Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 11/1986


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ZUM KONZEPT DER ENTWICKLUNGSVARIANTEN DES SMK HEUTE

Heinz Jung 1. Fragestellungen - 2. Theoretische Grundlagen - 3. Die Rolle der Außenfaktoren - 4. SMK-Varianten als Vergesellschaftungstypen - 5. Kräfteverhältnisse und Hegemoniekonstellationen - 6. Anhang 1. Fragestellungen ------------------ Seit den französischen Parlamentswahlen im Frühjahr 1986 sind in den Hauptländern des entwickelten Kapitalismus, die mit selbster- nanntem Mandat auf den Wirtschaftsgipfeln den Ton für die Wirt- schafts- und Gesellschaftsentwicklung angeben, Regierungen an den Schalthebeln der politischen Macht, die mehr oder weniger dem Konzept des konservativen Umbaus des staatsmonopolistischen Kapi- talismus (SMK) oder der weiteren Forcierung entsprechender Ten- denzen verpflichtet sind. Es handelt sich hier um die Regierungen Kanadas, der USA, Japans, der BRD, Frankreichs, Großbritanniens und Italiens. Analoge Tendenzen beherrschen die Szene in einem Großteil der übrigen Länder des entwickelten Kapitalismus 1): in Norwegen, Island, Dänemark, Belgien, den Niederlanden, Irland und in extremen Formen im Kriegskapitalismus Israels und im Rassi- stenregime Südafrikas. Selbst dort, wo sozialreformistische Kräfte die Regierung stellen oder daran beteiligt sind wie in Spanien, Portugal, Österreich, Griechenland, Finnland, Luxemburg, der Schweiz, Schweden, Australien, Neuseeland, setzt die Einord- nung in das System imperialistischer Arbeitsteilung und Verflech- tung restriktive Bedingungen. Um so bedeutsamer sind jene Fälle, wie z.B. Schweden, wo eine den neuen Bedingungen wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Veränderungen entsprechende reformistische Entwicklung beibehalten bzw. durchgesetzt werden konnte. Freilich handelt es sich bei diesen Ländern eher um die geographische und politische Peripherie des entwickelten Kapitalismus und nicht um die Zentren imperialistischer Macht und Entwicklung. Bedeutsam ist nicht nur die g e g e n w ä r t i g e S i t u- a t i o n 2), sondern mehr noch der P r o z e ß i h r e r H e r a u s b i l d u n g. Dieser Prozeß hat seine Wurzeln in jener Konstellation, die in der kapitalismusweiten Krise 1974/75 wirksam geworden war und neue Anpassungsreaktionen der herr- schenden Klasse und des staatsmonopolistischen Systems hervor- rief. Dabei ging es nicht nur um die Durchsetzung der Ver- wertungs- und Profitinteressen im engeren Sinne, sondern es han- delte sich auch um Reaktionen auf die Veränderung der internatio- nalen Verhältnisse. Die Verschärfung des innergesellschaftlichen Klassenkampfes von oben ist verbunden mit einer konfrontativen außenpolitischen Linie. Die Schaffung neuer "institutioneller Rahmenbedingungen" im Inneren korrespondiert mit dem Streben nach Umgestaltung der internationalen Verhältnisse. Deshalb steht die Ausformung konkreter Entwicklungsvarianten des SMK in engem Zu- sammenhang mit der jeweiligen internationalen Stellung des natio- nalen staatsmonopolistischen Systems und der Definition seiner Außeninteressen durch die herrschende Klasse. Die seitherige Entwicklung zeigt, daß es beim Wechsel von sozial- reformistischen zu konservativen Regierungen um mehr geht als um den Austausch bestimmter ideologischer Hegemonievarianten oder wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Doktrinen bzw. die ideologische Einfärbung der entsprechenden Regierungen. Eine sol- che Sichtweise würde der Realität des SMK nicht gerecht, denn sie erfaßt nicht die für den SMK charakteristischen Z u s a m m e n- h ä n g e u n d W e c h s e l b e z i e h u n g e n v o n A k k u m u l a t i o n s t y p, K l a s s e n b e z i e h u n- g e n u n d p o l i t i s c h - i d e o l o g i s c h e n H e- g e m o n i e- o d e r H e r r s c h a f t s v e r h ä l t- n i s s e n, die unter den Bedingungen der Regulierungs- und Strukturkrise des SMK und den durch die wissenschaftlich- technische Revolution hervorgerufenen Umbruchprozessen weniger durch Kontinuität als durch Veränderung geprägt sein müssen. Unter diesen Bedingungen ist die "T y p o l o g i e" d e s S M K 3), die auch im Konzept der Entwicklungsvarianten zum Tra- gen kommt, ein Instrument der Analyse der Veränderungen und ihrer Tendenzen, ihrer wesentlichen Kennzeichen und vor allem ein In- strument zur präziseren Bestimmung alternativer demokratischer Entwicklungsmöglichkeiten und ihrer Inhalte sowie entsprechender strategischer Orientierungen. Dies ist um so wichtiger, als in den Zentren des heutigen Kapita- lismus offenkundig antimonopolistische Umgestaltungen, geschweige denn eine revolutionäre Ablösung des Kapitalismus, nicht auf der a k t u e l l e n T a g e s o r d n u n g stehen. Es geht viel- mehr um die Orientierung auf eine Reformpolitik demokratischen Charakters, in der sich die Kräfte weiterreichender Umgestaltun- gen formieren können. Dies bedingt auf der politischen und ideo- logischen Ebene neue Konstellationen und Gruppierungen, die nicht zuletzt auch die Grundströmungen der Arbeiterbewegung betreffen. So liegt es auf der Hand, daß i n d e r n e u e r e n m a r- x i s t i s c h e n S M K - D i s k u s s i o n d e r V a- r i a n t e n f r a g e z u n e h m e n d e A u f m e r k- s a m k e i t g e w i d m e t wird. 4) Damit folgt die marxistische Kapitalismusanalyse nicht nur jenem Hinweis von Karl Marx, wonach sich ein gleiches sozialökonomisches Grundverhältnis entsprechend der spezifischen historischen, sozialen, kulturellen und ideologischen Bedingungen in einer Vielfalt konkreter Erscheinungsformen durchsetzen kann, 5) sondern auch den Bemer- kungen W.I. Lenins, wonach unterschiedliche Formen der Klassen- herrschaft und Klassenstrategie der Bourgeoisie zu beachten sind 6). Der heutigen Analyse stellt sich die Aufgabe, mit dem Variantenkonzept gerade diese Ansätze anzuwenden und weiter- zuentwickeln. Der vorliegende Beitrag versucht, in diesem Kontext folgende Fra- gen zu erörtern: den Zusammenhang von internationaler Entwicklung bzw. der Entwicklung des imperialistischen Systems und der Durch- setzung bestimmter Varianten der SMK-Entwicklung, die Bestim- mungsfaktoren der Varianten, die sozialökonomischen und poli- tisch-ideologischen Kräftekonstellationen, von denen die entspre- chenden Varianten getragen werden, die Triebkräfte ihrer Diversi- fizierung und ihres Übergangs. Schließlich geht es um das Ver- ständnis der Entwicklung des SMK als eines wesentlich durch den Klassenkampf bestimmten Prozesses, eines Klassenkampfes, dessen aktuelle Dynamik noch nicht die Ebene des Bruchs mit dem kapita- listischen System erreicht, aber darüber zu entscheiden hat, wel- che Bedingungen und Vergesellschaftungsformen die Kräfteverhält- nisse der kommenden Perioden bestimmen werden. 2. Theoretische Grundlagen -------------------------- Die Entwicklung des Variantenkonzepts setzt die A u f f a s- s u n g d e s S M K a l s E n t w i c k l u n g s p h a s e d e s K a p i t a l i s m u s in seinem imperialistischen Sta- dium voraus. 7) Die Durchsetzung und Herausbildung dieser Phase ist irreversibel. Was der Veränderung unterliegt, das sind die Formen und Strukturen, in denen sich die Grundtendenzen des SMK realisieren. Der Abbau etatistischer Regulierungsformen der Ökonomie stellt sich von diesem Ausgangspunkt nicht als Rücknahme des SMK dar, sondern als Umbau. Die Formen, in denen sich der Vergesellschaftungsprozeß realisiert, sind zwar nicht beliebig, aber sie sind in historisch bestimmten "Bandbreiten" für die Gestaltung durch gesellschaftliche Kräfteverhältnisse offen. Diese sind offenkundig nicht nur durch den Klassenkampf bestimmt, sondern betreffen auch die Orientierung der herrschenden Klasse im Blickwinkel internationaler Konkurrenz und Rivalität. Das g r u n d l e g e n d e M e r k m a l d e s S M K, das ihn vom "einfachen Monopolkapitalismus" unterscheidet, ist die Herausbildung eines dauerhaften V e r f l e c h t u n g s- u n d I n t e r a k t i o n s s y s t e m s v o n M o n o p o- l e n u n d S t a a t, das, da es sich auf alle Bereiche und Phasen des Reproduktionsprozesses bezieht, übergreifender Natur ist und generell Wirtschaft und Staat sowie Staat und Gesell- schaft betrifft. Der Staat übernimmt unter diesen Bedingungen nicht mehr nur die politische Garantie der Eigenverhältnisse, sondern ebenfalls die Garantie der Verwertung des ka- pitalistischen Eigentums als Klasseneigentum. Und da im Rahmen der sozialökonomischen Struktur des Kapitals das Monopol- und Fi- nanzkapital die dominierende Struktur darstellt, wird der ent- sprechende Interaktions- und Regulierungsmechanismus durch seine Interessen bestimmt. Aus der Wechselwirkung und Verflechtung pri- vatmonopolistischer sowie finanzkapitalistischer Strukturen und staatlicher Aktivitäten entsteht unter jeweils konkreten histori- schen Bedingungen und Situationen das ökonomische System des SMK. Zwar bedingt die historische Tendenz des Kapitalismus, daß die über Marktbeziehungen vermittelte Selbstregulierungsfähigkeit ab- nimmt und deshalb durch staatliche Korsettstangen kompensiert werden muß. Es handelt sich dabei jedoch nicht um einen linear aufsteigenden Prozeß, sondern um einen wechselvollen Vorgang mit unterschiedlichen Schwerpunkten, dessen Knotenpunkte in den großen Krisen des Systems liegen. 8) Außerdem muß auf jene Phasen aufmerksam gemacht werden, in denen sich die aggressiven und ex- pansionistischen Tendenzen des Imperialismus zu einem Kurs der Kriegsvorbereitung und Aufrüstung verdichten sowie auf die Kriege und militärischen Niederlagen. Dies bedingt in unserem Jahrhun- dert von vornherein die Verstärkung der etatistischen Züge des SMK und führt zu einem Schub im Ausbau des SMK. Analoges gilt auch für jene Perioden, in denen die jeweiligen Monopolbour- geoisien zum Angriff auf den Weltmarkt und zum Aufholen ökonomi- scher Rückstände antreten. Als z w e i t e s g r u n d l e g e n d e s M e r k m a l d e s S M K, das ihn vom "einfachen Monopolkapitalismus" unter- scheidet, muß u.E. auf die H e r a u s b i l d u n g d e r s o z i a l p o l i t i s c h e n F u n k t i o n d e s S M K - S t a a t e s aufmerksam gemacht werden 9) - Ausdruck der Vergesellschaftungsprozesse in der Reproduktion der Bevölke- rung und der Arbeitskraft sowie des Klassenkampfes. Dies betrifft unmittelbar das System der Klassenbeziehungen und seine spezifi- sche Färbung. In die Vergesellschaftungsformen gehen hier die Kräfteverhältnisse ein. Die damit gesetzten Umverteilungsstruktu- ren beeinflussen nachhaltig den gesamten Reproduktionsprozeß des kapitalistischen Systems. Damit sind auf allgemeinerer Ebene die wesentlichen Elemente be- nannt, die im Variantenkonzept berücksichtigt werden müssen. Diese knappe Skizze macht allerdings auch schon darauf aufmerk- sam, daß die Triebkräfte der SMK-Entwicklung kaum verstanden wer- den können, wenn das jeweilige nationale SMK-System nicht als Be- standteil des Imperialismus und darüber hinaus des Gesamtsystems internationaler Beziehungen aufgefaßt wird. Das verweist auf die von W. I. L e n i n b e g r ü n d e t e I m p e r i a l i s- m u s t h e o r i e 10) - und dies betrifft die Aspekte der äußeren und inneren Entwicklung - als allgemeine Grundlage der Analyse. Es kann hier nicht darum gehen, die Grundzüge dieser Konzeption darzulegen und zu entwickeln. Dazu gibt es eine breite Literatur. 11) Es soll nur auf einige Elemente verwiesen werden, die für un- sere weitere Argumentation wichtig sind. Danach besteht das impe- rialistische System aus rivalisierenden Staaten und konkurrieren- den Monopol- und Finanzgruppen. Die Internationalisierung der Wirtschaft vollzieht sich unter diesen Bedingungen in der Haupt- sache über die internationale Monopolisierung. Seiner inneren Struktur nach zerfällt das System des Imperialismus in herr- schende Metropolen und beherrschte und ausgebeutete Peripherien, wobei sich die Herrschaft über ökonomische, politische und mili- tärische Mechanismen realisiert. In diesem System ist eine Gleichgewichtssituation für längere Perioden nicht denkbar, da die Expansionstendenzen der imperialistischen Mächte und Mono- polgruppen jeweils von einer unterschiedlichen Basis und entspre- chend unterschiedlichen Interessen ausgehen, womit die ungleich- mäßige Entwicklung zum allgemeinen Bewegungsgesetz des imperiali- stischen Systems wird und somit zentripetale und zentrifugale Tendenzen gegeneinander wirken. Seit 1917 ist der Imperialismus kein geschlossenes Weltsystem mehr; mit dem Sozialismus und der nationalen Befreiungsbewegung treten ihm nunmehr entgegenwirkende Kräfte auf internationaler Ebene gegenüber - er ist nun nicht mehr nur durch den inneren so- zialen Antagonismus herausgefordert. Die damit entstehenden Ge- gensätze und Widersprüche wirken auf die innere Entwicklung zu- rück und setzen für die Strategiebildung der herrschenden Klasse und damit auch für die Entwicklung des SMK neue Bedingungen. Eine schematische Interpretation dieser Gegensätze, die nur eine Wirkungsrichtung sieht, wird der Realität nicht gerecht. Vielmehr gilt auch für die Bewegung des welthistorischen Antagonismus das Gesetz von Aktion und Reaktion, von Offensive und Gegenoffensive. 3. Die Rolle der Außenfaktoren ------------------------------ Im imperialistischen System der Periode nach dem 2. Weltkrieg kommt dem Imperialismus der USA eine beherrschende Rolle zu. Gleichwohl entsteht damit nur ein System zeitweiligen inner-impe- rialistischen Gleichgewichts, das zunehmend seit den 60er Jahren durch eine trizentristische Struktur in Frage gestellt wird und außerdem unter den Druck der Peripherie kommt. Die USA konnten ihre Rolle nicht allein kraft ihres ökonomischen Potentials spie- len, sondern ein Hauptfaktor war von vornherein ihre militärische Dominanz - abgesichert durch ein kapitalismusweites Stützpunkt- und Militärpaktsystem. Lediglich einige kleinere Länder des ent- wickelten Kapitalismus an seiner geographischen Peripherie konn- ten und können sich der militärischen Pakteinbindung entziehen (so in Europa Österreich, die Schweiz, Schweden und Finnland). Es ist frappierend, daß gerade diese Länder zur Gruppe der Staaten mit relativ niedriger Arbeitslosigkeit gehören, 12) was offen- sichtlich nicht nur mit der Stärke sozialreformistischer Kräfte zusammenhängt, sondern auch mit dem Manövrierraum der nationalen Wirtschafts- und Sozialpolitik und relativ niedrigen Militäraus- gaben. Für den SMK der USA sind in der gesamten Nachkriegsperiode Rü- stung, Militarisierung und Außenexpansion die wesentliche An- triebskraft, die den Ausbau seiner etatistischen Komponenten be- dingen. Sie bringen den Militär-Industrie-Komplex als hinsicht- lich seiner strukturellen und funktionellen Momente charakteri- stische Erscheinung des entwickelten SMK hervor. 13) Das Zusam- menwirken von Staat und Monopolen ist auf diesen Gebieten unab- dingbar und verlangt entwickelte Programmierungsformen. Die Pro- fitinteressen der Rüstungsmonopole bzw. das Streben der Monopole und Finanzgruppen nach Ausweitung ihrer Rüstungskomponente können sich, da Entwicklung und Absatz der Rüstungsproduktion an staat- liche Finanzierung gebunden sind, nur in dem Maß durchsetzen, wie die gesamtstrategischen Optionen der herrschenden Klasse dafür Raum geben und diese in der staatlichen Politik umgesetzt werden können. Der MIK wuchert zwar naturwüchsig, aber nur unter be- stimmten militärstrategischen, gesellschaftlichen, politischen und ideologischen Bedingungen. Der MIK selbst wiederum ist ein wesentlicher Faktor zur Beeinflussung dieser Bedingungen und zur Ausformung der strategischen Optionen des SMK. Es liegt auf der Hand, daß sich mit dem Auswuchern des MIK und einem konfrontativen außen- und militärstrategischen Kurs die Züge einer staatsmonopolistischen Entwicklungsvariante ausprägen, die in Anlehnung an W.I. Lenin als s t a a t s m o n o p o- l i s t i s c h e r R ü s t u n g s- u n d K r i e g s k a- p i t a l i s m u s 14) bezeichnet werden kann und für deren ökonomische Orientierung eine Art Rüstungskeynesianismus charak- teristisch ist. Dies trifft in der Tat für die realen "Reaganomics" zu - ganz im Gegensatz zu ihren ideologischen Ansprüchen. Denn für alle Strömungen des Konservatismus und Neokonservatismus, einschließlich der Hauptspielarten der neoliberalen Marktwirtschaftsideologie, hat der starke politische Staat nach innen und außen nahezu absolute Priorität, was notwen- digerweise den forcierten Ausbau der Militär- und Repressionsap- parate dann einschließt, wenn äußere und/oder innere Bedrohungen geortet werden. Wenn man nach den Ursachen für die irrational-hysterischen anti- kommunistischen und antisowjetischen Reaktionen in der US-ameri- kanischen Öffentlichkeit fragt, die unter Reagan den Status von Regierungspolitik erlangt haben, dann reflektiert sich darin - vor allem in Verarbeitung der Niederlage in Vietnam und anderswo - auch die Position des US-Imperialismus in der welthistorischen Umbruchepoche und die Erkenntnis seiner globalen Grenzen. Das Ge- bräu aus Messianismus, sektenhaftem ideologischem Eiferertum, dem Kanon der amerikanischen Werte, sozialökonomischem und technolo- gischem Chauvinismus hat sich zunehmend seit Mitte der 70er Jahre zu jener n e o k o n s e r v a t i v e n H e g e m o n i e- v a r i a n t e verdichtet, 15) die den Reagankurs ideologisch abstützt, die Deutungsmuster der Situation liefert und die Wählermassen für den Reagan-Kurs mobilisiert. Schon Ende der 70er Jahre wird offenkundig, daß sich der amerika- nische Imperialismus mit der militärstrategischen Parität nicht abfinden will, sondern offen Kurs darauf nimmt, eine Militärstra- tegie der Siegfähigkeit auf allen Ebenen materiell abzusichern, was in den Rüstungsschub unter der Reagan-Administration mündet. 16) Dies schließt eine Modififzierung der politischen Optionen auf allen wichtigen Feldern der Außenbeziehungen der US-Imperia- lismus ein: die militärstrategische Führerschaft des Imperialis- mus soll generell in ein z e n t r i s t i s c h e s H e g e- m o n i e s y s t e m 17) umgemünzt werden; die Erstschlag- funktion der in Westeuropa stationierten Mittelstreckenraketen und die entsprechend geminderte "Sicherheit" sollen als Er- pressungsmittel dienen - auf dem Hintergrund des SDI-Projektes -, um die Selbständigkeitstendenzen Westeuropas - analog Japans - zu beschneiden und das westeuropäische imperialistische Zentrum in einem untergeordneten Status zu halten; der Konfrontationskurs soll mit den Knüppeln der neuen Militärstrategie den Sozialismus destabilisieren - über das aufgezwungene Wettrüsten sozial und ökonomisch -, seinen internationalen Einfluß ausschalten und ihn erpreßbar machen ; die dritte Welt soll in die Funktion der Peri- pherie des Imperialismus zurückverwiesen und auf einem aus- schließlich kapitalistischen Entwicklungsweg gehalten werden. Letztlich, und dies ist der harte Kern des heutigen "amerikanischen Traums", sollen politisch-militärische Macht und Überlegenheit ("USA - number one!") in unbegrenzte ökonomische Expansions- und Profitmöglichkeiten umschlagen. Wären die USA irgendeine kleinere Macht, könnten diese Ambitionen unter "Träume an texanischen und kalifornischen Kaminen" abgehakt werden. Es handelt sich jedoch um den offen bekundeten Kurs einer imperialistischen Großmacht mit dem größten technologischen und ökonomischen Potential der heutigen Welt, mit dem weitverzweigte- sten globalen Stützpunktsystem und den fürchterlichsten Vernich- tungsmitteln in der bisherigen Geschichte. Dies macht die Brisanz der gegenwärtigen Situation aus und schließt weitreichende Aus- wirkungen auf die innergesellschaftliche Entwicklung der Länder des SMK ein. Die i n n e r g e s e l l s c h a f t l i c h e n W u r z e l n dieses Kurses sind die vom Monopol-und Finanzkapital ausgehenden Interessen und Tendenzen, wie sie besonders als Reaktion auf die Struktur- und Regulierungskrise wirksam wurden. Die neokonserva- tive Revitalisierungsstrategie stellt hier wie anderswo in den Mittelpunkt: Die Ausschaltung des Einflusses der Arbeiterklasse, vor allem der Gewerkschaften, unter voller Nutzung der Wirt- schaftskrise sowie die Ausschaltung demokratischer Bewegungen; die Minimierung und den Umbau des Systems der Sozialpolitik; die Steuerentlastung der Reichen und Unternehmen (Angebotspolitik); die Präferenz für privatmonopolistische Mechanismen usw. Führte also die Durchsetzung der neuen Militär- und Globalstrate- gie zur Verdrängung der pragmatisch-realistischen Strömung der US-Monopolbourgeoisie von den Zentren der politischen Macht, so erfolgte gleichlaufend die Ausschaltung der Kräfte des staatsmo- nopolistischen Reformetatismus, die vor allem in den 60er Jahren einflußreich waren. Diese Verlagerungen entsprachen jenen Macht- verschiebungen, die sich in der Monopolbourgeoisie in Auswirkung der Krise und der volkswirtschaftlichen Strukturänderungen erge- ben hatten und die in den USA starke regionale Akzente besitzen. Damit wurden die U S A z u m i n t e r n a t i o n a l e n Z e n t r u m u n d B e z u g s p u n k t j e n e r k o n- s e r v a t i v e n u n d k o n f r o n t a t i v e n K r ä f- t e, die in ihren Ländern eine analoge Veränderung des SMK anstrebten und anstreben, eine Richtung, die Mitte der 80er Jahre die Szene in den Hauptländern des Imperialismus bestimmt. Diese Anpassungsreaktionen der staatsmonopolistischen Systeme ge- hen jedoch in den einzelnen imperialistischen Zentren und Ländern von unterschiedlichen Voraussetzungen aus. Obwohl Kanada z.B. faktisch Bestandteil des ökonomischen Integrationsraumes Nordame- rika und nicht zuletzt Aktionsfeld der US-Konzerne ist, hat sich hier stärker als in den USA ein System der Sozialpolitik und staatlicher Wirtschaftsaktivitäten geprägt, was dem konservativen Trend modifizierte Bahnen aufzwingt. In Japan ist auf dem Gebiet der Wirtschaftsaktivitäten die etati- stische Komponente des SMK stark ausgeprägt und zentriert sich um die Forcierung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und die Umsetzung seiner Produkte in Prozeß- und Produktinnovationen sowie um die Förderung der ökonomischen Außenexpansion. Ökono- misch ist in den letzten Jahrzehnten Japan der dynamischste Fak- tor des imperialistischen Systems. Die Rüstungsbelastung ist ge- ring und die Stimulierung des wissenschaftlich-technischen Fort- schritts ist auf die zivile Produktion gelenkt. Die schnelle Ak- kumulation des japanischen Monopolkapitals fußt nicht zuletzt auf der Ausbeutung eines breiten kleinbetrieblichen Sektors und auf paternalistisch gefärbten Sozial- und Klassenbeziehungen. Die Ge- werkschaftsbewegung ist zersplittert und in den Konzernen meist nur mit extrem sozial-integrationistischen Organisationen prä- sent. Die politische Vorherrschaft der Konservativen, Hauptpartei und Sammelbecken der Monopolbourgeoisie, ist auf der zentral- staatlichen Ebene bis zur Gegenwart unangefochten. Unter diesen Bedingungen ist die sozialpolitische Funktion des SMK-Staates vergleichsweise nur schwach entwickelt. Man kann somit von einer v o l l d u r c h d i e M o n o p o l e k o n t r o l- l i e r t e n u n d i n s t r u m e n t a l i s i e r t e n e t a t i s t i s c h e n E n t w i c k l u n g s v a r i a n- t e des SMK sprechen, die auf ökonomische und politische Außenexpansion gerichtet ist. Hieraus resultieren ihre Haupt- probleme und Gegensätze zu den anderen imperialistischen Zentren und Gruppierungen. Bei allen Abstufungen und Unterschieden gilt für die k a p i- t a l i s t i s c h e n L ä n d e r E u r o p a s, daß die Arbeiterklasse stärkere Positionen als in den anderen Zentren einnimmt, 18) die Monopolbourgeoisie zu ausgeprägteren Klassen- kompromissen gezwungen war, was sich in z.T. institutionalisier- ten Formen der Sozialpartnerschaft und in einem ausgebauteren Sy- stem der Sozialpolitik niedergeschlagen hatte. Dies gilt ver- gleichsweise auch für die staatlichen Wirtschaftsaktivitäten, einschließlich des staatlichen Wirtschaftssektors, obwohl in For- men und Orientierungen zwischen den einzelnen Ländern beachtliche Unterschiede bestehen. Die ökonomische Verflechtung der westeuro- päischen Länder ist eng und hat sich besonders zwischen den EG- Mitgliedstaaten verdichtet. Die Rückwirkungen auf den Spielraum nationaler Wirtschafts- und Sozialpolitik sind beachtlich. Bis auf einige kleinere Staaten gehören die westeuropäischen Länder der Nato an, was ihnen beträchtliche Rüstungslasten aufzwingt und in den Hauptländern zur Herausbildung von Militär-Industrie-kom- plexen geführt hat. In Reaktion auf die seit Mitte der 70er Jahre offenkundig gewor- dene Struktur- und Regulierungskrise des SMK hat sich in den Kern- und Hauptländern Westeuropas bis Mitte der 80er Jahre suk- zessive der Kurs zu einer privatmonopolistischen Entwicklungsva- riante des SMK unter konservativen Ideologie-und Herrschaftskon- stellationen durchgesetzt oder sind im gesellschaftlichen und po- litischen Leben zunehmend Rechtsverschiebungen wirksam geworden. Gab es 1974/75 unter den 6 Gründungsländern der EG (Frankreich, Italien, BRD, Belgien, Niederlande, Luxemburg) und Großbritannien noch 4 Staaten mit Regierungen unter führendem oder starkem Ein- fluß sozialreformistischer Kräfte, so ist dies 1985/86 im weite- sten Sinn nur noch in Luxemburg der Fall. 19) Gleichwohl verweisen hier verschiedene Indikatoren (Zwischenwah- len, ungebrochene Widerstandsfähigkeit der Gewerkschaften, demokratische Bewegungen, Widerstand gegen die Aufrüstung u. a.) auf ein l a b i l e s p o l i t i s c h e s K r ä f t e- v e r h ä l t n i s, 20) das einen politischen Szenenwechsel möglich erscheinen läßt. Wie auch immer, Westeuropa ist heute das Hauptfeld der Auseinandersetzung um die gesellschaftspolitische Orientierung des SMK und damit um die zukünftige Entwick- lungsvariante des SMK. Notwendigerweise ist diese Auseinan- dersetzung sehr eng mit außen- und sicherheitspolitischen Orien- tierungen verbunden, die vor allem die Beziehungen zu den USA betreffen. Denn von der vielbeschworenen atlantischen Werte- gemeinschaft kann angesichts des Kurses des US-Imperialismus für die eine potentielle etatistisch-reformistische Variante des SMK tragenden Kräfte immer weniger die Rede sein. Schon diese kursorische Übersicht macht deutlich, daß der aus- schließliche Vergleich bestimmter Kennziffern und Strukturen zu einer formalen Betrachtung führen müßte. Statt dessen muß die un- terschiedliche Ausgangsbasis entsprechend der Struktur des heuti- gen Imperialismus Beachtung finden. Wenn vom w e s t e u r o p ä i s c h e n Z e n t r u m d e s h e u t i g e n I m p e r i a l i s m u s gesprochen wird, 21) dann muß die Frage aufgeworfen werden, welcher Realitätsgehalt diesem Begriff zukommt und wie er gefaßt werden muß. In der Struktur des westeuropäischen Kapitalismus reproduziert sich das für den Imperialismus typische Metropole-Peripherie-Verhältnis in spezifischer Weise. Die Rivalität der imperialistischen Staaten ist nicht aufgehoben, aber die einzelnen Staaten müssen zur Durchsetzung ihrer Interessen mehr und mehr eine Abstimmung mit ihren westeuropäischen Partnern und Rivalen zu erreichen suchen, da ihr Einzelgewicht auf der internationalen Ebene, vor allem wenn es um Interessen gegenüber den USA oder auch Japan geht, zu gering ist. Das zeigt sich besonders auf den Wirtschaftsgipfeln und in internationalen Gremien und Organisationen sowie der Nato. So sehr einzelne Staaten und dabei besonders die BRD bestrebt sind, aus einer Juniorpartnerrolle des US-Imperialismus besondere Vorteile zu ziehen, so müssen sie sich doch aus den verschieden- sten Gründen gegen einen hegemonistischen Typ innerimperialisti- scher Beziehungen wenden und auf einem S y s t e m k o l- l e k t i v e r i m p e r i a l i s t i s c h e r H e r r- s c h a f t bestehen, das ihnen einen größeren Einfluß auf der internationalen Bühne ermöglicht. Dies betrifft vor allem die Ost- und die Nord-Süd-Politik. Aus diesen Gründen bildet sich ein objektiver Rahmen der Herausbildung w e s t e u r o p ä i- s c h e r I n t e r e s s e n. Es liegt in der Natur anta- gonistischer Gesellschaften, daß die unterschiedlichen Klas- senkräfte damit verschiedene Optionen und Orientierungen ver- binden müssen. Stellt sich die EG z.B. heute von ihrem sozialökonomischen Inhalt und ihrer sozialpolitischen Grund- funktion als Rückversicherungssystem der Monopolbourgeoisien zur Erhaltung und Realisierung ihrer Macht dar, so muß es der Arbei- terklasse und der demokratischen Bewegung auf der anderen Seite darum gehen, auch auf dieser Ebene Einfluß zu erlangen. Die A b k o p p e l u n g v o m K o n f r o n t a t i o n s k u r s d e s U S - I m p e r i a l i s m u s i s t u n t e r d e n h e u t e g e g e b e n e n B e d i n g u n g e n e i n e w i c h t i g e V o r a u s s e t z u n g , u m e i n e n K u r s d e m o k r a t i s c h e r u n d s o z i a l e r R e f o r m e n, d e r s i c h i m R a h m e n e i n e r r e f o r m i s t i s c h - e t a t i s t i s c h e n E n t- w i c k l u n g s v a r i a n t e d e s S M K G e l t u n g v e r s c h a f f e n k ö n n t e , d u r c h z u s e t z e n. Die Krise und der imperialistische Konfrontationskurs haben gra- vierende Auswirkungen vor allem auf die E n t w i c k l u n g s- l ä n d e r. 22) Die Verschuldung und der steigende Reichtums- transfer aus diesen Ländern sind dafür der offenkundigste Beleg. Die Rohstoffkartelle der Entwicklungsländer sind weitgehend zusammengebrochen und dies hat erneut zu einer Umkehr der terms of trade geführt. Gerechte Lösungen in Richtung einer demo- kratisierten neuen Weltwirtschaftsordnung sind blockiert. All dies befördert die Stagnationstendenzen des Weltmarktes und setzt gerade der Wirtschaftsentwicklung der exportorientierten west- europäischen Länder restriktive Bedingungen, wie sehr billige Rohstoffpreise auch zeitweilig zur Dämpfung der Inflation und zur Erhöhung der Profite beitragen mögen. Die U n g l e i c h m ä ß i g k e i t d e r E n t w i c k- l u n g charakterisiert auch den heutigen Imperialismus. Die Internationalisierung der Konzerne und des Finanzkapitals hat zwar die Zusammenhänge enger gemacht, aber nicht zur Angleichung des Entwicklungsniveaus und -tempos geführt. Verlierer der jüngsten Periode ist offenkundig Westeuropa. 23) Jedoch muß beachtet werden, daß sich die strategischen Felder der inter- nationalen Konkurrenz verlagert haben. Dies betrifft zum einen den T e c h n o l o g i e w e t t- b e w e r b. Früher war auch seitens der marxistischen Analyse angenommen worden, daß vom Monopol hinsichtlich der Durchsetzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts und gar der wissenschaftlich-technischen Revolution vorwiegend stagnative Tendenzen ausgehen. Die zunehmende Stufe der internationalen Monopolisierung hat jedoch dazu geführt, daß dieses Gebiet zu einem strategischen Feld der internationalen monopolistischen Konkurrenz wurde, um das sich heute in hohem Maße die Entwicklung des SMK zentriert. Denn die Internationalisierung hat zwar zur Transnationalisierung des Aktionsrahmens der Konzerne und zu neuen Kartellisierungsformen geführt, nicht aber oder nur in Ansätzen zur Multinationalisierung ihrer Eigentumsbasis. Somit bleibt die Bindung der Monopole an ihre nationale Basis bestehen; gleichzeitig verschärfen sich jedoch die W i d e r s p r ü c h e z w i s c h e n d e n E r f o r d e r n i s s e n d e s B i n n e n m a r k t e s u n d d e r A u ß e n o r i e n- t i e r u n g d e r M o n o p o l e. Diese Widersprüche finden eine Lösung derart, daß die Modernisierung unter Gesichtspunkten der Weltmarktkonkurrenz und generell die Förderung der Außenexpansion zu den obersten Maximen der wirtschaftspolitischen Orientierung der nationalen Systeme des SMK werden, die ihren Rang nur noch durch die Rüstungsorientierung des MIK streitig gemacht bekommen. In der Förderung des Rüstungsexports finden die widerstreitenden Prioritäten eine Synthese. Zum anderen werden unter den neuen Bedingungen der Internationa- lisierung des Wirtschaftslebens Preissteigerungsraten, Wechsel- kurse, Zinsraten usw., also m a k r o ö k o n o m i s c h e G r ö ß e n, nicht nur zu F a k t o r e n d e r i n t e r- n a t i o n a l e n K o n k u r r e n z der nationalen Kapi- tale, sondern auch zu d e r e n I n s t r u m e n t e n. Ihre Beeinflussung durch die Wirtschaftspolitik des Staates in dieser oder jener Richtung liegt nun im unmittelbaren Expansionsin- teresse der Monopole. Im Rahmen der Einbindung der einzelnen Staaten in Integrationsräume bzw. imperialistische Zentren, Wirtschaftsabkommen, internationale Organisationen und Institu- tionen ist dies jeweils nur in engen Bandbreiten möglich. Die jeweiligen imperialistischen Kräfteverhältnisse drücken somit auch den makroökonomischen Größen ihren Stempel auf. Um hier die gängigsten Beispiele zur Erläuterung heranzuziehen: Niedrige Preissteigerungsraten - im Verhältnis zur Konkurrenz - begünstigen den Export, ebenfalls sogenannte Geldwertstabilität. Sie sind nur zu erreichen durch eine rigide Austeritätspolitik, die die binnenwirtschaftliche Entwicklung beschneidet - mit all den bekannten Folgen der Krisenverschärfung (so im Fall der BRD). Hochzinspolitik zieht Kapital an. Damit kann z. B. die inflationäre Defizitfinanzierung, die in den USA infolge der wachsenden Rüstungsausgaben notwendig geworden wäre, umgangen werden. Freilich steigt damit die Staatsverschuldung. Profiteur ist das Finanzkapital. Ein solcher Kurs hat weltweite Auswirkungen und ist nur einem imperialistischen Zentrum wie den USA möglich. Diese Art der parasitären Finanzierung geht letzt- lich auf Kosten des Restes der imperialistischen Länder und der dritten Welt. Wir erörtern hier nicht die objektiven Grundlagen dieser Politik, die in der krisenbedingten strukturellen Überak- kumulation liegen, sondern wollen nur illustrieren, daß und wie die genannten Größen auch zu Instrumenten der internationalen Konkurrenz werden und damit zu Zielmarken der Strategie des je- weiligen SMK: W i r t s c h a f t s p o l i t i k i m D i e n s t u n d a l s I n s t r u m e n t i m p e r i a- l i s t i s c h e r K o n k u r r e n z u n d R i v a l i- t ä t. Zusammenfassend kann festgestellt werden: Unter den Bedingungen eines "wachsenden Sockels" 24) außenwirtschaftlicher und außenpo- litischer Einbindung der einzelnen nationalen Systeme des SMK ist der Außenfaktor für die Strategie der Monopolbourgeoisie ein er- strangiger Faktor. Dies betrifft auch die jeweiligen Entwick- lungsvarianten des SMK. Die Hegemonialstrategie des US-Imperia- lismus ist dabei von übergreifender Bedeutung, weil sie alle wichtigen Aspekte der Außenbeziehungen der imperialistischen Staaten berührt. 4. SMK-Varianten als Vergesellschaftungstypen --------------------------------------------- Versucht man den Unterschied der Entwicklungsvarianten, wie wir sie im SMK von heute vorfinden, zu kennzeichnen, dann handelt es sich um u n t e r s c h i e d l i c h e T y p e n s t a a t s- m o n o p o l i s t i s c h d e f o r m i e r t e r V e r g e- s e l l s c h a f t u n g, die sich in unterschiedlichen Interaktionssystemen von Staat und Monopolen auf der einen und unterschiedlichen Systemen der Klassenbeziehungen auf der anderen Seite realisieren. Dies wird auch in der Begriffsbildung "reformistisch-etatistisch" und "konservativ-privatmonopoli- stisch" zum Ausdruck gebracht. 25) Diese Begriffsbildung fixiert auf relativ abstrakter Ebene wesentliche Unterschiede in den Be- wegungsformen des SMK, die mit entsprechenden Klassenstrategien des SMK, die eine unterschiedliche Art und Weise der Bewältigung der Krisenprozesse und Widersprüche betreffen, angestrebt werden. In diesem Sinne handelt es sich um unterschiedliche Anpassungsre- aktionen auf veränderte Existenzbedingungen des SMK. Die in den Unterschied eingeschlossene Möglichkeit des Gegen- satzes ist allerdings nichtantagonistischer Natur und bezieht sich auf unterschiedliche Optionen im Rahmen der herrschenden Klasse und der das System des SMK tragenden Kräfte, in denen freilich immer auch entsprechende "fraktionelle" Interessen zum Ausdruck kommen. Die Herausbildung und Durchsetzung dieser Stra- tegien ist an bestimmte soziale und politische Kräfteverhältnisse gebunden und zielt auf deren Beeinflussung und Veränderung. Ähn- lich wie die politisch-staatlichen Herrschaftsformen berühren sie die substanziellen Lebensinteressen der Arbeiterklasse und zwar in allen gesellschaftlichen Bereichen. Sie betreffen nicht zu- letzt die Spielräume zur Organisierung und Entfaltung ihrer Ge- genmacht und damit die Möglichkeiten zur Durchsetzung ihrer demo- kratischen und sozialen Interessen. Ob die Anpassung des SMK auf ihre Kosten und zu ihren Lasten erfolgt oder ob andere Auswege aus der Krise beschritten werden können und beschritten werden, entscheidet sich auch in der Auseinandersetzung um die Entwick- lungsvarianten des SMK. Die oben genannten alternativen Entwicklungsmöglichkeiten haben sich vor allem in Westeuropa herausgebildet. Die durch den Staat organisierten und die durch ihn repräsentierten Vergesellschaf- tungsformen, also der E t a t i s m u s, müssen im Zusammenhang und auf dem Hintergrund der bestehenden bürgerlich-parlamentari- schen Repräsentativsysteme und der politischen Kräfteverhältnisse in Westeuropa beurteilt werden, die es unter Bedingungen des Auf- schwungs des Klassenkampfes der Arbeiterklasse ermöglichen, Ein- fluß auf der politisch-staatlichen Ebene auszuüben. Demgegenüber entziehen sich privatmonopolistische und durch das Monopolkapital unmittelbar kontrollierte Vergesellschaftungsformen weitgehend der Einflußnahme. Ihre Stärkung ist das Ziel des konservativen Kurses. Dort, wo sich reaktionäre Regime fest etabliert haben, deren Hauptstützen gerade die Staatsapparate sind, muß der Etatismus grundsätzlich anders bewertet werden, da gerade er das Reformele- ment und die Organisierung der Arbeiterklasse und der Kräfte der Demokratie ausschließt. Er stellt sich hier als b ü r o k r a- t i s c h - a u t o r i t ä r e r E t a t i s m u s und Haupt- hindernis jeder fortschrittlichen Entwicklung dar. Das gilt zugespitzt für faschistische Regime und Militärdiktaturen (Griechenland, Spanien, Portugal bis in die 70er Jahre). Die Durchsetzung privatmonopolistischer Entwicklungsvarianten kann hier die Verstärkung des demokratischen und reformistischen Elementes für die gesamtgesellschaftliche Entwicklung fördern. Wie weiter vorn schon behandelt, schließt das Auswuchern des M i l i t ä r - I n d u s t r i e - K o m p l e x e s immer auch den Ausbau der e t a t i s t i s c h e n K o m p o n e n t e des SMK ein. Der Militarismus zwingt sich der Gesellschaft gerade über den Staat auf und fördert alle reaktionären Tendenzen des Imperialismus in extremer Weise, vernichtet oder deformiert alle demokratischen Formen - selbst wenn das bürgerlich-parlamentari- sche Repräsentativsystem bestehen bleibt und kein Wechsel der Staatsform vollzogen wird. Der sich damit herausbildende staats- monopolistische Rüstungs- und Kriegskapitalismus schaltet somit ebenfalls die demokratischen und Reformelemente aus. Dies ist ein Prozeß, der sich in den USA gegenwärtig vollzieht, und der eine besondere Ausprägung in Israel und Südafrika gefunden hat. Wenn wir f ü r W e s t e u r o p a a l s d i e u n t e r d e n k o n k r e t e n B e d i n g u n g e n a l t e r- n a t i v e n E n t w i c k l u n g s v a r i a n t e n d i e k o n s e r v a t i v - p r i v a t m o n o p o l i s t i s c h e u n d d i e r e f o r m i s t i s c h - e t a t i s t i s c h e benannt haben, so schließt das nicht aus, daß sich mit dem Auswu- chern des MIK unter dem Druck des US-Imperialismus und der reak- tionären Kräfte der jeweiligen Länder nicht auch ein ähnlicher Prozeß wie in den USA vollziehen und sich ein Übergang von der konservativ-privatmonopolistischen SMK-Variante zum staatsmonopo- listischen Rüstungs- und Kriegskapitalismus realisieren kann. Die Ausprägung des politisch starken Staates, konkret des autoritären Sicherheits- und Überwachungsstaates, der ja in der Sicht der Konservativen die Garantie und ultima ratio ihres Gesellschafts- modells ist, das auf den Sozialkompromiß verzichten will, bietet die Gewähr für den fließenden Übergang. Diese Tendenzen sind heute weder für die BRD noch für England oder Frankreich von der Hand zu weisen. Und sie würden sich gewissermaßen stufenlos unter den Bedingungen des japanischen SMK mit seiner ausgeprägt etati- stischen Komponente durchsetzen, wenn diesem Land durch den US- Imperialismus ein Aufrüstungs- und Konfrontationskurs aufgezwun- gen würde und sich dort die reaktionär-militaristischen Kräfte durchsetzen. Die genannten Alternativen der Entwicklung des westeuropäischen Kapitalismus treten nicht erst mit der Krisenkonstellation von Mitte der 70er Jahre in die Welt. Sie bestehen unter anderen kon- kreten Bedingungen und Triebkräften auch schon früher. Die H e r a u s b i l d u n g e i n e s r e f o r m i s t i s c h - e t a t i s t i s c h e n E n t w i c k l u n g s t y p s i n d e r N a c h k r i e g s p e r i o d e hatte ihre wesentliche Triebkraft im politischen und sozialen Druck der Arbeiterklasse, der die Bourgeoisie zu einer Linie des Sozialintegrationismus und des sozialen Kompromisses zwang, was unter veränderten Kon- stellationen auch in den 60er Jahren wirksam wurde. Der "Sozial- und Wohlfahrtsstaat" war das Produkt dieser Bedingungen. Er und die darin involvierten Klassenverhältnisse mußten jedoch zum Fixpunkt des Angriffs der Monopolbourgeoisie und der Kon- servativen werden, als die Struktur- und Regulierungskrise des SMK Mitte der 70er Jahre offen ausbrach. D i e T e n d e n z d e s k o n s e r v a t i v e n U m b a u s findet in den ein- zelnen Ländern unterschiedliche Bedingungen und Kräfteverhält- nisse vor, was einen allgemeinen "Durchmarsch" nicht möglich macht. Vielmehr kommt es zu einer stufenweise Durchsetzung. In "reinster" Form verkörpern sich die Entwicklungsvarianten Mitte der 80er Jahre etwa in Großbritannien auf der einen und in Schweden auf der anderen Seite. In den übrigen nordischen und in den Benelux-Ländern kommt es zu Abstufungen von der einen oder anderen Seite zur Mitte hin. In den südeuropäischen Ländern (Griechenland, Spanien, Portugal) mit vergleichsweise schwach entwickeltem Monokapitalismus und besonderer Krisenbetroffenheit blockieren die sozialen und politischen Kräfteverhältnisse die konservativen Anpassungsreaktionen des Überbaus, und die Bewegung zur Mitte - d.h. hier nach rechts - vollzieht sich unter sozialreformistischen Regierungen. Wir verwenden den Betriff "Etatismus" für die durch den Staat or- ganisierten ökonomischen und sozialen Prozesse, eine dementspre- chende Orientierung und einen entsprechenden Kurs. Es handelt sich also um d u r c h d e n S t a a t o r g a n i- s i e r t e V e r g e s e l l s c h a f t u n g s p r o z e s- s e, um eine Vergesellschaftung von "oben", die mehr oder weniger Elemente der Bewußtheit enthält. Auf dieser Ebene erscheint uns die Entgegensetzung von Vergesellschaftung und Verstaatlichung nicht gerechtfertigt. Auch die durch das Einzelkapital und seine Zusammenschlüsse unmittelbar geschaffenen Strukturen sind Ausdruck des Vergesellschaftungsprozesses. Sie realisieren sich allerdings, soweit sie sich über Konkurrenz- und Marktmechanismen bewegen, mehr oder weniger spontan, bleiben aber unter der Kontrolle des Privatkapitals, bzw. der Konzerne und Großbanken. Freilich kann es sich im Rahmen des SMK bzw. der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft immer nur um F o r- m e n d e f o r m i e r t e r V e r g e s e l l s c h a f- t u n g handeln, weil sie durch den sozialen Antagonismus geprägt sind und die Produzenten in ein Herrschafts- und Ausbeutungssystem zwängen. V e r g e s e l l s c h a f t u n g i m S i n n e d e s g e s e l l s c h a f t l i c h e n F o r t s c h r i t t s und der Emanzipation der Produzenten bedeutet demgegenüber die Schaf- fung solcher gesellschaftlichen Verhältnisse, unter denen die Produzenten den Lebensprozeß der Gesellschaft bewußt gestalten und kontrollieren. Dies ist nur möglich, wenn an die Stelle der kapitalistischen sozialistisch-kommunistische Eigentumsverhält- nisse treten. Gemeineigentum, soziale Gleichheit, Planwirtschaft, Demokratie sind ihre unverrückbaren Kennzeichen. Eine solche Ent- wicklungstendenz verkörpert heute der reale Sozialismus. Verge- sellschaftung bedeutet nicht die Aufhebung der durch die moderne Produktion bedingten, komplexen gesellschaftlichen Zusammenhänge und der ihnen entsprechenden Kooperationsbeziehungen, sondern de- ren bewußte Kontrolle und Gestaltung durch eine hochorganisierte Gesellschaft, deren Entwicklungsmaßstab die freie Entfaltung der Individualität der Menschen ist. Selbst wenn der heutige Sozia- lismus bis zu einem solchen Zustand noch einen weiten Weg zu durchmessen haben wird, so trennen ihn doch schon heute auch un- ter diesem Blickwinkel selbst von den hochorganisierten Systemen des SMK Welten. Die F o r m e n e t a t i s t i s c h e r V e r g e s e l l- s c h a f t u n g im SMK weisen vom Standpunkt der Möglichkeit der Einflußnahme durch die Arbeiterklasse wichtige Unterschiede auf. 26) Der diversifizierende Faktor ist hier vor allem der Grad demokratischer Einflußnahme, auch in seinen institutionalisierten Formen. Dies kann sowohl an den Betrieben staatlicher Wirtschaftstätigkeit als auch an den Einrichtungen der Sozialpolitik deutlich gemacht werden. Beim konservativen Umbau geht es gerade darum, diese Möglichkeiten zu eliminieren, die bürokratische Kontrolle des Staates voll durchzusetzen oder eine Privatisierung in die Wege zu leiten. In der Realität des SMK, und zwar unabhängig von seinen Entwick- lungsvarianten, ist der vorherrschende Zug die H e r a u s- b i l d u n g v o n V e r f l e c h t u n g s s t r u k t u- r e n, bei denen sich Privatisierungs- und Verstaatlichungs- bewegung durchdringen. Die entwickeltesten Formen stellen heute die s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e n K o m p l e x e dar. 27) Darin eingeschlossen ist die Herausbildung des sogenann- ten gemischten Eigentums. Die Unterschiede der Varianten drücken sich darin aus, daß bei der einen stärker die über den Staat ver- mittelten monopolistischen Gesamtinteressen zur Geltung kommen, bei der anderen der Dienstleistungscharakter des ökonomischen und administrativen Potentials des Staates für die Monopole und das Finanzkapital. Diskutiert man, etwa bezogen auf die BRD, die Durchsetzung und Entfaltung der konservativ-privatmonopolistischen Entwicklungsva- riante, dann zeigen sich in den einzelnen Phasen u n t e r- s c h i e d l i c h e S c h w e r p u n k t e, die sich aus den aktuellen Problemlagen der Struktur- und Regulierungskrise des SMK ergeben. Mitte der 70er Jahre stand mit dem Umschalten auf die sogenannte Stabilitätsorientierung die Verlagerung der Schwerpunkte staatmonopolistischer Regulierung von den Instrumenten der Haushalts- und Fiskalpolitik zu jenen der Geld- und Kreditsphäre im Mittelpunkt. 28) Dies bedingte einen Kurs der Haushaltskonsolidierung und der Sozialrestriktion (Austeritäts- kurs), der die Wachstumsmöglichkeiten einschränkte und die Massenarbeitslosigkeit förderte. Je mehr sich zeigte, daß die Krise zu einer Schwächung der sozialökonomischen Position der Arbeiterklasse führte, das System jedoch in der Lage war, Massen- arbeitslosigkeit, Reallohnsenkung, neue Armut usw. ideologisch und politisch zu "verarbeiten" und die Herausbildung einer mas- senhaften Infragestellung des kapitalistischen Systems zu verhin- dern, 29) verstärkte sich der Druck auf die Arbeitklasse und die Gewerkschaften. Der sozialreaktionär-konfrontative Charakter der konservativen Linie trat in den Vordergrund. Er geht nun auch un- mittelbar von der technologischen Umstrukturierung der Produkti- onsbasis sowie der Distributions- und Verwaltungsapparate aus und verdichtet sich im Flexibilisierungskonzept der Unternehmer. Es wird nun nicht mehr nur der Abbau der Löhne und Sozialleistungen anvisiert, sondern ein genereller Umbau der institutionellen und rechtlichen Verhältnisse (Sozial- und Arbeitsrecht, Streikrecht, Kollektivvertragssystem, Arbeitsmarktregulierung usw.). In den 80er Jahren bilden sich neue Schwerpunkte heraus. Sie be- treffen die Komplexe Wissenschaft-Technik-Produktion und Umwelt. Marktwirtschaftliche und Privatisierungsstrategien stoßen hier offenkundig an ihre Grenzen. Die Forcierung von Produkt- und Pro- zeßinnovationen unter dem internationalen Konkurrenzgesichtspunkt erfordert die Mobilisierung der ökonomischen und administrativen Potentiale des Staates. Ähnliches gilt für die Bewältigung der dringendsten Umweltfragen. Die Konservativen wittern, daß sich gerade auf diesen Feldern erneut der "Interventionsstaat" eta- blieren kann. Aber ihre Positionen müssen sich hier notwendiger- weise differenzieren (Herausbildung der "neomerkantilistischen" Linie à la Späth), 30) weil die "marktradikalen" Konzepte mit den praktischen Interessen der Konzerne in Widerspruch geraten. Das Interaktionssystem von Staat und Monopolen verlangt dem angepaßte Strukturen. D e r v o r h e r r s c h e n d e k o n s e r- v a t i v e K a n o n e n t h ä l t f ü r d i e s e P r o b l e m l a g e n u r u n z u r e i c h e n d e H a n d- l u n g s s t r a t e g i e n. Hinzu kommt, daß der Anpas- sungsprozeß auf konservative Art zwar gegenwärtig (noch) in der Lage ist, die politisch-ideologischen Legitimationsprobleme des SMK zu bewältigen. Aber er erweist sich als unfähig, die Bedingungen einer Wirtschaftsentwicklung zu sichern - und das nicht zuletzt unter dem Gesichtspunkt der Stellung am Weltmarkt (der Gewichtsverlust infolge gegenüber den Hauptrivalen geringen Wirtschaftswachstums liegt auf der Hand), die den Abbau der Massenarbeitslosigkeit, die Bewältigung der Struktur- und Regionalkrisen usw. in die Wege leiten könnten. Die Bindung der konservativen Kräfte an den US-Imperialismus und ihre Neigung zur bedingungslosen Unterordnung schafft auch vom Standpunkt der Monopolbourgeoisie zweifellos Problemlagen, die der Durchsetzung ihrer Expansionsinteressen nicht förderlich sind. Benutzt man die in der Publizistik gängigen Begriffe, dann be- zieht sich der U n t e r s c h i e d d e r V a r i a n t e n vor allem auf S t r u k t u r u n d Z i e l s e t z u n g d e s ö k o n o m i s c h e n "I n t e r v e n t i o n s- s t a a t e s" (ökonomische Funktion des SMK-Staates, Interak- tionssystem Staat-Monopole) und des "S o z i a l s t a a t e s" (sozialpolitische Funktion des SMK-Staates/System der Sozial- politik, System der Klassenbeziehungen). Für beide Varianten steht es außer Frage, daß sie letztlich der "Abarbeitung" der aus dem Akkumulationsprozeß resultierenden Problemlagen und der Zügelung der aus den Klassengegensätzen entstehenden Konflikte dienen. Es geht also um das ökonomische und soziale Regulie- rungssystem des SMK. Steht im Rahmen einer reformistisch- etatistischen Variante, was letzteres betrifft die Integration der Arbeiterklasse, die Sozialpartnerschaft, der Klassenkompromiß - ein in diesem Zusammenhang allerdings zweideutiger Betriff, weil er die Einordnung und Unterordnung der Arbeiterklasse bei Reformzugeständnissen bedeutet und in der Regel auf die Abdrängung und Schwächung der weitertreibenden Kräfte der Ar- beiterklasse gerichtet ist - im Zentrum, so setzt die konserva- tiv-privatmonopolistische Variante auf die politischen und ökono- mischen Repressionsmittel und -mechanismen. Ist für die eine der Ausbau des "Sozialstaates" unverzichtbar, so geht es der anderen um dessen Ab- und Umbau und die sukzessive Ersetzung seiner Funk- tionen durch privatkapitalistische Mechanismen. So die Tendenz, die sich in der Realität jedoch nur über die Herstellung einer "Sozialpartnerschaft auf niedrigerem Niveau" durchsetzen kann. Soweit die bestehenden und sich entwickelnden Kräfteverhältnisse dem Barrieren entgegensetzen, muß sich für das Monopolkapital er- neut die Frage des "sozialen Friedens" stellen - nicht zuletzt auch deshalb, weil die technologische Umstrukturierung die Koope- rationsbereitschaft der Arbeiter und Angestellten erfordert -, was eine Optionsverlagerung in die Wege leiten kann. Diese hier skizzierte Problemkonstellation schafft eine Situa- tion, in der die Kräfte des staatsmonopolistischen Reformismus erneut Auftrieb erhalten können und sich im konservativen Lager eine Aufsplitterung der Positionen und die Verstärkung zentristi- scher Tendenzen abzeichnet. Dies gilt gegenwärtig in der BRD, in Großbritannien und anderen Ländern Westeuropas. Der s t a a t s m o n o p o l i s t i s c h e R e f o r m i s- m u s, dessen Hauptkraft politisch die Sozialdemokratie dar- stellt, steht vor folgendem D i l e m m a: zum einen muß er sich gegenüber den Trägern der ökonomischen Macht, den Chefs der Konzerne, Großbanken und Unternehmerverbände, mit einem Konzept präsentieren, das Kompetenz zur Lösung ihrer Probleme ausdrückt, zum anderen muß er auf die Verstärkung des politischen und sozialen Drucks, also des Klassenkampfes von unten, die Mobilisierung der Gewerkschaften, der sozialen und demokratischen Bewegungen setzen, was nur möglich ist, wenn er soziale und demokratische Reformforderungen aufgreift und sie kämpferisch vertritt. Journalistisch ausgedrückt: Es muß die Monopole für ein Konzept reformistisch-etatistischer Entwicklung gewinnen, er kann sie aber nur gewinnen, wenn seine Vermittlerrolle zwischen SMK- Interessen und sozialem Druck glaubwürdig und unabweisbar wird. 31) Dieses Dilemma ist, was sozialreformistische Parteien mit Arbei- terklassenbasis betrifft, nicht willkürlich oder nur ideologisch, sondern spezifischer Ausdruck des Klassenantagonismus, des Wider- spruchs zwischen der Funktion als staatsmonopolistischer Reform- partei und den Interessen der Arbeiterklasse. 5. Kräfteverhältnisse und Hegemoniekonstellationen -------------------------------------------------- Die Durchsetzung der unterschiedlichen Entwicklungsvarianten ist an entsprechende ideologisch-politische Hegemoniekonstellationen gebunden. Die staatlichen Aktivitäten erhalten durch den Charak- ter und die Orientierung der Regierung, die sich auf Parlaments- mehrheiten (bei Präsidialverfassungen gilt dies in modifizierter Form) stützen muß, ihre spezifische Färbung. Staat und Staatsap- parate können nicht auf den Regierungsapparat reduziert werden. Diese Frage, die sehr wichtig ist, soll allerdings in diesem Zu- sammenhang nicht erörtert werden. 32) Unter den Bedingungen des b ü r g e r l i c h - p a r l a m e n t a r i s c h e n R e- p r ä s e n t a t i v s y s t e m s, das sich heute i n a l- l e n e n t w i c k e l t e n k a p i t a l i s t i s c h e n L ä n d e r n durchgesetzt hat und sich in der gegenwärtigen Etappe als die d e m S M K a d ä q u a t e S t a a t s- f o r m - und zwar bei unterschiedlichen Entwicklungsvarianten - erwiesen hat, sind zur Installierung bzw. zum Wechsel der Regie- rung Wähler- und Parlamentsmehrheiten erforderlich. Die Mobili- sierung von Wählermehrheiten bedarf der ideologischen Hegemonie- fähigkeit, 33) die sich im gesellschaftlichen Raum formieren und realisieren muß, stellt das Wahlverhalten doch nur eine Ebene, einen Aspekt des politischen Verhaltens dar, das sich im Gesamtprozeß des gesellschaftlichen Lebens entwickelt und ausformt. 34) Die Ebene außerparlamentarischer Massenbewegungen und Massenkämpfe ist zweifellos das dynamischste Element zur Herausbildung fortschrittlicher Optionen und zur entsprechenden Veränderung des Wahlverhaltens. Dies gilt auch bezüglich des Votums für die Kräfte einer sozialen und demokratischen Reformpolitik. Die H e g e m o n i e v a r i a n t e n setzten letztlich an u n t e r s c h i e d l i c h e n I n t e r e s- s e n an, die sie in ein Gesamtkonzept staatsmonopolistischer Herrschaft vermitteln und zwar in einem gesellschaftlichen Prozeß. Es geht dabei weniger um die besseren Argumente vom Standpunkt einer rationalen Begründung, sondern um die Vermittlung von "Deutungsmustern" für die eigene Situation mit ihren Bedrohungen und Perspektiven und um die Vermittlung dieser Deutungsmuster zu einem Gesamtkonzept gesellschaftlich-politi- scher Entwicklung. Man kann nicht aus dem Auge verlieren, daß in den Ländern des entwickelten Kapitalismus 2/3 bis 3/4 der Bevölkerung Angehörige der Arbeiterklasse und ihrer Familien sind. Die Sozialstruktur der Gesellschaft kommt jedoch nur über vermittelte Formen etwa im Wahlverhalten zum Ausdruck. Gleichwohl haben die die SMK-Entwick- lungs- und Hegemonievarianten t r a g e n d e n P a r t e i e n u n d p o l i t i s c h e n F o r m a t i o n e n e i n e u n t e r s c h i e d l i c h e K l a s s e n b a s i s, die auch die Wählerschaft und die gesellschaftlichen Organisationen und Institutionen betrifft. Stützt sich der reformorientierte po- litische Block in der Regel auf die gewerkschaftlich organisier- ten Schichten der Arbeiterklasse, die Gewerkschaften und andere durch die Arbeiterbewegung hervorgebrachte Organisationen, auf die in den Sozialapparaten beschäftigten Gruppen der lohnabhängi- gen Mittelschichten, einschließlich der Intelligenz, so liegt das Schwergewicht der Konservativen in der Bourgeoisie, den selbstän- digen Mittelschichten, den Beschäftigten der Repressionsapparate, den Unternehmer- und Selbständigenverbänden, klerikal beeinfluß- ten Bereichen und Organisationen usw. Für die jüngste Entwicklung von zentraler Bedeutung sind die A u s w i r k u n g e n d e r K r i s e u n d d e r U m b r u c h p r o z e s s e, 35) die tief in das Alltagsleben des werktätigen Volkes und der Arbeiter- klasse eingegriffen haben, besonders durch die Massen- arbeitslosigkeit. Früher hatte man auch in der marxistischen Analyse bei Vermutungen über die politischen Auswirkungen einer wachsenden Massenarbeitslosigkeit aus dem Auge verloren, daß der Kapitalismus auf der Konkurrenz beruht und sich in der Regel der Arbeitslosigkeit als Regulierungsinstrument bedient. Insofern entspricht die "Zwei-Drittel-Gesellschaft" dem klassischen Modell des Kapitalismus. Zur Bedrohung des Systems werden Massenarbeitslosigkeit, Verelendung und Bedrückung des arbeitenden Volkes nur dann, wenn diese Erscheinungen im politisch-ideologischen Raum durchschlagen und sich auf ihrem Hintergrund wachsender systemoppositioneller Massenprotest formiert, der bis zum Wahlverhalten reicht. Da die Krise des Kapitals jedoch auch als Krise der reformi- stisch-etatistischen Entwicklungsvariante zum Ausdruck kam, sich außerdem im Kern der Arbeiterklasse beschleunigte Strukturverän- derungen geltend machten und in der Lebensweise oder dem Alltags- leben der werktätigen Bevölkerung gravierender Veränderungen vollzogen, kam es in den meisten Ländern des entwickelten Kapi- talismus mit unterschiedlichen Intervallen zu einer S c h w ä- c h u n g u n d V e r u n s i c h e r u n g a l l e r S t r ö m u n g e n d e r A r b e i t e r b e w e g u n g. Konservative Hegemonievarianten konnten sich in den meisten Ländern durchsetzen. In Westeuropa war dies mit zeitweiligen Niederlagen der gewerkschaftlichen und politischen Arbeiter- bewegung verbunden. Entscheidend bleibt jedoch, daß die Hand- lungsfähigkeit erhalten und g r u n d l e g e n d e N i e- d e r l a g e n a b g e w e h r t werden konnten. 36) Außerdem zeigte sich, daß auch unter diesen Bedingungen n e u e M a s s e n b e w e g u n g e n, 37) wie die Friedens- und Ökologiebewegung entstehen konnten und in Ländern wie z.B. der BRD radikaldemokratische Formationen wie die Grünen in die Parlamente vordringen konnten. Darin deuten sich Umgruppierungs- prozesse an. Für die erneute Formierung der Kräfte eines Reformkurses sind diese Prozesse äußerst wichtig, weil damit n e u e s o- z i a l e u n d p o l i t i s c h e Z u g ä n g e u n d F e l d e r e r ö f f n e t werden, die für den Kampf um poli- tische und ideologische Hegemonie zentral sind: Frieden, Umwelt, Technikkontrolle, Lebensweise, Kultur. Sie treten zu den drängen- den sozialen Fragen: Arbeitslosigkeit, Ausbildung, Armut und fin- den ihre Klammer in der Forderung nach Demokratisierung. Wenn hier von einem n e u e n R e f o r m k u r s die Rede ist, dann sind seine Inhalte und Zielsetzungen n i c h t i d e n t i s c h m i t e i n e r r e f o r m i s t i s c h - e t a t i s t i s c h e n V a r i a n t e d e s S M K. Er faßt vielmehr die Entwicklungsziele vom Standpunkt der Arbeiterklasse und der Kräfte der Demokratie in der gegenwärtigen Entwicklungsetappe. Er zielt auf die Stärkung autonomer Gegenmachtpositionen der Organisationen der Arbeiterklasse und der demokratischen und sozialen Bewegungen und hält im Verlauf einer Reformentwicklung antimonopolistische Maßnahmen für notwendig. 38) Auf der konkreteren Forderungsebene gibt es zweifellos Parallelitäten und Übereinstimmungen mit einer von sozialintegra-tiven Positionen formulierten Reformpolitik, die in der Tat faktisch auf eine solche SMK-Variante hinauslaufen würde. Wichtig bleiben jedoch die U m g r u p p i e r u n g s p r o- z e s s e, die sich in dieser Situation in der S o z i a l d e- m o k r a t i e vollzogen haben. Ein wesentliches Moment ist da- bei die internationale Situation. Die Sozialdemokratie kann heute keinen Rückhalt in den herrschenden Kreisen der USA erwarten. Im Gegenteil müssen heute friedens- und reformpolitische Interessen gegen den US-Imperialismus und in Richtung einer Abkoppelung Westeuropas von den USA definiert werden. Gegenüber dem konserva- tiven Kurs der sozialen Revanche und der Ausschaltung der Gewerk- schaften als Gegenmachtfaktor muß sie auch im Rahmen eines Kon- zepts der Sozialpartnerschaft auf starken Gewerkschaften und dem "Sozialstaat" bestehen. Dies führte zu einem Zusammenrücken nicht nur der verschiedenen Strömungen der Sozialdemokratie, sondern auch zu A n n ä h e r u n g s p r o z e s s e n d e r k o m- m u n i s t i s c h e n u n d s o z i a l i s t i s c h - s o- z i a l d e m o k r a t i s c h e n B e w e g u n g im inter- nationalen Maßstab. Auch für die k o m m u n i s t i s c h e n P a r t e i e n und marxistisch-sozialistische Linkskräfte ist die realistische Ein- stellung auf die gegenwärtige Situation und die möglichen Alter- nativen von zentraler Bedeutung. Sie können auf die Dauer ihre Identität als Kraft revolutionärer Gesellschaftsveränderung durch die Umformung zu linken reformorientierten Volksparteien kaum be- wahren. Dies mag zwar die Annäherung an die Formierung eines eu- rolinken Reformblocks wie er etwa von der SPD angestrebt wird, begünstigen, löst jedoch nicht die grundlegende Frage der Verbin- dung einer realistischen Politik sozialer und demokratischer Re- formen mit einer antimonopolistischen und in der Perspektive so- zialistisch-kommunistischen Zielsetzung. Wie immer auch die Umgruppierungsprozesse auf der Linken verlau- fen mögen, so verweisen die Erfahrungen der jüngsten Periode ein- deutig darauf, daß nur aus der V e r b i n d u n g d e r g e w e r k s c h a f t l i c h e n u n d p o l i t i s c h e n K ä m p f e d e r A r b e i t e r k l a s s e m i t d e m o- k r a t i s c h e n M a s s e n b e w e g u n g e n u n d P o t e n t i a l e n jene Kraft freigesetzt werden kann, die nicht nur einen Regierungswechsel oder den Übergang zu einer reformistisch-etatistischen Entwicklung zu erzwingen vermag, son- dern auch zur Triebkraft für einen Kurs grundlegender Gesell- schaftsreformen wird. Bliebe die F r a g e d e r u n m i t t e l b a r a k t u e l- l e n P e r s p e k t i v e. Dazu muß nochmals auf die schon erläuterte Problemlage der konservativ-privatmonopolistischen Variante verwiesen werden und auf die Diversifikationstendenzen im konservativen Lager. Beachtet werden muß auch, daß sowohl die konservativen Blocks als auch die sie tragenden Parteien politisch, ideologisch und sozial ein heterogenes Spektrum zusammenbinden. Dort, wo christdemokratische Parteien am Ruder sind, besteht nach wie vor ein gewisser Einfluß des katholischen Klerus auf bestimmte Politikbereiche, etwa die Sozialpolitik. Dieser Flügel orientiert stärker auf den Sozialkompromiß als auf die Konfrontation. Dies stellt eine gewisse Bremse gegenüber den Ansprüchen der Unternehmerverbände dar. Generell gilt, daß, je mehr sich die Gewerkschaften als widerstandsfähig erweisen, neben der Friedensfrage die Haltung zu den Gewerkschaften und zur Ge- staltung der Klassenbeziehungen zur wichtigsten Differenzierungs- linie bei den Konservativen und der Monopolbourgeoisie wird. Es ist nicht absehbar, inwieweit und wie schnell in diesem Block z e n t r i s t i s c h e T e n d e n z e n die Oberhand gewin- nen. Daß sie in allen kapitalistischen Ländern wirksam sind, zeugt von den inneren und äußeren Widersprüchen der konservativen Entwicklungs- und Hegemonievariante des SMK. In der BRD wird der Ausgang der Bundestagswahlen im Januar 1987 mit darüber entscheiden, ob diese Entwicklungsrichtung fortge- setzt werden kann und zwar bei einer Bestätigung der derzeitigen Koalition mit forciertem Tempo und der Öffnung nach rechts (staatsmonopolistischer Rüstungs- und Kriegskapitalismus), ob Mo- difikation zur Mitte, also in eine zentristische Richtung statt- finden werden, was sich mit unterschiedlichen Parlaments- und Re- gierungskoalitionen (große Koalition, FDP-SPD-Regierung) reali- sieren könnte, oder ob der Übergang zu einer reformistisch-etati- stischen Entwicklungsvariante, in deren Rahmen bei nachhaltiger Veränderung der Kräfteverhältnisse und sozialem Druck eine Poli- tik demokratischer und sozialer Reformen möglich wird, auf die Tagesordnung tritt. 6. Anhang --------- Da die vollständige Interpretation der nachfolgenden Tabellen eine detailliertere Analyse erforderlich machen würde, bringen wir sie zur Illustration zentraler Aussagen dieses Beitrages im Anhang. Tabelle 1 "Regierungen der entwickelten kapitalistischen Länder" enthält für die Jahre 1974/75, 1980/81 und 1985/86 eine Zusammen- stellung über die Regierungen: ihren Charakter, die beteiligten Parteien und das Jahr der Parlamentswahlen, aus denen die jewei- ligen Parlamente hervorgingen. Es muß beachtet werden, daß zur Charakterisierung der Regierungen ein grobes Raster verwendet wurde, das sich an der Parteienträgerschaft orientiert. Zum ande- ren ergibt sich aus der realen Entwicklung, daß etwa eine bürger- lich-sozialdemokratische Koalition in der Regel 1974/75 einen an- deren Kurs repräsentiert als 1985/86. Dies gilt auch für die an- deren Klassifizierungen. Gleichwohl sind die Informationen und die Klassifizierung für die Illustration des Gesamttrends nütz- lich. Tabelle 2 "Arbeitslosenrate der OECD-Länder" 1968, 1976 und 1984 verweist auf den wachsenden Sockel der Arbeitslosigkeit. Da je- weils Jahre ausgewählt wurden, in denen nach der Krisenphase des Zyklus der Aufschwung begann, sind ihre Ergebnisse gut vergleich- bar. Der Erfassung der Arbeitslosenrate liegt die OECD-Definition zugrunde, die von gebräuchlichen anderen z.T. abweicht. Von In- teresse sind die deutlich sichtbaren nationalen Unterschiede in der Entwicklung der Massenarbeitslosigkeit. Diese Kennziffer ist nicht nur ein Indikator für die Tiefe der Krise und eine sich zu- spitzende Problemlage, sondern auch für die Orientierung der je- weiligen Wirtschafts- und Sozialpolitik. Tabelle 3 "Ökonomisches Gewicht der entwickelten kapitalistischen Länder in der ersten Hälfte der 70er und 80er Jahre: Anteile am Bruttosozialprodukt, an der Industrieproduktion und am Export al- ler entwickelten kapitalistischen Länder in v.H." weist die ent- sprechenden Anteile im Fünfjahresdurchschnitt aus. Eine Ausnahme - dies betrifft auch die Quelle - sind die Angaben für den Expor- tanteil 1984. Aus der Tabelle kann die Verschiebung zwischen den imperialistischen Zentren und innerhalb derselben abgelesen wer- den. Tabelle 1: Regierungen der entwickelten kapitalistischen Länder Regierungen: Charakter 1), tragende Parteien 2), Wahlen von 19... Länder 1974/75 1980/81 1985/86 USA 1, konservativ, 74 1, konservativ, 80 1, konservativ, 84 Kanada 2/3, liberal, 74 2/3, liberal, 80 1, konservativ, 84 Japan 1, konservativ, 72 1, konservativ, 72 1, konservativ, 86 EG-Länder: BRD 3, sozialdem.- 72 3, sozialdem.- 80 1, bürg. Koali- 83 liberal, liberal, tion, Frank- 2, bürgerl. 74 4, sozialdem.- 81 1, bürg. Koali- 86 reich Koalition komm. tion, Großbri- 4, sozialdem., 74 1, konservativ 79 1, konservativ, 83 tannien Italien 2, bürg.- 72 2, bürg.- 79 2, bürg.- 83 sozialdem., 83 sozialdem., sozialdem., Belgien 2, bürg. 74 2, bürg. 78 2, bürg. 85 Koalition, Koalition, Koalition, Nieder- 3, sozialdem.- 72 2, bürg. 77 2, bürg. 86 lande bürg., Koalition Koalition Luxem- 2/3 bürg.- 74 2, bürg. , 79 2/3 bürg.-sozi- 84 burg sozialdem., 71 4, Koalition ald.-Koal., Dänemark 2, bürg. 73 3, sozialdem. 79 2, bürg. Min- 82 Koalition, bürg., derheitsreg., Irland 2, bürg. 73 2, bürgerl. 77 2/3, bürg.- 82 Koalition, Koalition,. sozialdem., Grie- 1, Militärregime 1, konservativ, 77 4, sozial- 85 chenland demokr., Spanien 1, Francoregime 2, bürg. 79 3, sozial- 86 Koalition, demokr., Portugal 4, linksb.-dem. 74 2, bürg. 79 2/3, bürg.- 83 Revol. Koalition sozialdem., Weitere westeurop. Länder: Öster- 4, sozialdem., 71 4, sozialdem., 79 3, sozialdem.- 83 reich lib. Island 2, bürg. 74 2/3, bürg.- 79 2, bürg. 83 Koalition sozialdem., Koalition, 83 Norwegen 3, sozialdem. 73 3, sozialdem. 77 2, bürg. 85 Mind.reg., Mind.reg., Koalition Finnland 3, sozialdem.- 72 3, soziald., 79 3, sozialdem.- 83 bürgerl., bürg., komm. bürgerl., 83 Schweiz 2/3, bürg.- 71 2/3, bürg.- 79 2/3, bürg.- 83 sozialdem. sozialdem., soz.-dem.-Koal. Schweden 4, sozialdem., 73 2, bürg. 79 4, sozialdem., 85 Koalition, Austra- 4, sozialdem., 74 2, bürg. 77 4, sozialdem., 83 lien Koalition Neusee- 4, sozialdem., 72 1, konservativ, 78 4, sozialdem., 84 land Israel 3, sozialdem., 73 1, bürg. 77 1, bürg. 84 Koalition, Koalition, Süd- 1, Apartheid- 74 1, Apartheid- 77 1, Apartheid- 85 afrika regime, regime regime _____ 1) 1 = konservativ, 2 = konservativ-zentristisch, 3 = sozialre- formistisch-zentristisch, 4 = sozialreformistisch, 2/3 = zwischen 2 und 3. 2) Es werden hier die für die pol. Hauptgruppierungen gängigen Bezeichnungen verwendet: sozialdemokratisch: Sozialdemokraten, Sozialisten, Labour; liberal; konservativ = Republikaner der USA, Konservative GBs usw.; bürgerlich = Parteien der Koalitionen von Christdemokraten, Liberalen u.a.; kommunistisch. Quelle: Der Fi- scher Weltalmanach '75, Frankfurt/Main 1974; der Fischer Weltal- manach '81, Frankfurt/Main 1980; Der Fischer Weltalmanach '86, Frankfurt/Main 1985; sowie laufende Pressemeldungen. Tabelle 2: Arbeitslosenrate *) der OECD-Länder Land 1968 1976 1984 USA 3,5 7,6 7,4 Kanada 4,4 7,1 11,2 Japan 1,2 2,0 2,7 BRD 1,2 4,0 8,2 Frankreich 2,6 4,4 9,7 Großbritannien 2,1 4,8 11,2 Italien 5,6 6,6 10,2 Belgien 2,9 5,8 13,0 Niederlande 1,4 5,5 13,9 Luxemburg Dänemark 1,2 6,3 8,5 Irland 5,3 9,0 15,5 Portugal 2,5 6,3 8,9 Spanien 2,9 4,8 21,2 Griechenland 5,6 1,9 8,1 Norwegen 1,1 1,8 3,0 Schweden 2,2 1,6 3,1 Finnland 3,8 3,8 6,1 Schweiz - 0,7 1,1 Österreich 2,0 1,7 3,9 Australien 1,8 4,7 8,9 Neuseeland 0,8 0,4 5,7 EG-Durchschnitt 2,8 5,0 11,2 OECD-Durchschnitt 3,0 5,5 8,5 _____ *) Arbeitslose in v. H. aller Arbeitskräfte Quelle: OECD, Economic outlook; Historical Statistics, 1960-1984, Paris 1986, S. 39 (Tab. 2.15). Tabelle 3: Ökonomisches Gewicht der entwickelten kapitalistischen Länder in der ersten Hälfte der 70er und 80er Jahre: Anteile am Bruttosozi- alprodukt, an der Industrieproduktion und am Export aller entwic- kelten kapitalistischen Länder in v.H. Anteil am Anteil an der Anteil am Bruttosozial- Industrie- Export 3), 4) produkt 1) produktion 2) Land 1971-75 1981-85 1971-75 1981-85 1971-75 1984 4) USA 38,0 37,4 38,7 38,1 20,0 15,1 Kanada 3,7 3,7 4,1 3,8 5,9 7,4 Japan 13,0 16,4 10,3 13,6 7,0 14,1 BRD 8,9 8,3 11,4 10,6 13,3 14,2 Frankreich 7,4 7,2 7,2 6,8 7,9 8,1 Großbritannien 6,4 5,6 8,0 7,0 10,3 7,8 Italien 5,3 5,1 4,8 4,8 6,7 6,1 Belgien 1,3 1,2 1,5 1,3 3,8 4,3 Niederlande 1,8 1,6 1,8 1,6 6,2 5,5 Luxemburg ... ... ... ... 0,3 ... Dänemark 0,8 0,7 0,5 0,5 1,4 1,3 Irland 0,2 0,2 0,2 0,2 0,6 0,8 Griechenland 0,7 0,7 0,3 0,3 0,4 ... Spanien 3,3 3,1 2,2 2,3 1,9 ... Portugal 0,6 0,6 0,3 0,3 0,5 ... EG-Länder 36,8 34,5 38,3 35,9 52,3 48,4 Österreich 0,9 0,9 0,9 0,9 1,6 1,3 Island ... ... ... ... ... ... Norwegen 0,5 0,6 0,6 0,9 1,8 1,6 Finnland 0,6 0,6 0,5 0,6 1,1 ... Schweiz 1,0 0,8 1,2 1,1 2,6 2,1 Schweden 1,3 1,2 1,3 1,2 2,6 2,4 Westeuropäische Länder 41,2 38,6 42,9 40,7 62,0 59,6 Australien 1,9 1,9 2,4 2,1 2,2 1,9 Neuseeland 0,3 0,3 0,3 0,3 0,5 0,5 Israel 0,3 0,3 0,2 0,2 0,5 ... Südafrika 1,4 1,3 1,3 1,3 1,8 1,4 Alle Länder 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 _____ 1) Umgerechnet nach Kaufkraft, Preise von 1982 2) Umgerechnet auf der Preisbasis von 1982 und den Wechselkursen von 1982 3) Waren und Dienstleistungen, Preise und Wechselkurse von 1982 4) Für 1984 nach dem Vierteljahresdurchschnitt *) Alle europäischen OECD-Länder. Griechenland, Spanien, Portugal sind nicht im EG-Block erfaßt, sondern pauschal unter westeurop. Länder Quelle: Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehun- gen der AdW der UdSSR (Hrsg), MeiMo, (russ.), Moskau, H. 6/1986, S. 151 ff. Institut für Weltwirtschaft an der Universität Kiel, Die Welt- wirtschaft, 1986, H. 1, Tab. 3*, S. 5* (für Export 1984). _____ 1) Wir folgen hier in der empirischen Fassung der Auflistung des IMEMO (vgl. Tab. 3 u. 1, im Anhang). Laufende Übersichten und Analysen zur sozialökonomischen und po- litischen Entwicklung einzelner entwickelter kapitalistischer Länder sind enthalten in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Köln; Sozialismus, Hamburg; Neue Gesell- schaft/Frankfurter Hefte, Bonn-Bad Godesberg; IPW-Berichte, Ber- lin/DDR. Aktuelle Übersichten enthalten: Jahresbericht 1986, Zur Wirt- schaftslage imperialistischer Länder, IPW-Berichte 8/1986, S. 31 ff.; Finanzpolitik und Wirtschaftspolitik im internationalen Ver- gleich, Informationsdienst zur Finanzpolitik des Auslandes (Hrg. Bundesministerium für Finanzen), Nr. 2/1985, 16.12.1985, Bonn. 2) Vgl. die Übersicht bei: Heinz Jung, Besonderheiten des Kapita- lismus der 80er Jahre, in: Probleme des Friedens und des Sozia- lismus, Prag, H. 7/1986, S. 937. Auf die theoretisch-analytischen Aspekte der Krisen- und Akkumu- lationsentwicklung wird in dem vorliegenden Beitrag nicht einge- gangen. Es werden die Aufsätze von Jörg Goldberg, Jörg Huffschmid u.a. in diesem Band vorausgesetzt. 3) Als einer der ersten Marxisten geht in jüngerer Zeit unseres Wissens darauf ein: A.A. Djomin (vgl. ders. in: IMSF (Hrsg.), Staatsmonopolistische Komplexe. Zu einer Kategorie der aktuellen Kapitalismusanalyse, Frankfurt/Main 1982, S. 106 ff.) 4) Vgl. Max Schmidt, Staatsmonopolistischer Kapitalismus der 80er Jahre und seine Anpassungsstrategien, in: IPW-Forschungshefte, 1/1986, bes. S. 62 ff., sowie die anderen Beiträge dieses For- schungsheftes und seines Ergänzungsbandes (es handelt sich um Beiträge der Konferenz "Der staatsmonopolistische Kapitalismus der 80er Jahre - neue Tendenzen und Widersprüche", die im Novem- ber 1985 in Berlin/DDR stattfand). 5) "Die spezifische ökonomische Form, in der unbezahlte Mehrar- beit aus den unmittelbaren Produzenten ausgepumpt wird, bestimmt das Herrschafts- und Knechtschaftsverhältnis, wie es unmittelbar aus der Produktion selbst hervorwächst und seinerseits bestimmend auf sie zurückwirkt. Hierauf aber gründet sich die ganze Gestal- tung des ökonomischen, aus den Produktionsverhältnissen selbst hervorwachsenden Gemeinwesens und damit zugleich seine spezifi- sche politische Gestalt. Es ist jedesmal das unmittelbare Ver- hältnis der Eigentümer der Produktionsbedingungen zu den unmit- telbaren Produzenten - ein Verhältnis, dessen jedesmalige Form stets naturgemäß einer bestimmten Entwicklungsstufe der Art und Weise der Arbeit und daher ihrer gesellschaftlichen Produktiv- kraft entspricht -, worin wir das innerste Geheimnis, die verbor- gne Grundlage der ganzen gesellschaftlichen Konstruktion und da- her auch der politischen Form des Souveränitäts- und Abhängig- keitsverhältnisses, kurz, der jedesmaligen spezifischen Staats- form finden. Dies hindert nicht, daß dieselbe ökonomische Basis - dieselbe den Hauptbedingungen nach - durch zahllos verschiedne empirische Umstände, Naturbedingungen, Racenverhältnisse, von außen wirkende geschichtliche Einflüsse usw., unendliche Varia- tionen und Abstufungen in der Erscheinung zeigen kann, die nur durch Analyse dieser empirisch gegebnen Umstände zu begreifen sind." (K. Marx, Das Kapital. Dritter Band, in: MEW, Bd. 25, S. 799-800). 6) "In Wirklichkeit bildet die Bourgeoisie in allen Ländern un- vermeidlich zwei Systeme des Regierens heraus, zwei Methoden des Kampfes für ihre Interessen und für die Verteidigung ihrer Herr- schaft, wobei diese zwei Methoden bald einander ablösen, bald sich miteinander in verschiedenartigen Kombinationen verflechten. Die erste Methode ist die Methode der Gewalt, die Methode der Verweigerung jeglicher Zugeständnisse an die Arbeiterbewegung... Die zweite Methode ist die Methode des Liberalismus', der Schritte in der Richtung auf die Entfaltung politischer Reformen, Zugeständnisse usw." (Dies schrieb W.I. Lenin 1910; Werke, Bd. 16, S. 356). 7) Vgl. Heinz Jung, Deformierte Vergesellschaftung. Zur Soziolo- gie des staatsmonopolistischen Kapitalismus der BRD, Frank- furt/Main u. Berlin/DDR 1986, S. 24 ff.; Heinz Jung, Josef Schleifstein, Die Theorie des staatsmonopolistischen Kapitalismus und ihre Kritiker in der Bundesrepublik Deutschland, Frank- furt/Main 1979, S. 12 ff. 8) Vgl. dazu die Beiträge in: Große Krisen des Kapitalismus - Lange Wellen der Konjunktur? Beiträge zur aktuellen Krisenanalyse und Monopoltheorie (bes. die Beiträge von Jan Priewe, Jörg Gold- berg, Ulrich Dolata, Dieter Klein), IMSF-Informationsbericht 41, Frankfurt/Main 1985. Diesen Sachverhalt reflektieren von unterschiedlichen theoreti- schen Ansätzen auch die Beiträge in: Kontroversen zur Krisentheo- rie, Hamburg 1986. 9) Vgl. Jung, Deformierte Vergesellschaftung, a.a.O., S. 315 ff. 10) W.I. Lenin, Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapi- talismus. Gemeinverständlicher Abriß. Geschrieben Januar-Juni 1916 in Zürich, veröffentlicht Mitte 1917 in Petrograd; in: Werke, Bd. 22, S. 191 ff. Man kann sich also 1986 daran erinnern, daß dieses Werk vor 70 Jahren abgeschlossen wurde. 11) Vgl. etwa: Herbert Meißner (Hrsg.), Geschichte der politi- schen Ökonomie. Grundriß, Berlin/ DDR 1985, S. 400 ff. Zur aktu- ellen Imperialismusanalyse vgl.: IPW-Diskussionsrunde, Der Impe- rialismus und die Herausforderungen der Zeit, IPW-Berichte, 7/1986, S. 1 ff. 12) Eine interessante Vergleichsstudie hat hierzu Göran Therborn vorgelegt (Arbeitslosigkeit, Strategien und Politikansätze in den OECD-Ländern, Hamburg 1986). Als Erklärung der realen Unter- schiede bietet er an: "Das Vorhandensein oder Fehlen einer insti- tutionellen Absicherung der Zielsetzung Vollbeschäftigung ist die grundlegende Erklärung für die unterschiedlichen Auswirkungen der gegenwärtigen Krise." (ebenda, S. 21). Schon die Beispiele Japan und Schweiz, die zur Gruppe mit niedriger Arbeitslosigkeit gehö- ren, machen diese Feststellung fraglich und verweisen auf die Grenzen des methodischen Ansatzes Therborns (zur Besprechung und Kritik vgl.: Sozialismus, H. 4/1986). 13) Vgl. die Abhandlungen zum MIK in: A.A. Djomin, J. Huffschmid, W.N. Schenajew (Red.), Staatsmonopolistische Komplexe in der Bundesrepublik Deutschland. Theorie-Analyse-Diskussion, Köln 1986. 14) Vgl. W.I. Lenin, Werke, Bd. 25, S. 368. 15) Vgl. Burkhard Koch, Neokonservative Ideologie und USA-Kon- frontationsstrategie, IPW-Forschungshefte 2/1986, Berlin/DDR. 16) Vgl. Jürgen Reusch, Friedensforschung in der Bundesrepublik Deutschland. Entwicklung. Positionen. Perspektiven, IMSF-Informa- tionsbericht 40, Frankfurt/Main 1986, S. 160 ff., S. 435 ff. 17) Die Konzeption des hegemonistischen und kollektiven imperia- listischen Herrschaftssystems wurde entwickelt von Horst Heinin- ger und Lutz Maier. Vgl. dies., Tendenzen und Widersprüche der Internationalisierung des staatsmonopolistischen Kapitalismus - politökonomische Aspekte, IPW-Berichte, 2/1985, S. l ff. und 3/1985, S. 9 ff. 18) Einen Überblick über die jüngere Entwicklung gibt: Frank Deppe, Arbeiterbewegung in Westeuropa 1945-1985: Von der Bewegung zur Stagnation?, in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 8, 1/1985, S. 58 ff.; vgl. ebenfalls: Göran Therborn, Perspektiven der Arbeiterbewegung, Sozialismus, 4/1984, S. 29 ff. 19) Vgl. Tabelle l im Anhang. 20) Vgl. Hans Heinrich Angermüller, Hellmuth Kolbe, Monopolmacht in der Krise. Zur politischen Labilität des staatsmonopolisti- schen Kapitalismus, Berlin/DDR 1985. 21) Vgl. Westeuropa in Wirtschaft und Politik des Imperialismus, IMSF-Arbeitsmaterialien 17, Frankfurt/Main 1985. 22) Vgl. Verschuldung und Ausbeutung der dritten Welt und die Rolle der BRD, IMSF-Arbeitsmaterialien 19, Frankfurt/Main 1986. 23) Vgl. Tabelle 3 im Anhang. 24) So der griffige Ausdruck von H. Heininger und L. Maier (a.a.O.). 25) In der marxistischen Diskussion hat sich in dieser Hinsicht noch keine einheitliche Meinung durchgesetzt. Zur Problematisie- rung vgl. Jörg Huffschmid, Ökonomische Strukturen im Wandel. Ba- sistrends und Entwicklungsvarianten, in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 9, II/1985, S. 246 ff. 26) Vgl. Djomin, Huffschmid, Schenajew, Staatsmonopolistische Komplexe, a.a.O., Abschn. III. 3. 27) Vgl. ebenda. 28) Die Bedingungen der ersten Phase der Durchsetzung einer pri- vatmonopolistischen Entwicklungsvariante unter den Bedingungen einer sozialreformistischen Regierung wurden abgehandelt in: Heinz Jung, Die privatmonopolistische Entwicklungsvariante des staatsmonopolistischen Kapitalismus der BRD, Marxistische Stu- dien. Jahrbuch des IMSF 1, 1978, S. 9 ff. 29) Diese Situation reflektiert sich bei einem CDU-Führer wie Kurt H. Biedenkopf wie folgt: "Zwischen 1980 und 1983 hatten wir im Jahresdurchschnitt ein sogenanntes Nullwachstum. Es war weder von heftigen Verteilungskonflikten noch von unkontrollierbaren sozialen Unruhen begleitet. Die realen Nettoeinkommen der Arbeit- nehmer sind in den vergangenen Jahren nicht gestiegen, sondern eher gefallen, ebenso wie die der Rentenbevölkerung." (ders., Die neue Sicht der Dinge, München/Zürich 1985, S. 151). Dies liegt heute den konservativen Vorstellungen von der Realisierbarkeit ihrer radikalen Umbauprogramme des SMK zugrunde. 30) Dieser hat seine Linie publizistisch vorgestellt in: Lothar Späth, Wende in die Zukunft. Die Bundesrepublik auf dem Weg in die Informationsgesellschaft, Reinbek b. Hamburg 1985. Das ge- nannte Markenzeichen wurde kolportiert von dem wirtschaftspoliti- schen Sprecher der SPD, Wolfgang Roth, dessen wirtschaftspoliti- sche Konzeption eine starke Annäherung an jene Späths aufweist (vgl. Wolfgang Roth, Der Weg aus der Krise. Umrisse einer sozial- ökologischen Marktwirtschaft, München 1985). 31) Dies zeigt sich deutlich an der SPD-Wirtschafts- und Gesell- schaftsstrategie, wie sie gegenwärtig erkennbar ist. Zur kriti- schen Beurteilung vgl. IMSF-Arbeitsgruppe, Reformpolitik durch "sozialökologische Marktwirtschaft"? in: Wahlen '87, IMSF-Ar- beitsmaterialien 18, Frankfurt/Main 1986, S. 17 ff. 32) Vgl. die Darstellungen und Analysen in: Beiträge des IMSF 6/I und 6/II, Der Staat im staatsmonopolistischen Kapitalismus der Bundesrepublik, Frankfurt/Main 1981 u. 1982. 33) Zur Diskussion des Hegemoniebegriffs vgl.: Intelligenz, In- tellektuelle und Arbeiterbewegung in Westeuropa, IMSF-Arbeitsma- terialien 16, Frankfurt/Main 1985, S. 209 ff. 34) Vgl. die Untersuchung von Alexander A. Galkin, Herrschaftse- lite. Politisches Verhalten. Politische Kultur. IMSF-Reihe "Theorie und Methode", Bd. IX, Frankfurt/Main 1986. 35) Die verschiedenen Aspekte dieser Umbruchprozesse wurden breit erörtert in: Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 9, 11/1985 und hinsichtlich des Wandels der Lebensweise bei: Kaspar Maase, "Leben einzeln und frei wie ein Baum und brüderlich wie ein Wald." Wandel der Arbeiterkultur und Zukunft der Lebensweise, Frankfurt/Main 1985. 36) Ein wichtiger Indikator für die potentielle Widerstandskraft der Arbeiterklasse ist ihr gewerkschaftlicher Organisationsgrad, der infolge der Massenarbeitslosigkeit in vielen kapitalistischen Ländern sank. Die jüngere Entwicklung hat gezeigt, daß außerdem das Bestehen von Einheitsgewerkschaften, in denen die unter- schiedlichen Strömungen der Arbeiterbewegung präsent sind, ein außerordentlich wichtiger Faktor des Widerstandes und des fakti- schen Einflusses auf den Gang der Dinge war und ist. Nachfolgend ein Überblick über den Stand der gewerkschaftlichen Organisati- onsquoten und deren jüngste Entwicklung. Gewerkschaftliche Organisationsquoten der Lohnabhängigen: Großbritannien: 1979 46,0% 1984 36,0% Frankreich: 1979 23,4% 1984 21,6% BRD: 1979 35,0% 1984 32,3% Belgien : 1979 60,3% 1984 59,3% Italien: 1979 50,9% 1984 44,5% Spanien: 1979 24,8% 1984 5,0% Schweden: 1979 76,9% 1984 76,9% (Quelle: Newsweek, Dec. 9, 1985, p. 8) Niederlande: 1983 32,0% 1985 29,9% (Quelle: FAZ v. 30.12.1985) Australien 1980 55% Island 1980 80% Neuseeland 1980 50% Dänemark 1980 79% Kanada 1979 39% Norwegen 1980 55% USA 1980 25% Österreich 1980 58% Japan 1978 32% Schweiz 1980 35% Finnland 1980 75% Luxemburg 1979 70% (Quelle: G. Therborn, Perspektiven, a.a.O., S. 31) 37) Die neue und gehobene Bedeutung der demokratischen Bewegungen im Kapitalismus wird im vom 27. Parteitag angenommenen Programm der KPdSU dadurch ausgedrückt, daß sie als wesentliche Kraft des gesellschaftlichen Fortschritts benannt sind. 38) Eine solche reform- und friedenspolitische Orientierung drüc- ken die auf dem 8. Parteitag der DKP (Mai 1986, Hamburg) angenom- menen "Thesen: Neue Fragen des Kampfes für Frieden und Arbeit - für eine demokratische Wende" (Düsseldorf, Mai 1986) aus. zurück