Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 08/1985


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ZUSAMMENFASSUNGEN

Kurt Steinhaus Eine universelle Revolution mit universellem Terrain. ----------------------------------------------------- Systemauseinandersetzung und internationale Kräfteverhältnisse -------------------------------------------------------------- 40 Jahre nach der Zerschlagung des Faschismus --------------------------------------------- Die Herausbildung der sozialistischen Staatengemeinschaft in der zweiten Hälfte der 40er Jahre kennzeichnet ein neues Stadium der weltweiten Klassen- und Systemauseinandersetzung. Ausgehend von dem entscheidenden Beitrag der Sowjetunion zur Zerschlagung des Hitlerfaschismus geht der Autor der Frage nach, in welchem Maße der wachsende Einfluß der sozialistischen Staatengemeinschaft, der Zerfall des Kolonialsystems und nationale Befreiungsbewegun- gen und die Verschärfung der inneren Widersprüche des imperiali- stischen Lagers die internationalen ökonomischen und militäri- schen Kräfteverhältnisse verändert haben. Bernd Greiner Risikopolitik und Atomwaffenoption: zum "Krisenmanagement" ---------------------------------------------------------- amerikanischer Regierungen während der Kuba-Krise und des --------------------------------------------------------- Korea-Krieges ------------- Bei der Analyse amerikanischer Kalte-Kriegs-Politik nimmt das Verhältnis Politik - Militär eine zentrale Stellung ein. Bernd Greiner spitzt diese Fragestellung auf den Zusammenhang zwischen außenpolitischen Krisen und Kriegsgefahr zu. Am Beispiel der Kuba-Krise und des Korea-Krieges werden zwei Probleme behandelt: Welche politisch-strategische Programmatik liegt der US-Krisenpo- litik zugrunde, und wie gestaltet sich das reale Krisenmanagement der Vereinigten Staaten? Anhand neueren, z. T. unveröffentlich- ten, Quellenmaterials wird versucht, ein politikwissenschaftli- ches Analysemodell für inneradministrative Entscheidungsprozesse und Krisenmanagement vorzustellen. Frank Deppe Arbeiterbewegung in Westeuropa 1945-1985: ----------------------------------------- Von der Bewegung zur Stagnation? -------------------------------- Nach einigen methodologischen Vorüberlegungen zum Verhältnis von langfristiger Bewegung der Kapitalverwertungsbedingungen, den po- litisch-strategischen Optionen der herrschenden Klasse und den Klassenkampfzyklen untersucht der Autor die Geschichte der Arbei- terbewegung in Westeuropa seit der Befreiung vom Faschismus in vier nach dem Kräfteverhältnis der Klassen unterscheidbaren Pha- sen: der von der Niederlage der Neuordnungskonzeptionen und der Durchsetzung der Kräftekonstellationen des "kalten Krieges" ge- prägten Nachkriegsperiode (1944/45-1948/49), der langen Phase des "Wirtschaftswunders" (Ende der 40er bis Mitte der 60er Jahre), der Zeit der durch das "Ende der Rekonstruktionsperiode" ausgelö- sten Intensivierung der Klassenauseinandersetzungen (etwa Mitte der 60er bis Mitte der 70er Jahre) und einer neuen langen Phase der Depression mit niedrigen wirtschaftlichen Wachstumsraten und krisenhaften Einbrüchen (1973-75 und 1981-83). Der Autor kommt zu dem Ergebnis, daß - in diesem historischen Vergleich - die Situa- tion zu Beginn der 80er Jahre zwar die Klassenkampfbedingungen grundlegend verändert hat, aber keineswegs zu der heute gängigen Rede vom Ende der Arbeiterklasse als historischer Kraft Anlaß gibt. Christian Mährdel Nationale und soziale Befreiung in Asien und Afrika und der ----------------------------------------------------------- weltrevolutionäre Prozeß. Theoretisch-methodische Überlegungen -------------------------------------------------------------- Vier Jahrzehnte historischer Prozeß in Asien und Afrika werden durch das Prisma einzelner Fragestellungen über gesetzmäßige Zu- sammenhänge zwischen Kolonialismus und Kampf um nationale Selbst- bestimmung, von revolutionärem Prozeß als Weltganzes und afro- asiatischem Bestandteil, im Verhältnis von Nationalem und Sozia- lem sowie Revolution und Evolution für politische Bewegung und gesellschaftliche Entwicklung in ihrer Einheit wie Vielfalt zu erfassen versucht. Dieter Boris Arbeiterklasse und transnationale Konzerne Lateinamerikas. Zu ------------------------------------------------------------- Entwicklungstendenzen der Arbeiterbewegung in Mexiko, Brasilien --------------------------------------------------------------- und Argentinien --------------- In den letzten Jahren haben in vielen lateinamerikanischen Län- dern große Streikbewegungen städtisch-industrieller Arbeiter stattgefunden. Vor dem Hintergrund vorherrschender Theorien über die Arbeiterklasse in den modernen und dynamischen Wirtschafts- zweigen gilt das Hauptinteresse des Autors der Frage, welche Be- deutung vor allem der Partizipation von Arbeitern aus transnatio- nalen Konzernen an der Bildung von staatsunabhängigen, autonomen Gewerkschaftsbewegungen und am Kampf gegen Unterentwicklung und Imperialismus zukommt. Diese unter den Bedingungen der Dominanz transnationaler Konzerne entwickelten Ansätze zu einer neuen Ge- werkschaftsopposition werden am Beispiel Mexikos, Brasiliens und Argentiniens aufgezeigt. Georg Fülberth Vorüberlegungen zu einer Geschichte der Beziehungen --------------------------------------------------- zwischen SPD und KPD im kommunalen Bereich 1918-1933 ---------------------------------------------------- Nach der Novemberrevolution bildeten sich in der sozialdemokrati- schen Gemeindepolitik eine "Selbstverwaltungs"- und eine "Staatsverwaltungslinie" heraus. Die erste wurde vor allem von den aktiven Kommunalpolitikern vertreten und orientierte sich theoretisch letztlich an liberalen Selfgovernment-Konzepten, wie sie zunächst in Großbritannien entwickelt und für das Deutsche Reich vor allem von Hugo Preuß formuliert wurden. Vorbild war ab Mitte der zwanziger Jahre das "Rote Wien". Sozialpolitisch erga- ben sich dabei in Einzelfragen immer wieder Gemeinsamkeiten mit der KPD. Die Vertreter der "Staatsverwaltungslinie" gestalteten sozialdemokratische Politik vor allem in den Länderexekutiven, insbesondere in Preußen. Sie versuchten ein angeblich übergeord- netes und parlamentarisch legitimiertes Gesamtinteresse gegen lo- kale Willensbildung durchzusetzen. Mögliche dauerhafte Gemeinsam- keiten zwischen Sozialdemokraten und Kommunisten in den Kommunen zerstörten sie u. a. durch rigorose und einseitige Ausnützung des Rechts auf Nichtbestätigung kommunaler Wahlbeamter. Die KPD entwickelte ihre revolutionäre Kommunalpolitik in Fort- setzung des von Marx im "Bürgerkrieg in Frankreich" entworfenen Konzepts, das im Erfurter Programm der deutschen Sozialdemokratie und in Karl Liebknechts Vorschlägen zur preußischen Verwaltungs- reform fortwirkte und durch die Rätebewegung aktualisiert wurde. Die Etablierung der parlamentarischen Republik stellte sie vor neue Aufgaben, insbesondere vor das Problem, daß die SPD die Or- ganisierung des Arbeiteralltags zeitweise recht effektiv mit gleichzeitiger Verfolgung proimperialistischer Politik verband. Ansätze zu einer Lösung zeichneten sich in der Herausbildung ei- ner Aktionseinheitspolitik ab, die nach der Oktoberniederlage 1923 und in der Krise der Republik 1929 allerdings zurückgeworfen wurde. Ditte Gerns Gemeinsamkeiten und Widersprüche zwischen Monopolkapital und ------------------------------------------------------------ Nazistaat am Beispiel der Auseinandersetzungen um die Gründung -------------------------------------------------------------- der Reichswerke "Hermann Göring" -------------------------------- Der vorliegende Beitrag will am Beispiel der Auseinandersetzung zwischen dem faschistischen Staat und der Eisen- und Stahlindu- strie um die Gründung der Reichswerke "Hermann Göring" exempla- risch das Verhältnis von Staat und Großindustrie im Faschismus verdeutlichen. Es wird aufgezeigt, daß ungeachtet einiger Diffe- renzen die Interessen beider Seiten grundsätzlich übereinstimm- ten, daß diese Differenzen in Teilfragen die Entwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalismus im Faschismus nicht behinder- ten, sondern diese begleiteten. Wulf D. Hund Die Sozialistische Freie Gewerkschaft ------------------------------------- Die Sozialistische Freie Gewerkschaft war der Versuch der Hambur- ger Arbeiterbewegung, nach der Zerschlagung des Faschismus eine Einheitsorganisation zu bilden. Er scheiterte am Widerstand dreier zusammenwirkender Kräfte: der konservativen Führung der britischen Besatzungsmacht, der von ihr eingesetzten, großbürger- lich dominierten deutschen Verwaltung der Stadt und den reformi- stischen Funktionären von SPD und Gewerkschaften aus der Zeit bis 1933. Sie wurden durch das gemeinsame ideologische Motiv des An- tikommunismus geeinigt. Wolfgang Kreuter/Joachim Oltmann Die Amerikanisierung der Arbeiterfrage -------------------------------------- Die "Amerikanisierung der Arbeiterfrage" beinhaltet eine Neufor- mung der Klassenbeziehungen im bürgerlichen Nachkriegsdeutsch- land, die zuweilen auch als Modernisierung oder Verwestlichung bezeichnet wird, jedoch ihre eigentlichen Quellen aus der Rezep- tion des US-amerikanischen Hegemonietyps schöpft. Die Verwestli- chung des bundesdeutschen Parteiensystems, die zunehmende Anleh- nung der Sozialdemokratie an die Demokratische Partei der USA, die Aufnahme von Amerikanisierungselementen in Struktur und Ver- halten der westdeutschen Gewerkschaften sowie die Rezeption ame- rikanischer Managementmethoden verweisen auf eine gezielte Moder- nisierung und eigentümliche Stabilisierung der nachkriegsdeut- schen bürgerlichen Gesellschaft. Christian Seegert Betriebsfrieden im Kalten Krieg. Materialien zur Bedeutung ---------------------------------------------------------- von Betriebsverfassung und .Arbeitsgerichten bei der ---------------------------------------------------- Kommunistenverfolgung der 50er Jahre ------------------------------------ Bei der Kommunistenverfolgung der fünfziger Jahre wurden inner- halb weniger Jahre in allen Gerichtssparten einheitliche Argumen- tationsmuster durchgesetzt, noch bevor das Bundesverfassungsge- richt im KPD-Verbotsurteil diese Judikatur bestätigte. - Während in der Arbeitsgerichtsbarkeit die hierfür entwickelten Verfas- sungsinterpretationen lange Zeit zurückgewiesen wurden, erwiesen jene in der Weimarer Zeit und unter dem Gesetz zur "Ordnung der nationalen Arbeit" (1934) entwickelten arbeitsrechtlichen Katego- rien ihre Eignung als Kampfbegriffe bei der antikommunistischen Formierung der Betriebsverfassung. Erst in der Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts ab 1954 konnten Linien offener Politisie- rung auch in diesem Gerichtszweig verallgemeinernd durchgesetzt werden. zurück