Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987
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DIE BEOBACHTUNG DER KAPITALISTISCHEN WELTWIRTSCHAFTSKRISE
VON 1857/58 DURCH MARX UND ENGELS UND DIE ENTWICKLUNG DER
KRISENTHEORIE
Jörg Goldberg
1. Der Charakter der Krise von 1857/58 - 2. Krise und Revoluti-
onserwartungen - 3. Geld und Kredit - 4. Die industrielle Krise:
fixes und zirkulierendes Kapital
1. Der Charakter der Krise von 1857/58
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Die Krise von 1857/58 mit ihrem typischen Ablauf "könnte als An-
schauungsobjekt für in der Literatur vorfindliche modellartige
Vorstellungen des 'normalen' Konjunkturverlaufs unter konkurrenz-
kapitalistischen Bedingungen dienen". 1) Ohne daß auf die kon-
kret-historischen Bedingungen dieser kapitalistischen Weltwirt-
schaftskrise hier eingegangen werden kann, seien folgende wich-
tige Merkmale abkürzend genannt:
- Die Krise war eine kapitalistische Weltwirtschaftskrise, sie
erfaßte die europäischen Länder, die USA, zeigte Auswirkungen in
Rußland und in Asien.
- Sie kann als industrielle Krise bezeichnet werden, d.h. ihr in-
ternationaler Charakter beruht nicht nur auf Handelsverflechtun-
gen, sondern wesentlich auf der Tatsache, daß in verschiedenen
Ländern gleichzeitig innere Widersprüche zum Ausbruch gekommen
sind. 2) Rosenberg bezeichnet sie daher als "die erste eigentli-
che Weltwirtschaftskrise der Geschichte. Annähernd gleichzeitig
in den Vereinigten Staaten, in England und den zentral- und nord-
europäischen Ländern zum Ausbruch gelangend ist die Krise von
hier aus in ungeheuren Sätzen über die Weltmeere gesprungen und
hat nach den Kolonialmärkten und Rohstoffgebieten in Südamerika,
Australien, Ostasien und den afrikanischen Randstaaten hinüberge-
wirkt." 3)
- Ihr vorangegangen war eine relativ lange Prosperitätsphase, in
der der industrielle Kapitalismus, basierend nicht mehr nur auf
der Textilindustrie, sondern im Zusammenhang mit dem Eisenbahn-
bau, der Dampfschiffahrt usw. schwerindustriellen Charakter an-
nehmend, neben England auch in Frankreich, Deutschland und den
USA strukturbestimmend wurde.
- Diese Entwicklung hin zum Industriekapitalismus war verbunden
mit der Entfaltung des Kreditsystems, der Ausbreitung von Aktien-
gesellschaften, der Ausbildung von Geld- und Kapitalmärkten als
eigenständigen, vom produzierenden Bereich gesonderten, aber auf
diesem beruhenden Kapitalanlagefeldern.
- Der internationale Charakter der Krise hatte die Intensivierung
des Waren-und Kapitalverkehrs, die Entwicklung des Transportwe-
sens, die Liberalisierung des internationalen Handels, die Neuor-
ganisation der kolonialen Ausbeutung zur Grundlage, also die Her-
stellung des Weltmarktes.
Der Krisenverlauf war gekennzeichnet durch eine Abfolge von ver-
schiedenen Krisenerscheinungen. Rosenberg spricht für die Zeit
vom Herbst 1857 bis Ende 1859 von einer "zusammenhängenden Kri-
senperiode". 4)
Angekündigt hat sich die Krise aber schon 1856 durch verschiedene
Börsenkräche, ausgehend vor allem von Frankreich, wo es mit dem
Credit mobilier eine staatlich kontrollierte Börsenspekulation
gab. Es gab 1857 sich rasch ausbreitende Erscheinungen der Ab-
satzstagnation im Handel, einen stockenden Binnenmarkt, eine
Geldklemme, die mit stark steigenden Zinsen verbunden war. Aber
schon 1858 kam es zu einer deutlichen Entspannung auf den Geld-
märkten als Folge des Erlahmens der industriellen Aktivitäten,
einem Rückgang des internationalen Handels, einer Kürzung der In-
vestitionsaktivitäten in der Industrie, zu zahlreichen Unterneh-
menszusammenbrüchen, Arbeitslosigkeit und Lohnkürzungen. Aller-
dings verlief der Lohnverfall wesentlich langsamer als der Preis-
verfall, so daß der Konsum relativ hoch blieb. Dies war auch die
wesentliche Grundlage der allmählichen Konjunkturerholung ab
1859, wenn auch der Krieg in Italien in Mitteleuropa nochmals
1859 zu einzelnen Krisenerscheinungen führte.
Der Krisenverlauf war geprägt durch die Abfolge Geldkrise - Han-
delskrise - industrielle Krise, 5) wobei die Krisenerscheinungen
in der Geldsphäre besonders spektakulären Charakter hatten.
Historisch fällt die Krise von 1857/58 in eine relativ dynamische
Entwicklungsepoche des Kapitalismus. Thomas Kuczinsky errechnet
für den Zeitraum 1850 bis 1866 eine jahresdurchschnittliche indu-
strielle Wachstumsrate von 4,8 Prozent, womit die Rate nur wenig
unter dem Wert für den Zeitraum 1951 bis 1969 (5,6 Prozent)
liegt. Die Industrieproduktion ging nach der gleichen Quelle 1857
und 1858 nur leicht zurück und erholte sich 1859 rasch. 6)
2. Krise und Revolutionserwartungen
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Marx und Engels verbanden mit dem Heranreifen der Krise - deren
Ausbruch sie schon in den fünfziger Jahren mehrmals erwartet hat-
ten - hochgespannte revolutionäre Hoffnungen. 7) Der programmati-
sche Satz von 1850 sollte sich nun endlich realisieren: "Eine
neue Revolution ist nur möglich im Gefolge einer neuen Krisis.
Sie ist aber auch ebenso sicher wie diese." In Phasen der Prospe-
rität sei "eine wirkliche Revolution" nicht möglich. Chancen be-
stünden nur dann, wenn "die modernen Produktivkräfte und die bür-
gerlichen Produktionsformen miteinander in Widerspruch geraten."
8)
Die Hoffnung, eine neue Krise würde auch eine neue Revolution
bringen, stützte sich vor allem auf die Erfahrungen mit der Revo-
lution von 1848. "1848 sagten wir: jetzt kommt unsere Zeit, und
sie kam in a certain sense, diesmal aber kommt sie vollständig,
jetzt geht es um den Kopf. Meine Militärstudien werden dadurch
sofort praktischer..." schrieb Engels im November 1858 hoffnungs-
froh an Marx. 9)
Als Hauptfaktor gilt dabei die Erschütterung der bestehenden po-
litischen Herrschaftsformen durch die ökonomische Krise. Der enge
Zusammenhang zwischen ökonomischer Krise und politischen Erschüt-
terungen wird vor allem am Beispiel Frankreichs untersucht, 10)
wo - besonders in Gestalt des Credit mobilier - das Schicksal des
bonapartistischen Regimes eng mit dem der Entwicklung der Ökono-
mie verbunden ist: "Der Credit mobilier erweist sich somit als
eine der merkwürdigsten ökonomischen Erscheinungen unserer
Zeit... Ohne eine solche Untersuchung kann man weder die Aussich-
ten des französischen Kaiserreichs einschätzen, noch die Symptome
der allgemeinen sozialen Erschütterung verstehen, die sich in
ganz Europa zeigen." Der Credit mobilier habe die Absicht, "sich
selbst zum Besitzer und Napoleon den Kleinen zum obersten Direk-
tor der ganzen mannigfaltigen Industrie Frankreichs zu machen.
Eben das nennen wir kaiserlichen Sozialismus." 11) Da dieses In-
stitut einerseits eng mit den industriellen Unternehmungen ver-
bunden war, für die es Kapital zu beschaffen hatte, sein Erfolg
andererseits mit der Geldpolitik der Bank von Frankreich und den
Staatsfinanzen zusammenhing, ist der politische Effekt einer öko-
nomischen Krise vor diesem Hintergrund der Verflechtung von Staat
und Wirtschaft im zweiten Kaiserreich sehr plausibel. Marx und
Engels erwarteten im Ergebnis der Wirtschaftskrise den Sturz des
bonapartistischen Systems. 12)
In einem Tribüne-Artikel über die "Französische Krisis" wird die
Besonderheit des bonapartistischen Frankreichs "mit einer Regie-
rung, die in Frankreich die gleiche Rolle gespielt hat wie der
private Handel in unserem Lande (den USA, J. G.), in England und
Hamburg", so beschrieben: Die französische Krise "wird den Akti-
enmarkt schwer treffen und dessen Hauptstütze gefährden - den
Staat selbst." Der etwas "ökonomistisch" beschriebene Zusammen-
hang zwischen ökonomischer und politischer Krise hat also zumin-
dest im Falle Frankreichs eine gewisse Grundlage in den wirkli-
chen Verhältnissen. 13) Allerdings zeigt die Berichterstattung
von Marx vor allem in Artikeln der amerikanischen New-York Daily
Tribüne, daß dem Kaiserreich mit dieser engen Verbindung von
Staat und Ökonomie auch gewisse wirtschaftspolitische Steuerungs-
mittel zur Verfügung standen. So erkennt Marx, im November 1856,
auf dem Höhepunkt der Geldkrise, daß die Regierung einerseits für
neue Kapitalzuführungen in die industriellen Unternehmungen zu
sorgen hat, insbesondere beim Eisenbahnbau ("die Einstellung der
Arbeiten würde nicht nur Bankrott, sondern Revolution bedeuten"),
was aber andererseits die Wertpapierkurse senken und die ohnehin
labile Verfassung der Börse weiter belasten würde. Die Novellie-
rung des Bankgesetzes im Mai 1857 gibt der bonapartistischen Re-
gierung neue Möglichkeiten in die Hand, um die Probleme der
Staatsfinanzen zu überbrücken. Dies ermöglichte es dem Staat spä-
ter, eine aktive Beschäftigungspolitik zu betreiben, so durch
"einen Kredit von einer Million Francs zur Unterstützung der Be-
dürftigen und zur Beschaffung von Arbeitsmöglichkeiten", aber
auch durch die "Methode..., Kapital in unproduktive Werke zu
stecken" wie z.B. die Neugestaltung von Paris unter dem Präfekten
Haussmann. 14)
Letzten Endes nahm die französische Krise doch einen relativ mil-
den Verlauf, was Marx vor allem mit der günstigen Außenhandelspo-
sition des Landes begründet.
Ein wichtiges Moment des Zusammenhangs zwischen ökonomischer und
politischer Krise ist der Verlust der politischen Unterstützung
von Mittelschichten und Bauernschaft. Zur Sanierung der bedräng-
ten Staatsfinanzen müssen diese Schichten mit neuen Steuern be-
legt werden. Wie Marx vor allem am französischen Beispiel ver-
folgt, wächst gerade in diesen Schichten die Unzufriedenheit, das
System muß zu mehr repressiven Maßnahmen Zuflucht suchen. 15)
Insgesamt erwarten Marx und Engels, daß die ökonomischen Schwie-
rigkeiten die bisherigen politischen Systeme erschüttern, sie zu
Reformmaßnahmen drängen und so eine Sphäre der politischen Unsta-
bilität eröffnen. Engels bringt diese Erwartungen in seinem be-
kannten Artikel "Europa im Jahre 1858" auf den Punkt: "Das Jahr
1858 hat eine starke Ähnlichkeit mit dem Jahr 1846, das ebenfalls
ein politisches Wiedererwachen in den meisten Teilen Europas ein-
leitete und sich ebenfalls durch eine Anzahl von Fürsten, die Re-
formen anstrebten, auszeichnete, Fürsten, die zwei Jahre später
ohnmächtig hinweggerafft wurden vom Ansturm der revolutionären
Flut, die sie entfesselt hatten." 16) Und Marx schrieb in einem
Artikel über "Die Lage in Preußen", daß "Revolutionen, bevor sie
die Gestalt von Volksbewegungen annehmen, sich in monarchischen
Staaten zuerst in dem Verfall der Dynastie ankündigen." 17) Daher
werden sehr aufmerksam alle reformistischen Regungen in Europa
registriert, einschließlich Rußland, wo Zar Alexander mit der Be-
freiung der Leibeigenen erste Reformschritte unternahm. Die öko-
nomisch erstarkte Bourgeoisie, die sich 1848 aus Angst vor dem
revolutionären Ansturm von der Politik zurückgezogen habe, melde
nun neue politische Ansprüche an. Während Marx und Engels von der
Krise eine tiefe Erschütterung der bisherigen politischen Herr-
schaftssysteme erwarteten, den Verlust ihrer politischen Stützen
in den Mittelschichten und Konflikte im Lager der Bourgeoisie um
die politische Herrschaft, beobachteten sie ebenso aufmerksam
alle Anzeichen eines Neuerwachens proletarischer revolutionärer
Bewegungen.
Dabei gehen sie von einem sehr spontan begriffenen Zusammenhang
zwischen wirtschaftlicher Not, staatlicher Repression und revolu-
tionärem Aufschwung aus, wobei erwartet wird, daß trotz der zah-
lenmäßigen Schwäche des Proletariats dieses die Dynamik der Bewe-
gung bestimmen werde. Diese Erwartungen mußten später doch als
ziemlich naiv erkannt werden. Zu diesem Zeitpunkt fehlen Analysen
der subjektiven Voraussetzungen revolutionärer Bewegungen des
Proletariats. Auch ist die wissenschaftliche Analyse des histori-
schen Charakters des Kapitalismus, seiner Entwicklungstendenzen
und Entwicklungsschranken erst in Ansätzen sichtbar.
3. Geld und Kredit
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Die Krise von 1857/58 erschien zunächst als Geld- bzw. Kredit-
krise, sie bereitete sich schon 1856 vor durch Anspannungen auf
den Geldmärkten, durch Zinssteigerungen, durch Börsenkräche und
generell durch periodischen Mangel an Zirkulationsmitteln.
Im Rahmen der intensiven Materialsammlungen zur Krise gliederte
Marx die Statistiken und Zeitungsartikel der Rubrik "money mar-
ket" in "1. Bank of England, 2. Bullion-market, 3. Loanmarket und
4. Failures". Obwohl Marx zu diesem Zeitpunkt bereits wichtige
Grundfragen der Geldtheorie gelöst hatte, zeigt sich doch, daß
die aktuellen Entwicklungen im monetären Bereich viele neue Fra-
gen aufwarfen. 18)
Zunächst bemüht sich Marx in seinen Artikeln, vor allem aber in
den gleichzeitig verfaßten "Grundrissen", die Erscheinungen der
Geldsphäre auf ihre realen Grundlagen in der Sphäre der Warenpro-
duktion zurückzuführen. 19)
Die Geldzirkulation sei als Reflex der Warenzirkulation zu be-
greifen, nicht umgekehrt. Diese Position entwickelt Marx sowohl
in Auseinandersetzung mit proudhonistischen Vorstellungen - in
den "Grundrissen" befaßt er sich ausführlich mit Darimons Vor-
schlag, das Geld durch "Stundenzettel" auf der Grundlage der Ar-
beitszeit zu ersetzen - als auch mit den Thesen der Quantitäts-
theoretiker des Geldes, den "currency-principle-Kerls". 20) Diese
bestimmten z.T. auch die praktische Geldpolitik, wie der Peelsche
Bankakt deutlich macht. Ausgangspunkt war die Vorstellung, daß
durch Regulierung des Geldumlaufs auch die Preise und die Produk-
tion reguliert würden. Der Peelsche Bankakt versuchte daher, die
Zirkulation von Banknoten an die Edelmetallvorräte zu binden. 21)
Marx widmete sich intensiv den Erscheinungen der Geldsphäre und
wurde dazu durch den Verlauf der Krise stimuliert: "Ich bin noch
nicht dazu gekommen, muß aber doch einmal ganz genau untersuchen
das Verhältnis zwischen Wechselkurs und Bullion. Die Rolle, die
das Geld als solches spielt, in Bestimmung des Zinsfußes und des
moneymarkets, is something striking and quite antagonistic to all
laws of political economy." 22)
Die Materialsammlungen zur Krise werden nach den Ebenen der Er-
scheinung gegliedert, also "I. Money market, II. Produce-market
und III. Industrialmarket". 23)
In den verschiedenen Artikeln wird in der Geldfrage vor allem den
beiden folgenden Fragestellungen nachgegangen:
- In welchem Verhältnis stehen Edelmetallvorräte zum Geldumlauf,
zum Umfang der Warenzirkulation und damit zur wirtschaftlichen
Aktivität?
- Welche Rolle spielt der Kredit?
Anhand von Analysen der Edelmetallbewegungen, des Banknotenum-
laufs und des Umlaufs von Gold- und Silbermünzen zeigt Marx, daß
die ökonomische Aktivität - oft empirisch belegt mit Export- und
Importstatistiken - in keinem direkten Zusammenhang mit den vor-
handenen Edelmetallvorräten und dem Banknotenumlauf steht. Er
stellt fest, "daß der Betrag der in Umlauf befindlichen Noten au-
ßerhalb der Kontrolle der Banken selbst ist und sich tatsächlich
verringert hat, gerade zu einer Zeit, in der sich der Handel aus-
dehnte und die allgemeinen Preise einem Inflationsprozeß unterla-
gen, der zum Krach führte." 24)
Am Beispiel der Wirkung der Goldfunde in Kalifornien zeigt er,
daß der Metallgeldumlauf keineswegs ursächlich durch den Goldzu-
fluß unmittelbar gesteigert wurde. 25)
Es wird dabei nicht nur deutlich, daß es nicht in der Macht der
Banken und damit des Staates steht, "den Betrag an Zirkulations-
mitteln zu bestimmen, der in den Händen der Bevölkerung umläuft",
und damit die Preise und die Produktion zu beeinflussen. Es wird
auch umgekehrt deutlich, daß eine Ausdehnung der Zirkulation ohne
Ausdehnung der Menge der Zirkulationsmittel (Edelmetall und
Banknoten) möglich ist. 26)
Die Formulierung von Marx, "daß die Masse des zirkulierenden Me-
diums durch die Preise bestimmt ist, nicht umgekehrt", steht in
keinem Gegensatz zu dieser Feststellung. 27) Wie auch aus den
entsprechenden Passagen in den "Grundrissen" hervorgeht, behan-
delt Marx auf dieser Abstraktionsstufe lediglich das Geld als
Zirkulationsmittel, abstrahiert also von seinen anderen Bestim-
mungen. Ihm geht es an der zitierten Stelle darum, nachzuweisen,
daß die Preise der Waren die "Voraussetzung der Geldzirkulation"
sind, nicht ihr Ergebnis. 28) Bei der Einführung weiterer Bestim-
mungen des Geldes, nämlich des Kredits, wird deutlich, daß die
Masse des Zirkulationsmittels (selbst bei Berücksichtigung der
Umlaufgeschwindigkeit) in keinem direkten Verhältnis zur Preis-
summe der umgesetzten Waren steht. Anhand von Statistiken vor al-
lem Englands kann Marx zeigen, daß ökonomische Aktivitäten und
Geldumlauf (sowohl Banknoten wie Edelmetall) in keinem direkten
Zusammenhang stehen, was vor allem auf die Rolle des Kredits ver-
weist. 29) Hinter dem scheinbaren Mangel an Geld in Zeiten der
Krise verbirgt sich in Wirklichkeit ein Mangel an Kredit. Die Ex-
pansion des Kredits - vor allem in der Form des Handelskredits -
wird dabei als krisenverstärkendes Moment betrachtet, durch wel-
ches "overtrading" und "overproduction" stimuliert werden. So
wird, wie Engels feststellt, der Geldmarkt zum "Zifferblatt des
Handels". 30) Der Zins verändert sich in einer Weise, "die für
die wiederkehrenden Phasen des modernen Handels üblich sind ...:
äußerste Einschränkung des Kredits im Jahr der Panik; dieser Ein-
schränkung folgt eine allmähliche Ausweitung, die ihren Höhepunkt
erreicht, wenn der Zinsfuß auf seinen tiefsten Punkt fällt; dann
folgt wieder eine Bewegung in entgegengesetzter Richtung, eine
allmähliche Kürzung, die ihren höchsten Punkt erreicht, wenn der
Zinsfuß auf sein Maximum gestiegen ist, und schon hat erneut das
Jahr der Panik eingesetzt." 31) So mußte der Peelsche Bankakt
1857 erneut aufgehoben werden - Marx hatte dies vorhergesagt, da
dieser "in schwierigen Zeiten . . . der aus der kommerziellen
Krise herrührenden Geldpanik eine durch Gesetz erzeugte Geldpa-
nik" hinzufügt. 32)
Es ist eine wichtige und weiterführende Erkenntnis, daß es bei
der Geldkrise nicht um den Mangel an Geld als Zirkulationsmittel
geht, sondern im Kern um den Mangel von Geld als Kredit und damit
von Geld als Kapital.
Der Zins zeigt die Angebots- und Nachfrageverhältnisse auf den
Kreditmärkten auf, die Nachfrage nach Geld als Kapital. "Das Geld
als Kapital ist eine Bestimmung des Geldes, die über seine einfa-
che Bestimmung als Geld hinausgeht." Andererseits: "Geld ist die
erste Form, worin das Kapital als solches erscheint." Daher: "Um
den Begriff des Kapitals zu entwickeln, ist es nötig, nicht von
der Arbeit, sondern vom Wert auszugehen, und zwar von dem schon
in der Bewegung der Zirkulation entwickelten Tauschwert." 33) Das
Kapital tritt historisch zunächst in seiner Form als Handelskapi-
tal und als Kredit auf, daher untersucht Marx seine Rolle in der
Krise auch zumeist noch in dieser beschränkten Form. Da im Mit-
telpunkt der Krisenuntersuchungen zu diesem Zeitpunkt noch die
Zirkulationssphäre steht, gilt Marx' Hauptaufmerksamkeit dem Kre-
dit in seiner Wirkung auf die Warenzirkulation. Die Rolle des in-
dustriellen Kredits bleibt noch im Hintergrund.
4. Die industrielle Krise: fixes und zirkulierendes Kapital
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Auf der anderen Seite stellt Marx schon recht frühzeitig fest,
daß "der Panik nicht der Mangel an Umlaufmitteln zugrunde lag,
sondern eine Disproportion zwischen dem disponiblen Kapital und
der ungeheuren Anzahl der damals bestehenden industriellen, kom-
merziellen und spekulativen Unternehmen." 34) Dies ist auch ein
wichtiger Aspekt bei Marx' Analyse des französischen Credit mobi-
lier, einer quasi staatlichen Investmentgesellschaft, die bei der
Gründung von Aktiengesellschaften der Industrie Pate zu stehen
und gleichzeitig durch die Regulierung der Ausgabekurse der Ak-
tien hohe Profite zu erwirtschaften hatte. "Fast jede Han-
delskrise in unserer Zeit ist mit einer Verletzung der richtigen
Proportion zwischen flüssigem und fixem Kapital verbunden gewe-
sen. Welches Ergebnis muß dann das Wirken einer Institution wie
des Credit mobilier haben, dessen unmittelbarer Zweck es ist, so-
viel wie möglich von dem Leihkapital des Landes in Eisenbahnen,
Kanälen, Bergwerken, Werften, Dampfschiffen, Eisenwerken und an-
deren industriellen Unternehmungen festzulegen, ohne jede Rück-
sicht auf die Produktionsmöglichkeiten des Landes?" 35)
In der Tat war die Entwicklung der fünfziger Jahre des 19. Jahr-
hunderts gekennzeichnet gewesen durch einen gewaltigen Aufschwung
der Schwerindustrie, der finanziert worden war durch die Auswei-
tung der Kreditverhältnisse.
Es könnte also scheinen, als sei die Knappheit des Leihkapitals
zwar nicht die Ursache, aber doch der Auslöser der Krise: "Es
tobt jetzt faktisch ein regelrechter Krieg zwischen den bona fide
Handels- und Industrieunternehmen, den auf Spekulationsbasis be-
reits betriebenen Aktiengesellschaften und den neuerdings ausge-
heckten Gründungsvorhaben: sie kämpfen alle darum, das leihbare
Geldkapital des Landes an sich zu reißen. Das unvermeidliche Er-
gebnis eines solchen Kampfes mußte ein Steigen der Zinsen, ein
Sinken der Profite in allen Zweigen der Industrie und eine Ent-
wertung aller Arten von Wertpapieren sein ...," 36)
Auf der anderen Seite zeigt Marx am Beispiel der französischen
Entwicklung, daß das "leihbare Geldkapital des Landes" keine
feststehende Menge ist, daß die Geldkrise also nicht ursächlich
wegen der Knappheit des Geldkapitals ausbricht.
In einem späteren Artikel über die Krise in England vom Oktober
1858 weist Marx auf die Tatsache hin, daß "ein System des fikti-
ven Kredits" entstanden ist, das Überspekulation und Überproduk-
tion ermöglicht. Die Frage lautet: "Was sind die sozialen Ver-
hältnisse, die fast regelmäßig diese Perioden allgemeiner Selbst-
täuschung, der Überspekulation und des fiktiven Kredits hervor-
bringen?" 37)
In dem Artikel über die Ursachen der Geldkrise in Europa setzt
sich Marx detailliert mit den verschiedenen Hypothesen auseinan-
der, die die Geldkrise von 1856 mit Edelmetallbewegungen zu er-
klären suchen und schließt den Artikel mit der Bemerkung: "Soviel
werden unsere Leser verstehen: Was auch immer die zeitweilige Ur-
sache der Geldpanik und des als ihr unmittelbarer Anlaß erschei-
nenden Edelmetallabflusses sein mag, in Europa waren alle Ele-
mente des kommerziellen und industriellen Rückschlags herange-
reift." 38)
Allerdings scheint es Marx zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu ge-
lingen, die Erscheinungen der Geldkrise mit denen der Han-
delskrise und vor allem der industriellen Krise - die als Kern
der damaligen Krise erkannt wurde - zu vermitteln.
Dies hängt wohl damit zusammen, daß Marx und Engels zu dieser
Zeit die kapitalistischen Krisen noch überwiegend als Krisen der
Zirkulationssphäre begreifen, die auf die Industrie zurückwirken.
Es fehlt eine selbständige Begründung des industriellen Zyklus.
"Worauf es ankommt ist, daß die britische Produktion in einem
Maße ausgeweitet worden ist, daß das Ergebnis bei den verengten
Auslandsmärkten ein allgemeiner Krach sein muß." 39) Die spekula-
tive Ausweitung des Kredits führt dazu, daß sich auf der Stufe
des Handels große Warenvorräte ansammeln. Dies verlängert die
Produktions-Absatzketten und vergrößert so die Überproduktion.
"Bei dieser Krise ist die Überproduktion so allgemein gewesen wie
noch nie, sie ist auch in den Kolonialwaren unleugbar und ebenso
im Korn ... Solange die Überproduktion sich nur auf die Industrie
beschränkte, war die Historie doch nur halb, sowie sie aber auch
den Ackerbau und in den Tropen ebensogut wie in der gemäßigten
Zone ergreift, wird die Sache großartig. Die Form, in der die
Überproduktion sich versteckt, ist immer mehr oder weniger die
Ausdehnung des Kredits, diesmal aber ganz speziell die Wechsel-
reiterei..." 40)
Unabhängig davon, ob die Überproduktion manifest wird, weil be-
sondere Faktoren das angespannte Kreditgebäude zum Zusammenbruch
bringen und so das Horten von Warenüberschüssen im Handel - wo-
durch ein Zusammenbruch der Preise zeitweilig verhindert wird -
unmöglich machen, oder ob der Preisverfall zum Zusammenbruch und
zur Zahlungsunfähigkeit von Handelshäusern und damit zum Zerrei-
ßen der Kreditketten führt: Entscheidend ist die Kategorie der
Überproduktion.
Marx und Engels beobachteten deren Entwicklung anhand von Preis-
und Mengenstatistiken, Schiffsbewegungen usw. sehr aufmerksam,
wobei sie das Hauptaugenmerk auf den Außenhandel richteten. Die
Aufnahmefähigkeit der äußeren Märkte, die Durchdringung der Kolo-
nien gilt hier als wichtiger Faktor.
Es gelingt aber zu diesem Zeitpunkt noch nicht, die Krise, und
das heißt die Überproduktion, aus den inneren Widersprüchen der
kapitalistischen Produktionsweise abzuleiten. Es entsteht aus den
Briefen und Artikeln ein Bild der Krise, bei der die durch das
Kreditsystem geförderte und ermöglichte Überproduktion an die
Grenzen der äußeren Ausdehnungsfähigkeit der Märkte stößt, also
an Grenzen im Außenhandel. Daher wohl auch die Ansicht, daß "die
bürgerliche Gesellschaft zum 2tenmal ihr 16tes Jahrhundert erlebt
hat, ein 16tes Jahrhundert, von dem ich hoffe, daß es sie ebenso
zu Grabe läutet, wie das erste sie ins Leben poussierte. Die ei-
gentliche Aufgabe der bürgerlichen Gesellschaft ist die Herstel-
lung des Weltmarkts, wenigstens seinen Umrissen nach, und einer
auf seiner Basis ruhenden Produktion. Da die Welt rund ist,
scheint dies mit der Kolonisation von Kalifornien und Australien
und dem Aufschluß von China und Japan zum Abschluß gebracht." 41)
Als Ursache der Krise erscheint die mangelnde Ausdehnungsfähig-
keit der äußeren Märkte, ein Ansatz, der in der marxistischen
Theorie auch später noch teilweise verfolgt wurde.
Eine theoretische Begründung der industriellen Krise gelingt aber
noch nicht, d.h. die im oben zitierten Artikel selbstgestellte
Aufgabe, die "sozialen Verhältnisse" aufzudecken, die zu periodi-
schen Krisen führen, kann zu diesem Zeitpunkt noch nicht gelöst
werden. Dabei ist das Arbeitsprogramm Ende 1858 klar: "Versucht
man die Gesetze aufzudecken, von denen die Krisen des Weltmarkts
beherrscht werden, dann muß man nicht nur ihren periodischen Cha-
rakter, sondern auch die genauen Daten dieser periodischen Wie-
derkehr erklären." 42)
Im Briefwechsel mit Engels wird deutlich, daß sich Marx zu dieser
Zeit mit der Frage zu beschäftigen begann, wodurch die Periodizi-
tät der Nachfrageschwankungen und damit der Überproduktion im
Rahmen des Akkumulationsprozesses selbst erklärt werden kann. Im
Januar 1858 fragte er Engels nach Faktoren, die den "Umlauf des
Kapitals" bestimmen und konkretisiert diese Frage hinsichtlich
der Erneuerungszeit für Maschinerie. "Die Durchschnittszeit,
worin die Maschinerie erneuert wird, ist ein wichtiges Moment in
der Klärung des mehrjährigen Zyklus, den die industrielle Bewe-
gung durchläuft, seit die große Industrie sich konsolidiert hat."
43) Engels' Antwort - er spricht von durchschnittlich zehn bis
zwölf Jahren Erneuerungsfrist - kommentiert Marx: "Das Wichtige
ist mir, in den unmittelbaren materiellen Voraussetzungen der
großen Industrie ein Moment der Bestimmung für die Zyklen zu fin-
den." 44) In den "Grundrissen" entwickelt Marx die für die Kri-
sentheorie wichtige Unterscheidung zwischen fixem und zirkulie-
rendem Kapital, es gelingt ihm hier, die Handelskrise auf die in-
dustrielle Krise zurückzuführen. "Es ist durchaus wichtig, diese
Bestimmungen von zirkulierendem und fixiertem Kapital als Formbe-
stimmungen des Kapitals überhaupt zu fassen, da eine Menge Er-
scheinungen der bürgerlichen Ökonomie - die Perioden des ökonomi-
schen Zyklus, der von der einmaligen Umlaufszeit des Kapitals we-
sentlich sich unterscheidet; die Wirkung neuer Nachfrage; selbst
die Wirkung neuer Gold und Silber produzierenden Länder auf die
allgemeine Produktion
- unbegreiflich. Es nützt nichts von Stimulus zu sprechen, den
australisches Gold oder ein neuentdeckter Markt gibt. Läge es
nicht in der Natur des Kapitals nie völlig beschäftigt, d.h. par-
tialiter fixiert zu sein, entwertet zu sein, unproduktiv, so
könnten keine Stimuli es zu größrer Produktion treiben". 45)
Überproduktion ist also eine ständige Erscheinung der kapitali-
stischen Produktionsweise - damit aber auch potentielle Überakku-
mulation von Kapital. Dies gilt für den industriellen Kapitalis-
mus, welcher gekennzeichnet ist durch das "Capital fixe". "Die
Maschinerie erscheint also als die adäquateste Form des capital
fixe und das capital fixe, soweit das Kapital in seiner Beziehung
auf sich selbst betrachtet wird, als die adäquateste Form des Ka-
pitals überhaupt." 46)
Erst diese im fixen Kapital begründete Tendenz zu Überproduktion
und Überakkumulation führt näher zum Verständnis von Krisenzyklen
und industriellen Krisen, wie sie Marx und Engels 1857/58 konkret
beobachten und verfolgen konnten. Erst auf der Grundlage der Her-
ausbildung der Maschinerie lassen sich die Erscheinungen im Kre-
ditwesen begründen, die Marx in den Jahren der Krise so genau be-
schrieben hatte, die Herausbildung von Aktiengesellschaften und
solcher Institutionen wie des Crédit mobilier, die Wirkung der
Überakkumulation, deren Problematik Marx zunächst nur in seinen
Rückwirkungen auf die Kreditmärkte verfolgte. Erst mit der Ent-
faltung der Industrie ist "die Kontinuität der Produktion zur äu-
ßeren Notwendigkeit für das Kapital geworden mit der Entwicklung
der Portion desselben, die als capital fixe bestimmt ist ... Es
ist daher erst mit der Entwicklung des capital fixe, daß die dem
Begriff des Kapitals entsprechende Kontinuität des Produktions-
prozesses als conditio sine qua für seine Erhaltung gesetzt wird;
daher ebenso die Kontinuität und das beständige Wachsen der Kon-
sumtion." 47)
Die intensive Beschäftigung mit den Erscheinungen der Krise von
1857/58 - vor allem in ihrer Form als Geld- und als Handelskrise
- stellt eine wichtige Etappe in der Formulierung der Marxschen
Krisentheorie dar. Dabei gelingt die Bestimmung der Krise als in-
dustrieller Überproduktionskrise. Aber auch mit der in den
"Grundrissen" erzielten Begründung des industriellen Zyklus aus
der Reproduktion des fixen Kapitals bleibt Marx noch weitgehend
auf der Ebene der Zirkulation. Es gelingt erst ansatzweise, die
Tendenzen des kapitalistischen Gesamtreproduktionsprozesses aus
der widersprüchlichen Einheit von Produktion und Realisation des
Profits zu begründen. Immerhin zeigt sich, daß Marx schon 1858
die Grundlagen geklärt hatte, auf denen der Kapitalismus als hi-
storisch beschränkte Produktionsweise bestimmt werden konnte.
"Die Vermehrung der Produktivkraft der Arbeit und die größte Ne-
gation der notwendigen Arbeit ist die notwendige Tendenz des Ka-
pitals, wie wir gesehn. Die Verwirklichung dieser Tendenz ist die
Verwandlung des Arbeitsmittels in Maschinerie." 48) Wenn auch an
dieser Stelle fixes und konstantes Kapital noch gleichgesetzt
werden, so wird doch schon deutlich, daß es die Tendenz zur Ent-
wicklung der Produktivkraft der Arbeit und damit zur Unterordnung
der wertbestimmenden unmittelbaren Arbeit unter die Maschinerie
als capital fixe ist, die diese in gesellschaftliche Arbeit ver-
wandelt. "Das Kapital arbeitet so an seiner eignen Auflösung als
die Produktion beherrschende Form." 49)
_____
1) Reinhard Spree, Die Wachstumszyklen der deutschen Wirtschaft
von 1840 bis 1880, Berlin 1977. S. 331.
2) Vgl. Jürgen Kuczynski, Die Geschichte der Lage der Arbeiter
unter dem Kapitalismus, Bd. 11, S. 110 ff, Berlin/DDR 1961.
3) Hans Rosenberg, Die Weltwirtschaftskrise 1857-1859, Göttingen
1974, S. 8. Die Erstauflage dieses klassischen Werkes erschien
1934 in Berlin.
4) Hans Rosenberg, a.a.O., S. 8
5) Vgl. Reinhard Spree, a.a.O., S. 331.
6) Thomas Kuczynski, Have There Been Differences Between the
Growth Rates in Different Periods of the Development of the Ca-
pitalist World Economy Since 1850, in: Historisch-sozialwissen-
schaftliche Forschungen, Vol. 6, Stuttgart, S. 316.
7) Marx an Engels v. 8.12.1857, in: MEW 29, S. 225.
8) Karl Marx/Friedrich Engels, Revue, in: MEW 7, S. 440.
9) Engels an Marx v. 15.11.1857, MEW 29, S. 212.
10) Im Zeitraum von 1857 bis 1859 bildet die Entwicklung in
Frankreich einen Schwerpunkt der Analysen von Marx. Vgl. Gertrude
Ratajczak, Die Publizistik von Marx und Engels 1857 bis 1859,
Diss., Halle/DDR 1984, S. 68 ff.
11) Karl Marx, der französische Credit mobilier, New-York Daily
Tribüne (NYDT) v. 21. 6. 1856, in: MEW 12, S. 22 und 24.
12) "Der Commerce in Frankreich ist jetzt glücklicherweise in ei-
ner Lage, die sich nicht verbessern kann, ehe die chronische
Krise in einer politischen Revolution kulminiert hat." Brief En-
gels an Marx v. 17. 3. 1858, in: MEW 29, S. 304.
13) Karl Marx, Französische Krisis, NYDT v. 12. 1. 1858, in: MEW
12, S. 350.
14) Ders., Die Wirtschaftskrise in Frankreich, NYDT v.
22.11.1856, in: MEW 12, S. 76. Ders., Das neue Gesetz über die
Bank von Frankreich, NYDT v. 20.6.57, in: MEW 12, S. 222. Ders.,
Französische Krisis, NYDT v. 12.1.58, in: MEW 12, S. 347. Ders.,
Die Finanzlage Frankreichs, NYDT v. 30.4.58, in: MEW 12, S. 438.
15) Ders., Die Wirtschaftskrise in Frankreich, a.a.O. S. 78.
16) Friedrich Engels, Europa im Jahre 1858, NYDT v. 23. 12. 1858,
in: MEW 12, S. 658.
17) Karl Marx, Die Lage in Preußen, NYDT v. 13. 12. 1858, in: MEW
12, S. 653.
18) Gertrude Ratajczak, a.a.O., S. 64.
19) Pollock verweist schon in seinem Artikel über die Marxsche
Geldtheorie darauf hin, daß es Marx bei seiner Beschäftigung mit
der Geldtheorie vor allem um die Lösung der Grundfragen der Wert-
theorie ging. Vgl. Friedrich Pollock, Zur Marxschen Geldtheorie,
in: Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbe-
wegung, 13. Jg., Leipzig 1928, S. 193.
20) Marx an Engels v. 23. 4. 1857, in: MEW 29, S. 130.
21) Der Peelsche Bankakt von 1844 spielt bei der Entwicklung von
Marx' Geldtheorie eine wichtige Rolle. Vgl. Gertrude Ratajczak,
a.a.O., S. 72 ff.
22) Marx an Engels v. 23.4.1857, in: MEW 29, S. 130.
23) Gertrude Ratajczak, a.a.O., S. 65.
24) Karl Marx, Handelskrisen und Geldumlauf in England, NYDT v.
28.8.58, in: MEW 12, S. 547/48.
25) Allerdings haben die Goldfunde Industrie und Handel stimu-
liert und auf diesem Wege zur Expansion des Geldumlaufs beigetra-
gen. Karl Marx, Industrie und Handel, NYDT v. 5.9. 1859, in: MEW
13., S. 499.
26) In zwei von Gertrude Ratajczak und Claus Baumgart neu ent-
deckten Artikeln von Marx in der New-York Daily Tribune, die
vollständig im Anhang an die oben zitierte Dissertation von Ger-
trude Ratajczak wiedergegeben werden (v. 26. 12. 1857 und v.
15.10.1859) spielt diese Problematik eine wichtige Rolle. So
weist Marx für die fünfziger Jahre nach, daß "monetary pressure"
keinesfalls immer die industriellen Aktivitäten beeinträchtigt
hatte u. umgekehrt. Vgl. Gertrude Ratajczak, Claus Baumgart, Ein
bislang unbekannter Artikel von Karl Marx über die Weltwirt-
schaftskrise von 1857, in: Marx-Engels-Forschungsberichte 2,
Karl-Marx-Universität, Leipzig 1984, S. 57 ff.
27) Marx an Engels v. 2. 4. 1858, in: MEW 29, S. 316.
28) Karl Marx, Grundrisse, S. 108. MEGA II, 1.1, S. 123.
29) "Welchen Einfluß daher Banken auch immer auf die allgemeine
Handelstendenz und auf Preise ausgeübt haben mögen, er muß durch
die Verwendung ihrer Depositen, d.h. durch Kreditoperationen er-
folgt sein, und nicht durch die Mehrausgabe von Noten, die sie
nicht einmal bis zur alten Grenze der Zirkulation im Umlauf hal-
ten konnten." Karl Marx, Handelskrisen und Geldumlauf in England,
NYDT v. 28.8.1858, in: MEW 12, S. 546. Bei einer Analyse der von
Marx verfolgten Statistiken über Edelmetallbewegungen, Geldum-
lauf, Kreditgeschäfte und ökonomische Aktivität wird m. E. deut-
lich, daß die Geldtheorie von Marx schon damals keine
"Metallgeldtheorie" gewesen ist, daß das Metallgeld von Marx
schon damals als historisches Durchgangsstadium in der Entwick-
lung des Geldes betrachtet und analysiert wurde. Vgl. zur Debatte
Hans-Georg Backhaus, Materialien zur Rekonstruktion der Marx-
schen Werttheorie 3, in: Gesellschaft, Beiträge zur Marxschen
Theorie 11, Frankfurt/M. 1978, S. 35 ff.
30) Engels an Marx v. 11.12.1857, in: MEW 29, S. 228.
31) Karl Marx, Die Erschütterung des britischen Handels, ebd. S.
320.
32) Ders., Der Bankakt von 1844 und die Geldkrise in England,
NYDT v. 21.11.1857, in: MEW 12, S. 316.
33) Ders., Grundrisse, S. 162, 164, 170. MEGA II, 1.1, S. 173,
175, 183.
34) Ders., Die Ursachen der Geldkrise in Europa, NYDT v.
27.10.1856, in: MEW 12, S. 58.
35) Ders., Der französische Credit mobilier, NYDT v. 11.7.56, in:
ebd., S. 33.
36) Ders., Die Wirtschaftskrise in Frankreich, NYDT v.
22.11.1856, in: ebd. S. 75.
37) Ders., Britischer Handel und Finanzen, NYDT v. 4. 10. 58, in:
ebd. S. 571.
38) Ders., Die Ursachen der Geldkrise in Europa, NYDT v.
27.10.1856, in: ebd. S. 63.
39) Ders., Der Bankakt von 1844 und die Geldkrise in England,
a.a.O., S. 319.
40) Engels an Marx v. 11.12.1857, in: MEW 29, S. 227. Die unter-
suchten Statistiken über Warenvorräte und Preisbewegungen be-
schäftigen sich denn auch stark mit Kolonialwaren, weniger mit
ausgesprochenen Industriewaren.
41) Marx an Engels v. 8.10.1858, in: MEW 29, S. 360. Vgl. zu den
äußeren Märkten: Jörg Goldberg, Methodische und theoretische Pro-
bleme in Vargas Vierteljahresberichten, in: E. Varga, Wirtschaft
und Wirtschaftspolitik, Vierteljahresberichte 1922-1939, Bd. l,
Westberlin 1977.
42) Karl Marx, Britischer Handel und Finanzen, in: MEW 12, S.
571.
43) Marx an Engels v. 2. 3. 1858, in: MEW 29, S. 291/92.
44) Marx an Engels v. 5. 3. 1858, ebd. S. 296. Zum Zusammenhang
zwischen Lebensdauer der Maschinerie und Zyklus vgl. Jörg Gold-
berg: Marx zum kapitalistischen Krisenzyklus, in: Marxistische
Studien, Jahrbuch des IMSF, Sonderband I, Frankfurt/M. 1982, S.
287 ff.
45) Grundrisse, S. 516/17, MEGA II, 1.2, S. 509.
46) Grundrisse, S. 586, MEGA II, 1.2, S. 573.
47) Grundrisse, S. 607. MEGA II, 1.2, S. 596.
48) Grundrisse, S. 585. MEGA II, 1.2, S. 572.
49) Grundrisse, S. 588. MEGA II, 1.2, S. 577.
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