Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


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RESULTATE DES UNMITTELBAREN PRODUKTIONSPROZESSES

Joachim Bischoff/Axel Otto *) 1. Das Manuskript des "sechsten Kapitels" - 2. Waren als Produkt des Kapitals - 2.1 Der Zirkellauf der Darstellung - 2.2 Wie wei- ter mit Buch II und III? - 2.3 Wert- und Preisbestimmung Nach Beendigung der Heftfolge von 1861-63, dem zweiten Entwurf zum "Kapital", bringt Marx innerhalb weniger Jahre, von 1863-65, einen weiteren, dritten Entwurf einer Kritik der politischen Öko- nomie zu Papier. 1) 1. Das Manuskript des "sechsten Kapitels" ----------------------------------------- Die ersten fünf Kapitel des Buchs vom Produktionsprozeß aus dem Manuskript 1863-65 sind verschollen. Nur das sechste und letzte ist überliefert. 2) Es ist in zweierlei Rücksicht von Interesse: E r s t e n s: Als erhalten gebliebener Teil kann es - nach Maß- gabe seines beschränkten Umfangs - Auskunft geben darüber, wie Marx die Darstellung des unmittelbaren Produktionsprozesses im dritten Entwurf angelegt hat. Rückverweise innerhalb dieses Kapi- tels erlauben die Schlußfolgerung, daß Marx das erste Buch vom Kapital folgendermaßen aufgegliedert hat: Der unmittelbare Produktionsprozeß (1863) 1. Verwandlung von Geld in Kapital. 2. Produktion des absoluten Mehrwerts. 3. Produktion des relativen Mehrwerts. 4. Kombination beider Formen. Verwandlung des Werts der Arbeits- kraft in den Wert der Arbeit. 5. Rückverwandlung von Mehrwert in Kapital. Der Umschlag im Ge- setz der Aneignung. Die sog. ursprüngliche Akkumulation. 6. Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses. Festzuhalten bleibt zunächst, daß Marx seine Ausarbeitung des Ka- pitels vom Geld (1859) noch nicht für revisionsbedürftig erach- tet. Mit Ausnahme des letzten Kapitels "Resultate..." hat eine weitgehende Annäherung an die Strukturabfolge im veröffentlichten ersten Band des "Kapitals" stattgefunden. So ist dem Problem des Arbeitslohns ebenso Rücksicht getragen wie der Tatsache, daß es sich als unmöglich erwiesen hat, die Theoriegeschichte einzelner ökonomischer Formbestimmungen gesondert als historischen Nachtrag auf die verschiedenen Ebenen des Systems der Kritik der politi- schen Ökonomie zu verteilen - alles Resultate der Abarbeitung am zweiten Entwurf. Daß gleichwohl noch nicht alle Probleme des er- sten Bandes gelöst sind, belegt das sechste Kapitel selbst: Ei- nerseits ist es streckenweise als Kritik bzw. Ergänzung der Dar- stellung in den vorangegangenen fünf Kapiteln angelegt; anderer- seits schreibt Marx für den ersten Druck des "Kapitals" ein neues, weiteres Manuskript, in dem das 6. Kapitel als solches nicht mehr auftaucht (ausgenommen die abschließende Formulierung des Übergangs zum zweiten Buch). Eine Aufgabe der Interpretation besteht mithin darin, den Entwicklungsstand von Marx mit Bezug auf die Verhältnisse des unmittelbaren Produktionsprozesses im Unterschied zum zweiten "Kapital"-Entwurf einerseits, der Ausgabe von 1867 bzw. '72 andrerseits einzuschätzen. Z w e i t e n s: Bezogen nicht mehr nur auf den Produktionspro- zeß, sondern auf die Gesamtstruktur des Manuskripts von 1863-65, bildet das 6. Kapitel die entscheidende Schnittstelle, an der Marx den systematischen Gang der Bauplanabfolge verläßt und - an- statt sich den Verhältnissen des Zirkulationsprozesses zuzuwenden - sein Interesse auf die Gestaltungen des Gesamtprozesses rich- tet. 3) Dieses Querlaufen des Forschungs- zum Darstellungsprozeß reflektiert sich innerhalb des 6. Kapitels selbst: Die drei Un- terpunkte dieses Kapitels sind von Marx nachträglich in einer an- deren Reihenfolge gruppiert als die, nach der er sie niederge- schrieben hat. Im Manuskript finden wir diese Abfolge: Kapitel 6. Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses 1. Waren als Produkte des Kapitals. 2. Die kapitalistische Produktion als Produktion von Mehrwert. 3. Produktion und Reproduktion des ganzen Verhältnisses. Auf den ersten Blick erscheint es plausibel, ausgehend vom mate- riellen Resultat - der kapitalistisch produzierten Ware - eine zusammenfassende Charakterisierung der ihr zugrunde liegenden Produktionsverhältnisse zu geben und diese zudem als ein sich re- produzierender Prozeß zu begreifen. Man erinnere sich an den Ab- schlußsatz des 21. Kapitels "Einfache Reproduktion" aus dem "Kapital": "Der kapitalistische Produktionsprozeß, im Zusammen- hang betrachtet oder als Reproduktionsprozeß, produziert also nicht nur Ware, nicht nur Mehrwert, er produziert und reprodu- ziert das Kapitalverhältnis selbst, auf der einen Seite den Kapi- talisten, auf der andren den Lohnarbeiter." 4) Indes ist im "Kapital" die Darstellung der Reproduktion/Akkumulation nicht nach dem Schema: Ware - Mehrwert - soziales Verhältnis zu verste- hen. Die kapitalistisch produzierte Ware wird nicht fixiert und einer selbständigen Analyse unterworfen; als erstes, unmittelba- res und materielles Resultat des Produktionsprozesses interes- siert sie nur soweit, als sie ein in seine Voraussetzung umschla- gendes Produkt des Produktionsprozesses erscheint und sich über diesen Umschlag weitere Bestimmtheiten der Produktion als Repro- duktion sowie als soziales Produktionsverhältnis erschließen las- sen. Auch für das vorliegende Manuskript 63-65 schlägt Marx eine an- dere Systematik vor: "Von diesen drei Rubriken ist Nr. l in der letzten Bearbeitung für den Druck zuletzt, nicht zuerst, zu stel- len, weil es den Uebergang zum zweiten Buch - Zirkulationsprozess des Kapitals - bildet." /3/ Nicht nur der "Bequemlichkeit wegen /ibd./, wie er launig einräumt, hat er den systematisch letzten Punkt "Waren als Produkt des Kapitals" zuerst verfaßt. Zeigt doch gerade eine nähere Betrachtung gerade dieser Formbestimmtheit, welche übergreifenden Problemzusammenhänge am Abschluß des Pro- duktionsprozesses die weitere Darstellung schwierig machen. Die in "Waren als Produkt des Kapitals" von Marx selbst angespro- chenen inhaltlichen Probleme der Gesamtstruktur des "Kapitals" bilden den Gegenstand unserer folgenden Interpretation. Aus Platzgründen können wir auf die Bedeutung und das weitere Schick- sal der im "Resultate..."-Kapitel aufgeworfenen Fragen der Pro- duktion von Mehrwert und der Reproduktion des sozialen Verhält- nisses nicht eingehen. 5) 2. Waren als Produkt des Kapitals --------------------------------- 2.1 Der Zirkellauf der Darstellung ---------------------------------- "Die Ware, als die elementarische Form des bürgerlichen Reich- tums, war unser Ausgangspunkt, die Voraussetzung für die Entste- hung des Kapitals. Andrerseits erscheinen Waren jetzt als das Produkt des Kapitals." /91/ Am Ende des unmittelbaren Produkti- onsprozesses hat die schrittweise Entwicklung ökonomischer Form- bestimmungen in gewisser Weise einen Z i r k e l l a u f d e r D a r s t e l l u n g durchgemacht. An diese "Rück"kehr zum Aus- gangspunkt knüpft Marx in seinen Überlegungen an: Einerseits drückt sich in diesem Kursus der formationsspezifische Charakter kapitalistischer Produktionsverhältnisse aus, andrerseits offen- bart er entscheidende Strukturzusammenhänge der gegenwärtigen Verhältnisse. Ware und Geld, die elementarischen Bedingungen kapitalistischer Produktion, sind als solche zugleich ihre historischen Vorausset- zungen. Vorbürgerliche Formen von Warenproduktion und -zirkulation hat es ab einem bestimmten Punkt im Zersetzungspro- zeß archaischer Gemeinwesen fast überall gegeben, ohne daß aller- dings diese gesellschaftlichen Organismen von der Warenproduktion total durchstrukturiert worden wären. Keine Rede kann davon sein, daß die Ware allgemeine und notwendige Form des Produkts gewesen ist. Der angesprochene Zirkellauf der Darstellung von der Ware als Ausgangspunkt zur Ware als Resultat belegt daher auch einen grundsätzlich veränderten historischen Stellenwert der Warenpro- duktion: "Andrerseits aber wird die Ware erst allgemeine Form des Produkts, muss alles Produkt die Form der Ware annehmen, ergrei- fen Kauf und Verkauf nicht nur den Ueberfluss der Produktion, sondern ihre Substanz selbst, und treten die verschiedenen Pro- duktionsbedingungen selbst umfassend als Waren auf, die aus der Zirkulation in den Produktionsprozess eingehen, nur auf Grundlage der kapitalistischen Produktion." /91/ Formationsgeschichtlich frühere Typen von Gemeinwesen sind von der Kategorie der Ware aus nicht zu entschlüsseln. Umgekehrt führt aber die Analyse von Ware und Geld als Elementarformen des bürgerlichen Reichtums an be- stimmten Punkten von selbst zur Charakterisierung der unter- schiedlichen historischen Bedingungen des Kapitals: "Die Verwand- lung des Geldes, das selbst nur verwandelte Form der Ware, in Ka- pital rindet nur statt, sobald das Arbeitsvermögen in eine Ware für den Arbeiter selbst verwandelt ist." /92/ Unterstellt ist also zweierlei: Der Arbeiter als abgetrennt von den Verwirkli- chungsbedingungen seiner Arbeit, Eigentümer nur seiner Arbeits- kraft selbst, und - darin eingeschlossen - befreit von allen au- ßerökonomischen Abhängigkeits- und Hörigkeitsverhältnissen. Auf Basis dieser Voraussetzungen entwickelt sich die Dynamik der kapitalistischen Produktionsweise. Mit der Entfaltung gesell- schaftlicher und betrieblicher Arbeitsteilung im Wechselspiel mit der industriellen Nutzung von Naturkräften und Wissenschaft, mit der "Massenhaftigkeit des Produkts" /94/ bei der Produktion auf großer Stufenleiter totalisiert sich die Warenproduktion unter dem Regime des Kapitals, ergreift sie alle Zweige der materiellen Reproduktion und macht den Warencharakter des Produkts zur allge- mein notwendigen Form der Arbeitsresultate. "Mit der kapitalisti- schen Produktion ist daher auch erst allgemein der Gebrauchswert durch den Tauschwert vermittelt." /93/ Die Entfaltung der Bedingungen, die die Ware sowohl zur Elemen- tarform des Reichtums wie zum notwendigen Resultat des Kapitals machen, ist in den schrittweisen Gang der ökonomischen Analyse selbst eingeschlossen. Um das Kapital als Produktionsverhältnis formationsgeschichtlich zu charakterisieren - und die falsche Ab- straktion einer historischen Kontinuität von Waren- und Geldwirt- schaften zurückzuweisen -, ist es also nicht nötig, Recherchen für eine vergleichende Geschichte der Produktionsverhältnisse zu betreiben. Die Analyse gegenwärtiger Verhältnisse selbst zeigt, "wie selbst früheren Produktionsepochen angehörige ökonomische Kategorien auf Grundlage der kapitalistischen Produktionsweise einen spezifisch verschiedenen, historischen Charakter erhalten". /92/ Ebenso wie Ware und Geld erscheint der Wert als eine historisch relativ unspezifische Kategorie. Näher betrachtet zeigt sich aber, daß erst in dem Maße, wie Ware und Geld zu notwendigen Ele- mentarformen der bürgerlichen Produktionsweise werden, wie also die kapitalistische Produktion sich entwickelt, "auch die allge- meinen über die Ware entwickelten Gesetze, z. B. die den Wert be- treffenden" /92/, sich realisieren. Bei Gesellschaften mit mehr sporadischen Austauschverhältnissen drückt der Wert weder gesell- schaftliche Durchschnittsverhältnisse aus, noch reguliert er die Produktion. Anders unter dem Kapital. Hier werden die Produkti- onsbedingungen nicht naturwüchsig vorgefunden, sondern gesell- schaftlich vermittelt als Waren in den Produktionsprozeß einrol- liert. "Soweit sie nicht in wirkliches Geld, werden sie in Re- chengeld verwandelt, werden sie als Tauschwerte behandelt und wird das Wertelement, das sie dem Produkt in einer oder der ande- ren Weise zusetzen, genau berechnet." /93/ Als Verwertungsprozeß steht der Produktionsprozeß von vornherein in einem bestimmten, über den Wert regulierten, gesellschaftlichen Zusammenhang. Es ist der historisch spezifische Charakter ebendieses gesell- schaftlichen Zusammenhangs - Produktionsverhältnisse, in deren Zentrum der Wert steht -, um deren nähere Erfassung es Marx in den "Resultaten ..." wesentlich geht. Denn was heißt Realisierung der Gesetze des Werts im Maße der Entwicklung der kapitalisti- schen Produktion? Nicht nur die gegenständlichen Produktionsbe- dingungen nehmen ja die ebenso elementarische wie notwendige Form der Ware an, sondern auch das subjektive Arbeitsvermögen wird als Ware in den allseitigen Austauschprozeß einbezogen. Die Zirkula- tion ist hier eine wesentliche Form der Vermittlung in der Repro- duktion der sozialen Verhältnisse. Andrerseits aber hat die sy- stematische Entwicklung gezeigt: "Der Austausch von Kapital und Arbeitskraft wird formell." /93/ 6) Das Formellwerden des Äquiva- lenzverhältnisses für die Subjekte bei gleichzeitigem Wichtiger- werden der Warenform als Vermittlungsinstanz im sozialen Verkehr: Das Problem der systematischen Erfassung der eigentümlichen Strukturzusammenhänge zwischen objektivierten gesellschaftlichen Verhältnissen und deren bewußt-unbewußter Reproduktion mittels des Handelns und Agierens der Subjekte ist damit als Problem ge- rade erst umrissen. Durchgängig in diesem 6. Kapitel arbeitet Marx an diesem Problemzusammenhang sich ab. Sowohl der Abbruch des Manuskripts wie auch der spätere Verzicht auf einen Punkt "Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses" müssen auch unter diesem Gesichtspunkt betrachtet werden. 2.2 Wie weiter mit Buch II und III? ----------------------------------- Der Weg von der elementarischen Ware zur Ware als Produkt des Ka- pitals führt über den kapitalistischen Produktionsprozeß, in dem sich ein eigentümlicher Formunterschied innerhalb der Wertbestim- mungen des Kapitals herausbildet und sich als wertmäßiger Größen- unterschied am Resultat dieses Prozesses gegenständlich nieder- schlägt. Damit ist die Basis einer konfrontierenden Betrachtung gelegt: "Die Ware, wie sie aus der kapitalistischen Produktion herauskömmt, ist verschieden bestimmt von der Ware, wie von ihr als Element, Voraussetzung der kapitalistischen Produktion ausge- gangen wird." /95/ Marx notiert zwei wesentliche Unterschiede: 1. Während bei der elementarischen, selbständigen Ware durchaus unentschieden blieb, woher die in ihr als Wert kristallisierte Arbeit stammt, "enthält die Ware als Produkt des Kapitals zum Teil bezahlte, zum Teil unbezahlte Arbeit". /95/ 2. Als Produkt des Kapitals, i. e. eines Prozesses gesellschaft- lich zwangsassoziierter Produzenten, verliert die Ware ihren Cha- rakter (scheinbarer) Selbständigkeit und wird zum bloß aliquoten Teil eines Massenprodukts herabgesetzt. Als dieses Teilprodukt fungiert jede einzelne nun "als Träger des Werts des Kapitals und des von ihm produzierten Mehrwerts". /95/ Halten wir uns zunächst das übergreifende Problem, an dem Marx sich in diesem gesamten Unterabschnitt abarbeitet, vor Augen: d a s s i c h v e r ä n d e r n d e V e r h ä l t n i s v o n W e r t- u n d P r e i s b e s t i m m u n g. Generell gilt weiterhin: "Preis hier überhaupt nur der Geldausdruck von Wert. Von den Werten verschiedene Preise kommen überhaupt bisher in un- serer Entwicklung noch nicht vor." /107/ Für quantitativ bestimmte Abweichungen der Preise von den Werten gab es bislang keinen systematischen Grund. Indessen notiert Marx eine formelle Änderung in der Preisbestimmung. Während ursprünglich die einzelne Ware selbständig gefaßt und ihr Preis als ideeller Geldausdruck ihres in sich nicht weiter bestimmten Wertquantums begriffen wurde, ändert sich das Bild am Ende des Produktions- prozesses: "Bei der Preisbestimmung der einzelnen Ware erscheint sie als blosser ideeller Teil des Gesamtprodukts, worin sich das Kapital reproduziert." /96/ Zunächst erschließt sich die Preisbestimmung der einzelnen Ware als aliquoter Bestandteil eines Massenprodukts auf dem Wege der Division des Gesamt- produktenwerts (in Geld) durch die Anzahl der diskreten Produkte /vgl. 98 f./. Dieser veränderten Bestimmung des Preises der Einzelware qua Division entspricht bzw. unterliegt eine veränderte Struktur der Wertbestimmung: Einerseits tritt nun hervor, daß Wert eine Bestimmung des G e s a m t p r o d u k t s ist, nicht primär eine der einzelnen Ware, andrerseits stellt sich dieser Wert als ausgewiesenes Resultat des kapitalistischen Aneignungsprozesses nunmehr in sich differenziert als Produktenwert (c + v + m) dar. Während diese erste These sich in dem Satz zusammenfassen läßt, daß sich die durch den kapitalistischen Aneignungsprozeß bewirkte Veränderung der Wertbestimmung in einer (formell) veränderten Preisbestimmung notwendig ausdrücken muß, läuft die unmittelbar sich anschließende Untersuchung auf die nur scheinbar widerspre- chende These hinaus, daß von dieser formell veränderten Preisbe- stimmung kein direkter und eindeutiger Rückgriff mehr auf verän- derte Strukturen des Verwertungsprozesses möglich ist /vgl. 99 ff./. Kürzen wir die Untersuchung ab und vergegenwärtigen wir uns nur von ihr das von Marx in "zwei Gesetze" /106/ zusammengefaßte Resultat: "es hat sich also gezeigt: 1. bei wechselnden Warenpreisen kann die Rate und Masse des Mehr- werts konstant bleiben; und 2. bei konstanten Warenpreisen kann die Rate und Masse des Mehr- werts variieren." /106/ Anders als bei der einzelnen, selbständig betrachteten Ware exi- stiert bei der Ware als Produkt des Kapitals kein eindeutiger Zu- sammenhang von Preis-und Wertstrukturen mehr. Es ist diese These, die Marx sich als L e i t f a d e n seiner weiteren Untersu- chungen für das zweite und dritte Buch notiert: "Man sieht hier- aus, wie die Ware, als Produkt des Kapitals sich unterscheidet von der einzelnen Ware, selbständig behandelt, und wird sich die- ser Unterschied mehr und mehr zeigen und mehr und mehr auch die Reale Preisbestimmung der Ware usw. affizieren, je weiter wir den kapitalistischen Produktions- und Zirkulationsprozeß verfolgt ha- ben werden." /109/ Am gegenständlichen Resultat des Produktionsprozesses angelangt, eröffnen sich Ausblicke auf weiterführende Strukturzusammenhänge im Gesamtsystem kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Mit dem sich verändernden Verhältnis von Wertbestimmung und Preisen wird der gesamte Spannungsbogen im Vermittlungszusammenhang von all- gemeinen Produktionsgesetzen des Kapitals und dessen verdrehten Erscheinungsformen an der Oberfläche thematisch. Die Formbestim- mung der kapitalistisch produzierten Ware stellt einen ebensol- chen Knotenpunkt für den Gang der systematischen Darstellung dar wie die einfach bestimmte Ware für die Entwicklung der Grundbe- stimmungen des Kapitals. Für Marx erhebt sich notwendig die Frage, in welcher Schrittfolge von Formbestimmungen die in dieser Kategorie eingehüllten, objektivierten Zusammenhänge im System gesellschaftlicher Arbeit nunmehr weiterzuentwickeln sind. Der von ihm formulierte Leitfaden für die sich anschließenden Unter- suchungen hält an der These fest, daß, um die Vorgänge im All- tagsleben wirtschaftlicher Abläufe zu verstehen, ein unmittelba- res Ansetzen an den beobachtbaren Phänomenen nicht weiterführt. Anstatt eine isolierte Preistheorie zu betreiben, ist an der Spannung zwischen Wert und Preis festzuhalten; die Wertbestimmung bildet weiterhin den Ausgangspunkt. Ihre Veränderung begreift einen sowohl vermittelnden wie verdunkelnden Zusammenhang zu den oberflächlichen Erscheinungsformen des Werts in Gestalt der Preise ein. Marx weiß um den Zusammenhang von Wert und Preis, soweit er grundsätzlich und allgemein angesprochen ist. Eine nähere Be- trachtung zeigt aber, daß Unsicherheiten bestehen nicht nur über die Schrittfolge einzelner Vermittlungsglieder, sondern über be- stimmte Dimensionen der Wertbestimmung selbst. Beides hängt aber notwendig zusammen. Das im folgenden angeführte Beispiel zeigt, daß die gesamtwirtschaftlichen Dimensionen im Begriff des Werts nur dann mitgedacht werden können, wenn über den gesellschaftli- chen Vermittlungsprozeß an der Oberfläche hinreichend Klarheit besteht. 2.3 Wert- und Preisbestimmung ----------------------------- Als Träger von Kapital und Mehrwert "zeigt sich die Ware jetzt in dem Umfang, den Dimensionen des Verkaufes, die stattfinden müs- sen, damit der alte Kapitalwert und ditto der von ihm erzeugte Mehrwert realisiert werden". /96/ Gesetzt, es werde nur ein Teil des Produkts losgeschlagen, so gilt nach Marx für diese Waren, daß sie zu "dem ihrem Wert entsprechenden Preis verkauft werden und dennoch unter ihrem Wert als Produkt des Kapitals verkauft sein (können)". /107/ Das Marx hier noch frappierende Problem be- steht offensichtlich darin, daß die verschiedenen Dimensionen in der Entfaltung der Wertbestimmung noch nicht systematisch aufein- ander bezogen sind. Weder kann man das Moment der verausgabten Arbeit (pro Teilmenge) gegenüber der Bestimmung von Wert als übergreifende Bestimmtheit des Gesamtprodukts verabsolutieren - wie im zitierten Fall - noch in das Gegenextrem verfallen und bei einer unterstellten Situation der Absatzbeschränkung eine Wert- und daher auch Preissteigerung des allein verkaufbaren Teilpro- dukts annehmen: "Werden von diesem Gesamtprodukt, 1200 Ellen = 120 Pfund, nur 800 verkauft, so stellen diese 800 nicht 2/3 ali- quote Teile des Gesamtwerts, sondern den ganzen Gesamtwert vor, und repräsentieren also einen Wert von 120 und nicht von 80 und die einzelne Ware nicht (...) 2 sh., sondern (...) 3 sh." /108/ Das Verhältnis von Wert und Preis und daher die Entwicklung der Wertbestimmung selbst in ihren einander scheinbar widersprechen- den Dimensionen werden hier noch in einer Weise verhandelt, die sich als nicht haltbar erweisen wird: "Diese Voraussetzung, dass die Waren zu ihren Werten entsprechenden Preisen verkauft werden, bildet die Grundlage auch der im folgenden Buch enthaltenen Un- tersuchungen." /115/ Nicht erst bei der Analyse der Gestaltungen des Gesamtprozesses, sondern schon mit der Grundlegung der Wert- bestimmung und des Verwertungsprozesses muß deutlich gemacht wer- den, daß das Verhältnis von Wert und Preis sowohl qualitativ wie quantitativ Inkongruenzen einschließt und dies wesentliche Bedin- gung für die Realisierung der Wertbestimmung ist. In beiden durchgespielten Fällen - bei Preiskonstanz bzw. -an- stieg der Einzelware - zeigt sich Marx unbeeindruckt davon, daß ein Teil der verausgabten Arbeit auf dem Markt nicht als gesell- schaftlich notwendige anerkannt wird. Wert als gesellschaftliche Kategorie übergreift bei ihm zwar schon die einzelne Ware, bleibt aber immer noch eingeschränkt auf das Produkt eines Kapitals bzw. einer Branche und wird noch einseitig nach der Seite der Produk- tion gefaßt; er umfaßt noch nicht die gesamtgesellschaftliche Verteilung der Arbeit. Das Beispiel verweist darauf, daß zwei un- tereinander zusammenhängende Problemstränge, die vor allem in den Büchern zwei und drei des "Kapitals" thematisch werden, noch ei- ner Klärung harren: - die gesamtwirtschaftlichen Dimensionen der Wertbestimmung; - der gesellschaftliche Vermittlungsprozeß, in dem sich das Wert- gesetz durchsetzt; einerseits als bestimmende Grundlage, andrer- seits als beständig werdendes Resultat über das Handeln der Sub- jekte. Indem Marx auf das sich verändernde Verhältnis von Wert und Preis reflektiert, schneidet er der Sache nach genau diesen Problemzu- sammenhang an. Über die kapitalistisch produzierte Ware als ge- samtgesellschaftliche Größe, d. h. über das Warenkapital, er- schließen sich zentrale Gesetzmäßigkeiten der wert- und ge- brauchswertmäßigen Reproduktion der kapitalistischen Produktions- weise, eine bestimmte Verteilung der gesellschaftlichen Gesamtar- beit und damit der Verhältnisse von Produktion, Distribution und Konsumtion. Bestimmungen, die dem Wert als Kapital allgemein zu- kommen, erweisen sich in der Struktur der gesellschaftlichen Ge- samtarbeit als reelle Allgemeinheiten. Die gesamtwirtschaftlichen Implikationen der Wertbestimmung werden mit der Darstellung des Zirkulations- und Reproduktionsprozesses des gesellschaftlichen Gesamtkapitals selbst zum Gegenstand der systematischen Entwick- lung. Da dieser Zusammenhang nur als Kreislaufprozeß zu fassen ist, ist die Bestimmung des Kreislaufs - und da dieser sich mit einer gewissen Rhythmik vollzieht, die des Umschlags - in der theoretischen Abstraktion vorausgesetzt. Die Voraussetzung ändert aber nichts an der Tatsache, daß bereits mit dem gegenständlichen Resultat des kapitalistischen Produktionsprozesses der Bogen zum Gesamtreproduktionsprozeß objektiv geschlagen ist. Insofern ist es auch rationell, daß Marx die Bestimmung der Ware als Produkt des Kapitals als Übergangskategorie in die Betrachtung des Zirku- lationsprozesses verhandelt /vgl. 114 f./, nur kann es keinen un- mittelbaren Übergang von der kapitalistisch produzierten Ware in die Bestimmung des Kapitalkreislaufs geben. Ausgangspunkt bleibt der allgemeine Charakter des Kapitals als wertsetzender Wert. Dieser wird aber in der Kreislaufsform des Geldkapitals zum Aus- druck gebracht. Mit dem Reellsetzen der allgemeinen Bestimmungen des Werts als Kapital ist allerdings noch nicht das Problem gelöst, wie sich über das wechselseitige Verhalten der einzelnen Kapitale unter- einander der allgemeine Zusammenhang der kapitalistischen Produk- tionsweise durchsetzt. Daß sich das einzelne Kapital als Bruch- stück des Gesamtkapitals verhält und in dem Handeln der Produkti- onsagenten - gegen ihr Wissen und Wollen - sich die Bestimmungen des Werts realisieren, d. h. eine bestimmte Proportionierung der gesellschaftlichen Arbeit in widersprüchlichen Verlaufsformen vollzogen wird - diese Gestaltungen des Gesamtprozesses umgreifen den Gegenstand des von Marx geplanten dritten Buchs des "Kapitals". Den Schritten, den die Darstellung folgen muß, um die Vermittlung der Erscheinungsformen an der Oberfläche des gesell- schaftlichen Prozesses mit den allgemeinen Bestimmungen der wert- setzenden Arbeit zu leisten, entspricht ein jeweils verändertes Verhältnis von Wert und Preis (Kostpreis; Produktionspreis; Schein der Konkurrenz). Da auch in der Frage der sozialen Ver- mittlungsformen des Wertgesetzes die kapitalistisch produzierte Ware den systematischen Ausgangspunkt bildet, ist es kein Zufall, daß Marx auch diesen Zusammenhang in den "Resultaten..." streift bzw. als Problem antizipiert. Diesmal ist es Proudhon, an dem Marx sich abarbeitet. Proudhon stellt die Frage: Wie kann die Arbeiterklasse ihr Wochenprodukt zurückkaufen, wenn der Preis des Produkts = Lohn und Profit? Marx hält dem entgegen, daß Proudhon den Gesamtreproduktionsprozeß un- ter dem Aspekt der einzelnen kapitalistisch produzierten Ware an- schaue, in der sich der Produktenwert des Kapitals als Summe ver- schiedener Preisbestandteile reflektiere. Bedenke man jedoch, daß die einzelne Ware nur Teil des Gesamtprodukts sei, so lasse sich der Gesamtproduktenwert in proportionellen Teilen der Gesamtwa- renmasse darstellen, so daß sich die Umsetzung des gesellschaft- lichen Bruttoprodukts und mit ihm die Reproduktion der gesell- schaftlichen Arbeitskraft friktionslos gestalten. - Diese Kritik allerdings hält Proudhon zu viel zugute. Proudhon artikuliert sein Mißbehagen am sozialen Gegensatz von Arm und Reich noch in- nerhalb des oberflächlichen Scheins der Konkurrenz; eine den Ein- kommensformen Lohn und Profit (bzw. Zins) vorausgesetzte Wertbe- stimmung kennt er nicht. Marx merkt selbst, daß er eine Verkür- zung der Problemstellung vorgenommen hat: "In der Tat ist sein Satz noch schlechter, weil er die Voraussetzung impliziert, dass der wahre Preis der Ware (...) = dem in ihr enthaltenen Quantum bezahlter Arbeit und der Mehrwert, Zins etc. nur ein Aufschlag, willkürlicher, über diesen wahren Preis der Ware ist." /114/ In der Auseinandersetzung mit Proudhon wird von Marx faktisch der Gesamtzusammenhang zwischen den Grundstrukturen des gesellschaft- lichen Reproduktionsprozesses bis hin zu dessen oberflächlichsten Erscheinungsformen, dem Umschlagen von Distributions- in Produk- tionsformen als beständig erzeugter Schein der Konkurrenz thema- tisiert. Daß aber noch erhebliche Unklarheit über die einzelnen Vermittlungsglieder besteht, verrät die Unsicherheit, mit der er seine Proudhonkritik systematisch einzuordnen versucht: "Dieser ganze Passus über Proudhon kömmt wohl besser in C. III, Buch II oder noch später." /114/ Im wechselseitigen Ineinanderumschlagen von Produktions- und Dis- tributionsformen werden die Formen des Werts zur Voraussetzung seiner Substanz, oder - etwas alltäglicher formuliert - die Preise (der Waren) erscheinen bestimmt durch die Preise (der Pro- duktionsfaktoren). Die Grundstruktur dieser Zirkelbewegung der Preise ist allerdings bereits mit dem Kostpreis gegeben. Indem dem Kapital anderes Kapital zur Voraussetzung wird, indem es von den verschiedenen Märkten seine Produktionselemente - subjektive wie objektive - mit vorausgesetzten Preisgrößen bezieht und indem die Wiederrealisierung der Summe dieser Preise Voraussetzung der Reproduktion des Kapitalwerts ist, erscheint der alles entschei- dende Formunterschied des Kapitals im unmittelbaren Produktions- prozeß erloschen. In der Bewegung der Kostpreise tauchen nur noch fertige Preise auf, die der Produktionselemente wie die der Pro- dukte, aber kein besonderes wertsetzendes Element mehr. Der Kost- preis als solcher nimmt daher den falschen Schein einer Kategorie der Wertbildung an und - als Konsequenz davon - verwandelt sich der Mehrwert in die veräußerlichte Form des Überschusses über den Kostpreis; ein Überschuß, der durch seinen Bezug auf das vorge- schossene Gesamtkapital die Form des Profits annimmt. Ohne den Begriff des Kostpreises in dieser Bestimmtheit als Kate- gorie der scheinbaren Wertbildung ist der Vermittlungszusammen- hang zwischen den Bestimmungen des Werts und den Formen der Ober- fläche nicht zu rekonstruieren. Mit der Veräußerlichung und Gleichgültigkeit der verschiedenen Elemente des Produktenwerts als Kostpreis und Profit gegeneinander ist die Möglichkeit gege- ben, daß sich das Kapital auf alle Sphären der Produktion ver- teilt, ohne durch deren stoffliche Besonderheiten in seiner Ver- wertung prinzipiell benachteiligt zu werden. Auf Basis des Kost- preises wird eine Umverteilung des gesellschaftlichen Bruttopro- fits vollzogen, dergestalt daß sich die Verwertung des Kapitals an seiner Größe, nicht mehr länger an der vom einzelnen Kapital exploitierten Arbeitskraft bemißt. Die Kategorie des Produktions- preises (Kostpreis plus Durchschnittsprofit) bezeichnet eine Form des Preisbildungsprozesses, in der sich die Wertbestimmung nur noch über das Gesamtkapital vermittelt Geltung verschafft. Aber Produktionspreis und mit ihm die Durchschnittsprofitrate existieren nicht als bestimmende Voraussetzungen für die einzel- nen Kapitale, sondern nur als beständig werdende Resultate einer Bewegung, in der über die Konkurrenz nach maximalen Gewinnchancen eine Verteilung von Kapital und Arbeit auf die verschiedenen Pro- duktionssphären erzielt wird, die rückblickend, als Resultante sich aufhebender Ungleichheiten, angleichende Verwertungsbedin- gungen erzeugt. Der ganze Prozeß ist also mit einem beständigen Schwanken von Preisen begleitet, über die wechselseitige Konkur- renz von Nachfrage und Angebot vermittelt, so daß sich das Gesetz des Werts immer erst im nachhinein auf dem Markt, d. h. nachdem die Arbeit bereits verausgabt worden ist, erfüllt. In der Konkur- renz als ihrer Vermittlungsform macht sich die Wertbestimmung nur noch in gesellschaftlichen Aggregatkräften geltend: produktions- seitig als bestimmtes Angebot, das unter unterschiedlichen Bedin- gungen produziert wurde und mit Waren ähnlichen Gebrauchswerts konkurrieren muß; nachfrageseitig als eine durch die Distributi- onsverhältnisse bestimmte Verteilung der Einkommen sowie, was den größten Block darstellt, als Nachfrage des Kapitals nach Kapital- gütern. Aus dem Aufeinandertreffen beider in sich heterogen strukturierter Aggregate resultieren die Schwankungen der Markt- preise. In keinem einzelnen Fall ist ein unmittelbarer Bezug zur verausgabten Arbeit vorhanden. Mit der weiteren Fraktionierung des Profits in Zins, Unternehmerlohn, Rente usw. sind zusätzliche Parameter der Konkurrenz gegeben. Schließlich schlagen in der be- ständigen Reproduktion dieser Verhältnisse Resultate in Voraus- setzungen, Distributions- in Produktionsformen um. Im Schein der Konkurrenz, reflektiert als Produktionsfaktorentheorie der Preisbildung, ist jegliche Verbindung zum Wertgesetz verlorenge- gangen. Als Resultat einer langen Kette von Vermittlungsgliedern zeigt sich aber gerade das System der Konkurrenz als adäquate Verwirklichungsform eines sozialen Systems der Arbeit, in dem der gesellschaftliche Zusammenhang über den Wert, d. h. über die Gleichsetzung der Arbeitsprodukte hergestellt wird. Marx ist zum Zeitpunkt der Niederschrift der "Resultate..." noch unsicher über den hier nur grob skizzierten Vermittlungszusamr- nenhang. An der zitierten Formulierung vom Unterschied zwischen der einzelnen Ware und der Ware als Produkt des Kapitals, der sich "mehr und mehr (zeigt) und mehr und mehr auch die Reale Preisbestimmung der Ware" affiziert /109/, irritiert die offen- sichtlich unterliegende Vorstellung einer linearen Transformation der Werte in das Reich realer Preise. Das theoretische Problem besteht aber darin, daß der Zusammenhang von Wertbestimmung, Grundgesetz der Konkurrenz und Schein der Konkurrenz nicht als e i n f a c h e Schrittfolge ökonomischer Formbestimmungen aus- formuliert werden kann. Dahinter steht nämlich der gesellschaft- liche Tatbestand, daß über den Markt nicht nur die Produkte der gesellschaftlichen Arbeit, sondern die Verteilung der Gesamtar- beitskraft selbst vermittelt ist. Ab einem bestimmten Punkt der theoretischen Entwicklung ist das Verhältnis von Wert und Preis daher nicht länger als einfaches Ableitungsverhältnis, sondern als eines der Wechselwirkung zu fassen. Nur wenn sich die theore- tische Abstraktion auch der Tatsache stellt, daß die Wertbestim- mung nicht nur Voraussetzung, sondern auch - über die Alltagspra- xis der Subjekte - beständig werdendes Resultat des gesellschaft- lichen Prozesses ist, nicht nur Bestimmendes, sondern auch Be- stimmtes, nur dann kann über die Ausformulierung des gesamten so- zialen Vermittlungsmechanismus der Wertbestimmung an der Oberflä- che vermieden werden, daß ihre gesamtwirtschaftlichen Dimensionen streckenweise unberücksichtigt bleiben. Wir sahen: Anhand der Bestimmung Waren als Produkt des Kapitals diskutiert Marx das sich verändernde Verhältnis von Wert- und Preisbestimmung, damit den Zusammenhang zwischen allgemeinem Be- griff des Kapitals, gesamtwirtschaftlichen Dimensionen des Wert- gesetzes und ihren oberflächlichen Erscheinungsformen. Für ihn selbst sind zu diesem Zeitpunkt noch längst nicht alle Vermitt- lungsglieder transparent. Es ist daher verständlich, wenn er in der weiteren Arbeit am "Kapital" nicht, wie es die Logik des Ge- genstands gebieten würde, mit dem kapitalistischen Zirkulations- prozeß fortfährt, sondern sich direkt den Gestaltungen des Ge- samtprozesses zuwendet. Daß sich in Buch III des Entwurfs von 1863-65 die Schwierigkeiten nicht sofort auflösen, wissen wir aus der Beschreibung des Manuskriptzustands. Weitere Forschungen hät- ten zu klären, warum Marx die Niederschrift unterbricht, um sich Klarheit über den Zirkulations- und Reproduktionsprozeß zu ver- schaffen, und an welchem Punkt er mit der Ausarbeitung der Be- stimmung des Kostpreises als zentraler Anfangskategorie für die Gestaltungen des Gesamtprozesses einen neuen Anlauf zur Ausformu- lierung von Buch III "Kapital und Profit" nimmt. _____ *) Mitarbeiter der Sozialistischen Studiengruppe und der Zeit- schrift "Sozialismus". Der Beitrag ist Resultat kollektiver Dis- kussion innerhalb der Arbeitsgruppe. 1) I. Antonowa/W. Schwarz/A. Tschepurenko, Der dritte "Kapital"- Entwurf von 1863-65, in: Marxistische Studien. Jahrbuch des ISMF 7, Frankfurt am Main 1984, S. 394 ff., sowie die dort angeführte Literatur. 2) Karl Marx, Resultate des unmittelbaren Produktionsprozesses. Veröffentlicht in Archiv Marksa i Engelsa, Moskau 1933. Nachdruck 1969 in Frankfurt/M. - Wir zitieren nach dieser Ausgabe, Seiten- angaben /.../ fortlaufend im Text. 3) L. Miskewitsch u.a., Zur Periodisierung der Arbeit von Karl Marx am "Kapital" in den Jahren 1863-67, in: Marx-Engels-Jahrbuch Bd. 5, Berlin 1983, S. 294 ff. 4) Das Kapital Bd. I, in: MEW 23, S. 604. 5) Verwiesen sei an dieser Stelle auf unsere Interpretationen der früheren "Kapital" "Entwürfe: Grundrisse der politischen Ökonomie - Kommentar, Hamburg 1978; Projekt Entwicklung des Marxschen Sy- stems, Der vierte Band des "Kapital"?, Kommentar zu den "Theorien über den Mehrwert", Berlin/W. 1975; sowie A. Otto/J. Bischoff u.a., Grundsätze der politischen Ökonomie, Der zweite Entwurf des "Kapitals" (MEGA), Hamburg 1984. 6) Marx bezieht sich auf die Darstellung des Umschlags im Aneig- nungsgesetz im verlorengegangenen fünften Kapitel. zurück