Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985
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DIE ÖKOLOGISCHE KRISE
Waldsterben, Bodenzerstörung, Wasserbelastung -
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Stand und Perspektiven
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Edgar Gärtner
1. Einige deflatorische Vorbemerkungen - zum Begriff der ökologi-
schen Krise - 2. Das Waldsterben - 2.1 Das Ausmaß der Waldschäden
- 2.2 Zum aktuellen Stand der Diskussion über die Ursachen des
Waldsterbens - 2.3 Perspektiven der Luftverschmutzung - ist das
Waldsterben aufzuhalten ? - 3. Nach dem Waldsterben das Boden-
sterben? - 3.1 Bodenversauerung und Schwermetallbelastung - 3.2
Altlasten - 3.3 Überdüngung und Bodenverdichtung - 3.4 Bebauung -
4. Droht uns eine Trinkwasserkrise? - 4.1 Zur Entwicklung der
Wasserqualität - 4.2 Probleme der Trinkwasserversorgung in Bal-
lungsräumen - 5. Die Kosten der Umweltzerstörung
1. Einige definitorische Vorbemerkungen -
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zum Begriff der ökologischen Krise
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Noch in den siebziger Jahren konnten sich die Gelehrten darüber
streiten, inwieweit die Grenzen der Belastbarkeit des Naturhaus-
haltes durch Schadstoffe und mechanische Einwirkungen bereits er-
reicht oder gar schon überschritten worden waren. Die seit dem
Beginn der achtziger Jahre beobachtbare rasche Ausbreitung von
neuartigen Waldschäden, die höchstwahrscheinlich auf den weiträu-
migen Transport von Luftverunreinigungen zurückgeht, scheint je-
nen recht zu geben, die schon immer der Meinung waren, die Ana-
lyse der Umweltprobleme bedürfe nicht der Bezugnahme auf die Ent-
wicklung menschlicher Bedürfnisse. Das Waldsterben zeigt für sie
eindeutig an: Wir befinden uns in Mitteleuropa (und vielleicht
auf dem ganzen Globus) mitten in der ökologischen Krise. Und es
bedarf zu dieser Feststellung keiner gesellschaftswissenschaftli-
chen Kriterien. Im Zweifelsfall genügt ein Streifen Lackmuspa-
pier, um die Versauerung der Umwelt naturwissenschaftlich nachzu-
weisen. Ist die Sache wirklich so einfach?
Um den oben angedeuteten naturalistischen Definitionen der Um-
weltkrise entgegenzutreten, hat der Verfasser vor einigen Jahren
in Anlehnung an Paucke und Bauer 1) zwischen einer naturwissen-
schaftlich definierten ökologischen Krise und einer gesell-
schaftswissenschaftlich definierten Umweltkrise unterschieden. 2)
Der Begriff "ökologische Krise" sollte eine Stufe der Schädigung
von Öko-Systemen kennzeichnen, während der Begriff "Umweltkrise"
für eine politische Legitimationskrise im Zusammenhang mit Um-
weltproblemen stehen sollte. Heute erscheint mir diese Unter-
scheidung als wenig glücklich; denn sie suggeriert, es sei zumin-
dest theoretisch möglich, beide Seiten auseinanderzuhalten und
den Grad der Belastung bzw. Schädigung des Naturhaushaltes
zunächst nach immanenten (etwa aus der Evolutionstheorie entlehn-
ten) Kriterien einzuschätzen. Als solches Kriterium fungiert in
der Alltags- bzw. Vulgärökologie die Artenvielfalt. Wie soll man
aber beispielsweise ohne die Anwendung gesellschaftlicher (d.h.
vor allem wirtschaftlicher, aber auch kulturell-ästhetischer und
ethischer) Kriterien entscheiden, ob das drohende Verschwinden
unserer Wälder ein Rückschritt ist? Das Anlegen des Kriteriums
der Artendiversität wird hier sicher nicht weiterführen; denn die
sich an Stelle der abgestorbenen Wälder möglicherweise ausbrei-
tenden Buschlandschaften, Heiden und Steppen haben nicht notwen-
digerweise eine geringere Artenvielfalt als unsere Wälder.
Auch die ästhetischen und ökonomischen Maßstäbe müssen vorsichtig
angelegt werden, scheinen doch die Menschen auch ohne oder mit
einem stark heruntergekommenen Wald ganz gut leben zu können. Die
Mittelmeervölker gewinnen ihren verkarsteten Höhen mehr Reize ab
als unseren Fichten- und Buchenmonokulturen. Selbst großräumige
und irreversible Schädigungen von Ökosystemen müssen keine kata-
strophale Folgen für die Menschen nach sich ziehen. Mit Geld kann
man manches wettmachen. Werden nicht inzwischen selbst in der
arabischen Wüste Hähnchen und Rinder gemästet? Wird nicht ein
wachsender Teil des Gemüses in Hydrokultur, d. h. ohne Mutterbo-
den erzeugt?
Es macht offenbar wenig Sinn, über Umweltschäden zu reden, ohne
ihnen gleichzeitig eine Schätzung der Kosten notwendiger Repara-
turen oder Ausgleichsmaßnahmen gegenüberzustellen. Von einer öko-
logischen Katastrophe könnte man erst dann sprechen, wenn diese
Maßnahmen schlicht unbezahlbar geworden sind. Das wäre aber mit
Sicherheit der Fall, wenn Prozesse wie das Verschwinden der Wäl-
der (sei es infolge von Schadstoffeinwirkungen auf der nördlichen
Hemisphäre oder infolge unkontrollierter großflächiger Rodungen
in den Tropen) globale Ausmaße annehmen und deshalb nicht nur
Ausweichmanöver und Kompensatiorismaßnahmen immer schwieriger und
aufwendiger werden müssen, sondern auch - nach allem, was wir
darüber bis heute wissen - nachhaltige Veränderungen des Klimas
und des Wasserhaushaltes im planetaren Maßstab mit unabsehbaren
Konsequenzen für die Lebensmöglichkeiten der menschlichen Gattung
zu befürchten sind 3). Das könnte bedeuten, daß die
"Zukunftsperspektive Evakuierung" 4), die in Teilen der dritten
Welt (infolge des Voranschreitens der Wüsten) und der Industrie-
länder (infolge der Luftverschmutzung und der Entdeckung zahlrei-
cher Giftmüll-"Altlasten") schon heute von der Realität eingeholt
wird, sich verallgemeinert (evakuieren - wohin?).
Heute sind wir noch nicht soweit. Aber der Ernst der Bedrohung
läßt sich nicht mehr leugnen. Angesichts der Geschwindigkeit der
Zerstörungsprozesse wird der Zeithorizont für Gegenmaßnahmen im-
mer enger. Und der Ausgang dieses Wettlaufs mit der Zeit ist un-
gewiß. Wenn es nicht gelingt, das Steuer der wirtschaftlichen
Entwicklung noch vor der Jahrtausendwende herumzureißen, dürfte
die Fahrt in den Abgrund kaum noch aufzuhalten sein. Diese Situa-
tion bezeichne ich als ökologische Krise. Sie ist aber gleichzei-
tig dadurch gekennzeichnet, daß wir zum ersten Mal in der Ge-
schichte über die wissenschaftlichen und technischen Vorausset-
zungen einer umweltkonformen Produktions- und Lebensweise verfü-
gen, für deren Einsatz die notwendigen Bedingungen geschaffen
werden müssen.
Im folgenden soll das Ausmaß der ökologischen Krise und der Um-
weltbelastungen in der Bundesrepublik mit Blick auf die nächsten
15 bis 20 Jahre anhand der drei wichtigsten Umweltprobleme der
Bundesrepublik abgeschätzt werden: der auf die Luftverschmutzung
und Bodenbelastung zurückgehenden Waldschäden, des Voranschrei-
tens der Bodenzerstörung sowie der Wasserbelastung. 5)
2. Das Waldsterben
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2.1 Das Ausmaß der Waldschäden
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Nach der Waldschadenserhebung des Bundesministeriums für Land-
wirtschaft von 1984 werden inzwischen auf mehr als der Hälfte der
Waldfläche der BRD mehr oder weniger starke Baumschäden angetrof-
fen. Dieser Befund bedarf einiger Erläuterungen: Er bedeutet
nicht, daß inzwischen - wie man in einem Teil der Presse lesen
konnte - bereits jeder zweite Baum unwiderruflich erkrankt ist.
Er bedeutet auch nicht, daß sich das Ausmaß der Schäden seit der
ersten Waldschadenserhebung im Jahre 1982 versiebenfacht hat.
Vielmehr war die erste Bestandsaufnahme so schlecht vorbereitet,
daß ihre Ergebnisse nicht zum Vergleich herangezogen werden kön-
nen. Des weiteren gilt es zu berücksichtigen, daß der weitaus
größte Teil der von der neuartigen Erkrankung betroffenen Bäume
bisher nur schwach und für das ungeübte Auge kaum wahrnehmbar ge-
schädigt ist. Solche Schäden scheinen noch reversibel zu sein.
Die Fläche mit stark, d.h. höchstwahrscheinlich irreversibel ge-
schädigten Bäumen beschränkt sich dagegen einstweilen auf 110 000
Hektar (1,5 Prozent der Gesamtwaldfläche). Ein bestandsweises Ab-
sterben von Nadelbäumen, wie es seit den siebziger Jahren groß-
flächig im Erz- und im Riesengebirge auftritt, ist in der BRD
bislang auf wenige relativ kleinflächige Höhenstandorte begrenzt.
Das erklärt, warum man die BRD noch immer mit dem Auto oder mit
der Bahn durchqueren kann, ohne die Symptome der neuen Baumkrank-
heit wahrzunehmen.
Damit sollen die vom Waldsterben ausgehendenen Gefahren für den
Naturhaushalt und die Gesellschaft nicht verniedlicht werden. Es
geht vielmehr darum, einigermaßen realistisch abzuschätzen, wie
sich dieses Umweltproblem in den nächsten 15 bis 20 Jahren ent-
wickeln könnte. Und da macht es einen großen Unterschied, ob 1,5
Prozent oder schon die Hälfte der Bäume irreversibel geschädigt
sind; denn bei der angenommenen kurzen Verdoppelungszeit der
Krankheitsausbreitung müßte man dann auch die verbliebene Hälfte
gesunder Bäume bereits für verloren und mögliche Gegenmaßnahmen
wegen ihrer langen Anlaufzeit von vornherein als zwecklos erklä-
ren.
2.2 Zum aktuellen Stand der Diskussion
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über die Ursachen des Waldsterbens
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Um den Krankheitsverlauf wenigstens grob, d.h. in Form einer be-
grenzten Zahl möglicher Entwicklungspfade, abschätzen zu können,
müßten wir natürlich als erstes einigermaßen klare Vorstellungen
über ihre Ursachen haben. Wie steht es damit? An anderer Stelle
wurde vom Verf. darauf hingewiesen, daß wir möglicherweise nie-
mals voll verstehen werden, wie die makroskopischen Symptome der
Baumkrankheit (Vergilbung und zunehmender Verlust der Nadeln bzw.
Blätter, Wachstumsanomalien, Absterben der Feinwurzeln, Kernfäule
usw.) im einzelnen hervorgerufen werden. Und das nicht nur wegen
der unüberschaubaren Komplexität des Ökosystems Wald, insbeson-
dere der im Boden ablaufenden Vorgänge, sondern mehr noch wegen
der fehlenden flächendeckenden Erfassung und Bewertung der an-
thropogenen Belastungsfaktoren. Das schließt nicht aus, daß die
Hypothesen über die Ursachen des Waldsterbens zunehmend ver-
feinert werden. Schon heute ist es möglich, die verschiedenen Er-
klärungsansätze, soweit sie sich nicht widersprechen, zu einer
einigermaßen plausiblen Synthese 6) zusammenzufassen.
Die Schlüsselrolle in diesem Erklärungsmodell spielt die Mykor-
rhiza-Symbiose, die Assoziation der Feinwurzeln der Bäume mit den
Hyphen (feine unterirdische Schläuche) von Pilzen. Normalerweise
umgarnt das Geflecht von Hyphen (Mycel) die Feinwurzeln fast al-
ler Landpflanzen und vergrößert dadurch erheblich deren aktive
Oberfläche. Es hilft so den Pflanzen bei der Aufnahme von Wasser
und Nährstoffen (insbesondere Phosphaten). Darüber hinaus geben
die Pilze Hormone und Vitamine an die Pflanzen ab. Sie schützen
die Wurzeln vor Bakterieninfektionen und halten giftige Schwerme-
talle zurück. Viele Pflanzen, darunter alle unsere Waldbäume,
können ohne die Hilfe der Pilze überhaupt nicht gedeihen. Als Ge-
genleistung erhalten die Pilze, die kein Blattgrün (Chlorophyll)
besitzen und sich deshalb nicht selbst ernähren können, von den
Pflanzen Zucker. Das Ideal des gegenseitigen Nutzens (Symbiose)
wird aber nicht immer erreicht; denn es gibt Hunderte, wenn nicht
Tausende von Pilzarten, die sich mit den Pflanzen vergesellschaf-
ten können, und nicht alle erbringen ihre Leistungen mit gleicher
Effektivität. Zwei unmittelbar benachbarte Bäume der gleichen Art
können auf Streßfaktoren (wie vor allem Trockenheit) völlig ver-
schieden reagieren, wenn sie mit unterschiedlichen Pilzarten ver-
gesellschaftet sind. Manche dieser Pilze werden unter bestimmten
Bedingungen sogar zu schädlichen Parasiten. Es scheint in der
Tat, daß alle kranken Bäume ihre guten Symbiosepartner verloren
haben und daß diese oft von weniger leistungsfähigen oder gar pa-
rasitischen Pilzen ersetzt worden sind. Aber warum und seit wann
haben die Bäume ihre Symbiosepartner verloren? Wir müssen anneh-
men, daß dieser Prozeß schon vor 20 bis 30 Jahren eingesetzt hat.
Pilzkennern (Mykologen) ist aufgefallen, daß in den letzten Jahr-
zehnten eine ganze Reihe von vorher weit verbreiteten Pilzarten
immer seltener geworden und heute kaum noch auffindbar ist 7).
Diese Beobachtung könnte erklären, warum die Bäume, deren Krank-
heitssymptome erst in den letzten Jahren sichtbar geworden sind,
ihr Wachstum schon seit 20 bis 30 Jahren verlangsamt haben, was
Analysen der Jahresringe gefällter kranker Bäume offenbart haben.
Und es scheint kein Zufall zu sein, daß der Beginn der Beein-
trächtigung der Wuchsleistung der Bäume zeitlich etwa mit der
Verallgemeinerung der Hochschornstein-Politik und mit dem Einsatz
des Automobil-Booms seit dem Beginn der sechziger Jahre zusammen-
fällt. Auch ein möglicher Einfluß der militärischen und zivilen
Nutzung der Kernenergie seit den 40er Jahren (mit einem Boom in
den 60er Jahren) sollte nicht von vornherein ausgeschlossen wer-
den. 8) Wir wissen aber noch immer nicht genau, welche Bestand-
teile der Kraftwerks-, Industrie- und Automobilabgase bzw. welche
Kombination von Schadstoffen bzw. von deren atmosphärischen Um-
wandlungsprodukten (eventuell in Verbindung mit extremen meteoro-
logischen Situationen) zur Schwächung der Bäume geführt haben.
Die Aufmerksamkeit der Fachleute und der engagierten Öffentlich-
keit konzentrierte sich zunächst stark auf das Schwefeldioxid
(SCh), dessen Schadwirkungen auf Pflanzen seit dem 19. Jahrhun-
dert untersucht worden sind. Beim Ferntransport wird ein Teil
dieses Rauchgases in Schwefelsäure umgewandelt, wodurch die Nie-
derschläge angesäuert werden. Es kam dadurch seit den 60er Jahren
in Skandinavien zur Versauerung Tausender ansonsten kaum belaste-
ter Binnenseen mit katastrophalen Folgen für ihre Fischfauna. Es
lag daher nahe, die etwas später in Mitteleuropa aufgetretenen
Vegetationsschäden ebenfalls dem "sauren Regen" zuzuschreiben,
zumal die Seenversauerung inzwischen auch hier eingesetzt hatte.
Und zwar nahm man an, die Baumschäden gingen hauptsächlich auf
eine V e r s a u e r u n g d e r W a l d b ö d e n zurück. 9)
Diese nicht begründete Hypothese geriet ins Wanken, als sich die
Symptome der neuartigen Baumkrankheit auch auf Kalkverwitterungs-
böden zeigten, wo die sauren Niederschläge neutralisiert werden.
Angeregt durch Untersuchungen der Auswirkungen des "Los-Angeles-
Smog" aus den 60er Jahren wurde dann die O z o n - H y p o-
t h e s e 10) in die Diskussion gebracht. Ozon (O3) entsteht in
Gegenwart flüchtiger Kohlenwasserstoffe (verdunstete Kraftstoffe
oder Lösungsmittel) unter Einwirkung des Sonnenlichtes aus
Stickstoffdioxid (NO2), dessen Hauptquelle die Ottomotoren von
PKWs sind. Diese Hypothese erscheint insofern als plausibel, als
sie erklären könnte, warum die neuartigen Waldschäden zuerst in
den "Reinluftgebieten" relativ Stadt- und industrieferner
Höhenlagen und unabhängig vom geologischen Untergrund aufgetreten
sind. Nur dort kann sich nämlich Ozon unter bestimmten
Witterungsbedingungen akkumulieren. Trotzdem harrt diese Hy-
pothese noch einer formellen Bestätigung; denn die in Mitteleu-
ropa in erster Linie geschädigten Baumarten (Weißtanne, Fichte
und Buche) gelten als nicht besonders empfindlich gegenüber Ozon,
und es ist nicht sicher, ob in den vom Waldsterben betroffenen
Gebieten schädliche Konzentrationen von Ozon für genügend lange
Zeit erreicht werden können. 11) Deshalb gewinnt heute die
S t r e ß - H y p o t h e s e 12) immer mehr Anhänger. Dieser
Erklärungsversuch geht davon aus, kein einziger Schadstoff errei-
che in den vom Waldsterben betroffenen Landstrichen für genügend
lange Zeit die Schädlichkeitsschwelle. Das Gemisch verschiedener
Schadstoffe (SO2, NO2, O3, Peroxy-Acetylnitrat, Kohlenwasser-
stoffe, Schwermetalle, künstliche Radioaktivität) setzte aber die
Bäume unter einen schädlichen Streß, der zunächst lediglich zu
einer äußerlich nicht sichtbaren Verminderung der Photosynthe-
seleistung und einer zunehmenden Verminderung der Widerstands-
kraft der Bäume gegenüber Klimaschwankungen (extreme Kälte, Troc-
kenheit) und Parasiten führe. Man könnte damit auch erklären,
warum die Baumwurzeln nach und nach ihre Mykorrhiza-Partner ver-
lieren: Wenn nicht mehr genug Zucker in die Wurzeln und in das
sie umgebende Erdreich gelangt, können die Mykorrhiza-Pilze nicht
mehr gedeihen. Die Streß-Hypothese ist vor kurzem um die
A m m o n i u m - H y p o t h e s e 13) ergänzt worden. Diese
Hypothese unterstellt, die Bäume seien in der Nachkriegszeit in-
folge der Luftverschmutzung durch Massentierhaltung (Freisetzung
von Ammonium) und die Explosion des PKW-Verkehrs (Freisetzung von
Stickoxiden, die in Nitrate umgewandelt werden können) mit Stick-
stoffverbindungen überdüngt worden, was zu einem Ungleichgewicht
in ihrer Nährstoffbilanz geführt habe. Da der Baum versucht, das
Überangebot von Stickstoff durch eine verstärkte Eiweiß-Synthese
aufzufangen, vermindert er nach dieser Vorstellung ebenfalls den
Transport von Zucker zu den Wurzeln, was zu einem Rückgang der
Mykorrhizierung führt. Dadurch muß sich das Ungleichgewicht in
der Nährstoffversorgung des Baumes aber noch verstärken, weil nun
die Phosphate, die er nur mit Hilfe der Pilze aufnehmen kann,
spärlicher zu den Blättern gelangen. Der Baum muß sich nun eines
Teiles der mit überschüssigem Stickstoff vergifteten Nadeln bzw.
Blätter entledigen. Damit müssen sich aber seine Zuckerproduktion
und folglich die Mykorrhizierung seiner Wurzeln noch weiter ver-
mindern - und so fort ...
2.3 Perspektiven der Luftverschmutzung -
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ist das Waldsterben aufzuhalten?
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Nach den beiden letztgenannten Hypothesen geraten die Bäume also
in den Teufelskreis einer sich selbst verstärkenden Wuchsbremsung
(positive Rückkoppelung). Wenn diese Vorstellung zutrifft, dann
ist es um die Zukunftsaussichten der bereits kranken und selbst
der lediglich kränkelnden Bäume schlecht bestellt. Selbst drasti-
sche Maßnahmen zur Verminderung der Luftverschmutzung könnten die
Bäume nicht mehr retten, wenn sie erst einmal in den oben skiz-
zierten teuflischen Regelkreis hineingeraten sind. Dem wider-
spricht (zumindest dem Anschein nach) die Beobachtung, daß sich
kränkelnde Bäume wieder erholen. Ist diese Erholung vorübergehend
oder müssen wir annehmen, der Krankheitsverlauf bleibe bis zu ei-
nem gewissen Punkt reversibel?
Wir können jedenfalls aus allem, was wir bisher über die Ursachen
des Waldsterbens wissen, nur einen Schluß ziehen: Um wenigstens
den anscheinend noch gesunden Teil unserer Wälder zu retten und
um den wahrscheinlich zum Absterben verurteilten Teil rasch neu
begründen zu können, müssen wir so schnell wie möglich zum Luft-
belastungsniveau der frühen 50er Jahre zurückkehren, d.h. zum Be-
lastungsniveau, wie es v o r dem Beginn der Zuwachsverluste un-
serer Waldbäume gegeben war. Kein einziger Schadstoff darf dabei
bevorzugt oder vernachlässigt werden. An diesem Ziel müssen wir
die derzeitige Umweltpolitik der Bundesregierung messen.
Die vom Verfasser vor eineinhalb Jahren getroffene Einschätzung
der weitgehenden Wirkungslosigkeit der damals vorbereiteten um-
weltpolitischen Maßnahmen 14) war wahrscheinlich nicht pessimi-
stisch genug. Nach Berechnungen von Dieter Teufel und Jürgen See-
berger vom Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung
(IFEU) führen die halbherzigen Beschlüsse der Bundesregierung und
die faulen Abgaskompromisse in der Europäischen Gemeinschaft
dazu, daß bei uns die Stickoxid-Emissionen, die in allen oben an-
geführten Hypothesen über die Ursachen des Waldsterbens eine
wichtige, wenn nicht die Hauptrolle spielen, bis 1992 sogar noch
weiter ansteigen und erst im Jahr darauf wieder das Niveau von
1983 (3,1 Mio. Tonnen) erreichen werden. Der Gesamtausstoß von
Stickoxiden wird sich zwischen 1985 und 1995 lediglich um 9 Pro-
zent verringern. Bis 1995 muß der Wald insgesamt weitere 35 Mio.
Tonnen Stickoxide verkraften. Technisch machbar, politisch durch-
setzbar und wirtschaftlich verkraftbar wäre demgegenüber eine
Verminderung des jährlichen Stickoxidausstoßes um ein Viertel bis
1987, um über die Hälfte bis 1990 und um über zwei Drittel bis
1994. Dadurch würde sich die Gesamtbelastung mit Stickoxiden in
den nächsten zehn Jahren um knapp die Hälfte verringern. Die
Schwefeldioxid-Emissionen könnten durch eine schärfere Gangart im
Umweltweltschutz bis 1995 sogar um zwei Drittel (statt um ledig-
lich ein Drittel infolge der Regierungsbeschlüsse) gesenkt wer-
den. 15)
Selbst dann dürfte aber das Waldsterben bis zur Jahrtausendwende
nicht aufgehalten werden; denn wir können kaum erwarten, daß eine
Komplexkrankheit, die sich (zunächst unmerklich) seit Jahrzehnten
entwickelt hat, von heute auf morgen heilbar ist. Wir müssen uns
also in jedem Fall auf Folgeschäden der Entwaldung von Höhenlagen
(Erosion, Erdrutsche, Überschwemmungen bei starken Regenfällen,
Versiegen von Quellen und Brunnen bei längerer Trockenheit, rau-
heres Klima usw.) einstellen. Wie groß diese Schäden sein werden,
können wir heute noch nicht abschätzen. Die Verunstetigung des
Wasserabflusses von den Bergen wird überall umfangreiche Wasser-
baumaßnahmen (Erhöhung von Dämmen, Vertiefung von Gräben, Ausspa-
rung von Überschwemmungsflächen usw.) erforderlich machen. Die
Erosionsgefährdung hängt demgegenüber stark von der Geologie des
jeweiligen Gebirges ab. Urgesteinsböden sind weniger erosionsge-
fährdet als Kalkböden. Als besonders erosionsgefährdet gelten die
Voralpen. Die wachsende Schädigung der Schutzwälder führt hier
schon heute zur Gefährdung von Verkehrswegen und Siedlungen durch
Erdrutsche und Lawinen. Die schönsten Alpentäler drohen unbewohn-
bar zu werden. 16)
Hier wird viel davon abhängen, ob es gelingt, die in den Schutz-
wäldern entstehenden Lücken rasch durch eine provisorische Be-
pflanzung mit widerstandsfähigen, genügsamen und schnellwüchsigen
Pioniergehölzen und nötigenfalls durch künstliche Verbauung zu
schließen, um den Boden für eine Neubegründung der Schutzwälder
im nächsten Jahrhundert zu erhalten. Solche Sicherungsmaßnahmen
sind nicht billig. Die Bepflanzung der Hänge kostet pro Hektar
bis zu 50.000 DM. Technische Verbauungsmaßnahmen können, wenn auf
Stahlbeton zurückgegriffen werden muß, leicht auf über eine Mil-
lion DM je Hektar kommen. 17)
Auch die notwendige Neubegründung eines beträchtlichen Teils un-
serer Wälder dürfte - abgesehen von den kaum noch vermeidbaren
Verlusten der Waldwirtschaft infolge des vorzeitigen Einschiagens
kranker Bäume (etwa 2 Mrd. DM im Jahr) - zu einer überaus teuren
Angelegenheit werden. Es wird notwendig sein, die Wurzeln der
Baumsetzlinge einzeln mit den leistungsfähigsten Mykorrhiza-Pil-
zen anzuimpfen, um ihre Überlebenschancen auf möglicherweise mit
Schwermetallen verseuchten Böden zu steigern. 18)
3. Nach dem Waldsterben das Bodensterben?
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Damit ist bereits angedeutet, daß die Chancen einer Neubegründung
unserer Wälder nicht nur davon abhängen, wie weit es gelingt, die
Luftverschmutzung schleunigst auf ein ungefährliches Niveau zu
senken und Übergangsmaßnahmen zur Verhinderung der Erosion einzu-
leiten, sondern auch davon, wie weit der Boden durch die Luftver-
schmutzung bereits dauerhaften Schaden genommen hat. Außer für
den unmittelbaren Einflußbereich "wilder" Giftmüllablagerungen
oder von Schwermetall-Emissionen aus Zink-, Kupfer-und Bleihüt-
ten, Zementfabriken o.a. kann diese Frage heute noch nicht ein-
deutig beantwortet werden. Bei dem bisher von der Umweltpolitik
sträflich vernachlässigten Medium Boden stehen wir vor den größ-
ten Informationslücken. Zwar ist die Lebewelt des Bodens unter
einem sterbenden Wald schwer gestört, aber nur eine der bisher
zur Erklärung des Waldsterbens vorgebrachten Hypothesen, die Ver-
sauerungsthese, geht davon aus, daß auch die Bodenstruktur (die
Ton-Humus-Komplexe) nachhaltig und möglicherweise irreversibel
geschädigt ist. Eine Versauerung der Waldböden ließe sich nämlich
sehr wahrscheinlich nicht so leicht beheben, wie die Chemische
Industrie mit ihrer Kampagne für eine künstliche Düngung und Kal-
kung der Wälder vorgibt, da unerwünschte Nebenwirkungen zu be-
fürchten sind. 19) Sollte sich die Versauerungsthese ganz oder
teilweise bestätigen, müßte deshalb die notwendige Erholungszeit
unserer Wälder auf viel länger veranschlagt werden.
3.1 Bodenversauerung und Schwermetallbelastung
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Die Versauerung der Böden ist vor allem deshalb gefährlich, weil
sie zur Freisetzung giftiger Schwermetalle führen muß, die bisher
von komplizierten Tonmolekülen gebunden und damit unschädlich ge-
macht worden sind. Daß vor allem die Waldböden große Mengen von
Schwermetallstäuben aus der Luft aufgenommen haben, ist unbe-
stritten. Die Funktion der Wälder als Luftfilter wurde gerade in
der Umgebung von Industrieanlagen in den letzten Jahrzehnten be-
wußt ausgenutzt. Infolge des Rückgangs ihrer Mykorrhizierung sind
die Bäume den nun in die Bodenlösung übertretenden Schwermetal-
lionen schutzlos ausgeliefert. Die Versauerung der Böden kann so-
gar so weit führen, daß sich die Ton-Humus-Komplexe, die Grund-
lage der lamellen- bzw. gerüstartigen Bodenfeinstruktur,
auflösen, wobei das für Pflanzen wie für Tiere und Menschen
äußerst giftige Aluminium, Hauptbestandteil der Tonminerale, in
Lösung gehen würde. Sowohl die Schwermetalle als auch das
Aluminium werden sich letzten Endes im Grund- und Quellwasser
wiederfinden. Dadurch kann die Trinkwasserversorgung großer
Gebiete problematisch werden (vgl. dazu Abschnitt 4).
Über die Bodenversauerung liegen bisher, wie angedeutet, nur lüc-
kenhafte Daten vor, die wegen der sehr unterschiedlichen Belast-
barkeit der verschiedenen Bodentypen nicht ohne weiteres als
Grundlage für eine Abschätzung des Gesamtzustandes dienen können.
Jedenfalls zeigen die Fälle, in denen die Meßergebnisse der acht-
ziger Jahre verglichen werden konnten, eine eindeutige Zunahme
der Versauerung von Waldböden. 20) Bei den Ackerböden läßt sich
diese Tendenz nicht klar feststellen. Wir müssen annehmen, daß
der Versauerung hier durch verstärkte Kalkung entgegengewirkt
worden ist. Der im Schnitt stark steigende Kalkeinsatz (im Ver-
gleich zum leicht abnehmenden Einsatz von Phosphat und Kali und
der weniger stark zunehmenden Anwendung von Stickstoff) muß als
Hinweis auf diesen Sachverhalt gewertet werden.
Deshalb ist die auf den ersten Blick absurd erscheinende, aber
durchaus logische Forderung erhoben worden, die brachfallenden
Böden weiterhin zu kalken und zu düngen, damit die Schwermetalle
weiter im Boden festgehalten werden können. 21) Die Reinigung
schwermetallverseuchter Böden ist nämlich großtechnisch nicht
möglich. Sie müssen vielmehr abgetragen und durch unbelastete
Erde ersetzt werden. Das ist an verschiedenen Orten der BRD auch
bereits getan worden. Es ist aber überflüssig zu betonen, daß
eine solche "Lösung" des Problems der irreversiblen Bodenverseu-
chung großflächig nicht nur unbezahlbar, sondern auch physisch
unmöglich ist. (Wohin mit der kontaminierten Erde? Woher noch un-
belasteten Boden nehmen?)
Fachleute nehmen an, derzeit könnten etwa 7 Prozent der Gesamt-
fläche der BRD mit Schwermetallen (Blei, Cadmium, Chrom, Queck-
silber, Thallium usw.) und durch beständige chlorierte Kohlenwas-
serstoffe (HCB, PCBs, Dibenzofurane, Dioxine einschließlich des
berüchtigten Seveso-Giftes TCDD) vergiftet sein 22). Mangels aus-
reichender Datengrundlagen hat man dabei einfach die Flächen der
Industriegebiete (einschließlich eines drei Kilometer breiten
Gürtels) und die von Verkehrswegen stark beeinflußten Flächen (d.
h. einen 50 Meter breiten Streifen beiderseits der Fahrbahnen)
addiert. Der Ferntransport zahlreicher Schadstoffe und ihre mög-
liche Anreicherung in windexponierten Lagen der Mittelgebirge
wurden dabei noch gar nicht berücksichtigt.
Am stärksten ist die Bodenkontamination in der Umgebung bestimm-
ter Industrieansiedlungen (Blei-, Kupfer- und Zinkhütten, Zement-
werke, Pestizidfabriken) und zahlreicher Müllkippen. Aber auch
Böden, auf denen Klärschlamm oder ausgebaggerte Flußsedimente
aufgebracht wurden, können hochgradig durch Schwermetalle und
langlebige organische Giftstoffe belastet sein. Gleiches gilt für
die als Weiden genutzten Überschwemmungsgebiete der Flüsse. Ent-
lang stark befahrener Verkehrswege kann der Boden bis in einige
hundert Meter Entfernung durch Blei, Streusalz, polyzyklische
aromatische Kohlenwasserstoffe u.a. belastet sein.
3.2 Altlasten
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Als besonders problematisch gelten die sogenannten Altlasten. Das
sind etwa 50 000 weitgehend unkontrollierte "wilde" Müllablage-
rungen aus den 50er und 60er Jahren, die inzwischen größtenteils
eingegrünt und in Naherholungsanlagen oder sogar in Bauland umge-
wandelt worden sind. Auf ein- bis zweitausend dieser Müllkippen
wurden hochgiftige Rückstände aus der Chemischen Industrie o.ä.
vergraben. Aber auch die Müllhalden, auf denen lediglich Haus-
ratabfälle abgelagert wurden, enthalten schätzungsweise zu minde-
stens einem Prozent hochgiftige Stoffe (quecksilberhaltige Batte-
rien, cadmiumhaltige Farben, chlororganische Lösungsmittel u.ä.).
23) Das von den Medien in diesem Zusammenhang verwendete Schlag-
wort "chemische Zeitbombe" erscheint der Lage durchaus angemes-
sen, mußten doch bereits ganze Neubau-Siedlungen geräumt werden,
die auf stark kontaminiertem Grund angelegt worden waren. 24)
Unüberlegte, lediglich an der Erzielung kurzfristiger Höchstpro-
fite orientierte Veränderungen der Produktions- und Konsumtions-
struktur (vor allem die fast durchgängige Chemisierung) haben
eine wahre Müll-Lawine ausgelöst, mit der man heute kaum noch
fertig wird. Inzwischen fällt im Jahr fast ein Kubikmeter Abfall
je Bundesbürger an. Wohin damit? Müllverbrennungsanlagen, die das
Abfallvolumen um etwa zwei Drittel verringern können, haben sich
als "potemkinsche Anlagen" 25) erwiesen, die das Abfallproblem
nicht lösen, sondern lediglich verschieben und dabei meist noch
erheblich verschlimmern. Selbst allgegenwärtige und deshalb auf
den ersten Blick harmlos erscheinende Massenkunststoffe wie PVC
bereiten den für die Abfallbeseitigung verantwortlichen Kommunen
heute Kopfzerbrechen, weil bei ihrer Verbrennung nicht nur Salz-
säure, sondern auch chlorierte Kohlenwasserstoffe (darunter auch
das Seveso-Gift TCDD) entstehen. In der Umgebung einer in Rösrath
bei Köln abgebrannten Lagerhalle mit 500 Tonnen PVC soll der Bo-
den ebenso stark vergiftet sein wie in Seveso. 26) In Hamburg
wird gehäuftes Auftreten von Kindesmißbildungen u.a. mit der
Luftverschmutzung durch Müllverbrennungsanlagen und die Chemiefa-
brik Boehringer in Zusammenhang gebracht. 27) In dieser Großstadt
machen Rauchgasreinigungsrückstände, Aschen und Schlacken heute
bereits 75 Prozent aller begleitscheinpflichtigen Deponiegüter
aus. Bei der Suche der Großstädte nach geeignet erscheinenden De-
ponieflächen kommt es zu den absonderlichsten Kuhhandeln mit Um-
landgemeinden.
Die Stadt Hamburg mußte bis 1984 für die Sanierung von 24 ver-
seuchten Bodenflächen 68 Millionen D-Mark ausgeben. Dabei wurden
240 000 Kubikmeter Boden ausgetauscht; weitere Flächen, so die
Deponie Georgswerder, stehen zur Sanierung an. Die Beseitigung
hochgefährlicher Altlasten wird in der BRD zweistellige Milliar-
denbeträge verschlingen. Allein die Sicherung der Deponie Gerols-
heim (Rheinland-Pfalz), auf der u.a. dioxinhaltige Rückstände aus
dem inzwischen stillgelegten (weil dioxinverseuchten) Hamburger
Boehringer-Werk lagern, wird über 22 Millionen DM kosten. Diese
Deponie soll mit einer drei Kilometer langen, 50 Meter tiefen und
80 Zentimeter dicken Betonmauer gegenüber den Grundwasserströmen
abgedichtet und durch eine Abdeckung langsam ausgetrocknet wer-
den. An bestimmten Auslaßstellen im Betonmantel soll das Sicker-
wasser gesammelt und in einer speziellen Anlage gereinigt werden.
28)
Die Gefährdung unserer Böden (und damit letztlich auch unserer
Trinkwasserversorgung) ist allerdings nicht allein der Luftver-
schmutzung und der Ablagerung giftiger Rückstände durch die Indu-
strie zuzuschreiben. Auch die Landwirtschaft, die zuerst an der
Bodenfruchtbarkeit interessiert sein müßte, beteiligt sich maß-
geblich am Zerstörungswerk. Statt als hochkomplexes und empfind-
liches lebendes System wurde der Boden auch hier als "Dreck" be-
handelt. Das wird schon daran deutlich, daß es in der BRD derzeit
nur zwei Lehrstühle für Bodenbiologie gibt, deren Veranstaltungen
für die angehenden Agraringenieure nicht einmal obligatorisch
sind. 29) Beim Boden waren nur die Baulandpreise und der Sand, in
den die etablierten Umweltpolitiker ihren Kopf stecken konnten,
von Interesse.
3.3 Überdüngung und Bodenverdichtung
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Es gibt in der BRD etwa 30 bis 40 verschiedene Bodentypen, deren
Fruchtbarkeit und Belastbarkeit sehr unterschiedlich sein kann.
Aber nur für 10 bis 15 Prozent der Fläche der Bundesrepublik gibt
es detaillierte Boden- und Standortkarten 30). Möglicherweise
kennt die Wissenschaft heute die Mondgesteine besser als den Bo-
den unter unseren Füßen. So konnte der Boden ruhigen Gewissens
nicht nur als "Endlager" für die über hohe Schornsteine weiträu-
mig verteilten Luftschadstoffe bzw. für die im Klärschlamm ent-
haltenen Giftstoffe mißbraucht werden. Ihm konnte auch eine Ver-
vierfachung des durchschnittlichen Stickstoffeinsatzes zwischen
1950 und 1980 zugemutet werden. Besonders augenfällig sind die
Exzesse der sogenannten "bodenunabhängigen Veredelung". Hier
dient der Boden nur noch als Deponie für die bei der fabrikmäßi-
gen Massentierhaltung anfallenden riesigen Gülle-Mengen.
Die Überdüngung der Felder erweist sich heute als folgenschwerer
als der von Naturschützern seit langem gebrandmarkte Einsatz von
chemischen Pflanzenschutzmitteln. Die Pestizide können - sofern
es sich dabei nicht um langlebige chlorierte Kohlenwasserstoffe
handelt, die in der BRD inzwischen größtenteils verboten sind -
das Bodenleben nur vorübergehend durcheinanderbringen. 31) Die
Überdüngung des Bodens mit Nitraten (als Gülle oder als Kunstdün-
ger) kann hingegen zur bleibenden Schädigung der Bodenfauna füh-
ren. Diese Schäden werden noch verstärkt durch den Einsatz schwe-
rer Maschinen, die den Boden verdichten und dadurch die für das
Bodenleben notwendige Belüftung unterbrechen. Sowohl die Überdün-
gung als auch die dauerhafte Verdichtung führen zu einer Verar-
mung des Bodens an Humus. Dadurch wird die Auswaschung der über-
schüssigen Nitrate erleichtert. Ein Teil von ihnen belastet die
Fließgewässer, ein anderer Teil wandert ins Grundwasser. So ent-
hält heute das Trinkwasser in Gebieten mit landwirtschaftlichen
Intensivkulturen (Weinbaugebiete am Rhein, überwiegend dem Gemü-
seanbau verschriebene Landstriche wie die niederrheinische Bucht,
Gebiete, die zu Gülledeponien verkommen sind, wie Süd-Oldenburg
usw.) zum Teil bedenklich hohe Nitratwerte (vgl. Abschnitt 4).
Der Nitratüberschuß wirkt sich aber auch auf die Qualität der
Nahrungs- und Futterpflanzen aus.
Auf den überdüngten und verdichteten Böden gedeiht am Ende nur
noch der Mais. Er gilt als "Syphilis der Landwirtschaft" 32),
weil der Anbau dieser wärmeliebenden Getreideart den Boden wäh-
rend des größten Teils des Jahres unbedeckt läßt und so erheblich
seine Erosion fördert. Die rasche Ausbreitung des Maisanbaus in
den letzten 10 bis 12 Jahren 33) gilt heute als wichtiger Indika-
tor für die Verschlechterung unserer Böden. Trotzdem wäre es ver-
früht, schon jetzt ein allgemeines Bodensterben für gegeben zu
halten.
Es ist aber, wie angedeutet, durchaus gerechtfertigt, von einer
tickenden Zeitbombe zu sprechen. So weisen vor allem in Nord-
rhein-Westfalen, wo trotz der Krise der Schwerindustrie des Ruhr-
gebiets noch immer der weitaus größte Teil der Luftverschmutzung
und des Giftmülls anfällt und obendrein der Einsatz von Stick-
stoffdünger in der Landwirtschaft mit 143 Kilogramm Reinstick-
stoff je Hektar über dem Durchschnitt der BRD (121 Kilogramm je
Hektar) liegt, Gemüse- und Getreideproben nicht nur überhöhte Ni-
tratgehalte, sondern auch relativ hohe Konzentrationen der äu-
ßerst giftigen Schwermetalle Cadmium und Blei auf. An einigen Or-
ten (Duisburg, Dortmund, Gelsenkirchen, Köln) werden die Richt-
werte des Bundesgesundheitsamtes von einem Teil der Proben deut-
lich überschritten. Wenn sich die Aufnahme von Schwermetallen
durch Kulturpflanzen bis jetzt, von örtlichen Ausnahmen wie der
Umgebung der Bleihütten von Stollberg, Oker oder Nordenham, der
Zinkhütte von Datteln oder des Zementwerkes von Lengerich abgese-
hen, in Grenzen hält und ein akutes Gesundheitsrisiko für die Ge-
samtbevölkerung noch nicht gegeben ist, so heißt das nicht, daß
das in den nächsten Jahren so bleiben muß. Werden die Schwerme-
talle nämlich derzeit nur deshalb im Boden festgehalten, weil
dessen Säureeintrag aus den Niederschlägen durch verstärkte Kal-
kung abgepuffert wird, so kann einmal der Punkt erreicht werden,
an dem die Pufferkapazität endgültig erschöpft ist und die vorher
in den Ton-Humus-Komplexen festgelegten Schwermetalle schlagartig
pflanzenverfügbar werden. Dieser Umschlagpunkt würde von den
Landwirten nicht einmal rechtzeitig bemerkt, da die Toleranz
zahlreicher Kulturpflanzen gegenüber Cadmium, Blei usw. erstaun-
lich groß ist. Erst wenn Rinder auf der Weide krepieren, wie das
im Umkreis von Bleihütten mehrfach geschehen ist, oder Menschen
beim Verspeisen thalliumverseuchten Grünkohls mit Magenkrämpfen
zusammenbrechen, würde man gewahr, daß der Boden sich von einer
Schadstoffsenke in eine Schadstoffquelle verwandelt hat.
3.4 Bebauung
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So weit ist es bis heute nur in Ausnahmefällen gekommen. Bei der
Frage nach der Gefahr eines weiträumigen Bodensterbens dürfen wir
aber nicht aus dem Auge verlieren, daß in der BRD schon seit
vielen Jahren tagtäglich 113 Hektar Boden unwiderruflich zerstört
werden - und zwar durch Überbauung. Unter einem Kilometer Auto-
bahn verschwinden 2,7 Hektar Boden, wobei Böschungen, Gräben und
Mittelstreifen nicht eingeschlossen sind. Sie gelten in der offi-
ziellen Statistik als Frei- oder Grünfläche. Die in der BRD durch
Verkehrswege versiegelte Fläche macht inzwischen fast 5 Prozent
der Gesamtfläche aus, wobei noch berücksichtigt werden muß, daß
durch das dichte Netz von Verkehrswegen das Land kreuz und quer
zerstückelt und natürliche Lebensräume auseinandergerissen wur-
den. Die Gesamtlänge der überörtlichen Verkehrsstraßen betrug im
Jahre 1983 173 000 Kilometer. Die BRD verfügt damit über fast
zwei Straßenkilometer je Quadratkilometer Fläche. Und es gab nur
noch 120 Quadrate von 10 Kilometer Seitenlänge, die nicht von
Hauptverkehrsstraßen oder Schienen zerschnitten waren. Der Anteil
der Siedlungsfläche (Verkehrswege, Wohn-, Fabrik- und Büroge-
bäude, Parkplätze usw.) an der Gesamtfläche der BRD ist in den
letzten 30 Jahren von 7,5 auf fast 12 Prozent gestiegen. 34) Und
es ist noch offen, ob der z.T. krisenbedingte Rückgang der Bautä-
tigkeit in den letzten Jahren wirklich eine Wende markiert.
4. Droht uns eine Trinkwasserkrise?
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Was ihren natürlichen Wasserhaushalt angeht, ist die Bundesrepu-
blik ein gesegnetes Land. Sie erhält reichlich Niederschläge
(durchschnittlich 837 mm im Jahr) und wird relativ gleichmäßig
von Fließwässern durchströmt. Zudem verfügt sie wegen ihrer Ge-
ländeform und der geologischen Beschaffenheit des Untergrundes
über bedeutende Grundwasservorkommen. Das natürliche Wasserdarge-
bot (die Differenz zwischen Zu- und Abfluß) beträgt etwa 3000 Ku-
bikmeter im Jahr pro Kopf der Bevölkerung. Es dürfte also über-
haupt keine Trinkwasserversorgungsprobleme geben. Wenn die Situa-
tion der Wasserwirtschaft der BRD seit einigen Jahren dennoch zu
Sorge Anlaß gibt 35), dann heißt das, daß mit der Naturgabe des
Wasserüberflusses schlecht gewirtschaftet worden ist.
4.1 Zur Entwicklung der Wasserqualität
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Dabei läßt der erste Augenschein eher auf eine Entspannung der
Lage in den letzten Jahren schließen. Der Rhein, der als Lebensa-
der der bundesdeutschen Wirtschaft sowohl als Schiffahrtsstraße
und Abwasserkanal als auch als Trink- und Brauchwasserspender
dienen muß, macht heute einen deutlich besseren Eindruck als um
die Mitte der siebziger Jahre. Auf der Gewässergütekarte der BRD
springen Farbverschiebungen ins Auge: Die roten Flußabschnitte
(für die Güteklasse IV: Übermäßig verschmutzt) sind deutlich kür-
zer geworden. Dafür bestimmen jetzt dunkel- und hellgrüne Flußab-
schnitte (mäßig bis kritisch belastet) das Gesamtbild. Es sind
also eindeutig Verbesserungen zu verzeichnen. Diese gehen aber,
außer in seltenen Einzelfällen, nicht so weit, daß man sich damit
zufriedengeben könnte.
Die Gründe für diese Fortschritte liegen auf der Hand: Seit dem
Beginn der siebziger Jahre wurden in der Bundesrepublik schät-
zungsweise über 100 Milliarden DM (größtenteils aus Steuermit-
teln) für den Bau von Kanalisationsnetzen und biologischen Klär-
anlagen ausgegeben. Anfang der achtziger Jahre waren über 70 Pro-
zent der Bevölkerung an vollbiologische Kläranlagen angeschlos-
sen. Der beim bakteriellen Abbau organischer Schmutzstoffe ent-
stehende Sauerstoffschwund wurde dadurch aus den Flüssen teil-
weise in die Kläranlagen verlegt. So konnte der Sauerstoffgehalt
der Flüsse (insbesondere des Rheins) wieder ansteigen. Fischster-
ben aufgrund von Sauerstoffmangel, wie sie im Rhein zu Beginn der
siebziger Jahre wiederholt vorkamen, sind in den letzten Jahren
und selbst während der kritischen Wochen im trockenen und heißen
Sommer 1983 nicht mehr beobachtet worden.
Allerdings wirken auch die bisher gebauten Kläranlagen in mancher
Hinsicht als "potemkinsche Anlagen". Nicht einmal die biologisch
abbaubaren organischen Schmutzstoffe können sie in ausreichendem
Maße aus den Abwässern entfernen, wenn die Durchlaufgeschwindig-
keit der Abwässer wegen der meist zu knapp ausgelegten Kapazität
der Anlagen zu hoch ist. Die Stickstoffverbindungen werden dann
nur bis zum Ammoniak abgebaut. Dessen Oxidation zu Nitrat ent-
zieht den Gewässern noch eine erhebliche Menge Sauerstoff. Nitrat
selbst fördert wie das bei der Abwasserklärung gleichfalls an-
fallende Phosphat als Pflanzennährstoff das Algenwachstum. In
stehenden oder zu langsam fließenden Gewässern (etwa in dem durch
eine ganze Kette von Staustufen schiffbar gemachten Main) kann es
dadurch in den Sommermonaten zu einer Massenvermehrung von Algen
kommen, deren Zersetzung zu einer erheblichen Sauerstoffzehrung
führt. (Ein Gramm Phosphor ermöglicht das Wachstum von 100 Gramm
Algen, bei deren Zersetzung 150 Gramm Sauerstoff verbraucht wer-
den.)
Die zum großen Teil sehr schwer oder gar nicht abbaubaren synthe-
tischen Chemieprodukte sowie Schwermetalle und anorganische Ver-
bindungen werden von den biologischen Kläranlagen nur zu einem
relativ geringen Prozentsatz entfernt. Dieser Teil der Schmutz-
stoffe findet sich dann in den Klärschlämmen, wodurch deren an
sich sinnvolle Verwendung für die Bodenverbesserung in der Land-
wirtschaft oft unmöglich gemacht wird. Auf diese Weise wird das
Abwasserproblem in ein Abfallproblem verwandelt. Der andere Teil
der durch herkömmliche Kläranlagen nicht beseitigten giftigen
Verbindungen und Schwermetalle belastet weiterhin die Fließgewäs-
ser. So hat der gestiegene Sauerstoffgehalt zwar eine weitgehende
Erholung der Fischfauna des Rheins ermöglicht. Vom Genuß der Fi-
sche wird den Anglern jedoch abgeraten. Sie enthalten nämlich zu
einem nicht unbeträchtlichen Teil überhöhte Konzentrationen an
potentiell krebserregenden chlororganischen Verbindungen und
Schwermetalleri. 36)
4.2 Probleme der Trinkwasserversorgung in Ballungsräumen
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Die Restverschmutzung aus biologischen Kläranlagen kann auch die
Trinkwassergewinnung aus Flußwasser bzw. Uferfiltrat vor schwie-
rige Probleme stellen. Bei Belastungsspitzen, wie sie etwa auf-
treten, wenn die großen biologischen Kläranlagen von Chemiewerken
durch Vergiftung ausfallen, oder wenn giftige Abwässer, um die
Kläranlage zu schonen, direkt eingeleitet werden, können Gift-
stoffe durch die Filter der Wasserwerke bis ins Trinkwasser
durchschlagen. Das war z.B. Ende September 1982 der Fall, als ein
Schub Ortho-Chlornitrobenzol vom Werk Griesheim der Hoechst AG
über den Main in den Rhein gelangte. Aber auch die Wasserwerke,
die das Wasser nicht direkt oder indirekt aus Flüssen, sondern
aus Grundwasserkörpern beziehen (70 Prozent des Trinkwassers der
BRD wird aus Grundwasser gewonnen), können nicht immer einwand-
freies Trinkwasser liefern; denn das Grundwasser ist nicht in al-
len Teilen der BRD durch Deckschichten gegenüber der Verschmut-
zung durch Nitrate aus der intensiven Landwirtschaft (vgl. Ab-
schnitt 3) und chlorierte Kohlenwasserstoffe (z.B. durch unsach-
gemäß beseitigte Lösungsmittelrückstände) geschützt.
Der von der Europäischen Gemeinschaft eingeführte Richtwert von
50 Milligramm Nitrat pro Liter wird von schätzungsweise 10 Pro-
zent der bundesdeutschen Wasserwerke überschritten. 37) Manchmal
ist es ihnen möglich, Wasser aus nitratbelasteten Tiefbrunnen mit
weniger belastetem Wasser zu mischen. Wo das nicht möglich ist,
wird empfohlen, Säuglingsnahrung mit Mineralwasser zuzubereiten.
Erst ein Nitratgehalt von weniger als 10 Milligramm in einem Li-
ter Trinkwasser gilt als hinreichend niedrig, um das Risiko der
Blausucht (Umwandlung von Nitrat zu giftigem Nitrit im Magen)
weitestgehend zu vermindern. Die Wasserwerke von Mönchengladbach,
wo das Grundwasser stark durch den intensiven Gemüseanbau in der
niederrheinischen Bucht belastet ist, haben 1983 eine aufwendige
Pilotanlage zur Denitrierung des Brunnenwassers in Betrieb genom-
men. Eine Großanlage nach dem gleichen Prinzip, so wurde berech-
net, würde das Trinkwasser um bis zu 15 Pfennig je Kubikmeter
verteuern. Es sei billiger, die landwirtschaftlichen Flächen in
der Umgebung der Brunnen aufzukaufen, um sie brachzulegen.
Die Verschmutzung des Trinkwassers durch chlorierte Lösungsmittel
wurde vor allem in und um Frankfurt ruchbar. Als Ursache konnte
man die Versickerung von Reinigungsmitteln auf dem Frankfurter
Flughafen ermitteln, in dessen Nähe sich Brunnen der Stadtwerke
befinden. Das Bundesgesundheitsamt ließ daraufhin das Grundwasser
im gesamten Ballungsraum überprüfen, wobei man fast überall fün-
dig wurde. Der massenhafte Einsatz chlorierter organischer Lö-
sungsmittel wie vor allem Trichloräthylen (Tri) und Perchlor-
äthylen (Per) in den Entfettungsanlagen der metallverarbeitenden
Industrie, in der Lack-Industrie und in Schnellreinigungen ist
erst in den letzten Jahren als weitreichendes Umweltproblem er-
kannt worden. 38) Der größte Teil dieser leichtflüchtigen Verbin-
dungen wird bis heute in die Luft geblasen, obwohl sie über Ak-
tivkohlefilter gewinnbringend wiederverwertbar wären. In der At-
mosphäre werden diese krebserregenden Verbindungen, die höchst-
wahrscheinlich auch an der Auslösung des Waldsterbens beteiligt
sind, unter dem Einfluß der Sonnenstrahlung im Zeitraum von eini-
gen Monaten abgebaut. Im Grundwasser sind sie jedoch über Jahre
oder gar Jahrzehnte beständig.
Die Grundwasserverschmutzung im Umkreis von Ballungsräumen ist
neben der Grundwasserverknappung infolge der Versiegelung des Bo-
dens oder infolge bewußter Grundwasserabsenkungen bei der Anlage
von Tiefgaragen, beim Bau von Untergrundbahnen oder beim Bergbau
zum wichtigsten Grund für den Trend zu immer weiträumigeren
Trinkwasserversorgungssystemen geworden - ein Trend, der im Ruhr-
gebiet von der Gelsenwasser AG bewußt genutzt wird, um die Kon-
zentration und die Privatisierung der Wasserwirtschaft voranzu-
treiben. 39) Bei den Fernversorgungssystemen besteht aber die
Tendenz, das Problem der Grundwasserverknappung lediglich in
ländliche Gebiete zu verlagern. Besonders deutlich wurde das im
Fall der Trinkwasserförderung der Stadt Frankfurt aus dem Hessi-
schen Ried und aus dem Vogelsberg. Das Ried, wo der Grundwasser-
spiegel um neun Meter gesunken ist und Wälder und Wiesen verdorr-
ten, wird jetzt mit Rheinwasser aufgefüllt, wobei jedoch dessen
Salzfracht aus den elsässischen Kaliminen zu schaffen macht.
Der riesige Wasserbedarf der Ballungszentren ist in erster Linie
dem Durst der Großindustrie zuzuschreiben. Der Wassereinsatz der
privaten Haushalte, der in den sechziger und siebziger Jahren
stark angestiegen ist, stagniert seit 1982. (Das läßt sich durch
eine weitgehende Sättigung der Wohnungsausrüstung mit Bädern und
WCs erklären.) Der durchschnittliche Wasserbedarf je Einwohner
liegt derzeit bei 147 Litern am Tag. Nur 12 Prozent des gesamten
Wassereinsatzes von 41 Milliarden Kubikmetern im Jahre 1981 ent-
fielen auf die öffentliche Wasserversorgung. 62 Prozent wurden
von den Wärmekraftwerken als Kühlwasser in Anspruch genommen.
(Die damit in die Flüsse geleitete Abwärme verstärkt die Giftwir-
kung zahlreicher Schmutzstoffe und übt auch unmittelbar einen un-
günstigen Einfluß auf Flora und Fauna aus.) Mehr als ein Viertel
des gesamten Wassereinsatzes entfällt somit auf die verarbeitende
Industrie und den Bergbau (der den überwiegenden Teil des geför-
derten Grubenwassers ungenutzt ableitet). Dabei wird es als skan-
dalös empfunden, daß Fabriken (z.B. Chemiewerke am Rhein) auf-
grund alter Wasserrechte etwa 1,3 Milliarden Kubikmeter Grundwas-
ser von Trinkwasserqualität nutzen (wobei das von Betrieben aus
öffentlichen Versorgungsnetzen bezogene Wasser noch nicht berück-
sichtigt ist), während Städte auf Flußwasser zurückgreifen müs-
sen, das von den gleichen Betrieben verschmutzt wird. 40)
Schließlich gibt es ein Problem der Trinkwasserversorgung, das
auch durch den zunehmenden Übergang zur Fernversorgung nicht lös-
bar ist: Die Versauerung des Grund- und Quellwassers und ihre
Folge, die Mobilisierung giftiger Schwer- und Leichtmetalle wie
vor allem Cadmium und Aluminium. Über den Grad der Gewässerver-
sauerung und die Metallgehalte gibt seit kurzem der von der Bun-
desanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe herausgegebene
"Geochemische Atlas der Bundesrepublik Deutschland" 41) Auskunft.
Dieses Kartenwerk, das auf 80 000 Wasser- und 70 000 Bachsedi-
mentproben fußt, wurde ursprünglich zum Zwecke der Rohstoffsuche
angefertigt. Heute stellt es die einzige flächendeckende Daten-
sammlung über die Qualität des Quellwassers dar. Es liefert eine
Reihe von Anhaltspunkten dafür, daß die Lage in einzelnen geolo-
gisch vorbelasteten Mittelgebirgsregionen kritisch zu werden be-
ginnt. So wurden etwa in einigen Quellen in der Nähe der Sösetal-
sperre im Harz 30 mal höhere Aluminiumgehalte gefunden als im
Rhein bei Köln. Die Sickerwässer unter der Wurzelzone von Fichten
im Solling (Südniedersachsen) enthalten mit 87 Milligramm pro
Liter sogar 260 mal mehr Aluminium als der Rhein.
Aluminium, das vor wenigen Jahren noch als völlig harmlos angese-
hen wurde, wird heute für die Auslösung der Alzheimer-Krankheit
(vorzeitige Altersverblödung durch fortschreitende Hirnschäden)
verantwortlich gemacht. In der Trinkwasser-Richtlinie der EG
wurde eine Richtkonzentration von 0,05 Milligramm im Liter Wasser
festgelegt. Die Frage, ob der "saure Regen" dumm macht, drängt
sich auf. 42)
5. Die Kosten der Umweltzerstörung
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Auch im Bereich der Wasserversorgung tickt also eine Zeitbombe.
Die Entwicklung der Umweltverhältnisse in der BRD zeigt, daß das
kapitalistische "Wirtschaftswunder" der Nachkriegszeit zu einem
beträchtlichen Maße durch die Beeinträchtigung und fortschrei-
tende Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlagen erkauft
worden ist. Gerade die Industriezweige, die mit ihren Produkti-
onsverfahren und Produkten den Nachkriegsboom ausgelöst und im
wesentlichen getragen haben (Chemie, Fahrzeugbau, Elektrotech-
nik), belasten die Umwelt am stärksten. Den Chemiekonzernen geht
es heute nicht zuletzt deshalb so gut, weil sie aufgrund der Or-
ganisation ihrer Produktion und der Eigenschaften ihrer Produkte
in der Lage waren, besonders viele Kosten auf die Gesellschaft
und auf zukünftige Generationen abzuwälzen. Ja, sie konnten und
können an der Umweltverschmutzung gleich zweimal verdienen, indem
sie Verfahren und Produkte zur nachträglichen Reinigung der Um-
weltmedien Wasser und Luft anbieten. Die auf diesem Doppelge-
schäft fußende technokratische Entsorgungsstrategie der Umweltpo-
litik ist jedoch beim Umweltmedium Boden mit ihrem Latein am
Ende.
Das Waldsterben, die Versauerung von Böden und Quellwässern, die
teils akute, teils schleichende Vergiftung von Ackerland, Kultur-
pflanzen und Trinkwasser durch Schwermetalle und chlororganische
Verbindungen, die Ausbreitung von Krebs-, Kreislauf-, Atemwegs-,
Nieren- und Nervenerkrankungen, Allergien, die Zerstörung von
Baudenkmälern, die Korrosion von Anlagen und nicht zuletzt das
beschleunigte Aussterben von Pflanzen- und Tierarten zeigen un-
mißverständlich an, daß die Grenzen der Belastbarkeit des Natur-
haushaltes erreicht werden, d.h., daß wir Gefahr laufen, schon in
wenigen Jahren eine Natur vorzufinden (auch eine Mondlandschaft
ist Natur), die uns keine ausreichenden Lebensmöglichkeiten mehr
bietet. Nachdem das "Wirtschaftswunder"-Feuerwerk abgebrannt ist,
wird uns nun die Rechnung präsentiert ... und die Frage, wer sie
bezahlen soll.
Ist sie überhaupt noch zu bezahlen? Nach Schätzungen der OECD ma-
chen die Umweltschäden in den hochindustrialisierten Ländern drei
bis fünf Prozent des Bruttosozialprodukts im Jahr aus. Das wären
in der BRD jährlich 40-70 Milliarden DM - ein Betrag, der von
Eingeweihten eher als zu niedrig erachtet wird. Dem stehen Um-
weltschutzausgaben von durchschnittlich etwa 20 Milliarden DM im
Jahr gegenüber. Dieser Betrag wird sicher spürbar aufgestockt
werden müssen. Brunowski und Wicke schlagen in ihrem "Öko-Plan"
43) zusätzlich zu den laufenden Umweltschutzaufwendungen ein 66-
Milliarden-Programm für die kommenden 10 Jahre vor. Der größte
Posten (18 Mrd. DM) entfällt dabei auf den Ausbau der Kläranla-
gen, d.h. ihre Ergänzung um eine dritte Reinigungsstufe (nach der
mechanischen und biologischen) zur Eliminierung von Phosphat und
Nitrat aus den Abwässern. Die Finanzierung dieses Programms soll
nach Meinung von Brunowski und Wicke hauptsächlich über Anleihen
und Steuermittel erfolgen. Gleichzeitig soll die Industrie durch
den Einsatz "marktwirtschaftlicher" Anreizsysteme wie der
"Glocken-Politik", der Ausgabe von Emissionsminderungs-Zertifika-
ten 44) oder flexible nachträgliche Anordnungen zu Investitionen
in umweltfreundliche Technologien veranlaßt werden. Im Falle der
Abwasserreinigung wären das inbesondere Anlagen zur dezentralen
Vorklärung giftiger Abwässer und Rückgewinnung der giftigen Che-
mikalien. Dieses Recycling kann mitunter gewinnbringend sein. An-
lagen zur Entschwefelung und Entstickung von Kraftwerken müßten
nach dem "Öko-Plan" über höhere Strompreise (bis zu 2,5 Pfennig
je Kilowattstunde) von den Verbrauchern getragen werden - ähnlich
wie die Kosten der Entstickung der Autoabgase. Die Sanierung der
Altlasten soll über einen "Altlastenfonds" erfolgen, an dessen
Speisung die Privatwirtschaft zu 35 Prozent beteiligt werden
soll.
Brunowski und Wicke bezeichnen ihren "Öko-Plan" selbst als
"Kraftakt", der ähnliche Anstrengungen und finanzielle Mittel er-
fordere wie der "Sprung ins Weltraumzeitalter". Sie halten ihn
aber nicht für eine Roßkur. In der Tat könnte die Volkswirtschaft
der BRD angesichts des erreichten gesellschaftlichen Reichtums
die Finanzierung eines solchen ökologischen Sanierungsprogramms
ohne weiteres verkraften, sofern sie von der Regierung nicht
gleichzeitig in das Abenteuer des "Star-War"-Programms Ronald
Reagans gestürzt wird.
Der "Öko-Plan" verweist auf die Dimension eines notwendigen Inve-
stitionsprogramms, das unmittelbar in Angriff genommen werden
muß, um den schlimmsten Perspektiven der ökologischen Krise in
der Bundesrepublik begegnen zu können. Er wirft zugleich zwei
zentrale politische Fragen auf: Zum einen setzt er voraus, die
ökologische Krise sei im nationalen Rahmen lösbar und ihre inter-
nationalen Dimensionen könnten durch Abkommen und Hilfs-programme
berücksichtigt werden. Das ginge zwar insofern, als die Umwelt-
probleme der BRD im wesentlichen "hausgemacht" sind. Jedoch zeigt
die Tragikomödie der westeuropäischen Abgasbeschlüsse, welche Wi-
derstände augenblicklich bei einem nationalen Alleingang der BRD
überwunden werden müßten. Die zweite, gravierendere Frage be-
trifft die Finanzierung: Wer soll die gewaltigen Investitionsmit-
tel aufbringen, die zur Sanierung der Umwelt dringend erforder-
lich sind? Das Konzept von Brunowski und Wicke will diese Lasten
der Arbeiterklasse aufbürden. Ihr Finanzierungsmodell zielt daher
auf die Herstellung eines entsprechenden Konsenses zwischen Groß-
bourgeoisie und Arbeiterklasse. Sie fordern sogar, die Flexibili-
sierung der Umweltauflagen müsse eine Entsprechung finden in ei-
ner Flexibilisierung des Arbeitsmarktes (durch Job-Sharing ohne
Lohnausgleich usw.), damit die Beschäftigungseffekte der Um-
weltinvestitionen voll zum Tragen kommen könnten. Es ist dies das
Konzept einer privatmonopolistischen Lösung der Umweltprobleme,
das jenen noch einmal Profite verspricht, die die Umweltzerstö-
rung in der Hauptsache verursachen.
Die drei eng miteinander verflochtenen Krisenprozesse des Wald-
sterbens, der Bodenzerstörung und der Trinkwasserverknappung kön-
nen sich noch vor dem Jahr 2000 zu einer Katastrophe ausweiten,
wenn in den nächsten Jahren keine grundlegende Wende in der Wirt-
schafts- und Produktivkraftentwicklung vollzogen wird. Noch sind
die unumgänglichen Reparaturen am Naturhaushalt materiell möglich
und bezahlbar; aber ob sie durchgesetzt werden und wer sie bezah-
len soll - das ist eine Frage der politischen Bewegungen und
Kräfteverhältnisse. Die Arbeiter- und Alternativbewegung ist also
doppelt gefordert bei der Entwicklung und Durchsetzung einer ar-
beitsorientierten Alternativstrategie in der Umweltpolitik.
_____
1) H. Paucke/A. Bauer, Feststellungen und Fragen zur ökologischen
Krisenproblematik, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 25.
Jg., H. 4/1977.
2) E. Gärtner, Arbeiterklasse und Ökologie, Frankfurt am Main
1979, S. 90 f.
3) Vgl. die Beiträge von E. F. Bruenig, E. T. Degens, S. Kempe,
A. Sitzy, H. Flohn, W. Bach, in: Die Umschau, 85. Jg., H. 3/1985,
S. 152-159.
4) Th. Ebermann/R. Trampert, Die Zukunft der Grünen, Hamburg
1984, S. 18. (Ebermann und Trampert verfälschen den Zusammenhang,
wenn sie mir vorwerfen, ich hätte in meinem 1979 (!) erschienenen
Buch, in dem ich darauf hinweise, daß die in der BRD festgelegten
Grenzwerte für Luftschadstoffe den Wald nicht schützen können,
nicht die Tragweite des Waldsterbens herausgearbeitet. Und sie
können ihre technikfeindliche Position nur rechtfertigen, indem
sie meine marxistische Argumentation entstellen.)
5) Die im folgenden zitierten Daten wurden, soweit nicht anders
angegeben, zwei Datensammlungen entnommen, deren Lektüre zur Ver-
tiefung der hier nur angeschnittenen Probleme empfohlen wird: Um-
weltbundesamt (Hrsg.), Daten zur Umwelt 1984, Westberlin 1984
(enthält vorwiegend globale Angaben); E.R. Koch, Die Lage der Na-
tion 85/86. GEO-Umweltatlas der Bundesrepublik, Hamburg 1985
(enthält sehr viele Einzelinformationen und bis auf Kreisebene
aufgeschlüsselte Daten und Bewertungen). Neuere Übersichtsdar-
stellungen zur Entwicklung der Umweltpolitik und Umweltbelastung
in der Bundesrepublik enthalten u.a.: E. Gärtner, Waldsterben und
Umweltpolitik in der Bundesrepublik, IMSF-Informationsbericht 39,
Frankfurt/M. 1984; ders., Gewerkschaften und Ökologie, Nachrich-
ten-Reihe Bd. 32, Frankfurt/M. 1985.
6) E. Gärtner, Deperimento delle foreste, in: Cellulosa e Carta
36. Jg., Heft 1/1985, S. 32-37; ders. in: Le Monde v.
24./15.1.1985, sowie: Deutsche Volkszeitung/die tat v. 28.6.1985.
7) Pers. Mitteilungen von Prof. em. G. Becker (Ehrenpräsident der
französischen Mycologischen Gesellschaft).
8) G. Reichelt konnte diese von ihm in die Diskussion gebrachte
Hypothese inzwischen durch die Aufnahme der Waldschadensmuster im
Umkreis etlicher atomtechnischer Anlagen erhärten. Vgl. G. Rei-
chelt, Waldschadensmuster im Umkreis atomtechnischer und indu-
strieller Anlagen im Vergleich zu industriefernen Gebieten (im
Auftrag des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft, Umwelt
und Forsten Baden-Württemberg), Manuskript, Donaueschingen 1985.
Inzwischen hat Reichelt ein dreistufiges Modell der Entstehung
von "Strahlungssmog" vorgeschlagen (pers. Mitteilung).
9) B. Ulrich/R. Mayer/P. K. Khanna, Deposition von Luftverunrei-
nigungen und ihre Auswirkungen in Waldökosystemen im Solling,
Frankfurt am Main 1979.
10) B. Prinz/G.H.M. Krause/H. Stratmann, Vorläufiger Bericht der
Landesanstalt für Immissionsschutz über Untersuchungen zur Auf-
klärung der Waldschäden in der Bundesrepublik Deutschland, Essen
1982.
11) M. Ashmore/N. Bell/J. Rutter, The Role of Ozone in Forest Da-
mage in West Germany, in: Ambio, Vol. XIV. No. 2/1985, S. 81-87.
(Reichelts Modell der Entstehung von "Strahlungssmog" könnte er-
klären, warum es in West- und Mitteleuropa trotz der relativ ge-
ringen Sonneneinstrahlung zu schädlichen Ozon-Konzentrationen
kommen kann: durch die radioaktive Ionisierung der Luft.)
12) P. Schütt, Der Wald stirbt am Streß, München 1984.
13) B. Nihlgård, The Ammonium Hypothesis - An Additional Explana-
tion to the Forest Dieback in Europe, in: Ambio Vol. XIV, No.
1/1985, S. 2-8.
14) Vgl. E. Gärtner, Waldsterben und Umweltpolitik in der Bundes-
republik a.a.O., S. 52 ff., 96 ff., 134 ff.
15) natur 6/1985, S. 30.
16) G. Meister, Waldsterben im Hochgebirge. Jahrbuch des Vereins
zum Schutz der Bergwelt, München 1984. Vgl. auch M. Schneider,
Mögliche Folgen der Waldschäden auf den Wasserhaushalt, in: M.
Böhme (Hrsg.). Saure Wasserwelt, Öko-Magazin Bd. 8, Fellbach
1985, S. 22-40.
17) natur 1/1985, S. 71-82.
18) E. Gärtner, Mort de la foret: Les pessimistes avaient raison,
in: Science & Vie (Paris) no. 808, S. 60-64, 160.
19) Vgl. den Bericht über schwedische Experimente, in: Umwelt/BMI
Nr. 105, S. 23, sowie: R. Schultz-Hock, Kalk, das Allheilmittel
gegen "Sauren Regen"?, in: M. Böhme (Hrsg.), Saure Wasserwelt,
a.a.O., S. 143-148.
20) Es handelt sich dabei um Untersuchungen aus Bayern, veröf-
fentlicht u.a. in: Daten zur Umwelt 1984, a.a.O.
21) Vgl. G. Bachmann, Verunreinigung und Zerstörung unserer Böden
- ein Überblick, in: J. Grumbach (Hrsg.), Grünbuch Ökologie II,
Köln 1983, S. 84-104; vgl. auch J. Rohrbach, Die Gefährdung der
Böden durch saure Niederschläge, in: Saure Wasserwelt, a.a.O., S.
44-57.
22) A. Kloke, Zur Belastung von Böden und Pflanzen mit Schadstof-
fen in und um Ballungsbereiche, in: Berichte über Landwirtschaft,
Bd. 55 (1977), H. 4, S. 633-639.
23) H. Stolpe/Chr. Weingran, Wohin mit dem Giftmüll? Ein Handbuch
für Bürgerinitiativen, Hrsg. BBU, Bonn 1982.
24) Vgl. Der Spiegel Nr. 7/1985 über die Siedlung Bielefeld-Brake
u.a.
25) Der Spiegel Nr. 37/1984.
26) Frankfurter Rundschau v. 15.6.1985.
27) Der Spiegel Nr. 24/1984.
28) Wirtschaftswoche Nr. 12/1985.
29) Ebenda.
30) Bild der Wissenschaft Nr. 3/1985, S. 50.
31) Ebenda, S. 44-61 (Beitrag von J.C.G. Ottow).
32) Stern Nr. 17/1985.
33) Vgl. die Karten ebenda.
34) Zahlenangaben aus der Bodenschutzkonzeption der Bundesregie-
rung, Bundestags-Drucksache 10/2977 vom 7. März 1985.
35) Vgl. U. Lahl/B. Zeschmar, Wie krank ist unser Wasser?, Frei-
burg i. Br. 1981. Zu den Problemen der Wasserversorgung Anfang
der siebziger Jahre vgl. den Beitrag des Verf. in: Wirtschafts-
krise und Wirtschaftspolitik. Zu den Beziehungen zwischen Wirt-
schaftsentwicklung und Wirtschaftspolitik in der BRD in der Peri-
ode 1966/67 bis 1975/76. Beiträge des IMSF 4, Frankfurt/M. 1976,
S. 223 ff.
36) Eine Übersicht der in den großen Flüssen der BRD enthaltenen
Schmutzstoff-Konzentrationen findet sich im Fischer Öko-Almanach
84/85 (Hrsg. G. Michelsen und Öko-Institut, Freiburg), Frankfurt
am Main 1984, S. 222-227.
37) Ebenda, S. 232.
38) U. Lahl/E. R. Koch, Gefährliche Lösungsmittel, in: Bild der
Wissenschaft Nr. 12/1982, S. 136-146.
39) U. Lahl/B. Zeschmar, Trinkwasserkrise in der Bundesrepublik.
Zur großen Koalition von Wasserwerken, Industrie und Politik, in:
Blätter für deutsche und internationale Politik, 26. Jg., Heft
12/1981, S. 1474-1495; E. Dähne (Hrsg.), Gemeindeleute. Handbuch
für eine alternative kommunalpolitische Praxis, Frankfurt/M.
1985, S. 389-392.
40) natur Nr. 10/1981, S. 23.
41) Hier zitiert nach dem Vorabdruck von vier Karten in: natur
Nr. 3/1985, S. 50-62; vgl. auch die Beiträge von G. Bruß, A. Lü-
kewille, M. Böhme und W. Ackermann in: Saure Wasserwelt, a.a.O.,
S. 61-131.
42) D. Barkowski, Gesundheitsgefahren durch Aluminium: Macht
"Saurer Regen" dumm?, in: ebenda, S. 132-142.
43) Vgl. R.-D. Brunowski/L. Wicke, Der ÖKO-Plan. Durch Umwelt-
schutz zum neuen Wirtschaftswunder, München 1984.
44) Eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Instrumenten
findet sich bei E. Gärtner, Waldsterben und Umweltpolitik in der
Bundesrepublik, a.a.O., S., 121 ff. und S. 134 ff.
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