Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 08/1985
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NATIONALE UND SOZIALE BEFREIUNG IN ASIEN UND AFRIKA
UND DER WELTREVOLUTIONÄRE PROZESS
Theoretisch-methodische Überlegungen
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Christian Mährdel
1. Kolonialismus und nationale Befreiung im Widerstreit - 2. Dia-
lektik von weltrevolutionärem Prozeß und nationaler Befreiungsbe-
wegung - 3. Nationale Befreiungsrevolution als "Revolution in
Permanenz"? - 4. Revolutionäre Entwicklungsformen auf dem Weg zum
Sozialismus
Historische Vorgänge von weltweiter Dimension wie in territorial
begrenztem Ausmaß wirken überaus prägnant in der Gegenwart von
Ländern der "Dritten Welt" nach. Nicht wenige Völker auf diesen
Kontinenten können auf Traditionen jahrtausendealter Zivilisatio-
nen aus einer Zeit verweisen, in denen sie es vor allem waren,
die den Fortschritt der Menschheit als Ganzes verkörperten. Die
altorientalischen Klassengesellschaften mit den Großreichen Vor-
derasiens und im pharaonischen Ägypten bereits für das 3. Jahr-
tausend v. u. Z., die Blüte der Industalkultur in der zweiten
Hälfte des gleichen Millenniums, die Herausbildung von Dynastien
im alten China in der Mitte des 2. Jahrtausends v.u.Z. sind be-
sonders frühe Beispiele dafür; nicht weniger berühmt geworden
sind aus späterer Zeit die Perserherrschaft unter den Seleukiden
und Arsakiden (4. Jhdt. v.u.Z. - 3. Jhdt. u.Z.) im Iran, die in-
dischen Großreiche von Magadha (etwa 350-236 v.u.Z.) und der Gup-
tas (etwa 300-600 u.Z.), die sieben bedeutenden Staaten der Zhan-
guo-Zeit (480-221 v.u.Z.) und die zentralisierten Dynastien der
Quin- und Han-Zeit (221 v.u.Z.- 220 u.Z.) in China oder das nubi-
sche Reich von Meroe (seit dem 9. Jhdt. v.u.Z.), das Reich von
Aksum (mit seiner Blüte im 4. Jhdt. u. Z.), die Anfänge des Staa-
tes Ghana in Westafrika (gleichfalls in diesem Jhdt.).
In der geistigen Kultur afro-asiatischer Völker ist dies und wei-
teres heute lebendiges Erbe. Weit mehr jedoch hat eine viel jün-
gere Vergangenheit ihre Spuren in die gesellschaftliche Realität
eingegraben: die koloniale Fremdherrschaft und die Auseinander-
setzung mit ihr. Dabei liegt diese Zeit - im Unterschied zu den
siegreichen antikolonialen Befreiungsrevolutionen im Großteil La-
teinamerikas aus dem ersten Viertel des 19. Jhdts. - beispiels-
weise für den gesamten afrikanischen Kontinent in der Regel ge-
rade ein Vierteljahrhundert zurück, für einzelne Völker gar erst
wenige Jahre, und sie ist für andere heute noch drückende Gegen-
wart.
Für alle von ihnen ohne Ausnahme wurden in jener Zeit die
l a n g w i r k e n d e n G r u n d l a g e n für die jetzt in
der "Dritten Welt" bestehenden Lebensprobleme gelegt, ist damals
für ihren Zustand der Unterentwicklung in unserer Zeit der Anfang
geschaffen worden. Dort liegt - bei aller Berücksichtigung einer
Vielzahl von spezifischen Faktoren - das eigentlich Ursächliche
für einen globalen Prozeß, durch den die Länder dieser Kontinente
nahezu ausnahmslos an das Ende der Kette von gesellschaftlichen
Existenzformen menschlicher Entwicklung im letzten Drittel dieses
Jahrhunderts geschmiedet worden sind. Das Wesen und die Wirkungen
von Kolonialismus zu begreifen heißt deshalb, den Zugang zu Kern-
fragen der "Dritten Welt" zu gewinnen.
1. Kolonialismus und nationale Befreiung im Widerstreit
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Kolonialismus ist unbestreitbar von Anfang an und zuallererst
k o n s t i t u t i v e r Teil von Kapitalismus, und dies in al-
len Phasen seiner historischen Entwicklung - bei dessen Werden,
in seiner Entfaltung wie mit seinem Niedergang und seiner
schließlichen Aufhebung.
Für die Genesis beider Erscheinungen kann als bestätigt gelten,
was Karl Marx geschrieben hatte: "Die Entdeckung der Gold- und
Silberländer in Amerika, die Ausrottung und Versklavung und Ver-
grabung der eingebornen Bevölkerung in die Bergwerke, die begin-
nende Eroberung und Ausplünderung von Ostindien, die Verwandlung
von Afrika in ein Geheg zur Handelsjagd auf Schwarzhäute, be-
zeichnen die Morgenröte der kapitalistischen Produktionsära ...
Der außerhalb Europa direkt durch Plünderung, Versklavung und
Raubmord erbeutete Schatz floß ins Mutterland zurück und verwan-
delte sich hier in Kapital." 1)
Selbst Produkt der immer ungleichmäßig gewesenen Entwicklung der
Menschheit, hatten insbesondere Portugal, Spanien, die Nieder-
lande, Frankreich und England, auch Rußland, Deutschland und die
USA - die zu verschiedenen Zeiten und mit unterschiedlichem An-
teil zu Kolonialmächten geworden waren - ihre Fremdherrschaft
über die Karibischen Inseln, Mittel-und Südamerika und die Großen
Antillen oder auch die Philippinen (bereits im 16. Jhdt), Nord-
amerika und den indonesischen Teil des malaiischen Archipels (vom
17.-19. Jhdt.), den indischen Subkontinent (im 18. und 19. Jhdt.)
sowie den afrikanischen Erdteil und noch unabhängig gebliebene
Teile Südostasiens (im 19. Jhdt.) errichtet und die Menschen und
natürlichen Ressourcen dieser riesigen Weltteile als eine der
Hauptquellen für die ursprüngliche und die kapitalistische Akku-
mulation in ihren eigenen Ländern genutzt. Die Kolonialmetropolen
ordneten Kolonien und Halbkolonien in die Bedürfnisse ihres Re-
produktionsprozesses ein und jene diesen unter. Das bedeutete für
die einen Ausbeutung und Unterordnung; für die anderen beförderte
das die Anhäufung von Reichtum und dessen Umwandlung in Kapital.
Dem Kapitalismus war von Anbeginn und mit wachsender Intensität
expansiver Drang über die ganze Welt eigen, was W.I. Lenin zur
zutreffenden Feststellung veranlaßte, "daß der Kapitalismus nicht
bestehen und sich nicht entwickeln kann ohne ständige Erweiterung
seiner Herrschaftssphäre, ohne Kolonisation neuer Länder und Ein-
beziehung nichtkapitalistischer alter Länder in den Strudel der
Weltwirtschaft". 2) Jede Entwicklungsstufe des Kapitalismus
brachte so auch eine neue Phase und Form von Kolonialismus her-
vor. 3) Deshalb bildete seinerseits die gegen Ende des 19. Jhdts.
im wesentlichen abgeschlossene territoriale Aufteilung der Welt,
von der zu jener Zeit etwa zwei Drittel der Bevölkerung auf na-
hezu drei Vierteln der Erde betroffen wurden, und der beginnende
Kampf um die Neuaufteilung an der Wende zum 20. Jhdt. eines der
G r u n d m e r k m a l e des weltweiten Übergangs des Kapita-
lismus der freien Konkurrenz in das imperialistische Stadium.
Für die unterworfenen Völker in Asien und Afrika erbrachte der
Kolonialismus ökonomische Ausbeutung, politische Unterdrückung
und geistige Entmündigung. Koloniale Territorien in Ableger kapi-
talistischer Reproduktion zu verwandeln, bedeutete in einem Läh-
mung und direkte Vernichtung indigener Produktivkräfte wie Über-
tragung moderner Produktivkraft in besonders widersprüchlicher
Art und Form, wie es von Marx an den Beispielen Indien und China
einprägsam beschrieben und als ein Beweis mehr dafür genommen
war, daß die Bourgeoisie niemals und nirgends "einen Fortschritt
zuwege gebracht (hat), ohne Individuen wie ganze Völker durch
Blut und Schmutz zu schleifen". 4) Kapitalistische Entwicklung
setzte in einzelnen Teilen Asiens und Afrikas ein, verschieden
früh und mit erheblichen Unterschieden an Entfaltung von Land zu
Land und ebenso innerhalb der einzelnen Territorien. Sie ergab
jedoch, von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen - zu nennen sind
Australien, Neuseeland und USA -, keineswegs einen tragfähigen
und entwicklungsträchtigen Ansatz für die Herausbildung einer in-
digenen kapitalistischen Formation. Dies geschah nicht einmal in
"klassischer" Form in bereits relativ früh unabhängig gewordenen
Ländern Lateinamerikas, in denen es seither vielmehr zu einer
qualvollen abhängig kapitalistischen Entwicklung in enger Ver-
flechtung mit erhalten gebliebenen Elementen vorkapitalistischen
Charakters gekommen ist. 5)
In der Regel schuf Kolonialismus eine aus Bestandteilen völlig
unterschiedlicher sozialökonomischer Formationen bestehende, vom
Imperialismus abhängige Mehrsektorenstruktur, deren einzelne Ele-
mente sich - direkt oder mehr indirekt kolonialer Fremdausbeutung
ausgesetzt - nebeneinander, miteinander oder auch gegeneinander
bewegten. Alle Anfänge für einen formationellen Wechsel gesell-
schaftlicher Strukturen mündeten allein in Beziehungen von der
Art eines abhängigen, deformierten, ausgebeuteten und untergeord-
neten Kapitalismus, für den das internationale Ausbeutungsver-
hältnis die eindeutig qualitätsbestimmende Dominante abgibt. 6)
Auf diese Weise schuf der Kolonialismus langwirkend die
t i e f s t e G r u n d l a g e f ü r e i n e s t r u k-
t u r e l l e A b h ä n g i g k e i t, d i e s t ä n d i g
r e p r o d u z i e r t e U n t e r e n t w i c k l u n g
d i e s e r L ä n d e r: Darin fanden sich Marx und Engels
wiederum bestätigt, hatten sie doch gemeint, daß die Bourgeoisie,
so wie das Land von der Stadt, auch "die barbarischen und
halbbarbärischen Länder von den zivilisierten, die Bauernvölker
von den Bourgeoisievölkern, den Orient vom Okzident abhängig
gemacht" hat. 7) Dies gab die ökonomisch-soziale Grundlage für
den Status der Unterentwicklung in den einzelnen gesellschaft-
lichen Bereichen des Lebens ab. Es bestimmte Dynamik und Struktur
der Klassenbeziehungen und Art der sozialen Widersprüche in
kolonial abhängigen Ländern mit ihrem sozialökonomischen Kon-
glomerat-Charakter und in ihren wesentlichen Merkmalen - Rück-
ständigkeit und Deformation, Heterogenität und Desintegration,
Ausgebeutetsein und Ausgeplündertsein, Abhängigkeit und Unter-
ordnung.
Grundsätzlich nicht anders gestaltete sich die Situation im poli-
tischen Bereich, und das selbst nicht beim Übergang zu eher kolo-
nialreformistischen Methoden von Herrschaftsausübung, sowie auf
geistig-kulturellem Gebiet, auf dem die angestrebte Kreierung ei-
ner europäisierten "Elite" die Entfremdung von der eigenen Tradi-
tion ins Extreme steigerte. Den breiten Massen - und darin liegt
namentlich das entscheidende Resultat - entzog koloniale Ausbeu-
tung und Ausplünderung die unerläßliche Voraussetzung für die Si-
cherung des Existenzminimums. Armut und Hunger, Krankheit und
früher Tod, Unwissenheit und die Vernichtung ethisch-moralischer
Normen wurden zu typischen sozialen Erscheinungen in der kolonia-
len Peripherie der Welt des Kapitalismus. 8)
Doch auch an der kolonialen Flanke schuf sich der Kapitalismus
ebenso gesetzmäßig seinen eigenen Totengräber. "Eine der grundle-
gendsten Eigenschaften des Imperialismus besteht eben darin, daß
er die Entwicklung des Kapitalismus in den rückständigsten Län-
dern beschleunigt und dadurch den Kampf gegen die nationale Un-
terdrückung ausbreitet und verschärft", hatte Lenin diesen Zusam-
menhang gesehen. 9) Nationale, gegen koloniale Fremdherrschaft
gerichtete Befreiungsbewegungen waren geradezu das naturge-
schichtliche Resultat der Entwicklung des imperialistischen Kolo-
nialismus und ebenso ein Zeichen für seinen heraufziehenden Nie-
dergang. Antikolonialer Widerstand und nachfolgende Bewegung für
nationale Befreiung vom fremdstaatlichen Joch durchlaufen dabei
mehrere historische Phasen, und das nicht nur zeitlich versetzt,
wenn auch in erster Linie auf die Jahrzehnte nach dem Zweiten
Weltkrieg verteilt, sondern auch in den ihnen eigenen Grundmerk-
malen, bei inneren und äußeren Faktoren für ihr Wirken, mit gra-
duellen Unterschieden beim unmittelbar erreichten Durchbruch zur
nationalstaatlichen Souveränität u. a. m. N a t i o n a l e
B e f r e i u n g s b e w e g u n g wuchs in Breite und Tiefe,
indem sie in vielen Fällen zu einer ernsthaften Massenbewegung
werden konnte und - wenigstens im Kampfziel - revolutionären Cha-
rakter annahm, so unterschiedlich sich im einzelnen die Wege des
Strebens nach Befreiung von politischer Fremdherrschaft auch ge-
staltet haben. 10)
Erfolgreiche nationale Befreiungsbewegung hat als erstes notwen-
diges und unvermeidliches Ergebnis zur Erringung der national-
staatlichen Souveränität geführt. Das bedeutete für das betref-
fende Land vom Wesen her eine g e s a m t n a t i o n a l e,
d e m o k r a t i s c h e u n d p o l i t i s c h e R e v o-
l u t i o n. Im sozialen Ansatz trat die bestimmende - eben die
nationale - Qualität dabei bereits differenziert ins Leben, was
für den weiteren Verlauf nationaler Befreiung und noch mehr für
die folgenden Formen gesellschaftlicher Bewegung in national
befreiten Staaten bedeutsam werden mußte. Bürgerlich-national-
reformistische Kreise - in der Mehrzahl der Fälle - oder klein-
bürgerlich-nationalrevolutionäre Kräfte - durchaus nicht selten -
und proletarisch-sozialistische Elemente - hier und da vereinzelt
- als Führungsdominante in antikolonialen Befreiungsbewegungen
gaben den sichtbaren Ausdruck für ideologisch reflektierte und
politisch aktivierte soziale Interessenheterogenität im breiten
Spektrum ihrer Teilnehmer und Vertretenen ab, auch wenn anfangs
noch in einem Bündnis mit gleichem nationalen Ziel über be-
stehende soziale, ethnisch-nationale, religiös geprägte und an-
ders motivierte Gruppenschranken hinweg zusammengeschlossen.
Zunächst meist gegen die "eigene" Kolonialmacht angetreten, nicht
selten sogar mit der Illusion, von deren imperialistischer Kon-
kurrenz Hilfe zu erhalten, beinhaltete dieser Antikolonialismus
objektiv bereits A n t i i m p e r i a l i s m u s, wandte er
sich doch gegen einen der konstitutiven Teile des modernen Kapi-
talismus als Weltsystem. Diese antiimperialistische Grundkompo-
nente in nationaler Befreiungsbewegung ließ sie zu einem Glied
der revolutionären Hauptkräfte in der Welt und ihre Ergebnisse zu
einem Teil des weltrevolutionären Prozesses werden. In aller ih-
rer Spezifik, die diese dabei einbringt (denn sie weist eben - im
Unterschied zum proletarischen Grundcharakter der beiden anderen
Bestandteile - vorwiegend ein allgemein-demokratisches Wesen auf,
wirkt unter andersgearteten sozialökonomischen, politischen und
geistig-kulturellen Bedingungen sowie Entwicklungsreife in der
Nationwerdung, verfügt über ausgeprägte Besonderheiten bei den
sozialen Triebkräften, in der politischen Führung und den Formen,
Mitteln und Methoden der Aktion u. ä.), ist nationale Befreiungs-
bewegung zu einem n a t ü r l i c h e n B u n d e s g e n o s-
s e n v o n s o z i a l i s t i s c h e m W e l t s y s t e m
u n d i n t e r n a t i o n a l e r A r b e i t e r b e w e-
g u n g geworden bei der revolutionären Erneuerung der Welt,
beim Streben nach Frieden, Demokratie und sozialem Fortschritt
für alle Völker, im antiimperialistischen Kampf unserer Epoche.
Ihr historischer Platz gestaltet sich konkret erheblich diffe-
renziert, erweist sich in der Realität indes in keiner Weise als
manipulierbar, etwa als vermeintlich "eigentlich" revolutionäre
Kraft, als eine Art Ersatz für eine "entrevolutionierte" Arbei-
terklasse; Postulate solcher Art haben den Erfordernissen
wirklicher Bewegung weder als Strategie-Vorgabe noch in der
nachträglichen Interpretation standzuhalten vermocht.
2. Dialektik von weltrevolutionärem Prozeß
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und nationaler Befreiungsbewegung
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Die Große Sozialistische Oktoberrevolution in Rußland ist die bis
heute tiefgreifendste Zäsur in der Geschichte der Menschheit
geblieben. Seitdem hat die Erde gesellschaftlich ihr Antlitz
grundlegend verändert. Am sichtbarsten und weitreichendsten zeigt
sich das mit der völlig neu entstandenen W e l t d e s
S o z i a l i s m u s als unmittelbarem Erbe dessen, was nach
der optimistischen Überzeugung L e n i n s "allen Ländern et-
was, und zwar etwas überaus Wesentliches aus ihrer unausweichli-
chen und nicht fernen Zukunft" 11) in den Tagen des Oktober 1917
eröffnete. Unübersehbar ist auch der Wandel in der geschrumpften
und krisengeschüttelten W e l t d e s K a p i t a l s, in der
die revolutionäre und demokratische Bewegung von Massen für die
fortschrittliche gesellschaftliche Alternative gegen die Grundfe-
sten der Ausbeuterordnung ankämpft. Schließlich ist ein nicht we-
niger deutlicher Ausdruck für die weltgeschichtliche Wende jenes
Neue, das in den letzten Jahrzehnten auf den Trümmern der
z e r s t ö r t e n K o l o n i a l r e i c h e d e s I m p e-
r i a l i s m u s gewachsen ist.
Bereits der Rote Oktober hatte für nationale Befreiungsbewegungen
von Völkern in kolonialen, halbkolonialen und abhängigen Ländern
eine gänzlich veränderte Situation geschaffen: Das koloniale Sy-
stem war - als Teil der beginnenden allgemeinen Krise des Weltka-
pitalismus - bereits zu einer Zeit in die eigene Krise gestürzt
worden, als es wenig zuvor eben erst den Gipfelpunkt seiner Aus-
dehnung in die Breite erklommen hatte. Das Beispiel, das die
junge Sowjetmacht mit ihrem politischen und militärischen Sieg
über die konterrevolutionäre Koalition kapitalistischer Mächte
gab, jene Staaten, die zugleich die kolonialistischen Fremdherren
in Asien und Afrika waren und Lateinamerika ausplünderten, beein-
druckte überaus stark. Das "russische Wunder" mit der entschie-
denen Lösung der Agrarfrage und des nationalen Problems - beides
so brennend auch in diesen Ländern beider Kontinente -, bei der
raschen Überwindung wirtschaftlicher und sozialer Unterentwick-
lung, durch die konsequent antiimperialistische, antikolonial-so-
lidarische Außenpolitik in den internationalen Beziehungen - all
das inspirierte und aktivierte breite Teile der Bevölkerung in
vielen Ländern insbesondere Asiens, teils auch bereits Afrikas,
mobilisierte revolutionäre proletarische Kräfte zu größerer Kon-
sequenz und gab gleichzeitig nicht wenigen nationalgesinnten
kleinbürgerlichen und bürgerlichen Führerpersönlichkeiten spür-
bare antikoloniale demokratische Impulse. Es war nämlich in der
Tat nicht nur die Geburt von kommunistischer Bewegung auf diesen
Kontinenten, die Kolonialherren und einheimische reaktionäre Po-
tentaten vielerorts über "bolschewistische Einflüsse" wehklagen
und massiv vorgehen ließ, sondern die mehr oder minder kräftige
Wirkung des wahrhaft demokratischen Kerns sowjetischer Politik
nach innen wie nach außen, was revolutionär-demokratische Volks-
führer wie Sun Yatsen in China und selbst national-reformistische
"Sozialisten" wie J. Nehm in Indien oder N. Azikiwe in Nigeria
aufnahmen. 12)
Jeder historische Abschnitt nationaler Befreiungsbewegung seit
dem Jahre 1917 ist dann in seinen Ergebnissen bei der Lösung des
für diese Länder gegebenen Hauptwiderspruchs zum imperialisti-
schen Kolonialismus sowie in vielem durch die Formen und Methoden
des Kampfes, mit dem Verhalten der in die historische Defensive
gedrängten Kolonialisten und kapitalistischen Mächte überhaupt in
dieser Auseinandersetzung um das weitere Schicksal der Völker
Asiens und Afrikas etc., nicht zuletzt ein Spiegelbild für den
Stand, den die revolutionären und demokratischen Kräfte des Anti-
imperialismus i n i h r e r G e s a m t h e i t bei der
Durchsetzung des Epoche-Charakters, damit bei der Lösung des
Grundwiderspruchs zwischen Sozialismus und Imperialismus im Welt-
maßstab wirklich bereits erreicht hatten. Natürlich betrifft das
sowohl erzielte Fortschritte als auch bestimmte Begrenztheit des
jeweils Erreichbaren und Erreichten. Ein Schema vermag derartige,
historisch-konkret recht unterschiedlich ausgeprägte Zusammen-
hänge nur bedingt zu vermitteln. Es kann aber sehr wohl die Grun-
didee aufzeichnen, die für den Z u s a m m e n h a n g von Ent-
faltung des weltrevolutionären Prozesses (a) und Niedergangspro-
zeß des imperialistischen Kolonialsystems/Verwirklichung des
Rechts auf nationale Selbstbestimmung und Durchsetzung gesell-
schaftlichen Fortschritts für Völker Asiens und Afrikas (b) beim
historischen Ablauf gesehen werden kann:
1917
(a)
Kapitalismus tritt in allgemeine Krise ein; Sozialismus entsteht
als Gesellschaftsordnung;
kommunistische Weltbewegung wird geboren
(b)
Krise des Kolonialsystems beginnt zu wirken;
nationale Befreiungsbewegung verbreitert sich;
erste Beispiele gesicherter nationalstaatlicher Souveränität
1945
(a)
Für Kapitalismus erfolgt Übergang in zweite Etappe seiner allge-
meinen Krise; Sozialismus wird zum realen Weltsystem; Aufschwung
der Arbeiter- u. demokratischen Bewegung und Schaffung einer
weltweiten organisierten antiimperialistischen Aktionseinheit
(b)
Zerfall des Kolonialsystems setzt ein, national befreite Länder
entstehen in der Breite; soziale Vertiefung nationaler Befreiung
beginnt durch demokratische und sozialistische Revolutionen in
einigen Ländern Asiens
Ende 50er/Anfg. 60er Jahre
(a)
Sozialistisches Weltsystem erreicht qualitativ neue Entwicklungs-
stufe; Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsystems und
Wirksamwerden national befreiter Staaten als welthistorischer
Faktor; Kapitalismus wächst in dritte Etappe seiner allgemeinen
Krise hinüber; für antiimperialistischen Kampf günstige Verände-
rung des internationalen Kräfteverhältnisses setzt ein
(b)
Übergang zum völligen Zusammenbruch imperialistischer Kolonial-
reiche vollzogen; politisches System national befreiter Staaten
entsteht; soziale Vertiefung nationaler Befreiung verbreitert
sich; Ringen um ökonomische Befreiung vom Imperialismus aufgenom-
men
Seit Mitte 70er Jahre
(a)
Entwicklungsdynamik im sozialistischen Weltsystem erhöht sich;
allgemeine Krise des Kapitalismus erfährt weitere Verschärfung;
gewachsenes Gewicht national befreiter Länder; erhebliche Zunahme
von Bedeutung globaler Probleme, insb. Weltfrieden; erfolgreicher
Politik der friedlichen Koexistenz sowie revolutionären Vorgängen
in verschiedenen Teilen der Welt folgt Anfang der 80er Jahre be-
deutende Komplizierung der internationalen Beziehungen infolge
Imperialist. Kurses der Hochrüstung und Konfrontation
(b)
Endgültige Beseitigung des "klassischen" Kolonialsystems;
ökonomischer Zerfallsprozeß der neokolonialen Beziehungen zw. Im-
perialismus und national befreiten Ländern forciert;
wachsendes kollektives Engagement national befreiter Staaten in
Weltpolitik u. -wirtschaft; neue Elemente im Prozeß sozialer Ver-
tiefung nationaler Befreiung;
Nehru, Weltgeschichtliche Betrachtungen. Briefe an Indira, Düs-
seldorf 1957, S. 7, 635, 640 f., 751 ff., 980 ff., 1116, 1129 f.,
1134; Nnamdi Azikiwe, Renascent Africa, Lagos 1937, S. 129.
Die letzten vier Jahrzehnte sind auch für die Völker Asiens und
Afrikas unbestritten besonders wichtig geworden. Das Jahr 1945
hat den Beginn markiert: In ihrem Streben nach Weltherrschaft und
noch mehr mit dem untauglichen Versuch, den Sozialismus als Ge-
sellschaftsordnung vom Antlitz der Erde zu tilgen, damit dem hi-
storischen Fortschritt massiv den Weg zu verlegen, waren die re-
aktionärsten, aggressivsten Teile des internationalen Imperialis-
mus, die "Achsenmächte", gescheitert. Verloren aber hatte der Im-
perialismus als Gesamtsystem eine entscheidende Schlacht um die
Epoche. Die sozialistische Sowjetunion, die zum Keim und zum Kern
einer weltweiten Bewegung gegen den Imperialismus geworden war,
hatte als anerkannte Hauptkraft der alliierten Koalition eine
bisher nicht gekannte politische, ökonomische, militärische und
geistig-moralische Macht entfaltet; ihr internationales Gewicht
war unvergleichlich und für Antiimperialisten zum Vorteil, für
den Imperialismus zum Nachteil, wirksam gestiegen. Mit den in ei-
nem relativ kurzen Zeitraum siegreichen volksdemokratischen Revo-
lutionen in einer Reihe von Ländern Ost-, Südost- und Mitteleuro-
pas sowie auch Ost- und Südostasiens wurde der Ausbeutungs- und
Machtbereich des Imperialismus empfindlich eingeengt. Noch mehr:
D e r I m p e r i a l i s m u s h a t t e a u f g e h ö r t,
a l l e i n e x i s t i e r e n d e s W e l t s y s t e m z u
s e i n. Das sozialistische Weltsystem war ins Leben getreten
und mit ihm die seitdem g r ö ß t e h i s t o r i s c h e
E r r u n g e n s c h a f t d e r i n t e r n a t i o n a l e n
A r b e i t e r k l a s s e u n d i h r e r r e v o l u-
t i o n ä r e n B e w e g u n g. Dem Historiker sei es als
Autor nachgesehen, daß er aus dem weiten zeitlichen Bogen der
Jahre 1945 bis 1985 jenen ersten Abschnitt herausnimmt, der mit
den unmittelbaren Wirkungen des historischen Einschnitts den
Zusammenhang für die ersten eineinhalb Jahrzehnte kurz zu skiz-
zieren vermag.
Der UdSSR, die mehr als zwei Jahrzehnte auf sich allein gestellt
und von erbitterten Feinden des Sozialismus umringt den Sozialis-
mus aufgebaut und das hohe Ziel erreicht hatte, an die Seite wa-
ren - neben der MVR - nun die Völker Albaniens, Bulgariens, der
VR China, der CSSR, der DDR, Jugoslawiens, der Koreanischen VDR,
Polens, Rumäniens, Ungarns und der DR Vietnams im Streben nach
der Errichtung einer neuen gesellschaftlichen Ordnung getreten.
Hatte vor 1939 der Anteil des Sozialismus 17% des Territoriums
und 9% der Bevölkerung der Erde erfaßt, so waren es bereits 1950
schon 26 bzw. 35% geworden. Sein Anteil an der Weltindustriepro-
duktion als einer der wichtigen ökonomischen Indikatoren war bis
Mitte der 50er Jahre auf 27% angewachsen. Mit dem sozialistischen
Weltsystem war eine qualitativ vollkommen neue Gemeinschaft
freier, souveräner Staaten entstanden, die im Gegensatz zu kapi-
talistischen Prinzipien durch internationalistische Solidarität
verbunden wurde. Trotz gezielter Gegenmanöver im "Kalten Krieg"
konnte die Rechnung der Imperialisten, die Ausstrahlungskraft des
Sozialismus zu brechen, sein Vorankommen zu verhindern und ihn in
einem neuerlichen Versuch - nach Intervention nach 1917 und fa-
schistischer Aggression 1941 - endgültig zu vernichten, nicht
aufgehen. Im Gegenteil gewann der weltrevolutionäre Prozeß eine
erhebliche Beschleunigung in Tempo und Breite, sowohl in der
machtvollen revolutionären und demokratischen Massenbewegung in
kapitalistischen Ländern als auch der weltweit organisierten an-
tiimperialistischen Front.
Für die kolonial ausgebeuteten und unterdrückten Völker bedeutete
das eine Grundvoraussetzung für erste u m f a s s e n d e Er-
folge von s t r a t e g i s c h e m Ausmaß: die Schwächung ih-
rer unmittelbaren Gegner im antikolonialen Kampf und die Gewin-
nung von internationalen Bundesgenossen als aktive Mitstreiter.
Um nur eine Stimme anzuführen, stellte A. S. Toure 1960 rückblic-
kend fest: "Wir wissen auch, daß die afrikanische Bevölkerung mit
Überzeugung und in großem Vertrauen den gewaltigen Fortschritt
der sozialistischen Länder anerkennt. Dieser Fortschritt stellt
einen historischen Beitrag zur Veränderung des Kräfteverhältnis-
ses zugunsten der unterdrückten Völker dar. Dieser Beitrag ist
auch von entschiedenem Gewicht auf der Waagschale des Kampfes
zwischen Imperialismus und Sozialismus. Dies (wiederum) bildet
den entscheidenden Beitrag zur Sache der Befreiung der Völker un-
seres Kontinents ..." 13)
Im Zusammenspiel mit konkret historisch recht voneinander ver-
schiedenen innerterritorialen Voraussetzungen, jedoch einer über-
all mehr oder minder schnell verlaufenden Verschärfung der Wider-
spruchsgrundlage kolonialer Ausbeutung und Fremdherrschaft, ent-
falteten gerade nach dem Zweiten Weltkrieg nationale Befreiungs-
bewegungen in fast allen Teilen beider Kontinente die ihnen inne-
wohnende Potenz als Teil der antiimperialistischen Weltbewegung
mit stürmischer Kraft.
Der Z e r f a l l d e s i m p e r i a l i s t i s c h e n
K o l o n i a l s y s t e m s war nicht mehr aufzuhalten. Schon
im ersten Jahrzehnt der Nachkriegszeit entstanden - durchaus
nicht als "freiwilliger Rückzug" der Kolonialherren und gewisser-
maßen Vollzug der "zivilisatorischen Mission" selbiger, wie nicht
selten in apologetischer Geschichtsfälschung zu lesen ist - fünf-
zehn weitere souveräne Staaten; die Kolonialreiche wurden im Ver-
gleich zum Vorkriegsstand um nicht weniger als fast die Hälfte
reduziert. Die Völker Koreas (KVDR), Vietnams (DRV) und Indonesi-
ens (im Jahre 1945), der Philippinen (1946), Indiens und Paki-
stans (1947), Burmas und Ceylons (1948) und - mit besonderer Aus-
strahlung - Chinas (1949) errangen ihre Freiheit und verteidigten
sie, wenn erforderlich, energisch gegen die aggressiven Manöver
der ehemaligen Kolonialmächte und deren Helfershelfer - wie bei-
spielsweise Frankreichs in Indochina, der Niederlande in Indone-
sien. 14) Die Bildung volksdemokratischer Staatsordnungen in ei-
nigen dieser Länder unter besonders günstigen Bedingungen vor al-
lem der inneren Klassenkräftekonstellation beim Übergang in die
nationalstaatliche Souveränität bzw. im Ergebnis eines mit star-
kem antiimperialistischem Moment versehenen Bürgerkrieges öffnete
zugleich den Weg nationaler Befreiung in deren s o z i a l e
V e r t i e f u n g, in diesen Fällen mit der nachfolgenden so-
zialistischen Revolution in den 50er Jahren durch einen weitge-
hend einheitlichen revolutionären Prozeß der untrennbaren Verbin-
dung von demokratischer und sozialistischer Revolution (volks-
demokratische Revolution).
Auch arabische Völker setzten sich in diesem Zeitraum gegen impe-
rialistische Herrschaft durch. So mußten in den seit 1943 staat-
lich selbständigen Syrien und Libanon die dort verbliebenen fran-
zösischen und britischen Truppen diese Territorien verlassen (im
Jahre 1946). Anstatt in Libyen das italienische "Erbe" antreten
zu können, sahen sich die imperialistischen Mächte vor die Bil-
dung des Vereinigten Königreiches (1951) gestellt. Erst recht
aber brachte die antiimperialistische und demokratische Revolu-
tion in Ägypten (1952) einen weitwirkenden Ausgangspunkt für die
antikoloniale Bewegung im arabischen Raum, sogar darüber hinaus
über die Sahara hinweg nach Süden, wie auch bei der Formierung
einer organisierten überregionalen zwischenstaatlichen Politik
national befreiter Länder Asiens und Afrikas. In Algerien erhoben
sich (1954) die Patrioten zum bewaffneten Aufstand gegen die
"Perle" des französischen Kolonialreiches im afrikanischen Nor-
den; die Völker des Sudan, Marokkos und Tunesiens erstritten die
nationalstaatliche Souveränität (1956). Und im gleichen Jahr ver-
wies das inzwischen erstarkte Ägypten in einer machtvollen inter-
nationalen "Koalition der Unterstützung" durch sozialistische
Länder, Arbeiter- und breite demokratische Bewegung in kapitali-
stischen Ländern und unabhängige afro-asiatische Staaten die im-
perialistische Dreieraggression in die Schranken. 15)
Dann kam das "Afrikanische Jahr" 1960. Der antikoloniale Angriff
auf die letzte kontinentale Bastion des imperialistischen Koloni-
alsystems erreichte seinen ersten dramatischen Höhepunkt: Nach
den Vorboten Ghana (1957) und Guinea (1958) setzten allein in
diesem Jahr mehr als ein Drittel der Gebiete im tropischen und
südlichen Afrika der politischen Fremdherrschaft ein Ende, wo-
durch nunmehr drei Viertel der Bevölkerung und vier Fünftel an
Territorium national befreit waren. Noch in der ersten Hälfte der
60er Jahre brachen dann die britischen, französischen und belgi-
schen Kolonialreiche auf afrikanischem Boden nahezu vollständig
zusammen. 16)
Zufall ist es gewiß nicht, daß an der Wende der 50er zu den 60er
Jahren so ein ganzer historischer Abschnitt nicht nur für Asien
und Afrika zu Ende ging - und ein neuer begann. Diese Zäsur steht
im wechselseitigen Zusammenhang mit weltweiten Vorgängen, und sie
markiert für sich genommen dabei einen Tatbestand von geschicht-
licher Größe, würdig dieses Jahrhunderts der grundlegenden Er-
neuerung gesellschaftlicher Existenzformen der Menschheit. Die
Vertreter der in Moskau 1960 versammelten kommunistischen und Ar-
beiterparteien haben dies ausgesprochen mit der Wertung, daß "der
Zerfall des Systems der Kolonialsklaverei unter dem Ansturm der
nationalen Befreiungsbewegung ... in seiner historischen Bedeu-
tung die wichtigste Erscheinung nach der Entstehung des soziali-
stischen Weltsystems" ist. 17) Denn über eineinhalb Milliarden
Menschen auf diesen Kontinenten hatten sich damit die Möglichkeit
zur Selbstbestimmung der eigenen Geschicke und zu aktivem Teilha-
ben an den Entscheidungen über das Schicksal der ganzen Mensch-
heit erschlossen. Wenn 1945 noch 56% der Weltbevölkerung in Kolo-
nien und Halbkolonien gelebt hatten, die 32% des Erdterritoriums
einnahmen, so befanden sich in der Mitte der 60er Jahre noch etwa
1% der Weltbevölkerung auf weniger als 4% des Erdterritoriums in
einer solchen Lage.
Die folgende Aufzeichnung verdeutlicht diesen Vorgang:
Kolonialmacht 1945 1960 1980
Fläche Bev. Fläche Bev. Fläche Bev.
(1000 km²) (Mill.) (1000 km²) (Mill.) (1000 km²) (Mill.)
Großbri-
tannien 15 713,0 431,8 4 981,5 44,8 51,5 5,4
Frank-
reich 12 448,8 76,4 2 453,9 11,1 120,0 1,6
Nieder-
lande 2 048,1 75,6 556,6 1,1 1,0 0,3
Belgien 2 397,1 14,1 54,2 4,6 0 0
Portugal 2 090,6 12,6 2 086,6 12,8 0,02 0,4
USA 333,9 22,8 32,9 3,1 11,8 3,8
RSA 824,3 0,4 824,3 0,5 824,3 0,9
Australien 475,5 1,0 475,5 1,8 0,2 0,005
Spanien 317,1 1,5 303,0 1,3 0,2 0,2
Japan 220,8 27,2 0 0 0 0
Neuseeland 3,6 0,1 0,5 0,02 0,5 0,02
Andere (Indones.
u.a.) 15,1 0,2 0,06 0,06 18,9 0,6
Gesamt 36 887,9 663,7 11 783,7 81,2 1 029,3 18,5
Mit den Ergebnissen der skizzierten eineinhalb Jahrzehnte waren
zugleich weder das Ende des Kampfes gegen koloniale politische
Fremdherrschaft in Asien und Afrika gekommen noch erst recht na-
tionale Befreiung in ihrem umfassenden Sinne durchgesetzt. Nicht
wenige der Unabhängigkeitsdaten vor allem auf afrikanischem Boden
liegen in der Mitte der 60er Jahre, einige ein Jahrzehnt danach,
oder sie fallen ins Jahr 1980. 18) Zwanzig Jahre nach der auf so-
wjetische Initiative im Dezember 1960 von der Generalversammlung
der Vereinten Nationen verabschiedeten historischen Deklaration
über die Unabhängigkeit der kolonialen Länder und Völker mußte
eine UN-Resolution immer noch 23 koloniale Territorien in Afrika,
Mikronesien, Ozeanien, Ostasien, der Karibik und anderenorts auf-
listen. Die heutigen Kolonialmächte USA, RSA und Großbritannien,
die als Fremdherrscher bei mehr als vier Fünftel des verbliebenen
Territoriums offiziell eingetragen worden sind, suchen mit allen
Mitteln insbesondere aus imperialistischen globalstrategischen,
aggressiven militärpolitischen Interessen heraus, der Bevölkerung
hier das Recht auf nationale Selbstbestimmung weiterhin zu ver-
wehren. In den 80er Jahren ist es bisher auch nur einer kleinen
Anzahl von Gebieten gelungen, sich dagegen durchzusetzen, überall
aber verschärft sich die Auseinandersetzung an dieser Front, vor
allem im Süden Afrikas. Gleichermaßen drängt das Problem der um-
fassenden nationalen Befreiung in den national befreiten Ländern
nach vorn. Diese Fragestellung führt uns zu einem weiteren Aspekt
unserer Skizzen zum Thema.
3. Nationale Befreiungsrevolution als "Revolution in Permanenz"?
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Die e i g e n a r t i g e S p e z i f i k n a t i o n a l e r
B e f r e i u n g s r e v o l u t i o n, ein für den historischen
Gesamtprozeß in Asien und Afrika einschneidender revolutionärer
U m b r u c h g e s a m t n a t i o n a l e n u n d
p o l i t i s c h e n C h a r a k t e r s zu sein, führt bei
dem zunächst Erreichten zu einer Begrenztheit sowohl im Hinblick
auf das Nationale als auch das Soziale. Einmal bleibt nämlich
auch nach dem politischen Akt der Erringung nationalstaatlicher
Souveränität der Widerspruch zum Imperialismus deshalb als be-
stimmender erhalten, weil bei der "nationalen Befreiung ... die
ökonomische Befreiung... die Hauptsache ist" 19), gerade diese
aber mit Erreichung der Eigenstaatlichkeit noch ausbleibt. Der
Kampf um die ökonomische Befreiung rückt gesetzmäßig in den Mit-
telpunkt der nachkolonialen Etappe nationaler Befreiungsbewegung,
wobei sich das kontrastierende Auseinanderfallen von politischer
und ökonomischer Grundsituation - mit durchgesetzter Gleichbe-
rechtigung einerseits, verbliebenem Untergeordnetsein anderer-
seits - ebenso verständlich sowohl im nationalen Rahmen wie auf
internationaler Ebene manifestiert. Die Schlußfolgerung ist anzu-
erkennen: "Die Umformung, genauer: die Überwindung der kolonial-
kapitalistischen Basis in ihren inneren und internationalen Kom-
ponenten wird daher... zur essentiellen Aufgabe, zum wesentlichen
Inhalt der nationalen Befreiungsbewegung, die ja gegen den Kolo-
nialismus in seiner Totalität angetreten ist, in einer neuen, ih-
rer zweiten, höheren Etappe". 20) Die Verschärfung eines damit
verbundenen Hauptwiderspruches zum Imperialismus als Dominante
innerhalb einer gewiß erheblich breiteren Widerspruchslage ergibt
sich schlichtweg daraus, daß ungeachtet von deutlicher Differen-
ziertheit der sozialen Bestandteile innerhalb eines jeden natio-
nal befreiten Landes und auch der zunehmenden Verflechtung unter-
schiedlichster Widersprüche die aus dem neokolonialen System des
Imperialismus herrührenden Wirkungen von Abhängigkeit und Rück-
ständigkeit, Ausbeutung und Ausplünderung u. ä. die Gesellschaft
als Ganzes und nicht nur einzelne ihrer sozialen Strukturelemente
treffen. Den gesamtnationalen Interessen tritt dadurch antagoni-
stisch, nur durch konsequenten Antiimperialismus überwindbar, Wi-
derstand entgegen, der in den letzten Jahren nicht selten sogar
als "Re-kolonialisierung" bezeichnet wird. Es ist folgenschwere
Tatsache, daß die imperialistischen Zentren in der Zeit nach dem
Zusammenbruch der staatlichpolitischen Systeme des Kolonialismus
innerhalb von nur drei Jahrzehnten mehr reale Werte aus Entwick-
lungsländern herausgepreßt haben als die vormaligen Metropolen in
drei Jahrhunderten aus den Kolonien. 21) Und das ergibt die ur-
sächliche Grundlage für jene Erscheinungen in Ländern Asiens und
Afrikas, über deren Formen - von steigender Auslandsverschuldung
bis zu anwachsendem Massenpauperismus und Millionensterben -
heute öfter und alarmierender denn je als nicht nur diese Konti-
nente betreffende, sondern globale Probleme gesprochen und ge-
schrieben wird, über deren eigentliche Ursachen und die Erforder-
nisse ihrer Überwindung und damit einer Beseitigung dieser Grund-
situation die Auffassungen je nach Stellung zum Imperialismus in
der theoretischen und politisch-ideologischen Reflexion jedoch
grundlegend auseinandergehen. 22)
An dieser Stelle ist zunächst festzuhalten, daß das Nichtvollen-
detsein von nationaler Befreiung in ihrem umfassenden Sinne in
hohem Maße jene internationalen Bedingungen und inneren Voraus-
setzungen - und zwar in deren Komponentenverfiechtung bei jedem
einzelnen Land - für eine mögliche Inangriffnahme und erst recht
die erfolgreiche Verwirklichung sozialer Befreiung für diese Völ-
ker mitprägt. Hat sich das z. B. bereits überaus deutlich im re-
alen Prozeß der Entwicklung Nordvietnams während der ersten ein-
einhalb Jahrzehnte nach der August-Revolution von 1945 gezeigt,
so trifft es noch weit mehr auf revolutionäre Entwicklungsformen
der Gegenwart zu. Es geht offenbar nicht um ein vereinfacht in-
terpretierbares "Übergehen der nationalen Befreiung in die so-
ziale Befreiung", sondern eine in der Wirklichkeit überaus kom-
plizierte Dialektik zwischen beiden Seiten über einen längeren
Zeitraum.
In sozialer Hinsicht trägt die politische Revolution national-
staatlicher Souveränitätsverwirklichung nicht generell einen be-
stimmten Wechsel in der sozialökonomischen Formation in gleicher
Weise in sich, wie dies bei nationalen Befreiungskämpfen in frü-
heren historischen Epochen der Fall war, in denen sie mit unter-
schiedlichen stadialen Reifen bürgerlicher Umwälzung verbunden
gewesen sind, von den Niederlanden im 16. Jhdt. bis zu Ibero-Ame-
rika, Italien oder Südeuropa im 19. Jhdt. Im Asien und Afrika un-
serer Epoche sind nach dem mit dem politischen Machtwechsel er-
folgten Beginn gesamtgesellschaftlicher Veränderung deren Charak-
ter und Art und Weise ihres Vollzugs noch offen. Das ist ebenso
dem Charakter der Epoche - als der eines Übergangs - wie inneren
sozialökonomischen und gesellschaftspolitischen Merkmalen ge-
schuldet; drei m. E. hauptsächliche sollen angeführt sein.
Da ist zum ersten der Grad der Entfaltung, den unsere Epoche der-
zeit bereits aufweist. Noch fehlt das eindeutige Übergewicht der
neuen gesellschaftlichen Ordnung in der Welt gegenüber dem zu
überwindenden Kapitalismus, noch gibt es eine beträchtliche Po-
tenz des Imperialismus und des von ihm abhängigen, d. h. auch ge-
förderten Kapitalismus, zeitweise mit Teilzugeständnissen und
Scheinlösungen dem Streben nach einer revolutionären Lösung der
nationalen u n d sozialen Lebensfragen der Völker vorzubeugen.
Die zutreffende Bemerkung von Friedrich Engels: "Ist Europa erst
reorganisiert und Nordamerika, so ergibt das eine so kolossale
Macht und ein solches Exempel, daß die halbzivilisierten Länder
ganz von selbst ins Schlepptau kommen; das besorgen allein schon
die ökonomischen Bedürfnisse", 23) gilt zur Zeit noch gewisserma-
ßen mit Negativeffekt.
Zweitens wirkt sich spürbar die Eigenart der sozialökonomischen
Verhältnisse in der noch abhängig mehrsektoralen Struktur der Ge-
sellschaft aus, läßt sie doch aus der sichtlichen Unreife von be-
reits sozialökonomisch geprägter Differenzierung und dem statt-
dessen starken Wirken andersgearteter sozialer Momente, wegen der
übermächtigen Folgen von Unterentwicklung in ihrer Gänze, im Er-
gebnis der Klassenpolitik der Herrschenden u. a. m. den Antago-
nismus in systembestimmenden Widersprüchen langsamer zur Geltung
kommen, schafft sie Raum für eine relativ "friedliche" Zeit der
Herausbildung und Entfaltung von Verhältnissen der Ausbeutung und
Unterdrückung, unter denen sich die Massen noch "ruhig ausplün-
dern lassen" 24); selbst extreme Armut allein reicht für einen
revolutionären Aufbruch nicht aus.
Schließlich ist damit geistige, vor allem politisch-ideologische
Rückständigkeit der Massen verbunden, die dann wenig "zu selb-
ständigem historischen Handeln gedrängt werden". 25) Das führt
dazu, daß sozialer Zündstoff auch dann, wenn er ein bestimmtes
Niveau erlangt hat, in der ideologischen Reflexion länger unter-
halb des für eine politische Eruption mit weiterführenden gesell-
schaftsumwälzenden Folgen notwendigen Standes verbleibt.
Im Ergebnis dessen wirkt eine e i g e n e D i a l e k t i k:
Die Bewegung für nationale Befreiung weiterzuführen, setzt nicht
den Beginn einer sozialen Revolution voraus, doch bleibt letzt-
lich die Erreichung vollständiger nationaler Befreiung vom Impe-
rialismus ohne soziale Revolution für die Masse afro-asiatischer
Länder unerfüllbar. Für die Gegenwart dieser Kontinente bringt
dies vorerst ein g e s e l l s c h a f t s s y s t e m a r e s
E n t w e d e r-O d e r. Entweder vollzieht sich - in der Regel
auf e v o l u t i o n ä r e m Wege, wobei gelegentlich revolu-
tionäre Aufbrüche in gleicher Richtung fördernd wirken können 26)
- die formationelle Herausbildung von bürgerlich-kapitalistischer
Ordnung, mit welchen besonderen Merkmalen dieser Kapitalismus
auch versehen sein mag. Oder es wird ein Prozeß der versuchten
Umgehung einer bürgerlich-kapitalistischen Formation in einem
frühen Stadium als nichtkapitalistische Entwicklung zum Sozialis-
mus aufgenommen, was unbedingt auf r e v o l u t i o n ä r e
Weise geschieht, wobei Elemente von Revolution und Reform in der
komplexen und komplizierten Umwälzung in ein vielfältiges Wech-
selverhältnis treten.
F o r m a t i o n s t h e o r e t i s c h gesehen nimmt natio-
nale Befreiungsbewegung eine Lösung des entwicklungsbestimmenden
Antagonismus dieser Länder zum Imperialismus und somit eine Ver-
änderung im ökonomisch-sozialen Charakter gesellschaftlicher Zu-
stände im Lande zunächst im Rahmen ein und derselben Formation in
Angriff - der kapitalistischen nämlich als deren kolonialperiphe-
rer Teil. Sie überschreitet diesen Rahmen in der Regel auch in
der nachkolonialen Periode real nicht, es wäre denn im gesell-
schaftspolitischen Konzept. Die Ausnahme von dieser Regel in Ge-
stalt von Ländern mit einer anderen gesellschaftlichen Entwick-
lungsrichtung - von der MVR seit den 20er Jahren bis zur Orien-
tierung einer ganzen Gruppe afroasiatischer Länder auf den Sozia-
lismus in der Gegenwart - ist erst einmal nur deren Bestätigung.
In der Masse jedenfalls bringt nationale Befreiungsbewegung in
ihren eigenen ersten grundlegenden Ergebnissen k e i n e n
r e v o l u t i o n ä r e n B r u c h mit der bereits vorher
eingetretenen Grundtendenz kapitalistischer Formationsbildung,
sondern höchstens oder ausschließlich eine Beschleunigung dersel-
ben mit sich - indem sie eine nationalen Interessen in bestimmtem
Grade dienende Variante kapitalistischer Entwicklung gegen die
vorherrschend neokolonial-abhängige durchsetzt. Andererseits ist
der früher "normale" Weg einer unauflöslichen Bindung von natio-
naler Befreiung an bürgerlich-kapitalistische Entwicklung nicht
mehr unvermeidlich in unserer Epoche, hat dieser den Rang einer
Gesetzmäßigkeit historischer Entwicklung für gesellschaftlich
rückständige Völker und Länder verloren - ohne daß der in entge-
gengesetzte Richtung führende nichtkapitalistische Weg seiner-
seits bereits zur solchen geworden wäre.
Die Analogie zur sozialen Revolution aus einer anderen histori-
schen Situation heraus ist für nationale Befreiungsrevolutionen
weder als historische Kategorie noch als Einzelakt ein Schlüssel
zum Verständnis konkreter Vorgänge in afro-asiatischen Ländern.
In fast keinem von ihnen ist objektiv der Boden für den Ausbruch
einer Revolution bürgerlichen Inhalts beseitigt. Deshalb kann es
unter bestimmten Bedingungen zu solchen Revolutionen kommen, ohne
daß deren Ausgang und deren Wirkung auf den weiteren geschichtli-
chen Prozeß von vornherein festgeschrieben sind. Das ereignet
sich nicht zuletzt deshalb, weil eine gesamtnationale, hauptsäch-
lich antiimperialistische Komponente mit eigener Kraft am Wirken
ist. Direkt zeigen das u. a. über einen längeren Zeitraum ver-
folgte Vorgänge in Ägypten (nach 1952), Ghana (nach 1957), Irak
(nach 1958), Tansania (nach 1961) bis hin zur iranischen Revolu-
tion von 1978/79. Indirekt verweist darauf die recht erhebliche
Anzahl von Versuchen einer "Revolution von oben" als Methode zur
Lösung gesellschaftlicher Krisen wie Vorbeugeschutz vor revolu-
tionären Aufbrüchen "von unten", so z.B. in Äthiopien, Afghani-
stan, Indonesien, Iran, Marokko, Pakistan, Philippinen, Saudi-
Arabien. Gleiches läßt sich aus bisher gescheiterten Anfängen von
antikapitalistischer Alternativentwicklung in verschiedenen Län-
dern deuten, denkt man an Ägypten, Ghana, Irak, die bereits ge-
nannt wurden, oder an Burma, Mali oder Somalia.
Für die r e v o l u t i o n s t h e o r e t i s c h e Betrach-
tung folgert daraus, daß der bürgerliche Revolutionszyklus durch-
aus heute noch nicht für jedes einzelne Land in Asien und Afrika
bereits abgeschlossen ist. Es ist zugleich eine weitere Aussage
anzuschließen: Während nationale B e f r e i u n g s b e w e-
g u n g bei für sie in jedem Fall veränderter Situation - in
Trägerschaft, Aufgabenstellung, Bedingungen u.a.m. - ihre ge-
schichtliche Berechtigung auch unter Bedingungen errungener
Nationalstaatlichkeit beibehalten hat und für die Lösung ihrer
Grundprobleme sogar von existentiellem Wert ist, haben nationale
Befreiungs r e v o l u t i o n e n eigentlich ihre entscheidende
historische Mission, eben die politische Grundvoraussetzung mit
staatlich souveräner Existenz zu schaffen, erreicht. Nationale
Befreiungsrevolution gewissermaßen als Lokomotive "in Permanenz"
zu sehen, wird der inneren Dialektik von Nationalem und Sozialem
in den heutigen politischen Bewegungen und gesellschaftlichen
Prozessen nicht gerecht, und es widerspricht dem marxistisch-
leninistischen Revolutionsbegriff wohl auch. Schlüssig ist eher,
daß nationale Befreiungsrevolutionen zu ihrer Zeit und von ihnen
in bestimmten Fällen hervorgebrachte gesellschaftliche Entwick-
lungen konsequent demokratischen und antiimperialistischen
Zuschnitts gemeinsam mit der überall fortwirkenden nationalen
Befreiungsbewegung einen Bestandteil des weltrevolutionären
Prozesses bilden, als der sie sich im einzelnen m i t
u n t e r s c h i e d l i c h e m G e w i c h t verwirklichen
können.
4. Revolutionäre Entwicklungsformen auf dem Weg zum Sozialismus
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Zwei m e t h o d o l o g i s c h e Grundaussagen sind wohl vom
universalhistorischen und nationalgeschichtlichen Bezug her für
die Betrachtung revolutionärer Prozesse in Asien und Afrika für
unsere Epoche vor allem gewichtig - das Konzept der nichtkapita-
listischen Entwicklung rückständiger Länder und Völker zum Sozia-
lismus mit Blick auf den Formationswechsel und das Verständnis
vom Zusammenhang von bürgerlich-demokratischer und sozialisti-
scher Revolution hinsichtlich des Revolutionstyps. Die Klassiker
des Marxismus-Leninismus haben zu beiden Fragen originäre Theo-
rie-Grundlagen geliefert. Sie sind darin von der gesellschaftli-
chen Praxis im Grundsätzlichen bestätigt worden, auch wenn der
Verlauf der Weltgeschichte im einzelnen Korrekturen angebracht
hat. Das Grundsätzliche betrifft die generelle Möglichkeit einer
solchen "abgekürzten" Entwicklung zum Sozialismus, die notwendige
Existenz von Sozialismus bereits in der realen Welt als interna-
tionale Grundvoraussetzung und die Funktion bestimmter innerer
Faktoren bei der Durchsetzung dieses Weges, mit denen sich - mit
Lenin gesprochen - Völkern die Chance auftat, "sich nicht ganz
gewöhnliche Bedingungen für eine Weiterentwicklung der Zivilisa-
tion zu erringen". 27) In anderer Hinsicht wiederum hat u.a. die
Art und Weise der Überwindung von Kapitalismus als Weltsystem in
Form einer längeren historischen Epoche mit einer Vielfalt von
miteinander verbundenen Prozessen unterschiedlichen sozialen Cha-
rakters Folgen nicht zuletzt für derartige soziale Vertiefung na-
tionaler Befreiung, z.B. dergestalt, daß eine solche nicht von
Anbeginn und nicht einmal innerhalb kurzer Frist zu einer Gesetz-
mäßigkeit für solche Länder werden kann. Nichtkapitalistische
Entwicklung als "Alternative, Bluff oder Herrschaftsideologie"
testen zu wollen, ist sicher ein ungeeignetes Rezept für ernst-
haftes wissenschaftliches Bemühen, und die dürftige Erkenntnisbi-
lanz weist das auch aus. 28)
Im Kriterium V i e l f a l t treffen beide eingeführten metho-
dologischen Grundaussagen unmittelbar aufeinander: Nichtkapitali-
stische Entwicklung - so lautete seit der Zeit der KI der wissen-
schaftliche und auch politische Begriff für den "abgekürzten Ent-
wicklungsprozeß ... von allen Ländern vorkapitalistischer Stufe"
29) - ist seit dem Auftreten der internationalen Grundvorausset-
zung - und das geschah mit der siegreichen Großen Sozialistischen
Oktoberrevolution - in Gestalt verschiedenartiger revolutionärer
Entwicklungsformen in Gang gekommen oder schon durchgesetzt wor-
den. Einmal geschah dies durch Revolutionen, die als Teil einer
Revolution proletarisch-sozialistischen Typs siegreich gewesen
sind - ohne selbst von Anbeginn eine gleiche Qualität gehabt zu
haben -, wofür in der Geschichte vormalige koloniale Randgebiete
des zaristischen Rußland im Rahmen des revolutionären Gesamtpro-
zesses in Sowjetrußland bzw. der Sowjetunion stehen und für die
Gegenwart in gewisser Hinsicht der Süden Vietnams als Teil der
Entwicklung der SRV angeführt werden kann. Revolutionen in eini-
gen Ländern Ost- und Südostasiens nach dem Ende des Zweiten Welt-
krieges (im Norden Vietnams und Koreas sowie in China) wiesen bei
aller Unterschiedlichkeit zu zeitgleichen Vorgängen in Europa
Grundzüge auf, die sie als (nationale) volksdemokratische Pro-
zesse erscheinen lassen. Seit Anfang der 60er Jahre begegnen uns
in einer bereits größeren Zahl afro-asiatischer Länder - begonnen
hatte es mit Ägypten, Algerien, Burma, Ghana, Guinea, Kongo,
Mali, Tansania - neue Formen revolutionärer gesellschaftlicher
Umwälzung, die in der wissenschaftlichen Literatur unter Marxi-
sten-Leninisten bald den eigentlich von revolutionären Demokraten
Afrikas entlehnten Begriff der nationalen Demokratie als Revolu-
tionstyp erhielten. Und schließlich ist seit Mitte der siebziger
Jahre - angeführt werden meist Äthiopien, Afghanistan, Angola,
Moçambique, VDR Jemen - etwas ins Leben getreten, bei dem eine
bestimmte Ähnlichkeit in einigen Grundmerkmalen eines früheren
revolutionären Vorganges in der MVR nicht ausgeschlossen werden
kann, das revolutionstypologisch vermutlich aber weder mit der
einen noch der anderen der bisher für die letzten vier Jahrzehnte
genannten Entwicklungsformen in Richtung Sozialismus gleichzuset-
zen ist; auch die Kennzeichnung als "volksdemokratische Tendenz
von nationaldemokratischer Revolution" bleibt nicht mehr als eine
terminologische Notlösung.
Im Interdisziplinären Zentrum für Vergleichende Revolutionsfor-
schung an der Karl-Marx-Universität Leipzig angestellte analyti-
sche Untersuchungen mit einer umfangreichen Anzahl von relevanten
Länderstudien zu Geschichte und Gegenwart revolutionärer Entwick-
lungsformen haben für die Vielfalt der Konstellation bei Wir-
kungsfaktoren und Grundmerkmalen gesellschaftlicher Prozesse in
einzelnen dieser Staaten durchaus nennenswerte Aufschlüsse für
den Revolutionsvergleich unter Bedingungen von nichtkapitalisti-
scher Entwicklung zum Sozialismus ergeben. 30) Arbeitsmethodisch
wurden in einer Verbindung das Erfassen von Struktur und Dynamik
von Wirkungsfaktoren und Grundmerkmalen im konkreten Analyse-Fall
und das Überführen in den Vergleich nach Gemeinsamkeiten und Un-
terschieden für einzelne Entwicklungsformen praktiziert.
Natürlich ist Vorsicht vor Schemabildung geboten. Denn die Viel-
falt und Eigenart der Prozesse, die in einzelnen Ländern auf den
verschiedenen gesellschaftlichen Gebieten vor sich gehen, sind
schwerlich in Gänze zu überschauen, gibt sich doch Realität be-
kanntermaßen immer reicher, als in angenommenen Kategorien erfaß-
bar ist. Auszugehen ist auch davon, daß Kraft von Wirkungsfakto-
ren und Inhalt von Grundmerkmalen eines einzelnen Prozesses einer
Dynamik unterliegen, die nicht nur sie selbst, sondern zugleich
ihr Gewicht für das Verhältnis von Gemeinsamkeiten und Unter-
schieden von Zeit zu Zeit verändern. Schließlich bedeuten Gemein-
samkeiten einerseits, Unterschiede andererseits kein Absolutum,
sondern nur Priorität des einen oder anderen, wo beide in ihrer
ganzen Spezifik aber präsent sein können.
Außerdem gibt es generelle Gemeinsamkeiten solcher Vorgänge, die
entweder aus der historischen Gesamtsituation - kolonialer Ver-
gangenheit oder neokolonial geprägter Gegenwart - oder aus der
Art von Gesellschaftswandel - eben auf revolutionäre Weise - her-
rühren. So treten in allen Fällen nationale und soziale Frage ins
Verhältnis, und das in der Weise, daß die Antwort auf die anfangs
vorrangig gesamtnationale Fragestellung in einer sozialen Vertie-
fung politischer Souveränität, damit in der sozialökonomischen
und gesellschaftspolitischen Fundierung des Strebens nach ökono-
mischer Befreiung vom Imperialismus gesucht wird. Ebenso kommt es
zu einer Verflechtung von politischer und sozialer Umwälzung ra-
dikaler Natur, und das in einem ständig wirksamen Wechselverhält-
nis beider Seiten mit hoher Intensität.
Vergleichbare Phasen gesellschaftlicher Prozesse bei unterschied-
lichen Typen von Revolutionen, wie sie bereits aufgeführt worden
sind, zeigen nun G e m e i n s a m k e i t e n als Priorität am
ehesten in der Widerspruchslage, die den revolutionären Aufbruch
verursacht, für die objektiv erwachsene Aufgabenstellung, bei den
tragenden sozialen Triebkräften, mit der Qualität der durchge-
setzten sozialen Hegemonie. U n t e r s c h i e d e fallen mehr
auf bei der Ausgangsreife des revolutionären subjektiven Faktors,
im gesellschaftspolitischen Charakter von politischer Führung und
Staatsmacht, für die tatsächliche Rolle von Massen im revolutio-
nären Prozeß oder nach außen bei den Beziehungen zum sozialisti-
schen Weltsystem sowie vor allem in der ökonomischen Seite des
Verhältnisses zum Imperialismus.
Ein solches Herangehen vermag überdies den Zugang zu einer weite-
ren Theorie-Frage zu öffnen, auf die Lenin fordernd verwies, näm-
lich "die Form des Ü b e r g a n g s zur proletarischen Revolu-
tion oder des H e r a n g e h e n s an sie ausfindig zu ma-
chen". 31) Die für revolutionäre Entwicklungsformen in Asien und
Afrika auch in der wissenschaftlichen Literatur anzutreffende
Formel von volksdemokratischer oder nationaldemokratischer Revo-
lution als "Übergang zum Sozialismus" kann dem nicht gerecht wer-
den. Denn was für Entwicklungen in DRV, KVDR und VR China noch
zugetroffen haben mag, in einem relativ einheitlichen revolutio-
nären Prozeß den Übergang zur sozialistischen Revolution vollzie-
hen zu können, ist für revolutionäre Entwicklungsformen, die für
die Gegenwart als sozialistische Orientierung und/oder soziali-
stischer Entwicklungsweg/sozialistische Alternative des Entwick-
lungsweges bezeichnet werden, durchaus nicht gegeben. Hier haben
wir es mit etwas anderem zu tun, was hypothetisch wie folgt zuge-
ordnet werden könnte: Sozialistische Orientierung - was, anders
ausgedrückt, eine nationaldemokratische Revolution beinhaltet -
ist ein Versuch des Herankommens von Ländern mit rückständigen
Gesellschaftsstrukturen an die sozialistische Revolution unter
den derzeitigen Bedingungen des Epoche-Verlaufes. In diesem Pro-
zeß werden offenbar auch bei längerer Dauer die Grenzen demokra-
tischer Revolution noch nicht durchbrochen, folglich wird die
Übergangsperiode zum Sozialismus nicht begonnen. Daraus ergibt
sich auch, daß in den letzten Jahren gerade in solchen Ländern
(Algerien, Madagaskar, Syrien, Tansania u.a.) ernste Hemmnisse
für das weitere Voranschreiten bei der revolutionären Art von Um-
gestaltung und sogar für die Beibehaltung der Grundrichtung in
der gesellschaftlichen Entwicklung auftreten. Die sozialistische
Orientierung des politischen Kurses wird zum Gegenstand eines im-
mer heftigeren Klassenkampfes im Inneren und nach außen, dessen
Ausgang noch nicht gewiß ist.
Aber selbst Vorgänge in einer Reihe anderer Länder (wie den ge-
nannten: Äthiopien u. a.) beinhalten nicht einfach "Übergang zum
Sozialismus", sondern mehr eine überaus ungewöhnliche Verbindung
von Herankommen an die sozialistische Revolution und Übergang zum
Sozialismus. Es treten hierin demokratische Revolution als Domi-
nante und erste Elemente sozialistischer Revolution in einzelnen
Wirkungsfaktoren und Grundmerkmalen schon in ein direktes Ver-
hältnis. Unter der Voraussetzung, daß die keimhaft entstandene
Qualität gesamtgesellschaftlicher Entwicklung gesichert, gefe-
stigt und organisch entwickelt werden kann - und nur dann -, ent-
faltet sich in einem solchen Fall ein einheitlicher revolutio-
närer Prozeß. Seine Gefährdung in dem derzeit noch frühen Stadium
ist nirgends auszuschließen, entsteht jedoch weniger aus der in-
neren Widersprüchlichkeit heraus als bei der erstgenannten Vari-
ante revolutionärer Entwicklung. Eine Garantie für ununterbrochen
aufsteigende Linie ist dabei weder von den internationalen Rah-
menbedingungen her noch in allen inneren Voraussetzungen bisher
gegeben.
Besonders die von den Klassikern des Marxismus-Leninismus stets
herausgestellte universalhistorische Grundvoraussetzung für Auf-
treten und Erfolg jeder wie immer gearteten "abgekürzten" Ent-
wicklung zum Sozialismus erweist ihr überragendes Gewicht. Dabei
geht es nicht um die primitiv antikommunistische Deutung als
"Export der Revolution" durch sozialistische Länder. Internatio-
nalistische antiimperialistische Bündnisverwirklichung ist kein
"Revolutionsersatz", wohl aber notwendiges Element der Beförde-
rung gesellschaftlichen Fortschritts, erforderlichenfalls auch in
Form militärischen Schutzes einer Revolution vor dem imperiali-
stischen Export von Konterrevolution. Worum es im weit umfassen-
den Sinne geht: Die Erhaltung und erst recht eine weitere Ver-
schiebung gesellschaftlicher Entwicklungstendenzen in Richtung
Sozialismus bei derartigen revolutionären Entwicklungsformen in
dieser Zeit bleibt in außerordentlich hohem Maße vom Vorankommen
des weltrevolutionären Prozesses in seiner Gesamtheit, in sämtli-
chen seiner Bewegungsteile, in erster Linie vom weiteren Verlauf
der Systemauseinandersetzung zwischen Sozialismus und Imperialis-
mus, von wachsender Stärke und zunehmender Wirkungskraft der
Staaten der sozialistischen Gemeinschaft und, heute mehr denn je,
von Erfolgen der antiimperialistischen Kräfte bei Erhaltung und
Sicherung des Weltfriedens, der Abwehr des Hochrüstungsund Kon-
frontationskurses der reaktionärsten, aggressivsten Teile des in-
ternationalen Monopolkapitals, insbesondere des USA-Imperialis-
mus, abhängig.
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1) Karl Marx/Friedrich Engels, Werke (MEW), Band 23, S. 779, 781.
2) Wladimir Iljitsch Lenin, Werke (LW), Band 3, S. 615.
3) Vgl. Hartmut Schilling, Krise und Zerfall des imperialisti-
schen Kolonialsystems, Berlin 1977.
4) MEW, Band 4, S. 466.
5) Vgl. Lateinamerika im antiimperialistischen Kampf. Probleme
eines Kontinents. Autorenkollektiv unter Leitung von Adalbert
Dessau, Berlin 1978.
6) Vgl. Entwicklungsländer: Sozialökonomische Prozesse und Klas-
sen. Hrsg. von Klaus Ernst und Hartmut Schilling, Berlin 1981.
7) MEW, Band 4, S. 466.
8) Vgl. Afrika. Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Teil III. Afrika vom zweiten Weltkrieg bis zum Zusammenbruch des
imperialistischen Kolonialsystems. Hrsg. von Christian Mährdel,
Köln 1983, S. 16 ff., 107 ff., 118 ff.
9) LW, Band 23, S. 73.
10) Vgl. Walter Markov, Wege und Formen der Staatsbildung in
Asien und Afrika seit dem Zweiten Weltkrieg, in: Zeitschrift für
Geschichtswissenschaft (ZfG), Nr. 6/1970, S. 725 ff.
11) LW, Band 31, S. 6.
12) Vgl. Sun Yatsen, Reden und Schriften, Leipzig 1974, S. 225,
250, 269 ff,, 281 ff.; Jawaharlal
13) Zit. nach: SSSR i strany Afriki. 1946-1962 gg. Dokumenty i
materialy. Band 1, Moskau 1963, S. 620.
14) Vgl. Diethelm Weidemann, Die Entstehung unabhängiger Staaten
in Süd- und Südostasien, Berlin 1969.
15) Vgl. Geschichte der Araber. Von den Anfängen bis zur Gegen-
wart. Band 5. Der Zusammenbruch des imperialistischen Kolonialsy-
stems und die Bildung souveräner arabischer Nationalstaaten. Au-
torenkollektiv unter Leitung von Lothar Rathmann, Berlin 1981.
16) Vgl. Afrika. Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart.
Teil III, a.a.O.
17) Erklärung der Beratung von Vertretern der kommunistischen und
Arbeiterparteien. November 1960, Berlin 1961, S. 40.
18) Vgl. Asien. Afrika. Lateinamerika. Gemeinsam gegen Imperia-
lismus, für sozialen Fortschritt. Autorenkollektiv unter Leitung
von Christian Mährdel, Berlin 1982, S. 328 ff.
19) LW, Band 18, S. 391.
20) Hartmut Schilling, Kolonialismus und nationale Befreiungsbe-
wegung unter dem Aspekt der Marxschen Lehre von Basis und Über-
bau, in: Karl Marx und Grundfragen der Revolution in Theorie und
Praxis. Hrsg. von Manfred Kossok, Leipzig 1980, S. 255/56.
21) Vgl. Der gemeinsame Kampf der Arbeiterbewegung und der natio-
nalen Befreiungsbewegung gegen Imperialismus, für sozialen Fort-
schritt. Internationale Wissenschaftliche Konferenz. Berlin, 20.-
24. Oktober 1980. Band l, Dresden 1981, S. 543.
22) Am beeindruckendsten dargestellt in: Fidel Castro, Die ökono-
mische und soziale Krise in der Welt, ihre Auswirkungen auf die
unterentwickelten Länder, ihre düsteren Perspektiven und die Not-
wendigkeit zu kämpfen, wenn wir überleben wollen. Bericht an die
VII. Gipfelkonferenz der Nichtpaktgebundenen, Dresden 1983; für
die unterschiedliche Interpretation vgl. Martin Robbe, Die Stum-
men in der Welt haben das Wort. Entwicklungsländer: Bilanz und
Perspektive, Berlin 1984; Helmut Faulwetter/Peter Stier, Entwick-
lungsländer am Scheideweg, Berlin 1984, und Die Dritte Welt in
der Krise. Grundprobleme der Entwicklungsländer. Hrsg. von Peter
J. Opitz, München 1984.
23) MEW, Band 35, S. 358.
24) LW, Band 21, S. 206.
25) Ebenda.
26) Gemeint sind u. a. Türkei nach 1919, Ägypten 1952, Irak 1958,
Iran 1979.
27) LW, Band 33, S. 464.
28) Vgl. Claus Leggewie, Nichtkapitalistischer Entwicklungsweg -
Alternative, Bluff oder Herrschaftsideologie?, in: Handbuch der
Dritten Welt. Hrsg. von Dieter Noblen und Franz Nuscheier. Band
1. Unterentwicklung und Entwicklung: Theorien - Strategien - In-
dikatoren, Hamburg 1982, S. 395/96, 403 ff.
29) MEW, Band 22, S. 428/29.
30) Vgl. Leipziger Beiträge zur Revolutionsforschung, Nr. 1. Ver-
gleichende Revolutionsgeschichte - Probleme der Theorie und Me-
thode, Leipzig 1982, S. 49 ff.
31) LW, Band 31, S. 79.
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