Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 13/1987
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ZWISCHEN STABILITÄT UND WANDEL - TENDENZEN IM WAHLVERHALTEN
IN DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
Jochen Dietrich
1. Determinanten des Wahlverhaltens - 2. Die Bundesrepublik -
eine Insel der Stabilität? - 3. Ursachen der Veränderung des
Wahlverhaltens -3.1 Sozialstruktur und Wahlverhalten - 3.2 Wert-
wandel, konfessioneller Wandel und Wahlverhalten - 3.3 Generatio-
nenablösung und Wahlverhalten - 4. Einige Schlußfolgerungen
1. Determinanten des Wahlverhaltens
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Die Beteiligung an Wahlen ist in der Bundesrepublik Deutschland
wie in allen hochentwickelten kapitalistischen Staaten die mas-
senhafteste Form politischen Verhaltens. Und wie das politische
Verhalten im allgemeinen wird das Wahlverhalten von einer Viel-
zahl von Faktoren determiniert, 1) die sich grob in vier - unter-
schiedlich gewichtige - Kategorien unterteilen lassen:
- s t r u k t u r e l l e D e t e r m i n a n t e n, allen
voran die sozioökonomische Stellung von Individuen und ganzen
Klassen und Schichten und die damit weitgehend zusammenhängende
Milieuzugehörigkeit, spezifische regionale und landsmannschaftli-
che Prägungen, Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie das hi-
storisch herausgebildete Parteien- und Institutionengefüge etc;
- k u l t u r e l l e D e t e r m i n a n t e n wie der Ein-
fluß der Konfessionszugehörigkeit, die gesellschaftlichen Normen
und Wertorientierungen sowie deren spezifische Ausprägung und
Wandlung zwischen den Generationen etc.;
- k o n j u n k t u r e l l e F a k t o r e n, worunter die
wirtschaftspolitische Lage, die außen-und innenpolitische Situa-
tion, die Gewichtung, Veränderung und Bedeutung der politischen
Themen, die im Zentrum der Auseinandersetzungen stehen, zu ver-
stehen sind, und
- p o l i t i s c h - s i t u a t i v e F a k t o r e n, wor-
unter die Gesamtheit der Bedingungen des aktuellen Parteienwett-
bewerbs zu verstehen ist, (Meinungsklima, Ansehen der Kanzlerkan-
didaten, Kanzlerbonus, Wahlkampf etc.). 2) Die Vielschichtigkeit
der Wechselbeziehungen zwischen diesen Determinanten kann gerade
im Falle des Wahlverhaltens nicht genug betont werden. Gewiß ist
die Zugehörigkeit zu Klassen und Schichten der gewichtigste Fak-
tor, der das Wahlverhalten bestimmt, "er ist von allgemeinem Cha-
rakter und kommt in den allgemeinen Gesetzmäßigkeiten im Verlaufe
einer langen Zeitspanne zum Vorschein." 3) Doch gerade in Zeiten
gesellschaftlicher Umbrüche, eines dynamischen Wandels der Sozi-
alstruktur, eines Schwundes stabiler, traditioneller Bestimmungs-
faktoren des politischen Verhaltens, des ökonomischen, sozialen
und kulturellen Wandels bekommen Differenzierungen und Überlage-
rungen ein wachsendes Gewicht.
Das Wahlverhalten ändert sich nicht kurzfristig. Es vollzieht
sich wie "jede politische Handlung im Rahmen von Grenzen, die
sich historisch herausgebildet haben; diese sind im Prinzip ver-
änderlich, jedoch während einer bestimmten Zeitspanne stabil." 4)
In diesem Beitrag sollen längerfristige Tendenzen des Wandels im
Wahlverhalten untersucht werden, von denen aufgrund der Verände-
rungen der strukturellen und kulturellen Determinanten mit eini-
ger Wahrscheinlichkeit auszugehen ist.
2. Die Bundesrepublik - eine Insel der Stabilität?
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Die Bundesrepublik gilt als eine parlamentarische Demokratie "mit
einmaliger politischer Stabilität". 5) Zu diesem Bild der Stabi-
lität gehören folgende Fakten:
- In den fast 40 Jahren der Existenz der Bundesrepublik ist es
auf Bundesebene nur zweimal zu einem Regierungswechsel gekommen.
Herbeigeführt wurden diese Wechsel jedoch nicht durch Wahlen, der
Wähler hatte sie lediglich "ratifiziert". Ähnlich stabil sind die
Verhältnisse auf Länderebene. Ein Regierungswechsel durch Wähler-
votum ist die Ausnahme, ein im Vergleich zu anderen kapitalisti-
schen Industriestaaten (Italien, Großbritannien, Frankreich)
grundlegender Unterschied.
- Die Wählerbewegung, der "swing", war bei fast allen Wahlen bis
zum Ende der 70er Jahre (außer 1969) äußerst gering und bewegte
sich in einer Größenordnung von drei bis vier Prozent. 6)
- Die nationale Wahlbeteiligung lag in der Bundesrepublik mit
Ausnahme der Wahlen von 1949 und 1987 immer um die 90-Prozent-
Marke herum, deutlich höher als in vergleichbaren westlichen
Staaten.
- In den ersten 30 Jahren der Geschichte der Bundesrepublik war
das Wählerverhalten geprägt von einer "Konzentration zu einem
zweipoligen Parteiensystem". 7) Bis 1980 konnten Union und Sozi-
aldemokraten über 90 Prozent der abgegebenen Stimmen auf sich
vereinigen (s. Tab. 1).
Tabelle 1:
Ergebnisse der Bundestagswahlen seit 1949
Anteil der Zweitstimmen in %
Jahr WBT in % CDU 1) SPD FDP GRU SON 2)
1949 *) 78,5 31,0 29,2 11,9 - 27,8
1953 85,8 45,2 28,8 9,5 - 16,5
1957 87,8 50,2 31,8 7,7 - 10,3
1961 87,7 45,3 36,2 12,8 - 5,7
1965 86,8 47,6 39,3 9,5 - 3,6
1969 86,7 46,1 42,7 5,8 - 5,5
1972 91,1 44,9 45,8 8,4 - 0,9
1976 90,7 48,6 42,6 7,9 - 0,9
1980 88,6 44,5 42,9 10,6 1,5 0,5
1983 89,1 48,8 38,2 7,0 5,6 0,4
1987 84,4 44,3 37,0 9,1 8,3 1,4
_____
*) 1949 hatte jeder Wähler nur eine Stimme
1) In Bayern CSU, 1957, auch im Saarland
2) 1949 davon BV 4,2; KPD 5,7; DP 4,0; Z 3,1; WAV 2,9; Unabhän-
gige 4,8
1953 davon BP 1,7; KP 2,2; GB/BHE 5,9; DP 3,3
1957 davon DP 3,4; GB/BHE 4,6
1961 davon DFU 1,9; GDP 2,8
1965 davon DFU 1,3; NPD 2,0
1969 davon NPD 4,3; ADF 1,2
1972 davon DKP 0,4
1976 davon DKP 0,5
1980 davon DKP 0,3
1983 davon DKP 0,2.
Quelle: Forschungsgruppe Wahlen, Bundestagswahl 1987 - eine Ana-
lyse der Wahl zum 11. Deutschen Bundestag am 25. Januar 1987,
Mannheim 1987, A 1.
Die Entwicklung zum "zweipoligen Parteiensystem", in der sich
CDU/CSU und SPD zu "Volksparteien" entwickelten, vollzog sich in
zwei Etappen. Zunächst führte sie auf der Grundlage des bundes-
deutschen Nachkriegskonsenses, als dessen Eckpfeiler (auf der
Basis des "Wirtschaftswunders") sich das Bekenntnis zu Westinte-
gration, sozialer Marktwirtschaft und Restauration sowie die
"Staatsdoktrin Antikommunismus" herausbildeten, zur Konzentration
der bürgerlichen Wählerschichten auf die CDU/CSU. Im Laufe der
60er Jahre wurden die Sozialdemokraten stärker, "als es der SPD
durch weitgehende Anpassung gelang, in neue, einstmals traditio-
nell bürgerliche Parteien wählende Bevölkerungsschichten einzu-
dringen." 8)
Seit der Mitte der siebziger Jahre, die allgemein gekennzeichnet
sind durch die Vertiefung der kapitalistischen Krisenprozesse,
die Verschärfung der globalen Probleme und den durch die wissen-
schaftlich-technische Revolution beschleunigten ökonomischen, so-
zialen und kulturellen Wandel, verändert sich auch das Wählerver-
halten. Im Zuge der sozialdemokratischen "Krisenmanagementpoli-
tik" und der Entwicklung starker außerparlamentarischer Bewegun-
gen konnte sich seit dem Ende der 70er Jahre eine vierte Partei,
die Grünen, im parlamentarischen Bereich etablieren. Die "lange
unaufhaltsam scheinende Entwicklung zum Zwei-Parteien-System" 9)
war damit gestoppt, offensichtlich inzwischen ein bewußtes Anlie-
gen der Wähler: 70 Prozent befürworteten 1987 den Einzug der FDP
ins Parlament (1983: 54 Prozent), 54 Prozent den der Grünen
(1983: 28 Prozent), und eine wachsende Zahl der Wähler lehnt
"absolute Mehrheiten" ab. 10)
Insgesamt nahm die "Konzentration" des Wahlverhaltens ab. Die
beiden "etablierten Volksparteien" erhielten bei der Bundestags-
wahl 1987 zusammen nur noch 81,3 Prozent der Stimmen. Erstmalig
verloren die beiden großen Parteien gleichzeitig. Zugleich stieg
die Zahl der Wechselwähler. Während sie in den 60er Jahren rund
10 Prozent der Gesamtwählerschaft ausmachte, 11) wird ihr Anteil
heute zwischen 20 und 40 Prozent geschätzt. Des weiteren machen
die Wähler bei Bundestagswahlen in wachsendem Maße von der Mög-
lichkeit des Stimmensplittings Gebrauch. "Bezogen auf die jewei-
lige Gesamtwählerschaft ist der Splittingwähleranteil seit der
Bundestagswahl 1961 von 6,5 Prozent auf 11,6 Prozent bei der Bun-
destagswahl 1983 angestiegen." 12)
Die Parteibindungen schwächten sich ab. "Während zu früheren Zei-
ten bis zu zwei Drittel der Anhänger der beiden großen Parteien
starke Bindungen und etwa ein Viertel mäßige Parteibindungen zu
ihren Parteien gezeigt hatten, gaben 1983 nur noch etwa 40 Pro-
zent der SPD-Anhänger und 45 Prozent der Unionsanhänger starke
Parteibindungen an. Diese Tendenzen zeigten sich vor der jetzigen
Wahl (Bundestagswahl 1987, d.V.) noch deutlicher." 13)
Die Wahlbeteiligung sinkt. Die Bundestagswahl 1987 hatte die
niedrigste Wahlbeteiligung seit 1949, und auch auf der Ebene der
Kommunal- und Landtagswahlen ist ein Rückgang, wenn auch in un-
terschiedlichem Ausmaß, sichtbar. Alles in allem scheinen die
Wähler "unberechenbarer, differenzierender, wechselhafter, ent-
haltungsbereiter, aber auch emotionaler und ungebundener" 14) zu
entscheiden.
3. Ursachen der Veränderung des Wahlverhaltens
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3.1 Sozialstruktur und Wahlverhalten
------------------------------------
Die Beziehungen zwischen der Sozialstruktur und dem Wahlverhalten
sind offensichtlich und scheinen in weiten Bereichen seit langer
Zeit stabil zu sein. Bei den A r b e i t e r n dominiert seit
1953 eindeutig die Sozialdemokratie. Seit den 60er Jahren kann
die SPD immer über 50 Prozent der Stimmen der Arbeiter auf sich
vereinigen, zeitweise (in den 70er Jahren) betrug ihr Vorsprung
vor der Union über 30 Prozentpunkte. Die Affinität der Arbeiter
zur SPD ist besonders ausgeprägt, wenn diese Mitglieder der Ge-
werkschaft sind, und sie steigt zugleich mit wachsender Größe der
Betriebe. 15) Aus einer von INFAS vorgenommenen Unterscheidung
nach Qualifikationsgesichtspunkten geht hervor, daß in den letz-
ten 10 Jahren der Einfluß der SPD bei den "Ungelernten" ansteigt,
während er bei "Angelernten und Facharbeitern" rückläufig ist.
16)
Bei den A n g e s t e l l t e n u n d B e a m t e n ist das
Wahlverhalten wesentlich instabiler. Die Union konnte sich hier
seit dem Ende der 60er Jahre, mit Ausnahme der "Willy wählen"-
Wahl 1972 und der "Anti-Strauß"-Wahl 1980 zwischen 45 und 48 Pro-
zent einpendeln. Der SPD ist es nicht gelungen, die im Laufe der
60er Jahre gewonnenen Potentiale unter den Angestellten und Beam-
ten konstant an sich zu binden; sie mußte von 1972-1987 einen
Verlust von 13 Prozentpunkten hinnehmen (s. Tab. 2), so daß die
Union in diesem Bereich mittlerweile einen deutlichen Vorsprung
hat. Auffällig ist weiterhin das überdurchschnittliche Potential
für die Grünen unter Angestellten und Beamten.
Tabelle 2:
Wahlabsicht von Arbeitern, Angestellten und Beamten von 1953-1987
(in %)
Arbeiter:
Parteien 1953 1961 1965 1969 1972 1976 1980 1983 1987
CDU/CSU 35 36 42 39 27 37 30 41 33
SPD 48 56 54 58 66 60 62 55 59
FDP 4 5 2 1 6 2 6 1 2
Grüne - - - - " - 1 3 6
Andere 14 3 1 2 1 1 0 0 0
Angestellte und Beamte:
Parteien 1953 1961 1965 1969 1972 1976 1980 1983 1987
CDU/CSU 49 50 54 45 33 48 37 47 47
SPD 27 30 34 46 50 43 50 43 37
FDP 14 18 10 7 17 10 11 4 6
Grüne - · - - - - - 2 6 10
Andere 10 2 2 3 0 0 0 0 0
_____
Quelle: F.U. Pappi, Parteiensystem und Sozialstruktur in der BRD,
in: Politische Vierteljahresschrift 2/ 1973; Infas-Repräsenta-
tivumfragen, jeweilige Wahl.
Bei den S e l b s t ä n d i g e n dominiert konstant und ein-
deutig die CDU/CSU. Bei der Bundestagswahl 1987 erzielte sie 70
Prozent, die SPD 16, die FDP 8 und die Grünen 6 Prozent. Alles in
allem bietet sich im Verhältnis von Sozialstruktur und Wahlver-
halten - mit Ausnahme der "Wellenbewegung" bei Angestellten und
Beamten - ein Bild der Stabilität und Kontinuität.
Doch der Schein trügt, wurden doch bisher nicht der Wandel der
Wirtschafts- und Sozialstruktur, dem die Bundesrepublik seit ge-
raumer Zeit unterliegt, und die darin zum Vorschein kommenden
neuen Momente des Wandels im Wahlverhalten - die insbesondere für
die zukünftige Entwicklung der Bundesrepublik von Bedeutung sind
- erfaßt.
1. Die Wirtschafts- und Sozialstruktur der Bundesrepublik erfährt
seit geraumer Zeit bedeutsame Veränderungen. Die Verschiebung der
Anteile der verschiedenen Wirtschaftsbereiche an der Beschäfti-
gung ist gewaltig. Zwischen 1960 und 1984 erfuhr der Agrarsektor
einen Rückgang von 13,4 auf 5,2 Prozent der Beschäftigten, und
der Bereich der nichtagrarischen Produktion (Bergbau, Industrie,
Baugewerbe, Verkehr, Nachrichtenübermittlung) sank von 53,7 auf
47,7 Prozent, während der Dienstleistungssektor (Handel, Dienst-
leistungen, Banken, Versicherungen, Staat etc.) von 32,9 auf 47,2
Prozent anstieg.
Damit verbunden ist ein Wandel in der Zusammensetzung der er-
werbstätigen Bevölkerung. Zum einen ist die Zahl der
"Selbständigen" gesunken und die Zahl der Lohnabhängigen gestie-
gen, auf der anderen Seite gibt es deutliche Verschiebungen in
den Anteilen von Arbeitern einerseits und Angestellten und Beam-
ten andererseits. 1960 waren 70,9 Prozent der Erwerbstätigen
lohnabhängig, davon 50,9 Prozent Arbeiter und 20 Prozent Ange-
stellte und Beamte. 1984 waren 87,5 Prozent lohnabhängig, davon
jedoch nur noch 41,2 Prozent Arbeiter und 46,3 Prozent Ange-
stellte und Beamte. 17)
Die Umwandlung der Sozialstruktur ist mit wesentlichen Verände-
rungstendenzen der Lebensweise verbunden: Die Bindungen zwischen
betrieblicher Klassenerfahrung und außerbetrieblichem Lebenszu-
sammenhang lockern sich. Ehemals homogene proletarische Milieus
unterliegen einem Erosionsprozeß. Innerhalb der Arbeiterklasse
bilden sich Gruppen mit höchst unterschiedlichen Lebensstilen
heraus, politisch-kulturell gleichgesinnte Kleingruppen und Mili-
eus gewinnen an Bedeutung. Mit dem Abbau traditioneller Lebenszu-
sammenhänge und Lebensformen wachsen die Zwänge und Fähigkeiten
für eine individuelle Bewältigung und Gestaltung des eigenen Le-
bens, die Ansprüche auf Entfaltung der Persönlichkeit gewinnen in
der Lebensweise und -planung einen neuen Stellenwert. 18)
Die wahlpolitischen Folgen der Wandlung von Sozialstruktur und
Lebensweise sind tiefgreifend:
- Das Schrumpfen des Anteils der Arbeiter an den Erwerbstätigen
hat zur Folge, daß der Anteil der Wählerschaft mit traditionell
starken Bindungen an die Sozialdemokratie sinkt.
- Mit der Anteilszunahme von Angestellten und Beamten, der Verän-
derung der inneren Zusammensetzung der Arbeiterklasse sowie dem
Anwachsen der lohnabhängigen Mittelschichten und der Intelligenz
ist der Teil der Wählerschaft angewachsen, der "über keine ge-
wachsenen Parteiloyalitäten verfügt und überdies wegen seiner so-
zialökonomischen Heterogenität in seinen politischen Präferenzen
nicht eindeutig festgelegt" 19) ist. Der Einfluß der traditionel-
len Bestimmungsfaktoren auf das Wahlverhalten verringert sich da-
mit.
Am deutlichsten sichtbar werden die Folgen in den Großstädten, wo
der Wandlungsprozeß die größte Dynamik aufweist. Hier zeigt sich,
daß vor allem die Sozialdemokratie unter dem Wandel zu leiden
hat. In nicht weniger als neun der zehn größten Städte der Bun-
desrepublik verlor die SPD bei der Bundestagswahl 1987 überdurch-
schnittlich an Stimmen: In Hamburg, Frankfurt, Stuttgart und Mün-
chen über 5 Prozentpunkte, in Bremen, Hannover, Düsseldorf, Köln
und Nürnberg 2-4 Prozentpunkte. Der Vergleich der Ergebnisse in
den "Metropolen" zwischen 1972 und 1987 verdeutlicht den Trend
noch klarer, wobei auffällig ist, daß die Verluste der SPD fast
identisch sind mit den Stimmenergebnissen der Grünen (s. Tab. 3).
Tabelle 3:
Städte im Vergleich 1972-1987
SPD Grüne
1972 % 1987 % Diff. 1987 %
München 47,9 30,9 -17,0 13,4
Frankfurt 47,0 33,7 -13,3 13,3
Hamburg 54,5 41,2 -13,3 11,0
Stuttgart 44,7 31,8 -12,9 12,7
Bremen 58,1 46,5 -11,6 14,5
Köln 52,9 43,0 -9,9 11,2
Hannover 53,2 43,4 -9,8 10,6
Essen 58,9 52,0 -6,9 7,4
Dortmund 61,9 55,2 -6,7 8,0
Duisburg 64,0 59,4 -4,6 6,5
----------------------------------
Bundesgebiet 45,8 37,0 -8,8 8,3
_____
Quelle: Infas-Wahlberichterstattung zur Bundestagswahl 1987.
2. Ein relativ neues Phänomen in der Geschichte der BRD ist die
dauerhafte Massenarbeitslosigkeit. Sie hat Auswirkungen weit über
die unmittelbar Betroffenen hinaus, muß doch ein viel größerer
Kreis von Menschen mit der ständigen Angst um den Verlust des Ar-
beitsplatzes leben. Eine INFAS-Analyse, die das erwerbstätige
Elektorat (Arbeiter, Angestellte und Beamte) differenziert nach
sicheren und unsicheren Arbeitsplätzen, gibt erste Hinweise auf
die Auswirkungen der Massenarbeitslosigkeit auf das Wahlverhal-
ten. 20) Aus der Analyse geht hervor: Je sicherer der eigene Ar-
beitsplatz eingeschätzt wird, um so größer ist die Präferenz für
die CDU/CSU; oder andersherum: Je gefährdeter der Arbeitsplatz
erscheint, um so mehr dominieren die Bonner Oppositionsparteien.
Diese Einschätzung deckt sich mit der Tatsache, daß die SPD bei
der Bundestagswahl 1987 in Gebieten mit überproportionaler Ar-
beitslosigkeit und in den Standorten der Krisenbranchen Kohle,
Stahl und Werften überdurchschnittliche Wahlergebnisse erzielen
konnte.
Erste Untersuchungen über das Wahlverhalten von Arbeitslosen, die
derzeit immerhin über 5 Prozent der Gesamtwählerschaft ausmachen,
kommen zu folgenden Hauptergebnissen: 21)
- Der Anteil der Nichtwähler ist bei den Arbeitslosen deutlich
höher als bei den Wahlberechtigten insgesamt. Bei der Bundestags-
wahl 1983 (Wahlbeteiligung insgesamt: 89,1 Prozent) hatten zwi-
schen 17 (INFAS) und 26 Prozent (Rattinger) der Arbeitslosen
nicht die Absicht, zur Wahlurne zu gehen. Besonders drastisch ist
die Wahlapathie bei den Erwerbslosen mit niedriger Qualifikation:
30 Prozent von ihnen gingen laut Rattinger 1983 nicht zur Wahl.
- Gehen die Arbeitslosen zur Wahl, so wählen sie überwiegend so-
zialdemokratisch, was nicht verwunderlich ist, rekrutiert sich
das Heer der Erwerbslosen doch vorrangig aus dem Stammwählerpo-
tential der Sozialdemokratie, aus der Arbeiterschaft. Anfang 1985
hatten die Sozialdemokraten einen deutlichen Vorsprung vor den
Unionsparteien: 49 Prozent der Arbeitslosen wollten SPD, nur 17
Prozent CDU/CSU wählen. Besonders beachtlich ist das Abschneiden
der Grünen mit 17 Prozent, während die FDP bei Arbeitslosen keine
Rolle spielt.
Im Vergleich zum Beginn der achtziger Jahre sind die Parteipräfe-
renzen bei Arbeitslosen im wesentlichen stabil geblieben. Damals
erreichte die SPD einen Anteil von 44 Prozent, die Union hingegen
nur 24 Prozent, Grüne und andere Parteien 10 Prozent. Doch diese
Stabilität täuscht. Die Analyse im Zeitverlauf zeigt, daß im Vor-
feld der Bundestagswahlen 1983 erhebliche Veränderungen eintra-
ten. SPD und CDU/CSU lagen Kopf an Kopf, der Kompetenzverlust der
SPD im Bereich der Arbeitsmarktpolitik und die "Aufschwung wäh-
len"-Propaganda der Union schlugen durch.
Überdurchschnittlich ist die Neigung der Arbeitslosen zu den Grü-
nen, was kaum daran liegen kann, daß sie hier zur Lösung der Be-
schäftigungsprobleme die größere Kompetenz vermuten. Die Wahl der
Grünen widerspiegelt vielmehr das ausgeprägte Protestwahlverhal-
ten unter den Arbeitslosen. Die Affinität zu den Grünen ist unter
allen Gruppen von Arbeitslosen deutlich höher als in der gesamten
Wählerschaft, wenn auch nicht überall gleich stark. An der Spitze
liegen die Gruppen der Intelligenz: 41 Prozent der arbeitslosen
Abiturienten und Akademiker tendieren laut INFAS zu den Grünen,
bei den unter 25jährigen sind es nach Rattinger sogar über 50
Prozent. Doch auch unter arbeitslosen Jungwählern mit niedrigeren
Bildungsabschlüssen erzielen die Grünen beachtliche Ergebnisse:
30 Prozent neigen zu den Grünen, mehr als dreimal soviel wie in
der vergleichbaren Gruppe der beschäftigten Arbeiter und Ange-
stellten. Insgesamt sind bei den Arbeitslosen die Elemente Apa-
thie und Protest prägender für das Wahlverhalten als beim übrigen
Elektorat.
3. Ein wesentlicher Faktor des wirtschaftlichen Wandels ist heute
der breite Einsatz von neuen Technologien. In einer ersten INFAS-
Untersuchung wird der Versuch unternommen, Unterschiede im Wahl-
verhalten zwischen den Erwerbstätigen, die mit neuen Technologien
umgehen, und denen, die mit konventioneller Technologie arbeiten,
herauszufinden. Danach lagen im Vorfeld der Bundestagswahl 1987
bei den Erwerbstätigen, die mit neuer Technologie umgehen,
CDU/CSU und SPD mit jeweils 43 Prozent gleichauf. Die Grünen er-
reichten 9 Prozent bei den "High-Tech"-Beschäftigten.
Bemerkenswert deutlich sind die Unterschiede zwischen Arbeitern
und Angestellten: Arbeiter, die mit neuer Technologie umgehen,
präferierten zu 66 Prozent die SPD, zu 31 Prozent die Union und
zu 5 Prozent die Grünen. Fast umgekehrt ist das Verhältnis bei
den Angestellten. Nur 31 Prozent präferierten die SPD, 47 Prozent
hingegen die CDU/CSU und 14 Prozent die Grünen. Besonderes Augen-
merk verdienen die Ergebnisse bei Gewerkschaftsmitgliedern
(Arbeiter und Angestellte): "Der Umgang mit neuer Technologie mo-
dulierte bei dieser Bundestagswahl wesentlich den traditionell
SPD-affinen Einfluß gewerkschaftlicher Bindung an das politische
Verhalten. Gewerkschaftsmitglieder, die mit modernen Technologien
umgehen, präferierten zu 53 Prozent die SPD; unter Mitgliedern,
die Arbeit an konventionellen Maschinen verrichten, waren es 67
Prozent. Die Union ist damit relativ stark bei denjenigen Gewerk-
schaftsmitgliedern verankert (39 Prozent), die mit neuer Techno-
logie umgehen. In der Gegengruppe - d.h. bei Arbeitnehmern, die
konventionelle Arbeitsmittel bei ihrer Arbeit einsetzen - er-
reichte die Union (18 Prozent) weniger als jedes fünfte Gewerk-
schaftsmitglied." 22)
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen sind keine "gehärteten Fak-
ten", dennoch machen sie auf Tendenzen aufmerksam, die angesichts
des sich fortsetzenden Wandlungsprozesses für die weitere wahlpo-
litische Entwicklung der BRD von großer Bedeutung sein können.
4. Ein weiteres wesentliches Moment des wirtschaftlichen und so-
zialen Wandels ist die veränderte Stellung der Frauen in der Ge-
sellschaft. Die gewachsene Erwerbstätigkeit, die Ausweitung der
Bildungschancen für Frauen, die Ausweitung des "kommunikativen
Umfeldes" und die nachhaltigen Wirkungen der Frauenbewegung haben
weitreichende Veränderungen im Wahlverhalten der Frauen bewirkt.
In den fünfziger und sechziger Jahren unterschied sich das Wahl-
verhalten der Frauen deutlich von dem der Männer (s. Tab. 4). Die
Frauen waren eine wahlpolitische Domäne der Union. Von 1953-1969
hatte die CDU/CSU einen "Frauenüberschuß" zwischen 9,9 (1969) und
8,3 (1953) Prozentpunkten. Umgekehrt verhielt es sich bei der
SPD. Sie hatte von 1953-1969 ein "Frauendefizit" zwischen 7,7
(1965) und 4,9 (1953) Prozentpunkten. Die FDP mußte damals wie
heute (mit Ausnahme der Wahl 1980) mit einem leichten
"Frauendefizit" leben.
Tabelle 4:
Das Wahlverhalten der Geschlechter
1953 1961 1969 1972 1976 1980 1983 1987
CDU/CSU Frauen 47,2 49,6 50,6 46,0 48,8 43,8 49,2 45,1
Männer 38,9 40,3 40,6 43,0 47,2 44,2 47,7 42,5
gesamt 43,3 45,3 46,0 44,6 48,0 44,0 48,5 43,8
SPD Frauen 27,6 32,9 40,4 45,7 43,1 43,9 39,4 37,8
Männer 32,5 39,7 45,6 46,9 43,6 43,1 38,4 38,5
gesamt 29,9 36,1 42,8 46,3 43,3 43,5 38,9 38,1
FDP Frauen 10,4 12,2 5,3 7,7 7,6 10,8 6,3 8,3
Männer 11,7 13,6 6,1 8,8 8,1 10,5 7,2 9,2
gesamt 11,0 12,9 5,6 8,2 7,8 10,6 6,7 8,7
Grüne Frauen 1,2 4,8 7,7
Männer 1,6 5,9 8,3
gesamt 1,4 5,3 8,0
Andere Frauen 14,8 5,3 3,7 0,6 0,5 0,3 0,3 1,2
Männer 16,9 6,4 7,7 1,3 1,2 0,6 0,7 1,6
gesamt 15,8 5,8 5,6 0,9 0,8 0,4 0,5 1,4
_____
Quelle: Repräsentative Wahlstatistiken des Statistischen Bundes-
amtes, jeweilige Wahl.
Die Bundestagswahlen 1972 brachten die Wende im Wahlverhalten der
Frauen. Bei der CDU/CSU reduzierte sich 1972 der "Frauenüber-
schuß" auf 3 Prozentpunkte. 1980 erzielte die Union erstmalig ein
"Frauendefizit" und erhielt auch absolut weniger Frauenstimmen
als die SPD. Mit den Wahlen von 1983 und 1987 pendelte sich der
"Frauenüberschuß" der Union bei knapp über l Prozentpunkt ein.
Die SPD konnte 1972 ihr "Frauendefizit" auf 1,2 Prozentpunkte
reduzieren und ab 1980 mehr Frauen- als Männerstimmen auf sich
vereinigen. 1987 mußte die SPD wieder ein "Frauendefizit"
hinnehmen. Die Partei der Grünen, die Frauenthemen in der
Öffentlichkeit am deutlichsten zur Sprache bringt, hat bei allen
Wahlen ein Defizit an Frauenstimmen. Insgesamt hat es im
Wahlverhalten der Frauen über 30 Jahre eine Verschiebung von
rechts nach links gegeben; seit 1972 haben sich die Parteipräfe-
renzen der Geschlechter recht kontinuierlich angeglichen.
Auch in der Wahlbeteiligung gibt es eine Tendenz der Angleichung
zwischen Männern und Frauen, sie ist jedoch nach wie vor bei
Frauen geringer als bei Männern. Während 1953 3,1 Prozent weniger
Frauen zur Wahl gingen als Männer, waren es 1983 nur noch 1,3
Prozent, vermutlich ein Ausdruck des gestiegenen politischen In-
teresses bei Frauen. 23) In letzter Zeit ist eine deutliche Zu-
nahme der Wahlabstinenz vor allem bei jungen Frauen zu beobach-
ten. 24)
3.2 Wertwandel, konfessioneller Wandel und Wahlverhalten
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Der ökonomische, soziale und kulturelle Wandel der Gesellschaft
der Bundesrepublik hat weitreichende Veränderungen der Einstel-
lungen, Bedürfnisse und Wertorientierungen zur Folge. 25) Träger
des Wertewandels sind vor allem die jungen Menschen. Er ist
zugleich dort am ausgeprägtesten, wo das Bildungsniveau am
höchsten ist. "Die Angehörigen der Intelligenz und der lohnabhän-
gigen Mittelschichten haben diese Bewegung schon tiefer und
schneller vollzogen als Arbeiter; aber bei den Arbeitern und
(etwas stärker) den Arbeiterklassegruppen der Angestellten und
Beamten läßt sich die gleiche Tendenz feststellen." 26) Dennoch
bleiben erhebliche Unterschiede vor allem zwischen den Generatio-
nen bestehen, stimmen doch nur 49 Prozent der "erwachsenen Kin-
der" mit den "Moralvorstellungen", nur 47 Prozent in den
"Einstellungen zur Religion", 28 Prozent in den "Politischen An-
sichten" und nur 13 Prozent in den "Ansichten zur Sexualität" mit
den Eltern überein. 27) Der Wertewandel ist vielfältig:
- Die Einstellungen zu Ehe und Familie haben sich deutlich gewan-
delt. "Der Anteil junger Männer und Frauen (unter 25), die der
Ehe keine entscheidende Bedeutung für das Gelingen eines Lebens
beimessen, hat sich zwischen 1963 und dem Ende der siebziger
Jahre von 39 auf über 82 Prozent verdoppelt." 28) Damit geht ein-
her die Veränderung der Ansprüche an die Ehe. Die Scheidungsrate
hat sich zwischen dem Beginn der sechziger Jahre und der Mitte
der siebziger Jahre verdoppelt, die Zahl der unverheiratet zusam-
menlebenden Partner, der alleinerziehenden Mütter und Väter wie
die Zahl der Ein-Personen-Haushalte ist gestiegen.
Einschneidend verändert haben sich die Einstellungen zu den tra-
ditionellen Rollen der Geschlechter. 29) Die Vorstellung, es
müsse in Gesellschaft und Ehe Gleichberechtigung zwischen Mann
und Frau geben, ist inzwischen in der Mehrheit der Bevölkerung
verankert. Die Konsequenzen äußern sich deutlich in der Verände-
rung des Wahlverhaltens der Frauen.
- Deutlichen Veränderungen sind die Erziehungsziele unterlegen.
Während das Erziehungsziel "Selbständigkeit und freier Wille" von
1951-1981 bei den Befragten in der Bedeutung von 30 auf 52 Pro-
zent steigt, fällt das Erziehungsziel "Gehorsam und Unterordnung"
von 59 auf 30 Prozent. 30) Die hier allgemein sichtbar werdende
Entwicklung von "Pflicht- und Akzeptanzwerten" (Disziplin, Gehor-
sam, Ordnung, Pflichterfüllung, Fleiß, Treue etc.) zu
"Selbstentfaltungswerten" (Emanzipation, Gleichheit, Partizipa-
tion, Autonomie, Selbstverwirklichung etc.) findet wahlpolitisch
ihre Entsprechung in der wachsenden Bedeutung solcher Werte wie
"mehr soziale Gerechtigkeit, weniger Ungleichheit, mehr Selbst-
verwirklichung, mehr Demokratie, mehr grundlegende gesellschaft-
liche Reformen".
Die Folge ist, daß - vor dem Hintergrund wachsender Zukunftspro-
bleme der Menschheit - die globalen Probleme wie Umweltschutz
oder Friedenssicherung in der Hierarchie der "political issues"
an Gewicht gewinnen und neben den für das Wahlverhalten besonders
wichtigen "Konfliktlinien" (soziale Lage und konfessionelle Bin-
dung) eine neue Scheidelinie - die in der Wahlforschung so be-
zeichnete "ökologische Konfliktlinie" (wobei "ökologisch" im wei-
testen Sinne zu verstehen ist) - prägenden Einfluß auf das Wahl-
verhalten vor allem der exponierten Träger des Wertewandels hat.
- Die konfessionell-religiöse Bindung hat bedeutenden Einfluß auf
das Wahlverhalten. 31) Dabei zeigt sich, daß sich Katholiken
mehrheitlich für die CDU/CSU und Protestanten mehrheitlich für
die SPD entscheiden, ein Faktum, das über die gesamte Geschichte
der Bundesrepublik zu beobachten ist. 32) Die konfessionelle Prä-
gung des Wahlverhaltens durchzieht alle sozialen Klassen und
Schichten. Der Anteil der CDU/CSU-Wähler ist unter den katholi-
schen Arbeitern, Angestellten und Beamten wie Selbständigen deut-
lich höher als in den Gesamtgruppen. 33) Die Präferenz für die
Union steigt mit dem Grad der Kirchenbindung. Dies gilt in beson-
derem Maße für die Katholiken, aber auch für die Protestanten.
Da weniger die allgemeine Konfessionszugehörigkeit, sondern mehr
die Bindung an die jeweilige Kirche das Wählerverhalten nachhal-
tig beeinflußt, 34) ist von einem Rückgang der Bedeutung der
"konfessionellen Konfliktlinie" für das Wahlverhalten auszugehen,
da sowohl bei Protestanten wie auch bei Katholiken, deren konfes-
sionelle Bindung traditionell größer ist, die Bindung an die Kir-
che nachläßt. Die Verankerung der religiösen Werte und Normen hat
abgenommen. Nur noch jeder Dritte hält sich für religiös, nur 17
Prozent halten Religiosität für eines der bedeutendsten Ziele in
der Erziehung. 35)
Zugleich haben wir es seit der Mitte der sechziger Jahre mit ei-
nem "dramatischen Schwund der kirchlich gebundenen religiösen
Praxis" 36) zu tun. Von 1952-1982 ist der regelmäßige Besuch des
Gottesdienstes bei den Katholiken um 19 Prozentpunkte, bei den
Protestanten um 7 Prozentpunkte zurückgegangen. Besonders junge
Menschen wenden sich von der Kirche ab: In 30 Jahren hat sich der
Anteil der Katholiken und Protestanten von 16-29 Jahren, die re-
gelmäßig zur Kirche gehen, mehr als halbiert; der Rückgang ist
bei den Katholiken in absoluten Zahlen erheblich größer als bei
den Protestanten.
All das hat zur Folge, "daß die konfessionellen Unterschiede im
Wahlverhalten um so geringer sind, je niedriger das Alter der Be-
fragten ist, ... was vor allem dadurch zustandekommt, daß auf ka-
tholischer Seite die Jüngeren in wesentlich geringerem Maße den
Unionsparteien zuneigen als die Älteren". 37) Bei der Bundestags-
wahl 1987 waren die Verluste der CDU/CSU in den Wahlkreisen mit
besonders hohem Katholikenanteil (wie auch schon in früheren Bun-
des- und Landtagswahlen zu beobachten) überdurchschnittlich -
eine Bestätigung des aufgezeigten Trends. 38)
3.3 Generationenablösung und Wahlverhalten
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Das Wahlverhalten weist - differenziert nach Altersstruktur - er-
hebliche Unterschiede auf. Das Wahlverhalten der Jungwähler (18-
25 Jahre) hat sich während der letzten gut 30 Jahre mehrfach ver-
ändert. Von 1953-1967 hatten die SPD und, in etwas geringerem
Maße, die CDU/CSU positive Jungwählerbilanzen und die FDP deutli-
che Jungwählerdefizite. Von 1969-1980 kam es zu einer deutlichen
Abkehr der Jungwähler von der Union, während die SPD positive bis
sehr positive Jungwähler-Bilanzen erzielen (Höhepunkt: "Willy
wählen"-Wahl 1972 mit 54,7 Prozent) und auch die FDP im sozialde-
mokratischen Sog ihre Negativbilanz der sechziger Jahre korrigie-
ren konnte.
Seither gibt es starke Schwankungen. Die Union erzielte 1980
(Anti-Strauß-Wahl) ein hohes Jungwählerdefizit, das sie 1983 wie-
der etwas ausgleichen konnte, während die SPD 1983 erstmals deut-
liche Jungwähler-Defizite hinnehmen mußte, wovon vor allem die
Grünen profitierten, die von 1980-1983 ihren Anteil unter Jung-
wählern um 9 auf 14 Prozentpunkte steigern konnten. Das bedeutet,
daß die Jungwähler ein Drittel der gesamten Wählerschaft der Grü-
nen ausmachten. Die FDP mußte 1983 aufgrund des "Wendemanövers"
starke Einbußen bei den Jungwählern hinnehmen.
Bei der Bundestagswahl 1987 verfestigte sich der Anteil der Grü-
nen, die SPD konnte ihre 83er Verluste etwas ausgleichen, während
die Union erneut starke Jungwählerdefizite zu verzeichnen hat.
Seit 1969 ist das Jungwählerverhalten im Vergleich zur Gesamtwäh-
lerschaft deutlich nach links verschoben. Und auch 1987 existiert
in der "Krisengeneration" 39) eine "Mehrheit links von CDU/CSU".
Darüber hinaus ist in den Altersgruppen von 25-35 und von 35-45
das "Linkspotential" in den letzten 30 Jahren enorm gewachsen,
wobei in den achtziger Jahren eine Verschiebung zuungunsten der
SPD und zugunsten der Grünen eingetreten ist. Insgesamt verfügen
SPD und Grüne in den Altersgruppen bis 45 Jahre, unter der Kri-
sen-, der Reform- und der APO-Generation, 40) über eine Mehrheit,
während die gegenwärtigen Regierungsparteien die Mehrheit in den
Altersgruppen ab 45 haben, die schon immer kontinuierlich in der
Mehrheit konservativ wählen.
Das Wahlverhalten hat sich erst im Laufe der Geschichte der Bun-
desrepublik deutlich nach Alter differenziert. Während 1953 die
Parteipräferenzen bei allen Altersgruppen nahezu gleichmäßig ver-
teilt waren, unterscheiden sich heutzutage die Altersgruppen er-
heblich. Während z.B. 1953 bei der CDU/CSU der maximale Unter-
schied zwischen den einzelnen Altersgruppen 5,2 Prozentpunkte be-
trug, so waren es 1983 11,3 Prozentpunkte. Am deutlichsten wird
das unterschiedliche Wahlverhalten der Altersgruppen bei den Grü-
nen. Während 13,8 Prozent der Jungwähler den Grünen 1983 ihre
Stimme gaben, taten dies nur 1,2 Prozent der über 60jährigen,
eine Differenz von 12,6 Prozentpunkten.
Der Wandel des Wahlverhaltens vollzieht sich vor allem in den
jüngeren Altersgruppen. Offensichtlich verdichten sich hier alle
Momente der durch die Veränderungen der Sozialstruktur bedingten
Wandlungen in Lebensweise und Lebensorientierung, der konfessio-
nelle Wandel sowie die Veränderungen der Wertorientierungen, Hal-
tungen und Bedürfnisse. 41)
4. Einige Schlußfolgerungen
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Das Wahlverhalten ist in Bewegung geraten. Es ist - bei weiterem
Wirken starker Momente der Stabilität und Kontinuität - gekenn-
zeichnet durch eine größere Flexibilität, die sich ausdrückt in
gewachsener Wechselbereitschaft und der Zunahme von Wahlabsti-
nenz, in abnehmender traditioneller Bindung an die Parteien und
in der "Dekonzentration" der Stimmabgabe.
Worin liegen die Ursachen für die gestiegene Flexibilität? Der
sozialökonomische Wandel der Gesellschaft der Bundesrepublik hat
mit der Veränderung der Zusammensetzung der Erwerbstätigen Wäh-
lerschichten hervorgebracht, deren Wahlverhalten zunehmend weni-
ger von den traditionellen Determinanten des Wahlverhaltens ge-
prägt ist. Die Dominanz der "sozialen Konfliktlinie" ist nach wie
vor unübersehbar, aber sie hat an Gewicht verloren. Die wachsen-
den Schichten der Angestellten und Beamten, der lohnabhängigen
Mittelschichten und der Intelligenz sind die wesentlichen Träger
des Wandels des Wahlverhaltens.
"Nicht nur in der sozialen Struktur, sondern auch in der gesamten
Lebensweise und kulturellen Existenz der Arbeiterklasse vollzie-
hen sich wichtige Änderungen ... Mit höherer Qualifikation, mit
der größeren nervlichen Belastung im Produktionsprozeß, mit den
daraus resultierenden neuen Anforderungen an die Wiederherstel-
lung der Arbeitskraft sowie mit der von der Arbeiterbewegung er-
kämpften Verkürzung der Arbeitszeit entwickeln sich neue kul-
turelle Bedürfnisse, neue Ansprüche der Persönlichkeitsentfal-
tung" 42) sowie neue Wertorientierungen und Freizeitbedürfnisse.
Eine wahlpolitische Folge ist ein Rückgang des Einflusses der
"konfessionellen Scheidelinie" auf das Wahlverhalten und die Her-
ausbildung einer wesentlich komplexeren, widersprüchlicheren De-
termination des Wahlverhaltens, was in der Zunahme der Bedeutung
der "Überlebensfragen" der Menschheit für das Wahlverhalten, in
der "Überlagerung" durch den Generationenwechsel etc. zum Aus-
druck kommt. Der Veränderungsprozeß ist keineswegs eine Entwick-
lung zu einer entpolitisierten "Amerikanisierung" des Wahlverhal-
tens, wie häufig unterstellt wird, 43) sondern ist verbunden mit
einem Prozeß der "Politisierung" der Wählerschaft.
Für die in ihrer wahlpolitischen Orientierung in erster Linie auf
die Interessenvertretung der Arbeiterklasse bezogenen kommunisti-
schen und sozialistischen Kräfte, über deren Wählerpotential man-
gels Daten keine Aussagen gemacht werden konnten, erwachsen
ebenso wie für die fortschrittlichen und demokratischen Kräfte
der Bundesrepublik insgesamt aus dem Wandel des Wahlverhaltens
neue Risiken und Probleme, aber auch neue Chancen und Möglichkei-
ten. Hier sind folgende Gesichtspunkte zu nennen:
1. Am entwickeltsten ist die Flexibilisierung des Wahlverhaltens
zwar in den wachsenden Gruppen der Angestellten und Beamten, der
lohnabhängigen Mittelschichten und der Intelligenz, doch auch in
der Arbeiterschaft sind aufgrund der zunehmenden Flexibilisierung
der Arbeit und der damit verbundenen Veränderungen des Be-
triebsalltags, der Auflösung der "Einheit" von Arbeit, Wohnen und
Freizeit durch das Schwinden geschlossener "Arbeitermilieus" so-
wie durch die Veränderungsprozesse in der persönlichen und poli-
tischen Sozialisation der jungen Menschen (längerer Bildungsweg,
früheres Verlassen der Familienzusammenhänge etc.) Prozesse des
Wandels im Wahlverhalten zu erwarten, die auch die heute wahlpo-
litisch noch stabilen Regionen wie z.B. das Ruhrgebiet in den
nächsten Jahren erfassen werden. Es bedarf des rechtzeitigen Ein-
stellens insbesondere der politischen Kräfte der Arbeiterbewe-
gung, will man in diesen Regionen nicht ähnliche Einbrüche wie in
den großstädtischen "Metropolen" erleben.
2. Die größere Beweglichkeit im Wahlverhalten ist Ausdruck des
Differenzierungsprozesses in der Lebensweise und der Herausbil-
dung neuer, heterogener Milieus. Diese Differenzierung erfordert
wahlpolitisch ein differenzierte-res Angebot der politischen In-
teressenvertretung und die Entfaltung der unterschiedlichsten Zu-
gänge zu einer gemeinsamen politischen Zielsetzung. Dieser Diffe-
renzierungsprozeß geht einher mit einer wachsenden "Durch-
dringung" der Milieus verschiedener Klassen und Schichten, wobei
die stark meinungsprägenden Auffassungen und Haltungen der
lohnabhängigen Mittelschichten und der Intelligenz auch andere
Schichten - bis hin zu relevanten Teilen der Arbeiterklasse - be-
einflussen. Für das wahlpolitische Kräfteverhältnis hat deshalb
der Kampf um Einfluß in diesen Schichten eine wachsende Bedeu-
tung.
3. Ein zentraler - auch das Wahlverhalten beeinflussender - Fak-
tor für die weitere Entwicklung der BRD ist der wissenschaftlich-
technische Fortschritt und die Zunahme des Einsatzes neuer Tech-
nologien. Gerade hier scheint auch wahlpolitisch eine neue
"Bruchstelle" zu liegen, die von wachsender Bedeutung für das ge-
sellschaftliche Kräfteverhältnis ist. Der Kampf der gewerkschaft-
lichen (siehe die entwickelte Angestelltendebatte in der IG Me-
tall) und politischen Organisationen der Arbeiterbewegung um die
Hegemonie in der gesamten Arbeiterklasse und darüber hinaus in
der wachsenden technischen Intelligenz ist damit vor neue Heraus-
forderungen gestellt.
4. Die mit dem sozialen Wandel gewachsene Bedeutung des Reproduk-
tionssektors sowie die objektiv veränderten Problemlagen haben
das Interesse und die Aufmerksamkeit für globale Probleme auch
wahlpolitisch deutlich erhöht. Fragen der Umweltzerstörung und
der Friedenssicherung sind in der Hierarchie der "political is-
sues" inzwischen ganz oben anzusiedeln, auch wenn nach wie vor
die wirtschaftlichen Erwartungen und die sozialen Probleme am
prägendsten für das Wahlverhalten sind. Für die Kräfte "links von
der CDU/CSU" wird es darauf ankommen, ihre Zukunftsvision für die
weitere Entwicklung des Landes noch enger zu verknüpfen mit einer
"globalen Sicht der Dinge".
5. Das nach links verschobene Kräfteverhältnis unter den jungen
Wählern ist keineswegs dauerhaft stabil. Schon seit längerem ver-
suchen konservative "Modernisierer" von Geißler bis Späth "die
Transformation neuer kultureller Orientierungen in Zustimmung zu
entsolidarisierenden, technokratisch-elitären Gesellschaftsent-
würfen. Die reale Individualisierung soll in individualistisches
Bewußtsein umgemünzt und zur Zementierung konservativer Hegemonie
genutzt werden." 44) Seitens der Linkskräfte bedarf es umfassen-
der Anstrengungen zur Verstärkung kollektiver Interessenvertre-
tung gerade unter der Jugend.
Für die Realisierung einer "Mehrheit links von der CDU/CSU" wird
es darauf ankommen, neben der Stabilisierung des Einflusses in
der Arbeiterschaft den Kampf um den Einfluß in den wachsenden
Schichten der Angestellten und Beamten, der lohnabhängigen Mit-
telschichten und der Intelligenz aufzunehmen. Dieser entscheidet
sich zunehmend daran, wer die besseren Konzeptionen zur Bewälti-
gung der neuen Menschheitsprobleme (globale Fragen, wissenschaft-
lich-technische Revolution etc.) hat und diese am überzeugendsten
mit Vorschlägen zur Lösung der wirtschaftlichen und sozialen Pro-
bleme verbinden kann.
_____
1) Zur Entwicklung politischen Verhaltens siehe: Alexander A.
Galkin, Herrschaftselite. Politisches Verhalten. Politische Kul-
tur. Zur politischen Soziologie des heutigen Kapitalismus, hrsg.
vom Institut für Marxistische Studien und Forschungen, Frank-
furt/M. 1986, S. 68 ff.
2) Vgl. Rainer-Olaf Schulze, Wählerverhalten und Parteiensystem
in der Bundesrepublik Deutschland, in: Westeuropas Parteiensy-
steme im Wandel, Stuttgart 1983, S. 9.
3) Galkin, a.a.O., S. 124.
4) Ebd., S. 69.
5) Ursula Feist/Klaus Liepelt, Die Wahl zum Machtwechsel: Neufor-
mierung der Wählerschaft oder Wählerkoalition aus Hoffnung?, in:
Journal für Sozialforschung 3/1983, S. 287.
6) Vgl. Klaus Liepelt, Wahlforschung - Was bewegt den Wähler?,
in: Politische Partizipation, Schriftenreihe der Bundeszentrale
für politische Bildung, Band 220, Bonn 1985, S. 55.
7) Schulze, a.a.O., S. 10.
8) Ebd., S. 17.
9) FORSA-Analysen, Bundestagswahl am 25. Januar 1987: Bewegung im
Parteienspektrum, Dortmund 1987, S. 1.
10) Vgl. Forschungsgruppe Wahlen, Bundestagswahl 1987 - eine Ana-
lyse der Wahl zum 11. Deutschen Bundestag am 25. Januar 1987,
Mannheim 1987, S. 48.
11) Vgl. Peter Radunski, Der Wähler in der Stimmungsdemokratie,
in: SONDE 2/1985, S. 5.
12) Peter Gluchowski, Lebensstile und Wandel der Wählerschaft in
der Bundesrepublik Deutschland, in: Aus Politik und Zeitge-
schichte - Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, B 12/1987, S.
18.
13) Forschungsgruppe Wahlen, a.a.O., S. 9.
14) Radunski, a.a.O., S. 3.
15) Vgl. Ursula Feist/Hubert Krieger, Alte und neue Scheidelinien
des politischen Verhaltens - Eine Analyse zur Bundestagswahl vom
25. Januar 1987, in: Aus Politik und Zeitgeschichte - Beilage zur
Wochenzeitung Das Parlament, B 12/1987, S. 33 ff.
16) Vgl. ebd.
17) Alle Angaben nach: Kurt Steinhaus, Materielle Produktion,
Dienstleistungen und die Arbeiterbewegung, in: Marxistische Blät-
ter, 4/ 1987, S. 61.
18) Vgl. Kaspar Maase, Leben einzeln und frei wie ein Baum und
brüderlich wie ein Wald - Wandel der Arbeiterkultur und Zukunft
der Lebensweise, Köln 1987.
19) FAZ, 2.2.1987, S. 11.
20) Vgl. Feist/Krieger, a.a.O., S. 33 ff.
21) Vgl. Hans Rattinger, Arbeitslosigkeit, Apathie und Protestpo-
tential, in: Max Kaase/Dieter Klingemann (Hrsg.), Wahlen und po-
litisches System - Analysen aus Anlaß der Bundestagswahl 1980,
Opladen 1983, S. 257 ff.; ders., Politisches Verhalten von Ar-
beitslosen, in: Dieter Oberndörfer (Hrsg.), Wirtschaftlicher Wan-
del, religiöser Wandel und Wertwandel. Folgen für das politische
Verhalten in der Bundesrepublik Deutschland, Berlin (West) 1985,
S. 97 ff.; Ursula Feist/Dieter Fröhlich/Hubert Krieger, Die poli-
tischen Einstellungen von Arbeitslosen, in: Aus Politik und Zeit-
geschichte - Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, 45/1984;
Hubert Krieger, Arbeitsmarkt und politische Stabilität, in: Aus
Politik und Zeitgeschichte - Beilage zur Wochenzeitung Das Parla-
ment, 17/1986.
22) Feist/Krieger, a.a.O., S. 46.
23) Noch 1966 waren 44 Prozent der Männer und 32 Prozent der
Frauen der Auffassung, Politik sei "Männersache". 1984 waren "nur
noch" 24 Prozent der Männer und 14 Prozent der Frauen dieser Mei-
nung.
24) Vgl. Joachim Hofmann-Göttig, Emanzipation mit dem Stimmzet-
tel. 70 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland, Bonn 1986, S. 39.
25) Die Literatur zum Thema Wertewandel hat in den letzten Jahren
eine große Konjunktur. Umfassendes Material bieten u.a.: Elisa-
beth Noelle-Neumann/Renate Köcher, Die verletzte Nation - Über
den Versuch der Deutschen, ihren Charakter zu ändern, Stuttgart
1987; Helmut Klages/Willi Herbert, Wertorientierung und Staatsbe-
zug, Frankfurt a.M. 1983; Michael v. Klipstein / Burkhard Strüm-
pel (Hrsg.), Gewandelte Werte - Erstarrte Strukturen. Wie die
Bürger Wirtschaft und Arbeit erleben, Bonn 1985.
26) Johannes Henrich von Heiseler, Wandel des Wertesystems?, in:
Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 5, Frankfurt/M. 1982, S.
77.
27) Vgl. Noelle-Neumann/Köcher, a.a.O., S. 51.
28) Ebd., S. 83.
29) Vgl. Heiseler, a. a. O., S. 77 ff.
30) Vgl. Helmut Klages, Wertorientierungen im Wandel, Frank-
furt/M., New York, S. 19.
31) Vgl. Johannes Henrich von Heiseler, Bestimmungsfaktoren des
Wahlverhaltens, in: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF 4,
Frankfurt/M. 1981, S. 183 f.
32) Vgl. Karl Schmitt, Religiöse Bestimmungsfaktoren des Wahlver-
haltens: Entkonfessionalisierung mit Verspätung, in: Oberndörfer,
a.a.O., S. 191 ff.
33) Vgl. Franz Urban Pappi, Das Wahlverhalten sozialer Gruppen,
in: Hans-Dieter Klingemann, Max Kaase (Hrsg.), Wahlen und politi-
scher Prozeß - Analysen aus Anlaß der Bundestagswahl 1983, Opla-
den 1986, S. 373.
34) Wesentlichster meßbarer Indikator für die Kirchenbindung ist
die Häufigkeit des Kirchgangs. Des weiteren gehört dazu: Überein-
stimmung mit der kirchlichen Glaubenslehre, politische Relevanz
des Glaubens, Bindung an die Kirche und an die Kirchengemeinde
(Schmitt, a.a.O., S. 314).
35) Vgl. Noelle-Neumann/Köcher, a.a.O., S. 178.
36) Oberndörfer, a.a.O., S. 12.
37) Schmitt, a.a.O., S. 321 f.
38) Vgl. Forschungsgruppe Wahlen, a.a.O., S. 16.
39) Ich beziehe mich hier auf die Generationsgruppierung in:
Heinz Jung, Die Arbeiterklasse der 80er Jahre, in: Marxistische
Studien. Jahrbuch des IMSF 6, Frankfurt/M. 1983, S. 63.
40) Vgl. ebd.
41) Vgl. Klaus Dörre, Die neuen Unberechenbaren, in: Demokrati-
sche Erziehung 1/1987, S. 5 ff.
42) Thesen des 8. Parteitags der DKP, in: Protokoll des 8. Par-
teitages der Deutschen Kommunistischen Partei, Neuss 1986, S.
573.
43) Vgl. Radunski, a.a.O., S. 3.
44) Dörre, a.a.O., S. 9.
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