Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


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WISSENSCHAFTLICHER SOZIALISMUS UND ARBEITERKOMMUNISMUS

Lothar Knatz 1. Zur Genese des wissenschaftlichen Sozialismus - 2. Das Pro- gramm der "Kritik" - 3. Wissenschaft als "System" - 4. "Positive" Wissenschaft - 5. Wissenschaftliche Theorie und politische Praxis 1. Zur Genese des wissenschaftlichen Sozialismus ------------------------------------------------ Karl Marx und Friedrich Engels sind die Begründer des wissen- schaftlichen Sozialismus. Dieser Satz geht leicht von den Lippen, keine Sperrigkeit schützt vor flottem Hinüberlesen. Soll der Satz aber nicht zur leeren Worthülse verkommen, dann muß seine histo- rische Gewordenheit und Berechtigung rekonstruierbar und bewußt sein. Nur wenn die Rekonstruktion der historischen Gewordenheit präsent ist, kann die Aneignung einer Theorie vollzogen und Wis- sen verfügbar werden im komplexen Geflecht gesellschaftlichen Le- bens. In der Perspektive einer materialistischen Wissenschaftsge- schichte ist jede Theorie auch in ihrer Genese zu untersuchen, sowohl im Hinblick auf ihre materiell-gesellschaftlichen wie auch ihre theoretisch-ideologischen Voraussetzungen. Gesellschafts- theorien müssen sich, wollen sie Glaubwürdigkeit bewahren, immer auch am eigenen Anspruch messen lassen. Gesellschaftstheorien, die zugleich Emanzipationstheorien sind, finden ihr Praxis-Krite- rium nicht unter experimentellen Laborbedingungen, sondern u.a. in der Rezipierbarkeit theoretischer Erkenntnis als Voraussetzung für eine theoriegeleitete Praxis. Im Marxismus erfahren Arbeiterbewegung und sozialistische Theorie durch den wissenschaftlichen Sozialismus Höhe- und Endpunkt ihrer Entwicklung. Soll dieser Weg keine Sackgasse sein, muß die neue theoretische Qualität als wissenschaftliche Gesellschaftstheorie ebenso wie ihre praktische Qualität als Emanzipationstheorie der Arbeiterklasse bestimmbar sein. Marx und Engels haben weder den sozialen Protest des Proletariats begründet noch materialistische Philosophie oder sozialistische Theorie erfunden. Im kritisch- utopischen Sozialismus erfährt die Herausbildung sozialistischer Theorie, im Arbeiterkommunismus die soziale Protestbewegung einen vormarxistischen Höhepunkt. 1) Im historischen Schnittpunkt die- ser beiden Bewegungen, der theoretisch-ideengeschichtlichen und der politisch-praktischen, steht der kritisch-utopische Sozialist und Arbeiterkommunist Wilhelm Weitling. Wenn im folgenden die Weitling-Rezeption von Marx im historischen Prozeß genauer be- trachtet wird, ist damit zugleich ein Beitrag zum historischen und theoretischen Selbstverständnis des wissenschaftlichen Sozia- lismus intendiert. 2) 2. Das Programm der "Kritik" ---------------------------- 1843 beginnt Marx, seine junghegelianische Gegenwart einer kriti- schen und folgenreichen Revision zu unterziehen. Zum Leitfaden wird ihm dabei die "rücksichtlose Kritik alles Bestehenden" (MEW 1, 343). Diese Kritik und Selbstkritik fällt so konsequent aus, daß Marx bald die junghegelianischen Freunde verloren hat - ohne andererseits in der frühen Arbeiterbewegung, im utopischen- oder Arbeiterkommunismus gleich eine neue Heimat zu finden: "So ist namentlich der Kommunismus eine dogmatische Abstraktion, wobei ich aber nicht irgendeinen eingebildeten und möglichen, sondern den wirklich existierenden Kommunismus, wie ihn Cabet, Dézamy, Weitling etc. lehren, im Sinn habe" (MEW 1, 344). Der Kommunismus als Kritik am und Bewegung wider das Privateigentum genügt Marx nicht: Ihm geht es 1843 um die "R e a l i t ä t des wahren men- schlichen Wesens", also auch um die "theoretische Existenz des Menschen" (MEW l, 344). Dogmatische Abstraktionen des Kommunismus sind für Marx vor allem die in Etienne Cabets "Voyage en Icarie" (1840) und in Weitlings "Garantien der Harmonie und Freiheit" (1842) vorgelegten Entwürfe von kommunistischen Zukunftsgesell- schaften. Die kritische Haltung von Marx dem Kommunismus gegen- über bezieht sich nicht auf die politische Bewegung gegen das Privateigentum, sondern auf die theoretische Schwäche der Bewe- gung: Sie hat nicht die Totalität des Gegenstandes ihrer Kritik im Blick, und sie konstituiert einen Gegenentwurf, der nicht aus der gründlichen Analyse des Status quo gewachsen ist. Bereits in der "Menschheit wie sie ist und wie sie sein sollte" (1838) hatte Weitling diese Denkweise vorgeführt: Kritik bestehender Miß- stände, deren Evidenz nur noch einmal sinnbildlich vor Augen ge- führt werden muß, sodann Konzeption einer besseren, d.h. vor al- lem gerechteren und vernünftigeren Gesellschaft. Mit fortschreitender Kritik am Junghegelianismus - diese Kritik ist gleichzeitig Gesellschaftskritik, Wissenschaftskritik und Kritik am Typus der bürgerlichen Intellektuellen - wendet sich Marx, noch ganz im Jargon der Junghegelianer, euphorisch den pro- letarischen Intellektuellen zu und feiert Weitling als den "Theoretiker des europäischen Proletariats" (MEW 1, 405). Der so Gelobte setzt sich daraufhin am 18. 10. 1844 brieflich mit Marx in Verbindung. Marx hat zwar auch später, ebenso wie Engels, aka- demischer Stubengelehrsamkeit die Leistungen proletarischer Theo- retiker entgegengehalten - als Theoretiker hat er jene allerdings nicht rezipiert. 3) Dies gilt für Weitling ebenso wie später für Stephan Born, Johann Georg Eccarius oder Joseph Dietzgen. Die Abkehr von der junghegelianischen Vergangenheit zeigt 1844 bereits deutliche Auswirkungen. Schon 1843 hatte Marx, noch in gemeinsamer Perspektive mit Ruge, als Programm formuliert: "Von unserer Seite muß die alte Welt vollkommen ans Tageslicht gezogen und die neue positiv ausgebildet werden" (MEW l, 343). 1844 be- ginnt Marx, nun schon ohne Ruge, die Arbeit an den "Ökonomisch- Philosophischen Manuskripten". Dort erwähnt er Weitling, in der Vorrede, ein einziges Mal in einem theoretischen Kontext: in Deutschland hätte neben Engels und Moses Heß nur Weitling auf dem Gebiet der Ökonomie "inhaltsvolle und originale" Arbeiten vorge- legt. 4) Unmittelbaren theoretischen Niederschlag hat diese Be- merkung freilich nicht nach sich gezogen. Georg Weber hat in ei- nem Artikel im "Vorwärts!" vom 28.8.1844 - der von Marx redigiert bzw. mit seiner Hilfe verfaßt sein soll - die theoretische Bedeu- tung der Schriften Weitlings für Marx auf den Punkt gebracht. Im Hinblick auf die Werttheorie schreibt er: "Und wenn auch Weit- lings Scharfblick die Wichtigkeit dieses Punktes nicht entgangen ist, so greift er doch mehr unser gegenwärtiges Geldsystem als das Wesen des Geldes an" (MEGA I, 2, 512-13). In der "Deutschen Ideologie", mit deren Abfassung Marx und Engels im September 1845 beginnen, steht der "wahre" Sozialismus im Mit- telpunkt der Kritik. Dieser besitzt weder die theoretische Quali- tät noch die praktische Bedeutung des Arbeiterkommunismus; Weit- ling gilt im Vergleich zum Wahrsozialismus als Kommunist (vgl. MEW 3, 207). Für Marx hat die 1843 angekündigte "rücksichtslose Kritik" auch zur Folge, daß er zunehmend in Kontakt mit proletarischen Organi- sationen tritt. 1846 treffen Marx und Weitling in Brüssel erst- mals persönlich zusammen. Weitling hatte bereits in den Diskus- sionen des Kommunistischen Arbeiter-Bildungsvereins in London er- fahren müssen, daß er nicht mehr ohne weiteres als Führer der deutschen Kommunisten akzeptiert wurde. 5) Der arbeitslose und polizeilicher Überwachung unterliegende Handwerksgeselle fand bei der Familie Marx einen Mittagstisch, und im Freundeskreis scheint man einige vergnügte Tage verbracht zu haben. 6) Als es jedoch in der Sitzung des Kommunistischen Korrespondenzkomitees am 30.3.1846 um die Frage ging: "Wie ist am besten in Deutschland Propaganda zu machen?", prallten die Meinungen hart und unver- söhnlich aufeinander. 7) Im Kern geht dieser Streit um das Ver- hältnis von Theorie und Praxis, um die Bedeutung und den Status theoretischen Wissens für eine soziale Emanzipationsbewegung. Weitling plädiert vor dem Hintergrund sinnlich evidenter gesell- schaftlicher Widersprüche für eine erfahrungsgeleitete Praxis. Durch Aufklärung und Propaganda soll den Massen der Zustand der Unterdrückung bewußt gemacht werden, durch eine soziale Revolu- tion sodann Gerechtigkeit, Gleichheit und Freiheit in Kraft ge- setzt werden. Marx hingegen will von politischer Praxis als Ak- tionismus nichts wissen. Er fordert unter den Bedingungen von 1846 die Ausarbeitung einer Theorie, die vorrangig zwei Kriterien erfüllen soll: Sie soll wissenschaftlich sein, und sie soll posi- tiv sein. Wissenschaftlich heißt: die Genesis der bürgerlich-ka- pitalistischen Gesellschaft im Gesamtzusammenhang umfassend wi- derspiegeln; positiv heißt: sich nicht in den leeren Abstraktio- nen der spekulativen Philosophie verlieren, sondern Theorie und Begriffsbildung auf der Grundlage wirklicher gesellschaftlicher Prozesse, vor allem: auf der Grundlage der Ökonomie als struktur- prägendem Element. Diese Forderung reicht 1846 weit über das hin- aus, was Marx selbst bis dahin an Theorie ausgearbeitet hatte. Die "Heilige Familie" aus dem Jahr 1845 nimmt sich noch recht he- gelianisch aus. Das Bedürfnis nach einer wissenschaftlichen Gesellschaftstheorie zur Beförderung der sozialen Bewegung ist auch in der frühen Ar- beiterbewegung selbst entstanden, auch Weitling trägt diese For- derung mit. Aber erst Marx als Intellektueller bürgerlicher Her- kunft hat diesen Anspruch einlösen können. 8) Die Träger der frü- hen Arbeiterbewegung fanden nicht die dazu nötigen objektiven Be- dingungen vor, und es mangelte ihnen ebenso an subjektiven Vor- aussetzungen. Der wissenschaftliche Sozialismus hat dabei als Theorie eine Gestalt angenommen, die einerseits systematisch Wis- sen über Geschichte und Struktur der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft zur Verfügung stellt, die andererseits aber das Pro- blem der Vermittelbarkeit aufwirft. Marx ist es aus verständli- chen Gründen zunächst um die Ausarbeitung einer Theorie gegangen. Im Arbeiterkommunismus kommt der politischen Praxis demgegenüber größere Bedeutung zu. Der wissenschaftliche Sozialismus ist als wissenschaftliche Gesellschaftstheorie keine, die eindeutig auf der Ebene politischer Handlungsanweisungen zu instrumentalisieren wäre. Das Theoriegebäude weist Bestandteile auf, die relativ un- abhängig sind von der politischen Praxis. Es ist leicht einzuse- hen, daß das Theorie-Praxis-Verhältnis ganz allgemein schnell zum politischen Streitfall wird. Aber auch im Marxismus und der Ar- beiterbewegung selbst ist es über den wissenschaftlichen Gehalt des wissenschaftlichen Sozialismus und seine Bedeutung für den politischen Veränderungswillen oft zu heftigen Auseinandersetzun- gen gekommen. Die Debatte darüber beginnt mit der Ausarbeitung der Theorie, in Auseinandersetzung mit der frühen Arbeiterbewe- gung. Am 11.5.1846 kommt es in Brüssel zu einer zweiten Kontroverse zwischen Weitling und Marx. Weitling weigert sich, das von Marx und Engels verfaßte Zirkular gegen Hermann Kriege zu unterschrei- ben (vgl. MEW 4, 3-17). Marx geht es darum, Kriege streng zu ta- deln, weil er im New Yorker "Volkstribun" phantastische Gemüts- schwärmerei unter der Überschrift des Kommunismus betreibe. Marx möchte gewährleistet wissen, daß unter dem Gütesiegel des Kommu- nismus bestimmte theoretische Prämissen eingehalten werden. Weit- ling hingegen denkt nicht von der Theorie her, sondern aus der Praxis heraus: Ihm genügt ein einfacher Konsens gegen die beste- hende Gesellschaftsordnung zunächst vollauf. Die Einheit der Be- wegung steht ihm höher als theoretische Streitigkeiten. An diesem möglichst breiten Konsens sucht Weitling festzuhalten, obwohl auch er theoretisch keineswegs mit Kriege übereinstimmt. Schon während der 1848er Revolution hat er sich auf dem 2. Demokraten- kongreß, der vom 26. bis 30.10.1848 in Berlin stattfand, von Kriege distanziert. Während ihres gemeinsamen Aufenthaltes in New York ist es zu keinerlei Zusammenarbeit gekommen, und in seinem Nachruf auf Kriege hat Weitling noch einmal dessen bürgerlich-de- mokratische Politik und seinen Antikommunismus offen kritisiert. 9) Im "Kommunistischen Manifest" wird der wahre Sozialismus be- kämpft. Die unterstellte "epidemische" Verbreitung (vgl. MEW 4, 487) kann sich nur auf den bürgerlich-demokratischen Sektor be- ziehen, denn in der frühen Arbeiterbewegung spielt er kaum eine Rolle. Darüberhinaus sind die Differenzen zum Wahrsozialismus na- türlich auch bedeutend größer als zum Arbeiterkommunismus. Am Rande findet sich eine Kritik an der "rohen Gleichmacherei" (vgl. MEW 4, 489) - Engels hat Weitling später einmal "einfachen Gleichheitskommunismus" vorgeworfen (vgl. MEW 8, 84). Kritik er- fährt der kritisch-utopische Sozialismus dort, wo er einen "fanatischen Aberglauben an die Wunderwirkungen" einer "sozialen Wissenschaft" zeigt (MEW 4, 491). Das Streben nach Erkenntnis und Wahrheit und das Bemühen um eine wissenschaftliche Gesellschaftstheorie treten bereits im kri- tisch-utopischen Sozialismus klar zutage. Weitling greift diesen Anspruch auf und bindet ihn an eine soziale Klasse, das Proleta- riat. Ferdinand Lasalle hat diesen Gedanken in seiner Rede über "Die Wissenschaft und die Arbeiter" später in der Sozialdemokra- tie populär gemacht. Wissen und Erkenntnis sieht Weitling vorran- gig in ihrer ideologischen Funktion. Gegen die Instrumentalisie- rung von Wissen als Herrschaftswissen setzt er den aufgeklärten Anspruch auf Vernunft, befreit von den sozialen Klassenschranken der Aufklärung. Wissenschaft soll wieder im Dienst der Wahrheit stehen, und sie soll dem Nützlichkeitspostulat folgen. Wie seine kritisch-utopischen Vorläufer glaubt auch Weitling dabei in der Wissenschaft eine Art Geheimcode zum Aufsprengen der bürgerlich- kapitalistischen Herrschaftsverhältnisse gefunden zu haben: Wis- senschaft als großes geistiges Prinzip, dessen Universalgesetz sich alle Materie und Geschichte zu unterwerfen hat. Im Hinblick auf den Wahrheitsanspruch von Theorien sowie auf den Gesetzesbe- griff zeigen kritisch-utopischer Sozialismus und Arbeiterkommu- nismus eine größere Affinität dazu, einen unmittelbaren Praxisbe- zug herzustellen - und die Theorie damit mechanistisch zu verkür- zen. Während der historische Materialismus zwischen Objektivismus und Determinismus unterscheidet und nicht identische Bereiche in- nerhalb seines monistischen Weltbildes durch das methodische Mit- tel der Analogie in Beziehung setzen kann, kennt der Arbeiterkom- munismus diese theoretischen Differenzierungen nicht. 10) Während der Revolution von 1848 treffen Marx und Weitling zweimal persönlich zusammen. Am 21.7.1848 wird Weitling als Redner zu ei- ner Sitzung der Demokratischen Gesellschaft nach Köln eingeladen. Marx, Mitglied dieser Gesellschaft, soll gegen diese Einladung gewesen sein. Er verließ die Sitzung vorzeitig und kritisierte Weitlings Auffassungen bei der folgenden Zusammenkunft am 4.8.1848: Weitling habe in seinem revolutionären Elan die wahren Klassenverhältnisse verkannt. 11) Friedrich Engels hat 1895 al- lerdings rückblickend deutlich gemacht, daß auch er und Marx 1848 der Meinung gewesen seien, "daß der große Entscheidungskampf an- gebrochen sei". Das Resümee von Engels: "Die Geschichte hat uns und allen, die ähnlich dachten, unrecht gegeben" (MEW 7, 514 f.). Diese richtige Bemerkung von Engels diskreditiert keineswegs den wissenschaftlichen Charakter des historischen Materialismus. Sie zeigt jedoch dreierlei: der wissenschaftliche Sozialismus ist nicht als ein fertiges Theoriegebäude vom Himmel gefallen, und der wissenschaftliche Charakter der materialistischen Geschichts- theorie steht und fällt nicht allein mit ihrer prognostischen Kraft. Schließlich können wir aus der Bemerkung von Engels fol- gern: Theoretische Qualität schlägt nicht unbedingt auch gleich kausal in politischen Erfolg um. Auch die Begründer des wissen- schaftlichen Sozialismus haben in dieser Frage einen Lernprozeß erfahren. In der Geschichtsschreibung hat sich die Annahme dieser Kausalität weitaus länger gehalten. So hat man dem Arbeiterkommu- nismus praktische Relevanz für die Revolution von 1848 abgespro- chen, repräsentierte er nach dem "Kommunistischen Manifest" doch längst nicht mehr den entwickeltsten Stand materialistischer Ge- schichtstheorie. Dem gründlichen Blick von Waltraud Seidel-Höpp- ner auf die Geschichte und hinter die Kulissen einer eingefahre- nen Geschichtsschreibung, die vorgefaßte Begriffe und starre Ge- setze über den lebendigen und komplexen historischen Prozeß zu stülpen sucht, verdanken wir eine Neubewertung von Weitlings Rolle während der 48er Revolution. 12) Weitling hat seine "politische Taktik im Verlauf des Revolutionsjahres mehrfach mo- difiziert", also keineswegs an verkrusteten arbeiterkommunisti- schen Theoriebeständen geklebt. Noch entscheidender im Hinblick auf Status und Funktion des wissenschaftlichen Sozialismus ist die Feststellung: Obwohl Weitling 1848 "theoretisch mit dem Füh- rungskern des Bundes der Kommunisten um Marx und Engels nicht mithalten" kann, gelingt es ihm doch, "die Arbeiter politisch auf den äußersten linken Flügel der Demokratie zu rufen". 13) 2. Wissenschaft als "System" ---------------------------- Das letzte Zusammentreffen zwischen Marx und Weitling fand im September 1849 in London statt. Kurz vor Weitlings endgültiger Abreise in die Vereinigten Staaten, wo er bis zu seinem Tod 1871 lebte, trafen beide im Umkreis des Bundes der Kommunisten erneut zusammen. Nach Weitlings Erinnerungen hat Marx ihn dabei eingela- den und war überhaupt "freundlich" gegen ihn. 14) Das hinderte Marx freilich nicht an der Ankündigung öffentlicher Kritik an Weitling. Weil dieser Struves Papiergeld-Projekt unterstützt hatte und Struve kein Kommunist sei, sollte auch Weitling gerügt werden. Der angekündigte, aber nie ausgetragene Disput steht ganz auf der Stufe der Brüsseler Debatte über Kriege. Es ist daher we- nig wahrscheinlich, daß Marx grundlegende Wandlungen in Weitlings politischen Anschauungen vermutet haben könnte. Vielmehr könnte Marx ganz allgemein an einem Gedankenaustausch über die Vorgänge von 1848/49 interessiert gewesen sein, insbesondere auch daran, welche Rolle Weitling bei der anstehenden Neuorganisation des Kommunistenbundes spielen können würde. Während sich Weitling dort, wo er an den Aktionen von 1848 unmittelbar beteiligt war, durchaus als Kommunist im Marxschen Sinne erwies, so blieben doch die theoretischen Differenzen bestehen. Weitling erwähnt in sei- nen "Erinnerungen", Marx sei "noch immer gegen alles Systemma- chen". 15) Über die Notwendigkeit und den Nutzen theoretischer Systeme war bereits 1846 in Brüssel gestritten worden 16) - und schon 1843 hatte Marx jede Art von "dogmatischen Systemen" ver- worfen. Weitling dagegen hat seine theoretischen Entwürfe gern als "System" bezeichnet. 17) Mit der Verwendung des System-Begriffs verbindet sich bei Weit- ling und im Arbeiterkommunismus nicht die Vorstellung systemati- scher Argumentation oder der Entwicklung eines ganzheitlichen Theoriegebäudes. System meint vor allem: Gesellschaftssystem. 18) Während der Diskussionen des 2. Demokratenkongresses hat Weitling bewiesen, daß es ihm dabei nicht philisterhaft um die Realisie- rung eines detailgenauen Zukunftsplanes geht. 19) In seiner Be- deutung als Gesellschaftssystem hat der System-Begriff bei Weit- ling eine typologische Funktion im Hinblick auf die Theoriebil- dung: Aufzeigen gesellschaftlicher Übel und Mißstände, Entwurf einer gerechten und vernunftorientierten gütergemeinschaftlichen Zukunftsgesellschaft, theoretischer "Beweis" der Überlegenheit und Praktikabilität dieser Gesellschaft. Aber System meint bei Weitling und anderen Arbeiterkommunisten noch mehr: In diesem Be- griff artikuliert sich auch das Bedürfnis nach einer monistischen und wissenschaftlichen Weltanschauung. So wird der Kommunismus als System auch zur "Universalwissenschaft", zur Einheitswissen- schaft mit universellem Geltungsbereich. 20) Während der Jahre im amerikanischen Exil differenziert Weitling sein System noch wei- ter aus. In der Restaurationsphase zur politischen Passivität ge- zwungen, arbeitet er nicht, wie Marx, an der Analyse der Realität - zur Kritik der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft bedarf es für Weitling keiner ökonomischen Theorie; die Mißstände dieser Gesellschaft sind ihm evident -, sondern an einer Methode, das sicher Gewußte in politische Praxis umsetzen zu können. Als Mit- tel dazu entwickelt er ein "Denksystem", auch "Wahrheitssystem", "Prüfsystem" oder "Vernunftsystem" genannt. Vor allem die Arbeit an der "Allgemeinen logischen Denk- und Sprachlehre" gilt dem In- teresse, ein methodologisches Gerüst zu entwickeln und erkennt- nistheoretische Voraussetzungen zu schaffen für die praktische Verwirklichung der Gütergemeinschaft. 21) 4. "Positive" Wissenschaft -------------------------- Während Marx diesen System-Begriff ablehnt - er ist zwischen Marx und Weitling nie explizit diskutiert worden, statt dessen hat es sicherlich häufig Mißverständnisse über die Bedeutung dieses Be- griffs gegeben -, hebt er ebenso wie Weitling ein anderes Attri- but materialistischer Gesellschaftstheorie hervor. Beiden geht es um eine positive Wissenschaft - und beide verstehen darunter sehr Verschiedenes. Gemeinsam ist ihnen noch die Wendung gegen die spekulative Philosophie und den Junghegelianismus. Die positive Wissenschaft soll von den wirklichen Bedürfnissen der Menschen ausgehen, und sie soll einem Wahrheits- und Praxis-Kriterium un- terworfen sein. Für Weitling mündet dieses Programm in der Veran- schaulichung dessen, was werden soll. Für Marx schließt dieses Programm methodologische Überlegungen mit ein. Er bestimmt nicht nur den wissenschaftlichen Gegenstand aus der Praxis heraus, er versichert sich auch der theoretischen Aneignung dieser Praxis. Für das Erschließen der gesellschaftlichen Realität als Erkennt- nisgegenstand wird die Politische Ökonomie zur wichtigen Quelle; eine Quelle zum methodologischen Begreifen dieses Gegenstandes wird die Dialektik in ihrer philosophischen Tradition. Beide Quellen bleiben Weitling verschlossen. Für Marx werden dies Grundlagen bei der Entwicklung eines Theorieprogrammes, das er selbst einmal als "materialistisch-kritischen Sozialismus" be- zeichnet hat (MEW 34, 303). Das kritische Element dieser Theorie, die Schärfe und Komplexität bei der Analyse ihres Gegenstandes, das Denken in Verhältnissen und Prozessen und das damit einhergehende scheinbar "Unbestimmte" provozieren Weitlings Widerspruch: Kritik scheint ihm eine sophi- stische Erfindung der Gelehrtenaristokratie. Paradigma einer kri- tischen und damit in Weitlings Augen negativen Erkenntnishaltung ist ihm der - Atheismus. Natürlich kennt auch Weitling die Kri- tik; auch ihm ist der Kommunismus die vollständige Negation der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Zugleich will der Weit- lingsche Kommunismus aber eben auch in sinnlicher Konkretion den Weg über die Kritik hinaus weisen. Sein Vorwurf an die Adresse von Marx ist, er leiste bloß verstandesorientierte Kritik - die Weitling in ihrer theoretischen Substanz nicht begreift -, wäh- rend ihm der Kommunismus "nicht allein zugleich Verstand und Ge- fühl zur Negation" benutzt, sondern "beide auch zum Aufbauen". 22) Damit gewinnt die Theorie zwar leichteren Zugang zu den Rezi- pienten, läuft jedoch Gefahr, ihren wissenschaftlichen Charakter zu verlieren. Weitling trifft damit einen Punkt im "kritisch - materialistischen Sozialismus", der nicht seinen kritisch-mate- rialistisch wissenschaftlichen Kern, wohl aber seine sozialisti- sche Praxis berührt. 5. Wissenschaftliche Theorie und politische Praxis -------------------------------------------------- Nach Weitlings endgültiger Emigration hat kein persönlicher Kon- takt mehr zwischen ihm und Marx stattgefunden. Während der Re- staurationsphase der 1850er Jahre widmet sich Marx immer intensi- ver der Arbeit an seinem theoretischen Programm - und bei der Ausarbeitung der Kritik der Politischen Ökonomie spielen arbei- terkommunistische Theoretiker keine Rolle. Als die Arbeiterbewe- gung in den 1860er Jahren einen Aufschwung nimmt, spielt der Ar- beiterkommunismus keine tragende praktische Rolle mehr. Im Oktober 1850 verfassen Marx und Engels Anmerkungen zur Schrift "Die Schneiderei in London und der Kampf des großen und des klei- nen Capitals" von Johann Georg Eccarius. Das Lob, das Eccarius hier als intellektuell tätigem Arbeiter zuteil wird, ähnelt bis in sprachliche Wendungen hinein jener Verbeugung vor der "Athletengestalt" des deutschen Proletariats, die Weitling sechs Jahre zuvor zuteil geworden war. 23) Abgesehen davon, daß Ecca- rius keine Schilderung einer utopischen Zukunftsgesellschaft gibt, steht Weitling in den Schriften der 1840er Jahre, gemessen an einer materialistischen Geschichtstheorie, sicherlich nicht hinter Eccarius zurück. Die Gründe für seine Favorisierung Weit- ling gegenüber sind im politischen Bereich zu suchen, nicht auf dem Feld der Theorie: Eccarius zählt im Kommunistenbund zur "Partei Marx", Weitling sympathisiert mit der Fraktion Wil- lich/Schapper. Als Theoretiker werden beide nicht von Marx rezi- piert. Bei aller Anerkennung der Notwendigkeit theoretischer Selbsttätigkeit des Proletariats kann die Theoriebildung der Ar- beiter doch nur Bedeutung für die politische Emanzipation des Proletariats haben - sicherlich keine geringe Bedeutung oder Min- derwertigkeit, aber eben eine spezifische Wertigkeit, verschieden vom theoretischen Ausdruck dieser Bewegung: dem wissenschaftli- chen Sozialismus. Die "schriftstellernden Arbeiter" liefern kei- nen inhärenten Beitrag zur Ausformulierung des wissenschaftlichen Programms, aber sie sind kohärenter Bestandteil des auf Emanzipa- tion gerichteten Theorieprogramms. Damit soll nicht einer prinzi- piellen Unverträglichkeit von Politik und Wissenschaft das Wort geredet, sondern ihre Differenz in der Einheit betont werden. In der von Weitling von 1850 bis 1855 herausgegebenen "Republik der Arbeiter" wurden einige polemische Angriffe gegen Marx abge- druckt, nicht immer aus Weitlings Feder, die von Marx verschie- dentlich entsprechend kommentiert worden sind. Andererseits sind in der "Republik der Arbeiter" aber auch Marx positiv gegenüber- stehende Beiträge abgedruckt, u.a. große Teile des "Kommunistischen Manifests" - wodurch Weitling zum "ersten Verle- ger eines Marxschen Textes in Amerika" geworden ist. 24) Ein letztes Mal erwähnt Marx Weitling im Rückblick auf die An- fänge des Kommunismus in Deutschland. Für ihn beginnt diese Bewe- gung keineswegs erst mit dem eigenen Auftreten auf dieser Bühne, sondern bereits ein Jahrzehnt früher: "Der 'Bund der Kommunisten' wurde 1836 in Paris gestiftet, ursprünglich unter anderem Namen" (MEW 14, 438). Marx zollt auch hier dem Lerneifer und Bildungs- willen der Arbeiter Lob - ohne deren Theoriebildung als theoreti- schen Beitrag zum wissenschaftlichen Sozialismus anzuerkennen: Die "Geheimlehre" des Bundes habe "sämtliche Wandlungen des fran- zösischen und englischen Sozialismus" durchlaufen. "Weitlings Phantasien" seien eine Spielart davon (MEW 14, 438). Damit wird Marx Weitlings Schriften zwar nicht gerecht - andererseits hätte er dort zwar beißende und wohlbegründete Kritik der zeitgenössi- schen Verhältnisse, aber keine Ansätze für eine systematische Theorie finden können. In einem Brief an Friedrich Adolph Sorge, einen Freund der Familie Weitling in Amerika, erwähnt Marx Weit- ling noch einmal marginal. In einer Phase, in der die Arbeiterbe- wegung langsam zur Massenbewegung heranwächst, warnt Marx vor zwei Phänomenen: den Intellektuellen, die bar aller Klassenkamp- ferfahrung in der Arbeiterbewegung ein willkommenes Objekt sehen, über das sie höhere geistig-wissenschaftliche Weihen ergießen können; zweitens vor jenen Arbeitern, die sich - Marx nennt Jo- hann Most - nunmehr als "Literaten von Profession" betätigen (MEW 34, 303). Marx weist dem kritisch-utopischen Sozialismus dabei einen eindeutigen Ort in der Geschichte zu: Der utopische Sozia- lismus trug den materialistisch-kritischen Sozialismus "in nuce" in sich - er ist eine der drei Quellen des wissenschaftlichen So- zialismus, die jedoch mit dessen historischer Herausbildung ihre progessive Funktion verloren hat (MEW 34, 303). In Marx' Verhältnis zum Arbeiterkommunismus lassen sich vier Pha- sen unterscheiden, die deutlich Entwicklungsetappen der Marxschen Theorie widerspiegeln. Vor 1845 wird der Arbeiterkommunismus po- sitiv rezipiert, weil die theoretische Selbsttätigkeit des Prole- tariats und die radikale arbeiterkommunistische Gesellschaftskri- tik politisch befruchtend wirken und eine Alternative zum junghe- gelianischen Kreis darstellen. Mit dem Mitte der 1840er Jahre be- ginnenden persönlichen Engagement in der Arbeiterbewegung und der Formulierung eines kritisch-materialistischen Wissenschaftspro- gramms wird auch der Arbeiterkommunismus einer theoretischen Kri- tik unterworfen. Dabei wird die theoretische Überlegenheit des Marxschen Programms keineswegs sofort politisch wirksam. Das Ver- hältnis von wissenschaftlicher Theorie und einer nach Emanzipa- tion strebenden sozialen Bewegung ist weder linear noch kausal: Den vielfältigen Brechungen dieses Verhältnisses ist in einzelnen historischen Etappen jeweils konkret nachzugehen. Während der 1850er und 1860er Jahre, Zeit der Restauration und der intensiven Arbeit am Wissenschaftsprogramm, spielt der Arbei- terkommunismus weder als theoretische Quelle noch als praktische Bewegung eine bedeutende Rolle. Mit dem Anwachsen der Arbeiterbe- wegung zur Massenpartei ab den 1870er Jahren setzt wieder eine positive Rezeption ein. Im Prozeß erster historischer Selbstver- ständigung der Arbeiterbewegung wird der Arbeiterkommunismus eine Berufungsinstanz für die revolutionäre Tradition der Bewegung. 25) Trotz politischer Übereinstimmung in der Zielperspektive ei- ner sozialen Revolution und der vollständigen Überwindung der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft gibt es letztlich kein gemeinsames Theorieprogramm. Zwar formuliert auch der Arbeiter- kommunismus den Anspruch auf eine wissenschaftliche Gesell- schaftstheorie, er kann diesen Anspruch jedoch nicht einlösen. Die theoretischen Differenzen zeigen sich u.a. im Verständnis der Begriffe 'Kritik', 'positive Wissenschaft' und 'System'. 26) Die theoretische Leistung des wissenschaftlichen Sozialismus bleibt den Arbeiterkommunisten verborgen. Auch wenn die langsame Heraus- bildung dieser wissenschaftlichen Theorie und damit Ungleichzei- tigkeiten in Rechnung gestellt werden müssen, 27) so zeigt sich schon im Prozeß der Genese ein Problem von allgemeiner Bedeutung: Der wissenschaftliche Charakter einer Emanzipationstheorie sperrt sich gegenüber dem Bedürfnis seiner Adressaten nach einer norma- tiven Weltbild-Orientierung. Die paradigmatische Bedeutung des Verhältnisses von wissenschaftlichem Sozialismus und Arbeiterkom- munismus liegt in der Notwendigkeit begründet, daß das akkumu- lierte Wissen von jeder Generation neu angeeignet werden muß und daß die Träger des Wissens und die Adressaten der Theorie in so- zialer Hinsicht nicht gleich sind. In diesem Spannungsfeld liegt ein immer neu zu betretendes Lernfeld. _____ 1) Zum Begriff Arbeiterkommunismus vgl. Joachim Höppner, Arbei- terkommunismus, in: M. Buhr und G. Klaus (Hrsg.), Philosophisches Wörterbuch, Leipzig 1974, 10. Aufl., S. 117-121; außerdem: Joachim Höppner und Waltraud Seidel-Höppner, Von Babeuf bis Blan- qui. Französischer Sozialismus und Kommunismus vor Marx, Band 1: Einführung, Leipzig 1975, insbesondere S. 305-497. Zum Begriff des vormarxistischen Sozialismus vgl.: Manfred Hahn, Der sogenannte Frühsozialismus als Forschungsproblem, in: Das Ar- gument, 14. Jg. 1972, Heft 7/8, S. 638-655; außerdem: Manfred Hahn, Die methodische Erforschung des vormarxistischen Sozialis- mus. Klärungen und Beiträge zu dessen ausstehender Quellen- und Schrifttumkunde, Bremen 1982. 2) Vgl. zu den nachfolgenden Überlegungen auch: Lothar Knatz, Utopie und Wissenschaft im frühen deutschen Sozialismus. Theorie- bildung und Wissenschaftsbegriff bei Wilhelm Weitling, Frank- furt/M. 1984. Vgl. außerdem: Lothar Knatz, Die Weitling-Rezeption in der deutschen Sozialdemokratie 1871-1914, Bremen 1982, Heft 7 der Reihe "Wissenschaftsforschung" (Universität Bremen). 3) Vgl. z.B. MEW 21, 201 oder MEW 34, 303. 4) Vgl. MEW, Ergänzungsband l, S. 468. Vgl. auch MEGA I, 2, 325. 5) Siehe dazu Max Nettlau, Londoner deutsche kommunistische Dis- kussionen 1845. Nach dem Protokollbuch des C.A.B.V., in: Archiv für die Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung, hrsg. von Carl Grünberg, 12. Jg., Leipzig 1922, S. 362-391. 6) Vgl. Bert Andreas und Wolfgang Mönke, Neue Daten zur "Deutschen Ideologie". Mit einem unbekannten Brief von Karl Marx und anderen Dokumenten, in: Archiv für Sozialgeschichte, Band 8, Hannover 1968, S. 5-159, hier insbesondere S. 131. 7) Zum Verlauf der Brüsseler Debatten und zu ihrer Interpretation vgl. P.W. Annenkow, Eine russische Stimme über Karl Marx, in: Die Neue Zeit, 1. Jg. 1883, S. 236-241; Der Bund der Kommunisten. Do- kumente und Materialien, Band l, 1836-1849, hrsg. vom IML beim ZK der SED und dem IML beim ZK der KPdSU, Berlin 1983, S. 303-308; Lothar Knatz, Wilhelm Weitling. Ein Paradigma arbeiterkommunisti- scher Theoriebildung, in: Internationale Wissenschaftliche Korre- spondenz, 18. Jg. 1982, S. 437-451; dort auch weitere Literatur- hinweise. 8) Zur Intellektuellen-Problematik vgl. Lothar Knatz, Intellektu- elle und Arbeiterbewegung, in: M. Hahn und H.J. Sandkühler (Hrsg.), Karl Marx. Kritik und positive Wissenschaft, Köln 1986, S. 56-77. 9) Zur Kritik Weitlings an Hermann Kriege siehe: Die Republik der Arbeiter 1851, S. 15 und 1852, S. 75. Die Zeitung wurde 1850 bis 1855 von Wilhelm Weitling in New York herausgegeben, die Seiten- angaben beziehen sich auf den reprographischen Nachdruck in 4 Bänden, mit einer Einleitung von Gian Mario Bravo, Vaduz 1979. Zum 2. Demokratenkongreß von 26. bis 30. 10. in Berlin vgl. Waltraud Seidel-Höppner und Jakob Rokitjanski, Weitling in der Revolution 1848/49. Unbekannte Dokumente, in: Jahrbuch für Ge- schichte 32, Berlin 1985, S. 65-170; hier insbesondere S. 109 f. 10) Vgl. Hans Jörg Sandkühler, Historischer Materialismus und die Analogie von Natur und Gesellschaft. Zum Determinismusproblem in der Arbeiterbewegung, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie, 27. Jg. 1979, Heft l, S. 31-45. 11) Einen Überblick über die Quellenlage geben W. Seidel-Höppner und J. Rokitjanski (siehe Anm. 9), S. 80 f. Unter den dort im An- hang abgedruckten Dokumenten findet sich u.a. ein Auszug aus "Der Wächter am Rhein. Ein Blatt zur Besprechung der öffentlichen An- gelegenheiten. Redigiert und verlegt von Carl Gramer" mit dem Ti- tel: "Weitling und Marx auf der Generalversammlung der demokrati- schen Gesellschaft im Eiserschen Saale in Köln, am 21. Juli und 4. August 1848", S. 163-164. 12) Waltraud Seidel-Höppner und Jakob Rokitjanski 1985, vgl. Anm. 9. 13) Vgl. Seidel-Höppner und Rokitjanski 1985, S. 66 bzw. 102. Weiter heißt es dort: "Der 'Urwälder' bezeugt, was nur wenige Hi- storiker wahrhaben wollen: Weitling verfolgt die vom Bund der Kommunisten für die bürgerliche Revolution eingeschlagene Tak- tik." Ebd., S. 103. 14) Jakob Rokitjanski und Olga Worobjowa, Begegnung Wilhelm Weit- lings mit Karl Marx im Herbst 1849. Unveröffentlichte Erinnerun- gen Weitlings, in: Marx-Engels Jahrbuch 3, Berlin 1983, S. 307- 318. 15) Ebd., S. 313. 16) Der Bund der Kommunisten, Band l (siehe Anm. 7), S. 308. 17) Vgl. etwa Weitlings Brief an Moses Heß vom 31. 3. 1846, in: Der Bund der Kommunisten, Band l, S. 307 f., oder Die Republik der Arbeiter 1851, S. 40. 18) Das "System der Freiheit", das "System der Association", das "System der Freiheit, der Harmonie und Gemeinschaft Aller" steht dem "System der Unterdrückung" oder dem "Geldsystem" gegenüber. 19) Weitling auf dem 2. Demokratenkongreß: "Ich bin als extremer Communist allenthalben bekannt, ich will aber keinen Plan aufge- stellt wissen, wie die Gesellschaft künftig werden soll. Man hat viele Systeme aufgestellt; wenn wir uns aber durch dieselben die Frage verwirren ließen, so würde uns das wenig Ehre machen." Zi- tiert nach W. Seidel-Höppner und J. Rokitjanski 1985, S. 110 f. 20) Vgl. Wilhelm Weitling, Gerechtigkeit. Ein Studium in 500 Ta- gen. Bilder der Wirklichkeit und Betrachtungen des Gefangenen. Herausgegeben von Ernst Barnikol, Kiel 1929, S. 134. 21) Die Erstausgabe des von Weitling hinterlassenen Manuskriptes zur "Denk- und Sprachlehre" ist für 1987 vorgesehen. Siehe dazu Lothar Knatz, Utopie und Wissenschaft im frühen deutschen Sozia- lismus, Frankfurt/M. 1984. 22) Die Republik der Arbeiter 1851, S. 44. 23) Vgl. MEW 1, S. 405, MEW 7, S. 416 und MEGA I, 2, S. 459. 24) Vgl. Bravos Einleitung zur "Republik der Arbeiter", S. XXV. 25) Vgl. dazu insbesondere die Arbeiten von Friedrich Engels zur Geschichte des Sozialismus und der Arbeiterbewegung, z.B. MEW 20, 187; MEW 21, 206; MEW 4, 585. Vgl. auch Engels' Rede auf dem Stiftungsfest des C.A.B.V. in London am 7. 2. 1876. Die Rede wird in einem Bericht im "Volksstaat" vom 27. 2. 1876 wiedergegeben und ist auszugsweise abgedruckt in: Der Bund der Kommunisten. Do- kumente und Materialien, Band 3, 1851-1852, Berlin 1984, S. 382- 383; auch MEGA I, 25, S. 427. 26) Vgl. Hans Jörg Sandkühler, Kritik und positive Wissenschaft. Zur Entwicklung der Marxschen Theorie, in: M. Hahn und H.J. Sandkühler (Hrsg.), Karl Marx. Kritik und positive Wissenschaft, Köln 1986, S. 17-41. 27) Zur Ungleichzeitigkeit vgl. Engels' Begriff vom "negativ Öko- nomischen", MEW 37, 492. zurück