Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 11/1986
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DIE CHRONISCHE ÜBERAKKUMULATION VON KAPITAL ALS KRISE
DES STAATSMONOPOLISTISCHEN REGULIERUNGSTYPS
Jörg Goldberg
1. Zyklische Krisen und die universelle Tendenz des Kapitals -
1.1 Zyklische Krisen als Knotenpunkte aller Widersprüche - 1.2
Überproduktion von Waren und Überakkumulation von Kapital - 1.3
Die Reproduktion des fixen Kapitals als Grundlage der Zyklizität
- 2. Abschwächung der Akkumulationsdynamik und Reproduktionsbe-
dingungen des fixen Kapitals in der Bundesrepublik - 2.1 Sachka-
pitalrentabilität und Produktionsbedingungen des Profits - 2.2
Rückgang der Rentabilität und Ausdehnung der Produktion - 3. Ab-
schwächung der Akkumulationsdynamik und die Reaktion des staats-
monopolistischen Kapitalismus -3.1 Lohnkosten und Sozialabbau -
3.2 Rationalisierung und der Charakter der neuen Technologien -
3.3 Neue Momente im Zentralisationsprozeß des Kapitals - 3.4 Die
staatliche Wirtschaftspolitik - 3.5 Die Reaktionsmuster des Kapi-
tals als Krisenfaktor
In vielen Krisenanalysen wird die Periode seit dem Anfang/Mitte
der siebziger Jahre in der kapitalistischen Welt als besondere
Etappe, als Umbruchperiode beschrieben. Die kapitalistische Welt-
wirtschaftskrise von 1974/75 gilt dabei als Schnittpunkt. Diese
Betrachtung ist in den meisten linken und marxistischen Analysen
Gemeingut, insbesondere, weil die sozialökonomischen Strukturver-
änderungen in diesem Zeitraum auf der Hand liegen und die Arbei-
terbewegung mit zum Teil völlig neuen Kapitalstrategien konfron-
tiert und die Grundlagen ihrer Politik verändert haben. Diese
richtige Betrachtungsweise muß jedoch auch die Momente der Konti-
nuität betonen, die in der Wirkungsweise der kapitalistischen Ge-
setzmäßigkeiten bestehen. Diese sollen daher zunächst vergegen-
wärtigt werden.
1. Zyklische Krisen und die universelle Tendenz des Kapitals
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In unserem Kontext ist es notwendig, den Ausgangspunkt in der Be-
stimmung der Krisen im Rahmen der marxistischen Theorie zu wäh-
len. Wirtschaftliches Wachstum unter kapitalistischen Bedingungen
ist identisch mit Akkumulation des Kapitals, d.h. mit fortwähren-
der Verwandlung des Mehrwerts in Kapital. Dieser Akkumulations-
prozeß kann nicht reibungslos funktionieren, die Widersprüche der
kapitalistischen Produktionsweise, ableitbar aus dem zentralen
Widerspruch zwischen dem gesellschaftlichen Charakter der Produk-
tion und der privaten Form der Aneignung seiner Ergebnisse, füh-
ren mit Notwendigkeit zu Stockungen im Akkumulationsprozeß, zu
Krisen. Diese Krisen sind notwendig, um den Fortgang der Akkumu-
lation auf erweiterter Stufenleiter zu sichern, also um die das
wirtschaftliche Wachstum hemmenden Faktoren zu überwinden. Die
Phasen sich erweiternder Akkumulation und krisenhafter Stockungen
als Garant für den Fortgang des Akkumulationsprozesses in histo-
rischer Dimension treten periodisch auf, das Wachstum im Kapita-
lismus verläuft als "Spirale". Die periodischen Krisen sind Kno-
tenpunkte der Zuspitzung und Lösung von Disproportionen aller
Art, auch von überzyklischen, strukturellen Ungleichgewichten. 1)
1.1 Zyklische Krisen als Knotenpunkte aller Widersprüche
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Zyklische Krisen schieben die jeweils auftauchenden Schranken der
kapitalistischen Produktionsweise hinaus, aber nur, indem sie die
historischen Bedingungen der Existenz des kapitalistischen Sy-
stems untergraben. Die zyklischen Krisen sind also zugleich Mark-
steine im historischen "Alterungsprozeß" des Kapitalismus. Sie
bilden die Ausgangspunkte für strukturelle, unumkehrbare Verände-
rungen seiner Funktionsbedingungen. Zwei eng miteinander ver-
flochtene Momente machen diesen "Alterungsprozeß" aus:
- Der Zweck-Mittel-Konflikt der kapitalistischen Produktionsweise
wirkt, indem Krisen im Zuge einer Steigerung der Produktivkraft
der Arbeit überwunden werden, diese Steigerung aber die wert-
schaffende Funktion der lebendigen Arbeit im Verhältnis zum kon-
stanten Kapital tendenziell untergräbt. Das "Gesetz des tenden-
ziellen Falls der Profitrate" drückt diese universelle, in den
Krisen vorangetriebene Entwicklungsrichtung des Kapitalismus aus.
- Die Überwindung der Krisen durch Steigerung der Produktivkraft
der Arbeit beinhaltet zugleich den Ruin der schlechter ausgestat-
teten Kapitale und die Zusammenballung der verbleibenden, d. h.,
die Krisen sind zugleich Ausgangspunkt der Konzentration und Zen-
tralisation des Kapitals. Die Tatsache, daß dies kein gleichmäßi-
ger Prozeß ist, daß sich immer wieder neue Einzelkapitale bilden,
daß sich alte Kapitale aufspalten, widerlegt nicht die Existenz
eines historischen Trends zur Bildung von Kapitalmonopolen.
In beiden Fällen handelt es sich um immanente Tendenzen der kapi-
talistischen Produktionsweise, die durchaus unterschiedlich her-
vortreten, deren Bewegung vor dem Hintergrund der jeweiligen kon-
kreten historischen Bedingungen zu untersuchen ist. Die Bewe-
gungsform der Produktion im Kapitalismus, Zuspitzung und zeitwei-
lige Lösung aller Widersprüche der Produktionsweise, vollzieht
sich nicht gleichmäßig, sie wird vermittelt durch die zyklischen
Krisen: "Periodisch macht sich der Konflikt der widerstreitenden
Agentien in Krisen Luft. Die Krisen sind immer nur momentane ge-
waltsame Lösungen der vorhandenen Widersprüche..." 2) Krisener-
scheinungen aller Art im Kapitalismus sind theoretisch mit der
Analyse des Krisenzyklus und dessen Existenzbedingungen zu ver-
mitteln, die Theorie der zyklischen Krise eröffnet den Zugang zum
Verständnis der Krisenhaftigkeit des Kapitalismus in allen seinen
konkret-historischen Erscheinungsformen. Überzyklische Krisener-
scheinungen, seien sie als historisch singulär oder als "Stadien"
oder "Wellen" interpretiert, müssen aus der zyklischen Bewegungs-
form der kapitalistischen Produktionsweise unter den konkreten
Bedingungen erklärt werden.
1.2 Überproduktion von Waren und Überakkumulation von Kapital
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Im folgenden seien die Eckpunkte einer marxistischen Theorie der
zyklischen Krise genannt, wobei versucht wird, die traditionell
in der marxistischen Diskussion vorhandenen Gegensätze zwischen
dem "Überakkumulationsansatz" und dem "Überproduktionsansatz"
miteinander zu vermitteln.
Unbestrittenermaßen e r s c h e i n t die Krise als Auseinan-
derfallen von Kauf und Verkauf, eine Möglichkeit, die die Waren-
produktion mit ihrem Gegensatz von Gebrauchswert und Tauschwert
bereits begrifflich impliziert. Das Auseinanderfallen von Kauf
und Verkauf ist aber nur die allgemeinste Form der Krise: "Man
kann aber nicht sagen, daß die abstrakte Form der Krise die Ursa-
che der Krise sei." 3) Es ist also zu untersuchen, warum es mit
Notwendigkeit zu diesem Auseinanderfallen von Kauf und Verkauf
kommt: Dies aber kann nur auf der Ebene des Gesamtreproduktions-
prozesses nachgewiesen werden. "Der Gesamt-Zirkulationsprozeß
oder der Gesamt-Reproduktionsprozeß des Kapitals ist die Einheit
seiner Produktionsphase und seiner Zirkulationsphase..." 4) Diese
beiden Phasen gehören untrennbar zusammen, ihre Verselbständigung
gegeneinander macht die Krise aus. Diese Verselbständigung ist
aber ein Wesensmerkmal der kapitalistischen Produktionsweise:
"Der der Ware immanente Gegensatz von Gebrauchswert und Wert, von
Privatarbeit, die sich zugleich als unmittelbar gesellschaftliche
Arbeit darstellen muß, von besondrer konkreter Arbeit, die
zugleich nur als abstrakt allgemeine Arbeit gilt, ..., dieser im-
manente Widerspruch erhält in den Gegensätzen der Warenmetamor-
phose seine entwickelten Bewegungsformen." 5) Die Bestimmungsmo-
mente des unmittelbaren Produktionsprozesses und die der Zirkula-
tion sind aber widersprüchlich miteinander vermittelt. "Die Be-
dingungen der unmittelbaren Exploitation und die ihrer Realisa-
tion sind nicht identisch. ... Die einen sind nur beschränkt
durch die Produktivkraft der Gesellschaft, die anderen durch die
Proportionalität der verschiedenen Produktionszweige und durch
die Konsumtionskraft der Gesellschaft." 6) Es widerspricht also
völlig der Marxschen Methode, Krisen nur aus der Untersuchung der
Bedingungen der Exploitation, also des unmittelbaren Produktions-
prozesses, ableiten zu wollen. Es wäre dann nämlich methodisch
völlig überflüssig gewesen, die Arbeiten zur Krise auf der Ab-
straktionsebene anzusetzen, auf der die allgemeinsten Bestimmun-
gen der Warenproduktion, das Auseinanderfallen von Kauf und Ver-
kauf, abgeleitet werden. Diese umständlichen Schritte hätte man
sich sparen können, würde der Krisenzyklus bereits aus den im un-
mittelbaren Produktionsprozeß wirksamen und darstellbaren Schran-
ken erklärt werden können. Diese Schranken sind als historische
Entwicklungsgrenzen nichtsdestoweniger existent, die zyklische
Bewegungsform können sie aber für sich nicht begründen. Sowohl
die Ausführungen im ersten Band des "Kapitals" ("Das allgemeine
Gesetz der kapitalistischen Akkumulation") als auch die Darstel-
lung des "Gesetzes des tendenziellen Falls der Profitrate" im
dritten Band sind der "universellen Tendenz" des Kapitals gewid-
met, in bezug auf die zyklischen Krisen als konkreter Bewegungs-
weise dieser Widersprüche aber können sie "nichts Neues zufügen".
"Aber in dem Produktionsprozeß selbst kann dies nicht erscheinen,
weil in ihm nicht die Rede ist von der Realisierung des nicht nur
reproduzierten Werts, sondern Mehrwerts." 7)
Zwar ist die Realisationssphäre des Profits "letzten Endes" be-
stimmt durch die Produktionssphäre, in der Einheit von Produktion
und Zirkulation ist erstere das bestimmende Moment. Es ist aber
gerade die Krise, die diese Einheit herstellt, in der sich Pro-
duktionssphäre und Zirkulationssphäre als Einheit geltend machen.
Die Krise in Abstraktion von der Zirkulationsseite begründen zu
wollen, abstrahiert also gerade von den Momenten, welche jene
erst ausmachen. Dies gilt auch für Ansätze, die die Zirkulations-
sphäre als passiven Reflex der Produktion im Zyklus behandeln:
Wäre das so, dann wäre die Forderung nach Einbeziehung der Reali-
sationsseite tatsächlich nur eine Banalität. Daß die Nachfrage
nach Investitionsgütern sinkt, wenn die Unternehmen weniger inve-
stieren, ist in diesem Zusammenhang nichts anderes als eine Tau-
tologie. 8) Entscheidend ist, daß schon der Abbruch des Akkumula-
tionsprozesses aus dem W i d e r s p r u c h von Produktion und
Realisation des Profits abgeleitet werden muß. Es geht vielmehr
darum, die Widersprüche beider Sphären aufzudecken, was darauf
hinausläuft zu untersuchen, welche Wirkung die Bewegungen im un-
mittelbaren Produktionsprozeß auf die Zirkulation und damit auf
den Gesamtreproduktionsprozeß haben. Marx bezeichnet den Zusam-
menhang zwischen Profitrate und Profitmasse als das "in jeder Be-
ziehung wichtigste Gesetz der modernen politischen Oekonomie...".
9) Die oben erwähnte Schranke "Produktivkraft" für den unmittel-
baren Produktionsprozeß drückt sich in diesem Gesetz aus. Dabei
sind Fall der Profitrate, Konzentration und Zentralisation des
Kapitals und beschleunigte Akkumulation Momente des gleichen Pro-
zesses: "Dieselben Gesetze produzieren also für das Gesell-
schaftskapital eine wachsende absolute Profitmasse und eine
fallende Profitrate." 10)
Stockungen im Akkumulationsprozeß können auf d i e s e r
E b e n e tatsächlich erst dann abgeleitet werden, wenn die pro-
duzierte Mehrwertmasse nicht mehr gesteigert werden kann, wenn
also entweder die Zahl der Beschäftigten nicht mehr erweitert
werden kann und/oder die Knappheitssituation am Arbeitsmarkt eine
weitere Erhöhung des Exploitationsgrades nicht mehr erlaubt.
Damit analysiert Marx die historische Beschränktheit der kapita-
listischen Produktionsweise, seine "universelle Tendenz", die
sich, über zyklische Krisen vermittelt, durchsetzt.
Angetrieben wird der kapitalistische Gesamtproduktionsprozeß
durch die Widersprüche innerhalb des unmittelbaren Produktions-
prozesses von Profit; hier ist die U r s a c h e von Krisen im
Kapitalismus zu suchen. Im Marxschen "Gesetz des tendenziellen
Falls der Profitrate", das gleichzeitig ein Gesetz von der Zu-
nahme der Profitmasse ist, wird der Konflikt zwischen den
stofflichen und wertmäßigen Grundlagen der kapitalistischen Pro-
duktionsweise auf den Punkt gebracht. Er wird formuliert als
Zweck (Profitproduktion) - Mittel (Produktivkraftsteigerung) -
Konflikt.
Wesentlich für die Analyse konkreter Krisenperioden ist aber die
Formulierung dieses Gesetzes als Ausdruck der "universellen Ten-
denz" des Kapitals, die damit aber noch nicht seine sich in Kri-
sen entladende "besondre Beschränktheit" erklären kann. Bei einem
Vergleich von Ricardo (sozusagen als "Profitratentheoretiker")
mit Sismondi (als "Überproduktionstheoretiker") stellt Marx fest:
"Der ganze Streit, ob Ü b e r p r o d u k t i o n möglich und
notwendig auf dem Standpunkt des Kapitals, dreht sich darum, ob
der Verwertungsprozeß des Kapitals in der Produktion unmittelbar
seine Verwertung in die Zirkulation setzt; ob seine im P r o-
d u k t i o n s p r o z e ß gesetzte Verwertung seine r e a l e
Verwertung ist." 11)
Der Zweck-Mittel-Konflikt der kapitalistischen Produktionsweise,
wie er im Gesetz des tendenziellen Falls der Profitrate zusammen-
fassend ausgedrückt wird, und sein Zusammenhang zu den zyklischen
Krisen wird von Marx so formuliert: "Die periodische Entwertung
des vorhandenen Kapitals, die ein der kapitalistischen Produkti-
onsweise immanentes Mittel ist, den Fall der Profitrate aufzuhal-
ten und die Akkumulation von Kapitalwert durch Bildung von Neuka-
pital zu beschleunigen, stört die gegebnen Verhältnisse, worin
sich der Zirkulations- und Reproduktionsprozeß des Kapitals voll-
zieht, und ist daher begleitet von plötzlichen Stockungen und
Krisen des Produktionsprozesses." 12)
Der sich mit der Entwicklung der kapitalistischen Produktions-
weise entfaltende Widerspruch zwischen "Zweck" und "Mittel" der
Produktion treibt das Kapital zur Akkumulation in immer größerem
Umfang: Der tendenzielle Fall der Profitrate zwingt die Einzelka-
pitale zur Erweiterung der Profitmasse und beschleunigter Akkumu-
lation. Den Wirkungen der niedrigeren Profitrate in der Produk-
tion kann also nur durch die Verwandlung eines tendenziell wach-
senden Teils des Wertprodukts in Profit, d.h. durch Vergrößerung
des akkumulierten Teils im Gegensatz zum in Form von Revenue ver-
zehrten Teil entgegengewirkt werden. Dies bedingt ein ständiges
Anwachsen des Anteils der Produktionsmittel auf Kosten der Kon-
sumgüter, oder, in Kategorien der amtlichen Statistik ausge-
drückt: Die "Investitionsquote" muß ständig auf Kosten der
"Konsumquote" zunehmen. Der Bereicherungstrieb des Kapitals
zwingt dieses zur Verletzung der durch technische Zusammenhänge
bestimmten Proportionen des Gesamtreproduktionsprozesses.
Die Entwertung des Kapitals und die damit verbundene Neuanlage
von Kapital ist gleichzeitig verbunden mit einer Ausdehnung der
Produktionsfähigkeit der Gesellschaft, der Steigerung der Pro-
duktmenge bzw. der Produktionskapazitäten. Der Verfall der Pro-
fitrate ist der Stachel der Akkumulation in gebrauchswertmäßiger
Hinsicht. Die Steigerung der Produktivkraft aber ist wiederum
über das Lohngesetz vermittelt mit der Konsumtionsfähigkeit der
Gesellschaft. Der Verfall der Profitrate ist also gleichzeitig
die Triebkraft zur Zuspitzung von Überproduktionskrisen - und
Grundlage von deren zeitweiliger Überwindung im Zuge der Neuan-
lage von Kapital. "Die Akkumulation des Kapitals, dem Wert nach
betrachtet, wird verlangsamt durch die fallende Profitrate, um
die Akkumulation des Gebrauchswerts noch zu beschleunigen, wäh-
rend diese wieder die Akkumulation, dem Wert nach, in beschleu-
nigten Gang bringt." 13) Rein rechnerisch wäre der Punkt abseh-
bar, an dem eben die beschleunigte Akkumulation dem Wert nach
nicht mehr in Gang kommen kann: dann nämlich, wenn die Profit-
masse nicht mehr ausreicht, um den Umfang der akkumulierten Ge-
brauchswerte - welche ja die Grundlage der Ausdehnung der Be-
schäftigung sind - so zu vergrößern, daß die Beschäftigung ausge-
dehnt wird. Aber es ist ja gerade die Funktion der Krisen, eine
solche Situation als Dauerzustand zu vermeiden. 14)
Die Zyklizität dieses Prozesses nun läßt sich nur durch die Ein-
führung der Unterscheidung zwischen fixem und zirkulierendem Ka-
pital begründen, in diesem Sinne ist das fixe Kapital die
"materielle Grundlage" der Krisen. 15) Auch hier zeigt sich, daß
die Widersprüche innerhalb des Produktionsprozesses des Profits
selbst nicht ausreichen zur Begründung zyklischer Krisen: Die hi-
storische Tendenz zum "Fall der Profitrate" kommt methodisch
durchaus ohne die Unterscheidung zwischen fixem und zirkulieren-
dem Kapital aus.
1.3 Die Reproduktion des fixen Kapitals
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als Grundlage der Zyklizität
----------------------------
Um dies zu verdeutlichen, sei die Krise als Ausgangspunkt der
Neuanlage von Kapital - und d. h. vor allem von fixem Kapital -
beschrieben. Dies ist im übrigen berechtigt, obwohl die konzen-
trierte Neuanlage von Kapital zwar einerseits die F o l g e des
Krisenzyklus ist (diesen also methodisch schon voraussetzt), an-
dererseits hier als Ursache beschrieben wird. In der Tat aber
verflechten sich historisch Ursache und Wirkung: "Ganz wie Him-
melskörper, einmal in eine bestimmte Bewegung geschleudert, die-
selbe stets wiederholen, so die gesellschaftliche Produktion, so-
bald sie einmal in jene Bewegung wechselnder Expansion und Kon-
traktion geworfen ist." 16)
Die Neuanlage von fixem Kapital, d.h. die Anschaffung von Inve-
stitionsgütern, wirkt in der Anschaffungsphase stark markterwei-
ternd auf die Anbieter von Investitionsgütern. Es entfaltet sich
der Prozeß eines sich selbst tragenden Aufschwungs, bei dem die
Investitionsgüterproduktion sich gegenüber der Konsumgüternach-
frage verselbständigt, ihr weit vorauseilt. In dieser Periode
führt die wachsende Nachfrage der Kapitalisten untereinander nach
den Gütern des fixen Kapitals zu einer weiteren Beschleunigung
des Expansionstempos. Dabei dehnt sich die Produktion in einem
Tempo aus, als sei die Produktivkraft der Gesellschaft ihre ein-
zige Schranke.
Die konzentriert auftretende Nachfrage nach Gütern des fixen Ka-
pitals bestimmt in der Belebungs- und Aufschwungsphase des Zyklus
die Dynamik der Entwicklung, wobei sich mit der kapitalistischen
Produktionsweise die Ausdehnungsfähigkeit des Produktionsappa-
rates entwickelt: "Indem das Kapital sich die beiden Urbildner
des Reichtums, Arbeitskraft und Erde, einverleibt, erwirbt es
eine Expansionskraft, die ihm erlaubt, die Elemente seiner Akku-
mulation auszudehnen jenseits der scheinbar durch seine eigene
Größe gesteckten Grenzen, gesteckt durch den Wert und die Masse
der bereits produzierten Produktionsmittel, in denen es sein Da-
sein hat." 17) Erweitert wird die Akkumulationsfähigkeit des Ka-
pitals dem Gebrauchswert nach noch durch den aus freigesetzten
Wertteilen des fixen Kapitals gespeisten "Akkumulationsfonds".
18) Er eröffnet dem Kapital die Möglichkeit, die Produktionsfä-
higkeit des Kapitalstocks über das Maß hinaus auszudehnen, das
die angeeignete und akkumulierte Profitmasse vorschreibt. Es
kommt also systematisch zu einer Ausdehnung der Produktivkraft
der Gesellschaft weit über die Konsumtionsfähigkeit der Massen
hinaus.
Es ist an anderer Stelle bereits beschrieben worden, daß ein sol-
cher expansiver Prozeß seine Schranken nur in den Disproportionen
auf der Absatzseite finden kann. 19) Zwar verschlechtert sich
tendenziell über steigende Löhne, Rohstoffpreise und Zinsen die
Rentabilität der industriellen Einzelkapitale, gleichzeitig aber
erscheinen die im Zuge beschleunigter Akkumulation steigenden Ko-
sten vom Standpunkt der Einzelkapitale aus durch steigende Preise
überwälzbar. Diese Erwartungen werden erst dann gebrochen, wenn
dieser Prozeß an sich verschlechternden Absatzmöglichkeiten
(immer im Verhältnis zu den Produktionsmöglichkeiten) ins Stocken
kommt.
Das ist dann der Fall, wenn die Disproportionen im Kern zwischen
der sich entwickelnden Produktivkraft der Gesellschaft und ihrer
Konsumtionsfähigkeit manifest werden. Dabei löst bereits eine
Verlangsamung des Absatzwachstums gegenüber den expansiven Erwar-
tungen der Einzelkapitalisten krisenhafte Stockungen aus. Denn
Produktion für den kapitalistischen Markt ist immer Überproduk-
tion im Verhältnis zur aktuellen Absatzlage, die Nachfrage muß in
die Kapazitäten hineinwachsen. Schon bei einer bloßen Verlang-
samung des Expansionsprozesses der Nachfrage wird sich ein Teil
der Produktionskapazitäten als zu groß erweisen und eine Beendi-
gung des expansiven Akkumulationsprozesses auslösen. Nicht etwa
ein zu niedriger Stand der Konsumtion, sondern die Loslösung der
Akkumulation vom Tempo der Konsumtionsentwicklung führen also zur
Krise. Der Ersatz der Nachfrage nach Endprodukten durch die Nach-
frage der Kapitalisten nach Investitionsgütern findet seine Gren-
zen an den stofflichen Proportionen zwischen dem Umfang des Pro-
duktionsapparates und dem Umfang der Konsumtion.
"Außerdem findet, wie wir gesehen haben (...) eine beständige
Zirkulation statt zwischen konstantem Kapital und konstantem Ka-
pital (auch abgesehen von der beschleunigten Akkumulation), die
insofern zunächst unabhängig ist von der individuellen Konsum-
tion, als sie nie in dieselbe eingeht, die aber doch durch sie
definitiv begrenzt ist, indem die Produktion von konstantem Kapi-
tal nie seiner selbst wegen stattfindet, sondern nur weil mehr
davon gebraucht wird in den Produktionssphären, deren Produkte in
die individuelle Konsumtion eingehen. Dies kann jedoch eine Zeit-
lang ruhig seinen Weg gehn, durch die prospektive Nachfrage ge-
reizt, und in diesen Zweigen geht das Geschäft bei Kaufleuten und
Industriellen daher sehr flott voran." 20)
Der stoffliche Zusammenhang bleibt also bestimmend für den Fort-
gang des Akkumulationsprozesses, stofflich bestimmt der Umfang
der Konsumtion, welche begrenzt ist durch die widersprüchliche
Bewegung der Akkumulation und die darauf basierenden Verteilungs-
verhältnisse, rückwirkend wiederum die Akkumulation. Dieser Zu-
sammenhang macht sich aber spontan, hinter dem Rücken der Einzel-
kapitale geltend, nämlich in Form von Krisen.
Zusammenfassend ist festzuhalten: Die Beschleunigung der Akkumu-
lation ist die dem Kapital adäquate Reaktionsweise, um der histo-
rischen Tendenz zum Fall der Profitrate entgegenzuwirken. Diese
Strategie - die in unterschiedlichen historischen Phasen unter-
schiedlich erfolgreich sein kann - ist verbunden sowohl mit der
Zunahme des fixen Kapitals im Verhältnis zur angewandten lebendi-
gen Arbeit als auch mit der Konzentration und Zentralisation des
Kapitals. Diese Strategie findet periodisch ihre Schranken in der
stofflich bestimmten Proportionalität des gesellschaftlichen Pro-
duktionsprozesses, letzten Endes also in der mit der Akkumula-
tion, der Produktivkraftsteigerung widersprüchlich vermittelten
Konsumtionsfähigkeit der Massen.
2. Abschwächung der Akkumulationsdynamik und
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Reproduktionsbedingungen des fixen Kapitals in der Bundesrepublik
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Die konkrete Entwicklungsdynamik hängt nun zentral davon ab, wie
sich die Verhältnisse der Profitproduktion und der Profitreali-
sierung unter bestimmten historischen Verhältnissen gestalten.
2.1 Sachkapitalrentabilität und Produktionsbedingungen
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des Profits
-----------
Betrachtet man die Kapitalrentabilität als Ausdruck der sich ver-
ändernden Produktionsbedingungen des Profits, so ergibt sich die
Schwierigkeit, daß diese der zusammenfassende Ausdruck der Ver-
wertungssituation sowohl in der Produktion als auch auf der Re-
alisierungsseite ist. Auch die Berücksichtigung des tendenziell
gesunkenen Auslastungsgrads beim Anlagevermögen klammert den Fak-
tor "Realisierungsbedingungen" nur sehr unzureichend aus. Denn
die im Zähler stehende Summe der Unternehmergewinne wird eben-
falls von der Auslastungssituation, von den Realisierungsbedin-
gungen ganz erheblich beeinflußt - dies zeigt schon die starke
zyklische Bewegung der Gewinnsumme.
Trotzdem ergeben die verschiedenen Untersuchungen der Entwicklung
der Verwertungsbedingungen in der BRD, daß der Rückgang der Kapi-
talrentabilität in den fünfziger und teilweise noch in den sech-
ziger Jahren vorrangig auf Momente wie den raschen Zuwachs beim
konstanten Kapital und gewisse Verteilungserfolge der Arbeiterbe-
wegung zurückzuführen waren. Dagegen zeigen sich in der empirisch
erfaßbaren Sachkapitalrentabilität seit Mitte bzw. Ende der sech-
ziger Jahre überzyklisch nur noch geringfügige Verschiebungen.
Bei Berücksichtigung der sowohl im Zähler wie im Nenner wirksamen
Einflußfaktoren der niedrigeren Kapazitätsauslastung und schwie-
rigeren Absatzmöglichkeiten dürfte sich eine gewisse Tendenz zur
Erholung der Rentabilität bemerkbar machen, zumindest seit Mitte
der siebziger Jahre.
Auch nach anderen Berechnungen ergibt sich ein ähnliches Bild:
Die Kapitalrentabilität fällt deutlich bis zur Mitte der sechzi-
ger Jahre, erreicht einen Tiefpunkt in der Mitte der siebziger
Jahre und ist seither stabil bzw. steigt wieder (vor allem in den
achtziger Jahren) etwas an. Im großen und ganzen kann festgehal-
ten werden, daß der Verfall der Sachkapitalrentabilität in der
Periode bis Mitte der sechziger Jahre auffallend war, während
sich die Verhältnisse seither nur noch wenig verändert haben. Es
ist übrigens darauf zu verweisen, daß die Sachkapitalrentabilität
auch in der Hochzinsphase deutlich höher ist als die Rendite auf
Wertpapiere, also als der Zinssatz. 21)
Tabelle 1:
Rentabilität des Sachkapitals der Unternehmen in der BRD
1960 61 62 63 64 65 66 67 68 69 70
1)
31,6 29,1 27,4 25,3 26,7 25,8 23,6 22,4 24,2 24,7 24,6
2) - - - 28,0 29,2 28,1 26,3 26,4 27,1 26,6 26,3
1971 72 73 74 75 76 77 78 79 80
1)
23,5 22,8 22,2 21,0 19,3 21,4 21,3 22,4 23,6 21,2
2)
25,9 25,5 24,5 24,0 23,2 24,9 24,7 25,8 26,5 24,3
1981 82 83 84 *) 85 *)
1)
19,0 19,4 21,1 21,9 23,3
2)
22,3 23,2 25,4 25,5 26,4
_____
*) Teilweise geschätzt
1) Unternehmensgewinne der Unternehmen ohne Land- und Forstwirt-
schaft, Bundesbahn und Bundespost und Wohnungsvermietung zu Net-
tosachvermögen (Nettoanlagevermögen + Vorräte) zu Anschaffungs-
preisen der Unternehmen ohne Land- und Forstwirtschaft, Verkehrs-
und Nachrichtenwesen und Wohnungsvermietung.
2) Bereinigung des Nettoanlagevermögens mit dem vom Ifo-Institut
für Wirtschaftsforschung erhobenen Auslastungsgrad der industri-
ellen Anlagen.
Quellen: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe, S. 8. Re-
vidierte Ergebnisse 1960 bis 1984; Ifo-Schnelldienst, lfd.; ei-
gene Berechnungen.
Bild ansehen
Sachkapitalrentabilität im Unternehmenssektor
Für die Stabilisierung der Sachkapitalrendite in den siebziger
Jahren stellt der Kapitalbindungsgrad des Anlagevermögens einen
wichtigen, bislang kaum erwähnten Einflußfaktor dar. Der Anteil
des Nettoanlagevermögens am Bruttoanlagevermögen (sowohl zu fe-
sten Preisen als auch zu Wiederbeschaffungspreisen) steigt zwi-
schen 1950 und 1965 stark von 51,7 Prozent auf 68,7 Prozent (zu
festen Preisen gerechnet) an. Ab 1975 geht diese Relation wieder
zurück und erreicht 1984 rund 65,5 Prozent. In den gewerblichen
Bereichen ist die Veränderung noch stärker: Dort erhöht sich der
Kapitalbindungsgrad des Bruttoanlagevermögens zwischen 1950 und
1965 von 47,3 auf 65,8 Prozent, um dann wieder auf 60,7 Prozent
im Jahre 1984 zu sinken. Bei einem Bruttoanlagevermögen der ge-
werblichen Bereiche von mehr als 3,1 Billionen DM (Wieder-
beschaffungspreise) im Jahre 1984 bewirkt die Veränderung des
Kapitalbindungsgrades um nur ein Prozent bereits einen relativen
Kapitalfreisetzungseffekt von mehr als 31 Milliarden DM. 22) Die
Methode des Kapitals, der Verschlechterung der Produktions-
bedingungen des Profits durch beschleunigte Akkumulation ent-
gegenzuwirken, bedingt zunächst eine Ausdehnung des Absatzmarktes
über die Schranken der Konsumtionsfähigkeit der Gesellschaft hin-
aus. Dabei sind zwei Momente für die Interpretation der BRD-Ent-
wicklung wichtig:
- die Orientierung auf den Weltmarkt;
- die stoffliche Struktur der Akkumulation von fixem Kapital
selbst.
2.2 Rückgang der Rentabilität und Ausdehnung der Produktion
-----------------------------------------------------------
Die Produktivkraft wird gesteigert, um dem Fall der Profitrate
durch Ausdehnung der Profitmasse entgegenzuwirken, was mit der
gebrauchswertmäßigen Expansion der Warenmenge verbunden ist. Für
diese müssen also jeweils zusätzliche Absatzmöglichkeiten er-
schlossen werden. Die Expansionsfähigkeit der nationalen Kapitale
auf den Weltmarkt ist dabei ein wichtiger Faktor bei der Überwin-
dung der Krisen aus Überproduktion und damit aber auch bei der
Überwindung der Widersprüche im unmittelbaren Produktionsprozeß
durch Ausdehnung der Produktion der Masse nach. Die Krisen
"werden häufiger und heftiger schon deswegen, weil ... immer we-
niger Märkte zur Exploitation übrigbleiben, da jede vorhergehende
Krise einen bisher uneroberten ... Markt dem Welthandel unterwor-
fen hat..." 23)
2.2.1. Warenexport als Ventil der Überproduktion
------------------------------------------------
Für die Bundesrepublik läßt sich zeigen, daß diese markterwei-
ternde Funktion des Warenexports bis heute eine wichtige Rolle
spielt. Dies gilt vor allem für die Überwindung von durch zykli-
sche Krisen bedingten Marktverengungen. Die Krisen von 1966/67,
1974/75 und 1980/82 wurden durch die Erhöhung des Außenbeitrags
(Anteil des Überschusses im Warenhandel am Bruttoinlandsprodukt
zu festen Preisen) gemildert, die folgende Belebung vor allem in
den Anfangsphasen stimuliert. Überzyklisch ist in den fünfziger
Jahren ein hohes Niveau des Außenbeitrags zu beobachten, das sich
in den sechziger Jahren erheblich verringert und in der ersten
Hälfte der siebziger Jahre einen Tiefstand erreicht. Danach
steigt er wieder an und erreicht Mitte der achtziger Jahre einen
Spitzenwert mit 5,4 Prozent. 24)
Tabelle 2:
Außenbeitrag in Prozent des Bruttoinlandsprodukts (feste Preise)
1950 51 52 53 54 55 56 57 58 59
2,6 5,0 4,4 4,3 4,3 4,0 4,3 4,5 3,7 3,7
1960 61 62 63 64 65 66 67 68 69
3,0 2,8 2,0 2,5 2,4 1,3 2,5 4,0 4,0 3,0
1970 71 72 73 74 75 76 77 78 79
2,0 1,4 1,5 3,2 5,6 3,4 3,5 3,7 2,9 2,0
1980 81 82 83 84 85
2,4 4,7 5,6 4,6 5,2 5,4
_____
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe, S. 7, Lange
Reihen
Die "mittlere Variante" einer gemeinsamen Prognose der Prognos AG
und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung bis zum
Jahre 2000 geht davon aus, daß sich der Außenbeitrag weiter er-
höht: Gerechnet zu festen Preisen, soll er sich auf 7,0 Prozent
im Jahre 1990, auf 7,3 Prozent 1995 erhöhen und bis ins Jahr 2000
leicht auf 6,5 Prozent zurückgehen. Demgegenüber steht ein wach-
sender Einfuhrüberschuß beim Dienstleistungsbereich, vor allem im
Tourismus. Aber auch bei Einbeziehung der Dienstleistungen soll
der Außenbeitrag sich demnach weiter kräftig erhöhen. 25)
Ob eine solche Erwartung realistisch ist, dürfte bezweifelt wer-
den. Denn die Verstärkung der Weltmarktposition der südostasiati-
schen Länder, vor allem Japans, wird die Expansionsspielräume der
"traditionellen" Weltmarktkapitale begrenzen. Die außerordentlich
kräftige Außenexpansion der Bundesrepublik in der ersten Hälfte
der achtziger Jahre ist wesentlich dem Sonderfaktor "Dollarkurs"
geschuldet, der zeitweilig die Weltmarktposition der USA im Wa-
renhandel drastisch reduziert hat. Schon jetzt ist absehbar, daß
die Wirksamkeit dieses Faktors nachläßt.
Auf der anderen Seite wird das Wachstum der Märkte in der dritten
Welt, theoretisch noch eine gewaltige "Expansionsreserve", durch
die strukturelle Benachteiligung dieser Länder in der Weltwirt-
schaft gehemmt. Aktuell steht dabei die hohe Verschuldung und die
damit verbundene Restriktionspolitik im Mittelpunkt. Die bislang
verfolgte Strategie der kapitalistischen Länder zur Sicherung der
in die Länder der dritten Welt exportierten Kapitale und deren
Verzinsung - womit eine fällige Kapitalentwertung großen Umfangs
verhindert werden soll - erweist sich als beschränkender Faktor
im Warenhandel mit eben diesen Staaten. Ebenso schränkt der Kampf
um niedrige Rohstoffpreise als Ausdruck der Kapitalstrategie der
Kostensenkung gleichzeitig die Welthandelsexpansion ein. Für die
nächsten Jahre wird jedenfalls - wenn es nicht zu einer Umstruk-
turierung der Weltwirtschaftsordnung im Sinne der Forderungen der
dritten Welt kommt (vorrangig ist dabei eine Schuldenstreichung)
- eher mit einer Stagnation bzw. mit einem Rückgang des Importan-
teils der dritten Welt für Industriewaren zu rechnen sein. 26)
Die Strategie der Warenexportexpansion stößt also im Zuge ver-
schärfter internationaler Konkurrenz und sich relativ verengender
Weltmärkte an gewisse Grenzen, woraus neue Dimensionen des Inter-
nationalisierungsprozesses resultieren. Diese haben allerdings
eher restriktive Wirkungen auf den nationalen Reproduktionspro-
zeß.
2.2.2 Die Reproduktion des fixen Kapitals
-----------------------------------------
Für die zyklische Überwindung von Krisen, die notwendige Markter-
weiterung, die Dynamik und Länge von Aufschwungsperioden ist die
Neuanlage von fixem Kapital, die gegenseitige Nachfrage der Ein-
zelkapitale nach Investitionsgütern entscheidend. Es kann hier
auf die Darstellung dieses Zusammenhangs bei Katzenstein verwie-
sen werden: "Die relative Zusammenballung der Reproduktion von
fixem Kapital bedeutet also nicht nur disproportionale Entwick-
lung der Produktionszweige schlechthin, sondern auch Loslösung
der Produktion von Produktionsmitteln von der Produktion von Kon-
sumtionsmitteln, d. h. Entfaltung auch des Widerspruchs zwischen
Produktion und Markt ganz allgemein. Der Reproduktionsprozeß des
fixen Kapitals wird zu einer materiellen Grundlage dafür, daß die
Produktion von Produktionsmitteln, die Zirkulation zwischen Kapi-
tal und Kapital, wie Marx sagt, zum hauptsächlichen Agens für die
Erweiterung der kapitalistischen Produktion wird und sie so lange
stimuliert, bis schließlich die kapitalistischen Grenzen ihrer
Ausdehnung zutage treten." 27)
Die Wirkung der Reproduktion des fixen Kapitals im Zyklus hängt
eng mit den stofflichen Eigenschaften der Investitionsgüter zu-
sammen. So verweist Katzenstein darauf, daß im Zuge der erweiter-
ten Reproduktion - im Gegensatz zum reinen Ersatz - auch jene Ar-
beitsmittel eingeschlossen sind, "die nur als allgemeiner Rahmen
der Produktion dienen" 28), also Gebäude, Kommunikationseinrich-
tungen usw. Die Wirkung der Investitionen auf den Widerspruch
Produktion-Markt und damit auf die zeitweilige Krisenlösungsfunk-
tion der Akkumulation von fixem Kapital hängt nun eng mit der un-
mittelbaren Bedeutung der Kapitalanlagen für die Produktionskapa-
zitäten zusammen.
"Ein großer Teil des konstanten Kapitals, nämlich das fixe Kapi-
tal, kann aus solchem bestehen, das direkt im Produktionsprozeß
zur Erzeugung von Lebensmitteln, Rohstoffen etc. eingeht oder
entweder zur Abkürzung des Zirkulationsprozesses dient, wie Ei-
senbahnen, Straßen..., oder zum Aufbewahren ... von Waren, wie
Docks ..., oder aber erst nach langer Reproduktionszeit die
Fruchtbarkeit vergrößert, wie Nivellierungsarbeiten, Abzugskanäle
etc. Je nachdem ein größrer oder kleinrer Teil des surplus pro-
duce auf eine dieser Arten capital fixe verwandt wird, werden die
unmittelbaren nächsten Folgen für die Reproduktion von Lebensmit-
teln etc. sehr verschieden sein." 29)
Die Wirkungen auf die beiden Seiten des Gesamtreproduktionspro-
zesses - Profitproduktion und Profitrealisierung - sind nun je
nach ihrer Nähe zum unmittelbaren Produktionsprozeß (Vergrößerung
der "Fruchtbarkeit") höchst unterschiedlich. So bindet die Er-
richtung von allgemeinen Voraussetzungen der Produktion in großem
Umfang Kapital, die Umschlagszeit ist lang, die Wirkung auf die
Profitrate also tendenziell negativ. Auf der anderen Seite stei-
gern solche Investitionen mit einer hohen Akzeleratorwirkung 30)
die Nachfrage im Verhältnis zur damit verbundenen Erweiterung der
Produktionskapazitäten, d. h., die Schranken der Konsumtionsfä-
higkeit werden damit hinausgeschoben, die Realisierungsbedingun-
gen des Profits werden verbessert. Für die Stärke des Aufschwungs
im Zyklus und damit auch die überzyklische Wachstumsdynamik ist
dies aber der wesentliche Effekt: denn die tendenzielle Ver-
schlechterung der Produktionsbedingungen des Profits wird in ei-
ner solchen Expansionsphase nicht manifest, die günstigen Reali-
sierungsbedingungen verlängern die Periode des zyklischen Auf-
schwungs und damit auch die Möglichkeiten der Einzelkapitale, die
steigenden Produktionskosten durch steigende Preise abzuwälzen.
Phasen, in denen die Schaffung der allgemeinen Produktionsvoraus-
setzungen ein hohes Gewicht im Prozeß der Kapitalakkumulation be-
sitzen, sind Phasen raschen Wachstums der Nachfrage und der Pro-
duktion, in denen die Krisen relativ kurz und die Aufschwungspe-
rioden relativ lang sind.
Für die Bundesrepublik läßt sich zeigen, daß die fünfziger und
teilweise auch noch die sechziger Jahre gekennzeichnet waren
durch die Wieder- bzw. Neuerrichtung von produktionsbezogenen und
konsumbezogenen allgemeinen Voraussetzungen des Akkumulationspro-
zesses. 31) Während die Produktionsanlagen selbst nach dem Ende
des zweiten Weltkriegs in Deutschland einen vergleichsweise hohen
quantitativen und qualitativen Stand hatten, waren die Einrich-
tungen des Transport- und Nachrichtenwesens stark zerstört, fehl-
ten vor allem in großem Umfang Wohnungen. 32)
Die Akkumulation von fixem Kapital bezog sich in den ersten Jah-
ren also vor allem auf den Baubereich.
Tabelle 3:
Struktur der Bruttoanlageinvestitionen 1)
darunter:
Ausrüstungen Bauten Wohnbauten Unternehmen Staat
1950 28,1 71,9 41,7 89,8 10,2
1955 29,4 70,6 41,5 89,3 10,7
1960 30,8 69,2 36,0 87,5 12,5
1965 32,9 67,1 32,5 82,7 17,3
1970 38,2 61,8 27,5 82,5 17,5
1975 37,5 62,5 28,3 81,2 18,8
1980 41,6 58,4 27,5 84,6 15,4
1985 41,6 58,4 28,1 87,6 12,4
_____
1) Zusammensetzung in Prozent, in festen Preisen
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe, S. 7; Wirt-
schaft und Statistik, 3/1986
Der starke Rückgang des Anteils der Wohnungsbauinvestitionen in
den sechziger Jahren wurde teilweise aufgefangen durch den An-
stieg der staatlichen Investitionen (Gebietskörperschaften), die
ebenfalls zu etwa 90 Prozent aus Bauinvestitionen bestehen. Die
Strukturveränderungen im Akkumulationsprozeß von fixem Kapital in
stofflicher Hinsicht beinhalteten also einen engeren Zusammenhang
von Investitionsnachfrage und Kapazitätserweiterung, d.h., die
Neuanlage von fixem Kapital verschiebt sich auf die stärker kapa-
zitätswirksamen Ausrüstungsinvestitionen, wodurch die Dispropor-
tionalität des Gesamtreproduktionsprozesses im Zyklus rascher
hervortritt und ihre Überwindung langwieriger wird. "Der Repro-
duktionsprozeß des fixen Kapitals wird also zu einer materiellen
Grundlage des Aufschwungs der Produktion, aber zugleich auch ih-
rer widersprüchlichen Entwicklung. Eben dadurch aber wird er auch
zu einer materiellen Grundlage ihres schließlichen Zusammen-
bruchs. Indem er die Entfaltung der Widersprüche der kapitalisti-
schen Produktion stimuliert, wird er selbst zum wesentlichen Fak-
tor einer Entwicklung, die schließlich den Umschlag in seinem ei-
genen Verlauf hervorbringt. 33)
Die Beendigung der Rekonstruktionsperiode nach dem zweiten Welt-
krieg mit seinem Zurückbleiben der Bauinvestitionen - was wie-
derum mit der längeren Lebensdauer und Funktionsfähigkeit der
Bauten im Gesamtreproduktionsprozeß zusammenhängt - bindet also
die Entfaltung der Widersprüche enger an die Funktion der Neuan-
lage von Kapital als Grundlage von zyklischen Aufschwüngen.
Die Gestaltung des Verhältnisses zwischen Nachfrage- und Kapazi-
tätseffekt der Akkumulation von fixem Kapital als wichtiges Mo-
ment der Entwicklungsdynamik im Zyklus ist abhängig vom Verhält-
nis zwischen Kapitalfixierung und Kapitalfreisetzung. Entschei-
dend ist hier die Tatsache, daß das fixe Kapital gebrauchswertmä-
ßig (stofflich) ganz in den Arbeitsprozeß eingeht, wertmäßig aber
nur nach Maßgabe des Anlagenverschleißes. Wertersatz und Stoffer-
satz beim fixen Kapital fallen auseinander. Der jährliche Produk-
tenwert der Produktion, der bei Gleichgewichtsbedingungen eben-
falls jährlich realisiert werden muß, enthält das jährliche Wert-
produkt (also variables Kapital plus Mehrwert), das zirkulierende
konstante Kapital und das fixe konstante Kapital. Nun ist der
laufende stoffliche Ersatz des zirkulierenden konstanten Kapitals
zur Aufrechterhaltung der Produktion auf der gleichen Stufenlei-
ter notwendig, nicht aber der stoffliche Ersatz des fixen Kapi-
tals. Die Nachfrage nach Gütern des fixen Kapitals kann - auch
bei einfacher Reproduktion - größer, gleich oder kleiner sein als
der Teil des Produktenwerts, der den anteiligen Wertverlust der
Anlagegüter repräsentiert (Abschreibungen). Der Produktenwert
kann dann nicht voll realisiert werden (zu den Werten), wenn die
Nachfrage nach Gütern des fixen Kapitals unter den Abschreibun-
gen, also dem entsprechenden Wertverlust der Anlagen, liegt. Dann
übersteigt die Produktion die Nachfrage. Umgekehrt, wenn die
Nachfrage nach Gütern des fixen Kapitals über den Abschreibungen
liegt. Dann ist die Nachfrage - ceteris paribus - größer als die
Produktion.
Marx verweist im zweiten Band des Kapitals auf die Wirkung des
wechselnden Verhältnisses "zwischen absterbendem (zu erneuerndem)
und in alter Naturalform fortwirkendem (bloß für Ersatz seines
Verschleißes den Produkten Wert zusetzendem) fixem Kapital" auf
den Reproduktionsprozeß, ein Tatbestand, der ständige Überproduk-
tion voraussetzt - was unter kapitalistischen Verhältnissen aber
mit Krisen verbunden ist. 34)
Für die Entwicklung in der BRD ist nun nachzuweisen, daß auf der
einen Seite die Relation zwischen jährlichen Investitionen (=
Nachfrage nach Gütern des fixen Kapitals), also Bruttoanlageinve-
stitionen und Abschreibungen, immer günstiger wird. Die folgende
Tabelle zeigt, daß in den fünfziger Jahren die Bruttoanlageinve-
stitionen nur zu einem Drittel aus den Abschreibungen finanziert
wurden. Diese Relation stieg in den sechziger Jahren auf über 40
Prozent und erreichte in der ersten Hälfte der achtziger Jahre
Werte von über zwei Dritteln.
Gleichzeitig veränderte sich die Relation von Abschreibungen zu
Anlageabgängen, wobei die Abschreibungen zunächst bedeutend ra-
scher anstiegen als die vom Statistischen Bundesamt auf der
Grundlage bestimmter Lebensdauerschätzungen berechneten Anlagen-
abgänge. Für unseren Argumentationszusammenhang bedeutet das: Bis
Mitte der sechziger Jahre sinkt die Relation zwischen absterben-
dem (zu erneuerndem) fixem Kapital und dem Teil des Produkten-
werts, der den jährlichen Verschleiß repräsentiert. Oder: Die
Reinvestition der Abschreibungen (wodurch ja lediglich ein
Gleichgewicht zwischen Produktion und Markt hergestellt würde)
beinhaltet eine Erweiterung des Produktionsapparates in ständig
wachsendem Ausmaß. Erst ab Mitte der sechziger Jahre steigt die
Relation zwischen Anlagenabgängen und Abschreibungen wieder etwas
an, aber weiterhin wird der Produktionsapparat schon durch die
bloße Reinvestition der Abschreibungen stark erweitert. Dabei ist
in Erinnerung zu behalten, daß infolge des sinkenden Bauanteils
der Kapazitätseffekt der Investitionen ebenfalls tendenziell
wächst. 35)
Tabelle 4:
Anlageinvestitionen, Abschreibungen und Anlagenabgänge der Unter-
nehmen
(1) (2) (3) (4) (5) (6)
BAI NAI Abschr. (3)%(1) Abgänge (5)%(3)
1950 16,7 9,4 7,4 44,0 6,7 90,9
1955 37,7 25,5 12,2 32,3 8,8 72,0
1960 63,9 41,6 22,2 34,8 11,7 52,6
1965 99,0 58,2 40,8 41,2 18,5 45,4
1970 141,0 77,1 63,8 45,3 31,3 49,0
1975 169,7 88,1 108,6 64,0 55,2 50,8
1980 282,8 121,3 161,5 57,1 87,6 54,3
1985 316,9 99,6 217,2 68,5 122,5 *) 56,4
_____
1) Bruttoanlageinvestitionen zu jeweiligen Preisen in Mrd. DM
2) Nettoanlageinvestitionen zu jeweiligen Preisen in Mrd. DM
3) Abschreibungen zu Wiederbeschaffungspreisen in Mrd. DM
4) Abschreibungen in Prozent der BAI
5) Anlagenabgänge zu Wiederbeschaffungspreisen in Mrd. DM
6) Anlagenabgänge in Prozent der Abschreibungen
*) Für 1985 geschätzt
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe, S. 7; Wirt-
schaft und Statistik, 3/1986; eigene Berechnungen
Fragt man nach dem Umfang der Akkumulation, d.h. nach dem Teil
des in (fixes) Kapital verwandelten Wertprodukts, so ergibt sich
auf der Grundlage der Berechnungen der Volkswirtschaftlichen Ge-
samtrechnung (VOR) folgende Relation: Für den Unternehmenssektor
kann von der Bruttowertschöpfung ausgegangen werden, welche um
die darin noch enthaltenen Abschreibungen bereinigt werden müßte.
Man erhält dann eine Nettowertschöpfung der Unternehmen, die al-
lerdings nicht identisch ist mit der gleichlautenden Kategorie
der VGR, da dort noch die Produktionssteuern abgezogen werden -
eine für unseren Zweck (die Ermittlung des Wertprodukts) nicht
brauchbare Operation. Aus den Nettoinvestitionen und der so defi-
nierten Nettowertschöpfung der Unternehmen errechnet sich nun der
in Form von fixem Kapital akkumulierte Teil des Wertprodukts: Die
Relation steigt zunächst von 11,6 Prozent 1950 auf 16,9 Prozent
1960, sinkt auf 15,7 Prozent 1970, 12,0 Prozent 1980 und 9,6 Pro-
zent 1983. 36) Tatsächlich wird, seit Mitte der sechziger Jahre,
ein sinkender Teil des Wertprodukts in Form von fixem Kapital ak-
kumuliert.
Deutlicher wird diese Problematik bei einem Vergleich zwischen
dem Kapitalstock der Unternehmen (als Ausdruck der Produktionska-
pazität) und den Bruttoanlageinvestitionen als Ausdruck der Nach-
frage nach Investitionsgütern. Eine steigende Nachfrage nach In-
vestitionsgütern dient dabei zunächst zur besseren Auslastung des
Kapitalstocks, stimuliert also das Wirtschaftswachstum
(Nachfrageeffekt), bewirkt aber mit einer Zeitverzögerung dessen
Vergrößerung (Kapazitätseffekt).
Tabelle 5:
Zuwachsraten von Kapitalstock und Investitionen der Unternehmen
(1) (2) (3) (4)
Jahresdurchschnitte KSt. BAI BWsch. KKo
1950/1960 5,6 9,1 8,2 -2,9
1960/1970 5,6 3,9 4,6 0,8
1970/1980 4,0 1,9 2,9 1,1
1980/1985 3,0 0,0 1,5 1,5
_____
1) Kapitalstock in festen Preisen, Zuwachs in Prozent
2) Bruttoanlageinvestitionen in festen Preisen, Zuwachs in Pro-
zent
3) Bruttowertschöpfung in festen Preisen, Zuwachs in Prozent
4) Kapitalkoeffizient als Verhältnis von Kapitalstock zu Brutto-
wertschöpfung in festen Preisen, Veränderung in Prozent
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe, S. 7
Es zeigt sich, daß die Bruttoanlageinvestitionen seit den sechzi-
ger Jahren deutlich langsamer als der Kapitalstock gewachsen sind
- aber auch langsamer als die Bruttowertschöpfung. Selbst wenn
man einen tendenziell ansteigenden Kapitalkoeffizienten in Rech-
nung stellt (der hier benutzte faktische Kapitalkoeffizient wird
nicht nur durch die technologische Relation - wieviel Bruttoanla-
gevermögen ist notwendig zur Erzeugung einer bestimmten Pro-
duktmenge -, sondern auch durch den tendenziell gesunkenen Ausla-
stungsgrad beeinflußt), wächst das Produktionspotential, d.h. die
Produktionskapazität, rascher als die Bruttoanlageinvestitionen,
also die Nachfrage nach Gütern des fixen Kapitals. In der Tendenz
erweitert also eine bestimmte Investitionssumme (Nachfrageeffekt)
das Produktionspotential (Kapazitätseffekt) stärker, der Wider-
spruch zwischen den beiden Momenten der Akkumulation von fixem
Kapital wird enger.
Diese skizzierte Entwicklung ist eine unter kapitalistischen Be-
dingungen "naturwüchsige" Tendenz des Akkumulationsprozesses: Ein
sich beschleunigender Prozeß der Akkumulation von fixem Kapital
produziert in wachsendem Umfang Schranken für die Produktion und
für die Realisierung von Profit, Schranken, die nur durch eine
weitere Beschleunigung des Akkumulationstempos überwunden werden
könnten. Unter allgemein günstigen Realisierungsbedingungen ist
eine Zunahme des Akkumulationstempos auch bei sich tendenziell
verschlechternden Produktionsbedingungen des Profits die den Ein-
zelkapitalen adäquate "Lösung" - erst wenn Realisierungsprobleme
hinzukommen, ist dieser Ausweg versperrt. In der Bundesrepublik
sind die veränderten Reproduktionsbedingungen des fixen Kapitals
die Grundlage für zyklisch wachsende Realisierungsprobleme, für
tiefere Krisen, schwächere Aufschwünge und eine insgesamt ver-
langsamte Wachstumsdynamik.
Eine erneute Belebung der Akkumulationsdynamik könnte die Folge
erneuter Veränderungen der Reproduktionsbedingungen des fixen Ka-
pitals sein, wie sie im Zusammenhang mit der Einführung der neuen
Technologien bereits im Ansatz sichtbar sind. Es wurde bereits an
anderer Stelle die These entwickelt, daß der - bezogen auf die
Produktmenge - kapitalsparende Charakter der neuen Technologien
im Gegenteil dazu führt, daß der Zusammenhang zwischen Nachfrage-
und Kapazitätseffekt der Akkumulation von fixem Kapital noch en-
ger wird. 37) Der Kapazitätseffekt einer bestimmten Investition
nimmt tendenziell zu, die Einführung der neuen Techniken verlangt
zwar große Investitionen, welche aber gleichzeitig sehr stark
produktionswirksam sind und die Produktionskapazitäten ausdehnen.
"Die technischen Neuerungen der 80er Jahre resultieren aus der
Anwendung der Mikroelektronik. Kapitalsparende Effekte können
aufgrund der der Mikroelektronik innewohnenden Tendenz zur ra-
schen Verbilligung und zur Miniaturisierung erwartet werden. Dies
ist jedoch nicht der einzige Grund: Die mit der elektronischen
Steuerung verbundene höhere Auslastbarkeit der Anlagen pro
Zeiteinheit (Erhöhung der Maschinenlaufzeiten) führt ebenfalls zu
einer Senkung des Kapitaleinsatzes je Produkteinheit.
Last, but not least, sind durch die neuen Techniken erstmals Au-
tomatisierungsmöglichkeiten für die Mittel- und Kleinserienpro-
duktion und damit für die Herstellung von Kapitalgütern selbst
erschlossen worden. Die Verbilligung der Kapitalgüter durch den
Einsatz der neuen Automatisierungstechniken ist der kapitalspa-
rende technische Fortschritt per se." 38) Obwohl eine abgesi-
cherte empirische Untermauerung dieser These noch nicht möglich
ist - der Durchsetzungsprozeß der neuen Techniken befindet sich
erst in den Anfängen - sprechen doch die bisherigen Erfahrungen
und vorhandenen Beispiele für den eher kapitalsparenden Charakter
der neuen Technologien: Es handelt sich um Rationalisierungstech-
niken, durch die traditionelle Produktionslösungen durch billi-
gere Verfahren ersetzt werden, ohne daß zusätzliche Investitionen
mit entsprechenden Beschäftigungseffekten absehbar wären.
Die zyklisch beschleunigte Akkumulation stößt in dem Maße rascher
an die Grenzen der beschränkten Absatzmöglichkeiten, wie der Zu-
sammenhang zwischen Nachfrageeffekt und Kapazitätseffekt der Ak-
kumulation von fixem Kapital enger wird. In diesem Sinne ist also
die Zunahme der Krisenhaftigkeit des Akkumulationsprozesses und
die daraus resultierende überzyklische Verlangsamung des Wirt-
schaftswachstums ein Vorgang, der im Kern aus den sich verändern-
den Reproduktionsbedingungen des fixen Kapitals selbst abgeleitet
werden kann. Darüber hinaus erschwert die zunehmende Weltmarkt-
konkurrenz, insbesondere der Ausbau der Position Japans, die Aus-
dehnung der äußeren Absatzfelder.
3. Abschwächung der Akkumulationsdynamik und die Reaktion
---------------------------------------------------------
des staatsmonopolistischen Kapitalismus
---------------------------------------
Die gegenwärtig zu beobachtenden sozialökonomischen Umbruchpro-
zesse sind also zunächst nicht als Folge besonderer Ereignisse
der siebziger Jahre - wie z.B. der "Ölkrise" - zu interpretieren.
Es geht vielmehr darum, daß das Kapital neue Strategien ent-
wickelt, um mit einer deutlich verlangsamten Akkumulationsdynamik
fertig zu werden. Im folgenden wird jedoch zu zeigen sein, daß
dadurch die Widersprüche im Gesamtreproduktionsprozeß noch ver-
tieft, daß neue gesamtwirtschaftliche Wachstumsspielräume nicht
erschlossen werden. Die anhaltende Krisenhaftigkeit auf allen ge-
sellschaftlichen Ebenen muß dabei als Unfähigkeit des staatsmono-
polistischen Regulierungssystems definiert werden, das Aufbrechen
von Widersprüchen und Disproportionen unter der Bedingung niedri-
gerer Wachstumsdynamik zu verhindern. Die bislang zu beobachten-
den Reaktionsmuster der Einzelkapitale und des kapitalistischen
Gesamtsystems in seiner im Kern staatsmonopolistischen Struktur
erweisen sich als ungeeignet, neue ökonomische und soziale
Gleichgewichtsverhältnisse herzustellen, die Spielräume für eine
erneute Belebung der kapitalistischen Akkumulationsdynamik bie-
ten.
Der Versuch einer erneut beschleunigten Akkumulation des Gesamt-
kapitals zur zeitweiligen Überwindung der Schranken des Gesamtre-
produktionsprozesses scheiterte schon in den sechziger Jahren
sowohl an den Verhältnissen auf dem Weltmarkt als auch an den
veränderten Reproduktionsbedingungen des fixen Kapitals selbst.
Die Überwindung der Krise von 1966/67 durch eine wirtschaftspoli-
tisch stimulierte allgemeine Expansion von Produktion und Inve-
stitionen führte sehr rasch zu neuen Disproportionen im Gesamtre-
produktionsprozeß und in die tiefe Krise von 1974/75. Es zeigte
sich, daß ein solch "expansiver" Weg der Krisenüberwindung unter
den herrschenden Bedingungen nicht mehr gangbar war, gleichzeitig
eröffnete die Krise von 1974/75 den Weg für andere Strategien.
3.1 Lohnkosten und Sozialabbau
------------------------------
Es entspricht der Reaktionsweise der Einzelkapitale, auf sich zu-
spitzende Verwertungsschwierigkeiten mit einer Strategie der Ko-
stensenkung zu reagieren. Dabei stehen die Lohnkosten - als di-
rekte und indirekte Personalkosten - im Vordergrund. Zunehmende
Arbeitslosigkeit eröffnete seit Mitte der siebziger Jahre Spiel-
räume für einen Umverteilungsprozeß, der sowohl den Individual-
lohn als auch die gesellschaftlich vermittelten Lohnbestandteile
erfaßt hat. Es gelang, den Anstieg der Reallöhne zu stoppen und
diese sogar herabzusetzen. Gleichzeitig gelang es, die Finanzie-
rungsstrukturen der öffentlichen Haushalte - bei gesenktem Sozi-
alleistungsniveau - deutlich zu verschieben. Als Ausdruck dieser
Tendenz kann die Nettolohnquote gewählt werden: Sie gibt darüber
Auskunft, welcher Teil des Volkseinkommens in Form von Löhnen und
Gehältern den Lohnabhängigen zufließt. (Tab. 6)
Tabelle 6:
Lohnquoten 1)
Bruttoeinkommen aus Nettolohn- und
unselbständiger Arbeit -gehaltssumme
Tatsächliche Bereinigte Tatsächliche Bereinigte
Lohnquote Lohnquote 2) Lohnquote Lohnquote
1960 60,1 60,1 43,7 43,7
1970 68,0 62,9 45,0 41,7
1975 ··· 73,1 66,1 44,2 40,0
1979 71,5 63,4 41,9 37,2
1980 73,5 64,9 42,4 37,5
1981 74,4 65,6 42,6 37,6
1982 73,8 65,2 41,8 37,0
1983 71,8 63,7 40,0 35,5
1984 70,8 62,8 38,9 34,5
1985 69,9 62,0 37,8 33,5
1986 69,5 61,5 37,5 33,3
_____
1) Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen
2) Bei konstant gehaltenem Anteil der Abhängigen an den Er-
werbstätigen 1960.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe 1; Wirt-
schaft und Statistik, 1/1986; Jahresgutachten 1985/86 des Sach-
verständigenrates, S. 53; DIW-Wochenbericht 1/2-1986 (Prognose)
Diese "Erfolge" sind um so stärker zu gewichten, als sie vor dem
Hintergrund sehr langsamer Wachstumsraten erreicht wurden, das
zur Verteilung gelangende Volkseinkommen also krisenhaft gedrückt
blieb. Bemerkenswert ist, daß im Zyklus 1982-1986 die Umvertei-
lungsprozesse in allen Phasen fortgesetzt werden, ein Anstieg der
Lohnquote auch in der Spätphase des Aufschwungs nicht mehr durch-
gesetzt werden konnte. Dies beinhaltet ein wichtiges Moment der
Deformation des Zyklus. Lediglich der starke Verfall der Erdöl-
preise ab Ende 1985 sorgte dafür, daß es schließlich 1986 doch
noch zu einer deutlichen Belebung des privaten Konsums gekommen
ist. Dadurch dürfte der Wendepunkt zu einer neuen Krise hinausge-
schoben worden sein.
Einen Eindruck von den Veränderungen in der Kostenposition der
Löhne und Gehälter vermitteln die Veränderungen des Anteils der
Löhne und Gehälter am Umsatz der Industrie (Bergbau und Verarbei-
tendes Gewerbe). (Tab. 7)
Tabelle 7:
Lohnkosten in der Industrie
Lohn- und Gehaltsumme in % vom Umsatz
1950 19,0
1955 17,8
1960 18,9
1965 21,8
1970 23,8
1975 24,9
1980 21,5
1984 19,6
_____
Quellen: Statistisches Bundesamt, Bevölkerung und Wirtschaft
1872-1972, Wiesbaden 1972; Statistisches Jahrbuch, lf.
Vor allem in den achtziger Jahren wurden die Lohnkosten drastisch
gesenkt. Die Lohnkosten je Umsatzeinheit im Produzierenden Ge-
werbe sanken von einem Index 1980 = 100 auf etwa 90 im Jahre
1985. 39) In engem Zusammenhang damit steht ein Wechsel des sozi-
alpolitischen Grundmusters. Neben einer quantitativen Reduktion
der Sozialleistungen, dem massiven Sozialabbau, steht der Abbau
kollektiver Schutznormen im Sozial- und Arbeitsrecht, der Ver-
such, eine Parzellierung und Individualisierung der sozialen Be-
ziehungen überhaupt zu verankern. 40) Hier sind das Kapital und
die Regierung allerdings bislang auf harten Widerstand der Arbei-
terbewegung gestoßen, die "Vermarktung" der Sozialpolitik ist
bislang noch nicht durchgesetzt worden. Die dauerhafte, überzy-
klische Massenarbeitslosigkeit wird in dem Sinne funktionali-
siert, als die damit verbundene verschärfte Konkurrenz um den Ar-
beitsplatz dem Kapital in allen Phasen des Zyklus ein Übergewicht
verschafft.
3.2 Rationalisierung und der Charakter der neuen Technologien
-------------------------------------------------------------
In einem engen Zusammenhang mit der Senkung der Lohnkosten steht
der forcierte Einsatz der neuen Technologien als ein weiteres
zentrales Reaktionsmuster der Einzelkapitale auf die veränderten
Verwertungsbedingungen. Alle Krisen sind Ausgangspunkte für die
Neuanlage von fixem Kapital, welches den neuesten Stand der Tech-
nik inkorporiert. Die Besonderheit ab Mitte der siebziger Jahre
wird aber nicht nur durch die besondere Tiefe der Krisen, sondern
auch durch den veränderten Charakter der neuen Technologien cha-
rakterisiert. Im Mittelpunkt des Technikeinsatzes im Ausgang der
zyklischen Krisen steht die Senkung der Produktionskosten, weni-
ger die Entwicklung von neuen Konsumgütern. Prozeß- und Produk-
tinnovationen verflechten sich natürlich miteinander, im Prozeß
der gesellschaftlichen Arbeitsteilung ist aber hervorzuheben, daß
die Umwälzung der Produktionsprozesse im Vordergrund steht. Ob es
in der Folge der forcierten Rationalisierung der Produktionsver-
fahren auch zu den ersehnten "Produktinnovationen" auf der Ebene
der Endnachfrage kommt - dies hängt vor allem davon ab, wie die
Dynamik des Gesamtprozesses sich entwickelt.
Als Ergebnis forcierter Rationalisierung war vielfach erwartet
worden, daß es zu einer tendenziell beschleunigten Entwicklung
der Arbeitsproduktivität kommt. Dies ist auf der statistischen
Erscheinungsebene bislang jedoch nicht nachweisbar: Bezogen auf
die Stundenproduktivität hat sich die Entwicklung eher etwas ver-
langsamt. Dabei ist bei Betrachtung des verarbeitenden Gewerbes
bzw. der einzelnen Branchen eher eine Kontinuität der Entwicklung
der Arbeitsproduktivität festzustellen. Allerdings ist die Ent-
wicklung der Produktivität auf der gesamtgesellschaftlichen Ebene
ebenfalls relevant: Die Anwendung der neuen Technologien ist mit
einer Differenzierung des gesellschaftlichen Arbeitskörpers ver-
bunden, der eine Ausweitung der produktionsbezogenen Dienstlei-
stungen (Planung, FuE, Beratung, Disposition usw.) beinhaltet, so
daß die Abgrenzung der Branchen solche Veränderungen nicht ad-
äquat erfaßt.
Ohne daß diese Problematik hier ausführlich diskutiert werden
kann, ist aber festzuhalten, daß das Wachstumstempo der Produk-
tion ebenfalls ein wichtiger Bestimmungsgrund der Produktivitäts-
entwicklung ist, je rascher das Wachstum, desto leichter fällt
die Auslastung des angewandten Potentials an lebendiger Arbeit.
Die relativ stabile Entwicklung der Arbeitsproduktivität bei
stark verlangsamtem Wachstum - als Produktions-/Produktivitäts-
schere diskutiert 41) - signalisiert insgesamt also durchaus pro-
duktivitätssteigernde Wirkungen der neuen Produktionsverfahren.
Die neuen Technologien entfalten ihre produktivitäts- und ka-
pazitätssteigernden Wirkungen schon bei Implementation in die
bestehenden Strukturen des Produktionsapparates. So gelingt es,
durch den verstärkten Einsatz der Rationalisierungstechnologien
die Produktionskosten zu senken und die Produktionsbedingungen
des Profits deutlich zu verbessern. Dies bewirkt jedoch keine
durchgehende Belebung des Gesamtreproduktionsprozesses, weil es
zu keinem zyklischen Ausgleich des Widerspruchs zwischen
Produktion und Markt kommt.
Die Rationalisierung der Produktion führt zur Freisetzung von le-
bendiger Arbeit auch in gesamtwirtschaftlichen Dimensionen, da
sie sehr rasch kostenwirksam wird. Der Typ des technischen Fort-
schritts ist also entscheidend: Die Rationalisierung ist nicht
verbunden mit einer "Verlängerung der Produktionsumwege". Wäre
das der Fall, dann würde es in der Tat zunächst zu einer Überkom-
pensation der Freisetzungswirkungen der neuen Technologien kom-
men. Bevor diese ihre Rationalisierungswirkungen entfalten könn-
ten, müßte die entsprechende Maschinerie produziert werden. Es
müßte also zunächst zu einer kräftigen Expansion der Produktion
in den Investitionsgüterbereichen kommen, d. h., dort würde auch
die Beschäftigung expandieren. Die These vom "joblosen" Wachstum
drückt also gleichzeitig einen Typ von technischem Fortschritt
aus, der auch kapitalsparend ist. Diese Problematik wird beleuch-
tet durch die Prognose des Prognos-Instituts bis zum Jahre 2000.
In ihrer "mittleren Variante" geht sie von einer Beschleunigung
des Wirtschaftswachstums auf 2,5 Prozent jährlich (1982-2000) und
einer jahresdurchschnittlichen Zunahme der Stundenproduktivität
um 3,5 Prozent jährlich (Arbeitszeitverkürzung um l Prozent jähr-
lich) aus, wobei eine gewisse Beschleunigung des Wirtschafts-
wachstums in den 90er Jahren angenommen wird. 42) Auf dieser
Grundlage werden folgende Eckdaten der VGR angenommen:
Tabelle 8:
Verwendung des Sozialprodukts in festen Preisen
1970 1980 1990 2000
Priv. Verbrauch 54,4 56,4 53,9 55,1
Staatsverbrauch 18,4 19,6 18,0 16,7
Priv. Anlageinvest. 19,9 18,2 19,4 20,0
Staatl. Anlageinvest. 4,2 3,3 2,4 2,3
Investitionsquote insgesamt 24,1 21,5 21,8 22,3
Außenbeitrag 1,0 1,4 5,6 4,9
_____
Quelle: "Die Zukunft der Arbeitslandschaft", Bd. 2, S. 56
Die gesamtwirtschaftliche Investitionsquote soll in diesem Modell
gegenüber 1980 nur geringfügig zunehmen, wobei allerdings mit ei-
ner Verlagerung der Investitionsstrukturen zu Lasten der Bauinve-
stitionen (vor allem Wohnbauten) gerechnet wird. Nur durch eine
kräftige Steigerung des Außenbeitrags kommt es in diesem ausge-
sprochen antietatistischen Modell zu einem rechnerischen Repro-
duktionsgleichgewicht.
Ein wichtiger Aspekt ist hierbei auch der stark materialsparende
Charakter der neuen Technologien: Die überwiegend sehr investiti-
onsintensiven Grundstoffindustrien verlieren in diesem Modell
stark an Produktionsanteilen, was den gesamtwirtschaftlichen In-
vestitionsbedarf und den Kapitalkoeffizienten drückt.
Ein zugleich arbeits- und kapitalsparendes Akkumulationsmodell,
welches sowohl die Arbeitsproduktivität zumindest im bisherigen
Tempo erhöht, gleichzeitig aber die Anlagenproduktivität zumin-
dest stabilisiert, ist mit einem relativen Preisverfall der Pro-
duktpreise verbunden, welcher, entsprechend der Konzentration der
neuen Technologien auf den Bereich der Produktionsverfahren, vor
allem zu einem relativen Preisverfall der Investitionsgüter
führt. Unter der Bedingung monopolistisch strukturierter Märkte
entfaltet sich dieser im Prinzip markterweiternde Effekt aber nur
begrenzt. Der rasche technische Fortschritt vollzieht sich über-
wiegend nicht im Rahmen des Konkurrenzkampfes selbständiger Ein-
zelkapitale, d. h. im Zuge der Verdrängung relativ zurückgeblie-
bener Betriebe durch innovative, dynamische Unternehmen, sondern
im Rahmen der Konzerne selbst.
Während im "Konkurrenzmodell" die technologisch zurückbleibenden
Kapitale vernichtet werden, ihre Ansprüche auf Kapitalersatz und
Anteil am produzierten Profit also untergehen, die Produktionsko-
sten und Preise zunehmend auf das Niveau der innovativen Produk-
tionsverfahren gesenkt werden, vollzieht sich dieser Prozeß der
technologischen Umwälzung unter monopolistischen Bedingungen an-
ders. Hier werden die Kosten der Kapitalvernichtung im Rahmen
forcierten Einsatzes neuer Technologien auf die Produktpreise
aufgeschlagen, d. h., die kostensenkenden Wirkungen der Rationa-
lisierung entfalten sich erst verzögert.
Die Erweiterung der Abschreibungsmöglichkeiten insbesondere für
Investitionen, die mit Forschung und Entwicklung verbunden sind,
aber auch für ältere Anlagen (Gebäude), soll diesen Prozeß stimu-
lieren. Die Abschreibungskosten bilden einen Teil der Produkti-
onskosten und damit der Preiskalkulation.
Zudem geht es auch darum, über Senkung der Steuerbelastung den
Akkumulationsprozeß auf diese Weise zu stimulieren: Indem Teile
der mit dem forcierten Einsatz neuer Technologien verbundenen Ka-
pitalvernichtungskosten staatlich übernommen werden, soll das
Ausscheiden der älteren Anlagen stimuliert werden. Die gesamt-
wirtschaftliche Wirkung aber ist ähnlich wie bei der Überwälzung
der Kapitalvernichtungskosten über die Preise: Hier wird nicht
die Kaufkraft der Endverbraucher, sondern die des Staates ausge-
höhlt, und damit ebenfalls der potentiell markterweiternde Effekt
der neuen Technologien. Die Vorrangstellung der großen Unterneh-
men im Innovationsprozeß spiegelt sich dementsprechend in einer
besseren Ausstattung mit internen Finanzierungsmitteln wider, die
allerdings in den Bilanzen als Kostenbestandteile erscheinen. 43)
3.3 Neue Momente im Zentralisationsprozeß des Kapitals
------------------------------------------------------
Konzentration und Zentralisation des Kapitals, die Herausbildung
von strukturell dominierenden Monopolpositionen mit systemati-
schen Verwertungsvorteilen sind klassische Reaktionsmuster des
Kapitals auf Krisen und Verwertungsschwierigkeiten. Obwohl darauf
hinzuweisen ist, daß die Krise von 1974/75 bereits im Rahmen ei-
nes vollentwickelten staatsmonopolistischen Kapitalismus aus-
brach, hat sich der quantitativ erfaßbare Konzentrationsprozeß
eher beschleunigt.
Ein Indikator dafür sind die Unternehmensfusionen einerseits und
die Insolvenzen andererseits.
Tabelle 9: Insolvenzen und Fusionen
1970 1975 1980 1981 1982 1983 1984 1985
Insolvenzen 4201 9195 9144 11653 15877 16056 16760 18876
Fusionen 305 448 635 618 603 506 575 709
_____
Quelle: Creditreform, Neuss; Bundeskartellamt lt. Presseberichten
Auch gemessen an den Umsatzanteilen der großen Unternehmen am in-
dustriellen Gesamtumsatz, hat sich der Konzentrationsprozeß wei-
ter verstärkt. Das sechste Gutachten der Monopolkommission stellt
im industriellen Bereich die Fortsetzung des Trends der Konzen-
trationsentwicklung fest. Starke Konzentrationstendenzen werden
aber vor allem für den Bereich des Bank-und Versicherungskapitals
registriert.
Tabelle 10:
Umsatzanteile der jeweils zehn größten Unternehmen im Durch-
schnitt der Wirtschaftszweige 1)
1954 1960 1968 1970 1973 1975 1977 1980 1983
31,1 33,5 38,5 40,9 41,8 42,3 43,9 43,4 44,2
_____
1) Zahlen vor 1960 bzw. 1977 nicht voll vergleichbar
Quelle: Sechstes Hauptgutachten der Monopolkommission, 1984/85,
Ziffer 290
Neben der Bildung großer, oft durch finanzkapitalistische Zusam-
menhänge organisierter Konzerngruppen steht seit Mitte der 70er
Jahre die Zunahme der Zahl der kleinen und kleinsten Unternehmen
vor allem im Dienstleistungsbereich und im Handel, deren Grund-
lage labil ist und die z.T. bestimmte Risikofaktoren der großen
Konzerne übernehmen. Für den Innovationsprozeß, die Einführung
der neuen Technologien, ist der Stand der Konzentration aber eine
wichtige Voraussetzung: Nach allen vorliegenden Untersuchungen
entfällt auf wenige Großkonzerne der Löwenanteil der Ausgaben der
Wirtschaft für Forschung und Entwicklung. Selbst eine Studie des
Bundesforschungsministeriums, die eigentlich die Rolle der klei-
nen und mittleren Unternehmen herausstellen möchte, ergibt, daß
derzeit nur 13 bis 16 Prozent aller FuE-Ausgaben der Wirtschaft
auf Unternehmen bis 500 Beschäftigte entfallen. 45)
Die sich am Umsatz auf nationalem Maßstab orientierenden Konzen-
trationsmeßziffern erweisen sich allerdings angesichts qualita-
tiver Veränderungen im Konzentrations- und Zentralisationsprozeß
des Kapitals zunehmend als ungeeignet, die wirklichen Dimensionen
der Monopolbildung zu erfassen. Zwei Momente seien im folgenden
etwas näher betrachtet:
- die Internationalisierung der Monopolbildung,
- die zunehmend finanzkapitalistische Dimension der Konzernstruk-
turen.
3.3.1 Internationalisierung
---------------------------
Ein zentraler Reaktionsmechanismus des Kapitals auf die anhalten-
den Krisenerscheinungen bildet die Internationalisierung von Ka-
pital, Produktion und Absatz.
Eine neue Dimension wurde in den 70er und 80er Jahren in der In-
ternationalisierung auf der Ebene der Produktion erreicht: Die
Zahl der Beteiligungsverhältnisse an Produktionsunternehmen im
Ausland erhöhte sich von 389 vor 1961 bis auf 3703 im Jahre 1983.
Vor allem seit dem Beginn der siebziger Jahre wurde die Ausland-
sproduktion massiv ausgebaut, besonders stark in der zweiten
Hälfte der siebziger Jahre. Die Zahl der Beschäftigten in Aus-
landsproduktionen stieg von 75000 1961 auf 1182000 1983. Auch
hier war der Zuwachs in den siebziger Jahren, insbesondere in der
zweiten Hälfte, besonders kräftig: Zwischen 1975 und 1979 stieg
die Zahl der Auslandsbeschäftigten um fast 450 000. 46)
Die Ausdehnung des Warenexports und der Auslandsproduktion führte
in den letzten Jahren dazu, daß die größeren Industriekonzerne in
der Regel mehr als die Hälfte ihrer Produktionen im Ausland re-
alisierten: So erzielten die 20 größten Industriekonzerne 1984
einen Gesamtumsatz (Welt) von knapp 480 Milliarden DM, davon wur-
den mehr als 290 Milliarden oder 61,4 Prozent im Ausland 47) re-
alisiert.
Die Internationalisierung der Reproduktionsbedingungen der domi-
nierenden Einzelkapitale ist Grundlage zum Verständnis zahlrei-
cher neuer Momente auch in der staatlichen Wirtschaftspolitik.
Wichtig ist, daß das Gleichgewicht im Gesamtreproduktionsprozeß,
das "gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht" des "Stabilitäts-
gesetzes" von 1967, für die Reproduktion des Monopolkapitals nur
noch eine eingeschränkte Bedeutung besitzt, was allerdings nicht
heißt, daß die nationale Basis dieses Kapitals an Bedeutung
verliert. Es geht lediglich darum, daß Realisierungsbedingungen,
Finanzierungsverhältnisse und Preisrelationen im nationalen
Rahmen an Stellenwert verlieren. Auf der anderen Seite wird die
nationale Wirtschaftspolitik stärker denn je in den Dienst der in
internationale Dimensionen strebenden Monopole gestellt:
Modernisierung mit Weltmarktorientierung ist wegen der
zunehmenden Angewiesenheit der dominierenden Einzelkapitale auf
den Weltmarkt Kernpunkt der wirtschaftspolitischen Neuorientie-
rung nach 1974/75.
3.3.2 Kreditsektor und Leihkapital
----------------------------------
Der wachsende Stellenwert des Kreditsektors für den Konzentrati-
ons- und Zentralisationsprozeß, die engen Zusammenhänge zwischen
industrieller Tätigkeit und Geldkapitaloperationen sind auf meh-
reren Ebenen sichtbar. Erwähnt werden soll hier nur die wichtige
Rolle der Banken und Versicherungen für den Prozeß der Monopol-
bildung bzw. der Strukturveränderung des Monopolkapitals, wie sie
in der BRD in den Fällen der AEG und des Verkaufs der Flick-An-
teile zum Ausdruck gekommen ist. Es gibt kaum einen erwähnenswer-
ten Fall, in dem solche Veränderungen der Kapitalstrukturen ohne
die lenkende Hand des Kreditkapitals erfolgt sind. Für den hier
betrachteten Zusammenhang ist ein weiteres Moment der strategi-
schen Anpassung der monopolistischen Einzelkapitale an die verän-
derten Reproduktionsbedingungen des Gesamtkapitals wichtiger: die
Verstärkung der Geldkapitalanlagen der Unternehmen des produzie-
renden Bereichs als Quelle des explosiv expandierenden monetären
Sektors insbesondere in den achtziger Jahren. 48)
Bei den Aktiengesellschaften des Produzierenden Gewerbes (ca. 750
Unternehmen) überstieg das Finanzvermögen (Finanzanlagen, Forde-
rungen, flüssige Mittel) 1984 den Umfang des Sachvermögens. 49)
Bei den großen Industriekonzernen liegt die Selbstfinanzierungs-
quote überwiegend deutlich über hundert Prozent, trotz beträcht-
licher Investitionsanstrengungen in den letzten Jahren im Zusam-
menhang mit der Einführung neuer Technologien.
Dies ist die Kehrseite des eingangs beschriebenen Prozesses der
Strukturveränderung bei der Reproduktion des fixen Kapitals: der
kapitalistische Gesamtreproduktionsprozeß setzt in zunehmendem
Maße Geldkapital frei, das neue Anlagesphären sucht und in der
Sphäre des z.T. spekulativ angelegten Leihkapitals findet. Dies
begründet die wachsende Labilität dieses Sektors und teilweise
auch den hohen Realzins quasi als Risikoprämie. Im produzierenden
Bereich gibt es einen strukturellen Überschuß von Kapital, der
sich dort wegen der skizzierten Widersprüche im Gesamtreprodukti-
onsprozeß nicht mehr verwerten kann.
Bei den großen Konzernen scheint diese Entwicklung noch krasser
verlaufen zu sein, wie ein Vergleich des cash-flow (Gewinne, Ab-
schreibungen, Veränderung der Rückstellungen) mit den Sachkapita-
linvestitionen der 14 größten Industriekonzerne zeigt: nur noch
ein Fünftel des cash flow dient der laufenden Investitionstätig-
keit. 50) 73 Unternehmen der von der Monopolkommission untersuch-
ten Gruppe der "100 Größten" Konzerne ließen sich bezüglich des
"Cash-Flow" darstellen: diese 73 Unternehmen hatten 1984 einen
Anteil von 16,1 Prozent der Wertschöpfung aller Unternehmen (ohne
Kreditinstitute), sie wiesen aber einen Anteil von 27,6 Prozent
des gesamten cash-flow der Unternehmen aus. 51)
Dieses Leihkapital lastet auf dem gesamten Reproduktionsprozeß,
da es entsprechenden Profit beansprucht. Dieser Profit kann al-
lerdings zeitweilig durch eine weitere Ausdehnung des Leihkapi-
tals angeeignet werden. "Hohe Zinsrate kann gezahlt werden mit
hoher Profitrate, aber abnehmendem Unternehmergewinn. Sie kann
gezahlt werden - und dies ist z. T. der Fall in Zeiten der Speku-
lation - nicht aus dem Profit, sondern aus geborgtem Kapital
selbst, und dies kann eine Zeitlang fortdauern." 52) Um solche
"Zeiten der Spekulation" scheint es sich derzeit zu handeln, da
die hohen Einkünfte aus Leihkapitalanlagen mit hohen Unternehmer-
gewinnen einhergehen. Der hohe Realzins ist im Kern Ausdruck der
Angebots-Nachfrageverhältnisse auf den Leihkapitalmärkten, wenn
auch die monopolistische Struktur des Kreditsektors selbst und
die zeitweilig an hohen Zinsen interessierte staatliche Wirt-
schaftspolitik diesen Prozeß beeinflußt.
Tabelle 11:
Unternehmensgewinne und Investitionen
1960-64 1965-69 1970-74 1975-79 1980-84 3)
Alle Unternehmen
1. Unternehmensgewinne
(Mrd. DM) 515,1 676,9 907,5 1266,0 1571,2
2. Bruttoanlageinvestitionen
(Mrd. DM) 385,8 511,8 839,3 1045,6 1471,6
3. Abschreibungen 2)
(Mrd DM) 147,1 238,6 404,8 629,2 924,4
4. Nettoinvestitionen
(Mrd. DM) 238,7 273,2 434,5 416,4 547,2
5. (4) in % von (1) 46,3 40,4 47,9 32,9 34,8
Produktionsunternehmen 1)
6. Unternehmensgewinne
(Mrd. DM) 408,8 533,5 728,9 981,3 1268,8
7. Bruttoanlageinvestitionen
(Mrd. DM) 207,1 273,2 445,6 577,4 811,4
8. Abschreibungen 2)
(Mrd. DM) 95,2 152,0 257,2 397,5 574,5
9. Nettoanlageinvestitionen
(Mrd. DM) 111,9 121,2 188,4 179,9 236,9
10. (9) in % von (6) 27,4 22,7 25,8 18,3 18,7
_____
1) Unternehmen ohne Kreditinstitute und Versicherungen, Wohnungs-
vermietung, Land- und Forstwirtschaft, Bundesbahn und Bundespost
2) Zu Wiederbeschaffungspreisen
3) z.T. vorläufige Ziffern
(Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 13, Reihe S. 8, revi-
dierte Ergebnisse 1960 bis 1984)
Dem wachsenden, aus den relativen Kapitalüberschüssen beim indu-
striellen Kapital resultierenden Angebot an Leihkapital steht
eine ebenfalls im Zuge der veränderten Reproduktionsbedingungen
des Gesamtkapitals zunehmende Nachfrage nach Leihkapital gegen-
über:
- Kleine und mittlere Unternehmen benötigen wegen ihrer schmale-
ren Reproduktionsbasis zunehmend Leihkapital.
- Die Verlangsamung des Wachstums des Gesamtreproduktionsprozes-
ses und die wachsenden Anforderungen an den Staatshaushalt sei-
tens des Kapitals bei zunehmender Militarisierung der internatio-
nalen Beziehungen haben zu einer rapide gestiegenen Staatsver-
schuldung geführt.
- Die internationale Verschuldung ganzer Staaten, zunächst der
Dritten Welt, dann aber auch der USA, teilweise Ausdruck einer
"Internationalisierung" der Staatsverschuldung, halten die Nach-
frage nach Leihkapital auf einem hohen Niveau.
Daneben ist unabhängig vom jeweiligen konkreten Anlaß darauf zu
verweisen, daß der monetäre Prozeß selbst ab einem bestimmten
Punkt zur Ursache der weiteren Expansion der Leihkapitalnachfrage
wird. Dies ist offensichtlich beim Beispiel der Verschuldung der
Dritten Welt - hier erfordert die bloße Aufrechterhaltung der
Schuldendienstleistungen einen ständigen Zustrom neuer Mittel.
Dies gilt aber auch für alle Arten von Wertpapiergeschäften, die
z. T. auf Kreditbasis abgewickelt werden. Mit dem Anstieg der
Kurs- und Umsatzvolumen an den Börsen steigt auch die Nachfrage
nach Krediten zur Finanzierung dieser Geschäfte.
In gewissem Sinne beinhaltet dies eine Verselbständigung und Los-
lösung der Kreditnachfrage vom realen Akkumulationsprozeß, die
erst dann zum Stillstand käme, wenn die Zahlungsketten zusammen-
brechen bzw. stark schrumpfen, wenn also das in Form von Geldka-
pital angelegte Kapital, das sich als überakkumuliert erweist,
teilweise vernichtet wird durch den Bankrott von Schuldnern bzw.
dadurch, daß es sich nicht mehr verzinst und von den Kreditgebern
damit abgeschrieben werden muß.
Festgehalten werden soll in diesem Zusammenhang, daß es sich bei
den immer noch hohen Realzinsen also n i c h t um einen Vertei-
lungskonflikt zwischen Industrie- und Geldkapital handelt, der
durch bestimmte wirtschaftspolitische Eingriffe im Sinne des In-
dustriekapitals reguliert werden kann. Dies ist schon deshalb
eine unzutreffende Betrachtungsweise, als ja gerade die enge ge-
genseitige Abhängigkeit dieser verschiedenen Anlageformen im Rah-
men von Monopolen das dominierende Merkmal des gegenwärtigen Kon-
zentrationsprozesses ist. Darüber hinaus erscheint eine dauer-
hafte Senkung des Realzinsniveaus nur im Rahmen der Vernichtung
des überschüssigen Geldkapitals, also durch einschneidende Reduk-
tion der monetären Kreisläufe möglich. Dies kann im Rahmen von
monetären Krisen erfolgen, die allerdings die reale Sphäre eben-
falls betreffen würden und zum Ausgangspunkt neuer umfassender
Wirtschaftskrisen werden könnten, gegen die sich die letzten bei-
den zyklischen Krisen von 1974/75 und 1980/82 vergleichsweise
harmlos ausnehmen würden.
Eine quasi "krisenfreie" Redimensionierung des monetären Bereichs
würde dagegen die Revitalisierung der materiellen Produktion, die
Belebung der Realkapitalakkumulation voraussetzen. Es wurde oben
dargelegt, daß eine solche Neubelebung der kapitalistischen
Wachstums- und Akkumulationsdynamik gegenwärtig nicht in Sicht
ist. Eine einfache Veränderung der Renditerelationen von Leih-
und Realkapital 53) würde den strukturellen Überschuß von Kapital
im realen Reproduktionsprozeß als Grundlage der Leihkapitalexpan-
sion und der hohen Zinsen nicht beseitigen, da dadurch keines-
falls neue, profitable Anlagefelder im Bereich der materiellen
Produktion geschaffen würden. Denn dieser strukturelle Kapital-
überschuß verweist auf überzyklische Disproportionen im Gesamtre-
produktionsprozeß, vor allem zwischen Produktion und Markt, die
Ausdruck von Defiziten im staatsmonopolistischen Regulierungssy-
stem sind.
Die kapitalistischen "Selbstregulierungskräfte" (welche den kapi-
talistischen Staat einschließen) reichen nicht mehr aus, um auf
dem Wege günstigerer Produktionsbedingungen des Profits ein neues
Gleichgewicht im Gesamtreproduktionsprozeß herzustellen, die zy-
klisch auftretende Überakkumulation von Kapital wird daher zur
chronischen Überakkumulation.
3.4 Die staatliche Wirtschaftspolitik
-------------------------------------
Die spektakulärsten Umorientierungen als Reaktion auf die Krise
von 1974/75 und damit die veränderten Reproduktionsbedingungen
des Kapitals vollzogen sich im Bereich der staatlichen Wirt-
schaftspolitik - ein Prozeß, der bereits vielfach an anderer
Stelle beschrieben worden ist.
Neben der Abkehr von einer an ausgeglichenen Verhältnissen orien-
tierten Struktur- und Konjunkturpolitik geht es um die Konzentra-
tion auf Stärkung der außenwirtschaftlichen Positionen der BRD
auf allen Ebenen, die Veränderung der Schwerpunkte in der Sozial-
politik, die Neuorientierung der Forschungs- und Industriepolitik
und die direktere Stimulierung der Akkumulationsfähigkeit der
Einzelkapitale über die Steuerpolitik. Im Mittelpunkt steht die
Verlagerung der Formen und Strukturen der Staatstätigkeit in
Richtung auf Förderung bestimmter, strukturbestimmender Branchen
und Einzelkonzerne bei Inkaufnahme von bestimmten Disproportionen
in sektoraler und regionaler Hinsicht, dem Risiko von mehr sozia-
len Konflikten und wachsenden sozialen Differenzen in der Gesamt-
gesellschaft. 54)
3.5 Die Reaktionsmuster des Kapitals als Krisenfaktor
-----------------------------------------------------
Die hier in wenigen zentralen Momenten skizzierten Reaktionen des
Kapitals auf die sich verschlechternden Akkumulationsbedingungen,
die in der Krise von 1974/75 aufgebrochen waren, sind in dem
Sinne erfolgreich gewesen, als es gelungen ist, in zentralen Be-
reichen des Kapitals die Produktionsbedingungen des Profits zu
verbessern - eine Entwicklung, die sich vor allem im letzten Zy-
klus seit 1982 bemerkbar gemacht hat.
Gleichzeitig scheint es auch gelungen zu sein, die Einführung der
neuen Technologien in die Produktion in den strukturbestimmenden
Bereichen der Ökonomie zu sichern und gleichzeitig die interna-
tionale Konkurrenzfähigkeit der dominierenden Konzerne zu erhal-
ten und teilweise sogar noch auszubauen - auch bei technologi-
schen Spitzenprodukten.
Dies zeigen sowohl die Untersuchungen des Ifo-Instituts für Wirt-
schaftsforschung über die Innovationsaktivitäten der Industrie
als auch Analysen der Wettbewerbsposition der bundesdeutschen
Wirtschaft. Zwar haben die BRD-Konzerne in den wichtigen
Hochtechnologiebereichen Weltmarktanteile verloren - wobei der
entscheidende Fakt der Aufstieg Japans ist - die BRD hat aber da-
bei deutlich besser abgeschnitten als ihre Hauptkonkurrenten. 55)
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Tatsache, daß es der BRD
bislang gelungen ist, ihre Attraktivität als internationaler Fi-
nanzplatz zu erhalten bzw. weiter auszudehnen.
Trotz dieser Erfolge ist es jedoch nicht gelungen, Ansätze zu ei-
ner Neubelebung der Dynamik des Gesamtreproduktionsprozesses aus-
zubauen. Die geschilderten Reaktionsmuster haben vielmehr die Ur-
sachen der größeren Krisenhaftigkeit, die strukturelle Überakku-
mulation von Kapital, vertieft und damit weitere Hemmnisse einer
kapitalistischen Akkumulationsdynamik errichtet.
Die verbesserten Produktionsbedingungen des Profits - die höhere
Profitquote, der Einsatz tendenziell kapitalsparender Ausrüstun-
gen, der niedrigere Kapitalbindungsgrad des Anlagevermögens, die
geringeren Anforderungen der baulichen Infrastrukturen - sind
nicht in eine Neubelebung des gesamtwirtschaftlichen Akkumulati-
onstempos umgeschlagen und werden dies in der Zukunft auch nicht
tun.
Die mit der Einführung von neuen Produktionsmethoden, dem techno-
logischen Umbruch, notwendige Neuanlage von fixem Kapital führt
also nicht zu einer entsprechenden Erweiterung der Anlagefelder
von Kapital in der Produktion, zu einer Ausdehnung der Akkumula-
tion von fixem Kapital. Jede im Zuge zyklischer Belebungsphasen
erfolgende Kräftigung der Akkumulationsdynamik stößt relativ
rasch an die Schranken der Realisierungsmöglichkeiten, an die
durch die Methoden der Profitproduktion unter monopolistischen
Verhältnissen selbst errichteten Grenzen auf den Absatzmärkten.
Die Neuanlage von fixem Kapital erweitert diese im Verhältnis zu
den neu geschaffenen Produktionsmöglichkeiten nur wenig, jede Ak-
kumulationswelle "bricht" sich relativ frühzeitig an den Reali-
sierungsschranken.
Der sich zyklisch als Schranke im Akkumulationsprozeß bemerkbar
machende Widerspruch zwischen Produktion und Markt, im Kern ein
Widerspruch zwischen Produktion und Konsumtion, wird in den sich
tendenziell vertiefenden und verlängernden Krisenperioden nur
noch teilweise gelöst, teilweise sogar weiter vertieft. Dies ist
Ausdruck der mit der Entwicklung zum staatsmonopolistischen Kapi-
talismus sich herstellenden Labilität des kapitalistischen Regu-
lierungssystems.
Der Versuch, im Rahmen staatlich abgesicherter Strategien die Ak-
kumulationsmöglichkeiten der dominierenden Einzelkapitale und der
für die rasche Nutzung der neuen Techniken zentralen Branchen zu
verbessern, vergrößert die Disproportionen im Gesamtreprodukti-
onsprozeß und wird damit selbst zu einem zentralen Entwicklungs-
hemmnis.
Für alle an den Interessen der lohn- und sozialabhängigen Teile
der Bevölkerung orientierten Alternativstrategien begründet dies
den eminent politischen Charakter wirksamer Gegenentwürfe. Es
kann nicht mehr davon ausgegangen werden, daß durch den Einbau
von bestimmten sozialen und ökologischen "Rahmenbedingungen" die
Selbstregulierungskraft des Gesamtreproduktionsprozesses im Sinne
der Gewährleistung ausgeglichener Verhältnisse erhalten bzw. wie-
derhergestellt werden kann. Notwendig sind Eingriffe auf allen
Ebenen, also eine "Vergesellschaftung" der Produktion auch auf
der Ebene der Lenkungsmechanismen.
_____
1) "Die Weltmarktkrisen müssen als die reale Zusammenfassung und
gewaltsame Ausgleichung aller Widersprüche der bürgerlichen Öko-
nomie gefaßt werden." Karl Marx, Theorien über den Mehrwert, MEW
26.2, S. 510.
2) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., Berlin 1964, MEW 25, S. 259.
3) Ders., Theorien über den Mehrwert, MEW 26.2, S. 515.
4) Ebd., S. 514.
5) Ders., Das Kapital, 1. Bd., MEW 23, S. 127/28.
6) Ders., Das Kapital, 3. Bd., MEW 25, S. 254.
7) Ders., Theorien über den Mehrwert, a.a.O., S. 513.
8) Dies richtet sich insbesondere gegen "profit-sqeeze-Thesen",
bei der eine höhere Lohnquote die Investitionsaktivität senkt,
die sonst die Lücke zwischen Produktion und (Konsum)nachfrage
schließen würde. Vgl. Hübner/Stanger, Kleine und große Krisen;
in: Kontroversen zur Krisentheorie, Hamburg 1986, S. 68 ff.
9) Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA), II, 1.2, Karl Marx, Ökono-
mische Manuskripte 1857/58 (Grundrisse), Berlin/DDR 1981, S. 622.
10) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., S. 229.
11) Marx/Engels, Gesamtausgabe (MEGA), II, 1.2, Karl Marx, Ökono-
mische Manuskripte 1857/58 (Grundrisse), S. 323. Vgl. auch Jörg
Goldberg, Chronische Überakkumulation von Kapital und die Krise
des staatsmonopolistischen Regulierungstyps; in: Kontroversen zur
Krisentheorie, Hamburg 1986, S. 11.
12) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., S. 259/60.
13) Ebd.
14) Die Fassung der Kategorie der "strukturellen Überakkumula-
tion" als Periode, in der "die Vermittlung von steigender Profit-
masse und fallender Profitrate für das gesellschaftliche Gesamt-
kapital aufgebrochen wird" (Bischoff), kontrastiert erheblich mit
der an anderer Stelle hervorgehobenen Feststellung, daß es keine
permanenten Krisen gäbe. Vgl. Joachim Bischoff, Überakkumulation,
Krise und neokonservative Strategie; in: Kontroversen zur Krisen-
theorie, a.a.O., S. 23.
15) Karl Marx, Das Kapital, 2. Bd., S. 185. Vgl. ausführlicher
die Darstellung in: Jörg Goldberg, Marx zum kapitalistischen Kri-
senzyklus; in: Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF, Sonder-
band I, Frankfurt/M. 1983.
16) Karl Marx, Das Kapital, 1. Bd., S. 662.
17) Ebd., S. 630/31.
18) Ders., Theorien über den Mehrwert, MEW 26.2, S. 481
19) Vgl. Jörg Goldberg, Kapitalistische Zentren: Krisenzentren?;
in: Fleissner/Deppe (Hg.), Arbeiterklasse - gibt's die noch?,
Wien 1985, S. 49ff.
20) Karl Marx, Das Kapital, 3. Bd., S. 316/17.
21) Vgl. Jan Priewe, Profitratenentwicklung und Krisenzyklus; in:
Memo-Forum Nr. 8, Bremen 1986. Die Problematik der Profitratenbe-
rechnungen wurde dargestellt in: Jörg Goldberg, Die Verwertungs-
bedingungen des Kapitals in der Bundesrepublik; In Marxistische
Studien, Jahrbuch des IMSF, Frankfurt/M. 1978, S. 107 ff. Vgl.
Georg Dumler, Rentabilität und Ertragslage in der Krise; in:
Memo-Forum 3, Bremen 1984, S. 33 ff.
22) Berechnet nach Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe,
S. 7, S. 128.
23) Karl Marx, Lohnarbeit und Kapital, MEW 6, S. 423.
24) Statistisches Bundesamt, a.a.O.
25) Christoph v. Rothkirch, Inge Weidig, Die Zukunft der Arbeits-
landschaft, Beiträge zur Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Nürn-
berg 1985, Bd. 1, S. 55.
26) Der Internationale Währungsfonds registriert für die 80er
Jahre ein rückläufiges Importvolumen der Entwicklungsländer. IMF,
World Economic Outlook, Washington DC, April 1986, S. 66.
27) Robert Katzenstein, Die Investitionen und ihre Bewegung im
staatsmonopolistischen Kapitalismus, Westberlin 1974, S. 23.
28) Ebd., S. 22.
29) Karl Marx, Theorien über den Mehrwert, MEW 26.2, S. 492.
30) Der "Akzelerator" beschreibt den Zusammenhang zwischen Kon-
sumgüternachfrage und der dadurch induzierten Investitionsgüter-
nachfrage. Die Akzeleratorwirkung einer bestimmten Konsumnachfra-
gesteigerung ist um so höher, je größer der Kapitalkoeffizient
(Kapitalstock/Produktmenge) und je länger die Lebensdauer der An-
lagen.
31) Vgl. Jörg Goldberg, Strukturveränderungen, Wachstumsverlang-
samung und Investitionen; in: Umbruch im Produktionsbereich?,
Beiträge des IMSF Nr. 7, Frankfurt/M. 1985.
32) Werner Abelshauser, Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik
Deutschland, Frankfurt/M. 1983.
33) Robert Katzenstein, a.a.O., S. 24.
34) Karl Marx, Das Kapital, 2. Bd., S. 464.
35) Das Statistische Bundesamt berechnet Anlagenabgänge und Ab-
schreibungen auf der Grundlage von Lebensdauerschätzungen, be-
rücksichtigt bei Krisenbranchen z.T. Sonderabgänge. Bei diesen
Schätzungen wird ein gleichmäßiger Anlagenabgang zugrunde gelegt,
die besondere Rolle von zyklischen Krisen kommt dabei nicht zum
Ausdruck. Vgl. Liane Schmidt, Reproduzierbares Anlagevermögen in
erweiterter Bereichsgliederung, Wirtschaft und Statistik 7/1986.
36) Berechnet nach Statistisches Bundesamt, Fachserie 18, Reihe,
S. 7.
37) Vgl. z.B. Jörg Goldberg, Die Perspektiven der Akkumulation
von fixem Kapital. Ökonomische Tendenzen bis zum Jahr 2000; in:
Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 9/1985, S. 218 ff. Emil
Rechtziegler, Die neue Stufe der Produktivkraftentwicklung und
das Wirtschaftswachstum in den kapitalistischen Hauptländern; in:
IPW-Forschungshefte 1/1986, Ergänzungsband, S. 8 ff.
38) Wolfgang Gerstenberger, Technische Neuerungen und Höhe der
Investitionsausgaben; in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und
Berufsforschung, Heft 1/1986, S. 159/60. Dem Hinweis z.B. von
Hess, daß die Einführung der neuen Technologien gewaltige Kapi-
talvorschüsse erfordert, ist zuzustimmen. Entscheidend für den
hier betrachteten Zusammenhang ist aber, daß die Effektivität der
Anlagen noch stärker wächst als der notwendige Kapitalaufwand,
daß die Lebensdauer der Anlagen sinkt und der Zusammenhang zwi-
schen Produktion und Markt damit enger wird. Vgl. Peter Hess,
Wissenschaftlich-technische Revolution und Akkumulation des Kapi-
tals; in: IPW-Berichte, 2/1986, S. 13 ff.
39) Deutsche Bundesbank, Beihefte Reihe 4, lfd.
40) Vgl. die Bilanz der Sozialpolitik von Arthur Böpple,
"Sozialstaat" im Abbruch, Frankfurt/M. 1986.
41) Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik, Memorandum '86,
Köln 1986, S. 89 ff.
42) Rothkirch/Weidig, a.a.O., S. 30.
43) Siehe die Darstellung in: Arbeitsgruppe Alternative Wirt-
schaftspolitik, Memorandum '84, Teil B, Schwerpunktthema I, Vor-
lauf der Akkumulation - Schwäche des Verbrauchs, Köln 1984, S.
293 ff.
44) Vgl. die Darstellung der entsprechenden Ableitungsdebatte bei
Heinz Jung, Deformierte Vergesellschaftung, Frankfurt/M. 1986, S.
69 ff.
45) Handelsblatt v. 13./14.6.1986.
46) Fröbel/Heinrichs/Kreye, Umbruch der Weltwirtschaft, Hamburg
1986, S. 233 bzw. S. 226.
47) Berechnet nach IPW-Bericht 3/1986.
48) Memorandum '86, S. 66 ff.
49) Wirtschaft und Statistik, 5/1986.
50) Memorandum '86, S. 70.
51) Sechstes Hauptgutachten der Monopolkommission 1984/85, Ziffer
254 ff.
52) Ders., Das Kapital, 3. Bd., S. 528/29.
53) So z.B. die SPD in ihrem Wirtschaftsprogramm. Vgl. Darstel-
lung und Kritik in: Arbeitsmaterialien des IMSF Nr. 18, Wahlen
'87 - vor einem neuen Aufbruch?, Frankfurt/M. 1986.
54) Vgl. den Aufsatz von Jörg Huffschmid im gleichen Band.
55) Vgl. die Darstellung im Memorandum '86, S. 109 ff.
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