Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 07/1984
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MARXISMUS-STUDIEN UND MARXISTISCHE WISSENSCHAFTLERKONFERENZEN
IN DEN USA
Werner Rügemer
Zunächst eine persönliche Vorbemerkung: Als Marxist in der Bun-
desrepublik Deutschland kann man sich mit gutem Grund als Angehö-
riger einer Minderheit fühlen, deren Wirkungsmöglichkeit selbst
in dem gegenwärtigen geringen Umfang keineswegs grundsätzlich ge-
sichert ist. Ein Blick in die USA kann allerdings dazu beitragen,
diese Situation und diese Einschätzung in einem anderen Licht er-
scheinen zu lassen. Mir wurde dies zum ersten Mal plastisch klar,
als ich im Sommer 1983 in Chicago ein Wochenende im Kreise von
etwa 15 Mitgliedern einer Gruppe verbrachte, die die nächste
"Midwest Marxist Scholars Conference" vorbereiten sollte. Wir
trafen uns im Privathaus eines der drei Professoren der Gruppe.
Einer der drei hatte seit Jahren um seine Stelle zu kämpfen, die
ihm aus politischen ebenso wie haushaltsmäßigen Gründen abgenom-
men werden sollte; die beiden anderen Professoren hatten eine
"sichere Stelle", die übrigen waren entweder arbeitslos oder
schlugen sich mit befristeten Anstellungen, Lehraufträgen oder
unsicheren Projektstellen herum. Das war die berufliche Situation
der Kerngruppe, die für das Einzugsgebiet der Bundesstaaten Illi-
nois, Minnesota, Indiana, Michigan, Ohio, Iowa und Wisconsin die
marxistischen Wissenschaftlerkonferenzen vorbereitet - für ein
Einzugsgebiet, das fast so groß wie Westeuropa ist und eine Be-
völkerung fast so groß wie die Bundesrepublik hat.
Die Linkskräfte in den USA sind ungleich geringer und haben es
ungleich schwerer als in der Bundesrepublik. Gegenüber der US-
amerikanischen Bevölkerung von 230 Millionen, die die sozial kom-
plizierteste Struktur aller kapitalistischen Gesellschaften hat,
gegenüber dem Potential der mächtigsten Produktivkräfte mit
zugleich dem höchsten Destruktivanteil unter allen gegenwärtigen
Volkswirtschaften oder schließlich gegenüber dem notwendigen
Ziel, die US-amerikanische Gesellschaft in den Sozialismus zu
überführen, nehmen sich die mehreren tausend Mitglieder der kom-
munistischen Partei bescheiden aus. In direkter und gestaltender
Weise können sie nur an wenigen einzelnen Orten oder Arbeitsge-
bieten in politische Prozesse eingreifen.
Andere politische, parteimäßig organisierte Linkskräfte sind
ebenfalls weitaus geringer an Zahl und Einfluß als im Vergleich
zur Bundesrepublik. Die Sozialdemokratische Partei der USA,
selbst vielen Amerikanern unbekannt, ist eine rechtssozialdemo-
kratische Hintergrundorganisation, in der mehrere hundert Gewerk-
schaftsfunktionäre, höhere Angestellte von Staat und Konzernen
und gut etablierte Medienleute zusammengeschlossen sind; diese
Partei tritt nie zu Wahlen an, mischt aber in den oberen Rängen
des politischen Establishments der Demokratischen und auch der
Republikanischen Partei kräftig und durchaus nicht einflußlos
mit. Die Demokratischen Sozialisten der USA sind ebenfalls eine
kleine Gruppe, die zudem seit Jahren sich über den alten Streit,
ob man innerhalb oder außerhalb der Sozialdemokratischen und der
Demokratischen Partei wirken oder auch eine Doppelstrategie fah-
ren soll, weitgehend politisch lahmlegt. Die Citizen Party mit
ihrem Vorsitzenden Barry Commoner, die in den letzten Jahren vor
allem aus der Umweltbewegung und verschiedenen Bürgerinitiativen
hervorging, ist sicherlich nicht marxistisch, aber auch nicht
eindeutig links einzuordnen. Daneben hat sich im Verlauf des
letzten Jahrzehnts eine größere Zahl von verschiedenen Linksgrup-
pen herausgebildet, die zum Teil mit dem Anspruch einer Partei
und des Marxismus auftreten, meist örtlich begrenzt wirken und
zwischen einem Dutzend und einigen hundert Mitgliedern oder Akti-
visten haben.
Eine wichtige Erscheinung im amerikanischen gesellschaftlichen
Leben sind die vielen Bewegungen, Strömungen, Gruppen, Initiati-
ven, die im Gefolge der Schwarzenaufstände, des Vietnamkrieges,
der Frauen-, Umweltschutz-und Dritte-Welt-Solidaritätsbewegungen
sich herausgebildet haben. In der letzten Zeit ist die Friedens-
bewegung dazugekommen, kommunale, kulturelle, Schwulen- und Les-
bengruppen gehören dazu; gegenwärtig sind die Solidaritätsgrup-
pen, die sich für mittelamerikanische Länder und gegen die Einmi-
schung der USA in Lateinamerika einsetzen, besonders wichtig.
Alle diese Gruppen haben in bestimmten Bereichen mit der herr-
schenden Politik gebrochen; in ihrem Selbstverständnis haben sie
oft mit dem ganzen politischen System radikal gebrochen, doch
gibt es keine entsprechende gesamtpolitische Alternativstrategie.
Oft tritt an deren Stelle irgendeine Version des in solchen Krei-
sen sehr verbreiteten Populismus.
Unter Intellektuellen und Wissenschaftlern hat sich in diesem Zu-
sammenhang eine gewisse, z. T. weitverbreitete kritische Haltung
herausgebildet, die nicht selten zu einer ausführlichen und
ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Marxismus führt, aber
meist "unabhängig" bleiben will. Es gibt seit mehreren Jahren für
fast alle wissenschaftlichen Disziplinen alternative Zeitschrif-
ten, die mehr oder weniger dieser Linie folgen und völlig neue,
wirklichkeitsgesättigte Themen in die akademische Wissenschaft
einführen, so z. B. "The Insurgent Sociologist", "Psychology and
Social Theory", "Radical Teacher", "Science for the people", "The
Review of Radical Political Economics", "Dollars and Sense"
(populärwissenschaftlich). Insbesondere bei den Historikern haben
sich in der Neubeschäftigung mit wichtigen Phasen der amerikani-
schen Geschichte wie der Geschichte der schwarzen Sklaven, dem
Bürgerkrieg, der Arbeiterbewegung, der Industrialisierung und der
kulturellen Identität und Geschichte der Minderheiten zahlreiche
kritische Schulen und Strömungen herausgebildet.
Um die objektive Bedeutung dieser Entwicklung zu verstehen, ist
es nützlich, sich den antikommunistischen Kahlschlag zu vergegen-
wärtigen, der in den frühen 50er Jahren in der McCarthy-Ära in
den Schulen und Hochschulen vollzogen wurde, und zwar auf der Ba-
sis einer schon in den Kriegs- und ersten Nachkriegsjahren
vollzogenen antikommunistischen "Säuberung". In einer umfangrei-
chen Studie von 1952 wurden die politischen Einstellungen der
Hochschulangehörigen ermittelt. Man fand, daß 38 Prozent für die
Republikaner votierten, 26 Prozent für die Demokraten; 35 Prozent
bezeichneten sich als unabhängig, 0,5 bis 1 Prozent blieben für
alle anderen politischen Gruppierungen, die man unter "links" zu-
sammenfaßte: Kommunisten, Sozialisten, Liberale, Bauern-Arbeiter-
Populisten usw. Bei den Wahlen im Jahre 1953 entfielen von den
abgegebenen 60 Millionen Stimmen gerade 200 000, das sind 0,3
Prozent, auf alle verschiedenen Linkskräfte. Trotzdem wurde von
den Einpeitschern des kalten Krieges die Parole ausgegeben: Macht
unsere Colleges frei von der kommunistischen Unterwanderung! 1)
In sechs Monaten intensivster Untersuchungsarbeit vernahmen Komi-
tees des Kongresses im ganzen Land Universitätsrektoren, Profes-
soren, Kommunisten, die früher an den Universitäten gearbeitet
hatten, Sekretärinnen, Telefonistinnen, Hausmeister, Studenten.
FBI-Agenten saßen in den Vorlesungen, Kursen, Versammlungen, Kul-
turveranstaltungen und fertigten Dossiers an, die an die Kongreß-
komitees weitergeleitet wurden. Das offizielle Ergebnis war: 42
Hochschulangehörige in den USA wurden verdächtigt, Beziehungen
zur kommunistischen Partei zu haben, 19 von ihnen wurden entlas-
sen, drei gingen "freiwillig". Im Bereich der Schulen wurden etwa
150 Lehrerinnen und Lehrer wegen tatsächlicher oder vermuteter
Mitgliedschaft in der kommunistischen Partei entlassen. Die über
diese dürren Zahlen weit hinausgehende Wirkung war allerdings
die, daß von nun an für die nächsten Jahre an den Schulen und
Hochschulen eine tiefgehende Entpolitisierung sich durchsetzte,
wo es eine große Angst vor jeglicher politischer Äußerung, jegli-
chem politischem Engagement gab und wo auch im Wissenschaftsbe-
trieb und in den Schulbüchern die Geschichte der Schwarzen, die
Lage der Arbeiterklasse und jedes sozial brisante Thema zum Tabu
wurde. 2)
In den 60er Jahren brach diese antikommunistische Verödung all-
mählich an einzelnen Stellen auf. Herbert Aptheker, von 1964 bis
1984 Leiter des Amerikanischen Instituts für Marxistische Studien
(American Institute for Marxist Studies, AIMS), beschreibt diese
Entwicklung wie folgt: "In den letzten zwanzig Jahren hat es
einen bemerkenswerten Aufschwung des Interesses für den Marxismus
gegeben. Dieses Interesse hat auch organisierte wissenschaftliche
Formen angenommen, z. B. als wir 1964 das AIMS gründeten, mit
seinem zweimonatlichen Rundbrief, der es inzwischen auf 4000
Abonnenten gebracht hat, seinen Symposien, seinen Dutzenden von
Monographien, Gelegenheitspapieren und Bibliographien, auch mit
seinen verschiedenen, mehr oder weniger erfolgreichen sozialisti-
schen und marxistischen Konferenzen ... Marxistische Wissen-
schaftlergruppen bildeten sich in den Disziplinen Geschichte,
Ökonomie, Soziologie, Psychologie, Kriminologie, Jura und Anthro-
pologie und haben Ergebnisse mit hoher Qualität erarbeitet. Zeit-
schriften mit ausdrücklichem marxistischem Anspruch haben sich
der altehrwürdigen 'Science and Society', die in den 30er Jahren
gegründet worden war, hinzugesellt, so die 'Monthly Review', die
'Studies on the Left' und die 'Marxist Perspectives', wobei letz-
tere allerdings nach großem Erfolg aufgrund von Differenzen im
Herausgeberkreis Mitte der 70er Jahren eingestellt wurde. Heute
braucht man schon 300 Seiten, um alle Veröffentlichungen mit mar-
xistischem Anspruch bibliographisch zusammenzufassen (The Left
Academy. Marxist Scholarship on American Campuses, hrsg. von Ber-
teil Ollman und Edward Vernoff im recht profitorientierten Verlag
McGraw-Hill, 1982). Eine Grenze dieser Veröffentlichung liegt
freilich darin, daß nur Hochschulangehörige berücksichtigt wer-
den, nicht aber Marxisten, die keine Möglichkeit hatten, eine
Stelle an der Universität zu bekommen... Selbst in den etablier-
ten Zeitschriften der akademischen Zunft, wie bei den Histori-
kern, Anthropologen, Soziologen und Ökonomen, sind inzwischen
ernsthafte marxistische Darstellungen oder Auseinandersetzungen
mit dem Marxismus zu finden." 3)
Der wichtigste Ansatz, der diese neuen Möglichkeiten im amerika-
nischen Wissenschaftsleben von marxistischer Seite aus aufgegrif-
fen hat, sind die "Marxist Scholar Conferences", marxistische
Wissenschaftlerkonferenzen. Sie finden seit 1976 jährlich statt
und werden von der Marxist Educational Press (MEP) organisiert.
MEP ist zugleich ein Verlag, in dem die Protokolle der Konferen-
zen und andere marxistische Literatur herausgebracht werden.
Initiator und Seele des Unternehmens ist Erwin Marquit, der seit
mehreren Jahren eine Professur für Philosophie der Physik an der
University of Minnesota in Minneapolis hat. Als Kommunist hatte
Erwin Marquit in den 50er und 60er Jahren an keiner amerikani-
schen Hochschule eine Stelle bekommen und mußte deshalb als Inge-
nieur, teilweise im Ausland, sein Geld verdienen. Auch jetzt war
seine Stelle aus politischen und ökonomischen Gründen gefährdet.
Auch aufgrund vielfältiger internationaler Solidarität konnte
bisher verhindert werden, daß er entlassen wurde.
In einer der Konferenzeinladungen heißt es programmatisch: "Unser
Ziel ist die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung des Marxis-
mus als lebendige Wissenschaft. Zu diesem Zweck soll die Konfe-
renz marxistische Wissenschaftler von universitären und progres-
siven Bewegungen zusammenführen, um über die wichtigen politi-
schen, ökonomischen, sozialen und ideologischen Fragen unserer
Zeit zu diskutieren." Im Aufruf zur bisher letzten Konferenz im
April 1984 in San Francisco hieß es: "Wir wollen die verschie-
denen Auffassungen über theoretische und praktische Probleme mit-
einander konfrontieren, die beim Aufbau einer breiten, an Arbei-
terinteressen orientierten progressiven Bewegung vor uns stehen."
Dieses Programm hat sich nach einigen Diskussionen in der CPUSA
durchgesetzt. Auf Grund der Isolierung und zeitweiligen Halblega-
lität der Partei hatte sie - anders als manche kommunistische
Partei in Westeuropa - nur wenig Zugang zu den Protestbewegungen
der Intelligenz und anderer Mittelschichten während der 60er und
70er Jahre und mußte sich erst mit dem relativ eigenständigen Le-
ben von Wissenschaftlern, auch von marxistischen Wissenschaft-
lern, vertraut machen. 4)
Das Thema der ersten Konferenz 1976 war "Marxismus und die Ideo-
logie der Neuen Linken". Es folgten: Soziale Klassen in der ge-
genwärtigen Gesellschaft der Vereinigten Staaten; Die Vereinigten
Staaten in der Krise; Der Rassismus und die Verweigerung der Men-
schenrechte: jenseits des Ethnizismus; Das Bildungssystem der
Vereinigten Staaten: marxistische Annäherungen; Marxismus und
menschliches Wissen - Marxismus und menschliches Überleben (1983,
zum 100. Todestag von Marx). Für Herbst 1984 ist eine Konferenz
zum Thema "Marxismus und Religion", für Januar 1985 zum Thema
"Das verborgene Erbe der Volkskultur" geplant. Im Frühjahr 1985
soll eine zentrale Konferenz "Die wissenschaftliche und technolo-
gische Revolution und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft" in
Chicago stattfinden.
Die Konferenzen werden abwechselnd an verschiedenen Universitäten
durchgeführt, je nach thematischem Schwerpunkt und den Möglich-
keiten beteiligter Wissenschaftler; auf diese Weise ist die Mög-
lichkeit gegeben, das Projekt allmählich an verschiedenen Univer-
sitäten bekannt zu machen. Persönliche Anwesenheit und persönli-
che Diskussion sind in einem Lande, in dem die üblichen Medien
über solche Ereignisse und Aktivitäten absolut nichts berichten,
lebensnotwendig. Das Wechseln der Veranstaltungsorte hat aber
auch mit den großen Entfernungen in den USA zu tun, die nicht je-
der Interessierte aus zeitlichen und finanziellen Gründen leicht
zurücklegen kann.
Die Konferenzen dauern meist drei oder vier Tage; sie wurden an-
fangs von etwa 200 bis 300 Teilnehmern besucht; bei der letzten
in San Francisco waren es bis zu 500. Plenumssitzungen wechseln
mit 30 bis 40 Workshops oder Diskussionsgruppen ab. Kulturelle
Darbietungen, ein Dinner und eine gemeinsame Einschätzung am Ende
sind in den Programmablauf eingebaut.
Die Zusammensetzung der Teilnehmer ist aus den genannten Gründen
großenteils regional bestimmt. Etwa ein Drittel, so hat sich auf-
grund der Umfragen ergeben, ist Mitglied der kommunistischen Par-
tei. Sehr gezielt wird darauf geachtet, daß gerade die, die tra-
ditionell vom Wissenschaftsleben größtenteils ausgeschlossen
sind, wie Schwarze, Frauen und Chicanos, besonders eingeladen
werden; daß solche Bemühungen nicht sogleich erfolgreich sein
können, ist bei der Kompliziertheit der amerikanischen Klassenge-
sellschaft, die in unterschiedlich abgemilderter Weise auch in
die Organisationen der Arbeiter- und demokratischen Bewegung hin-
einwirkt, nicht verwunderlich.
Aufgrund des Konzepts und der Zusammensetzung geht es bei den
Konferenzen zum Teil sehr kontrovers zu. In San Francisco etwa
ging es um unterschiedliche Einschätzungen folgender Fragen: Wie
wirkungsvoll ist die von Lenin diagnostizierte Arbeiteraristokra-
tie heute in den Gewerkschaften? Worin besteht die Krise der Ar-
beiterbewegung, was muß getan werden, um sie vom weißen Fachar-
beiter hin zu den Arbeitslosen, zu den Minderheiten und zu den
Frauen zu öffnen? Stimmt die These von der "Feminisierung der Ar-
mut"? Inwiefern ist die Sowjetunion ein Staat der Arbeitermacht?
5)
Neben den Konferenzen stellt insbesondere der Verlag MEP die Kon-
tinuität der Arbeit her. Er lebt bisher vom ganz persönlichen und
sehr intensiven Engagement von Erwin Marquit und seiner Frau Do-
ris Grieser-Marquit. Hier läuft nichts von alleine, hier wird
fast rund um die Uhr die Arbeit an den Manuskripten organisiert,
wird um jeden Dollar gekämpft und wird jede Briefmarke zweimal
umgedreht, bevor sie aufgeklebt wird. Viel freiwillige Arbeit von
Freunden geht in das Eintüten und Sortieren von Rundbriefen u.ä.
Neben den Protokollen der Konferenzen ist inzwischen eine ansehn-
liche Reihe von Einzelstudien veröffentlicht worden, z.B. von
Marquit über die sozialistischen Länder mit einer Analyse der
Krise in Polen, von Philip Foner über die erste Arbeiterpartei
der USA (Workingmen's Party), von Weiss über den Kapitalisie-
rungsprozeß in der Wirtschaft der Navajo-Indianer, von Somerville
eine Einführung in die marxistische Philosophie, ein Sammelband
mit DDR-Texten über philosophische Probleme der Naturwissenschaf-
ten, ein Sammelband über die innermarxistische Diskussion der
Struktur dialektischer Widersprüche usw. In jüngster Zeit sind
auch literarische Werke ins Programm aufgenommen worden, so ein
Roman von Meridel Le Sueur und zweisprachige Gedichte aus der ni-
caraguanischen Revolution.
Besonderes Augenmerk legt der Verlag inzwischen darauf, einige
der Veröffentlichungen als Studien- und Unterrichtstexte an den
Schulen und vor allem Hochschulen einzuführen; dies ist bisher
insbesondere mit dem Buch über die sozialistischen Länder, mit
der Einführung in die marxistische Philosophie und mit den nica-
raguanischen Gedichten gelungen.
Die hier kurz vorgestellten Aktivitäten verdienen es, daß Wissen-
schaftler und Marxisten aus der Bundesrepublik sich eingehend da-
mit beschäftigen. Die Kooperation zwischen den marxistischen Wis-
senschaftlern beider Länder, deren politisches Geschehen für die
Zukunft der Menschheit in je verschiedener, aber eng zusammenhän-
gender Weise entscheidend ist, ist noch längst nicht ausge-
schöpft, steht vielmehr erst am Anfang.
Die Adresse von MEP: MEP Publications c/o Anthropology Depart-
ment, University of Minnesota, 215 Ford hall, 224 Church Street
S.E., Minneapolis, Minnesota 55455.
_____
1) Subversive Influence in the Educational Process. Hearings be-
fore the Sub-Committee to Investigate the Administration of the
Internal Security Act. 83rd Congress, Ist Session, Washington
1953.
2) Harold Taylor, On Education and Freedom. Southern Illinois
University Press, Foffer and Simons, London und Amsterdam 1954,
Neudruck 1967, S. 250 ff.
3) Herbert Aptheker, Marxism and Social Sciences in the U.S.: A
Brief Appraisal, in: Political Affairs 6/1983, S 20 f. Zum AIMS
vgl: H. Aptheker, Das "Amerikanische Institut für Marxistische
Studien", in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 4, 1981, S.
408 f.
4) Die CPUSA ist sich seit längerem der Tatsache bewußt, daß der
Weg der Arbeiterklasse zur sozialen Befreiung im Hauptland des
Imperialismus äußerst langwierig und opferreich ist. Ausgehend
von dem gegebenen Niveau der demokratischen und Arbeiterbewegung
orientiert sie auf die Herstellung einer breiten Koalition, in
der die Arbeiterklasse vor allem über die Gewerkschaften ein grö-
ßeres Gewicht erlangen muß. Bestandteil dieser Konzeption ist das
Bestreben, eine von den beiden dominierenden bürgerlichen Par-
teien unabhängige neue Partei zu initiieren, eine demokratische,
antimonopolistische Volkspartei , die sich auch zu einer wähler-
starken Massenpartei entwickeln soll. Die CPUSA will ihre politi-
sche und organisatorische Selbständigkeit auch nach Konstituie-
rung einer solchen demokratischen Massenpartei bewahren.
5) Paul Klausen, Historic Marxist Meeting, in: Peoples World 12.
5. 84; Tim Patterson, Gathering Displays Vitality of Marxism, in:
Frontline 14. 5. 84; Paul Klausen, Marxist Scholars Hear Angela
Davis, in: Daily World 16.5.84.
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