Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 08/1985
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DIE SOZIALISTISCHE FREIE GEWERKSCHAFT *)
Wulf D. Hund
Daß sich in ihr der Fortschritt verwirklicht, hindert nicht die
stellenweise zynische Dramaturgie der Geschichte. Schon zwei
Jahre nach der Besetzung Hamburgs am 3. Mai 1945 hatte die han-
seatische Bourgeoisie dieses Datum ideologisch zu der Formel "Wie
Hamburger Kaufleute die Stadt Hamburg retteten" verarbeitet. 1)
Eben diese Kaufleute hatten 1940, weniger in regionalen als in
imperialen Dimensionen denkend, ihren von einem durch deutsche
Kolonien ergänzten mitteleuropäischen Wirtschaftsblock ausgehen-
den Wirtschaftsplan vorgelegt. 2) Im selben Jahr begannen hambur-
gische Kommunisten mit dem Aufbau der bedeutendsten antifaschi-
stischen Widerstandsorganisation der Stadt, der Bästlein-Jacob-
Abshagen-Gruppe. 3) Ein großer Teil ihrer Mitglieder war ermordet
und hingerichtet worden, als kurz vor Kriegsende maßgebliche bür-
gerliche Kreise den Plan vom Reich zugunsten der Rettung ihres
Reichtums aufgaben.
Unterstützt wurden sie in dieser Haltung sicher nicht zuletzt vom
Zusammenbruch des faschistischen Systems der Legitimation und
Loyalitätserzeugung. Wie hamburgische Spitzelberichte für die
Amtsgruppe Wehrmachtspropaganda beim Oberkommando der Wehrmacht
vom März und April 1945 zeigen, gab es allgemeine Kritik an der
NSDAP und ihrer Politik, erwies sich die antikommunistische Greu-
elpropaganda immer mehr als wirkungslos oder wurde gar als un-
glaubwürdig abgetan, erwartete man von einer Besetzung durch eng-
lische oder amerikanische Truppen eine Verbesserung der Lage und
hielt sich das Gerücht, Hamburg sollte zur offenen Stadt erklärt
werden. 4)
"(E)rsparen Sie Hamburg das Schlimmste, Letzte, erklären Sie Ham-
burg zu dem was es ist, zur offenen Stadt": 5) schrieb Mitte
April 1945 Emil Helfferich an den Reichsstatthalter. Dreizehn
Jahre zuvor hatte er zu den Mitbegründern des Keppler-Kreises ge-
hört, von dem als Koordinationsstelle zwischen Wirtschaft und
NSDAP wesentliche Impulse für die Machtübergabe an den Faschismus
ausgingen. Zusammen mit anderen Exponenten der hamburgischen
Bourgeoisie wie Kurt Woermann, Carl Vincent Krogmann, Erwin Merck
und Franz Heinrich Witthoefft hatte er im November 1932 vom
Reichspräsidenten die Ernennung Hitlers zum Kanzler verlangt. 6)
Zur selben Zeit wie er wurde Heinrich Riensberg initiativ. Als
deutscher Sachverständiger für Schiffahrtsfragen in Stockholm tä-
tig, ließ er im April 1945 unmittelbar nach der Rückkehr von ei-
ner Reise aus Hamburg der britischen Gesandtschaft eine Denk-
schrift zukommen, in der es hieß: "Es ist die Pflicht der Deut-
schen, der Engländer und Amerikaner, den Krieg mit möglichst ge-
ringen Opfern von Menschen und Eigentum auf allen Seiten zu been-
den." 7) 1933 zählte Riensberg zu den Mitgliedern des antidemo-
kratischen ultrakonservativen Hamburger Nationalklubs, der Hitler
bereits 1926 Gelegenheit zu seiner nach der Entlassung aus Lands-
berg ersten großen Rede zur Bourgeoisie gegeben hatte und dessen
Vorstandsmitglieder Hübbe und Krogmann 1933 den Vorsitz der Han-
delskammer und das Amt des Ersten Bürgermeisters übernahmen.
Seine Eingabe an die Engländer zur Beendigung des Krieges atmete
ganz den Geist der antisowjetischen Westorientierung, mit der
weitsichtige Kreise aus Staat und Wirtschaft unmittelbar nach dem
Sieg der Roten Armee in Stalingrad begonnen hatten, Nachkriegs-
pläne zu schmieden, die ihre Hoffnung im weiteren Verlauf des
Krieges immer stärker auf eine Spaltung der Anti-Hitler-Koalition
setzten. 8)
Für die konkreten Übergabeverhandlungen der Stadt an die briti-
schen Truppen hätte das hamburgische Bürgertum keinen geeignete-
ren Kandidaten finden können als Wilhelm Amsinck Burchard-Motz.
Er hatte hinsichtlich dieser Prozedur bereits einschlägige Erfah-
rungen gesammelt. Schon als Senator der DVP stellte er seine na-
tionale Gesinnung unter Beweis, als er 1926 in Abstimmung mit der
Handelskammer vom Reichskanzler den Flaggenerlaß forderte, durch
den letztlich mit schwarz-weiß-rot die Farben der antirepublika-
nischen Reaktion gleichberechtigt neben denen der Republik wehen
sollten. 9) 1933 betrieb er in Hamburg aktiv die Machtübergabe an
den Faschismus. Im Februar bot er dem von der NSDAP zum Bürger-
meister designierten Carl Vincent Krogmann seine Unterstützung an
und fragte bei Hitlers Wirtschaftsberater Keppler nach, wie er
sich der neuen Reichsregierung nützlich machen könne. 10) Solche
Haltung wurde ihm im März mit dem Amt des Zweiten Bürgermeisters
vergolten, dessen er sich dadurch würdig erwies, daß er mit dem
nationalsozialistischen Gauleiter Karl Kaufmann ein Abkommen zur
Selbstauflösung der DVP und Überführung ihrer Mitglieder in die
NSDAP schloß, welches er Anfang April bei der Bismarck-Feier sei-
ner Partei verkündete. 11) Ende April 1945 wandte sich der mitt-
lerweile schon lange als Reichsstatthalter fungierende Kaufmann
an Burchard-Motz mit der Bitte, sich als Parlamentär zur Verfü-
gung zu stellen. Dessen Bedenken, durch die Übergabe der Stadt
der Führung des Reiches in den Rücken zu fallen, konnten mit dem
Hinweis auf einen Funkspruch Hitlers zerstreut werden, "aller
Kampf solle sich nur gegen den Osten richten". 12) Er stellte
sich für die Verhandlungen zur Verfügung, aufgrund derer Hamburg
am 3. Mai 1945 von britischen Truppen besetzt wurde.
Während Teile der Wirtschaft und des Staatsapparats Überlegungen
zur Übergabe der Stadt anstellten, wurden im Hamburger Konzentra-
tionslager Neuengamme mehr als zehn Mitglieder der Bästlein-Ja-
cob-Abshagen-Grappe ohne Prozeß gehenkt. Insgesamt ermordete man
dort in diesem Monat über siebzig Frauen und Männer aus dem Wi-
derstand. 13) Am Tag des Einmarsches der englischen Truppen kamen
beim Untergang der "Thielbek" und der "Cap Arcona" nahezu sieben-
tausend Gefangene um, die aus Neuengamme abtransportiert und auf
die Schiffe verladen worden waren. 14)
Trotz allen Terrors war es dem Faschismus aber nicht gelungen,
den Widerstand in Hamburg völlig zu zerschlagen. Im Hinblick auf
seine aus der Arbeiterbewegung stammenden Mitglieder, die sich
nach dem 3. Mai 1945 am Aufbau der Sozialistischen Freien Gewerk-
schaft beteiligten, lassen sich dabei verschiedene Gruppierungen
erkennen. 15)
Verbindungen der am 20. Juli beteiligten Kreise reichten auch zu
hamburgischen Gewerkschaftlern. Sie machten Pläne zur Übernahme
der Deutschen Arbeitsfront und zum Austausch ihrer Leitung durch
frühere Gewerkschaftsfunktionäre. Beteiligt an dieser Diskussion
war Franz Spliedt. Hugo Schotte saß nach dem 20. Juli mehrere Wo-
chen in Haft. Adolph Schönfelder schien als Bezirkssekretär der
geplanten Deutschen Gewerkschaft vorgesehen gewesen zu sein. 16)
Zu einer Gruppe des Internationalen Sozialistischen Kampfbundes
gehörte Hellmut Kalbitzer. In den letzten Kriegsjahren be-
schränkte sie sich weitgehend auf Diskussion. Ein Zusammenkommen
mit Kommunisten wurde dabei vermieden, weil diese auf Grund ihrer
Widerstandsformen als stark gefährdet galten. Aus London erfuhr
die Gruppe durch Kurier von der Programmdiskussion deutscher so-
zialistischer Organisationen in Großbritannien, in der sich das
Konzept einer die Kommunisten ausschließenden vereinten soziali-
stischen Partei durchgesetzt hatte. In diesem Sinn hielt sie Ver-
bindung zu Paul Bebert und stellte Kontakte zu Walter Schmedemann
und Adolph Schönfelder her. 17)
In der Firma Heidenreich & Harbeck war Gottlieb Weide Mitglied
der Betriebszelle der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe, zu der auch
Hans Schnoor Beziehungen hatte. Beide wirkten offenbar mit ehema-
ligen Mitgliedern des Metallarbeiterverbandes zusammen, zu denen
neben Wilhelm Petersen ebenfalls Hans Ek gehört haben dürfte. Wie
an anderer Stelle auch, leisteten hier Kommunisten und Sozialde-
mokraten gemeinsame illegale Arbeit. 18)
Weide und Ek arbeiteten außerdem mit Friedrich Dethlefs in einem
Kreis zusammen, der weiter losen Kontakt zu Johann Westphal
hatte. Ihnen war die Konzeption des Nationalkomitees Freies
Deutschland für ein breites antifaschistisches Bündnis bekannt.
Ohnehin hatten sie selbständig begonnen, Verbindungen zu bürger-
lichen wie zu sozialdemokratischen Kräften um Lorenz Borchers und
Walter Schmedemann aufzunehmen. 19)
Als am 3. Mai 1945 britische Truppen die Stadt besetzten, konnten
die verschiedenen Gruppierungen der Arbeiterbewegung zunächst auf
Grund der zweitägigen Ausgangssperre weder zu ihnen noch unter-
einander in Fühlung treten. Als dann am 5. Mai mehrere Treffen
stattfanden, war eine erste politische Entscheidung schon gefal-
len. Zwar hatten die Engländer Reichsstatthalter Kaufmann verhaf-
tet. Weil ihnen aber die Sicherung von Ruhe und Ordnung nur durch
die Aufrechterhaltung einer funktionstüchtigen Verwaltung gewähr-
leistet schien, übertrugen sie gleichzeitig seine Aufgaben dem
bereits seit 1933 amtierenden Bürgermeister Krogmann. Dadurch
sollten nicht zuletzt Reibungsverluste im Bereich der Versorgung
vermieden werden. Einerseits würden so britische Ressourcen mög-
lichst wenig belastet. Andererseits würde so die ohnehin demora-
lisierte Bevölkerung vor Anfälligkeiten gegenüber kommunistischem
Einfluß bewahrt. 20)
Daß die britische Besatzungspolitik in den ersten Monaten des
Jahres 1945 grundlegend von solcher antikommunistischen Tendenz
geprägt wurde, hatte verschiedene Ursachen. Zunächst war sie sich
hierin ihrer Übereinstimmung mit der Haltung des Premierministers
gewiß. 21) Weiter bestand in dieser Frage Konsens mit der militä-
rischen Führungsspitze. 22) Er konnte sich deswegen direkt aus-
wirken, weil die Kompetenzen hinsichtlich der Besatzungspolitik
zunächst unklar waren, so daß zwangsläufig großer Entscheidungs-
spielraum entstand. 23) Ihn im einzelnen auszufüllen, hing
schließlich von den jeweils zuständigen Offizieren ab. In Hamburg
war mit Colonel H.W.H. Armytage ein konservativer Berufsoffizier
Kommandant der Militärregierung. Er hatte mit Colonel R. Allhusen
einen ebenfalls konservativ eingestellten Stellvertreter, der zu-
dem von seinem Zivilberuf als Börsenmakler her der hamburgischen
Bourgeoisie mit Sympathie gegenüberstand. 24)
Die ersten Versuche, aus Kreisen der hamburgischen Arbeiterbewe-
gung Kontakt zur Militärregierung herzustellen, schlugen fehl.
25) Erst am 7. Mai gelang es zwei Abordnungen, zum Koordinie-
rungsoffizier der Manpower Branch der Militärregierung, Captain
F.J. Dwyer, vorzudringen. Dabei handelt es sich zunächst um eine
Gruppe von Kommunisten, linken Sozialdemokraten und ISK-Mitglie-
dern, deren Wunsch zur Bildung einer vereinigten Arbeiterpartei
zwar abschlägig beschieden wurde, die aber die Erlaubnis zur
Gründung einer Einheitsgewerkschaft erhielten. Nach ihnen kam
eine überwiegend aus ehemaligen Mitgliedern des Metallarbeiter-
verbands bestehende Gruppe, deren Vorstellungen nach unmittelba-
rer Fortsetzung ihrer alten Organisation zwar zurückgewiesen wur-
den, die aber, nachdem sie über die schon erteilte Erlaubnis zur
Gewerkschaftsgründung informiert worden waren, entschieden, sich
an dieser Initiative zu beteiligen. 26)
Beide Gruppen waren keineswegs gefestigte Lager. Ihre Zusammen-
setzung verdankte sich teils traditioneller Organisationszugehö-
rigkeit, teils den Kontakten der Illegalität. Bei der Gruppe der
auf eine Arbeiterpartei orientierten Kräfte war anfänglich Paul
Beben, unter den die Weiterführung ihrer früheren Gewerkschaft
anstrebenden Kräften befanden sich Gottlieb Weide und Hans Ek.
Letztere stellten sich in den folgenden Auseinandersetzungen über
Aufgaben und Ziele der SFG auf die Seite der eine einheitliche
Organisation mit Anspruch auf politische Mitwirkung beim Neuauf-
bau der Gesellschaft befürwortenden Gewerkschaftsmitglieder. Er-
sterer schloß sich schließlich der die Entwicklung der SFG sabo-
tierenden Fraktion der alten Gewerkschaftsfunktionäre an.
In dem schon am nächsten Tag gemäß der Aufforderung der Militär-
regierung niedergelegten Programm der SFG setzte sich zunächst
die offensive Haltung der eine politische Einheitsorganisation
anstrebenden Richtung durch. Auf ökonomischem Gebiet forderte sie
eine "Verstaatlichung der wirtschaftlichen Schlüsselstellungen",
die "Überführung des Großgrundbesitzes und Baulandes in öffentli-
ches Eigentum" und "Staatskontrolle des Außenhandels". Zudem
sollte das Arbeitsamt durch die Gewerkschaft geleitet werden. Po-
litisch stand die "Ausrottung der Nazis, ihrer Ideologie und des
Militarismus" im Vordergrund. Um militaristische Keimzellen un-
möglich zu machen, wurden die "Kontrolle der Sportorganisationen
durch die Gewerkschaft, die "Erziehung der Jugend zu den Idealen
der Völkerverständigung" und "Friedenspolitik" verlangt. Außerdem
wollte man die "(s)taatliche Anerkennung der SFG". 27)
Gleichwohl lief die Diskussion nicht ohne Auseinandersetzungen
ab. So konnte keine Einigkeit erzielt werden hinsichtlich der
Frage, "(o)b die Zersplitterung der Arbeiterschaft vor 1933 und
die mangelhafte Kampfbereitschaft der Führung im Jahre 1933 als
Ursache des Zusammenbruchs der Arbeiterbewegung in dem Aktions-
programm bezeichnet werden sollte". 28) Weiter galt die Einheit
nicht schon durch die gemeinsame Erfahrung des Widerstands und
übereinstimmende Willenskundgebungen als erreicht, sondern ihre
Herstellung wurde ebenso als Schwierigkeit wie als vordringliche
Aufgabe betrachtet. 29) Wenn auch mit großer Mehrheit, so doch
nicht ohne Widerspruch wurde dabei die Entscheidung gefaßt, im
Namen der neuen Gewerkschaft den Begriff "sozialistisch" zu ver-
ankern und damit ihre politische Ausrichtung klarzustellen. 30)
Als Problem trat hinzu, daß das Gewerkschaftshaus, in dem die SFG
Räume zur Verfügung gestellt bekommen hatte, sich sofort als
selbstverständlicher Treffpunkt für alle erwies, die sich nach
den neuen Aktionsmöglichkeiten erkundigen, ihre Mitarbeit anbie-
ten oder Forderungen aus den Betrieben vortragen wollten. 31)
Doch schon dieses erste Umsetzen der Erkenntnis, daß die einzige
gesellschaftliche Macht der Arbeiter ihre Zahl ist, 32) kolli-
dierte mit den Politikvorstellungen der Besatzungsmacht. So
zeigte sich Captain Dwyer ebenso erschrocken wie aufgebracht, als
er einmal etwa 500 im Gewerkschaftshaus versammelte Personen an-
traf. Die von ihm daraufhin verfügte Höchstzahl von 30 Versamm-
lungsteilnehmern war eine empfindliche Behinderung des Aufbaus
der SFG. 33) Zudem wurde die SFG aufgefordert, einen der gesetz-
ten Grenze Rechnung tragenden, für die Gewerkschaftsarbeit zu-
ständigen Ausschuß zu wählen. Spätestens jetzt mußte sich zeigen,
wie ernst die Bekundungen zur Arbeitereinheit bei allen Beteilig-
ten waren. Dabei schien es zunächst, als sollte die damit verbun-
dene Hypothek aus der Geschichte der Arbeiterbewegung in der Wei-
marer Republik als abgelöst gelten. So jedenfalls klangen die
Ausführungen Adolph Schönfelders, der auf einer der Versammlun-
gen, die im Vorfeld der Ausschußbildung stattfanden, "unter all-
gemeinem Beifall die Notwendigkeit der Einheit der Arbeiterschaft
forderte und für sich selbst die Erklärung abgab, dass er keiner-
lei politische Ambitionen mehr habe, dagegen der neuen Hamburger
Arbeiterbewegung seine Unterstützung zusagte". 34)
Zweifellos war es diese Kombination des erklärten Willens zur
Einheit und des Verzichts auf eigene politische Ambitionen, die
das Angebot zur Unterstützung der sich wieder konstituierenden
Arbeiterbewegung auf einhelligen Beifall stoßen ließ. Denn Schön-
felder galt in der Zeit der Weimarer Republik als in der hambur-
gischen Arbeiterklasse äußerst umstritten. Auf dem rechten Flügel
der SPD stehend, hatte er in seiner Funktion als Polizeisenator
auch noch nach dem 30. Januar 1933 unnachgiebig Verfolgungsmaß-
nahmen gegen die KPD exekutiert. 35)
Daß von der Arbeiterbewegung über solche Traditionen nicht ein-
fach zur Tagesordnung übergegangen wurde, zeigte das Beispiel
John Ehrenteits. Der Vorsitzende des ADGB-Ortsausschusses Ham-
burg, Parteifunktionär der SPD und Senator, war wegen seiner de-
zidiert antikommunistischen Haltung bekannt. Im April 1933 er-
klärte er, die Gewerkschaften hätten sich "zur heutigen Regierung
positiv einzustellen" und angesichts der vor sich gehenden
"Revolution von größtem Ausmaß", "die mit dem demokratischen Par-
lamentarismus brach,... der gerade den Gewerkschaftern in den
letzten Jahren eine Enttäuschung nach der anderen brachte", "zum
Staat und seiner Führung Brücken zu schlagen". Im Mai 1933 traten
durch seine Initiative sechs Gewerkschaftsfunktionäre aus der so-
zialdemokratischen Bürgerschaftsfraktion aus und als eigene Ge-
werkschaftsgruppe in ein Hospitationsverhältnis zur NSDAP ein.
36) Als Ehrenteit 1945 versuchte, wieder in Hamburg Fuß zu fas-
sen, wurde er selbst von seinen alten Kollegen als zu belastet
abgelehnt und mußte die Stadt schließlich verlassen. 37)
Anders als seine akzeptierte man die Mitarbeit W. Petersens und
Schottes. Sie hatten 1933 ebenfalls zu den bei der NSDAP hospi-
tierenden Gewerkschaftlern gehört, dann aber Anschluß an die il-
legale Arbeit gefunden. Bei der Wahl des Vollzugsausschusses der
SFG wurden sie daher berücksichtigt.
In den Vorstand gelangte allerdings keiner der alten Gewerk-
schaftsfunktionäre. Er wurde am 14. Mai gebildet und bestand
zunächst aus Kalbitzer, Schmedemann, Dethlefs und Horchers. Schon
einen Tag später trat Ek hinzu, und Schmedemann wurde zum ersten
Vorsitzenden gewählt. 38) Damit hatte sich die Linie der bereits
in der Illegalität gemeinsam auf die Einheit der Arbeiterbewegung
orientierenden Kräfte vorerst durchgesetzt.
Während die SFG bemüht war, unter den von der Besatzungsmacht ge-
setzten restriktiven Bedingungen ihre organisatorische Einheit
herzustellen, konnte die hamburgische Bourgeoisie weitere politi-
sche Erfolge verbuchen. Am selben Tag, an dem es den beiden Ar-
beiterdelegationen gelungen war, von Captain Dwyer die Genehmi-
gung zum Aufbau einer Gewerkschaft zu erhalten, teilte in einer
Sitzung der Gauwirtschaftskammer deren Präses Joachim de la Camp
mit, daß Bürgermeister Krogmann ihn mit Zustimmung der Militärre-
gierung zur Fortführung seiner Tätigkeit aufgefordert hätte. De
la Camp, seit 1932 Mitglied der NSDAP und später Wehrwirtschafts-
führer, hatte dieses Amt 1937 angetreten, nachdem er bereits im
April 1933 auf Beschluß des Senats als Staatskommissar in das
Präsidium der Handelskammer delegiert worden war. 39) Am 11. Mai
1945 wurden dann zwar von über 40 leitenden Beamten der hamburgi-
schen Verwaltung 22 entlassen und 6, darunter auch Krogmann, ver-
haftet. 40) Jedoch setzte die Militärregierung ihre Politik der
Wahrung administrativer Kontinuität fort. Sie ließ nicht nur lei-
tende Funktionsträger wie Senator O. Martini oder Senatssyndikus
P. Lindemann, die beide 1937 der NSDAP beigetreten waren, im
Dienst. Sie forderte diese auch auf, Vorschläge zur Neubesetzung
der vakanten Stellen zu unterbreiten. Im Rathaus war man sich
darüber klar, insbesondere für das Amt des Bürgermeisters eine
unbelastete Persönlichkeit finden zu müssen, sah deswegen von der
Suche unter den leitenden Beamten ab und wandte sich an die Gau-
wirtschaftskammer. Zusammen einigte man sich auf Rudolf Petersen,
der nach eigenem Zögern und seiner Überprüfung durch die Militär-
regierung einwilligte und am 14. Mai 1945, als die SFG Vollzugs-
ausschuß und Vorstand wählte, seine neue Funktion übernahm. In
einer seiner ersten Amtshandlungen bat er de la Camp, der nun zu-
rücktreten wollte, die Gauwirtschaftskammer bis Ende Juni weiter-
zuführen. 41)
Mit Rudolf Petersen wurde ein Mitglied der hamburgischen Bour-
geoisie Bürgermeister, das ebenso in der Tradition der alten Fa-
milien stand wie einen hervorragenden Ruf im Wirtschaftsleben ge-
noß. 42) Von den konservativen englischen Besatzungsoffizieren
wurde er nicht nur auf Grund seiner Haltung als Gentleman akzep-
tiert. Er teilte auch ihre antikommunistische Einstellung. 43)
Dies konnte nicht ohne Auswirkungen auf die Entwicklung der SFG
bleiben.
Schon die seine Zuständigkeit betreffenden, von der SFG am 15.
Mai aufgestellten Forderungen an die Militärregierung war R. Pe-
tersen nicht zu unterstützen bereit. Die SFG hatte verlangt: "I.
Anerkennung der Sozialistischen Freien Gewerkschaft als rechtli-
che Körperschaft. II. Sofortige Übernahme des Arbeitsamtes. III.
Ständiger Vertreter im Hamburger Verwaltungsausschuss. Übernahme:
Bauverwaltung Schulverwaltung Sozialfürsorge 1. Stellvertreter
der Hauptverwaltung. IV. Säuberung aller Behörden von aktiven Na-
zis und sofortige Absetzung aller Betriebsobleute und Anerkennung
der von der Belegschaft gewählten Betriebsräte. V. Verordnung
über Wiedereinstellung der 1933 aus politischen Gründen entlasse-
nen Arbeiter, Angestellten und Beamten." 44) Bürgermeister Peter-
sen erfuhr offensichtlich noch am selben Tag von diesen Forderun-
gen und ließ sich von Colonel Armytage insbesondere zur Zurück-
weisung der gewerkschaftlichen Ansprüche auf öffentliche Ämter
autorisieren. 45) Statt dessen entschied er sich, mit den im
Dienst verbliebenen Kräften weiterzuarbeiten. 46) Außerdem er-
nannte er mit Hans E.B. Kruse ein Mitglied seiner eigenen Klasse
zum Senator für Handel, Schiffahrt und Gewerbe. 47)
Gleichzeitig war R. Petersen klar, daß er seine Arbeit weder ge-
gen noch ohne die starken Kräfte aus der traditionellen sozialli-
beralen Koalition der Stadt vor 1933 würde bewältigen können. Den
Kontakt zu ihnen stellte er bezeichnenderweise über zwei Vertre-
ter der staatstragenden Flügel der ehemaligen liberalen und sozi-
aldemokratischen Parteien her. Am 16. Mai kam es zu einem Treffen
mit Heinrich Landahl und Adolph Schönfelder. In seiner Folge wur-
den die Ernennung Landahls zum Senator für die Schulverwaltung
und die Schönfelders zum Zweiten Bürgermeister vorbereitet. 48)
Wenn auch anscheinend die SFG diese Entwicklung mit der Aufnahme
Schönfelders in ihren Vollzugsausschuß beantwortete, so waren
ihre linken Einheitskräfte mit ihr doch ausmanövriert. Wenige
Tage, nachdem er in öffentlicher Versammlung sein Desinteresse an
neuerlicher politischer Verantwortung erklärt hatte, akzeptierte
Schönfelder im vertraulichen Gespräch das Bürgermeisteramt. 49)
Doch nicht nur hinsichtlich ihres Anspruchs bei der Mitwirkung an
hoheitlichen Aufgaben wurde die SFG gleich nach ihrer organisato-
rischen Konstituierung zurückgewiesen. Nicht weniger empfindlich
für sie mußte das strikte Verbot von Betriebsversammlungen sein.
Auch in dieser Frage war R. Petersen sofort aktiv geworden. Sei-
nen am 15. Mai gemachten Vorschlag, solche Versammlungen zunächst
zu verbieten, beantwortete die Militärregierung am nächsten Tag
rigoros: "Es müsse mit allen Mitteln verhindert werden, daß der-
artige Versammlungen abgehalten würden." 50)
Damit war die Politikform der Arbeiterbewegung an einem ihrer oh-
nehin neuralgischen Punkte hart betroffen. Der SFG wurde von
vornherein der Weg zur Entwicklung eines breit fundierten, auf
massenhafter Diskussion beruhenden innerorganisatorischen Wil-
lensbildungsprozesses verlegt. Zwar erreichte sie in Verhandlun-
gen mit dem Bürgermeister und dem Leiter der Abteilung Industrie
bei der Gauwirtschaftskammer, R. Blohm, daß statt der Mitglieder
der faschistischen Vertrauensräte Mitglieder der SFG als Be-
triebsräte eingesetzt werden sollten. Die Voraussetzungen für die
Wahlen und die Arbeit der Betriebsräte aber wurden äußerst be-
grenzt. Vor allem durfte die Gewerkschaft die Wähler nicht beein-
flussen. Jede politische Betätigung der Betriebsräte blieb ausge-
schlossen. Zudem wurden Verhandlungen über Lohn und Arbeitszeiten
bis auf weiteres untersagt. Und immer wieder wurde ausdrücklich
auf das Versammlungsverbot hingewiesen. 51) Angesichts der vom
Faschismus zerschlagenen gewerkschaftlichen Organisationsstruktu-
ren einerseits und der verweigerten Erlaubnis für eine intensive
Informationspolitik durch die Gewerkschaft andrerseits waren so
die Einflußmöglichkeiten der SFG auf die Betriebsarbeit drastisch
beschränkt.
Gleichzeitig begannen die alten Gewerkschaftsfunktionäre, hinter
dem Rücken des Vorstands bei der Militärregierung zu intrigieren.
52) Ihr Hauptangriff richtete sich gegen die organisatorische
Form der zentralistischen Einheitsgewerkschaft. Bloß vorgeschoben
war dabei das von Spliedt auch später in seinen Auseinanderset-
zungen mit Böckler und Karl 53) strapazierte Argument, mit ihr
könnte den Bedürfnissen von Mitgliedern einzelner Industriezweige
nicht ausreichend Rechnung getragen werden. Denn die SFG hatte
von Anfang an eine interne Gliederung nach Industriegruppen ge-
plant. Sie sollten sich wiederum nach Berufs- und Fachgruppen
ordnen. Zudem sollte jede Industriegruppe im Vollzugsausschuß
vertreten sein. 54) Die einzelnen Berufsgruppen waren ohnehin so-
fort an die Arbeit gegangen. Wo es notwendig war, wurden zusätz-
lich eigene Industriegruppenbüros eröffnet. 55) Die Berücksichti-
gung spezieller Berufs- und Industriezweigprobleme war also
grundlegender Bestandteil der Tätigkeit der SFG. Sie stand aller-
dings weder unter dem alleinigen noch unter dem leitenden Einfluß
der alten Funktionäre.
Freilich konnten diese schlecht bei der Militärregierung mit dem
Argument antichambrieren, daß in der SFG keine Rücksicht auf ihre
angestammten Pfründen genommen würde. Sie bedienten sich deswegen
in erster Linie eines anderen, für sie aber durchaus nicht neben-
sächlichen Arguments, das Spliedt nachträglich damit umschrieb,
"der Gedanke an die politisch orientierte Einheitsgewerkschaft"
meinte "im Grunde die, wenn auch von anderen politischen Ge-
sichtspunkten geleitete 'Arbeitsfront'." 56) Die anderen Ge-
sichtspunkte waren unschwer zu erraten, entsprang doch nach sei-
ner Auffassung "die Einheitsorganisation ... weitgehenst der bol-
schewistischen Auffassung". Hierin traf er sich mit den Vorstel-
lungen beider für die Manpower Division der Militärregierung ver-
antwortlicher Offiziere, Captain Dwyer und Major Louis. Für Dwyer
war die SFG der von Kommunisten gesteuerte Versuch "to secure a
single Organisation operating in the district to which all orga-
nised workers should contribute... (I)t was clear that the Inten-
tion of the Communists was to get a mass Organisation which, in
practice, would be more concerned with political than with indu-
strial matters (zu erreichen, daß eine einzige Organisation im
Bezirk wirksam würde, zu der alle organisierten Arbeiter einen
Beitrag leisten sollten... Es war klar, daß die Kommunisten beab-
sichtigten, sich eine Massenorganisation zu verschaffen, die in
der Praxis mehr mit politischen als mit betrieblichen Angelegen-
heiten befaßt sein würde)". Für Louis war es "eine durchaus na-
tionalsozialistische Konzeption, jetzt nur eine einzige Gewerk-
schaft einzusetzen, die ihre Vertrauensmänner den Arbeitern mehr
oder weniger aufzwingen ... würde".
Gegen eine dergestalt als totalitär qualifizierte Einheitsorgani-
sation boten sich die alten Gewerkschaftsfunktionäre zu Liquida-
toren an. Dabei waren sie möglicherweise nur zweite Wahl. An-
scheinend wurde zunächst im Gespräch mit Kalbitzer "die Mitarbeit
von Kommunisten in der SFG" mißbilligt und ihm angeboten, er
"könne seine Arbeit mit voller Unterstützung der Besatzungsbehör-
den fortsetzen, falls er sich die Kommunisten vom Hals schaffe".
57) Da er diese Offerte zurückwies, konnte der kommunistische
Einfluß in der SFG nur noch im Vorgehen gegen die gesamte Organi-
sation zurückgedrängt werden. Ein Verbot ihres Organisationsprin-
zips in Verbindung mit einer Stärkung der Position der alten Ge-
werkschaftsfunktionäre schien dafür die beste Möglichkeit.
Am 22. Mai 1945 fand im Rathaus zwischen Dwyer und Louis sowie
Bürgermeister Petersen, Schönfelder, Kruse und Lindemann eine Be-
sprechung über Gewerkschaftsfragen statt. Als Direktive der Eng-
länder wurde in ihrem Verlauf festgehalten: "Im Augenblick sind
irgendwelche Gewerkschaften, insbesondere auch nicht die SFG.,
von ihnen anerkannt. Sie hätten auch nicht die Absicht, eine ein-
zige Gewerkschaft allein anzuerkennen, insbesondere auch keine,
die irgendwie parteipolitisch orientiert sei. Die ganze Entwick-
lung sei noch im Fluß, daß man im Augenblick keine endgültigen
Entscheidungen treffen könne. Insbesondere würde es wohl notwen-
dig sein, daß die jetzt auftretenden jüngeren Gewerkschaftler
sich verständigten mit den älteren erfahrenen Männern aus der
früheren deutschen Gewerkschaftsbewegung." 58) Schönfelder, der
in dieser Sitzung wie die anderen Teilnehmer seine Unterstützung
solcher Grundsätze zugesagt hatte, trug beim nächsten Zusammen-
kommen des Vollzugsausschusses der SFG vor, "dass die Engländer
die Zusammensetzung des geschäftsführenden Fünferausschusses sehr
kritisiert hätten und zwar in der Richtung, dass nach ihrer Mei-
nung zuwenig alte Gewerkschaftler in ihm vertreten seien". 59)
Deren Reaktion auf diese Mitteilung war ebenso hintergründig wie
unverbindlich. Zwar akzeptierten sie die Erweiterung des Vor-
stands u.a. um Franz Spliedt, betonten auch protokollarisch "die
Notwendigkeit der Schaffung einer Einheitsorganisation" und er-
klärten, "dass sie einen Namen zu verlieren hätten und unter kei-
nen Umständen ihre Hand zu einer neuen Zersplitterung der Arbei-
terschaft in viele kleine und kleinste Gruppen bieten würden".
60) Tatsächlich gingen sie aber heimlich zur Fraktionsarbeit über
und schlössen sich in dem von ihnen selbst so genannten
"Ketzerklub" zusammen. Damit stellten sie sich nicht nur begriff-
lich in eine bezeichnende Tradition. Der "Ketzerklub" der SFG war
nämlich in der Hamburger Arbeiterbewegung nicht der erste dieses
Namens. Über seinen Vorläufer zu Beginn des Jahrhunderts berich-
tete das damalige Mitglied August Winnig, daß in ihm die Notwen-
digkeit der Abkehr vom Marxismus ebenso betont worden wäre wie
die der Interessengemeinschaft von Arbeitern und Arbeitgebern.
Ganz in diesem Sinn äußerte sich 1945 Spliedt lobend über die hi-
storische Bedeutung der Zentralarbeitsgemeinschaft zwischen Un-
ternehmern und Gewerkschaften ab 1918 und betonte seine dortige
Funktion als Generalsekretär der Arbeitnehmerseite. 61)
Der Versuch der SFG zur Zusammenfassung der bei ihrer Konstitu-
tion mitwirkenden Kräfte war damit gescheitert. Zwar wurde dies
nach außen hin noch nicht sichtbar. Nach wie vor beteuerten alle
Beteiligten ihren Willen zur Einheit. Nicht alle aber verstanden
dieses Bekenntnis gleich.
Auf der einen Seite standen die linkssozialdemokratischen und
kommunistischen Kräfte, die ihre noch in der Illegalität ange-
bahnte Zusammenarbeit fortsetzen wollten. Ihnen hatte sich die
ISK-Gruppe angeschlossen. Dieser Kreis begriff Einheit als Aufhe-
bung der politischen Spaltung der sozialistischen Arbeiterbewe-
gung in einer gemeinsamen Organisation. Aufgrund der drängenden
Tagesaufgaben in Verbindung mit den desolaten Arbeitsbedingungen
wurden die damit verbundenen Probleme allerdings zu wenig disku-
tiert. Nicht zuletzt trug dazu die der SFG aufgezwungene Ausein-
andersetzung mit den alten Gewerkschaftsfunktionären bei, die dem
Begriff Einheit auch schnell einen formelhaften Charakter der
Selbstversicherung beilegte. So blieb die Frage, wie die ur-
sprünglich auf einen Parteiaufbau gerichtete Intention im Rahmen
einer Gewerkschaft bewerkstelligt werden sollte, nicht minder un-
klar als die Frage, wie sich diese schon in ihrem Namen die poli-
tische Ausrichtung signalisierende Gewerkschaft den nichtsoziali-
stischen Arbeitern gegenüber verhalten sollte. Erst gar nicht
wandte man sich der Frage zu, die vor dem Zusammenschluß der So-
zialdemokratischen Arbeiterpartei und des Allgemeinen Deutschen
Arbeitervereins bereits in den frühen Jahren der deutschen Arbei-
terbewegung von Wilhelm Liebknecht mit der Maxime "Erst Einigung.
Dann Vereinigung" beantwortet worden war und sich im Hinblick auf
die ideologische Vereinheitlichung der verschiedenen Gruppierun-
gen der Arbeiterbewegung nicht nur damals stellte. 62)
Auf der anderen Seite standen die alten Gewerkschaftsfunktionäre,
für die sich Einheit in der Zusammenführung von Arbeitern, Ange-
stellten und Beamten unter Absehung von der Parteizugehörigkeit
erschöpfte. Ihre Forderung nach der unpolitischen Gewerkschaft
meinte aber tatsächlich nicht die Gleichberechtigung der Weltan-
schauungen, sondern vielmehr ihre Zusammenfassung unter sozialde-
mokratischer Hegemonie und die größtmögliche Ausschaltung des
Einflusses kommunistischer und sozialistischer Ideen und Perspek-
tiven. So hatten sich denn auch die Exponenten dieser Gruppe al-
lesamt nicht gescheut, in der Zeit der Weimarer Republik Par-
teiämter der wie die Übernahme staatlicher Ämter für die SPD mit
ihren Gewerkschaftsfunktionen zu vereinbaren. Auch nach der Zer-
schlagung des Faschismus zeigten sie in dieser Hinsicht wenig Ab-
stinenz. Spliedt hing sogar lange der Vorstellung einer Vereini-
gung sozialdemokratischer und bürgerlicher Kräfte an, die er un-
ter dem Namen Labour Party - Partei der Arbeit propagierte und
über die er auch mit Bürgermeister Petersen verhandelte. 63)
Politisch den alten Gewerkschaftsfunktionären durchaus verbunden,
verfolgte Adolph Schönfelder andere Ziele. In der SFG hielt er
sich zurück. Nach seinen Kontakten mit Bürgermeister Petersen und
der anschließenden Aufnahme in den Vollzugsausschuß fungierte er
als Verbindungsmann der Gewerkschaft zum Rathaus. Durch die von
ihm in Abstimmung mit dem Bürgermeister betriebene Personalpoli-
tik bildete sich schnell aus zur Mitarbeit herangezogenen ehema-
ligen sozialdemokratischen Amtsinhabern eine Gruppe der alten Po-
litiker und Beamten. Sie gehörten zwar nicht den Leitungsgremien
der SFG an, wurden aber durchaus überwiegend als gewerkschaftli-
che Vertrauensleute in der Verwaltung betrachtet. Traf das auch
im Hinblick auf die die verschiedenen Richtungen nach wie vor
verbindende Klammer des Antifaschismus zweifellos zu, so verband
diese Gruppe doch nichts mit der Einheitsperspektive der Gewerk-
schaftsmehrheit. 64)
Zwei Wochen, nachdem ihre Gründung erlaubt worden war und eine
Woche, nachdem sie einen Vollzugsausschuß und einen Vorstand ge-
wählt hatte, wurde der SFG von der Militärregierung mitgeteilt,
daß sie nicht anerkannt wäre und auch nicht die Absicht bestünde,
nur eine Gewerkschaft zuzulassen. Wie schon vor diesem Termin, so
wurden auch in den folgenden Tagen Mißtrauen und Unwillen der
konzertierten Aktion aus Besatzungsmacht, Rathaus und
"Ketzerklub" durch zahlreiche Aktivitäten unterschiedlichster Art
genährt. Deren Initiatoren erklärten sich oft einfach zu Zweig-
stellen der SFG, weil sie die einzige offiziell tätige Arbeiter-
organisation war. "Wild und ohne Zustimmung des Vorstandes ent-
standen, arbeiteten diese Zweigstellen' völlig unkontrolliert und
unkontrollierbar auf eigene Faust, sammelten Gelder, beschlag-
nahmten Wohnungen für Bürozwecke, Autos und Lebensmittel,
'entnazifizierten', griffen in die städtische Verwaltung ein usw.
Alles geschah im Namen der SFG": kritisierte nachträglich Spliedt
diese Entwicklung. 65)
Tatsächlich betrieben diese spontanen Initiativen und wilden
Zweigstellen allerdings keine mit den Zielen der SFG unvereinbare
Politik.
So hatte z.B. die SFG schon in ihrem Gründungsprogramm die ge-
werkschaftliche Kontrolle der Sportorganisationen für notwendig
gehalten. 66) Dementsprechend wurde ein Aufruf an die Mitglieder
der ehemaligen Arbeitersportverbände erlassen, sich "zum Kampf
gegen den Nazi-Faschismus und zur Beseitigung des noch vorhan-
denen verderblichen Einflusses" im "Sportverband der freien So-
zialistischen Gewerkschaft" zusammenzuschließen. Möglicherweise
davon unabhängig, aber ganz in diesem Sinn handelten Angehörige
des früheren Arbeiter-Wassersport-Vereins: "Die Militärregierung
sah in den Sportvereinen immer noch eine Gefahr und zögerte mit
einer Genehmigung. Um nicht in der Luft zu hängen, schlössen sich
Mitglieder der Sozialistischen Freien Gewerkschaft an."
So hatte weiter z. B. die SFG hinsichtlich der Betriebsarbeit mit
der Industrieabteilung der Gauwirtschaftskammer die Auflösung der
faschistischen Vertrauensräte vereinbart. 67) Diese Abmachung um-
schloß auch, daß antifaschistische Arbeiter bei Neueinstellungen
bevorzugt behandelt werden sollten. Praktisch geschah aber öfter
das Gegenteil. So mußte etwa die SFG am 18. Mai der Militärregie-
rung mitteilen: "Wie uns gemeldet wird, ist die Firma H. Maihak
A.G., Hamburg 39, Semperstr., dazu übergegangen, zahlreiche Ent-
lassungen von Arbeitern vorzunehmen. Die Entlassenen waren durch-
weg früher freigewerkschaftlich organisiert. Dagegen sind die Ar-
beiter, die der Nazi-Partei angehörten, im Betrieb geblieben."
Nicht anders setzten sich auch die Arbeiter einzelner Betriebe
selbst zur Wehr. In einem Brief vom selben Tag heißt es: "Wir ha-
ben in der Firma R. Noske Nachf., Hamburg-Altona, Arnoldstr.,
einen antifaschistischen Betriebsrat gewählt. Dieser Betriebsrat
wird von dem faschistischen Betriebsführer Ernst Noske nicht an-
erkannt. Die Bekanntmachungen des Betriebsrates an der schwarzen
Tafel sind von ihm wieder entfernt worden."
So hatte z.B. die SFG in ihrer Grundsatzerklärung auch verlangt,
daß Großwohnungen beschlagnahmt und an antifaschistische ehema-
lige politische Gefangene, Kriegsbeschädigte und Bombengeschä-
digte verteilt werden sollten. 68) Wo ihnen derartige Forderungen
nicht oder zu langsam umgesetzt zu werden schienen, griffen ein-
zelne Aktionsgruppen zur Selbsthilfe und benutzten dabei den Na-
men der SFG. Am 8. Juni teilte die Ortsdienststelle Bramfeld der
hamburgischen Gemeindeverwaltung der Gewerkschaft mit, sie hätte
einem sich durch SFG-Ausweis legitimierenden Gewerkschaftsvertre-
ter auf dessen Verlangen hin das frühere Heim der Hitlerjugend
als Büro zugewiesen. Nun wäre er wieder erschienen "und begehrte
Auskunft über einige Einzelfälle von im hiesigen Bezirk vorgenom-
menen Raumzuweisungen usw. In einem anderen Fall erklärte er, ei-
nem Wohnungsinhaber, der Schwierigkeiten gemacht hatte, von sich
aus zwei Kz-Häftlinge zuweisen zu wollen. - Endlich erklärte er,
daß die Raumbewirtschaftung in Bramfeld künftig unter seiner Mit-
wirkung erfolgen würde."
So hatte ferner z.B. die SFG ebenfalls in ihrer Grundsatzerklä-
rung ein hartes Vorgehen gegen Anhänger und Vertreter des Fa-
schismus wie gegen die faschistische Ideologie gefordert. 69) Am
25. Mai wiederholte die Vollzugsausschußsitzung dies in einer
Entschließung und verlangte mit Nachdruck die "Säuberung des ge-
samten Verwaltungsapparates von allen Nazi-Elementen" sowie
"(s)trengste Bestrafung aller ..., die dem Nazi-Terror Schergen-
dienste leisteten". In diese Richtung gingen auch die Überlegun-
gen zahlreicher Initiativgruppen. Die Antifaschistische Aktion
Hamburg-Marburg etwa wollte aktive Faschisten bei Aufräumungs-
und Instandsetzungsarbeiten einsetzen, und die Antifaschistische
Aktion Hamburg-Langenhorn plante zur Überwachung bekannter Fa-
schisten unter anderem auch Hausdurchsuchungen. Am 21. Mai
schrieb die Nebenstelle Finkenwärder der SFG an den Vorstand: "In
der am 19.5. stattgefundenen Gründungsversammlung wurde beschlos-
sen, zu den Sofortmaßnahmen folgenden Passus aufzunehmen: Aus-
tausch der antifaschistischen deutschen Kriegsgefangenen, die
sich bereits zu Wiederaufbauarbeiten in alliierten Ländern befin-
den bzw. noch geschafft werden sollen, gegen Nazis aus der Hei-
mat."
So hatte schließlich z.B. die SFG selbst Richtlinien für Neben-
stellen entworfen. 70) Sie trug damit sowohl den schlechten Kom-
munikations- und Verkehrswegen und der sich daraus ergebenden
Notwendigkeit, in einzelnen Stadtteilen Anlaufmöglichkeiten für
die Betriebe zu schaffen, wie dem Umstand Rechnung, daß die Zen-
trale mehrmals die Räume wechseln mußte und tageweise ganz ohne
Arbeitsmöglichkeiten und unerreichbar war. In diese Richtung
zielte unter anderem auch eine Entschließung mehrerer Mitglieder
der SFG vom 4. Juni. "Um den Aufbau der freien sozialistischen
Gewerkschaft "Ortsgruppe Hamburg" zu beschleunigen und die Orts-
gruppenleitung in ihrer schweren Arbeit zu unterstützen, wird ein
Werbe- und Propagandaausschuß für den Bezirk Innenstadt von 9 Ge-
nossen eingesetzt. Ferner wurde beschlossen, das Büro der frühe-
ren Hitlerjugend auf dem Valentinskamp in Betrieb zu nehmen, um
dort eine Aufnahme- und Auskunftstelle zu errichten. Alle Aufga-
ben auf gewerkschaftlichem, sozialpolitischem und sportlichen Ge-
biete sollen dort bearbeitet werden."
Den alten Gewerkschaftsfunktionären mußten solche unkontrollier-
baren Basisaktivitäten ein Dorn im Auge sein. Sie erklärten sich
nicht nur rückblickend den Sieg des Faschismus "in wirklich
freier Wahl" im März 1933 aus der "Unvernunft der breiten Masse"
bzw. der "Gedankenlosigkeit der breiten Massen überhaupt", die
zudem "dank einer überspannten Demokratie" noch durch das Wahl-
recht für jugendlich ungestüme und verantwortungslose Wähler ab
20 Jahren verstärkt worden wäre. 71) Auch ihr dem Neuaufbau der
Gewerkschaften zugrunde liegendes Organisationsverständnis be-
schränkte Demokratie im wesentlichen auf die durch Wahlen er-
folgte Legitimation integrer Funktionäre, deren Arbeit nicht zu-
letzt gegen die elementare Unvernunft der Basis gesichert werden
mußte. Daß bei den spontanen antifaschistischen Aktionen, die
teilweise den Namen der SFG benutzten, einzelne Übergriffe vorka-
men, die auch in den Reihen der Gewerkschaftsmehrheit mit kommu-
nistischen Initiatoren in Verbindung gebracht wurden, 72) konnte
die alten Gewerkschaftsfunktionäre nur bestärken. Sie wandten
sich vehement gegen jede Form politischer Betätigung. Von einer
Gewerkschaftsversammlung wurde berichtet: "Kummemuß warnte davor,
neue Parolen herauszugeben oder zu unterstützen wie etwa eine
'Antifa' zu gründen. Es müßten jedem die Füße unter dem Leib weg-
geschlagen werden, der es wagen sollte eine solche Politik in die
S.F.G. hineinzutragen." 73)
Der Militärregierung mußten die von der SFG offenbar nicht kon-
trollierbaren spontanen Aktivitäten im doppelten Sinn zuwiderlau-
fen. Einmal verstießen sie gegen ihr Konzept des mit Hilfe be-
währter Fachkräfte von oben gesteuerten Übergangsprozesses. Wei-
ter nährten sie ihren Verdacht auf kommunistische Konspiration.
Er wurde anscheinend auch durch die Ereignisse im Zusammenhang
mit der Rückkehr hamburgischer Häftlinge aus Buchenwald gestärkt.
Sie war gemeinsam von der SFG, Vertretern der ehemaligen politi-
schen Gefangenen und der Sozialbehörde organisiert worden. Noch
ehe am 26. Mai die Busse mit den Häftlingen eintrafen, hatten
sich zahlreiche Menschen zu ihrer Begrüßung versammelt. Während
des Wartens diskutierte man darüber, daß immer noch politische
Gefangene aus der Zeit vor dem Einmarsch der Engländer im Unter-
suchungsgefängnis saßen. Es kam zu einer spontanen Demonstration
dorthin, wobei gefordert wurde: "Heraus mit den politischen Ge-
fangenen! Die Nazis müssen rein!" Die Demonstranten wurden dar-
aufhin von englischen Soldaten auseinandergetrieben. Gegen Mit-
tag, als die Buchenwalder auf dem Karl-Muck-Platz eintrafen,
hatte sich die Menge wieder versammelt.
Inzwischen waren dort englische Panzer aufgefahren. Zu Zwischen-
fällen kam es nicht mehr. 74)
Die Militärregierung machte die SFG für den gesamten Vorgang ver-
antwortlich, obwohl sie keine Demonstration organisiert hatte und
obgleich es auch schon vorher zu Auseinandersetzungen um die
Häftlinge im Untersuchungsgefängnis gekommen war. Nach Verhand-
lungen zu ihrer Freilassung, die überlebende Mitglieder der Bäst-
lein-Jacob-Abshagen-Gruppe im Rathaus geführt hatten, soll einer
der englischen Offiziere geäußert haben: "That's our next Oppo-
nent!" 75)
Zwar konnte schließlich Ende Mai die Freilassung der politischen
Gefangenen erwirkt werden. Deren Vertreter führten aber auch noch
danach beredte Klage bei der britischen Militärverwaltung. Sie
beschwerten sich über das ihnen entgegengebrachte Mißtrauen wie
darüber, nicht zur Mitarbeit am Neuaufbau herangezogen zu werden.
Es galt ihnen als erniedrigend, daß in den Behörden ehemalige Na-
tionalsozialisten für sie zuständig waren. Sie beklagten, nicht
öffentlich über ihre Leiden berichten zu dürfen, während aller-
orts noch Enbleme des Faschismus zu sehen wären. Ihrer Meinung
nach war zu befürchten, daß die verstreichende Zeit von den frü-
heren Parteigängern des Faschismus genutzt würde, um sich zu tar-
nen. Einen Durchschlag ihres ausführlichen Beschwerdebriefes an
die Militärregierung sandten sie auch der SFG zu, die im Entwurf
eines Schreibens an die Militärbehörden die von den ehemaligen
politischen Gefangenen vorgebrachten Beanstandungen und Befürch-
tungen unterstrich und u. a. forderte: "Ausmerzung aller Organi-
sationen und Hilfsorganisationen von offenen und getarnten Nazis
unter Mitwirkung der politischen Gefangenen und der gewählten
Vertreter der Arbeiterschaft... Berücksichtigung der Kämpfer ge-
gen den Hitlerismus bei der Einstellung von Polizei, bei den Be-
hörden (Sozialverwaltung, Arbeits-, Wohnungs- und Wirtschaftsäm-
tern, Erziehungsanstalten usw.) und in den Betrieben, um die
Schaffung eines Kaders von bewussten, aufrechten Antifaschisten
in der deutschen Verwaltung zu ermöglichen." 76)
Ebenso wie Unruhen während der Rückkehr der Buchenwaldhäftlinge
und Beschwerden und Forderungen der ehemaligen politischen Gefan-
genen, warfen die Engländer lokale betriebliche Aktionen wie Ak-
tivitäten der wilden Zweigstellen und die Forderungen nach Mit-
wirkung am Verwaltungsaufbau der SFG als unerlaubte politische
Betätigung vor. Gleichzeitig galten ihnen alle diese Ereignisse
als Ausdruck getarnter Operationen der Kommunisten. Entsprechend
heißt es in einem Bericht von Generalmajor Templer: "During week
ending 15 Jun undermentioned events showed SFG was in fact cloak
for Communist party (A) Threat of strike if certain employers al-
leged to be Nazis not dismissed (B) Demands to fill vacant em-
ployers posts with Communist part members of SFG (C) Demands for
members of SFG to fill key posts in civil adm. and police (D) Pu-
blic demonstrations (In am 15. Juni endender Woche zeigten unten
erwähnte Vorfälle, daß SFG tatsächlich Deckmantel für Kommunisti-
sche Partei war (A) Drohung mit Streik, falls bestimmte Arbeitge-
ber, die angeblich Nazis sind, nicht abgesetzt werden (B) Forde-
rungen, vakante Arbeitgeberposten mit Mitgliedern des kommunisti-
schen Teils der SFG zu besetzen (C) Forderungen, daß Mitglieder
der SFG Schlüsselpositionen in Zivilverw. und Polizei einnehmen
(D) Öffentliche Demonstrationen)." 77)
Bei genauer Betrachtung zeigt sich, daß diese Anschuldigungen zum
einen Teil erfunden und zum anderen Teil auf Aktivitäten der 8FG
bezogen waren, die durchaus in den von der Militärregierung ge-
setzten Grenzen verliefen. Übrig bleibt mithin letztlich nur der
Vorwurf, daß kommunistische Funktionsträger die Politik der SFG
mitbestimmten und mittrugen.
Tatsächlich trug die SFG ihre Forderungen nach Beteiligung an der
Verwaltung weder in der Sache unnachgiebig noch hinsichtlich der
Personen unflexibel oder gar auf Vertreter einer bestimmten poli-
tischen Richtung abstellend vor. Sie akzeptierte Bürgermeister
Petersens Entschluß zur Ernennung Schönfelders zum Zweiten Bür-
germeister und Landahls zum Schulsenator. Sie erklärte sich ein-
verstanden mit der auf einer Entscheidung des Militärkommandanten
beruhenden Berufung Georges zum Polizeichef. Sie hatte nichts
einzuwenden gegen die durch Empfehlung Schönfelders erfolgende
Bestellung Borgners zum Leiter des Ernährungs- und Wirtschaft-
samtes. Ihr Vorschlag, Bannwarth zum Verantwortlichen für die
Elektrizitätswerke zu machen, deckte sich mit einem schon vorher
gefaßten Beschluß des Bürgermeisters. 78)
Auch in der Frage der Beteiligung der alten Gewerkschaftsfunktio-
näre zeigte sich die SFG von Anfang an integrationsbereit. Bei
der Wahl des Vollzugsausschusses wurden sie zahlreich berücksich-
tigt. Viele von ihnen waren unter den für die einzelnen Indu-
striegruppen benannten Obleuten. Der Kritik der Besatzungsmacht
an ihrer fehlenden Repräsentanz im Vorstand wurde mit der Zuwahl
von Franz Spliedt Rechnung getragen. Mit Paul Tastesen erweiterte
man den Vorstand dabei gleichzeitig auch um einen Vertreter des
Einheitskurses und betonte damit, was Schönfelder noch in den er-
sten Tagen der SFG sich selbst wie den alten Funktionären ins
Stammbuch geschrieben hatte. Ihre Mitarbeit wurde befürwortet,
ihr Anspruch auf Einnahme alter Führungspositionen zurückgewie-
sen. 79)
Was schließlich die zahlreichen Aktivitäten in den Betrieben und
offiziellen wie wilden Nebenstellen der SFG anbelangte, so ver-
suchte sie, darauf im Sinne der Militärregierung mäßigend einzu-
wirken oder erklärte solche Initiativen für außerhalb der SFG
stehend. Die betrieblichen Vertrauensleute erhielten immer wieder
den Hinweis, daß Versammlungen ebenso wie politische Betätigung
verboten wären. Von den Arbeitersportlern trennte man sich ganz.
Mit antifaschistischen Aktionen erklärte der Vorstand nichts zu
tun zu haben, auch wenn Gewerkschaftsmitglieder in ihnen mitwirk-
ten. Um die Handlungen wilder Nebenstellen zu unterbinden, erließ
die SFG zunächst Richtlinien und beschloß, daß sämtliche Ent-
scheidungen und jeder Schriftverkehr nur vom Vorstand auszugehen
hätten. Endlich löste sie sogar die offiziellen Nebenstellen auf.
Außerdem wurden zur Verbesserung der Kontrolle die ursprünglich
ausgegebenen Ausweise für ungültig erklärt und durch neue er-
setzt. 80)
Weil sie so dem Druck der Besatzungsmacht nachgab, konnte die SFG
ihr Weiterbestehen vorerst sichern. Allerdings hatte sie dafür
nicht nur restriktive Organisationsprinzipien akzeptiert, die ihr
vor allem eine intensive Breitenarbeit in den Betrieben unmöglich
machten. Sie hatte sich auch selbst von den verschiedenen Basis-
aktivitäten distanziert. Im Ergebnis sah sie sich den von der Mi-
litärregierung für Unternehmervereinigungen und Gewerkschaften
erlassenen Richtlinien gegenüber: "Die Errichtung von Gewerk-
schaften wird gestattet... Der Wirkungskreis der Gewerkschaften
muß zunächst einmal begrenzt bleiben und gänzlich frei von Poli-
tik und politischer Betätigung sein... In diesem Stadium sind Zu-
sammenschlüsse von Vereinigungen nicht wünschenswert ... Unter-
nehmervereinigungen auf industrieller Basis können gefördert wer-
den. Solche Vereinigungen müssen wirtschaftlicher Art und ohne
politische Betätigung sein. Sie können auf Wunsch der Handelskam-
mer angeschlossen werden." 81)
Nach dem anfänglichen Erfolg der SFG, bei dem sich die Wahl des
eine einheitliche Organisation der Arbeiterbewegung anstrebenden
Vorstands und der schnelle und starke Mitgliederzuwachs ergänz-
ten, war der Anspruch der antifaschistischen Kräfte der Arbeiter-
bewegung auf Mitarbeit beim Neuaufbau der Gesellschaft in die
Grenzen bürgerlichen Politikverständnisses verwiesen. Ihm gelten
Kapitalist und Lohnarbeiter als gleichrangige Partner, die ihre
Beziehungen auf dem Markt aushandeln. Daß sich dabei tatsächlich
das gesellschaftliche Arbeitsvermögen auf viele einzelne Arbeiter
aufgeteilt und die gesellschaftlichen Arbeitsbedingungen in der
Hand eines einzelnen Kapitalisten konzentriert gegenüberstehen,
wird ebenso von der Form des individuellen Arbeitsvertrags ver-
schleiert wie von der bürgerlichen Rechtswissenschaft geleugnet.
Indem sie der Organisation der Arbeiter berufliche und betriebli-
che Schranken setzte und Zusammenschlüsse solcher Vereinigungen
als nicht wünschenswert bezeichnete, verhinderte die Militärre-
gierung, daß in der SFG eine Kraft entstanden wäre, die den Neu-
aufbau machtvoll in Richtung auf eine Neuordnung hätte beeinflus-
sen können. Indem sie in scheinbarer Neutralität auch die Bildung
von Unternehmervereinigungen und deren Anschluß an die Handels-
kammer erlaubte, ermöglichte sie dem Kapital die Herstellung op-
timaler Ausgangsbedingungen für einen erfolgreichen Restaurati-
onsprozeß.
Konkret wurde dies noch dadurch unterstützt, daß die hamburgische
Bourgeoisie viele ihrer wirtschaftlichen Vereinigungen nicht neu
zu bilden brauchte. Wie die Gauwirtschaftskammer, die sich übri-
gens am selben Tag, an dem der SFG ihre offizielle Anerkennung
verweigert worden war, aus Gründen der "Zweckmäßigkeit" in Han-
delskammer rückbenannt hatte, ohne Einschnitt fortbestand, so
konnte z.B. mit dem Verein Hamburger Exporteure auch eine der be-
deutendsten Unternehmerorganisationen ohne Unterbrechung weiter-
arbeiten. Zwar war er in der Zeit des Faschismus, wie die anderen
Verbände der Wirtschaft auch, offiziell gleichgeschaltet und da-
mit nominell aufgelöst worden. Reell bestand er aber im Rahmen
der Abteilung Außenhandel der Reichsgruppe Handel als Geschäfts-
stelle II der Unterabteilung Ausfuhr fort. Nach der Niederlage
des Faschismus arbeitete diese Geschäftsstelle weiter und berei-
tete ihre Rückwandlung in den Verein Hamburger Exporteure vor.
Daß dabei kein Wechsel in der Geschäftsführung nötig wurde, ver-
anschaulicht die Kontinuität der Tätigkeit des Vereins auch im
personellen Bereich.
Die Personalunion bei der Besetzung seiner und wichtiger Funktio-
nen der Handelskammer verweist auf die Bedeutung des Vereins für
das hamburgische Wirtschaftsleben. 82)
Hatte die nachgiebige Haltung der SFG auch ihre weitere Duldung
durch die Militärregierung bewirkt, so verfing sie gegenüber den
alten Gewerkschaftsfunktionären freilich nicht. Sie hatten ihr
Ziel nicht erreicht und setzten ihre Fraktionsarbeit fort. Am 9.
Juni fand eine Sitzung des "Ketzerklubs" statt, an der 27 Perso-
nen teilnahmen. 83) Der genaue Verlauf und die Ergebnisse der Be-
sprechung sind nicht bekannt, können aber mit den vorliegenden
Informationen rekonstruiert werden. Wahrscheinlich berichtete
zunächst Spliedt über die Vorstandssitzung der SFG vom vergange-
nen Tag, an der er teilgenommen und in deren Verlauf er bemängelt
hatte, daß es erneut Beschwerden über politische Aktionen der Ne-
benstellen gegeben hätte. Der Vorstand faßte daraufhin den Be-
schluß, sämtliche Nebenstellen sofort zu schließen und bekundete
weiter, jede von der Militärregierung verbotene Handlung vermei-
den zu wollen. Wäre es den alten Gewerkschaftsfunktionären allein
um die politisch enthaltsame, streng die Auflagen der Besatzungs-
macht beachtende Organisation gegangen, so hätten sie solchen Be-
schluß als weitgehende Einlösung ihrer Forderungen ansehen müssen
- zumal ja schon in vorhergehenden Sitzungen der Aufbau der Indu-
striegruppen unter starker Berücksichtigung ihrer Beteiligung
festgelegt worden war. Wenn sie aber gehofft haben sollten, daß
das Politikverbot genügen würde, um die Einheitskräfte zur Auf-
gabe zu bewegen und die SFG den alten Funktionären zu überlassen,
so mußten sie sich getäuscht sehen und zu einschneidenderen Maß-
nahmen als ihrer bisherigen Intrigenstrategie greifen. Erfolgver-
sprechend erschien ihnen dazu anscheinend ein Vorgehen, das
gleichzeitig die SFG endgültig diskreditieren und die Militärre-
gierung veranlassen mußte, sie zugunsten des "Ketzerklubs" aufzu-
lösen. Einerseits wurde daher beschlossen, aus der SFG auszutre-
ten und so deren Unfähigkeit zur Integration zu demonstrieren.
Andererseits wurde der Militärregierung eine Liste mit den Namen
von "fachlich berufenen und wahren Vertretern der Hamburger Ar-
beiterschaft" 84) zugeleitet.
Ironischerweise erfuhr der Vorstand der SFG von diesem Treffen
des "Ketzerklubs" dadurch, daß es ihm von Captain Dwyer in einer
Besprechung am 12. Juni als unerlaubte Gewerkschaftsveranstaltung
vorgeworfen wurde. 85) Auf die neue Situation reagierte er noch
am selben Tag mit der Umbenennung der SFG, die nun "Allgemeiner
Gewerkschaftsbund Hamburg" heißen sollte. Außerdem wurden die Be-
schlüsse zur Auflösung der Nebenstellen und Ungültigkeit der al-
ten Mitgliedsausweise bekräftigt. Ferner sollten jetzt innerhalb
einer Woche die Industriegruppen als Industrieverbände "aus sich
heraus" gebildet werden. Daß sich unter den dafür Verantwortli-
chen keiner der alten Gewerkschaftsfunktionäre mehr befand,
spricht dafür, daß diese ihre Mitarbeit aufgekündigt hatten.
Gleichwohl versuchte die SFG, die vom "Ketzerklub" vollzogene
Spaltung rückgängig zu machen. Neben Gesprächen zwischen Schmede-
mann und Spliedt als Exponenten beider Gruppen wurden dabei auch
die Kontakte aus der Zeit gemeinsamer illegaler Arbeit genutzt.
In einem hieran erinnernden Brief an Beben, an dessen Ende die
Aufforderung zur gemeinsamen Weiterarbeit stand, hieß es unter
anderem: "Es ist mir völlig klar, daß Euer Austritt aus der Ge-
werkschaft kein Verzicht auf weitere gewerkschaftliche Tätigkeit
sein kann. Ihr habt damit vielmehr bewußt die Gefahr einer Spal-
tung der kaum begonnenen gewerkschaftlichen Arbeit heraufbeschwo-
ren... Nach 12 Jahren Mord und Unterdrückung haben wir als einzi-
gen Aktivposten den Keim einer Einheit der deutschen Arbeiterbe-
wegung gewonnen... Noch ist das Unrecht unserer Klassenfeinde
nicht wieder gut gemacht, noch leben die Mörder unserer Toten,
und wieder haben sich die faschistischen bürgerlichen Kräfte nur
verkrochen. Sollen wir uns im Lager der Arbeiterklasse in dieser
Situation gegenseitig vernichten? Auf nichts anderes aber läuft
eine Spaltung hinaus." 86)
Möglicherweise um die entstandene Erregung zu dämpfen und ihr Um-
schlagen in öffentliche Auseinandersetzungen zu verhindern, be-
teiligten die ihres Erfolges inzwischen gewissen alten Gewerk-
schaftsfunktionäre sich am 15. Juni an einer Vollzugsausschußsit-
zung der SFG. Die Ereignisse der letzten Tage wurden auf Mißver-
ständnisse zurückgeführt, und Spliedt erklärte sich bereit, am
nächsten Tag zusammen mit Schmedemann bei Dwyer den Einheitswil-
len aller Gewerkschaftler zu erklären. In dieser Besprechung ver-
langte Dwyer die Auflösung der SFG. An ihrer Stelle sollten unab-
hängige Industrieverbände gebildet werden. Entsprechend wurde auf
der anschließenden Sitzung beider Gruppierungen in einer Ent-
schließung "Zur Gründung freier Gewerkschaften in Hamburg" fest-
gestellt: "Die Sozialistische Freie Gewerkschaft wird ... nicht
fortgeführt, sondern in eine Reihe von selbständigen Gewerkschaf-
ten umgewandelt." 87) Gleichzeitig benannte man Verantwortliche
für den Aufbau der neuen Verbände - "mit dem Ergebnis, dass der
Einfluß der jungen Gewerkschafter fast gänzlich ausgeschaltet
wurde". 88)
Die Einheitskräfte der SFG waren geschlagen. Um die offene Spal-
tung der Gewerkschaftsbewegung zu verhindern, stimmten sie der
Auflösung der SFG zu und setzten sich gegen ihre weitgehende Au-
ßerachtlassung bei der Planung der neuen Organisationen nicht zur
Wehr. Im stillen verbanden sie damit die Hoffnung, "die Arbeiter
würden bei der ersten von der Militärregierung zugelassenen Wahl
die alten Männer abwählen und die ursprüngliche Führung wieder-
einsetzen". 89) Doch weder die Besatzungsmacht noch der
"Ketzerklub" gaben sich mit diesem Sieg zufrieden. Am 20. Juni
zwang Dwyer unter Androhung ihrer Verhaftung die einheitsorien-
tierten Mitglieder des Vorstands, ein Auflösungsprotokoll der SFG
und darin die von ihm diktierte Formulierung zu unterschreiben,
"dass alle wahrhaften Gewerkschaftsführer der Meinung sind, dass
die politische Betätigung der Sozialistischen Freien Gewerkschaft
nicht den wahren Interessen der Gewerkschaftsmitglieder ent-
spricht". 90) In den folgenden Tagen begannen die alten Gewerk-
schaftsfunktionäre mit der Bildung von Vorständen für die neuen
Industrieverbände, ohne dabei Vertreter der Einheitspolitik zu
berücksichtigen. 91) Als schließlich die Liste der künftigen Ge-
werkschaftsvorsitzenden komplett war, standen auf ihr nur noch
Namen von Angehörigen des "Ketzerklubs". Das gleiche galt für den
als Dachorganisation gebildeten Verwaltungsausschuß der hamburgi-
schen Gewerkschaften unter dem Vorsitz von Franz Spliedt.
Am selben Tag, an dem die Militärregierung den Einheitskräften
aus dem Vorstand der SFG die Unterschriften zu deren Auflösung
abgepreßt hatte, war für den Präses der Handelskammer Hamburg die
Zeit gekommen, zu der er meinte, endgültig zurücktreten zu kön-
nen. In seiner Abschlußrede blickte er ebenso beruhigt zurück wie
zuversichtlich in die Zukunft: "Ich glaube auch, wir können stolz
darauf sein, daß die Wirtschaft Hamburgs auch in den schwersten
Zeiten immer wieder ihren Mann gestanden hat. So, wie beim Um-
bruch 1933 ein Mann der Hamburger Wirtschaft und Mitglied der
Handelskammer, Herr Krogmann, zum Bürgermeister ernannt wurde, so
wurden wiederum bei dem Zusammenbruch 1945 die wichtigsten Stel-
len der hamburgischen Verwaltung mit 2 Herren aus dem Beirat der
Kammer besetzt: Herr Petersen wurde zum Bürgermeister und Herr
Kruse zum Leiter der Verwaltung für Handel, Schiffahrt und Ge-
werbe berufen. Es zeigt dies, daß die Wirtschaft über ihren Rah-
men hinaus in Hamburg von ausschlaggebender Bedeutung ist und
bleiben wird." 92)
_____
*) Mit der Sozialistischen Freien Gewerkschaft (SFG) beschäftigen
sich ausführlich H. Christier: Sozialdemokratie und Kommunismus.
Die Politik der SPD und der KPD in Hamburg 1945-49. Hamburg 1975,
S. 59-78; H. Christier: Die Sozialistische Freie Gewerkschaft in
Hamburg. In: Arbeiterinitiative 1945. Hrsg. v. L. Niethammer, U.
Borsdorf, P. Brandt. Wuppertal 1976, S. 305-329; J. Klein: Ver-
eint sind sie alles? Untersuchungen zur Entstehung von Einheits-
gewerkschaften in Deutschland. Hamburg 1972, S. 192-199; J.
Klein: Die Entstehung einer neuen Gewerkschaftsbewegung in Ham-
burg nach dem Nationalsozialismus (1945/46). Hamburg 1982 (Als
Ms. vorgelegt bei der Tagung Arbeiter in Hamburg des Hamburger
Arbeitskreises für Regionalgeschichte. Der Aufsatz wurde in die
Publikation der Tagungsbeiträge nicht aufgenommen - vgl. Arbeiter
in Hamburg. Hrsg. v. A. Herzig, D. Langewiesche, A. Sywottek.
Hamburg 1983); A. Kaden/Einheit oder Freiheit. Die Wiedergründung
der SPD 1945/46. Berlin, Bonn 1980 (Nachdruck der Ausgabe Hanno-
ver 1964), S. 51-58.
Archivbestände zur oder mit Bezug zur SFG befinden sich im
Staatsarchiv Hamburg (StAH), im Archiv der Forschungsstelle für
die Geschichte des Nationalsozialismus in Hamburg (Fst.), im Ar-
chiv der Ernst Thälmann Gedenkstätte Hamburg (ETG) und im Public
Record Office in London (PRO). Umfangreiche Unterlagen sind im
Privatbesitz von Hellmut Kalbitzer (Material Kalbitzer).
Aus Kreisen der SFG ist nach deren Auflösung ein "Bericht über
die Entwicklung der Sozialistischen Freien Gewerkschaft in Ham-
burg" angefertigt worden. Er existiert in zwei zum Teil deutlich
unterschiedlichen Fassungen, die nach den Exemplaren in Fst. 554-
8-7 (Gewerkschaften Hamburg SFG) als Bericht Fst. und in ETG Ord-
ner SFG als Bericht ETG zitiert werden. Der Bericht Fst. umfaßt
mit Anlagen 20 durchgezählte Seiten. Er ist hektographiert. Ein
24 Blätter umfassender maschinenschriftlicher Durchschlag der
Vorlage dieses Berichts mit handschriftlichem Datum (26. 7. 45)
befindet sich im Material Kalbitzer. Es enthält außerdem drei ma-
schinenschriftliche Entwürfe: einen "Bericht über das Werden der
S.F.G." (3 Blätter) mit Stempel "Lorenz Borchers" (Entwurf Bor-
chers), einen "Bericht über die Entwicklung der S.F.G." (2 Blät-
ter) mit der Unterschrift von W. Schmedemann (Entwurf Schmede-
mann), eine nicht betitelte Fassung (5 Blätter) mit dem hand-
schriftlichen Vermerk "Entwurf von Kalbitzer" (Entwurf Kalbit-
zer). Der Bericht ETG umfaßt 7 Seiten und zusätzlich 2 + 4 + 2 +
3 Seiten Anlagen. Er liegt als Kopie einer maschinenschriftlichen
Fassung vor.
1) Vgl. Hamburger Freie Presse vom 30.4.1947.
2) Vgl. Wirtschaftsplan Hamburg 1940. Bearbeitet bei der Indu-
strie- und Handelskammer. 2 Bde. Hamburg o. J.; E.-A. Gramann:
Von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft. In: G. Schröder u.a.:
Rückkehr zum Markt. Hamburg 1982, S. 73 ff.
3) Vgl. U. Puls (d.i. U. Hochmuth): Die Bästlein-Jacob-Abshagen-
Gruppe. Bericht über den Widerstand während des zweiten Welt-
krieges in Hamburg. Berlin 1959.
4) Vgl. V.R. Berghahn: Hamburg im Frühjahr 1945. Stimmungsbe-
richte aus den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges. In: Ham-
burgische Geschichts- und Heimatblätter, 1969, 9, S. 194-211.
5) E. Helfferich an K. Kaufmann vom 13. 4. 1945. In: E. Helffe-
rich: Ein Leben. Bd. IV. Jever 1964, S. 285.
6) Zum Keppler-Kreis vgl. u.a. E. Czichon: Wer verhalf Hitler zur
Macht? Zum Anteil der deutschen Industrie an der Zerstörung der
Weimarer Republik. Köln 1967; D. Stegmann: Kapitalismus und Fa-
schismus in Deutschland 1929-1943. In: Gesellschaft. Beiträge zur
Marxschen Theorie 6. Frankfurt 1976, S. 19-91; Helfferich, S. 9
ff. Zum Schreiben an Hindenburg siehe Eingabe von Industriellen,
Bankiers und Großagrariern an Reichspräsident von Hindenburg vom
18.11.1932. In: R. Kühnl: Der deutsche Faschismus in Quellen und
Dokumenten. Köln 1977, S. 160 ff.; J. Petzold: Großbürgerliche
Initiativen für die Berufung Hitlers zum Reichskanzler. In: Zeit-
schrift für Geschichtswissenschaft, l, 1983, S. 38-54.
Helfferich wurde 1946 für mehrere Monate interniert und schließ-
lich 1949 in Kategorie V der Entnazifizierung als unbelastet ein-
gestuft (vgl. Helfferich, S. 290 ff.).
7) H. Riensberg: Pro Memoria betr. Vorschläge für militärische
Aktionen der Westalliierten im Frühjahr 1945 (vom 10.4.1945). In:
K.D. Möller: Das letzte Kapitel. Geschichte der Kapitulation Ham-
burgs. Hamburg 1947, S. 172.
8) Zum Nationalklub vgl. Mitglieder-Verzeichnis des Nationalklubs
von 1919 e.V. Hamburg (Stand Februar 1933); W. Jochmann: Im Kampf
um die Macht. Hitlers Rede vor dem Hamburger Nationalklub von
1919. Frankfurt 1960; K. Gossweiler: Hitler und das Kapital 1925-
1928. In: Blätter für deutsche und internationale Politik, 7,
1978, S. 842-860 und 8, 1978, S. 993-1009. Zur Nachkriegsplanung
siehe u.a. W. Schumann: Politische Aspekte der Nachkriegsplanung
des faschistischen deutschen Imperialismus in der Endphase des
zweiten Weltkrieges. In: Zeitschrift für Geschichtswissenschaft
5, 1979, S. 395-408 und W. Schumann: Die wirtschaftspolitische
Überlebensstrategie des deutschen Imperialismus in der Endphase
des zweiten Weltkrieges. In: Zeitschrift für Geschichtswissen-
schaft, 6, 1979, S. 499-513. Riensberg wurde nach seiner Rückkehr
nach Deutschland kurzfristig interniert. Ab 1946 war er Vorsit-
zender des Verbandes Deutscher Reeder (vgl. StAH V e r b i n-
d u n g s s t e l l e zur Militärregierung III 1c - R. Petersen
an Headquarter Military Government Hamburg vom 24.1.1946 und FAZ
vom 25.7.1984).
9) Vgl. U. Büttner: Hamburg in der Staats- und Wirtschaftskrise
1928-31. Hamburg 1982, S. 58.
10) Vgl. C. V. Krogmann: Es ging um Deutschlands Zukunft 1932-
1939. Leoni 1976, S. 42; W.
Keppler an C.V. Krogmann vom 2.3.1933 (StAH Familienarchiv
Krogmann C 14 I 1933); H. Timpke: Dokumente zur Gleichschaltung
des Landes Hamburg 1933. Frankfurt 1967, S. 79.
11) Vgl. Anlage zum Schreiben W.A. Burchard-Motz an J. Holland
vom 22.6.1960 (StAH Familienarchiv Burchard B 1); W. Jochmann:
Die Errichtung der nationalsozialistischen Herrschaft in Hamburg.
In: U. Büttner, W. Jochmann: Hamburg auf dem Weg ins Dritte
Reich. Hamburg 1983, S. 63.
12) Aufzeichnungen des Bürgermeisters a. D.W.A. Burchard-Motz
über seine Teilnahme an den Kapitulationsverhandlungen für Ham-
burg. In: Möller, S. 128 f. u. S. 166 ff., hier S. 129; zu weite-
ren Teilnehmern an den Übergabeverhandlungen siehe a.a.O.
Burchard-Motz gehörte 1945 zu den Mitbegründern der hamburgischen
CDU. Seiner Mitgliedschaft in der NSDAP wegen übernahm er jedoch
keine führenden Ämter (vgl. H.G. Wieck: Die Entstehung der CDU
und die Wiedergründung des Zentrums im Jahre 1945. Düsseldorf
1953, S. 170, 184, 195).
13) Vgl. U. Hochmuth, G. Meyer: Streiflichter aus dem Hamburger
Widerstand 1933-1945. Frankfurt 1980, S. 386 und W. Johe: Neuen-
gamme. Zur Geschichte der Konzentrationslager in Hamburg. Hamburg
1981, S. 36.
14) Vgl. R. Goguel: "Cap Arcona". Report über den Untergang der
Häftlingsflotte in der Lübecker Bucht am 3. Mai 1945. Frankfurt
1972.
15) Vgl. Bericht Fst, S. 1; Bericht ETG, S. 1. Im folgenden wer-
den nur Namen von Mitgliedern der SFG erwähnt, die später zu de-
ren erweitertem Vorstand und Vollzugsausschuß gehörten - vgl. die
Namensliste im Schreiben Sozialistische Freie Gewerkschaft an Mi-
litary Government Hamburg vom 25. 5. 1945 (ETG Ordner SFG). Die
Anzahl derer, die aus Widerstand und illegaler Arbeit zum mit der
SFG verbundenen politischen Neuaufbau übergingen, war wesentlich
größer.
16) Vgl. F. Spliedt: Der Neuaufbau der Hamburger Gewerkschaften.
In: Neues Hamburg, l, 1947, S. 71; F. Spliedt: Die Gewerkschaf-
ten. Entwicklung und Erfolge. Hamburg o.J., S. 83; Zum Aufbau der
Deutschen Gewerkschaft nach Aussagen W. Leuschners vor der Ge-
stapo. In: G. Ritter: Carl Goerdeler und die deutsche Wider-
standsbewegung. München 1964, S. 547. Franz Spliedt, geb. 18. 1.
1877. Tapezierer. 1912 Vorsitzender des Tapeziererverbands, 1921
im Vorstand des ADGB. 1931 Reichstagsabgeordneter der SPD. 1945
im Vorstand der SFG ("Ketzerklub"), nach deren Auflösung Vor-
standsvorsitzender des Verwaltungsausschusses der Gewerkschaften
Hamburgs.
Hugo Schotte, geb. 30.10.1875. Schlosser. 1919 Funktionär des
Zentralverbandes der Maschinisten und Heizer. 1924-1933 Bürger-
schaftsabgeordneter der SPD, 1933 Gewerkschaftsfraktion und Ho-
spitationsverhältnis zur NSDAP. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG
("Ketzerklub").
Adolph Schönfelder, geb. 5.4.1875. Zimmerer. 1905 Gewerkschafts-
sekretär, später Vorsitzender des Zentralverbands der Zimmerer.
Ab 1915 Bürgerschaftsabgeordneter der SPD, 1925 Bausenator, 1926-
1933 Polizeisenator. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG, im Juni 2.
Bürgermeister Hamburgs.
17) Vgl. Mitteilung Kalbitzer (die Mitteilungen H. Kalbitzers
stammen aus drei Gesprächen vom 17. 1. 1983, 16. 8. 1984 und
20.8.1984. Am ersten war auch Jacques Breuer beteiligt. Ihm und
Eva Schmidt habe ich neben anderen für anregende Diskussionen zu
danken); W. Link: Die Geschichte des Internationalen Jugend-Bun-
des (IJB) und des Internationalen Sozialistischen Kampf-Bundes
(ISK). Meisenheim am Glan 1964, S. 314; W. Röder: Die deutschen
sozialistischen Exilgruppen in Großbritannien 1940-1945. Bonn-Bad
Godesberg 1973, S. 230 ff.; C. Bär: Von Göttingen über Osleb nach
Godesberg. Hamburg 1979, S. 134. Mit Schönfelder setzte sich Kal-
bitzer im März 1945 in Verbindung - vgl. H. Kalbitzer in Ein Le-
ben für Hamburg (Erinnerungen an Schönfelder), Abendecho vom
5.5.1966.
Hellmut Kalbitzer, geb. 17.11.1913. Kaufmann. Aktiv im ISK. 1938
wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 2 Jahren Gefängnis verur-
teilt. 1945 im Vorstand der SFG. Paul Bebert, geb. 3.10.1893.
Bauarbeiter. Seit 1911 Mitglied der SPD, seit 1924 Gewerkschafts-
angestellter. Während des Faschismus mehrmals verhaftet und ver-
urteilt. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG ("Ketzerklub"), nach
deren Auflösung Leiter des Baugewerksbundes. Walter Schmedemann,
geb. 3.2.1901. 1933 Bürgerschaftsabgeordneter der SPD. Danach
fünfjährige Haft, u. a. in Fuhlsbüttel und Sachsenhausen. 1945 im
Vorstand der SFG.
18) Vgl. Hochmuth, Meyer, S. 351; Spliedt, Neuaufbau, S. 70; Ham-
burg Intelligence Office. Special Political Report No. 3 (PRO, FO
1014/508), S. 1.
Gottlieb Weide. KPD. Zu Beginn des Faschismus Haft in Fuhlsbüt-
tel. Betriebszellenarbeit in der Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe.
1945 im Vollzugsausschuß der SFG. Hans Schnoor. SPD. Vor 1933 in
Hamburg führend im Metallarbeiterverband tätig. Während des Fa-
schismus Kontakt zu Weide u.a. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG
("Ketzerklub"). Wilhelm Petersen, geb. 3.7.1889. Werkzeugmacher.
Nach dem 1. Weltkrieg Gewerkschaftsangestellter, dann Leiter des
Metallarbeiterverbands. 1933 Bürgerschaftsabgeordneter der SPD,
danach Gewerkschaftsfraktion und Hospitationsverhältnis zur
NSDAP. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG ("Ketzerklub"), nach de-
ren Auflösung Leiter des Metallarbeiterverbands. Hans Ek, geb.
22.9.1899. KPD. Mitglied des Metallarbeiterverbands. 1945 im
Vollzugsausschuß der SFG.
19) Mitteilung Dethlefs (die Mitteilungen F. Dethlefs stammen aus
drei Gesprächen vom 10. 1. 1983, 27. 1. 1983 und 10.8.1984. An
den beiden ersten war auch J. Breuer beteiligt); gegen Weide und
Westphal wurde im Zusammenhang des Verfahrens Bästlein u.a. er-
mittelt - vgl. Schreiben des Generalstaatsanwalts beim Hanseati-
schen Oberlandesgericht an den Oberstaatsanwalt beim Volksge-
richtshof vom 12. 4. 1943 (Fst. 812-7 KPD 1933-1945 Bästlein-
Gruppe).
Friedrich Dethlefs, geb. 25. 11. 1909. Kaufmann. Mitglied im Zen-
tralverband der Angestellten. KPD. 1931 im Zusammenhang mit der
Westermann-Gruppe ausgeschlossen, nach 1935 nach Verbüßung einer
Haftstrafe wieder Parteimitglied. 1945 im Vorstand der SFG. (1949
erneut aus der KPD ausgeschlossen, seit Anfang der 50er Jahre
Mitglied der SPD). Johann Westphal, geb. 21.9.1886. Schmied.
Werftarbeiter. 1924-1933 Bürgerschaftsabgeordneter der KPD. 1945
im Vollzugsausschuß der SFG.
Lorenz Borchers, geb. 3. 5. 1897. Ingenieur. Vor 1933 Stadtver-
ordneter der SPD. 1945 im Vorstand der SFG.
20) Beide Motive finden sich verzahnt in Aussagen des von Mai bis
Oktober 1945 als Stellvertreter des Kommandanten der hamburgi-
schen Militärregierung fungierenden Colonel R. Allhusen (vgl. H.
A. Balshaw: The British Occupation in Germany, 1945-1949. With
Special Reference to Hamburg. (Masch. Diss.) Oxford 1972, S. 41.
Zur Ausgangssperre siehe: ... mehr als ein Haufen Steine. Hamburg
1945-1949. Hrsg. v. K. Grobecker, H.-D. Loose, E. Verg. Hamburg
1981, S. 12. Zur Verhaftung Kaufmanns siehe Möller, S. 152.
21) Vgl. u. a. die einschlägigen Passagen in W. Churchill: The
Second World War. 6 Bde. London 1948-1954, v. a. Bd. V (Closing
the Ring. London 1952) und Bd. VI. (Triumph and Tragedy. London
1954).
22) Bekannt ist die Tagebuchnotiz Alanbrookes vom 27. 7. 1944:
"Deutschland ist nicht länger die Vormacht Europas - Rußland ist
es... Erhaltet deshalb Deutschland, baut es allmählich auf und
bringt es in einen europäischen Verband. Unglücklicherweise muß
das alles unter dem Mantel einer Heiligen Allianz zwischen Eng-
land, Rußland und Amerika geschehen" (A. Bryant: Sieg im Westen
(1943-1946). Aus den Kriegstagebüchern des Feldmarschalls Lord
Alanbrooke, Chef des Empire-Generalstabs. Düsseldorf 1960, S.
242). Beim militärischen Oberbefehlshaber der britischen Besat-
zungszone verband sich der Antikommunismus unmittelbar mit einer
antigewerkschaftlichen Attitüde: "In einigen Gegenden der engli-
schen Zone gab es deutliche Anzeichen für die Wühlarbeit russi-
scher Kommunisten... Die Russen unterstützten die Gewerkschaften.
Ich beschloß, das nicht zu tun, ich war zwar sehr dafür, daß sie
langsam den Verhältnissen entsprechend wachsen sollten, aber da-
gegen, daß sie 'forciert' wurden. Dadurch hoffte ich zu errei-
chen, daß im Laufe der Zeit aus ihren eigenen Reihen die richti-
gen Leute an die Spitze kamen. Gingen wir jedoch zu schnell vor,
so bestand die Gefahr, daß die Gewerkschaften in falsche Hände
gerieten und daraus Schwierigkeiten entstanden" (Marshall Montgo-
mery: Memoiren. München 1958, S. 427 f.). Für den Leiter der Zi-
vilabteilung der Militärregierung, Generalmajor Templer, bestand
im Mai 1945 die Hauptgefahr darin, daß die deutsche Bevölkerung
"might in their despair be driven to accept communism. And that
in turn would automatically mean the extension of Russian influ-
ence over the industrial heart of Western Europe (in ihrer Ver-
zweiflung dazu getrieben werden könnte, den Kommunismus zu akzep-
tieren. Und das wieder würde dann automatisch die Ausdehnung des
russischen Einflusses auf das industrielle Herz Westeuropas be-
deuten)" (Baishaw, S. 31, auf Grundlage eines Interviews mit Tem-
pler). Der stellvertretende Militärkommandant Hamburgs, R. Allhu-
sen, war übrigens zuvor Adjutant Templers gewesen (vgl. a.a.O.,
S. 39 f.).
23) Britische Deutschlandpolitik wurde in der Vorbereitung auf
die Besetzung sowohl vom Fo-reign Office als auch vom War Office
bestimmt (zur Struktur vgl. als Überblick U. Reusch: Die Londoner
Institutionen der britischen Deutschlandpolitik 1945-1948. In:
Historisches Jahrbuch, 1980, S. 318^41. J. Thies: What is going
on in Germany? Britische Militärverwaltung in Deutschland
1945/46. In: C. Scharf, H.-J. Schröder (Hrsg.): Die Deutschland-
politik Großbritanniens und die Britische Zone 1945-1949. Wiesba-
den 1979, S. 29-50, zeigt die verschiedenen politischen Linien
innerhalb der britischen Deutschlandpolitik auf).
24) Vgl. Baishaw, S. 38 ff. Die britischen Offiziere werden im
folgenden mit der Rangbezeichnung genannt, die sie zum Untersu-
chungszeitpunkt hatten.
25) Vgl. Spliedt, Neuaufbau, S. 72. Über Anzahl, Ort und Zeit der
Teilnehmer bei den verschiedenen Treffen und Aktionen vor dem 7.
Mai besteht keine Klarheit - vgl. Christier, S. 60, 284; Arbeite-
rinitiative, S. 306; Kaden, S. 53 f.; Klein, S. 3.
26) Vgl. Hamburg Intelligence Office; W. Petersen an H. Böckler
vom 4.12.1945 (Abschrift für Spliedt) (Fst. 554-8-7). Vgl. weiter
zur ursprünglichen Zusammensetzung der bei der Militärregierung
vorstellig gewordenen Gruppen Hamburg Intelligence Office, S. 1;
zur späteren Entwicklung siehe a. a. O., S. lf.; Bericht Fst., S.
15; Bericht ETG, Anlage 5.
27) Richtlinien zur Ausarbeitung unseres Programms (8. Mai 1945).
In: Bericht Fst, S. 7 f.; Bericht ETG, Anlage 1; gekürzt abge-
druckt in F. Deppe, L. Müller, K. Pickshaus, J. Schleifstein:
Einheitsgewerkschaft. Frankfurt 1982, S. 137.
28) Bericht Fst., S. 2. Dieser Passus fehlt im Bericht ETG.
29) Vgl. Bericht Fst., S. 1: "Es zeigte sich anfangs die Schwie-
rigkeit, die verschiedenen schon früher bestehenden Gruppen orga-
nisatorisch zusammenzufassen." In einer offenbar als Entwurf für
die "Richtlinien zur Ausarbeitung unseres Programms" dienenden
"Mitteilung unserer politischen und gewerkschaftlichen Situation
vor 1933" (8. Mai 1945) (ETG Ordner SFG) heißt es: "Die Schwie-
rigkeit besteht darin, daß sich die während der Naziherrschaft
illegal Arbeitenden jetzt erst zusammenfinden." In den
"Richtlinien" wird diese Formulierung positiv gewendet: "Unsere
augenblickliche Arbeit besteht darin, die sozialistische freie
Gewerkschaft aufzubauen, indem wir die aus der Illegalität stam-
menden Gruppen zusammenführen" (Bericht Fst., S. 7; Bericht ETG,
Anlage 1). Im Unterschied zum Bericht Fst. erwähnt der Bericht
ETG keine anfänglichen Schwierigkeiten, sondern formuliert die
wiederum im Bericht Fst. nicht enthaltene Forderung: "In den er-
sten gemeinsamen Besprechungen wurde festgehalten, daß es notwen-
dig sei, eine einheitliche Gewerkschaftsbewegung zu schaffen,
weil das eines der Mittel ist, die vor 1933 bestehende Zerrissen-
heit der Arbeiterklassen zu beseitigen und den Kampf gegen den
Nationalsozialismus für den Wiederaufbau Hamburgs und darüber
hinaus Deutschlands erfolgreich durchzuführen" (Bericht ETG, S.
1).
30) Später äußerte Tastesen dazu: "Bei der Gründung der SFG habe
es unter den Initiatoren eine Diskussion um die Namensgebung ge-
geben. Er habe als einziger gegen die Bezeichnung 'Sozialistische
Freie Gewerkschaft' gesprochen und gestimmt. Die politische Trag-
weite der Namensgebung in der damaligen Situation sei den anderen
offenbar nicht klar gewesen. Ihm, Tastesen, habe jedoch von An-
fang an das Ziel einer Einheitsgewerkschaft auf der Basis von In-
dustriegruppen, die alle früheren Richtungsgewerkschaften, auch
die nichtsozialistischen, einschließen sollte, vor Augen gestan-
den" (Aufzeichnung eines Gesprächs von A. Weinrich mit P.
Tastesen vom 1. 3. 1971, ETG; vgl. auch Christier, S. 284).
31) Vgl. Bericht Fst, S. 1; Spliedt, Neuaufbau, S. 73.
32) Vgl. K. Marx: Instruktionen für die Delegierten des Proviso-
rischen Zentralrats zu den einzelnen Fragen. In: MEW Bd. 16, S.
196.
33) Vgl. Bericht Fst, S. 3, Bericht ETG, S. 3. Bei Spliedt, Ge-
werkschaften, S. 90, heißt es, Dwyer hätte anläßlich dieser oder
einer ähnlichen Gelegenheit das Gewerkschaftshaus räumen lassen.
Die Berichte (a.a.O.) halten übereinstimmend fest: "Die Folge
war, dass das Gewerkschaftshaus tagelang von der Straße her bela-
gert wurde von Kollegen, die Auskünfte haben und Mitteilungen ma-
chen wollten und Diskussionen veranstalteten."
34) Bericht Fst., S. 1. Der Bericht ETG, S. 2, weicht in der For-
mulierung leicht ab. Im Entwurf Kalbitzer, S. l, heißt es zudem,
daß Schönfelder auch "den alten Angestellten gegenüber mit Nach-
druck betonte, dass sie jetzt abzutreten hätten und den Jungen
höchstens Unterstützung geben könnten".
35) Vgl. F.-W. Witt: Die Hamburger Sozialdemokratie in der Weima-
rer Republik. Hannover 1971, S. 51 u. 167; siehe auch Polizeibe-
hörde Hamburg an den Reichsminister des Innern (Entwurf) vom 2.
3. 1933, abgedruckt bei A. Voß, U. Büttner, H. Weber: Vom Hambur-
ger Aufstand zur politischen Isolierung. Hamburg 1983, S. 180.
Daß Schönfelder wegen dieser Politik belastet war, behaupteten
nicht nur zahlreiche kommunistische Äußerungen vor 1933. Auch
1945 heißt es z. B. in einem Brief Walter Auerbachs: "Social De-
mocratic police presidents were a speciality of the Weimar Repu-
blic and whether they were efficient demociats or not they came
to be hated as little Noskes among radical workers' groups as
soon as they had to suppress riots, or even to protect Nazi de-
monstrations. Schoenfeider shared this sort of popularity with
the other Social Democratic police presidents among those radical
worker groups who were active in clandestine groups and will now
be most active in partly evacuated Hamburg. As I told you last
week it is to be assumed that these workers will regard Schoen-
felder as a symbol of oppression and his new appointment as a
provocation. That will hold good especially if the Communist came
into key position in Hamburg (Sozialdemokratische Polizeipräsi-
denten waren eine Besonderheit der Weimarer Republik und wurden,
ob sie tüchtige Demokraten waren oder nicht, in radikalen Arbei-
terkreisen als kleine Noskes gehaßt, sobald sie Aufruhr unter-
drücken oder sogar Nazidemonstrationen schützen mußten. Mit ande-
ren sozialdemokratischen Polizeipräsidenten teilte Schönfelder
diese Art von Popularität bei jenen radikalen Arbeiterkreisen,
die in Untergrundgruppen aktiv waren und jetzt im teilweise eva-
kuierten Hamburg höchst aktiv sein werden. Wie ich Ihnen letzte
Woche sagte, muß angenommen werden, daß diese Arbeiter Schön-
felder als Symbol der Unterdrückung und sein neues Amt als Provo-
kation ansehen werden. Dies wird vor allem auch dann so sein,
wenn der Kommunist in Hamburg in Schlüsselpositionen gelangt)"
(W. Auerbach an Mr. Vallence vom 2.7.1945. Archiv der sozialen
Demokratie, Bestand Auerbach, Mappe 56 (Korrespondenz)).
36) Vgl. zu Ehrenteit Witt, S. 52; zu seiner Rede im April 1933
siehe Die freie Gewerkschaft vom 19. 4. 1933 (die Zeitung er-
schien als offizielles Mitteilungsblatt des ADGB-Ortsausschusses
Hamburg im Verlag John Ehrenteit unter Verantwortung von Paul
Bresk, der 1945 in den Vollzugsausschuß der SFG gewählt wurde und
dort zum "Ketzerklub" gehörte); zur Gewerkschaftsfraktion vgl.
Witt, S. 195ff.; Jochmann, S. 60 ff.
37) Mitteilung Dethlefs. Mitteilung Kalbitzer. Aus Hamburg ging
Ehrenteit nach Berlin (vgl. Fst. 554-2-8 (Korrespondenz Spliedt),
H. Schlimme an F. Spliedt vom 12.9.1945: "Soeben besucht mich
John Ehrenteit, den ich versuchen will, in die neue staatliche
Versicherung einzubauen"), wo er anscheinend aktiv in der
"Unabhängigen Gewerkschaftsorganisation" die Spaltung des Berli-
ner FDGB mitbetrieb (vgl. Hamburger Volkszeitung vom 28.4.1948).
38) Ausschuß und Vorstand der SFG wurden am 14. Mai 1945 gewählt.
Diese Datierung weicht von dem in der Literatur im Anschluß an
Spliedt, Gewerkschaften, S. 90, genannten Termin 11. Mai ab (vgl.
Kaden, S. 54; Christier, S. 63; Arbeiterinitiative, S. 309;
Klein, S. 3), ist jedoch nach der Materiallage wahrscheinlich.
Danach wurden von Dwyer Versammlungen mit mehr als 30 Teilnehmern
verboten. Daß er gleichzeitig die Bildung eines Vollzugsausschus-
ses mit 36 Mitgliedern (Bericht Fst, S. 1; Bericht ETG, S. 2) er-
laubt haben sollte, ist unlogisch. Vielmehr hat die SFG "with
British consent a general comittee of 25" (Hamburg Intelligence
Office, S. 1) gebildet. (Vgl. auch Entwurf Schmedemann, wo es
heißt: "Es wurde der Vorschlag gemacht, zunächst als provisori-
sche Leitung ... eine Körperschaft von 25 Personen zu wählen.")
Zusätzlich hat sie einen zunächst vierköpfigen Vorstand gewählt.
In einem Protokoll der SFG, Sitzung vom 14.5.1945 (ETG Ordner
SFG) wird ein Vorstand "Kalbitzer, Schmedemann, Dethlefs, Bor-
chers" genannt. In einem Brief aus ISK-Kreisen vom 13.5.1945
("Lieber Fritz, liebe Freunde", ETG Ordner SFG) heißt es in einem
PS vom 15. 5.: "Hellmut ... ist gestern zum Vorsitzenden gewählt
worden." Zusätzlich zum Vorstand zählt das SFG-Protokoll vom 14.
5. die Mitglieder eines "Arbeitsausschusses" auf. Unter den 27
Namen befindet sich einer doppelt (W. Kors) und als einziger von
denen der Vorstandsmitglieder nochmals der von Dethlefs. Ohne ihn
und unter Absehung von der Doppelnennung ergibt sich die von den
Engländern genannte Mitgliederzahl 25. Schon am nächsten Tag wur-
den Umstrukturierungen vorgenommen. Als 1. Vorsitzender fungierte
jetzt W. Schmedemann. Außerdem bestand der Vorstand jetzt aus 5
Mitgliedern. H. Ek war hinzugekommen (Protokollsitzung 15.5.1945,
Briefkopf Lorenz Borchers, ETG Ordner SFG). Gleichzeitig wurde
z.B. M. Düsedau zum Leiter der Abteilung Kasse/Mitgliederkartei
bestimmt (a.a.O.). Sein Name fehlt noch in der Ausschußliste vom
14. 5., ist aber in einer Liste vom 25. 5. enthalten, die 37
Mitglieder des Vollzugsausschusses aufzählt (Sozialistische Freie
Gewerkschaft an Military Government Hamburg vom 25. 5. 1945. ETG
Ordner SFG). Die SFG scheint also sofort begonnen zu haben, ihre
Leitungsgremien über die von der Militärregierung zugelassene
Zahl hinaus zu erweitern: "the comittee itself ran foul of the
British authorities by adding to its existing number without
permission" (Hamburg Intelligence Office, S. 2). Dabei wurde
offensichtlich nicht einseitig vorgegangen. Unter den neuen
Mitgliedern befanden sich ebenso Angehörige des ISK (C. Bär) wie
des späteren "Ketzerklubs" der alten Gewerkschaftler (H.
Davidsen). Auch der angeblich politisch ambitionslose A. Schön-
felder war unter ihnen.
39) Vgl. Niederschrift über die Beiratssitzung der Gauwirt-
schaftskammer Hamburg am 7. Mai 1945. In: Dokumente zur Ge-
schichte der Handelskammer Hamburg. Hamburg o.J., S. 210; W.
Johe: Bürgermeister Rudolf Petersen. Ein Beitrag zur Geschichte
der politischen Neuordnung in Hamburg 1945-1946. In: Jahrbuch des
Instituts für Deutsche Geschichte der Universität Tel Aviv, 3,
1974, S. 379-415, hier S. 389; H. Bielfeldt: Vom Werden Groß-Ham-
burgs. Citykammer, Gauwirtschaftskammer, Handelskammer. Politik
und Personalia im Dritten Reich. Hamburg 1980, S. 229 u. 144. Ab
Februar 1946 wurde de la Camp für ein Jahr interniert und im Mai
1948 von der Zentralstelle für Hamburger Berufungsausschüsse als
Mitläufer des Faschismus in Kategorie IV entlastet (vgl. Biel-
feldt, S. 117).
40) Vgl. Hamburger Nachrichtenblatt vom 13. 8. 1945; Baishaw, S.
79.
41) Vgl. zum Vorhergehenden Johe sowie die Aufzeichnungen von P.
Lindemann (StAH Familienarchiv Lindemann 13 und Familienarchiv
Petersen 0-43). Siehe ferner zu Martini und Lindemann Johe, S.
388, und die diversen Hinweise in StAH Familienarchiv Lindemann
14. Zur Gauwirtschaftskammer vgl. de la Camp an Petersen vom 16.
5. 1945 und Petersen an de la Camp vom 16. 5. 1945 (beide StAH
Familienarchiv Petersen 0-40 Bd. 1).
42) Zu Petersens verwandtschaftlichen Beziehungen vgl. Hamburgi-
sches Geschlechterbuch. Bd. 12, bearbeitet von H. v. Marchtaler.
Limburg 1975, S. 273-304; sein Großvater und sein Bruder waren
ebenfalls Hamburger Bürgermeister gewesen (vgl. Johe, S. 383 f.);
zu seinen Funktionen in der Weimarer Republik gehörten u.a.: Mit-
gliedschaft in der Handelskammer Hamburg, Vorsitzender des Ver-
eins Hamburger Exporteure, Vorsitzender des Verbands Deutscher
Exporteure, Vizepräsident des Reichsverbands des Deutschen Groß-
und Überseehandels, Vorstandsmitglied des Arbeitgeberverbands des
Großhandels in Hamburg (alle Angaben nach G. Wenzel: Deutscher
Wirtschaftsführer. Hamburg, Berlin, Leipzig 1929, S. 1687).
43) Vgl. Petersens Charakterisierung durch Colonel Allhusen bei
Baishaw, S. 104: "Petersen, although a thoroughly loyal German,
was completely anglophied; suits from Saville Row, shoes from
Peels. He spoke beautiful English. A very charming old gentle-
man... From the British point of view he was admirable (Petersen
war, obwohl äußerst loyaler Deutscher, völlig anglo-phil; Anzüge
von Saville Row, Schuhe von Peels. Er sprach wunderbar Englisch.
Ein sehr charmanter alter Gentleman... Vom britischen Standpunkt
aus gesehen war er großartig)"; zu Petersens Einstellung gegen-
über dem Kommunismus vgl. a.a.O., S. 95 ff. und Johe, S. 404 f.
44) Bericht Fst., S. 2; eine Notiz gleichen Wortlautes findet
sich in ETG Ordner SFG.
45) Vgl. StAH Senatskanzlei II 039.15-1/1 (Besprechungen des Bür-
germeisters mit der Militärregierung 1945-1951), Niederschrift
vom 15. 5. 1945: "Zunächst wurde die Personalliste durchgespro-
chen ... Der Colonel sagte, daß ich die Verantwortung für die Zu-
verlässigkeit der jetzigen Herren übernehme, was ich bejahte,
selbstverständlich tun zu können. Er versicherte mich dann seiner
vollen Unterstützung und sagte, daß er glaube, daß durch meine
Person die Sicherheit einer reibungslosen Zusammenarbeit gegeben
sei. Ich sagte, daß ich in dieser Beziehung einige Vorschläge
habe, zunächst, daß der Wunsch der Gewerkschaften, bei den ein-
zelnen Ressorts Vertrauensleute zu ernennen, nur in Übereinstim-
mung zwischen ihm und mir geregelt würde. Er erklärte dazu ohne
weiteres seine Bereitwilligkeit und sagte, daß die Gewerkschaften
wohl in absehbarer Zeit in Funktion treten sollten, aber keiner-
lei politische Funktion ausüben dürften. Er ersuchte mich, den
Wunsch der Gewerkschaften auf Einmischung in die Personalfragen
abzulehnen und dieselben anzuweisen, ihre Wünsche mir gegenüber
zu äußern, damit ich sie dann mit ihm besprechen könne."
46) Vgl. Bericht ETG, S. 2f., wo auch festgehalten wird, daß die
SFG gegen diese Politik Protest einlegen wollte.
47) Vgl. R. Petersen: Bürgermeister in schwerer Zeit. In: Neues
Hamburg, l, Hamburg 1947, S. 16; H. Dreckmann: Hamburg nach der
Kapitulation. Hamburg 1970, S. 42. Kruse gehörte seit 1931 dem
Plenum der Handelskammer an, von 1935 bis 1942 war er deren Vize-
präses (vgl. Bielfeldt, S. 115). Auf Anweisung der Engländer
mußte er im November 1945 als Senator zurücktreten, weil er "zu
sehr mit der Nazizeit verbunden" gewesen wäre (StAH Familienar-
chiv Petersen 0-40 Bd. 2, R. Petersen an A. Frowein vom 28. 11.
1945).
48) Zu Schönfelder s.o. Anm. 16 u. 35; Landahl war vor 1933 Mit-
glied der DDP und hatte, wenn auch mit Bedenken, den Übergang zur
Staatspartei mitgemacht (vgl. Büttner, S. 467 f.). Ab 1924 Mit-
glied der Hamburger Bürgerschaft, wurde Landahl 1933 in den
Reichstag gewählt. Er gehörte dort zu den 5 Abgeordneten der
Staatspartei, die für das Ermächtigungsgesetz stimmten (Dietrich,
Heuss, Landahl, Lemmer, Maier). Dabei sollen sich einerseits
Dietrich und Heuss gegen ihre Überzeugung "der dreiköpfigen Mehr-
heit" der Fraktion gefügt haben (E. Matthias, R. Morsey: Die
Deutsche Staatspartei. In: dies. (Hrsg.): Das Ende der Parteien
1933. Königstein, Düsseldorf 1979, S. 68). Andrerseits schrieb
Landahl, als in der SPD, der er sich nach 1945 anschloß, Kritik
an seinem damaligen Verhalten laut wurde: "In demokratischer Dis-
ziplin habe ich mich schweren Herzens dem Beschluß meiner Par-
teifreunde gefügt" (H. Landahl an K. Meitmann vom 28. 5. 1946,
ETG Ordner SPD 1946). Zum Treffen Landahl-Schönfelder-Petersen
siehe die Aufzeichnungen Paul Lindemanns (wie Anm. 41). Die offi-
zielle Ernennung Landahls und Schönfelders erfolgte erst am 6.
Juni (vgl. Dreckmann, S. 42). Zumindest Schönfelder hat schon we-
sentlich vorher inoffiziell amtiert und auch an den Besprechungen
des Bürgermeisters mit der Militärregierung teilgenommen (vgl. z.
B. StAH Senatskanzlei, Protokoll vom 22.5.1945).
49) Zu Schönfelders nachträglicher Aufnahme in den Vollzugsaus-
schuß vgl. Anm. 38. Über die geplante Ernennung ließen Landahl
und Schönfelder die SFG im dunkeln. Noch in der Vorstandssitzung
vom 23. Mai wurde über ein Telefongespräch mit Landahl berichtet:
"Alle Verhandig, weg. uns. 'Regierungsbeteiligung' seien noch
vollständig in der Schwebe, und selbst-verständl. werden keine
Verhandig., weder von ihm noch von Schönfelder, ohne unser vorhe-
riges Einverständnis erfolgen" (Protokoll der Vorstandsbespre-
chung vom 23.5.1945, Material Kalbitzer). Die von Schönfelder zu
seiner Amtsübernahme später verbreitete Version (vgl. Christier,
S. 77 f.) ist dagegen legendär.
50) StAH Senatskanzlei Rücksprache Basedows mit Rickards vom
16.5.1945. Zum Vorstehenden vgl. a.a.O., Aktennotiz zur Bespre-
chung Petersens mit Rickards vom 15.5.1945.
51) Vgl. Gauwirtschaftskammer Hamburg, Abteilung Industrie, Rund-
schreiben Nr. 75 vom 18. 5. 1945; Sozialistische Freie Gewerk-
schaft, Richtlinien für Betriebsratswahlen; Richtlinien der So-
zialistischen Freien Gewerkschaft Hamburg für den Aufbau der Or-
ganisation und für Wahlen der Personalvertretungen (auch abge-
druckt in Einheitsgewerkschaft, S. 138); Sozialistische Freie Ge-
werkschaft, An unsere Mitglieder!; Sozialistische Freie Gewerk-
schaft, Abschrift: Betr. Beziehungen zwischen den Unternehmern
und den Arbeitnehmern vom 30.5.1945; (Vorläufige Richtlinien für)
Industriegruppenleiter vom 31.5.1945 (sämtlich in ETG Ordner
SFG). Siehe ferner Bericht Fst., S. 2 f.
52) Dabei dürften die guten Beziehungen W. Petersens zu Dwyer
hilfreich gewesen sein - vgl. Petersen an Böckler vom 4.12.1945
(wie Anm. 26); J. Kolb: Metallgewerkschaften in der Nachkriegs-
zeit. Köln 1983, S. 36.
53) Vgl. die Übersicht bei E. Schmidt: Die verhinderte Neuordnung
1945-1952. Frankfurt 1970, S. 36ff.; siehe ferner F. Hartmann:
Geschichte der Gewerkschaftsbewegung nach 1945 in Niedersachsen.
Hannover 1972, S. 64ff.; Klein, Vereint. S. 303ff.
54) Vgl. Aktennotiz zur Organisationsausschußsitzung vom
18.5.1945 (Material Kalbitzer; der Auszug in Anlage II zum Be-
richt Fst., S. 8, ist gekürzt), wo als Industriegruppen aufge-
zählt werden: 1. Handel und Banken, Sparkassen, Versicherungen,
2. Bau und Holz, 3. Graphische Gewerbe, 4. Textil und Bekleidung,
5. Chemie und Leder, 6. Öffentliche Betriebe (Energie; Gesund-
heits- und Fürsorgewesen; Polizei, Feuerwehr; Schulwesen; Staats-
und Reichsdienst, die nicht unter Verkehr aufgeführt sind), 7.
Eisen und Metall, 8. Nahrungsmittel, 9. Freie Berufe, 10. Forst-
und Landwirtschaft, 11. Verkehr (Reichsbahn; Reichspost; Schif-
fahrt; Hochbahn, Straßenbahn, Autobusse; Tansport).
55) Vgl. Schreiben von Petrikowski vom 8. 5. 1945 (Material Kal-
bitzer); Büros der Industriegruppen, die außerhalb liegen (ETG
Ordner SFG); Bericht Fst, S. 10 (Anlage IV).
56) Spliedt, Gewerkschaften, S. 89. Vgl. zum folgenden F. Spliedt
an H. Schlimme vom 21. 9. 1945 (Fst. 554-2-8); Dwyers Äußerungen
machte er gegenüber dem stellvertretenden Generalsekretär der
T.U.C., Tewson - vgl. R. Steininger: England und die deutsche Ge-
werkschaftsbewegung 1945/46. In: Archiv für Sozialgeschichte, 18,
1978, S. 63; zu den Äußerungen von Louis vgl. StAH Senatskanzlei,
Niederschrift über die Sitzung vom 21. 5. 1945.
57) Zwischen B e f r e i u n g u n d B e s a t z u n g. Ana-
lysen des US-Geheimdienstes über Positionen und Strukturen deut-
scher Politik 1945. Hrsg. v. U. Borsdorf u. L. Niethammer. Wup-
pertal 1976, S. 126.
58) StAH Senatskanzlei Niederschrift über die Besprechung über
Gewerkschaftsfragen vom 22.5.1945.
59) Bericht Fst, S. 9; Bericht ETG, Anlage 3, S. 1.
60) Bericht Fst., S. 9; Bericht ETG, Anlage 3, S. 1. Zur Erweite-
rung des Vorstands siehe unten Anm. 79.
61) Der Begriff "Ketzerklub" kommt in den Berichten der SFG nicht
vor. Dagegen wird er von Spliedt, Neuaufbau, S. 74, und Spliedt,
Gewerkschaften, S. 92, verwandt. Zu Winnigs Bericht vgl. A. Win-
nig: Vom Proletariat zum Arbeitertum. Hamburg 1941, S. 141 ff.,
v.a. S. 144. Zu Spliedts Ausführungen vgl. F. Spliedt: Kurze Dar-
stellung der Entwicklung der deutschen Gewerkschaften, insbeson-
dere der "freien" Gewerkschaften, und die Entwicklung des Deut-
schen Arbeitsrechts und der gewerkschaftlichen Mitwirkung in Fra-
gen der Wirtschaft (als Manuskript gedruckt als Eingabe an die
Militärregierung). Hamburg (September) 1945, S. 5 f.
62) Der den genannten Gruppierungen gemeinsame Wille zur Einheit
wie ihre Konfrontation mit den alten Gewerkschaftsfunktionären
geht aus allen Beschreibungen der SFG hervor (vgl. Bericht Fst.,
Bericht ETG, Spliedt, Neuordnung und Spliedt, Gewerkschaften). In
den zuordenbaren Stellungnahmen aus dem Vorstand der SFG wird
diese Konstellation noch stärker hervorgehoben (vgl. Entwurf Kal-
bitzer, Entwurf Schmedemann).
Zum Vereinigungsprozeß von SDAP und ADAV vgl. u.a. E. Kundel: Der
Vereinigungsprozeß der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und
des Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins. In: Revolutionäres
Parteiprogramm - Revolutionäre Arbeitereinheit. Frankfurt 1975,
S. 175 ff.
63) Zum Einheitsbegriff der alten Gewerkschaftler vgl. u.a.
Spliedt, Neuaufbau, S. 75. Zu Spliedts Plänen einer Labour Party
vgl. F. Moraw: Die Parole der "Einheit" und die Sozialdemokratie.
Bonn-Bad Godesberg 1973, S. 123; Wieck, S. 179 u. 181 f.; Klein,
S. 10.
64) Schönfelders Personalpolitik war in der SFG umstritten - vgl.
Tastesen; siehe ferner die Kritik am mangelnden Einfluß auf die
Verwaltung und die Forderung, neben Schönfelder zwei weitere Ver-
bindungsleute zur Verwaltung zu benennen (Bericht Fst., S. 14;
Bericht ETG, Anlage 3, S. 4).
65) Spliedt, Gewerkschaften, S. 91.
66) Vgl. Anm. 27. Zum folgenden siehe Sportverband der freien So-
zialistischen Gewerkschaft Hamburg. Aufruf! (ETG Ordner SFG, auch
abgedruckt in Einheitsgewerkschaft, S. 139) und Festschrift zum
50jährigen Bestehen des Arbeiter-Wassersport-Vereins von 1909.
67) Vgl. Anm. 51. Zum folgenden siehe Sozialistische Freie Ge-
werkschaft an Dwyer vom 18. 5. 1945 (wegen Maihak); Brief von 6
Arbeitern der Firma Noske vom 18. 5. 1945 (beide Material Kalbit-
zer).
68) Vgl. Anm. 27. Zum folgenden siehe Schreiben der Gemeindever-
waltung der Hansestadt Hamburg Ortsdienststelle Bramfeld an den
Leiter der Freien Sozialistischen Gewerkschaft vom 8.6.1945 (ETG
Ordner SFG).
69) Vgl. Anm 27. Zum folgenden siehe Entschließung (der Vollzugs-
ausschußsitzung der SFG vom 25. 5. 1945) (Material Kalbitzer); zu
den Antifaschistischen Aktionen K. Grünen: Sozialistische Freie
Gewerkschaft Hamburg (Masch. MS, ETG Ordner SFG), S. 7f.; Sozia-
listische Freie Gewerkschaft Nebenstelle Finkenwärder an den 5-
Ausschuß der Sozialistischen Freien Gewerkschaft Hamburg vom 21.
5. 1945 (Material Kalbitzer).
70) Vgl. Sozialistische Freie Gewerkschaft. Entwurf. Richtlinien
für Nebenstellen (ETG Ordner SFG). Zum folgenden siehe Notiz zur
Besprechung mit Dwyer am 24. 5. 1945: "Mitgliedsaufnahme ist für
den Moment gesperrt, weil wir ohne Büro sind" (ETG Ordner SFG)
sowie Bericht Fst., S. 3, und Bericht ETG, S 3f.; Entschließung
(zur Gründung der Nebenstelle Innenstadt) vom 4. 6. 1945 (ETG
Ordner SFG).
71) Spliedt, Kurze Darstellung. S. 11 f. Zum Demokratieverständ-
nis der alten Gewerkschaftsfunktionäre vgl. Kolb, S. 37.
72) Vgl. etwa den Hinweis bei Grunert, S. 8: "Gleich nach dem
Einmarsch der Engländer kam es in Wilhelmsburg zu spontanen, un-
koordinierten und oft von persönlichen Rachegefühlen geleiteten
Aktionen der Antifaschisten gegen die Nazis. Daraufhin bildete
sich sofort das AntiNazi-Komitee, das diese 'wilden' Aktionen
planmäßig zu sinnvoller Aufbauarbeit hinführte." Siehe weiter die
Äußerung Kalbitzers, "die Kommunisten hätten sich in den ersten
Tagen ein gewisses Maß an 'wildem' Verhalten zu Schulde kommen
lassen (Beschlagnahme von Wohnungen und Möbeln, gesetzwidrige
Amtsanmaßung) und diese Auswüchse hätten der ganzen Gruppe einen
schlechten Ruf eingebracht" (Befreiung und Besatzung, S. 126).
73) Bericht über die am 3.6.45 in Farmsen stattgefundene Sitzung
der SFG, einberufen durch den Kollegen Kummernuß (ETG Ordner
SFG).
Adolf Kummemuß, geb. 23.6.1895. Hafenarbeiter. Seit 1927 haupt-
amtlicher Gewerkschaftsfunktionär. 1935-1937 Gefängnis und KZ-
Haft. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG ("Ketzerklub"), nach deren
Auflösung Leiter des Gesamtverbands der Verkehrs- und Gemeindear-
beiter.
74) Vgl. zum vorstehenden Bericht über die Sitzung der Sozialver-
waltung am 19.5.1945 im Biberhaus und Bericht über die Beschaf-
fung von Autos für Buchenwaldrückkehrer vom 26.5.1945 (beide ETG
Unterlagen WM); L. Suhling: Der unbekannte Widerstand. Frankfurt
1980, S. 169 (dort auch die Parolen).
75) Hochmuth, Meyer, S. 381 (Bericht von Arthur Matschke).
76) Die verantwortlichen Vertrauensmänner der Sozialistischen
Freien Gewerkschaft machen die englischen Militärbehörden auf
folgende Tatsachen aufmerksam (Entwurf) (ETG Ordner SFG). Zum
Vorstehenden vgl. Die ehemaligen politischen Gefangenen an den
Beauftragten für Arbeiterfragen der Militärregierung vom 5.6.1945
und Die ehemaligen politischen Gefangenen an die Sozialistische
Freie Gewerkschaft vom 6. 6. 1945 (beide ETG Ordner Komitee ehe-
maliger politischer Gefangener 1945).
77) PRO, FO 945/903 From EXFOR to WAR OFFICE vom 1.7.1945 (Secret
for General Anderson from Templer).
78) Zur Ernennung Schönfelders und Landahls s.o. Anm. 48. Die Be-
rufung Georges veranlaßte Armytage entgegen einem anderen Vor-
schlag Schönfelders und R. Petersens (vgl. StAH Senatskanzlei,
Besprechung zwischen Armytage, Brown, Petersen und Lindemann vom
25.5.1945). Die SFG äußerte dazu, Georges sei "von uns für seine
Stellung nicht vorgeschlagen, wir sind jedoch mit seiner Berufung
zum Chef der Polizei sehr einverstanden" (Sozialistische Freie
Gewerkschaft an Military Government vom 5.6.1945 - ETG Ordner
SFG). Der Vorschlag Borgner wurde von Schönfelder gemacht (vgl.
a.a.O.: "wogegen wir nichts eingewandt haben"), geht aber seiner-
seits auf eine Anregung des von R. Petersen ursprünglich vorgese-
henen ehemaligen Senators Everling zurück (vgl. Aufzeichnungen
Lindemanns - wie Anm. 41). Mit Bannwarth nennt die SFG (vgl. Be-
richt Fst., S. 11 - Vorstandssitzung vom 30.5.1945) einen Kandi-
daten, der vom Bürgermeister bereits 2 Wochen früher selbst für
diesen Posten vorgesehen war (vgl. StAH Senatskanzlei, Bespre-
chung zwischen Petersen und Rickards vom 17.5.1945).
79) Zum ursprünglichen Vollzugsausschuß vgl. Protokoll der SFG,
Sitzung vom 14.5.1945 (ETG Ordner SFG). Zur Benennung von Obleu-
ten siehe Protokoll der Vorstandsbesprechung vom 23. 5. und Pro-
tocol of the Session of the Executive Committee of the Socialist
Free Trade Union on May 25th, 1945 (beide Material Kalbitzer);
von den Mitgliedern des "Ketzerklubs" wurden danach u.a. berück-
sichtigt: Bebert, Mack, Thoma, Loges, Karstens, Pufal, Behrens,
Kummernuß. Zur Erweiterung des Vorstands vgl. Bericht Fst., S.
13; Bericht ETG, Anlage 3, S. 3. Paul Tastesen, geb. 5.3.1899.
Feinmechaniker. Mitglied des Metallarbeiterverbands. Von 1927 bis
1931 Bürgerschaftsabgeordneter der KPD. 1938 zu einer Haftstrafe
verurteilt. 1945 im Vollzugsausschuß der SFG.
80) Zur Betonung des unpolitischen Charakters der Gewerkschafts-
arbeit vgl. Bericht Fst., S. 12f.; Bericht ETG, Anlage 3, S. 3;
zur Trennung von den Sportlern vgl. Bericht Fst., S. 17; zur Hal-
tung gegenüber einer Antifa vgl. Bericht Fst., S. 10; zu den Ne-
benstellen vgl. Richtlinien für Nebenstellen (ETG Ordner SFG);
Bericht Fst., S. 17; verschiedene Arten von Ausweisen finden sich
im Material Kalbitzer und in ETG Ordner SFG.
81) Vorläufige Richtlinien betr. Gewerkschaften und Unternehmer-
Vereinigung (Abschrift der SFG vom 30. 5. 1945) (ETG Ordner SFG).
Zu den Mitgliederzahlen der SFG heißt es im Bericht Fst., S. 6,
daß bei der Auflösung der SFG etwa 50000 noch ungeprüfte Aufnah-
meanträge vorlagen (der Bericht ETG, S. 6, spricht von 55000).
Die Zahl der eingetragenen SFG-Mitglieder beziffert Kalbitzer
heute auf etwa 30000 (vgl. Gespräch zwischen F. Wartenberg und H.
Kalbitzer in AVS Arbeitsgemeinschaft verfolgter Sozialdemokraten,
1, 1984, S. 7). In jedem Fall erfolgte der Mitgliederzuwachs sehr
schnell. Kalbitzer erinnert sich an einen regelrechten Ansturm
(Mitteilung Kalbitzer), Dethlefs behauptet, die SFG hätte schon
nach 10 Tagen 18000 Mitglieder gehabt (Mitteilung Dethlefs).
82) Zur Umbenennung der Gauwirtschaftskammer vgl. Dokumente der
Handelskammer, S. 212; zum Verein der Exporteure siehe G. Jant-
zen: Hamburgs Ausfuhrhandel im XX. Jahrhundert. Ein Beitrag zur
Geschichte eines deutschen Kaufmannsstandes und des "Vereins Ham-
burger Exporteure" 1903-1953. Hamburg 1953; zu den Umwandlungen
des Vereins vgl. F. Jerchow: Deutschland in der Weltwirtschaft
1944-1947. Düsseldorf 1978, S. 255 ff.
83) Zu Termin und Teilnehmerzahl der Sitzung des "Ketzerklubs"
vgl. Bericht Fst, S. 15, Anlage IX; Bericht ETG, Anlage 4. Zur
Vorstandssitzung vom 8. 6. vgl. Bericht Fst., S. 17. Zur verant-
wortlichen Beteiligung der alten Gewerkschaftler am Aufbau der
Industriegruppen vgl. Anm. 79. Zur Einschätzung ihrer die Arbeit
der SFG hintertreibenden Politik heißt es im Entwurf Borchers:
"Es wurde ... intrigiert und offene Sabotage gegen die S.F.G. ...
betrieben"; im Entwurf Kalbitzer wird "die offene Sabotage der
SFG durch die alten Gewerkschafts-Angestellten" beklagt, eine
Formulierung, die im Bericht Fst., S. 5 übernommen ist.
84) Vgl. Bericht Fst., S. 4; Bericht ETG, S. 5. Austritte werden
weder in den Berichten noch in der Literatur zur SFG erwähnt. Da-
gegen heißt es bei Templer: "Meanwhile on 12 Jun at an SFG com-
mittee meeting 11 of 35 members walked out as protest against
unions political activities" (EXFOR to WAR OFFICE). In einem
Brief des Schwagers von H. Kalbitzer, Ernst Volkmann, an Paul Be-
bert vom 14.6.1945 (ETG Ordner SFG) steht: "Nachdem wir uns noch
am Sonntag über die Notwendigkeit der Einheit der Arbeiterbewe-
gung in Deutschland unterhalten haben, hast Du am Montag Deinen
Austritt aus der Sozialistischen Freien Gewerkschaft Hamburg
vollzogen... Offenbar habt Ihr Eure Beschlüsse in der nunmehr be-
kanntgewordenen Besprechung am Samstag bereits festgelegt"
(Montag war der 11.6.).
85) Vgl. Bericht Fst, S. 4; Bericht ETG, S. 5; zur Namensänderung
und den anderen Beschlüssen siehe Bericht Fst., S. 15f.; Bericht
ETG, Anlage 5 (Vorstandssitzung am 12. 6. 1945) - dort sind auch
die Namen der für den Aufbau der Industrieverbände zuständigen
Gewerkschaftsmitglieder aufgezählt.
86) E. Volkmann an P. Bebert vom 14. 6. 1945 (ETG Ordner SFG).
Zum Treffen Schmedemann-Spliedt vgl. Bericht Fst., S. 5; Bericht
ETG, S. 5.
87) Zur Gründung freier Gewerkschaften in Hamburg (18.6.1945)
(ETG Ordner SFG), auch abgedruckt in Spliedt, Gewerkschaften, S.
94. Zur Besprechung bei Dwyer am 16. 6. vgl. Entwurf Schmedemann;
zur Vollzugsausschußsitzung am 15. 6. vgl. Bericht Fst, S. 18;
Bericht ETG, Anlage 6.
88) Entwurf Schmedemann. Zu den Namen der Verantwortlichen vgl.
Bericht Fst., S. 19f.; Bericht ETG, Anlage 7.
89) Befreiung und Besatzung, S. 128.
90) Sozialistische Freie Gewerkschaft an Military Government vom
20.6.1945 (ETG Ordner SFG). Im Wortlaut auch in Bericht Fst., S.
20; Bericht ETG, Anlage 8.
91) Vgl. Bericht ETG, S. 6: "Dieser Vorgang wiederholte sich in
allen Gewerkschaften; im Gesamtverband ging Kummernuss sogar so-
weit, den ersten Vorsitzenden der SFG aus dem Vorstand des Ge-
samtverbandes auszubooten". Zu den Gewerkschaftsvorsitzenden und
den Mitgliedern des Verwaltungsausschusses siehe Spliedt, Gewerk-
schaften, S. 96 f.
92) Dokumente der Handelskammer, S. 207.
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