Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 08/1985
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GEMEINSAMKEITEN UND WIDERSPRÜCHE ZWISCHEN MONOPOLKAPITAL UND
NAZI-STAAT AM BEISPIEL DER AUSEINANDERSETZUNGEN UM DIE GRÜNDUNG
DER REICHSWERKE "HERMANN GÖRING"
Ditte Gerns
1. Großindustrie - Befehlsempfänger der Nazis? - 2. Zur Vorge-
schichte der Gründung der Reichswerke "Hermann Göring" - 2.1. Mo-
tive des Staates, die einheimische Eisenerzbasis auszubauen -
2.2. Versuche, die Privatwirtschaft für den Ausbau der einheimi-
schen Eisenerzbasis zu gewinnen - 3. Die Gründung der Reichswerke
"Hermann Göring" und ihre Auswirkung auf die Privatwirtschaft -
4. Verlauf der Auseinandersetzung zwischen Staat und Eisen- und
Stahlindustriellen - 5. Worüber geben diese Auseinandersetzungen
Aufschluß?
1. Großindustrie - Befehlsempfänger der Nazis?
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Als im September 1936 auf dem NSDAP-"Parteitag der Ehre" der
Vierjahresplan verkündet wurde, trat eine Planung in Kraft, die
sich nicht auf die gesamte Volkswirtschaft, sondern lediglich auf
die Roh- und Grundstoffproduktion bezog und dies auch nur inso-
weit, als es sich um Produkte handelte, von denen Deutschland im-
portabhängig war. In einer am 26. August 1936 erstellten Denk-
schrift nannte Hitler die betroffenen Bereiche und formulierte im
allgemeinen die Anforderungen. Dazu gehörte auch, die deutsche
Eisenerzproduktion auf das außerordentlichste zu steigern. Die
Einwände, die bis dahin gegenüber der Verhüttung der sauren, ar-
men deutschen Erze bestanden, ließ er nicht gelten und machte den
Verantwortlichen, vor allem der Industrie, den Vorwurf, daß bis-
her noch nicht mehr auf dem Gebiet der deutschen Eisenerzerzeu-
gung getan wurde. "Man hat nun Zeit genug gehabt, in 4 Jahren
festzustellen, was wir nicht können. Es ist jetzt notwendig, aus-
zuführen, das, was wir können." 1)
Nach der Verkündung des Vierjahresplanes setzten von Seiten des
Staates, weniger intensiv auch von Seiten der Eisen- und Stahlin-
dustrie, Bemühungen ein, Wege zu finden, dieser Anforderung nach-
zukommen. Sie mündeten schließlich in die Gründung der Reichs-
werke "Hermann Göring". In Zusammenhang mit der Gründung der
Reichswerke kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Teilen der
Eisen- und Stahlindustrie und dem faschistischen Staat. Diese
Auseinandersetzungen werden von verschiedenen Historikern als Be-
weis für eine bestimmte Ansicht über das Verhältnis von Staat und
Großindustrie im Faschismus herangezogen, die sich folgendermaßen
zusammenfassen läßt:
Spätestens zum Zeitpunkt der Gründung der Reichswerke zeigte
sich, daß die deutsche Großindustrie zum Befehlsempfänger der Na-
tionalsozialisten wurde und über keine eigene Entscheidungsfrei-
heit mehr verfügte. Sie wurde ebenso unterdrückt, wie viele an-
dere Teile der deutschen Gesellschaft.
Matthias Riedel schreibt: "Diese Sitzung bei Göring (am
23.7.1937, wo er den Industriellen seine Entscheidung über die
Gründung der Reichswerke bekanntgab, D.G.) zeigte in aller Deut-
lichkeit, wie es um die Dispositionsfreiheit der Unternehmer be-
stellt war. Sie waren zu Befehlsempfängern der nationalsoziali-
stischen Machthaber geworden." 2) Nach Wilhelm Treue gehörte da-
mit die Freiheit der Wirtschaft der Vergangenheit an. 3) Für D.
Schoenbaum zeichnete sich das Dritte Reich dadurch aus, "daß es
die Geschäftsführer fast aller Entscheidungsfreiheit in der Un-
ternehmensführung beraubte." 4) Und Louis Lochner zeigte die Aus-
einandersetzung um den Fall Salzgitter, welcher Art die grund-
sätzliche Kluft zwischen Industrie und Nationalsozialismus war.
5)
Im weiteren soll am Beispiel der Auseinandersetzungen zwischen
Eisen- und Stahlindustrie und dem faschistischen Staat über die
Gründung der Reichswerke gezeigt werden, daß es dabei nicht darum
ging, ein "neues Wirtschaftssystem" zu installieren, in dem die
Unternehmer nichts mehr zu sagen hatten. Vielmehr soll deutlich
gemacht werden, wie Konflikte zwischen Großindustrie und Staat im
System des staatsmonopolistischen Kapitalismus faschistischer
Prägung ausgetragen wurden.
2. Zur Vorgeschichte der Gründung
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der Reichswerke "Hermann Göring"
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2.1. Motive des Staates, die einheimische
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Eisenerzbasis auszubauen
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Nach dem Ersten Weltkrieg verlor Deutschland fast zwei Drittel
seiner bis dahin abbauwürdigen Eisenerze, vor allem durch die Ab-
tretung Elsaß-Lothringens an Frankreich. Damit stieg die Aus-
landsabhängigkeit Deutschlands auf diesem Gebiet drastisch an.
Der sinkende Eigendeckungsgrad aus heimischen Erzen von 18% 1928
auf 15% 1936 bei absolut steigender Erzproduktion ließ die Aus-
landsabhängigkeit noch anwachsen. 6) Die steigende Auslandsabhän-
gigkeit auf dem Eisenerzsektor hing vor allem mit dem durch die
Aufrüstung in die Höhe schnellenden Eisenerzbedarf zusammen. Der
Eisenerzbedarf der Wehrmacht stieg nach den Akten des Chefs des
Wehrwirtschaftsstabes, Thomas, zwischen 1935 und 1936 um etwa
60%. 7) Um den höheren Eisenerzbedarf zu befriedigen, wurden die
Vorratslager, die im Juni 1935 noch für 5,1 Monate reichten, dra-
stisch abgebaut. Am 1. April 1936 waren nur noch für 2,3 Monate
Reserven vorhanden. 8)
Der steigende Eisenerzbedarf mußte sich natürlich negativ auf die
ohnehin angespannte Devisenlage des Reiches - das Devisendefizit
betrug von 1936 an rd. l Mrd. RM im Jahr - auswirken, zumal die
Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt stiegen. Aus Mangel an Erzen
konnte etwa 1/7 der Verhüttungskapazität nicht ausgenutzt werden.
300 000 t Eisen pro Monat hätten mehr erzeugt werden können. 9)
Diese Situation führte dazu, daß Ende Februar 1937 eine Eisen-
und Stahlkontingentierung eingeführt wurde, die die Lieferfristen
erheblich verlängerte. Es kam zu ernsten Stockungen bei der Be-
lieferung der Wehrmacht mit Eisen- und Stahlerzeugnissen. So wur-
den Abstriche, die an der Vierjahresplanung gemacht wurden, u.a.
durch die Eisenknappheit verursacht.
Gutachterausschüsse aus Vertretern der Behörden und der Wirt-
schaft, die sich seit dem 15. Mai 1936 mit der Export-, Rohstoff-
und Devisensituation Deutschlands beschäftigten, kamen, bereits
bevor Hitler seine Denkschrift verfaßte, zu dem Schluß, daß die
Rohstoffzufuhr in absehbarer Zeit auf Grund von Devisenmehrein-
nahmen nicht zu steigern war. Reichswirtschaftsminister Schacht
bestätigte im Mai 1936 vor dem Ministerrat diese Einschätzung.
10) Krupp und andere Industrielle gingen soweit zu sagen, daß die
deutsche Eisenerzversorgungslage bei weiter steigendem Bedarf,
selbst bei genügender Devisenzuteilung, nicht mehr durch Einfuh-
ren verbessert werden könne. 11) Und so ging es der Nazi-Führung
in dieser Frage auch nicht so sehr um Devisen. Das machte Paul
Pleiger, zunächst Mitarbeiter im Büro Keppler, dann in der Vier-
jahresplanbehörde auf dem Eisenerzsektor tätig, deutlich, als er
schrieb, daß die Umstellung der Erzversorgung keine Notmaßnahme
sei, um eine vorübergehende Devisenknappheit zu überwinden, son-
dern erfolge, "um uns für alle Zukunft das Gesetz des Handelns in
der Rohstoffversorgung unserer Eisenindustrie zu sichern". 12)
Dieses Gesetz des Handelns sollte natürlich besonders im Krieg
aufrechterhalten werden. Das wird klar, wenn Göring sagte : "'Wir
stehen bereits in der Mobilmachung und im Krieg, es wird nur noch
nicht geschossen.' Wenn der Fall eintreten sollte, daß Erztrans-
porte aus dem Ausland ausbleiben, dann dürften die deutschen
Hochofenwerke nicht geschlossen werden. Deshalb müsse man Recht-
zeitig in die deutsche Erde hineinsteigen'." 13) Und Thomas be-
tonte, daß es "nach heutiger Auffassung keine Fehlinvestition
mehr" sei, "wenn Fabriken hingestellt werden, die zwar im Frieden
nicht wirtschaftlich arbeiten, für den Krieg aber einen Sicher-
heitsfaktor bilden, der für die Landesverteidigung unbedingt not-
wendig ist". 14) Es ging beim Ausbau der deutschen Eisenerzbasis
also um konkrete Kriegsvorbereitung, um die Erlangung einer ge-
wissen Blockadesicherheit auf dem Eisenerzsektor.
Als einen Risikofaktor der Eisenerzversorgung erachtete man
Schweden, aus dem etwa die Hälfte des importierten Eisenerzes
stammte. Da das Erz auf dem Seeweg über die Nord- oder die Ostsee
nach Deutschland gelangte, fürchtete man, daß dieser Weg in einem
Krieg abgeschnitten werden könnte. Aber selbst wenn der Zufuhrweg
sicher sein sollte, wußte man nie, ob die schwedischen Gruben vor
ausländischem Zugriff geschützt waren. Außerdem konnten Streiks
und technische Pannen zu Produktionsausfällen führen. Neben die-
sen Gründen stimmten auch wirtschaftliche Überlegungen die Nazi-
Führer bedenklich. Die Absatzbedingungen für Schwedenerze hatten
sich erheblich verbessert, vor allem durch britische Nachfrage.
Nachdem an der Ostküste Englands einige Thomaswerke errichtet
worden waren, stieg die Einfuhr schwedischer Erze nach England,
die 1913 rund 400 000 t und 1935 rund 800 000 t betrug, auf etwa
4 Millionen t. 15) Die wachsende Nachfrage führte zu Preissteige-
rungen. Außerdem sah Paul Rheinländer, ein enger Mitarbeiter Paul
Pleigers, das Problem, daß, obwohl durch Verträge die Menge des
nach Deutschland zu liefernden Erzes großenteils gesichert war,
die Schweden doch - da nur für einen Teil der Lieferungen preis-
liche Bedingungen vorlagen - den einen oder anderen Abnehmer be-
vorzugen könnten. Faktisch konnten sie damit Einfluß auf die Höhe
der Stahlproduktion in Deutschland ausüben. 16)
Auch die Erzlieferungen aus Lothringen, Spanien, Afrika und ande-
ren Teilen der Welt waren im Kriegsfall alles andere als sichere
Zufuhrquellen. Aber selbst in Friedenszeiten sah Paul Rheinländer
gewichtige Vorteile im Ausbau der heimischen Eisenerzbasis, die
seiner Meinung nach in der Preisgestaltung der Importerze - man
sollte nicht mehr jeden Preis akzeptieren müssen - und in der Un-
abhängigkeit von den Schwankungen des Weltmarktes lagen. Damit
hätte die deutsche Eisen- und Stahlindustrie bessere Ausgangsbe-
dingungen im Kampf auf dem Weltmarkt. 17)
Zu all diesen Überlegungen trat eine wichtige militär-strategi-
sche hinzu, die den Ausbau des Salzgittergebietes maßgeblich be-
einflußte. Paul Rheinländer führte aus: "Der größte Teil der
deutschen Hochöfen steht in der Nähe der Grenzen. Auf das Ruhrge-
biet entfallen 52,8%, auf das Saargebiet 9,6% und auf Oberschle-
sien 1,1% der deutschen Roheisenerzeugung. Durch die Hochöfen der
Hermann-Göring-Werke werden rund 33% der heutigen bzw. 25% der
zukünftigen Erzeugung in ein strategisch sicheres Gebiet verlegt.
Außerdem werden die Standorte der Roheisenerzeugung mehr ausein-
andergezogen. Mit dieser Standortverteilung werden wichtige wehr-
politische Erfordernisse der deutschen Eisenindustrie erfüllt."
18) Hinter dem Bestreben des faschistischen Staates, die heimi-
sche Eisenerzbasis auszubauen, standen also wichtige Gründe, die
für die Umsetzung der kriegerischen Ziele des deutschen Faschis-
mus von außerordentlicher Bedeutung waren.
2.2. Versuche, die Privatwirtschaft für den Ausbau
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der heimischen Eisenerzbasis zu gewinnen
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Ungeachtet der Vorwürfe Hitlers an die Privatwirtschaft in seiner
Denkschrift vom 26. August 1936 bemühten sich die Nazi-Führer
sehr intensiv, die Privatwirtschaft in die Durchführung ihrer
Vierjahresplanungen einzubeziehen. Dies galt auch für die Eisen-
und Stahlindustrie. So berichtete Keppler z.B.: "Pleiger und ich
selbst wünschten, wenn irgend möglich, die im Interesse der
Volkswirtschaft notwendige Aufgabe einer rein privatwirtschaftli-
chen Lösung einzuführen." 19) Doch dem Bemühen um eine privat-
wirtschaftliche Lösung des Ausbaus der deutschen Eisenerzbasis
standen gewichtige wirtschaftliche Bedenken gegenüber. Sie wurden
bereits im September 1927 in einem Gutachten des Sachverständigen
Dr. Wenzel von den Vereinigten Stahlwerken formuliert. Die Erze
des Salzgitterer Lagers seien seiner Meinung nach noch nicht ab-
gebaut worden, da sie arm und an Kieselsäure und Tonerde reich
sind und daher einer weitgehenden Aufbereitung bedürfen. "Die
Schaffung großer Anlagen und die Lösung der Aufbereitungsfragen
erfordern große Mittel und bedeuten ein nicht unerhebliches Ri-
siko, das bei den bisherigen Transportverhältnissen noch größer
wäre. Diese Mittel bei dem geschilderten Risiko aufzubringen,
scheut der Privatunternehmer, selbst wenn ihm (...) die Mittel
hierfür zur Verfügung gestanden hätten." 20)
Da die Gründung eines Staatsbetriebes gar nicht angestrebt war,
liefen die Auseinandersetzungen über den verstärkten Ausbau der
heimischen Eisenerzbasis zunächst um die Frage, ob die schon be-
stehenden Hüttenwerke die Salzgitterer Lagerstätten aufschließen
sollten, welche Organisationsform in diesem Falle zu wählen sei
und in welchem Maß sich das Risiko dieses Projekts durch Beihil-
fen oder Bürgschaften des Reiches verringern ließ. Die Industrie
zweifelte, ob höhere Produktionskosten durch höhere Preise ausge-
glichen werden konnten.
Die Eisen- und Stahlindustriellen waren nicht grundsätzlich gegen
die Verhüttung armer, saurer deutscher Erze. So ist in einem Tä-
tigkeitsbericht des Vereins deutscher Eisenhüttenleute im Jahre
1935 von intensiven Bemühungen die Rede, das Problem der Verhüt-
tung dieser Erze technisch zu lösen. Auch die August-Thyssen-
Hütte, der Röchling- und der Krupp-Konzern sowie die Gutehoff-
nungshütte unternahmen Versuche auf diesem Gebiet. Doch blieben
sie ohne großen Erfolg, obwohl die Gutehoffnungshütte und die
Vereinigten Stahlwerke am Bau eines Hüttenwerks im englischen
Corby mitwirkten, das den deutschen ähnliche Erze verarbeitete.
Allerdings lagen dem Bau nicht ihre, sondern amerikanische Pa-
tente des Ingenieurs Brassert zugrunde.
Zunächst gelang es, gemeinsam mit der Industrie Pläne zur stärke-
ren Nutzung deutscher Eisenerze auszuarbeiten. Es entstand der
Schlattmannplan, benannt nach dem im Wirtschaftsministerium ar-
beitenden Oberberghauptmann Schlattmann, der unmittelbar vor Ein-
führung des Vierjahresplans angenommen wurde. 21) Dieser Plan
entsprach aber nicht im mindesten den sich kurz darauf in der
Vierjahresplanung niederschlagenden Anforderungen und wurde daher
nicht akzeptiert. Die Bemühungen, die Industrie zu mehr Leistun-
gen auf diesem Gebiete zu bringen, hielten also an.
Als die Ruhrindustriellen 1936 in einer Denkschrift an das
Reichswirtschaftsministerium erklärten, daß die Verhüttung deut-
scher Erze in dem geforderten Ausmaß für die Industrie nicht
tragbar sei, antwortete Paul Pleiger in einem Brief vom 11. De-
zember 1936 an die Ilseder Hütte, in dem er vorschlug, mit staat-
licher Unterstützung eine deutsche Erzgesellschaft zu gründen, an
der sich alle Hüttenwerke ihrer Rohstahlerzeugung entsprechend
beteiligen sollten. Außer von den Vereinigten Stahlwerken und den
Klöckner-Werken wurde dieser Vorschlag von allen übrigen Montan-
industriellen abgelehnt. Auch ein weiterer, im Anhang des Briefes
enthaltener Vorschlag Pleigers, Einzellieferungsverträge zwischen
Erzbergwerken und Hütten zu schließen, stieß auf keine große Zu-
stimmung.
Für Pleiger kam eine privatwirtschaftliche Lösung des Problems
immer weniger in Betracht. Davon versuchte er nun Göring zu über-
zeugen. Auf einer bereits am 4. Februar 1937 bei Göring abgehal-
tenen Sitzung, an der neben Pleiger auch der bereits erwähnte
Vertraute der Montanindustrie, Wenzel, teilnahm, kam es zu einer
scharfen Auseinandersetzung zwischen beiden. Dabei stellte sich
Göring keineswegs auf Pleigers Seite, sondern vertraute mehr dem
Urteil eines anerkannten Experten der Industrie und akzeptierte
die von Wenzel vorgetragenen Bedenken der Eisen- und Stahlindu-
striellen. Als sich dann allerdings weiterhin auf Seiten der In-
dustriellen nicht viel zur Erschließung der deutschen Eisenerzba-
sis tat und Pleiger Göring den amerikanischen Ingenieur Brassert
sowie sein Einverständnis präsentieren konnte, ein bereits in
Corby sich bewährendes Hüttenwerk auch in Deutschland zu bauen,
ließ dieser sich davon überzeugen, daß nun ein Staatsbetrieb ent-
stehen müsse. Zu diesem Zeitpunkt mußte das von Pleigers direktem
Vorgesetzten in der Vierjahresplanbürokratie, Oberst Lob, ohne
dessen Wissen am 15. Juni 1937 mit der Eisen schaffenden Indu-
strie abgeschlossene Abkommen über eine erhebliche Steigerung der
Verarbeitung deutscher Eisenerze wirkungslos bleiben. 22)
Für Pleiger war die nun ins Auge gefaßte Gründung eines Staatsbe-
triebs eine Notlösung. Auch Göring strebte zunächst nicht an,
"einen mächtigen Staatsbetrieb als starkes Gegengewicht gegen die
private Eisen schaffende Industrie zu bilden". 23) Auf der Sit-
zung am 16. Juni 1937 im Haus der Flieger in Berlin kündigte Gö-
ring vor Industriellen bereits vage an: "Ich bin mir bereits dar-
über einig, ein ganz großes Werk unter meinem persönlichen Ein-
fluß bauen zu lassen." Doch er fügte hinzu: "Es ist mir gleich-
gültig, ob das Werk dem Staat gehören soll oder ob es von Ihnen
gebaut wird und dann Ihnen gehört." 24) Nachdem die Reichswerks
aber bereits spruchreif waren, versicherte Göring den Industriel-
len, "daß es sich bei der ausschließlich militärisch bedingten
Gründung der Reichswerke um Schattenbetriebe handele, die im
Frieden 'wahrscheinlich nur wenig oder möglicherweise überhaupt
nicht produzierten'." 25)
Ein Beleg für diese Behauptung könnte die Importpolitik des Staa-
tes auf dem Eisenerzsektor sein. Entgegen einiger Befürchtungen
sollten die Eisenerzimporte im Interesse der Montanindustrie
nicht eingeschränkt werden. Dies ging bereits aus Hitlers Denk-
schrift vom 26. August 1936 hervor. Göring betonte das noch ein-
mal auf einer Sitzung des Arbeitskreises der Eisen schaffenden
Industrie am 17. März 1937, auf der er erklärte, daß der Bezug
reicher Erze aus dem Ausland mit aller Kraft gesteigert werden
solle, um größere Reserven zu schaffen. Auf der bereits erwähnten
Sitzung vom 16. Juni 1937 unterstrich er diese Feststellung und
nahm dabei selbst auf höhere Preise für Auslandserze keine Rück-
sicht. Danach wurde auch gehandelt. Ab Oktober 1937 wurde der
Einfuhrzoll für Roheisen von 10 RM auf 1 RM je t gesenkt. Die Ei-
senerzeinfuhr stieg von Anfang 1937 bis Ende 1938 um fast ein
Fünftel an, obwohl sich die Weltmarktpreise für Eisenerz in der
gleichen Zeit je nach Sorte zwischen 30 und 50 v.H. erhöht hat-
ten. 26)
Diese Steigerung der Eisenerzimporte kam in einer Zeit zustande,
als Rohstoffkommissar H. v. Hanneken im November 1938 nicht mehr
über Rohstoffmangel, sondern über die Knappheit der Verarbei-
tungsmöglichkeiten für Stahl und über einen starken Arbeitskräf-
temangel in der Eisen verarbeitenden Industrie klagte. 27) An-
statt den Import zu drosseln, um Devisen zu sparen, schränkten
die Reichswerke kontinuierlich ihre Eisenerzlieferungen ein.
"Während sie noch im August 140 000 to vor allem an die Ruhrhüt-
ten verschickten, lieferten sie im Oktober 111 000 to, im Novem-
ber 70 000 to und im Dezember nur noch 35 000 to Roherze ohne daß
zu diesem Zeitpunkt in Salzgitter Erze verhüttet werden konnten."
28)
Die Förderung und Verarbeitung der deutschen Erze stieg wieder im
Monat der Besetzung der Tschechoslowakei, ebenso in den ersten
Monaten nach Kriegsbeginn. Nach der Eroberung des Minettegebietes
in Frankreich sank der Umfang wieder schlagartig ab. 29) Diese
Vorgänge bestätigen, daß die Reichswerke vornehmlich für den
Kriegsfall geschaffen wurden und daß der Montanindustrie keine
unwirtschaftlichen Erze aufgezwungen wurden, solange es andere
Möglichkeiten gab. Es läßt sich also feststellen, daß die Privat-
wirtschaft nicht ausgeschaltet werden sollte und ihre Interessen,
soweit sie der auch von ihr getragenen Gesamtplanung nicht wider-
sprachen, geachtet wurden.
3. Die Gründung der Reichswerke "Hermann Göring"
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und ihre Auswirkung auf die Privatwirtschaft
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Die Gründung der Firma Reichswerke Aktiengesellschaft für Erz-
bergbau und Eisenhütten "Hermann Göring" fand am 15. Juli 1937
statt. Göring wurde oberster Chef des Unternehmens, Pleiger sein
Vorstand. 30)
Einen Tag nach der Gründung der Reichswerke wurde Brassen offizi-
ell mit der Planung und Errichtung der Reichswerke beauftragt.
Zwar war in dem abgeschlossenen Vertrag von drei Werken die Rede,
neben dem im Salzgittergebiet von einem in Bayern und einem ande-
ren in Baden, auf der dortigen Doggererzbasis. Über die beiden
süddeutschen Werke fehlten jedoch noch alle Angaben. Das Werk in
Salzgitter war das wichtigste. 31)
Nach Abschluß des Baus aller vier geplanten Ausbaustufen 1945/46
sollte eine Roherzförderung von mindestens 20 Mio. t jährlich er-
zielt werden, mit einem Eisengehalt von 6 Mio. t. Das endgültige
Ziel des Ausbaus der deutschen Eisenerzbasis, zu der seit 1938
auch der Erzberg bei Linz gezählt wurde, an dem die Reichswerke
einen großen Anteil haben sollten, bestand in einer 50%igen Ei-
genversorgung bei gleichzeitiger Steigerung der Roheisenerzeugung
um 33% des damaligen Umfangs. 32)
Am 23. Juli 1937, an dem Tag, als Göring die Industriellen infor-
mierte, unterzeichnete er die "Verordnung über den Zusammenschluß
von Bergbauberechtigten". Damit vereinigten die Reichswerke im
Salzgittergebiet Grubenfelder, die bisher im Besitz der Vereinig-
ten Stahlwerke, Hoesch, Krupp, Mannesmann, Gutehoffnungshütte und
Ilseder Hütte waren, in ihrer Hand, um sich eine Eisenerzbasis zu
sichern. 33) Das waren nicht alle Felder im Salzgittergebiet. Der
Süden der Lagerstätte sollte den Rheinisch-Westfälischen Werken
und der Ilseder Hütte überlassen bleiben. Nur der mit einem grö-
ßeren Risiko behaftete Norden sollte von den Reichswerken aufge-
schlossen werden. Darüber hinaus sollten die Gutehoffnungshütte
noch Doggererzbesitz in Baden abtreten, die Bayerische Berg-,
Hütten- und Salzwerke AG und die Eisenwerk-Gesellschaft Maximi-
lianshütte Erzbesitz in Franken. Für die abzutretenden Felder
sollte eine Entschädigung gezahlt werden, die das bereits inve-
stierte Kapital zurückerstattete, sich aber nicht auf die Erzsub-
stanz der Felder bezog. Die betroffenen Industriellen konnten
zwischen Geld oder Aktien der neuen Gesellschaft wählen. Göring
äußerte den Wunsch, die Industriellen mögen die Aktien wählen und
sich an den Reichswerken beteiligen.
Im April 1938 wurde das Grundkapital der Reichswerke von 5 auf
400 Mio. aufgestockt, um die Bauvorhaben in der ersten Aus-
baustufe zu finanzieren. Das Reich übernahm zusätzlich zu den 5
Mio. weitere stimmberechtigte Stammaktien im Werte von 265 Mio.
RM. Ein Bankenkonsortium übernahm Vorzugsaktien ohne Stimmrecht
im Wert von 130 Mio. RM. Durch diese Regelung sicherte sich das
Reich seinen Einfluß auf die Reichswerke. 34)
Wenn Dieter Petzina schreibt, daß die Industrie zunächst zahlte,
aber noch nicht auf Profit rechnen konnte, so mag das für hochge-
steckte Erwartungen in der ersten Zeit dieses Verlustbetriebes,
der durch die Aufstockung des Aktienkapitals zum drittgrößten
Konzern in Deutschland wurde, stimmen. Doch die gebundenen Vor-
zugsaktien versprachen eine garantierte kumulative Mindestdivi-
dende von 4,5%, so daß selbst bei einem Verlustunternehmen ein
Gewinn gesichert war. Auch war nicht beabsichtigt, den stimm-
rechtslosen Zustand der Vorzugsaktien für immer aufrechtzuerhal-
ten. "Der deutsche Volkswirt" schrieb am 14. April 1938: "Es wäre
jedoch falsch, zu weitgehende Rückschlüsse aus der aktienmäßigen
Konstruktion der Kapitalbeschaffung zu ziehen, da ja in Zukunft
nichts im Wege steht, wenn man die stimmrechtslosen Vorzugsaktien
in übliche Stammaktien umzutauschen beabsichtigt." 35)
Die weitere Entwicklung der Reichswerke war ein widersprüchlicher
Prozeß. Einmal gegründet, entwickelte das Unternehmen seine ei-
gene Dynamik und machte der übrigen deutschen Montanindustrie
ernste Konkurrenz. Es strebte danach, durch den Erwerb rentabler
Betriebe selbst wirtschaftlicher zu arbeiten. So erfolgte seit
Sommer 1938 eine riesenhafte Ausweitung des Konzerns, die nach
Dieter Petzinas Meinung weder volks- noch privatwirtschaftlich
begründet war, "sondern nur von dem Machtstreben und der Spekula-
tion einer kleinen Gruppe um Göring sowie von dessen Ehrgeiz,
größter Konzernherr Europas zu sein, begriffen werden kann". 36)
Diese Meinung wird auch von Jürgen Kuczynski geteilt: "Göring
entwickelt einen 'eigenen' Ehrgeiz als Monopolist und erwirbt zu
den Eisenerzwerken Werke aller Art hinzu, und aus dem Verlust
bringenden Staatsbetrieb, der von den privaten Monopolen gemolken
wird, entsteht ein schnell durch Raub akkumulierender, Riesenge-
winne abwerfender Konzern, der sich mit den anderen Konzernen der
Eisen-und Stahlindustrie bald um die Beute in Österreich, der
Tschechoslowakei usw. raufen wird." 37)
Schließlich sei hier noch darauf hingewiesen, daß der Aufbau der
Reichswerke Anstrengungen erforderte, die von der Privatwirt-
schaft so nicht hätten erbracht werden können, da zu ihrer Durch-
setzung die Kraft der Staatsmacht benötigt wurde. Dazu gehörten
unter anderem Anwerbung, Unterbringung und Versorgung von Ar-
beitskräften, Umsiedlung der im Baugebiet ansässigen Bauern, Ge-
bietstausch zwischen Braunschweig und Preußen, um die Reichswerke
in einen Verwaltungsbereich fallen zu lassen, Stadtgründung und
vieles mehr. 38)
4. Verlauf der Auseinandersetzungen zwischen Staat und Eisen-
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und Stahlindustriellen
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Die Auseinandersetzungen zwischen dem faschistischen Staat und
den Eisen- und Stahlindustriellen über die Gründung der Reichs-
werke erfaßten verschiedene Bereiche, von denen der wirtschaftli-
che und der die Rüstungskonzeption betreffende die wichtigsten
waren. Zunächst zu den wirtschaftlichen Bedenken der Industriel-
len.
Schacht teilte Matthias Riedel in einem Brief mit: "Ich war gegen
diese Gründung, weil ich es nicht verantworten wollte, eine so
teure Verarbeitung minderwertiger Erze an die Stelle vernünftiger
Einfuhr zu setzen." 39) Auf der Festsitzung der Reichswirt-
schaftskammer vom 22. Januar 1937 faßte Schacht seine Bedenken
konkreter: "Wenn sie unwirtschaftlich produzieren, so vergeuden
sie die Substanz, die im deutschen Volke vorhanden ist... Es gibt
also eine Kostengrenze, eine Wirtschaftlichkeitsgrenze, die unter
allen Umständen eingehalten werden muß. Ich kann und darf nicht
einfach beliebig unwirtschaftlich arbeiten, weil ich damit die
Substanz des deutschen Volkes aufbrauche; und so groß ist die
Substanz des deutschen Volkes noch nicht wieder geworden, daß wir
sie beliebig aufbrauchen können." 40)
Was ist hier mit der "Substanz des deutschen Volkes" gemeint? Das
ist u.a. die deutsche Rohstoffbasis. Pönsgen meinte z.B., daß die
Reichswerke für die Beseitigung der Eisenknappheit zu spät kämen,
diese im Gegenteil durch die großen für den Bau benötigten Mate-
rialmengen noch verschärfen werde. Auch die angespannte Lage auf
dem Arbeitsmarkt werde sich durch die Errichtung der Reichswerke
weiter zuspitzen. Viele Industrielle meinten, daß Eisen und
Stahl, die aus deutschen Erzen produziert würden, nur minderer
Qualität, Ausschuß sein könnten. Eine überaus ernste Gefahr, die
vor allem Schacht heraufziehen sah, war die eines starken Preis-
auftriebs. Zum einen mußten Preissteigerungen für Eisen und
Stahl, falls die hohen Gestehungskosten so kompensiert werden
sollten, zu Preissteigerungen auf allen anderen Gebieten führen.
Zum anderen verwies Schacht darauf, daß die Investierung von
Rohmaterial und Arbeitskraft in neue Unternehmungen des von Gö-
ring geplanten Ausmaßes zu einer weiteren Einschränkung der Roh-
stoffzuteilung an solche Betriebe führen müsse, die für den Ex-
port und den Konsum der Bevölkerung arbeiteten. Die bereits be-
stehenden Engpässe auf diesem Gebiet könnten nicht durch eine
weitere Vergrößerung der Geld- und Kreditmenge beseitigt werden,
weil das zu einer Geldentwertung und damit zur Inflation führen
würde.
Ein weiterer Punkt, der die Montanindustriellen im Zusammenhang
mit der Gründung der Reichswerke beunruhigte, war die Gefahr, die
von der Schaffung von Überkapazitäten ausging. Sollte der Rü-
stungsboom einmal nachlassen, würden unweigerlich Absatzschwie-
rigkeiten auftreten. Die Stahlindustriellen machten darauf auf-
merksam, daß die Produktionskapazitäten selbst 1937 nur zu 83%
ausgelastet waren. Die Relation bei den Eisenerzeugern lag mit
90% zwar etwas günstiger, doch waren auch hier noch Reserven von
1-2 Mio. t vorhanden. 41) Um wenigstens Ausweitungen auf diesem
Gebiet über den Bau der Reichswerke hinaus zu verhindern, gelang
es der Privatwirtschaft, zwei Anordnungen vom 16. September und
31. Dezember 1937 zur Sicherstellung des planmäßigen Ausbaus der
Eisenindustrie bei Göring durchzusetzen. Die Anordnungen beinhal-
teten ein generelles Errichtungsverbot von Eisenhütten, das nur
durch Sondergenehmigung der Reichsstelle für Wirtschaftsausbau
außer Kraft gesetzt werden konnte. Bei dieser Frage ging es der
Montanindustrie um die Sicherung ihres Profits, der nicht durch
Absatzschwierigkeiten geschmälert werden sollte.
Kam es jetzt zur verstärkten Verhüttung deutscher Erze, so hing
der Profit der Privatwirtschaft zu einem erheblichen Teil von
staatlichen Subventionen ab, die die höheren Kosten ausgleichen
sollten. Die Montanindustriellen waren sich dieser Subventionen
aber durchaus nicht sicher. Die momentane Machtkonstellation war
für sie weniger günstig als für die IG Farben. So fürchteten sie,
daß die Subventionen eher an die IG Farben als an sie fließen
könnten. Im übrigen unterstützte die IG Farben die Gründung der
Reichswerke, um die Konkurrenz auf diese Weise zu schwächen.
Zu all diesen Bedenken kam ein weiteres Problem. Die Reichswerke
konnten als großer Konzern als ein Lenkungsinstrument des Staates
im Eisen- und Stahlbereich eingesetzt werden, auf das der Einfluß
der Industriellen noch unklar war. In der Auseinandersetzung der
Montanindustriellen mit dem faschistischen Staat wurden Schacht
und Pönsgen zu Kristallisationsfiguren des Widerstandes gegen den
Bau der Reichswerke "Hermann Göring". Schacht wandte sich an Pö-
nsgen in dessen Eigenschaft als Leiter der Wirtschaftsgruppe Ei-
sen schaffende Industrie und bat ihn, in einer Denkschrift die
Stellungnahme der Montanindustrie zu formulieren. Da sich die
Montanindustriellen der Verarbeitung deutscher Eisenerze im all-
gemeinen nicht verschlossen, lag das Ziel der Denkschrift darin
darzustellen, daß ein gemischtes Hüttenwerk unvernünftig sei. Man
erstrebte folgende Lösung: Gründung nur eines Hochofenwerkes und
keines Stahl- und Walzwerkes, da die Kapazitäten an Rhein und
Ruhr ausreichen würden. Gegen Görings Bergbauverordnung wollte
man den freiwilligen Zusammenschluß der Besitzer der Salzgitterer
Erzgruben unter Führung des Reiches anbieten, um den Zwangszusam-
menschluß zu umgehen und sich noch einen Teil des Einflusses zu
sichern. Diese Vorstellungen entsprachen im großen und ganzen
Pleigers Vorschlag über die Gründung der Erzgesellschaft, doch
dafür war es jetzt bereits zu spät.
Die Diskussion unter den Montanindustriellen zeigte, daß es bei
vielen keinen Willen mehr zu gemeinsamem Vorgehen gab. Pönsgen
mußte auf der entscheidenden Sitzung zur Denkschrift feststellen,
daß 90% der Industriellen die Unterschrift verweigerten. 42) Zu
den schärfsten Gegnern der Reichswerke gehörten die Gutehoff-
nungshütte - sie wollte "kämpfen bis zum Letzten und schließlich
auch nicht vor der Enteignung des Besitzes zurückschrecken". 43)
Ebenso die Vereinigten Stahlwerke, die zwar bereit waren, sich an
einer von den Reichswerken geführten Bergbaugesellschaft zu be-
teiligen, nicht jedoch an einem Hüttenwerk mit Stahlproduktion,
da sie in ihren eigenen Stahl- und Walzwerken eine jährliche
Mehrleistungsfähigkeit von 2 Mio. t Rohstahl hatten.
Auf der anderen Seite, die sich sofort mit Göring geeinigt hatte,
standen vor allem Röchling, Flick, Mannesmann und Krupp.
Röchlings Ansichten deckten sich schon sehr früh mit denen der
Nazi-Führung bezüglich des Ausbaus der heimischen Eisenerzbasis.
Bereits im Herbst 1935 korrespondierte er mit Göring über Autar-
kiepläne. Er äußerte seine Überzeugung, daß es in Deutschland ge-
nügend Erze gebe, um den Bedarf zu decken. Röchlings Interesse an
deutschen Erzen lag in der Abhängigkeit seiner Betriebe von fran-
zösischen Minetteerzen begründet, die ihm im Kriegsfall nicht si-
cher waren. Sein Ziel war der großzügige Ausbau der süddeutschen
Doggererzvorkommen, der Bau einer Hütte im Schwarzwald. Daher
forderte Röchling neue Werke auf den Lagerstätten und meinte, daß
Überkapazitäten nicht entstehen würden. Wilhelm Zangen von Man-
nesmann pflichtete ihm hierin bei.
Flick war bei der Ausarbeitung der Denkschrift der Meinung, daß
sie nicht so sehr auf Ablehnung abgestimmt sein dürfe, sondern
einen positiven Vorschlag enthalten müsse. Für ihn war es das
mindeste, daß man sich bereit erklärte, das von den Reichswerken
geplante Hochofenwerk in Salzgitter selbst als Gemeinschaftsun-
ternehmen zu errichten. Hierin fand er die Unterstützung Klöck-
ners und Zangens. Im übrigen hatte sich Flick bereits mit Pleiger
über die Abtretung der fränkischen Erzfelder der Maximilianshütte
geeinigt.
Der Mannesmannkonzern wollte die vorliegende Denkschrift nicht
unterzeichnen, da nicht alle Werke betroffen seien und er auch
nicht für eine allgemeine Ablehnung der starken Verhüttung eisen-
armer Erze war. Hinzu kam, daß der Konzern an einer finanziellen
Beteiligung an den Reichswerken interessiert war, um Einfluß auf
die Betriebspolitik zu erlangen und, wie Dieter Petzina meint, um
zu verhindern, daß sie ihm auf dem Fertigproduktsektor Konkurrenz
machen könnten. Zangen machte deutlich, daß er nichts gegen
Staatsbetriebe habe. "Das Reich sei im Bergbau, an Werften, Ma-
schinenfabriken und Rüstungsbetrieben beteiligt, und niemand habe
daran Anstoß genommen, daß es solche Staatsbetriebe gebe. Den
Reichswerken seien Aufgaben gestellt, die die Privatindustrie
nicht in die Hände nehmen oder die man ihr nicht zumuten könne
..., In der Vergangenheit haben wir private Hüttenwerke gegründet
und ausgebaut, und sie haben sich nicht durch einen Außenseiter
bestimmen lassen, eine Denkschrift vorzulegen, daß genügend Kapa-
zität da sei oder daß sie mit geringeren Mitteln die gleiche Ka-
pazität schaffen könnten. Sie haben letzten Endes sich wegen der
Quoten verständigen müssen." 44)
Krupps Haltung zu den Reichswerken zeigte sich darin, daß sein
Unternehmen diesen bei der Errichtung der Anlagen half, nicht nur
durch die Belieferung mit Materialien und Produktionsmitteln,
sondern auch durch Abordnung seiner Spezialisten für die Entwick-
lung der teilweise komplizierten Projekte. 45)
Auch die Ilseder Hütte einigte sich sehr schnell mit Pleiger und
wollte daher mit der Denkschrift nichts zu tun haben. Die Direk-
tion der Hütte wandte sich selbst an die Reichswerke und machte
ihnen das schriftliche Angebot, die geforderten Felder abzutre-
ten. Der Bitte, gewisse Teile dieser Felder zurückzuerhalten,
entsprach Pleiger nicht, aber er gab der Hütte die Zusicherung,
"daß es nicht nur darum gehe, die Erzgrundlage der Reichswerke,
sondern auch die der Ilseder Hütte zu sichern". Er stellte in
Aussicht, der Hütte entweder im Austausch von kalkigen Erzen ge-
gen saure oder auch ohne einen solchen saure Erze zu liefern. 46)
In einer Besprechung zwischen Pleiger und Vertretern der Ilseder
Hütte vom 11. August 1937 versicherte er ihnen, daß, sollte die
jetzige Basis der Ilseder Hütte zu schmal sein, sie einen Teil
der abzutretenden Felder zurückerhalte. Göring habe dazu seine
Zustimmung gegeben. 47) Als Entschädigung für die abzutretenden
Felder wählte die Ilseder Hütte Aktien der Reichswerke.
Bedenken gegen die Denkschrift äußerten auch Hasch und Neuenkir-
chen. Pönsgen und die Gutehoffnungshütte standen allein da, so
daß es nicht zur Verabschiedung der Denkschrift kam. Am Tag, als
die Denkschrift verabschiedet werden sollte, bekamen zahlreiche
Industrielle, jedoch niemand von der Gutehoffnungshütte und den
Vereinigten Stahlwerken, ein Telegramm Görings mit folgendem
Wortlaut: "Ich bitte Sie dringend, sich an der Düsseldorfer Denk-
schrift des Stahlvereins nicht zu beteiligen. Die Machenschaften
des letzteren gegen die Reichswerke nehmen mehr und mehr die Form
von Sabotage an. Heil Hitler! Göring." 48) Es ist schwer festzu-
stellen, inwieweit dieses Telegramm die Entscheidung der Indu-
striellen beeinflußte. Man sollte den Einfluß unserer Meinung
nach nicht überschätzen, da die Industriellen, die die Denk-
schrift nicht unterzeichnen wollten, sich zum großen Teil von ih-
ren eigenen Interessen leiten ließen und auch ohne Görings Ein-
greifen der Denkschrift gegenüber skeptisch eingestellt waren.
Pönsgen und die Gutehoffnungshütte, die bis zuletzt an der Denk-
schrift festhielten, wurden keineswegs wie Saboteure behandelt
oder in irgendeiner Weise benachteiligt. Pönsgen und die Verei-
nigten Stahlwerke einigten sich bereits am 27, August 1937, drei
Tage nach der Sitzung über die Denkschrift, mit Pleiger über die
Abtretung ihrer Erzfelder und der dazugehörigen Betriebsanlagen.
Sie waren bemüht, den Anschluß an die anderen Montanunternehmen
nicht zu verlieren. Gut einen Monat später, im Oktober 1937, ei-
nigte Pleiger sich mit der Gutehoffnungshütte. Sie hatten sich
zunächst über die Abtretung der Salzgitterer Felder verständigt,
während die Frage der süddeutschen Erze offen blieb. Der Wider-
stand der Gutehoffnungshütte rührte vor allem daher, daß sie
meinte, zu schlecht weggekommen zu sein. So unterstrich Keller-
mann, ein Vertreter der Hütte, "daß Röchling erst durch die von
seiner Gesellschaft geleistete Pionierarbeit auf das badische
Doggererzgebiet aufmerksam geworden sei, und bezeichnete es als
unbegreiflich', daß man der Völklinger Firma im Verein mit den
übrigen Saarhütten den Felderbesitz in Baden belassen, der Gute-
hoffnungshütte aber nehmen wolle." 49) Am 21. Oktober 1937 fand
ein Treffen zwischen Göring und führenden Montanindustriellen
statt, auf dem es zum "Friedensschluß" kam. In der gemeinsamen
schriftlichen Übereinkunft stimmten beide Seiten versöhnliche
Töne an. Mit dem Nichtzustandekommen der Denkschrift war auch
Schachts Schicksal besiegelt. Nachdem seine bisherige Haupt-
stütze, die Mehrheit der Eisen- und Stahlindustrie, in der Frage
der Reichswerke nicht mehr hinter ihm stand, trat er zurück.
Bei der Auseinandersetzung zwischen Schacht und der Montanindu-
strie auf der einen und Göring auf der anderen Seite ging es um
mehr als nur wirtschaftliche Fragen. Es ging auch um das Problem
des Rüstungstempos. Das forcierte Aufrüstungstempo führte seit
1936 zu Devisen-, Rohstoff- und Arbeitskräftemangel. In dieser
Situation wollte Schacht das Rüstungstempo bremsen. Hierin wurde
er unter anderem von Pönsgen unterstützt, der am 5. Oktober 1936
in einem Gespräch mit Keppler die Notwendigkeit der Rüstungsein-
schränkung betonte. 50) Auch sein Kollege an der Spitze der Ver-
einigten Stahlwerke, Vogler, meinte: "Stillstand der Rüstung darf
nicht eintreten", aber ihr ruinöses Tempo müsse gedrosselt wer-
den. 51) Nach Schachts Ansicht sollte der Export gesteigert wer-
den, um möglichst viele Devisen zu bekommen und damit die notwen-
digen Rohstoffe zu kaufen. Das würde aber voraussetzen, daß die
Industrie nicht mehr in so starkem Maße wie bisher von öffentli-
chen Bauten, Aufrüstung und Vierjahresplan beansprucht werden
dürfe. Für den Export gerade auf dem Eisen- und Stahlsektor war
die Zeit in der zweiten Hälfte der 30er Jahre sehr günstig. Das
wollten Schacht und die Montanindustriellen nutzen, um deutsche
Weltmarktpositionen auszubauen. Dagegen wollte Göring das Tempo
der Rüstung unter keinen Umständen einschränken. Dies war für ihn
eine politische, keine wirtschaftliche Frage. Sie hing damit zu-
sammen, daß das Rüstungstempo sehr eng mit der Rüstungskonzeption
verbunden war.
Dietrich Eichholtz bringt die hier zwischen Schacht und Göring
bestehenden Unterschiede auf folgende zugespitzte, modellhaft
konstruierte, Formel: "Schacht/Thyssen: Die gesteckten Ziele sind
nur zu erreichen, wenn wir uns der Unterstützung der USA, wenig-
stens der wirtschaftlichen, versichern. Ohne diese Unterstützung
reicht unser Potential nicht aus, um einen Krieg gen Osten, gegen
die Sowjetunion, und später auch gegen Westen zu führen. Dieser
Krieg kann auf keinen Fall geführt werden, bevor wir uns nicht
bei optimalem Tempo der Rüstung d. h. möglichst unter Vermeidung
inflationärer oder sonstiger krisenhafter Erscheinungen, bis an
die Zähne bewaffnet, alle notwendigen Vorräte anlegen und Reser-
ven bereitgestellt haben. Göring/IG Farben: Unsere Ziele werden
uns unvermeidlich in Gegensatz zu allen am Status Quo interes-
sierten Großmächte bringen. (...) Unser Potential reicht für
einen längeren großen Krieg nicht aus. Der einzige Ausweg liegt
in einer maximal forcierten Rüstung für eine Reihe von Blitzkrie-
gen, mit denen man nicht mehr lange warten kann, und wirtschaft-
lich in einer - wenigstens zeitweilig aufrechtzuerhaltenden -
Autarkie als Mittel gegen Blockade." 52)
Es standen sich hier also das Konzept Schachts einer längerfri-
stigen Rüstung konventionellen Stils und Tempos, der sogenannten
Tiefenrüstung, und das Konzept Görings einer enorm forcierten,
auf Blitzkriege gerichteten Rüstung, der sogenannten Breitenrü-
stung, gegenüber.
Generalmajor Thomas, Chef des Wehrwirtschaftsstabes des OKW, er-
läuterte beide Begriffe folgendermaßen: "Unter Breite einer Rü-
stung verstehe ich Zahl und Stärke der Friedenswehrmacht und die
Vorbereitungen, die zu ihrer Vergrößerung im Kriegsfall getroffen
werden. Die Tiefe der Rüstung umfaßt dagegen alle Maßnahmen in
Sonderheit materieller und wirtschaftlicher Natur, die der Ver-
sorgung im Kriege, also der Stärkung der Durchhaltemöglichkeit
dienen." 53)
Der Vierjahresplan und seine Projekte stellten einen Kompromiß
zwischen beiden Konzeptionen dar. Für eine längerfristige Tiefen-
rüstung fehlten Deutschland die wirtschaftlichen Möglichkeiten,
da im Rüstungswettlauf die Zeit gegen Deutschland arbeitete. Also
mußte man sich mit der Breitenrüstung begnügen. Doch um sich we-
nigstens etwas abzusichern und eine gewisse Blockadefestigkeit zu
erlangen, wurden Teillösungen gefunden, wie z.B. der Ausbau der
deutschen Eisenerzbasis, der Bau der Reichswerke. Nach Dietrich
Eichholtz' Ansicht gewann hierdurch die Blitzkriegskonzeption
Hitlers und des Generalstabs eine durchaus tragfähige wirtschaft-
liche Grundlage. 54)
Für die an der Rüstungsproduktion verdienende Wirtschaft hatten
diese militärischen Überlegungen auch einen wirtschaftlichen
Aspekt, auf den Lotte Zumpe hinweist: "Eine kurzfristige Kriegs-
vorbereitung aber öffnet die Staatskasse weiter und großzügiger
als eine längerfristige. Das wurde 1936 mit Hitlers Entscheidung
erreicht. Damit ist noch nicht gesagt, daß alle, die für diese
Erschließung neuer Profitquellen waren, auch kurzfristig einen
Krieg wollten. Auf keinen Fall wollten sie Abstriche am Profit
dulden." Doch es wäre "sehr eng gedacht, wollte man den Bestre-
bungen des deutschen Finanzkapitals in dieser Zeit nur kurzfri-
stige Profitinteressen unterstellen. Das Vierjahresplanprogramm
war nicht nur ein Produktions-, es war auch ein Entwicklungspro-
gramm." 55)
Wie bereits in den vorherigen Kapiteln angedeutet, verbargen sich
hinter der Gründung der Reichswerke auch längerfristige Interes-
sen, die auf eine Verbesserung der Lage der deutschen Eisen- und
Stahlindustrie auf dem Weltmarkt gerichtet waren. Außerdem muß
hier auf die großen Profite hingewiesen werden, die sich die
Großindustrie von der Durchsetzung der Kriegsziele des deutschen
Imperialismus erhoffte.
5. Worüber geben diese Auseinandersetzungen Aufschluß?
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Die deutsche Wirtschaft vor dem Zweiten Weltkrieg war durch die
forcierten, systematischen Aufrüstungsbemühungen des faschisti-
schen Staates in mancher Beziehung bereits eine Kriegswirtschaft.
Im Ersten Weltkrieg entstandene Regulierungsmechanismen fanden
schon vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Anwendung. In Zeiten
direkter Kriegsvorbereitung und während eines Krieges kam es auch
schon früher, zum Beispiel im Ersten Weltkrieg, zu Eingriffen des
Staates in die Wirtschaft und zu unternehmerischer Tätigkeit des
Staates besonders in für die Wirtschaft unrentablen Bereichen,
die dennoch große Bedeutung für den Krieg hatten. Die im Vierjah-
resplan fixierten Autarkiebestrebungen, die unter anderem durch
solche Projekte wie den Bau der Reichswerke verwirklicht werden
sollten, fallen in den Bereich der von den Nazis als kriegsnot-
wendig erachteten, aber keinen oder nur wenig Profit versprechen-
den Aufgaben. Sie waren Mittel zum Zweck.
Auch wenn es bei der Verwirklichung der Autarkiepläne in einigen
Punkten mit Teilen der Großindustrie zu Auseinandersetzungen kam,
z.B. über die Gründung der Reichswerke, so zeigt das, daß es zwi-
schen Staat und Industrie zwar Reibungen gab, daß im allgemeinen
betrachtet ihre Interessen aber durchaus übereinstimmten und es
von daher zu einer engen Kooperation kam. Zum einen hatten Staat
und Industrie ein Interesse an der Aufrüstung. Der Industrie ver-
sprach sie kurzfristig sehr hohe Profite, die alle Teile des
Großkapitals erzielten, auch diejenigen, die in Einzelfragen dem
Staat widersprachen. 56) Zum anderen bestand das gemeinsame In-
teresse auch an der militärischen Expansion, die den Einflußbe-
reich des deutschen Monopolkapitals ausdehnen sollte. Erich Neu-
mann, ständiger geschäftsführender Staatssekretär Görings in der
Vierjahresplanorganisation, formulierte das Expansionsziel sehr
deutlich und brachte darin die Vorstellungen der Wirtschaft zum
Ausdruck: "So kam es denn darauf an, Deutschland militärisch und
wirtschaftlich in einen Zustand zu bringen, in dem es mit Aus-
sicht auf größten Erfolg in die politische Auseinandersetzung
über die Großraumlösung eintreten konnte. Diese mußte zweierlei
Ergebnisse bringen, nämlich erstens die Wiederherstellung der
durch den Vertrag von Versailles zerstörten eigenen Wirtschafts-
grundlagen des deutschen Volkes und sodann eine Ausdehnung des
deutschen Einflußbereichs, die es gestattet, die eigenen Wirt-
schaftskräfte im notwendig bleibenden Umfange von außen her zu
ergänzen, also auch durch Ausgestaltung des Wechselverkehrs mit
benachbarten Gebieten Leben und Gedeih des deutschen Volkes voll-
ends auf die Dauer sicherzustellen." 57) Ohne Krieg waren diese
Ziele nicht zu realisieren.
Widersprach die Gründung der Reichswerke auch kurzfristig den In-
teressen der Eisen- und Stahlindustrie, so war sie doch langfri-
stig für die Durchsetzung ihrer Ziele wichtig. Dies drückte auch
Paul Rheinländer aus: "Über allen Schwierigkeiten und Auseinan-
dersetzungen steht aber heute die gemeinsame Erkenntnis, daß die
Ausweitung der deutschen Erzbasis und die Verlagerung eines Teils
der Roheisenerzeugung auf die Erzbasis Aufgaben von übergeordne-
ter Bedeutung sind, die letzten Endes der ganzen deutschen Eisen-
und Stahl Wirtschaft zugute kommen." 58) Auch Göring äußerte sich
am 17. Dezember 1936 auf einer Sitzung vor Industriellen: "Den
Einwand, daß man bei der Verhüttung heimischer Erze zwei statt
eines Hochofens benötigt, laß ich nicht gelten. Es geht hier um
die Rentabilität des ganzen deutschen Lebens und nicht um die
Rentabilität einer einzelnen Unternehmung." 59)
Nicht nur die mangelnde Rentabilität veranlaßte den Staat, die
Reichswerke zu bauen. Das Projekt selbst überstieg die Kräfte der
Großindustrie, da es bei seiner Errichtung zahlreiche Eingriffe
des Staates notwendig machte. "Der deutsche Volkswirt" beschäf-
tigte sich auf seinen Seiten sehr ausführlich mit diesem Problem.
Er verwies auf die gewaltige Schlagkraft, die nötig ist, um die
armen deutschen Erze abzubauen, und schrieb: "Diese Schlagkraft
hat letzten Endes nur der Staat selbst, die Volksgemeinschaft als
Ganzes. Sie allein ist sicher, nicht über privatwirtschaftlichen
Rentabilitätserwägungen, bürokratischen Hemmungen, gesetzlichen
Zwirnsfäden, Eisenknappheit beim Aufbau, Koksschwierigkeiten in
der Versorgung, Arbeitermangel in der Produktion zu stolpern.
Diese Gewißheit hat der einzelne private Unternehmer, hat auch
eine Addition solcher Unternehmer niemals. Der Leiter der großen
Unternehmung ist nun einmal auch unter dem Nationalsozialismus,
der das private Eigentum anerkennt und schützt, den Eigentümern
gegenüber verpflichtet, unternehmerische Wagnisse in einem ange-
messenen Rahmen zu halten. Der Staat kann, was er will, anord-
nen." 60)
Wie Dieter Petzina betont, bedeuten die Eingriffe des faschisti-
schen Staates in die Wirtschaft und auch die Gründung der Reichs-
werke also keinen grundsätzlichen Wandel in der Einstellung ge-
genüber dem Unternehmertum. Sie beschränkten sich eben auf Berei-
che, in denen das wirtschaftliche Risiko für ein Privatunterneh-
men zu groß war. "Insgesamt", so schreibt er, "hat die Subventi-
onspraxis - und das ist eines der wichtigsten Ergebnisse dieser
Vierjahresplan-Politik - gerade die privaten Unternehmen in einem
bislang unbekannten Ausmaß auf Kosten der Bevölkerung gefördert."
61) Er kommt zu dem Schluß, daß die Nazi-Führung prinzipiell das
Privateigentum respektierte.
Die staatlichen Unternehmen, also auch die Reichswerke, waren in
der Form privater Betriebe organisiert und waren voll in das pri-
vatkapitalistische System integriert. Im übrigen verweist Dieter
Petzina darauf, daß die monopolistische Großindustrie zu ihrem
reibungslosen Funktionieren der engen Kooperation mit dem Staat
und des stetigen staatlichen Eingriffs bedurfte. 62)
Daß es dabei zu Auseinandersetzungen kam, die auch z.T. gegen die
Meinung der Industrie gelöst wurden, liegt in der Natur der Sa-
che, auf die Charles Bettelheim verweist: "Hier muß auf eine
klare Unterscheidung zwischen der Wahrung der Interessen einer
sozialen Klasse und der individuellen Freiheit einzelner Vertre-
ter dieser Klasse geachtet werden. Es ist tatsächlich möglich,
daß ein zahlenmäßig bedeutender Teil dieser Individuen sich über
seine Interessen nicht klar ist und sich gegen eine politische
Führung wendet, die letztlich zu seinen Gunsten handelt und ent-
scheidet." Weiter geht er darauf ein, "daß eine Klasse sogar vom
Standpunkt ihrer Interessen her niemals völlig homogen sein
kann." 63) Die verschiedenen Standpunkte der einzelnen Montanin-
dustriellen zur Gründung der Reichswerke belegen das. Ein weite-
rer Aspekt der Auseinandersetzungen zwischen Teilen der Montanin-
dustriellen und dem Staat liegt in der Konkurrenz innerhalb der
Großindustrie, vor allem der Eisen- und Stahl- sowie der chemi-
schen Industrie, begründet. Zwar waren diese Gruppierungen keine
monolithischen Blöcke, doch wurden sie in Grundfragen durch glei-
che Interessen zusammengehalten. Jede dieser Gruppierungen hatte
ihre Stützen in der Staats- und NSDAP-Bürokratie. Für die Eisen-
und Stahlindustrie war es vor allem Schacht, für die IG Farben
Göring. Schachts Machtverlust und Görings Machtzuwachs wirkten
sich auf die Position der Eisen- und Stahlindustrie aus. Sie ver-
lor gegenüber der IG Farben an Einfluß. Das bedeutet allerdings
nicht, daß sie im weiteren nichts mehr zu sagen hatte. Zug um Zug
konnte sie verlorengegangenen Einfluß zurückgewinnen. Wirtschaft-
lich geschah das über die Aneignung fremder Betriebe in den okku-
pierten Territorien Europas, politisch über die Mitarbeit von
Vertretern der Montanindustrie im Staatsapparat, so in Gremien
von Todts Munitions-, später in Speers Ministerium. Der erste
Schritt, der auf politischem Gebiet den Einfluß der Eisen- und
Stahlindustrie wiederherstellte, war am 15. November 1938 die Be-
rufung des Generaldirektors von Mannesmann, Wilhelm Zangen, eines
Mitglieds des "Kleinen Kreises" der Ruhr-Montan-Konzerne, zum
Leiter der Reichsgruppe Industrie, anstelle des Textilindustriel-
len Gottfried Dierig. Nach Ansicht von Dietrich Eichholtz machten
die Montankonzerne spätestens im Frühjahr 1941 mit der auf ihre
Initiative hin entstandenen Reichsvereinigung Kohle endgültig
ihre Positionsverluste wett. 64) Übrigens wurde Paul Pleiger auf
ihren Vorschlag hin Leiter der Vereinigung, was zeigt, daß sie
Pleiger in ihre Mitte aufrücken ließen, unter anderem auch, um
die Konkurrenz der Reichswerke besser im Auge behalten zu können.
Die Reichswerke waren also keine Außenseiter mehr.
Am Ende soll noch ein Beispiel dafür angeführt werden, wie absurd
die von einigen bürgerlichen Historikern vertretene These ist,
der faschistische Staat habe das große private Kapital schwächen
wollen: die umfangreichen Reprivatisierungen von Großbanken und
Betrieben, die in der Weltwirtschaftskrise vom Staat übernommen
worden waren. "Zwischen 1935 und 1937 übertrug das Reich den ge-
samten Aktienbetrag von RM 50 000 000 der Deutschen Bank und Dis-
conto-Gesellschaft wieder auf die ursprünglichen Besitzer und tat
dasselbe 1936/37 mit den Aktien der Commerz- und Privatbank. Im
Jahre 1937 verkaufte das Reich die Dresdner Bank für schätzungs-
weise RM 200 000 000. Im März 1936 verkaufte es seine Mehrheits-
rechte bei der Deschmag an Bremer Kaufleute und im September
8 200 000 Aktien der Hamburg-Südamerikanischen Dampfschiffahrts-
gesellschaft. Anfang 1936 verkaufte das Reich die Mehrheitsrechte
bei den Vereinigten Stahlwerken, die es unter Brüning erworben
hatte." 65) Auch das "arisierte" jüdische Eigentum wurde nicht
vom Staat übernommen, sondern ging an die Privatwirtschaft über.
Diese Tatsachen belegen, daß der nazistische Staat seine eigene
unternehmerische Tätigkeit nicht über das Maß des als notwendig
Erachteten ausdehnen wollte. Im einzelnen weist Charles Bettel-
heim z.B. nach, daß die staatlichen Unternehmen in äußerst gerin-
gem Maße an der eigentlichen, profitbringenden Produktion betei-
ligt waren, in der Industrie und Rohstoffgewinnung, stark dagegen
in Bereichen wie Transport, Wasser, Gas, Elektrizität. 66)
All das unterstreicht, daß man in der Zeit des Faschismus keines-
wegs von einer Unterdrückung der Großindustrie sprechen kann, wie
das die eingangs zitierten bürgerlichen Historiker tun. Vielmehr
wurde der faschistische Staat auch wirtschaftlich im Gesamtinter-
esse des Monopolkapitals tätig. Die Auseinandersetzungen, die es
im Zusammenhang mit der Gründung der Reichswerke gab, zeigen Rei-
bungspunkte im System des staatsmonopolistischen Kapitalismus, in
dem Monopole und Staat über partielle Widersprüche hinweg ihre
Potenzen vereinigen, um das System als Ganzes aufrechtzuerhalten.
_____
1) Denkschrift Hitlers über die "Aufgaben eines Vierjahrespla-
nes"; in: Wilhelm Treue, Hitlers Denkschrift zum Vierjahresplan
1936; in: Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, Nr. 3/1955, S.
210.
2) Matthias Riedel, Vorgeschichte, Entstehung und Demontage der
Reichswerke im Salzgittergebiet, Düsseldorf 1967, S. 45.
3) Wilhelm Treue, Die Geschichte der Ilseder Hütte, Feine 1960,
S. 588.
4) D. Schoenbaum, Die braune Revolution. Eine Sozialgeschichte
des Dritten Reiches, Köln/Berlin 1968, S. 194.
5) Louis P. Lochner, Die Mächtigen und der Tyrann. Die deutsche
Industrie von Hitler bis Adenauer, Darmstadt 1955, S. 205.
6) Statistisches Jahrbuch von Deutschland 1928-1944, S. 281 und
288; nach: Dieter Petzina, Autarkiepolitik im Dritten Reich,
Stuttgart 1968, S. 86 f.
7) Rohstoffbedarf der Wehrmacht in den Jahren 1935 und 1936. Dok.
1301-PS. IMT, Bd. XXVII, S. 125; nach: Matthias Riedel, Eisen und
Kohle für das Dritte Reich; Paul Pleigers Stellung in der NS-
Wirtschaft, Göttingen/Frankfurt/Zürich 1973, S. 87.
8) Überwachungsstelle für Eisen und Stahl: Die Lage der deutschen
Eisen- und Stahlindustrie, Folge 3, September 1935 (Akten Plei-
ger); Ruelberg in der Sitzung des Gutachter-Ausschusses über Roh-
stoff-Fragen am 26.5.1936. Vgl. Niederschrift in: Tradition 14
(1969), S. 321; nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 83.
9) Göring auf einer Sitzung des Arbeitskreises der Eisen schaf-
fenden Industrie am 17.3.1937. Dok. NI-090, S. 25; nach: Riedel,
Eisen und Kohle, a.a.O., S. 125.
10) Niederschrift des Ministerrates am 12. 5. 1936. IMT, Bd.
XXVII, S. 138 f.; nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 184.
11) Thomas in einem Bericht aus dem Jahre 1936 über die Schwie-
rigkeiten auf dem Rohstoffgebiet (Bundesarchiv-Militärarchiv W
IF5/203, S. 175); nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 187.
12) Paul Pleiger, Die Hermann-Göring-Werke; in: Der Vierjahres-
plan 1939, S. 51; nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 186.
13) Göring in seiner Rede über die Durchführung des Vierjahres-
plans am 17. 12. 1936 im Preußenhaus in Berlin, Dok. NI-051, S.
7; nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 109.
14) Thomas auf der Mitgliederversammlung der Wirtschaftsgruppe
Eisen schaffende Industrie am 9. 6. 1936 (Bundesarchiv R
131/132); nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 87.
15) Dr. Paul Rheinländer, Die deutsche Eisen- und Stahlwirtschaft
im Vierjahresplan, Berlin 1939, S. 12.
16) Ebenda, S. 12.
17) Vgl. ebenda, S. 33 ff.
18) Ebenda, S. 19.
19) Dokumentenbuch III für den Angeklagten Paul Pleiger, Dok.
P.P. 39; nach: Riedel, Vorgeschichte ..., a.a.O., S. 14.
20) Dokumentenbuch III für den Angeklagten Paul Pleiger, Dok.
P.P. 33; nach: Riedel, Vorgeschichte ..., a.a.O., S. 9.
21) Vgl. zum Schlattmann-Plan: Jörg-Johannes Jäger, Die wirt-
schaftliche Abhängigkeit des Dritten Reiches vom Ausland, darge-
stellt am Beispiel der Stahlindustrie, Berlin Verlag 1969, S. 60.
22) Vgl. Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 145f. zu Einzelhei-
ten des Lob-Plans.
23) Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 151.
24) Niederschrift über die am 16. Juni 1937 im Haus der Flieger
zu Berlin abgehaltene Verhandlung. Dok. NI-084, S. 22f.; nach:
Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 151.
25) Jörg-Johannes Jäger, a.a.O., S. 67.
26) Vgl. Monatliche Nachweise ... Jg. 1937, 1938, Pos. 237e;
Stat. Jahrbuch DR, Jg. 1939/1940, S. 331; nach: Jörg-Johannes Jä-
ger, a.a.O., S. 67f.
27) Vgl. Niederschrift über die am 4. 11. 1938 im Stahlhof zu
Düsseldorf abgehaltene Besprechung über Eisen- und Stahlfragen,
Dok. NI-096, S. 11; nach: Jörg-Johannes Jäger aaO S. 68.
28) Vgl. Vier Jahre Hermann-Göring-Werke Salzgitter, Hrsg. RHG
1941, Manuskript S. 57, BA: R7 X/449a; nach: Jörg-Johannes Jäger,
a.a.O., S. 69.
29) Vgl. Jörg-Johannes Jäger, a.a.O., S. 69f.
30) Vgl. Gerd Wysocki, Zwangsarbeit im Stahlkonzern, Salzgitter
und die Reichswerke "Hermann Göring" 1937-1945, Braunschweig
1982, S. 16 f.
31) Vgl. zur genauen Planung und Entwicklung der Reichswerke
ebenda, S. 18 ff.
32) Vgl. Paul Rheinländer, a.a.O., S. 17f.
33) Wysocki, Zwangsarbeit, a.a.O., S. 18.
34) Vgl. Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 232.
35) Nach: Jürgen Kuczynski, Die Geschichte der Lage der Arbeiter
unter dem Kapitalismus, Bd. 16, Berlin 1963, S. 140.
36) Dieter Petzina, a.a.O., S. 106.
37) Jürgen Kuczynski, a.a.O., S. 141.
38) Dazu Näheres bei Riedel, Vorgeschichte ..., a.a.O.; Wysocki,
Zwangsarbeit..., a.a.O.
39) Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 184.
40) In: Deutsche Wirtschafts-Zeitung vom 4. 2. 1935, S. 152 f.;
nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 112.
41) Dieter Pentzina, a.a.O., S. 102.
42) Vgl. Ernst Poensgen, Die Gründung der Hermann-Göring-Werke;
in: Der Wirtschaftsspiegel 2 (1947), S. 339; nach: Riedel, Eisen
und Kohle, a.a.O., S. 213.
43) Aktenvermerk Kellermann über Besprechung mit Steinbrinck vom
4.8.1937 (Gutehoffnungshütte 400 101 303/4); nach: Riedel, Eisen
und Kohle, a.a.O., S. 193.
44) Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 211.
45) Vgl. Ingeborg Esenwein-Rothe, Die Wirtschaftsverbände von
1933 bis 1945, Berlin 1965, S. 85.
46) Gemeinsamer Aktenvermerk Pleiger und Rohne über Besprechung
am 28.7.1937 (Ilseder Hütte); nach: Riedel, Eisen und Kohle,
a.a.O., S. 198.
47) Aktenvermerk Rohne, Fromme, Wölz, Ilseder Hütte, über Bespre-
chung mit Pleiger am 11.8.1937 (Ilseder Hütte); nach: Riedel, Ei-
sen und Kohle, a.a.O., S. 199; dazu auch: Wilhelm Treue, Die Ge-
schichte .. ., a.a.O., S. 609 ff.
48) T.R. Emessen, Aus Görings Schreibtisch, Ein Dokumentenfund.
Berlin 1947, Dok. Nr. 33, S. 82; nach: Riedel, Eisen und Kohle,
a.a.O., S. 214.
49) Vgl. Kellermann an Keppler vom 9. 9. 1937 (Gutehoffnungshütte
400 101 303/4); nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 223.
50) Notiz Kepplers auf seinem Tageszettel vom 5. 10. 1936
(Bundesarchiv R 261/30); nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O.,
S. 112.
51) Niederschrift der Sitzung des Gutachter-Ausschusses über Ex-
portfragen am 15.5.1936 (Bundesarchiv R 261/36, S. 12); nach:
Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S. 112.
52) Dietrich Eichholtz, Geschichte der deutschen Kriegswirtschaft
1939/1945, Bd. l 1939/1941, Berlin 1969, S. 50.
53) Dok. E C-028, IMT, Bd. 36, S. 119, 125, Vortrag von Thomas
vor Herren des Auswärtigen Amtes, 24.5.1939; nach: Dietrich Eich-
holtz, a.a.O., S. 18.
54) Ebenda, S. 25.
55) Lotte Zumpe, Wirtschaft & Staat in Deutschland 1933 bis 1945,
Berlin 1980, S. 225.
56) Vgl.: Ulrike Hörster-Phillips, Großkapital und Faschismus
1918-1945, Dokumente, Köln 1981 ², S. 212.
57) Dok. NID-13844, Fall XI, ABD 120 D, DZA Potsdam, Nürnberger
Prozesse, Fall XI, Nr. 413, Bl. 251, Vortrag Neumanns vor der
Verwaltungsakademie Berlin, 29. 4. 1941; nach: Dietrich Eich-
holtz, a.a.O., S. 37.
58) Paul Rheinländer, a.a.O., S. 33.
59) Dok. NI-051, S. 6; nach: Riedel, Eisen und Kohle, a.a.O., S.
111.
60) Der deutsche Volkswirt, 30.7.1937; nach: Jürgen Kuczynski,
a.a.O., S. 139.
61) Dieter Petzina, a.a.O., S. 174.
62) Ebenda, S. 196 f.
63) Charles Bettelheim, Die deutsche Wirtschaft unter dem Natio-
nalsozialismus, München 1974, S. 151.
64) Vgl. Dietrich Eichholtz, a.a.O., S. 132-143.
65) D. Schoenbaum, a.a.O., S. 190.
66) Vgl. Charles Bettelheim, a.a.O., S. 153 ff.
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