Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 07/1984
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ZUSAMMENFASSUNGEN
Gert Hautsch/Klaus Pickshaus/Klaus Priester
Der 35-Stunden-Kampf: Bedeutung und Bilanz
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Der Kampf um die 35-Stunden-Woche im Frühsommer 1984 wird im Kon-
text der strategischen Zielsetzungen der Kapitalverbände
(Flexibilisierung, Schwächung gewerkschaftlicher Gegenmacht) und
des veränderten politischen Klimas analysiert. Themen sind u. a.:
Die Initiativrolle der Gewerkschaften, neue Elemente der Streik-
qualität, die Entwicklung betrieblicher Kräfteverhältnisse im
Vorfeld des Arbeitskampfes, unterschiedliche Handlungstypen am
Beispiel mehrerer Großbetriebe, die Folgen der Tarifabschlüsse.
Trotz negativer Aspekte der materiellen Ergebnisse werden durch
den Arbeitskampf die Grenzen konservativer Hegemonie sichtbar.
Fritz Fiehler/Holger Geißelbrecht
Werftbesetzung und Umbruchperiode der Arbeiterbewegung
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Nach einer Skizze der Entwicklung von HDW im Zusammenhang der
Werftenkrise analysieren die Autoren die Überwindung von Spaltun-
gen in der Belegschaft und die Formierung eines kämpferischen
Kerns. Er konnte die Besetzung führen und auch die Niederlage im
Kampf so verarbeiten helfen, daß Klasseneinsichten und einheitli-
che gewerkschaftliche Interessenvertretung gestärkt wurden. Ana-
lysiert werden die Positionen gewerkschaftlicher und politischer
Kräfte zur HDW-Besetzung und ihre Bedeutung für eine Umorientie-
rung gewerkschaftlicher Strategien.
Heike Leitschuh/Regina Stosch
Neue Formen betrieblicher Bewegungen im HBV-Bereich
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in den achtziger Jahren
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Als Angestelltengewerkschaft mit relativ niedrigem Organisations-
grad steht die HBV vor der Arbeitsplatzsicherung als ihrer Haupt-
aufgabe. Kennzeichen der vergangenen Jahre sind zunehmendes Enga-
gement von Frauen und stärkere betriebliche Verankerung vor allem
im Einzelhandel. Mit der Bedrohung bisheriger Arbeitsbedingungen
bildete sich ansatzweise ein neuer Gewerkschaftertyp heraus: kon-
fliktoffene und aktionsorientierte Betriebsräte bzw. Vertrauens-
leute.
Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 7, 1984, S. 84-94;
Peter Müller
Betriebliche Friedensinitiativen in der Bundesrepublik
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Betriebliche Friedensinitiativen (BFI) entstanden zumeist auf An-
stöße aus der außerbetrieblichen Friedensbewegung hin durch Akti-
vität linker Kerne in den Betrieben. Sie haben v. a. die betrieb-
liche Mobilisierung für Großaktionen der Friedensbewegung zum
Ziel und sind dabei auf gewerkschaftliche Verankerung und Unter-
stützung angewiesen. Dabei können sie zu auch innergewerkschaft-
lich wirksamen Zentren politisch entwickelter Kräfte im Betrieb
werden. In diesem Zusammenhang untersucht der Autor die Vertei-
lung der BFI auf Branchen und Gewerkschaftssektoren, ihre Träger
und Bewußtseinswirkungen in die Belegschaften.
Jürgen Burger/Michael Nacken/Peter Sörgel
Das Betrieblich Alternative Bündnis in Bremen.
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Über den Formierungsprozeß linker betrieblicher Bündnisse
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Zu den Bremer Bürgerschaftswahlen vom September 1983 stellte sich
mit der Betrieblich Alternativen Liste (BAL) erstmals ein beacht-
licher Teil linker Betriebs- und Personalräte sowie Vertrauens-
leute zur Wahl. Eine wesentliche Voraussetzung für das Entstehen
der BAL war die Arbeit des Betrieblich Alternativen Bündnisses
(BAB). Die Verfasser geben eine Übersicht über die Formierung
dieses Bündnisses, seine Verankerung in Bremer und Bremerhavener
Großbetrieben und seine Programmatik.
Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 7, 1984, S. 115 - 129
Johannes Henrich von Heiseler
Gibt es einen neuen Typ betrieblicher Kader?
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In Auseinandersetzung mit der "Instrumentalismus-These" und der
Gewerkschaftssoziologie wird der Frage nachgegangen, inwieweit
die typischen Entwicklungswege betrieblicher Kader (Betriebsräte,
Vertrauensleute) sich gegenüber den sechziger Jahren verändert
haben. Auf der Grundlage qualitativer Interviews in zwei Großbe-
trieben werden diskutiert: die Hauptanstöße, die Form des Ent-
wicklungsprozesses, die Wechselwirkung zwischen Hochschulen und
Betrieben, die Emotionalität der Bindung an die Gewerkschaften,
die Zukunftsentwürfe.
Lothar Peter
Arbeit, Betrieb, Bewußtsein. Zur Bewußtseinsentwicklung der
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Arbeiterklasse in der neueren industriesoziologischen Diskussion
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Ausgehend von den marxistischen Bestimmungen der Arbeiterklasse
und der politischen Notwendigkeit, die Interessen der verschie-
denen sozialen Kategorien der Arbeiterklasse zu vereinheitlichen,
liefert der Beitrag einen kritischen Literaturbericht über die
neuere industriesoziologische Forschung zur Entwicklung von
"Arbeiterbewußtsein". Dabei geht es hauptsächlich um die Frage,
wie die Zusammenhänge von Klassenlage, betrieblicher Arbeitser-
fahrung und kollektiver Interessenorientierung erfaßt und bewer-
tet werden.
Bernd M. Semmler
Die Großbetriebe und ihre Belegschaften.
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Angaben zum großbetrieblichen Sektor der BRD
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Rahmen- und Strukturdaten zum sozialökonomischen Kern, zum groß-
betrieblichen Sektor der Arbeiterklasse der BRD (Betriebe ab 500
Beschäftigte): leicht sinkende durchschnittliche Betriebsgrößen,
schrumpfende Anteile des Produktionssektors zugunsten der Nicht-
produktionsbereiche, Abbau von 730 000 Arbeitsplätzen im großbe-
trieblichen Industriebereich in den 70er Jahren. Behandelt werden
regionale Komponenten der Umschichtungsprozesse, Änderungen des
Produktionskerns der großbetrieblichen Belegschaften, die Be-
schäftigtenstruktur von Konzernen.
André Leisewitz
Flexibilisierung und Kontrolle. Neue Technologien und
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Veränderungen der Betriebsstrukturen am Beispiel der
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Automobilindustrie
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Zwischen der Flexibilisierungsstrategie des Kapitals, wie sie
1984 im Kampf um die 35-Stunden-Woche deutlich wurde, und Prozes-
sen der Produktionsintensivierung durch Anwendung flexibler, in-
formationsverarbeitender Rationalisierungstechnologien besteht
ein enger Zusammenhang. Ihre Einführung wird anhand der Entwick-
lung in der Automobilindustrie der BRD und der Zukunftsvorstel-
lungen für die Umstrukturierung der Automobilfabriken (VW, Werk
2000) diskutiert. Anschließend behandelt der Verfasser Möglich-
keiten und Grenzen betrieblicher Kontrolle durch neue Technolo-
gien (Betriebsdatenerfassungssysteme u.a.)
Klaus Dörre
Arbeiterjugendliche und Klassenformierung. Zum Wandel
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außerbetrieblicher Entwicklungsbedingungen und seinen
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Auswirkungen auf den Formierungsprozeß
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Die proletarische Jugendphase ist heute durch ein Hinausschieben
der betrieblichen Erwerbstätigkeit gekennzeichnet. Die politische
Sozialisation des Nachwuchses der Arbeiterklasse wird daher ab-
nehmend durch betriebliche Erfahrungen und zunehmend durch außer-
betriebliche Lebenszusammenhänge geprägt. Gewerkschaftsmit-
gliedschaft ist daher genauso wenig selbstverständlich wie die
Beschränkung politischer Interessen auf den Betriebsbereich. Kann
die gegenwärtige gewerkschaftliche und politische Jugendarbeit
unter diesen Bedingungen sämtliche vorhandenen Handlungspoten-
tiale der Jugendlichen aktivieren?
Alma Steinberg
Strukturwandel der Frauenarbeit und
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betrieblich-gewerkschaftliches Engagement
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In den neuen Abteilungen der Arbeiterklasse, in den Großbetrieben
des Handels- und Dienstleistungssektors stellen Frauen einen be-
deutenden Teil der Arbeitskräfte. Neue Momente lassen sich im Be-
wußtsein erwerbstätiger Frauen aufzeigen. Kennzeichnend ist eine
von Ambivalenzen durchzogene Doppelorientierung auf Familie und
Beruf. Gewachsen ist das Engagement der Frauen in den sozialen
Auseinandersetzungen im Betrieb, in der gewerkschaftlichen und
betrieblichen Interessenvertretung. In diesem Aktivierungsprozeß
haben sich neue Wertorientierungen herausgebildet.
Hellmuth Lange
Die lohnabhängigen Naturwissenschaftler und Ingenieure:
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"Die Arbeiten werden aufgeteilt, und es wird immer mehr"
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Der starke Zuwachs der erwerbstätigen naturwissenschaftlich-tech-
nischen Intelligenz (1982: 1,7 Millionen Erwerbstätige) macht
eine erneute theoretische und empirische Erforschung dieser so-
zialen Gruppe notwendig. Der Verfasser untersucht Veränderungen
im sozialen Status, der Stellung im Betrieb, der Arbeitslosigkeit
und beim Berufszugang der Gruppe. Mit dem Massencharakter der ntI
verändern sich der Charakter ihrer Arbeit und ihre betrieblich-
soziale Stellung. Angleichungsprozesse an die Arbeiterklasse fin-
den ihre Schranke in den Besonderheiten der qualifizierten Ar-
beitskraft der ntI als lohnabhängiger Mittelschicht.
Kaspar Maase
Betriebe ohne Hinterland? Zu einigen Bedingungen
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der Klassenbildung im Reproduktionsbereich
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Der Beitrag fragt nach Veränderungen des sozialen Klassenzusam-
menhangs im Reproduktionsbereich, die seine Rolle als Hinterland
der sich betrieblich formierenden Arbeiterbewegung verändern.
Herausgearbeitet wird die historische Tendenz zur Individualisie-
rung der Lebensweise der Lohnarbeiter, die neue Voraussetzungen
der Klassenbildung schafft. Aktuell wird nach Bedeutung und Ver-
hältnis zweier Linien der Klassenbildung gefragt: einer in der
Spange - Wohngebiet - Verein - Arbeiterpartei und einer anderen
in bezug auf Kristallisationskerne eines oppositionellen Milieus.
Christoph Butterwegge / Wolfgang Zellner
Altenativen sozialdemokratischer Sicherheitspolitik.
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Zur Diskussion über eine neue NATO-Strategie in der SPD
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Die Autoren untersuchen Positionen zur Sicherheitspolitik, die im
Zusammenhang mit den SPD-Parteitagen von Köln und Essen 1983/84
vorgebracht wurden. Im Kern geht es den dominierenden Kräften um
eine Reform der NATO-Strategie im Bereich der atomaren
"Abschreckung", in der alle Optionen "konventioneller" Aufrüstung
bisher offenbleiben. Der Gedanke der "Sicherheitspartnerschaft"
geht in solche Konzepte bisher nur höchst inkonsequent und wider-
sprüchlich ein. Klassenpositionen wurden von der Parteilinken nur
punktuell artikuliert.
Heinz Wagner
Marxistische Rechtstheorie in ihrer aktuellen Bedeutung
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Welche Veränderungen der Rechtsverhältnisse haben sich mit der
Entwicklung des SMK vollzogen und welche Anforderungen an die
marxistische Rechtstheorie erwachsen hieraus? Der Verfasser geht
auf die Schaffung allumfassender Zugriffs-"Tatbestände" und die
Tendenz zur juristischen Normierung der Einzelfallrichtigkeit
ein. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erörterung der Probleme der
Praxis marxistischer Juristen und ihrer Aktivität als Beitrag im
Kampf gegen die ideologische Hegemonie der Bourgeoisie.
Martin Kutscha
Sozialstaatsverheißung und innerstaatliche Feinderklärung
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Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der herrschenden Verfas-
sungsinterpretation unter dem Gesichtspunkt von Repression und
Integration: Dies betrifft die Fixierung der Verfassungsfeinde
und -feindschaft sowie die Interpretation der Sozialstaatsklausel
des Grundgesetzes. Der Verfasser zeigt, daß und wie sich in der
jeweiligen Bestimmung die Herrschaftsinteressen und die Kräfte-
verhältnisse unter sich wandelnden Bedingungen niederschlagen.
Ein Abschnitt ist der Erörterung von Gegenstrategien im Interesse
der Arbeiterklasse gewidmet.
Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 7, 1984, S. 376 - 393
Margit Scherb
Die verstaatlichte Industrie in Österreich
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Im Vergleich entwickelter kapitalistischer Länder weist Öster-
reich einen hohen Anteil verstaatlichter Industrie auf. Sie ent-
stand nach dem zweiten Weltkrieg. Der Beitrag zeichnet die dama-
lige Interessenkonstellation nach und ihr Fortwirken in den Nach-
kriegsjahrzehnten. Die Verfasserin legt die für die östereichi-
sche Wirtschaft positive Rolle der "Verstaatlichten" für die
Dämpfung der Krisenauswirkungen, die positiven Momente für die
Arbeiter und Angestellten sowie die Möglichkeiten im Rahmen einer
alternativen Wirtschaftspolitik dar.
Irina Antonowa/Winfried Schwarz/Alexander Tschepurenko
Der dritte "Kapital"-Entwurf von 1863 bis 1865.
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Ein Überblick vor der Veröffentlichung
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Der einzige von Marx zusammenhängend verfaßte Entwurf aller drei
theoretischen Bücher des "Kapital" wird bei seiner Publikation
Forschungslücken schließen. Dargestellt werden die neu erforschte
Entstehungsgeschichte des Textes, die Frage der verschwundenen
ersten fünf Kapitel von Buch I und die unterschiedliche wissen-
schaftliche Reife der einzelnen Bücher, gemessen an vorausgehen-
den Manuskripten und den endgültigen Fassungen: Buch I wurde von
Marx und Buch III von Engels auf der gegebenen Textgrundlage fer-
tiggestellt; Buch II erfuhr noch mehrere Überarbeitungen durch
Marx.
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