruppen, zumindest bis jetzt, erst in Ansätzen der Fall. Aber auch hier sind die Ver- hältnisse unterschiedlich. Die Spanne reicht von den Chemikern (für die nichts weniger als eine "eigene" Industrie existiert) über die Mathematiker und Physiker bis zu den Biologen, Geologen u. ä. mit überwiegend sehr geringer Konzentration. Selbst dort, wo rein quantitativ größere Ballungen zu verzeichnen sind, existieren zweitens sehr unterschiedliche Grade der K o o p e r a t i o n. Sie bilden ein weiteres Medium der Förde- rung bzw. Hemmung der Entwicklung von Bewußtsein. Man vergleiche in dieser Hinsicht die Großraumbüros der Konstruktionsabteilungen im Ingenieurbereich mit den Arbeitsplätzen von Chemikern in der Forschung, die eher an Zellen gemahnen. Krassere Unterschiede der Kommunikations- und Kooperationsmöglichkeiten sind kaum vorstell- bar. Sie berühren einen dritten Faktor: die jeweiligen Schwierigkeiten des Ü b e r g a n g s v o m S t u d i u m i n d e n B e- r u f als einem zentralen Moment der beruflichen Sozialisation. Der leichteste Übergang ist in der Chemie gegeben. Die in- dustriellen Forschungslabors der Chemie ähneln sowohl äußerlich als auch von der Art der dort gestellten Arbeitsaufgaben (Gewinnung von Wissen) am ehesten dem, was den Berufsanfängern von der Ausbildung her geläufig ist. Die Entfaltung eines indivi- dualistischen (und elitären) Bewußtseins findet hier günstige Be- dingungen, und zwar als Massenerscheinung: Die Berufsanfänger in der Chemie beginnen zum allergrößten Teil im Forschungslabor. 72) Die Profitproduktion als bestimmender Zweck industrieller Tätig- keit prägt gewiß auch der Arbeit im Forschungslabor ihren Stempel auf. Sie ist hier aber zunächst weniger deutlich spürbar als in anderen Abteilungen, zumal in der Produktion. Zugleich bietet die Forschung optimale Möglichkeiten, um die Berufsanfänger langsam und entsprechend behutsam an den harten Kern der industriellen Tätigkeit heranzuführen. Soweit die Unterschiede zwischen Hoch- schule und Industrie trotzdem erfahrbar werden, bewähren sich nun jene zweifelhaften Tugenden, die unter den Bedingungen eines wachsenden Studiendrucks erworben werden: einerseits ein instru- mentalistisches Verhältnis zur Wissenschaft und eine ausgeprägte Neigung, die eigene Tätigkeit gleichsam geschäftsmäßig aufzufas- sen; andererseits eine hohe Frustrationstoleranz und ein entspre- chendes Vermögen, eigene, inhaltliche Interessen hintanzustellen, kurz: ein hohes Maß an subjektiver Entfremdung. Von einer Soll- Bruchstelle zwischen (akademisch orientierten) naturwissenschaft- lich-technischen Professionsnormen und (profitorientierten) be- trieblichen Arbeitsnormen kann unter diesen Umständen keine Rede mehr sein (sofern dies, zumal im Ingenieurbereich) überhaupt je nennenswert der Fall war. Die ebenfalls aus der stofflichen Spezifik naturwissenschaftlich- technischer Tätigkeit erwachsende Teilhabe an Koordinations-, L e i t u n g s- und Überwachungsfunktionen und die damit ver- bundene Honorierung in Gestalt vergleichsweise hoher Einkommen und betriebspolitischer Statussymbole vervollständigen das Ensem- ble der Faktoren, welche die Entfaltung eines technisch-reduktio- nistischen, elitären und individualistischen Verständnisses der eigenen Tätigkeit begünstigen. Ein berufs- und gesellschaftspoli- tisches Bewußtsein, das der kollektiven Interessenvertretung im Verein mit den übrigen Lohnabhängigen zumindest distanziert ge- genübersteht, erscheint vor dem hier skizzierten Hintergrund nicht nur möglich, sondern naheliegend. Die Ergebnisse einer ei- genen Befragung 74) deuten an, daß die Auflösung dieser Distanz oft erst nach längeren betrieblichen Erfahrungen erfolgt; vor al- lem dann, wenn sich die vormaligen Aufstiegsillusionen nicht re- alisiert haben und/oder wenn mit fortschreitendem Lebensalter an- dere als berufsbezogene Interessen (Familie, Hobbys), die zunächst mit Rücksicht auf den erhofften beruflichen Aufstieg in den Hintergrund gerückt wurden, berücksichtigt werden wollen, während andererseits der Arbeitsdruck wächst. Weitere, außerbe- triebliche Faktoren wie eine familiär oder durch eine frühere Ausbildung und Berufstätigkeit bedingte Vertrautheit mit der Welt der "normalen" Lohnabhängigen und den Gewerkschaften als deren Interessenvertretung können diesen Prozeß begünstigen. Sie können ihn aber bekanntlich auch im Rahmen eines Aufsteigersyndroms mit besonderer Nachhaltigkeit behindern. Schon diese Spanne der Möglichkeiten macht deutlich: So differen- ziert das sowohl ökonomisch als auch stofflich bestimmte berufli- che "Sein" auch analysiert werden mag (und muß), der konkrete Verlauf der Bewußtseinsentwicklung läßt sich auf einer solchen Grundlage immer nur bedingt erklären und prognostizieren. Es muß stets als weiteres Moment die systematisch angemessene Einbezie- hung der individuellen Bewußtseinsentwicklung in die Bewegung und die inneren Widersprüche des gesellschaftlichen Überbaus als dem Gesamtzusammenhang der politischen, geistigen und kulturellen Entfaltung der Gesellschaft hinzutreten. Unter Berücksichtigung der relativen gesellschaftlichen Randstel- lung der Intelligenz ist hier festzuhalten: Das gesellschaftliche Bewußtsein und die Einsicht in die ohnehin nur bedingt erkannte Notwendigkeit einer gewerkschaftlichen Interessenvertretung ent- wickeln sich heute auf seilen der ntl (und - wie eingangs sicht- bar wurde - auch in der sozialwissenschaftlichen Intelligenz) trotz fortschreitender Gefährdung durch Arbeitslosigkeit, trotz steigenden Arbeitsdrucks und trotz des Wachstums der Gruppe als ganzer eher langsamer als in der Vergangenheit. Mit der Erfahrung innerbetrieblicher Widersprüche und zunehmend auch solcher Wider- sprüche, die sich aus der kapitalistisch betriebenen Produktiv- kraftentwicklung und -nutzung außerhalb der Betriebe ergeben (vor allem in der Umweltfrage), nimmt das Bewußtsein der eigenen Ab- hängigkeit und des unsozialen Charakters der kapitalistischen Produktivkraftentwicklung gleichwohl zu: Im Rahmen der fortdau- ernden gehobenen beruflichen Stellung des Kerns der ntI einer- seits und der gewandelten ideologischen und politisch-praktischen Kräfteverhältnisse im gesamtgesellschaftlichen Maßstab anderer- seits nimmt es allerdings vielfach organisations- und gewerk- schaftsfremde bis -kritische Formen an. Diese Wendung bezeichnet indessen nur die eine Seite der Me- daille. Ihre Kehrseite besteht darin, daß die gegenwärtigen ge- samtgesellschaftlichen Kräfteverhältnisse aufgrund ihrer politi- schen und ökonomischen Wirkungen technokratische, elitäre und so- zialpartnerschaftliche Illusionen nur bei einem Teil der ntI be- festigen können, während sie hinsichtlich der Mehrheit eher zu einer Erosion solchen Denkens drängen. Die vermehrte Entstehung von gewerkschaftlichen oder auf gewerkschaftliches Handeln bezo- genen Arbeitskreisen von Naturwissenschaftlern und Ingenieuren (Ingenieurarbeitskreise für Rationalisierungsfragen, für Rü- stungsfragen, für Produktkonversion u.ä.) als sinnfällige Berei- cherungen der gewerkschaftlich geprägten Aktivitäten von Natur- wissenschaftlern und Ingenieuren ist vor diesem Hintergrund eben- sowenig ein Zufall wie die weniger spektakulären, dafür aber - trotz ihrer relativen Begrenztheit - stärker in die Breite wir- kenden Organisationserfolge der Industriegewerkschaften im Be- reich der ntI, vor allem der Techniker und der Ingenieure ohne größere Leitungskompetenzen. Trotz der ungünstigen Wirkungen der aktuell politischen und ökonomischen Konjunktur und trotz der hi- storisch deutlich stabileren berufstypischen Schranken einer breiten Öffnung der ntI in Richtung auf eine gewerkschaftliche Interessenvertretung und ein breiteres allgemeinpolitisches Enga- gement an der Seite der "Nichtprivilegierten" 75) sind hier wei- tere Fortschritte zu erzielen. Eine langfristig angelegte und auf die Spezifik der berufspolitischen Problemstellungen der ntI ein- gehende gewerkschaftliche Informations-, Interessenvertretungs- und Mobilisierungsstrategie bildet dabei allerdings eine unerläß- liche Voraussetzung. Das wachsende betriebliche und gesellschaft- liche Gewicht der ntI macht die Entwicklung einer solchen Strate- gie zu einer zwingenden Notwendigkeit. _____ 1) Urteil eines Ingenieurs in: W. Laatz, Ingenieure in der Bun- desrepublik Deutschland, Frankfurt am Main/New York 1979, S. 175. 2) Beiträge des IMSF 3: Klassen- und Sozialstruktur der BRD 1950- 1970, Teil I: Klassenstruktur und Klassentheorie. Theoretische Grundlagen und Diskussion, Frankfurt/M. 1972, S. 135 ff.; Teil III: Die Intelligenz der BRD 1950-1970, Frankfurt/M. 1974. 3) Siehe etwa die Literaturangaben in: Autorenkollektiv, Klassen- lage und Bewußtseinsformen technisch-wissenschaftlicher Lohnar- beiter, Frankfurt/M. 1973, S. 241, und die Debatte in: "Soziali- stische Politik", 1. Jg. (1969), H. 3 ff. 4) Den vielleicht wichtigsten Kristallisationskern für die Erör- terung dieser Problematik bildete die Debatte über S. Mallet, Die neue Arbeiterklasse, Neuwied/Berlin 1972. 5) Neben der erwähnten Arbeit von Laatz (Anm. 1) siehe vor allem B. Lutz/G. Kammerer, Das Ende des graduierten Ingenieurs, Frank- furt/M. 1975; N. Beckenbach u.a., Ingenieure und Techniker in der Industrie, Frankfurt/M. 1975; W. Neef, Ingenieure in der Metall- industrie, Phil.-Diss., Universität Hannover 1980. 6) Die Arbeit von M. v. Engelhardt/R. Hoffmann, Wissenschaftlich- technische Intelligenz im Forschungsgroßbetrieb, Frankfurt/M. 1974, bildet die einzige größere empirische Arbeit zum Thema. 7) H. Schelsky, Die Arbeit tun die anderen, München 1977; H. Ten- bruck, Die unbewältigten Sozialwissenschaften, Tübingen 1977; A. Gouldner, Die Intelligenz als neue Klasse, Frankfurt am Main/New York 1980. 8) Dazu: BdWi-Stellungnahme zur Hochschulpolitik "Demokratisie- rung statt Vermarktung", in: Forum Wissenschaft, hrsg. v. Bund demokratischer Wissenschaftler, Nr. l (Juni 1984). 9) Beispielhaft H. Wiesenthal/K. Hinrichs, An den Grenzen des Ar- beiterbewußtseins. Argumente für eine erweiterte Perspektive, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, H. 12/83, S. 775 ff. 10) C. Offe, Arbeit als soziologische Schlüsselkategorie?, in: Krise der Arbeitsgesellschaft? Verhandlungen des 21. Dt. Soziolo- gentages 1982, Frankfurt am Main/New York 1983, S. 58. 11) Am ehesten gilt dies für die frühen Arbeiten des "Projekts Klassenanalyse" in West-Berlin. Aber selbst dort ist der Gel- tungsanspruch der "Ableitungen" weitaus begrenzter, als dies in mancher der nachfolgenden Kritiken eingeräumt wird. 12) Klassenstruktur und Klassentheorie ..., a.a.O., S. 205f., 233; noch deutlicher C. Kievenheim, in: C. Kievenheim/A. Leise- witz (Hrg.), Soziale Stellung und Bewußtsein der Intelligenz, Köln 1973,8.140. 13) Wirtschaft und Statistik 2/84, S. 108 f. 14) Wirtschaft und Statistik 12/79, S. 875. 15) Diese Vermutung bildete immerhin einen programmatischen Be- standteil des 21. Dt. Soziologentages (Programmheft, S. 13). Ähn- liche Annahmen finden sich aber auch bei ausgesprochenen Spezia- listen für sozial- und berufsstatistische Fragen, etwa bei M. Tessaring/H. Werner (Arbeitsmarktprobleme von Hochschulabsolven- ten in der EG, in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufs- forschung 2/80, S. 222). 16) Dazu C. Kievenheim, in: Die Intelligenz in der BRD, a.a.O., S. 72 ff. 17) Die Zuordnung umfaßt nicht die Gruppen 883 (Biologen, Geolo- gen u.a. kleinere Berufsgruppen) und 774 (Datenverarbeitungs- fachleute). Die Zahlen basieren auf dem Mikrozensus. 18) Wirtschaft und Statistik 7/81, S. 443 * und 8/83, S. 535 *; bezüglich des Wachstums der Angehörigen 'Technischer Berufe' im Verhältnis zu denen anderer Berufe siehe: ebd., 8/83, S. 615. 19) Ebd. 20) Ingenieurerhebung im Maschinen- und Anlagenbau 1983, hrsg. vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Bildungsreferat (o.J.), S. 2. 21) Ingenieure von allen Beschäftigten: 1950: 4,2 Prozent; 1961: 4,4 Prozent; 1982: 7 Prozent. 22) Siehe: Akademiker in Deutschland, hrsg. v. Spiegel-Verlag, Hamburg 1980, S. 7. Der Zuwachs der abhängig beschäftigten Hoch- und Fachhochschulabsolventen (aller Richtungen) betrug allein zwischen 1978 und 1982 mehr als 300 000 (ANBA 5/84, S. 641). 23) Wirtschaft und Statistik 5/84, S. 416. 24) Ebd., S. 173. 25) Ebd., S. 416. Auch die nachfolgende Ebene (Sachgebietsleiter, Referent, Handlungsbevollmächtigter) umfaßt erst 4,9 Prozent. 26) Ebd., S. 412. 27) Ebd., S. 171. 28) Abteilungsleiter bis Betriebsleiter (s.o.). 29) Siehe Anm. 25; ebd., S. 173 *. 30) Ebenda, 6/78, S. 355 * (siehe auch ebenda, S. 358), und 5/84, S. 173. 31) "Man macht die gleiche Tätigkeit wie ein Betriebsleiter in einem Kleinbetrieb, aber ohne Kompetenz, nur mit Verantwortung"; zit. nach Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O., S. 290. Vgl. auch Laatz, Soziale Situation und soziales Bewußtsein von Ingenieuren, Hamburg 1975, zit. n. G. Thiel, Techniker und Ingenieure in der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt/M. 1977, S. 118. Demnach besteht selbst im Tätigkeitsbereich "Management" die Arbeit der befragten Ingenieure nur zu 17% aus überwiegend kaufmännischen bzw. betriebswirtschaftlichen und zu 70% aus über- wiegend technisch-organisatorischen und technisch-fachlichen Ele- menten. 32) Arbeitskreis Ingenieure und Naturwissenschaftler in der Indu- strie (AIN), Argumente zur Mitgliederwerbung, hrsg. v. d. DAG, Hamburg o.J., S. 25. In der zit. Erhebung des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau liegt das Tätigkeitsgebiet von ledig- lich 7,4% der Befragten im Management gegenüber 56,3% in For- schung/Entwicklung/Konstruktion, 10,4% in Produktion und Hilfsbe- trieben und 16,6% im Vertrieb; a.a.O., S. 2. 33) Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit 3/84, S. 220. 34) Ebenda, 5/84, S. 641. Dazu: FAZ, 9. 3. 83, S. 14. 35) L. Reyher, Jeder zehnte ohne Arbeit, in: Wirtschaftswoche 51- 52/1982, S. 50. 36) Die Zahl der r e g i s t r i e r t e n arbeitsuchenden Na- turwissenschaftler und Ingenieure hat sich von 1980 bis Ende De- zember 1983 im gleichen Maße vervielfacht wie die der Lehrer, nämlich auf das Dreifache: Lehrer 27800 - Naturwissenschaftler und Ingenieure 27278. Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit 5/84, S. 641 u. 675 und 3/84, S. 436 ff u. 401 f. 37) Ebenda, S. 369 u. 372. 38) FAZ v. 26.3.84. 39) Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit 3/84, S. 371 f. 40) Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit 10/83, S. 1169. Anteil der arbeitslosen Berufsanfänger an allen arbeitslo- sen Hoch- und Fachhochschulabsolventen (alle Richtungen) 1980: 25% - 1983: 32%; Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Ar- beit 3/84, S. 219. 41) Siehe C. Kievenheim, Die Intelligenz der BRD, a.a.O., S. 8 ff. 42) Siehe K. Marx, Das Kapital, Bd. I, MEW 23, S. 356 ff. 43) K. Marx, MEGA II, 3.6, S. 2028. 44) Dazu: Klassenstruktur und Klassentheorie, a.a.O., S. 91. 45) Der Arbeitsmarkt für Chemiker, in: Nachrichten aus Chemie, Technik und Labor, 31 (1983) 5, S. 353. 46) Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit 3/84, S. 371 f. 47) Der Arbeitsmarkt für Chemiker, a.a.O., S. 355. 48) Der Arbeitsmarkt für Chemiker, a.a.O., S. 358. 49) Amtliche Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit 11/82, S. 1468. 50) Ebenda, 5/84, S. 652. Bemerkenswert erscheint auch, "daß bei der Personalauswahl sehr genau auf Spezialkenntnisse geachtet wurde, die den vollen Einsatz eines Bewerbers nach kurzer Einar- beitungszeit gewährleisten". Ebenda, 11/82, S. 1473. 51) Der Arbeitsmarkt für Chemiker, a.a.O., S. 353. 52) Dazu R. Rilling, Theorie und Soziologie der Wissenschaft, Frankfurt/M. 1975, S. 51 ff. 53) A.E. Pannenborg (Philips - Eindhoven), zit. n. FAZ v. 2.5.1984, S. 14. 54) W. Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O., S. 242; ähnlich auch C. Kievenheim, Die Intelligenz in der BRD, a.a.O., S. 13. 55) W. Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O. 56) S. Laurent, zit. n. C. Kievenheim, Die Intelligenz in der BRD, a.a.O., S. 215. 57) Klassenstruktur und Klassentheorie, a.a.O., S. 95. 58) Die Intelligenz in der BRD, a.a.O., S. 39. Zur Tradition die- ses Begriffs in der Geschichte der Sozialdemokratie siehe H. Jung, in: Klassenstruktur und Klassentheorie, a.a.O., S. 95. 59) Siehe dazu auch W. Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O., S. 361 ff. 60) W. Laatz, Ingenieure in der Bundesrepublik Deutschland, a.a.O., S. 163. 61) In diesem Sinne auch Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O., S. 305 f., und - sehr viel entschiedener - W. Laatz, In- genieure in der Bundesrepublik Deutschland, a.a.O., S. 155 ff. 62) W. Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O., S. 275. 63) Das betreffende "IBM-System" hat deshalb zu Recht große Auf- merksamkeit auf sich gezogen, weil es ein Maximum der S e l b s t aktivierung der Beschäftigten fördert bzw. erzwingt. G. Peter, Das IBM-System, Frankfurt/M. 1975. Siehe auch den Beur- teilungsbogen vom MBB in: Wechselwirkung 2/79, S. 11. 64) Gleichzeitig "verwissenschaftlicht" sich die Leitung selbst, und zwar in doppelter Weise: zum einen, indem sich eine eigene, speziell auf FuE-Prozesse bezogene Management-"Lehre" entfaltet (vor allem seit Ende der fünfziger Jahre); zum zweiten, indem Entscheidungsvorbereitungen der Spitze, die traditionell beim mittleren Management lagen, von qualifizierten Stabsabteilungen übernommen werden, die damit deren Arbeitsplätze gefährden. 65) W. Laatz. Ingenieure in der Bundesrepublik Deutschland, a.a.O., S. 167. 66) Lediglich 8% der von Laatz befragten Ingenieure erklärten sich für "eher unzufrieden"; a.a.O., S. 169. Ähnliche Ergebnisse auch bei H. Hühner u.a., Studium, Beruf und Qualifikation der In- genieure, hrsg. v. VDI, Düsseldorf 1976, S. 43. 67) W. Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O., S. 284. 68) Siehe etwa U. Kadritzke, Angestellte - Die geduldigen Arbei- ter, Frankfurt/M. 1975, S. 189 ff. 69) Diese Schlußfolgerungen scheinen sich durch Beobachtungen von W. Laatz zum Thema "partielle" und "segmentierte" Krisenbetrof- fenheit von Ingenieuren zu bestätigen. Die Ergebnisse weisen zum einen Größenordnungen und zum anderen inhaltliche Schwerpunkte der Krisenbetroffenheit aus: Immerhin ein Viertel der Befragten mußte - allerdings von Branche zu Branche differierend - Krisen- auswirkungen "im Sektor Arbeitsplatzsicherheit ... erleben" (Versetzung 7%, Kurzarbeit 8%, Bedrohung durch Entlassung 5%, ei- gene Kündigung, um einer Entlassung zuvorzukommen, 4%). Hinsicht- lich der inhaltlichen Veränderungen der Arbeit geben bei einer jeweils erheblich geringeren Zahl gegenteiliger Nennungen () an: 59% (2%) gestiegenen Leistungsdruck, 57% (7%) gestiegenen Zeit- druck, 24% (7%) erhöhten Konkurrenzdruck. Am geringsten ist hin- gegen die Auswirkung auf den Arbeitsinhalt selbst: Die Kontrolle und Reglementierung der Arbeit selbst werden nur von jeweils 19% als zunehmend geschildert - und von 15% als sinkend. Die Angaben beziehen sich auf Veränderungen zwischen 1973 und 1979. W. Laatz, Wirtschaftskrise und Krisenbetroffenheit (am Beispiel der Ingeni- eure), in: G. Schmidt u.a. (Hrsg.), Materialien zur Industrieso- ziologie, a.a.O., S. 283 ff. Diese Ergebnisse von W. Laatz decken sich im übrigen weitgehend mit denen der Studie Angestelltenbe- wußtsein '81 (infas) des DGB (10. Angestelltentag), S. 7. 70) W. Neef, Ingenieure in der Metallindustrie, a.a.O., S. 287. 71) G. Thiel, Techniker und Ingenieure in der Bundesrepublik Deutschland, a.a.O., S. 122f., und N. Beckenbach u. a., Ingeni- eure und Techniker in der Industrie, a.a.O., S. 248. (Für die In- dustriegewerkschaft als überbetriebliche Interessenvertretung sprachen sich in der Erhebung von Beckenbach u.a. 17% der Dipl.- Ing., 25% der Ing. grad. und 44% der Techniker aus.) J. Schmid, Das Organisationsverhalten wissenschaftlich-technischer Ange- stellter, München 1980 (Deutsches Jugendinstitut e.V.), S. 8 ff. 72) Eine Erhebung aus dem Jahre 1976 weist hier über 75 Prozent aller Neueingestellten aus. Anhang zu "Chemie-Studium und Beruf, hrsg. v. Fonds der Chemischen Industrie, Ffm. 1977. 73) So differieren die gewerkschaftlichen Organisationsraten zwi- schen Elektroingenieuren und Chemikern signikant. Die IG Metall ist im Ingenieurbereich besser verankert als die IG Chemie im Be- reich der Chemiker. Der Verband angestellter Akademiker und lei- tender Angestellter der chemischen Industrie organisiert nahezu drei Viertel der Chemiker dieses Zweiges. 74) Berufsfeldanalyse für Diplomchemiker und Chemieingenieure (grad.), in: Gewerkschaftliche Umschau 2/80, Dokumentation. 75) R.W. Hoffmann, Kooperation zwischen Wissenschaft und Gewerk- schaften, GEW-Dok E-83/8/3, Frankfurt/M. 1983. zurück