Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 11/1986


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INTERNATIONALISIERUNG - EINE GRUNDTENDENZ DER SMK-ENTWICKLUNG HEUTE

Horst Heininger/Lutz Maier 1. Staatsmonopolistische Anpassung in der Gegenwart - 2. Interna- tionalisierung und staatsmonopolistische Anpassungsprozesse - 2.1 Wachsende ökonomische Interdependenz zwischen den kapitalisti- schen Industrieländern - 2.2 Neue Formen der Verflechtung von Mo- nopolen und Staat auf internationaler Ebene - 2.3 Verstärkte Ten- denz einer internationalen staatsmonopolistischen Regulierung - 3. Charakteristika staatsmonopolistischer Internationalisierung heute - 3.1 Eine neue Stufe kosmopolitischer Ausbeutung - 3.2 Mo- difikationen in den zwischenimperialistischen Beziehungen - 3.3 Haupttypen regulierter Rivalität - Konflikte und Differenzen im- perialistischer Strategiebildung - 4. Hemmnis gleichberechtigter internationaler Zusammenarbeit. Die nunmehr seit dem Anfang der 70er Jahre andauernde Periode vermehrter Krisenhaftigkeit und Labilität des Kapitalismus hat zu einer erneuten Belebung der Diskussion über Grundfragen der SMK- Theorie geführt. 1) Dies ist auch verständlich, denn zum ersten Mal ist der staatsmonopolistische Kapitalismus "auf eigener Grundlage" in die Krise geraten. Es erweist sich, daß die Formen staatsmonopolistischer Produktionsverhältnisse, die in den ver- gangenen 25 Jahren, seit der vollen Herausbildung des staatsmono- polistischen Kapitalismus, kennzeichnend waren, den Erfordernis- sen der modernen Produktivkraftentwicklung immer weniger entspre- chen. Hierin besteht die grundlegende Ursache für die Überakkumu- lation von Kapital und die mit ihr verknüpften mannigfachen Kri- senprozesse, wie sie gegenwärtig das kapitalistische Wirtschafts- system kennzeichnen. 1. Staatsmonopolistische Anpassung in der Gegenwart --------------------------------------------------- Den Kernpunkt der gegenwärtigen Diskussion unter den Marxisten über Probleme der SMK-Theorie bildet daher die Frage nach den M ö g l i c h k e i t e n u n d G r e n z e n und vor allem nach dem bisher e r r e i c h t e n S t a n d e i n e r A n p a s s u n g der staatsmonopolistischen Produktionsverhält- nisse und Wirtschaftsregulierung an neue ökonomische und politi- sche Erfordernisse. Unter letzteren werden sowohl die neuen Re- produktions- und Verwertungsbedingungen verstanden, die vor allem mit dem Voranschreiten der wissenschaftlich-technischen Revolu- tion einhergehen als auch die weiter eingeschränkten äußeren Ex- pansionsspielräume des Monopolkapitals, wie sie sich im Ergebnis der veränderten internationalen Kräfteverhältnisse zugunsten des Sozialismus, des gesamten revolutionären Weltprozesses herausbil- deten. 2) Wenn von Anpassungsprozessen im gegenwärtigen Kapitalismus die Rede ist, dann gilt es im Auge zu behalten, daß der Spielraum für eine Anpassung der Produktionsverhältnisse gegenüber früheren Pe- rioden kapitalistischer Entwicklung - auch im Vergleich zu den 50er und 60er Jahren - wesentlich geringer geworden ist; denn heute geht es nurmehr um Anpassung i m R a h m e n d e s s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e n K a p i t a l i s m u s, der letzten Entwicklungsstufe des nie- dergehenden Kapitalismus. Anpassungsprozesse können sich nur i n n e r h a l b d e r s e l b e n G r u n d q u a l i t ä t heutiger kapitalistischer Produktionsverhältnisse, d. h. in den Grenzen s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e r P r o- d u k t i o n s v e r h ä l t n i s s e bewegen. Dieser Umstand ist für die Analyse der heutigen Situation von großer Bedeutung. Er weist uns u.a. darauf hin, Anpassungspro- zesse in den staatsmonopolistischen Produktionsverhältnissen sehr genau und zugleich umfassend zu untersuchen. Es geht darum, Ver- änderungen in den e i n z e l n e n S e i t e n u n d F o r m e n d e r P r o d u k t i o n s v e r h ä l t n i s s e - in den monopolistischen Konkurrenzbeziehungen, im Verhältnis von Monopolen und Staat, in den zwischenimperialistischen Bezie- hungen, in den Stadien des Kapitalkreislaufes, im Verhältnis von Kapital und Arbeit, im widerspruchsvollen Zusammenhang von ein- zelstaatlicher Entwicklung und Internationalisierung usw. - zu analysieren, in ihrer Entwicklungstendenz einzuschätzen und dabei n e u e n P r o z e s s e n auf die Spur zu kommen. Nur so wird es möglich sein, Hauptrichtungen und Ausmaß der Anpassungspro- zesse einzuschätzen und damit auch bestimmte Aufschlüsse über verbleibende Spielräume und neue Konfliktfelder der weiteren ka- pitalistischen Entwicklung zu gewinnen. In der bisherigen Diskussion unter den Marxisten wird darauf ver- wiesen, daß sich seit Beginn der 80er Jahre bei Andauern der La- bilität und Krisenhaftigkeit des Kapitalismus zugleich bestimmte Tendenzen einer Anpassung des staatsmonopolistischen Systems an die neuen Erfordernisse der Produktivkraftentwicklung sowohl im Maßstab der einzelnen nationalen Volkswirtschaften als auch auf internationaler Ebene abzeichnen. Im Innern der imperialistischen Länder umfassen sie - in sehr knapper Zusammenfassung - neue For- men der Monopolisierung, eine gewisse Reorganisation der ökonomi- schen Rolle des Staates zugunsten einer gezielteren Einwirkung auf die Forschung und Entwicklung, einer entsprechenden Förderung der Akkumulation und Veränderungen in den Verteilungsverhältnis- sen zwischen den Klassen und Schichten im Interesse des Profits und andere Formen. 3) Es handelt sich hierbei um bestimmte Verän- derungen in den Formen staatsmonopolistischer Produktionsverhält- nisse, wie sie für die vergangenen Jahrzehnte kennzeichnend wa- ren. Im Ergebnis des zwischenimperialistischen Konkurrenzkampfes und der wachsenden Bedeutung der Ökonomie, der Wissenschaft und Tech- nik in der Systemauseinandersetzung zwischen Kapitalismus und So- zialismus wachsen die Erfordernisse einer internationalen Produk- tivkraftentwicklung. Der staatsmonopolistische Kapitalismus steht vor der Notwendigkeit, sich diesen Erfordernissen anzupassen. 2. Internationalisierung und ---------------------------- staatsmonopolistische Anpassungsprozesse ---------------------------------------- Als Anpassungsprozesse auf internationaler Ebene zeichnen sich eine wachsende ökonomische Verflechtung der imperialistischen Staaten untereinander und verstärkte Tendenzen einer internatio- nalen staatsmonopolistischen Regulierung ab. Dabei fällt beson- ders ins Auge, daß neben den transnationalen Monopolen, deren Ex- pansion bereits über mehr als zwei Jahrzehnte zurückreicht, jetzt der imperialistische Staat über zwischenstaatliche Vereinbarungen und andere Formen immer stärker in den Internationalisierungspro- zeß hineingezogen wird. Diese Entwicklungstendenzen haben für den Umfang und den Charakter der gegenwärtigen staatsmonopolistischen Anpassungsprozesse besonderes Gewicht, denn in der bisherigen Entwicklung war der staatsmonopolistische Kapitalismus vor allem durch die Herausbildung bestimmter Formen der Produktionsverhält- nisse im e i n z e l s t a a t l i c h e n Maßstab gekennzeich- net. Ein Hinaustreten dieser durch die Wechselwirkung von Monopo- len und Staat gekennzeichneten Verhältnisse über die einzelstaat- lichen Grenzen hinaus, wie es bisher bereits im regionalen Maß- stab - in Gestalt der westeuropäischen Integration - zu beobach- ten war, bedeutet ohne Zweifel etwas qualitativ Neues in der Ent- wicklung des staatsmonopolistischen Kapitalismus. Aufmerksamkeit verdient dabei besonders die Rolle des Staates. Die Einbeziehung des Staates in die kapitalistischen Produktionsverhältnisse auf internationaler Ebene muß von vornherein in anderen Formen vor sich gehen als auf nationaler Ebene. Die Internationalisierung von Produktion und Kapital schreitet voran, die Aufgliederung der kapitalistischen Weltwirtschaft in "einzelstaatliche Volkswirtschaften" bleibt aber gleichzeitig be- stehen. Die Herausbildung von staatlichen Elementen internationa- ler kapitalistischer Produktionsverhältnisse ist daher auf neue Weise mit Interessenkoalitionen und -konflikten zwischen Staaten, zwischen Monopolen und Staaten wie auch zwischen den Monopolen "verschiedener Nationalität" verknüpft. Die nähere Untersuchung des Prozesses staatsmonopolistischer In- ternationalisierung ist darum besonders geeignet, Aufschlüsse über den gegenwärtigen Charakter und Umfang der Anpassungspro- zesse zu vermitteln. Wie diese internationalen Anpassungsprozesse zu erfassen und zu werten sind, welche A n s ä t z e sich aus der gegenwärtigen staatsmonopolistischen Internationalisierung für die weitere Entwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalis- mus ergeben, darüber gehen die Meinungen in der marxistischen Li- teratur weit auseinander. 4) In der Literatur finden sich Einschätzungen der heutigen Interna- tionalisierungstendenzen des Kapitalismus, die vom "Hinüberwachsen in einen zwischenstaatlich-monopolistischen Kapi- talismus in seine transnationale Form" 5) und der Feststellung von einem Prozeß der "widersprüchlichen Herausbildung internatio- naler Formen des staatsmonopolistischen Kapitalismus" 6) bis zu der Feststellung reichen, daß von einer Internationalisierung des staatsmonopolistischen Kapitalismus nicht gesprochen werden könne. 7) Dabei sind sich die meisten Autoren einig, daß die zu- nehmende Internationalisierung der Wirtschaft seit den 50er Jah- ren ein wesentlicher Grundzug der kapitalistischen Entwicklung ist und sich dieser Prozeß auch in der letzten Zeit beschleunigt hat. Auseinander gehen die Meinungen vor allem in der Bewertung dieses Prozesses, vor allem in der Einschätzung, inwieweit es sich hierbei um eine bestimmte neue Qualität im Entwicklungspro- zeß des staatsmonopolistischen Kapitalismus handelt. Diese Frage kann nur durch eine Analyse der jüngsten Entwicklung in den internationalen ökonomischen Prozessen beantwortet werden. Unerläßlich ist dabei die Herausarbeitung bestimmter Kriterien der heutigen staatsmonopolistischen Internationalisierung, die näheren Aufschluß über Haupttendenzen der SMK-Entwicklung geben. Nach unserer Auffassung lassen sich zumindest d r e i solcher K r i t e r i e n bestimmen, denen zufolge wir es gegenwärtig mit einer neuen Qualität, mit einer neuen Stufe staatsmonopoli- stischer Internationalisierung zu tun haben. 2.1 Wachsende ökonomische Interdependenz zwischen ------------------------------------------------- den kapitalistischen Industrieländern ------------------------------------- Als ein e r s t e s wesentliches K r i t e r i u m der neuen Stufe staatsmonopolistischer Internationalisierung zeigt sich seit den 60er Jahren eine w a c h s e n d e w e c h s e l- s e i t i g e ö k o n o m i s c h e A b h ä n g i g k e i t z w i s c h e n d e n k a p i t a l i s t i s c h e n I n d u- s t r i e l ä n d e r n, eine zunehmende ökonomische Interdepen- denz zwischen ihnen. Mit dieser Entwicklung erreicht der Prozeß der Internationalisierung der kapitalistischen Wirtschaft eine weitere wesentliche Ausprägung. Während bis zum zweiten Weltkrieg die Internationalisierung vor allem der Zirkulationssphäre charakteristisch war, ist jetzt mit dem Übergang zur wissenschaftlich-technischen Revolution eine wachsende Internationalisierung der Produktionsphäre im kapitali- stischen Weltwirtschaftssystem zu beobachten. Von ihr werden in erster Linie die kapitalistischen Industrieländer erfaßt. Ein Kriterium für den Entwicklungsstand ist die starke Ausprägung der internationalen Arbeitsteilung zwischen diesen Staaten. Ihren Ausdruck findet die n e u e S t u f e d e r i n- t e r n a t i o n a l e n A r b e i t s t e i l u n g 8) vor allem in der Tatsache, daß neben einer weiteren Entwicklung der Arbeitsteilung "im allgemeinen" besonders seit den 60er Jahren eine weitere Differenzierung und Vertiefung bei der Arbeits- teilung "im besonderen", d.h. bei der Arbeitsteilung zwischen den Sparten, Branchen und Bereichen der Industriezweige, zu beobach- ten ist. Die "Sortimentsexplosion" bei Produktionsmitteln und Konsumgütern hat eine bedeutende Vertiefung des wechselseitigen Warenaustausches zur Folge. Die wachsende Importabhängigkeit al- ler kapitalistischen Industrieländer in allen Zweigen der verar- beitenden Industrie ist hierfür ein beredter Ausdruck. So stieg in dem relativ kurzen Zeitraum von 12 Jahren der Anteil der Importe aus den kapitalistischen Industrieländern am Inlands- verbrauch der verarbeitenden Industrie der EG-Staaten von 12 Pro- zent im Jahre 1968 auf 24 Prozent 1980/81 und für den Wirt- schaftsraum USA/Kanada von 5 auf 8 Prozent. Besonders rasch ent- wickelten sich dabei die Anteile der Importe am Inlandsverbrauch von Maschinen und Geräten, nämlich von 15 auf 33 Prozent bzw. von 5 auf 11 Prozent. 9) Neu ist mit dem Voranschreiten der wissenschaftlich-technischen Revolution die Vertiefung der Arbeitsteilung "im einzelnen". Mit dem Heraustreten aus der betrieblichen Arbeitsteilung in eine Form der gesellschaftlichen Arbeitsteilung entwickelt diese Form eine besondere Dynamik. In dem Warenaustausch der verarbeitenden Industrie nehmen auf Grund wachsender internationaler Speziali- sierung und Kooperation Baugruppen, Einzelteile und Zulieferungen ein immer größeres Gewicht ein. Dieser Prozeß ist Ausdruck des modernen wissenschaftlich-technischen Fortschritts und in seiner Vertiefung objektiv bedingt. Einige Autoren weisen zu Recht darauf hin, daß Volumen und Struk- tur dieses Warenaustausches durch den monopolkapitalistischen Charakter der internationalen Arbeitsteilung geprägt werden und damit nur ungenügend über den "wirklichen" Grad der Arbeitstei- lung Auskunft geben könnten. 10) In der Tat bringt der Kapitalis- mus solche Verzerrungen hervor, weil die internationale Arbeits- teilung eindeutig den Verwertungsinteressen und Machtpositionen der konkurrierenden Kapitale untergeordnet wird. Gegenwärtig rechnen zu solchen Verzerrungen im Warenaustausch zwischen den kapitalistischen Industrieländern in erster Linie die durch die Profitstrategie der internationalen Konzerne hervorgerufene Aus- dehnung des Austausches gleicher Waren. Namentlich im Konsumgü- terbereich handelt es sich teilweise um eine künstlich manipu- lierte Sortimentsdifferenzierung. In diesen Fällen kann man von einem Austausch von Substituten sprechen. Von einigen Autoren wird aber die neue Stufe der internationalen Arbeitsteilung mit dem Hinweis auf den substitutiven Handel über- haupt in Abrede gestellt. Die Argumentationskette ist folgende: Ein großer Teil des Warenaustausches zwischen den kapitalisti- schen Industrieländern entfalle auf "intraindustriellen Aus- tausch" und sei damit im wesentlichen ein "substitutiver" und kein "komplementärer" Handel. Damit werde deutlich, daß wir es eher mit einer abnehmenden Arbeitsteilung zu tun hätten. Nicht überzeugend ist bei dieser Argumentation vor allem eine be- stimmte Gleichsetzung von "intraindustriellem" und "substitutivem" Austausch. Es wird nämlich übersehen, daß die sich im Ergebnis der wissenschaftlich-technischen Revolution ver- stärkende Arbeitsteilung "im besonderen" und "im einzelnen" eine wachsende Sortimentsdifferenzierung bei Produktionsmitteln und Verbrauchsgütern, eine weitere Untergliederung der bestehenden und die Herausbildung immer neuer Branchen und Zweige wie auch eine Ausgliederung der Erzeugung von Einzelteilen, Baugruppen und Vorprodukten als selbständige Produktion und damit einen entspre- chenden Warenaustausch zur Folge hat. Dies alles sind "intraindustrielle" Prozesse. Ihre Zunahme ist folglich eher ein Indiz für wachsende internationale Arbeitsteilung denn für das Gegenteil. Sie ist gerade wesentlicher Ausdruck der Arbeitstei- lung i n d i e T i e f e, des Voranschreitens der Entwicklung der Produktivkräfte und nicht schlechthin eines wachsenden sub- stitutiven Austauschs. Dabei gilt es zu berücksichtigen, daß sich mit dem weiteren Vor- anschreiten der wissenschaftlich-technischen Revolution die For- men der internationalen Arbeitsteilung und Kapitalverflechtung verändern können und davon auch Umfang und Struktur des interna- tionalen Austausches beeinflußt werden. Schon in den letzten Jah- ren zeichnete sich deutlich ab, daß die wissenschaftlich-techni- sche und Produktionskooperation zwischen den Monopolen zunehmen- des Gewicht erhält und dabei der wissenschaftlich-technische Aus- tausch besondere Bedeutung erlangt. Gleichzeitig wächst die Rolle der Dienstleistungen und damit der in diesem Sektor tätigen Kon- zerne im internationalen Austausch. Alle diese Prozesse führen besonders zu einer Zunahme des Austauschs immaterieller Leistun- gen. Die weitere Vertiefung der internationalen Arbeitsteilung wird daher künftig auch in neuen Formen vor sich gehen, die nicht mit einer Vergrößerung des Warenaustausches in dem bisherigen Ausmaß verbunden sein müssen. Wachsende ökonomische Interdependenz bedeutet gleichzeitig, daß sich in den 60er und 70er Jahren beschleunigt eine w e c h- s e l s e i t i g e K a p i t a l v e r f l e c h t u n g zwi- schen den imperialistischen Staaten herausbildet. Es geht hierbei um die Direktinvestitionen transnationaler Monopole in den kapitalistischen Industrieländern. Etwa 70 Prozent aller Direkt- investitionen werden wechselseitig in den kapitalistischen Industrieländern angelegt. H a u p t t r ä g e r d e s P r o- z e s s e s s i n d d i e t r a n s n a t i o n a l e n K o n z e r n e, die nach wie vor ihre "nationale" Kapitalbasis in den einzelnen imperialistischen Ländern haben. Mit der qualitativ neuen Stufe der internationalen Arbeitsteilung und der Internationalisierung der Produktion vollziehen sich auch tiefgreifende Veränderungen im Niveau der "Weltkonzentration des Kapitals". Es kommt zur H e r a u s b i l d u n g n e u e r M e r k m a l e d e s i n t e r n a t i o n a l e n F i- n a n z k a p i t a l s. Seit den 60er Jahren vollzieht sich eine geradezu sprunghafte Ausdehnung der internationalen Aktivi- täten der großen Industrie- und Bankmonopole, die sich bis in die Gegenwart weiter fortsetzt. Anfang der 80er Jahre betrug der An- teil des Auslandsgeschäfts bei den größten transnationalen Indu- striemonopolen 40 Prozent und der Anteil der im Auslandsgeschäft realisierten Profite bereits über 50 Prozent. Die größten Banken der kapitalistischen Länder realisieren heute zwischen 40 und 80 Prozent ihrer Bankprofite im Auslandsgeschäft. Mit dieser Ent- wicklung werden die Bedingungen der Kapitalverwertung immer stär- ker internationalisiert. Zugleich erfahren die Formen der internationalen finanzkapitali- stischen Verflechtung eine wesentliche Weiterentwicklung. Neben der Ausdehnung des Beteiligungssystems entstehen in den letzten Jahren zunehmend Formen der gegenseitigen Verflechtung "ohne Ei- gentum", wie Kooperationsvereinbarungen, Konsortienbildungen län- gerfristigen Charakters, Technologieaustauschverträge u. a. Es bilden sich neuartige internationale Leihkapitalmärkte, wie der Eurodollarmarkt, die Off-shore-Bankplätze u. a. heraus, die von den nationalen Leihkapitalmärkten und Devisengesetzen getrennt fungieren und auf denen die Banken direkten Zugang zu allen ge- suchten Währungen haben. Die Ausdehnung der internationalen Produktions- und Kapitalver- bindungen bringt immer enger werdende gegenseitige Interessenver- flechtung und ökonomische Abhängigkeit zwischen den Konzernen und Banken mit sich. Daraus resultiert für alle monopolistischen Un- ternehmen, finanzkapitalistischen Gruppen und "nationalen" Fi- nanzkapitale der Zwang, die Verfolgung ihrer eigenen Konkurren- zinteressen gegen die anderen mit einem bestimmten Maß an Koope- ration, mit Kompromissen und einer gewissen gegenseitigen Berück- sichtigung und Abstimmung der Interessen zu verbinden. Natürlich ist diese wechselseitige ökonomische Abhängigkeit kein Prozeß des automatischen Zusammenwachsens der verschiedenen na- tionalen Kapitale. Im Gegenteil, diese wechselseitige Verflech- tung bildet wiederum die Grundlage für das Entstehen neuer Kon- flikte und den Rahmen für die Auseinandersetzung und die Rivali- tät zwischen den imperialistischen Ländern. Auch ist die Ver- flechtung in den einzelnen Bereichen und Zweigen durchaus kein gleichförmiger und ununterbrochener Prozeß. Es ist möglich, und in einzelnen Zweigen ist das bereits festzustellen, daß sich be- stimmte wechselseitige Abhängigkeiten wiederum abschwächen kön- nen. Das bedeutet, daß die wachsende ökonomische Interdependenz weder eine Grundlage für das Verschwinden der Konkurrenz- und Ri- valitätskämpfe noch ein sich ständig beschleunigender Prozeß ist. Wesentlich ist aber, daß sich seit den letzten beiden Jahrzehnten gewissermaßen der "S o c k e l d e r w e c h s e l s e i- t i g e n ö k o n o m i s c h e n A b h ä n g i g k e i t" erhöht hat, und daß die weitere Zunahme der ökonomischen Inter- dependenz ein objektiver Prozeß ist. Internationale Arbeits- teilung in ihrer neuen Stufe und die wachsende Kapitalver- flechtung sind unumkehrbar und damit ein deutliches Zeichen dafür. All dies bedeutet keineswegs, daß die konkrete Gestaltung der Export-Import-Strukturen und anderer Formen der Au- ßenwirtschaftsverflechtungen eines Landes im einzelnen festgelegt ist, was in einem Prozeß demokratischer Veränderungen besondere Bedeutung erlangen kann. 2.2 Neue Formen der Verflechtung von Monopolen und Staat -------------------------------------------------------- auf internationaler Ebene ------------------------- Ein z w e i t e s entscheidendes K r i t e r i u m für die Einschätzung der heutigen staatsmonopolistischen Internationali- sierung besteht darin, daß sich auf der Basis der wachsenden öko- nomischen Interdependenz eigenständige Formen des Zusammenwirkens von Monopolen und Staat auf internationaler Ebene entwickelt ha- ben, die sich von denen im nationalen Maßstab unterscheiden. Wie alle gesellschaftlichen Erscheinungen betrachtet die marxi- stisch-leninistische Theorie auch die Verflechtung von Monopolen und Staat und den staatsmonopolistischen Kapitalismus insgesamt seit jeher nicht als eine starre, feststehende Erscheinung, son- dern untersucht sie in ihrer historischen Konkretheit, ihrer Dynanik, ihrer Bewegung und Veränderung. Bekanntlich entwickelten sich staatsmonopolistische Formen kapitalistischer Produktions- verhältnisse in unterschiedlichem Tempo und Reifegrad zunächst im nationalen Maßstab der Volkswirtschaften der einzelnen kapitali- stischen Länder. Jetzt zwingt die wachsende Internationalisierung der Produktivkraftentwicklung zur Herausbildung von Formen inter- nationaler staatsmonopolistischer Produktionsverhältnisse, in die nicht nur die transnationalen Monopole, sondern auch der Staat in seinen ökonomischen Funktionen immer mehr einbezogen wird. Grundlage dieses Prozesses ist die schrittweise Verflechtung der Kapitalkreisläufe und damit der nationalen Reproduktionsprozesse. Diese Verflechtung geht in den einzelnen Stadien des Kreislaufs des industriellen Kapitals - vor allem in der Produktion - von- statten. Jedes Stadium des Kapitalkreislaufs vollzieht sich heute nicht nur im Rahmen einzelner kapitalistischer Länder, sondern in wachsender internationaler Verflechtung, und in jedem dieser Sta- dien sind Aktivitäten des imperialistischen Staates notwendig, um die Durchsetzung der internationalen Profitstrategie "seiner" Mo- nopole zu sichern. Da der Kapitalismus keinen "Weltstaat" hervor- bringen kann, vollzieht sich die Herausbildung von staatlichen Elementen internationaler Produktionsverhältnisse auf zwischen- staatlicher Basis und über internationale zwischenstaatliche Or- ganisationen. Diese Verflechtung von Monopolen und Staat ist da- durch gekennzeichnet, daß die Internationalisierung des Kapitals den nationalen staatlichen Rahmen gewissermaßen "überwindet", ohne eine "übernationale" staatliche Entsprechung zu finden. So erweitern sich mit der wachsenden Internationalisierung des Wirtschaftslebens die außenwirtschaftlichen Funktionen des Staa- tes in den kapitalistischen Industrieländern. Das gilt sowohl für die verschiedenen Gebiete der internationalen Wirtschaftsbezie- hungen - Kapitalexport, Währung, Kredit, Handel u.a. - als auch für die einzelnen staatlichen Subjekte dieser Beziehungen - die Staaten, die internationalen Organisationen und Institutionen. Dabei gewinnt die Rolle von bilateralen und multilateralen Ver- einbarungen mit anderen Staaten an Bedeutung. In ihnen kommen zeitweilige Kompromisse entsprechend den jeweiligen Kräftever- hältnissen zum Ausdruck. So erfolgt die "Einbeziehung" des Staates in die Produktionsver- hältnisse auf der internationalen Ebene anders als auf nationaler Ebene, nämlich nur über solche Elemente, die auf internationaler Ebene auch durchsetzbar sind: a u f z w i s c h e n s t a a t- l i c h e r B a s i s und ü b e r i n t e r n a t i o n a l e k a p i t a l i s t i s c h e O r g a n i s a t i o n e n u n d r e g i o n a l e I n t e g r a t i o n s g e b i l d e wie die westeuropäische Integration. Ihren besonderen Ausdruck findet die staatsmonopolistische Inter- nationalisierung vor allem in dem Zusammenwirken transnationaler Industrie- und Bankkonzerne mit internationalen Wirtschaftsorga- nisationen wie IWF, Weltbank, OECD, GATT und EG. Gerade hier fin- den sich auch neue Ansätze einer internationalen staatsmonopoli- stischen Regulierung. 2.3 Verstärkte Tendenzen einer internationalen ---------------------------------------------- staatsmonopolistischen Regulierung ---------------------------------- Wie die Entwicklung auf wichtigen Gebieten - vor allem auf dem der Energiewirtschaft sowie der Welthandels-, Währungs- und Kre- ditbeziehungen - beweist, zeichnen sich im Verlaufe der 70er Jahre Prozesse einer verstärkten Herausbildung des internatio- nalen staatsmonopolistischen Regulierungsmechanismus an die neuen Erfordernisse der Internationalisierung ab. Hierin sehen wir ein d r i t t e s K r i t e r i u m für die neue Stufe staatsmono- polistischer Internationalisierung. Entsprechend der Entfaltung der internationalen staatsmonopoli- stischen Produktionsverhältnisse kann es sich auch bei der Anpas- sung auf dem Gebiet der internationalen Regulierung nur um Stufen innerhalb der staatsmonopolistischen Entwicklung handeln. Als Subjekte treten hier die internationalen Monopole, die Staaten und die internationalen Organisationen bzw. regionalen Gruppie- rungen auf. Neue Tendenzen der internationalen staatsmonopolisti- schen Regulierung zeigen sich vor allem in drei Richtungen: E r s t e n s bildet sich ein Mechanismus wirtschaftspolitischer Konsultationen und Abstimmungen zwischen den Regierungen der im- perialistischen Länder sowie zwischen den Vertretern dieser Re- gierungen und internationalen monopolistischen Interessenverbän- den heraus. Dazu zählen regelmäßige Treffen auf Ministerebene, im Rahmen der EG sowie die jährlich stattfindenden Wirtschaftsgipfel der führenden kapitalistischen Staaten. Eine wachsende Rolle spielen "Gruppentreffen" führender Vertreter imperialistischer Staaten zu ausgewählten internationalen Wirtschaftsproblemen (z. B. "Fünfergruppe" auf finanz- und währungspolitischem Gebiet, die "Vierergruppe" zu Handelsfragen u.a.). Z w e i t e n s zeigt sich eine Funktionserweiterung und -veränderung bei den bereits bestehenden internationalen ökonomi- schen Organisationen, und es kommt auch zur Neubildung solcher Institutionen. Im Mittelpunkt dabei stehen u. a. der IWF, die Weltbank, das GATT, die OECD und die Internationale Energieagen- tur (IEA) sowie auch neue Ansätze bei den Versuchen, die Regulie- rung im Rahmen der westeuropäischen Integration voranzubringen. D r i t t e n s handelt es sich in engem Zusammenhang damit um das neuartige und verstärkte Zusammenwirken von transnationalen Industriekonzernen und Banken mit derartigen internationalen In- stitutionen. Dieser Prozeß vollzieht sich auf der Grundlage einer weiteren Expansion der internationalen Industrie- und Bankmono- pole, die ihren Einfluß auf die Wirtschaftsbeziehungen noch wei- ter ausbauen können. Als Beispiel können hier vor allem die Akti- vitäten transnationaler Banken im Zusammenwirken mit dem IWF und der Weltbank beim sogenannten Schuldenmanagement gegenüber den Entwicklungsländern genannt werden. Auch unter den Bedingungen verstärkter staatlicher und zwischen- staatlicher Einwirkung auf die ökonomischen Prozesse und der da- durch bewirkten Modifizierungen bildet der Profit-Preismechanis- mus nach wie vor die Grundlage der kapitalistischen Wirtschafts- regulierung - auch im internationalen Maßstab. Nach wie vor sind es vor allem solche Kategorien wie Preis, Zins und Währungskurse, die über die Zirkulation ihre regulierende Funktion bei der Her- stellung der vom Profit diktierten Proportionalität der interna- tionalen Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft ausüben. Die ökonomischen Gesetze und Kategorien wirken als objektive ökonomi- sche Zwänge auf die Tätigkeit der Wirtschaftssubjekte, und sie setzen sich - wenn auch durch staatsmonopolistische Eingriffe stark modifiziert und verzerrt - bei der Regulierung der kapita- listischen Wirtschaft durch. Bei dem heutigen Mechanismus der internationalen staatsmonopoli- stischen Regulierung handelt es sich also um die widerspruchs- volle Einheit und Wechselwirkung zwischen der Tätigkeit der Wirt- schaftssubjekte auf den verschiedenen Ebenen dieser Regulierung und dem Wirken objektiver Zwänge der ökonomischen Gesetze und Ka- tegorien in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen des Kapi- talismus. 3. Charakteristika staatsmonopolistischer ----------------------------------------- Internationalisierung heute --------------------------- 3.1 Eine neue Stufe kosmopolitischer Ausbeutung ----------------------------------------------- Ausgehend von den dargelegten Kriterien läßt sich die Feststel- lung treffen, daß die staatsmonopolistische Internationalisierung eine neue Stufe erreicht, daß sie sich zu einem M e r k m a l d e s h e u t i g e K a p i t a l i s m u s entwickelt. Auf diesem Wege versucht das Monopolkapital, sich eine stärkere Nutzung der Potenzen der modernen Produktivkräfte und der inter- nationalen Arbeitsteilung sowie gewisse Möglichkeiten zur Regu- lierung akuter Konflikte in den zwischenimperialistischen Bezie- hungen zu erschließen. Zugleich erweitern und vertiefen sich je- doch die kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse, der Wider- spruch zwischen Kapital und Arbeit sowie alle sozialen Antagonis- men in internationalen Dimensionen. Die staatsmonopolistische In- ternationalisierung führt auf der Grundlage der transnationalen Kapitalexpansion und der internationalen Verflechtung der einzel- staatlichen Reproduktionsprozesse dazu, daß die Werktätigen von immer mehr kapitalistischen Ländern und viele Entwicklungsländer in ein i n t e r n a t i o n a l e s N e t z f i n a n z- k a p i t a l i s t i s c h e r A u s b e u t u n g u n d H e r r s c h a f t eingebunden werden, in dem sich ständig in- ternationale Umverteilungsprozesse von Wert und Mehrwert zugunsten der stärksten Monopole und imperialistischen Länder vollziehen. Marx sprach seinerzeit in Verbindung mit der Herausbildung des Weltmarktes von der "Ausbeutung in ihrer kosmopolitischen Gestal- tung". 11) Auf ihrer heutigen Stufe vollzieht sich diese kosmopo- litische Ausbeutung in mannigfaltigen Formen. Ihre e r s t e u n d H a u p t f o r m bildet die international organisierte direkte Ausbeutung von Arbeitskräften in der P r o- d u k t i o n s s p h ä r e. Die transnationalen Monopole nutzen hier besonders die bedeutenden Lohnunterschiede zwischen den einzelnen Ländern, vor allem zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern, wo die Lohndifferenz je nach Branche und Qualifikation von der Hälfte bis zum Fünffachen beträgt. Eine we- sentliche Rolle spielt auch die internationale Migration von Ar- beitskräften. Anfang der 80er Jahre wurden in den kapitalisti- schen Industrieländern rund 25 Millionen Arbeitskräfte (ein- schließlich ihrer Familienangehörigen) aus dem Ausland heran- gezogen. Verschärft wird dieser Ausbeutungsprozeß dadurch, daß ein wachsender Teil der Profite speziell aus den Entwicklungslän- dern in die großen kapitalistischen Industrieländer transferiert wird und dieser Profittransfer inzwischen die in den Entwick- lungsländern von den ausländischen Monopolen getätigten Neuinve- stitionen beträchtlich übersteigt. 12) Millionen von Arbeitern und Angestellten arbeiten somit heute zu einem großen Teil an Produktionsmitteln, die Monopolen gehören, deren Leitungszentrale in anderen Ländern oder gar Erdteilen liegt, wo die Aneignung der Ergebnisse ihrer Arbeit erfolgt und die strategischen Entscheidungen über ihr Dasein fallen, was zweifellos eine neue Stufe sozialer Unsicherheit und Entfremdung der Arbeit bedeutet. Eine z w e i t e F o r m dieser internationalen Ausbeutung bildet die Nutzung der Z i r k u l a t i o n s k a n ä l e für die Umverteilung (über konzerninterne Preise, Unterschiede im in- ternationalen Preisgefüge, Nichtäquivalentenaustausch, Kredite und Zinsen, Währungsschwankungen usw.) Eine d r i t t e F o r m umfaßt schließlich die A u s p l ü n d e r u n g, die B e- n a c h t e i l i g u n g und das A b h ä n g i g m a c h e n (heute zunehmend in wissenschaftlich-technischer Hinsicht) g a n z e r L ä n d e r u n d N a t i o n e n, vor allem im Bereich der Entwicklungsländer, aber auch vieler kleiner Länder in der Zone des entwickelten Kapitalismus durch die stärksten imperialistischen Staaten. Die staatsmonopolistische Internationalisierung der Ausbeutungs- verhältnisse hat also eine s o z i a l e und e i n e n a t i o n a l e Komponente. Dies stimuliert eine entsprechende Spezifik und Verbindung von sozialen Antagonismen und nationalen Konflikten sowie aus ihr erwachsende gesellschaftliche Bewegun- gen, deren Inhalt und Richtung zunehmend von den internationalen Dimensionen und neuen Formen der staatsmonopolistischen Entwick- lung geprägt wird. (Ein charakteristisches aktuelles Beispiel sind die Auseinandersetzungen um die internationale Verschul- dung.) Zugleich darf man nicht übersehen, daß es zu einer s t ä r- k e r e n i n t e r n a t i o n a l e n I n t e r e s s e n- v e r k n ü p f u n g d e s F i n a n z k a p i t a l s d e r v e r s c h i e d e n e n L ä n d e r, vor allem hinsichtlich der Abschirmung ihrer Ausbeutungs- und Einflußsphären gegen demokratische und revolutionäre Entwicklungen, kommt. 3.2 Modifikationen in den zwischenimperialistischen Beziehungen --------------------------------------------------------------- In der Diskussion um die Einschätzung der heutigen Internationa- lisie-rungstendenzen wird immer wieder die Frage nach deren Aus- wirkungen auf die Beziehungen der imperialistischen Staaten un- tereinander aufgeworfen. Wird der Imperialismus zunehmend "einheitlicher" und schwächen sich etwa die Rivalitätskämpfe, die die Einzelstaaten und nationalen staatsmonopolistischen Kapita- lismen gegeneinander geführt haben, allmählich ab? Stehen wir heute mehr und mehr einer imperialistischen Gesamtstrategie ge- genüber oder lassen sich neue Differenzen zwischen ihnen erken- nen, die den Kapitalismus als System schwächen und im Kampf gegen ihn genutzt werden können? Die Fragen sind zu wichtig, um eine schnelle und einfache Antwort zu geben, zumal offenkundig das Bild der Erscheinungen eher wi- dersprüchlicher, komplizierter und in mancher Beziehung auch an- ders geworden ist. Betrachtet man die gegenwärtigen und absehbaren künftigen Ent- wicklungstendenzen der staatsmonopolistischen Internationalisie- rung, so gibt es offensichtlich keine Anzeichen dafür, daß damit die Eigenständigkeit der national organisierten staatsmonopoli- stischen Kapitalismen und die spezifischen gegeneinander gerich- teten Expansions- und Konkurrenzinteressen der Finanzkapitale der verschiedenen imperialistischen Länder und Ländergruppen - der USA, Japans, der BRD, Frankreichs, Großbritanniens usw. - aufge- hoben würden. Auch in ihren staatsmonopolistischen Formen bleibt die kapitalistische Internationalisierung engstens mit dem Wirken des Gesetzes der ungleichmäßigen ökonomischen und politischen Entwicklung der kapitalistischen Länder verbunden, was sich vor allem in der Herausbildung von mehreren imperialistischen Macht- zentren und ihren ständigen Auseinandersetzungen gegeneinander äußert. In dieser Verknüpfung von Internationalisierung und Un- gleichmäßigkeit tritt aber eine Reihe von neuen Momenten und Mo- difikationen zutage, die zunehmend auch durch die veränderten globalen Existenzbedingungen des Kapitalismus beeinflußt werden. Wir möchten im Ergebnis unserer Untersuchungen fünf solcher Mo- mente hervorheben: E r s t e n s entsteht mit der Herausbildung internationaler Formen des staatsmonopolistischen Kapitalismus bei Weiterexistenz der rivalisierenden nationalen staatsmonopolistischen Strukturen und Interessen e i n e n e u a r t i g e "V e r k n o t u n g" w i d e r s p r ü c h l i c h e r o b j e k t i v e r T e n- d e n z e n analog (oder besser in Fortsetzung) jener seinerzeit von L e n i n formulierten "Verknotung" der Monopole mit der freien Konkurrenz, in der er eine Eigenart des imperialistischen Stadiums und letztlich die Hauptursache dafür sah, warum keiner der grundlegenden Widersprüche des kapitalistischen Systems auf dem Wege monopolistischer Zusammenschlüsse überwunden werden kann. 13) Auch die Verflechtung der privaten Monopole mit dem Staat setzte diesen Prozeß der Verknotung widerstreitender Tendenzen fort und heute wird hiervon zunehmend die internatio- nale Sphäre erfaßt. Ein z w e i t e s M o m e n t im Aufeinanderwirken von Inter- nationalisierung und Ungleichmäßigkeit bildet das Entstehen z w e i e r E b e n e n der staatsmonopolistischen Internatio- nalisierung selbst, einer r e g i o n a l e n (vor allem in Ge- stalt der westeuropäischen Integration) und einer überregionalen (also zwischen den Zentren) Ebene, die sich n e b e n e i n a n- d e r und g e g e n e i n a n d e r entwickeln. Es waren wesentlich das ungleiche und wechselhafte Tempo und die unterschiedliche Intensität im Voranschreiten der International- sierungsprozesse in den verschiedenen Regionen der kapitalisti- schen Welt, die - neben der Schwächung der USA-Positionen - zur Herausbildung mehrerer imperialistischer Machtzentren beitrugen. So entwickelte sich in den 50er und 60er Jahren in Gestalt der westeuropäischen Integration die Verflechtung der Wirtschaften der westeuropäischen Länder untereinander (besonders in der EG) wesentlich schneller als mit anderen Regionen. Später änderten sich diese Relationen. Die in Westeuropa geschaffenen Formen ei- ner regionalen staatsmonopolistischen Integration wurden und wer- den zunehmend von Internationalisierungsprozessen im Rahmen der gesamten kapitalistischen Weltwirtschaft, vor allem von Formen der transnationalen Expansion der Monopole der drei imperialisti- schen Zentren, von Kooperationsbeziehungen und Verflechtungen zwischen ihnen durchdrungen und zum Teil auch überholt. Heute sind wir Zeuge des Versuchs einer erneuten Gegenreaktion der westeuropäischen Staaten, während die USA vor allem die überre- gionalen Internationalisierungsprozesse für eine Stärkung ihrer Hegemoniepositionen zu nutzen suchen. Ein d r i t t e s M o m e n t ist die stärkere Hinwendung zu einer "r e g u l i e r t e n R i v a l i t ä t", die sowohl den Hauptinhalt als auch die Hauptfunktion der vielfältigen Koor- dinierungsaktivitäten von internationalen zwischenstaatlichen Gremien und Institutionen ausmacht. Die zwischen den kapitalistischen Industrieländern erreichte Stufe der gegenseitigen ökonomischen Verflechtungen und Abhängig- keiten bildet eine neue o b j e k t i v e R a h m e n b e- d i n g u n g für das weitere Wirken des Gesetzes der ungleichmäßigen Entwicklung des Kapitalismus, eine neuartige Grundtatsache in der ökonomischen Interessenstruktur der ka- pitalistischen Länder in bezug auf ihre Beziehungen untereinan- der. Immer häufiger ist für ein kapitalistisches Land das Errin- gen von Vorteilen auf Kosten eines anderen Landes mit eigenen Nachteilen aus dessen Gegenreaktionen verknüpft, wodurch das ständige Abwägen und Bilanzieren von Nutzen und Schaden in den Konkurrenz- und Rivalitätskämpfen zu einer unerläßlichen Bedin- gung der Wahrung der eigenen Interessen geworden ist. Die Bedeutung dieses Problems wird durch seine enge Verknüpfung mit der Politik unterstrichen. Das gemeinsame p o l i t i- s c h e Klasseninteresse des Monopolkapitals aller Länder - gerichtet vor allem auf den Erhalt der kapitalistischen Ausbeuterordnung, auf den Kampf gegen den Sozialismus und den weiteren sozialen Fortschritt in der Welt - erhält damit eine Art ö k o n o m i s c h e Fundierung. Hieraus ergibt sich ein objek- tiv bedingtes wesentlich intensiveres Nebeneinander von gegen- sätzlichen u n d gemeinsamen Interessen, von Rivalität u n d Zusammenarbeit in den Beziehungen der imperialistischen Länder und nationalen Monopolgruppen untereinander. Der Imperialismus bedarf heute eines Mechanismus für die Austra- gung der zwischenimperialistischen Widersprüche und Rivalitäten, in dessen Rahmen sich das Prinzip der Verteilung und Neuauftei- lung von Ausbeutungs- und Einflußsphären nach der "Stärke der Be- teiligten" (W.I. Lenin) durchsetzen kann und gleichzeitig das In- teresse aller am Erhalt des kapitalistischen Systems und an der Entwicklung gegenseitiger ökonomischer Beziehungen gewährleistet wird. Unter den Bedingungen der außerordentlich geringen Wahr- scheinlichkeit eines Krieges zwischen den imperialistischen Hauptmächten und Zentren, angesichts des endgültigen Verschwin- dens der Kolonialreiche und des Entstehens einer großen Zahl sou- veräner Staaten, schließlich auf Grund der zunehmenden gegensei- tigen Beeinflussung und Abhängigkeit der Wirtschaften der kapita- listischen Industrieländer führt der Zugang zu den Märkten des anderen, zu den Rohstoffquellen und zu günstigen Kapitalanlagen auf dem Territorium des anderen zur Nutzung der wissenschaftlich- technischen Errungenschaften des anderen in der heutigen kapita- listischen Welt vorwiegend über die von Lenin als "vertragsmäßige Aufteilung" bezeichnete Form des Rivalitätskampfes, über "Vereinbarungen" und "Abmachungen im Weltmaßstab" zwischen Mono- polverbänden, Kapitalistengruppen und imperialistischen Staaten (auch unter Einschaltung internationaler Organisationen), was na- türlich nach wie vor auch mit Konkurrenzkampf, mit Übervorteilung und Ausnutzung von Ungleichheiten der gegenseitigen Verflechtung, mit politischem Druck und mit unterschiedlichen Positionsgewinnen je nach Stärke der Beteiligten verbunden ist. Bekanntlich haben sich seit Anfang der 80er Jahre die Konkurrenz- kämpfe zwischen den USA, Westeuropa und Japan um die Nutzung der neuen Produktivkräfte, um den größtmöglichen Anteil an neu sich bildenden wie auch traditionellen Märkten, im Bereich der Wäh- rungs- und Finanzbeziehungen außerordentlich verschärft; sie neh- men teilweise wirtschaftskriegsähnliche Formen an. Zugleich ent- wickeln sich - als Mittel dieses Konkurrenzkampfes - auch neue Kooperationsformen zwischen Konzernen, Banken und kapitalisti- schen Staaten. Der staatsmonopolistischen Verbindung von Regulierung und Rivali- tät ist somit ein ständiger innerer Widerspruch eigen, der auf kapitalistischem Boden unüberbrückbar ist. Die internationalen Regulierungsaktivitäten und -formen werden selbst zum Gegenstand von Rivalitätskämpfen und scharfen Konflikten, was immer wieder spontane Wirkungen hervorbringt, durch die die getroffenen Ver- einbarungen durchkreuzt und ihre Effektivität eingeschränkt wer- den. 3.3 Haupttypen regulierter Rivalität - Konflikte und Differenzen ---------------------------------------------------------------- imperialistischer Strategiebildung ---------------------------------- V i e r t e n s hat die Hinwendung zu einer mehr "regulierten Rivalität" zur Folge, daß sich auf der Basis ungleicher und wech- selnder Kräfteverhältnisse sowie unterschiedlicher subjektiver Konzeptionen A u s e i n a n d e r s e t z u n g e n u m d i e A r t u n d W e i s e, u m d e n C h a r a k t e r b z w. T y p d i e s e r R e g u l i e r u n g der zwischenimperiali- stischen Beziehungen entwickeln. Aus dieser Sicht kann man davon sprechen, daß die zwischenimpe- rialistischen Beziehungen in eine sehr komplizierte Entwicklungs- phase eingetreten sind. E i n e r s e i t s geht unter den Be- dingungen der Existenz mehrerer imperialistischer Machtzentren von der heute erreichten Stufe der ökonomischen Interdependenz in der kapitalistischen Weltwirtschaft und von den Nivellierungs- tendenzen im ökonomischen Niveau der führenden kapitalistischen Staaten eine Tendenz zu einem solchen Typ der Regulierung der zwischenimperialistischen Beziehungen aus, der diesen Bedingungen einigermaßen zu entsprechen vermag und der einen Rahmen für die immer wieder erforderlichen Kompromisse und Konsensbildungspro- zesse darstellen kann. Unvermeidlich ist dabei, daß es auch in- nerhalb dieses Rahmens zu ständigen und wechselhaften Positions- kämpfen zwischen den führenden imperialistischen Mächten kommt, zumal diese auf den verschiedensten Gebieten unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. A n d e r e r s e i t s sind die USA in der neuen multipolaren Kräftestruktur nach wie vor die stärkste imperialistische Macht, wollen auf ihre deutliche Hegemonie und die mehr oder weniger rücksichtslose, auf Kosten ihrer "Partner" betriebene Verfolgung ihrer eigenen Interessen nicht verzichten. Die Eigenart der Situation besteht also darin, daß bereits meh- rere imperialistische Machtzentren existieren und darüber hinaus ein hoher Grad gegenseitiger Verflechtung und Abhängigkeit aller vom Zustand der kapitalistischen Weltwirtschaft als Ganzes und von der jeweiligen Lage des "Partners" besteht, was zwar relativ weniger, aber zunehmend auch für die USA gilt, diese aber nach wie vor an ihrer Hegemonialkonzeption festhalten und sie sogar weiter ausbauen. Gerade diese Widersprüchlichkeit prägt auch den gegenwärtigen Prozeß der Internationalisierung des staatsmonopolistischen Kapi- talismus und widerspiegelt sich im tendenziellen Hervortreten von z w e i H a u p t t y p e n (o d e r H a u p t r i c h t u n- g e n) der staatsmonopolistisch regulierten zwischenimperiali- stischen Beziehungen: Der e r s t e ist der h e g e m o n i s t i s c h e T y p, bei dem die Prinzipien, Regeln und institutionellen Formen der Beziehungen zwischen den kapitalistischen Staaten vollständig oder weitgehend durch den Anspruch auf die Führung von Seiten der stärksten imperialistischen Macht, den USA, durch die Forderung nach uneingeschränkter Anerkennung dieses Anspruchs seitens der anderen kapitalistischen Länder und nach Unterordnung ihrer In- teressen unter die des Hegemons geprägt werden. Eine solche Art hegemonistischer Interessenregulierung schließt zwangsläufig eine betont konfrontative "Gemeinsamkeit nach außen", vor allem gegen die sozialistischen Ländern, ein. Die Hauptträger dieser Tendenz sind die reaktionärsten Kreise der staatsmonopolistischen Oligarchie der USA, die sich dabei auf den internationalen Einfluß ihrer transnationalen Monopole und auf die überlegenen militärischen, politischen und ökonomischen Machtpositionen der USA in der kapitalistischen Welt stützen. Den z w e i t e n T y p der Regulierung der zwischenimperiali- stischen Beziehungen könnte man als den k o l l e k t i v - s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e n T y p bezeichnen. Konzeptionelle Vorstellungen dafür und einige Elemente konkreter Formen, Institutionen und Mechanismen entwickelten sich vor allem im Zuge der Herausbildung mehrerer imperialistischer Rivalitäts- zentren. In Kreisen der USA-Monopolbourgeoisie widerspiegelte sich dies in einer Hinwendung zu Konzepten einer mehr kollektiv organisierten Interessenregulierung unter den führenden kapitali- stischen Staaten (wie z.B. im Konzept des "Trilateralismus"), was dem Streben der westeuropäischen Staaten, Japans und anderer kapitalistischer Mächte nach mehr eigenständigem Einfluß auf die Prozesse im imperialistischen Gesamtsystem, auf die verschiedenen Elemente von Vereinbarungen über eine internationale Wirt- schaftspolitik und anderes mehr entgegenkam. Es handelt sich also um ein seinem Charakter nach imperialistisches, von einer Reihe realistischer Elemente der Berücksichtigung veränderter globaler und innerimperialistischer Kräfteverhältnisse und Tendenzen getragenes Anpassungskonzept. Gleichzeitig enthält jedoch auch dieser zweite Typ hegemonisti- sche Elemente, so in Gestalt eines kollektiven Führungsanspruchs der großen kapitalistischen Länder, die zwar untereinander mehr "Gleichberechtigung" akzeptieren, von der großen Zahl mittlerer und kleinerer kapitalistischer Länder aber eine Unterordnung der Interessen unter ihre kollektive Führung, deren Spitze wiederum die USA bilden, verlangen. Die tatsächliche weitere Entwicklung und Ausprägung der staatsmo- nopolistischen Formen zwischenimperialistischer Beziehungen wird mit Sicherheit zu keinem "reinen" Typ führen, sondern zu einer Mischung beider, wobei die bestimmenden Akzente maßgeblich durch den künftigen Verlauf der ungleichmäßigen Entwicklung der Kräfte- verhältnisse zwischen den kapitalistischen Hauptmächten und Zen- tren, aber auch durch die gesamte internationale Lage gesetzt werden. Das f ü n f t e M o m e n t betrifft n e u a r t i g e D i f f e r e n z e n i m B e r e i c h d e r i m p e r i a- l i s t i s c h e n S t r a t e g i e b i l d u n g, die eine ihrer wesentlichen Quellen im Aufeinanderwirken von staatsmonopolistischer Internationalisierung und ungleichmäßiger ökonomischer und politischer Entwicklung, von gemeinsamen und gegensätzlichen Interessen der kapitalistischen Staaten haben. Während sich die Formulierung und Diskussion gemeinsamer stra- tegischer Interessen der "westlichen Welt", "transatlantischer Gemeinsamkeiten" usw. deutlich verstärkt haben, kommt es gleichzeitig z u u n t e r s c h i e d l i c h e n A u f- f a s s u n g e n u n d I n t e r p r e t a t i o n e n ü b e r d e r e n I n h a l t u n d d i e A r t u n d W e i s e i h r e r V e r f o l g u n g. Dies tritt vor allem da hervor, wo es um die Beurteilung der Weltentwicklung als Ganzes und um die künftigen Beziehungen zwischen den Staaten der beiden Gesellschaftssysteme geht. Einen wesentlichen und neu- artigen Einflußfaktor bildet dabei die globale Gefahr einer nuklearen Weltvernichtung, mit der sich heute die internationale Monopolbourgeoisie in ihrer Gesamtheit angesichts des mili- tärstrategischen Gleichgewichts zwischen den USA und der Sowjetunion und angesichts des Standes der Waffentechnik kon- frontiert sieht. So bilden sich mehr oder weniger deutlich zwei für die Außenpoli- tik der sozialistischen Staaten und für die Kampfbedingungen der Friedenskräfte in allen Ländern besonders wichtige unterschiedli- che Strategierichtungen heraus, die sowohl z w i s c h e n den einzelnen imperialistischen Machtzentren und Staaten auftreten als auch - und zwar weitaus stärker als früher - q u e r durch alle kapitalistischen Staaten und Fraktionen der internationalen Finanzoligarchie. E i n e R i c h t u n g sieht das überragende gemeinsame Inter- esse des "Westens" vor allem im Streben nach Wiedererlangung der Herrschaft des Kapitalismus über die ganze Welt, in einer "sozialen Revanche" gegen den Sozialismus und gegen die Fort- schritte der revolutionären Bewegung in der Welt, wodurch dem Ka- pitalismus - auch unter Einsatz militärischer Gewalt - für lange Zeit neuer Expansionsspielraum verschafft werden soll. Diese Richtung wird verkörpert vor allem durch die aggressiven und mi- litaristischen Kreise des USA-Monopolkapitals, die an die militä- rische und ökonomische Überlegenheit der USA und der NATO glauben und auf diesem Wege die Führungsrolle der USA innerhalb des kapi- talistischen Systems und in der Weltentwicklung als Ganzes ver- wirklichen wollen. Die Entwicklung internationaler Formen des staatsmonopolistischen Kapitalismus wird vorrangig unter dieser Zielstellung gesehen und beeinflußt, so daß militärstrategische Aspekte, Elemente des Wirtschaftskrieges, der Bevormundung und des Diktats, selbst den "Klassenpartnern" gegenüber, bei den Kon- zepten einer internationalen staatsmonopolistischen Wirtschafts- regulierung, einschließlich der Beziehungen zu sozialistischen Staaten und zu Entwicklungsländern Priorität genießen oder eine wesentliche Rolle spielen. Die a n d e r e R i c h t u n g des strategischen Denkens be- trachtet die entstandenen internationalen Kräfteverhältnisse und die Existenz von Staaten verschiedener Gesellschaftssysteme zu- mindest für einen längeren Zeitraum als eine Realität, deren ge- waltsame Veränderung oder Überwindung das Risiko eines atomaren Weltkrieges heraufbeschwört. Sie sieht die strategische Priorität im Überleben, im Vermeiden des "letzten Risikos", und in der Kon- zentration der Kräfte auf die Verbesserung der ökonomischen, so- zialen und politischen Funktionsfähigkeit des kapitalistischen Systems verbunden mit dem langfristigen Ziel, auf diesem Weg den Sozialismus in der Welt zurückzudrängen und möglichst gänzlich zu beseitigen. Die Berücksichtigung von ökonomischen und sozialen Zwängen in der Richtung einer stärkeren internationalen Koopera- tion und einer koordinierten internationalen Wirtschaftspolitik im Interesse des besseren Funktionierens und der Ausstrahlungs- kraft des kapitalistischen Systems spielt in den Vorstellungen über die Herausbildung internationaler Formen des staatsmonopoli- stischen Kapitalismus, über entsprechende Vereinbarungen und Me- chanismen zur Regulierung der Beziehungen zwischen den Staaten und Monopolgruppen eine wesentliche Rolle. Neben dem traditionellen imperialistischen Hegemonie- und Welt- herrschaftsstreben, dessen Spitze heute gegen die sozialistischen Länder gerichtet und das besonders stark in den USA ausgeprägt ist, entwickelt sich also tendenziell ein vom Standpunkt des Friedens als Hauptfrage der Weltentwicklung "v e r n ü n f t i g a u f g e f a ß t e s m o n o p o l k a p i t a l i s t i- s c h e s K l a s s e n i n t e r e s s e", das trotz seiner Klassenbedingtheit der von der sozialistischen Staaten vertre- tenen Doktrin der friedlichen Koexistenz und der friedlichen Lösung internationaler Konflikte entgegenkommt. Dieses "vernünftig aufgefaßte Klasseninteresse" des Monopolkapi- tals erwächst aus jenen konkreten wirtschaftlichen und wissen- schaftlich-technischen, kulturellen und politischen Interessen, wie sie in verschiedenen großbürgerlichen Kreisen und mit ihnen verbundenen Gruppen in den vergangenen Jahren in Verbindung mit den Fortschritten im internationalen Entspannungsprozeß, bei der Anwendung der Prinzipien der friedlichen Koexistenz sowie im Pro- zeß der Ausdehnung der internationalen Wirtschaftsbeziehungen, darunter vor allem zwischen Ost und West, gewachsen sind. Es er- wächst aber auch aus dem Erkennen jener Gefahren für das Überle- ben der Menschheit im Zeitalter des Atoms und der Erschließung des Kosmos, die die Klasseninteressen durchdringen und ein alles überragendes, übergreifendes humanistisches Erfordernis darstel- len. Dieses Erkennen äußert sich heute in neuen Denkansätzen quer durch die politischen Parteien in den kapitalistischen Ländern, in neuartigen strategischen Konzeptionen wie in der Konzeption einer "Sicherheits p a r t n e r s c h a f t zwischen Ost und West", in Initiativen zur Einstellung des Wettrüstens und zum Ausbau der Ost-West-Wirtschaftsbeziehungen. All dies steht in einem diametralen Gegensatz zu der nach wie vor dominierenden militärischen Machtpolitik des USA-Imperialismus, seinem Streben nach militärischer Überlegenheit, nach Ausdehnung des Rüstungswettlaufes auf den Weltraum usw., die er versucht, allen anderen kapitalistischen Staaten als gemeinsame Strategie aufzuzwingen und der mehr oder weniger auch alle anderen Berei- che, vor allem die Wirtschaftsbeziehungen untergeordnet werden sollen. Es zeigt sich, daß die Differenzierungsprozesse im Bereich der Strategiebildung viele Zusammenhänge und Parallelen zu den oben genannten unterschiedlichen Typen der Regulierung der /wischenimperialistischen Beziehungen aufweisen. Sie sind gewis- sermaßen ihre weltpolitische Komponente, was insgesamt deutlich macht, daß die Internationalisierung des staatsmonopolistischen Kapitalismus nicht nur alte innerimperialistische Differenzen und Konflikte bestehen läßt, sondern auch neuartige Quellen von Wi- dersprüchen mit großer strategischer Bedeutung hervorbringt. Die weitere Entwicklung dieser Differenzierungsprozesse und un- terschiedlichen Tendenzen, ihr Verhältnis zueinander und die Frage, welche der möglichen Varianten sich als Entwicklungstyp der internationalen Formen des staatsmonopolistischen Kapitalis- mus künftig durchsetzen wird, berühren die Lebensinteressen der ganzen Menschheit. Gerade deshalb verdienen diese Prozesse unsere größte wissenschaftliche und politische Aufmerksamkeit. 4. Hemmnis gleichberechtigter internationaler Zusammenarbeit ------------------------------------------------------------ Eine für die Politik außerordentlich wichtige Erkenntnis der Un- tersuchung der neuen Tendenzen staatsmonopolistischer Internatio- nalisierung besteht darin, daß sich diese Prozesse bei weiter an- haltender und zum Teil wachsender Bedeutung der N a t i o n a l- s t a a t l i c h k e i t im Gesamtsystem der kapitalistischen Weltwirtschaft vollziehen. Jedes der nationalen Monopolkapitale - vor allem der führenden kapitalistischen Länder - ist bestrebt, die Prozesse der Internationalisierung vorrangig in seinem Interesse zu nutzen und sie in einer Richtung zu fördern, die vor allem seinen Wünschen und Zielen am meisten entspricht. So sind die Konkurrenzkämpfe und Rivalitäten der Einzelstaaten, die sich periodisch zu außerordentlich scharfen Formen bis zum Handels- und Wirtschaftskrieg zuspitzen können, auch heute ein immanenter Bestandteil der staatsmonopolistischen Internationalisierung, setzen ihr immer wieder Hindernisse und Schranken entgegen. Dazu kommt, daß die hegemonistischen Ambitionen, wie sie von den stärksten imperialistischen Mächten und vor allem von den USA ausgehen, bei vielen kapitalistischen Ländern geradezu g e- s e t z m ä ß i g T e n d e n z e n d e s S t r e b e n s n a c h G e w ä h r l e i s t u n g e i n e r n a t i o n a l u n a b h ä n g i g e n , e i g e n s t ä n d i g e n ö k o- n o m i s c h e n E n t w i c k l u n g auslösen. Starke Impulse hat das nationalstaatliche Element in der kapita- listischen Weltwirtschaft auch durch den Zusammenbruch des Kolo- nialsystems und das Entstehen einer Vielzahl selbständiger, jun- ger Staaten erhalten. Deren Streben nach politischer und ökonomi- scher Souveränität wird besonders artikuliert durch ihre Forde- rungen nach einer neuen internationalen Wirtschaftsordnung, in der sich ihre nationalen Selbständigkeitsbestrebungen in eine auf neuen Prinzipien beruhende gleichberechtigte internationale Wirt- schaftszusammenarbeit einordnen und mit ihr verbinden sollen. Indem die Internationalisierung des staatsmonopolistischen Kapi- talismus die bestehenden imperialistischen Machtstrukturen kon- serviert und weiter ausbaut, wirkt sie dieser objektiv progressi- ven Tendenz eines gleichberechtigten internationalen Zusammenwir- kens nationaler Volkswirtschaften entgegen und engt damit die Entfaltung der Internationalisierungsprozesse des Wirtschaftsle- bens ein, gibt ihnen monopolistisch begrenzte und einseitige Ent- wicklungsformen. Hierin besteht einer der tiefen inneren Kon- flikte staatsmonopolistischer Internationalisierung. Insgesamt ist die staatsmonopolistische Internationalisierung eine Reaktion des Kapitalismus auf Erfordernisse der Produktiv- kräfte, die heute bereits über den Kapitalismus und die durch seine Produktionsverhältnisse gesetzten Motive und Ziele hinaus- weisen. Das gilt sowohl für die Notwendigkeit der Neugestaltung des Verhältnisses von nationaler und internationaler Wirtschafts- entwicklung in den Ländern, die zum kapitalistischen Weltsystem gehören, als auch für die Bewältigung jener Probleme globalen Charakters, die heute im Grunde genommen alle Völker und Länder der Welt, große und kleine, kapitalistische, sozialistische und Entwicklungsländer in e i n e n e u e A r t w e l t u m- s p a n n e n d e r I n t e r d e p e n d e n z , v o n g l o b a l e r g e g e n s e i t i g e r A b h ä n g i g- k e i t u n d S c h i c k s a l s v e r f l e c h t u n g einbinden. Möglichkeiten und Grenzen der innerhalb des Kapitalismus sich vollziehenden Internationalisierungsprozesse sowie ihren histori- schen Stellenwert wird man zunehmend auch daran messen, wie sie sich zu diesen für die Menschheit als Ganzes lebenswichtigen Er- fordernissen verhalten. Trotz enger werdender Interessenverflechtungen zwischen den Mono- polen und Staaten der kapitalistischen Welt und trotz der allmäh- lichen Herausbildung eines System internationaler staatsmonopoli- stischer Regulierung bleibt die letztlich auf Privateigentum an Produktionsmitteln, Profitstreben und Konkurrenz basierende kapi- talistische Weltökonomie eine Quelle der Instabilität und immer wieder neu entstehender wirtschaftlicher, sozialer und politi- scher Konflikte. Mehr noch. Die sich entfaltende Internationali- sierung verknüpft die kapitalistischen Länder zu einer Art "Krisenverbund", d.h. bildet einen Mechanismus der wesentlich in- tensiveren i n t e r n a t i o n a l e n A u s b r e i t u n g u n d g e g e n s e i t i g e n Ü b e r t r a g u n g v o n K r i s e n p r o z e s s e n unterschiedlichen Charakters, steigert also tendenziell das Krisen- und Konfliktpotential in der kapitalistischen Welt. Zweifellos steht das Monopolkapital dieser Tendenz nicht passiv gegenüber. Da jedoch der staatsmonopolistische Kapitalismus auch auf seiner internationalen Stufe die von seinen Produktionsver- hältnissen gesetzten Schranken für eine gelenkte weltwirtschaft- liche Entwicklung und für gleichberechtigte internationale Zusam- menarbeit der Länder und Nationen, größerer wie kleinerer, nicht überwinden kann, laufen seine Regulierungsbemühungen und sein Krisenmanagement den von ihm selbst ausgelösten Konflikten ständig hinterher, wächst tendenziell sein Regulierungsbedarf zunehmend schneller, als er ihm zu entsprechen vermag. Es ist dies die weitere Entfaltung jenes fehlerhaften Kreislaufes, der seinen Ausgangspunkt mit der staatsmonopolistischen Entwicklung innerhalb der einzelnen Länder nahm, der schon hier innerhalb der herrschenden Kreise immer wieder zu Auseinandersetzungen um "mehr oder weniger Staat" führte und der nunmehr seine Fortsetzung auf internationaler Stufenleiter findet. Schon jetzt ist daher zu erkennen, daß die von der staatsmonopo- listischen Internationalisierung ausgelösten Widersprüche, Hemm- nisse und Gegentendenzen als neue Triebkräfte des weiteren histo- rischen Niedergangs des Kapitalismus wirken werden. Ein Ausweg kann nur auf der Basis alternativer Strategien gefun- den werden, die der transnationalen Monopolexpansion und der Nut- zung der Potenzen des Staates dafür demokratische Prinzipien der Lenkung des internationalen Wirtschaftsaustausches, für die Tä- tigkeit seiner Institutionen und für die Wahrung der nationalen Entwicklungsbedürfnisse im Rahmen solcher Internationalisierungs- prozesse entgegenstellen. _____ 1) Siehe hierzu z.B. die Ausführungen von Heinz Jung zum Krisen- typ des heutigen Kapitalismus in: Jahrbuch des IMSF, 9, 1985, S. 27 ff. sowie: IMSF-Informationsbericht 41, Große Krisen des Kapi- talismus - Lange Wellen der Konjunktur?, Frankfurt/Main 1985; Staatsmonopolistischer Kapitalismus - neue Tendenzen und Wider- sprüche, IPW-Forschungshefte, Nr. 1/1986, Berlin/DDR. 2) Siehe nähere Ausführungen dazu in: IPW-Forschungshefte, 1/1986, a.a.O. 3) Ebenda. 4) W.A. Tscheprakow, Die Kosmopolitisierung der SMK und die In- ternationalisierung des Kampfes der Arbeiterklasse, in: Die Ar- beiterklasse und die heutige Welt, Moskau 1982, Nr. 1, S. 37. 5) W. Sagladin/S. Menschikow/J. Frolow, Karl Marx und der welthi- storische Prozeß der Befreiung des Menschen, in: Kommunist, Mos- kau 1983, Nr. 6, S. 36, 37. 6) "Multis", Proletariat, Klassenkampf, Akademie für Gesell- schaftswissenschaften beim ZK der SED, Berlin 1981, S. 36. 7) W. Martynow, Die wissenschaftlich-technische Revolution und die Widersprüche der kapitalistischen Ökonomik, in: Weltwirt- schaft und internationale Beziehungen, Moskau 1986, Nr. 2. 8) Wir beziehen uns hier auf die von Marx im "Kapital" vorgenom- mene Unterscheidung von drei Arten der Arbeitsteilung, siehe: Karl Marx, Das Kapital, Erster Band, in: Marx/Engels, Werke, Band 23, S. 371 ff. 9) Berechnet nach: Handbook of International Trade and Develope- ment Statistics, UN, New York 1979, 1984. 10) Hierzu geht z. B. Bernhard Roth in seiner interessanten Ar- beit Weltökonomie oder Nationalökonomie, Marburg 1984, ein. 11) MEW, Band 4, S. 456. 12) Siehe Fidel Castro, Die ökonomische und soziale Krise in der Welt, Berlin 1983, S. 39 ff. 13) W.I. Lenin, Werke Bd. 24, S. 465. zurück