Quelle: Jahrbuch des Inst. für Marxist. Studien und Forschungen 13/1987


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WISSENSCHAFTLICH-TECHNISCHE REVOLUTION UND KRISE DES STAATSMONOPOLISTISCHEN KAPITALISMUS

Tagungsbericht -------------- Ulrich Dolata 1. Neuer Techniktyp und veränderte Reproduktionsbedingungen - 2. Wissenschaftlich-technischer Umbruch und Krise der staatsmonopo- listischen Regulierung - 3. Neue Widersprüche und Konflikte in den Klassenbeziehungen und im staatlich-politischen System Die schnelle Entwicklung der neuen Informations- und Kommunikati- onstechnologien und ihr sukzessives Eindringen in Büro, Verwal- tung und Produktion sind zu einem bestimmenden Merkmal des ökono- mischen und sozialen Strukturwandels geworden. Der wissenschaft- lich-technische Umbruch hat alle Ebenen des ökonomischen Repro- duktionsprozesses erfaßt, entwickelt sich zu einer entscheidenden Triebkraft der internationalen Konkurrenz und bestimmt heute die staatliche Wissenschaftspolitik ebenso wie die Geschäftspolitik der Unternehmen. Er hat damit eine Reihe theoretischer wie auch praktisch-politischer Probleme aufgeworfen, die in marxistischen Diskussionen über Krise, Anpassungsspielräume und Entwick- lungsperspektiven des staatsmonopolistischen Kapitalismus bereits seit geraumer Zeit eine zentrale Rolle spielen. Hierzu zählen etwa die Abschätzung des technologischen Innovationspotentials bzw. -tempos und seiner möglichen Wirkungen auf das Wirtschafts- wachstum und die Beschäftigungsentwicklung, Fragen der ökonomi- schen Regulierung und sozialen Beherrschbarkeit des Umbruchpro- zesses, Untersuchungen über Veränderungen im Qualifikationsprofil und in den Klassenbeziehungen oder Überlegungen zur Notwendigkeit strategischer Neuorientierungen in der Politik der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Mit Blick auf diese Umbruchprozesse und aktuellen Diskussionen fand am 2. und 3. Juni 1987 in Frankfurt/M. eine gemeinsame wis- senschaftliche Konferenz des "Instituts für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Akademie der Wissenschaften der UdSSR" (IMEMO, Moskau), des "Instituts für Internationale Politik und Wirtschaft der DDR" (IPW, Berlin/DDR) und des IMSF zum Thema "Wissenschaftlich-technische Revolution und Krise des staatsmono- polistischen Kapitalismus" statt. Diese Tagung war die vierte ge- meinsam von den genannten Instituten seit 1981 veranstaltete Kon- ferenz zu aktuellen Problemen der Kapitalismusanalyse. Diskutiert wurde in drei Themenblöcken auf der Grundlage von Ma- terialien und Referaten, die jeweils eines der Institute vorbe- reitet hatte; dazu kamen Korreferate seitens der anderen Mitver- anstalter. Folgende Referate lagen der Tagung vor: "Die wissen- schaftlich-technische Revolution und ihre Auswirkungen auf den kapitalistischen Reproduktionsprozeß" (IMEMO); "Die Krise der staatsmonopolistischen Regulierung unter den Bedingungen der ge- genwärtigen Etappe der wissenschaftlich-technischen Revolution" (IPW); "Wissenschaftlich-technische Revolution und staatsmonopo- listischer Kapitalismus der BRD: Aktuelle Widersprüche und Kon- flikte in den Klassenbeziehungen und im staatlich-politischen Sy- stem" (IMSF). Mit diesen Themen sind zugleich die Schwerpunkte der Tagungsdiskussion benannt. Im folgenden kann es nur darum ge- hen, einige wichtigere Diskussionslinien wiederzugeben. Die Mate- rialien der Konferenz werden (wie dies auch für die vorhergehen- den gemeinsamen Tagungen gilt) veröffentlicht. 1) 1. Neuer Techniktyp und veränderte Reproduktionsbedingungen ----------------------------------------------------------- Im Vordergrund der ersten Diskussionsrunde stand die Verständi- gung über wissenschaftlich-technische und ökonomische Grundpro- zesse der aktuellen Umbruchperiode. Referate und Diskussion kon- zentrierten sich auf drei Problemkomplexe: e r s t e n s auf die nähere Bestimmung der stofflichen und ökonomischen Qualitäten des sich herausbildenden neuen Techniktyps, z w e i t e n s auf die Analyse seiner Wirkungen auf den kapitalistischen Reprodukti- ons- und Akkumulationsprozeß und d r i t t e n s auf die Frage nach dem Tempo, der Tiefe und den Perspektiven des Produktiv- kraftumbruchs. Im Mittelpunkt des einleitenden Referats "Die wissenschaftlich- technische Revolution und ihre Auswirkungen auf den kapitalisti- schen Reproduktionsprozeß" von W.N. Schenajew und W.S. Tsirent- schikow (IMEMO) stand das Problem der historischen Einordnung des Umbruchprozesses und seiner Wirkungen auf die ökonomischen Repro- duktionsbedingungen. Sie vertraten die Auffassung, daß bis zum Beginn der siebziger Jahre in Westeuropa ein extensiver Typ öko- nomischer Entwicklung, für den eine hohe Material-, Arbeitsund Energieintensität charakteristisch war, dominierte. Das verhält- nismäßig hohe Wirtschaftswachstum der 50er und 60er Jahre wurde in erster Linie durch die Einbeziehung zusätzlicher Ressourcen der lebendigen und vergegenständlichten Arbeit in den Produkti- onsprozeß erreicht, der überwiegende Teil der Investitionen schlug als Zuwachs von fixem Kapital zu Buche, die Kapitalinten- sität nahm in dieser Zeit stetig zu. Dem entsprach eine Form des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, die sich vornehmlich durch die Weiterentwicklung und Vervollkommnung bereits vorhande- ner Technologien auszeichnete. Die Beschränkungen dieses extensiven Modells ökonomischer Ent- wicklung wurden bereits in den sechziger Jahren spürbar und bra- chen zu Beginn der siebziger Jahre krisenhaft und eruptiv auf: Die Kapitalinvestitionen nahmen im Vergleich zur Profitentwick- lung wesentlich stärker zu, so daß sich die Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung bzw. Stabilisierung der Profitrate erhöh- ten; die Entwicklung der zahlungsfähigen Nachfrage blieb immer deutlicher hinter dem zur erweiterten Kapitalreproduktion notwen- digen Akkumulationstempo zurück; die schlagartige Erhöhung der Energie- und Rohstoffpreise führte vor dem Hintergrund der hohen Material- und Energieintensität der Produktion zu einschneidenden Veränderungen in den stofflichen und wertmäßigen Reproduktions- grundlagen; die Synchronisierung der internationalen Wirtschafts- entwicklung blockierte überdies nun die Möglichkeit einer inter- nationalen Kompensation bzw. Abschwächung nationaler oder regio- naler Krisen. Die Krisenperiode der Jahre 1974/75 und 1980-82 betrachteten Schenajew/Tsirentschikow folgerichtig als Phase des Übergangs zu einem vorwiegend intensiven Produktionstyp - eine Entwicklung, die ihrer Meinung nach in den USA bereits in den fünfziger Jahren einsetzte. Einen zentralen Stellenwert in diesem krisenhaften Um- bruchprozeß wiesen sie der in diesen Jahren einsetzenden zweiten Welle der wissenschaftlich-technischen Revolution, der schnellen und umfassenden Entwicklung der Mikroelektronik, Biotechnologien und neuartiger Werkstoffe, zu. "In dieser Übergangsperiode tritt der wissenschaftlich-technische Fortschritt als wichtigster Kom- pensator einer objektiven Nichtübereinstimmung der extensiven Struktur des Kapitals und seines Reproduktionsprozesses mit den neuen Anforderungen an die ökonomische Entwicklung in Erschei- nung." Die Entwicklung und Verbreitung prinzipiell neuer Techno- logien und die qualitative Erneuerung der Produktionsbasis wird zum bestimmenden Merkmal des neuen ökonomischen Entwicklungstyps. Seit Mitte der achtziger Jahre sei ein dynamischer Umrüstungspro- zeß des Produktionsapparates festzustellen, der bestimmt werde von einer tiefen Erneuerung des Grundkapitals und bedeutenden qualitativen Verbesserungen in seiner materiell-stofflichen Zu- sammensetzung. Im Zuge dieser Umrüstung komme es schließlich auch zu einer Aktivierung des Integrationsprozesses in Westeuropa, der heute insbesondere im Bereich der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit deutliche Fortschritte mache. R. Kowalski (IPW) bezeichnete in seinem Korreferat die aktuelle Umbruchperiode als revolutionären Übergang zu einem neuen Tech- niktyp, dessen zentrale Merkmale die Verbindung des Stoffwechsel- prozesses der Produktion mit den neuen Informations- und Kommuni- kationstechnologien sowie sein arbeits- und kapitalsparender Cha- rakter seien. Er vertrat ähnlich wie Schenajew/Tsirentschikow die Auffassung, daß der alte Techniktyp, den er als elektromechani- sche Automatisierung kennzeichnete, an natürliche, technische und ökonomische Grenzen gestoßen sei, die mit der weiteren Ausprägung des neuen Techniktyps überwunden werden könnten und der intensiv erweiterten Reproduktion qualitativ neue Möglichkeiten eröffne- ten. Kowalski erläuterte diese These am Beispiel der Investitionsent- wicklung, deren Struktur und Effektivität vor dem Hintergrund des Vordringens der neuen Technologien wichtige Veränderungen erfüh- ren: E r s t e n s sinke der Bauanteil an den gesamten Investi- tionen. Z w e i t e n s verschiebe sich die Gebrauchswertstruk- tur der Ausrüstungsinvestitionen mehr und mehr zugunsten der elektronischen Kontroll- und Steuerungselemente, deren Preis-Lei- stungs-Verhält-nis sich rasch verbessere. D r i t t e n s er- höhe sich mit dem verstärkten Einsatz der neuen Technologien die Flexibilität des Anlagekapitals, so daß sich der spezifische In- vestitionsaufwand etwa im Fall eines Modellwechsels vermindere. V i e r t e n s schließlich wirkten unter diesen Bedingungen zu- nehmend auch die Ersatzinvestitionen kapazitätserweiternd. Insge- samt ergebe sich hieraus eine deutliche Tendenz zur Verbilligung des Kapazitätseffekts von Investitionen. Die absehbaren Wirkungen, die sich mit der Ausbreitung des neuen, kapital- und ressourcensparenden Techniktyps auf die Kapitalakku- mulation ergeben, schätzte Kowalski als sehr widersprüchlich ein. Er hielt eine verhältnismäßig schleppende und labile Akkumulati- onsbewegung auch in Zukunft für wahrscheinlich - vor allem auf- grund der weiteren drastischen Verbesserung des Preis-Leistungs- Verhältnisses von Anlageinvestitionen und der auch weiterhin en- gen Anbindung der Investitionsentwicklung an den Wirtschaftszy- klus. Zugleich unterstellte er jedoch einen enormen Akkumulati- onsbedarf im Zuge der Umsetzung alternativer Wirtschaftsstrate- gien und -programme beispielsweise im Umweltschutz, in der sozia- len Infrastruktur oder der Energieversorgung und verwies damit auf den wachsenden Einfluß politischer Faktoren auf die künftige Investitions- und Akkumulationsentwicklung. Im zweiten Korreferat setzte sich J. Huffschmid (Universität Bre- men) mit einigen Thesen der sowjetischen Referenten auseinander. Gegen die Einschätzung, die ökonomische Entwicklung in den USA sei bereits seit Mitte der fünfziger Jahre durch eine intensiv erweiterte Reproduktion im Sinne einer breiten Durchsetzung der neuen Technologien gekennzeichnet, führte er als Einwände u.a. die langfristig niedrigen Wachstumsraten und den ausgesprochen verschwenderischen Umgang mit Energieressourcen an. Er verwies auf gravierende Deformationen des US-amerikanischen Reprodukti- onstyps infolge der ausgeprägten Militarisierung der US-Wirt- schaft. Z w e i t e n s problematisierte Huffschmid die These vom Über- gang zu einem neuen Reproduktionstyp in Westeuropa im Laufe der siebziger Jahre. Er hielt dagegen, daß die schnelle Entwicklung neuer technologischer Potentiale zunächst noch wenig über ihre tatsächliche Nutzung aussage und betonte, daß der Anteil des "alten" Produktionsapparates auch heute noch hoch sei. Er vertrat dementsprechend die These, daß wir noch "am Anfang des Anfangs" bei der Durchsetzung der neuen Technologien stünden und folge- richtig von einer weitreichenden Herausbildung eines neuen Typs ökonomischer Entwicklung bislang noch nicht die Rede sein könne. D r i t t e n s verwies Huffschmid darauf, daß der wissenschaft- lich-technische Fortschritt zwar eine wesentliche Grundlage, nicht jedoch die zentrale Determinante der künftigen ökonomischen Entwicklung sei. Wesentlich hierfür sei vielmehr die konkrete Art der Verfügung und politischen Steuerung des Umbruchprozesses. Er hielt die breite, schnelle Durchsetzung eines neuen Reprodukti- onstyps für unwahrscheinlich und vertrat die Ansicht, daß die Etablierung einer neuen Qualität der ökonomischen Reproduktion nur auf der Grundlage einer deutlichen Aufwertung etatistischer Steuerungsinstrumente denkbar sei. In der Diskussion zu diesem Themenblock, die hier nur begrenzt wiedergegeben werden kann, spielte die Einschätzung des Standes und der Perspektiven des Umbruchprozesses eine zentrale Rolle. J. Priewe (FH Darmstadt) wandte gegen die Referenten aus der UdSSR und der DDR ein, sie überschätzten das Tempo des technolo- gischen Wandels. Auch er charakterisierte das Aufkommen und die Verbreitung der neuen Technologien als schrittweisen Übergang zu einer neuen Stufe der Produktivkraftentwicklung. Priewe betonte jedoch, daß ein qualitativer Bruch, eine revolutionäre Umsetzung des neuen Produktivkrafttyps in der realen ökonomischen Bewegung bislang nicht nachgewiesen werden könne. Er verwies darauf, daß sich im langfristigen Entwicklungstrend der Kapitalproduktivität bislang keine nennenswerten Brüche ausmachen ließen, und erklärte die Restabilisierung der Profitrate im vergangenen Jahrzehnt im wesentlichen aus Umverteilungsprozessen und weniger aus einer Senkung der organischen Kapitalzusammensetzung im Zuge der Ein- führung neuer technologischer Systeme und Anlagen. Schließlich vermerkte er, daß auch die krisenhafte Entwicklung der siebziger Jahre sich seines Erachtens nur marginal aus dem Auslaufen des alten Technik- und Reproduktionstyps erklären ließe. Ausschlagge- bend hierfür sei vielmehr die anhaltende Nachfrageschwäche gewe- sen. Auch Huffschmid warf das Problem der empirischen Belegbarkeit des Umbruchs auf. Ein Trendbruch sei bislang nur im Bereich der Ener- gieintensität festzustellen; bei der langfristigen Entwicklung der Kennziffern Arbeits- und Kapitalproduktivität sowie Kapital- intensität überwiege hingegen auch weiterhin Kontinuität. H. Jung (IMSF) plädierte dafür, den Blick für Umbruch- und Anpas- sungsprozesse gerade dann zu schärfen, wenn sie nicht ohne wei- teres über globale ökonomische Kennziffern empirisch zu erkennen seien. Eine solche enge ökonomische Betrachtung könne der Komple- xität der Umbruchsituation nicht gerecht werden, die sich erst als Verzahnung von neuem Produktivkrafttyp, seinen Akkumulations- wirkungen und neuen Formen der ökonomischen und sozialen Regulie- rung dieses Prozesses wirklich erfassen ließe. Ähnlich argumen- tierte auch L. Maier (IPW), der sich dafür aussprach, den Umbruch im Produktivkraftsystem und neue Entwicklungen im System der staatsmonopolistischen Produktionsverhältnisse als engen Zusam- menhang zu begreifen. J. Judanow verwies auf unterschiedliche Formen und Richtungen des technischen Fortschritts im Sinne von neuen Technologien und Produkten und auf die z.T. gegenläufige Entwicklung in den drei imperialistischen Rivalitätszentren. Ein wesentlicher Aspekt des Umbruchs ist heute auch die rasche Ent- wicklung der Dienstleistungsfunktionen und -sphäre, die z.T. in engem Zusammenhang mit den neuen Technologien steht (M. Kohl, IPW). 2. Wissenschaftlich-technischer Umbruch --------------------------------------- und Krise der staatsmonopolistischen Regulierung ------------------------------------------------ Damit war der Bogen zum zweiten Diskussionskomplex gespannt, in dessen Zentrum die Frage nach den Ursachen und Perspektiven der nunmehr bereits 15jährigen Krisenperiode und die Auseinanderset- zung um Veränderungen und Anpassungsrichtungen im ökonomischen Regulierungsmechanismus standen. H.-J. Höhme (IPW) verwies in seinem einführenden Referat ("Die Krise der staatsmonopolistischen Regulierung unter den Bedingun- gen der gegenwärtigen Etappe der wissenschaftlich-technischen Re- volution") zunächst darauf, daß sich die gegenwärtige Krisenphase nicht monokausal erklären lasse, sondern durch eine Vielfalt kon- kreter Krisen- und Labilitätsprozesse gekennzeichnet sei. Hierzu zählte er vor allem das Auslaufen struktureller, akkumulations- fördernder Sonderfaktoren der Nachkriegszeit, die überzyklisch aufgestaute Überakkumulation, das zyklusübergreifende Realisie- rungsproblem, den zunehmenden Wirkungsverlust der staatlichen Wirtschaftslenkung und die mit der Internationalisierung des Wirtschaftslebens zunehmende Interdependenz nationaler und in- ternationaler Krisenfaktoren, die ökonomischen Belastungen der Hochrüstung sowie das Auslaufen des alten Produktivkraft-und Re- produktionstyps. Kernproblem all dieser Krisenprozesse sei eine akute Verschärfung des Regulierungsproblems im staatsmonopolistischen Kapitalismus. Einerseits verlange die auch nur zeitweilige Lösung bzw. Ab- schwächung der langfristigen Krisenfaktoren nach einer Umwälzung in den stofflichen und wertmäßigen Grundstrukturen des Reproduk- tionsprozesses, nach einer neuartigen qualitativen Gliederung und quantitativen Proportionalität der gesellschaftlichen Gesamtpro- duktion, wenn das Kapital verwertungs- und akkumulationsfähig bleiben soll. Andererseits überfordere dies den Regulierungsme- chanismus, der heute wesentlich durch das weitgehend unkontrol- lierte Agieren der internationalen Konzerne und flankierende wirtschaftspolitische Einflußnahmen imperialistischer Staaten bzw. internationaler Wirtschaftsorganisationen charakterisiert sei. Diese strukturelle Nichtentsprechung habe zu einer umfassen- den Funktionsstörung und Blockierung des Regulierungsmechanismus geführt und sei in eine akute Regulierungskrise gemündet. Ihre wichtigsten Symptome seien eine massive Überakkumulation von Ka- pital und eine zyklisch nicht mehr überwindbare Anhäufung ein- schneidender volkswirtschaftlicher Disproportionen. In Reaktion auf die Entfaltung der Regulierungskrise komme es zu Anpassungen in den staatsmonopolistischen Produktionsverhältnis- sen und Reproduktionsstrukturen und damit zu Veränderungen im ökonomischen Regulierungsmechanismus. Höhme nannte drei Hauptrichtungen, in denen sich dieser Anpassungsprozeß gegenwär- tig entfaltet: e r s t e n s eine Zunahme internationaler Regu- lierungs- und Koordinierungsaktivitäten, z w e i t e n s den Übergang zu einem neuen Typ der Produktivkraftentwicklung, d r i t t e n s die Anpassung des Arbeitskräftepotentials an veränderte Verwertungsbedürfnisse (etwa über die Durchsetzung von Flexibilisierungsstrategien). Insgesamt schätzte er das aktuelle Anpassungsvermögen der staatsmonopolistischen Produktionsverhält- nisse an veränderte Reproduktionserfordernisse als vergleichs- weise gering ein. Die Herausbildung eines konsistenten neuen Re- gulierungstyps sei bisher nicht in Sicht, die Krise der staatsmo- nopolistischen Regulierung sei ein Prozeß, der sich weit in die neunziger Jahre erstrecken dürfte. In seinem Korreferat ging J. Priewe ebenfalls den Ursachen der Krisenentwicklung seit Mitte der siebziger Jahre nach. Im Zentrum seiner Krisenerklärung stand die anhaltende strukturelle Überak- kumulation und Nachfrageschwäche, der seines Erachtens in erster Linie ein Strategiewechsel des Monopolkapitals zugrunde liegt: Der reale Fall der Profitrate sollte spätestens seit der Krise 1974/75 vor allem durch eine einschneidende Umverteilungspolitik zu Lasten der Löhne (und damit zu Lasten der Massenkaufkraft) aufgehalten werden. Parallel dazu wurde - als zweites Element der Kapitalstrategie - die weltmarktorientierte Modernisierung des Kapitalstocks auf der Basis der neuen Technologien forciert - ein Entwicklungstrend, der vor dem Hintergrund des arbeits- und kapi- talsparenden Charakters der neuen Produktions- und Steuerungssy- steme ebenfalls als produktionsbedingte Nachfrageschwäche zu Bu- che schlagen mußte und insgesamt wachstumshemmend gewirkt habe. Gleichwohl sei es den international agierenden Monopolen und Ban- ken in den vergangenen zehn Jahren gelungen, auf der Grundlage dieses neuen Akkumulationstyps mit geringen gesamtwirtschaftli- chen Wachstumsraten eine erstaunlich günstige Kapitalrentabilität wiederherzustellen. Gegen den Begriff der Regulierungskrise wandte Priewe ein, er gehe von einer "objektivistischen Entwicklungslogik" in Richtung einer neuen Phase des Kapitalismus aus und vernachlässige damit die Möglichkeit unterschiedlicher Entwicklungsvarianten und Kri- senüberwindungsstrategien. Insbesondere wandte er sich gegen die These, im Zuge der Regulierungskrise sei es zu einer deutlichen Aufwertung der internationalen Regulierung gekommen. Er warnte vor einer Überschätzung der internationalen Regulierungsintensi- tät und -fähigkeit und fragte, ob nicht auch ein minimal regu- lierter internationaler Kapitalismus, der lediglich zu punktuel- len Feuerwehr-Aktionen in der Lage sei, überlebensfähig sei. W.S. Pankow (IMEMO) ging in seinem Beitrag auf verschiedene Vari- anten staatlicher Regulierung ein und unterschied dabei eine neo- konservative und eine dirigistisch-sozialreformistische Richtung. Er formulierte die These, daß die historische Tendenz einer an- steigenden Bedeutung staatlicher Interventionen in den Reproduk- tionsprozeß mit dem Aufkommen neokonservativer Wirtschaftsdoktri- nen und Deregulierungsmaßnahmen abgebremst worden sei. Insbeson- dere im Bereich der Konjunkturpolitik sei der staatliche Einfluß in den letzten Jahren zurückgenommen worden, während er aller Marktwirtschaftspropaganda zum Trotz im Bereich der selektiven Strukturpolitik und der Förderung von Hochtechnologien auch unter konservativer Ägide an Bedeutung gewonnen habe. Aus der Diskussion sollen hier zwei Probleme hervorgehoben wer- den: z u m e i n e n die Auseinandersetzung um die Internatio- nalisierungsthese und z u m a n d e r e n die Frage nach den Anpassungsleistungen des Regulierungssystems vor dem Hintergrund des wissenschaftlich-technischen Umbruchs. In einem längeren Beitrag faßte L. Maier (IPW) noch einmal die Kerngedanken der These von der Internationalisierung als einer neuen Stufe des staatsmonopolistischen Kapitalismus zusammen. Die Basis für die beschleunigte Entwicklung des Internationalisie- rungsprozesses seit den siebziger Jahren sah er in der Herausbil- dung einer neuen Qualität der internationalen Arbeitsteilung, de- ren Kern er als umfassende intraindustrielle Handelsverflechtung charakterisierte, und in der engen internationalen Produktions- und Kapitalverflechtung, deren zentrale Träger die transnationa- len Konzerne sind. Damit sei die Widerspruchsentfaltung des Kapi- talismus endgültig in internationale Dimensionen hineingewachsen und mache sich als objektiver Zwang zu neuen Formen der interna- tionalen Regulierung geltend. In Reaktion auf diese Widerspruch- sentfaltung und unter dem Druck vielfältiger Krisenprozesse in der kapitalistischen Weltwirtschaft hätten sich, so Maier, in den l e t z t e n Jahren neue internationale Regulierungsansätze - wie etwa ein dichtes Netz internationaler Konsultationen und re- gelmäßige Wirtschaftsgipfeltreffen oder internationale Wirt- schaftsorganisationen mit erweiterten Handlungskompetenzen - her- ausgebildet. Die Sprengkraft für die weitere Entwicklung des in- ternationalen Kapitalismus liege darin, daß diese neuen Formen der zwischenstaatlichen Regulierung deutlich hinter dem erreich- ten Grad der Internationalisierung der privaten Kapitalbewegung zurückblieben. In direkter Anknüpfung unterstrich J. Goldberg (IMSF), daß inten- sive Bemühungen zur Begrenzung internationaler Krisenprozesse und Disproportionen im zwischenstaatlichen Bereich zunähmen und es tatsächlich immer wieder gelänge, in Feuerwehr-Aktionen weltwirt- schaftliche Katastrophen zu vermeiden. Andererseits sei die in- ternationale Abstimmung und Koordinierung jedoch nicht in der Lage, die Ursachen der Krisenprozesse zu beseitigen und in die weltwirtschaftliche Entwicklung gestaltend einzugreifen. Vorherr- schend seien Ad-hoc-Maßnahmen, um akutes Ausbrechen schwelender Krisenherde zu vermeiden. U. Dolata (Universität Bremen) warf die Frage, über welche kon- kreten Regulierungsformen sich der wissenschaftlich-technische Umbruch durchsetze, auf. Er nannte drei zentrale Grundmuster der Regulierung: E r s t e n s privatmonopolistisch dominierte Durchsetzungsformen des wissenschaftlich-technischen Umbruchs etwa in der Automobilindustrie oder im Stahlbereich, die sich in großangelegten Modernisierungs- und Rationalisierungsprogrammen sowie in einer gezielten Diversifikationspolitik in High-Tech-Be- reiche äußerten. Z w e i t e n s Produktivkraftentwicklung in enger Koordination und Abstimmung zwischen privaten Konzernen, Banken und staatlichen Gremien bzw. Unternehmen im Rahmen staats- monopolistischer Komplexe (z.B. in der Informations- und Kommuni- kationstechnik oder in der Luft- und Raumfahrtindustrie). D r i t t e n s wachsende Monopolisierung und staatsmonopolisti- sche Regulierung des Wissenschaftssystems über die Schaffung von Verbundsystemen zwischen Wissenschaft und Produktion, die Konzen- tration von Wissenschaftspotential bei führenden Konzernen und die Zunahme internationaler Forschungskooperationen. Dolata ver- trat die Auffassung, daß das Schwergewicht dieser Regulierungs- formen im privatmonopolistischen Bereich liege, eine internatio- nale staatsmonopolistische Kontrolle und Regulierung des wissen- schaftlich-technischen Umbruchs hingegen nicht in Sicht sei. Abschließend ging H.-J. Höhme auf einige in der Diskussion aufge- tretene Probleme ein. Er entgegnete zunächst auf Priewes Vorwurf einer "objektivistischen Entwicklungslogik", daß es in der Tat objektive Anpassungszwänge des staatsmonopolistischen Regulie- rungssystems gebe. Dies schließe jedoch keine Entwicklungsautoma- tik in eine konkrete Anpassungsrichtung ein, sondern beinhalte durchaus die Möglichkeit unterschiedlicher Entwicklungsvarianten, etwa sozialreaktionär-privatmonopolistischer oder reformistischer Reaktionen auf die Anpassungszwänge. Des weiteren unterstrich Höhme noch einmal die Auffassung, daß sich die deutlichsten Ver- änderungen im Regulierungsmechanismus auch im internationalen Be- reich auf der privatmonopolistischen Ebene vollzogen hätten. Dem internationalen Wirken der Konzerne sei auf der staatlichen bzw. zwischenstaatlichen Ebene auch heute kaum etwas entgegenzusetzen. Dies spräche für die voraussichtlich noch lange Dauer der gegen- wärtigen Regulierungskrise. 3. Neue Widersprüche und Konflikte in den Klassenbeziehungen ------------------------------------------------------------ und im staatlich-politischen System ----------------------------------- Der Frage nach aktuellen Widersprüchen und Konfliktfeldern in den Klassenbeziehungen, Veränderungen in der Struktur der Arbeiter- klasse und neuen politischen Bewegungen und Konstellationen vor dem Hintergrund der Umbruchphase war der abschließende Diskussi- onsblock gewidmet. In den Referaten und Diskussionen spielte ins- besondere das Problem einer strategischen Neuorientierung gewerk- schaftlicher Politik eine wichtige Rolle. In dem zu diesem Themenkomplex vom IMSF vorgelegten Material (Autorengruppe: A. Leisewitz, K. Pickshaus, H. Jung, L. Peter [Universität Bremen], F. Deppe [Universität Marburg]) wurde zunächst im Rahmen einer Bestandsaufnahme darauf verwiesen, daß unter den Bedingungen des wissenschaftlich-technischen Umbruchs und der durch ihn induzierten Strukturveränderungen im gesell- schaftlichen Arbeitsprozeß eine tiefgreifende soziale Umstruktu- rierung und Neuformierung der Arbeiterklasse eingeleitet worden sei. Die Vergesellschaftung der Arbeit habe - trotz vieler An- gleichungsprozesse - nicht zu einer Nivellierung und Verein- heitlichung der sozialen Struktur der Arbeiterklasse geführt. Ihr spezifisches Merkmal sei im Gegenteil eine facettenreiche soziale Differenzierung und Segmentierung, wie sie sich etwa im Aufkommen hochqualifizierter Betriebseliten bei gleichzeitig zunehmender Arbeitszergliederung, Leistungsverdichtung und repetitiver Teil- arbeit für einen wachsenden Teil der Beschäftigten äußere. Im zweiten Teil ging es um aktuelle Kapitalstrategien und Kampf- bedingungen der Gewerkschaften. Als zentraler Bestandteil einer langfristig angelegten Strategie zur intensiveren Nutzung der le- bendigen Arbeit wurde das unternehmerische Konzept der Arbeits- zeitflexibilisierung analysiert. Sein politischer Kern ziele auf die Entsolidarisierung und Spaltung der Belegschaften und damit auf die Schwächung der betrieblichen Interessenvertretung. Als eine weitere zentrale Orientierung des Kapitals wurden die Versu- che, arbeitskampfsichere Betriebe und Bereiche zu schaffen, her- ausgestellt. Überall dort, wo sich aufgrund von technologischen bzw. arbeitsorganisatorischen Entwicklungen die Störanfälligkeit der Produktion erhöht habe, versuchten die Unternehmen im Verein mit der konservativen Bundesregierung, die rechtlichen Rahmenbe- dingungen für Streiks zu verschärfen. Damit würde der Druck auf die Gewerkschaften, Verhandlungskompromissen in Tarifauseinander- setzungen zuzustimmen, enorm verstärkt. Obwohl sich in der gewerkschaftlichen Rationalisierungs- und Technologiepolitik in den vergangenen Jahren weitreichende Verän- derungen vollzogen hätten und es in mehreren Gewerkschaften zu konkreten Aktions- und Handlungsprogrammen auf diesem Gebiet ge- kommen sei, blieben die Handlungspotentiale und -spielräume der betrieblichen Interessenvertretung unter den gegebenen Kräftekon- stellationen sehr begrenzt. Hinzu käme, daß in vielen Gewerk- schaften auch heute noch eine verhältnismäßig bruchlose Akzeptanz der kapitalorientierten Modernisierungspolitik vorherrsche. Der Offensive des Neokonservatismus im politisch-staatlichen und ideologischen Bereich stünden die Gewerkschaften und die Arbei- terbewegung in vielen Ländern bislang ohnmächtig gegenüber. Ob- wohl die konservativen Kräfte den Boden des bisherigen Klassen- kompromisses verlassen hätten, seien sie in der Lage, mit ihrer gesellschaftlichen Programmatik auch in Teilen der Arbeiterklasse Konsens zu mobilisieren. Insgesamt konstatierte die Autorengruppe für die Bundesrepublik nach wie vor eine beachtliche Breite und Stabilität der sozialen und politischen Basis der konservativen Modernisierungs- und Herrschafts Variante. Gleichwohl dürfe die Formierung neuer politischer und sozialer Konfliktfelder nicht übersehen werden. Die Autoren nannten als Beispiele die Massenarbeitslosigkeit und das sich ausbreitende Massenelend, die wachsende Sensibilität für die Probleme der Dritten Welt, den Kampf gegen Hochrüstung und Militarisierung so- wie die Umwelt- und Energieproblematik. Insbesondere die letzten beiden Problemfelder hätten in den vergangenen Jahren neben der Massenarbeitslosigkeit und der Kriegsgefahr zentrale Bedeutung im öffentlichen Bewußtsein bekommen. Sowohl in der Ökologie- als auch in der Energieproblematik reflektiere sich der Charakter des technologischen Umbruchs und der wachsende Drang breiter Bevölke- rungskreise, in politische Entscheidungsprozesse einzugreifen und sie zu demokratisieren. In ihrem Korreferat ging M. Bernien (IPW) auf die charakteristi- schen Merkmale des Umbruchs in der Arbeit und auf seine Auswir- kungen auf die Klassenbeziehungen zwischen Kapital und Gewerk- schaften ein. Den gegenwärtigen Umbruchprozeß in der Arbeit be- zeichnete sie als einen Prozeß, der die prinzipielle Aufhebung der Unterordnung der Arbeitskraft unter das Maschinensystem bein- halte. Integratives Wissen und individuelle Initiativen, Ein- blicke in Systemzusammenhänge und Mitverantwortung der Beleg- schaften, kurzum die Entfaltung der produktiven und kreativen Kräfte der Arbeiterklasse würden zunehmend zu einer objektiven Notwendigkeit der Produktion. Dies stünde jedoch im Widerspruch zur Aufrechterhaltung kapitalistischer Mechanismen der Abhängig- keit und Disziplinierung. Das Kapital wird unter diesen Bedingun- gen, so Bernien, zu einem Kompromiß gezwungen: Autoritäre und konfrontative Züge der Betriebsorganisation müßten in zunehmendem Maße durch konsensuale, auf Mitverantwortung der Belegschaften ausgerichtete Züge ergänzt werden. Dieser Zwang zum Kompromiß, den das Kapital unter den Bedingungen des Umbruchs der Arbeit eingehen müsse, bedeute für die Gewerk- schaften in der ständigen Konfrontation mit der Frage nach dem "konkret Machbaren" zugleich die Chance, vor Ort an der konkreten Gestaltung des technologischen Umbruchs und der Arbeitsorganisa- tion mitzuwirken. Forderungen nach Mitbestimmung schon in der Phase der Planung, Vetorechte der Gewerkschaften bei Einführung neuer Technologien seien unter den gegebenen Machtverhältnissen ebenso wie ihre Absicherung über tarifrechtliche Verträge kaum durchsetzbar. Wichtiger Ausgangspunkt gewerkschaftlicher Politik müßten daher die inneren, sich aus den Verwertungszwängen erge- benden Widersprüche sein (Zwang zur "Aufwertung der lebendigen Arbeit" vs. traditionelle Arbeitsteilung, -organisation und Dis- ziplinierungsmechanismen des Kapitals). Insofern seien - bei deutlicher Betonung des antagonistischen Grundkonflikts zwischen Lohnarbeit und Kapital - doch auch Ansatzpunkte für partielle In- teressenübereinstimmungen zu sehen, die die Gewerkschaften aus- schöpfen könnten. Das zeige sich zum Beispiel auch bei der Flexi- bilisierung der Arbeitsprozesse. Diese Konstellation schließe die Notwendigkeit ein, den Umbruch in der Arbeit nicht in erster Li- nie aus der Sicht der "Rationalisierungsopfer" zu erklären; viel- mehr müsse man sich vor allem jener Seite zuwenden, die die inne- ren Widersprüche vorantreibe, d.h. den Entwicklungsprozessen der Entfaltung kreativer schöpferischer, disponibler und qualifikato- rischer Komponenten der Arbeiterklasse und den sie tragenden Gruppen und Schichten. A. Zimajlo (IMEMO) wies im zweiten Korreferat auf Aspekte hin, die im Referat des IMSF nicht berücksichtigt worden waren. Z u m e i n e n sei dies die zunehmende Militarisierung der Wirt- schaft, die sich nicht nur deformierend auf die Struktur des Ar- beitsmarktes und des gesellschaftlichen Qualifikationspotentials auswirke, sondern überdies mehr und mehr auch neue ökonomische Möglichkeiten zur Lösung sozialer Fragen absorbiere und unter- grabe. Z u m a n d e r e n sei dies die Internationalisierung der Produktion, die unter den Bedingungen des wissenschaftlich- technischen Umbruchs nicht nur zu einer Internationalisierung, sondern auch zu einer Intensivierung der Ausbeutung geführt habe. Die Diskussion zur Vorlage des IMSF bezog sich in starkem Maße auf die Beurteilung aktueller politischer Grundprozesse und Fra- gen der Strategiebestimmung der Arbeiterbewegung im Zusammenhang mit neuem Techniktyp und Umbruch in der Arbeit. H.-H. Angermüller (IPW) warnte vor einer Überschätzung der Stabilität und Dauerhaf- tigkeit der konservativen Herrschaftsvariante. Wichtige Faktoren anhaltender politischer Labilität auch vor dem Hintergrund eines konservativ geprägten Konsensus seien die Unsicherheiten in der kapitalistischen Weltwirtschaft und die nach wie vor große Hete- rogenität in der konservativen Wählerbasis. Eine lebhafte Diskussion entwickelte sich im Zusammenhang mit dem Korreferat von M. Bernien. Dazu sprachen u.a. J. Hund (HWP Ham- burg), U. Schumm-Garling (Universität Dortmund), W. Petschick (Red. "Nachrichten"), F. Deppe, K. Pickshaus, A. Leisewitz und W. Stürmann. Drei zentrale Gedanken dieser Beiträge sollen abschlie- ßend hervorgehoben werden: Z u m e i n e n wurde auf die Frage der Qualifikationsentwick- lung im Zuge der Einführung neuer Technologien eingegangen. Dabei wurde betont, daß sich unter den Bedingungen der kapitalistischen Durchsetzung dieses Prozesses der Sektor im eigentlichen Sinne kreativer Arbeit quantitativ eher einschränke und die Zahl der Niedrigqualifizierten bzw. gänzlich aus dem Produktionsprozeß Ausgeschlossenen zunehme. Dies schloß die Frage nach den Haupt- adressaten eines alternativen Technologie- und Gestaltungskon- zepts ein. Z w e i t e n s wurde zum Flexibilisierungsproblem darauf hinge- wiesen, daß die Flexibilisierungsstrategie des Kapitals im Kern auf eine Erweiterung der Verfügbarkeit der Arbeitskräfte und - etwa über die Ausdehnung nichttariflicher Arbeitsverhältnisse und von Teilzeitarbeiten - auf eine massive Senkung des Wertes der Arbeitskraft hinauslaufe. Natürlich müsse dem ein Flexibilisie- rungsbegriff der Arbeiterbewegung entgegengehalten werden; dieser Flexibilisierungsbegriff sei demjenigen der Unternehmer jedoch diametral entgegengesetzt und böte wenig Spielraum für Klassen- kompromisse und gemeinsame Gestaltungskonzepte. Mit Blick auf das Problem der Kompromißorientierung und -bereit- schaft der Unternehmerverbände und des Monopolkapitals als Ele- ment der Regulierung von Klassenbeziehungen wurde d r i t- t e n s unterstrichen, daß das keynesianische Politikmodell einer Sozialpartnerschaft auf der Grundlage einer starken Gewerkschaftsbewegung aufgegeben worden sei zugunsten eines kon- servativen Modells, in dem starke Gewerkschaften keinen Platz ha- ben. Unter diesen Bedingungen komme es besonders darauf an, auto- nome Handlungsspielräume der Arbeiterbewegung aufrechtzuerhalten und die Durchsetzungsbedingungen gewerkschaftlicher Gegenentwürfe auf den verschiedenen Politikfeldern durch Stärkung klassenorien- tierter Kräfte und Bewegungen zu verbessern. _____ 1) Wissenschaftlich-technische Revolution und Krise des staatsmo- nopolistischen Kapitalismus. Arbeitsmaterialien des IMSF, Frank- furt/M. 1987. An der Tagung nahmen für das IMEMO teil: W.N. Schenajew, Leiter des Zentrums für Westeuropa-Studien des IMEMO; W.S. Pankow, Lei- ter des Sektors für BRD-Forschung; W.S. Tsirentschikow, A. Zima- jlo, J. Judanow; für das IPW: L. Maier, stellv. Direktor des IPW; H.J. Höhme, R. Kowalski, H.-H. Angermüller, M. Bernien, M. Kohl; für das IMSF: H. Jung, F. Deppe, J. Goldberg, J. Huffschmid, A. Leisewitz, K. Pickshaus, J. Priewe. Darüber hinaus war eine Reihe weiterer Experten aus der Bundesrepublik an der Diskussion betei- ligt. zurück