Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 09/1985


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DIE NOTWENDIGKEIT DES MÖGLICHEN

Über Zukunftsdenken und Utopie ------------------------------ Hans Jörg Sandkühler 1. Zukunft - 1.1 Pluralisierung der Zukunft - 1.2 Zeit und Zu- kunft - 1.3 Krise und Zukunft - 2. Utopie - 3. Die sozialistische Kritik der Zukunft - 4. Die Intellektuellen: kleine und große Zu- kunft 1. Zukunft ---------- Zum Menschen gehört, Zukunft zu haben. Kein Zweifel scheint diese Wahrheit anfechten zu können. Die im Krieg sterben, haben keine Zukunft. Die in Ausbeutung verhungern, haben keine Zukunft. Die den Weltraum bewaffnen, meinen ihre Zukunft und das Ende der Mög- lichkeiten für die anderen. Wer also hat Zukunft? 1.1 Pluralisierung der Zukunft ------------------------------ Wie erfinderisch Menschen sind, denken sie über Zukunft nach, zeigen die Bibliotheken. Z u k u n f t d e r - europäischen Integration, Gemeinschaft, Gottesdienstreform, Hochschulabsolven- ten, Informationsgesellschaft, Kirche, Landschaft, Malerei, Men- schen. Z u k u n f t d e r - Monogamie, Neurologie, Philoso- phie, Schöpfung, Sozialpolitik, Stadt, Theologie, Vergangenheit. Z u k u n f t d e s Berufsgrundbildungsjahres, deutschen Vol- kes, Güterverkehrs, Jugendschutzes, Lebens, Lesers, Mittelstan- des, Unternehmers, Welthandels. Z u k u n f t i m - Angriff, Blickfeld, Kreuzverhör, System, Zeitraffer. Keine Bibliothek ohne Abteilung "Zukunft". Buchtitel neben Buchtitel, Phantasie neben Phantasie, Verdrängung neben Verdrängung: Z u k u n f t i n B e s c h e i d e n h e i t; Z u k u n f t i n d e r G e- g e n w a r t; Z u k u n f t m e i s t e r n ; Z u k u n f t o h n e R i s i k o. D i e I n d u s t r i e g e s e l l- s c h a f t z w i s c h e n F o r t s c h r i t t s g l ä u- b i g k e i t u n d d e n G r e n z e n d e s W a c h s- t u m s; Z u k u n f t s a n g s t. Katalogisiert zwischen "Zu- hälter" und "Zulu": "Zukunft". Verzettelt zwischen "Uto-Azte- kisch" und "Utrecht" - "Utopie": U t o p i e d e r B e- f r e i u n g; U t o p i e d e r K o n s e r v a t i v e n; U t o p i e u n d M y t h o s d e r W e l t r e v o- l u t i o n. 1) Die Speicher des Wissens sind gefüllt mit vergangenen Träumen und geronnenen Hoffnungen. Was Zukunft haben sollte, wurde Geschichte. Das Utopische bekam Ortsnamen. "Vorwärts und nicht vergessen" ist menschliches Reisegepäck mit doppeltem Boden. Das Nicht-Vergessen-Wollen schafft geschichts- bewußte Orientierung; das Nicht-Vergessen-Können mauert ein in Vergangenheit, die keinen Bestand haben darf und das Ausgreifen ins Mögliche lahmt. Deshalb haben Neuerer wie Charles Fourier den B r a n d d e r B i b l i o t h e k e n auf die Tagesordnung der Revolution gesetzt. Was die Vielstimmigkeit über "Zukunft" und "Utopie" anzeigt, ist eindeutig: die Pluralisierung des Zukünftigen nach I n t e- r e s s e n. Selten nur erweist sich der Singular "die Zukunft" nicht als Anmaßung und Fiktion des Ganzen. Die Interessen konkurrieren und mit ihnen Zukünfte, die - partikulär ausgeheckt - zu Wirklichkeiten werden und die Geschichte als Sammlung von Geschichten erscheinen lassen. D i e Zukunft d e s Menschen, der Menschheit, der menschlichen Geschichte in der Natur, des Kosmos, ist selten gemeint. So zeichnet der W i d e r- s p r u c h das aus, was wir für möglich und für notwendig halten und "Zukunft" nennen. Und deshalb ist das Fortschreiten in die Zukunft keineswegs immer auch Fortschritt. Deshalb auch individuelle Verdrängung und Vergessen und kollektive Verhinderung des Möglichen. Die Geschichte menschlicher Zu- kunftsentwürfe kann nicht als die der Verwirklichung des Mögli- chen allein geschrieben werden; was zugleich bedeutet: nicht al- les, was Wirklichkeit wurde, wurde notwendig wirklich. Es hätte auch anders kommen können. Dieses "es hätte" ist der Ausgang al- len Denkens über das andere, die neue Welt, die endlich befreite Menschheit. Stellen wir uns nicht auf den Standpunkt dessen, der dem Bestehenden die Würde des Notwendigen verleiht, erkennen wir in der Geschichte das abgetriebene Mögliche, die Alternative, in der Gegenwart die Notwendigkeit des Möglichen, der Alternative, und in der Zukunft die Möglichkeit des Notwendigen. Alternativi- tät, welche die Chance hat, nicht im Schatz unabgegoltener Mög- lichkeiten zu versinken, gibt es nur in der Einheit der Ge- schichte, die w i r in der Dreidimensionalität des gewußten Vergangenen, der begriffenen Gegenwart und der erkannten Zukunft des Möglichen selbst gestalten. Wir? Setzt sich im Kampf und in den Widersprüchen des Besonderen ein "Wir" durch, auf das Zu- kunftshoffnung gesetzt werden kann? Zu den bitteren Erfahrungen der Menschheitsgeschichte zählt, daß "die Menschheit" als ein- heitliches historisches Subjekt noch nicht aufgetreten ist. B i s j e t z t. In dieser Verzeitlichung von Vernunft, Hoff- nung und Humanität liegt das Prinzip Zukunft. Die Normen, in denen wir Wege zur Zukunft angeben, bestimmen auch die Normen, nach denen wir Geschichte schreiben. Gemessen an diesen Normen ist der Marxismus Humanismus. Am humanistischen Maß ist zu ermes- sen, daß Zukunft nicht pluralisierbar ist. Z u k u n f t d e s U n t e r n e h m e r s und Z u k u n f t d e r B e f r e i- u n g können als Widersprüche ermessen werden. 1.2 Zeit und Zukunft -------------------- Das Maß, es sei an menschenwürdiger Zukunft zu messen, macht es den Individuen schwer. Was ein Individuum für eine glückliche Zu- kunft hält, kann der Stein auf der Barrikade gegen die Zukunft aller sein. Idee und Norm allgemeiner Humanität setzen sich nicht spontan durch. In der Maßlosigkeit individuell entworfener Zu- künfte gewinnt das Bestehende seine Beständigkeit; in ihr hat zugleich die revolutionäre Gewalt der objektiven Zwecke ihre Wur- zeln. Doch der Mangel an allgemeinem Maß hat selber objektive Gründe in den Grenzen individueller Existenz. Man lebt nur ein- mal, und das Leben ist kurz. Die allgemeine Idee der Zukunft ist für das Individuum Utopie. Leben ist Existenz in der Zeit, und das Individuum berechnet seine Zeit im Unterschied zwischen den Toten, den Zeitgenossen und den Enkeln. Die Pluralisierung der Zukunft entsteht also auch aus dem Unerträglichen, daß das Indi- viduum keine Zukunft nach dem Maß der Humanität hat. Diese Be- dingtheit der menschlichen Existenz kann als Sinnlosigkeit erfah- ren werden, sie kann die Sehnsucht nach den Goldenen Zeitaltern der Toten entfachen, sie kann zum Großen Sprung ins Neue anset- zen. Die Autobiographie, Verdichtung der Zeit und Verkürzung des langen Weges zu einer Zukunft, Suche nach der verlorenen Zeit oder Entdeckung der Dialektik von Zeit und Zukunft, ist eine der Antworten auf die Frage des Selbstbewußtseins nach den Grenzen der Individualität. Aus Ilja Ehrenburgs Menschen, Jahre, Leben: "Viele meiner Alters- genossen kamen unter die Räder der Zeit. Ich blieb am Leben, nicht weil ich robuster oder klüger gewesen wäre, sondern weil es Zeiten gibt, wo das Schicksal eines Menschen eher an ein Lotte- riespiel erinnert als an eine Schachpartie. Ich hatte recht, als ich vor langen Jahren sagte, unsere Zeit hinterlasse wenig leben- dige Zeugnisse: Selten führt jemand Tagebuch ... Das hat viele Ursachen. Eine möchte ich anführen, die vielleicht nicht allen deutlich ist: Allzuoft haderten wir mit unserer Vergangenheit, als daß wir uns gründlich mit ihr befaßt hätten ... Der Weg führte über Neuland; Menschen stürzten in Abgründe, glitten aus, klammerten sich an totes Dornengestrüpp. Vergeßlichkeit war zu- weilen ein Gebot der Selbsterhaltung: Mit Erinnerungen ließ sich nicht weitergehen ... Die einen erinnern sich nicht mehr an das Vergangene, die anderen wollen nichts davon wissen. Alle blicken nach vorn, und das ist gut so; aber nicht zufällig zählte zu den Göttern der alten Römer auch ein Janus. Janus hatte zwei Gesich- ter, nicht weil er zwiegesichtig war, wie man häufig hört, nein, er war weise: Das eine Gesicht war der Vergangenheit zugekehrt, das andere der Zukunft." 2) Dasselbe Thema bei Walter Benjamin: "Das Subjekt historischer Erkenntnis ist die kämpfende, unter- drückte Klasse selbst. Bei Marx tritt sie als die letzte geknech- tete, als die rächende Klasse auf, die das Werk der Befreiung im Namen von Generationen Geschlagener zu Ende führt. Dieses Bewußt- sein ... war der Sozialdemokratie von jeher anstößig ... Sie ge- fiel sich darin, der Arbeiterklasse die Rolle einer Erlöserin künftiger Generationen zuzuspielen. Sie durchschnitt ihr damit die Sehne der besten Kraft. Die Klasse verlernte in dieser Schule gleich sehr den Haß wie den Opferwillen. Denn beide nähren sich an dem Bild der geknechteten Vorfahren, nicht am Ideal der be- freiten Enkel." 3) Z u k u n f t a l s h i s t o r i s c h e K a t e g o r i e, - so erst stellt sich das Bewußtsein der Verantwortlichkeit für das antizipierte Neue ein: was wir als Mögliches planen, wird die Wirklichkeit von Menschen sein, deren Ja oder Nein zu unseren Plänen wir nicht einholen können. Z u k u n f t n i c h t a l s F l u c h t, - die Revolutionierung des Bestehenden kann nur in der Zeit stattfinden und muß beginnen; Zukunft ohne Begin- nen ist schlechte Utopie. Das P e a c e n o w! der Friedensbe- wegung setzt den Anfang der Zukunft, wo er gesetzt werden muß: in der gegenwärtigen Wirklichkeit. Im Verhältnis von Zeit und Zu- kunft ist zu entdecken, was in der Utopie-Kritik meist zu kurz kommt: die Utopie gibt es nicht, jede Zukunft hat ihren Ort, weil sie aus der Zeit gedacht wird und die Bestimmungen der Zeit ent- hält, ob als Ungewisse Mutmaßung über das Ganz-andere oder als bestimmte Negation des Bestehenden. Die abstrakte Utopie kann von der konkreten unterschieden werden. Die abstrakte Utopie steigt aus dem Zerfall des Zusammenhangs von individueller Lebenszeit und allgemeiner Zeit, Weltzeit, Geschichte, in der das Mögliche der Zukunft denkbar ist. Die konkrete Utopie holt diese allge- meine Zeit als Perspektive der Entwicklung und Veränderung in den Lebensplan der Individuen zurück; sie ermöglicht Handeln und Wer- tung. Janus hat kein gespaltenes Bewußtsein, sondern wertet im Vergleich: Die Notwendigkeit des besseren Lebens durchtränkt den Zukunftsbegriff mit Gegenwart und mit der Idee des guten Lebens, und das Mögliche wird zum Maß der Kritik der Wirklichkeit und der Vergangenheit. 1.3 Krise und Zukunft --------------------- Die Entwicklung des Zukunftsdenkens zeigt auffällige Schwankun- gen. Zeiten der Stabilisierung und der Stabilität des in gesell- schaftlicher Bewegung Erreichten neigen nicht zur Utopie, sondern erfordern deren Kritik. Über das Ziel hinausschießen heißt die Leiden des revolutionären Prozesses vergessen und das Erreichte gefährden. Nach Revolutionen orientiert sich das Zukunftsdenken am endlich Naheliegenden. Umgekehrt gilt, daß der Grad der Ent- fernung von der Wirklichkeit in Zeiten der Krise wächst. Der Zu- kunftsentwurf ist eine Widerspiegelung der Krise. Der scheinbar freie utopische Sprung ins Reich des Undeterminierten hebt ab aus dem Notwendigen. In der Krise entsteht die Fiktion gleicher Be- troffenheit und gleichen Bedürfnisses an Zukunft. Aber die Krise ist nicht gleichmacherisch; sie läßt den Widerspruch aus dem Schatten der Gewöhnung an ein erträgliches Leben treten; die Stellung der Menschen im Widerspruch bestimmt die produktive Kraft oder die aggressive Energie dessen, was als "Zukunft" vor- geführt wird: die Vision des Möglichen ist einschränkend oder weitgreifend, "Zukunft" ist regressiv bzw. stabilisiert den Sta- tus quo o d e r enthält progressiv den Weg zum Veränderten, zum Neuen. Angefochtene und bedrohte Herrschaft schielt immer rückwärts. Schlegels böses Wort vom Historiker als rückwärtsgewandtem Pro- pheten paßt auf alle, die von Zukunft reden, um Veränderung zu verweigern. Der Regreß kann sich als die Robinsonade tarnen, zu deren Kritik Marx in den Grundrissen ansetzt. Er kann den Mythos in der Form der vorgetäuschten Mythenkritik rehabilitieren, ihn der Klasse mit Zukunft anlasten und Geschichte denunzieren. Gün- ter Kunert macht es vor: "Wenn wir unter Mythos, verkürzt gesagt, eine frühgeschichtliche Anschauungsweise verstehen, die der Sinn- losigkeit und Rätselhaftigkeit des unbegreiflichen irdischen und kosmischen Geschehens zu Sinn verhilft, dann müssen wir einsehen, daß Mythos nach wie vor existiert, obgleich in anderer, unauffäl- liger Form. Eine der Metamorphosen von Mythos ist die Geschichte ... Sogar der historische Materialismus, der sich als Wissen- schaft geriert, weil er meint, objektive Maßstäbe zu besitzen, schafft am Mythos Geschichte weiter ... Was bedeutet jener end- zeitliche Kampf zwischen Proletariat und Bourgeoisie, das soge- nannte 'Letzte Gefecht', nach welchem die 'Vorgeschichte' der Menschheit beendet sei und ihre wahre Geschichte überhaupt erst beginne, wenn nicht die überwältigende Vorherrschaft des Mythos im neuen Gewand?" Es macht einen Unterschied, wer wo Utopie zum Gespött macht. "Die Utopie bildet einen ganz besonders subtilen Mythos, denn sie ist ein besonderes Filtrat der Geschichte und zugleich ihr anstrebenswertes, ewig unerreichbares Ziel; mit ei- nem Wort: der Mythos für die gehobenen Stände oder meinetwegen für die nachdenklicheren Köpfe." 4) Auf die Nähe von bürgerlicher Utopie- und Intellektuellenkritik muß man nicht erst kommen, man wird darauf gestoßen; auch darauf: die Rolle der Renegaten bei der Zerstörung von Hoffnung. Jörge Sempruns Algarabia: Der phan- tastische Roman über die "Zone Utopique Populaire", am linken Pa- riser Seine-Ufer durch eine Mauer von der Welt getrennt, Ort ei- nes mörderischen Chaos der Linken. 5) Aus welchen Gründen auch immer, respektablen oder nur vermeintlichen, Zukunftshoffnung sich getäuscht fühlt, - das nicht Erreichte wird schnell zum Un- erreichbaren, das Unerreichbare zum Verhaßten. Revolutionäre Un- geduld ist Anlaß zum Zukunftsverzicht. Im Widerspruch der Krise besteht (oder besteht nicht) das pro- gressive Zukunftsdenken seine Bewährungsprobe. Daß den Schluß Ti- raden wie D a s E n d e e i n e r U t o p i e . H i n- g a b e u n d S e l b s t b e f r e i u n g f r ü h e r e r K o m m u n i s t e n 6) bilden, ist die Ausnahme, doch Grund genug zum Nachdenken. Die Debatte, die Marxisten in der Krise des Kapitalismus über Zukunft und Utopie führen, verweist auf Schwierigkeiten mit der Realität, nicht allein mit dem Umgang mit widerstandsfähigen politischen und ökonomischen Verhältnissen, sondern mit der Wirklichkeit, als Individuum Kommunist zu sein. Die in der Bundesrepublik gerade auch unter Marxisten aufbegehrende Frage nicht etwa nach Utopie, sondern nach Utopien ist zunächst nur das Zeichen für Unbehagen und kritische Überprüfung individueller Lebenspläne. Das alltäglich Notwendige ohne Farbverlust im Bild des Möglichen tun, den kleinen Schritt mit dem großen denken können, was dem Menschen an Glück zusteht für sich selbst reklamieren, die Biographie in der Perspektive der ganzen Befreiungsbewegung verorten, das Bewußtsein der möglichen freien Assoziation freier Individuen als notwendiges zukünftiges Sein sinnlich wahrnehmen und die Theorie als kon- kretes Weltbild in Besitz nehmen. Die Beziehung zwischen politi- schem Realismus und Bewußtseinsperspektive Kommunismus ist auch individuell ein Problem sozialistischer Verantwortung und Moral. Der Reformismus als das Vergessen des Ziels, der Utopismus als das Überspringen des Wegs: die Zukunftsdebatte beantwortet die Frage nach dem Verhältnis von Reform und Revolution, oder sie ist vergebens. 7) "Die Suche nach dem Neuen und mehr noch die Orien- tierung auf das Neue sind Prozesse, die nicht nur wissenschaftli- che Offenheit und Vorurteilslosigkeit voraussetzen, sondern auch die Reflektion des Neuen im Denken und Fühlen der Menschen er- kunden müssen ... Die Formung der Zukunftsbilder erfolgt... in der dialektischen Spannung, in die die Individuen und sozialen Gruppen gestellt sind, und die aus den Antagonismen dieser Ge- sellschaft entspringt." 8) In der Krise zeigen Zukunftsbilder doppeltes Profil. Sie sind Kritik an gegenwärtigen Krisenursa- chen; u n d Selbstkritik sozialistischer Strategie u n d per- sönlichen Engagements. Mit Heinz Jung ist zu sagen, "daß die He- gemoniefähigkeit einer theoretischen Konzeption nicht aus ihrer abstrakten Richtigkeit und Wahrheit resultiert, sondern aus der Fähigkeit, neue Bedürfnisse und Themen aufzugreifen und diese zu einem theoretischen und politisch-ideologischen Gesamtkonzept zu vermitteln." 9) Die mit dem Zwang des staatlichen Gewaltapparats gepanzerte bürgerliche Hegemonie hat Bedarf weder an Zukunft noch an Utopie. Zur Aufrechterhaltung des Konsenses mit der "Ordnung" genügen Ratenzahlungen auf die kleine Zukunft, die alles verän- dert, damit es bleibt, wie es ist. Und der Revolutionär? Wie uto- pisch darf seine Zukunft sein? Die Frage ist falsch, weil außer- halb der Zeit gestellt. Verboten das Paradox der geschichtlichen Utopie, der Wegweiser zum Marsch der Klasse und der Gattung ins Leere. Aber das objektiv Mögliche der geschichtlichen Entwicklung bleibt für das Individuum in der Regel konkrete Utopie. 2. Utopie --------- Der G e i s t d e r U t o p i e spricht sich so häufig in ohnmächtigem Willen aus, daß das Prinzip blamiert scheint. Mit der Sprühdose auf den Beton einer Universität: "Auch die Kälte geht vorüber, wenn wir es wollen." Oder in Ernst Blochs frühem vergeblichem Gegenbild/Abbild von Krieg und Sinnlosigkeit: "Zuletzt aber ... breite sich aus die Weite, die W e l t der Seele, die e x t e r n e, k o s m i s c h e Funktion der Uto- pie, gehalten gegen Elend, Tod und das Schalenreich der physi- schen Natur. In uns allein brennt noch dieses Licht, und der phantastische Zug zu ihm beginnt, der Zug zur Deutung des Wacht- raums, zur Handhabung des utopisch prinzipiellen Begriffs ..." 10) Nichts ist impressionistischer als die expressionistische 11) Utopie um des Utopischen willen. Und nichts zukunftsärmer als Hoffnung um der Hoffnung willen, deren Absage an die Realität re- alistisch sein will. Roger Garaudys Das Projekt Hoffnung ist Zeit-, nicht Zukunftszeuge, trotz des richtigen Einsatzes: "Die schlechteste und unrealistischste Utopie ist heute der Status quo oder seine schüchternen Varianten." Denn die Weltflucht, Garaudys "Transzendenz" ("nicht nur als Attribut Gottes, sondern als we- sentliche Dimension des Menschen"), kreist ausweglos in der Welt, die nur im Gedanken übersprungen ist: "Die Transzendenz ist also ein Bruch hinsichtlich des Determinismus und jener Vernunftgemäß- heit, wie sie in diesem oder jenem historischen Augenblick defi- niert ist, denn die Vernunft ist immer nur eine provisorische Bi- lanz der Eroberung der Vernunftgemäßheit... Wir werden Transzen- denz die Dimension des Menschen nennen, die sich dessen bewußt wird, daß es nichts Wesentlicheres gibt als seine Zukunft und daß er lebt, um sie zu vollenden. Er empfängt diese Zukunft als un- vorhergesehene Gabe - manche mögen es 'Gnade' nennen - und er er- forscht sie einerseits und bereitet sie andererseits vor wie ein zu vollendendes Werk, wie etwas Poetisches, etwas Kreatives ... Der Mensch ist in erster Linie ein P r o j e k t." 12) Die Uto- pie der Hoffnung will als Fundament den "Bruch" mit der Ge- schichte der Hoffnung und damit keins. Die abstrakte Utopie bricht mit der Realität, in dem sie das Falsche preisgibt. Mit Garaudy paart sich zu Kunerts Mythos- und Intellektuellenkritik der Verzicht auf Rationalität und Wissenschaft: "daß die lei- stungsfähige Wissenschaft und Technik äußerst wirksame M i t t e l bieten können, jedoch keine Z i e l e und für un- ser Leben und für unsere Geschichte keinen Sinn." 13) Die ab- strakte Utopie bricht mit der Realität, indem sie mit dem Beginn der Zukunft in der Realität bricht; sie ist heute - Garaudy beim Wort genommen - vorrangig antisozialistisch. Die abstrakte Utopie ist n e g a t i v e U t o p i e und erstickt an der Negation des Wirklichen. Die meisten Träume, in denen Menschen das Mögliche vorwegnehmen, werden nicht aufgeschrieben. Nur wenige Utopien sind uns bekannt. Womit wir uns auseinandersetzen, sind meist Redeweisen ü b e r Utopisches. Die Utopien, mit denen wir uns befassen, sind sozial ausgezeichnet, weil verfaßt von Autoren, deren Wort nicht unter- drückt werden konnte oder sollte. Von den Intellektuellen und der Arbeitsteilung in Utopie wird noch zu sprechen sein. Die Hoffnun- gen und Zukunftspläne der Massen werden erst seit dem Sozialismus der Arbeiterbewegung überliefert. Die Utopie-Geschichtsschreibung 14) kennt also kaum die halbe Wahrheit über die Geschichte von "Zukunft". Die k o n s t r u k t i v e U t o p i e, in der das Menschenmögliche zum Korrektiv der Praxis wird, ist aus der Wis- senschaft in andere Gattungen von Sprache und Schrift ausgewan- dert. Seitdem das Utopische in der Wissenschaft nicht mehr unmit- telbare geistige Tätigkeit, sondern Objekt, Fremdbezug ist - Phi- losophie, Soziologie etc. des utopischen Denkens -, sind Äußerun- gen wie die des sozialistisch engagierten logischen Empiristen Otto Neurath selten: "Die meisten Menschen glaubten mit einer ge- wissen herablassenden Milde und Nachsicht, wenn nicht gar mit mitleidigem Spott, von Utopien und Utopisten sprechen zu dürfen ... Weit sinnvoller ist es wohl, alle Lebensordnungen, die nur in Gedanken und Bildern, nicht aber in der Wirklichkeit vorhanden sind, als Utopien zu bezeichnen, das Wort Utopien jedoch nicht dazu zu verwenden, etwas über ihre Möglichkeit oder Unmöglichkeit auszusagen. Utopien wären so den Konstruktionen der Ingenieure an die Seite zu stellen, man könnte sie mit vollem Recht als g e s e l l s c h a f t s t e c h n i s c h e K o n s t r u k t i o n e n bezeichnen ... Wir können jedenfalls das große Werk beginnen, von jetzt an bewußt die Zukunft und das Mögliche zu pflegen." 15) In solcher Sicht liegt der Satz aus B. Brechts Radiotheorie nahe: "Sollten Sie dies für utopisch halten, so bitte ich Sie, darüber nachzudenken, warum es utopisch ist." 16) Im Spiegel der Enzyklopädien und Konversationslexika erweist sich das Nachdenken, warum etwas als utopisch g i l t, als Reflex herrschender Ideen. Das C o n v e r s a t i o n s - L e x i- c o n o d e r H a n d w ö r t e r b u c h f ü r d i e g e- b i l d e t e n S t ä n d e aus dem Leipzig des Jahres 1819 beeilt sich, dem Hinweis auf Thomas Morus' De optimo republicae statu, deque nova insula Utopia (London 1518) und das "Ideal eines vollkommenen Freistaates" mit dem Nachsatz abzuhelfen, "wie er aber freilich nirgends anzutreffen ist". Die A l l g e- m e i n e d e u t s c h e R e a l - E n c y k l o p ä d i e f ü r d i e G e b i l d e t e n S t ä n d e von 1836 geht den Schritt der Abwiegelung weiter, Morus selber habe den Titel Utopia gewählt, "um anzudeuten", daß das "Musterbild eines Frei- staates" eben "nirgends zu finden sei". 1846 spitzt das U n i v e r s a l - L e x i k o n d e r G e g e n w a r t u n d V e r g a n g e n h e i t die Tendenz zu, indem es "Uto- pien" sozial zurechnet und "Utopist" einführt: "jemand der erwartet, daß ihm Alles ohne Arbeit zufließe". L a r o u s s e s G r a n d D i c t i o n n a i r e u n i v e r s e l d u X I X e S i e c l e kann 1876 bereits verzeichnen, es habe sich die öffentliche Meinung durchgesetzt, der Geisteszustand des Uto- pisten nähere sich dem Wahnsinn an. Meyers Konversations-Lexikon von 1890 übersetzt "Utopia" mit "das Schlaraffenland der Deut- schen. Daher Utopist, einer, der sich mit unausführbaren Weltver- besserungsplänen beschäftigt." Kein Zufall, daß in dieser Zeit in den Utopie-Artikeln auf "Socialismus" verwiesen wird. Die zehn Zeilen des Brockhaus von 1934 erwähnen Utopie als "Schilderung eines gesellschaftl. Idealzustandes, dem alle menschl. Mängel fehlen." Aktuelle Neuauflagen vermelden als vorläufiges Ende die- ses Prozesses bürgerlichen Bewußtseins gegen das M ö g l i- c h e: "Die klass. bis etwa 1900 vorherrschende, idealisierende U. ist seit den beiden Weltkriegen einer U. gewichen, die Ausdruck der Skepsis und des Pessimismus ist." Der neue Meyer (West) pflichtet bei: "Ungehemmter Fortschrittsglaube und Opti- mismus rufen Gegenreaktionen hervor, die sich liter. als 'Anti- Utopien' niederschlagen" und nennt die Namen von Huxley und Or- well, A. Schmidt, Amery, Hesse, Werfel, Jünger ... So ist das Mögliche zweimal bürgerlich zum Schrecken geworden: bürgerlichka- pitalistisch hervorgerufen die Perspektive Sozialismus, bürger- lich-kapitalistisch erzeugt der Untergang an Technik. Die F u t u r o l o g i e ist das Kind dieser Paarung. Der Reflex des utopischen Denkens im gesellschaftlichen Bewußtsein und in der öffentlichen Meinung läßt den Unterschied der Denkformen zu Tage treten: der utopische Gehalt des intellektuellen Zu- kunftsentwurfs kommt ohne selbstreflexiven Begriff aus; erst die politische oder theoretische Kritik fügt der Utopie die Dimension der Distanz zu. "Begrifflos und jedenfalls nicht analytisch ge- wonnen ... Warum sie sich gerade in solcher Weise gestaltet und ausdrückt, ist eine gesellschaftstheoretische und sozialge- schichtliche Frage. Die Utopisten konnten sich diese Frage weder selbst stellen - sie hatten keinen Begriff von ihrer Eigenart -, noch gar sie beantworten." 17) Über die gesellschaftliche Bedeu- tung der Utopie ist mit dem Hinweis auf Differenzen in den logi- schen Formen von Zukunftsdenken noch nichts gesagt. Eine Utopie- Kritik, die sich allein an der analytischen Höherwertigkeit wis- senschaftlicher Erkenntnis orientierte, hätte zugleich allen nichtwissenschaftlichen Kulturformen das Todesurteil auszuferti- gen. Die theoretische Kritik des Utopischen, die Analyse also der Bedingungen seiner Möglichkeit, kommt später als die Antizipation der Zukunft, und ihre Trennung von den Hoffnungsbildern spontanen Bewußtseins ist ein Ergebnis gesellschaftlicher Arbeitsteilung, die bei der von Hand und Kopf keineswegs aufgehört hat. Das Ende der utopischen Theorieform ist mit der Verwissenschaftlichung von Theorie seit dem 19. Jahrhundert eingeläutet. Wieder besagt die Inanspruchnahme des Wissenschaftlichkeits-Kriteriums gegen das Utopische solange nichts, wie nicht die Inhalte des wissenschaft- lichen Geistes auf dem Prüfstand waren. Das Wissenschaftsver- ständnis, das sich bürgerlich gegen jedes Denken in den weitgrei- fenden Kategorien des Möglichen einspannen läßt, ist positivi- stisch und stückwerktechnologisch. Die Utopie-Kritik der am Sta- tus quo Interessierten ist immer Kritik an einer Rationalität, die sich nicht als Analytik des Bestehenden bescheiden will, ist Vernunftkritik. Karl Poppers zwanghafte Annäherung des Begriffs der Utopie an den der Gewalt, versteht sich: der revolutionären, muß davon ausgehen: "wir können den Utopismus als Resultat einer Erscheinungsform des Rationalismus beschreiben." 18) Der Aufklä- rungsverzicht im Namen der Aufklärung, die Denunziation der Auf- klärung über das Mögliche im Namen der Aufklärung über das Fakti- sche, bereitet der Denkform "Utopie" das gleiche Schicksal wie die Napoleonische Kritik an den "Ideologen" der "Ideologie" des 18. Jahrhunderts, die Selbstaufklärung über Bewußtsein war. 19) Die Verwissenschaftlichung des Umgangs mit dem Utopischen setzt nicht allein die Beschränkung auf die schriftlich zugängliche In- tellektuellen-Utopie als Material der Kritik voraus, sondern sie reproduziert ideologisch die gesellschaftliche Funktion des kri- tisierenden Intellektuellen. Fred L. Polak gehört zu den wenigen, die der Spezifik der Bewußtseinsform des Utopischen auf der Spur sind: "Die Utopie als das 'Andere' und Verschiedenartige kann nicht losgelöst gedacht werden von der gespaltenen geistigen Struktur des Menschen, deren Produkt sie ist. Die Darstellung des anderen setzt die Spaltung von Zeit und Raum voraus." 20) Kriti- ken wie die Max Horkheimers am Utopischen übersehen diese Bedin- gung der Möglichkeit des antizipierenden Tagtraums: "Die Utopie verkennt, daß der geschichtliche Entwicklungsstand, von dem aus sie zum Entwurf ihres Nirgendlandes gedrängt wird, materielle Be- dingungen seines Werdens, Bestehens und Vergehens hat, die man genau kennen muß und an denen man selbst anzusetzen hat, wenn man etwas zustande bringen will ... Für sie ist die Änderung des Be- stehenden nicht an die mühsame und opferreiche Umwandlung der Grundlagen der Gesellschaft geknüpft, sondern in den Kopf der Subjekte verlegt." 20a) Es ist nicht zu verkennen: Diese Kritik der Utopie, zugleich Kopfarbeiter-Kritik an Kopfarbeit, zugleich Wissenschaftler-Kritik am Nichtwissenschaftlichen, zugleich Ver- harmlosung der Sprengkraft antizipatorischen Denkens und Mißver- stehens revolutionärer Praxis, - diese Kritik gehört zum Sieges- zug der Soziologie in der bürgerlichen Gesellschaft, und sie ist Ausdruck eines soziologistischen Reduktionismus. Der B e- s t a n d an Utopischem wird dem Bestehenden zugeschlagen, seine D y n a m i k wird verdrängt. Brechts Warum-Frage wird in der soziologischen "Erklärung" des Utopischen verkürzt. Karl Mannheims scheinbar universalistische Utopie-Definition klebt an einem positivistischen Mißverständnis von gesellschaftlicher Ver- änderung: "Utopie ist ein Bewußtsein, das sich mit dem es umge- benden 'Sein' n i c h t in Deckung befindet." 21) Die wissens- soziologische Trennung von "Ideologie" (= "wirklichkeitstrans- zendent" und nicht realisierbar) und "Utopie" (= "wirklichkeits- transzendent" und auf Verwirklichung angelegt) verkennt die komplementäre Beziehung zwischen den gesellschaftlichen Denkfor- men, die - mit unterschiedlichen Mitteln - der Erkenntnis des Möglichen verpflichtet sind. Noch Reinhard Kosellecks interes- santer Hinweis auf Die Verzeitlichung der Utopie begräbt die denkmögliche Weite des Möglichen unter dem Schutt der Faktizität: "Die gesamte Utopie der Zukunft zehrt von den Anschlußstellen in der nicht nur fiktiv, sondern empirisch einlösbaren Gegenwart. Was die Zukunft bietet, ist in einem Satz die Kompensation des gegenwärtigen Elends ... Anders gewendet: die fingierte Perfektion der ehedem räumlichen Gegenwelt wird verzeitlicht." 22) Was als historische Analyse der Entwicklung utopischer S y s t e m e stimmt, trifft für das Prinzip, Mögliches sei utopisch antizipierbar, nur in den Grenzen der trivialen Ein- schränkung zu, daß Denken Denken in der Zeit ist. Es wird sich zeigen, daß ein positivistisch halbierter E m p i r i e - Begriff den Maßstab bürgerlicher Utopie-Kritik bildet und der historische Materialismus, Zukunft in den Begriff des Empirischen einholend, sein Verhältnis zum Utopischen anders bestimmen kann. 3. Die sozialistische Kritik der Zukunft ---------------------------------------- Hält man am klassischen Begriff von "Kritik" als Untersuchung der Bedingungen der Möglichkeit von etwas fest, ist der Sozialismus als Theorie und gegenbeweisende Praxis Kritik der Zukunft. Seit Fr. Engels' Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft scheint jedoch der rote Faden zwischen wissenschaft- licher Kritik und allen Zukunftsentwürfen, die das Mögliche nicht-empirisch erfassen, zerrissen. Doch dieser Eindruck trügt, und der heutige Marxismus tut gut daran, sich der Stoßrichtung der Schrift zu erinnern: Engels schreibt an der G e- s c h i c h t e der sozialistischen Arbeiterbewegung, um deren Quellen gegenwärtig zu halten und den Fortschritt in Weltbild und Klassenbewußtsein erkennbar zu machen. Gehen wir den Anfängen des Marxismus auch nur einige Schritte nach, vergewissern wir uns der Anlässe und Ziele der Utopie-Kritik, dann zeichnen sich klare Konturen eines Wissenschaftsbegriffs ab, der nicht positivistisch in Konkurrenz zum Zukunftsplan tritt. Bereits die Deutsch-Französischen Jahrbücher, Organ noch der ra- dikalen Demokratie, nicht schon des Sozialismus, lassen das Pro- jekt der Marxschen Kritik in Ansätzen erkennen. Gegenüber Rüge fordert Marx - in Absetzung von der dogmatischen Abstraktheit des Arbeiterkommunismus 23) - nichts dürfe verhindern, "unsere Kritik an die Kritik der Politik, an die Parteinahme in der Politik, also an w i r k l i c h e Kämpfe anzuknüpfen und mit ihnen zu identifizieren. Wir treten dann nicht der Welt doktrinär mit ei- nem neuen Prinzip entgegen: Hier ist die Wahrheit, hier kniee nieder!" 24) Die arbeiterkommunistische Systemkrämerei ist die eine Provokation, die andere der abstrakte Konstruktivismus spe- kulativer philosophischer Systeme: die Philosophie müsse aufhö- ren, "ein bestimmtes System gegen andere bestimmte Systeme zu sein, sie wird die Philosophie überhaupt gegen die Welt, sie wird die Philosophie der gegenwärtigen Welt." 25) Marx' Anti-Proudhon Das Elend der Philosophie schreibt die utopistischen Systeme den unreifen gesellschaftlichen Verhältnissen zu: "solange sind diese Theoretiker nur Utopisten, die, um den Bedürfnissen der unter- drückten Klassen abzuhelfen, Systeme ausdenken und nach einer re- generierenden Wissenschaft suchen. Aber in dem Maße, wie die Ge- schichte vorschreitet und mit ihr der Kampf des Proletariats sich deutlicher abzeichnet, haben sie nicht mehr nötig, die Wissen- schaft in ihrem Kopfe zu suchen; sie haben nur sich Rechenschaft abzulegen von dem, was sich vor ihren Augen abspielt". 26) Die materialistische Geschichtstheorie zielt, dies ist eindeutig, hin auf Empirie und Wirklichkeit. Nicht oft genug aber kann betont werden: der neue Theorietypus 27) ist n i c h t - p o s i- t i v i s t i s c h. Erkenntnis des Wirklichen unter Einschluß des im Gegenwärtigen auf mögliche Zukunft Verweisenden, - dies kennzeichnet den wissenschaftlichen Sozialismus, der noch unter anfänglichsten proletarischen und sozialistischen Bedingungen die theoretische Analyse der bürgerlichen Gesellschaft mit der Zukunftsnorm der Vereinigung der Proletarier aller Länder verknüpft. Die vorwärtsweisende Tendenz im mangelhaften Bestehen- den entdecken: "Die Kommunisten haben zu zeigen, daß nur unter kommunistischen Verhältnissen die schon erreichten techno- logischen Wahrheiten praktisch werden können." 28) Dies 1851. Zu den erreichten Wahrheiten der Dialektik gehört Brechts Ein- sicht, es könne "die Kultur vom Proletariat in demselben Zustand übernommen werden wie die Produktion: in zerstörtem Zustand." 29) Auch das zerstörte Erreichte wird zur Erbschaft der Zeit, und Zerstörung zeigt sich auch in Sprachbeständen. Es ist kein Ge- heimnis, daß Marx und Engels ihre Sprache nicht erfunden, sondern entwickelt haben. Zunächst haben sie Teil an einem Sprachge- brauch, in dem die Alltagssprache das Niveau der aufklärerischen, kritischen Herkunft bereits wieder verlassen hat. Was zunächst für den durchaus Napoleonischen Wortgebrauch von "Ideologie" zu- trifft, gilt auch für "Utopie": das Wort ist pejorativ besetzt und gewinnt erst später begriffliche Schärfe, und hier kann sich "Zukunft" zu Empirie gesellen. Fr. Engels in Zur Wohnungsfrage: "Nicht das ist eine Utopie, zu behaupten, daß die Befreiung der Menschen aus den durch ihre geschichtliche Vergangenheit ge- schmiedeten Ketten erst dann vollständig sein wird, wenn der Ge- gensatz zwischen Stadt und Land abgeschafft ist; die Utopie ent- steht erst dann, wenn man sich unterfängt, 'aus den bestehenden Verhältnissen heraus' die F o r m vorzuschreiben, worin dieser oder irgend ein anderer Gegensatz der bestehenden Gesellschaft gelöst werden soll ... Wie eine zukünftige Gesellschaft die Ver- teilung des Essens und der Wohnungen regeln wird, darüber zu spe- kulieren führt direkt in die U t o p i e." 30) Der Verzicht der materialistischen Wissenschaft und der sozialistischen Bewegung auf die vor den Interessen längst blamierten "utopistischen Sy- steme für die Einrichtung der neuen Gesellschaft" 31) ist erst von E. Bernsteins reformistischer "Bekämpfung der Reste utopi- scher Denkweise in der sozialistischen Theorie" zugunsten der Stärkung des "realistischen" wie des "idealistischen Element(s) in der sozialistischen Bewegung" 32) in den Verzicht auf die re- volutionäre Antizipation umgemünzt worden, in theoretischen und praktischen Positivismus. Ganz anders Marx. 1871 hat er - angesichts der Pariser Commune - in der Unterscheidung von M i t t e l und Z i e l der Revolu- tion festgehalten, daß "an die Stelle phantastischer Utopien die wirkliche Einsicht in die historischen Bedingungen der Bewegung trat und die Kräfte für eine Kampforganisation der Arbeiterklasse sich immer mehr zu sammeln begannen. Aber die beiden Endziele der von den Utopisten verkündeten Bewegung sind auch die von der Pa- riser Revolution und von der Internationale verkündeten Endziele. Nur die Mittel sind verschieden ...". 33) Die Quintessenz des Marxismus ist, daß die unabdingbare Analyse der T a t s a- c h e n, der es nicht mehr darum geht, "ein möglichst vollkommenes System der Gesellschaft zu verfertigen, sondern den geschichtlichen ökonomischen Verlauf zu untersuchen", s o- w o h l die materialistische Grundlage für die antizipierte Zukunft bietet a l s a u c h ihre kritische Stoßkraft über- haupt erst aus dem Bild der befreiten Zukunft gewinnt. Engels' Schrift zur Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wis- senschaft endet nicht empirisch-analytisch, sondern mit kommuni- stischem Ziel: "Das Proletariat ergreift die öffentliche Ge- walt... Die Menschen, endlich Herren ihrer eigenen Art der Verge- sellschaftung, werden damit zugleich Herren der Natur, Herren ih- rer selbst - frei." 34) Die Differenzierungen im marxistischen Konzept von Utopie erlau- ben es, die Kritik am falschen Empirismus des utopischen Systems ohne Verlust des utopisch zu antizipierenden Ziels Kommunismus mit historischer Gerechtigkeit gegenüber überlebten Utopien zu verbinden. Wer sich auf Lenin beruft, muß ihn vollständig zitie- ren: "... im Hinblick auf den utopischen Sozialismus : Dieser So- zialismus war 'falsch' in formell ökonomischem Sinn ... Aber der utopische Sozialismus hatte r e c h t im weltgeschichtlichen Sinn, denn er war Symptom, Dolmetsch, Herold der Klasse, die, hervorgebracht vom Kapitalismus, heute, zu Beginn des 20. Jahr- hunderts, zu einer Massenkraft herangewachsen ist, die befähigt ist, mit dem Kapitalismus Schluß zu machen, und die unaufhaltsam diesem Ziel entgegenschreitet." 35) Frank Deppes Satz, mehr Auf- forderung als Zustandsbeschreibung, "Die utopische Dimension ist also im Marxismus nicht liquidiert" 36) ist die Kurzformel für den nicht zu leugnenden Sachverhalt: daß weder der Revolutionär als Individuum noch die Organisation als Kollektiv ohne jenes Endziel leben kann, das empirisch-wissenschaftlich weder be- schrieben werden kann noch darf. Auch der marxistische Wissen- schaftler arbeitet ohne das utopisch antizipierte Ziel nur mit halber Kraft. Um des Sozialismus als Kritik der Zukunft willen kann er sich auf ein über die Grenzen der Aufgabenstellung stren- ger Wissenschaft hinausschießendes Perspektiven-Verbot nicht ein- lassen. Der utopische Gehalt des Bewußtseins, der die Notwendig- keit der Befreiung als Möglichkeit birgt, gehört zur gesell- schaftlichen Psyche des Revolutionärs, und diese ist ein Element der Vermittlung im Prozeß der Veränderung von Basis- und Über- baustrukturen, im Kampf um Hegemonie. D i e Alternative, die d e n k b a r ist, weil das Bewußtsein der Menschen sich nicht in mechanischen Abbildern des Bestehenden erschöpft, weil es vielmehr perspektivisch auf Zukunft greift und Geschichte und Wirklichkeit perspektivisch aneignet, ist ontolo- gisch und kognitiv verbürgt. D i e s e Alternative geht weit darüber hinaus, das Bestehende nur anders zu interpretieren. Die objektiven Gründe für die Möglichkeit des Alternativen aufzudec- ken und zum Bewußtseinsbestand der Weltanschauung zu vermitteln, ist in erster Linie die materialistische Dialektik, die P h i l o s o p h i e verpflichtet und fähig. Ihre Begriffe von Zeit, Wirklichkeit, Möglichkeit, Geschichte und Zukunft sind all- gemein, nicht aber leer-abstrakt, denn sie umspannen den Gesamt- zusammenhang und lenken auf das übergreifende Allgemeine der Exi- stenz. 4. Die Intellektuellen: kleine und große Zukunft ------------------------------------------------ Die Utopien, die uns als Systeme vorliegen, sind Produkte intel- lektueller Tätigkeit, näher: der Tätigkeit von Intellektuellen. Erst die bürgerliche Gesellschaft hat den Utopisten als Intellek- tuellen hervorgebracht, den Systemeschmied von Beruf. Zu ihr ge- hört aber auch der Widerspruch in der Freiheit der Intellektuel- len: wessen Partei ergreifen sie? Die feudale, gegen den bürger- lich-revolutionären Intellektuellen gerichtete, wie die bour- geoise, gegen den Demokratismus und die sozialistischen Intellek- tuellen zielende Utopie-Kritik hat ihren Anti-Intellektualismus nie verhehlen können. Auch der sozialistischen Utopiekritik ist diese Erscheinung nicht völlig fremd. Wieder wird man K. Mann- heims Vorschlag nicht folgen können, die Fähigkeit zur Utopie ei- ner nicht näher bestimmten "freischwebenden Intelligenz" 37) zu- zurechnen. Die Freiheit der Intelligenz als sozialer Schicht und die Freiheit des Intellektuellen als eines Trägers gesellschaft- licher Funktionen ist relativ, bezogen aufs Koordinatensystem der Klassen. Die Funktionen der Intellektuellen haben sich verändert, mit ihnen ihre Kompetenzen für Zukunft. "Sind die Intellektuel- len", fragt Antonio Gramsci, mit dem eine Annäherung ans Problem gelingt, "eine autonome und unabhängige gesellschaftliche Gruppe, oder hat jede gesellschaftliche Gruppe ihre eigene spezialisierte Gruppe von Intellektuellen?" Gramscis Antwort führt zur Aufmerk- samkeit auf die gesellschaftlichen Funktionen u n d die Verant- wortung der Intellektuellen: "Jede gesellschaftliche Gruppe, die auf dem besonderen Terrain einer wesentlichen Funktion in der Welt der materiellen Produktion geboren wird, bringt mit sich auf organische Weise eine oder mehrere Schichten von Intellektuellen hervor, die ihr Homogenität und das Bewußtsein ihrer eigenen Funktionen verleihen, nicht nur auf ökonomischem, sondern auch auf sozialem und politischem Gebiet". 38) Als Konstrukteure und Organisatoren von Weltbildern bieten sich die Intellektuellen zugleich als Garanten geschichtlicher Kontinuität an, den Biblio- theken vergleichbar, deren Wissen und Sprache sie vergegenwärti- gen. Was von ihnen erwartet wird: die Herstellung des Konsenses der Beherrschten mit der Herrschaft. Was von ihnen nicht erwartet wird: die Gefährdung von Kontinuität und Konsens durch Kritik und Zukunftsentwürfe. Zu beidem aber sind Intellektuelle fähig. Des- halb suchen nicht nur herrschende Klassen, sich die Träger der kognitiven Möglichkeiten zum Neuen zu assimilieren. Der Intellek- tuelle wird als Anpasser wie als Revolutionär zum Thema. Den Ver- günstigungen für umsichtigen Gebrauch mit utopischer Fähigkeit entsprechen die Sanktionen der Gewalt gegen die Ideen großer Zu- kunft. Und für revolutionäre Klassen stellt sich die Aufgabe, die Intellektuellen denken, nicht aber führen zu lassen, denn ihre Verwechslung des Denkmöglichen mit dem Notwendigen wird zur Ge- fahr des zweiten Schrittes nach dem ersten. Das Stichwort "Zukunft und Intellektuelle" verlangt gleichwohl nicht danach, alle über einen Kamm zu scheren. Mit der Stilisierung d e s In- tellektuellen zum Anderen der Arbeiterklasse wäre es nicht getan; die Arbeiterklasse wurde und wird immer wieder zur Arbeiter-Bewe- gung, indem sie sich i h r e Intellektuellen assoziiert. Ein Grund der Nähe nicht der, sondern bestimmter Intellektueller zur Antizipation der großen Zukunft liegt in Besonderheiten ihrer Kognition. Die intellektuelle Tätigkeit k a n n das Mögliche empirisch noch nicht bestimmbarer Zukunft erreichen, weil ihr auf Grund umfassenderer Aneignung der Geschichte und allseitigerer theoretischer Wirklichkeitsanalyse die Wahrnehmung des Prinzips historischer Veränderung und der Offenheit des Noch-nicht-Seins erleichtert wird. Der Zugang des Intellektuellen zur Realität ist weniger unmittel- bar empirisch als der des spontanen Alltagsverstands; er ist durch Theorie, ästhetische Anschauung und andere Denkformen ver- mittelt, ist reflexiv und selbstbezüglich. Die Freiheit gegenüber dem Bestehenden k a n n zur Erweiterung des Denkmöglichen füh- ren. Hieraus ergibt sich Verantwortung für das Mögliche wie für das Notwendige. Fluchten aus der Verantwortung sind sowohl das abstrakte utopische System wie der Verzicht auf die große Zukunft zu reformistischen Gunsten. Fluchten vor dem Möglichen sind auch der konservative und neu- rechte utopische Regreß in unangefochtenen kapitalistischen Opti- mismus und erschlichene Identität ("der Deutschen"), die apoka- lyptische Utopie pessimistischer Weltmodelle, die futurologische Vision des "dritten Wegs" jenseits von Kapitalismus und Sozialis- mus, die "Synthese ... zwischen dem demokratisch-kapitalistischen System des Westens und dem diktatorisch-kollektivistischen System des Ostens". 39) Erst im Standhalten, im mit Zukunftsbewußtsein aktiv ausgetragenen Widerspruch, in der Entdeckung des Vorantrei- benden und im Entwurf der einen Zukunft für die eine Welt beweist der Mensch, daß er Zukunft hat. _____ 1) Umfangreiche bibliographische Nachweise in: Utopie. Begriff und Phänomen des Utopischen. Hg. und eingel. v. A. Neusüss, Neu- wied und West-Berlin 1968; Utopieforschung. Interdisziplinäre Studien zur neuzeitlichen Utopie. Hg. v. W. Voßkamp, 2 Bd., Stuttgart 1982. 2) I. Ehrenburg, Menschen, Jahre, Leben. Memoiren, Bd. 1, Berlin 1978, S. 7 f. 3) W. Benjamin, Geschichtsphilosophische Thesen, in: Zur Kritik der Gewalt und andere Aufsätze. Mit einem Nachw. vers. v. H. Mar- cuse, Frankfurt am Main 1965, S. 88. 4) G. Kunert, Der Schlüssel zum Lebenszusammenhang. Literatur als Mythos, in Frankfurter Allgem. Zeitung, Nr. 105, 5. Mai 1984. 5) Die deutsche Übersetzung erscheint im Herbst 1985: Algabaria oder Die neuen Geheimnisse von Paris, Frankfurt am Main. 6) Vgl. Das Ende einer Utopie. Hingabe und Selbstbefreiung frühe- rer Kommunisten im zweigeteilten Deutschland. Hg. und eingel. v. H. Krüger, Olten 1963. 7) Vgl. v. Verf., Utopie und sozialistische Bewegung heute, in: Theoretische Konferenz "Marxismus und Studentenbewegung". Mate- rialien. Hg. v. MSB Spartakus, Bonn 1985, S. 74 ff.; ders., Uto- pie oder Wissenschaft? Thesen gegen eine falsch gestellte Frage, in: Marxistische Blätter, H. l, 1985, S. 89 ff. 8) H. Jung, Utopie als Zukunftsdenken heute?, in: Marxistische Blätter, H. 1, 1985, S. 87. 9) Ebenda, S. 85. 10) E. Bloch, Geist der Utopie. Bearb. Neuaufl. d. 2. Fassung von 1923. Gesamtausg. Bd. 3, Frankfurt am Main 1964, S. 12. 11) Vgl. H.H. Holz, Philosophie im deutschen Expressionismus. Ms. Groningen 1985. 12) R. Garaudy, Das Projekt Hoffnung, Wien 1977, S. 110, 117. 13) Ebenda, S. 117. 14) Vgl. etwa A.L. Morton, Die englische Utopia, Berlin 1958; N. Elias, Thomas Morus' Staatskritik. Mit Überlegungen zur Bestim- mung des Begriffs Utopie, in: Utopieforschung (s. Fn. 1), Bd. 2, S. 101 ff.; Werner Krauss, Überblick über die französischen Uto- pien von Cyrano de Bergerac bis Etienne Cabet, in: Literaturtheo- rie, Philosophie und Politik. Hg. v. M. Naumann, Berlin und Wei- mar 1984, S. 78 ff.; P.-F. Moreau, Le récit utopique. Droit natu- rel et roman de l'Etat, Paris 1982. 15) O. Neurath, Die Utopie als gesellschaftstechnische Konstruk- tion, in: Wissenschaftliche Weltauffassung, Sozialismus und Logi- scher Empirismus. Hg. v. R. Hegselmann, Frankfurt am Main 1979, S. 235, 241. 16) B. Brecht, Radiotheorie, in: Gesammelte Werke, Bd. 18, Frank- furt am Main 1967, S. 130. 17) A. Neusüss, Schwierigkeiten einer Soziologie des utopischen Denkens, in: Utopie. Begriff und Phänomen des Utopischen (s. Fn. 1), S. 19. 18) K.R. Popper, Utopie und Gewalt, in: ebenda, S. 317. 19) Vgl. v. Verf., Aufklärung über Ideologie. Destutt de Tracy und Marx - Entwicklung eines wissenschaftlichen Konzepts, in: DIALEKTIK, H. 10, Köln 1985. 20) F.L. Polak, Wandel und bleibende Aufgabe der Utopie, in: Uto- pie (s. Fn. 1), S. 362. 20a) M. Horkheimer, Die Utopie, in: ebenda, S. 184. 21) K. Mannheim, Ideologie und Utopie. 4. Aufl., Frankfurt am Main 1965, S. 169. 22) R. Koselleck, Die Verzeitlichung der Utopie, in: Utopiefor- schung (s. Fn. 1), S. 4; vgl. J. Rasen, Utopie und Geschichte; L. Kölscher, Der Begriff der Utopie als historische Kategorie (ebenda). 23) Vgl. L. Knatz, Utopie und Wissenschaft im frühen deutschen Sozialismus. Theoriebildung und Wissenschaftsbegriff bei Wilhelm Weitling, Frankfurt am Main - Bern - New York - Nancy 1984. 24) K. Marx, in: MEW Bd. l, S. 345. 25) K. Marx, in: MEGA 1,1, S. 183. 26) K. Marx, in: MEW Bd. 4, S. 143. 27) Vgl. zum Theorietypus der Marxschen Theorie v. Verf., Ge- schichte, gesellschaftliche Bewegung und Erkenntnisprozeß. Stu- dien zur Dialektik der Theorieentwicklung in der bürgerlichen Ge- sellschaft, Berlin und Frankfurt am Main 1984. 28) K. Marx, in: MEW Bd. 27, S. 553. 29) B. Brecht, in: Gesammelte Werke, Bd. 20, Frankfurt am Main 1967, S. 92. 30) F. Engels, in: MEGA I, 24, S. 75, 79. 31) Ebenda. S. 21. 32) E. Bernstein, Die Voraussetzungen des Sozialismus und die Aufgaben der Sozialdemokratie. Hg. v. G. Hillmann, Reinbek bei Hamburg 1969, S. 14. Vgl. K. Bayertz, From Utopia to Science? The Development of Socialist Theory between Utopia and Science, in: Sociology of the Sciences. A Yearbook. Vol. VIII, 1984. 33) K. Marx, in: MEW Bd. 17, S. 557. 34) F. Engels, in: MEW Bd. 19, S. 228. 35) W.I. Lenin, in: LW Bd. 18, S. 350. Vgl. Willi Gerns, DKP-Pro- grammatik und Utopie, in: Marxistische Blätter H. 1, 1985, S. 110 ff., der auf diese Würdigung der Utopisten durch Lenin nicht ver- weist, zu Recht aber die Kritik utopischer Systeme betont. 36) F. Deppe, Ende oder Zukunft der Arbeiterbewegung? Gewerk- schaftspolitik nach der Wende. Eine kritische Bestandsaufnahme, Köln 1984, S. 255; vgl. insgesamt S. 251 ff. 37) Vgl. A. Neusüss, Utopisches Bewußtsein und freischwebende In- telligenz. Zur Wissenssoziologie Karl Mannheims, Meisenheim am Glan 1968. 38) A. Gramsci, Die Herausbildung der Intellektuellen, in: Mar- xismus und Literatur. Ideologie, Alltag, Literatur. Hg. und aus d. Ital. übertragen v. S. Kebir, Hamburg 1983, S. 56. 39) O.K. Flechtheim, Futurologie als "Dritte Kraft", Zürich 1973, S. 8; vgl. auch: ders., Warum Futurologie, in: Futurum, Nr. 6, München 1980; R. Jungk, Zukunftsforschung und Imagination, in: ebenda. Zur Kritik vgl.: D. Klein, Die Konflikte des Spätkapita- lismus und ihre Entwicklungstendenzen - Aufgaben wissenschaftli- cher Gesellschaftsprognose, in: ebenda; I.B. Bestushew-Lada, Bür- gerliche Futurologie jetzt "transformiert"?, in: Sowjetwissen- schaft. Gesellschaftswissenschaftliche Beiträge, H. 2, 1984. Vgl. auch K. Naumann, "Konservative Utopie?!" Überlegungen zu einem Aspekt des Konservativen Hegemoniepotentials (Thesen), in: Forum Wissenschaft, H. 2, 1984, zurück