Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 11/1986


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ZUSAMMENFASSUNGEN

Jörg Goldberg Die chronische Überakkumulation von Kapital als Krise ----------------------------------------------------- des staatsmonopolistischen Regulierungstyps ------------------------------------------- Schon seit Mitte der sechziger Jahre setzt sich in der Bundesre- publik die Tendenz zur Verlangsamung der Akkumulation durch. Die Methode des Kapitals, den Rückgang der Profitrate durch eine Be- schleunigung des Akkumulationstempos zu beantworten, gerät in zu- nehmenden Widerspruch zu den beschränkten Realisationsmöglichkei- ten des Profits. Die zyklische Krise von 1974/75 muß hier als Einschnitt betrachtet werden. Die ansteigende Massenarbeitslosig- keit erlaubt die Durchsetzung einer massiven Umverteilung zugun- sten der Gewinne, der Rationalisierungsprozeß in der Produktion wird forciert, Konzerne und Banken wachsen in internationale Di- mensionen, die staatliche Wirtschaftspolitik beginnt, bewußt Dis- proportionen auf dem Binnenmarkt in Kauf zu nehmen. Ziel ist eine durchgreifende Senkung der Produktionskosten und die Verbesserung der Verwertungsbedingungen für die wichtigen, exportorientierten Konzerne und die technologisch zentralen Branchen. In der Tat ist es gelungen, die Produktionsbedingungen des Profits durchgreifend zu verbessern, das Tempo beim Einsatz der neuen Technologien zu steigern, die internationale Konkurrenzfähigkeit des westdeut- schen Kapitals zu erhalten. Die Folge war aber das Aufbrechen von neuen Disproportionen im nationalen Gesamtreproduktionsprozeß, vor allem die Zuspitzung von Realisationsschwierigkeiten. Jörg Huffschmid Vor dem Übergang zur reformistischen Entwicklungsvariante --------------------------------------------------------- des staatsmonopolistischen Kapitalismus der Bundesrepublik? ----------------------------------------------------------- Der Beitrag setzt sich mit den aktuellen Entwicklungen und Ent- wicklungsmöglichkeiten der BRD unter Anwendung des Variantenkon- zepts auseinander. Dies verlangt die Untersuchung der ökonomi- schen und politischen Bedingungen. Dabei findet die Analyse der gesellschaftspolitischen Orientierung jener Kräfte, die ein Re- formkonzept tragen könnten, besondere Aufmerksamkeit. Der Über- gang zu einer reformistisch-etatistischen Entwicklung der BRD wird bei Formierung eines reformpolitischen Blocks für möglich gehalten. Heinz Jung Zum Konzept der Entwicklungsvarianten des SMK heute --------------------------------------------------- Der Beitrag erörtert das Variantenkonzept im Kontext der Imperia- lismus- und SMK-Theorie. Die Varianten stellen sich im Kern als unterschiedliche Typen staatsmonopolistischer Vergesellschaftung dar, die mit unterschiedlichen Klassenstrategien des Monopolkapi- tals verbunden sind und unter ihnen entsprechenden politischen und ideologischen Hegemonie- und Herrschaftskonstellationen ver- wirklicht werden. Hieraus ergeben sich die wesentlichen Unter- schiede bzw. Kennzeichen der einzelnen Entwicklungsvarianten. Als solche werden das Interaktionssystem von Staat und Monopolen und der Modus der Klassenherrschaft hervorgehoben und erörtert. Für die Ausprägung der Varianten und ihrer Kennzeichen ist die Stel- lung und Einbindung der Länder in das System des Imperialismus und in die internationalen Beziehungen wesentlich. Der Wechsel der Entwicklungsvarianten ist mit der Umgruppierung der sozialen und politischen Kräfte verbunden. Für die Zukunft in Westeuropa ist die Formierung der Kräfte einer Politik sozialer und demokra- tischer Reformen, die sich im Rahmen einer reformistisch-etati- stischen Entwicklungsvariante des SMK durchsetzen könnten, von besonderer Bedeutung. Jan Priewe Der US-Kapitalismus in der Krise -------------------------------- Die tiefe kapitalistische Weltwirtschaftskrise von 1974/75 und die folgende Krisenperiode hat beim US-Kapital Strategien ausge- löst, die auf die Wiedergewinnung der politisch-ökonomischen He- gemonie in der Welt ausgerichtet sind. Dabei wird auf einen Aus- bau des ohnehin großen militär-ökonomischen Sektors gesetzt, wäh- rend Ansätze zu einer Neustrukturierung der ökonomischen Basis unter Ägide des Pentagon nur zu neuen Disproportionen führen kön- nen. Bislang ist es nicht gelungen, durch einen Ausbau der staatsmonopolistischen Regulierungskapazitäten wirksame Voraus- setzungen zu schaffen, um den Niedergang der ökonomischen Poten- zen des Landes aufzuhalten. John E. Parsons Krise der US-Wirtschaft: Entscheidung in wessen Interesse? ---------------------------------------------------------- Die US-Wirtschaft, seit 1973 geschüttelt von drei tiefen zykli- schen Krisen, befindet sich in einer langwierigen strukturellen Krise. Ein wesentliches Element ist die Deindustrialisierung des Landes, der Niedergang wichtiger industrieller Bereiche im Inter- nationalisierungsprozeß des Kapitals. Statt dessen richtet das US-Kapital den Hauptaugenmerk auf seine Rolle an den internatio- nalen Finanzmärkten. Während die herrschende Variante der Politik sich auf die Wiedergewinnung der internationalen Hegemonie durch Stärkung des Militärs richtet, steht eine andere bürgerliche Va- riante im partiellen Gegensatz dazu: Sie möchte die staatlichen Mittel für eine ausgewogene Industriepolitik einsetzen. Die Linke konzentriert sich in ihren Alternativvorstellungen auf den Kampf gegen die militärische Orientierung, die Herstellung internatio- naler gewerkschaftlicher Solidarität und die Durchsetzung von Ka- pitalverkehrskontrollen, die eine Steuerung des Internationali- sierungsprozesses der Produktion im Interesse der Lohnabhängigen ermöglichen. Paul Boccara Die ökonomische Strukturkrise in Frankreich. -------------------------------------------- Worum geht es bei ihrer Bewältigung? ------------------------------------ Nach dem Scheitern des Experiments der "Linksregierung" in Frankreich steht die französische Linke vor der Aufgabe, das Pro- jekt eines konkreten Bruchs mit dem Kapitalismus zu realisieren. Im Mittelpunkt steht der Kampf um die Durchsetzung neuer Lei- tungskriterien in den öffentlichen und privaten Unternehmen, in den Banken, aber auch auf der Ebene der staatlichen Wirtschafts- politik. Während das Prinzip der kapitalistischen Rentabilität die Maximierung des Profits im Verhältnis zum Kapital anstrebt, steht im Kern der neuen Kriterien das Verhältnis Neuwert/Kapital. Es geht vor allem darum, daß alle Aufwendungen für die lebendige Arbeit im weitesten Sinne als produktiv begriffen werden müssen. Dies entspricht auch dem Charakter der neuen Technologien. Die derzeit ablaufenden technologischen Umbrüche beinhalten relative Einsparungen von vergangener Arbeit (Material und Maschinerie) und basieren auf einer Weiterentwicklung der menschlichen Fähigkeiten. Der neue Typ der Produktivkraftentwicklung erfordert also verstärkte Aufwendungen für die lebendige Arbeit, ermöglicht dafür massive Einsparungen von vergangener Arbeit. Der kapitalistische Typ der Produktivkraftentwicklung (Ersatz leben- diger Arbeit durch vergangene Arbeit) gerät also in Widerspruch zu den Bedingungen, die die neuen Technologien schaffen. Ron Bellamy Der Charakter der gegenwärtigen Krise in Großbritannien ------------------------------------------------------- und die Alternativvorschläge der Linken --------------------------------------- Die kapitalistische Krise hat Großbritannien besonders hart ge- troffen. Ursache ist die traditionelle Schwäche der industriellen Produktion, die Vernachlässigung der materiellen Basis. Die Linke hat zur Lösung dieser strukturellen Krise schon früh Alternativen vorgelegt: Im Kern dieser Vorschläge steht eine verstärkte öf- fentliche Kontrolle über die Investitions-, Produktions- und Be- schäftigungspolitik der Unternehmen. Einbegriffen ist die Auswei- tung des staatlichen Sektors selbst. Ziele sind die Schaffung neuer Arbeitsplätze durch gezielte industrielle Modernisierung, die Sicherung des Binnenmarktes durch Importkontrollen und die Verbesserung der Absatzmöglichkeiten im nationalen Rahmen durch höhere öffentliche Ausgaben für Investitionen und Soziales. Ein- begriffen sind Preiskontrollen. Realisiert werden muß dieses Pro- gramm durch ein breites Bündnis unter Führung der Arbeiterklasse. In der gegenwärtigen Diskussion innerhalb der britischen Linken wird es darauf ankommen, die Strategie der lokalen, dezentralen Alternativprojekte, wie sie vom Greater London Council realisiert wurden, nicht gegen dieses skizzierte Gesamtprojekt zu stellen. Elvio Dal Bosco Der Charakter der gegenwärtigen Krise ------------------------------------- und Alternativen der Linken: Italien ------------------------------------ In den letzten Jahren ist es in Italien als Reaktion auf die zu- nehmende Krisenhaftigkeit der Entwicklung und die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums zu einer Umstrukturierung auf der Ebene des Kapitals gekommen. Deren Hauptmerkmal besteht in einer Zu- nahme der Konzentration des Kapitals unter Dominanz des Finanzka- pitals, während die notwendige Stärkung und Revitalisierung der produktiven Grundlage der italienischen Industrie weitgehend aus- geblieben ist. Die Wirtschaftspolitik verfolgt einseitig das Ziel, die Umverteilung zu Lasten der Arbeitseinkommen und des Sy- stems der sozialen Sicherung voranzutreiben. Die Arbeiterbewegung hat bei ihren Abwehrkämpfen begrenzte Erfolge erzielt, dabei aber trotzdem an Dynamik und Organisationskraft eingebüßt. In der Ver- bindung von Forderungen nach Lohnerhöhungen, Arbeitszeitverkür- zungen und einem Mitspracherecht bei der Einführung von techni- schen Neuerungen im Betrieb wird nun ein Ausgangspunkt für die Wiedergewinnung gewerkschaftlicher Initiative gesucht. Horst Heininger / Lutz Maier Internationalisierung - ----------------------- eine Grundtendenz der SMK-Entwicklung heute ------------------------------------------- Die Internationalisierung des SMK wird als eine Haupttendenz der Anpassung staatsmonopolistischer Produktionsverhältnisse an ver- änderte Bedingungen dargestellt. Die zunehmende gegenseitige Ab- hängigkeit der kapitalistischen Industriestaaten realisiert sich in einer neuen Stufe internationaler Arbeitsteilung, in neuen Formen der Verflechtung von Staat und Monopolen auf internationa- ler Ebene und in neuen internationalen Regulierungsformen. Auf der neuen Ebene des SMK entstehen neue Formen internationaler Ausbeutung und neue Modi der Austragung zwischenimperialistischer Rivalität. Von besonderer Bedeutung sind dabei unterschiedliche Typen (hegemonialer und kollektiver) imperialistischer Herr- schaft. Damit sind auch unterschiedliche Linien imperialistischer Strategiebildung gesetzt, die für die Entwicklung der internatio- nalen Beziehungen bedeutsam sind. Bernhard Roth Internationalisierung des SMK: Eine neue Tendenz in der ------------------------------------------------------- Entwicklung der kapitalistischen Weltwirtschaft? ------------------------------------------------ Der Autor trägt Einwände gegen die Konzeption der Internationali- sierung des SMK heute vor, wie sie in diesem Band "Marxistische Studien" von Lutz Maier und Horst Heininger vorgestellt und ent- wickelt wird. Er sieht in den internationalen Institutionen und Organisationen keine Formen der Internationalisierung des SMK, sondern interpretiert sie als Ausdruck zunehmender zwischenstaat- licher Absprachen und Vereinbarungen. Aus seiner Sicht geht es bei der gegenwärtigen Entwicklung um die Politisierung des ökono- mischen Internationalisierungsprozesses. In der Entwicklung der internationalen Arbeitsteilung sieht er ebenfalls keine qualita- tiv neuen Momente, die der Internationalisierung des SMK eine Ba- sis schaffen könnten. Gegenüber der Herausbildung einer realen Weltökonomie besteht der Autor auf den Nationalwirtschaften als Grundeinheiten der Weltwirtschaft. Ulrich Dolata / Arno Gottschalk / Jörg Huffschmid Staatsmonopolistische Komplexe als neue Organisationsform des ------------------------------------------------------------- Kapitals. Bemerkungen zu einer neuen Kategorie der politischen -------------------------------------------------------------- Ökonomie des Kapitalismus ------------------------- Die Benutzung dieses Begriffs in der marxistischen Literatur ist erst jüngeren Datums. Auf den Ergebnissen einer umfassenderen Studie für die BRD fußend, erörtern die Autoren die theoretisch- analytische Bestimmung dieser Kategorie. Sie wird als Organisati- onsform des Kapitals auf der Ebene des SMK verstanden. Ihre Kern- bestimmungen sind: enge, dauerhafte und institutionalisierte Ver- flechtung von Staat und Privatmonopolen bis in den Produktionszy- klus in entwicklungsstrategischen Produktivkraftbereichen. Die Bestandteile und Funktionselemente der SK sind der privatmonopo- listische Kernbestandteil, der Staatsapparat und Verflechtungsin- stitutionen. Hinzu kommen Elemente der ökonomischen und poli- tisch-gesellschaftlichen Peripherie. Für die BRD halten die Auto- ren die Existenz folgender Komplexe für gegeben: Militär-Indu- strie-Komplex, Luft- und Raumfahrt-Komplex, Atom-Industrie-Kom- plex, Telekommunikations-Industrie-Komplex. Sie bestehen auf ei- ner engen Fassung des Begriffs, unter den staatsmonopolistische Verflechtungen nicht generell subsumiert werden können. Caspar Schirmeister Neuere Tendenzen im Monopol als ------------------------------- finanzkapitalistischem Herrschaftsverhältnis -------------------------------------------- Der Autor plädiert für die Beibehaltung des Monopols als grundle- gender Kategorie des heutigen Kapitalismus. In seiner Sicht sind Monopole heute staatsmonopolistisch geprägte finanzkapitalisti- sche Monopole. Dies drückt qualitative Veränderungen aus, die die Kapitalmobilisierung und die Rolle des Staates betreffen - eine neue Qualität der Beherrschung gesellschaftlichen Kapitals. In diesem Kontext diskutiert der Verfasser den Begriff des staatsmo- nopolistischen Eigentums. Mit der finanzkapitalistischen Expan- sion sind funktionelle Verschmelzungsprozesse verbunden. Als neue Tendenz zeichnet sich die Monopolisierung von Herrschaftswissen, die Herausbildung von Informations- und Kommunikationsmonopolen ab. Als aktuellen Monopolisierungsaspekt untersucht der Verfasser staatsmonopolistische Komplexe. Er wendet sich dabei gegen eine Übergewichtung der ökonomischen Aspekte. Angelina Sörgel Das Finanzkapital - mehr als eine soziologische Kategorie --------------------------------------------------------- Der Beitrag untersucht aktuelle Aspekte der Entwicklung des Fi- nanzkapitals im Internationalisierungsprozeß. Gemeinsame ökono- mische Verwertungsstrategien der im Finanzkapital beteiligten Mo- nopole werden als wesentlicher Inhalt angesehen. Sie realisieren sich in Kooperation von Industrie- und Bankmonopolen. Es werden so die neuen Formen der Exportfinanzierung und der Internationa- lisierung des Bankgeschäfts dargestellt. Letztere entwickelt sich für die westdeutschen Großbanken seit der zweiten Hälfte der siebziger Jahre besonders stürmisch. Dem entspricht eine Umstruk- turierung der internationalen Finanzmärkte. Welche Funktion hat der relative Überschuß, die Plethora von Geldkapital? In der Sicht des Beitrags führt er zur Stärkung des Finanzkapitals. Der Parasitismusbegriff muß auf das Monopol- und Finanzkapital in seiner Gesamtheit bezogen werden. Hermannus Pfeiffer Großbanken und Finanzgruppen. Ergebnisse einer Untersuchung ----------------------------------------------------------- der personellen Verflechtungen der Großbanken --------------------------------------------- Der Verfasser wendet das marxistische Konzept der Finanzgruppen, verstanden als wesentliches Strukturelement des heutigen Kapitalismus, auf die aktuellen Verhältnisse der BRD an. Den em- pirischen Zugang zur konkreten Struktur der Finanzgruppen bildet die Untersuchung der personellen Verflechtungen und Beziehungen. Als organisierendes Zentrum erscheinen die monopolistischen Groß- banken. Es werden primäre und sekundäre personelle Verflechtungen unterschieden. Die Finanzgruppen der Deutschen Bank und der Dresdner Bank sind in der BRD die bedeutendsten. Ulrich Dolata Neue Technik, Produktionsstrukturen und Anpassungsreaktionen ------------------------------------------------------------ des SMK ------- Von einer Skizze der derzeitigen Anwendung neuer Technologien in der Produktion und ihrer Entwicklungstrends ausgehend untersucht der Beitrag die ökonomischen Auswirkungen dieser Entwicklung. Mit der Modernisierungskonkurrenz ist sowohl verstärkte Kapitalfrei- setzung als auch wachsender Kapitalbedarf verbunden. Es kommt zur Herausbildung neuer Konzernprofile und Verwertungsstrategien. Der Zugriff auf das staatliche Wissenschaftspotential erlangt erhöhte Bedeutung. Die internationale Modernisierungskonkurrenz wird zum zentralen Mechanismus der ökonomischen Regulierung des wissen- schaftlich-technischen Fortschritts. Sie übersetzt die neuen Re- produktionserfordernisse des technologischen Umbruchs in konkrete Anpassungsreaktionen der staatsmonopolistischen Produktionsver- hältnisse. Hermann Bömer Markt, Plan, Vergesellschaftung. Zum Stand der ---------------------------------------------- wissenschaftlichen Debatte über das globale Energieproblem ---------------------------------------------------------- Ausgehend von der nach Tschernobyl erneut zugespitzten Debatte über verschiedene Wege zur Lösung des Energieproblems wird auf der Grundlage der vorliegenden unterschiedlichen "Entwicklungs- pfade" die These vertreten, daß es möglich ist, sowohl die Energiefrage in den entwickelten Industrieländern als auch die weit drängendere Problematik in der Dritten Welt zu lösen, ohne weiter auf den Ausbau der Kernkraft zu setzen, aber auch ohne die Ausbeutung der nichtregenerativen Ressourcen zu steigern. Der extensiven Nutzung von Kohle, Erdöl und Erdgas zur Stromerzeugung steht vor allem die drohende "CO2-Falle" entgegen: Bei weiterem Anstieg des globalen fossilen Primärenergieverbrauchs drohen lebensbedrohende Klimaveränderungen. Im Mittelpunkt aller langfristig angelegten Energiekonzeptionen muß die Energie- einsparung stehen - was allerdings eine grundlegende Änderung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Strukturen erforderlich macht. In der Auseinandersetzung mit ökologisch-marktwirt- schaftlichen Konzeptionen wird dargestellt, daß das Profitsystem nicht in der Lage ist, das Eintreten von ökologischen Katastro- phen zu verhindern. Wilma R. Albrecht Endogene Entwicklungskonzepte zwischen fortschrittlicher -------------------------------------------------------- Perspektive und kleinbürgerlicher Sackgasse. Einige --------------------------------------------------- kritisch-systematische Anmerkungen ---------------------------------- In der regionalpolitischen Diskussion der 80er Jahre wird ver- stärkt die Problematik einer "eigenständigen Regionalentwicklung" aufgeworfen. Dieses Konzept "endogener Entwicklung" setzt auf die Mobilisierung der regionalen Ressourcen unter weitgehender Außer- achtlassung der Verknüpfung von regionaler und gesamtgesell- schaftlicher Ebene. Wilma Albrecht untersucht in ihrem Beitrag ferner die Herkunft dieser Konzepte, ihre theoretischen und ideo- logischen Implikationen sowie den Beitrag, den sie für die sozi- alökonomische Entwicklung leisten können. Marxistische Studien, Jahrbuch des IMSF 11, 1986, S. 349-361 Heinz Czymek Das Ruhrgebietsprogramm der DKP ------------------------------- Das Ruhrgebiet, nach wie vor größtes industrielles Ballungszen- trum der BRD, ist durch Strukturschwächen und Wirtschaftskrise besonders betroffen. Es ist ein Zentrum der Arbeiterklasse und Arbeiterbewegung. Erläutert werden die Ausgangspunkte und Ziel- setzungen des Ruhrgebietsprogramms der DKP als eines demokrati- schen Aktions- und Gesellschaftsprogramms. Der Kritik unterzogen werden die verschiedenen Konzepte staatsmonopolistischer Regulie- rung für das "Revier". Besondere Aufmerksamkeit gilt dem sozial- partnerschaftlichen Konzept der SPD. Der Autor stellt zum Schluß jene politischen und sozialen Kräfte vor, aus deren Zusammenwir- kung eine Veränderung der Politik hervorgehen könnte. Johannes Klotz Außerparlamentarische Bewegungen und Positionsveränderungen ----------------------------------------------------------- in der Sozialdemokratie ----------------------- Der Beitrag untersucht den Einfluß der außerparlamentarischen Be- wegungen auf die programmatischen Positionen der Hauptströmungen der Sozialdemokratie der BRD. Dabei stehen die Probleme der Öko- logie und Wirtschaftspolitik im Mittelpunkt. Als Hauptergebnis kann die Herausbildung einer ökoreformistischen Strömung in der Sozialdemokratie angesehen werden. Der aktuelle Druck zur Umori- entierung in der SPD geht vor allem von der Entwicklung der Grü- nen zur Parlamentspartei aus. Während die in der SPD-Führung do- minierende neointegrationistische Strömung nach wie vor auf eine Modernisierungsstrategie im Rahmen der monopolistisch dominierten Marktwirtschaft - allerdings mit sozialer Abfederung - setzt, orientiert der Ökoreformismus auf den ökologischen Umbau der Marktwirtschaft. Der sozialistische Reformismus, dessen aktuelle Konzeption ausführlich vorgestellt wird, plädiert für einen öko- logischen Umbau einer sozial kontrollierten gemischten Wirt- schaft. Neben den unterschiedlichen Programmvorstellungen ist die Frage des Umgangs mit den außerparlamentarischen Bewegungen und mit der Partei der Grünen ein wesentlicher Differenzierungspunkt der Strömungen. Joachim Bischoff Überakkumulation und Reformpolitik. ----------------------------------- Grundzüge einer sozialistischen Wirtschaftskonzeption ----------------------------------------------------- Die Krisenerscheinungen der siebziger und achtziger Jahre im Ka- pitalismus sind nicht in erster Linie die Folge besonderer Ereig- nisse dieser Jahre und auch nicht Ausdruck des Wegfalls besonders günstiger Nachkriegsbedingungen. Die widersprüchliche Vermittlung der Bewegung von Profitrate und Profitmasse hat zu einer struktu- rellen Überakkumulation von Kapital geführt, bei der die Erweite- rung der Profitmasse nicht mehr die Wirkung der rückläufigen Pro- fitrate auf die Akkumulation aufhebt. Ausdruck dieser Stockung im Akkumulationsprozeß ist der wachsende Parasitismus der Geld- und Kreditsphäre. Die sozialistische Linke hat in dieser Situation eine Konzeption zu entwickeln, die nicht auf die Revitalisierung der Industrie durch Modernisierung der Produktion, auf eine neue "Lange Welle" wirtschaftlichen Wachstums hofft, sondern die Aus- dehnung des tertiären Sektors zum Kernpunkt macht. Zu diesem Zweck ist es notwendig, die alten Verteilungsstrukturen mit ihrer Begünstigung des Finanzsektors in Frage zu stellen, vor allem durch eine neue Steuerpolitik. Kurt Hübner/Michael Stanger Konjunkturzyklen, Lange Wellen und historische Stadien der ---------------------------------------------------------- Kapitalakkumulation. Probleme einer marxistischen Theorie --------------------------------------------------------- kapitalistischer Entwicklung am Beispiel der Weltwirtschaftskrise ----------------------------------------------------------------- der 70er und 80er Jahre ----------------------- Im Mittelpunkt der gegenwärtigen Krisendiskussion muß die ent- wicklungshistorische Einordnung der Periode seit Mitte der sieb- ziger Jahre als Restrukturierungskrise stehen. In scharfer Ab- grenzung von der Stadienthese der SMK-Theorie, die im Kern auf eine Zusammenbruchsthese hinausläuft, ist' der Neustrukturierung- scharakter der gegenwärtigen "großen Krise" als Krise des Regu- lierungsmodells selbst zu betonen. Dabei spielt der Übergang zu neuen Produktionstechniken eine zentrale Rolle. Der Strukturbruch mit dem alten Akkumulationsmodell führt aber nicht automatisch zu einem neuen ökonomischen Aufschwung. Dies verweist auf die Poli- tikhaftigkeit des Weges zur Wiederbelebung der Wachstumsdynamik und damit auch auf dessen Gestaltungsfähigkeit. Hubert Kleinert Umbau der Industriegesellschaft - ein realistisches Konzept ----------------------------------------------------------- der Gesellschaftsveränderung der GRÜNEN --------------------------------------- Der Beitrag stellt die Grundgedanken des Umbauprogramms der Grü- nen vor, an dessen Formulierung der Autor beteiligt war. Sein An- satz ist die Einleitung eines grundlegenden ökologischen Struk- turwandels, der an der Umgestaltung der stofflichen Struktur der Produktion orientiert ist. Dies ist der Ausgangspunkt für soziale und demokratische Reformmaßnahmen. Der Verfasser erörtert die wichtigen Interventionsmöglichkeiten, die sozialen Umbaumaßnahmen und Rolle und Formen der Demokratisierung. Er unterstreicht den reformpolitischen Charakter des Umbauprogramms. Uwe Kremer Ökonomische Krise und das Problem der Innovation ------------------------------------------------ Die gegenwärtige Krise als Verbindung von struktureller Überakku- mulation und Innovationen verweist auf anhaltende Regulierungsde- fizite des kapitalistischen Systems. Der Übergang zu einem neuen Wachstums- und Innovationstyp vergrößert die Komplexität der öko- nomischen und gesellschaftlichen Zusammenhänge, so daß - entgegen propagandistischen Beschwörungen des Marktes - die Anforderungen an gesamtwirtschaftliche Regulierungskapazitäten wachsen. Sowohl die Konzeptionen von Späth und Biedenkopf als auch von Roth und Glotz reflektieren auf ihre Art dieses Problem: beide aber eröff- nen nur den Weg zu einer gespaltenen Akkumulationsdynamik, bei der Prosperität auf bestimmte High-Tech-Bereiche beschränkt bleibt. Die Linke muß neben einem wirtschaftspolitischen Sofort- programm eigene Regulierungs- und Innovationskonzepte entwickeln, die einen im Kern etatistischen Charakter haben werden und die Frage der Vergesellschaftung aufwerfen. zurück