Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 12/1987


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GESCHICHTLICHER RAUM UND GESELLSCHAFTLICHE ZEIT DES MARXISMUS - K. MARX, F. ENGELS, MEW, MEGA

Hans Jörg Sandkühler 1. Geschichtlichkeit und Gesellschaftlichkeit des Werks - 2. K. Marx, F. Engels, MEW, MEGA - 2.1 Hinweise zur Werk-Geschichte - 3. Geschichtlichkeit, Krise und Kritik - 3.1 "Krise des Marxis- mus" Marx-Engels-Forschung und Marxismus-Diskussion standen und stehen in jeder Phase ihrer Entwicklung vor zwei Fragen, deren Beantwor- tung zu unterschiedlichen und gegensätzlichen Perspektiven führen muß. Die erste lautet: Auf welche Gesellschaft, auf welches ge- schichtsmächtige Subjekt und auf welches historische Ziel ist der wissenschaftliche Sozialismus als Theoriebildung und als politi- sche Praxis bezogen? Die zweite stellt sich grundsätzlich als Folge der ersten: Was hat in einem und von einem theoretischen Werk B e s t a n d, dessen erste Norm der Bezug zur Wirklich- keit ist? Die von Marx und Engels im Kontext der bürgerlichen Ge- sellschaft und der w i r k l i c h e n Arbeiterklasse und Ar- beiterbewegung entwickelte Wissenschaft des Sozialismus -Wissen- schaft aus dem Sozialismus, Wissenschaft im Sozialismus, Wissen- schaft für den Sozialismus - hat zugleich deskriptive, empiri- sche, analytische u n d normative, transempirische, syntheti- sche Funktionen. Sie konstruiert Vergangenheit, Gegenwart und Zu- kunft, Geschichte, Gesellschaft und kommunistisches Ziel nicht als spekulatives M o d e l l, sondern als jenen wirklichen Ge- samtzusammenhang, in dem das Einzelne und Besondere der empiri- schen Erscheinungen zum Allgemeinen und Notwendigen, zum Wesent- lichen der Struktur und Entwicklung von Natur- und Gesellschafts- geschichte vermittelt sind. Zum Neuen, das den Theorie- und Hand- lungstypus "Marx" auszeichnet, gehört die Einsicht, daß weder die Theorie noch die Praxis einen archimedischen Ort außerhalb der realen gesellschaftlichen Bewegung und außerhalb der wirklichen Widersprüche haben, - ein "Außen" gibt es weder gegenüber der To- talität der geschichtlichen und aktualen gesellschaftlichen Ver- hältnisse noch gegenüber der Klasse und deren Bewegung und Ziel. Dies macht die Geschichtlichkeit u n d Allgemeinheit des Marx- Engelsschen Werkes und des Marxismus aus. Nicht erst die Genera- tionen von Marxisten, Sozialisten und Kommunisten nach Marx und Engels haben deshalb die Frage zu beantworten "Was hat Bestand?" Diese Frage gehört untrennbar zu Entstehung und Entwicklung des Werks, und Marx und Engels haben sie in jener Weise beantwortet, die Maßstab des Marxismus ist: Weil der wissenschaftliche Sozia- lismus nicht Analyse des Wirklichen mit positivistischer theore- tischer und politisch-praktischer Beschränkung auf den Status quo der Verhältnisse ist, weil sein Erkenntnisinteresse das Interesse an Geschichte, Wirklichkeit und Zukunft als O b j e k t- u n d Z i e l d e t e r m i n a t i o n enthält, ist er umfassend ge- schichtlich und in diesem Sinne mit dem auf bloße Aktualität fi- xierten Verständnis von Zeitlichkeit und Vergänglichkeit nicht zu erfassen. Marx und Engels haben ihren Zugriff auf Geschichte, ihre Wirk- lichkeitsanalyse und ihre Antizipationen und Prognosen der Zu- kunft immer wieder überprüft; sie haben Fehler gemacht, erkannt, ausgeräumt; dies gilt sowohl für manche Details deskriptiver Ana- lyse wie für allgemeine, systematische Theoreme. Das Werk ist ein Werk im Werden und Übergang. Fragt man, was bleibt, liegt so die erste Antwort auf der Hand: die nicht-positivistische Beziehung auf Wirklichkeit, die Entwicklung des Wissens, die Geschichtlich- keit der Theorie. Doch der Marxismus ist, wie jede Wissenschaft, kein unendlicher Prozeß der Reform durch Falsifikation. Gewiß trägt eine komplexe, nicht einzelwissenschaftlich begrenzte, son- dern multidimensional auf Wirklichkeit gerichtete Theorie mit ih- rem Geltungsanspruch und -bereich eine große Last der Überprüfung und Geltungsrechtfertigung. Als reine Modelltheorie müßte sie un- ter ihr zusammenbrechen. Der Marxismus aber ist nicht allein neuer Theorietypus, sondern Repräsentant eines neuen T h e- o r i e - P r a x i s - V e r h ä l t n i s s e s. Die Instanzen der Geltungsprüfung sind wirkliche Instanzen der Bewegung selber. So wird nicht alles Bestand haben, was in Etappen seiner Entwicklung als "Marxismus" behauptet worden ist; nicht alles, was mit dem Anspruch auf "Entwicklung" auftrat, kann als Entwick- lung gelten. Auch ist nicht alles bereits praktisch erprobt und überprüft, was das Werk an Wissen und Verhaltensorientierung bie- tet. Nicht trotzdem, sondern deshalb ist eine zweite Antwort ge- rechtfertigt: Bestand hat der Marxismus in seinem Prinzip, daß seine Prüfung nur Selbstprüfung sein kann; es war und ist die re- volutionäre Praxis des revolutionären Subjekts, im Verhältnis zu der er besteht und sich entwickelt. Dies ist der Sinn der Rede von Aktualität a l s Geschichtlichkeit des wissenschaftlichen Sozialismus. Was nicht Bestand hat, sind die zwei falschen, d.h. praktisch dem Wesen des Marxismus widersprechenden Antworten: Re- visionismus und Dogmatismus. Diese Antworten sind weder wechsel- seitig noch durch das Werk des Marxismus gerechtfertigt. Im Wi- derspruch gegen diese falschen Antworten zeigt der Marxismus, worin das entwickelte Werk Bestand hat: Es ist die Enzyklopädie begreifenden und eingreifenden Wissens ; es ist das Corpus aktiv erworbener gesellschaftlicher Erfahrung und geschichtlichen Wis- sens, auf d e s s e n Grundlage neue Erfahrung und neues Wissen den Bestand vermehren. Der Bestand ist das Werk der Regeln zur Befreiung. 1. Geschichtlichkeit und Gesellschaftlichkeit des Werks ------------------------------------------------------- Raum und Zeit sind die Koordinaten des Lebenswerks; sie sind Be- dingungen seiner Möglichkeit und seiner Entwicklung; sie sind zugleich die Dimensionen seiner Wirkung in den Formen der Aneig- nung, der Bewährung, der Kritik, der Weiterentwicklung, der Revi- sion, also der Wirkung in Transformationen. Raum und Zeit sind Koordinaten der intellektuellen Subjektivität der Biographie wie der sozialen Objektivität der Gesellschaftsgeschichte (vgl. Lam- brecht 1985), in der das Werk sich im politischen und theoreti- schen Prozeß vom Urheber löst und sich um neue Raum-Zeit-Erfah- rungen erweitert. Was bedeutet es, wenn in historischer Vergewis- serung (Aktualisierung) und zeitgenössischer Fortsetzung (Histo- risierung) des Vorgangs der Entdeckung, den das Werk eingeleitet hat, auf Raum und Zeit verwiesen wird? Der Verweis kann zwei Bedeutungen haben: die der Zurückweisung der Geltungsansprüche des im Werk gegebenen Wissens durch einen Relativismus, der Geschichtlichkeit mit Vergänglichkeit gleichsetzt und Gegenwart - nicht von Herkunft und Tradition überhaupt, sondern - gegen d i e s e bestimmte Herkunft abriegelt; oder aber es spricht sich in ihm das historische Bewußtsein aus, das im Begreifen der unumgänglichen Geschichtlichkeit eines Erbes die Überlieferung eigener Herkunft zur Aufgabe einer Ü b e r s e t z u n g macht: Der Anfang wiederholt sich nicht aus eigener Kraft, sondern indem verfügbares Wissen im Eingreifen in eine Wirklichkeit geprüft und erweitert wird, die wieder nicht s i c h verändert, sondern die verändert wird. Beide Varianten zeigen an: Die Formen der Ge- schichtlichkeit des Werkes sind nicht beliebig und werden nicht in erster Linie vom Werk selber bestimmt; der Wirkungszusammen- hang erweist sich, wie der Entstehungszusammenhang, als ein hi- storisch bestimmter Gründezusammenhang: Das Interesse von Subjek- ten, die mit dem Werk in Richtung der ursprünglichen Zielsetzung oder aber gegen es handeln, verändert zwar nicht den Werkbestand, das "Werk-an-sich", doch es begründet dessen Bedeutungen, den Konflikt der Interpretationen und Zwecke von Gebrauch oder Miß- brauch; so erst entsteht ein "Werk-für-uns". Raum und Zeit sind deshalb nicht irgendwie Dimensionen des Werks und seiner Historizität. Als g e s c h i c h t l i c h e r R a u m und als g e s e l l s c h a f t l i c h e Z e i t bilden diese Dimensionen eine Einheit, die Einheit einer bestimm- ten B e w e g u n g, das Netzwerk der g e s e l l s c h a f t- l i c h e n B e w e g u n g. Der Hinweis auf Zeit und Raum zeigt auf V e r g e s e l l s c h a f t u n g, die das Werk widerspiegelt und in deren bestimmten Formen es wirkt. Die unterschiedlichen und gegensätzlichen Zugänge zum Werk sind Momente und Formen von Vergesellschaftung. So ist es sinnvoll, zunächst zwischen sozialistischen und bürgerlichen Zugängen als den Entsprechungen der beiden Gesellschaftsformationen zu unterscheiden, auf die das Werk, um das es hier geht, deskriptiv und normativ zielte und in denen bzw. in deren Systemwiderspruch das Interesse an Marx und Engels und am Marxismus entsteht. Auf dieser Ebene ist eine weitere Unterscheidung möglich. Wie jedes Werk wird auch das von Marx und Engels im gesellschafts- geschichtlichen Prozeß verändert. Formen der Veränderung sind die philologische Erweiterung unseres Wissens über den Bestand des Werks, die theoretische Durchdringung einzelner seiner Dimen- sionen nach Maßgabe fortschreitenden wissenschaftlichen Interes- ses und Wissens - ein Beispiel ist die späte Entdeckung der im Marxschen Werk enthaltenen Dimension "Naturwissenschaft" -, die Weiterentwicklung des Werks in Gestalt des Marxismus und die Revision. Zwar bedeutet jede dieser Veränderungen in der neutralen Bedeutung des Worts eine Revision, doch ist diese Bedeutung kaum aussagekräftig. Als Revision wird sinnvollerweise die Veränderung bezeichnet, die in gegen-sozialistischem Interesse und systematisch das Werk zurichtet, um es als Erkenntnismittel der Bewegung für Demokratie und Sozialismus zu vernichten und damit aus der gesellschaftlichen Bewegung auszu- sperren. Der Revisionismus ist ein intellektueller Streik gegen die Arbeiterbewegung; die Werkrevision ist nur Mittel zum Zweck; in ihm hat das Werk weder Bestand noch Entwicklung. Es ist die sozialistische Bewegung, die ihm Bestand verleiht, indem sie Ge- schichte und Wirklichkeit in Erfahrung, Theorie und politischer Praxis vermittelt und es als dieses Werk von Marx und Engels mar- xistisch weiterentwickelt. Geschichtlicher Raum und gesellschaftliche Zeit als Dimensionen der gesellschaftlichen Bewegung begründen eine bestimmte Perspek- tive auf das Werk: die der D i a l e k t i k der bürgerlichen Gesellschaft als Entstehungskontext, der sozialistischen Gesell- schaft als wichtigsten Entwicklungskontextes und des Systemanta- gonismus von Sozialismus und Kapitalismus als Auseinanderset- zungs- und Wirkungskontext. Das Werk wird formationsspezifisch erarbeitet, weiterentwickelt und umkämpft. In der Perspektive der gesellschaftlichen Bewegung als des Prozesses und der Dialektik der Gesellschaftsformation in ihrer Totalität ist weder das Marx- Engelssche Werk noch der Marxismus jemals die Widerspiegelung nur einer "Seite"; Negation des Kapitals zu sein, ist ihr Status; sie fungieren als Bewußtseins- und Handlungsraum der Arbeiterbewe- gung, doch diese bestimmte ökonomisch, sozial, politisch und ideologisch konstituierte besondere Bewegung hat auch mit dem Marxismus teil am Ganzen der gesellschaftlichen Bewegung. Das Werk entsteht - berücksichtigt man den Zusammenhang von Klassen- subjekt und sozialen Trägern seiner Herausbildung - in der ge- sellschaftlichen Zeit des Antagonismus des Kapital v e r- h ä l t n i s s e s und in einem geschichtlichem Raum, dessen drei Dimensionen zeitlich eine Folge von Entwicklungsstufen sind: 1. die Tradition, Kritik und Aufhebung klassischen philosophi- schen, modernen positiv-wissenschaftlichen und kritisch-utopi- schen gesellschaftstheoretischen Wissens; 2. die deskriptive Ana- lyse der politischen Ökonomie, die immer auch präskriptive, normative Synthese ist; sie richtet ihr Interesse auf die politi- sche Ökonomie als realen Prozeß der Entwicklung der Produktions- weise, auf die theoretischen Widerspiegelungsweisen der National- ökonomien und auf beide zusammen als Voraussetzungen der Möglich- keit der Revolution und des Sozialismus; 3. proletarische Erfah- rung und Praxis, die in der Entwicklung vom Arbeiterkommunismus zur autonomen Klassenpartei und zum wissenschaftlichen Sozialis- mus politisch vergesellschaftet werden. Das Werk ist Mittel und Medium der Autonomisierung der Klasse, die auf diese Weise ihre Funktion i n der gesellschaftlichen Bewegung verwirklicht. So ist es ein Werk f ü r die Arbeiterbewegung und die sozialisti- sche Revolution, doch weder d e r Arbeiterbewegung noch der Re- volution allein. Die Perspektive "gesellschaftliche Bewegung" erweitert den scheinbaren Ausdruck einer besonderen "Ecke" des geschichtlichen Raums und einer besonderen "Phase" der gesellschaftlichen Zeit mit erheblichen Folgen. Zum ersten ist das Marx-Engelssche Werk, ist der Marxismus kein Besitztitel, den eine Bewegung reklamieren sollte, um sich damit als besondere, partikuläre Bewegung zu ver- kennen; das Werk und der Marxismus zielen im Innersten auf eine Klasse und eine politisch-soziale Bewegung, deren Bezug auf die Wirklichkeit den Bezug auf das Mögliche, die nicht mehr antagoni- stische Zukunft, den Kommunismus als wirklich freie Assoziation der freien Individuen aktualisiert; das Werk und der Marxismus sind Momente der Menschheit; gerade in ihrer Qualität als Mittel eines Kampfes um Befreiung gegen menschheitsfremde Interessen nehmen sie Maß am Humanismus; noch sind sie eine Form, in der der Widerspruch als Ganzer sich vermittelt, und insofern sind sie niemals Insel oder exterritoriales Gelände im geschichtlichen Raum der Gesellschaften, in denen sie angeeignet, vermittelt und - grundsätzlich in der Auseinandersetzung zwischen Interessen - entwickelt werden und umstritten sind; der Marxismus, der das Werk von Marx und Engels von der Bewährung im Ganzen der Wider- sprüche abschotten, ihn als Besonderes einer "Seite" und als pri- vaten Besitz reklamieren wollte, wäre tot. Zum zweiten folgt aus der Perspektive "gesellschaftliche Bewegung", daß das Marx-En- gelssche Werk und der Marxismus nach Allseitigkeit der Zugänge sowohl zum Werk selber wie zur Realität, die mit ihm als Mittel erkannt und verändert werden soll, verlangen. Gesellschaftliche Arbeitsteilung in der Wissenschaft, nicht selten auch in der Po- litik, bedroht das Verständnis der Vieldimensionalität des Werks und des Marxismus; sie können dann nicht mehr als die große Neue Enzyklopädie gelesen und gehandhabt werden, in der sich Wissen, Verhalten und Handeln zum Integral "wissenschaftlicher Sozialis- mus" - wissenschaftlich so revolutionär wie politisch - verknüp- fen: Philosophie, politische Ökonomie, Theorie der Technologie und der kognitiven und praktischen Funktionen der Wissenschaften, Fertigkeiten und Künste, Wissenschaft der Geschichte, Geschichte der Wissenschaft, Theorie der Revolution und des Staats, Methodo- logie theoriegeleiteter Empirie, Verhalten in der Arbeiterbewe- gung als Verhalten in der Gesellschaft als Ganzer, theoretische Kritik und praktische Kritik, Revolutionierung positiver Wissen- schaft und wissenschaftlicher Tätigkeit, erweitert in den Raum des Politischen, Übersetzung der Gegenwart in Herkunft und Zu- kunft, - vor diesem I n t e g r a l ist arbeitsteilige Rekon- struktion einzelner Momente - ist sie nicht Bestandteil allseiti- ger systematischer Arbeit - hilflos und führt zur Verzerrung. Dieses Werk und der Marxismus widersetzen sich der reduzierenden Zweidimensionalität mancher Sichtweisen: der sinnlosen Frage nach theoretischer o d e r politischer Prägung und Wirkung; der ver- engten Analyse interner o d e r externer, kognitiver o d e r gesellschaftlicher, philosophischer o d e r einzelwissenschaft- licher Gründezusammenhänge im Werk. Der Zugang zu diesem Werk ist nur in der methodischen und theoretischen Einheit möglich, die der Einheit von Biographie, Gesellschaftsgeschichte (vgl. Hahn 1976, S. 77) und Wissenschaftsgeschichte entspricht; auf sie ins- gesamt muß sich das Interesse beziehen, das Werk zu erkennen und, es nach dem Muster des Werks weiterentwickelnd, mit ihm Wirklich- keit zu erkennen. Dieser Zugang verbindet sich mit Verhalten, sucht und produziert Einsichten, die ein Verhalten ergeben (vgl. näher Sandkühler 1984, S. 121-224). In dieser Komplexität des Zu- gangs zum Werk verwirklicht sich ein Marxismus, der dem Beispiel dessen, der den Namen leiht (und nicht gratis schenkt), angemes- sen ist. Theoriebildung, individuelles und kollektives Verhalten und politische Aktion als Momente des Ganzen der gesellschaftli- chen Bewegung zu erfassen, - dies ist der Sinn vernünftiger Rede über die Geschichtlichkeit des Werks und des Marxismus. 2. K. Marx, F. Engels, MEW, MEGA -------------------------------- Plädiert man für einen geschichtlichen Umgang mit Marx (Holz/ Sandkühler 1983, S. 15-20), so wendet man sich gegen den historisierenden Relativismus, der vom Mißverstehen der Zeit als eines bloßen Rahmens von Entwicklung auf die Antiquiertheit - wiederum nicht jeder, sondern, an einer bestimmten Lesart von Ge- schichte und Gegenwart interessiert, - dieser historischen Epoche menschlicher Bewußtwerdung schließt. Man entdeckt: "Marx" bedeu- tet eine Beziehung auf geschichtliche Wirklichkeit; und: man kann deshalb dem historischen Marx nicht die Rolle unseres Zeitgenos- sen zumuten. Zeitgenössisch dagegen ist der Marx des Marxismus. Zugleich ist zu entdecken: der historische Marx wird zum Topos, zu "Marx". Dies bedeutet in zweifacher Hinsicht: Das Werk von Marx und Engels ist ein Werk im Werden (vgl. Gold- schmidt/Lambrecht 1983; Mader 1985); die Zuschreibung von Klassi- zität wäre ein Verhängnis, wenn sie verlangte, den Anfang, die Widrigkeiten des Beginnens, den Lernprozeß, die selbstkritische Überarbeitung, vom Werk auf seiner letzten Entwicklungsstufe her zu verstehen. Werk im Werden, dies heißt, daß das vollendete Werk erst entsteht. Diese Feststellung ist, bezogen auf die individu- elle Biographie von Marx und Engels, trivial. Richtig gesehen, enthält sie aber die Entdeckung eines Problems: W a s G e n e r a t i o n e n, w a s w i r h e u t e a l s W e r k v o n M a r x u n d E n g e l s w a h r n e h m e n u n d w o r ü b e r m a n u n t e r d e m T i t e l "W e r k" v e r f ü g t , i s t i m w e s e n t l i c h e n e i n R e s u l t a t d e s M a r x i s m u s a l s M o m e n t s g e s e l l s c h a f t l i c h e r B e w e g u n g. Dieses - nicht immer selbstverständliche - Begreifen der besonderen Bedeu- tung von "Historizität des Werks" führt zur zugespitzten These: D a s e i g e n t l i c h e W e r k i m W e r d e n i s t d i e M E G A 2, u n d e r s t d i e n ä c h s t e G e- n e r a t i o n w i r d ü b e r e s v e r f ü g e n k ö n- n e n. Mit anderen Worten: G e r a d e d i e G e s e l l- s c h a f t, d i e i m W e r k n u r e i n e P e r- s p e k t i v e a u f Z u k u n f t s e i n k o n n t e, v o l l e n d e t e s, - d e r S o z i a l i s m u s u n- s e r e r g e s e l l s c h a f t l i c h e n Z e i t. 2.1 Hinweise zur Werk-Geschichte -------------------------------- Debatten über Marx und Engels zeigen häufig die Merkwürdigkeit einer geradezu grotesken Ungeschichtlichkeit. Was ein Lernprozeß war, der zur Frage veranlassen muß, welche Problemstellung wann aufgegriffen oder aufgedeckt und mit welchen Theorie-Mitteln sie bearbeitet wurde (werden konnte nach Maßgabe des Eindringens in historisches und aktuelles wissenschaftliches Wissen), erscheint als Pfingstwunder. Diese Merkwürdigkeit wiederholt sich in Debat- ten über den Marxismus, der als übergeschichtliche Identität mit einem immer schon Fertigen erscheinen muß, sobald nicht gefragt wird, in welchem Umfang Marxisten einer bestimmten Zeit und eines bestimmten Raums das Werk gekannt haben können. Was bedeutet es, daß die MEGA 2 die mit der MEW verfügbaren zwei Drittel des Werks eben um ein Drittel an Werkbestand übertreffen wird? Was, daß die MEW erstmals alle überlieferten Schriften in systematischem Zu- sammenhang angeboten hat, freilich ohne einen Großteil der Manu- skripte und Exzerpte, ohne Marginalien, ohne die Briefe Dritter? Welche Folgerungen sind aus der Tatsache zu ziehen, daß in der entscheidenden Entwicklungsperiode des Marxismus, in der II. und zu Beginn der III. Internationale, wesentliche Bestandteile des Werks wie die "Ökonomisch-philosophischen Manuskripte", "Die deutsche Ideologie", die "Grundrisse", die 1861763er Manuskripte zur politischen Ökonomie (abgesehen von den zunächst mangelhaft edierten "Theorien über den Mehrwert") nicht bekannt waren? Was kannten Kautsky und Mehring, Labriola und Plechanow, Luxemburg und Lenin? Und: mit welchem "Werk" gehen wir heute um? Das den Zeitgenossen des späten Marx und des späten Engels bekannte "Werk" umfaßte nur Bruchteile des Werks. Die historische Distanz zum Werk im Werden, die von Generation zu Generation größer wird, bedeutet - dies ist kein Paradox - eine immer intensivere Annähe- rung. Der Zeitgenosse nimmt kein "Werk" wahr, sondern Werke, Schriften, aktuelle Eingriffe, und manches nimmt er so nicht wahr. Erst MEW und - in neuer Qualität - MEGA 2 k o n s t i t u- i e r e n das, was als Werk zu bezeichnen uns geläufig ist. Die wichtigste Leistung dieser Editionen ist: Sie ermöglichen den Übergang von der Perspektive des Zeitgenossen, in der Zeit als Grenze gegenüber dem Ganzen wirkt, zur Synopse aller konstitu- tiven Quellen und Bestandteile, zur erstmals synchronen Sicht eines strukturierten Prozesses. Es ist kein Zufall, daß gerade die MEGA 2 - auch hierin sich von der MEW unterscheidend - im Vorwort zur Gesamtausgabe und nicht nur im editorischen Bericht zu einzelnen Schriften an die Geschichte der Marx-Engels-Edition erinnert (MEGA 2 I, 1, S. 29*ff.). Eine erste auf zwei Bände ge- plante Marx-Ausgabe scheitert zu Zeiten des "Bundes der Kommuni- sten" an der Verhaftung des Verlegers. Die Vorbereitung einer Ausgabe gesammelter Werke endet mit F. Engels' Tod. Nach Sammlung und Veröffentlichung von Marx- und Engels-Texten durch Eleanor Marx-Aveling um die Jahrhundertwende macht sich Franz Mehring um das Erbe verdient und gibt 1902 in drei Bänden Schriften "Aus dem literarischen Nachlass von Karl Marx und Friedrich Engels 1841 bis 1850 heraus", eine Sammlung von großer Bedeutung bis zur er- sten MEGA. In seinem Vorwort bemerkt Mehring: "Eine wissenschaft- liche Gesammtausgabe der Schriften /.../ wäre eine so wünschens- werthe Sache, wie sie in absehbarer Zeit eine unmögliche Sache ist." Vor die Notwendigkeit der Auswahl gestellt, galt es für Mehring, "sich ein Herz zu fassen und nicht an den Worten der Meister zu kleben, sondern aus ihrem Geiste zu entscheiden, was sie damals Entscheidendes und Wesentliches veröffentlicht haben." Erinnernswert in Mehrings Vorwort auch diese Passage: "Diese Schriften sind die eigenthümlichen Produkte einer eigenthümlichen Zeit, die sich nicht so schlankweg in die Sprache unserer Zeit übersetzen lassen /.../ Dagegen leben sie von selbst wieder auf in ihrem historischen Milieu". Und: "Die bürgerliche Geschichts- schreibung und ganz besonders ihr literarhistorischer Zweig ge- fällt sich darin, je länger je mehr todtzuschweigen, was einer nicht mehr fernen Zukunft an der Geschichte der vierziger Jahre vor Allem denkwürdig sein wird." Bemerkenswert schließlich, weil Ausdruck einer marxistischen Einschätzung um 1900, Mehrings Über- legung zur Lesbarkeit seiner Ausgabe: "jede Rücksicht auf eine populäre Massenwirkung scheidet der Natur der Sache nach von vornherein aus." (Mehring 4 1923, S. VII-XI). Räume und Zeiten der Marx-Engels-Editionen - der Kontrast zwi- schen dem immer geringeren sozialdemokratischen Interesse und den Anstrengungen des neuen, ersten Staats des Sozialismus muß auf- fallen. 1921 wird mit dem von der KPR(B) eingerichteten Marx-En- gels-Institut die Voraussetzung für eine Edition geschaffen, die Mehrings Zweifel gegenüber Philologie und Massenwirkung nicht mehr teilt. Gleichzeitig wurde an der ersten russischen Werkaus- gabe (1928-1941), über lange Jahre die einzige und vollständigste Sammlung) und an der MEGA gearbeitet, an der sich ein internatio- naler Kreis von Forschern beteiligte und in der 1927-1935 zwölf Bände, gesondert "Anti-Dühring" und "Dialektik der Natur", er- scheinen konnten. Das Moskauer Institut veröffentlichte erstmals "Die deutsche Ideologie" und die "Ökonomisch-philosophischen Schriften" und 1939-1941 die "Grundrisse der Kritik der politi- schen Ökonomie. Rohentwurf 1857-1858". Bis zum Faschismus er- schien die MEGA in Frankfurt/M., dann in Berlin. Faschismus und Krieg sind Wegmarken eines Werks, das nicht außerhalb der Dialek- tik der gesellschaftlichen Bewegung - der bürgerlichen Gesell- schaft, des realen Sozialismus, des Antagonismus der Systeme - stehen konnte. So muß die Werkgeschichte nicht ausklammern, was sie zusätzlich belastet hat: Auch die erste sozialistische Ge- sellschaft kennt Unrecht und Leiden, und das Scheitern der ersten MEGA steht in einem - wenn auch nicht ursächlichen - Zusammenhang mit dem ungerechten Schicksal einiger ihrer Bearbeiter. Die zweite Ausgabe in russischer Sprache (1955-1966) enthielt be- reits 1000 Dokumente mehr als die erste, und sie wurde zur Grund- lage der in der Deutschen Demokratischen Republik von 1956 bis 1968 herausgegebenen MEW. Wieder zeigt der Vergleich die Un- gleichzeitigkeit gleicher gesellschaftlicher Zeit im geteilten geschichtlichen Raum. In der Bundesrepublik Deutschland erscheint im Vergleichszeitraum S. Landshuts Ausgabe "Die Frühschriften" (zuerst 1932); im Vorwort heißt es: "Für das heute neu erwachte Bedürfnis nach einer Auseinandersetzung mit dem Marxismus sind gerade diese Dokumente unentbehrlich"; "die sowjet-amtliche Marx- Auslegung <habe> von diesen Schriften nie Notiz genommen"; in der Phase des Kalten Kriegs erinnert Landshut nicht einmal daran, daß eben die Pariser Manuskripte von 1844 in der Sowjetunion erstmals veröffentlicht worden waren. Wer in dieser Zeit in der Bundesre- publik Interesse am Marx-Engelsschen Werk und am Marxismus ent- wickelte und seine wissenschaftliche und politische Bildung in den Institutionen dieses Staats erhielt, konnte neben den "Frühschriften" auf eine obskure Auswahl "Karl Marx" von Franz Borkenau (1956) zurückgreifen, d.h. 30 Seiten Einleitung "Praxis und Utopie" und kaum 190 Seiten gekürzte Quellen : "Wer den Mar- xismus verstehen will, muß sich von den Entstellungen frei ma- chen, die seinen ursprünglichen Sinn verschüttet haben /.../ Im Grunde haben die Epigonen alle nur die Gedanken des alten Marx, ehrwürdige Ruinen eines frühzeitig aufgegebenen Baues, gegen die Gedanken des jungen Marx ausgespielt." Borkenaus Zerrbild der Marxschen Theorie als "fanatisch-revolutionäre Utopie" gesellte sich noch 1966 eine dreibändige Taschenbuchausgabe zu, deren Her- ausgeber, Günther Hillmann, "Zum Verständnis der Texte" mit- teilte: "Marx ist uns entfremdet, wenn er auftritt als Vater (oder Großvater) eines mächtigen, weltumspannenden, Millionen kontrollierenden Apparats, mit der Funktion, zitiert, gedruckt, aufgehängt oder herumgetragen zu werden - als nicht zu über- schreitende Grenze, als geheimnisvoller Ursprung, als unnahbare und unbegreifbare Autorität, als Verkörperung der Reinheit der Lehre." Derartige Produkte antimarxistischer Marxologie haben in diesen Jahren das Feld der bürgerlichen Öffentlichkeit beherrscht. Gleichzeitig aber erschienen in der Nachkriegszeit Marx-Engels- Texte im Umfeld der kommunistischen Bewegung. Bis in das Jahr seiner durch das KPD-Verbot verursachten Schließung konnte der Stuttgarter Verlag "Das neue Wort" - meist in Form von Lizenzaus- gaben aus der DDR - zahlreiche Ausgaben veröffentlichen. Mit den "Ausgewählten Schriften von Marx und Engels in zwei Bänden" (1953) vertrieb er die erste deutschsprachige Sammlung von Haupt- werken des Marxismus, vom "Manifest der Kommunistischen Partei" bis zu den späten Schriften und Briefen von F. Engels. In diesem Verlag erschienen auch "Ausgewählte Briefe" (1953), "Briefe über das Kapital" (1953) und "Marx, Engels, Lenin, Stalin zur deut- schen Geschichte" (3 Bde., 1953), in denen sich auch Marx-Engels- Schriften aus den 1840er Jahren befanden. In seiner Reihe "Kleine Bücherei des Marxismus-Leninismus" vertrieb das "Neue Wort" klei- nere Broschüren mit kürzeren Texten von Marx und Engels; er setzte so die Tradition vieler kleiner regionaler Verlage der KPD in den drei westlichen Besatzungszonen vor Gründung der Bundesre- publik fort. In besonderer Weise hat sich der 1969 gegründete Verlag "Marxistische Blätter" um die Verbreitung von Werken ver- dient gemacht. In Lizenzausgaben veröffentlichte er seit Anfang der 70er Jahre einzelne Schriften in der Reihe "Sozialistische Klassiker" ; für breite Leserkreise boten darüber hinaus die sechsbändige Marx-Engels-Ausgabe "Ausgewählte Werke" (1970) und die dreibändige Edition des "Kapitals" wichtige Möglichkeiten des Zugangs zum Werk. Es waren die "blauen Bände" der MEW, die der Generation der Mitte der 1960er Jahre Zwanzig-Dreißigjährigen das Werk erschlossen ha- ben. An Adressaten primär in der DDR gewandt, unter dem Druck ökonomischer, politischer und ideologischer Offensive - nicht zu- letzt aus der Bundesrepublik - editorisch besorgt, haben sie vielen den Zugang nicht leicht gemacht. Der Vergleich der Vor- worte in MEW und MEGA 2 belegt dies, wie er die Konsolidierung sozialistischer Gesellschaft offensichtlich werden läßt. Die po- litische Sprache vieler MEW-Vorworte bezeichnet genau Raum und Zeit dieser ersten deutschen umfassenden Werkausgabe, einen be- drohten geschichtlichen Raum und eine gesellschaftliche Zeit, die sich als heroisch verstehen konnte und als Vorbilder Helden benö- tigte: benennt die politische Sprache "das gewaltige Lebenswerk" der "genialen Denker und glühenden Revolutionäre Karl Marx und Friedrich Engels", den "Gedankenreichtum dieser beiden Geistes- riesen", so ist sie nicht Spiegel subjektiven Unvermögens, son- dern des objektiv erzwungenen Mangels an freiem Entwicklungs- spielraum einer Gesellschaft, deren Staat und Bürger einer Offen- sive ausgesetzt sind, die sich ideologisch auch in den oben be- nannten bürgerlichen Marx-Ausgaben ausdrückt. So korrespondiert der personalisierenden Überhöhung gesellschaftlicher Lernprozesse zum "Genialen" der scheinbare Widerspruch der Forderung, daß das "gründliche Studium der Werke von Marx und Engels /.../ helfen <wird>, hemmende Erscheinungen in der Arbeit und veraltete An- schauungen zu überwinden, die ideologische Offensive gegen die reaktionäre bürgerliche Ideologie zu verstärken und durch eigene schöpferische Leistungen zum weiteren Vormarsch der marxistisch- leninistischen Wissenschaft beizutragen". Das Vorwort zum ersten Band der MEW, 1956 im Kalten Krieg und im Jahr des XX. Parteitags der KPdSU erschienen, signalisiert, daß trotz des Wortlauts einer letztlich unhistorischen Marx-Engels-Kennzeichnung das Ziel der Edition historisch begründet werden kann: "Der Marxismus kann nicht 'veralten', denn es ist kein starres System endgültiger, unveränderlicher Formeln, sondern eine Anleitung zum schöpferi- schen Forschen und aktiven Handeln." (MEW 1, S. X f.). Provoziert die gesellschaftliche Zeit die Schwäche der Heroisie- rung selbst um den Preis, daß Breite und Reichtum in den Anfängen der Arbeiterbewegung, in der Marx und Engels groß wurden, indem sie gegenüber der Bewegung nicht groß taten, unangemessen in den "Hintergrund" (den der geschichtliche Prozeß nie darstellt) tre- ten, wird die Stabilisierung des gesellschaftlich Erreichten zur Voraussetzung einer für die Geschichte in ihrer Komplexität offe- nen und objektiven Perspektive. Kann heute die MEGA 2 als d a s Muster historisch-kritischer Edition gelten, so nicht allein we- gen ihres philologisch kaum zu übertreffenden Standards. Was be- reits die "Editionsgrundsätze und Probestücke" (Probeband) zur MEGA 2 1972 an wissenschaftlicher kommentierender Leistung ver- sprachen, lösen die seit 1975 erschienenen 30 Bände der Abteilun- gen "I. Werke, Artikel, Entwürfe (mit Ausnahme des 'Kapitals'); II. 'Das Kapital' und Vorarbeiten; III. Briefe; IV. Exzerpte, Konspekte, Notizen, Marginalien" ein. Zwar begrenzen Auflage und Preis den Kreis der Direkt-Nutzer der MEGA 2 weitgehend auf die Wissenschaft, doch reicht der Nutzen dieser Ausgabe, wie bereits Veränderungen der MEW auf ihrer Basis zeigen, weit über die unmittelbare wissenschaftliche Arbeit hin- aus. Bereits im "Probeband" findet man die Reflexion, die dem Rechnung trägt: "Viele Werke, in denen Marx und Engels ihre grundlegenden theoretischen Entdeckungen erarbeiteten, formulier- ten und begründeten, entstanden in einem langwährenden, kompli- zierten Schaffensprozeß, der sich in mehreren Entwürfen und Druckfassungen niederschlug. Die in ihnen enthaltenen Erkennt- nisse können um so besser verstanden werden, je klarer ihre Erar- beitung zu verfolgen ist. Unablässig haben Marx und Engels an der Weiterentwicklung und Vervollkommnung der wissenschaftlichen Theorie der Arbeiterklasse gearbeitet. Es gehört geradezu zum We- sen der von ihnen begründeten Weltanschauung, ständig die neuen Erscheinungen in der Entwicklung der Produktivkräfte und Produk- tionsverhältnisse, die Erfahrungen des Klassenkampfes und die Er- kenntnisse der Wissenschaften zu verallgemeinern und in sich auf- zunehmen. Und dieser Prozeß manifestierte sich nicht nur im Ent- stehen neuer Arbeiten, sondern auch in der Überarbeitung bereits geschriebener Werke. Die vollständige und übersichtliche Darstel- lung dieser Entwicklungen muß daher als eine Hauptaufgabe einer wissenschaftlichen Marx-Engels-Gesamtausgabe betrachtet werden." (22* f.). Hiermit sind die Normen nicht allein für die Marx-Engels-For- schung ausgesprochen; es handelt sich um Normen für ein histori- sches Verständnis des Marxismus. Die Nutzung der Möglichkeiten, welche die MEGA 2 bietet, ist kein Luxus für wenige, die sich den Aufwand der Philologie leisten können. Erst die neue MEGA führt anschaulich vor Augen, was "Zeugen" für die Entwicklung des Mar- xismus bedeuten. Es ist kein Luxus, wenn die MEGA2 den in jedem Band gebotenen Quellen-Bestand um einen in der Regel umfangs- gleichen Apparat-Band erweitert: um die Zeugenbeschreibung, die Darstellung der Textentstehung und -überlieferung, das Verzeich- nis der im Text-Band nicht wiedergegebenen Text-Varianten, die jedes Werk als Werkstatt erkennbar machen, um ein Korrekturver- zeichnis, um historische und wissenschaftliche Erläuterungen, um ein ungemein aufschlußreiches Verzeichnis der von Marx und Engels benutzten Quellen und Literatur, ein Personenverzeichnis und - besonders wichtig - ein Sachregister, das zur Erschließung aller Dimensionen eines Werks unverzichtbar ist. In der MEGA 2 e n t s t e h t das Werk von Marx und Engels als das, was es war und wie es wurde - ein Werk im Werden. Klassizität erscheint als Resultat, nicht als Anfang. Dieses Werk im Werden trägt einem we- sentlichen Merkmal der Arbeiterbewegung und des Marxismus Rech- nung: Die Konstituierung der Arbeiterklasse ist objektiv in ihrer ökonomischen und sozialen Dimension ein abgeschlossener Prozeß; die politische und ideologische Konstituierung der Bewegung bleibt die von Individuen subjektiv zu verwirklichende Aufgabe. In der MEGA 2 erscheint das Werk in seiner ursprünglichen Inten- tion: Es macht Mut, sich dieser Aufgabe zu stellen. Diese histo- risch-kritische Gesamtausgabe bedeutet kein Ende der Entwicklung des Marxismus, weit eher die Voraussetzung für ein reicher be- gründetes Beginnen. Bereits jetzt aber setzt sie Maßstäbe: für das Begreifen von Raum und Zeit des Marxismus; für die Überprü- fung und Kritik der die Entwicklung des Marxismus von jeher kom- mentierenden unhistorischen Rede von der K r i s e d e s M a r x i s m u s; für die Geltungsansprüche nicht-marxistischer Marx-Engels-Forschung, für die Konfrontation mit bürgerlicher Marx-Engels-Kritik, für die Zurückweisung gegen-sozialistischer Revision und Verfälschung. 3. Geschichtlichkeit, Krise und Kritik -------------------------------------- Die internationale Marx-Engels-Forschung verzeichnet in dem Maße Fortschritte und Leistungen von Rang, wie sie sich der Aufgabe stellt, das Werk und den Marxismus als historischen Prozeß und als Teile des Ensembles der gesellschaftlichen Bewegung zu unter- suchen und darzustellen. Die Literatur zu Marx und Engels füllt Bibliotheken, so daß jede Nennung einzelner Werke zur ungerecht- fertigten Zurücksetzung anderer führt. Dennoch seien Beispiele angezeigt: etwa J. Hoffmans "Marxism and the Theory of Praxis" (1975), H. Pelgers Edition "Das Elend der Philosophie" (1979), L. Sèves "Une introduction à la Philosophie marxiste" (1980), Gian Mario Bravos "Ritorno a Marx" (1981), A. Arndts "Karl Marx. Ver- such über den Zusammenhang seiner Theorie" (1985), M. Thoms "Dr. Karl Marx. Das Werden der neuen Weltanschauung 1835-1843" (1986), S.-E. Liedmanns "Das Spiel der Gegensätze, Friedrich Engels' Phi- losophie und die Wissenschaften des 19. Jahrhunderts" (1986), die dreibändige Edition "Der Bund der Kommunisten" (1970"1984), die sechs Bände der Bremer "Studien zur Wissenschaftsgeschichte des Sozialismus" (1978 f.; zuletzt: Karl Marx. Kritik und positive Wissenschaft, 1986) - und vor allem: die MEGA 2 und zahlreiche der mit ihr verknüpften Forschungen, veröffentlicht z. B. im "Marx-Engels-Jahrbuch" (1978 f.) und verschiedenen "Beiträgen" bzw. "Arbeitsblättern" zur Marx-Engels-Forschung (Berlin, Halle). Die Beispiele sind heterogen, Beispiele für individuelle Leistungen und solche, die große Wissenschaftspotentiale voraussetzen, für philologisches Niveau, praktisches Engagement, interpretatorische Phantasie, Beispiele auch für unterschiedliche kulturelle Übersetzungen, Denkstile und Praxen. Wer sie vergleicht, wird die Geschichtlichkeit auch des heutigen Marxismus feststellen. Sind sie aber Anlaß, die Leerformel "Krise des Marxismus" zu bemühen? Was belegen diese Beispiele, unter denen bewußt solche nicht-marxistischer Herkunft gegeben sind, im Vergleich zum tristen Niveau bürgerlicher Marx-Engels- und Marxismus-Kritik? 3.1 "Krise des Marxismus" ------------------------- Die historische Normalsituation in Entstehung und Entwicklung des Werks wie des Marxismus ist: Er wurde und wird nicht als Katalog und "System" in sich kreisender, selbstgenügsamer, gegenüber dem geschichtlichen Prozeß abgeschlossener Kategorien und Theoreme konstruiert; der Marxismus wurde und wird, will er seinen Namen nicht dementieren, in Offenheit gegenüber der Wirklichkeit und als mit der Wirklichkeit prozessierender Widerspruch gegen un- menschliche Verhältnisse erarbeitet. Die Vielfalt und der Reich- tum seiner Antworten korrespondieren der Vielzahl von Mängeln und der Armut konkurrierender Weltbilder, wissenschaftlicher Erklä- rungen, Handlungsnormen. "Entschieden konkreter Marxismus", so L. Sève, existiert mit dem Bewußtsein : "Was uns als Marxisten aus- macht, ist im Kern nicht das Festhalten an schon k o n s t i- t u i e r t e n T h e s e n, deren Genauigkeit häufig nur durch ruinöse Anachronismen aufrechterhalten werden kann, oder die sich - läßt man in jeder Etappe die veralteten Einzelheiten weg - schließlich auf zeitlose Allgemeinheiten reduzieren; ganz im Gegensatz zu dem, was der Marxismus von uns fordert. Nein, was uns als Marxisten vor allem auszeichnet und woran wir bei allem und gegen alle Moden festhalten müssen, das ist ein Ensemble von k o n s t i t u i e r e n d e n O r i e n t i e r u n g e n, das gestern unter bestimmten Umständen seine Richtigkeit und Fruchtbarkeit konkret bewiesen hat, und das wir unter den ganz anderen Umständen heute bearbeiten und wirksam machen müssen, um die Fruchtbarkeit und Richtigkeit neu zu produzieren im Wissen der Gegenwart und in seiner revolutionären Umwandlung." (Sève 1983, S. 37 f.). Was kann die Rede von der "Krise des Marxismus" bedeuten, die mit dem Anspruch auftritt, Diagnose einer Krise in Permanenz und des Marxismus schlechthin zu sein? Ist wirklich "die Geschichte des Marxismus nicht nur die Entwicklungsgeschichte einer Tradition revolutionärer Wissenschaft, sondern in ihrem innersten Kern zugleich die Krisengeschichte des Marxismus"? (Spohn 1984, S. 129; vgl. Haug 1985a, b). Ist der Marxismus der Prozeß histori- scher Konkretisierungen, kann das Wort von einer Krise Aussage- kraft haben, bezieht es sich auf einzelne Positionen, Meinungen, Theoreme, die innerhalb des Marxismus existieren und die Krise des Ganzen bedeuteten, gäbe es nicht im Ensemble des Wissens und der Orientierungen Korrektive, deren Dominanz garantiert, daß Marxismus Marxismus ist. Die Krise-in-Permanenz-Diagnostiker ste- hen als selbsternannte Therapeuten (weniger des Marxismus als so- zialistischer Politik, denn um die geht es vorrangig) vor dem Di- lemma: Entweder heben sie die Neuartigkeit der Krise in einer be- stimmten Phase des Marxismus hervor; in diesem Fall zerrinnt das Motiv der Permanenz; oder sie betonen die Permanenz; in diesem Fall entgleitet ihnen die Sensation des Neuen. Ohne Zweifel hat es die Gefahr des Verlusts an Erklärungs- und Veränderungskraft im Rahmen des Marxismus als einer Summe von Leistungen auch Ein- zelner immer gegeben. Er verdankt auch dem Scheitern von Denkex- perimenten und der Produktivität des Irrtums seine Entwicklung. In diesem Sinne ist die Geschichte des Marxismus auch eine Ge- schichte innerer Kritik. Doch die Krisen-These hat eine völlig andere Bedeutung: "Die Idee, daß der Marxismus in der Krise sei, ist nicht neu. Das Besondere an ihr ist heutzutage, daß sie auf den Marxismus den Begriff der Krise überträgt, mit dem wir an den gegenwärtigen Kapitalismus denken. Demnach wäre dies nicht eine konjunkturelle oder begrenzte Krise in einer weiterhin aufstei- genden Entwicklung, sondern eine dauerhafte und globale Krise in einem Prozeß, der mehr und mehr auf unüberwindbare historische Schranken trifft." (Sève 1980, S. 518). Die Krisen-These ist ein intellektuelles V e r h a l t e n ge- genüber dem Sozialismus i n der Krise des Kapitalismus, dem "Unbehagen an der Kultur" nahe, auf das Freud aufmerksam machte. Zu diesem Verhalten gehört ein Paradox: Während Marxisten es längst gewöhnt sind, in ihrem monistischen Konzept "Marxismus" die Integration unterschiedlicher Übersetzungen und Kulturen zu denken, verlangen die Krisen-These und die Rede von "Marxismen" (vgl. Favre 1980; Haug 1985a) einen Pluralismus, der monopoli- stisch ist, weil er ausgrenzt. Die alte Kritik der frühen Arbei- terbewegung an "Geistesmonopolisten" ist so veraltet nicht; sie ging gegen Ausschließlichkeits- und Führungsansprüche von "Systememachern", und dieses Wort war keineswegs ein Synonym für "Intellektuelle". Der Marxismus galt und gilt als von einer Krise befallen oder als Krise schlechthin, läßt er sich nicht mit einem ganz bestimmten theoretischen Muster und Modell zur Deckung brin- gen. "Krise" ist hier kein empirischer Term, sondern die Metapher enttäuschter Monopolansprüche, die der Marxismus in seinem Ver- ständnis der inneren Vielfalt als Reichtum und Stärke nicht zu befriedigen vermag. Die Krisen-These enthält als weiteres Para- dox, daß sie dem Marxismus unbewältigte Vielfalt von Wissen und Strategien auf der Basis meist eindimensionaler und erklärungs- schwacher Modelle vorhält; paradox ist schließlich das individua- listische Überraschtsein von Individualität in Entstehung und Entwicklung des Marxismus. Die Krisen-Behauptung verkennt mangels historischem Wissen und methodologischer Komplexität ein wesent- liches Merkmal der Geschichte der Wissenschaft und auch des wis- senschaftlichen Sozialismus: In den Vergesellschaftungsformen der sozialen Organisation der Wissenschaft realisiert sich jene be- sondere Vergesellschaftung des wissenschaftlichen Geistes, theo- retischen Verhaltens und begreifenden praktischen Eingreifens, die zur Person gehört: ihr Name ist Individuation, Theorien sind immer auch - gewiß nicht nur - der Ausdruck der Einmaligkeit des gesellschaftlichen Individuums. Die gesellschaftliche Geschichte des Marxismus ist deshalb auch die Geschichte der Individuali- tätsformen, mit denen die Individuierung von Ideen, Theorien, An- tizipationen zum Unterschied und deren soziale Verallgemeinerung zum gemeinsamen Nenner, zum Sozialtypus "Marxismus", in einem ge- dacht werden muß. Die Krise-des-Marxismus-These wird so zur Krise eines uneinge- standenen Historismus, dessen methodische Individualisierung und Atomisierung der Geschichte des Marxismus zur Abfolge von immer einmaligen und im Ganzen genommen permanenten Krisen-Ereignissen, zu einer Geschichte der Geschichten ohne innere Entwicklungsge- setzmäßigkeit, die Geschichtlichkeit des Raums und die Gesell- schaftlichkeit der Zeit des Marxismus nicht begreifen kann. Die- ser Historismus vergißt, daß "Geschichte" im Marxismus immer zugleich objekt- und metasprachliche Bedeutung hatte und hat: Als Herkunft, Gegenwart und Zukunft der Klassen in der Perspektive der Befreiung vom Klassenwiderspruch ist Geschichte Gegenstand der Analyse; gleichzeitig ist der Marxismus Historiographie so- zialistischen Verhaltens gegenüber dem geschichtlichen Prozeß. Im Begriff "Geschichte" bilden diese beiden Dimensionen ein Exi- stenz- und Reflexionsverhältnis. In beiden Dimensionen verhält sich der Marxismus zu den konkreten Gestaltungen des geschichtli- chen Raums und der gesellschaftlichen Zeit, und diese sind nie homogen. Der Marxismus ist homogen durch Zwecke und geprüfte Er- fahrung, heterogen durch seine Stellung in Verhältnissen gesell- schaftlicher Bewegung, die Ungleichzeitigkeit und ökonomische, soziale, politische und kulturelle Verschiedenheit aufweist und heteronome Mittel und Strategien verlangt. Der Marxismus - in welchem Raum und in welcher Zeit auch immer - steht vor der zweifachen Aufgabe der Ü b e r s e t z u n g: Die besonderen Erscheinungen geschichtlicher - natürlicher, gesell- schaftlich-praktischer und kognitiver - Entwicklung sind in all- gemeine nomologische Sätze zu übersetzen, in Theorien mit großer Reichweite; das allgemeine Wissen, das den Marxismus als "Werk" begründet, ist zugleich in konkrete Erfahrung und konkretes Be- greifen und Eingreifen zu übersetzen, in Theorien mit Erklärungs- tiefe und handhabbare Strategien. Für die Sprache, die der Mar- xismus beim Übersetzen jeweils zu entfalten hat, gilt Labriolas gegen zu abstrakte Allgemeinheit von Theorie und Praxis gerichte- ter Satz: "Die Sprachen sind in Wirklichkeit keine zufälligen Va- rianten einer universalen Weltsprache /.../ Sie sind die Voraus- setzungen und Grenzen unserer inneren Aktivität." (Labriola 1974 <1897>, S. 304). Weder veranlaßt die Besonderheit der Überset- zungssprachen zur Rede von "Marxismen", noch bedeutet die marxi- stische Einheit der Besonderungen, das Allgemeine "Marxismus", eine Krisenerscheinung. In diesem Zusammenhang kann auf eine spezifische Bedeutung des Verweises auf die Sprache nur hingewiesen werden: Der moderne So- zialismus, der Marxismus, spricht die "Sprache" W i s s e n- s c h a f t. Trägt die politisch-kulturelle Übersetzung dem geschichtlichen Raum Rechnung, so ist W i s s e n s c h a f t die Signatur der gesellschaftlichen Zeit des Sozialismus. Wieder kennzeichnet es die Geschichtsvergessenheit der "Krisen"- Diskurse, daß die Wissenschaftlichkeit des Sozialismus als Symptom für "die Unterdrückung des proletarischen Denkens" (Schäfer 1979, S. 177), als Merkmal eines "Objektivismus" (Mohl 1979) genommen oder "Wissenschaftlichkeit" zum agitatorisch nützlichen Schlagwort erklärt wird (Na'aman 1979). Wie immer der Topos "Krise des Marxismus" verwandt wird (vgl. zur Geschichte des Topos Dozekal 1985) - er offenbart Schwierigkeiten mit dem w i s s e n s c h a f t l i c h e n Sozialismus. Zu den Argumenten gegen die These (vgl. Peter 1984) muß auch dieses gehören: Die Schwierigkeit mit der W i s s e n s c h a f t- l i c h k e i t des Sozialismus ist eine Schwierigkeit mit der W i r k l i c h k e i t des Kapitalismus. Mit Marx: "Wissen- schaftliche Wahrheit ist immer paradox vom Standpunkt der alltäglichen Erfahrung, die nur den täuschenden Schein der Dinge wahrnimmt." (MEW 16, S. 129). Dagegen ist es "ein Werk der Wissenschaft, die sichtbare, bloß erscheinende Bewegung auf die innere wirkliche Bewegung zu reduzieren" (MEW 25, S. 324). Es besteht kein Grund, im Marxschen Wissenschaftstypus - d.h. in der empirisch orientierten Analyse der Wirklichkeit mit den Er- kenntnismitteln des Allgemeinen, welches die empirischen Beson- derungen ü b e r g r e i f t, und der das Einzelne zum G e- s a m t z u s a m m e n h a n g t o t a l i s i e r e n d e n Kategorien - Szientismus und Totalitarismus und die Preisgabe von Spontaneität und Erfahrung von "Betroffenen" zu vermuten. Wer die Wissenschaft als Mittel verwirft und den Marxismus als totalitär verdächtigt, entgeht der Gefahr nicht, vor der Labriola warnte: d a ß d i e T h e o r i e e i n P l a g i a t d e s s e n i s t, w a s s i e e x p l i z i e r t. Bibliographie ------------- Dozekal, E. (1985), Von der "Rekonstruktion" der Marxschen Theo- rie zur "Krise des Marxismus". Darstellung und Kritik eines Dis- kussionsprozesses in der Bundesrepublik von 1967 bis 1984, Köln. Favre, P./M. (1980), Les Marxismes apres Marx, Paris. Goldschmidt, W. und L. Lambrecht (1983), Von der Philosophie zur "reellen Wissenschaft". Thesen zur Erforschung der Genesis des Marxismus. In: DIALEKTIK Nr. 3 "Karl Marx - Philosophie, Wissen- schaft, Politik", Köln. Hahn, M. (1976), Historiker und Klassen. Zur Grundlegung einer Geschichte der bürgerlichen Gesellschaft, Frankfurt/M. - New York. Haug, W. (1985a), Pluraler Marxismus. Beiträge zur politischen Kultur, Bd. 1, Berlin - West. Haug, W. (1985b), Marxistische Perspektiven an der Schwelle zum 21. Jahrhundert. In: Die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, Nr. 8. Holz, H.H. und H.J. Sandkühler (1983), Plädoyer für einen ge- schichtlichen Umgang mit Marx. In: DIALEKTIK Nr. 3 "Karl Marx - Philosophie, Wissenschaft, Politik", Köln. Labriola, A. (1974), Über den historischen Materialismus, hg. v. A. Ascheri-Osterlow und C. Pozzoli, Frankfurt/M. Lambrecht, L. (1985), Intellektuelle Subjektivität und Gesell- schaftsgeschichte. Grundzüge eines Forschungsprojekts zur Biogra- phik und Fallstudie zu F. Nietzsche und F. Mehring, Frankfurt/M. - Bern - New York. Mader, N. (1986), Philosophie als politischer Prozeß. Karl Marx und Friedrich Engels - ein Werk im Werden, Köln. Mehring, F. (1923), Aus dem literarischen Nachlass von Karl Marx und Friedrich Engels 1841 - 1850, 3 Bde., "Berlin und Stuttgart. Mohl, A. (1979), "Wissenschaftlicher Sozialismus", was ist das? In: Prokla, 9. Jg., Nr. 3. Na'aman, S. (1979), Gibt es einen "Wissenschaftlichen Sozialis- mus?" Marx, Engels und das Verhältnis zwischen sozialistischen Intellektuellen und den Lernprozessen der Arbeiterbewegung, Han- nover. Peter, L. (1984), Die Ideologie des "Arguments" in der Krise. An- merkungen zu W. F. Haug: Krise oder Dialektik des Marximus? In: Marxismus - Ideologie - Politik. Krise des Marxismus oder Krise des "Arguments"?, hg. v. H. H. Holz, Th. Metscher, J. Schleif- stein, R. Steigerwald, Frankfurt/M. Sandkühler, H.J. (1984), Geschichte, gesellschaftliche Bewegung und Erkennnisprozeß. 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